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	<title>★★★☆☆ - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>★★★☆☆ - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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		<title>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fällt vom Himmel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 05:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei manchen Fortsetzungen merke ich schon nach zwanzig Seiten, dass ich innerlich anfange zu verhandeln. Vielleicht kommt da noch etwas? Vielleicht muss sich die Geschichte erst sortieren? Vielleicht bin ich nur deshalb so kritisch, weil der Vorgänger die Latte ziemlich, ziemlich hoch gelegt hat?! Bei ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL habe ich erstaunlich lange so [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/ich-bin-ein-verlorener-engel-faellt-vom-himmel/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fällt vom Himmel</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei manchen Fortsetzungen merke ich schon nach zwanzig Seiten, dass ich innerlich anfange zu verhandeln. Vielleicht kommt da noch etwas? Vielleicht muss sich die Geschichte erst sortieren? Vielleicht bin ich nur deshalb so kritisch, weil der Vorgänger die Latte ziemlich, ziemlich hoch gelegt hat?! Bei ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL habe ich erstaunlich lange so gedacht.</p>
<p><span id="more-4556"></span></p>
<p><a title="ICH BIN IHR SCHWEIGEN – Mord und viele Stimmen" href="https://panelwalker.de/2026/02/ich-bin-ihr-schweigen-mord-ein-weingut-und-viele-stimmen/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">ICH BIN IHR SCHWEIGEN</a> fand ich großartig, richtig großartig. Nicht makellos, aber lebendig, witzig, überraschend und vor allem getragen von einer Hauptfigur, der ich gern folge. Eva Rojas ist chaotisch, impulsiv, verletzlich, manchmal herrlich daneben und trotzdem nie bloß eine Ansammlung schriller Eigenschaften. Ihre <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_St%C3%B6rung" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">bipolare Störung</a> gehört zu ihr, erklärt sie aber nicht vollständig. Dazu kommen ihre verstorbenen Vorfahrinnen &#8211; ja, alles Frauen &#8211; , die sich in ihre Gedanken einmischen, als säßen sie mit am Tisch.</p>
<p>All das ist wieder da. Jordi Lafebre zeichnet weiterhin wunderbar. Eva kann weiterhin einen Raum betreten und sofort die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ihre Dialoge haben Tempo und ihre Mimik erzählt manchmal mehr als alles andere. Und trotzdem funktioniert dieser zweite Band für mich deutlich schlechter.</p>
<p>Das liegt nicht am hintergründigen Fußball-Thema. Ich interessiere mich nicht für Fußball, daher ist er mir in diesem Zusammenhang letztlich egal. Der verschwundene junge Spieler João könnte auch ein bekannter Musiker, ein berühmter Schauspieler oder der Sohn eines reichen Unternehmers sein.</p>
<p>Entscheidend ist etwas anderes. Die Suche nach ihm führt Eva in ein Umfeld aus Sexarbeit, rechter Gewalt und Neonazis. Genau dort liegt für mich das eigentliche Zentrum dieses Albums. Und genau dort hätte Lafebre bleiben sollen.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4561" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="(max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Wenn die Vergangenheit plötzlich sehr gegenwärtig wird</h3>
<p>Barcelona ist bei Lafebre nie bloß eine hübsche Kulisse. Natürlich gibt es besonderes Licht, Straßencafés, enge Gassen und auch dieses besondere Mittelmeerflair. Gleichzeitig steckt in der Stadt eine politische Geschichte, die bis heute sichtbar ist. Für ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL ist das wichtiger als jeder Fußballplatz.</p>
<p>Spanien lebt nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Bürgerkrieg von 1936 bis 1939</a> fast vier Jahrzehnte unter der Diktatur Francisco Francos. Der Übergang zur Demokratie beginnt erst nach dessen Tod 1975. Die Erinnerung daran ist bis heute nicht erledigt. <a title="Wenn Trauer verboten bleibt – DER ABGRUND DES VERGESSENS" href="https://panelwalker.de/2025/07/wenn-trauer-verboten-bleibt-der-abgrund-des-vergessens/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">Massengräber, verschwundene Angehörige, politische Symbole</a> und die Frage nach dem Umgang mit franquistischer Vergangenheit beschäftigen das Land weiter.</p>
<p>Lafebre erzählt diese tragischen Teile spanischer Geschichte nicht über Textblöcke oder Vorträge. Er verbindet sie mit Eva. Eine ihrer verstorbenen Vorfahrinnen, Ana Rojas, erlebte den Spanischen Bürgerkrieg und kämpfte auf republikanischer Seite. Wenn Eva nun mit Neonazis und einer gewalttätigen, rechtsextremen Gruppe zu tun bekommt, treffen Gegenwart und Familiengeschichte mittelbar aufeinander. Das gefällt mir als Ausgangspunkt ausgesprochen gut.</p>
<p>Auch die Verbindung zu den Sexarbeiterinnen passt dazu. Lafebre schaut auf Menschen, die schnell an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und bei denen erlebte Gewalt oft erheblich weniger öffentliche Empörung auslöst als anderswo. Unter ihnen befinden sich Trans-Frauen, die zusätzlich zum alltäglichen Risiko mit rechter und trans-feindlicher Gewalt konfrontiert sind.</p>
<p>Damit liegt eigentlich genug Material auf dem Tisch: Faschismus, Ausgrenzung, Gewalt, Erinnerung und Evas sehr persönlicher Umgang mit Autoritäten und mit Ungerechtigkeit.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4562" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="(max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Referenzen zum ersten Band</h3>
<p>Zu Beginn sitzt Eva wieder in einer Situation, die sehr an den ersten Band erinnert. Ein Mann ist tot. Ricardo Mazas, genannt Riqui, landet auf ziemlich spektakuläre Weise kopfüber im Beton einer Großbaustelle. Eva kennt ihn, natürlich kennt sie ihn. Bei Eva Rojas wäre alles andere fast schon enttäuschend.</p>
<p>Vizeinspektorin Alemany und ihr Kollege Ohne-bekannten-Dienstgrad García wollen wissen, was passiert ist. Eva erzählt, Dr. Llull sitzt dabei. Damit kehrt Lafebre zu der bekannten Konstruktion aus ICH BIN IHR SCHWEIGEN zurück. Die Geschichte entfaltet sich rückblickend, gefiltert durch Evas Beobachtungen, unterbrochen von ihren Sprüngen, Kommentaren und den Stimmen ihrer verstorbenen Verwandten.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4563" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="(max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Eine Vermisste wäre fast ehrlicher gewesen</h3>
<p>Ausgangspunkt ihrer Erzählung ist João, ein neunzehnjähriger brasilianischer Profifußballer und Patient von Eva. Er ist verschwunden. Sein Verein glaubt, Eva könne vielleicht wissen, wo er steckt oder warum er untergetaucht ist. Also sucht sie ihn. Das funktioniert als Auslöser. Mehr aber auch nicht.</p>
<p>Je länger ich lese, desto weniger interessiert mich João als Fußballspieler. Dass er jung ist und unter öffentlichem Druck steht, spielt natürlich eine Rolle. Dass ein Verein über ihn verfügen möchte, ebenfalls. Doch daraus entwickelt Lafebre keine wirklich eigenständige Geschichte über den Profisport. Er schaut weder lange genug hinter die Kulissen noch erzählt er etwas, das diesen besonderen Beruf für die Geschichte unverzichtbar machen würde. Darum wirkt das Fußballmilieu auf mich eher wie eine Einstiegstür. Hinter anderen Türen beginnt jedoch der interessantere Teil des Comic.</p>
<p>Die Spur führt Eva zu Sexarbeiterinnen. Sie trifft auf Frauen, die bedroht und angegriffen werden. Neonazis tauchen auf, Gewalt bekommt plötzlich eine politische Richtung. Riqui gehört in dieses Umfeld. Aus der Suche nach João wird nach und nach eine Geschichte über Menschen, die andere einschüchtern, weil sie sich ihnen körperlich überlegen fühlen. Ab hier interessiert mich die Geschichte sofort.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4564" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Eva läuft dahin, wo andere wegschauen</h3>
<p>Eva besitzt eine Eigenschaft, die sie für solche Erzählungen hervorragend geeignet macht: Sie kann Manches nur sehr schwer ignorieren! Das ist nicht immer vernünftig und häufig ist es sogar gefährlich. Doch genau darin liegt der Reiz ihrer Figur.</p>
<p>Wo andere Abstand halten, geht Eva näher hinein, geht tiefer ins Dunkele. Sie stellt Fragen, mischt sich ein, provoziert und überschreitet eigene Grenzen und die anderer.</p>
<p>Hinzu kommt ihre bipolare Störung, mit der Lafebre vergleichsweise sorgsam umgeht. Sie dient nicht als einfache Erklärung für jedes impulsive Verhalten. Eva bleibt verantwortlich für das, was sie tut. Gleichzeitig gehört ihre psychische Erkrankung aber zu ihrem Alltag und beeinflusst, wie sie Belastung, Kontrolle und eigene Grenzen erlebt. Gerade im Umfeld der bedrohten Sexarbeiterinnen funktioniert diese Figur hervorragend.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4565" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Figuren vom Rande der Gesellschaft</h3>
<p>Eva begegnet ihnen nicht als Retterin von oben herab. Sie landet vielmehr mitten in ihrer Welt. Lafebre lässt sie zuhören, handeln und Fehler machen. DAS tut diesem Comic gut. Besonders wichtig finde ich, dass die betroffenen Frauen nicht nur als Staffage für Evas Heldentum auftauchen. Ihre Lage bildet das moralische Zentrum dieses Falls. Hier werden Menschen bedroht, weil andere glauben, über deren Existenz urteilen zu dürfen. Rechte Gewalt wird damit nicht zu einer abstrakten politischen Idee, sie bekommt Ziele und Opfer. Leider bleibt Lafebre ausgerechnet bei den Tätern erstaunlich unspezifisch.</p>
<p>Die Neonazis sind hässlich, brutal, dumm und leicht zu hassen. Natürlich darf ein Comic Faschisten verabscheuen. Das tue ich ebenfalls. Nur ersetzt Verachtung keine gute Figurenzeichnung. Mir fehlt bei diesen Männern etwas, das sie wirklich unangenehm macht. Nicht Sympathie, bitte nicht, ich meine Glaubwürdigkeit.</p>
<p>Wenn rechte Gewalt nur von grölenden Idioten ausgeht, wird sie fast schon zu bequem. Dann kann ich sie als klar markiertes Böse betrachten und wieder weglegen.</p>
<p>Beunruhigender wäre gewesen, wenn Lafebre gezeigt hätte, wie solche Strukturen funktionieren, wie Gewalt vorbereitet wird oder wie sich Menschen darin gegenseitig bestätigen. Stattdessen bleiben die Root Boys lediglich Comic-Prügelknaben. Und das ist mir zu einfach.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4566" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729.jpg" alt="Innenseite 12 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Die Gespenster wissen mehr als der Krimi</h3>
<p>Viel interessanter wird es, sobald Ana Rojas ins Spiel kommt. Eva wird bekanntlich von ihren verstorbenen Vorfahrinnen begleitet. Ob ich diese Erscheinungen psychologisch, symbolisch oder innerhalb der Geschichte ganz wörtlich lese, ist dabei gar nicht so entscheidend. Sie sind Teil ihrer Wahrnehmung und Teil ihres &#8211; und Lafebres &#8211; Erzählens.</p>
<p>Ana verbindet Eva mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Plötzlich bekommt der Kampf gegen die Neonazis eine familiäre Vorgeschichte. Faschismus ist dann nichts, was Eva nur aus Geschichtsbüchern kennen könnte. Er hat ihre Familie berührt. Genau diesen Gedanken hätte Lafebre für meinen Geschmack viel weiter treiben können &#8230; ja, müssen!</p>
<p>Denn hier liegt eine Verbindung, die sich nicht künstlich anfühlt. Ana hat politische Gewalt erlebt. Eva begegnet den &#8222;Nachfahren im Geiste&#8220; in einer anderen Zeit und in anderer Form. Die Sexarbeiterinnen erleben wiederum ganz konkret, wie schnell Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Arbeit, ihrer Geschlechtsidentität oder schlicht aufgrund eines Feindbildes zum Ziel werden. Hier spricht ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL plötzlich über Erinnerung, ohne pathetisch zu werden. Dann biegt der Comic wieder ab.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4567" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729.jpg" alt="Innenseite 13 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Und plötzlich steht Evas Mutter im Zimmer</h3>
<p>Evas Mutter Maria gehört für mich zu den interessantesten, neuen Figuren des Albums, auch, wenn Sie im ersten Augenblick nur wie eine ältere Version von Eva erscheint. Und gleichzeitig weiß ich nach der Lektüre nicht recht, warum dieser Erzählstrang ausgerechnet in diesem Comic so viel Platz bekommt.</p>
<p>Eva besucht Maria in einer psychiatrischen Einrichtung. Dabei erfahren wir mehr über die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Rückblicke zeigen, wie beide gemeinsam Menschen beobachten und aus Gesten, Kleidung oder Verhalten kleine Geschichten ableiten. Das erklärt sehr hübsch, woher Evas enorme Aufmerksamkeit für andere Menschen stammen könnte.</p>
<p>Maria nimmt außerdem ebenfalls die verstorbenen Frauen der Familie wahr. Das ist ein erhellender Gedanke. Nur was macht er mit diesem Fall? Erstaunlich wenig.</p>
<p>Natürlich erweitert Maria unsere Vorstellung von Eva. Ich verstehe ihre Kindheit besser. Ich sehe eine familiäre Verbindung zwischen psychischer Erkrankung, Wahrnehmung und den Geistern der Vergangenheit. Auch emotional haben diese Szenen Gewicht. Nur stehen sie für mich neben der eigentlichen Geschichte statt in ihr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4568" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715.jpg" alt="Innenseite 14 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Quo vadis, Eva?</h3>
