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	<title>★★★☆☆ - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>★★★☆☆ - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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		<title>TELEPORTATION INC. &#8211; Die nächste Reise startet gleich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Oct 2026 05:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der heutige Comic ist schon etwas älter, aus dem Jahr 2021 um genau zu sein. Er gehört zu Werken, die ich im Schrank stehen habe und zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre, falls ich für den Feierabend nach &#8222;leichter&#8220; Lektüre suche. Im Zentrum von TELEPORTATION INC. steht einer der ältesten Menschheitsträume: Reisen, wohin und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der heutige Comic ist schon etwas älter, aus dem Jahr 2021 um genau zu sein. Er gehört zu Werken, die ich im Schrank stehen habe und zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre, falls ich für den Feierabend nach &#8222;leichter&#8220; Lektüre suche.</p>
<p>Im Zentrum von TELEPORTATION INC. steht einer der ältesten Menschheitsträume: Reisen, wohin und wann immer man will, per Knopfdruck, ohne Jetlag oder Tankrabatt. Nur mit ein bisschen Techno-Zauber. Dank der Galactic Teleportation Company (kurz GTC) wird dieses Science-Fiction-Versprechen Realität. In einer weitläufigen Zukunftsgesellschaft, in der diverse Spezies das All zum Wohnzimmer gemacht haben, kontrolliert die GTC mit ihren globalen und interstellaren Regeln, wer sich wohin teleportieren darf. Strenge Vorgaben und Rückkehrtermine sind Pflicht. Wer sich nicht daran hält, wird von Rückholagenten gesucht – und oft gefunden!<span id="more-1823"></span></p>
<p>Der Comic öffnet mit einem humorvollen wie actionreichen Blick in den Alltag einer dieser Agentinnen, Lubia Thorel. Lubia, die als Beste ihrer Abteilung gilt, kehrt gerade erfolgreich von einem ihrer Einsätze zurück. Kaum angekommen, wartet allerdings auch schon der nächste Fall auf sie. Gleich fünf Teleportierte sind auf dem Planeten Shpar verschwunden.</p>
<p>Der Auftrag klingt nach Stress, vor allem weil die Abgewichenen nicht gerade harmlose Touristen sind. Die Spur führt Lubia zusammen mit ihrem neuen, eher ungewollten Alien-Partner in die Ausläufer einer Verschwörung, an deren Ende mehr auf dem Spiel steht als nur ein paar vermisste Globetrotter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1824 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_01_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 1 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_01_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_01_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_01_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="(max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Weit, weit draußen</h3>
<p>Shpar, der Zielplanet, ist eine Mischung aus mondäner Hightech-Welt und dekadentem Treffpunkt für Milliardäre. Hier treffen intergalaktische Snobs und Sicherheitsleute bei einem Hauch Steam-Punk aufeinander.</p>
<p>Lubias Recherchen geraten schnell außer Kontrolle als ungeklärte Phänomene, skrupellose Geschäftemacher und seltsame Mutationen auf der Bildfläche erscheinen. Ihr neuer Partner, ein Duagin mit recht eigenwilligen Eigenschaften (samt Eidechsenschwanz) sorgt für Reibung, Witz und zahlreiche anzügliche Seitenhiebe. Die Buddy-Cop-Dynamik mischt actiongeladene Szenen mit bissigen Dialogen und gelegentlichem Slapstick.</p>
<p>Im Laufe der Ermittlungen geraten beide in einen Sog aus Verschwörung und Sabotage. Es geht längst nicht mehr nur um vermisste Reisende. Die Geschichte offenbart einen größeren Plan, der mit der Entwicklung der Teleportationstechnologie und verschwundenen Planeten zu tun hat.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-1825 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_02_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 2 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_02_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_02_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_02_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="(max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Komik vs. Technik</h3>
<p>Paranoia, Intrigen und eine latent überdrehte Komik ziehen sich durch den Plot. Lubia und ihr Partner müssen sich nicht nur mit ihren Gegnern herumschlagen, sondern werden auch regelmäßig von den Tücken der eigenen Technologie überrascht.</p>
<p>Doch trotz aller Wendungen jagt TELEPORTATION INC. nie ausschließlich dem nächsten dramatischen Cliffhanger hinterher. Stattdessen dominiert eine leichte, oftmals ironische Erzählstimme, die auch Raum für Momente des Scheiterns, der Freundschaft und der gegenseitigen Annäherung lässt. Die Mission, die Handlung, das Setting – all das bleibt am Ende nicht ohne Folgen, weder für die Helden noch für das Universum selbst.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-1826 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_03_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 3 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_03_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_03_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_03_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="(max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwischen Knalleffekt und Kopfnuss</h3>
<p>Obwohl TELEPORTATION INC. auf den ersten Blick wie ein temporeiches Sci-Fi-Abenteuer daherkommt, entpuppt sich die Erzählung bei genauerem Hinsehen als erstaunlich vielschichtig.</p>
<p>Sie gibt sich als klassische Buddy-Geschichte: alter Hase (pardon: Häsin) trifft auf Rookie, die härteste Agentin mit Prinzipien auf einen Alien mit sozialer Tollpatschigkeit. Dieser Ansatz verleiht dem Plot eine solide Grundspannung. Die Dynamik zwischen Lubia Thorel und ihrem Duagin-Partner bringt die nötige Würze und sorgt neben Action sowohl für schallendes Gelächter als auch für genügend Gelegenheit zum Augenverdrehen.</p>
<p>Strukturell setzt TELEPORTATION INC. auf eine Mischung aus Krimi- und Verschwörungs-Thriller. Immer wieder improvisiert die Heldin, stellt unkonventionelle Nachforschungen an und legt sich mit Vorgesetzten und Sicherheitsapparaten an. Der Wechsel von humorvoll überdrehten Dialogen zu echten Thriller-Momenten sorgt für einen Rhythmus, der auch auf längeren Strecken das Ganze nie eintönig werden. Handfeste Action, grotesker Slapstick und satirische Seitenhiebe auf Bürokratie und Konzernmacht wechseln sich flott ab.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1827 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_04_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 4 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_04_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_04_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_04_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Tempo und Takt in TELEPORTATION INC.</h3>
<p>Ich könnte bemängeln, dass die Handlung gelegentlich fragmentarisch wirkt. Die Handlungsstränge reihen sich manchmal zu hastig und zufällig aneinander. Dadurch droht der Comic, Atmosphäre und Tiefe zugunsten der nächsten Pointe oder Actionszene einzubüßen.</p>
<p>Und doch schafft es dieser Band, mir immer wieder überraschende Wendungen zu liefern, die das Buch vor Vorhersehbarkeit retten. Den dramaturgischen Höhepunkt erreicht TELEPORTATION INC. in seiner zweiten Hälfte. Der rätselhafte Hintergrund der Teleportationstechnologie – mitsamt verschwundener Planeten – wird mit Spannung aufgelöst, ohne sich in zu viele Erklärungen zu verlieren.</p>
<p>Amüsant ist, dass der Comic offen lässt, wie ernst er sich selbst eigentlich nimmt. Zwischen pop-kulturellen Referenzen, kleinen Anspielungen auf Kino (Star Wars lässt grüßen) und einer Prise Steam-Punk wird der Ernst der Lage immer wieder humorvoll unterlaufen. Es bleibt bei dem Versuch, eine Balance zwischen ambitioniertem Sci-Fi-Plot und lockerer Lesbarkeit zu halten.</p>
<p>Wer ein tiefschürfendes Drama sucht, ist hier eindeutig falsch. Wer Spaß an fein dosierter Albernheit bei gleichzeitig hohem Erzähltempo genießt, kommt wie ich auf seine Kosten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1828 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_05_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 5 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_05_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_05_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_05_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Schräge Typen, starke Agentin</h3>
<p>Der Star von TELEPORTATION INC. ist unbestritten Lubia Thorel. Sie gibt der Geschichte nicht nur ein Gesicht, sondern auch einen Tonfall. Als knallharte Rückholagentin ist sie souverän, kämpferisch und scheinbar über jede Erschütterung erhaben. Ihre Dialoge sind pointiert, ihre Methoden bisweilen &#8211; nun ja, rabaukig. Gleichzeitig bleibt sie sympathisch, weil sie Fehler macht, sich irrt, lacht und ein weiblicher Grantler ist. Ihr Charakter wird von Stereotypen gelegentlich gestreift, jedoch immer rechtzeitig durch Selbstironie oder subtile Gefühlsmomente gebrochen.</p>
<p>Ihr Alien-Partner, ein Duagin mit außergewöhnlicher Körperausstattung, dient als Kontrastfigur. Seine soziale Unsicherheit, seine wortwörtlichen Ausrutscher und sein Hang zu naivem Staunen über die menschlichen Welten sorgen für Komik. Zugleich wirkt er in den spannenden Momenten als überraschend ernsthafter und loyaler Partner.</p>
<p>Diese buddyhafte Beziehung liefert das emotionale Rückgrat und verhindert, dass der Comic zu einer bloßen Action-Sammlung verkommt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1829" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_06_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 6 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_06_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_06_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_06_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwischen Kick-Ass und Kicherattacke</h3>
<p>Die Nebenfiguren bleiben größtenteils Staffage. Sie funktionieren als Karikaturen von Bürokraten, Snobs, Sicherheitsleuten und Tech-Nerds. Das ist nicht immer tiefgründig, sorgt aber für Wiedererkennungswert. Die Antagonistinnen und Antagonisten agieren klischee-bewusst und werden von den Protagonisten meistens mit einem Spruch oder einem Trick ausmanövriert.</p>
<p>Die Figurenentwicklung ist solide, aber nicht bahnbrechend. Ein echtes Durchleben innerer Konflikte bleibt aus, da der Fokus stärker auf Schlagfertigkeit und Teamarbeit liegt. Trotzdem verweile ich bei Lubia und ihrem Kompagnon gerne. Vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht perfekt sind. In Summe funktionieren die Hauptfiguren als Sympathieträger, die sogar Potenzial für weitere Bände hätten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1830 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_07_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 6 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_07_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_07_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_07_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwei Macher, ein Stil</h3>
<p>Die kreative Feder hinter TELEPORTATION INC. ist Dominique Latil, ein Autor, der sich durch verschiedene Sci-Fi- und Fantasyreihen einen Namen gemacht hat. In Frankreich schätzt man ihn unter anderem für die Serie <a href="https://www.amazon.de/Morea-Band-9-Schwarze-Schuld/dp/395839387X/ref=sr_1_3?dib=eyJ2IjoiMSJ9.tyZnhFY0uhH2hqbDiYS84xyuIYnB9ZwlbtX5zI6-uFg9tbt-HV57AD_GguFS35h6jcD2oXM9kL5sPBJTEp8eUMGIJ0uRqbRk5YEiCrXXGb9BFmyOyVYZd-JviW4xjPAFUP8osSbUvn4t6R7sy1fPqOW6uhLLvMC2YiYiiEGfNkx78UXgQfyAbv4cca9FlmlTpjrisLN020rp3COFOGzo5Xq_RmENpbYDfaIO4wl-j48.ulG0TwOGshN-jM4gNnKmLwSR1pWREV9fomKG3iRcQZU&amp;dib_tag=se&amp;qid=1774608902&amp;refinements=p_27%3ADominique+Latil&amp;s=books&amp;sr=1-3&amp;text=Dominique+Latil" target="_blank" rel="nofollow noopener">MOREA</a>. Latil ist bekannt für seinen Hang zum humorvoll gebrochenen Abenteuer, für pop-kulturelle Referenzen und clevere Genre-Mischungen. Er versteht es, klassische Themen auf die Schippe zu nehmen, ohne ihnen gänzlich ihren Ernst zu rauben.</p>
<p>Auch in TELEPORTATION INC. setzt er auf die bewährte Mischung aus Krimi, Sci-Fi und Buddy-Komödie. Seine Geschichten sind selten wirklich ernst und lassen stets Raum für Ironie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1831 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_08_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 7 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_08_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_08_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_08_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Wenn Storyboard auf Storytelling trifft</h3>
<p>Romain Sordet, erstmals als Hauptzeichner für einen Band dieser Länge verantwortlich, bringt als Storyboarder und Animator frischen Wind in die frankobelgische Comic-Branche. Der ausgebildete Zeichner arbeitet auch als Lehrer für Storyboarding und bringt daher ein ausgeprägtes Gefühl für Bildführung und visuelles Erzählen mit. Sein bisheriger Werdegang führt von animierten Kurzprojekten über Illustrationen bis hin zu seinem Durchbruch mit TELEPORTATION INC., das er sowohl zeichnerisch als auch farblich prägt.</p>
<p>Die Zusammenarbeit der beiden führt zu einer außergewöhnlich harmonischen Verbindung von Text und Bild. Während Latil die Dialoge fliegen lässt, verwandelt Sordet sie gekonnt in mimische Höhepunkte. Die Nähe beider Künstler zur frankobelgischen Tradition ist spürbar, gleichzeitig zeigen sie Mut zu Wagnissen und genüsslicher Überzeichnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1832 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_09_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 8 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_09_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_09_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_09_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Knallbunt, cartoonisch und voller Bewegung</h3>
<p>Romain Sordets Zeichnungen sind die visuelle Triebfeder von TELEPORTATION INC. Sein Strich bewegt sich sicher nahe am Funny-Stil, erinnert an die großen frankobelgischen Klassiker, verzichtet aber auf sterile Perfektion.</p>
<p>Die Gesichter sind expressiv, die Körper meist karikiert, was der Interaktion zwischen den Figuren ein humorvolles Eigenleben verleiht. Gerade Mimik und Gestik überzeugen auf breiter Linie. Das führt dazu, dass schon reaktive Blicke und kleine Minenwechsel ganze Pointen transportieren können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1833 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_10_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 9 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_10_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_10_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_10_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Farbspektakel im Funny-Stil</h3>
<p>Die Farbgebung ist kräftig und plakativ. Dieses knallbunte Setting betont sowohl den spaßigen Charakter als auch den futuristischen Hintergrund. Besonders gelungen sind die urbanen Szenerien, die einen originellen Spagat zwischen Art-Déco, Steam-Punk und Hightech schaffen. Ob man sich auf dem Luxusplaneten Shpar oder in der trostlosen GTC-Zentrale befindet: Atmosphärische Tiefe wird in dezenten Details und nicht mit Pathos präsentiert.</p>
<p>Anspielungen auf bekannte Filme, Serien und Genres lassen sich schon aus den Panelformen und Bildaufbauten herauslesen. Das Design der Fahrzeuge, Labore und Nebenfiguren strotzt vor liebevollen Zitaten. Gelegentlich wirkt das Worldbuilding ein wenig überfrachtet. Doch es bleibt charmant und voller Entdeckerfreude.</p>
<p>Sordet zeigt Mut zur Eigenständigkeit, ohne sich von der frankobelgischen Historie zu lösen. Wer den Funny-Stil mag, fühlt sich sofort zu Hause. Fans düsterer Hyperrealismen werden dagegen wenig Neues entdecken. Positiv sticht heraus, wie sehr sich Bild und Story gegenseitig verstärken. Was die Handlung ironisch übertreibt, zeigt das Bild meist mit hintersinnigem Zwinkern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1834 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_11_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 10 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_11_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_11_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_11_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Ein Double mit Potential</h3>
<p>Interessant sind die ironischen Seitenhiebe auf Reisewahn, Bürokratie und Großunternehmen. Die GTC als Mischung aus TÜV und SpaceX liefert zahlreiche Subtexte zur Diskussion um Technikgläubigkeit und Überwachung in einer globalisierten Welt. Diese Metaebene lässt sich leicht genießen, ohne in Philosophie oder Gesellschaftskritik abzudriften.</p>
<p>TELEPORTATION INC. ist kein Teil einer längeren Serie, könnte es aber sein. Das Setting und die Figuren bieten Potenzial für Spin-Offs. Bislang bleibt es jedoch bei diesem Doppel-Album.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>TELEPORTATION INC. ist ein kurzweiliges, pointiert erzähltes Sci-Fi-Comedy-Abenteuer, das gleichermaßen für Neueinsteiger wie erfahrene Comicfans geeignet ist. Für einen Comic zwischendurch ist dieses Werk genau das Richtige.</p>
<p>Dominique Latil und Romain Sordet liefern ein Werk, das bewusst keine große Dramatik, wohl aber jede Menge Tempo, Humor und popkulturellen Esprit präsentiert. Die Buddy-Dynamik überzeugt, der Funny-Stil sorgt für Lesefreude, und das Setting bietet Anregungen für die Fantasie.</p>
<p>Ein episches Meisterwerk will TELEPORTATION INC. nicht sein. Es genügt ihm, klug und witzig zu unterhalten. Wer Spaß an Sci-Fi mit Herz, Witz und einem Augenzwinkern sucht, findet hier einen echten Hingucker für das Regal. Oder halt für den ruhigen Feierabend bei &#8222;leichter&#8220; Lektüre &#8230;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-1835" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_Cover_1000x720_medium-300x417.jpg" alt="Cover von TELEPORTATION INC." width="300" height="417" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_Cover_1000x720_medium-300x417.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_Cover_1000x720_medium-600x833.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_Cover_1000x720_medium.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>TELEPORTATION INC.</li>
<li>Jordi Lafebre</li>
<li>Hardcover | 96 Seiten | Farbe | Double</li>
<li>ISBN 978-3-96792-293-6</li>
<li>Storyline: ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/teleportation-inc.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>DÉDÉ – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL trifft es ziemlich gut</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/10/dede-mir-platz-gleich-der-schaedel-trifft-es-ziemlich-gut/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 05:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Crime Noir]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Semi-Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Erik]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Weißmüller]]></category>
		<category><![CDATA[Kult Comics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Philip Marlowe trägt seinen Trenchcoat wie eine Rüstung. Columbo wirkt darin, als hätte er die Nacht auf dem Rücksitz seines Peugeot 403 verbracht. Und Inspektor Canardo, die Ente im Humphrey-Bogart-Look, schleppt seinen Mantel durch eine Welt, in der selbst der Regen schlechte Absichten zu haben scheint. Detektiv Deschamps, genannt Dédé, gehört zu diesem illusteren Kreis, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Philip Marlowe trägt seinen Trenchcoat wie eine Rüstung. Columbo wirkt darin, als hätte er die Nacht auf dem Rücksitz seines Peugeot 403 verbracht. Und Inspektor Canardo, die Ente im Humphrey-Bogart-Look, schleppt seinen Mantel durch eine Welt, in der selbst der Regen schlechte Absichten zu haben scheint.</p>
<p>Detektiv Deschamps, genannt Dédé, gehört zu diesem illusteren Kreis, steht dort aber wie der kräftige Cousin aus Paris, der zu spät kommt, immer hungrig ist und trotzdem als Erster merkt, dass etwas nicht stimmt.</p>
<p><span id="more-4435"></span></p>
<p>In DÉDÉ: BAND 5 – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL schickt Erik seinen Privatermittler an die normannische Küste. Dort wartet jedoch kein gemütlicher Ferienfall auf ihn. Ein Tourist ist mitten auf einer belebten Promenade auf grausame und scheinbar unerklärliche Weise gestorben. Ihm ist im wahrsten Sinne des Wortes der Kopf geplatzt. Wochen später meldet sich ein Erpresser, der eine lautlose Fernwaffe besitzen will und sein nächstes Ziel sei die Industriellen-Familie von Caius Morel.</p>
