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	<title>Vergangenheit - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>Vergangenheit - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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		<title>RUMMELSDORF 4 &#8211; Der Moment, in dem ein Pilz unheimlich wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 05:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Graf von Rummelsdorf war für mich immer einer dieser wunderbaren Nebenfiguren, die ein ganzes Universum größer machen. Auf der einen Seite ein wenig kauzig, auf der anderen &#8211; auf seine Weise &#8211; ziemlich genial, mit diesem alten frankobelgischen Vertrauen darauf, dass Wissenschaft auch ein Abenteuer sein kann. Und dann kippen Bertrand Escaich und Caroline [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/rummelsdorf-4-der-moment-in-dem-ein-pilz-unheimlich-wird/">RUMMELSDORF 4 – Der Moment, in dem ein Pilz unheimlich wird</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Graf von Rummelsdorf war für mich immer einer dieser wunderbaren Nebenfiguren, die ein ganzes Universum größer machen. Auf der einen Seite ein wenig kauzig, auf der anderen &#8211; auf seine Weise &#8211; ziemlich genial, mit diesem alten frankobelgischen Vertrauen darauf, dass Wissenschaft auch ein Abenteuer sein kann. Und dann kippen Bertrand Escaich und Caroline Roque (Beka) In SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE genau dieses Vertrauen in Zweifel, denn aus dem Pilzforscher wird ein Mann, der vor dem größten Pilz der Moderne gegenüberstehen wird: dem Atompilz.<span id="more-3946"></span></p>
<p>Bereits das Cover ist ein starkes Bild. Es ist sogar so stark, dass Beka und David Etien es nicht auswalzen müssen. Als Leser weiß ich sofort weiß, was auf dem Spiel steht. Der Band erzählt uns seine Geschichte in gewohnt ruhiger Weise, dafür aber mit einem dicken Kloß im Hals. Und das passt sehr gut zu diesem Grafen, der äußerlich noch immer die Haltung wahrt, während er innerlich aber längst nicht mehr so aufrecht steht, wie sein Schnurrbart glauben machen möchte.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3948" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000.jpg" alt="Innenseite 3 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="(max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Zwischen Spirou, Krieg und echter Geschichte</h3>
<p>Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert Graf von Rummelsdorf ist in der Welt von SPIROU UND FANTASIO kein Unbekannter &#8211; im Gegenteil. Er gehört zu jenen Figuren, die unter Franquin ihren festen Platz im großen Spirou-Kosmos bekommen haben. Beka und Etien holen ihn in ihrer eigenen Serie aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht. Sie erzählen von einem jüngeren Grafen, der nicht nur Pilze wie Erfahrungen sammelt und ganz nebenbei Erfindungen baut, sondern der auch mit brennenden Fragen durch prägende Episoden des 20. Jahrhunderts stolpert. Oder besser noch, durch sie hindurch muss.</p>
<p>Schon bei <a title="RUMMELSDORF hilft die ENIGMA-Codes zu knacken" href="https://panelwalker.de/2026/04/rummelsdorf-hilft-die-enigma-codes-zu-knacken/" target="_blank" rel="noopener">RUMMELSDORF ENIGMA</a> hat mich an diesem Kreativteam überzeugt, wie selbstverständlich es historische Stoffe mit klassischem Abenteuer verbindet. Der erste Band führte nach Bletchley Park und zur Entschlüsselung der Enigma-Codes. Das zweite Album griff die Kriegsjahre und medizinisch militärische Abgründe auf. Der dritte sprang in die Nachkriegszeit und zur Forschung rund um die Antibabypille. Der aktuelle Band geht nun wieder einen Schritt zurück nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Princeton_University" target="_blank" rel="nofollow noopener">Princeton</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Los_Alamos_National_Laboratory" target="_blank" rel="nofollow noopener">Los Alamos</a>, also mitten hinein in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Manhattan-Projekt" target="_blank" rel="nofollow noopener">das Manhattan Projekt</a>.</p>
<h3>Der Atompilz</h3>
<p>Historisch ist das ein heikler Ort. In Los Alamos wurde ab 1943 unter Leitung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Oppenheimer" target="_blank" rel="nofollow noopener">Julius Robert Oppenheimer</a> an der Atombombe gearbeitet. Die Angst vor einem deutschen Vorsprung in der Kernforschung trieb das Projekt voran. Gleichzeitig wuchs in den USA das Misstrauen gegenüber linken Wissenschaftlern, kommunistischen Sympathisanten und die Angst vor möglicher Spionage.</p>
<p>Dies war keine bloß Paranoia. Die Sowjetunion versuchte tatsächlich, Informationen aus dem Atomprogramm zu gewinnen. Aber daraus entstand auch ein Klima der Verdächtigung, das viele Biografien nachhaltig beschädigte. Genau in diesen Riss setzt der Comic seinen Grafen. Er ist Wissenschaftler, Europäer, Humanist und plötzlich ein kleines Werkzeug in einer sehr großen Maschine.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3949" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000.jpg" alt="Innenseite 4 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="(max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Misstrauen allerorten</h3>
<p>Die Handlung beginnt nicht mit einer Explosion. Sie beginnt leise. RUMMELSDORF ist in Princeton und steht unter Druck, denn das FBI hat ihn eingespannt. Er soll Kollegen beobachten, politische Neigungen melden und besonders auf kommunistische Umtriebe achten. Für den Grafen fühlt sich das falsch an und das nicht nur ein bisschen. Es nagt an ihm. Er spioniert schlecht, weil sein Gewissen besser funktioniert als sein Auftrag.</p>
<p>Und direkt an dieser Stelle habe ich einen Kritikpunkt. In den bisherigen Bänden war der Graf immer ein aufrechter Kämpfer für das Gute mit funktionierendem, moralischem Kompass. Wie &#8211; um Himmels Willen &#8211; hat das FBI diesen Mann dazu gebracht, für das Bureau zu spionieren? Dies wird einfach nicht deutlich.</p>
<h3>Der Mann, der mit einem Geist Tee trinkt</h3>
<p>Dazu kommt Blair MacKenzie, RUMMELSDORF&#8217;s Freundin und großer Liebe seit Band eins, die unter tragischen Umständen verstorben ist. Hier ist sie nicht einfach nur eine Erinnerung, nicht bloß ein romantischer Nachhall aus den vorherigen Bänden. Sie ist als der Verlust anwesend, der den Grafen immer noch umgibt. Rummelsdorf redet mit ihr, als sei sie noch da. An dieser Stelle beginnt seine Verschrobenheit, die von anderen bereits wahrgenommen wird.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine billige Gespensternummer. Er zeigt Trauer als Alltag, als Gespräch, als zweite Tasse Tee, die aber niemand trinkt. Oder auch als Frage, die nicht aufhört: Warum blickte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orpheus" target="_blank" rel="nofollow noopener">Orpheus in der griechischen Mythologie</a> zurück und konnte seine Eurydike nicht aus dem Totenreich befreien?</p>
<p><a title="Albert Einstein" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein" target="_blank" rel="nofollow noopener">Albert Einstein</a> taucht als ruhender, kluger Pol auf. Er bringt keine Heldengeschichte mit, eher eine Müdigkeit gegenüber der eigenen Zeit. Er ist derjenige, den RUMMELSDORF ausspionieren soll.</p>
<p>Zugleich verschwinden Wissenschaftler aus Princeton. Köpfe werden abgezogen, ohne dass offen gesagt wird, wohin. RUMMELSDORF versteht genug, um beunruhigt zu sein. Und <a title="J. Edgar Hoover" href="https://de.wikipedia.org/wiki/J._Edgar_Hoover" target="_blank" rel="nofollow noopener">J. Edgar Hoover</a> versteht genug, um ihn stärker einzubinden. So landet der Graf dort, wo aus der Theorie in den Köpfen der verschwunden Wissenschaftler endgültig Weltgeschichte werden soll &#8211; in Los Alamos!</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3950" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000.jpg" alt="Innenseite 5 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="(max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Los Alamos und die Hölle mit Zugangsausweis</h3>
<p>In Los Alamos schließlich verändert der Band seinen Rhythmus. Princeton wirkt noch wie ein der ruhige Campus mit Freiheiten. Los Alamos hingegen ist ein Lager aus Baracken, Staub, Wachposten und Geheimnissen. Etien zeichnet diesen Ort nicht als reine Kulisse. Ich spüre die Enge trotz der weiten Landschaft. Der Himmel ist groß, aber die Menschen darunter wirken eingesperrt.</p>
<p>RUMMELSDORF begegnet J. Robert Oppenheimer, aber der Band macht diesen nicht zur Hauptattraktion. Das gefällt mir. Oppenheimer ist wichtig, natürlich, doch die Geschichte interessiert sich stärker für den Blick des Grafen und für <a title="Richard Feynman" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Feynman" target="_blank" rel="nofollow noopener">Richard Feynman</a>.</p>
<p>Feynman bringt Bewegung und eine gewisse Anarchie in die Erzählung. Er ist brillant, verspielt, neugierig, manchmal fast zu lebendig für diesen Ort. Mit ihm kommt ein anderer Ton in die Geschichte. Nicht leichter im Sinn von harmloser, eher im Sinn von heller. Und gerade dadurch werden aber die Schatten dunkler.</p>
<p>Beka nutzten die wissenschaftlichen Erklärungen geschickt. Ich hatte nie das Gefühl, eine Unterrichtslektion zu Atomphysik zu bekommen. Und doch lerne ich viel über Kettenreaktionen, Uran-Anreicherungen oder Berechnungen. Wenn hierüber gesprochen wird, bleibt die Szene in Bewegung. Figuren stehen nicht einfach herum, um Wissen abzuladen. Sie denken, zweifeln, scherzen &#8211; und schweigen. Die Bombe entsteht nicht als abstraktes Objekt. Sie entsteht aus Arbeitstischen, Rechengeräten, Wachsamkeit und müden Gesichtern.</p>
<p>Der Comic verrät genug, um die moralische Richtung klarzumachen. Er muss nicht jeden historischen Schritt dezidiert nacherzählen. Ich weiß als Leser, wohin diese Arbeit führt. Gerade deshalb liegt über vielen Szenen eine beklemmende Vorahnung. Die Figuren sind in ihrer Welt noch vor dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf_Hiroshima_und_Nagasaki" target="_blank" rel="nofollow noopener">06. August 1945</a>, ich lese den Comic danach. Und das Besondere: das Rezensionsexemplar liegt an dem Tag in meinem Briefkasten, an dem ich im <a title="Friedensgedächtnismuseum Hiroshima" href="https://hpmmuseum.jp/?lang=ger" target="_blank" rel="nofollow noopener">Friedensgedächtnismuseum Hiroshima</a> vor den Auswirkungen der ersten Bombe gestanden habe. Diese Nähe tut weh.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3951" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000.jpg" alt="Innenseite 6 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Abenteuer mit Gewissen und sehr schönen Schatten</h3>
<p>RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE ist am stärksten, wenn der Band seine Gegensätze aushält. Er bleibt ein klassisches, frankobelgisches Abenteuer. Ich finde Tempo, pointierte Figuren, Spionage und geheime Anlagen. Zugleich trägt er jedoch eine Trauer in sich, die für diese Reihe inzwischen fast zum inneren Motor geworden ist.</p>
<p>David Etien ist dabei enorm wichtig. Seine Zeichnungen haben diese klare, erzählerische Eleganz, die ich an frankobelgischen Alben liebe. Seine Figuren sind lesbar, seine Räume sauber gebaut. Der Graf muss gar nicht viel sagen. Augen, Schultern, Haltung und Bildausschnitt erzählen genug. Besonders schön finde ich, wie Etien RUMMELSDORF nicht als Karikatur seiner selbst behandelt. Der Schnurrbart bleibt, die Kauzigkeit auch. Doch darunter findet sich ein Mann, der sich selbst kaum noch erträgt.</p>
<p>Die Farben arbeiten unaufdringlich, aber wirksam. Princeton hat kühlere, gedämpfte Töne. Los Alamos bekommt staubige Wärme, die nicht gemütlich wirkt. Wenn das Orange der atomaren Bilder aufblitzt, wirkt es nicht triumphal. Im Gegenteil: es brennt. Das Cover bereitet diesen Eindruck schon vor. Der Graf vor dem atomaren Glühen, die Brille als Spiegel, das Gesicht zur Maske erstarrt. Da ist kein Gewinnerlächeln, da ist ein Blick der versteht, das etwas zu groß geworden ist.</p>
<p>Auch der Seitenrhythmus überzeugt. Etien lässt Gespräche atmen und zieht dann an, wenn Bewegung gebraucht wird. Kleine Panels fangen Blicke und Reaktionen ein. Größere Bilder öffnen die Landschaft oder die historische Wucht. Der Band ist mit 56 Seiten knapp, verdichtet, aber nie hastig.</p>
<h3>Wo es ein wenig knirscht</h3>
<p>Ganz frei von Schwächen ist der Comic nicht. Einige historische Namen rauschen kurz vorbei. Wer mit dem Manhattan Projekt wenig verbindet, wird hier und da eher den Klang großer Geschichte spüren als jede Figur wirklich zu greifen. Auch der Spagat zwischen Abenteuer, Trauerarbeit, Spionage und Wissenschaft ist ehrgeizig. Nicht jede Nebenfigur bekommt den Raum, den sie verdient hätte.</p>
<p>Trotzdem stört mich das weniger, als ich erwartet hätte. Der Band will keine komplette Geschichte der Atombombe erzählen. Er schlägt eine persönliche Bresche durch ein übermächtiges Thema. Dafür ist der persönliche Blick des Grafen genau richtig. Er ist klug genug, um zu verstehen und empfindsam genug, um darunter zu leiden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3952" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000.jpg" alt="Innenseite 7 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Eine Reihe, die erwachsen bleibt</h3>
<p>Im Kontext der RUMMELSDORF-Reihe wirkt dieser vierte Band wie eine düstere Zuspitzung. RUMMELSDORF ENIGMA hatte noch stärker den Reiz eines klugen Spionageabenteuers. DER PATIENT A ging tiefer in die Kriegsverbrechen und Körperpolitik der Weltkriegszeit. EINE HANDVOLL KOHLENSTOFFATOME öffnete den Blick auf Medizin, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Veränderung. Nun steht die Wissenschaft selbst vor Gericht, ohne dass Beka daraus eine simple Anklage machen.</p>
<p>SPIROU PRÄSENTIERT besitzt mit RUMMELSDORF eine Reihe, die ihre Formel gefunden hat. Eine historische Erfindung, ein berühmter Schauplatz und ein Graf, der mehr erlebt, als ihm guttut. Das könnte mechanisch werden, bleibt aber lebendig, weil die emotionale Linie stimmt und die Autoren ihre Leser ernst nehmen.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE ist ein schöner, trauriger und erstaunlich ernster Abenteuercomic. Beka und David Etien verbinden Spirou-Tradition mit Zeitgeschichte, ohne den Charme der Figur zu opfern.</p>
<p>Der Band hat Witz, aber keinen Leichtsinn. Er hat Tempo, aber keine Flucht vor der Moral. Für mich ist das ein weiteres, starkes Kapitel dieser Reihe. Nicht makellos, aber warm, klug und lange nachglühend. Eine ganz klare Empfehlung.</p>
<p>P.S. Und warum Orpheus in der griechischen Mythologie zurückblickte &#8211; ja, auch diese Frage wird letztendlich beantwortet!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3947" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-300x403.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="300" height="403" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-600x805.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000.jpg 745w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4</li>
<li>Beka und David Etien</li>
<li>Softcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-80750-2</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/softcover/spirou-prasentiert-7-rummelsdorf-4/978-3-551-80750-2" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/rummelsdorf-4-der-moment-in-dem-ein-pilz-unheimlich-wird/">RUMMELSDORF 4 – Der Moment, in dem ein Pilz unheimlich wird</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>HELLDORADO &#8211; Gleich am Morgen ist die Hölle da</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/helldorado-gleich-am-morgen-ist-die-hoelle-da/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 05:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerikanisch]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Epsilon Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Ignacio Noé]]></category>
		<category><![CDATA[Jean David Morvan]]></category>
		<category><![CDATA[Miroslav Dragan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei HELLDORADO hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass mich dieser Comic nicht freundlich in seine Welt hineinbitten will. Stattdessen packt er mich am Hemd und zerrt mich geradezu in seine Geschichte. Schon die ersten Seiten machen klar, dass hier nichts beschönigt, kein hübsch poliertes Historienabenteuer abgeliefert und keine bequeme Exotik dargeboten wird. Stattdessen finde [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/helldorado-gleich-am-morgen-ist-die-hoelle-da/">HELLDORADO – Gleich am Morgen ist die Hölle da</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei HELLDORADO hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass mich dieser Comic nicht freundlich in seine Welt hineinbitten will. Stattdessen packt er mich am Hemd und zerrt mich geradezu in seine Geschichte. Schon die ersten Seiten machen klar, dass hier nichts beschönigt, kein hübsch poliertes Historienabenteuer abgeliefert und keine bequeme Exotik dargeboten wird.</p>
<p><span id="more-3418"></span></p>
<p>Stattdessen finde ich Hitze, Dreck, Angst und Blut und erhalte den Eindruck, dass auf dieser Insel jeder Atemzug schon einer zu viel sein kann. Die deutsche Ausgabe erschien bei Epsilon als 144 Seiten starke Hardcover-Gesamtausgabe und bündelt die ursprünglich in Frankreich einzeln veröffentlichten drei Alben zu einem Band. Und wie sich noch zeigt, ist das gut und richtig so!</p>
<p>Was mich beim Lesen sofort gepackt hat, war diese ruppige Direktheit. HELLDORADO macht keine Umwege. Der Comic lässt die Gewalt nicht geschönt aussehen und das Elend nicht edel. Das ist unkonventionell, manchmal auch anstrengend. Aber genau daraus zieht das Buch seine Wucht.</p>
<p>Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, mitten in etwas zu stecken, das längst außer Kontrolle geraten ist. Nicht nur ein Ort, sondern eine ganze Welt, die innerlich verfault noch bevor sie äußerlich zusammenbricht.</p>
<p>Und doch ist dies kein Comic, der nur auf Schock setzt. Zwischen all dem Grauen gibt es Figuren, an denen ich hängen bleibe. Junge Menschen, die keine Heldenposen brauchen, um interessant zu sein. Gerade das hat mich überzeugt.</p>
<p>Dieses Buch erzählt nicht von den &#8222;großen&#8220; Männern, die Geschichte schreiben. Es erzählt von den einfachen, normalen Menschen, die irgendwie durch diese Geschichte hindurch müssen, obwohl sie keiner gefragt hat, ob sie das auch wollen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3426" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712.jpg" alt="Innenseite 04 von HELLDORADO" width="712" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712.jpg 712w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-600x843.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></p>
<h3>Eine erfundene Insel mit sehr realem Schmerz</h3>
<p>Die Insel, auf der die Handlung spielt, ist frei erfunden. Auch das Volk der Syyanas ist keine direkte Darstellung einer historisch existierenden Gemeinschaft. So erhalte ich emotional wenigstens ein bisschen Abstand.</p>