<p>Der Mord an Riqui, die Neonazis und die bedrohten Sexarbeiterinnen bekommen durch Marias Anwesenheit keine neue Richtung. Ihre Szenen unterbrechen vielmehr den Ermittlungs- und Erzählfluss. Danach kehrt Eva wieder in die alte Handlung zurück. Ich hatte deshalb zunehmend das Gefühl, Material für einen weiteren Band zu lesen, das bereits hier vorbereitet wird. Das ist als Erleuchtung kein kleines Problem.</p>
<p>Gerade weil Maria interessant ist, hätte ich ihr einen Comic gewünscht, der wirklich von ihr handelt. Hier konkurriert sie jedoch mit einem politischen Kriminalfall, der für sich genommen schon zu wenig Raum bekommt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4569" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715.jpg" alt="Innenseite 15 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Zu viele Geschichten für einen Engel</h3>
<p>Dazu kommt García, der Polizist. Schon im ersten Band war klar, dass zwischen ihm und Eva etwas knistert. Nun wird daraus mehr, körperliche Nähe entsteht, Gefühle werden komplizierter. Eva zieht ihn an und stößt ihn wieder weg. Auch das könnte einen ganzen Erzählstrang tragen.</p>
<p>Nur haben wir inzwischen einen verschwundenen João, einen ermordeten Neonazi, bedrohte Sexarbeiterinnen, rechte Gewalt, Evas Mutter, ihre Vorfahrinnen, den Spanischen Bürgerkrieg, Evas bipolare Störung und eine halbgare Liebesgeschichte. Irgendwann ist einfach Feierabend.</p>
<p>Lafebre erzählt schnell, seine Dialoge helfen ihm dabei. Seine Figuren brauchen oft nur wenige Bilder, um eine Situation lebendig zu gestalten. Doch Geschwindigkeit ersetzt eben keinen narrativen Raum. ICH BIN IHR SCHWEIGEN hatte ebenfalls viele Zutaten. Dort griffen sie aber erheblich besser ineinander. Die Familie Monturós, das Weingut, der Mord und Evas private Eigenheiten gehörten zur selben, kohärenten Erzählung.</p>
<p>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fühlt sich dagegen häufiger wie eine Sammlung interessanter Ansätze an. Der Fall geht weiter, weil Eva eine neue Spur entdeckt. Maria erscheint, weil Eva persönlich vertieft werden soll. García erscheint, weil die Beziehung weitergehen soll. Ana erscheint, weil die Geschichte damit eine historische Ebene bekommt. Die Neonazis erscheinen, weil Gewalt das eigentliche Thema ist. Alles davon kann ich nachvollziehen. Nur selten habe ich aber das Gefühl, dass das Eine zwingend aus dem Anderen entsteht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4570" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715.jpg" alt="Innenseite 16 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Lafebre zeichnet besser, als er diesmal erzählt</h3>
<p>Und dann sehe ich wieder diese Zeichnungen. Verdammt. Lafebre besitzt ein wunderbares Gefühl für Körper. Seine Figuren stehen nicht einfach in Panels. Sie lehnen, gestikulieren, schauen weg, gehen aufeinander los, verkrampfen, grinsen und reagieren.</p>
<p>Besonders Eva profitiert davon. Ihre Persönlichkeit steckt in jeder Bewegung. Selbst wenn sie nichts sagt, habe ich das Gefühl, genau zu wissen, ob sie gleich lachen, fluchen oder jemanden beleidigen wird. Auch die Gespräche bleiben visuell lebendig. Lafebre braucht keine spektakulären Perspektiven, um Spannung zu erzeugen. Ein Gesicht genügt, zwei Personen an einem Tisch genügen, ein kleiner Blickwechsel reicht ebenso. Dadurch liest sich der Comic unglaublich flüssig.</p>
<p>Vielleicht stört mich die Geschichte deshalb sogar stärker. Die Bilder ziehen mich vorwärts, während ich erzählerisch immer wieder zurückbleibe und denke, dass Lafebre gerade das spannendste Thema schon wieder verlassen hat. Ich wollte mehr über die Frauen, mehr über die rechte Gruppe, mehr über Maria und Ana wissen. Stattdessen bekam ich von allem etwas.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4571" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715.jpg" alt="Innenseite 17 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL hat eine großartige Hauptfigur, fantastische Zeichnungen und einen politischen Kern, dem ich gern folge. Doch der Comic vertraut diesem Kern einfach nicht genug.</p>
<p>Die Geschichte über Neonazis, Gewalt gegen Sexarbeiterinnen und die Verbindung zur faschistischen Vergangenheit Spaniens hätte mir vollkommen ausgereicht. Genau dort wird Evas Herangehensweise interessant, genau dort bekommen ihre Wut, ihre Impulsivität und ihre Familiengeschichte eine Richtung.</p>
<p>Der Erzählstrang um Maria ist zwar interessant, wirkt hier aber wie angeklebt. Die unnötige Beziehung zu García nimmt zusätzlichen Platz ein. Und irgendwann merke ich, wie ein eigentlich spannender Kriminalfall zwischen all diesen Dingen zerrieben wird.</p>
<p>Das ist besonders schade, weil Lafebre hier alles besitzt, was ich an Comics liebe. Er hat eine unverwechselbare Figur, einen wunderbar lebendigen Strich, sarkastischen Humor, Tempo und ein gutes Gespür für menschliche Schwächen. Für meinen Geschmack wollte er dieses Mal nur zu viel davon gleichzeitig erzählen. Vielleicht war der Erfolg des ersten Teils zu groß und die Zeit für die Entwicklung des neuen Szenarios zu kurz. Schade eigentlich, vertan!</p>
<p>Ich bin ein großer Fan von Jordi Lafebre, das gebe ich gerne zu. Doch leider muss ich auch zugeben, dass dieser Comic der Schwächste in der Reihe derer ist, bei denen er sowohl das Szenario als auch die Zeichnungen verantwortet.</p>
<p>Nach ICH BIN IHR SCHWEIGEN hatte ich mich auf Evas Rückkehr gefreut. Nach ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL freue ich mich immer noch darauf, Eva wiederzusehen. Nur beim nächsten Mal bitte mit einer Geschichte, die sich entscheidet, worüber sie wirklich erzählen möchte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4560" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-286x400.jpg" alt="Cover von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-600x839.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715.jpg 715w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL</li>
<li>Jordi Lafebre</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-68950-166-2</li>
<li>Storyline:  ★★☆☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/ich-bin-ein-verlorener-engel.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 05:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gothic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zartbitter]]></category>
		<category><![CDATA[Alexa Rosa]]></category>
		<category><![CDATA[André May]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Read]]></category>
		<category><![CDATA[Chris Wildgoose]]></category>
		<category><![CDATA[Improper Books Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Gothic Novel &#8211; oder auch Schauerroman &#8211; ist ein literarisches Genre des 18. und 19. Jahrhunderts, das insbesondere mit düsteren, geheimnisvollen Inhalten punktet.Zu den bekanntesten gehören FRANKENSTEIN von Mary Shelley oder DRACULA von Bram Stoker. Zu PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE bin ich wegen Chris Wildgoose gekommen. Er ist ein britischer Comiczeichner, Concept [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/porcelain-ist-ein-gothic-maerchen-fuer-erwachsene/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Gothic Novel &#8211; oder auch Schauerroman &#8211; ist ein literarisches Genre des 18. und 19. Jahrhunderts, das insbesondere mit düsteren, geheimnisvollen Inhalten punktet.Zu den bekanntesten gehören FRANKENSTEIN von Mary Shelley oder DRACULA von Bram Stoker<em>.</em></p>
<p>Zu PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE bin ich wegen <a href="https://www.chriswildgoose.com/comics" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Chris Wildgoose</a> gekommen. Er ist ein britischer Comiczeichner, Concept Artist und begnadeter Illustrator. Daneben ist er auch Mitgründer des Verlages <a href="https://www.improperbooks.com/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Improper Books</a> und wurde mit der PORCELAIN Reihe einem größeren Independent-Publikum bekannt. Später arbeitete er an <a href="https://www.dc.com/comics/gotham-academy-2014/gotham-academy-16" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">GOTHAM ACADEMY</a> und <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/batman-nightwalker-schatten-der-nacht-yddcya003-de02.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BATMAN NIGHTWALKER</a>. Aktuell zählt die Zusammenarbeit mit G. Willow Wilson am Comic <a title="THE HUNGER AND THE DUSK – Ich bin anders. Du auch." href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1069763237" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">THE HUNGER AND THE DUSK</a> zu seinen bekanntesten Arbeiten (den habe ich <a href="https://panelwalker.de/2025/03/the-hunger-and-the-dusk-ich-bin-anders-du-auch/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">an dieser Stelle</a> bereits besprochen).<span id="more-4245"></span></p>
<p>Wer seine späteren, oben genannten Arbeiten kennt, weiß, wie sicher er seine Figuren zeichnerisch erzählt. Bei diesem Werk wollte ich sehen, woher dieser Blick kommt. Geblieben bin ich dann aber nicht nur wegen Wildgoose&#8216; Zeichnungen, sondern weil Benjamin Read aus einem einfachen märchenhaften Aufbau ein kleines, kaltes, aber auch erstaunlich zartes Kammerspiel gebaut hat. Also: Licht aus, Kerze an! Wir begeben uns in die winterliche Stadt von &#8230; ja, keine Ahnung, irgendwo in Europa halt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4250" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007.jpg" alt="Innenseite 01 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die drei Säulen einer Geschichte</h3>
<p><em>Erstens</em> wächst aus der Vorliebe von Improper Books für Märchen, Fantastik auch ein Gespür für etwas Unheimliches. Das Studio wurde 2009 von Benjamin Read, Laura Trinder und Chris Wildgoose gegründet, nachdem sie auf einem unabhängigen Filmprojekt zusammengearbeitet hatten. Diese Herkunft aus Film, Bild und dunklen Erzählsträngen vermittelt der Band auf fast jeder Seite.</p>
<p><em>Zweitens</em> spielt Porzellan selbst als Idee mit. In Europa galt das Material lange als weißes Gold. Es war schön, kostbar, fast durchsichtig und technisch schwer zu beherrschen. Erst 1710 entstand <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Meissener_Porzellan" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">in Meißen die erste europäische Werkstätte für Hartporzellan</a>. Aber auch danach blieb es eine Kostbarkeit, die sich nur die wirklich Wohlhabenden leisten wollten und konnten.</p>
<p><em>Drittens</em> greift der Comic eine alte Faszination für künstliches Leben auf. Bewegliche Figuren, Automaten und mechanische Wunder wie etwa der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schacht%C3%BCrke" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Schachtürke</a> gehörten seit Jahrhunderten zur europäischen Schaulust. Im 18. Jahrhundert wirkten solche Maschinen wie kleine Vorboten einer Zukunft, die atmen wollte und es doch nicht konnte.</p>
<p>Dazu kommt noch eine gewisse &#8222;Märchentür&#8220;, die niemand öffnen darf bzw. soll. Wer da sofort an das Märchen vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blaubart" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BLAUBART</a> denkt, liegt nicht ganz falsch. Auch dort führt ein Verbot in einen verborgenen Raum. Auch dort wird Standhaftigkeit gegen Neugier geprüft. PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE macht daraus aber keine reine Warnung vor Ungehorsam. Der Comic hinterfragt gezielter, was Schutz wirklich bedeutet, wenn er auf Schweigen beruht. Und was eine Liebe wert ist, wenn sie auf einem Geheimnis fußt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4251" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008.jpg" alt="Innenseite 02 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Glasur, Schatten und der Atem der Bilder</h3>
<p>Wildgoose zeichnet gekonnt und zieht mich mit jedem Panel über die Schwelle hinein in sein Reich. Seine Stadt wirkt kalt, schmutzig und eng. Die Kinder bewegen sich darin wie kleine Schatten, flink und abgehärtet. Sobald Child über die Mauer steigt, verändert sich die Bilderwelt jedoch. Der Garten und das Haus des Porcelain Maker&#8217;s öffnen sich wie eine fremde Welt. Hier gibt es Wärme und Schutz vor der äußeren Kälte, aber sie ist nicht frei von Gefahr. Dort gibt es Schönheit, aber diese wird unter Verschluss gehalten.</p>
<p>Besonders stark ist Wildgoose in den Szenen, in denen er seine Charaktere konkret gegeneinander setzt. Child ist manchmal kantig, stets wachsam und sofort bereit zur Flucht. Der Porcelain Maker demgegenüber wirkt zuerst groß, müde und vorsichtig. Seine künstlichen Diener wiederum besitzen diese unheimliche Mischung aus Eleganz und Starrheit. Es sind Figuren, die funktionieren, auch ohne eine Seele zu haben.</p>
<p>Allerdings habe ich beim Lesen nie vergessen, dass auch sie zerbrechen können. Diese Zerbrechlichkeit steckt schon in der Form. Sie haben glatte Gesichter, weißliche Körper und leere Augen. Der Comic liefert dafür keine langen Erklärungen. Ein Blick auf eine dieser Porzellangestalten genügt und ich weiß, dass hier Gewalt und Zerbrechlichkeit dicht beieinander stehen.</p>