<p>Ein schöner Einstieg: Erik verbindet ein beinahe groteskes Verbrechen mit der freundlichen Oberfläche eines Badeortes nach Saisonende. Hinzu kommt ein Detektiv, der weder Übermensch noch wandelndes Lexikon ist. Dédé schwitzt, flucht, gerät aus dem Takt und hält dennoch an seinem Auftrag fest. Das Szenario macht Anleihen beim Crime-Noir, der Held jedoch bleibt angenehm fehlbar.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4438" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03.jpg" alt="Innenseite 03 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Tatort Strandpromenade</h3>
<p>Tréville-Plage sieht zunächst nach einem Ort aus, an dem eine Möwe höchstens ein belegtes Brot stiehlt. Kennt man ja. Dann aber stirbt René Dourreau. Der unbescholtene Tourist wird am helllichten Tag von etwas getroffen, obwohl niemand einen Schützen wahrnimmt. Es gibt keinen hörbaren Schuss und kein übliches Geschoss. Der Tod wirkt so unmöglich, dass die Ermittlungen der örtlichen Kriminalpolizei nach Wochen ohne Ergebnis eingestellt werden.</p>
<p>Das Verbrechen ist nicht nur rätselhaft. Es verletzt die friedliche Ordnung des Ortes. Ich spüre beim Lesen sofort, dass in Tréville-Plage etwas unter der hübschen Oberfläche brodelt. Zugleich bleibt Dourreau zunächst ein großes Fragezeichen. Gerade seine Unauffälligkeit macht den Fall interessant. Weshalb sollte ausgerechnet dieser Mann sterben?</p>
<p>Sechs Wochen später ist die Saison vorbei. Die Urlauber sind abgereist, die Promenade wirkt leerer, die Küste kälter. An diesem Punkt der Ereignisse trifft Dédé ein. Schon seine Ankunft verrät viel über ihn. Die Fahrt läuft nicht glatt, der Wagen macht Ärger und der Detektiv hinterlässt bei seinen neuen Auftraggebern keinen Auftritt wie aus einem Werbeprospekt. Er kommt verschmutzt und verspätet an. Caius Morel, reich, ungeduldig und wenig bereit, Fehler zu verzeihen, empfängt ihn entsprechend kühl.</p>
<p>Damit stehen sich unmittelbar zwei gegensätzliche Kräfte gegenüber. Hier der zahlungskräftige Auftraggeber, der Kontrolle gewohnt ist, dort Dédé mit seinem eigenen Arbeitsrhythmus. Dass diese Verbindung nicht lange friedlich koexistieren kann, zeichnet sich früh ab.</p>
<h3>Der Brief im verschlossenen Château</h3>
<p>Caius Morel hat einen Grund für seine Nervosität. Ein Brief hat ankündigt, dass der Tod auf der Promenade kein Zufall war. Der Absender beansprucht die Tat für sich und richtet seine nächste Drohung gegen die Familie Morel. Eine Million Euro soll gezahlt werden, die Frist läuft noch in derselben Nacht ab. Dem Brief ist das Bild einer seltsamen Waffe beigefügt. Sie soll aus der Entfernung töten, lautlos und ohne die gewöhnlichen Spuren.</p>
<p>Die Familie zieht sich in ihr Château zurück, niemand möchte zur Zielscheibe werden. Ich mag, wie Erik den vermeintlich sicheren Wohnsitz dabei langsam in einen Käfig verwandelt. Große Räume, Besitz und gesellschaftlicher Rang helfen wenig, sobald eine Gefahr angeblich über Distanz und durch Mauern hindurch wirken kann. Caius Morel versucht zwar, die Lage mit Geld und Befehlen zu beherrschen. Seine unterschwellige Unsicherheit lässt sich jedoch kaum verbergen.</p>
<p>Dédé muss in kürzester Zeit nun zwei Fragen beantworten. Besitzt der Erpresser tatsächlich eine solche Waffe? Oder nutzt ein Nachahmer das ungelöste Verbrechen, um die Morels in Panik zu versetzen? Diese zweite Möglichkeit hält den Fall auf dem Boden. Erik lässt das Unheimliche stehen, ohne den Krimi an eine reine Fantasie-Erklärung auszuliefern.</p>
<p>Der Detektiv prüft das Gelände, hört zu, wägt die bevorstehende Geldübergabe ab und gewinnt dabei keinen souveränen Überblick über alle Beteiligten. Die Morel&#8217;s und ihr Umfeld begegnen ihm mit eigenen Interessen und Befindlichkeiten. Jede Auskunft kann helfen oder nur eine Nebelkerze sein. Dédé lässt sich davon jedoch nicht einschüchtern. Doch sein ruhiges Auftreten bekommt erste Risse. Der Auftraggeber verlangt schnelle Ergebnisse, während der Fall ihm jede einfache Antwort verweigert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4439" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 04 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Eine Million im Fadenkreuz</h3>
<p>Die Geldforderung gibt der Handlung einen harten Takt. Dédé hat keine bequeme Woche für Gespräche, Akteneinsicht und wiederholte Ortsbesichtigungen. Bis zur kommenden Nacht muss ein Plan stehen. Also versucht er, Morel zu schützen, die Übergabe zu organisieren und zugleich herauszufinden, von wo der Erpresser handeln könnte. Diese Mischung ist für ihn kaum zu beherrschen.</p>
<p>In der Dunkelheit verändert Erik den Ton. Das Küstenstädtchen verliert seine Postkarten-Idylle. Wege, Mauern und Aussichtspunkte werden zu möglichen Verstecken. Jeder Blick in die Ferne kann einen Beobachter verraten. Ebenso könnte dort auch eine falsche Spur warten. Dédé bewegt sich nicht wie ein lautloser Schatten durch diese Landschaft. Seine Körperfülle, sein zu kleiner Wagen und seine Neigung, im falschen Augenblick die Geduld zu verlieren, machen ihn sicht- und verwundbar.</p>
<p>Genau hier zeigt sich aber auch, weshalb ich die Figur so gern begleite. Dédé besitzt Mut, aber keine elegante Unantastbarkeit. Wenn ein Plan kippt, reagiert er nicht mit einem überlegenen Lächeln. Er wird hektisch, wütend und mitunter panisch. Trotzdem rennt er weiter. Seine Fehler entstehen aus Druck und Überforderung, nicht aus künstlicher Dummheit.</p>
<p>Die nächtliche Aktion bringt keine klare Lösung. Der Erpresser bleibt Dédé voraus, die Gefahr lässt sich nicht greifen und Caius Morel&#8217;s Vertrauen entschwindet. Aus dem versprochenen Zugriff wird ein Durcheinander aus Beobachtung, falschen Annahmen und verpassten Möglichkeiten. Erik nutzt das nicht nur für Komik. Im Gegenteil, das Scheitern verschärft den Fall. Nun weiß Dédé, dass der Täter entweder sehr gut vorbereitet ist oder dass entscheidende Informationen fehlen.</p>
<h3>Der Ermittler fliegt aus dem Fall</h3>
<p>Caius Morel reagiert folgerichtig &#8211; wie Dédé es befürchten musste &#8211; und entzieht Dédé den Auftrag. Hier trifft der Rauswurf den Kern der Figur. Dédé lebt davon, dass seine etwas schwerfälligen Methoden am Ende doch Ergebnisse bringen. Wenn das nicht geschieht, verliert er rasch die innere Ruhe. Ärger und Selbstzweifel liegen bei ihm eng beieinander.</p>
<p>Erik gönnt ihm keine triumphale Abkürzung. Der Fall drängt Dédé an körperliche und gedankliche Grenzen. Zugleich bleibt sein Pariser Umfeld wichtig.</p>
<p>Yvette, seine Freundin, das Café La Lorraine und die junge Nachbarin Océane gehören zu jener vertrauten Welt, in der der Ermittler nicht nur als beruflicher Problemlöser existiert. Diese Figuren erden ihn und zeigen, wie sehr er zumindest einige, wenige Beziehungen braucht.</p>
<p>Dann erhält er eine zweite Chance. Der Mörder und Erpresser ist noch nicht gefasst, die angebliche Strahlenwaffe bleibt eine Bedrohung und der Fall bietet mehr Ansatzpunkte, als der erste hektische Einsatz erkennen ließ. Dédé kehrt nicht als plötzlich verwandeltes Genie zurück. Er arbeitet sich erneut über Beobachtungen, Widersprüche und ganz praktische Fragen an die Lösung heran.</p>
<p>Der Band hält den entscheidenden Mechanismus lange zurück. Trotzdem entsteht die Auflösung nicht aus einem beliebigen Zaubertrick. Das scheinbar Fantastische bekommt eine erklärbare Grundlage. Zugleich rückt der Fall näher an menschliche Motive und praktische Gelegenheiten. Ich verrate den Täter nicht. Wichtiger ist ohnehin, wie Dédé sich aus seiner Niederlage herausarbeitet. Er gewinnt nicht, weil er über allen anderen steht. Er gewinnt, weil er nach dem Rauswurf wieder hinsieht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4440" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Die Spur hinter dem unmöglichen Mord</h3>
<p>DÉDÉ: BAND 5 – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL ist ein eigenständiger Fall, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Wer die früheren Alben kennt, entdeckt jedoch vertraute Seiten des Helden und versteht seine Beziehungen zu Yvette, Océane und dem Café La Lorraine genauer. Die Reihe setzt auf abgeschlossene Kriminalgeschichten, während sich Dédé&#8217;s Umfeld von Band zu Band verdichtet.</p>
<p>Erik verbindet in seiner Geschichte drei Tonlagen, die zu leicht auseinanderfallen könnten. Da ist zunächst der klassische Rätselkrimi mit Brief, eine kurze Frist und eine reiche Familie mit verschlossenem Anwesen. Daneben steht ein fast wissenschaftlich wirkendes Rätsel um eine unmögliche Waffe. Schließlich bringt Dédé eine bodenständige Komik in den Fall. Sie entsteht aus Körper, Temperament und Alltag, nicht aus einer Kette aufgesetzter Pointen.</p>
<p>Besonders gut funktioniert für mich, dass Dédé seinen eigenen Fall nicht jederzeit beherrscht. Er wird getrieben, er scheitert und muss neu ansetzen. So bleibt der Fall bedrohlich, obwohl der Comic mich gerne zum Schmunzeln bringt. Gleichzeitig verhindert die humorvolle Seite, dass der grausame Auftakt den gesamten Band in die Dunkelheit zieht.</p>
<p>Das 48-Seiten-Format fordert allerdings seinen Preis. Einige Figuren aus dem Morel-Umfeld bleiben eher Verdachtsmomente als vollständig ausgearbeitete Menschen. Auch die Erklärung am Ende muss mehrere Zusammenhänge zügig ordnen. Die Lösung ist nachvollziehbar, doch ein paar zusätzliche Seiten hätten den Nebenfiguren und den Folgen des Falls gegebenenfalls gutgetan.</p>
<p>Als fünfter Band erfüllt das Album seine Aufgabe dennoch sehr gut. Es bestätigt die Grundidee der Serie, ohne einen alten Fall nur neu aufzurollen. Vor allem stellt es Dédé&#8217;s Grenzen deutlicher heraus. Damit gewinnt der Held bei mir an Nähe und Sympathie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4451" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu.jpg" alt="Innenseite 06 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Die Personalakte Erik</h3>
<p>Erik bin ich im Mai 2026 auf der <a href="https://www.comicmesse-koeln.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">INTERCOMIC</a> am Stand des All-Verlages über den Weg gelaufen, ohne zu wissen, wer er ist. Schon damals hatte ich die erste Ausgabe des Comic-Magazins <a href="https://bilderflut-magazin.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">BILDERFLUT</a> in der Hand, aber auch dabei fiel bei mir noch kein Groschen.</p>
<p>Erst kürzlich, als ich dann die BILDERFLUT Ausgabe 2 im Briefkasten hatte und das Interview mit ihm las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich beschloss, mich mit Erik und seinem Werk näher zu beschäftigten. So entstand der heutige Artikel.</p>
<p><a href="https://www.eriks-comics.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Erik</a> ist das Pseudonym des 1964 in Dillingen an der Saar geborenen <a href="https://frank-weissmueller.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Frank Weißmüller</a>. Er studierte Grafikdesign an der Fachhochschule des Saarlandes in Saarbrücken. Danach arbeitete er zunächst als Art Director in Werbeagenturen. 1993 wechselte er nach Düsseldorf und war dort rund zehn Jahre als Werbetexter tätig. Später machte er sich selbstständig und wandte sich wieder stärker dem Comic zu.</p>
<p>Seine Nähe zur französischen Comic-Tradition kommt offensichtlich nicht aus einem nachträglich gebauten Konzept. Frankreich gehörte seit seiner Kindheit schon zu seinen regelmäßigen Reisezielen. Serien wie ASTERIX, LUCKY LUKE, LEUTNANT BLUEBERRY und MICHEL VAILLANT prägten seine frühe Lektüre. Dédé entstand aus dem Wunsch nach einem Comic, der sich in Atmosphäre und Erzählform an frankobelgischen Alben orientiert, ohne jedoch seine Herkunft zu verleugnen.</p>
<p>Das erste gedruckte Dédé-Album erschien 2010. Parallel wurde Erik auch durch die Fantasy-Reihe DEAE EX MACHINA bekannt. Als Autor, Zeichner und Kolorist hält er bei Dédé alle erzählerischen Mittel in einer Hand zusammen. Für DÉDÉ: BAND 1 &#8211; SIND SIE TOT MADAME? erhielt er <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/icp2011/icp_artwork.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">2011 den ICOM INDEPENDENT COMIC PREIS</a> für herausragendes Artwork.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4442" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 07 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DÉDÉ: BAND 5 – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL ist ein Krimi, der seinen Trenchcoat mit Humor trägt und die Mordwaffe trotzdem ernst nimmt. Ich mag besonders, wie Erik den scheinbar unmöglichen Fall mit einem Helden verbindet, der keineswegs unfehlbar ist. Dédé stolpert durch die Anfänge, verliert den Auftrag und findet gerade deshalb einen glaubwürdigen Weg zurück.</p>
<p>Die knappe Albumlänge lässt einige Nebenfiguren und die Schlussphase etwas schnell vorbeiziehen. Aber das trübt den positivem Gesamteindruck nur leicht. Zeichnung, Farben und Erzählrhythmus greifen sicher ineinander. Tréville-Plage wird vom Ferienort zur Falle, während Dédé mit Dickköpfigkeit und Ausdauer gegen eine Bedrohung antritt, die zunächst bar jeder Vernunft zu sein scheint.</p>
<p>Am Ende bleibt ein warmherziger, spannender und sehr eigenständiger Detektiv-Comic. Dédé sieht vielleicht nicht aus wie der Mann, der einen perfekten Plan besitzt. Er ist aber genau der Ermittler, dem ich gern noch an viele Schauplätze folge. Gut, dass es aktuell noch die vier ersten Bände zu entdecken gibt &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4437" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Cover-272x400.jpg" alt="Cover von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="272" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Cover-272x400.jpg 272w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Cover-600x881.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Cover.jpg 681w" sizes="auto, (max-width: 272px) 100vw, 272px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DÉDÉ – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL</li>
<li>Erik</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96430-115-4</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://kultcomics.net/dede/222-dede-band-5-mir-platzt-gleich-der-schaedel-.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kult Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/10/dede-mir-platz-gleich-der-schaedel-trifft-es-ziemlich-gut/">DÉDÉ – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL trifft es ziemlich gut</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 05:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Cyber-Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Erotik]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Alessandro Barbucci]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Canepa]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ist ja alles so schön bunt hier! Ja, hier kommen zwei Kreative aus der Disney-Schule. SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT mag auf den ersten Blick auch aussehen wie ein Disney-Comic. Dafür ist dieser Auftakt dann aber doch viel zu frech, zu erotisch und auch viel zu bissig. Aber Alessandro Barbucci (Zeichnungen) beherrscht Körperhaltung, Mimik [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/">SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ist ja alles so schön bunt hier! Ja, hier kommen zwei Kreative aus der Disney-Schule. SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT mag auf den ersten Blick auch aussehen wie ein Disney-Comic. Dafür ist dieser Auftakt dann aber doch viel zu frech, zu erotisch und auch viel zu bissig.</p>
<p><span id="more-4754"></span></p>
<p>Aber Alessandro Barbucci (Zeichnungen) beherrscht Körperhaltung, Mimik und Bewegung mit einer Sicherheit, die Figuren sofort lebendig werden lässt. Barbara Canepa (Szenario, Farben) und Barbucci hatten viele Jahre für Disney gearbeitet, als sie Ende der 1990er Jahre etwas Eigenes entwickeln wollten. Einen Comic für Erwachsene, in dem plötzlich Dinge Platz hatten, die in ihrem bisherigen Arbeitsumfeld undenkbar waren. Dinge wie Religion, Sexualität, Macht und die Manipulation durch Medien. All das findet sich ausdrücklich in diesem Album.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4762" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750.jpg" alt="Innenseite 03 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<p>Die erste Ausgabe erscheint 2000 in Italien und Frankreich. Barbucci hat später erzählt, dass auch das katholische Jubeljahr 2000 und die massive Präsenz der Kirche in den italienischen Medien in ihre Arbeit hineingespielt haben. Canepa wiederum brachte ihre Begeisterung für religiöse Architektur und das Design der 1960er Jahre ein. Das erklärt einiges.</p>
<p>Die Welt dieses Comics wirkt nämlich wie ein Fernsehstudio, eine Kathedrale und ein Nachtclub, die jemand ineinander gebaut hat. Überall flimmern Bilder, überall wird etwas verkauft, überall wird geglaubt. Und mittendrin steht Noa, eine künstliche Frau, die eigentlich ein Produkt sein soll und trotzdem &#8230; Fragen stellt. (Warum erinnert mich das bloß an den <a title="DER 200 JAHRE MANN ist eine Geschichte der Sehnsucht" href="https://panelwalker.de/2025/11/der-200-jahre-mann-ist-eine-geschichte-der-sehnsucht/" target="_blank" rel="noopener">200-Jahre-Mann</a>?)</p>
<p>Ich liebe dieses Setting. Gleichzeitig muss ich beim Lesen immer wieder schlucken, weil der Band seine eigenen Themen nicht so sauber zu beherrschen scheint, wie seine fantastische Oberfläche vermuten lässt. Ja, auch hier ist niemand wirklich makellos und genau das macht das Album für mich interessant.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4763" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750.jpg" alt="Innenseite 04 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Gott im Astrowash &#8211; und jetzt: Werbung</h3>
<p>Noa arbeitet im Heaven Astrowash, einer Waschanlage für Raumschiffe, auf dem Planeten Papathea und ihr Chef nennt sich tatsächlich &#8211; Gott! Die Pointe ist grob, funktioniert aber gut. Gott besitzt außerdem den Schlüssel, mit dem Noa alle 33 Stunden aufgezogen werden muss. Ohne ihn endet ihr &#8230; Zyklus.</p>
<p>Schon in dieser kleinen Idee steckt die erste Gemeinheit ihrer Existenz. Noa sieht aus wie eine junge Frau, fühlt wie eine junge Frau, erinnert sich und kann sogar träumen. Rechtlich und gesellschaftlich ist sie trotzdem nur eine Sache. Sky Dolls sind dazu da, Wünsche zu erfüllen, auch sexuelle. Die Kirche hat dafür eine sehr bequeme Moral: wer eine künstliche Puppe benutzt, sündigt schließlich nicht mit einem echten Menschen. Amen.</p>
<p>Aber Noa passt nicht in dieses System. Sie beschwert sich über ihren Chef, widerspricht und verlangt etwas, das in dieser Welt schon fast radikal klingt: SIE möchte ernst genommen werden!</p>
<p>Dann tauchen Roy und Jahu auf. Beide reisen im Auftrag der herrschenden Päpstin Lodovica. Roy ist jung, neugierig und deutlich empfänglicher für Noas Eigenarten. Jahu hingegen ist älter, härter und stärker an die herrschenden Regeln gewöhnt. Bei ihrem Besuch im Astrowash kommt es zum Chaos. Noa bringt den Betrieb durcheinander, Gott reagiert wie der Besitzer eines defekten Geräts und wenig später ist er tot. (Ja, Gott &#8211; ist &#8211; tot!)</p>
<p>Der Band lässt die Umstände dieses Ablebens bewusst in einem erzählerischen Nebel. Noa nutzt jedenfalls die Gelegenheit, versteckt sich im Schiff der beiden Gesandten und verlässt Papathea.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4764" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750.jpg" alt="Innenseite 05 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Lodovicas Wunder auf allen Kanälen</h3>
<p>Während Noa aus ihrem Gefängnis flieht, zeigt SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT, wie groß ihr Gefängnis wirklich ist. Papathea wird von Lodovica beherrscht. Früher gab es einmal zwei Päpstinnen (auch das ein fieser Seitenhieb auf katholische Machtstrukturen).</p>
<p>Lodovica stand für die körperliche Liebe, Agape für die geistige. Agape ist verschwunden, ihre Anhänger gelten als Ketzer und Lodovica hat Religion, Regierung und Unterhaltung zu einem einzigen, riesigen Betrieb verschmolzen. Auf Bildschirmen laufen die offiziellen Versionen von Wirklichkeit und Wahrheit. Fernsehgesichter erklären, wie gut doch alles ist und Massenveranstaltungen liefern die passenden Gefühle dazu.</p>
<p>Besonders böse ist die Idee der inszenierten Wunder. Lodovica präsentiert sich den Gläubigen als überirdische Figur, doch hinter der großen Show steckt ausschließlich Technik. Der Zauberer von OZ lässt grüßen. Ein Miracolatore baut die Effekte, während die Päpstin ihre Rolle spielt.</p>
<p>Das erinnert weniger an die traditionelle Kirche als an eine Mischung aus Live-Übertragung, Popkonzert und politischem Großereignis. Genau hier ist der Comic erstaunlich frisch geblieben. Er versteht sehr früh, wie perfekt sich irdische Macht mit Bildern und Erzählungen absichern lässt.</p>
<p>Subtil ist wenig daran. Fernsehen macht dumm, Religion verkauft Gefühle, Herrschaft braucht Werbung und Ablenkung. Ich verstehe die Richtung sofort.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4765" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750.jpg" alt="Innenseite 06 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Agape im Schwarzmarkt der Bilder</h3>