<p>Der Comic gibt sich gar nicht erst als exakte Rekonstruktion für etwas aus. Er nimmt Motive aus der frühen kolonialen Expansion Spaniens, aus der Gewalt gegen indigene Gesellschaften und aus der Geschichte eingeschleppter Krankheiten und verdichtet all das zu einer wahrlich düsteren Erzählung.</p>
<p>Veröffentlicht wurde die Reihe in Frankreich zwischen 2006 und 2009 in drei Bänden. 2011 folgte dort auch die Gesamtausgabe. Die deutsche Ausgabe übernimmt genau dieses Format.</p>
<p>Gerade beim Thema Krankheit steht HELLDORADO auf einem historischen Fundament, das leider sehr belastbar ist. Im Zuge des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Columbian_Exchange" target="_blank" rel="nofollow noopener">Columbian Exchange</a> gelangten nach 1492 Krankheiten aus Europa, Asien und Afrika in die Amerikas. In der Karibik waren die Folgen besonders verheerend.</p>
<p>Bis 1600 brachen die indigenen Bevölkerungen auf den meisten Inseln um mehr als 99 Prozent ein. Das lag nicht nur an den Erregern selbst, sondern auch an Krieg, Vertreibung, Zwängen und der körperlichen sowie seelischen Erschöpfung, die koloniale Gewalt grundsätzlich mit sich bringt.</p>
<p>Dazu kommt der koloniale Apparat, der in solchen Geschichten nie bloß Kulisse ist. Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Encomienda" target="_blank" rel="nofollow noopener">Encomienda System</a> sollte auf dem Papier die Stellung der indigenen Bevölkerung regeln. In der Praxis wurde daraus jedoch oft eine Form von Ausbeutung und Zwang. Genau diese Mischung aus Mission, Herrschaft, Gier und Gewalt liegt auch über diesem Comic.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3432" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743.jpg" alt="Innenseite 07 von HELLDORADO" width="743" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743.jpg 743w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-300x404.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-600x808.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 743px) 100vw, 743px" /></p>
<h3>Drei junge Menschen in einer kaputten Welt</h3>
<p>Der Anfang von HELLDORADO ist brutal, sehr wirkungsvoll und kommt über weite Strecken ohne Worte aus.</p>
<p>Ein indigenes Dorf erwacht in der Ruhe des Morgens, nur um kurz darauf von spanischen Konquistadoren ausgelöscht zu werden. Ja, auch Frauen und Kinder, niemand wird geschont.</p>
<p>Dieser Auftakt hat mich nicht nur wegen seiner Härte gepackt, sondern auch wegen der Konsequenz mit der er den Ton setzt. Das Album macht sofort klar, dass hier jede Form von Ordnung nur eine dünne Firnis ist. Darunter lauern Gewalt, Brigantentum, Panik und blankes Überleben.</p>
<p>Aus den Rändern dieses Gemetzels treten zwei junge Männer hervor, Dathcino und Hutatsu. Später kommt mit dem Mädchen Initsii eine weitere Schlüsselfigur hinzu. Die Zukunft dieser Welt aus Feuer und Blut liegt in den Händen von zwei Jugendlichen und einem Mädchen, die vor allem eines miteinander verbindet: die Krankheit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3433" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736.jpg" alt="Innenseite 17 von HELLDORADO" width="736" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736.jpg 736w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-300x408.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-600x815.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px" /></p>
<h3>Die Seiten der Medaille</h3>
<p>Genau diese narrative Entscheidung gefällt mir. Statt den Blick an Heerführern oder Priestern festzukleben, hält sich das Werk an Figuren, die wenig &#8211; bis gar keine &#8211; Macht haben und deshalb viel erleiden müssen.</p>
<p>Dathcino ist schnell, trotzig und zäh. Hutatsu wirkt vorsichtiger und oft auch verletzlicher. Initsii bringt noch einmal eine andere Perspektive hinein, weil sie zwar aus der Welt der Syyanas kommt und doch nicht einfach in deren starre Ordnung passen will.</p>
<p>Aus diesem Dreieck zieht die Geschichte ihre emotionale Spannung. Ich lese nicht weiter, weil ich wissen will, welcher General gewinnt. Ich lese weiter, weil ich wissen will, ob diese drei durchkommen, ohne innerlich dabei zerstört zu werden.</p>
<p>Spannend ist auch, dass der Comic die Syyanas nicht bloß als makellose Gegenseite zu den Spaniern zeichnet. Natürlich ist die Gewalt der Eroberer klar benannt. Daran lassen die Alben keinen Zweifel. Aber auch innerhalb der indigenen Gesellschaft gibt es Härte, Aberglauben, blutige Rituale und Machtmechanismen, die Menschen zerstören. Hier ist der Band sehr nahe an Mel Gibson&#8217;s Film <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0472043/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_8_nm_0_in_0_q_apocal" target="_blank" rel="nofollow noopener">Apocalypto</a> (ebenfalls von 2006).</p>
<p>Das ist ein riskanter Aspekt, weil Stoffe dieser Art leicht in falsche Gleichmacherei kippen können. Im vorliegenden Fall fand ich die Herangehensweise jedoch meistens überzeugend, weil das Buch nicht verwischt, wer auf diese Insel gekommen ist, um zu herrschen, zu missionieren &#8211; und zu töten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3434" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733.jpg" alt="Innenseite 19 von HELLDORADO" width="733" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733.jpg 733w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-300x409.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-600x819.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 733px) 100vw, 733px" /></p>
<h3>Wenn die Seuche um sich greift</h3>
<p>Im weiteren Verlauf der Handlung spreizt sich die Geschichte weiter auf. Die Wege der drei jungen Figuren trennen sich, kreuzen sich wieder und zeigen dieselben Katastrophen, dann jedoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln.</p>
<p>Dathcino gerät in die Nähe der Spanier und wird dort zu einem Körper, an dem herumprobiert wird. Hutatsu findet zwischen Angst und Opportunismus echten Überlebenswillen. Initsii wiederum wird zum Zentrum einer verzweifelten Suche nach Rettung, die jedoch immer grausamer wird.</p>
<p>Im dritten Band wird ausdrücklich beschrieben, dass die ganze Insel nun von der Krankheit verwüstet ist, Initsii schwer erkrankt, Dathcino als Versuchskörper dient und Hutatsu in die Hände der Eroberer fällt.</p>
<p>Schön ist anders. Mir hat jedoch daran gefallen, dass der Comic nicht nur größer, sondern auch schmutziger wird. Je weiter er voranschreitet, desto deutlicher zeigt er, wie Seuche und Krieg sich gegenseitig füttern. Niemand handelt hier mehr frei. Alle reagieren nur noch. Herrscher greifen zu Grausamkeit, weil sie ihre Macht verlieren. Religiöser Eifer wird zum Deckmantel für Panik. Medizin kippt in Missbrauch. Und inmitten davon versuchen junge Menschen, sich einen Rest ihrer Würde zu bewahren. Das ist manchmal wirklich schwer auszuhalten. Aber es ist erzählerisch stark, weil der Band nie so tut, als ließe sich diese Welt mit einer sauberen Pointe retten.</p>
<p>Ganz frei von Problemen ist das andererseits nicht. Vor allem im letzten Drittel hatte ich ein paarmal den Eindruck, dass einzelne Entwicklungen etwas zu schnell auf eine mögliche, gute Zukunft zulaufen könnten. Als wolle der Band nach all dem Elend doch noch einen schmalen Ausgang offenhalten. Ich verstehe das. Ich mochte sogar, dass er nicht völlig in Finsternis endet.</p>
<p>Nur spürte ich an manchen Stellen, wie sehr sich die Geschichte dafür umsortieren muss. Der Weg dorthin ist ein wenig kürzer, als diese vorher so unerbittlich gebaute Welt eigentlich nahelegt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3429" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717.jpg" alt="Innenseite 22 von HELLDORADO" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717.jpg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717-600x837.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /></p>
<h3>Kein Abenteuer für bequeme Leser</h3>
<p>Genau darin liegt aber auch die Stärke von HELLDORADO. Dieser Comic will gar nicht gemütlich sein. Er nimmt sich Motive aus dem Abenteuercomic, aber nur, um sie bewusst dreckig zu machen: tropische Inseln, Konquistadoren, indigene Krieger, Fieber, Dschungel, Rituale und Kämpfe ums Überleben.</p>
<p>Das könnte in anderen Händen sehr schnell nach bravem Genre-Programm aussehen. Hier fühlt es sich eher wie ein Fiebertraum an, in dem jede romantische Vorstellung vom exotischen Abenteuer sofort verendet.</p>
<p>Ich mochte besonders, dass das Buch die Geschichte von unten erzählt. Es schaut nicht zuerst auf Eroberer als große Täterfiguren und auch nicht auf Könige als repräsentative Opferfiguren. Stattdessen bleibt es nah an körperlichen Erfahrungen: Hunger und Angst, Hitze und Ausschlag, Wunden und Schweiß. Das ist vielleicht der eigentliche Clou dieses Comics. Er denkt Gewalt nicht als abstraktes Thema, sondern als etwas, das in Muskeln, Haut und Schmerzen steckt. Daum liest er sich so unmittelbar.</p>
<p>Zugleich hat das Buch einen eigentümlich warmen Kern. Das klingt vielleicht seltsam bei so einem Stoff, aber ich meine es ernst. Zwischen all der Grausamkeit interessiert es sich für Bindungen, für spontane Loyalität und für die kleinen Gesten, in denen Menschen einander nicht völlig aufgeben. Gerade dadurch kippt der Band nie in bloßen Zynismus. Er ist hart, aber nicht kalt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3435" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722.jpg" alt="Innenseite 28 von HELLDORADO" width="722" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722.jpg 722w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-300x416.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-600x831.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></p>
<h3>In einem Rutsch liest es sich am besten</h3>
<p>Als Gesamtband hat HELLDORADO für mich einen echten Vorteil. Die drei ursprünglichen Alben SANTA MALADRIA, ESPERAR LA MUERTE und TODOS ENFERMOS! erschienen wie bereits erwähnt 2006, 2007 und 2009. 2011 wurden sie als Integral zusammengefasst.</p>

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<p>Für mich gewinnt die Geschichte, wenn ich sie nicht in Einzelportionen konsumieren muss, sondern als langen, unruhigen Fluss. Der erste Teil haut mich um, der zweite verästelt das Geschehen und der dritte zieht die Schlinge zu. In einem Band wirkt das alles geschlossener, drängender und auch emotional schärfer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3428" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698.jpg" alt="Innenseite 29 von HELLDORADO" width="698" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698.jpg 698w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-300x430.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-105x150.jpg 105w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-600x860.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px" /></p>
<h3>Ignacio Noé zeigt keine nette Welt</h3>
<p>Der größte Trumpf dieses Comics ist für mich Ignacio Noé. Ich kannte seine Arbeiten vorher schon, aber hier passt sein Stil besonders gut.</p>
<p>Noé zeichnet &#8211; nein, malt &#8211; Menschen nicht leicht, seine Körper haben Gewicht. Sie stehen nicht wie Figuren auf einer Bühne, sondern wirken, als müssten sie sich durch Luft, Hitze und Dreck hindurch bewegen. Ich spüre die Last der Waffen, den Sog des Schlamms, die Müdigkeit in den Schultern. Das klingt erst einmal nach einem kleinen Detail. Beim Lesen macht es aber enorm viel aus.</p>
<p>Besonders stark ist seine Mimik. Viele Historien-Comics erzählen Emotionen über große Gesten. Noé kann das auch, aber er verlässt sich nicht nur darauf. Ein schiefer Blick, ein verkrampfter Mund, eine zusammengesunkene Haltung reichen oft, damit eine Szene kippt. Dadurch bekommen selbst Figuren, die nicht viel Text haben, ein Eigenleben. Diese Insel ist nicht als Postkarte gezeichnet. Sie ist ein Ort, an dem Menschen sich festkrallen, auf ihr fliehen, auf ihr krank werden &#8211; und sterben.</p>
<p>Auf seiner <a href="https://ignacionoe.com/en/index.php" target="_blank" rel="nofollow noopener">offiziellen Seite</a> beschreibt Noé sich als argentinischen Illustrator und Comiczeichner, der sowohl für Comics als auch für Magazine, Kinderbücher und Literatur gearbeitet hat. Für HELLDORADO ist das wichtig, weil ich hier spüre, wie sicher er zwischen Illustration und Erzählfluss wechseln kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3430" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712.jpg" alt="Innenseite 34 von HELLDORADO" width="712" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712.jpg 712w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-600x843.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></p>
<h3>Farben glühen und faulen zugleich</h3>
<p>Weil Ignacio Noé auch die Farben übernommen hat, wirkt der Band wie aus einem Guss. Und das ist hier wirklich entscheidend. Die Farben machen diese Welt nicht schöner, sondern dichter: viel Ocker, viel Rot, schmutzige Grüntöne, schwere Schatten, fahle Haut, verdunkelte Innenräume. Das alles erzeugt einen Druck, der kaum nachlässt. Man hat beim Lesen fast das Gefühl, die Luft selbst sei krank.</p>
<p>Ich fand besonders stark, wie die Farben zwischen Fieber und Erde pendeln. Nichts wirkt frisch. Selbst dort, wo Pflanzen üppig wachsen und der Schauplatz theoretisch paradiesisch sein könnte, liegt immer schon etwas Fauliges darüber. Das gibt dem Comic seine ganz eigene Temperatur. Er sieht heiß und krank aus. Beides zusammen bleibt bei mir hängen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3431" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703.jpg" alt="Innenseite 36 von HELLDORADO" width="703" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703.jpg 703w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-300x427.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-105x150.jpg 105w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-600x853.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 703px) 100vw, 703px" /></p>
<h3>Zwei Autoren mit Lust am Risiko</h3>
<p>Jean David Morvan, Jahrgang 1969, stammt aus Reims, studierte Kunst am Institut Saint Luc in Brüssel und gehört seit Jahren zu den produktivsten frankobelgischen Szenaristen. Größere Bekanntheit erlangte er unter anderem mit <a href="https://www.carlsen.de/reihe/sillage" target="_blank" rel="nofollow noopener">SILLAGE</a> sowie mit <a href="https://www.carlsen.de/comics/spirou-und-fantasio" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPIROU UND FANTASIO</a>, das er zusammen mit <a href="https://panelwalker.de/tag/jose-luis-munuera/" target="_blank" rel="noopener">José Luis Munuera</a> prägte.</p>
<p>Für HELLDORADO arbeitete er mit Miroslav Dragan zusammen. Hinter diesem Namen steht Michel Dufranne, ein belgischer Autor und Kritiker, der sich gelegentlich hinter diesem Pseudonym verbirgt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HELLDORADO ist kein makelloser Comic. Einige Übergänge im Schlussdrittel hätte ich mir etwas zwingender gewünscht. Auch bekommt nicht jede Figur die Tiefe, die sie verdient hätte.</p>
<p>Aber das ändert wenig daran, dass hier sehr viel gelingt. Vor allem gelingt diesem Band etwas, das ich immer schätze: er bleibt unbequem, ohne eitel zu werden, er ist roh, ohne nur auf Effekthascherei zu setzen. Und er hat Bilder, die nicht romantisierend nach Historie aussehen, sondern nach einer Welt, die gerade vor meinen Augen entgleist.</p>
<p>Ich bewundere diesen Comic nicht, weil er schlau doziert. Ich habe ihn aber gelesen, weil er mich vom ersten Moment reingezogen hat, wegen seiner Hitze, wegen seiner Wucht und wegen seiner drei jungen Figuren, die in all dem Irrsinn ums Überleben kämpfen.</p>
<p>Aus der Beschaulichkeit meines Lesesessels ist HELLDORADO harter Tobak, oh ja! Aber genau deshalb bleibt etwas davon hängen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3436" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-300x413.jpg" alt="Cover von HELLDORADO" width="300" height="413" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-300x413.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-600x825.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727.jpg 727w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>HELLDORADO</li>
<li>Jean David Morvan, Miroslav Dragan und Ignacio Noé</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span data-asw-org-font-size="14">978-3-86693-089-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
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		<title>Ein Rat an alle Gauner &#8211; LEAVE THEM ALONE</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 05:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Chris Regnault]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Seiter]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich lese Western gern, aber nicht dauernd. Ich brauche keine zehn Colts pro Seite, keinen Staub als Selbstzweck und keine Männer in Staubmänteln, die mit zusammengekniffenen Augen so tun, als hätten SIE den Westen erfunden. Umso mehr freut es mich, wenn ein Western nicht zuerst mit Posen derber Männlichkeit daherkommt, sondern mit Menschen. Menschen mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich lese Western gern, aber nicht dauernd. Ich brauche keine zehn Colts pro Seite, keinen Staub als Selbstzweck und keine Männer in Staubmänteln, die mit zusammengekniffenen Augen so tun, als hätten SIE den Westen erfunden. Umso mehr freut es mich, wenn ein Western nicht zuerst mit Posen derber Männlichkeit daherkommt, sondern mit Menschen. Menschen mit müden Händen, mit Angst im Nacken und mit Frauen, die längst verstanden haben, dass sie in dieser Welt keine Zeit für große Worte haben.</p>
<p><span id="more-3999"></span></p>
<p>Genau hier packt mich LEAVE THEM ALONE. Roger Seiter (Szenario) und Chris Regnault (Zeichnungen) erzählen von einer Poststation in Arizona im Jahr 1874. Das klingt erst einmal nach klassischem Western-Setting. Eine abgelegene Relais-Station, Gold, Banditen und ein geheimnisvoller Reiter. Sowie eine Frau auf der Flucht. Doch dieser Band wird dort interessant, wo er stehen bleibt und den Figuren ins wettergegerbte Gesicht schaut.</p>
<p>Nicht der Revolver ist hier die Hauptfigur. Es sind Marian Potter, Elfie, Mattie, Mad Wolf und Lew. Menschen, die nicht auf einen großen Auftritt warten, sondern auf den nächsten Tag. Und dieser nächste Tag kann an einem Ort wie diesem schnell tödlich werden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4001" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710.jpg" alt="Innenseite 05 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Marian hält den Laden zusammen</h3>
<p>Dead Indian Peak ist wahrlich kein Sehnsuchtsort. Es ist eine Station, ein Halt in einer weiten, rauen Landschaft. Marian Potter führt dieses Relais mit einer ernsthaften Ruhe. Sie wirkt nicht hart, weil der Comic ihr Härte anschreibt. Sie wirkt hart, weil sie längst genug gesehen hat. Bei ihr lebt Elfie, ihre Enkelin, die gerade achtzehn geworden ist. Zur Besatzung gehört auch Mad Wolf, ein Navajo, der an dieser Station nicht als exotischer Schmuck herumsteht. Er ist Teil dieses kleinen Alltags. Er hilft, beobachtet, schützt und trägt eigene Wunden mit sich.</p>