<p>Die Farbgestaltung des Comic ist wichtig, weil sie diese Nähe spürbar macht. André May als Colourist und Alexa Rosa für das Flatting arbeiten mit Kälte und gedämpftem Licht. Draußen liegt die Welt in Blau, Grau und Schmutz. Im Haus wird sie heller, cremiger, manchmal fast golden. Diese Wärme ist verführerisch, natürlich. Genau deshalb halte ich sie als Leser von Beginn an für verdächtig. Die Seiten lese ich dadurch nicht schneller, sondern vorsichtiger. Ich bleibe bei Details hängen, bei Kerzenlicht, bei Schatten in Werkstätten oder bei dieser glatten, bleichen Oberfläche, unter der etwas knackt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4252" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009.jpg" alt="Innenseite 03 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die Porzellanwerkstatt des Erzählers</h3>
<p>Chris Wildgoose&#8216; Partner bei diesem Werk ist Benjamin Read. Er ist ein britischer Autor von Comics, Büchern und Filmen und gehört &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; zu den Gründungsmitgliedern von Improper Books. Zu seinen weiteren Comics zählen unter anderem <a href="https://www.amazon.de/Briar-Vol-English-Benjamin-Read-ebook/dp/B01F9EH4XC?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BRIAR</a>, <a href="https://www.amazon.de/Butterfly-Gate-Vol-1-English-ebook/dp/B01F9EH4VE?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BUTTERFLY GATE </a>und <a href="https://www.amazon.de/Night-Post-English-Benjamin-Read-ebook/dp/B01F9EH4Z0?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">NIGHT POST</a>.</p>
<p>Gemeinsam mit Laura Trinder entwickelte er außerdem die erfolgreiche Kinderbuchreihe <a href="https://www.amazon.de/Mitternachtsstunde-Emily-die-geheime-Nachtpost-ebook/dp/B081ZDB976?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">MITTERNACHTSSTUNDE</a>. Read kommt erkennbar aus einer erzählerischen Ecke, in der Märchen, Filmrhythmus und düstere Fantastik gekonnt zusammenfinden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4253" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010.jpg" alt="Innenseite 04 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die Mauer aus feinem Porzellan</h3>
<p>Doch: Um was geht es in der Serie denn nun eigentlich? Die Hauptfigur der englischen Ausgabe heißt &#8222;Child&#8220;, also: das Kind. Ich bleibe bei diesem Namen, weil er den Märchenton des Comics trägt. Child ist kein romantisches Findelkind mit großen Augen. Sie lebt auf der Straße einer verschneiten, nicht näher bezeichneten, englischen Stadt. Child klaut, rennt, friert und behauptet sich in einer kleinen Bande aus Leidensgenossen.</p>
<p>Diese ersten Seiten erzählen ihren Hintergrund und sind wichtig, weil sie ihren Trotz nicht verniedlichen. Child ist nicht unschuldig im einfachen Sinn. Sie ist jung, verletzt, wach und voller Hunger. Hunger nach Essen, ja. Aber auch nach einem Platz, der ihr nicht sofort wieder streitig gemacht wird.</p>
<p>Eine Mutprobe führt sie über die Mauer des Anwesens, hinter welcher der Porcelain Maker residiert. Für die Kinder draußen ist er eine Art Zauberer, vielleicht auch ein Monster, auf jeden Fall jedoch ein Mann, von dem Geschichten erzählt werden.</p>
<h3>Ein Garten mit Geheimnissen</h3>
<p>Als Child in seinem Garten erwischt wird, kippen die Vorurteile. Der Alte ist doch nicht der böse Hexenmeister, auf den die Szene vorbereitet hat. Er ist einsam und gereizt, neugierig und offenbar berührt von diesem Kind, das ohne Erlaubnis in sein Leben eingebrochen ist. Sein Haus wird von Porzellangestalten bevölkert, die durch Alchemie angetrieben werden. Sie dienen ihm, schützen ihn und machen die Einsamkeit nur noch spürbarer.</p>
<p>Was mich an diesem Einstieg überzeugt, ist die Geduld. Read setzt nicht auf unmittelbaren Schrecken. Und Wildgoose zeigt mir zuerst Räume, Abstände und vorsichtige Annäherungen. Child darf bleiben. Der Porcelain Maker bietet ihr Essen, Kleidung, Schutz und eine Art Familie. Im Gegenzug gibt es nur eine Regel: Sie darf nicht in den verschlossenen Teil der Werkstatt!</p>
<p>Natürlich weiß ich als Leser sofort, dass diese Tür nicht geschlossen bleiben wird. Der Comic weiß das auch. Gerade deshalb spielt er nicht auf billige Überraschung. Er interessiert sich für den Weg zu dieser Tür.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4254" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011.jpg" alt="Innenseite 05 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die glasierte Tür und ihr Verbot</h3>
<p>Im Haus des Porcelain Maker&#8217;s lernt Child eine völlig neue Welt kennen. Sie bekommt nicht nur Luxus, sondern auch die Art Aufmerksamkeit, die ihr auf der Straße gefehlt hat. Der alte Mann behandelt sie bald wie eine Tochter. Diese Beziehung ist das Herzstück des Bandes und sie ist schön, weil beide etwas beieinander finden, das sie vermisst haben. Child findet Sicherheit, der Porcelain Maker findet menschliche Nähe.</p>
<p>Gleichzeitig bleibt ihre Beziehung jedoch irgendwie &#8211; schief. Er besitzt das Haus, das Wissen und die Regeln. Sie besitzt nur ihren Trotz. Der Comic verklärt diese Schieflage nicht. Er zeigt, wie dankbar Child ist und er zeigt zugleich, wie gefährlich Dankbarkeit werden kann, wenn Fragen verboten sind.</p>
<h3>Die glasierten Helfer</h3>
<p>Die Porzellangestalten wirken in dieser Mitte des Bandes fast häuslich. Sie decken Tische, bewegen sich durch die Flure und erfüllen ihre Aufgaben. Gerade diese Normalität macht sie präsenter. Ich lese sie nicht als bloße Monster. Es sind Geschöpfe, Produkte, vielleicht Kinder einer anderen Art. Ihre Körper tragen die ganze Frage des Comics in sich: Wann wird Fürsorge zu Kontrolle? Wann wird Herstellung zu Herrschaft? Und wie viel Leben darf ein Mensch in etwas hineinlegen, bevor er Verantwortung dafür trägt? Alles in allem ist auch die GOTHIC FAIRY TALE eine FRANKENSTEIN-Geschichte.</p>
<p>Child&#8217;s Neugier führt deshalb auch zu ihrer Intuition. Auf der Straße konnte sie es sich nicht leisten, blind zu vertrauen. Im Haus soll sie jedoch genau das tun. Sie soll glauben, dass ein Verbot nur zu ihrem Besten besteht. Aber PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE wäre keine gute Geschichte, wenn sie diese Frage sauber beantworten würde.</p>
<p>Die verbotene Werkstatt enthält keine einzelne Pointe, die alles erklärt. Stattdessen öffnet sie einen moralischen Riss. Nach dem Öffnen der Tür sieht das Haus mit einem Mal anders aus. Auch die Liebe zwischen Child und dem Porcelain Maker bekommt eine andere Farbe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4255" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012.jpg" alt="Innenseite 06 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Scherben auf dem Werkstattboden</h3>
<p>Im letzten Teil zieht der Band die Schrauben noch einmal an. Child muss begreifen, dass die schöne Zuflucht einen Preis hat. Der Porcelain Maker muss sich seiner eigenen Vergangenheit und seinen Entscheidungen stellen. Und aus dem Märchen über ein Mädchen in einem wunderlichen Haus wird ein Drama über Besitz, Schuld und die Angst vor Verlust.</p>
<p>Der Comic bleibt dabei erstaunlich kontrolliert. Er lässt Raum für Trauer, ja sogar Raum für Zuneigung, wo Zorn vielleicht näherliegen würde. Genau das hat mich berührt. Die Geschichte will nicht einfach bestrafen. Sie schaut hin, wenn Figuren einander weh tun, obwohl sie einander brauchen. Mehr Familie geht kaum noch.</p>
<p>Die Nebenfiguren aus der Straße bleiben dabei mehr als bloßer Auftakt. Sie erinnern daran, woher Child kommt. Das ist wichtig, weil das Haus sonst zu sehr als einzige Welt erscheinen könnte. Child hat schon vor der Mauer gelernt, wie hart Menschen sein können. Im Anwesen lernt sie, dass Sanftheit ebenfalls gefährlich werden kann, wenn sie nicht ehrlich ist.</p>
<p>Der Band gewinnt daraus seine erwachsene Note. Er sieht aus wie ein Märchen, aber er denkt wie eine Geschichte über Familie. Nicht über die Familie, die Blut-ist-dicker-als-Wasser oder Die-Familie-ist-das-Gesetz verspricht. Sondern über die Familie, die entsteht, weil zwei Einsame einander erkennen und trotzdem nicht wissen, wie Nähe ohne Besitz funktioniert.</p>

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<img loading="lazy" decoding="async" width="283" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-283x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von PORCELAIN - IVORY TOWER" columns="2" size="medium" link="none" ids="4261,4262" orderby="post__in" include="4261,4262" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-283x400.jpg 283w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" />

<p>Dass dies ein Auftakt ist, merke ich am Ende deutlich. Der Band erzählt eine geschlossene Geschichte, aber er lässt Child nicht dort zurück, wo Märchenheldinnen üblicherweise landen. Kein bequemes Danach, kein Happy-Ever-After. Die Fortsetzungen BONE CHINA und IVORY TOWER springen weiter in Child&#8217;s Leben und zeigen sie als Lady und später als Mother. Dieser erste Band ist also Ursprung, Wunde und Fundament zugleich.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4256" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013.jpg" alt="Innenseite 07 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Ein Serienauftakt aus gebranntem Weiß</h3>
<p>Als erster Teil einer dreibändigen Reihe funktioniert PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE sehr gut, weil der Band nicht wie ein Prolog wirkt. Er erzählt nicht nur, wie etwas beginnt. Er erzählt, warum etwas nie wieder heil wird. Das ist ein Unterschied.</p>
<p>Viele Auftakte legen Figuren, Welt und Regeln aus. Read und Wildgoose machen das auch, aber sie verstecken die Anlage in einer emotional klaren Geschichte. Ich muss nicht wissen, wohin die Reihe später führt, um diesen Band zu verstehen. Wenn ich es weiß, gewinnt er aber an Gewicht.</p>
<p>Die Reihe verfolgt Child über große Zeitsprünge weiter und macht aus dem Mädchen später eine Frau mit Macht, Geheimnissen und Verantwortung. Improper Books beschreibt die Reihe als die Geschichte einer Frau und ihrer Spuren, die sie in der Welt hinterlässt. Der erste Band zeigt die erste dieser Spuren.</p>
<p>Thematisch liegt für mich der Reiz in der Mischung. Der Comic nutzt Märchenmotive, aber er pinselt sie nicht nostalgisch an. Er nimmt BLAUBART&#8217;s verbotene Tür, den Waisenhaus Geruch viktorianischer Armut a la DAVID COPPERFIELD, die Faszination für Automaten und das Versprechen des weißen Goldes. Daraus entsteht ein Erzählstrang, der vertraut beginnt und immer unsicherer wird. Child darf hart sein, der Porcelain Maker liebenswert und beide dürfen falsch handeln. Das macht die Geschichte menschlicher als viele deutlich lautere Fantasy Comics.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4257" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014.jpg" alt="Innenseite 08 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Sprünge in der glänzenden Oberfläche</h3>
<p>Kleinere Schwächen gibt es trotzdem. Einige Wendungen sind früh zu erahnen, weil die angepasste Märchenform ihre Spuren sehr sichtbar offenbart. Die Bande der Straßenkinder hätte ich gern noch etwas stärker erlebt, andererseits wir haben hier nicht <a title="DIE VIER VON DER BAKER STREET „besuchen“ ein Museum" href="https://panelwalker.de/2025/03/die-vier-von-der-baker-street-besuchen-ein-museum/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">DIE VIER VON DER BAKERSTREET</a>. Die Kids erfüllen ihre Aufgabe, doch neben Child und dem Porcelain Maker verblassen sie bald.</p>
<p>Auch die Welt außerhalb des Anwesens bleibt im ersten Band eher angedeutet. Das ist erzählerisch nachvollziehbar, weil der Comic seine Druckkammer braucht. Trotzdem wollte ich an manchen Stellen kurz aus dem Haus treten und mehr von dieser Stadt sehen. Letztendlich war diese äußere Welt narrativ dann aber doch nicht wichtig genug.</p>
<p>Doch diese Begrenzung ist zugleich die Stärke des Werkes. Der Band bleibt eng bei Child. Wenn die Welt klein wirkt, dann deshalb, weil Child&#8217;s Möglichkeiten klein sind. Wenn das Haus groß wirkt, dann deshalb, weil Schutz für sie zunächst wie Überwältigung aussehen muss.</p>
<p>Wildgoose&#8217;s Seitenrhythmus unterstützt das wunderbar. Große Panels öffnen die Räume. Kleinere Bildfolgen bremsen Bewegungen ab. Stumme Momente geben den Figuren Gewicht. Der Comic vertraut darauf, dass ein Gang, eine Tür und ein Blick mehr erzählen können als ein erklärender Absatz. Dieses Vertrauen zahlt sich aus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4258" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015.jpg" alt="Innenseite 09 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE ist ein Serienauftakt mit eigener Seele. Der bisher nur in englischer Sprache erschienene Band verbindet Märchen, Gothic Stimmung, alchemistische Fantastik und Familiendrama zu einer Geschichte, die kälter beginnt, als sie endet und wärmer wirkt, als sie eigentlich sein dürfte. Ich kam wegen Chris Wildgoose., blieb wegen seiner Zeichnungen, der Farben, der Porzellangestalten und wegen Child, die nie nur Opfer, nie nur Heldin und nie bloß Märchenfigur ist.</p>
<p>Nicht alles überrascht. Nicht jede Nebenfigur sitzt so tief wie das zentrale Paar. Aber der Comic hat etwas, das ich bei Gothic Stoffen besonders schätze: er kennt den Wert der Oberfläche und traut ihr nicht. Er zeigt Schönheit, bis ich die Sprünge sehe. Und wenn am Ende Scherben liegen, wirken sie nicht wie Dekor. Sie wirken wie der Anfang einer langen Geschichte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4249" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-280x400.jpg" alt="Cover von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="280" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-600x857.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>PORCELAIN  A GOTHIC FAIRY TALE</li>