<p>Auf dem Raumschiff entdecken Roy und Jahu schließlich ihre blinde Passagierin. Roy zieht Noas Schlüssel wieder auf und bringt sie damit zurück ins Leben. Das ist eine kleine Szene, aber für mich eine der wichtigsten des Albums. Ein kurzer Handgriff an einer Stelle, an der sie nicht selbst heranreicht, entscheidet über ihre Existenz. Roy meint es gut. Trotzdem zeigt der Moment, wie abhängig Noa bleibt. Ihre Freiheit beginnt ausgerechnet damit, dass ein Anderer &#8211;  noch dazu Mann &#8211; den Mechanismus in ihrem Rücken bedient.</p>
<p>Die Reise führt das Trio zu einem Zwischenstopp. Dort gerät Noa in einen Bereich, in dem verbotene Andenken an Agape gehandelt werden. Bilder, Symbole und Erinnerungsstücke reichen aus, um das Regime nervös zu machen. Noa reagiert darauf stärker als alle anderen. Etwas in ihr erkennt Agape, obwohl sie selbst nicht erklären kann, warum.</p>
<p>Sie bekommt heftige Visionen. Plötzlich ist die Geschichte nicht mehr nur die Flucht einer künstlichen Frau. Noa scheint irgendwie mit dem verdrängten Teil dieser Religion verbunden zu sein.</p>
<p>Für mich funktioniert dieser Wechsel gut, weil Canepa das Rätsel nicht sofort erklärt. Zum ersten Mal wird die Handlung wirklich geheimnisvoll. Gleichzeitig schiebt der Band sehr viele Begriffe, Namen und Machtgruppen in seine 48 Seiten. Wer nicht aufmerksam liest, kann insbesondere bei der knalligen Bildgestaltung leicht den Faden verlieren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4766" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750.jpg" alt="Innenseite 07 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein echtes Wunder stört das System</h3>
<p>Die verbotenen Agape-Bilder locken Ärger an, natürlich. Menschen reagieren aggressiv, päpstliche Ordnungskräfte werden aufmerksam und Noas Vision steigert sich zu etwas, das sich nicht mehr so einfach mit Technik erklären lässt. Ausgerechnet in einer Welt voller künstlich erzeugter Wunder geschieht möglicherweise ein echtes. Das ist die beste Wendung des Bandes. Sie trifft Lodovicas System an seinem empfindlichsten Punkt: wer jeden Glauben als Show organisiert, hat ein Problem, sobald etwas passiert, das nicht über den abgestimmten Regieplan kontrolliert werden kann!</p>
<p>Roy, Jahu und Noa können entkommen. Danach ist trotzdem nichts gelöst. Jahu will die Sky Doll loswerden, Roy fühlt sich immer stärker mit ihr verbunden und Noa selbst weiß kaum mehr als am Anfang. Sie weiß nur, dass sie nicht das sein kann, was alle in ihr sehen wollen. Genau hier zeigt der Comic seine größte Stärke.</p>
<p>Noa ist keine besonders ausgefeilte Figur, jedenfalls noch nicht. Ihre Naivität ist manchmal sehr bequem geschrieben. Doch Barbucci gibt ihr über Blicke, Bewegungen und kleine Trotzreaktionen eine Präsenz, die der Text allein nicht schaffen würde. Am Ende ist die Flucht deshalb weniger spannend als die Frage, was da in ihr erwacht. Der Serienauftakt endet folgerichtig nicht mit einer Antwort, sondern mit einer Verunsicherung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4767" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750.jpg" alt="Innenseite 08 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Cyberpunk in Bonbonfarben</h3>
<p>Visuell spielt die Geschichte in einer eigenen Liga. Barbucci zeichnet Figuren elastisch, fast animiert. Gesichter kippen in Sekunden von Slapstick zu Angst. Raumschiffe, Kostüme und Architektur sehen aus, als hätten <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0062711/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_5_nm_3_in_0_q_barbarella" target="_blank" rel="nofollow noopener">BARBARELLA</a>, ein futuristischer Werbespot und ein französisches Sci-Fi-Album eine Party gefeiert.</p>
<p>Dazu kommen die Farben, die mit Rosa, Violett, Türkis und künstlichem Licht arbeiten. Diese Farbwelt macht den Comic nicht gemütlich. Sie macht ihn verführerisch. Gerade deshalb passen die Bilder so gut zu einer Gesellschaft, die Kontrolle als schöne Oberfläche verkauft.</p>
<p>Praktisch hat für mich funktioniert, dass ich mir jeweils ein Panel anschaue und dabei die anderen Bilder der Seite abgedeckt halte. Anderenfalls hätte ich wahrscheinlich einen mentalen Zuckerschock bekommen.</p>
<p>Ganz ohne Widerspruch komme ich damit trotzdem nicht aus. Der Comic kritisiert, dass Noa als sexuelles Produkt behandelt wird. Gleichzeitig setzt er ihren Körper aber sehr deutlich in Szene. Die extrem langen Beine, die schmale Taille, die knappe Kleidung und manche Perspektive leben genau von dem Blick, den die Geschichte eigentlich hinterfragen will.</p>
<p>Das kann Absicht sein. Für mich funktioniert diese Doppelung aber nicht immer. Stellenweise zeigt SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT den Sexappeal dieser Welt lustvoller, als er ihn kritisiert. Auch erzählerisch bleibt vieles noch Behauptung. Die Medienkritik ist scharf, aber halt auch breit. Die Religionssatire besitzt Witz, aber wenig Zwischentöne. Und die eigentliche Handlung ist für ein Album dieser optischen Wucht erstaunlich dünn.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4768" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750.jpg" alt="Innenseite 09 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Vier Bände im langen Sendebetrieb</h3>
<p>Als Serienauftakt muss dieser Band deshalb vor allem Türen aufstoßen. Das tut er gut und gründlich. Auf DIE GELBE STADT folgten die Alben <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-2-aqua.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">AQUA</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-3-die-weisse-stadt.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DIE WEISSE STADT</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/sky-doll-band-4-sudra.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SUDRA</a>. Die vier bislang veröffentlichten Hauptbände wurden 2026 von Splitter gemeinsam in einer schönen, <a href="https://www.splitter-verlag.de/sky-doll-gesamtausgabe.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">limitierten Jübiläums-Gesamtausgabe</a> zusammengefasst.</p>
<p>Wer nur diesen ersten Band liest, bekommt also keinen abgeschlossenen Fall, sondern die Zündung für eine größere Reise. Das sollte niemand unterschätzen. Viele Fragen zu Noa, Agape und Lodovicas Herrschaft bleiben an dieser Stelle noch bewusst offen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4769" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750.jpg" alt="Innenseite 10 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Aus dem Disney-Storyboard ins eigene Netz</h3>
<p>Barbara Canepa und Alessandro Barbucci stammen beide aus der italienischen Disney-Welt. Barbucci arbeitete schon als junger Zeichner professionell für Disney und war später unter anderem an <a href="https://de.duckipedia.org/W.i.t.c.h._Gesamtausgabe" target="_blank" rel="nofollow noopener">W.I.T.C.H.</a> beteiligt.</p>
<p>Canepa kam Mitte der 1990er Jahre zum Unternehmen und arbeitete dort als Illustratorin und Character Designerin. SKY DOLL entstand aus ihrem Wunsch, außerhalb dieser Grenzen persönlicher &#8211; und erwachsener &#8211; erzählen zu können. Später arbeiteten beide an <a href="https://www.danibooks.de/10-monster-allergy" target="_blank" rel="nofollow noopener">MONSTER ALLERGY</a>.</p>
<p>Barbucci zeichnete außerdem Serien wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/ekhoe-spiegelwelt-bd-1-new-york.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">EKHÖ</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/club-der-drei-schwestern-1-sarahs-traum.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER CLUB DER DREI SCHWESTERN</a>. Canepa machte sich neben ihrer Arbeit als Autorin und Illustratorin auch als Herausgeberin einen Namen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4770" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750.jpg" alt="Innenseite 11 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich finde diesen Auftakt leichter zu bewundern als uneingeschränkt zu lieben. Er sieht wirklich großartig aus, ist frech, sinnlich und voller Ideen. Noa hat sofort Charme und die Mischung aus Religion, Fernsehen, Konsum und Science Fiction besitzt immer noch Biss.</p>
<p>Gleichzeitig stolpert der Band über seine Lust an der eigenen Oberfläche. Seine Kritik an der Objektifizierung wird durch die Inszenierung Noas teilweise konterkariert. Seine Geschichte braucht außerdem lange, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt. Trotzdem werde ich weiterlesen, gerade weil hier eben noch nicht alles sitzt.</p>
<p>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT wirkt wie eine Pilotfolge, die viel auf einmal zeigen möchte, dabei aber eine Welt erfindet, in die ich gerne zurückkehren möchte. Und das ist für einen Serienstart nicht gerade wenig &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>P.S.</p>
<p>An dieser Stelle noch ein Danke-Schön an die Kollegen vom <a href="https://sprechblasen.de/sky-doll-gesamtausgabe-eine-bunte-dunkle-welt/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Sprechblasen-Blog und -Podcast</a>. Ohne Euren Beitrag zur Jubiläums-Ausgabe von SKY DOLL hätte ich diesen Artikel erst sehr viel später in Angriff genommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4761" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT</li>
<li>Alessandro Barbucci und Barbara Canepa</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-86869-710-0</li>
<li>Storyline:  ★★☆☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-1-die-gelbe-stadt.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/">SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>BILL FINGER &#8211; IM SCHATTEN DES MYTHOS</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 05:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sekundärliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Erez Zadok]]></category>
		<category><![CDATA[Julian Voloj]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>BATMAN gehört zu den Charakteren, bei denen selbst Menschen ohne Comics im Regal sofort wissen, wer gemeint ist: Schwarzer Umhang, Fledermausohren, Gotham City, Bruce Wayne, Batmobil. Umso erstaunlicher ist die Geschichte hinter seinem Namen. Als BATMAN 1939 in DETECTIVE COMICS 27 erstmals erschien, schrieb Bill Finger die Geschichte und Bob Kane zeichnete sie. Trotzdem stand [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/">BILL FINGER – IM SCHATTEN DES MYTHOS</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>BATMAN gehört zu den Charakteren, bei denen selbst Menschen ohne Comics im Regal sofort wissen, wer gemeint ist: Schwarzer Umhang, Fledermausohren, Gotham City, Bruce Wayne, Batmobil.</p>
<p>Umso erstaunlicher ist die Geschichte hinter seinem Namen. Als BATMAN 1939 in DETECTIVE COMICS 27 erstmals erschien, schrieb <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Finger" target="_blank" rel="noopener">Bill Finger</a> die Geschichte und Bob Kane zeichnete sie. Trotzdem stand über Jahrzehnte allein Kane als Schöpfer im Rampenlicht.</p>
<p>Erst am <strong>18. September 2015</strong> &#8211; also heute vor 11 Jahren &#8211; wurde angekündigt, Finger künftig offiziell zu nennen und ihm damit den Platz zuzuweisen, der ihm gebührt. (Hinzu kommt, das morgen der <a href="https://www.panini.de/batman-tag">BATMAN-Tag</a> 2026 ist. Wie passend!)</p>
<p><span id="more-4808"></span></p>
<p>In den folgenden Produktionen tauchte sein Name also endlich in der Creditzeile auf. Finger selbst hatte davon nichts mehr. Er starb 1974 mit nur 59 Jahren, ohne die öffentliche Anerkennung zu erleben, die für uns heute so selbstverständlich wirkt.</p>
<p>Genau dort setzt BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS an. Julian Voloj erzählt mir keine geradlinige Künstlerbiografie, die brav bei der Kindheit beginnt und beim Tod endet. Stattdessen skizziert er eine Spurensuche &#8211; was übrigens überraschend gut passt, denn schließlich geht es um BATMAN, den Detektiv, und um einen Autor, dessen Anteil an BATMAN selbst jahrzehntelang wie eine verschwundene Akte behandelt wurde.</p>
<p>Der Comic beruht wesentlich auf den Forschungen von Marc Tyler Nobleman, der ab 2006 Fingers Leben rekonstruierte und später BILL THE BOY WONDER: THE SECRET CO-CREATOR OF BATMAN veröffentlichte. Voloj macht aus dieser Recherche einen zweiten Erzählstrang. Dadurch wird die Biografie zugleich Familien-, Comic- und Detektivgeschichte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4815" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750.jpg" alt="Innenseite 07 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwei Erzähler über den Dächern von Gotham</h3>
<p>Julian Voloj ist für solche Stoffe prädestiniert. Der in Münster geborene Autor, Journalist und Fotograf lebt seit 2003 in New York und hat sich in mehreren Graphic Novels mit biografischen Stoffen zu vergessenen oder unterschätzten Figuren beschäftigt. Dazu gehören u.a. JOE SHUSTER, BASQUIAT, BOBBY FISCHER und später LIBERTY (zusammen mit Jörg Hartmann).</p>
<p>Erez Zadok kommt aus Israel, studierte Visuelle Kommunikation an der Bezalel Academy in Jerusalem und arbeitet als Comiczeichner, Illustrator und Karikaturist. Zadok zeichnet nicht mit der Absicht historische Ehrfurcht zu verbreiten, sondern auf unmittelbare Lesbarkeit. Seine Figuren dürfen lebendig, manchmal überzeichnet und manchmal ziemlich verletzlich aussehen.</p>
<h3>Als BATMAN noch aus Papier und Bleistift bestand</h3>
<p>Die eigentliche Geschichte beginnt nicht bei Bill Finger selbst, sondern bei seiner Enkelin Athena. Als Kind erzählt sie in der Schule, ihr Großvater habe BATMAN mit erschaffen. Die Reaktionen sind bitter, niemand glaubt ihr.</p>
<p>Genau in diesem Moment steckt bereits das ganze Buch. Ruhm, Geld und Erinnerung passen hier nicht zusammen. Athena kennt die Wahrheit aus ihrer Familie, aber außerhalb gilt eine andere Version. Bob Kane ist der Name, den alle kennen. Bill Finger ist &#8211; fast &#8211; verschwunden.</p>
<p>Von dort springt Voloj zurück in die dreißiger Jahre. Finger begegnet dem jungen Bob Kane und beginnt, mit ihm zu arbeiten. Kane besitzt Ehrgeiz, Kontakte und den Instinkt für erfolgversprechende Chancen. Finger bringt etwas anderes mit. Er denkt in Geschichten, Atmosphären und Figuren. Als nach dem Erfolg von Joe Shusters SUPERMAN ein neuer Held gefragt ist, entsteht aus dieser Zusammenarbeit das zweite Schwergewicht im späteren DC-Universum: BATMAN.</p>
<p>Der Band zeigt sehr anschaulich, wie stark Finger die zunächst deutlich hellere und konventionellere Figur verändert. Aus dem Helden mit Flügeln wird der düstere Fledermausmann, aus einem Namen wird Bruce Wayne und aus einem x-beliebigen Schauplatz Gotham. Finger schreibt die erste veröffentlichte BATMAN-Geschichte &#8222;The Case of the Chemical Syndicate&#8220; und prägt in den folgenden Jahren entscheidend die Welt, in der der Dunkle Ritter bis heute lebt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4816" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750.jpg" alt="Innenseite 08 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>BATMANs verschwundene Akte</h3>
<p>Voloj erzählt mir diese Vergangenheit aber nie lange am Stück. Immer wieder kehrt er zu Marc Tyler Nobleman zurück, dessen Recherche Jahrzehnte später beginnt und die zunächst fast absurd mühsam wirkt. Er sucht alte Adressen, telefoniert sich durch Namenslisten, spricht mit Weggefährten und versucht, einen Mann sichtbar zu machen, von dem erstaunlich wenig greifbar geblieben ist.</p>
<p>Genau hier bekommt der Comic sein Detektiv-Charakter. Nobleman ist kein Actionheld, seine Werkzeuge sind Telefonbücher, Interviews, Notizen und Hartnäckigkeit. Gute, alte Investigativ-Arbeit, würden man sagen. Die Suche liest sich wie eine Ermittlung, weil jeder neue Kontakt einen weiteren Teil des Bildes freilegt.</p>
<p>Dabei begegnet Nobleman mehreren Kollegen aus Fingers Zeit und dringt immer tiefer in die frühen Jahre der US-Comicindustrie ein. Mir gefallen diese Passagen, weil sie den Mythos BATMAN plötzlich auf Schreibtische, Termindruck und schlecht abgesicherte Kreative zurückholen.</p>
<p>Gleichzeitig liegt hier aber eine Schwäche des Buches. Je stärker Nobleman in den Mittelpunkt rückt, desto häufiger wird ÜBER Finger gesprochen, statt ihn selbst zu erleben. Der Titelheld verschwindet ausgerechnet in seiner eigenen Biografie hinter anderen Stimmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4817" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750.jpg" alt="Innenseite 09 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Im Schatten des Bat-Signals</h3>
<p>Besonders schmerzhaft wird die Geschichte, sobald sich Erfolg und Anerkennung endgültig voneinander lösen. Kane wird öffentlich mit BATMAN verbunden. Finger schreibt weiter, erfindet, entwickelt und arbeitet verstärkt im Hintergrund.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine einfache Schurkennummer. Kane kommt schlecht weg, ja, aber Voloj interessiert sich mehr für das Gefälle zwischen den beiden Männern als für eine nachträgliche Abrechnung. Der Gegensatz ist ohnehin deutlich genug. Auf der einen Seite steht ein Name, der zum Markenzeichen wird. Auf der anderen Seite steht ein Autor, dessen Arbeit tief im BATMAN-Narrativ steckt, während seine eigene wirtschaftliche und persönliche Lage immer schwieriger wird.</p>
<p>Finger erlebt zwar noch, dass einzelne Kollegen seine Bedeutung kennen. Eine breite Anerkennung bleibt ihm jedoch verwehrt. Der Band erzählt auch von Depressionen und von seinem immer brüchiger werdenden Leben. Besonders still wird er schließlich rund um Fingers Tod.</p>
<p>Noch trauriger ist, dass die Geschichte danach nicht endet. Fingers Sohn Fred versucht, das Andenken seines Vaters zu verteidigen. Zugleich erzählt Voloj von Freds Sexualität, seiner familiären Entfremdung und später von seiner HIV-Erkrankung.</p>
<p>Damit weitet sich das Buch über die reine Comicgeschichte hinaus. Es zeigt, wie fehlende Anerkennung durch eine Familie weitergetragen werden kann. Bill Finger ist nicht nur ein vergessener Autor, sondern eine Schnittkante, an der sich mehrere Lebensgeschichten berühren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4818" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750.jpg" alt="Innenseite 10 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>&#8222;BATGIRL&#8220; bietet eine letzte Spur</h3>
<p>Die entscheidende Wendung führt wieder zu Athena. Nobleman stößt bei seiner Suche auf Fingers Enkelin, die bis dahin außerhalb eines kleinen Kreises praktisch unbekannt war.</p>
<p>Plötzlich gibt es nicht nur Erinnerungen und Aussagen alter Kollegen, sondern auch eine direkte Nachfahrin. Für Nobleman wird sie zum entscheidenden Bindeglied. Für den Comic ist sie noch wichtiger, denn durch Athena bekommt das historische Unrecht ein Gesicht, das nicht aus der Ära der Schreibmaschinen und Zeichenbretter stammt. Es reicht bis in die Gegenwart hinein.</p>
<p>Voloj wiederum baut den Weg zur späten Anerkennung nicht als triumphalen Siegeszug. Das wäre auch falsch. Als 2015 die offizielle Würdigung kommt, ist Finger seit mehr als vier Jahrzehnten tot. Fred, sein Sohn, erlebt sie ebenfalls nicht mehr. Natürlich ist es bewegend, wenn der Name endlich dorthin gelangt, wo er hingehört. Gleichzeitig bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Anerkennung kann nachgereicht werden, ein verlorenes Leben lässt sich nicht nachträglich korrigieren.</p>
<h3>Wie viel Bill Finger steckt in Gotham?</h3>
<p>Für mich ist Volojs stärkste Entscheidung die Doppelperspektive. Er erzählt Fingers Leben und zugleich die Rekonstruktion dieses Lebens. Dadurch wird sichtbar, wie Comicgeschichte entsteht. Sie liegt nicht fertig in einem Archiv. Sie muss aus Erinnerungen, Veröffentlichungen, Adressen und widersprüchlichen Spuren mühsam zusammengetragen werden. Beim Lesen weiß ich immer, dass hier jemand auf der Suche ist. Und genau das passt zum Thema. Der ursprünglich bei Carlsen auf Deutsch erschienene Einzelband braucht übrigens keinerlei BATMAN-Vorwissen. Die wichtigsten Zusammenhänge liefert Voloj gleich mit.</p>
<p>Ganz rund ist die gewählte Form trotzdem nicht. Nobleman bekommt so viel Raum, dass Finger manchmal beinahe zur Nebenfigur wird. Auch die vielen Branchenkollegen rauschen recht schnell vorbei. Wer die Geschichte des Golden Age kaum kennt, dürfte einzelne Namen bald wieder vergessen. Ich hätte außerdem gern deutlicher gespürt, wie Finger Geschichten schrieb. Welche Art von Erzähler war er am Schreibtisch? Wie entwickelte er Szenen? Wie klang seine kreative Zusammenarbeit im Alltag? Aber vielleicht wäre dies wiederum am Thema vorbei.</p>
<p>Ein wenig hadere ich mit dem deutschen Titel. BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS klingt so, als müsse Bob Kane nun einfach aus der Geschichte gestrichen werden. So einfach erzählt Voloj zum Glück nicht. Die offizielle Einordnung nennt Finger heute als Mitschöpfer und auch das französische Original BILL FINGER, DANS L&#8217;OMBRE DU MYTHE (also: Im Schatten des Mythos) formuliert vorsichtiger. Der deutsche Untertitel setzt stärker auf Zuspitzung als der Comic selbst.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4819" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750.jpg" alt="Innenseite 11 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS ist für mich weniger eine BATMAN-Biografie als eine Geschichte über Anerkennung und über einen Autor, dessen Ideen weltberühmt wurden, während sein eigener Name verblasste. Voloj erzählt diese Entwicklung zugänglich, warm und mit spürbarem Respekt. Zadok gibt der Spurensuche zeichnerisch das nötige Tempo und Gefühl.</p>