<p>Ich mochte diesen Anfang sehr. Roger Seiter kann einfühlsame Geschichten erzählen und erklärt nicht alles tot. Er lässt Marian den Ort bewohnen. Ich sehe, wie sie arbeitet, wie sie auf Menschen reagiert, wie sie Elfie im Blick behält. Diese Frau trägt Fürsorge in sich, aber keine Weichheit, die ihr gefährlich werden könnte. Sie ist keine Westernmutter aus dem Bilderbuch. Sie kann freundlich sein, aber auch misstrauisch. Beides gehört zusammen.</p>
<h3>Elfie ist der Gegenpol</h3>
<p>Elfie bringt eine andere Energie in den Band. Sie ist jung, wach und viel zu vertraut mit Gefahr. Bei ihr spüre ich diesen Trotz, der auch der Isolation in dieser Umgebung geschuldet ist und erst einmal nach Mut aussieht, darunter aber vielleicht doch auch Angst versteckt.</p>
<p>Der Comic macht aus ihr keine kleine Rebellin für den schnellen Effekt. Elfie möchte mehr können, als ihr zugetraut wird. Sie möchte helfen, schießen, jagen &#8211; und ja, sie möchte bestehen. Gerade neben Marian bekommt das Gewicht. Hier steht nicht Jugend gegen Alter. Hier stehen zwei Frauen nebeneinander, die einander lieben und sich trotzdem reiben.</p>
<p>Dann kommen die Störungen. Eine verzweifelte Frau nähert sich der Station. Ein Reiter taucht auf. Eine Bande von Halsabschneidern rückt näher. Und irgendwo im Hintergrund zieht eine Kiste Gold ihre giftige Spur durch diese Geschichte. Aus einem kargen, fast friedlichen Ort wird ein Raum, in dem jede Ankunft etwas verändern kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4002" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710.jpg" alt="Innenseite 06 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Mattie bringt die Angst mit</h3>
<p>Mattie ist die Figur, die den Band endgültig aus der Ruhe bringt. Sie kommt nicht als schöne Fremde, die das Abenteuer anstößt. Sie kommt als Frau, die fliehen muss. Ihre Vergangenheit klebt an ihr. Flagstaff, der Saloon, die Männer, die ihren Körper und ihre Angst für selbstverständlich halten. All das reist mit ihr. Der Band lässt keinen Zweifel daran, wie grausam diese Welt vor allem für Frauen sein kann. Er suhlt sich aber nicht darin. Das ist ein wichtiger Unterschied.</p>
<p>Lew, der geheimnisvolle Reiter, begegnet Mattie zunächst wie eine Figur aus einem alten Westernfilm. Schweigsam, dunkel, gefährlich. Ja, diese Sorte Mann kenne ich aus dem Genre. Normalerweise werde ich da schnell skeptisch. Hier funktioniert Lew besser, weil er nicht alles an sich zieht. Er bleibt wichtig, aber er verdrängt Mattie nicht. Seine Gegenwart öffnet eher weitere Fragen. Wer ist er? Weshalb hilft er? Was verbindet ihn mit der Gewalt, die schon unterwegs ist?</p>
<h3>Die Gauner</h3>
<p>Burt Bell und seine Männer bilden den Gegenpol. Sie sind keine komplizierten Seelen, die ich lange verstehen müsste. Sie sind eine Bedrohung, die Körper hat, Stimmen, Waffen und Lust an Macht. Das ist weder feinsinnig, noch subtil. Doch für diese Geschichte reicht es oft, weil der Blick nicht dauerhaft bei ihnen bleibt. Er bleibt bei denen, die überleben müssen.</p>
<p>In der zweiten Hälfte zieht der Comic die Figuren enger zusammen. Marian, Elfie und Mattie werden nicht automatisch zu einer Gemeinschaft. Dafür ist zu viel Misstrauen im Raum. Aber sie stehen plötzlich auf derselben Seite einer Tür. Draußen lauern Männer, die nehmen wollen. Drinnen sitzen Frauen, die einander kaum kennen und doch begreifen, dass sie ohne die Anderen keine Chance haben. Genau daraus zieht der Band seine Spannung. Nicht aus der Frage, wer am besten schießt. Sondern aus der Frage, wer in der Panik nicht zuerst nur an sich denkt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4003" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710.jpg" alt="Innenseite 07 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Arizona ohne Sonntagskleidung</h3>
<p>Der historische Hintergrund ist hier kein Zierrat. Er erklärt, weshalb diese Figuren so allein wirken. Arizona war 1874 noch Territorium der Vereinigten Staaten. Der entsprechende Act wurde 1863 unter Abraham Lincoln unterzeichnet, Bundesstaat wurde Arizona erst 1912. Zwischen diesen Daten liegt eine lange Zeit, in der Verwaltung, Recht und tatsächliche Sicherheit nicht dasselbe waren. Damit spielt die Geschichte etwa in der gleichen Zeit wie <a title="Ein Mann geht seinen Weg BIS ZUM BITTEREN ENDE" href="https://panelwalker.de/2026/02/ein-mann-geht-seinen-weg-bis-zum-bitteren-ende/" target="_blank" rel="noopener">BIS ZUM BITTEREN ENDE</a>, aber in einer anderen Gegend und unter anderen Rahmenbedingungen.</p>
<p>Für einen Western ist das Gold im Gepäck natürlich ein vertrauter Köder. Trotzdem hat es einen realen Kern. Wells Fargo ließ 1885 einen Bericht über Überfälle auf Geldtransporte erstellen. Darin wurden 347 Überfälle und versuchte Überfälle auf Schatzsendungen zwischen 1870 und 1884 erfasst, die per Postkutsche und Zug unterwegs waren. Wer also beim Lesen denkt, das sei doch alles ein bisschen viel mit Räubern, Kisten und überforderten Autoritäten, liegt nur halb richtig. Diese Welt war nicht nur Mythos. Sie war auch Logistik, Risiko und sehr viel Geld auf sehr unsicheren Wegen.</p>
<p>Mad Wolf gibt dem Band noch eine andere Schicht. Die Navajo konnten nach dem Vertrag von 1868 in Teile ihrer Heimat zurückkehren. Der Vertrag steht bis heute für Überleben, Rückkehr und Selbstbehauptung nach Vertreibung. Deshalb lese ich Mad Wolf nicht einfach nur als hilfreichen Mann am Rand, der er natürlich auch ist. Seine stille Gegenwart verschiebt den Boden unter dem Western. Dieser Westen gehört nicht nur denen, die mit Pferden, Banken und Gewehren kommen. Er ist auch ein verletzter Ort. Der Comic erzählt das nicht breit aus. Doch Regnault zeichnet Mad Wolf mit genügend Würde und Ruhe, dass dieser Gedanke mitschwingt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4004" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710.jpg" alt="Innenseite 08 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Drei Frauen, keine Heiligen</h3>
<p>Was LEAVE THEM ALONE besonders macht, ist für mich weniger die Handlung als die Art, wie diese Handlung an den Figuren zieht. Marian, Elfie und Mattie könnten leicht zu klaren Rollen werden: die Alte, die Junge, die Gefallene.</p>
<p>Zum Glück bleibt der Comic nicht dabei stehen. Marian ist nicht nur weise. Sie ist auch streng, müde, gelegentlich ungerecht aus Sorge. Elfie ist nicht nur mutig. Sie ist ungeduldig und will zu schnell beweisen, dass sie dazugehört. Mattie ist nicht nur Opfer. Sie hat Angst, ja. Aber sie hat auch Witz, Willen und einen sehr genauen Blick für die Abgründe der Männerwelt.</p>
<p>Ich glaube, deshalb hat mich der Band stärker erwischt, als ich erwartet hatte. Ich musste nicht plötzlich großer Westernfan werden, nur diesen Frauen glauben. Und das tue ich. Der Comic gibt ihnen keine modernen Reden in den Mund. Er lässt sie handeln. Sie kochen, fluchen, zielen, pflegen, lügen vielleicht auch einmal aus Schutz. Sie müssen Entscheidungen treffen, die kein Mensch gern treffen möchte.</p>
<p>Die Schwäche liegt dort, wo der Band die Gegenseite etwas zu glatt bösartig zeichnet. Burt Bell und seine Leute sind wirksame Gefahr, aber selten mehr als Gefahr. Ich hätte gern einen Moment gehabt, in dem diese Männer durch Nähe interessanter würden. So bleiben sie vor allem Druck von außen. Allerdings passt das zur inneren Architektur des Comics. Diese Geschichte gehört nicht den Tätern, sondern den Bedrohten.</p>
<p>Sehr schön ist, dass Seiter den Zusammenhalt nicht romantisiert. Diese Figuren vertrauen einander nicht, weil das für eine gute Moral hübsch wäre. Sie vertrauen einander stückweise, weil jede andere Möglichkeit noch gefährlicher wäre. Das gibt dem Band eine bodenständige Wärme. Nicht die große Rede rettet hier Menschen, eher ein rechtzeitiger Blick, eine geladene Winchester oder eine Hand, die nicht loslässt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4005" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710.jpg" alt="Innenseite 09 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Chris Regnault sieht Menschen vor Landschaft &#8230;</h3>
<p>Chris Regnault zeichnet den Westen groß, aber nicht leer. Das ist mir wichtig. Viele Westernbilder verlieben sich so sehr in Weite, Berge und Sonnenuntergänge, dass die Figuren darin wie kleine Spielfiguren wirken. Regnault kann die Weite zeigen. Er kann Staub, Felsen, Kutschen, Pferde und Holzbauten überzeugend auf die Seite setzen. Doch sein eigentlicher Zugriff liegt in den Gesichtern.</p>
<p>Marian sieht bei ihm nicht einfach alt aus. Sie wirkt vom Leben benutzt. Falten, Augen, Haltung, alles erzählt von viel Arbeit. Elfie bekommt einen wachen, unruhigen Körper. Sie steht selten nur dekorativ herum. Ihr Blick springt, ihre Bewegungen haben etwas Vorwärtsdrängendes. Mattie wiederum trägt eine andere Art Erschöpfung in den Bildern. Bei ihr liegt der Schmerz nicht nur in dramatischen Momenten. Er sitzt in Schultern, Blicken, kleinen Pausen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4006" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710.jpg" alt="Innenseite 10 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>&#8230; und Landschaft mit Menschen</h3>
<p>Mad Wolf profitiert besonders von Regnault&#8217;s Zurückhaltung. Er wird nicht mit großer Zeichenfanfare eingeführt. Regnault lässt ihn stehen, schauen, reagieren. Dadurch bekommt diese Figur eine Präsenz, die stärker ist als jede Erklärung. Lew dagegen ist bewusst näher am Mythos gebaut. Hut, Schatten, kontrollierte Bewegung. Aber auch ihn erdet Regnault durch Momente, in denen seine Pose Risse zeigt.</p>
<p>Die Seiten sind klar gesetzt. Ich hatte nie das Gefühl, mich durch Action kämpfen zu müssen. Das Auge findet den Weg. Nahaufnahmen bremsen das Tempo, weite Panels lassen die Gefahr heranrollen. Regnault&#8217;s Farben bleiben warm, trocken, oft staubig. Gelb, Braun, Rot und ausgeblichene Himmel legen sich über die Seiten wie Hitze. Wenn Blut ins Bild kommt, wirkt es nicht elegant. Es stört. Genau so soll es sein.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich den Wechsel zwischen Alltag und Angriff. Die Station wirkt erst wie ein normaler Ort. Später wird sie zu einem Körper, der verteidigt werden muss. Türen, Fenster, Ecken, Sichtachsen. Regnault macht daraus keine technische Fingerübung. Er macht daraus Angst, die ich räumlich verstehe, da aus jedem Winkel Gefahr drohen kann. Das ist starkes Erzählen mit Bildern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4007" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710.jpg" alt="Innenseite 11 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Zwei Steckbriefe</h3>
<p>Roger Seiter wurde 1955 in Straßburg geboren und ist von Hause aus Historiker. Bevor er sich als Szenarist einen Namen machte, arbeitete er als Conseiller principal d’éducation, also im französischen Schuldienst. Seine Comiclaufbahn begann 1989 mit APRÈS UN SI LONG HIVER, gezeichnet von Johannes Roussel. Seitdem hat Seiter ein erstaunlich breites Werk aufgebaut, mit historischen Stoffen, Abenteuercomics, Krimis, Literaturadaptionen und Serienarbeiten. Zu seinen bekannteren Arbeiten gehören FOG, H.M.S., SPECIAL BRANCH sowie mehrere Alben aus den klassischen Reihen LEFRANC und ALIX.</p>
<p>Auffällig ist dabei sein verlässliches Gespür für historische Schauplätze und sauber gebaute Spannungsstoffe. Seiter schreibt selten laut, eher handwerklich präzise. Er interessiert sich für Figuren, die in Drucksituationen geraten, für moralische Grauzonen und für Geschichte als lebendige Bühne. Inzwischen steht er hinter mehr als 120 Comic-Alben, die bei zahlreichen Verlagen erschienen sind.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4008" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710.jpg" alt="Innenseite 12 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<p>Chris Regnault &#8211; auch Christophe Regnault &#8211; wurde 1982 in Frankreich geboren und arbeitet als Zeichner, Kolorist, Autor und Storyboarder. Nach einer klassischen Zeichenausbildung in Lyon illustrierte er unter anderem für Rollenspiele, pädagogische Comicprojekte und Magazine aus dem Videospielbereich. Zu seinen Arbeiten zählen HISTORISCHE PERSÖNLICHKEITEN: <a href="https://www.splitter-verlag.de/churchill-graphic-novel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">CHURCHILL</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/elisabeth-I-historische-persoenlichkeiten.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ELISABETH I</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/stalin-graphic-novel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">STALIN</a> sowie die Comicadaption von <a href="https://www.splitter-verlag.de/h-g-wells-der-unsichtbare-1.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">H.G. WELLS &#8211; DER UNSICHTBARE</a>.</p>
<p>Regnault arbeitete außerdem an Storyboards zu historischen Comicprojekten und zeichnete zahlreiche Cover. Mit <a href="https://www.splitter-verlag.de/wahre-geschichte-des-wilden-westens-jesse-james.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">JESSE JAMES</a> war er bereits deutlich im Western zuhause. Für LEAVE THEM ALONE bringt er diese Erfahrung sichtbar ein. Sein Blick für historische Schauplätze verbindet sich mit einem sehr lesbaren, körpernahen Stil, der Figuren nicht nur zeigt, sondern spielen lässt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4009" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710.jpg" alt="Innenseite 13 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>LEAVE THEM ALONE ist ein harter Western, der mich mit seinem Cover angezogen und mit seinem Inhalt überzeugt hat. Er hat mich über Marian, Elfie und Mattie bekommen. Über drei Frauen, die nicht auf Rettung warten können, über Mad Wolf, der viel sagt, auch wenn er dazu wenig Worte braucht und über Lew, der aus einem bekannten Typus kommt und trotzdem genug im Schatten behält. Und über eine Poststation, die erst Zuflucht ist und dann zur letzten Linie wird.</p>
<p>Mit LEAVE THEM ALONE sind vor allem die Frauen des Albums gemeint. Der Western spielt in einem gesetzlosen amerikanischen Westen, in dem Reisende, Migranten und besonders Frauen leichte Beute für Banditen, Plünderer und Gewaltmenschen sind. Der Titel ist also weniger eine höfliche Bitte als eine Warnung. So etwas wie: &#8222;Lasst diese Frauen in Ruhe – oder tragt die Folgen.&#8220; Darin steckt der klassische Western-Satz vor dem Showdown. Nur wird er hier verschoben: Nicht der große männliche Retter steht im Zentrum, sondern die Frage, was Frauen in einer Welt tun müssen, in der Recht, Schutz und Anstand gerade nicht verlässlich vorhanden sind.</p>
<p>Der Band ist hart in dem, was und wie er es erzählt. Gelegentlich ist er auch grob in der Zeichnung seiner Schurken. Doch sein Herz schlägt an der richtigen Stelle. Roger Seiter erzählt sauber und mit Gefühl für Druck. Chris Regnault gibt den Figuren Gewicht, Blick und Staub auf der Haut. Für mich ist das ein Western für Leserinnen und Leser, die nicht zwingend Western suchen, sondern gute Figuren in einer schlechten Welt. Genau davon hat dieser Comic erfreulich viel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4000" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-300x423.jpg" alt="Cover von LEAVE THEM ALONE" width="300" height="423" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-600x845.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710.jpg 710w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>LEAVE THEM ALONE</li>
<li>Roger Seiter und Chris Regnault</li>
<li>Hardcover | 160 Seiten | Farbe | Bookformat</li>
<li>ISBN 978-3-96792-139-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/leave-them-alone.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
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		<title>MALCOLM MAX 6 &#8211; DER KANNIBALE VON LONDON geht um</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 05:00:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe diese Reihe, obwohl ich mich im Normalfall für Horror-Stoffe gar nicht begeistern kann. Aber MALCOLM MAX 6: DER KANNIBALE VON LONDON hat mich wieder zuverlässig abgeholt. Peter Mennigen und Ingo Römling liefern in dieser Erzählung keinen Blutrausch um des Effekts willen. Ich erhalte stattdessen eine viktorianischen Abenteuernarration, die sich mit sichtbarer Lust an [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/malcolm-max-6-der-kannibale-von-london-geht-um/">MALCOLM MAX 6 – DER KANNIBALE VON LONDON geht um</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe diese Reihe, obwohl ich mich im Normalfall für Horror-Stoffe gar nicht begeistern kann. Aber MALCOLM MAX 6: DER KANNIBALE VON LONDON hat mich wieder zuverlässig abgeholt.</p>
<p>Peter Mennigen und Ingo Römling liefern in dieser Erzählung keinen Blutrausch um des Effekts willen. Ich erhalte stattdessen eine viktorianischen Abenteuernarration, die sich mit sichtbarer Lust an Schauer, Krimi, Steampunk, Weltuntergangsflirt und sehr trockenen Humor durch ihre 64-seitige Geschichte hindurch laviert. Hierbei handelt es sich um den inzwischen sechsten Band der laufenden, sehr erfolgreichen Serie. Und &#8211; er endet mit einem fetten Cliffhanger. Der Folgeband <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-7.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">AM ENDE DER ZEIT</a> ist beim Splitter Verlag nun &#8211; endlich! &#8211; für September 2026 angekündigt.</p>
<p><span id="more-3704"></span></p>
<p>Was ich an dieser Serie so mag, zeigt sich auch in diesem Werk wieder. Malcolm Max ist kein grummeliger Dämonenschlächter, der mit finsterem Gesicht durch die Seiten stapft. Er ist elegant, spöttisch, kontrolliert und oft genau dann am besten, wenn sich alles außerhalb seiner Kontrolle abspielt.</p>
<p>Seine Partnerin, Charisma Myskina, ist für mich dabei längst das emotionale Zentrum der Reihe. Halbvampirin hin oder her, ihre Mischung aus Direktheit, Stolz, Fremdheit und verletzlicher Neugier trägt diese Geschichten mindestens genauso stark wie Malcolm&#8217;s Gehabe als Gentleman mit Nerven aus Stahl.</p>
<p>Das Ganze spielt im London der späten viktorianischen Epoche. Also in einer Welt, die nach außen zwar voller Normen und Regeln aussieht, innerlich jedoch bereits vor sich hin fault. Genau an diesem Ort und zu dieser Zeit fühlt sich diese Serie seit Jahren am wohlsten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3706" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713.jpg" alt="Innenseite 03 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>London aus Nebel, Armut und Zukunftseuphorie</h3>
<p>Bevor ich zur Handlung komme, lohnt sich ein kurzer Blick auf den Hintergrund, vor dem diese Serie läuft. Zunächst einmal: Malcolm Max begann nicht als Comic, sondern als Hörspiel. Peter Mennigen entwickelte die Figur 2008 im Umfeld einer geplanten <a href="https://www.comic.de/2019/01/die-entstehung-von-malcolm-max-teil-1-oder-die-drei-leben-eines-viktorianischen-helden/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wiederbelebung von GESPENSTER GESCHICHTEN</a>. Erst später wurde daraus diese Comicreihe beim Splitter Verlag.</p>
<p>Für die Chronologie ist das wichtig, denn die frühen Hörspiele erzählen die Vorgeschichten, während der erste Comic zeitlich danach einsetzt. Das erklärt auch, warum die Welt dieser Serie oft so wirkt, als läge schon ein ganzes Leben hinter ihren Figuren.</p>