<li>Benjamin Read und Chris Wildgoose</li>
<li>86 Seiten | Farbe | English</li>
<li>ISBN 978-1-44746-131-9</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.improperbooks.com/comics/project-four-yjynj-nb7xc" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Improper Books Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/porcelain-ist-ein-gothic-maerchen-fuer-erwachsene/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>NEKROMANTEN &#8211; Unterwegs mit drei Geistern</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/nekromanten-unterwegs-mit-drei-geistern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2026 05:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sword-And-Sorcerer]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Alice Scimia]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Gay]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Tina Valentino]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nekromanten haben im Fantasy-Genre meist einen miserablen Ruf. Sie stehen in Gruften herum, murmeln finstere Beschwörungen und schicken anschließend Skelette in irgendwelche Schlachten. Der eigentliche Begriff ist etwas freundlicher, zumindest ein bisschen. Nekromantie bezeichnet ursprünglich die Beschwörung von Toten, um von ihnen Wissen oder Weissagungen zu erhalten. Ein Nekromant ist also zunächst jemand, der Kontakt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/nekromanten-unterwegs-mit-drei-geistern/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">NEKROMANTEN – Unterwegs mit drei Geistern</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nekromanten haben im Fantasy-Genre meist einen miserablen Ruf. Sie stehen in Gruften herum, murmeln finstere Beschwörungen und schicken anschließend Skelette in irgendwelche Schlachten.</p>
<p>Der eigentliche Begriff ist etwas freundlicher, zumindest ein bisschen. Nekromantie bezeichnet ursprünglich die Beschwörung von Toten, um von ihnen Wissen oder Weissagungen zu erhalten. Ein Nekromant ist also zunächst jemand, der Kontakt zu Verstorbenen aufnimmt. So weit, so einfach.</p>
<p>Olivier Gay und Tina Valentino bauen aus dieser Definition ein hübsches Morgenland-Szenario. In NEKROMANTEN binden Magier die Geister Verstorbener an sich und nutzen deren Fähigkeiten. Wer also den richtigen Kämpfer erwischt, wird im Duell stärker, ein berühmter Gelehrter bringt Wissen ein und selbst ein gerissener Händler kann nach seinem Tod noch nützlich sein. Die Toten sind Helfer, Machtquelle und Statussymbol zugleich.</p>
<p>Düster? Könnte sein. Olivier Gay erzählt vielmehr eine flotte Fantasykomödie, während Tina Valentino sie in eine Welt aus detailreichen Grabmälern, Basaren, Kuppeln und Palästen umsetzt. <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0105935/?ref_=nv_sr_srsg_1_tt_7_nm_1_in_0_q_alladin%20disney" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Disney&#8217;s Aladdin</a> lässt auf mehreren Ebenen grüßen.</p>
<p>Die deutsche Ausgabe liegt nun als Splitter Double vor und packt die vollständige Geschichte auf 96 Seiten in einen Hardcoverband. Das ist gut, denn dieses Abenteuer möchte ohnehin am liebsten ohne Pause durch das Tor zum Totenreich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4367" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715.jpg" alt="Innenseite 03 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Das Grab unter der Bodenklappe</h3>
<p>Also, Sesam, öffne Dich! Morla, eine junge Nekromantin, weiß genau, was sie will. Sie ist ehrgeizig, selbstbewusst und überzeugt, dass in einem verlassenen Grabmal ein besonders wertvoller Geist auf sie wartet. Ihr jüngerer Bruder Acher begleitet sie. Er ist ebenfalls Nekromant, allerdings ein ausgesprochen schlechter. Morla geht wie üblich voran, Acher folgt, stellt Fragen und hofft, dass niemand seine Unsicherheit bemerkt.</p>
<p>Das gesuchte Grab liegt überwuchert irgendwo im Wald, Pflanzen wachsen über Mauern und kaltes Licht schwebt durch muffige Räume. Morla hält all das eher für eine Einladung als für eine Warnung. Tief im Inneren stößt die kleine Gruppe aus Geschwistern und Helfern auf Boph-Êt. Der uralte Erzmagier war einst so mächtig, dass mehrere große Helden nötig waren, um ihn zu besiegen. Die ehrgeizige Morla versucht nun, seinen Geist an sich zu binden, was &#8211; natürlich &#8211; nicht funktioniert. Boph-Êt dreht das von ihm entwickelte Ritual einfach um und übernimmt stattdessen ihren Körper. Zwei Begleiter sterben, die Anlage stürzt ein und Acher entkommt dem Schlamassel nur mit knapper Not.</p>
<p>Das Schöne ist, dass damit sein Charackter-Arc feststeht: Acher muss seine Schwester retten und verhindern, dass Boph-Êt erneut die Macht ergreift. Dafür ist er ungefähr so gut gerüstet wie ein Kameltreiber für einen Seekrieg. Aber aus genau diesem Grund mochte ich ihn sofort. Acher ist kein verklemmter Überflieger. Er ist wirklich überfordert &#8211; trotzdem läuft er nicht davon! Das gibt seiner Reise von Beginn an Mut und viel Herz.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4368" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715.jpg" alt="Innenseite 04 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Drei Geister ziehen zum Basar</h3>
<p>Ganz allein ist Acher bei dieser Reise natürlich nicht. Drei Geister sind an ihn gebunden. Teodor ist ein älterer Gelehrter, der viel weiß, sich aber im entscheidenden Augenblick gern im eigenen Gedächtnis verirrt. Teheris ist ein Krieger, der bereits in seiner ersten Schlacht starb und deshalb erschreckend wenig Kampferfahrung besitzt. Und Isia war eine Bauchtänzerin mit Temperament, einer schnellen Zunge und wenig Lust, sich wie ein Werkzeug behandeln zu lassen. Als Sammlung mächtiger Geister sind die drei eine Enttäuschung, als Reisegesellschaft großartig.</p>
<p>Boph-Êt zieht in Morla&#8217;s Körper nach Biblys. Die Hauptstadt breitet sich über die Hügel aus, während sich unten Marktstände, Stoffbahnen und schmale Häuser drängen. Darüber wachsen arabische Kuppeln und Türme in den Himmel. Ganz oben schließlich sitzt die Akademie der Magie. Dort beginnt der frisch erwachte Erzmagier seinen Einfluss auszubauen und nach jenen Personen zu suchen, die ihn vor Jahrtausenden besiegt hatten. Man will so ein Desaster ja kein zweites Mal erleben.</p>
<p>Acher folgt ihm und trifft auf Ayu. Sie gehört zur Elitetruppe der Garde und kann mit einer Waffe deutlich besser umgehen als ein Teheris-gepimpter Acher mit seinen Geistern. Sie packt zu und läuft nicht bloß bewundernd neben dem Helden her, sie widerspricht und entscheidet selbst. Ihr trockener Blick auf Acher&#8217;s Chaos hält dabei viele Szenen auf eine besondere Art zusammen.</p>
<p>Die Spur führt zu drei legendären Toten. Montserrat war einst eine brillante Strategin, Dmitris war der große Kämpfer und Varlam ein mächtiger Magier. Gemeinsam brachten sie Boph-Êt zu Fall. In der Gegenwart braucht Acher nun erneut ihre Hilfe. Dummerweise haben diese Geister ihre eigenen Wünsche und sehr, sehr alte Rechnungen offen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4369" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715.jpg" alt="Innenseite 05 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Im Palast wartet ein alter Fluch</h3>
<p>Montserrat bringt neue Unruhe in die Geschichte. Ihr Geist steckt im Körper eines Händlers, den sie als Wirt benutzt. Sie will Boph-Êt vernichten und bietet Acher ihre Hilfe an. Vertrauen ist dabei aber eine zweischneidige Angelegenheit. Montserrat verrät immer nur so viel, wie es ihrem Plan dient. Und Acher bemerkt langsam, dass er damit zwischen zwei uralten Gegnern steht, die andere gern wie Figuren auf einem Spielbrett hin- und herschieben.</p>
<p>Auch Morla bleibt wichtig, obwohl Boph-Êt ihren Körper beherrscht. Für Acher ist sie nicht einfach die Hülle des Bösewichts, sie ist &#8211; und bleibt &#8211; seine große Schwester. Jeder Angriff auf den Erzmagier kann deshalb auch sie treffen. Auf diese Weise wird das Abenteuer auch persönlich: Acher muss nicht nur gewinnen, sondern auch einen Weg finden, Morla zurückzuholen. Bereits hier zeichnen sich schmerzhafte Entscheidungen am Horizont ab.</p>
<p>Ich hätte Morla &#8211; die echte &#8211; gern öfter erlebt. Vor der Besessenheit zeigt sie Eigensinn, Mut und eine gute Portion Überheblichkeit. Danach verschwindet ihre Stimme lange hinter der Boph-Êt&#8217;s. Ja, das ist für die Handlung gut nachvollziehbar. Der Geschwisterbeziehung fehlt andererseits dadurch aber Raum und ihre Rettung wird für mich als Leser weniger emotional aufgeladen.</p>
<p>Olivier Gay gleicht das mit narrativem Tempo aus. Palastwachen, Fluchten, Magie und Geisterbeschwörungen folgen dicht aufeinander. Am stärksten bleibt für mich trotzdem die kleine Gruppe um Acher. Teodor liefert Wissen mit eingebautem Wackelkontakt, Teheris versucht tapfer, wenigstens gelegentlich wie ein Krieger auszusehen und Isia kommentiert das Chaos mit Spott und erstaunlicher Treue. Die vier müssen gar nicht über Freundschaft reden. Wie sie streiten und sich im nächsten Augenblick retten, sagt mehr als tausend Worte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4370" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715.jpg" alt="Innenseite 06 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Karawane zum Grab des großen Magiers</h3>
<p>Im zweiten Teil verschärft sich die Lage dramatisch. Kaiser Othman Al-Thariv, der Herrscher des Reiches, ist ermordet worden. Biblys steht unter Spannung, während Boph-Êt im Palast immer mehr Einfluss gewinnt.</p>
<p>Montserrat weist Acher den Weg zum Grab Varlam&#8217;s. Der tote Magier war entscheidend am ursprünglichen Sieg über Boph-Êt beteiligt und ohne seine Macht sieht es für ihre Mission schlecht aus.</p>
<p>Natürlich erfährt auch Boph-Êt von diesem Plan. Er schickt Luu hinterher. Luu ist sein Vollstrecker und führt bewaffnete Männer gegen Acher und seine Geister. Die Suche nach Varlam&#8217;s Grab wird zum Wettlauf durch Wüsten und Ruinen. Auf der einen Seite reist eine Heldengruppe, die eher zufällig zusammengefunden hat, auf der anderen Seite marschieren Leute, die genau wissen, wie Gewalt funktioniert.</p>
<p>Das Tempo der Erzählung steigt jetzt noch einmal kräftig. Enthüllungen, Kämpfe und Seitenwechsel folgen eng getaktet aufeinander. Das hält die Spannung hoch, lässt aber wenig Platz für die Vergangenheit von Montserrat, Dmitris und Varlam. Aus diesen alten Feindschaften hätte Gay locker mehr machen können.</p>
<p>Das Finale verrate ich nicht. Entscheidend ist ohnehin Acher&#8217;s Entwicklung. Er wird durch die Umstände nicht plötzlich zum mächtigsten Nekromanten des Reiches. Er lernt jedoch, seine Geister ernst zu nehmen. Teodor, Teheris und Isia sind keine schlechten Werkzeuge, nein, sie sind überhaupt keine Werkzeuge! Sie sind eigensinnige Gefährten und genau daraus zieht die Geschichte ihre Wärme.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4371" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Geschichtenerzähler am Tor der Unterwelt</h3>
<p>Schauen wir gemeinsam noch auf die Autoren dieses Comic. Olivier Gay, unser Szenarist, wurde 1979 in Grenoble geboren. Bevor er vom Schreiben leben konnte, arbeitete er als Manager in einer Unternehmensberatung. Er veröffentlichte Kriminalromane, Fantasy sowie Kinder- und Jugendbücher. Zu seinen Reihen gehören LE NOIR EST MA COULEUR, LES ÉPÉES DE GLACE und LA MAIN DE L’EMPEREUR. 2019 schloss er sich dem Fantasy-Label <a href="https://www.drakoo.fr/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Drakoo</a> an. Dort schrieb er unter anderem <a href="https://www.amazon.de/D%C3%A9monistes-Vlad-French-Olivier-Gay-ebook/dp/B0C1J14WBT/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=VL682DX0BOXJ&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.tkCG1-1pe7kZM6dU8kdI3_j8vZFpxTYcTmHZnEXhpTJiv2ZU4DB0OoQNOshOIC6mqD9jRdN9C1QCwn3CDHXc9P9kzgqkXUAa9kZ6m93SB50V5vh_rTXPUOnfXtZf8JAlHNBxTvTlfGmc2_MyDtnjSVt7JBb1x5Ztxrh16dE0ZZup1093z0Q98CCwRAbGKXgv.zROZEMpLq582VNhlVqfgNkgmKqiCtWWJFReQZOEoP8A&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+gay+demonistes&amp;qid=1784647282&amp;s=books&amp;sprefix=olivier+gay+demonistes%2Cstripbooks%2C106&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DÉMONISTES</a>, <a href="https://www.amazon.de/Mal%C3%A9fices-Danthrakon-vol-diva-pics/dp/2382330430/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2RJDZVRMQCV47&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.jF_9H2ADxUXD8_GTsyBjKAm-Xzjb9g-D62uTjWAXyeG3jXeMbfmz7ZFMABxDvbgmjitxBhU1euYg3_zoAiTWtA.97ZJDfppKruUOpe_vMp3Z9UXBksbI5RnLsXlLZQgu8Y&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+Gay+LES+MAL%C3%89FICES+DU+DANTHRAKON&amp;qid=1784647241&amp;sprefix=olivier+gay+les+mal%C3%A9fices+du+danthrakon%2Caps%2C152&amp;sr=8-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">LES MALÉFICES DU DANTHRAKON</a> und <a href="https://www.amazon.de/Mages-Bonaparte-histoire-compl%C3%A8te/dp/2382331119/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1R4R4C4SWSR9T&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.3hHzqY28nbUjEIuC-Y92KVaNMJXt_W7R8FxvPhAIgIpo-OptbJFBXaD-m8fEG9YwDYKnxWndu-4ljzVVwJUWV-CeAyDtvMRZjjgN1DXKFXA.mglOoZQbIfwnGgRNe4ENfpNleYAmX0oGm_luaCk3XH0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+gay+LES+MAGES+DE+BONAPARTE&amp;qid=1784647305&amp;s=books&amp;sprefix=olivier+gay+les+mages+de+bonaparte%2Cstripbooks%2C192&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">LES MAGES DE BONAPARTE</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4372" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Mit leichtem Schritt durch 1001 Gruft</h3>