<p>Es gab Stellen, an denn hätte ich Bill Finger selbst gern stärker im Zentrum erlebt. Gerade deshalb bleibt der Band aber auf eine fast unfreiwillige Weise passend. Finger ist anwesend und fehlt gleichzeitig. Nach der letzten Seite sieht das BATMAN-Logo für mich jedenfalls ein kleines bisschen anders aus. Hinter der Fledermaus steht nun ein Name mehr.</p>
<p>Derweil geht die Entwicklung der Figur mit <a href="https://panelwalker.de/2025/09/absolute-batman-held-ohne-herrenhaus/">ABSOLUTE BATMAN</a> in eine neue Richtung und beweist, dass die geschichten rund um den Dunklen Ritter noch lange nicht auserzählt sind&#8230;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4820" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-293x400.jpg" alt="Cover von BILL FINGER" width="293" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-293x400.jpg 293w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-600x819.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733.jpg 733w" sizes="auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>BILL FINGER &#8211; DER WAHRE<br />
SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS</li>
<li>Julian Voloj und Erez Zadok</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span class="a-list-item">978-3-55171-136-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.amazon.de/Bill-Finger-Sch%C3%B6pfer-Dunklen-Biografie/dp/3551711364">Carlsen Comics</a> (verlagsvergriffen)</li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/">BILL FINGER – IM SCHATTEN DES MYTHOS</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>KREATUREN – Wenn&#8217;s im Alltag irgendwie klemmt</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/kreaturen-wenns-im-alltag-irgendwie-klemmt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 05:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Bianca Bagnarelli]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die klaren, einfachen &#8211; aber nicht simplen &#8211; Zeichnungen hatten also meine Aufmerksamkeit geweckt. Sie erinnerten mich im ersten Moment an Madita Schwenkes DRIFTING. Dann aber auch wieder nicht. Und erst danach kamen die Geschichten selbst und zogen mich in ihr Innerstes. Eigentlich passiert in diesem Buch gar nicht so viel. Jedenfalls nicht in dem [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/kreaturen-wenns-im-alltag-irgendwie-klemmt/">KREATUREN – Wenn’s im Alltag irgendwie klemmt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die klaren, einfachen &#8211; aber nicht simplen &#8211; Zeichnungen hatten also meine Aufmerksamkeit geweckt. Sie erinnerten mich im ersten Moment an Madita Schwenkes <a title="Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING" href="https://panelwalker.de/2026/06/wenn-es-wirklich-schwierig-wird-hilft-nur-drifting/">DRIFTING</a>. Dann aber auch wieder nicht. Und erst danach kamen die Geschichten selbst und zogen mich in ihr Innerstes.</p>
<p><span id="more-4667"></span></p>
<p>Eigentlich passiert in diesem Buch gar nicht so viel. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass Autos explodieren, Familiengeheimnisse ganzer Dynastien erschüttert werden oder am Ende die Welt gerettet wird. Bei Bianca Bagnarellis Geschichten genügt oft &#8230; sagen wir: eine Bank oder &#8230; eine Haustür. Jemand klingelt, draußen steht ein Mädchen und bittet um Hilfe. Drinnen sitzt ein Paar, das nun entscheiden muss, ob es dieser Fremden glaubt und genau diese Hilfe gewährt. Schon ist alles da. Unsicherheit, Angst, Misstrauen und diese unangenehme Frage, wie ich wohl selbst in der geschilderten Situation reagieren würde.</p>
<p>Das ist typisch für KREATUREN. Der Band versammelt 13 Kurzgeschichten, die über ungefähr zehn Jahre entstanden sind. Bagnarelli hat dafür nicht einfach alles zusammengesucht, was noch in irgendwelchen Schubladen lag. Sie ließ ältere Arbeiten weg, mit denen sie sich heute nicht mehr wohlfühlt und ordnete die übrigen Geschichten auch nicht streng nach ihrem Entstehungsdatum. Abergläubisch scheint Bagnarelli trotz ihrer italienischen Herkunft jedenfalls nicht zu sein.</p>
<p>Dreizehn kleine Geschichten, die keinem großen Heldenbogen folgen und die sich trotzdem recht geschlossen lesen lassen. Gleichzeitig kann ich verfolgen, wie sich Bagnarellis Zeichenkünste und ihr Erzählen entwickeln. Interessant, denn hier habe ich keine Künstlerin vor mir, die schon auf Seite eins fertig ausgebildet aus dem Ei geschlüpft ist. Ich sehe eine Künstlerin, die sich noch ausprobiert, die kürzt, sicherer wird.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4673" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-09_1000X715.webp" alt="Innenseite 09 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-09_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Alltag heißt auch, jemandem nicht zu glauben</h3>
<p>Die erste Geschichte zeigt ziemlich gut, worauf ich mich einstellen darf. Ein Paar verbringt seine Freizeit auf dem Land. Dann taucht an der Tür dieses Mädchen auf. Sie erzählt von einem Wolf und bittet um Hilfe. Eigentlich könnte die Sache schnell erledigt sein: Tür auf, zuhören, helfen, Tür zu. Aber so funktionieren Menschen nun einmal selten. Das Paar beginnt zu zweifeln. Vielleicht stimmt etwas an der Geschichte nicht? Vielleicht bringt man sich gerade selbst in Gefahr, weil die Tür geöffnet wird?</p>
<p>Ich fand das sofort &#8230; unangenehm. Nicht, weil Bagnarelli daraus einen Thriller macht. Genau das tut sie nämlich nicht. Es gibt keine Titelmusik vom &#8222;Weißen Hai&#8220;, die in meinem Kopf immer lauter wird, keinen großen Schockmoment und auch keinen Bösewicht, der hinter dem nächsten Baum hervorspringt. Stattdessen beobachte ich zwei Menschen dabei, wie sie sich ihre Vorsicht langsam selbst erklären. Und da wird es interessant. Denn irgendwann geht es gar nicht mehr um den Wolf. Es geht darum, wie schnell Hilfsbereitschaft verschwindet, sobald die eigene, verquaste Angst eine halbwegs vernünftige Begründung erhält.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4674" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-10_1000X715.webp" alt="Innenseite 10 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-10_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Erkennnis beginnt manchmal im Klassenzimmer</h3>
<p>Auch danach bleibt Bagnarelli bei solch kleinen Situationen. Eine ehemalige Schülerin erinnert sich an ihre Philosophielehrerin. Als Jugendliche sah sie in ihr vor allem eine strenge, unangenehme Frau. Jahre später, aus einem erfahreneren Blickwinkel, sieht dieselbe Erinnerung plötzlich anders aus. Das kennt wahrscheinlich jeder. Menschen, über die ich mir mit siebzehn ein felsenfestes Urteil gebildet habe, wirken mit zeitlichem Abstand plötzlich komplizierter, manchmal sogar verständlicher.</p>
<p>Bagnarelli macht daraus zum Glück keine Geschichte über die große Weisheit des Älterwerdens. Sie interessiert sich eher dafür, wie wenig wir voneinander wissen, obwohl wir ständig glauben, längst Bescheid zu wissen. &#8222;Be curious, not judgemental&#8220; wie Walt Whitman (vielleicht) &#8211; <a href="https://tv.apple.com/de/show/ted-lasso/umc.cmc.vtoh0mn0xn7t3c643xqonfzy" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ted Lasso</a> aber auf jeden Fall &#8211; einmal gesagt hat. Diese Weisheit zieht sich für mich durch das ganze Buch.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4675" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-11_1000X715.webp" alt="Innenseite 11 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-11_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Leben und Tot</h3>
<p>Eine der älteren Geschichten heißt FISH (dt. FISCHE). Sie fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil sie erzählerisch noch deutlich auf einen bestimmten Punkt hinsteuert.</p>
<p>Im Mittelpunkt steht Milo, zwölf Jahre alt. Seine Eltern sind bei einem Unfall gestorben. Seitdem kreisen seine Gedanken immer wieder um Tod, Verletzungen und Vergänglichkeit. Ein toter Vogel oder ein verwesendes Tier bekommt für ihn eine Bedeutung, die Erwachsene wahrscheinlich sofort wegwischen würden.</p>
<p>Dann wird ein vermisstes Mädchen tot aufgefunden. Milo glaubt, dass ihm die Begegnung mit diesem Tod vielleicht helfen könnte, den Tod der eigenen Eltern zu begreifen. Das ist harter Tobak.</p>
<p>Bagnarelli erzählt ihn erstaunlich ruhig. Kein großes Schluchzen, keine aufdringlichen Tränenbilder. Gerade deshalb kommt mir Milo nahe. Kinder denken schließlich nicht automatisch so, wie Erwachsene sich kindliche Trauer vorstellen. Milo sucht etwas sehr Konkretes. Er will verstehen, was der Tod eigentlich bedeutet.</p>
<p>FISH gefällt mir, aber ich merke hier stärker als in den späteren Geschichten, dass Bagnarelli mich zu einem bestimmten Gefühl führen möchte. Das Ende sitzt ziemlich genau dort, wo es sitzen soll. Bei ihren neueren Arbeiten vertraut sie häufiger darauf, mich einfach stehenzulassen. Ist das fair? Ich frage mich, warum erzählt sie mir ihre Geschichte, ihre Sicht auf die Dinge nicht zu Ende?<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4676" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-12_1000X715.webp" alt="Innenseite 12 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-12_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-12_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-12_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Alltag nach der Pandemie</h3>
<p>Besonders hängen geblieben ist mir Miriam. Die Geschichte spielt während der Covid-Zeit. Eine junge Frau geht feiern. Im Club liegen Masken herum, Körper kommen sich wieder nahe, und für ein paar Stunden scheint dieses seltsame Leben mit Regeln, Abstand und Vorsicht draußen zu bleiben. Später sitzt Miriam im Bus. Die Masken sind zurück. Der Alltag hat sie wieder.</p>
<p>Das Interessante daran ist die Entstehung. Die Grundidee schrieb Bagnarelli bereits 2015. Damals plante sie eine größere Geschichte über eine Epidemie, führte das Projekt aber nicht zu Ende. Jahre später wurde etwas, das einmal erfunden war, plötzlich ziemlich real. Sie griff die Geschichte wieder auf und passte sie an die tatsächliche Pandemie an.</p>
<p>Ich finde das fast ein bisschen unheimlich. Gleichzeitig passt es wunderbar zu dem Band. Bagnarelli erzählt immer wieder davon, wie schnell etwas Vertrautes fremd werden kann. Eine Straße bleibt dieselbe Straße, ein Bus bleibt ein Bus. Und trotzdem verändert sich mit einem Mal, wie Menschen sich darin bewegen und einander ansehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4677" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-13_1000X715.webp" alt="Innenseite 13 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-13_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-13_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-13_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Geschichten ohne Ortsschild</h3>
<p>Viele dieser Geschichten könnten fast überall spielen. Wohnungen, Schulräume, Straßen, Busse, Clubs. Bagnarelli hängt selten ein großes Schild über die Szene und sagt mir, wo genau ich mich befinde. Auch ihre Figuren sind nicht immer so stark herausgearbeitet, dass ich sie nach zwanzig Seiten sofort wiedererkennen würde.</p>
<p>Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Einerseits komme ich sehr schnell in die Situationen hinein. Ich brauche keine lange Einführung. Andererseits verschwinden einige Figuren auch schnell wieder aus meinem Kopf. Gerade wenn ich KREATUREN am Stück lese, merke ich irgendwann ein Muster. Wieder eine einsame Figur, wieder eine Beziehung, in der etwas nicht stimmt, wieder ein Moment, in dem jemand verletzt wird oder jemanden verletzt.</p>
<p>Hier beginnt der Band für mich an Kraft zu verlieren. Nicht dramatisch, aber ich würde ihn nicht mehr in einem Rutsch lesen wollen. Drei oder vier Geschichten, dann erst einmal weglegen. So bekommen die einzelnen Stücke mehr Luft.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4678" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-14_1000X715.webp" alt="Innenseite 14 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-14_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-14_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-14_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Gesellschaft kann ganz schön kleinlich sein</h3>
<p>Oft sind es die kleinlichen Momente, die mir aus KREATUREN im Gedächtnis bleiben, nicht die großen Katastrophen. Jemand glaubt jemand anderen nicht, jemand lässt eine andere Person absichtlich auflaufen. Ein Sohn kennt die empfindliche Stelle seiner Mutter und drückt genau dort drauf.</p>
<p>Das klingt nun ziemlich düster, und tatsächlich ist Bagnarelli keine Autorin, bei der ich nach jeder Geschichte beschwingt durchs Leben laufe. Trotzdem empfinde ich den Band nicht als schwermütig. Dafür beobachtet sie ihre Figuren zu genau. Sie führt sie nicht vor, selbst dort, wo Menschen etwas Hässliches tun, bleiben sie Menschen.</p>
<p>Genau hier liegt für mich aber auch die deutlichste Schwäche des Buches. Irgendwann weiß ich, welche Art von Moment Bagnarelli interessiert. Wenn mehrere Geschichten hintereinander auf ähnliche Weise offen auslaufen, stellt sich Gewöhnung ein. Ein offenes Ende kann wunderbar nachwirken. Dreizehn offene oder nur halb geschlossene Türen hintereinander verlieren den Reiz. Hier hätte ich mir im Nachhinein mehr Abwechslung zwischen (halb-)offenen und geschlossenen Erzählungen gewünscht.</p>
<h3>Alltag mit wenigen Strichen</h3>
<p>Zeichnerisch macht der Band richtig Spaß, gerade weil ich die Entwicklung über die Jahre erkennen kann. Die früheren Geschichten wirken noch etwas genauer ausformuliert: Gesichter, Hände und Körper bekommen mehr Linien. Später reduziert Bagnarelli ihren Zeichenstil stärker.</p>
<p>Figuren bestehen nun aus weniger Strichen und wirken trotzdem lebendiger. Das klingt zunächst widersprüchlich. Beim Lesen funktioniert es aber sofort. Ich mag diese Zurückhaltung an manchen Stellen sehr. Die Figuren führen Gefühle nicht vor. Niemand setzt für mich ein Trauergesicht auf, nur damit ich auch wirklich verstehe, dass gerade jemand traurig ist.</p>
<p>Auch die Seiten bleiben angenehm lesbar. Bagnarelli veranstaltet keine großen Kunststücke mit Panels, nur um zu zeigen, dass sie es könnte. Sie baut ihre Seiten so auf, dass Gespräche funktionieren und Pausen spürbar werden. Punkt. Gerade in einem Band voller kurzer Geschichten ist das hilfreich. Ich bin schnell drin, ohne jedes Mal erst den neuen Rhythmus suchen zu müssen.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4679" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-15_1000X715.webp" alt="Innenseite 15 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-15_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-15_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-15_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Das Leben hat seine eigenen Farben</h3>
<p>Die Farbe gehört fest zu dieser Erzählweise. FISCHE hat beispielsweise eine gedämpfte, leicht malvenfarbene Stimmung. Der Sommer wirkt dadurch nicht sonnig und leicht, sondern ein wenig fiebrig. Das passt zu Milo und seinen Gedanken.</p>
<p>In der Geschichte mit dem Mädchen und dem Wolf arbeitet Bagnarelli stark mit dem schwindenden Tageslicht. Je dunkler es draußen wird, desto unbehaglicher fühlt sich die Situation an. Eigentlich ist das ein sehr einfacher Effekt. Er funktioniert trotzdem prächtig, weil er sich nicht in den Vordergrund drängt.</p>
<p>Überhaupt nutzt Bagnarelli Farbe eher, um Licht und Atmosphäre zu bestimmen, als einzelne Dinge möglichst hübsch anzumalen. Das merkt man ihrer Arbeit als Illustratorin an. Ihre Seiten wollen nicht spektakulär aussehen. Sie wollen, dass ich mich in einem Raum sofort zurechtfinde und spüre, ob dort gerade etwas nicht stimmt.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4680" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-16_1000X715.webp" alt="Innenseite 16 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-16_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-16_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-16_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Einblick außerhalb der Panels</h3>
<p><a href="https://www.biancabagnarelli.com/about" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bianca Bagnarelli</a> wurde 1988 in Mailand geboren und arbeitet heute in Bologna. Sie studierte dort an der Kunstakademie und gehörte zu den Mitgründerinnen des unabhängigen Comicprojekts <a href="https://delebile.bigcartel.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Delebile</a>. Schon früh veröffentlichte sie Kurzcomics. FISH brachte ihr 2015 eine Goldmedaille der Society of Illustrators in New York ein.</p>
<p>Parallel dazu entwickelte sie eine erfolgreiche Karriere als Illustratorin. Ihre Arbeiten erschienen unter anderem in <a href="https://www.newyorker.com/culture/cover-story/cover-story-2024-01-01" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE NEW YORKER</a> und <a href="https://www.nytimes.com/by/bianca-bagnarelli" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE NEW YORK TIMES</a>. Das erklärt vielleicht auch, weshalb ihre Bilder so schnell funktionieren. Bagnarelli muss in einer einzigen Illustration oft sehr viel erzählen. Dieses Können nimmt sie mit in ihre Comics.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4681" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-17_1000X715.webp" alt="Innenseite 17 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-17_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-17_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-17_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Nach dreizehn Geschichten hatte ich nicht das Gefühl, dreizehn kleine Welten besucht zu haben. Eher saß ich dreizehnmal irgendwo ein Stück daneben und durfte Menschen beobachten, beim Streiten, beim Zweifeln, beim Erinnern oder beim &#8222;Gemein sein&#8220;. Manchmal auch einfach bei dem Versuch, irgendwie durch den Tag zu kommen.</p>
<p>Nicht jede Geschichte berührt mich gleich stark. Einige bleiben hängen, andere verschwimmen später miteinander. Und Bagnarellis Vorliebe für leise, offene Enden nutzt sich über 224 Seiten &#8211; für mein persönliches Gefühl &#8211; dann doch ab.</p>
<p>Trotzdem würde ich KREATUREN bedenkenlos jemandem geben, der Kurzgeschichten mag und bei Comics nicht darauf wartet, dass spätestens auf Seite drei etwas explodiert. Dieses Buch interessiert sich für die vielen kleinen Dinge des Lebens, für den Moment, in dem ich eine Tür öffne oder eben nicht, für einen Blick, der eine Spur zu lange dauert oder für ein Foto, von dem zwei Menschen ganz genau wissen, warum es ihnen wichtig ist.</p>
<p>Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mir einige dieser Geschichten nachgehen. Bagnarelli erzählt nicht davon, wie außergewöhnlich Menschen sein können. Stattdessen erzählt sie davon, wie gewöhnlich wir sind. Das ist manchmal ziemlich komisch, häufig traurig und gelegentlich erstaunlich grausam. Aber immer sehr bodenständig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4672" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_COVER_1000X722-289x400.webp" alt="Cover von KREATUREN" width="289" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_COVER_1000X722-289x400.webp 289w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_COVER_1000X722-600x831.webp 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_COVER_1000X722.webp 722w" sizes="auto, (max-width: 289px) 100vw, 289px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>KREATUREN</li>
<li>Bianca Bagnarelli</li>
<li>Hardcover | 224 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95640-545-7</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://reprodukt.com/products/kreaturen" target="_blank" rel="nofollow noopener">Reprodukt Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>JUNIOR UND SENIOR &#8211; Pferde, Fäuste und sechs Mädchen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 2026 05:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Semi-Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Baptiste Hostache]]></category>
		<category><![CDATA[Robin Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein schlaksiger Cowboy mit verschmitztem Grinsen steht neben einem bärtigen Schrank von einem Kerl, dessen Hände ungefähr die Größe handelsüblicher Bratpfannen haben. Da muss niemand Terence Hill oder Bud Spencer über die Seite schreiben. Robin Recht, der Szenarist dieses Albums, macht aus seiner Inspiration auch kein Geheimnis. Die Filme des italienischen Duos gehören zu seinen [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/junior-und-senior-pferde-faeuste-und-sechs-maedchen/">JUNIOR UND SENIOR – Pferde, Fäuste und sechs Mädchen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein schlaksiger Cowboy mit verschmitztem Grinsen steht neben einem bärtigen Schrank von einem Kerl, dessen Hände ungefähr die Größe handelsüblicher Bratpfannen haben. Da muss niemand Terence Hill oder Bud Spencer über die Seite schreiben. Robin Recht, der Szenarist dieses Albums, macht aus seiner Inspiration auch kein Geheimnis. Die Filme des italienischen Duos gehören zu seinen &#8211; und meinen &#8211; Kindheitserinnerungen.</p>