<p>Noch spannender ist für mich aber der Schauplatz. Der Band führt tief ins <a href="https://www.google.de/maps/place/East+London,+Vereinigtes+K%C3%B6nigreich/@51.6258414,0.0869074,10.29z/data=!4m10!1m2!2m1!1sLondon+East+End!3m6!1s0x47d8a689a0c6d81d:0x869c417ae78b7e4!8m2!3d51.55633!4d0.0655092!15sCg9Mb25kb24gRWFzdCBFbmSSAQ9jb2xsb3F1aWFsX2FyZWHgAQA!16zL20vMDUwdzZk?entry=ttu&amp;g_ep=EgoyMDI2MDQwNS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D" target="_blank" rel="nofollow noopener">East End</a> und damit in jenen Teil Londons, der im späten 19. Jahrhundert wie ein Gegenbild zur imperialen Selbstverherrlichung wirkte. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Booth" target="_blank" rel="nofollow noopener">Charles Booth&#8217;s</a> <a href="https://www.londonmuseum.org.uk/collections/v/object-541823/descriptive-map-of-london-poverty/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Londoner Armutskarte</a> markierte Spitalfields und Whitechapel 1889 bis 1891 großflächig in Schwarz und Blau. Also als Gegenden mit besonders hoher Armut.</p>
<p>Gleichzeitig hängt dort noch der Schatten von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jack_the_Ripper" target="_blank" rel="nofollow noopener">JACK THE RIPPER</a> in der Luft. Die Morde in Whitechapel von 1888 wurden zum Dauertrauma der Stadt und fraßen sich tief in die Popkultur hinein. Genau diese Mischung aus Elend, Angst und öffentlicher Obsession zapfen das Hörbuch und später auch der Comic sehr gezielt an.</p>
<p>Dazu kommt ein dritter Punkt, der für MALCOLM MAX: DER KANNIBALE VON LONDON fast ideal ist. London war damals eben nicht nur düster, sondern auch im wörtlichen Sinn elektrisiert. In den 1860er Jahren wuchs das <a href="https://www.thelondonarchives.org/blog/spiritualism-and-the-victorian-city" target="_blank" rel="nofollow noopener">Interesse an Séancen und modernem Spiritualismus</a>. 1879 bekam der Lesesaal des British Museum elektrische Lampen und 1882 ging am Holborn Viaduct eine frühe öffentliche Stromversorgung in Betrieb.</p>
<p>Diese Stadt glaubte also gleichzeitig an &#8222;Geisterklopfen&#8220; und an technische Erlösung. Ich finde, kaum ein deutscher Genre-Comic nutzt diese Spannung zwischen Okkultismus und Fortschrittsrausch so stimmig aus wie diese Reihe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3707" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713.jpg" alt="Innenseite 04 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwei Ermittler wie ein altes Ehepaar</h3>
<p>Im Zentrum dieses Bandes stehen &#8211; natürlich &#8211; wieder Malcolm Max und Charisma Myskina. Er ist der stilbewusste Spezialist für paranormale Fälle, sie die Halbvampirin an seiner Seite, gefährlich, scharfzüngig und deutlich weniger bereit, höflich um die Dinge herumzureden.</p>
<p>Dazu kommen die Schwestern Emmeline und Miranda Finch, die in dieser Welt längst mehr sind als putzige Nebenfiguren. Sie bringen Witz, Tempo und ein sehr eigenes detektivisches Gespür ein, das ihnen bereits einen eigenen <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-emmeline-miranda-finch.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Spin-Off-Band</a> beschert hat.</p>
<p>Gerade diese Mischung aus erwachsener Schauerabenteuer-Serie und fast frecher Jungdetektiv-Energie gibt MALCOLM MAX: DER KANNIBALE VON LONDON seinen besonderen Ton.</p>
<h3>Ein vollgepacktes Album</h3>
<p>Der Band steigt mit einem Hinterhalt ein. Malcolm und Charisma geraten in ein verlassenes Hospital und dort in eine Falle, die sehr schnell klarmacht, dass hier mehr am Werk ist als ein örtlicher Serienmörder. Dämonische Kopfgeldjäger, seltsame Steckbriefe, rätselhafte Gegner, dazu später die Spur eines Kannibalen, der Frauen aus dem Milieu zerfetzt zurücklässt, nehmen hier ihren Anfang.</p>
<p>Peter Mennigen eröffnet den Band gleich mit diversen Fäden. Das ist auf 64 Seiten riskant, funktioniert hier aber erstaunlich gut, weil er nie vergisst, die Figuren zusammenzuhalten. Selbst wenn die Handlung kurz in Richtung dimensionsoffener Irrsinn abkippt, bleibt die Frage wichtig, wie Malcolm und Charisma aufeinander reagieren, wie sie sich necken, reizen, retten und doch ständig einen halben Schritt zu weit voneinander weg bleiben. Schließlich gibt es da ja noch die Drohung von Charisma&#8217;s Vater, Malcolm den Garaus zu machen, sollte er seiner Tochter zu nahe kommen. Aber das ist ein anderes Thema.</p>
<p>Gerade dieses Duo ist für mich der eigentliche Grund, warum ich immer wieder zu der Serie zurückkehre. Zwischen diesen Beiden knistert es gewaltig und nicht in einem kitschigen Sinne. Eher so, als würden zwei Menschen seit Ewigkeiten denselben Satz umkreisen und ihn nie aussprechen.</p>
<p>Der Humor kommt genau aus dieser Bewegung. Ein schräger Blick hier, eine kühle Bemerkung dort, ein Satz, der halb Rettungsleine und halb Spitze ist. Das ist genau mein Ding. Ich habe beim Lesen oft den Eindruck, dass Mennigen den Rhythmus der Beziehung besser versteht als viele Autoren, die ihre Figuren nur auf eine Romanze zuschreiben. Hier bleibt das Spiel offen. Und genau deshalb bleibt es lebendig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3708" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713.jpg" alt="Innenseite 05 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Das East End wird zum Schaufenster des Grauens</h3>
<p>Der titelgebende Kannibale ist natürlich kein bloßer Vorwand. Der Fall bringt diese Geschichte mitten ins East End, also hinein in jene Straßen, in denen Frauenkörper schnell zur Ware und noch schneller zu Wegwerfmaterial wurden.</p>
<p>Der Band macht daraus keine plumpe Sozialgeschichte. Ich fand aber stark, wie deutlich die soziale Schieflage spürbar bleibt. Die Opfer sind nicht zufällig Frauen aus dem Milieu. Dieser Fall erzählt eben auch davon, wer in dieser Stadt am leichtesten verschwindet und wer erst dann zählt, wenn sich das Grauen nicht mehr vertuschen lässt. Besonders gut hat mir gefallen, wie Charisma von Menningen in diese Umgebung gestellt wird. Dass sie sich als Prostituierte verdingen soll, ist nicht bloß ein sensationeller Aufhänger, sondern ein kluger Perspektivwechsel innerhalb der Serie.</p>
<p>Plötzlich sieht London anders aus, nicht aus Malcolm&#8217;s ironischer Distanz, sondern aus einer gefährdeten, körperlich exponierten &#8211; wenn auch wehrhaften &#8211; Position einer Frau. Gleichzeitig nimmt sich der Band beim Humor nicht zurück. Diese Szenen haben Biss (Sorry, Wortspiel), aber eben auch Witz.</p>
<p>Charisma spielt keine wehrlose Rolle. Sie spielt mit ihrer Rolle. Und Malcolm muss dabei einsehen, wie wenig Kontrolle er wirklich hat. Genau daraus zieht der Comic einen guten Teil seiner Spannung.</p>
<p>Parallel dazu läuft die Geschichte um einen hochbegabten Physiker, der für seine todkranke Tochter an eine Grenze geht, hinter der Wissenschaft nicht mehr sauber von Hybris zu trennen ist. Auch das ist typisch für diese Serie. Sie liebt Laborfantasien, dampfende Apparaturen, große Versprechen und den Moment, in dem Fortschritt vielleicht in Größenwahn kippt.</p>
<p>Ich mag, dass Mennigen diese Ebene nicht trocken erklärt, sondern als emotionalen Motor nutzt. Es geht nie nur um diese Erfindung. Es geht um Verzweiflung, Liebe, Verlustangst und den alten Wunsch, den Tod irgendwie doch zu überlisten. Dadurch bleibt das Science-Fiction-Element im Band nicht bloß Dekor, sondern bekommt ein Herz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3709" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713.jpg" alt="Innenseite 06 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Wenn Witz und Weltuntergang gleichzeitig anklopfen</h3>
<p>Was dieser Band besonders gut kann, ist einen ganz bestimmten Ton zu treffen. Ich lese hier einen Geschichte, die Dinge zeigt, die eigentlich unerquicklich sind. Verstümmelte Opfer, dämonische Angriffe, apokalyptische Möglichkeiten. Und trotzdem kippt das Ganze nie in selbstgefällige Düsternis. Dafür sorgt der Humor, vor allem der, der aus den Figuren kommt und nicht aus aufgesetzten Gags. Ein schönes Beispiel ist das Gerücht über eine mögliche Verlobung von Malcolm und Charisma. So ein Einfall könnte albern werden. Hier lockert er die Geschichte auf und zeigt gleichzeitig, wie viel zwischen diesen beiden unausgesprochen herumsteht.</p>
<p>Gleichzeitig merkt ich dem Band an, dass er ein Kapitel in einer fortlaufenden Serie und kein völlig abgeschlossener Einzelband ist. Das ist Stärke und kleine Schwäche zugleich. Stärke, weil die Welt dicht ist, weil Nebenfiguren Gewicht haben, weil jedes neue Abenteuer auf etwas Größeres hinarbeitet. Kleine Schwäche, weil der Band sein Material sehr energisch zusammenhält und deshalb an einigen Stellen fast zu viel in zu kurzer Zeit erzählen muss. Die Übergänge zwischen Serienmörderfall, okkultem Angriff, Wissenschaftsdrama und kosmischer Bedrohung sind spannend, aber nicht immer ganz &#8230; &#8222;luftig&#8220;. Ich war beim Lesen nie verloren, habe aber gespürt, wie dicht Mennigen seine 64 Seiten packen musste.</p>
<p>Trotzdem sitzt der Cliffhanger. Und zwar nicht nur als lautes &#8222;To-be-continued&#8220;-Schild, sondern als echter Schub nach vorn. Ich habe das Album mit genau dem Gefühl geschlossen, das eine gute Fortsetzungsserie auslösen soll: nicht Sättigung, sondern Vorfreude und ungeduldige Erwartung des nächsten Bandes. Genau darin liegt für mich eine große Qualität von MALCOLM MAX: DER KANNIBALE VON LONDON. Der Band will nicht nur gefallen, sondern die Reihe unter Spannung halten. Das gelingt ihm.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3710" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713.jpg" alt="Innenseite 07 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Mehr Serienfolge als Einsteigeralbum</h3>
<p>Wie schon erwähnt, ist für die Einordnung wichtig, dass die Comics chronologisch nach der Hörspielvorgeschichte spielen und längst ein größeres Netz aus Beziehungen, Mythen und Running Gags aufgebaut haben. Wer hier zum ersten Mal einsteigt, bekommt genug, um dem Fall zu folgen. Ich würde Band 6 trotzdem nicht als idealen Erstkontakt empfehlen.</p>
<p>Zu viel von seinem Charme entsteht aus Vertrautheit mit seinen Figuren und dem Wissen, wie Malcolm und Charisma seit Jahren umeinander kreisen. Oder aus dem Vergnügen, wenn die Finch-Schwestern auftauchen. Und aus dem Gefühl, dass diese Welt schon lange vor der ersten Seite atmet.</p>
<p>Innerhalb der Reihe wirkt der Band für mich wie eine Zuspitzung. Der Fall ist größer, die Bedrohung drastischer, der Blick stärker auf die Serie als Ganzes gerichtet. Darum wird er auch in zwei Alben erzählt. Dazu passt, dass der angekündigte Folgeband AM ENDE DER ZEIT die Linie von Raum, Zeit und Apokalypse ausdrücklich weiterführt.</p>
<p>Ich mag an dieser Entwicklung, dass sie die Serie nicht verrät. MALCOLM MAX bleibt auch dann Malcolm Max, wenn die Bühne wächst. Er bleibt der geschniegelte, grantige Geisterermittler, der lieber einen trockenen Satz setzt, als heroisch zu posieren. Und Charisma bleibt die Figur, die ihm mit Freude jede Attitüde aus dem Gesicht klatscht, sobald sie zu geschniegelt sitzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3711" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713.jpg" alt="Innenseite 08 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Kurz etwas zu den Machern</h3>
<p>Peter Mennigen, Jahrgang 1952, studierte in Köln Kunst und Design und schrieb seit den späten 1970er Jahren für eine erstaunliche Zahl deutscher Comicreihen. Besonders prägend war seine Arbeit für Bastei Titel wie GESPENSTER GESCHICHTEN, SPUK GESCHICHTEN, PHANTOM, CONNY oder FELIX.</p>
<p>Später schrieb er auch für die Verlage Egmont, Panini und Ravensburger und verfasste internationale Stoffe zu Serien wie LUCKY LUKE, DIE SCHLÜMPFE, BESSY und ISNOGUD. Hinzu kommen Hörspiele, Bücher sowie Drehbücher für Fernsehproduktionen wie KÄPT’N BLAUBÄR, TIM THALER und RTL SAMSTAG NACHT. Bei MALCOLM MAX bündelt er viel von dem, was er über Pulp, Serienerzählung, Schauerstoffe und pointierte Dialoge gelernt hat.</p>
<p>Ingo Römling wurde 1969 in Frankfurt am Main geboren und kam aus Illustration, Grafik und Musik zum Comic. Früh arbeitete er für Verlage, Werbeagenturen und später sehr erfolgreich für die Musikbranche als Cover-Illustrator und Layouter. Mit DIE TOTEN machte er sich im deutschen Comic deutlich bemerkbar. Seine Comics <a title="METROPOLIA: BERLIN 2099 zahlt einen Euro – pro gelaufenem Kilometer!" href="https://panelwalker.de/2025/05/metropolia-berlin-2099-zahlt-einen-euro-pro-kilometer/" target="_blank" rel="noopener">METROPOLIA: BERLIN 2099</a> und <a title="DIE (fragmentierten) CHRONIKEN DES UNIVERSUMS" href="https://panelwalker.de/2025/04/die-fragmentierten-chroniken-des-universums/" target="_blank" rel="noopener">DIE CHRONIKEN DES UNIVERSUMS</a> habe ich an dieser Stelle bereits besprochen.</p>
<p>Seit 2013 prägt er gemeinsam mit Peter Mennigen die Welt von MALCOLM MAX. Parallel dazu wurde er mit STAR WARS REBELS zu einem der ersten offiziellen Disney Comiczeichner aus Deutschland. Auch international ist Römling längst unterwegs, etwa über den französischen Verlag Dargaud und Europe Comics. Sein Stil verbindet klassische Lesbarkeit mit digital gestützter Bildfülle und einem sicheren Gespür für Atmosphäre. Genau deshalb passt er so gut zu einer Serie, die zwischen Gasse, Labor und Dämonenportal ständig den Ton wechseln muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3712" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713.jpg" alt="Innenseite 09 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>MALCOLM MAX: DER KANNIBALE VON LONDON ist für mich ein fast perfekter Band. Fast &#8211; denn dafür ist er stellenweise etwas zu dicht und zu verliebt in die Menge seines Materials. Aber genau darin steckt auch seine Kraft.</p>
<p>Ich bekomme einen deutschen Genre-Comic, der seine viktorianische Bühne ernst nimmt, seine Figuren liebt, seinen Humor trocken serviert und sein Grauen nie bloß vordergründig benutzt. Vor allem bekomme ich aber wieder Malcolm und Charisma. Und ehrlich gesagt reicht mir das schon, um glücklich zu sein.</p>
<p>Ich bleibe also dran, obwohl mich &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; Horror selten begeistert. Diese Reihe aber tut das schon. Und auf <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-7.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Band 7</a> im September 2026 freue ich mich sehr&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3705" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720-300x417.jpg" alt="Cover von MALCOLM MAX 6" width="300" height="417" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720-300x417.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720-600x833.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>MALCOLM MAX 6 &#8211; DER KANNIBALE VON LONDON</li>
<li>Peter Mennigen und Ingo Römling</li>
<li>Hardcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-98721-297-0</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-6-kannibale-von-london.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>BLUE EYE SAMURAI &#8211; Schnee, der leise auf Klingen fällt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2026 05:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Movie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Amber Noizumi]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Green]]></category>
		<category><![CDATA[NETFLIX]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe Japan in der Edo-Periode seitdem ich in den 1980ern SHOGUN nach James Clavell mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle gesehen habe. Damals musste ich noch eine Woche warten, bis ich Blackthorne und Mariko wieder begleiten durfte. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen. Ich liebe diese Mischung aus strenger Ordnung, gedämpften Farben, hölzernen [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/blue-eye-samurai-schnee-der-leise-auf-klingen-faellt/">BLUE EYE SAMURAI – Schnee, der leise auf Klingen fällt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe Japan in der Edo-Periode seitdem ich in den 1980ern <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0080274/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_7_nm_1_in_0_q_shogun" target="_blank" rel="nofollow noopener">SHOGUN</a> nach James Clavell mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle gesehen habe. Damals musste ich noch eine Woche warten, bis ich Blackthorne und Mariko wieder begleiten durfte. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen.</p>
<p>Ich liebe diese Mischung aus strenger Ordnung, gedämpften Farben, hölzernen Häusern, heißen Badehäusern, höfischer Etikette und plötzlicher Gewalt. Da reicht bei mir schon ein verschneiter Weg zwischen Papierwänden und Laternenlicht und ich sitze etwas gerader vor dem Bildschirm. Bei BLUE EYE SAMURAI kam noch etwas dazu. Diese Serie sieht nicht einfach nur schön aus, sie starrt geradezu zurück.<span id="more-3739"></span></p>
<p>Schon die ersten Minuten haben mich gepackt, weil hier nichts harmlos eingeführt wird. Mizu, die Hauptfigur, tritt nicht als Heldin auf, die um Zuneigung bittet. Sie kommt aus der Kälte und trägt ihre Wut wie eine zweite Haut mit sich herum. Und sie hat diese blauen Augen, die in ihrer Welt nicht als Besonderheit gelesen werden, sondern als Makel. Als Beweis, dass sie nicht hineinpasst, nicht hineinpassen darf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3745" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 01" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die erste Staffel erschien 2023 auf Netflix, umfasst acht Folgen und stammt von Amber Noizumi und Michael Green. Netflix führt die Serie als erwachsene Action-Animation, angesiedelt im Japan der Edo-Zeit. Die zweite Staffel befindet sich derzeit offiziell in Produktion.</p>
<p>Die Stroyline klingt nach Rachegeschichte und das ist es auch. Aber es ist die gute, gefährliche Sorte Rachegeschichte. Eine, bei der ich zwar auf den nächsten Kampf warte, aber zugleich immer stärker spüre, was die bisherigen Kämpfe aus der Figur gemacht haben. Mizu schneidet sich durch Gegner, Mauern und Lügen. Doch der tiefste Schnitt geht nach innen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3746" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 02" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Ein verschlossenes Land, ein unerlaubtes Gesicht</h3>
<p>Der historische Rahmen ist hier kein Postkarten-Japan. BLUE EYE SAMURAI spielt im 17. Jahrhundert, in einer Zeit, in der Japan den Kontakt zur Außenwelt streng begrenzte. Netflix&#8217;s eigenes Hintergrundmaterial zur Serie verweist auf diese Abschottung und auf die starke Kontrolle westlicher Einflüsse. Genau daraus zieht die Serie ihre Härte. Mizu&#8217;s blaue Augen sind nicht bloß ein auffälliges Detail. Sie machen ihren Körper zum Vorwurf. Jeder Blick auf sie kann zur Anklage werden.</p>
<p>Das ist erzählerisch stark, weil die Serie aus einem historischen Zustand eine ganz persönliche Bedrohung formt. Ich muss kein Fachbuch über die Edo-Zeit gelesen haben, um zu verstehen, warum Mizu sich versteckt. Die Welt erklärt es mir durch zuschlagende Türen, durch Blicke, durch Tusche, Stoffe, Waffen und gelebte soziale Regeln. Sie erklärt es mir auch durch das Schweigen. Diese Gesellschaft ist eng gebaut. Wer nicht passt, wird nicht vorsichtig beiseitegeschoben. Wer nicht passt, wird markiert.</p>