<p>Gay&#8217;s Art Geschichten zu erzählen macht mir den Einstieg angenehm leicht. Die Regeln der Nekromantie dieser Welt stehen nach wenigen Seiten fest. Ein Geist besitzt eine Fähigkeit, ein Nekromant bindet ihn an sich und aus dieser Verbindung entsteht Macht. Danach kann die Geschichte loslaufen. Ich musste nicht erst ein Glossar heranziehen oder eine Weltkarte studieren. Sehr schön.</p>
<p>Der Humor der Geschichte entsteht meist aus den Figuren selbst. Acher möchte souverän wirken, während seine Geister ihn öffentlich untergraben. Ayu durchschaut ihn ohnehin und Isia besitzt häufig die schärfste Zunge der Runde. Diese Rollen sind deutlich, kippen aber selten in bloße Nummern.</p>
<p>Andererseits sitzt nicht jeder Witz. Einige moderne Anspielungen passen nur bedingt in die Gassen von Biblys. Außerdem rennt der zweite Teil seinem Ende entgegen. Ruhigere Gespräche hätten Morla, Montserrat und den übrigen alten Helden mehr Gewicht geben können, trotzdem bleibt die Erzählung jederzeit verständlich. Ich weiß immer, wer etwas will und warum der nächste Schritt nötig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4373" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Macht, Besitz und Stimmen aus dem Jenseits</h3>
<p>Wenn ich es recht bedenke, steckt hinter dieser Komödie auch eine interessante Frage: Wem gehört die Erfahrung eines Menschen nach dessen Tod? Mächtige Nekromanten behandeln Geister wie Besitz. Ein berühmter Toter erhöht den Rang seines neuen Herrn. Wissen, Kampfkunst und Einfluss wechseln einfach den Besitzer. Auch dies erinnert mich an Aladdin: Dschinny ist dort ein Wesen mit eigenen Wünschen, obwohl er an seinen Meister gebunden ist. So auch hier.</p>
<p>Das Album verfolgt diesen Gedanken nicht bis in jede Ecke. Dafür ist das Buch zu gern Abenteuer. Acher bietet trotzdem einen Gegenentwurf. Seine Verbindung zu Teodor, Teheris und Isia beruht immer weniger auf Befehl und immer mehr auf Kooperation. Er gewinnt nicht durch bessere Unterwerfung, sondern weil aus vier Außenseitern eine sich ergänzende Gruppe wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4374" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Die Zeichnerin im blauen Geisterlicht</h3>
<p>Wer ist nun für die schönen Zeichnungen verantwortlich? Tina Valentino wurde an der <a href="https://scuolacomics.com/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Scuola Internazionale di Comics</a> in Rom in Zeichnung und Animation ausgebildet. Sie arbeitete an<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geronimo_Stilton" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external"> GERONIMO STILTON</a>, gestaltete Cover und war an der Webserie <a href="https://www.crestomat.ch/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">IL CRESTOMAT</a> beteiligt. 2021 begann sie bei Drakoo die Zusammenarbeit mit Olivier Gay.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4375" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Kuppeln, Knochen und flinke Blicke</h3>
<p>Valentino eröffnet die Geschichte mit einem Grabmal, das sofort Lust auf Erkundung macht. Bäume, Wurzeln und Ruinen schieben sich in- und übereinander. Kleine Figuren laufen durch eine riesige grüne Anlage. Schon die erste Seite erklärt die Größe, die Stimmung und die Gefahr. Danach rückt die Zeichnerin näher an die Gruppe heran. Gesichter, Hände und Blicke fokussieren.</p>
<p>Ihre Figuren spielen sehr körperlich. Acher zieht die Schultern ein und schaut gern zur Seite. Morla steht fest und nimmt mehr Raum ein. Nach der Übernahme durch Boph-Êt wird ihr Gesicht härter. Ayu wirkt wach und kampfbereit, Isia schwebt zwar als Geist durch die Panels, besitzt aber mehr Haltung als viele Lebende.</p>
<p>Besonders schön ist das Geisterlicht. Teodor, Teheris und Isia erscheinen in kühlen Blautönen. Alice Scimia&#8217;s Kolorierung trennt sie deutlich von warmen Hautfarben, goldenen Kuppeln und rötlichen Stoffen. Gerät die Magie außer Kontrolle, strömen Grün und Gelb in die Seiten. Ich erkenne dadurch schnell, welche Kräfte gerade wirken.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4376" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715.jpg" alt="Innenseite 12 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>NEKROMANTEN ist keine finstere Abhandlung über verbotene Rituale. Es ist eine warmherzige Coming-of-Age-Fantasy-Komödie über einen jungen Zauberer, der mit drei wenig angesehenen Toten über sich hinauswächst. Olivier Gay erzählt diese Geschichte flott und verständlich, während Tina Valentino dem Abenteuer starke Gesichter und sehr viel Bewegung mitgibt.</p>
<p>Ich hätte mir manchmal mehr Platz für Morla, Montserrat und die alten Helden gewünscht. Auch Biblys bleibt eher schöne Bühne als vollständig ausgearbeitete Stadt. Das Double habe ich trotzdem mit großem Vergnügen gelesen, denn seine beste Idee liegt darin, dass Acher aufhört, seine Geister nach ihrem Nutzen zu beurteilen und ihre Freundschaft zu schätzen lernt. Am Ende schlagen in diesem Totenreich erstaunlich viele Herzen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4366" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-286x400.jpg" alt="Cover von NEKROMANTEN" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-600x840.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714.jpg 714w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>NEKROMANTEN</li>
<li>Olivier Gay und Tina Valentino</li>
<li>Hardcover | 96 Seiten | Farbe | Double</li>
<li>ISBN 978-3-96792-284-4</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/nekromanten.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>In HONEYMOON wird ein ruhiger Urlaub zum Survival-Trip</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/07/in-honeymoon-wird-ein-ruhiger-urlaub-zum-survival-trip/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Bastien Vivès]]></category>
		<category><![CDATA[Brigitte Findakly]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber und Leser Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>URLAUB &#8211; Das Zauberwort für alle stressgeplagten Erdenbürger, die dringend einmal raus wollen. URLAUB ist aber auch diese wunderbare Lüge, die ich mir selbst jedes Jahr gerne erzähle. Koffer packen und alles wird leichter. Der Alltag bleibt daheim, die Termine haben ein Funkloch und die Kinder sind gut untergebracht. Das Paar, das sonst zwischen Arbeit, [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/in-honeymoon-wird-ein-ruhiger-urlaub-zum-survival-trip/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">In HONEYMOON wird ein ruhiger Urlaub zum Survival-Trip</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>URLAUB &#8211; Das Zauberwort für alle stressgeplagten Erdenbürger, die dringend einmal raus wollen. URLAUB ist aber auch diese wunderbare Lüge, die ich mir selbst jedes Jahr gerne erzähle. Koffer packen und alles wird leichter. Der Alltag bleibt daheim, die Termine haben ein Funkloch und die Kinder sind gut untergebracht. Das Paar, das sonst zwischen Arbeit, Müdigkeit und Familienlogistik pendelt, erinnert sich plötzlich wieder daran, dass es auch ein Paar sein darf.</p>
<p><span id="more-4222"></span></p>
<p>Mit genau dieser Hoffnung beginnt HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX. Sophie und Quentin, ein französisches Paar, wollen auf einer griechischen Insel nichts weiter als Sonne, Meer, Körperkontakt und ein paar Tage ohne Zuständigkeiten. Bastien Vivès, der Szenarist und Zeichner dieses Comics, gönnt ihnen diesen Traum &#8211; zumindest anfangs und dann nur ganz kurz. Bald reicht ein beiläufiges Wiedersehen, ein falscher Schritt auf eine Yacht und aus der kleinen Flucht ins Glück wird ein Reisealbtraum mit sehr viel Salzwasser.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4233" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 1 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>All-Inclusive mit schlechter Vorahnung</h3>
<p>Sophie und Quentin sind wie bereits erwähnt ein französisches Ehepaar mit Kindern, Arbeit und genug Erschöpfung, um einen Urlaub ohne Nachwuchs wie ein Geschenk zu betrachten.</p>
<p>Die ausgesuchte griechische Insel mit ihren Stränden, mediterranem Licht und ein trägem Dahindämmern wirkt zuerst wie ein Versprechen. Vivès braucht nicht lange, um dieses Gefühl zu etablieren. Yep, ich habe sofort verstanden, warum die Beiden dort sind. Sie wollen keine große Reisegeschichte erleben. Die Beiden wollen gerade überhaupt keine Geschichten erleben. Nur ein paar Tage Ruhe am Strand, für sich und ihre Erholung.</p>
<p>Dann taucht Olivier auf, ein Bekannter aus Paris, der eher in die Kategorie &#8222;unerwünschter Zufall&#8220; gehört. Er erkennt Sophie und Quentin am Strand wieder und lädt sie auf (s)eine Yacht ein. Das klingt nach jener Urlaubssituation, bei der die anerzogene Höflichkeit stärker ist als das eigene Bauchgefühl. Der Tag ist schön, niemand hat richtig Lust, aber einfach &#8222;Nein&#8220; zu sagen, braucht Kraft, die die Beiden im Augenblick einfach nicht haben. Also gehen sie mit.</p>
<p>Schon hier arbeitet der Comic mit einem sehr banalen Schrecken. Nicht die Gefahr drängt sich zuerst auf, sondern die soziale Verlegenheit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4234" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 2 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Ein Ausflug, der nicht im Prospekt stand</h3>
<p>Auf der Yacht kippt die Stimmung dann sehr schnell. Olivier ist nicht der souveräne Gastgeber, als der er sich zu Beginn ausgibt. Das Boot gehört ihm nicht, er soll es nur überführen. Dazu kommen Gäste, die weniger nach entspanntem Bordleben aussehen als nach Ärger in teuren Hemden. Sophie und Quentin merken schnell, dass sie in einer Gesellschaft gelandet sind, in der Geld, Drogen und Gewalt ziemlich nah beieinanderliegen.</p>
<p>Vivès erzählt das mit hohem Tempo. Die Seiten bleiben übersichtlich, aber für unsere Protagonisten wird die Lage immer ungemütlicher. Zwischen Small-Talk und Blicken wächst die Ahnung, dass dieses Boot kein Luxusort ist, sondern eine Venus-Falle mit schönem Oberdeck.</p>
<p>Besonders gut funktioniert dabei, dass Sophie und Quentin keine klassischen Abenteurer sind. Sie werden nicht gebraucht, um die Welt zu retten, aber sie stehen im Weg. Genau daraus entsteht die Energie des Bandes.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4235" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 3 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Bordprogramm mit Schmetterling</h3>
<p>Der titelgebende Sphinx ist kein steinerner Wächter, sondern ein Schmetterling mit unheimlicher Wirkung. Er entweicht aus einem rätselhaften Gegenstand und bringt einen Hauch alter Abenteuerstoffe in diesen Drogenkrimi. Auch öffnet er den Comic ein wenig in Richtung Pulp, ohne die Geschichte sofort ins rein Fantastische zu schubsen.</p>
<p>Als die Gewalt zwischen den Gangstern ausbricht, verliert der Urlaub endgültig seine Postkarten-Idylle. Eine wilde Schießerei führt zu Panik an Bord und zu einem Sprung ins Wasser. Die Yacht wird zum explodierender Albtraum. Sophie, Quentin und Olivier treiben plötzlich sowohl im Wasser als auch in einer Lage, die sie nicht verstehen und noch weniger kontrollieren können. Dazu kommt das Meer mit seiner Tiefe und der eingebauten Bedrohung von unten. (Aus genau diesen Gründen hasse ich Wasser. Aber das ist ja nur meine persönliche Meinung!)</p>
<p>Aber gut, das Album ist also ein Comic mit einem eigentümlichen Mix aus Gangsterstück und Taucherabenteuer ohne große psychologische Erklärschleifen. Er wirft seine Figuren hinein und schaut, wie sie schwimmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4236" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 4 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Rückflug offen</h3>
<p>Als Auftakt macht HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX vieles richtig. Der Band erklärt nicht zu viel, legt aber eine einfache, tragfähige Serienidee auf den Tisch: Ein Paar will Urlaub machen und der Urlaub eskaliert &#8211; Zack, zack, zack! Dabei entsteht eine Mischung aus Ehekomödie, Abenteuer und Thriller, die erst einmal altmodisch klingt, aber durch das vorgelegte Tempo frisch bleibt.</p>
<p>Ganz ohne Schwächen ist das natürlich nicht. Die Nebenfiguren bleiben notgedrungen eher Stereotypen als Menschen. Die Gangster sind halt Gangster und Olivier ist vor allem der nervige Auslöser der Katastrophe. Das stört den Lesefluss kaum, aber es nimmt der Bedrohung etwas die Tiefe, auch wenn diese Einfachheit dem Erzähltempo erfreulich zuarbeitet. Ich war gut unterhalten, doch hatte ich selten das Gefühl, dass unter der Oberfläche ein zweiter Boden wartet. Der Band will vor allem eins: loslegen &#8211; und das tut er mit Lust!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4237" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 5 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Der Hintermann</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bastien_Viv%C3%A8s" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Bastien Vivès</a>, geboren 1984 in Frankreich, gehört zu den prägenden französischen Comiczeichnern seiner Generation. Er studierte Grafik und Animation an der École des Gobelins und machte früh mit Arbeiten wie <a href="https://reprodukt.com/products/der-geschmack-von-chlor" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DER GESCHMACK VON CHLOR</a>, <a href="https://reprodukt.com/products/polina?_pos=1&amp;_sid=8d7cbc83f&amp;_ss=r" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">POLINA</a> und <a href="https://reprodukt.com/products/in-meinen-augen?_pos=1&amp;_sid=3bbc4fbf6&amp;_ss=r" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">IN MEINEN AUGEN</a> auf sich aufmerksam.</p>