<p><span id="more-4894"></span></p>
<p>Eine zweite Zutat kommt allerdings aus einer ganz anderen Ecke. In Hayao Miyazakis japanischem Anime <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0104652/?ref_=fn_t_1" target="_blank" rel="nofollow noopener">PORCO ROSSO</a> kidnappen Luftpiraten eine Gruppe Mädchen, stellen dann aber ziemlich schnell fest, dass sich die Kinder nicht besonders gut an die üblichen Regeln für unspektakuläre Entführungen halten. Studio Ghibli trifft Italo-Western-Kömodie. Gegensätzlicher geht es kaum noch.</p>
<p>Recht gefiel diese Idee und zusammen mit Jean-Baptiste Hostache baut er aus diesem Gemisch einen Comic, der irgendwo zwischen Prügelwestern, Kinderabenteuer und nostalgischer Komödie oszilliert. Und damit ist auch das Grundrezept von SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR schnell gepitched.</p>
<p>Interessanter ist für mich aber eigentlich die Frage, ob daraus mehr wird als ein ziemlich aufwendig inszeniertes Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Fanprojekt? Und die Antwort fällt mir nicht ganz leicht.</p>
<p>Warum? Der Comic macht eine Menge Spaß, sieht dabei gut aus und besitzt Herz. Nur verlässt er sich an einigen Stellen so sehr auf seine Vorbilder und auf die nächste Pointe, dass seine eigene Geschichte hier und da ein wenig zu kurz kommt &#8230; ein wenig.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4902" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-03.jpg" alt="Innenseite 03 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-03.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-03-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-03-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Zwei Halunken reiten aus dem Gefängnis</h3>
<p>Ach ja, die Geschichte. Sie spielt während des amerikanischen Sezessionskrieges, also etwa im gleichen Abschnitt wie <a title="WYOMING, 1863 liegt am Rande der bekannten Welt" href="https://panelwalker.de/2026/07/wyoming-1863-liegt-am-rande-der-bekannten-welt/" target="_blank" rel="noopener">WYOMING, 1863</a>. Während andernorts Nord- und Südstaatler aufeinander schießen, beschäftigen sich die Herren Smith und Wesson (!) mit einer mindestens ebenso erbitterten Auseinandersetzung: Sie wollen an die politische Macht ihres Bezirks. Smith fürchtet, gegen seinen Konkurrenten Wesson keine Chance bei einer anstehenden Wahl zu haben. Also muss er etwas gegen seinen Rivalen in die Hand bekommen.</p>
<p>Glücklicherweise kennt Smith (wie jeder erfolgreiche Politiker) ein schmutziges Geheimnis seines Kontrahenten. Wesson hat eine uneheliche Tochter namens Karina, die in einem Mädcheninternat versteckt lebt. Wenn Smith dieses Kind in die Finger bekäme, besäße er ein wunderbares Druckmittel. Für die Entführung braucht Smith allerdings Mitstreiter, die robust genug sind, das Mädchen zu holen und gleichzeitig nicht zu viele Fragen stellen. Junior und Senior erfüllen beide Voraussetzungen, nur sitzen sie leider im Gefängnis.</p>
<p>Schon die Namen Smith und Wesson verraten, auf welchem &#8222;Gelände&#8220; wir humoristisch unterwegs sind. Robin Recht besitzt wahrlich keinen subtilen Humor. Er winkt mit dem Cowboyhut, einem Lasso oder allem, was sich dazu eignet, bis auch der letzte Leser den Witz erkannt hat. Aber kommen wir zu den Hauptpersonen.</p>
<p>Junior ist der schmale, schnelle Teil des Duos. Er redet gern, flirtet noch lieber und bekommt schon deshalb immer wieder Schwierigkeiten, weil irgendwo in seiner Umgebung eine Frau auftaucht. Senior dagegen ist ein menschlicher Rammbock. Er spricht wenig und erledigt Diskussionen notfalls mit seinen Händen. Das ist natürlich haargenau die Rollenverteilung, die ich aus zahllosen Filmen von Terence Hill und Bud Spencer kenne.</p>
<p>Smith holt die Brüder aus dem Knast. Als Gegenleistung sollen sie Karina entführen und später bei Mamita abliefern, einer Frau, die in der Vergangenheit der beiden eine wichtige Rolle gespielt hat. Außerdem winken 5000 Dollar für einen Neuanfang. Das klingt für die Beiden einfach, das klingt genug. Aber natürlich ist es das nicht.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4903" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 04 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-04.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-04-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-04-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Sechs Gören und kein brauchbarer Fluchtplan</h3>
<p>Im Internat stoßen Junior und Senior auf ein klitzekleines Problem, das für zwei Entführer erstaunlich banal ist: Sie können Karina nicht eindeutig identifizieren! Also treffen sie eine fatale Entscheidung, die ungefähr so vernünftig ist wie eine Stange Dynamit an einem Lagerfeuer zu parken. Sie nehmen einfach alle Mädchen mit &#8211; alle sechs.</p>
<p>Ab diesem Punkt findet SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR zu seiner eigentlichen Form. Zwei Banditen, sechs selbstbewusste Kinder ziehen &#8211; beziehungsweise jagen &#8211; durch den Wilden Westen. Zu den Jägern gesellen sich die zunehmend wütende Gouvernante (Mlle Bismarck im Original deutschsprachig, Frau Antje bei uns, niederländisch parlierend), ein konföderiertes Kavallerieregiment, weitere Gesetzlose und allerlei Gestalten, die Gelegenheit bekommen, mit Junior oder Senior zusammenzustoßen.</p>
<p>Der hübsche Kniff liegt darin, dass die vermeintlichen sechs Opfer sehr schnell aufhören, sich wie Opfer zu benehmen (PORCO ROSO lässt grüßen). Die Mädchen sind keine verschreckten &#8222;Pakete&#8220;, die Junior und Senior nur von einem Ort zum anderen transportieren müssen. Sie stellen Fragen, mischen sich ein, verlangen Aufmerksamkeit und treiben ihre Entführer regelrecht an den Rand ihrer Möglichkeiten.</p>
<p>Auf intelligente Weise verschiebt Robin Recht damit das Kräfteverhältnis seiner Erzählung. Junior und Senior sind körperlich jeder Situation gewachsen. Gegen eine Bande bewaffneter Männer hilft Seniors Faust, aber gegen sechs Kinder hilft sie selbstverständlich nicht. Der große Kerl kann einen Saloon auseinandernehmen, aber ein kleines Mädchen auf dem Arm verändert sofort seine Körpersprache. Junior kann noch so lässig auftreten, sobald mehrere Kinder gleichzeitig etwas von ihm wollen, zerfällt die zur Schau gestellte Coolness. Gut, das ist vorhersehbar und trotzdem hat es Charme. Für mich funktioniert der Comic an dieser Stelle am besten, denn die berühmte Spencer-Hill-Mechanik bekommt hier eine neue Gegenkraft.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4904" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-05.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-05-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-05-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Staubwolken und Kavallerie</h3>
<p>Robin Recht gibt dem Geschehen in der Folge kaum Gelegenheit zum Stillstand. Sobald sich die Gruppe aus einer Schwierigkeit befreit, taucht schon die nächste am Horizont auf. Pferde, Schießereien, Dynamit, Desperados, Frau Antje und das Militär sorgen dafür, dass der Comic ständig in Bewegung bleibt. Sogar ein Heißluftballon kommt zum Einsatz.</p>
<p>Diese Ballonfahrt gehört einerseits zu den interessantesten Momenten der Erzählung, weil der Comic dort kurz seine übliche Lautstärke herunter dreht. Von oben sehen Junior, Senior und die Mädchen eine andere Welt als jene, die ihre Abenteuerkomödie bisher bestimmt hat. Unter ihnen liegen Baumwollfelder mit versklavten Menschen. An anderer Stelle wird gekämpft. Plötzlich ist der Bürgerkrieg nicht mehr bloß eine dekorative Kulisse aus Uniformen und Kavalleristen.</p>
<p>Andererseits lässt mich diese Szene sehr zwiespältig zurück. Sie ist stark, weil Hostache die Perspektive nutzt, um dieses ausgelassene Abenteuer für einen Augenblick mit der tatsächlichen Brutalität seiner Zeit zu konfrontieren. Schade nur, dass dieser Gedanke nicht lange nachhallt. Kaum ist der Augenblick vorbei, setzt die Geschichte ihren Galopp wieder in eine andere Richtung fort. Die Sklaverei und der Krieg wurden sichtbar, aber nicht wirklich Bestandteil dieser Erzählung.</p>
<p>Ja, das ist grundsätzlich erlaubt. Schließlich soll dies alles hier kein historischer Sachcomic sein. Trotzdem öffnet Recht an dieser Stelle eine Tür, durch die er anschließend nicht hindurchgeht und die schöne Idee trägt nicht wirklich etwas zur eigentlichen Geschichte bei.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4905" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 06 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-06.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-06-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-06-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Wenn Banditen plötzlich Familie werden</h3>
<p>Wichtiger wird etwas anderes. Je länger Junior und Senior mit den Mädchen unterwegs sind, desto weniger überzeugend lässt sich noch behaupten, sie würden lediglich einen Auftrag erledigen. Stattdessen kümmern sich die beiden.</p>
<p>Senior eignet sich dafür besonders gut, weil seine enorme Körperlichkeit ständig gegen seine zunehmende Fürsorge ausgespielt wird. Jean-Baptiste Hostache, der Zeichner, braucht dafür keinen Text. Wenn dieser Berg von einem Mann ein Kind trägt, entsteht der Witz bereits aus den Größenverhältnissen und die Emotion aus der dargestellten Zärtlichkeit.</p>
<p>Junior entwickelt sich ebenfalls, nur funktioniert seine Figur nicht ganz so gut. Der ewig flirtende Draufgänger ist als komischer Gegenpol brauchbar, bleibt im Wesentlichen aber näher an seinem Vorbild. Bei Senior entsteht nach und nach eine eigenständige Figur, bei Junior sehe ich häufiger noch Terence Hill durch die Panels spazieren.</p>
<p>Auch die sechs Mädchen leiden ein wenig unter ihrer Zahl. Als Gruppe sind sie hervorragend, erzeugen Chaos, Tempo und Wärme. Einzeln bleiben mehrere von ihnen dann aber doch erstaunlich blass. Gerade weil die Geschichte ihre Beziehung zu den beiden Banditen emotional auflädt, hätte ich gern zwei oder drei Kinder näher kennengelernt.</p>
<p>Robin Rechts Kernmotiv ist dabei überraschend schön, denn Familie entsteht bei ihm nicht nur aus Abstammung, sondern aus der Entscheidung, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Am Ende müssen Junior und Senior deshalb entscheiden, was für Banditen sie sein wollen. Ein krimineller Lebenslauf bedeutet noch lange nicht, dass jede Schweinerei erlaubt ist. Diese Grenze ist simpel gezogen, aber sie passt wunderbar zum Ton des ganzen Albums.</p>
<p>Die Geschichte endet entsprechend nicht mit einer Läuterung. Aus den beiden werden keine braven Bürger, zum Glück! Sie bleiben Halunken, nur eben Halunken mit Regeln.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4906" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 07 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-07.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-07-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-07-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Am Lagerfeuer der alten Western</h3>
<p>Die große Stärke und zugleich das größte Problem des Albums ist seine Liebe zu anderen Geschichten. Überall stolpere ich über Wegweiser. Wie mehrfach erwähnt, sind Bud Spencer und Terence Hill nicht zu übersehen. Hinzu kommen LUCKY LUKE, ASTERIX, klassische Westernfiguren und das bereits erwähnte PORCO ROSSO. Selbst die Grundidee von zwei körperlich völlig unterschiedlichen Helden reicht viel weiter zurück und erinnert an Komikerduos wie Laurel und Hardy.</p>
<p>Recht und Hostache wollen genau diese populäre Abenteuertradition wiederbeleben. Das fühlt sich angenehm altmodisch an. SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR schämt sich weder für den Prügelhumor noch für sentimentale Augenblicke. Nach einer Schlägerei darf ein Kind jemandem einen Kuss geben, nach einem leisen Moment dürfen wieder Bohnen gegessen und schlechte Gerüche produziert werden. Ich mag diese Unbekümmertheit.</p>
<p>Sobald ein Comic so stark von gemeinsamem Popkultur-Wissen lebt wie dieser, besteht jedoch immer die Gefahr, dass Erinnerungen den Platz eigener Ideen einnimmt. Die sechs Mädchen verhindern, dass dies hier passiert. Sie sind der entscheidende Einfall, der aus einer bloßen Kopie eine schöne, eigenständige Variante macht.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4907" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 08 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-08.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-08-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-08-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Revolverhelden bekommen ihren Platz</h3>
<p>Jean-Baptiste Hostache ist für diesen Stoff als Zeichner fast wichtiger als das Szenario. JUNIOR &amp; SENIOR müssen nur nebeneinanderstehen und die Rollen sind verteilt. Junior besteht aus langen Beinen, schmalem Oberkörper und einem Gesicht, das praktisch schon beim Stillstehen grinst. Senior ist Masse. Schultern, Bart, Hände, Bauch und schwere Kleidung ergeben einen Körper, der ein Panel praktisch besetzen kann.</p>
<p>Hostache zeichnet bewusst cartoonesk. Nasen dürfen groß sein, Kinnpartien übertrieben, Augenbrauen unter Hüten hervorragen. Trotzdem kippen die Figuren nicht in reine Cartoon-Skizzen. Hier hilft Hostaches beruflicher Hintergrund im Animationsbereich spürbar, denn Bewegungen werden sauber vorbereitet. Eine Figur steht nicht plötzlich irgendwo, sondern läuft, stolpert, springt oder fliegt dorthin. Besonders in den Prügeleien entsteht daraus eine beinahe filmische Abfolge.</p>
<p>Das Seitenlayout bleibt dabei beweglich. Große Querpanels schaffen Raum für Landschaften oder neue Schauplätze. Kleinere Bilder beschleunigen Dialog und Aktion. Sobald mehrere Kinder, Verfolger und Sprechblasen zusammenkommen, werden einige Seiten allerdings sehr voll. Dann interessiert sich die Inszenierung stärker für das nächste komische Ereignis als für eine ganz saubere räumliche Orientierung. Das passt zum Chaos. Trotzdem musste ich gelegentlich einen Augenblick länger schauen, wer sich gerade wo befindet.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4908" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-09.jpg" alt="Innenseite 09 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-09.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-09-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-09-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Unter einem staubigen Himmel</h3>
<p>Noch stärker als die Zeichnung hat mich die Kolorierung überrascht &#8211; und das meine ich positiv. Hostache hätte diesen Comic problemlos mit knalligem Cartoonlicht ausstatten können. Stattdessen liegen häufig gedämpfte Gelb-, Braun-, Rosa- und Blautöne über den Seiten.</p>
<p>Dazu kommt eine flache, leicht körnige Oberfläche. Das gibt den Bildern etwas angenehm Gebrauchtes. Fast so, als hätte dieser neue Comic einige Jahrzehnte irgendwo in einer Kiste mit alten Westernheftchen gelegen. Und gerade dadurch gewinnen die gefühlvolleren Szenen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4909" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-10.jpg" alt="Innenseite 10 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-10.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-10-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-10-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Zwei Cowboys hinter den Kulissen</h3>
<p>Robin Recht, Jahrgang 1974, kommt ursprünglich stärker vom Zeichnen als vom Schreiben. Nach seiner Ausbildung in Paris arbeitete er unter anderem an <a href="https://www.splitter-verlag.de/der-glockner-von-notre-dame-bd-1-der-tag-der-narren.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME &#8211; DER TAG DER NARREN</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/elric-gesamtausgabe.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ELRIC</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/conan-der-cimmerier-bd-4.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">CONAN DER CIMMERIER</a>. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam später seine <a href="https://www.splitter-verlag.de/thorgal-saga-adieu-aaricia.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">THORGAL-SAGA ADIEU AARICIA</a>, bei der er Szenario und Zeichnungen übernahm. Dass Recht Kino ebenso stark mitdenkt wie Comics, überrascht bei SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR kaum. Die Geschichte lebt von filmischen Typen, Timing und Bewegungsabläufen. Mit Hostache verbindet ihn zudem eine langjährige Freundschaft.</p>
<p>Jean-Baptiste Hostache wurde 1981 in Rouen geboren und arbeitete zunächst im Animationsbereich als Dekorateur sowie später als Concept Artist und Production Designer. 2008 erschien <a href="https://www.splitter-verlag.de/clockwerx-bd-1-genesis.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">CLOCKWERX</a>. Danach folgten Arbeiten wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/assassin-s-creed-conspirations.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ASSASIN&#8217;S CREED CONSPIRATIONS &#8211; DIE GLOCKE</a> oder <a href="https://panelwalker.de/2025/10/es-war-einmal-in-amerika-ist-literaturgeschichte-in-bildern/" target="_blank" rel="noopener">ES WAR EINMAL AMERIKA</a>. Er unterrichtete außerdem Concept Art und Storyboarding. Seine Erfahrungen mit Bewegung, Raum und Bildfolge passen erstaunlich gut zu einer Geschichte, die praktisch nie stillsteht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4910" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 11 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-11.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-11-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-11-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR ist ein Comic, bei dem ich ziemlich genau weiß, warum ich während der Lektüre grinse und zugleich gelegentlich die Augen verdrehe. Robin Recht und Jean-Baptiste Hostache lieben ihre Vorbilder so sehr, dass sie ihnen manchmal etwas zu dicht auf die Pelle rücken. Manche Pointen sind sehr einfach und die ernsteren Hinweise auf Bürgerkrieg und Sklaverei verschwinden schneller, als mir lieb ist. Besonders Junior braucht künftig mehr Eigenleben, damit aus einer offensichtlichen Terence-Hill-Variation wirklich Junior wird.</p>
<p>Trotzdem funktioniert das Album. Vor allem deshalb, weil unter all den Prügeleien etwas erstaunlich Warmes steckt. Zwei Kerle, die praktisch jedes Problem mit einer Faust lösen könnten, bekommen es ausgerechnet mit sechs Mädchen zu tun und entdecken dabei Verantwortung. Hostaches lebendige Zeichnungen und seine wunderbar staubige Farbgebung erledigen den Rest.</p>
<p>Wer mit Bud Spencer und Terence Hill nichts anfangen kann, wird vermutlich auch aus diesem Comic wenig mitnehmen. Wer dagegen Westernkomödien, klassische frankobelgische Abenteuer und sympathische Grobiane mag, bekommt einen ausgesprochen unterhaltsamen Serienauftakt.</p>
<p>Die Reihe ist auf Fortsetzung angelegt. Recht und Hostache haben bestätigt, dass mindestens ein weiteres Abenteuer geplant ist. Beim zweiten Band dürfen die beiden dann gern etwas weiter von ihren großen Vorbildern wegreiten&#8230; Yiipijajeh!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4901" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Cover-290x400.jpg" alt="Cover von JUNIOR AND SENIOR" width="290" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Cover-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Cover-600x829.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Cover.jpg 724w" sizes="auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR 01</li>
<li>Robin Recht und Jean-Baptiste Hostache</li>
<li>Hardcover | 104 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-69258-011-1</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/junior-und-senior-1.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/junior-und-senior-pferde-faeuste-und-sechs-maedchen/">JUNIOR UND SENIOR – Pferde, Fäuste und sechs Mädchen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE reist in eine ferne Zukunft</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/h-g-wells-die-zeitmaschine-reist-in-eine-ferne-zukunft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Steam-Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitreise]]></category>
		<category><![CDATA[Mathieu Moreau]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Dobremel (Dobbs)]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe Zeitreisegeschichten. ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT, DIE CHRONIKEN DES UNIVERSUMS, DIE WAISE VON PERDIDA oder auch diesen Klassiker von Herbert George Wells &#8211; DIE ZEITMASCHINE. Ich öffne den Comic und habe sofort dieses vertraute Kribbeln. Ich kenne den Roman seit Jahren und ich kenne die Verfilmungen mit Rod Taylor aus dem Jahr 1960 (großartig) und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe Zeitreisegeschichten. <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0088763/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_Zur%25C3%25BCck%2520in%2520die%2520Zukunft" target="_blank" rel="noopener">ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT</a>, <a href="https://panelwalker.de/2025/04/die-fragmentierten-chroniken-des-universums/" target="_blank" rel="noopener">DIE CHRONIKEN DES UNIVERSUMS</a>, <a href="https://panelwalker.de/2025/08/die-waise-von-perdida-im-universum-ist-die-hilfe-selten-nah/" target="_blank" rel="noopener">DIE WAISE VON PERDIDA</a> oder auch diesen Klassiker von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/H._G._Wells" target="_blank" rel="noopener">Herbert George Wells</a> &#8211; DIE ZEITMASCHINE. Ich öffne den Comic und habe sofort dieses vertraute Kribbeln. Ich kenne den Roman seit Jahren und ich kenne die Verfilmungen mit Rod Taylor aus dem Jahr <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0054387/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_die%2520zeitmaschine" target="_blank" rel="noopener">1960</a> (großartig) und die mit Guy Pearce aus <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0268695/?ref_=tt_mlt_i_1" target="_blank" rel="noopener">2002</a> (nicht so großartig).</p>