<p>Zur Entstehung gehört außerdem ein spürbarer Anspruch der Macher an Genauigkeit. Für Kleidung, Orte, Esskultur, Schrift und soziale Details wurden Fachleute einbezogen. Das merkt ich weniger an einzelnen Dingen als am Gesamtgefühl. Die Serie wirkt nicht wie ein dekorierter Actionspielplatz. Sie hat Schwere, Räume fühlen sich bewohnt an, Küchen, Werkstätten und Bordelle, Burgen und Straßen erzählen etwas über Rang, Begehren und Angst.</p>
<p>Auch die Produktionsform ist interessant. Das französische Studio Blue Spirit beschreibt die Serie als CGI-Animation mit 2D-Hintergründen. Die Figuren bewegen sich körperlich und wuchtig, während die Hintergründe oft eine malerische Ruhe haben. Diese Spannung zwischen Bewegung und Bildfläche gibt dieser Serie ihren eigenen Ton.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3747" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 03" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Mizu oder wie aus Scham eine Klinge wird</h3>
<p>Mizu sucht vier weiße Männer, die zur Zeit ihrer Geburt illegal in Japan waren. Einer von ihnen ist ihr Vater. Für sie ist das jedoch kein Stammbaum, sondern ein Fluch. Sie sieht ihr eigenes Gesicht als Beweis einer Schuld, die sie nie begangen hat. Daraus entsteht ihr Ziel. Sie will diese Männer finden. Sie will sie töten und damit den Ursprung ihres Lebens auslöschen, weil dieses Leben ihr von Anfang an als Schande vorgeworfen wurde.</p>
<p>Die Serie erzählt diesen Wunsch nicht als sauberen Motor. Mizu wirkt nicht frei, weil sie kämpft. Sie wirkt gebunden, tarnt ihre Augen, lebt als Mann und sie versteckt ihren Körper, ihre Herkunft und jede weiche Stelle. Ich habe schnell verstanden, warum sie das tut. Trotzdem tut es weh, ihr dabei zuzusehen. Sie hat sich eine mentale Rüstung gebaut, die sie schützt und zugleich einsperrt.</p>
<p>Besonders stark ist, dass Mizu nicht sympathisch sein muss, um mich zu interessieren. Sie ist hart, abweisend, manchmal sogar grausam. Sie stößt Menschen weg, die ihr helfen wollen und benutzt andere, wenn sie ihrem Ziel dienen. Doch die Serie lässt mich nie vergessen, dass diese Härte erlernt ist. Mizu wurde nicht als Legende geboren. Sie wurde klein gemacht, gejagt, verhöhnt und ausgeschlossen. Aus diesem Abfall der Gesellschaft schmiedet sie sich selbst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3749" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 05" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Ringo bringt Wärme in die Kälte</h3>
<p>Dann ist da Ringo. Er könnte leicht zum Comic-Relief verkommen. Ein junger Mann ohne Hände, mit großem Herzen, großem Hunger und dem Wunsch, ein großer Koch zu werden. Er hängt sich an Mizu, weil er in ihr eine Meisterin sieht. Vielleicht sieht er sogar mehr als das. Vielleicht sieht er die Möglichkeit, dass Größe nicht so aussehen muss, wie andere sie erwarten.</p>
<p>Ringo ist wichtig, weil er die Serie zwischendurch aufatmen lässt. Durch ihn kommt eine gewisse Wärme hinein, ohne dass die Geschichte weichgespült dadurch wirkt. Seine Begeisterung hat etwas Kindliches, aber nicht Dummes. Er glaubt an Ehre, Lernen und Freundschaft, obwohl die Welt ihm ebenfalls wenig Grund dazu gibt. Neben Mizu wirkt er wie eine Laterne in einem Schneesturm. Nicht hell genug, um alles zu erleuchten. Aber hell genug, damit ich sehe, wie dunkel es wirklich ist.</p>
<p>Auch Taigen gehört in dieses Geflecht. Er war einst Teil von Mizus Demütigung und wird später selbst gedemütigt. Sein Stolz ist fast komisch groß, bis die Serie zeigt, wie verletzlich er unter seiner Fassade ist. Taigen will Ruhm, Anerkennung, Rang &#8211; und Akemi. Er will der Mann sein, für den andere ihn halten sollen. Im Kontakt mit Mizu bricht dieses Bild immer wieder auf. Gerade dadurch wird er spannender als der übliche Rivale mit Schwert und schlechter Laune.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3750" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 06" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Akemi kämpft mit Seide statt Stahl</h3>
<p>Akemi lebt in einer anderen Welt als Mizu. Sie ist reich, schön, begehrt &#8211; und eingesperrt. Ihr Käfig ist kein schmutziger Hinterhof, sondern ein vornehmes Haus. Die Stäbe bestehen aus Erwartungen, Heiratsplänen und höflicher Gewalt. Ihr Vater will sie politisch verheiraten. Sie selbst will Taigen. Vor allem aber will sie entscheiden dürfen, was aus ihr wird.</p>
<p>Ich mochte Akemi von Folge zu Folge mehr. Zuerst scheint sie wie eine Nebenfigur aus einem höfischen Handlungsstrang, der als Kontrast zu Misu&#8217;s Welt erzählt wird. Dann wächst sie. Nicht, weil sie plötzlich mit dem Schwert alles niedermäht. Die Serie macht etwas Besseres. Sie zeigt, wie Akemi Macht dort sucht, wo sie für eine junge Frau erreichbar ist: in Gesprächen, in Blicken, in ihrer Wirkung auf andere und in Momenten, in denen sie selbst unterschätzt wird.</p>
<p>Dadurch entsteht ein schöner Gegenpol zu Mizu. Beide Frauen sind Gefangene ihrer Rollen. Mizu muss sich als Mann ausgeben, um überhaupt handlungsfähig zu sein. Akemi soll als Frau vor allem wertvoll aussehen. Beide begreifen, dass Gehorsam ihnen keinen Schutz bringt. Ihre Wege unterscheiden sich folglich radikal. Trotzdem erzählen sie von demselben Hunger nach &#8222;Ich will selbst bestimmen, wer ich bin!&#8220;.</p>
<p>Im Laufe der Staffel verschränken sich diese Wege mit Fowler&#8217;s Plänen, mit Taigens verletztem Ehrgefühl und mit Mizu&#8217;s unerbittlicher Jagd. Dabei kippt die Serie nie in eine reine Abfolge von Kämpfen. Jede Station verändert eine Figur. Jeder Kampf hinterlässt mehr als Leichen. Am Ende steht Mizu vor Fowler, Edo brennt und die Rache, die so klar schien, wird schmutziger. Sie tötet ihn nicht, sie braucht ihn. Der Weg führt weiter, hinaus aus einem abgesperrten Japan, Richtung London. Das ist ein starkes Ende, weil es nicht erlöst. Vielmehr wird die Mizu auch dort nicht dazugehören, denn sie wird wieder zu einer Fremden, nur diesmal zusätzlich in einer fremden Umgebung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3751" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 07" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Ist das nun Anime?</h3>
<p>Die Frage, ob BLUE EYE SAMURAI ein Anime ist, wirkt zunächst wie ein Streit für Menschen, die ihre Regale sehr genau sortieren. Trotzdem lohnt sie sich, denn sie führt mitten hinein in das, was diese Serie ausmacht.</p>
<p>Im engeren Sinn meint Anime Animation aus Japan. Nach dieser Herkunftsdefinition ist die Serie kein klassischer Vertreter dieses Genres. Sie wurde von Amber Noizumi und Michael Green geschaffen, für Netflix produziert und mit maßgeblicher Arbeit des französischen Studios Blue Spirit umgesetzt. Ich würde sie als Actionserie, Abenteuerserie und Animation für Erwachsene beschreiben.</p>
<p>Gleichzeitig wäre eine knappe Ablehnung dann doch zu einfach. Denn die Serie steht sichtbar im Austausch mit japanischer Erzähltradition, Samurai-Filmen, Manga-Bildgefühl und erwachsener Animationskunst. Sie übernimmt aber nicht nur Oberflächen, keine großen Kulleraugen, keine schnellen Stilzitate, kein Kostümfest mit Katana. Stattdessen sucht sie &#8211; wie Mizu &#8211; ihren eigenen Weg. Ihre Bilder erinnern mal an Holzschnitt und Tusche, mal an großes Kino, mal an gemalte Bühnenräume. Ihre Gewalt ist choreografiert wie ein Actionfilm, aber rhythmisiert wie Animation. Ihr Blick auf Mizu hat etwas sehr Körperliches, beinahe Live-Action-Nahes.</p>
<p>Ich sage deshalb, dass die Serie kein Anime im strengen Produktionssinn ist. Im weiteren kulturellen Sinn kann ich sie aber verstehen, wenn jemand sie in die Anime-Nachbarschaft stellt. Sie wohnt nur nicht brav in einem einzigen Haus. Sie geht zwischen den Formen umher. Genau dort liegt ihr Reiz. Sie ist westliche Erwachsenenanimation mit japanischem Schauplatz, starkem Samurai-Erbe und einer Bildsprache, die sich nicht entschuldigt, weil sie sich aus mehreren Quellen speißt. Für mich ist das keine Schwäche sondern der Grund, warum sie so frisch wirkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3752" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 08" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Wenn jede Einstellung nach Entscheidung aussieht</h3>
<p>Formal ist diese Serie ein Fest. Nicht im Sinne von schönem Hintergrundrauschen. Eher im Sinne von Bildern, die wissen, warum sie existieren. Schnee macht Szenen stiller, Feuer macht Körper verletzlicher, Glas trennt die Menschen und Türen rahmen Macht. Schatten verstecken nicht nur, sie erzählen. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Kamera, obwohl es keine echte Kamera gibt, genau weiß, wo sie stehen muss.</p>
<p>Die Action ist hart und präzise. Mizu kämpft nicht wie eine schwerelose Superheldin. Sie stemmt, rutscht, fällt, stößt, nutzt Wände, Kanten, Dreck und Schmerz. Ein Schlag hat Gewicht, ein Schnitt hat Folgen. Live-Action-Stuntarbeit diente als Grundlage für Choreografie und Storyboards. Das erklärt diesen körperlichen Zug, der viele Szenen so greifbar macht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3748" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 04" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Action trifft auf Ruhe</h3>
<p>Besonders schön finde ich, dass BLUE EYE SAMURAI trotz all seiner Härte Sinn für Ruhe hat. Eine Schwertschmiede kann hier wichtiger wirken als ein Massaker. Eine Mahlzeit kann mehr erzählen als ein Duell und die Episode um Mizu&#8217;s mögliche Ehe mit Mikio gehört für mich zu den stärksten Momenten der Staffel. Da wird die Rache für kurze Zeit leiser. Plötzlich scheint ein anderes Leben denkbar. Genau deshalb schmerzt es, als diese Möglichkeit zerbricht.</p>
<p>Die Serie arbeitet dabei sehr bewusst mit Themen, die leicht platt wirken könnten: Identität, Körper, Herkunft, Geschlecht, Scham und Macht. Hier hängen Themen an konkreten Figuren und Situationen. Mizu muss nicht erklären, dass sie zerrissen ist. Ich sehe es an ihren Augen, an ihrer Haltung, an dem kurzen Zögern, bevor sie wieder brutal wird. Akemi muss keine Rede über Freiheit halten. Ich sehe ihren Wunsch nach Freiheit daran, wie sie lernt, Räume zu lesen, in denen andere sie nur als Ware betrachten.</p>
<p>Natürlich ist nicht alles perfekt. Das Finale packt sehr viel auf einmal zusammen. Feuer, Intrige, Rache, politische Umwälzung und die Vorbereitung der nächsten Reise drängen dicht an dicht. Für ein paar Minuten fühle ich mich fast überfüttert. Doch selbst dort bleibt die Serie emotional bei ihren Figuren. Sie verliert Mizu nicht aus dem Blick. Das rettet die große Geste vor dem bloßen Spektakel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3753" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 09" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>BLUE EYE SAMURAI ist für mich eine der eindrucksvollsten Serien der letzten Jahre, weil sie Schönheit und Schmerz zusammenbringt, ohne eines davon zu verraten. Diese Serie ist brutal, wie das Leben im feudalen Japan dieser Zeit. Sie ist stilvoll, aber nicht eitel. Die Macher lieben das Samurai-Genre, doch sie erzählen nicht nur von Schwertern. Sie erzählen von einem Menschen, der so lange als Fehler behandelt wurde, bis aus diesem Fehler eine Waffe entstand.</p>
<p>Ich habe Mizu nicht immer gemocht. Ich habe sie aber fast immer verstanden. Das ist mehr wert, denn diese Serie nimmt ihre Hauptfigur ernst genug. Sie zeigt, wie Wut antreibt, was es sie kostet und warum sie trotzdem so verführerisch bleibt.</p>
<p>Am Ende sitzt Mizu auf einem Schiff nach London. Die Rache ist nicht vorbei. Vielleicht beginnt sie dort erst richtig. Ich bin weiterhin dabei. Nicht nur wegen der Kämpfe, nicht nur wegen der Bilder, nicht nur wegen dieser eisigen Schönheit. Ich bin dabei, weil diese Serie eine Figur erschaffen hat, deren Blick ich nicht vergesse&#8230; Also sage ich さようなら (Sayōnara!)</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3756" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_Cover_744x1000-300x403.jpg" alt="Cover von BLUE EYE SAMURAI" width="300" height="403" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_Cover_744x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_Cover_744x1000-600x806.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_Cover_744x1000.jpg 744w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>BLUE EYE SAMURAI</li>
<li>Amber Noizumi und Michael Green</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.netflix.com/de/title/81144203" target="_blank" rel="nofollow noopener">NETFLIX</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/blue-eye-samurai-schnee-der-leise-auf-klingen-faellt/">BLUE EYE SAMURAI – Schnee, der leise auf Klingen fällt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>LUCKY LUKE DAKOTA 1880 &#8211; Eine liebevolle Hommage</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/lucky-luke-dakota-1880-eine-liebevolle-hommage/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 05:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Appollo]]></category>
		<category><![CDATA[Brüno]]></category>
		<category><![CDATA[Bruno Thielleux]]></category>
		<category><![CDATA[Egmont Ehapa Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Laurence Croix]]></category>
		<category><![CDATA[Maurice de Bevere]]></category>
		<category><![CDATA[Morris]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Appollodorus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ein hübscher, beinahe frecher Gedanke. LUCKY LUKE reitet nicht einfach wieder einmal durch den Wilden Westen. Er steckt in DAKOTA 1880 noch in den Stiefeln eines jungen Mannes, der die eigene Legende erst nach und nach erarbeitet. Kein großer Auftritt mit allen bekannten Serienzutaten, kein bequemes Abhaken vertrauter Zeichen, kein Jolly Jumper. Stattdessen [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/lucky-luke-dakota-1880-eine-liebevolle-hommage/">LUCKY LUKE DAKOTA 1880 – Eine liebevolle Hommage</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein hübscher, beinahe frecher Gedanke. LUCKY LUKE reitet nicht einfach wieder einmal durch den Wilden Westen. Er steckt in DAKOTA 1880 noch in den Stiefeln eines jungen Mannes, der die eigene Legende erst nach und nach erarbeitet. Kein großer Auftritt mit allen bekannten Serienzutaten, kein bequemes Abhaken vertrauter Zeichen, kein Jolly Jumper. Stattdessen gibt es Schnee, Staub, Kutschenräder und einen Helden, der schon erstaunlich klar nach LUCKY LUKE aussieht, aber noch nicht ganz die bekannte Ikone ist. Und: Ja, es ist ein Prequel.</p>
<p>Genau darin liegt der Reiz dieses Bandes. Appollo und Brüno nehmen Morris’ Cowboy ernst, aber sie knien nicht vor ihm nieder. Sie spielen mit ihm, setzen ihn in erste Bewegungen. Sie lassen ihn in sieben kurzen Geschichten Menschen begegnen, die mehr als eindimensionale, dekorative Westernschablonen sind. Luke trifft befreite Sklaven, Frauen mit eigenen Plänen, einen Fotografen, streitlustige Poeten, Revolverhelden und indigene Charaktere. Das ergibt nicht wie sonst ein klassisches Abenteuer mit einem einzigen großen Ziel. Es fühlt sich eher wie eine Reise an, bei der jede Station eine kleine Kerbe im Charakter des Hauptdarstellers hinterlässt &#8211; und genau das ist es dann auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3917" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-01_1000x693.jpg" alt="Innenseite 01 von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="693" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-01_1000x693.jpg 693w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-01_1000x693-300x433.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-01_1000x693-600x866.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 693px) 100vw, 693px" /></p>
<h3>Achtzig Jahre schneller als der eigene Schatten</h3>
<p>LUCKY LUKE gehört zu den Figuren, die längst aussehen, als seien sie immer dagewesen. Dabei hat auch dieser Cowboy einmal klein angefangen.</p>
<p>Morris, eigentlich Maurice De Bevere, brachte ihn 1946 zur Welt. Also heute, vor ziemlich genau 80 Jahre. Die erste Geschichte hieß <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arizona_1880" target="_blank" rel="nofollow noopener">ARIZONA 1880</a> und erschien im Umfeld des SPIROU Almanachs. Schon der Titel ist wichtig, weil DAKOTA 1880 sich hörbar und sichtbar daran anlehnt. Aus Arizona wird Dakota, aus dem bekannten Helden wird ein jüngerer LUKE (noch ohne den Beinamen LUCKY) und aus der Parodie des Westerns wird ein Western, der noch den kalten Wind im Gesicht hat.</p>
<p>Spannend ist auch, wie sehr LUCKY LUKE im Laufe der Jahrzehnte seine Form gefunden hat. Morris zeichnete die Figur von 1946 bis zu seinem Tod 2001. Ab Mitte der fünfziger Jahre kam <a href="https://panelwalker.de/tag/rene-goscinny/" target="_blank" rel="noopener">René Goscinny</a> hinzu, der dem Serienhumor eine besondere Schlagkraft gab und viele der klassischen Abenteuer prägte. Diese Mischung aus klarer Linie, Timing, Westernliebe und liebevoller Überzeichnung machte LUCKY LUKE zu einer der großen Figuren der frankobelgischen Comicgeschichte.</p>
<p>Dass 2026 der 80. Geburtstag gefeiert wird, passt deshalb wunderbar zu diesem Band. EGMONT EHAPA begleitet das Jubiläum im deutschsprachigen Raum mit neuen Veröffentlichungen und Ausstellungen, unter anderem ab dem 02. Oktober 2026 mit einer Morris-Schau &#8222;Lucky Luke – Moris’ einsa-<br />
mer Westernheld&#8220; im Museum für Kommunikation, Berlin.</p>
<p>DAKOTA 1880 erschien auf Deutsch im März 2026 und reiht sich als Hommage in diese Geburtstagsbewegung ein. Das ist kein bloßer Marketingrahmen. Es ist der passende Moment für eine Frage, die gute Hommagen stellen müssen. Was bleibt lebendig, wenn eine berühmte Figur kurz aus ihrer eigenen Routine herausgeführt wird?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3918" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-02_1000x701.jpg" alt="Innenseite 02 von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="701" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-02_1000x701.jpg 701w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-02_1000x701-300x428.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-02_1000x701-600x856.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px" /></p>
<h3>Sieben Wege durch einen raueren Westen</h3>
<p>Erzählerisch funktioniert der Band am besten, wenn ich ihn nicht als normalen Lucky-Luke-Band lese. Appollo inszeniert keine große Daltons-Jagd und keinen durchgehenden Gag-Mechanismus. Er nutzt die Postkutschenreise nach Kalifornien als lockere Klammer. Jede Episode bringt einen anderen Zungenschlag hinein. Mal wirkt der Band abenteuerlich, mal trocken komisch, mal fast melancholisch. Das Tempo bleibt angenehm zügig. Trotzdem hetzt nichts. Diese kurzen Geschichten haben Platz für Blicke, Pausen und kleine Pointen.</p>