<p>Für DER GESCHMACK VON CHLOR erhielt er 2009 in Angoulême den Preis als bester Nachwuchskünstler. Angoulême wiederum spielt eine Rolle in seiner Graphic Novel <a href="https://www.schreiberundleser.de/nachtprogramm/letztes-wochenende-im-januar" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">LETZTES WOCHENENDE IM JANUAR</a>, die u.a. den Kulturbetrieb eines Comic-Festivals augenzwinkernd auf&#8217;s Korn nimmt. Gemeinsam mit Balak und Michaël Sanlaville zeigte er in <a href="https://reprodukt.com/products/lastman-1?_pos=1&amp;_sid=501b6efe5&amp;_ss=r" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">LASTMAN</a> außerdem seine Nähe zu Manga, Serienerzählung und Popkultur. In den vergangenen Jahren arbeitete er auch an neuen <a href="https://cortomaltese.com/de/corto-maltese-schwarzer-ozean-von-vives-und-quenehen/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">CORTO MALTESE</a>-Alben. HONEYMOON zeigt eine andere Seite seines Werkes, weniger intime Studie, mehr klassisches Abenteuerformat. Vivès erzählt hier mit mehr Druck nach vorn.</p>
<p>Als Zeichner ist Bastien Vivès schwer auf einen Stil festzulegen. Gerade diese künstlerische Vielfalt gehört zu seinem Markenzeichen. Er verbindet reduzierte Körperlichkeit, leise Alltagsbeobachtung, dynamische Action und serielle Pop-Erzählung, ohne in seinen Werken jedes Mal gleich auszusehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4238" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09.jpg" alt="Innenseite 6 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Pauschalreise ins Abenteuergenre</h3>
<p>Der Reiz von HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX liegt im Kontrast zwischen Alltag und großem Kino. Sophie und Quentin sind keine makellosen Helden. Sie sind ein Paar, das kurz frei haben möchte und plötzlich in einer Geschichte steckt, die eher nach Abenteuerfilm der Achtziger und Neunziger aussieht. Ich musste sofort an <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0088011/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN</a> denken oder an die Hitchcock-Idee von unbeteiligten Menschen, die in fremde Schuld hineingezogen werden wie z.B. in <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0053125/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_north%20by%20northwest" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DER UNSICHTBARE DRITTE</a>.</p>
<p>Als Serienauftakt ist der Band gut gemacht. Er führt Sophie und Quentin als wiederkehrendes, narratives Zentrum ein, erklärt aber nicht jeden biografischen Schlenker. Die Reihe lebt weniger vom großen Mythos als von einer Formel: Reisen werden zu Fallen, dann werden Urlaubsorte zu Bühnen für Genre-Spielarten.</p>
<p>Spätere Bände führen diese Idee weiter, erst nach <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon/honeymoon-2-coatlicue" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Südamerika</a> dann nach <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon/honeymoon-3-high-noon" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Brüssel</a>. Damit verschiebt sich der Ton vom maritimen Abenteuer über Schatzsuche bis zum surrealen Western. Der erste Band erfüllt seine Aufgabe also ziemlich gut, denn er setzt die Hauptdarsteller, das Muster und den Humor.</p>
<p>Der Comic spielt mit meiner Sehnsucht, einmal aus dem Alltag auszubrechen. Dann zeigt er, wie schnell eine Auszeit zur persönlichen Überforderung werden kann. Natürlich ist das überdreht! Trotzdem sitzt darunter eine simple Wahrheit. Urlaub macht nicht automatisch andere Menschen aus uns. Sophie und Quentin nehmen ihre Unsicherheit, ihre Vertrautheit miteinander, ihre eingespielten Rollen und ihre kleinen Reibereien mit an Bord. Und genau das macht sie sympathisch.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4239" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10.jpg" alt="Innenseite 7 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Schlichte Urlaubsbilder</h3>
<p>Die Zeichnungen sind flach &#8211; im besten Sinn. Vivès modelliert seine Bilder nicht detailliert aus, sondern nutzt eine moderne Art der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ligne_claire" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Ligne Claire</a>. Er vertraut auf klare Konturen, auf farbige Flächen und auf eine sehr direkte Lesbarkeit. Das passt zu dieser Geschichte, weil die Geschichte selbst dauernd vorwärts will. Zu viele Details würden bremsen, zu viel plastische Tiefe würde dem Ganzen eine Schwere geben, die der leicht überdrehte Abenteuercharakter gar nicht braucht.</p>
<p>Die Räume sind schnell gelesen. Der Strand, die Yacht, das Deck, Wasser und Innenbereiche werden nicht ausgestellt, sondern sind einfach da, Kulissen halt. Ich weiß immer, wo ich bin und wohin die Bewegung läuft. Das ist bei der Action wichtiger, als es auf den ersten Blick klingt. Vivès baut seine Seiten so, dass der Blick ohne Stolpern durch die Panels gleiten kann. Kleine Dialogmomente sitzen knapp. Wenn die Gewalt einsetzt, beschleunigt sich der Rhythmus, ohne unleserlich zu werden.</p>
<p>Brigitte Findakly&#8217;s Farben geben dem Band zusätzlich seine Urlaubstemperatur. Die hellen, warmen Töne am Anfang lassen den Ausflug leicht wirken. Später werden die Farben nicht plötzlich düster, sondern behalten eine gewisse Klarheit. Das macht die Gefahr fast absurder. Der Albtraum findet nicht im finsteren Keller statt, sondern unter Sonne, auf dem Wasser, also in einer Welt, die eigentlich Erholung versprochen hätte. Diese Spannung trägt viel zur Atmosphäre bei.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4240" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 8 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX ist kein tief schürfender Roman über Ehe, Erschöpfung und gemeinsam erlebter Gefahr. Er ist ein schlanker, schneller, sehr gut lesbarer Serienauftakt mit Charme, Tempo und einem ordentlichen Schuss altmodischem Abenteuerkino. Ergo: Ein Werk für einen sommerlichen Nachmittag auf einem Liegestuhl.</p>
<p>Mir gefällt besonders, dass Vivès den Urlaub nicht bloß als Kulisse nimmt. Er macht aus der Sehnsucht nach Ruhe den Zünder für eine interessante Kettenreaktion und findet damit eine schöne, wiederverwertbare Idee. Gut, die Geschichte ist manchmal einfacher, als sie sein müsste und einige Nebenfiguren bleiben schablonenhaft. Auch der Plot selbst wirkt stellenweise wie ein bewusst grob gefalteter Papierflieger &#8211; aber er fliegt nun mal. Und zwar flott!</p>
<p>Als Auftakt zeigt der Band klar, warum Sophie und Quentin als Paar funktionieren. Sie sind keine Superhelden im Ferienmodus. Sie sind zwei Normalos, die endlich einmal frei und Zeit für sich haben wollten und die in die falsche Einladung einwilligen. C&#8217;est la vie!</p>
<p>Wer nach diesem ersten Band neugierig ist, wie sich die Reihe weiterentwickelt, sollte <a href="https://tillmanncourth.de/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Tillmann Courth&#8217;s Besprechungen</a> zu <a href="https://tillmanncourth.de/ferienfahrt-mit-hindernissen-honeymoon-2/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Band 2</a> und <a href="https://tillmanncourth.de/honeymoon-3-fantasiereise-nach-belgien/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Band 3</a> lesen. Sie zeigen schön, wie weit Vivès das Urlaubskonzept später noch getrieben hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4232" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-292x400.jpg" alt="Cover von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="292" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-600x823.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01.jpg 729w" sizes="auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>HONEYMOON 01 &#8211; DER KUSS DER SPHINX</li>
<li>Bastien Vivès</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span class="value">978-3-96582-201-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/in-honeymoon-wird-ein-ruhiger-urlaub-zum-survival-trip/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">In HONEYMOON wird ein ruhiger Urlaub zum Survival-Trip</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/wenn-es-wirklich-schwierig-wird-hilft-nur-drifting/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/06/wenn-es-wirklich-schwierig-wird-hilft-nur-drifting/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 05:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Madita Schwenke]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Madita Schwenke wurde 1996 geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign in Potsdam sowie Illustration in Hamburg. Dort lebt und arbeitet sie auch, zeichnet Comics, illustriert Geschichten für Kinder und bewegt sich mit sicherem Gefühl zwischen Alltagsbeobachtung, Humor und kleinen fantastischen Verschiebungen. DRIFTING erschien zunächst digital im Rahmen der ShortBox Comics Fair 2023 und liegt nun beim Reprodukt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/wenn-es-wirklich-schwierig-wird-hilft-nur-drifting/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://maditaschwenke.carrd.co/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Madita Schwenke</a> wurde 1996 geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign in Potsdam sowie Illustration in Hamburg. Dort lebt und arbeitet sie auch, zeichnet Comics, illustriert Geschichten für Kinder und bewegt sich mit sicherem Gefühl zwischen Alltagsbeobachtung, Humor und kleinen fantastischen Verschiebungen. DRIFTING erschien zunächst digital im Rahmen der <a href="https://www.shortboxcomicsfair.com/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ShortBox Comics Fair</a> 2023 und liegt nun beim Reprodukt Verlag als zweifarbiger Comic vor.</p>
<p><span id="more-4077"></span></p>
<p>Auch wenn sich der Titel auf den ersten Blick wie <a title="„Völlig losgelöst von der Erde …“ geht es in SKYWARD hoch hinaus" href="https://panelwalker.de/2025/04/voellig-losgeloest-von-der-erde-geht-es-in-skyward-hoch-hinaus/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">SKYWARD</a> (von Joe Henderson und Lee Garbett) anhört, geht es in dieser Geschichte um etwas ganz anderes. Hier ist nicht die Physik der Grund dafür, die die Protagonisten die Bodenhaftung verlieren, sondern vielmehr die Psychologie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-4106 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Startbahn im eigenen Zimmer</h3>
<p>Vielleicht passt Schwenke&#8217;s Biografie so gut an den Anfang, weil DRIFTING ein Comic ist, der sehr genau aus einer jungen, urbanen Lebenswelt heraus erzählt. Nicht im Sinne eines Milieu-Protokolls. Eher wie ein Blick in eine Wohnung, in der zu viele unausgesprochene Dinge herumliegen. Da sind WG-Zimmer, Küchenwege, schlechte Laune am Rand der Spüle, vorsichtige Fragen und Menschen, die sich so gut eingerichtet haben, dass sie gar nicht mehr merken, wie seltsam ihr Alltag eigentlich geworden ist.</p>
<p>Der Einfall ist herrlich einfach. Felix, einer der Mitbewohner, fliegt davon, sobald es ernst wird. Er steigt aus dem Fenster und schwebt in den Himmel. Das könnte ein hübscher Cartoon-Gag à la <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0073227/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Karlsson auf dem Dach</a> sein. Bei Schwenke ist es jedoch mehr. Es ist eine sehr direkte, sehr klare Bildidee für Konfliktvermeidung. Wer nicht antworten will, verlässt nicht nur den Raum: er verlässt gleich die Schwerkraft, damit ihm wirklich niemand hinterher laufen kann.</p>
<p>Gerade deshalb wirkt der Comic so zugänglich. Ich muss keine metaphorischen Rätsel lösen. Ich sehe, was los ist. Und doch wird die Sache mit jeder Seite &#8230; unangenehmer. Denn die eigentliche Frage lautet nicht nur, warum Felix davonfliegt. Sie lautet auch, warum die anderen ihn immer wieder zurückkommen lassen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4107" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Gegenwind in der WG-Küche</h3>
<p>Annie zieht neu in die Wohngemeinschaft. Damit beginnt die Geschichte mit einem Blick von außen. Das ist wichtig, denn für die anderen gehört Felix’ Verhalten längst zur &#8222;Hausordnung&#8220;. Wenn es schwierig wird, ist er weg. Wenn er wieder auftaucht, geht es irgendwie weiter. Ein bisschen genervt sind alle, wirklich durchbrechen will die Routine zunächst aber niemand.</p>
<p>Annie nimmt diese seltsame Normalität anders wahr. Sie hat noch keinen Anteil an den kleinen Kapitulationen der Gruppe. Sie hat Felix nicht über Monate oder Jahre entschuldigt, eingeordnet und ertragen. Dadurch sieht sie schneller, wie verletzend sein Verhalten ist. Nicht weil sie moralisch über den anderen steht. Sondern weil sie neu genug ist, um die Mechanik zu erkennen.</p>
<p>Felix selbst bleibt dabei keine bloße Pointe. Er wirkt nicht wie ein Bösewicht, der andere bewusst quälen will. Eher wie jemand, der gelernt hat, dem entscheidenden Moment immer einen Schritt voraus zu sein &#8211; oder einen Flug. Sobald Nähe eine Antwort verlangt, hebt er ab.<br />