<p>Jede neue Adaption fühlt sich an wie ein weiteres Experiment mit einem bewährten, aber auch zerbrechlichen Klassiker. Man kann ihn behutsam in eine neue Form gießen oder auch auf Schulheftniveau herunter kürzen. Was haben Mathieu Moreau und Oliver Dobremel (kurz Dobbs) mit diesem Comic denn nun gewollt?<span id="more-2782"></span></p>
<h3>Wie viel Wells passt in ein Album</h3>
<p>Dobremel und Moreau treten mit einem gewissen Pomp auf. In Frankreich erscheint die Reihe als großes H.G.Wells-Programm, im Deutschen hat der Splitter-Verlag die Alben als eigenständige Edition in die Regale geholt. Sechs Bände widmen sich den wichtigsten Romanen des Autors, immer mit dem gleichen Szenaristen, unterstützt durch wechselnde Zeichnern. Das verspricht mir narrativ eine klare Linie. Es weckt aber auch den Verdacht, dass hier eher eine Marke gebaut wird als eine wirklich eigenwillige Interpretation. Nun, wir werden sehen.</p>
<p>Schon die Aufmachung wirkt wie ein Statement. Prägedruck, Schuber-Optik, eine Covergestaltung, die so sehr nach Bibliothek aussieht, dass ich fast den Stempel auf dem Vorsatzpapier erwarte. Optisch verkauft mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE, dass ich ein respektvolles, aufwändiges Projekt in Händen halte. Und genau hier beginnt mein Unbehagen mit diesem Band, denn: Respekt allein trägt &#8211; leider &#8211; keine gute Geschichte!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2786" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714.jpg" alt="Innenseite 01 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Bibliotheksgold mit angezogener Handbremse</h3>
<p>Beim Lesen erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich in Gedanken zum Roman zurückspringe. Ich tue das nicht, weil der Comic mich so sehr in Wells&#8216; Kosmos hineinzieht, sondern weil ich nach dem suche, was mir hier fehlt: die Irritation, die Wut, die kalte Klarheit, mit der Wells seine Gesellschaft sezierte. In der Comicfassung schimmert davon vieles nur noch als Andeutung durch. Die Oberfläche glänzt, der Maschinenraum bleibt erstaunlich &#8211; sauber.</p>
<p>Trotzdem ist da ein gewisser Reiz. Moreau&#8217;s Bilder haben Energie. Der Band liest sich zügig, an ein paar Stellen blättere ich wissbegierig weiter. Und ich erkenne sofort, warum dieser Comic im Unterricht oder im Regal einer Stadtbibliothek eine gute Figur machen würde.</p>
<p>Der Comic bleibt übersichtlich, er bleibt brav und er will niemanden überfordern. Für mich als Leser, der Wells gerade wegen seiner Unbequemlichkeit schätzt, fühlt sich das allerdings eher wie eine Fahrt mit angezogener Handbremse an.</p>
<h3>Dinner in Richmond und der Mann ohne Namen</h3>
<p>Die Handlung beginnt im London des späten 19. Jahrhunderts. Ein namenloser Wissenschaftler lädt eine kleine Runde Herren zum Dinner ein. Darunter ein Arzt, ein Journalist und ein Psychologe.</p>
<p>Schon im Roman bleibt dieses Ensemble bewusst schablonenhaft. Sie spiegeln Reaktionen für die steilen Thesen des Gastgebers. Im Comic reduziert sich diese Gruppe noch weiter. Mehrfach erwische ich mich dabei, wie ich die Nebenfiguren nur an Frisuren und Bärten unterscheiden kann.</p>
<p>Dobbs übernimmt den narrativen Rahmen beinahe eins zu eins. Der Zeitreisende demonstriert zunächst ein Modell seiner Maschine und lässt es vor den Augen der Gäste im Nichts verschwinden. (Wobei ich mich aus heutiger Sicht immer schon gefragt habe, warum er den entgegen gesetzten Weg geht? Prototypen sind üblicherweise groß und wuchtig. Die Miniaturisierung setzt üblicherweise später ein. Hier jedoch nicht.)</p>
<p>Die Szene funktioniert in Bildern erstaunlich gut. Moreau inszeniert die Apparatur als Mischung aus viktorianischem Möbel und Steam-Punk-Requisite mit viel Kupfer, Zahnrädern und leuchtenden &#8222;Elektronenröhren&#8220;. Hier spüre ich kurz den Zauber, den mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE verspricht.</p>
<p>Die eigentliche Reise startet jedoch Off-Screen. Der Band steigt in der Rückblende ein. Der Zeitreisende verschwindet aus dem Speisezimmer, die Gäste warten und plötzlich steht er wieder in der Tür, abgemagert, verwildert und voller Schrammen. Der Comic bleibt nah an dieser Vorlage. Die Panels zeigen einen Mann, der eben noch ein Gentleman war und nun aussieht, als sei er durch eine ganze Epoche geprügelt worden.</p>
<p>Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sein Erschrecken übertrieben bleibt. Seine Augen sind weit aufgerissen, seine Körperhaltung überzeichnet. Die Figuren spielen Drama-Baby-Drama, statt dass sich ein Abgrund auftut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2787" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714.jpg" alt="Innenseite 02 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wie der Salon zur Kulisse schrumpft</h3>
<p>Im Roman erzählt der Zeitreisende den weiteren Verlauf in langen Monologen. Dobbs kürzt diesen Bericht stark zusammen. Er legt die Erzählung in einen Tagebuch-Modus, baut Textkästen ein, die wie Notizen wirken.</p>
<p>Dadurch bleibt zwar das Prinzip des Rahmenberichts erhalten, gleichzeitig verliert die Geschichte aber einen Teil ihrer Tiefe. Die Gäste im Salon verschwinden fast komplett. Der Erzähler, der eigentlich alles im Nachhinein wiedergibt, wirkt im Comic nur noch wie ein technischer Kniff.</p>
<p>So beginnt eine Reise, die eigentlich von Wahrnehmung und Erinnerung handelt, hier aber vor allem den Plot anschiebt. Das Dinner wird zur Pflichtübung. Es eröffnet die Bühne, statt selbst Teil des Theaters zu sein.</p>
<h3>Eine weit entfernte Zukunft</h3>
<p>Der Sprung in die Zukunft führt den Zeitreisenden ins Jahr 802 701. Mehrere Seiten widmen sich dem ersten Blick auf diese Welt. Moreau erlaubt sich hier endlich größere Bilder. Verwilderte Architektur, überwachsene Ruinen, eine Sphinx, die gleichzeitig vertraut und doch fremd wirkt. Die Farbpalette kippt in sanfte Grüntöne und pastellfarbene Himmel. Auf den ersten Blick sieht alles einladend aus.</p>
<p>Hier begegnet der Protagonist den Eloi. Kindliche Menschen, androgyn, mit großen Augen und weichen Konturen. Der Comic betont ihre Naivität sehr stark. Sie lachen, sie spielen, sie essen Früchte. Sprache wirkt fast überflüssig.</p>
<p>Viele Panels verzichten auf Dialoge, was die Oberfläche tatsächlich paradiesisch erscheinen lässt. Gleichzeitig raubt diese Stille den Eloi jedoch jede Ambivalenz. Sie erscheinen nicht wie eine degenerierte Oberschicht, eher wie eine Mischung aus Manga- und Werbefiguren für vegane Picknickkörbe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2788" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717.jpg" alt="Innenseite 03 von DIE ZEITMASCHINE" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717.jpg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-600x837.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /></p>
<h3>Ein Mädchen namens Weena</h3>
<p>Weena, die junge Eloi, die der Zeitreisende vor dem Ertrinken rettet, soll emotionale Erdung bringen. Im Roman ist sie Projektionsfläche und tragische Figur. In dieser Fassung bleibt sie erstaunlich blass. Sie hängt an seinem Arm, sie lächelt, sie fürchtet die Dunkelheit. Viel mehr erfahren wir nicht. </p>
<p>Gleichzeitig bildet sich der Zeitreisende erstaunlich schnell ein Urteil. Im Roman ringt der Forscher mit der Frage, ob er eine veredelte Menschheit oder ein Endstadium der Dekadenz sieht. Hier legt er seine Hypothesen in wenigen Sprechblasen vor. Er deutet auf Ruinen, er zieht Schlussfolgerungen und schon stehen Eloi und Morlocks als fixiertes Gleichnis da. Raum für Zweifel oder für alternative Lesarten gibt es kaum.</p>
<p>Dieser Mittelteil, in dem sich der Held im scheinbaren Paradies bewegt, könnte der Moment der größten Verunsicherung sein. Stattdessen lese ich ihn wie eine sauber illustrierte Inhaltsangabe. Schöne Bilder, klare Informationen, wenig Reibung. Ich verstehe, was mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE erzählen will. In dieser Version fühle ich es nur nicht mehr.</p>
<h3>Unter Tage mit den Morlocks</h3>
<p>Erst als die Zeitmaschine verschwindet, zieht der Comic die erzählerische Schraube wieder an. Der Zeitreisende sucht verzweifelt nach seinem Gefährt, erkennt nach und nach die seltsamen Schächte in der Landschaft und wagt den Abstieg in die Tiefe.</p>
<p>Nun werden die Panels dunkler, Grün und Ocker weichen kalten Blautönen und schmutzigem Grau. Moreau inszeniert die Unterwelt als Mischung aus Industriehöhle (oder doch -hölle?) und Insektenbau.</p>
<p>Die Morlocks treten als bleiche Kreaturen mit roten Augen auf. Ihre Körperhaltung erinnert an Raubtiere. Sie kriechen, sie klettern, sie stürzen sich auf ihre Beute. Das wirkt auf den ersten Blick bedrohlich und erfüllt seine Funktion als Schreckmoment (vor allem für jüngere Leser).</p>
<p>Gleichzeitig nimmt die Inszenierung der Morlocks ihnen jede Tragik. Sie erscheinen nur noch als Monster, nicht mehr als pervertierte Arbeiterklasse, die Opfer und Täter zugleich ist. Die nüchterne Grausamkeit, die Wells in seinen Beschreibungen anlegt, verwandelt sich in vertraute Horrorsprache.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2789" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717.jpg" alt="Innenseite 04 von DIE ZEITMASCHINE" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717.jpg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-600x837.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /></p>
<h3>Aktion im Halbdunkel</h3>
<p>Dramaturgisch arbeitet Dobbs hier mit klaren Spannungsfeldern: Attacke, Flucht, Feuer und Rettung in letzter Sekunde. Die Jagdsequenzen lesen sich schnell und flüssig.</p>
<p>Trotzdem wirkt die Bedrohung oft mechanisch. Ich weiß, dass der Held jetzt stolpern muss und dass er ein paar Seiten später wieder auf die Beine kommt. Der Comic orientiert sich stark an den vertrauten Abenteuervorgaben.</p>
<p>Die späteren Sprünge, weit hinaus in die fernste Zukunft, bekommt ich zwar noch zu sehen. Die einsame Küste, der blutrote Himmel, seltsame Meerestiere und der erlöschende Sonnenball tauchen in eindrucksvollen Bildern auf. Trotzdem bleibt dieser Abschnitt erstaunlich kurz.</p>
<p>Wo der Roman in diesem Finale einen kosmischen Schock auslöst, reiht die Adaption ein paar Albtraum-Tableaus aneinander und kehrt rasch zum viktorianischen Salon zurück.</p>
<p>Die Rückkehr des Zeitreisenden, sein zweiter, endgültiger Aufbruch und das offene Ende, das bei Wells so bitter nachhallt, geraten dadurch fast zum Epilog. Die Gäste akzeptieren seine Geschichte oder tun zumindest so. Der Erzähler bleibt mit seiner Erinnerung zurück und ich mit dem Gefühl, dass hier eine existentielle Erfahrung auf die Länge eines TV-Teasers gestutzt wurde.</p>
<h3>Illustrierte Kurzfassung</h3>
<p>Nach knapp der Hälfte des Bands wird deutlich, wie sehr der Comic H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE unter seiner eigenen Kürze leidet. Fünfundfünfzig, sechsundfünfzig Seiten müssen einen Roman auffangen, der zwar schmal wirkt, aber inhaltlich sehr dicht ist.</p>
<p>Andere Adaptionen teilen vergleichbares Material auf mehrere Bände auf. Diese Fassung versucht, alles in ein einziges Album zu pressen. Die Folge ist eine Art Luxus-Readers-Digest. (Was, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Reader%E2%80%99s_Digest" target="_blank" rel="noopener">Reader&#8217;s Digest</a> kennt hier keiner mehr? Jetzt fühle ich mich auch alt&#8230;)</p>
<p>Dobbs schafft einen vagen Eindruck von Vollständigkeit, da er fast alle Schlüsselszenen übernimmt: das Dinner, der Sprung, das Erwachen bei den Eloi, Weena&#8217;s Rettung, der erste Kontakt mit den Morlocks, die ferne Zukunft oder auch den zweiten Aufbruch. Es fehlt kaum ein Baustein. Was fehlt, ist der Raum zwischen diesen Steinen.</p>
<p>Der Comic kennt wenig Übergänge, wenig Nachklang. Ein Ereignis jagt das nächste. Die Reflexionen des Zeitreisenden rutschen in Textkästen, die sich manchmal wie Pflichtprogramm lesen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2790" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714.jpg" alt="Innenseite 05 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wenn Treue zur Fessel wird</h3>
<p>Besonders deutlich spüre ich das bei der sozialkritischen Ebene des Stoffes. Wells treibt im Roman ein grausames Gedankenexperiment voran. Was passiert, wenn Klassentrennung, Ausbeutung und Bequemlichkeit über Jahrtausende weiterlaufen?</p>
<p>Die Antwort ist unbequem und schwer verdaulich. Der Comic benennt dieses Thema, aber er kostet es nicht aus. Einige Dialoge erwähnen Dekadenz und Arbeitswelt, doch die Bilder interessieren sich stärker für dramatische Lichtstimmungen als für soziale Strukturen.</p>
<p>Ich habe den Eindruck, dass Dobbs sich sehr davor hütet, eigene Akzente zu setzen. Er will nicht interpretieren, er will einen Klassiker verwalten, der möglichst vielen Lesern zugänglich bleiben soll. Das erklärt die Treue zum Ablauf. Die Adaption wirkt brav, fast ängstlich. Sie vermeidet jede Zuspitzung, die den Geist der Vorlage in unsere Gegenwart ziehen könnte.</p>
<p>So entsteht ein merkwürdiger Zwischenzustand. Der Band ist mehr als ein reines Schülerheft, weil er atmosphärisch sorgfältig arbeitet. Gleichzeitig ist er weniger als eine eigenständige Graphic Novel, weil er sich strikt an eine hundertdreißig Jahre alte Dramaturgie kettet, ohne deren Radikalität zu übernehmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2816" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700.jpg" alt="" width="1000" height="700" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-300x210.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-750x525.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-150x105.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-768x538.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-600x420.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Kupferglanz, Nebel und digitale Blitze</h3>
<p>Die Zeichnungen finde ich bemerkenswert. Sie haben mich zu diesem Album gebracht. Moreau liefert sichtbar durchdachte Arbeit. Sein Strich mixt klassische franko-belgische Figuren mit moderner Dynamik. Die Hintergründe tragen viel zu meinem Vergnügen bei.</p>
<p>Ob viktorianische Bibliothek, Gewächshaus oder überwachsenes Sphinx-Plateau, überall wimmelt es von Details. Zahnräder, Bücher, Flaschen, Pflanzen, Nebelschwaden: man merkt, dass Moreau Erfahrung aus Illustration und Concept-Art mitbringt.</p>
<p>Die Zeitmaschine selbst ist ein schönes Stück Design. Das Gefährt wirkt gleichzeitig vertraut und ein bisschen überdreht. Messing, Holz, Glas, eine große Uhr als Hintergrundmotiv. In einigen Panels scheint das Gerät fast zu schweben, begleitet von Licht, das den Sprung durch die Zeit visualisiert.</p>
<p>Eine Doppelseite, in der sich die Panels spiralförmig um eine Uhr winden, inszeniert den Zeittunnel mit spürbarer Lust an der Form. Hier nutzt der Band das Medium Comic wirklich aus.</p>
<p>Auch die Farbgebung überzeugt mich zunächst. Die Gegenwart in London erscheint in warmen Brauntönen. Der Eloi Garten im weichen Grün. Die Höhlen der Morlock in blauen Schatten, durchbrochen von kränklichem Kunstlicht. Moreau legt klare Farbcodes für Stimmungen an. Das macht den Band gut lesbar, gerade für Einsteiger.</p>
<p>Trotzdem wirkt manches wie aus dem Baukasten moderner Digitalcomics mit ihren Lichtreflexen, Glüheffekten und Nebeltexturen. Ab und zu fehlt mir die Härte eines konsequenten Hell-Dunkel-Kontrasts.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2791" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714.jpg" alt="Innenseite 06 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wenn die Figuren den Horror weglächeln</h3>
<p>Problematischer finde ich die Figuren. Körperhaltung und Mimik sitzen in den Actionszenen meistens gut. Wenn jemand rennt, stolpert, fällt, dann spüre ich die Bewegung. In ruhigen Momenten kippt der Stil jedoch zu oft ins cartooneske.</p>
<p>Manche Gesichter wirken überdehnt. Augen werden zu großen Ovale, Münder klaffen in fast schon slapstickhafter, mangaesker Manier. Das untergräbt den Ernst einer Szene, in der es um Kannibalismus, Entfremdung und den Untergang der Sonne geht.</p>
<p>Die Panel-Architektur bleibt insgesamt konventionell. Saubere Raster, gelegentliche Schrägen, einige Splashpages. Nichts verwirrt, nichts fordert heraus. Das ist angenehm für Leser, die nicht ständig auf die Seitenkomposition achten möchten.</p>
<p>Für mich bleibt es aber hinter dem Potential zurück, das gerade ein Stoff wie dieser bietet. Eine Welt, in der Zeit, Raum und Wahrnehmung zusammenprallen, könnte auch formal kühner aussehen. H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE traut sich an dieser Stelle nur selten aus der Komfortzone.</p>
<h3>Zwei Profis, ein sehr sicherer Kurs</h3>
<p>Olivier Dobremel (Dobbs) hat sich in den letzten Jahren eine Art Spezialrolle erarbeitet. Er adaptiert Literaturklassiker und historisches Material für den Comic.</p>
<p>Dobbs bringt Serien wie Scotland Yard, Mister Hyde vs Frankenstein oder eine Reihe über Filmregisseure und Serienkiller auf den Markt. Er hat Filmgeschichte studiert und kennt die Mechanik der Genre-Geschichten. Genau das merkt man H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE an, im Guten wie im Schlechten.</p>
<p>Dobbs beherrscht die Struktur. Er weiß, wann ein Kapitel kippen muss, kennt die ikonischen Momente, die man nicht unterschlagen darf und konstruiert Alben, die sich flott und ohne Hänger lesen lassen.</p>
<p>Gleichzeitig wirkt sein Schreiben oft wie ein gut eingespieltes System. Er sortiert Material, er ordnet, er balanciert. Mut zu Radikalität, zu Lücken, zu unangenehmen Brüchen zeigt er selten. Bei Wells wäre genau diese Radikalität aber interessant gewesen. Warum nicht stärker mit Perspektiven spielen? Oder den Erzähler zweifeln lassen? Hätte man die Morlocks nicht auch als Opfer illustrieren können, statt sie nur als Monstren zu liefern?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2792" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714.jpg" alt="Innenseite 07 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Die glatte Effizienz der Adaptionenfabrik</h3>
<p>Mathieu Moreau kommt aus einer anderen Ecke. Ausbildung an einer Grafikschule in Nantes, Erfahrungen in der Videospielbranche und in Jugendbuchillustration. Seine erste größere Serie, ein Sci-fi-Zyklus um einen fremden Planeten, zeigt bereits seine Vorliebe für detailreiche Welten und glühende Farbakzente.</p>
<p>Später arbeitet er an Adaptionen von Jugendromanen. In diesem Kontext wirkt H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE fast wie eine perfekte Schnittstelle seiner Biografie. Ein bisschen Jugendbuch, ein bisschen Konzeptkunst, viel Genre. Das hat Vorteile und die Leser wissen, was sie stilistisch erwartet.</p>
<p>Es hat aber auch einen Nachteil. Das Ganze wirkt wie eine kleine Fabrik. Man spürt die Serienlogik, den Wunsch nach einem wiedererkennbaren Produkt.</p>
<p>Ich will Dobbs und Moreau nicht unterstellen, lieblos zu arbeiten. Im Gegenteil. Gerade Moreau steckt sichtbar viel Mühe in Architektur, Mimik, Lichtsetzung. Aber ich vermisse ein persönliches Risiko, die Experimentierfreude bei einem Stoff, der dies durchaus unterstützt hätte. Das Gefühl, dass sich hier zwei Künstler mit Wells anlegen, statt ihn zu glätten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2793" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714.jpg" alt="Innenseite 08 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Zwischen Andeutung und Entschärfung</h3>
<p>Auch der Umgang mit der Gegenwart des Zeitreisenden bleibt erstaunlich milde. Wells legt seinem Helden einige sehr deutliche Bemerkungen über den eigenen Stand und über die Gesellschaft in den Mund. Die Comicfassung streift diese Einsichten, führt sie aber nicht aus.</p>
<p>Man könnte sagen, sie verlagert die Kritik nach hinten. Wer will, kann sie sich aus dem Gelesenen zusammensetzen. Wer einfach nur eine Abenteuergeschichte lesen möchte, muss sie nicht beachten. An dieser Stelle merke ich wieder, dass der Comic nur 56 Seiten Zeit hat.</p>
<p>Ich verstehe, warum die Adaption diesen Weg wählt. Der Band soll in verschiedenen Ländern funktionieren, er richtet sich auch an junge Leser, die vielleicht zum ersten Mal mit Wells in Berührung kommen. Trotzdem wünschte ich mir mehr Mut.</p>