<p>Formal ist das smart. Der Seitenrhythmus erinnert an die klassische Alben, aber Brüno zeichnet nicht im Morris-Modus. Seine Figuren sind kantiger, moderner. Die Gesichter stehen klar im Raum. Die Körper wirken manchmal fast wie ausgeschnitten, wenn auch präzise gesetzt. Das macht die Seiten sehr lesbar. Ich hatte nie das Gefühl, mich durch Dekor kämpfen zu müssen. Brüno liebt die Fläche, die Haltung, die Silhouette. Seine Bilder stopfen den Westen nicht voll, sie räumen ihn auf, bis jede Bewegung sitzt.</p>
<p>Laurence Croix unterstützt das mit Farben, die den Band nicht auf lustig trimmen. Es gibt eine gewisse Wärme. Schnee, Erde, Holz, Abendlicht und Kleidung greifen ruhig ineinander. Dadurch wirkt DAKOTA 1880 erwachsener als die klassische Serie, ohne dem Vorbild die Freude auszutreiben. Die Schwäche liegt eher in der Form selbst. Nicht jede Begegnung kann gleich tief gehen. Manche Figur verschwindet genau dann, wenn ich gern noch zwei Seiten geblieben wäre. Aber dann rollt die Kutsche halt weiter. Doch diese Knappheit gehört zum Konzept. Der Band erzählt von Spuren, nicht von Lebensläufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3919" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-03_1000x737.jpg" alt="Innenseite 03 von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-03_1000x737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-03_1000x737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-03_1000x737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Kurzbiografie: Appollo</h3>
<p>Appollo heißt bürgerlich Olivier Appollodorus und wurde 1969 in Tunesien geboren. Er wuchs in Nordafrika und auf La Réunion auf. Schon als Schüler gründete er mit Freunden ein Comicmagazin, später studierte er in Paris und begann als Szenarist zu arbeiten. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen unter anderem <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/die-diebe-von-karthago/#cc-m-product-8773971920" target="_blank" rel="nofollow noopener">DIE DIEBE VON KARTHAGO</a>, <a href="https://www.amazon.de/Bourbon-Island-1730-Appollo/dp/1596432586" target="_blank" rel="nofollow noopener">BOURBON ISLAND 1730</a> mit Lewis Trondheim und <a href="https://www.amazon.de/Biotope-1-English-Appollo-ebook/dp/B0C1L9N3D6?th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.TEO40FDU6DCsXQ0NV0xEf0y9XpOlpVHTVB4hR61aM07uAWfiTM5qXHgBo7ipmzfN8gMA2xtvI3ycmyGVvy2X_r4J8etFZxRgtLXzx_v5N3yvuZ7MNri66KD-n2MBzD2yiVWg2bkTD1gv6n7VJSP7I941waU8haTug6pYsrj_o73U9dAGq_qCz8zHwQ-8A29io1_plE1XgN8D-ajhyk3DY51JgUlfm6KQvLaB90WL5X4.gMBI6txXw5QVEgzsihQ5z-kd3kRVnmQFJUpw2tLaF1Q&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">BIOTOPE</a> mit Brüno. Gerade diese Laufbahn erklärt viel an diesem Band. Appollo interessiert sich für Geschichte, Randfiguren und dafür, wie große Erzählungen aus kleinen Begegnungen entstehen. In DAKOTA 1880 passt das sehr gut zu einem LUCKY LUKE, der noch nicht ganz das Denkmal ist, dass wir alle kennen.</p>
<h3>Kurzbiografie: Brüno</h3>
<p>Brüno, mit bürgerlichem Namen Bruno Thielleux, wurde 1975 in Deutschland geboren. Nach Stationen an der École Estienne in Paris und einem Studium der bildenden Kunst in Rennes veröffentlichte er ab den späten neunziger Jahren erste Arbeiten. Mit <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/atar-gull/#cc-m-product-8700242520" target="_blank" rel="nofollow noopener">ATAR GULL</a>, <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/black-proud/#cc-m-product-8681003920" target="_blank" rel="nofollow noopener">BLACK AND PROUD</a> und besonders <a href="https://www.amazon.de/Tyler-Cross-1-Black-Rock/dp/355171228X?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2CWQRXDIAXVJR&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9._uhLneg5GmuVDsTXR7WlzZcProRQdkSXVp26NBKporL2_MdTVSve_SeUCEnL_d6kAQbJGdy_CfwfFVpKKwP0ydjuZTGoaXLgPGpOGjuxTzRPgPiStiTtTmwCeBiBVACsxFvUEhvSBMD76FMRiWxfsVxVqu8rvsgVojyWkzTcHkVeaiVrtz_yaOizLIZxalFEjnqs369v-K4mxo7ErmsjS_Vvm4tTKNcTYAmWNMEiOhg.Bzs07dUNS1KCg_7nQv7MUSDXlUZ53bNOa4eJZS7m5u4&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Tyler+Cross+comic&amp;qid=1777480894&amp;s=books&amp;sprefix=tyler+cross+comic%2Cstripbooks%2C97&amp;sr=1-6" target="_blank" rel="nofollow noopener">TYLER CROSS</a> hat er sich einen Namen als Zeichner gemacht, der Genrestoffe ernst nimmt und zugleich radikal vereinfacht. Sein Strich ist klar, hart und elegant. Er zeigt gern Männer in gefährlichen Landschaften, aber er verliert sich nicht in Muskelshow oder Dekor. Für LUCKY LUKE ist das ein Glücksfall. Brüno macht aus dem Cowboy keine Kopie. Er macht ihn wieder &#8211; anders &#8211;  sichtbar.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3920" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg.jpeg" alt="Innenseite 04 von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="800" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg.jpeg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg-300x375.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg-750x938.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg-768x960.jpeg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg-600x750.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DAKOTA 1880 ist eine sehr gelungene Hommage, weil sie nicht nur erinnert, sondern ausprobiert. Appollo und Brüno behandeln LUCKY LUKE wie eine Figur mit Vergangenheit, nicht wie ein Museumsstück. Der Band ist teils rauer, teils stiller und nachdenklicher als viele klassische Abenteuer. Zugleich bleibt er zugänglich, flott und charmant.</p>
<p>Ich hätte mir an einzelnen Stellen etwas mehr Atem für Nebenfiguren gewünscht. Doch der Gesamteindruck trägt. Diese Reise zeigt einen jungen Cowboy auf dem Weg zur Legende. Und genau das macht beim Lesen überraschend viel Freude.</p>
<p>Ach ja &#8211; und ganz nebenbei wir erfahren, warum Luke seinen Beinamen &#8222;Lucky&#8220; erhält.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3915" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762-300x394.jpg" alt="Cover von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="300" height="394" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762-300x394.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762-750x984.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762-600x787.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762.jpg 762w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>LUCKY LUKE &#8211; DAKOTA 1880</li>
<li>Appollo und Brüno</li>
<li>Softcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-77041-031-6 (des Hardcovers)</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.egmont-shop.de/lucky-luke-hommage-nr-7-softcover/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Egmont Ehapa Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/lucky-luke-dakota-1880-eine-liebevolle-hommage/">LUCKY LUKE DAKOTA 1880 – Eine liebevolle Hommage</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>NEAL ADAMS &#8211; Wenn Figuren plötzlich Schwerkraft bekommen</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/neal-adams-wenn-figuren-ploetzlich-schwerkraft-bekommen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 05:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[DC Comics]]></category>
		<category><![CDATA[MARVEL]]></category>
		<category><![CDATA[Neal Adams]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hatte ich schon erzählt, dass ich Krimis liebe? Wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb ich in meiner Jugend einen Superhelden allen anderen vorgezogen habe: BATMAN. Während meiner Schulzeit gab es keine Ausgabe der Abenteuer aus Gotham, die ich nicht gelesen hätte &#8211; falls genügend Taschengeld vorhanden war. Mein BATMAN war der von Neal Adams: moderat [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/neal-adams-wenn-figuren-ploetzlich-schwerkraft-bekommen/">NEAL ADAMS – Wenn Figuren plötzlich Schwerkraft bekommen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hatte ich schon erzählt, dass ich Krimis liebe? Wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb ich in meiner Jugend einen Superhelden allen anderen vorgezogen habe: <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/batman-klassiker-batmans-unheimliche-f-lle-ddchc122-de01.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">BATMAN</a>. Während meiner Schulzeit gab es keine Ausgabe der Abenteuer aus Gotham, die ich nicht gelesen hätte &#8211; falls genügend Taschengeld vorhanden war.</p>
<p>Mein BATMAN war der von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Neal_Adams" target="_blank" rel="nofollow noopener">Neal Adams</a>: moderat muskulös, aber drahtig, mit einer hochgewachsenen Silhouette und spitzen, aber nicht zu langen Fledermausohren. Ein BATMAN der seine menschlichen Schwächen noch nicht verloren hatte, der auch einmal urlaubsreif sein durfte und der nicht nur wie eine getriebene Maschine ruhelos durch die Straßenschluchten seiner Stadt streifte.<span id="more-3579"></span></p>
<p>Bei ihm hatte ich damals das Gefühl, dass eine Comicfigur nicht bloß gezeichnet ist, sondern wirklich auf dem Boden stehen könnte. Ich sehe Gewicht auf seinen Schultern, Spannung in den Händen, Müdigkeit unter den Augen und Gefahr in der Haltung. Das klingt erst einmal schlicht. Genau darin lag aber seine Wucht.</p>
<p>Neal Adams brachte den amerikanischen Superhelden-Comic aus einer bequemen, oft flachen Bildsprache in eine Welt, die nach Körper, Stoff, Schatten und echtem Raum aussah. Für mich war &#8211; und ist &#8211; das keine kleine Korrektur. Das ist ein Einschnitt. Ohne ihn sähen BATMAN, DEADMAN oder GREEN LANTERN / GREEN ARROW in meiner inneren Comicgeschichte anders aus. Vielleicht hätte ich auch nie wirklich für Comics interessiert.</p>
<h3>Lehrjahre zwischen Zeitung, Werbung und Trotz</h3>
<p>Neal Adam&#8217;s Weg in die Branche war nicht die elegante Heldengeschichte, die man gern nachträglich daraus macht.</p>
<p>Adams wurde 1941 in New York geboren, wuchs in einer Militärfamilie auf und besuchte die School of Industrial Art in Manhattan. Früh wollte er ins Comic-Business hinein, früh bekam er dort auch Gegenwind.</p>
<p>Der Markt war schwach, die Verlage vorsichtig und der direkte Einstieg gelang ihm nicht. Also arbeitete er in der Werbung, zeichnete Storyboards und fand mit dem Zeitungsstrip <a href="https://13thdimension.com/13-great-neal-adams-ben-casey-strips-a-60th-anniversary-celebration/" target="_blank" rel="nofollow noopener">BEN CASEY</a> eine Schule, die für ihn am Ende fast genauso wichtig wurde wie jeder Verlag.</p>
<p>Ich merke diesen Hintergrund seinen späteren Arbeiten an. Dort sitzt jeder Blick und jede Geste hat ein Ziel. Wer täglich für einen Strip arbeitet, lernt Ökonomie in die eigene Arbeitsweise einzubringen. Und wer aus der Werbegrafik kommt, lernt Wirkung. Adams brachte beides mit, als er in den späten sechziger Jahren erneut bei DC aufschlug.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_3583" aria-describedby="caption-attachment-3583" style="width: 718px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3583 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-03_1000X718.jpeg" alt="Neil Adams Beispielseite 03" width="718" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-03_1000X718.jpeg 718w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-03_1000X718-300x418.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-03_1000X718-108x150.jpeg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-03_1000X718-600x836.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px" /><figcaption id="caption-attachment-3583" class="wp-caption-text">Beispielseite aus BATMAN &#8211; THE BRAVE AND THE BOLD: RED WATER, CRIMSON DEATH</figcaption></figure>
<h3>Die Kunst, Körper wirken zu lassen</h3>
<p>Was mich an seinen Zeichnungen bis heute fasziniert, ist die Mischung aus konzeptioneller Wucht und Klarheit. Viele Zeichner können Dynamik, viele können Lesbarkeit. Bei ihm greift beides ineinander.</p>
<p>Ich kann einem Arm folgen, einem Sprung, einer Drehung des Oberkörpers. Ich verliere dabei nie die Orientierung auf der Seite. Seine Figuren posieren nicht leer in die Gegend herum. Sie reagieren, sie verspannen sich, sie drohen und sie leiden. Die Gestaltung und Positionierung seiner Panel hatte etwas Besonderes.</p>
<p>Gerade in der Darstellung von unterschiedlichen Gesichtern war er stark. Ich sehe bei ihm keine austauschbaren Heldenschädel. Ich sehe Zorn, Erschöpfung, Arroganz und Trotz. Selbst Faltenwurf arbeitet bei ihm mit. Ein Cape fällt nicht einfach dekorativ. Es schneidet durch den Raum. Ein Schatten liegt nicht bloß herum, sondern baut Stimmung auf.</p>
<h2>DEADMAN und der große Durchbruch</h2>
<p>Für mich zeigt sich diese Qualität besonders schön in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Deadman_(Comicserie)" target="_blank" rel="nofollow noopener">DEADMAN</a>. Boston Brand, der Held der Reihe, ist ein seltsamer Stoff, weil die Figur zugleich körperlos und hoch emotional ist. Genau hier wird Adams richtig gut.</p>
<p>Er zeichnet einen Toten, der trotzdem ein Gesicht voller Schmerz hat. Er macht aus übernatürlichem Material keine wattierte Geistershow, sondern ein Drama mit Tempo, gezielter Blickführung und einer fast greifbaren Traurigkeit.</p>
<p>DC führt die frühen Geschichten aus <a href="https://dc.fandom.com/wiki/Strange_Adventures_Vol_1_205" target="_blank" rel="nofollow noopener">STRANGE ADVENTURES</a> bis heute als Kern seines Durchbruchs an und ich kann das sehr gut nachvollziehen. Hier sehe ich schon alles, was später groß werden würde wie z.B. die sicheren Perspektiven, die starke Mimik, die Lust an der Bewegung. Und vor allem diesen Willen, eine Seite so zu bauen, dass Leserinnen und Leser beinahe automatisch hineingezogen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_3584" aria-describedby="caption-attachment-3584" style="width: 716px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3584 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-04_1000X716.jpeg" alt="Neil Adams Beispielseite 04" width="716" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-04_1000X716.jpeg 716w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-04_1000X716-300x419.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-04_1000X716-107x150.jpeg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-04_1000X716-600x838.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px" /><figcaption id="caption-attachment-3584" class="wp-caption-text">Beispielseite aus BATMAN &#8211; THE BRAVE AND THE BOLD: RED WATER, CRIMSON DEATH</figcaption></figure>
<h3>Als Gotham nach Nacht aussah</h3>
<p>Noch wichtiger für sein Vermächtnis wurde jedoch jemand anderer: BATMAN.</p>
<p>Ich lese seine Arbeiten zum dunklen Ritter bis heute mit dem Gefühl, dass hier jemand eine Figur wieder auf ihre dunklen Wurzeln zurückführt. Der BATMAN bei Adams ist aufrecht, wachsam, gewollt unheimlich. Er betritt einen Raum nicht geschniegelt durch die Tür. Er hängt irgendwo in den Schatten, kommt wie ein Raubvogel aus der Höhe herab geschossen oder steht schon da, bevor die Gegenseite richtig begriffen hat, was eigentlich los ist.</p>
<p>Zusammen mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dennis_O%E2%80%99Neil" target="_blank" rel="nofollow noopener">Dennis O’Neil</a> formte er in BATMAN, DETECTIVE COMICS und THE BRAVE AND THE BOLD eine Version der Figur, die bis heute in mir nachwirkt. In diese Phase seines Schaffens fallen auch wichtige Neuzugänge wie MAN-BAT und RA’S AL GHUL.</p>
<p>Ich mag daran besonders, dass die Düsternis nie bloße Behauptung blieb. Sie sitzt in jeder Silhouette, im Seitenrhythmus und in den Blickachsen. Gotham wirkt bei ihm wieder wie ein Ort, in dem es kalt ist und an dem ich nachts zu Hause sein wollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_3585" aria-describedby="caption-attachment-3585" style="width: 716px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3585 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-05_1000X716.jpeg" alt="Neil Adams Beispielseite 05" width="716" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-05_1000X716.jpeg 716w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-05_1000X716-300x419.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-05_1000X716-107x150.jpeg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-05_1000X716-600x838.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px" /><figcaption id="caption-attachment-3585" class="wp-caption-text">Beispielseite aus BATMAN &#8211; THE BRAVE AND THE BOLD: RED WATER, CRIMSON DEATH</figcaption></figure>
<h3>Die Straße kommt ins Heft</h3>
<p>Ein eigener Blick auf den historischen Hintergrund lohnt sich bei <a href="https://dc.fandom.com/wiki/Green_Lantern/Green_Arrow_Vol_1" target="_blank" rel="nofollow noopener">GREEN LANTERN / GREEN ARROW &#8211; HARD TRAVELLING HEROES</a>. Anfang der siebziger Jahre war der amerikanische Superheldencomic noch längst nicht dort, wo er zu einem späteren Zeitpunkt mit politischen oder sozialen Stoffen ganz selbstverständlich hantierte.</p>
<p>Diese Serie schickte Hal Jordan (Green Lantern) und Oliver Queen (Green Arrow) durch ein Amerika, das von Rassismus, Armut, Drogen und wachsendem Misstrauen gegen die eigene Gesellschaft geprägt war. DC betont bei den Sammlungen bis heute, dass diese Hefte genau solche Themen offen angingen. Für mich macht aber nicht nur der Stoff diese Reihe stark.</p>
<p>Entscheidend ist, wie Adams mit seinen Zeichnungen die Geschichten erdet. Straßenecken wirken benutzt, Gesichter müde oder wütend. Green Arrow bekam in dieser Zeit sein modernes Aussehen mit charakteristischem Bart und härterer Kante. Auch John Stewart, einer der ersten dunkelhäutigen Superhelden (ebenfalls als Green Lantern), gehört Anfang der 1970er zu diesem Umfeld des allgemeinen Aufbruchs im jungen Bronze-Zeitalter der US-Comics.</p>
<p>Ich lese diese Seiten nicht als trockene Lektion, sondern als Versuch, Superhelden mit echtem Straßenstaub zu versehen. Das klappt erstaunlich gut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_3581" aria-describedby="caption-attachment-3581" style="width: 717px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3581 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-01_1000X717.jpeg" alt="Neil Adams Beispielseite 01" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-01_1000X717.jpeg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-01_1000X717-300x418.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-01_1000X717-108x150.jpeg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-01_1000X717-600x837.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /><figcaption id="caption-attachment-3581" class="wp-caption-text">Beispielseite aus BATMAN &#8211; THE BRAVE AND THE BOLD: RED WATER, CRIMSON DEATH</figcaption></figure>
<h3>MARVEL und neue Möglichkeiten</h3>
<p>Bei MARVEL, wo er ab 1969 als Freiberufler arbeitet, funktionierte sein Stil etwas anders, aber nicht weniger eindrucksvoll.</p>
<p>In <a href="https://www.marvel.com/comics/issue/12506/uncanny_x-men_1963_56" target="_blank" rel="nofollow noopener">UNCANNY X-MEN</a> Ausgabe 56 bis 63 brachte er zusammen mit Roy Thomas eine Dringlichkeit in die Serie, die ich selbst heute noch sofort spüre. Das Team wirkt plötzlich nicht mehr wie eine freundliche Reihe bunter Kostüme, sondern wie eine nervöse, junge Truppe, die mit jeder Bewegung gegen ihre Umwelt anrennt.</p>