Für die Zurückbleibenden ist das bequem und grausam zugleich. Bequem, weil niemand den Streit wirklich führen muss und grausam, weil alle mit dem Rest allein bleiben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4108" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Thermik der Gewöhnung</h3>
<p>Die Gruppe lässt sich von Felix so behandeln, weil sie längst Teil seines Ausweichens geworden ist. Das ist eine der stärksten Beobachtungen des Comics. Eine WG ist ja nicht nur ein Ort, an dem Menschen wohnen. Sie ist ein kleines Abkommen. Alle halten bestimmte Dinge aus, damit das Ganze weiterläuft. Ein dreckiger Topf bleibt stehen, ein Spruch wird geschluckt, eine seltsame Angewohnheit wird zur Eigenart erklärt. Irgendwann nennt keiner mehr das Problem beim Namen, weil der Name Arbeit bringen würde.</p>
<p>Genau hier setzt DRIFTING schmerzhaft an. Felix’ Flucht funktioniert nur, weil die anderen am Boden mitspielen. Sie warten, sie schimpfen vielleicht, sie verdrehen die Augen. Aber sie geben keine echte Grenzen vor. Das klingt härter, als der Comic es erzählt.</p>
<p>Schwenke verurteilt diese Gruppe nicht. Sie zeigt eher, wie Erschöpfung aussieht. Konflikte kosten Kraft. Besonders dann, wenn jemand sich jedem Gespräch entzieht und alle anderen danach entscheiden müssen, ob sie das Fass wirklich wieder aufmachen wollen.</p>
<p>Ich finde diesen Punkt bemerkenswert lebensnah. Felix ist nicht nur das Problem, sondern auch das Ergebnis einer stillen Gruppeneinigung. Alle wissen, was passiert, alle richten sich darauf ein. Niemand fühlt sich ganz zuständig. So entsteht eine seltsame Schonung, die am Ende niemandem gut tut. Nicht Felix, weil er nie landen muss, nicht den anderen, weil sie immer wieder die Landebahn freihalten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4109" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Im Anflug: eine Fremde</h3>
<p>Dass ausgerechnet Annie Felix näher kommt, ist deshalb kein Zufall. Es braucht eine externe Dritte, weil die Gruppe bereits zu viel weiß und trotzdem zu wenig fragt. Die anderen sind durch Wiederholung befangen. Sie kennen Felix’ Muster, aber nicht unbedingt Felix. Das ist ein feiner Unterschied. Wer lange mit einem Verhalten lebt, hält es irgendwann für die Person selbst. Annie kann noch trennen. Sie sieht den Ärger, sie spürt die Zumutung. Aber sie hat auch genug Abstand, um hinter der Flucht einen Menschen zu vermuten.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine Rettungsfantasie. Annie kommt nicht herein und heilt alle. Das wäre dann doch zu einfach. Sie nähert sich Felix eher über Neugier, Irritation und vorsichtige Empathie. Zugleich bringt sie eigene Erfahrungen mit. Dadurch entsteht eine Verbindung, die nicht auf WG-Pflicht beruht. Annie muss Felix nicht mögen und ihn auch nicht decken. Gerade das macht ihren Blick freier.</p>
<p>Diese Anlage gibt der Geschichte ihre emotionale Spannung. Ich wollte beim Lesen nicht einfach wissen, ob Felix wieder herunterkommt. Ich wollte wissen, ob jemand in dieser Wohnung einen Satz findet, der sich nicht sofort in Luft auflöst.</p>
<p>Schwenke erzählt das leise. Sie setzt nicht auf große Ausbrüche. Ihre Dramaturgie besteht eher aus Annäherungen, Pausen und kleinen Verschiebungen. Das passt gut zum Thema. Wer jahrelang ausgewichen ist, landet nicht mit einem großen Knall.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4110" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fluglinien auf Papier</h3>
<p>Zeichnerisch ist DRIFTING locker, klar und sehr beweglich. Schwenke&#8217;s Figuren haben Körper, die sofort erzählen. Ein abgesenkter Kopf sagt hier oft mehr als eine Erklärung. Arme hängen schief im Raum. Gesichter öffnen und schließen sich innerhalb weniger Panels. Diese Mimik ist kein Selbstzweck. Sie trägt die Szenen, weil so viel zwischen den Figuren unausgesprochen bleibt.</p>
<p>Die Räume wirken angenehm konkret. Die WG ist nicht bloß Kulisse. Sie hat Enge, Ecken, Blickachsen. Ich spüre beim Lesen, wie schwer es ist, einander auszuweichen, wenn alle doch dieselbe Küche benutzen. Sobald Felix abhebt, verändert sich das Bild. Die Seite bekommt Luft. Der Himmel öffnet sich. Die Bewegung hat etwas Komisches, fast Leichtfüßiges. Gleichzeitig bleibt darunter die Schwere der Situation zurück. Auf diese Weise verschafft die Struktur des Werkes auch Felix Sympathien.</p>
<p>Der Seitenrhythmus ist übersichtlich und ruhig genug, um den Zwischentönen Platz zu lassen. Schwenke hetzt nicht. Sie vertraut darauf, dass ein Blick, ein Abstand oder ein leerer Moment wirken darf. Die Zweifarbigkeit unterstützt diesen Ton sehr. Sie hält den Comic nah am Alltag, ohne ihn grau wirken zu lassen. Die Farben geben Wärme &#8211; obwohl sie blau verwendet &#8211; und eine leichte Fremdheit zugleich. So bleibt das Fantastische glaubhaft, weil es nicht wie ein Effekt auftritt. Es wächst aus dem Alltäglichen heraus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4111" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Kleinere Turbulenzen</h3>
<p>Ein paar Schwächen bleiben. Manche Nebenfigur hätte ich gern deutlicher gespürt. Gerade weil die WG-Dynamik so wichtig ist, wäre noch etwas mehr Zeit mit den anderen Figuren reizvoll gewesen. Warum hält genau diese Person still? Wer ist wütend? Wer hat aufgegeben? Oder auch: Wer profitiert davon, dass Felix immer wieder verschwindet? Der Comic deutet diese Fragen an, aber er spielt sie nicht alle aus. Wie gesagt &#8211; schade.</p>
<p>Auch Felix bleibt an manchen Stellen bewusst knapp gefasst. Das passt zwar zur Figur, weil er sich entzieht. Trotzdem hätte eine weitere Szene seine innere Not noch greifbarer machen können. Schwenke entscheidet sich für Verdichtung. Das ist sauber erzählt, nimmt dem Comic aber hier und da die Chance, noch tiefer in die Figuren zu sinken. Aber vielleicht ist dies alles auch dem ursprünglichen Online-Medium auf ShortBox geschuldet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4112" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DRIFTING ist ein schlanker, warmherziger und genauer Comic über Menschen, die Konflikten ausweichen, bis das Ausweichen selbst zur gemeinsamen Sprache wird. Madita Schwenke findet dafür ein Bild, das mir sofort einleuchtet. Ein junger Mann fliegt davon, weil er nicht bleiben kann. Eine Gruppe lässt ihn fliegen, weil Landungen für sie anstrengend sind. Und eine Neue sieht plötzlich, dass Normalität manchmal nur ein anderes Wort für Müdigkeit ist.</p>
<p>Ich mochte an diesem Comic besonders, dass er seine Figuren nicht vorführt. Er schaut genau hin, aber ohne kalten Blick. Er bleibt leicht, obwohl er von verletzendem Verhalten erzählt. Am Ende ist DRIFTING keine große Abrechnung mit einem schwierigen Menschen. Es ist eine leise Geschichte über Verantwortung, Nähe und den Mut, nicht aus dem Fenster zu steigen, wenn ein schwieriges Gespräch beginnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4102" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-300x400.jpg" alt="" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DRIFTING</li>
<li>Madita Schwenke</li>
<li>Softcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95640-516-7</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://reprodukt.com/products/drifting?_pos=1&amp;_sid=59bddceb7&amp;_ss=r" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Reprodukt Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>WIND IN MEINEM KOPFTUCH &#8211; Freiheit und Enge in Einem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Roya Soraya]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in ein Gefühl hineinzieht. Da ist diese merkwürdige Nähe zu einer Kultur, die im Alltag zwar präsent ist, die mir aber doch verschlossen bleibt.<span id="more-3970"></span></p>
<p>Da ist der Klang einer Sprache, die vertraut wirkt, obwohl nicht jedes Wort verstanden wird. Und da ist eine Reise, die nach Herkunft aussieht und sich dann immer stärker als Reise ins eigene Innere entpuppt. Genau das macht dieses Buch so stark. Es ist warm, offen und persönlich. Dabei wirkt es aber nie weichgespült, sondern intim und ständig unruhig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3972" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg" alt="Innenseite 05 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Was hinter dieser Reise steht</h3>
<p>Bevor ich auf die Handlung schaue, lohnt sich der Blick auf den Hintergrund der Erzählerin. Roya Soraya ist 1996 in Hannover geboren, hat an der Folkwang Universität der Künste studiert und lebt heute in Wuppertal.</p>
<p>Nach ihrem Debüt <a href="https://www.roya-soraya.de/shop/p/faust" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">FAUST</a>, einer modernen und neuen, queerfeministischen Annäherung an den alten Goethe, wendet sie sich im aktuellen Werk der eigenen Familiengeschichte zu. Das ist ein wichtiger Schritt. Hier geht es nicht mehr um die Überschreibung eines Klassikers, sondern um etwas, das näher liegt und verletzlicher ist. <a href="https://www.roya-soraya.de/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Auf ihrer Website</a> beschreibt sie den Band ausdrücklich als autobiografische Graphic Novel über die Reise zu ihren Wurzeln im Iran.</p>
<p>Roya Soraya hat an diesem Buch über mehrere Jahre gearbeitet. Die Arbeit begann schon vor den großen Protesten von 2022 und bekam durch diese noch einmal ein anderes Gewicht.</p>
<p>Hinzu kommt der politische Kontext, der in diesem Comic nie wie ein angehefteter Infokasten wirkt, sondern ganz organisch in ihre Erzählung einsickert. Die Proteste der Bewegung &#8222;Frau, Leben, Freiheit&#8220; brachen 2022 nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jina_Mahsa_Amini" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Jina Mahsa Amini</a> aus, die nach ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei starb. Internationale Menschenrechtsberichte halten fest, dass Frauen und Mädchen im Iran noch immer systematisch verfolgt und in ihren Rechten beschnitten werden. Auch die Pflicht zur Verschleierung bleibt Teil eines Systems, das den weiblichen Körper kontrollieren will.</p>
<p>Wenn Roya Soraya also über das Kopftuch, über Blicke im öffentlichen Raum und über die Anspannung einer Reise schreibt, dann steht dahinter kein fernes Weltthema. Es ist gelebte Wirklichkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3973" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg" alt="Innenseite 06 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Zuhause, das nicht ganz aufgeht</h3>
<p>Die Handlung beginnt dort, wo viele Fragen nach Herkunft anfangen, nämlich im ganz normalen Familienalltag. Roya Soraya wächst in Deutschland auf. Sie fühlt sich deutsch und merkt zugleich früh, dass da noch eine andere Seite in ihr arbeitet.</p>
<p>Am Tisch der iranischen Verwandtschaft versteht sie kaum etwas. Trotzdem sind Sprache, Essen, Musik und Gesten nicht fremd. Sie gehören zu ihr, ohne dass sie diese ganz greifen kann. Ich finde genau diese Ausgangslage sehr gut getroffen. Soraya beschreibt ihren Identitätskonflikt ohne Pathos. Sie zeigt etwas viel Alltäglicheres: das Gefühl, dass etwas Eigenes immer knapp außer Reichweite bleibt.</p>
<p>Aus dieser Lücke wächst ihre Sehnsucht nach dem Iran. Nicht als touristischer Traum, sondern als Versuch, sich selbst etwas genauer kennenzulernen. Dass sie den Vater erst überreden muss, mit ihr zu reisen, gibt der Sache gleich noch eine zweite Spannung. Die Fahrt in den Iran ist auch eine Annäherung zwischen Tochter und Vater.</p>
<p>Sobald Roya dann tatsächlich im Iran ist, verschiebt sich die Erzählung spürbar. Aus der Sehnsucht wird Erfahrung, aus Vorstellung wird Alltag. Der Comic schaut dabei sehr aufmerksam auf kleine Situationen. Ein Gang durch die Stadt, ein Blick auf die Menschen, ein Essen oder ein Moment vor dem Spiegel mit dem Kopftuch: Nichts davon wird künstlich aufgeblasen, aber fast alles trägt Gewicht.</p>
<p>Ich mochte besonders, wie Soraya die erste Begeisterung für Gerüche, Farben und Nähe nie gegen die wachsende Unsicherheit ausspielt. Beides ist gleichzeitig da. Die Reise erfüllt einen Wunsch und unterläuft ihn im selben Moment. Roya erkennt, dass Herkunft nicht einfach Geborgenheit bedeutet. Sie kann auch Enge, Unübersichtlichkeit und Angst mitbringen. Gerade deshalb kippt die Nacherzählung nie ins bloße Abhaken von Stationen. Hinter jeder Alltagsszene arbeitet die Frage, wer Roya in diesem Land eigentlich ist. Tochter? Besucherin? Iranerin? Die Deutsche? Queere Frau? Das Buch erzwingt keine schnelle Antwort. Das gefällt mir sehr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3974" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg" alt="Innenseite 07 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Bus, ein Vater, ein kurzer Schock</h3>
<p>Besonders stark fand ich die Szenen, in denen der öffentliche Raum plötzlich zur Prüfung wird. Die Leseprobe mit der Busfahrt ist dafür ein schönes Beispiel. Roya und ihr Vater wollen Bus fahren, wie Einheimische. Erst wirkt das fast leicht, beinahe neugierig. Dann greift die Geschlechtertrennung. Männer nach vorn, Frauen nach hinten.</p>
<p>Aus einem simplen Umsteigen wird für Roya ein Moment echter Panik. Sie verliert den Vater aus dem Blick, hängt zwischen Stangen, fremden Körpern und Regeln fest, die ihr vorher niemand erklärt hat. Auf wenigen Seiten erzählt Soraya damit sehr viel. Nicht nur die konkrete Situation. Auch das Gefühl, in einer Ordnung zu stecken, deren Logik man nicht kennt und die doch sofort über den eigenen Körper verfügt. Ich habe diese Passage als Kernszene gelesen. Hier wird das Reisen im Iran vom Abenteuer zur nervösen Selbstprüfung.</p>