<p>Die Gegenwart, in der wir diesen Comic lesen, kennt ihre eigenen Morlocks und Eloi. Menschen, die in Logistikzentren ohne Tageslicht Pakete sortieren. Menschen, die sich in klimatisierten Büros über Lieferprobleme beklagen. Eine Adaption, die ihre Vorlage ernst nimmt, könnte diese Brücke schlagen. H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE deutet sie nur an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2796" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714.jpg" alt="Innenseite 11 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Nach knapp dreihundert Seiten Romanmaterial, zusammengepresst auf gut fünfzig Comicseiten, schlage ich H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE zu und habe ein zwiespältiges Gefühl. Handwerklich solide, stellenweise schön anzusehen, thematisch wichtig, aber als Gesamtwerk weniger mutig, als es sein Stoff verdient.</p>
<p>Wenn ich nur die Optik bewerte, kann ich den Band empfehlen. Moreau inszeniert Räume, Licht, Maschinen und Landschaften mit sichtbarer Lust. Wer Freude an sorgfältig gebauten Szenarien hat, kommt auf seine Kosten.</p>
<p>Wer Wells noch nicht gelesen hat und eine erste Annäherung sucht, findet hier eine gut lesbare, straff erzählte Fassung. Der Comic zeigt die wichtigsten Stationen, er verliert sich nie in Nebenschauplätzen.</p>
<p>Wenn ich den Band jedoch als eigenständige Graphic Novel betrachten würde, bliebe ich auf Distanz. Der Text vertraut zu sehr auf die Vorlage. Er übernimmt die Struktur, ohne sie wirklich in ein neues Medium zu übersetzen. Er übernimmt die Themen, ohne sie auf die Gegenwart zu schärfen und die Figuren, ohne ihnen zusätzliche Tiefe zu geben.</p>
<p>Das Ergebnis wirkt wie ein hochwertiger Begleitband zum Roman, nicht wie eine Adaption, die selbst atmet &#8211; leider.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2785" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von DIE ZEITMASCHINE" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<!-- /wp:post-content -->

<!-- wp:paragraph -->
<ul id="infobox">
<li>H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE</li>
<li>Mathieu Moreau und Oliver Dobremel</li>
<li>Hardcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96792-293-6</li>
<li>Storyline: ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/h-g-wells-die-zeitmaschine.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/h-g-wells-die-zeitmaschine-reist-in-eine-ferne-zukunft/">H.G.WELLS – DIE ZEITMASCHINE reist in eine ferne Zukunft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fällt vom Himmel</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/ich-bin-ein-verlorener-engel-faellt-vom-himmel/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 05:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei manchen Fortsetzungen merke ich schon nach zwanzig Seiten, dass ich innerlich anfange zu verhandeln. Vielleicht kommt da noch etwas? Vielleicht muss sich die Geschichte erst sortieren? Vielleicht bin ich nur deshalb so kritisch, weil der Vorgänger die Latte ziemlich, ziemlich hoch gelegt hat?! Bei ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL habe ich erstaunlich lange so [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/ich-bin-ein-verlorener-engel-faellt-vom-himmel/">ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fällt vom Himmel</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei manchen Fortsetzungen merke ich schon nach zwanzig Seiten, dass ich innerlich anfange zu verhandeln. Vielleicht kommt da noch etwas? Vielleicht muss sich die Geschichte erst sortieren? Vielleicht bin ich nur deshalb so kritisch, weil der Vorgänger die Latte ziemlich, ziemlich hoch gelegt hat?! Bei ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL habe ich erstaunlich lange so gedacht.</p>
<p><span id="more-4556"></span></p>
<p><a title="ICH BIN IHR SCHWEIGEN – Mord und viele Stimmen" href="https://panelwalker.de/2026/02/ich-bin-ihr-schweigen-mord-ein-weingut-und-viele-stimmen/" target="_blank" rel="noopener">ICH BIN IHR SCHWEIGEN</a> fand ich großartig, richtig großartig. Nicht makellos, aber lebendig, witzig, überraschend und vor allem getragen von einer Hauptfigur, der ich gern folge. Eva Rojas ist chaotisch, impulsiv, verletzlich, manchmal herrlich daneben und trotzdem nie bloß eine Ansammlung schriller Eigenschaften. Ihre <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_St%C3%B6rung" target="_blank" rel="nofollow noopener">bipolare Störung</a> gehört zu ihr, erklärt sie aber nicht vollständig. Dazu kommen ihre verstorbenen Vorfahrinnen &#8211; ja, alles Frauen &#8211; , die sich in ihre Gedanken einmischen, als säßen sie mit am Tisch.</p>
<p>All das ist wieder da. Jordi Lafebre zeichnet weiterhin wunderbar. Eva kann weiterhin einen Raum betreten und sofort die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ihre Dialoge haben Tempo und ihre Mimik erzählt manchmal mehr als alles andere. Und trotzdem funktioniert dieser zweite Band für mich deutlich schlechter.</p>
<p>Das liegt nicht am hintergründigen Fußball-Thema. Ich interessiere mich nicht für Fußball, daher ist er mir in diesem Zusammenhang letztlich egal. Der verschwundene junge Spieler João könnte auch ein bekannter Musiker, ein berühmter Schauspieler oder der Sohn eines reichen Unternehmers sein.</p>
<p>Entscheidend ist etwas anderes. Die Suche nach ihm führt Eva in ein Umfeld aus Sexarbeit, rechter Gewalt und Neonazis. Genau dort liegt für mich das eigentliche Zentrum dieses Albums. Und genau dort hätte Lafebre bleiben sollen.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4561" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Wenn die Vergangenheit plötzlich sehr gegenwärtig wird</h3>
<p>Barcelona ist bei Lafebre nie bloß eine hübsche Kulisse. Natürlich gibt es besonderes Licht, Straßencafés, enge Gassen und auch dieses besondere Mittelmeerflair. Gleichzeitig steckt in der Stadt eine politische Geschichte, die bis heute sichtbar ist. Für ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL ist das wichtiger als jeder Fußballplatz.</p>
<p>Spanien lebt nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bürgerkrieg von 1936 bis 1939</a> fast vier Jahrzehnte unter der Diktatur Francisco Francos. Der Übergang zur Demokratie beginnt erst nach dessen Tod 1975. Die Erinnerung daran ist bis heute nicht erledigt. <a title="Wenn Trauer verboten bleibt – DER ABGRUND DES VERGESSENS" href="https://panelwalker.de/2025/07/wenn-trauer-verboten-bleibt-der-abgrund-des-vergessens/" target="_blank" rel="noopener">Massengräber, verschwundene Angehörige, politische Symbole</a> und die Frage nach dem Umgang mit franquistischer Vergangenheit beschäftigen das Land weiter.</p>
<p>Lafebre erzählt diese tragischen Teile spanischer Geschichte nicht über Textblöcke oder Vorträge. Er verbindet sie mit Eva. Eine ihrer verstorbenen Vorfahrinnen, Ana Rojas, erlebte den Spanischen Bürgerkrieg und kämpfte auf republikanischer Seite. Wenn Eva nun mit Neonazis und einer gewalttätigen, rechtsextremen Gruppe zu tun bekommt, treffen Gegenwart und Familiengeschichte mittelbar aufeinander. Das gefällt mir als Ausgangspunkt ausgesprochen gut.</p>
<p>Auch die Verbindung zu den Sexarbeiterinnen passt dazu. Lafebre schaut auf Menschen, die schnell an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und bei denen erlebte Gewalt oft erheblich weniger öffentliche Empörung auslöst als anderswo. Unter ihnen befinden sich Trans-Frauen, die zusätzlich zum alltäglichen Risiko mit rechter und trans-feindlicher Gewalt konfrontiert sind.</p>
<p>Damit liegt eigentlich genug Material auf dem Tisch: Faschismus, Ausgrenzung, Gewalt, Erinnerung und Evas sehr persönlicher Umgang mit Autoritäten und mit Ungerechtigkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4562" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Referenzen zum ersten Band</h3>
<p>Zu Beginn sitzt Eva wieder in einer Situation, die sehr an den ersten Band erinnert. Ein Mann ist tot. Ricardo Mazas, genannt Riqui, landet auf ziemlich spektakuläre Weise kopfüber im Beton einer Großbaustelle. Eva kennt ihn, natürlich kennt sie ihn. Bei Eva Rojas wäre alles andere fast schon enttäuschend.</p>
<p>Vizeinspektorin Alemany und ihr Kollege Ohne-bekannten-Dienstgrad García wollen wissen, was passiert ist. Eva erzählt, Dr. Llull sitzt dabei. Damit kehrt Lafebre zu der bekannten Konstruktion aus ICH BIN IHR SCHWEIGEN zurück. Die Geschichte entfaltet sich rückblickend, gefiltert durch Evas Beobachtungen, unterbrochen von ihren Sprüngen, Kommentaren und den Stimmen ihrer verstorbenen Verwandten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4563" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Eine Vermisste wäre fast ehrlicher gewesen</h3>
<p>Ausgangspunkt ihrer Erzählung ist João, ein neunzehnjähriger brasilianischer Profifußballer und Patient von Eva. Er ist verschwunden. Sein Verein glaubt, Eva könne vielleicht wissen, wo er steckt oder warum er untergetaucht ist. Also sucht sie ihn. Das funktioniert als Auslöser. Mehr aber auch nicht.</p>
<p>Je länger ich lese, desto weniger interessiert mich João als Fußballspieler. Dass er jung ist und unter öffentlichem Druck steht, spielt natürlich eine Rolle. Dass ein Verein über ihn verfügen möchte, ebenfalls. Doch daraus entwickelt Lafebre keine wirklich eigenständige Geschichte über den Profisport. Er schaut weder lange genug hinter die Kulissen noch erzählt er etwas, das diesen besonderen Beruf für die Geschichte unverzichtbar machen würde. Darum wirkt das Fußballmilieu auf mich eher wie eine Einstiegstür. Hinter anderen Türen beginnt jedoch der interessantere Teil des Comic.</p>
<p>Die Spur führt Eva zu Sexarbeiterinnen. Sie trifft auf Frauen, die bedroht und angegriffen werden. Neonazis tauchen auf, Gewalt bekommt plötzlich eine politische Richtung. Riqui gehört in dieses Umfeld. Aus der Suche nach João wird nach und nach eine Geschichte über Menschen, die andere einschüchtern, weil sie sich ihnen körperlich überlegen fühlen. Ab hier interessiert mich die Geschichte sofort.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4564" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Eva läuft dahin, wo andere wegschauen</h3>
<p>Eva besitzt eine Eigenschaft, die sie für solche Erzählungen hervorragend geeignet macht: Sie kann Manches nur sehr schwer ignorieren! Das ist nicht immer vernünftig und häufig ist es sogar gefährlich. Doch genau darin liegt der Reiz ihrer Figur.</p>
<p>Wo andere Abstand halten, geht Eva näher hinein, geht tiefer ins Dunkele. Sie stellt Fragen, mischt sich ein, provoziert und überschreitet eigene Grenzen und die anderer.</p>
<p>Hinzu kommt ihre bipolare Störung, mit der Lafebre vergleichsweise sorgsam umgeht. Sie dient nicht als einfache Erklärung für jedes impulsive Verhalten. Eva bleibt verantwortlich für das, was sie tut. Gleichzeitig gehört ihre psychische Erkrankung aber zu ihrem Alltag und beeinflusst, wie sie Belastung, Kontrolle und eigene Grenzen erlebt. Gerade im Umfeld der bedrohten Sexarbeiterinnen funktioniert diese Figur hervorragend.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4565" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Figuren vom Rande der Gesellschaft</h3>
<p>Eva begegnet ihnen nicht als Retterin von oben herab. Sie landet vielmehr mitten in ihrer Welt. Lafebre lässt sie zuhören, handeln und Fehler machen. DAS tut diesem Comic gut. Besonders wichtig finde ich, dass die betroffenen Frauen nicht nur als Staffage für Evas Heldentum auftauchen. Ihre Lage bildet das moralische Zentrum dieses Falls. Hier werden Menschen bedroht, weil andere glauben, über deren Existenz urteilen zu dürfen. Rechte Gewalt wird damit nicht zu einer abstrakten politischen Idee, sie bekommt Ziele und Opfer. Leider bleibt Lafebre ausgerechnet bei den Tätern erstaunlich unspezifisch.</p>
<p>Die Neonazis sind hässlich, brutal, dumm und leicht zu hassen. Natürlich darf ein Comic Faschisten verabscheuen. Das tue ich ebenfalls. Nur ersetzt Verachtung keine gute Figurenzeichnung. Mir fehlt bei diesen Männern etwas, das sie wirklich unangenehm macht. Nicht Sympathie, bitte nicht, ich meine Glaubwürdigkeit.</p>
<p>Wenn rechte Gewalt nur von grölenden Idioten ausgeht, wird sie fast schon zu bequem. Dann kann ich sie als klar markiertes Böse betrachten und wieder weglegen.</p>
<p>Beunruhigender wäre gewesen, wenn Lafebre gezeigt hätte, wie solche Strukturen funktionieren, wie Gewalt vorbereitet wird oder wie sich Menschen darin gegenseitig bestätigen. Stattdessen bleiben die Root Boys lediglich Comic-Prügelknaben. Und das ist mir zu einfach.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4566" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729.jpg" alt="Innenseite 12 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Die Gespenster wissen mehr als der Krimi</h3>
<p>Viel interessanter wird es, sobald Ana Rojas ins Spiel kommt. Eva wird bekanntlich von ihren verstorbenen Vorfahrinnen begleitet. Ob ich diese Erscheinungen psychologisch, symbolisch oder innerhalb der Geschichte ganz wörtlich lese, ist dabei gar nicht so entscheidend. Sie sind Teil ihrer Wahrnehmung und Teil ihres &#8211; und Lafebres &#8211; Erzählens.</p>
<p>Ana verbindet Eva mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Plötzlich bekommt der Kampf gegen die Neonazis eine familiäre Vorgeschichte. Faschismus ist dann nichts, was Eva nur aus Geschichtsbüchern kennen könnte. Er hat ihre Familie berührt. Genau diesen Gedanken hätte Lafebre für meinen Geschmack viel weiter treiben können &#8230; ja, müssen!</p>
<p>Denn hier liegt eine Verbindung, die sich nicht künstlich anfühlt. Ana hat politische Gewalt erlebt. Eva begegnet den &#8222;Nachfahren im Geiste&#8220; in einer anderen Zeit und in anderer Form. Die Sexarbeiterinnen erleben wiederum ganz konkret, wie schnell Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Arbeit, ihrer Geschlechtsidentität oder schlicht aufgrund eines Feindbildes zum Ziel werden. Hier spricht ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL plötzlich über Erinnerung, ohne pathetisch zu werden. Dann biegt der Comic wieder ab.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4567" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729.jpg" alt="Innenseite 13 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Und plötzlich steht Evas Mutter im Zimmer</h3>
<p>Evas Mutter Maria gehört für mich zu den interessantesten, neuen Figuren des Albums, auch, wenn Sie im ersten Augenblick nur wie eine ältere Version von Eva erscheint. Und gleichzeitig weiß ich nach der Lektüre nicht recht, warum dieser Erzählstrang ausgerechnet in diesem Comic so viel Platz bekommt.</p>
<p>Eva besucht Maria in einer psychiatrischen Einrichtung. Dabei erfahren wir mehr über die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Rückblicke zeigen, wie beide gemeinsam Menschen beobachten und aus Gesten, Kleidung oder Verhalten kleine Geschichten ableiten. Das erklärt sehr hübsch, woher Evas enorme Aufmerksamkeit für andere Menschen stammen könnte.</p>
<p>Maria nimmt außerdem ebenfalls die verstorbenen Frauen der Familie wahr. Das ist ein erhellender Gedanke. Nur was macht er mit diesem Fall? Erstaunlich wenig.</p>
<p>Natürlich erweitert Maria unsere Vorstellung von Eva. Ich verstehe ihre Kindheit besser. Ich sehe eine familiäre Verbindung zwischen psychischer Erkrankung, Wahrnehmung und den Geistern der Vergangenheit. Auch emotional haben diese Szenen Gewicht. Nur stehen sie für mich neben der eigentlichen Geschichte statt in ihr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4568" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715.jpg" alt="Innenseite 14 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Quo vadis, Eva?</h3>
<p>Der Mord an Riqui, die Neonazis und die bedrohten Sexarbeiterinnen bekommen durch Marias Anwesenheit keine neue Richtung. Ihre Szenen unterbrechen vielmehr den Ermittlungs- und Erzählfluss. Danach kehrt Eva wieder in die alte Handlung zurück. Ich hatte deshalb zunehmend das Gefühl, Material für einen weiteren Band zu lesen, das bereits hier vorbereitet wird. Das ist als Erleuchtung kein kleines Problem.</p>
<p>Gerade weil Maria interessant ist, hätte ich ihr einen Comic gewünscht, der wirklich von ihr handelt. Hier konkurriert sie jedoch mit einem politischen Kriminalfall, der für sich genommen schon zu wenig Raum bekommt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4569" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715.jpg" alt="Innenseite 15 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Zu viele Geschichten für einen Engel</h3>
<p>Dazu kommt García, der Polizist. Schon im ersten Band war klar, dass zwischen ihm und Eva etwas knistert. Nun wird daraus mehr, körperliche Nähe entsteht, Gefühle werden komplizierter. Eva zieht ihn an und stößt ihn wieder weg. Auch das könnte einen ganzen Erzählstrang tragen.</p>
<p>Nur haben wir inzwischen einen verschwundenen João, einen ermordeten Neonazi, bedrohte Sexarbeiterinnen, rechte Gewalt, Evas Mutter, ihre Vorfahrinnen, den Spanischen Bürgerkrieg, Evas bipolare Störung und eine halbgare Liebesgeschichte. Irgendwann ist einfach Feierabend.</p>
<p>Lafebre erzählt schnell, seine Dialoge helfen ihm dabei. Seine Figuren brauchen oft nur wenige Bilder, um eine Situation lebendig zu gestalten. Doch Geschwindigkeit ersetzt eben keinen narrativen Raum. ICH BIN IHR SCHWEIGEN hatte ebenfalls viele Zutaten. Dort griffen sie aber erheblich besser ineinander. Die Familie Monturós, das Weingut, der Mord und Evas private Eigenheiten gehörten zur selben, kohärenten Erzählung.</p>
<p>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fühlt sich dagegen häufiger wie eine Sammlung interessanter Ansätze an. Der Fall geht weiter, weil Eva eine neue Spur entdeckt. Maria erscheint, weil Eva persönlich vertieft werden soll. García erscheint, weil die Beziehung weitergehen soll. Ana erscheint, weil die Geschichte damit eine historische Ebene bekommt. Die Neonazis erscheinen, weil Gewalt das eigentliche Thema ist. Alles davon kann ich nachvollziehen. Nur selten habe ich aber das Gefühl, dass das Eine zwingend aus dem Anderen entsteht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4570" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715.jpg" alt="Innenseite 16 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Lafebre zeichnet besser, als er diesmal erzählt</h3>
<p>Und dann sehe ich wieder diese Zeichnungen. Verdammt. Lafebre besitzt ein wunderbares Gefühl für Körper. Seine Figuren stehen nicht einfach in Panels. Sie lehnen, gestikulieren, schauen weg, gehen aufeinander los, verkrampfen, grinsen und reagieren.</p>
<p>Besonders Eva profitiert davon. Ihre Persönlichkeit steckt in jeder Bewegung. Selbst wenn sie nichts sagt, habe ich das Gefühl, genau zu wissen, ob sie gleich lachen, fluchen oder jemanden beleidigen wird. Auch die Gespräche bleiben visuell lebendig. Lafebre braucht keine spektakulären Perspektiven, um Spannung zu erzeugen. Ein Gesicht genügt, zwei Personen an einem Tisch genügen, ein kleiner Blickwechsel reicht ebenso. Dadurch liest sich der Comic unglaublich flüssig.</p>
<p>Vielleicht stört mich die Geschichte deshalb sogar stärker. Die Bilder ziehen mich vorwärts, während ich erzählerisch immer wieder zurückbleibe und denke, dass Lafebre gerade das spannendste Thema schon wieder verlassen hat. Ich wollte mehr über die Frauen, mehr über die rechte Gruppe, mehr über Maria und Ana wissen. Stattdessen bekam ich von allem etwas.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4571" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715.jpg" alt="Innenseite 17 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL hat eine großartige Hauptfigur, fantastische Zeichnungen und einen politischen Kern, dem ich gern folge. Doch der Comic vertraut diesem Kern einfach nicht genug.</p>
<p>Die Geschichte über Neonazis, Gewalt gegen Sexarbeiterinnen und die Verbindung zur faschistischen Vergangenheit Spaniens hätte mir vollkommen ausgereicht. Genau dort wird Evas Herangehensweise interessant, genau dort bekommen ihre Wut, ihre Impulsivität und ihre Familiengeschichte eine Richtung.</p>
<p>Der Erzählstrang um Maria ist zwar interessant, wirkt hier aber wie angeklebt. Die unnötige Beziehung zu García nimmt zusätzlichen Platz ein. Und irgendwann merke ich, wie ein eigentlich spannender Kriminalfall zwischen all diesen Dingen zerrieben wird.</p>
<p>Das ist besonders schade, weil Lafebre hier alles besitzt, was ich an Comics liebe. Er hat eine unverwechselbare Figur, einen wunderbar lebendigen Strich, sarkastischen Humor, Tempo und ein gutes Gespür für menschliche Schwächen. Für meinen Geschmack wollte er dieses Mal nur zu viel davon gleichzeitig erzählen. Vielleicht war der Erfolg des ersten Teils zu groß und die Zeit für die Entwicklung des neuen Szenarios zu kurz. Schade eigentlich, vertan!</p>
<p>Ich bin ein großer Fan von Jordi Lafebre, das gebe ich gerne zu. Doch leider muss ich auch zugeben, dass dieser Comic der Schwächste in der Reihe derer ist, bei denen er sowohl das Szenario als auch die Zeichnungen verantwortet.</p>
<p>Nach ICH BIN IHR SCHWEIGEN hatte ich mich auf Evas Rückkehr gefreut. Nach ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL freue ich mich immer noch darauf, Eva wiederzusehen. Nur beim nächsten Mal bitte mit einer Geschichte, die sich entscheidet, worüber sie wirklich erzählen möchte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4560" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-286x400.jpg" alt="Cover von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-600x839.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715.jpg 715w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL</li>