<p>MARVEL führt diese Phase zu Recht als wichtige Station des Verlagshauses auf. Später kam THE AVENGERS hinzu, vor allem der <a href="https://www.marvel.com/comics/guides/924/" target="_blank" rel="nofollow noopener">KREE SKRULL WAR</a>. Dort zeigt sich eine andere von Adam&#8217;s Stärke. Er konnte Größe, konnte viele Figuren, viel Bewegung und Pathos. Und trotzdem bleiben seine Panel verständlich.</p>
<p>Das ist schwerer, als es aussieht. Seine MARVEL-Arbeiten waren nicht so dauerhaft mit einer einzelnen Figur verschmolzen wie bei DC&#8217;s BATMAN. Sie zeigen aber sehr klar, wie seine Fähigkeiten und wie breit aufgestellt seine Möglichkeiten waren.</p>
<h3>Nicht nur Zeichner, auch Antreiber</h3>
<p>Was ich an Neal Adams fast genauso interessant und wichtig finde wie die Kunst, ist sein Einfluss auf die gesamte Comic-Branche. 1971 gründete er mit Dick Giordano <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Continuity_Associates" target="_blank" rel="nofollow noopener">CONTINUITY ASSOCIATES</a>, ein Studio, das Comics, Illustration, Werbung und Storyboards miteinander verband und für viele jüngere Zeichner ein wichtiger Ort wurde.</p>
<p>Dazu kam sein Einsatz für Urheberrechte und Originalseiten. Besonders prägend war sein Anteil daran, dass <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jerry_Siegel" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jerry Siegel</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Joe_Shuster" target="_blank" rel="nofollow noopener">Joe Shuster</a> wieder Anerkennung und eine finanzielle Absicherung bekamen. Ich spreche darüber nicht als nette Randnotiz. Dies gehört genauso zu ihm, wie seine Zeichenkunst und damit in die Mitte seiner Biografie.</p>
<p>Ich sehe darin denselben Charakterzug wie in seinen Zeichnungen: Druck machen, Platz beanspruchen, nicht klein beigeben. Diese Einstellung passte nicht jedem. Und doch hat es der Branche gutgetan.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_3582" aria-describedby="caption-attachment-3582" style="width: 717px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3582 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-02_1000X717.jpeg" alt="Neil Adams Beispielseite 02" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-02_1000X717.jpeg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-02_1000X717-300x418.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-02_1000X717-108x150.jpeg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/NEAL-ADAMS_Innenseite-02_1000X717-600x837.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /><figcaption id="caption-attachment-3582" class="wp-caption-text">Beispielseite aus BATMAN &#8211; THE BRAVE AND THE BOLD: RED WATER, CRIMSON DEATH</figcaption></figure>
<h3>Wo ich auch mal die Stirn runzle</h3>
<p>Ganz ohne Kritik möchte ich diesen Artikel aber auch nicht beenden. Gerade spätere Arbeiten haben für mich stellenweise zu viel Nachdruck. Dann wird aus Energie Lautstärke. Dann kippt starke Anatomie in Überbetonung. Dann stehen Muskeln und Grimassen einen Tick zu entschlossen in einem Panel.</p>
<p>Natürlich lagen die Latten hoch und ich kann mir gut vorstellen, dass seitens der Verlage ein Immer-Höher, Immer-Weiter und Immer-Bombastischer gefordert wurde. Und doch ist diese Entwicklung bemerkenswert.</p>
<p>Auch als Autor war er nicht immer so präzise, wie ich ihn als Zeichner empfunden habe. <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/batman-odyssee-hardcover-ddcpb153c-de01.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">BATMAN ODYSSEY</a> oder manches andere Spätwerk haben Momente, in denen ich eher die Willenskraft als die Eleganz bewundere. Aber selbst dort sehe ich keine Müdigkeit. Ich sehe einen Künstler, der immer auf volle Präsenz aus war. Das ist nicht immer fein, aber fast immer unverwechselbar.</p>
<h3>Was von ihm bleibt</h3>
<p>Adams starb am 28. April 2022 in New York, also genau heute vor vier Jahren.</p>
<p>Geblieben ist weit mehr als eine Reihe berühmter Cover und kanonischer Comic-Hefte. Geblieben ist ein neuer Blick auf unsere Superhelden. Sie durften Schatten werfen, wieder verletzlich aussehen &#8211; und sein &#8211; und sie durften Größe haben, ohne den Boden unter ihren Füßen zu verlieren.</p>
<p>Wenn ich heute ältere BATMAN, DEADMAN, GREEN LANTERN, GREEN ARROW oder X-MEN-Seiten von ihm aufschlage, sehe ich deshalb nie bloß einen Klassiker. Ich sehe einen Zeichner, der dem Genre beigebracht hat, wie sich Spannung im Körper der gezeigten Personen anfühlt. Darum kehre ich immer wieder zu Neal Adams zurück. Nicht aus Ehrfurcht. Eher aus Freude darüber, wie lebendig Comics werden können, sobald einer sie wirklich atmen lässt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die gezeigten Beispielseiten sind ursprünglich © DC</p>
<p>Profilfoto / Beitragsbild by Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79171268" target="_blank" rel="nofollow noopener">https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79171268</a></p>
<p>Weitere Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/neal-adams-wenn-figuren-ploetzlich-schwerkraft-bekommen/">NEAL ADAMS – Wenn Figuren plötzlich Schwerkraft bekommen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>GARAGE DE PARIS &#8211; Zwischen Hebebühnen und Erinnerungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Bruno Bazile]]></category>
		<category><![CDATA[Dugomier]]></category>
		<category><![CDATA[Salleck Publications Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Blechkarosserie an der andern, Verkehr der niemals endet, genau wie die Emotionen. Ich bin kein Freund von Autos. Für mich sind es Maschinen, die mich von A nach B bringen sollen und dabei möglichst schwere Lasten transportieren, die ich nicht selbst schleppen will. Die beinahe religiöse Anbetung einiger Zeitgenossen war mir immer fremd. Auch [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/garage-de-paris-zwischen-hebebuehnen-und-erinnerungen/">GARAGE DE PARIS – Zwischen Hebebühnen und Erinnerungen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Blechkarosserie an der andern, Verkehr der niemals endet, genau wie die Emotionen. Ich bin kein Freund von Autos. Für mich sind es Maschinen, die mich von A nach B bringen sollen und dabei möglichst schwere Lasten transportieren, die ich nicht selbst schleppen will. Die beinahe religiöse Anbetung einiger Zeitgenossen war mir immer fremd. Auch die Abenteuer von <a href="https://www.zack-edition.de/produkt-kategorie/die-abenteuer-von-tanguy-und-lavedure/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Tanguy &amp; Laverdure</a> oder <a href="https://www.zack-edition.de/produkt-kategorie/michel-vaillant/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Michel Vaillant</a> in den technik-orientierten Comics frankobelgischer Prägung haben mich nie wirklich gereizt.</p>
<p>Demgegenüber hatte ich bei GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN &#8211; einem klassisch franko-belgischen Comic &#8211; sehr schnell das Gefühl, nicht einfach einen Comic über alte Autos vor mir zu haben. Dafür ist dieser Band zu aufmerksam gegenüber den Menschen, die an diesen Autos hängen.</p>
<p>Vincent Dugomier (Szenario) und Bruno Bazile (Zeichnungen) bauen in diesem Werk keine motorisierte Hitparade. Sie öffnen eine Werkstatt, in der Blech, Biografie und Zeitgeschichte ineinanderlaufen. Der alte Mechaniker Marcel führt dabei nicht nur durch eine Halle voller Klassiker. Er führt durch ein Frankreich der Landstraßen, der Ferienfahrten, Arztbesuche, Nachkriegsjahre und kleinen Träume. Genau das macht den Reiz dieses Albums aus.</p>
<p>Mich hat sofort angesprochen, wie unspektakulär und zugleich treffsicher der Band beginnt. Zwei Besucher kommen in eine Werkstatt, die äußerlich aus der Zeit gefallen wirkt. Drinnen stehen neben heutigen Gebrauchtwagen die eigentlichen Schätze. Der Mechaniker, Marcel, ist kein romantisch verklärter Priester der Oldtimer-Kultur. Er ist ein Arbeiter, ein Erzähler, ein Typ mit Blick für den Wert von Geschichten. Das ist klug, weil der Comic so nie in bloßes Schwelgen kippt. Er bleibt bei den Menschen, die diese Autos gefahren, repariert, geliebt oder verflucht haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3601" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746.jpg" alt="Innenseite 03 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Woher der Band seine Wärme nimmt</h3>
<p>Der Hintergrund von GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN ist spannender, als der schlichte Auftritt zuerst vermuten lässt.</p>
<p>Der Band erschien ursprünglich 2014 bei Glénat in der Reihe <a href="https://www.glenat.com/glenat-bd/collections-plein-gaz/" target="_blank" rel="nofollow noopener">PLEIN GAZ</a> und dann 2020 auf Deutsch bei Salleck Publications heraus. Dugomier ist nicht bloß Szenarist, der sich hier ein nettes Thema gesucht hat. Er ist auch leidenschaftlicher Sammler seltener Archive, als Autor mit fast soziologischem Blick auf Alltagsmenschen und ein Freund von Oldtimern, der seit den achtziger Jahren mit klassischen französischen Modellen unterwegs ist. Vielleicht ist dieser Band also auch eines der Herzensprojekte gewesen, das ihm besonders wichtig war. Das Gefühl habe ich im ganzen Album. Hier schreibt keiner von außen über ein Hobby. Hier erzählt jemand aus echter Nähe.</p>
<p>Noch wichtiger ist aber der historische Unterbau. Die Autos, die Dugomier und Bazile aufrufen, stehen für eine Zeit, in der Mobilität in Frankreich neu verteilt wurde. Die Renault 4CV war nach dem Krieg ein Symbol für Aufbruch und Wohlstand. Renault führt ihn als Bestseller des Landes bis 1955 und als Modell, das die Rückkehr in friedlichere Zeiten verkörperte. Peugeot nennt die 203 sein erstes Nachkriegsmodell und betont, dass sie unter den Bedingungen von Materialknappheit und Sparsamkeit entwickelt wurde.</p>
<p>Genau an dieser Stelle dockt der Comic an. Er interessiert sich nicht nur für Karosserien, sondern für die Gesellschaft, die sich in ihnen spiegelt. Dazu passt auch der offizielle Hinweis auf einen Tonfall im Geist von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Tati" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jacques Tati</a>. Diese Mischung aus &#8230; ja, Zärtlichkeit, Beobachtung und leichtem Witz trifft den Band ziemlich gut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3603" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746.jpg" alt="Innenseite 05 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Marcel öffnet die Tore</h3>
<p>Die Handlung ist im Kern einfach und gerade deshalb so einladend. Dugomier und Bazile treten in der Rahmenerzählung selbst als Besucher auf. Sie fahren zu Marcel, dessen Garage in der Charente einen fast musealen Charme hat.</p>
<p>Zwischen Werkzeug, Hebebühne und öligen Böden stehen Wagen, die sofort Geschichten versprechen. Marcel braucht dafür keine große Bühne. Ein Blick auf ein Auto genügt, und schon setzt eine Episode ein. Diese Struktur ist einerseits klassisch. Sie funktioniert aber, weil der Band nie so tut, als müsse er ein großes Geheimnis lösen. Sein Motor ist die Neugier. Was hängt an diesem Modell? Wer fuhr so etwas? In welchem Moment der französischen Alltagsgeschichte taucht dieser Wagen auf?</p>
<p>Da wird die Renault 4CV nicht als museales Objekt vorgestellt, sondern als Ferienauto einer Familie. Das ist ein kluger Einstieg. Denn damit steht sofort fest, worum es in diesem Band wirklich geht. Nicht um PS-Werte für Sammler, sondern um das Verhältnis von Mensch zu Maschine und Leben. Die 4CV wird zum Wagen des Aufbruchs, der Improvisation und des Familienchaos. Das Auto ist klein, die Hoffnungen sind groß und auf der Straße zeigt sich schnell, wie dünn die Grenze zwischen Abenteuer und Panne sein kann. Ich mag daran, dass Dugomier das Komische nicht auf Kosten seiner Figuren ausspielt. Er lächelt über sie, aber er verrät sie nicht.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3602" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746.jpg" alt="Innenseite 04 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Zehn kleine Geschichten über ein Land in Bewegung</h3>
<p>Der Band versammelt zehn kurze Episoden um legendäre Modelle. Als Nicht-Auto-Kenner mit Recherchepotential erkenne ich einen Renault 4CV, einen Panhard Dyna Z1, einen Peugeot 203, den Renault 8 Gordini, einen Jeep, einen Citroën 2CV (die Ente!), einen Citroën Traction 11 BL, einen Simca Aronde P60 Élysée, (natürlich) einen Volkswagen Käfer 1200 und und einen Alpine A110 1600 S. (Spaß beiseite &#8211; jede Kurzgeschichte beginnt natürlich mit einer Typenbezeichnung.)</p>
<p>Schon diese Auswahl zeigt, wie breit der Blick unserer Autoren ist. Da stehen Volksnähe und Kultstatus nebeneinander. Das Spektrum reicht vom Arztwagen bis zur Rallye-Sehnsucht, von der Familienkutsche bis zum Mythos auf Rädern. Dugomier und Bazile machen daraus keine trockene Chronik. Sie nehmen jede Karosserie als Anlass, ein Milieu, einen Beruf, einen Traum oder eine Erinnerung freizulegen.</p>
<p>Gerade darin liegt für mich die eigentliche Stärke des Albums. Ich sehe hier keine zehn bloßen Anekdoten, sondern zehn kleine, soziale Miniaturen. Die Peugeot 203 steht für Landarzt und Nachkriegspragmatik. Die Jeep trägt noch den Schatten des Krieges und später zugleich den Glanz populärer Bilder. Der Renault 8 Gordini öffnet den Raum für Tempo, Ehrgeiz und die Lust, aus einem alltagstauglichen Auto plötzlich etwas beinah Heldenhafftes zu machen. Dazu kommen Ferienfahrten, Landstraßen, erste ökologische Regungen, ländliche Routinen und auch ein vorsichtig sichtbarer Wandel von Rollenbildern.</p>
<p>All das bleibt knapp, oft skizzenhaft. Aber genau das ist hier Teil des Konzepts. Die Macher wollten keine Romane im Kleinformat erzählen. Sie wollen einen Moment treffen. Meist gelingt das gut. Gelegentlich bleibt eine Episode eher Pointe als Erzählung. Doch selbst dann trägt die Atmosphäre noch weiter, als es die reine Handlung tut.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3604" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746.jpg" alt="Innenseite 06 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS6" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Was der Auftakt kann und was nicht</h3>
<p>Als Auftaktband funktioniert GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN erstaunlich gut. Die Werkstatt mit Marcel ist ein starker Rahmen, weil sie sofort Verlässlichkeit schafft. Ich weiß nach wenigen Seiten, wie dieser Comic atmet. Ein Auto wird gezeigt, eine Erinnerung springt an, eine kleine Welt öffnet sich und dann kehrt der Band wieder in die Garage zurück. Das schafft Ruhe und Rhythmus.</p>
<p>Der Band ist klar als Beginn einer kleinen Reihe gebaut. Genau so liest sich das auch. Der erste Band will nicht alles. Er setzt den Ton, den Blick und das Erzählprinzip. Für eine Serie mit lose verbundenen Episoden ist das genau die richtige Aufgabe.</p>
<p>Seine Schwäche ist zugleich fast zwangsläufig. Zehn Geschichten auf gerade einmal 48 Seiten bedeuten wenig Raum für die einzelne Episode. Dadurch bleiben manche Figuren Typen, wo ich gern noch eine Nuance mehr gehabt hätte. Nicht jede Geschichte entfaltet denselben Nachhall. Einige wirken eher wie gut beobachtete Vignetten. Andere haben wirklich narrativen Drive.</p>
<p>Mich stört das nicht grundsätzlich, weil der Band offen als Sammlung kurzer Geschichten angelegt ist. Trotzdem hätte ich mir an zwei oder drei Stellen etwas mehr Reibung, etwas mehr Konflikt oder einfach einen längeren Atem gewünscht. Dugomier streift vieles klug. Er vertieft nicht alles gleich stark.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3605" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746.jpg" alt="Innenseite 07 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Bruno Bazile zeichnet nicht nur Autos</h3>
<p>Bruno Bazile ist für mich der eigentliche Star dieses Bandes. Das liegt nicht daran, dass er Autos schön zeichnen kann. Das kann er natürlich. Wichtiger ist, dass er ihnen Gewicht und Charakter gibt, ohne die Seite zu verstopfen. Die Fahrzeuge stehen nie wie ausgeschnittene Schaustücke herum, sondern haben ihren Platz im Raum. Sie haben Gebrauchsspuren, Volumen und eine sehr schöne Präsenz zwischen Alltagsgegenständen, Werkstatt und Landschaft.</p>
<p>Bazile hält Perspektive und Lesefluss sicher zusammen. Eine Werkstatthalle voller Autos kann schnell unübersichtlich werden. Hier bleibt alles klar. Ich weiß immer, wo ich bin und worauf ich schauen soll.</p>
<p>Dazu kommt sein Gespür für Menschen. Marcel ist auf Anhieb präsent. Nicht als Karikatur, sondern als Figur mit Haltung, Gewohnheit und Wärme. Bazile zeichnet Gesichter, die etwas vom Leben erzählen. Seine Nebenfiguren wirken nie wie Staffage. Gerade in einem Album, das viele kleine Geschichten statt einer großen Handlung hat, ist das entscheidend. Jede Episode braucht auf wenigen Seiten sofort ein soziales Klima.</p>
<h3>Ligne claire</h3>
<p>Bazile schafft das mit Körperhaltung, Mimik und sehr guter Milieu-Darstellung. Die Landstraße, die Küste, die Werkstatt, das Dorf, all das entsteht schnell und glaubwürdig. Ich mag auch, dass die Seiten nicht geschniegelt wirken. Er darf stauben, knarzen und manchmal einfach freundlich altmodisch sein.</p>
<p>Bruno Bazile wurde im Juni 1961 in Saint-Nazaire geboren. Seine ersten Comicseiten erschienen zwischen 1985 und 1992 in der Jugendpresse. Später arbeitete er mit Michel Plessix an LES FORELL, veröffentlichte mit LES FAUSSAIRES auch ein Soloalbum und begann anschließend eine längere Zusammenarbeit mit Pierre Veys, unter anderem bei LES AVATARS sowie ARTHUR ET MERLIN.</p>
<p>Seit 2010 zeichnete er außerdem an LES AVENTURES DE SARKOZIX mit. In der Glénat-Bibliografie tauchen neben GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN auch M’SIEUR MAURICE und LA NAISSANCE DE LA 4CV auf. Das passt gut zu dem Eindruck, den ich hier habe. Bazile ist ein Zeichner, der Figuren, Fahrzeuge und Zeitmilieu gleichermaßen ernst nimmt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3606" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746.jpg" alt="Innenseite 08 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN ist kein Comic, der mit Lautstärke gewinnt. Er kommt leise wie ein E-Auto, freundlich und sehr präzise daher. Gerade deshalb hat er mich bekommen. Dugomier versteht, dass ein Auto erst dann interessant wird, wenn ein Mensch darin sitzt. Bazile sorgt dafür, dass diese Menschen und Maschinen auf jeder Seite glaubwürdig zusammenfinden. Damit erinnert er mich sehr an <a title="Fahr‘ mit – in WUNDERVOLLE SOMMER!" href="https://panelwalker.de/2025/02/fahr-mit-in-wundervolle-sommer/" target="_blank" rel="noopener">WUNDERVOLLE SOMMER</a>, die Familie Faldérault und ihre &#8222;Mam&#8217;zelle Esterelle&#8220;.</p>
<p>Nicht jede der zehn Episoden hat dieselbe Kraft. Einige sind eher Skizze als Volltreffer. Aber der Band hat Herz, Haltung und ein sehr feines Gespür für Alltagsgeschichte. Als Auftakt ist das mehr als ordentlich. Es ist ein Album, in das ich gern einsteige, weil es nicht nur alte Autos zeigt, sondern Erinnerungen auf Räder stellt. Also, Zündung an, die Kupplung kommen lassen und entspannt losrollen &#8230;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3600" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE<br />
AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN</li>
<li>Dugomier und Bruno Bazile</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-89908-753-6</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://salleckpublications.eu/Gesamtverzeichnis/Garage-de-Paris/Garage-de-Paris-1-Zehn-beliebte-Autos-und-ihre-Geschichten.html?listtype=search&amp;searchparam=garage%20de%20Paris" target="_blank" rel="nofollow noopener">Salleck Publications Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/garage-de-paris-zwischen-hebebuehnen-und-erinnerungen/">GARAGE DE PARIS – Zwischen Hebebühnen und Erinnerungen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>RUMMELSDORF hilft die ENIGMA-Codes zu knacken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 05:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
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		<category><![CDATA[Politthriller]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Beka]]></category>
		<category><![CDATA[Bertrand Escaich]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline Roque]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg arten häufig in Untergrund-Erzählungen, Vertriebenen-Schicksale und Nazi-Bashing aus. Nun, dieser Comic ist da anders. Ganz anders. RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA ist ein Spin-Off aus dem SPIROU-Universum, ein Teil der Reihe SPIROU PRÄSENTIERT und zugleich der Start einer eigenen Reihe um den jungen Grafen Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert von Rummelsdorf. Das Album [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="wp-block-paragraph">Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg arten häufig in Untergrund-Erzählungen, Vertriebenen-Schicksale und Nazi-Bashing aus. Nun, dieser Comic ist da anders. Ganz anders.</p>
<p>RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA ist ein Spin-Off aus dem SPIROU-Universum, ein Teil der Reihe <a href="https://www.carlsen.de/reihe/spirou-prasentiert" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPIROU PRÄSENTIERT</a> und zugleich der Start einer eigenen Reihe um den jungen Grafen Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert von Rummelsdorf.</p>
<p>Das Album will die bekannte Figur neu aufstellen. Es will ihr Jugend, Haltung und eine Geschichte mitgeben. Vor allem aber will es zeigen, dass der liebenswerte Sonderling der späteren Abenteuern früher einmal ein junger Mann war, der mit offenem Blick durch eine aus den Fugen geratene Welt ging.<span id="more-1396"></span></p>
<p>Beka und David Etien setzen dafür nicht auf knallige Effekte. Sie setzen auf Neugier, auf Atmosphäre und auf Figuren, die klug genug sind, um interessant zu sein, aber menschlich genug, um nicht verkopft zu wirken. Und sie sind eindeutig von Morton Tyldum&#8217;s Film <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt2084970/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_the%20imitation%20game" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE IMITATION GAME</a> aus dem Jahr 2014 inspiriert, den ich persönlich für einen der besten Filme zum Thema Krieg und Spionage im 2. Weltkrieg halte.</p>
<p>Mich hat an diesem Album daher sofort gereizt und natürlich, dass es Krieg nicht als Kulisse für Heldentum benutzt. Der Krieg ist da, ja, und er drückt auf jede Szene. Aber im Mittelpunkt stehen keine Siegerposen, sondern Menschen, die denken, zweifeln, kombinieren und trotzdem handeln.</p>
<p>Genau das macht den Band für mich so sympathisch. Er will nicht bedeutungsschwer wirken. Er will eine gute, bekannte Geschichte noch einmal neu und aus einer anderer Richtung erzählen. Und er vertraut darauf, dass ein kluger Abenteuercomic völlig ausreicht, wenn Figuren und Rhythmus stimmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3394" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746.jpg" alt="Innenseite 34 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Bletchley Park und die Enigma</h3>
<p>Der historische Kern dieses Albums ist präzise gewählt. Die Enigma war keine bloße Fantasie aus einem Kriegsroman, sondern eine echte Chiffriermaschine, die von Deutschland militärisch genutzt wurde. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bletchley_Park" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bletchley Park</a> war das britische Zentrum der Codeknacker, die versuchten ihre Verschlüsselung zu knacken. Dort arbeiteten männliche und weibliche Mathematiker, Linguisten, Logiker, Schachspieler, Funkleute und viele andere Spezialistinnen und Spezialisten daran, die Nachrichten der Achsenmächte zu lesen.</p>
<p>Gerade das macht diesen Ort bis heute so faszinierend. Er war kein Schlachtfeld im klassischen Sinn. Er war ein Ort, an dem Konzentration, Geduld und Kombinationsgabe über Leben und Tod entschieden. Und auch hier führten Fehler möglicherweise zum Verlust von Menschenleben. Für einen Comic ist das fast schon ideal, weil sich hier Spannung nicht aus Explosionen ergibt, sondern aus Gedankenarbeit unter enormem Druck.</p>
<p>Besonders interessant finde ich, dass Bletchley Park eben nicht nur mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Turing" target="_blank" rel="nofollow noopener">Alan Turing</a> verbunden werden darf. Dieser Ort funktionierte stets als Teamleistung. Viele der Beschäftigten waren Frauen. Sie arbeiteten als Übersetzerinnen, Analytikerinnen und Bedienerinnen der Maschinen.</p>
<p>Auch die berühmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turing-Bombe" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bombes</a> waren keine magischen Wunderkästen, sondern Werkzeuge, die mit der harten Denkarbeit ihrer Erbauer zusammenspielten. Der Band greift genau diese Mischung auf. Er macht aus dem Stoff kein Schulbuch, sondern ein Abenteuer über kluge Köpfe, über Muster und über die seltsame Schönheit eines Rätsels, das sich erst Stück für Stück dem Rätselnden öffnet. Das gefällt mir sehr, weil der Comic spürbar Respekt vor dem Thema hat, ohne sich davon erdrücken zu lassen.</p>
<h3>Ein Held, der noch keiner sein will</h3>
<p>Die eigentliche Handlung beginnt 1940. Belgien ist besetzt. (Ganz Belgien? Ja, ganz Belgien!) Schloss Rummelsdorf steht unter dem Druck des Krieges. In diese Lage hinein flattert eine verschlüsselte Botschaft, die den jungen Grafen sofort elektrisiert.</p>
<p>RUMMELSDORF ist hier noch nicht die skurrile Vaterfigur, die viele aus den SPIROU UND FANTASIO-Comics kennen. Er ist wach, wissbegierig und ein wenig rastlos. Genau das funktioniert wunderbar. Der Band zeigt ihn nicht als geborenen Helden, der tollkühn irgendwo hinein stolpert. Er folgt einer Spur, weil sie seinen Verstand herausfordert und weil er spürt, dass hinter allem mehr steckt als ein nettes Denkspiel. Die Botschaft enthält eine Einladung, welche ihn nach England führt und damit in ein Abenteuer, das sehr schnell größer wird als er selbst.</p>
<p>Schon dieser erste Abschnitt liest sich angenehm flüssig. Ich mag, wie locker der Comic seine Ausgangslage baut. Das Schloss, die Besatzung, die chiffrierte Nachricht und die Reise nach London greifen sauber ineinander. Nichts wirkt übererklärt, nichts wirkt hektisch.</p>
<p>Stattdessen entsteht das schöne Gefühl, dass sich vor meinen Augen eine Tür öffnet. Hinter dieser Tür wartet kein übliches Kriegsabenteuer, sondern ein Rätselspaß mit Tempo und Charme. RUMMELSDORF ist dafür die richtige Figur, weil er weder Soldat noch Draufgänger ist. Er bringt etwas viel Passenderes mit: Neugier! In England findet der Band dann seine eigentliche Geschichte. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3395" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746.jpg" alt="Innenseite 35 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Blair, Turing und das Rätsel hinter dem Rätsel</h3>
<p>RUMMELSDORF trifft im Folgenden auf auf die Welt von Bletchley Park und eine Frau, Blair McKenzie. Blair ist für mich eine der größten Stärken dieses Comics. Sie ist nicht nur eine clevere Begleiterin. Sie gibt der Geschichte Wärme, Witz und Reibung. Zwischen ihr und RUMMELSDORF entsteht schnell eine Spannung, die den Band emotional auch trägt.</p>
<p>Zugleich wird Alan Turing als wichtige Figur eingeführt. Dies hätte leicht daneben gehen und in Ehrfurcht erstarren können. Tut es aber nicht. Der Comic nutzt Turing als Teil eines Teams, nicht als Denkmal. Dadurch bleibt die Geschichte lebendig und der Blick frei für das Zusammenspiel ihrer Figuren.</p>
<p>Die Handlung bleibt dabei angenehm konzentriert. Es geht um das Knacken der Enigma-Codes, um Zeitdruck und Vertrauen. Und es geht um die Frage, wer in so einem Moment eigentlich handeln darf und handeln muss.</p>
<p>Das alles bleibt verständlich, auch wenn man mit Bletchley Park oder kryptografischen Themen vorher kaum Berührung hatte. Genau das rechne ich dem Band hoch an. Er ist klug, aber nie glatt, historisch interessiert, aber nie trocken. Und er schafft etwas, das gar nicht so leicht ist: er macht Denkarbeit spannend, ohne sie künstlich mit Action aufzupeppen.</p>
<p>Mehr als einmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass hier nicht bloß eine Geschichte erzählt wird, sondern ein ganz eigener Ton gefunden wird, der weit über den Zungenschlag des SPIROU-Universums hinausgeht.</p>
<h3>Wo dieser Band seinen Platz hat</h3>
<p>Als erster Band der Reihe muss RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA viel leisten. Er muss seine Hauptfigur noch einmal neu vorstellen und den historischen Rahmen setzen. Auch muss er die emotionale Verbindung zu Blair aufbauen und zugleich den Grundstein für die Folgebände legen.</p>
<p>Genau deshalb verzeihe ich ihm auch kleinere Unebenheiten. Manche Szene erklärt halt doch ein wenig mehr, als sie vielleicht müsste. Manche reale Figur bleibt etwas stärker Funktion als voller Charakter. Trotzdem entwickelt sich der Band erstaunlich gut. Gerade im Rückblick sehe ich, wie sauber hier gearbeitet wurde, weil spätere Bände genau an einzelnen Punkten ansetzen können und die Reihe Schritt für Schritt weiter entwickeln &#8211; allerdings dunkler und persönlicher.</p>
<p>Für mich ist das die vielleicht schönste Qualität dieses Auftakts. Er will nicht alles schon im ersten Anlauf überbieten. Er legt an, pflanzt Motive, baut Beziehungen. Und er sorgt dafür, dass man nach der letzten Seite nicht das Gefühl hat, einen abgeschlossenen Einfall gelesen zu haben, sondern am den Beginn einer größeren Lebensgeschichte steht.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3396" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746.jpg" alt="Innenseite 36 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>PATIENT A führt die Reihe in deutlich dunklere Zonen</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-3406" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_02_Cover_372x500-1-113x150.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF - DER PATIENT A" width="113" height="150" />Der zweite Band knüpft direkt an Bletchley Park an. RUMMELSDORF und Blair arbeiten weiter an der Entschlüsselung deutscher Kommunikation. Zwischen beiden ist inzwischen mehr gewachsen als Freundschaft. Genau das macht den Einstieg hier angenehm, weil die Reihe ihre Figuren nicht neu sortieren muss.</p>
<p>Dann kommt ein codierter Hilferuf. Wissenschaftler werden von den Nazis gezwungen, an einem Forschungsprogramm mitzuwirken. Dieses Mal führt die Spur nach Berlin. Aus dem Denkabenteuer des ersten Bandes wird damit ein deutlich riskanteres Unternehmen mitten im Machtbereich des verfeindeten Regimes. Der Ton kippt spürbar, die Serie wird dunkler, härter. Sie bleibt zwar zugänglich, wirkt aber nun ernster und dichter.</p>
<p>Gerade diese Verschiebung finde ich stark. Der erste Band lebt von Entdeckung, Tempo und dem Zauber eines großen Rätsels. Der zweite Band zwingt RUMMELSDORF viel direkter in die moralische Wirklichkeit des Krieges. Das gibt der Figur weiter Gewicht.</p>
<p>Blair wird dabei noch wichtiger. Sie läuft nicht bloß mit oder wird als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Damsel_in_Distress" target="_blank" rel="nofollow noopener">Damsel-in-Distress</a> verwendet. Sie greift ein, sie denkt mit und sie hält die Geschichte menschlich. Dadurch wächst auch mein Blick auf RUMMELSDORF. Er ist jetzt nicht mehr nur der kluge junge Graf, der spannende Probleme löst. Er wird zu jemandem, dessen Intelligenz in einer brutalen Welt bestehen muss. Genau an diesem Punkt zeigt sich, dass die Reihe mehr sein will als ein hübsches Historien-Abenteuer.</p>
<h3>EINE HANDVOLL KOHLENSTOFFATOME öffnet die Reihe in eine neue Richtung</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-3404 alignright" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_03_Cover_372x500-113x150.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF - EINE HANDVOLL KOHLENSTOFFATOME" width="113" height="150" />Der dritte Band springt in den Herbst 1951. Schon dieser Zeitsprung tut der Serie gut, weil er das Konzept weitet. Eine etwas exzentrische Amerikanerin namens <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Sanger" target="_blank" rel="nofollow noopener">Margaret Sanger</a> taucht auf Schloss Rummelsdorf auf. Sie hat von den Forschungen des Grafen zur Empfängnisverhütung gehört und nimmt ihn mit nach Boston. Dort soll ein Labor helfen, eine Pille zu entwickeln.</p>
<p>Das ist ein überraschender, aber sehr kluger Schritt. Die Reihe bleibt bei Wissenschaftsgeschichte, nur verschiebt sich der Schwerpunkt weg vom Krieg und hin zu Fragen von Körper, Selbstbestimmung und Verantwortung.</p>
<p>Ich finde diesen Band als Fortsetzung besonders spannend, weil er zeigt, dass die Serie nicht in ihrem Kriegsstoff gefangen bleiben muss. Sie will mehr, will RUMMELSDORF als Figur des 20. Jahrhunderts erzählen. Jemanden, der an entscheidenden Momenten wissenschaftlicher Entwicklung beteiligt ist und daran zugleich persönlich leidet.</p>
<p>Genau dadurch gewinnt auch der Auftakt rückwirkend an Tiefe. Was in RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA noch wie ein kluges Abenteuer mit historischem Kern beginnt, wächst in den Folgebänden zu einer Reihe, die Wissenschaft und Moral zu einer Einheit verbindet.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3397" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746.jpg" alt="Innenseite 37 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Wo der erste Band überzeugt und bremst</h3>
<p>Was mir an RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA wirklich gut gefällt, ist seine Art, Spannung aus Intelligenz zu holen. Der Comic hat Vertrauen in seine Leserinnen und Leser. Er glaubt daran, dass ein chiffrierter Brief, ein kluger Einfall und eine gut geschriebene Begegnung reichen können, um Spannung zu erzeugen. Vor allem reicht es, weil Blair und RUMMELSDORF als Paarung so gut funktionieren. Zwischen beiden liegt etwas Zartes, Neugieriges und Unfertiges. Genau das macht sie glaubhaft. Ich habe den Band nicht nur wegen seiner historischen Kulisse gern gelesen, sondern auch, weil ich diesen beiden Figuren beim Denken und Annähern gern zugesehen habe.</p>
<p>Ganz ohne Einschränkung komme ich trotzdem nicht aus. An manchen Stellen merkt man dem Album an, dass es ein erster Band ist. Er muss die Welt erklären, Namen einführen und historische Dinge &#8211; zumindest knapp &#8211; einordnen. Dadurch fehlt ihm gelegentlich der letzte Hauch Leichtigkeit, den spätere Fortsetzungen an einigen Stellen sogar stärker entwickeln. Das ist aber kein schweres Problem.</p>
<p>Es ist eher die kleine Reibung eines sehr ambitionierten Auftakts. Für mich überwiegt ganz klar der Gewinn. Der Band ist klug gebaut, lesbar, warm und deutlich charakterstärker, als man es von einem historischen Spin-Off vielleicht zunächst erwarten würde.</p>
<h3>Zeichnungen, die Rätsel greifbar machen</h3>
<p>David Etien ist genau der richtige Zeichner für diesen Stoff. Sein Strich bleibt beweglich und klar. Die Figuren haben Ausdruck, ohne zur Karikatur zu werden. Räume, Maschinen und historische Details wirken konkret, nie steif oder künstlich. Schloss, Arbeitsräume, Züge und Bletchley Park haben in diesem Comic nicht bloß einen Dekorwert. Man spürt, wie dort gedacht, beobachtet und gearbeitet wird. Das hilft der Geschichte enorm, weil ein Stoff über Codeknacker nur dann funktioniert, wenn die Welt drumherum glaubwürdig bleibt.</p>
<p>Dazu kommt ein gutes Gefühl für Tempo. Etien kann eine Szene leicht halten, wenn der Band spielen will. Er kann sie verdichten, wenn Gefahr aufzieht. Das passt hervorragend zu einem Album, das zwischen Charme, Romantik und Kriegsdruck balanciert. Ich würde sogar sagen, dass ein Teil der Zugänglichkeit dieser Reihe direkt aus den Zeichnungen kommt. Sie laden ein. Sie schrecken nicht ab. Und genau deshalb erreicht der Comic sowohl erfahrene Leser als auch Menschen, die mit frankobelgischen Reihen sonst wenig anfangen können.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3398" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746.jpg" alt="Innenseite 38 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA ist für mich ein sehr gelungener Reihenauftakt. Der Band ist klug, warm und spannend, ohne laut zu werden. Er erzählt von Krieg, Wissenschaft und Verschlüsselung. Vor allem aber erzählt er von Menschen, die mit ihrem Kopf und ihrem Herzen gegen eine dunkle Zeit anarbeiten. Gerade das macht ihn so lesenswert.</p>
<p>Wer nur ein historisches Abenteuer sucht, bekommt hier schon viel. Wer etwas mehr will, bekommt zusätzlich eine Figur, die im Lauf der Reihe sichtbar an Tiefe gewinnt und eine interessante Vorgeschichte erhält. Und genau deshalb bleibt RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA für mich nicht bloß der erste Band einer Serie, sondern ein Band, der ihr ein Gesicht verleiht.</p>
<p>P.S. Mit <a href="https://www.carlsen.de/softcover/spirou-prasentiert-7-rummelsdorf-4/978-3-551-80750-2" target="_blank" rel="nofollow noopener">RUMMELSDORF &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE</a> erscheint beim Carlsen Verlag in Kürze <strong>der vierte Band der Reihe</strong>, der dem Cover-Bild zu Folge den Weg zu den Schattenseiten des technologischen Fortschritts beschreitet. Ich freue mich schon darauf&#8230;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3393" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743-300x404.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF ENIGMA" width="300" height="404" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743-300x404.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743-600x808.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743.jpg 743w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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<ul id="infobox">
<li>SPIROU PRÄSENTIERT: RUMMELSDORF 1 &#8211; ENIGMA</li>
<li>Beka und David Etien</li>
<li>Hardcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-77676-1</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★★☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/softcover/spirou-prasentiert-4-rummelsdorf-1-enigma/978-3-551-77676-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/rummelsdorf-hilft-die-enigma-codes-zu-knacken/">RUMMELSDORF hilft die ENIGMA-Codes zu knacken</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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