<li>Jordi Lafebre</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-68950-166-2</li>
<li>Storyline:  ★★☆☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/ich-bin-ein-verlorener-engel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/porcelain-ist-ein-gothic-maerchen-fuer-erwachsene/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 05:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gothic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Gothic Novel &#8211; oder auch Schauerroman &#8211; ist ein literarisches Genre des 18. und 19. Jahrhunderts, das insbesondere mit düsteren, geheimnisvollen Inhalten punktet.Zu den bekanntesten gehören FRANKENSTEIN von Mary Shelley oder DRACULA von Bram Stoker. Zu PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE bin ich wegen Chris Wildgoose gekommen. Er ist ein britischer Comiczeichner, Concept [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Gothic Novel &#8211; oder auch Schauerroman &#8211; ist ein literarisches Genre des 18. und 19. Jahrhunderts, das insbesondere mit düsteren, geheimnisvollen Inhalten punktet.Zu den bekanntesten gehören FRANKENSTEIN von Mary Shelley oder DRACULA von Bram Stoker<em>.</em></p>
<p>Zu PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE bin ich wegen <a href="https://www.chriswildgoose.com/comics" target="_blank" rel="nofollow noopener">Chris Wildgoose</a> gekommen. Er ist ein britischer Comiczeichner, Concept Artist und begnadeter Illustrator. Daneben ist er auch Mitgründer des Verlages <a href="https://www.improperbooks.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Improper Books</a> und wurde mit der PORCELAIN Reihe einem größeren Independent-Publikum bekannt. Später arbeitete er an <a href="https://www.dc.com/comics/gotham-academy-2014/gotham-academy-16" target="_blank" rel="nofollow noopener">GOTHAM ACADEMY</a> und <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/batman-nightwalker-schatten-der-nacht-yddcya003-de02.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">BATMAN NIGHTWALKER</a>. Aktuell zählt die Zusammenarbeit mit G. Willow Wilson am Comic <a title="THE HUNGER AND THE DUSK – Ich bin anders. Du auch." href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1069763237" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE HUNGER AND THE DUSK</a> zu seinen bekanntesten Arbeiten (den habe ich <a href="https://panelwalker.de/2025/03/the-hunger-and-the-dusk-ich-bin-anders-du-auch/" target="_blank" rel="nofollow noopener">an dieser Stelle</a> bereits besprochen).<span id="more-4245"></span></p>
<p>Wer seine späteren, oben genannten Arbeiten kennt, weiß, wie sicher er seine Figuren zeichnerisch erzählt. Bei diesem Werk wollte ich sehen, woher dieser Blick kommt. Geblieben bin ich dann aber nicht nur wegen Wildgoose&#8216; Zeichnungen, sondern weil Benjamin Read aus einem einfachen märchenhaften Aufbau ein kleines, kaltes, aber auch erstaunlich zartes Kammerspiel gebaut hat. Also: Licht aus, Kerze an! Wir begeben uns in die winterliche Stadt von &#8230; ja, keine Ahnung, irgendwo in Europa halt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4250" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007.jpg" alt="Innenseite 01 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die drei Säulen einer Geschichte</h3>
<p><em>Erstens</em> wächst aus der Vorliebe von Improper Books für Märchen, Fantastik auch ein Gespür für etwas Unheimliches. Das Studio wurde 2009 von Benjamin Read, Laura Trinder und Chris Wildgoose gegründet, nachdem sie auf einem unabhängigen Filmprojekt zusammengearbeitet hatten. Diese Herkunft aus Film, Bild und dunklen Erzählsträngen vermittelt der Band auf fast jeder Seite.</p>
<p><em>Zweitens</em> spielt Porzellan selbst als Idee mit. In Europa galt das Material lange als weißes Gold. Es war schön, kostbar, fast durchsichtig und technisch schwer zu beherrschen. Erst 1710 entstand <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Meissener_Porzellan" target="_blank" rel="nofollow noopener">in Meißen die erste europäische Werkstätte für Hartporzellan</a>. Aber auch danach blieb es eine Kostbarkeit, die sich nur die wirklich Wohlhabenden leisten wollten und konnten.</p>
<p><em>Drittens</em> greift der Comic eine alte Faszination für künstliches Leben auf. Bewegliche Figuren, Automaten und mechanische Wunder wie etwa der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schacht%C3%BCrke" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schachtürke</a> gehörten seit Jahrhunderten zur europäischen Schaulust. Im 18. Jahrhundert wirkten solche Maschinen wie kleine Vorboten einer Zukunft, die atmen wollte und es doch nicht konnte.</p>
<p>Dazu kommt noch eine gewisse &#8222;Märchentür&#8220;, die niemand öffnen darf bzw. soll. Wer da sofort an das Märchen vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blaubart" target="_blank" rel="nofollow noopener">BLAUBART</a> denkt, liegt nicht ganz falsch. Auch dort führt ein Verbot in einen verborgenen Raum. Auch dort wird Standhaftigkeit gegen Neugier geprüft. PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE macht daraus aber keine reine Warnung vor Ungehorsam. Der Comic hinterfragt gezielter, was Schutz wirklich bedeutet, wenn er auf Schweigen beruht. Und was eine Liebe wert ist, wenn sie auf einem Geheimnis fußt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4251" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008.jpg" alt="Innenseite 02 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Glasur, Schatten und der Atem der Bilder</h3>
<p>Wildgoose zeichnet gekonnt und zieht mich mit jedem Panel über die Schwelle hinein in sein Reich. Seine Stadt wirkt kalt, schmutzig und eng. Die Kinder bewegen sich darin wie kleine Schatten, flink und abgehärtet. Sobald Child über die Mauer steigt, verändert sich die Bilderwelt jedoch. Der Garten und das Haus des Porcelain Maker&#8217;s öffnen sich wie eine fremde Welt. Hier gibt es Wärme und Schutz vor der äußeren Kälte, aber sie ist nicht frei von Gefahr. Dort gibt es Schönheit, aber diese wird unter Verschluss gehalten.</p>
<p>Besonders stark ist Wildgoose in den Szenen, in denen er seine Charaktere konkret gegeneinander setzt. Child ist manchmal kantig, stets wachsam und sofort bereit zur Flucht. Der Porcelain Maker demgegenüber wirkt zuerst groß, müde und vorsichtig. Seine künstlichen Diener wiederum besitzen diese unheimliche Mischung aus Eleganz und Starrheit. Es sind Figuren, die funktionieren, auch ohne eine Seele zu haben.</p>
<p>Allerdings habe ich beim Lesen nie vergessen, dass auch sie zerbrechen können. Diese Zerbrechlichkeit steckt schon in der Form. Sie haben glatte Gesichter, weißliche Körper und leere Augen. Der Comic liefert dafür keine langen Erklärungen. Ein Blick auf eine dieser Porzellangestalten genügt und ich weiß, dass hier Gewalt und Zerbrechlichkeit dicht beieinander stehen.</p>
<p>Die Farbgestaltung des Comic ist wichtig, weil sie diese Nähe spürbar macht. André May als Colourist und Alexa Rosa für das Flatting arbeiten mit Kälte und gedämpftem Licht. Draußen liegt die Welt in Blau, Grau und Schmutz. Im Haus wird sie heller, cremiger, manchmal fast golden. Diese Wärme ist verführerisch, natürlich. Genau deshalb halte ich sie als Leser von Beginn an für verdächtig. Die Seiten lese ich dadurch nicht schneller, sondern vorsichtiger. Ich bleibe bei Details hängen, bei Kerzenlicht, bei Schatten in Werkstätten oder bei dieser glatten, bleichen Oberfläche, unter der etwas knackt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4252" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009.jpg" alt="Innenseite 03 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die Porzellanwerkstatt des Erzählers</h3>
<p>Chris Wildgoose&#8216; Partner bei diesem Werk ist Benjamin Read. Er ist ein britischer Autor von Comics, Büchern und Filmen und gehört &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; zu den Gründungsmitgliedern von Improper Books. Zu seinen weiteren Comics zählen unter anderem <a href="https://www.amazon.de/Briar-Vol-English-Benjamin-Read-ebook/dp/B01F9EH4XC?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">BRIAR</a>, <a href="https://www.amazon.de/Butterfly-Gate-Vol-1-English-ebook/dp/B01F9EH4VE?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">BUTTERFLY GATE </a>und <a href="https://www.amazon.de/Night-Post-English-Benjamin-Read-ebook/dp/B01F9EH4Z0?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">NIGHT POST</a>.</p>
<p>Gemeinsam mit Laura Trinder entwickelte er außerdem die erfolgreiche Kinderbuchreihe <a href="https://www.amazon.de/Mitternachtsstunde-Emily-die-geheime-Nachtpost-ebook/dp/B081ZDB976?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">MITTERNACHTSSTUNDE</a>. Read kommt erkennbar aus einer erzählerischen Ecke, in der Märchen, Filmrhythmus und düstere Fantastik gekonnt zusammenfinden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4253" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010.jpg" alt="Innenseite 04 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die Mauer aus feinem Porzellan</h3>
<p>Doch: Um was geht es in der Serie denn nun eigentlich? Die Hauptfigur der englischen Ausgabe heißt &#8222;Child&#8220;, also: das Kind. Ich bleibe bei diesem Namen, weil er den Märchenton des Comics trägt. Child ist kein romantisches Findelkind mit großen Augen. Sie lebt auf der Straße einer verschneiten, nicht näher bezeichneten, englischen Stadt. Child klaut, rennt, friert und behauptet sich in einer kleinen Bande aus Leidensgenossen.</p>
<p>Diese ersten Seiten erzählen ihren Hintergrund und sind wichtig, weil sie ihren Trotz nicht verniedlichen. Child ist nicht unschuldig im einfachen Sinn. Sie ist jung, verletzt, wach und voller Hunger. Hunger nach Essen, ja. Aber auch nach einem Platz, der ihr nicht sofort wieder streitig gemacht wird.</p>
<p>Eine Mutprobe führt sie über die Mauer des Anwesens, hinter welcher der Porcelain Maker residiert. Für die Kinder draußen ist er eine Art Zauberer, vielleicht auch ein Monster, auf jeden Fall jedoch ein Mann, von dem Geschichten erzählt werden.</p>
<h3>Ein Garten mit Geheimnissen</h3>
<p>Als Child in seinem Garten erwischt wird, kippen die Vorurteile. Der Alte ist doch nicht der böse Hexenmeister, auf den die Szene vorbereitet hat. Er ist einsam und gereizt, neugierig und offenbar berührt von diesem Kind, das ohne Erlaubnis in sein Leben eingebrochen ist. Sein Haus wird von Porzellangestalten bevölkert, die durch Alchemie angetrieben werden. Sie dienen ihm, schützen ihn und machen die Einsamkeit nur noch spürbarer.</p>
<p>Was mich an diesem Einstieg überzeugt, ist die Geduld. Read setzt nicht auf unmittelbaren Schrecken. Und Wildgoose zeigt mir zuerst Räume, Abstände und vorsichtige Annäherungen. Child darf bleiben. Der Porcelain Maker bietet ihr Essen, Kleidung, Schutz und eine Art Familie. Im Gegenzug gibt es nur eine Regel: Sie darf nicht in den verschlossenen Teil der Werkstatt!</p>
<p>Natürlich weiß ich als Leser sofort, dass diese Tür nicht geschlossen bleiben wird. Der Comic weiß das auch. Gerade deshalb spielt er nicht auf billige Überraschung. Er interessiert sich für den Weg zu dieser Tür.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4254" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011.jpg" alt="Innenseite 05 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die glasierte Tür und ihr Verbot</h3>
<p>Im Haus des Porcelain Maker&#8217;s lernt Child eine völlig neue Welt kennen. Sie bekommt nicht nur Luxus, sondern auch die Art Aufmerksamkeit, die ihr auf der Straße gefehlt hat. Der alte Mann behandelt sie bald wie eine Tochter. Diese Beziehung ist das Herzstück des Bandes und sie ist schön, weil beide etwas beieinander finden, das sie vermisst haben. Child findet Sicherheit, der Porcelain Maker findet menschliche Nähe.</p>
<p>Gleichzeitig bleibt ihre Beziehung jedoch irgendwie &#8211; schief. Er besitzt das Haus, das Wissen und die Regeln. Sie besitzt nur ihren Trotz. Der Comic verklärt diese Schieflage nicht. Er zeigt, wie dankbar Child ist und er zeigt zugleich, wie gefährlich Dankbarkeit werden kann, wenn Fragen verboten sind.</p>
<h3>Die glasierten Helfer</h3>
<p>Die Porzellangestalten wirken in dieser Mitte des Bandes fast häuslich. Sie decken Tische, bewegen sich durch die Flure und erfüllen ihre Aufgaben. Gerade diese Normalität macht sie präsenter. Ich lese sie nicht als bloße Monster. Es sind Geschöpfe, Produkte, vielleicht Kinder einer anderen Art. Ihre Körper tragen die ganze Frage des Comics in sich: Wann wird Fürsorge zu Kontrolle? Wann wird Herstellung zu Herrschaft? Und wie viel Leben darf ein Mensch in etwas hineinlegen, bevor er Verantwortung dafür trägt? Alles in allem ist auch die GOTHIC FAIRY TALE eine FRANKENSTEIN-Geschichte.</p>
<p>Child&#8217;s Neugier führt deshalb auch zu ihrer Intuition. Auf der Straße konnte sie es sich nicht leisten, blind zu vertrauen. Im Haus soll sie jedoch genau das tun. Sie soll glauben, dass ein Verbot nur zu ihrem Besten besteht. Aber PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE wäre keine gute Geschichte, wenn sie diese Frage sauber beantworten würde.</p>
<p>Die verbotene Werkstatt enthält keine einzelne Pointe, die alles erklärt. Stattdessen öffnet sie einen moralischen Riss. Nach dem Öffnen der Tür sieht das Haus mit einem Mal anders aus. Auch die Liebe zwischen Child und dem Porcelain Maker bekommt eine andere Farbe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4255" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012.jpg" alt="Innenseite 06 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Scherben auf dem Werkstattboden</h3>
<p>Im letzten Teil zieht der Band die Schrauben noch einmal an. Child muss begreifen, dass die schöne Zuflucht einen Preis hat. Der Porcelain Maker muss sich seiner eigenen Vergangenheit und seinen Entscheidungen stellen. Und aus dem Märchen über ein Mädchen in einem wunderlichen Haus wird ein Drama über Besitz, Schuld und die Angst vor Verlust.</p>
<p>Der Comic bleibt dabei erstaunlich kontrolliert. Er lässt Raum für Trauer, ja sogar Raum für Zuneigung, wo Zorn vielleicht näherliegen würde. Genau das hat mich berührt. Die Geschichte will nicht einfach bestrafen. Sie schaut hin, wenn Figuren einander weh tun, obwohl sie einander brauchen. Mehr Familie geht kaum noch.</p>
<p>Die Nebenfiguren aus der Straße bleiben dabei mehr als bloßer Auftakt. Sie erinnern daran, woher Child kommt. Das ist wichtig, weil das Haus sonst zu sehr als einzige Welt erscheinen könnte. Child hat schon vor der Mauer gelernt, wie hart Menschen sein können. Im Anwesen lernt sie, dass Sanftheit ebenfalls gefährlich werden kann, wenn sie nicht ehrlich ist.</p>
<p>Der Band gewinnt daraus seine erwachsene Note. Er sieht aus wie ein Märchen, aber er denkt wie eine Geschichte über Familie. Nicht über die Familie, die Blut-ist-dicker-als-Wasser oder Die-Familie-ist-das-Gesetz verspricht. Sondern über die Familie, die entsteht, weil zwei Einsame einander erkennen und trotzdem nicht wissen, wie Nähe ohne Besitz funktioniert.</p>
<p>
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<img loading="lazy" decoding="async" width="283" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-283x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von PORCELAIN - IVORY TOWER" columns="2" size="medium" link="none" ids="4261,4262" orderby="post__in" include="4261,4262" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-283x400.jpg 283w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" />
</p>
<p>Dass dies ein Auftakt ist, merke ich am Ende deutlich. Der Band erzählt eine geschlossene Geschichte, aber er lässt Child nicht dort zurück, wo Märchenheldinnen üblicherweise landen. Kein bequemes Danach, kein Happy-Ever-After. Die Fortsetzungen BONE CHINA und IVORY TOWER springen weiter in Child&#8217;s Leben und zeigen sie als Lady und später als Mother. Dieser erste Band ist also Ursprung, Wunde und Fundament zugleich.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4256" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013.jpg" alt="Innenseite 07 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Ein Serienauftakt aus gebranntem Weiß</h3>
<p>Als erster Teil einer dreibändigen Reihe funktioniert PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE sehr gut, weil der Band nicht wie ein Prolog wirkt. Er erzählt nicht nur, wie etwas beginnt. Er erzählt, warum etwas nie wieder heil wird. Das ist ein Unterschied.</p>
<p>Viele Auftakte legen Figuren, Welt und Regeln aus. Read und Wildgoose machen das auch, aber sie verstecken die Anlage in einer emotional klaren Geschichte. Ich muss nicht wissen, wohin die Reihe später führt, um diesen Band zu verstehen. Wenn ich es weiß, gewinnt er aber an Gewicht.</p>
<p>Die Reihe verfolgt Child über große Zeitsprünge weiter und macht aus dem Mädchen später eine Frau mit Macht, Geheimnissen und Verantwortung. Improper Books beschreibt die Reihe als die Geschichte einer Frau und ihrer Spuren, die sie in der Welt hinterlässt. Der erste Band zeigt die erste dieser Spuren.</p>
<p>Thematisch liegt für mich der Reiz in der Mischung. Der Comic nutzt Märchenmotive, aber er pinselt sie nicht nostalgisch an. Er nimmt BLAUBART&#8217;s verbotene Tür, den Waisenhaus Geruch viktorianischer Armut a la DAVID COPPERFIELD, die Faszination für Automaten und das Versprechen des weißen Goldes. Daraus entsteht ein Erzählstrang, der vertraut beginnt und immer unsicherer wird. Child darf hart sein, der Porcelain Maker liebenswert und beide dürfen falsch handeln. Das macht die Geschichte menschlicher als viele deutlich lautere Fantasy Comics.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4257" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014.jpg" alt="Innenseite 08 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Sprünge in der glänzenden Oberfläche</h3>
<p>Kleinere Schwächen gibt es trotzdem. Einige Wendungen sind früh zu erahnen, weil die angepasste Märchenform ihre Spuren sehr sichtbar offenbart. Die Bande der Straßenkinder hätte ich gern noch etwas stärker erlebt, andererseits wir haben hier nicht <a title="DIE VIER VON DER BAKER STREET „besuchen“ ein Museum" href="https://panelwalker.de/2025/03/die-vier-von-der-baker-street-besuchen-ein-museum/" target="_blank" rel="noopener">DIE VIER VON DER BAKERSTREET</a>. Die Kids erfüllen ihre Aufgabe, doch neben Child und dem Porcelain Maker verblassen sie bald.</p>
<p>Auch die Welt außerhalb des Anwesens bleibt im ersten Band eher angedeutet. Das ist erzählerisch nachvollziehbar, weil der Comic seine Druckkammer braucht. Trotzdem wollte ich an manchen Stellen kurz aus dem Haus treten und mehr von dieser Stadt sehen. Letztendlich war diese äußere Welt narrativ dann aber doch nicht wichtig genug.</p>
<p>Doch diese Begrenzung ist zugleich die Stärke des Werkes. Der Band bleibt eng bei Child. Wenn die Welt klein wirkt, dann deshalb, weil Child&#8217;s Möglichkeiten klein sind. Wenn das Haus groß wirkt, dann deshalb, weil Schutz für sie zunächst wie Überwältigung aussehen muss.</p>
<p>Wildgoose&#8217;s Seitenrhythmus unterstützt das wunderbar. Große Panels öffnen die Räume. Kleinere Bildfolgen bremsen Bewegungen ab. Stumme Momente geben den Figuren Gewicht. Der Comic vertraut darauf, dass ein Gang, eine Tür und ein Blick mehr erzählen können als ein erklärender Absatz. Dieses Vertrauen zahlt sich aus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4258" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015.jpg" alt="Innenseite 09 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE ist ein Serienauftakt mit eigener Seele. Der bisher nur in englischer Sprache erschienene Band verbindet Märchen, Gothic Stimmung, alchemistische Fantastik und Familiendrama zu einer Geschichte, die kälter beginnt, als sie endet und wärmer wirkt, als sie eigentlich sein dürfte. Ich kam wegen Chris Wildgoose., blieb wegen seiner Zeichnungen, der Farben, der Porzellangestalten und wegen Child, die nie nur Opfer, nie nur Heldin und nie bloß Märchenfigur ist.</p>
<p>Nicht alles überrascht. Nicht jede Nebenfigur sitzt so tief wie das zentrale Paar. Aber der Comic hat etwas, das ich bei Gothic Stoffen besonders schätze: er kennt den Wert der Oberfläche und traut ihr nicht. Er zeigt Schönheit, bis ich die Sprünge sehe. Und wenn am Ende Scherben liegen, wirken sie nicht wie Dekor. Sie wirken wie der Anfang einer langen Geschichte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4249" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-280x400.jpg" alt="Cover von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="280" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-600x857.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>PORCELAIN  A GOTHIC FAIRY TALE</li>
<li>Benjamin Read und Chris Wildgoose</li>
<li>86 Seiten | Farbe | English</li>
<li>ISBN 978-1-44746-131-9</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.improperbooks.com/comics/project-four-yjynj-nb7xc" target="_blank" rel="nofollow noopener">Improper Books Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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