<p>Noch besser ist, dass der Vater dabei nicht einfach als rettende Figur gezeichnet wird. Er ist Nähe und Sicherheit, klar. Aber er ist auch Teil einer Welt, die Roya nicht ganz versteht. Zwischen beiden liegt Zuneigung, manchmal auch Reibung, jedenfalls nie glatte Harmonie.</p>
<p>Gerade diese Zwiespältigkeiten macht den Comic stark. Ich glaube der Beziehung, weil Soraya nichts glättet. Kleine komische Momente bleiben ebenso stehen wie peinliche oder anstrengende. Auch deshalb trifft mich der Gedanke, dass dies ihre letzte Reise mit dem Vater sein wird.</p>
<p>Das Buch macht daraus kein sentimentales Programm. Es legt nur einen leichten Schatten über viele Szenen. Ein verlorener Blick hier, ein Zuruf dort, eine Umarmung. Solche Dinge bekommen im Rückblick mehr Wucht. Vielleicht hätte ich an ein, zwei Stellen gern noch etwas mehr Raum für andere Familienmitglieder gehabt, andererseits wirkt der Comic dadurch sehr fokussiert. Manchmal ist weniger eben mehr.</p>
<p>Der Comic bleibt sehr eng an Soraya&#8217;s Perspektive. Auch das ist stimmig, nimmt dem Umfeld aber etwas Luft. Der emotionale Kern trägt trotzdem gut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3975" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg" alt="Innenseite 08 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Kein Debattencomic, keine einfachen Antworten</h3>
<p>Was ich an diesem Buch am meisten schätze, ist seine Weigerung, einfache Antworten zu liefern. Gerade darin ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH bemerkenswert. Das Kopftuch erscheint hier nicht als plattes Symbol, das nur in eine Richtung zeigt. Es steht für Zwang, Gefahr und Kontrolle. Zugleich beschreibt Soraya sehr offen, dass sie das Tuch an sich selbst auch schön finden kann, wenn es aus den Kämpfen um Unterdrückung und Selbstbestimmung herausgelöst wäre.</p>
<p>Diese Ambivalenz macht den Comic klüger als vieles, was ich sonst zu diesem Themenfeld sehe und lese. Soraya lässt Widersprüche stehen und vertraut darauf, dass sie sich im orientalischen Erzählen selbst erklären. Dadurch wird aus dem Buch weder ein Lehrstück noch eine politische Parole. Es bleibt eine autobiografische Graphic Novel, die aus der eigenen Erfahrung ihre Kraft zieht.</p>
<p>Als Einzelband steht das Werk sehr geschlossen für sich. Im Vergleich zu FAUST wirkt es wie ein konsequenter nächster Schritt. Weg von der literarischen Bearbeitung, hin zu einer eigenen, sehr persönlichen Form des Erzählens.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3976" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg" alt="Innenseite 09 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Gesichter, Hände, Blicke</h3>
<p>Zeichnerisch hat mich Soraya ebenfalls überzeugt. Ihr Stil ist farbig, beweglich und deutlich handgemacht. Ihr ist der präzise Ausdruck von Gefühlen in Gesichtern besonders wichtig ist. Genau das sieht man den Seiten an. Die Figuren sind leicht vereinfacht, aber nie leer. Ich kann an einem Blick ablesen, ob Roya neugierig, überfordert, trotzig oder kurz vor der Panik ist.</p>
<p>Auch die Körpersprache sitzt. Wenn sie sich im Bus klein macht oder sich an einer Stange festklammert, trägt die Haltung schon die halbe Szene. Dazu kommen Räume, die klar lesbar bleiben, ohne geschniegelt zu wirken. Der Markt, die Haltestelle, das Restaurant, der Businnenraum. Alles ist schnell zu erfassen und hat trotzdem Eigenleben. Gerade die Busseiten zeigen, wie gut Soraya Bildrhythmus beherrscht. Enge Panels, Stangen, Blickachsen und Wiederholungen erzeugen dort fast körperlich spürbare Beklemmung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3977" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg" alt="Innenseite 10 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Farbe gegen das reine Grau</h3>
<p>Auch die Farbe spielt eine große Rolle. Soraya beschreibt ihren Stil selbst als farbenfroh. Ja, das passt. Nur arbeitet sie nie mit greller Lautstärke.</p>
<p>Ich sehe viele weiche Grün, Ocker, Beige und Rosa. Das hält die Erinnerung offen und freundlich, selbst wenn die Situationen kippen. Besonders stark ist das violette Kopftuch der Hauptfigur. Es macht Roya sichtbar, fast wie ein bewegter Marker im Bild und trägt zugleich die ganze Spannung des Buchs in sich. Schönheit und Belastung liegen darin nah beieinander.</p>
<p>Ich mag diese Farbdramaturgie, weil sie dem Comic Leichtigkeit gibt, ohne den Druck der Erzählung &#8230; wegzufärben. WIND IN MEINEM KOPFTUCH wirkt dadurch nie bleischwer. Das Buch bleibt zugänglich, obwohl es von Verlust, Unterdrückung und innerer Unruhe erzählt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3978" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg" alt="Innenseite 11 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein wenig Geschichte</h3>
<p>Für mich gewinnt WIND IN MEINEM KOPFTUCH noch einmal an Tiefe, wenn ich den langen Weg der Frauenrechte im Iran mitdenke. Schon in den 1920er Jahren gab es dort Frauenzeitschriften, Bildungsinitiativen und politische Gruppen, die mehr Mitsprache, besseren Zugang zu Bildung und ein freieres Leben forderten. Diese frühen Bewegungen waren mutig, aber oft klein und verletzlich.</p>
<p>Unter Reza Schah wurden unabhängige Frauenorganisationen in den frühen 1930er Jahren weitgehend ausgeschaltet. 1936 folgte dann das staatlich verordnete Verbot des traditionellen Schleiers. Das klingt auf den ersten Blick modern, war aber ebenfalls ein Eingriff von oben. Frauen sollten nicht selbst entscheiden, ob sie ein Tuch tragen oder nicht. Der Staat griff so schon damals direkt in ihren Alltag und in ihre Körperbilder ein. Fortschritt und Zwang lagen also schon früh dicht nebeneinander.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3979" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg" alt="Innenseite 12 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<p>In den 1960er und 1970er Jahren verbesserten sich die rechtlichen Möglichkeiten vieler Frauen spürbar. 1963 erhielten Frauen das Wahlrecht. Mit dem Familienrecht von 1967 und den Reformen von 1975 wurden Eherecht, Scheidung, Sorgerecht und die Begrenzung von Polygamie neu geregelt. Vieles blieb auch damals ungleich und die Modernisierung kam stark vom Staat her.</p>
<p>Trotzdem waren diese Jahre für viele Frauen ein echter Ausbau von Rechten und Handlungsspielräumen. Gerade dieser Punkt ist wichtig, weil er zeigt, dass die Geschichte nicht geradlinig verläuft. Rechte können wachsen. Sie können aber auch wieder zurückgenommen werden. Genau das geschah nach der Revolution von 1979.</p>
<p>Die Reformen im Familienrecht wurden weitgehend kassiert. Frauen gingen schon im März 1979 dagegen auf die Straße, als neue Kleidervorschriften angekündigt wurden. Wenige Jahre später wurde der Hijab-Zwang gesetzlich fest verankert. Seitdem ist das Tuch im Iran eben nicht nur Kleidung, sondern Teil einer staatlichen Ordnung, die weibliche Präsenz im öffentlichen Raum regelt und kontrolliert.</p>
<p>Trotzdem endet die Geschichte nicht bei der Rücknahme von Rechten. Iranische Frauen haben über Jahrzehnte weiter gekämpft. 2006 sammelte die Kampagne One Million Signatures Unterschriften gegen diskriminierende Gesetze. Sie machte deutlich, dass es nicht nur um Kleidung ging, sondern auch um Ehe, Scheidung, Erbschaft, Vormundschaft und rechtliche Gleichstellung.</p>
<p>Nach dem Tod von Jina Mahsa Amini 2022 bekam dieser Kampf eine neue, weltweite Sichtbarkeit. Die Proteste von Frau, Leben, Freiheit richteten sich gegen den Hijab-Zwang aber auch gegen ein ganzes System der Bevormundung. Aktuelle Berichte der Vereinten Nationen zeigen, dass Frauen und Mädchen im Iran bis heute systematisch benachteiligt werden und der Staat weiter mit Überwachung, Festnahmen und Strafverfahren arbeitet. Gerade deshalb wirkt Soraya&#8217;s Comic so stark. Er erzählt diese Geschichte nicht als Lehrstunde, sondern als gelebte Spannung zwischen Sehnsucht, Zugehörigkeit und Kontrolle.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3980" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg" alt="Innenseite 13 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Für mich ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH ein sehr schönes, sehr kluges und sehr ehrliches Buch. Ich habe selten einen Comic gelesen, der so unaufgeregt von Zugehörigkeit erzählt und dabei so präzise bleibt.</p>
<p>Ein paar Figuren am Rand hätte ich gerne näher kennengelernt. Mein Eindruck bleibt trotzdem stark. Roya Soraya verbindet persönliche Erinnerung, politische Wirklichkeit und zeichnerische Wärme zu einem Band, der länger nachhallt. Genau solche Comics bleiben.</p>
<p>Wer noch ein Wenig mehr erfahren möchte, kann gerne einen Blick auf <a href="https://comic-denkblase.de/wind-in-meinem-kopftuch" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">den lesenswerten Beitrag</a> meines Kollegen Alex Jakubowski werfen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3971" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg" alt="Cover von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="300" height="421" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-600x843.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover.jpg 712w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>WIND IN MEINEM KOPFTUCH</li>
<li>Roya Soraya</li>
<li>Hardcover | 192 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-01590-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/wind-meinem-kopftuch/978-3-551-01590-7" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>LUCKY LUKE DAKOTA 1880 &#8211; Eine liebevolle Hommage</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/lucky-luke-dakota-1880-eine-liebevolle-hommage/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 05:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Appollo]]></category>
		<category><![CDATA[Brüno]]></category>
		<category><![CDATA[Bruno Thielleux]]></category>
		<category><![CDATA[Egmont Ehapa Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Laurence Croix]]></category>
		<category><![CDATA[Maurice de Bevere]]></category>
		<category><![CDATA[Morris]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Appollodorus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ein hübscher, beinahe frecher Gedanke. LUCKY LUKE reitet nicht einfach wieder einmal durch den Wilden Westen. Er steckt in DAKOTA 1880 noch in den Stiefeln eines jungen Mannes, der die eigene Legende erst nach und nach erarbeitet. Kein großer Auftritt mit allen bekannten Serienzutaten, kein bequemes Abhaken vertrauter Zeichen, kein Jolly Jumper. Stattdessen [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/lucky-luke-dakota-1880-eine-liebevolle-hommage/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">LUCKY LUKE DAKOTA 1880 – Eine liebevolle Hommage</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein hübscher, beinahe frecher Gedanke. LUCKY LUKE reitet nicht einfach wieder einmal durch den Wilden Westen. Er steckt in DAKOTA 1880 noch in den Stiefeln eines jungen Mannes, der die eigene Legende erst nach und nach erarbeitet. Kein großer Auftritt mit allen bekannten Serienzutaten, kein bequemes Abhaken vertrauter Zeichen, kein Jolly Jumper. Stattdessen gibt es Schnee, Staub, Kutschenräder und einen Helden, der schon erstaunlich klar nach LUCKY LUKE aussieht, aber noch nicht ganz die bekannte Ikone ist. Und: Ja, es ist ein Prequel.</p>
<p>Genau darin liegt der Reiz dieses Bandes. Appollo und Brüno nehmen Morris’ Cowboy ernst, aber sie knien nicht vor ihm nieder. Sie spielen mit ihm, setzen ihn in erste Bewegungen. Sie lassen ihn in sieben kurzen Geschichten Menschen begegnen, die mehr als eindimensionale, dekorative Westernschablonen sind. Luke trifft befreite Sklaven, Frauen mit eigenen Plänen, einen Fotografen, streitlustige Poeten, Revolverhelden und indigene Charaktere. Das ergibt nicht wie sonst ein klassisches Abenteuer mit einem einzigen großen Ziel. Es fühlt sich eher wie eine Reise an, bei der jede Station eine kleine Kerbe im Charakter des Hauptdarstellers hinterlässt &#8211; und genau das ist es dann auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3917" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-01_1000x693.jpg" alt="Innenseite 01 von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="693" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-01_1000x693.jpg 693w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-01_1000x693-300x433.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-01_1000x693-600x866.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 693px) 100vw, 693px" /></p>
<h3>Achtzig Jahre schneller als der eigene Schatten</h3>
<p>LUCKY LUKE gehört zu den Figuren, die längst aussehen, als seien sie immer dagewesen. Dabei hat auch dieser Cowboy einmal klein angefangen.</p>
<p>Morris, eigentlich Maurice De Bevere, brachte ihn 1946 zur Welt. Also heute, vor ziemlich genau 80 Jahre. Die erste Geschichte hieß <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Arizona_1880" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ARIZONA 1880</a> und erschien im Umfeld des SPIROU Almanachs. Schon der Titel ist wichtig, weil DAKOTA 1880 sich hörbar und sichtbar daran anlehnt. Aus Arizona wird Dakota, aus dem bekannten Helden wird ein jüngerer LUKE (noch ohne den Beinamen LUCKY) und aus der Parodie des Westerns wird ein Western, der noch den kalten Wind im Gesicht hat.</p>
<p>Spannend ist auch, wie sehr LUCKY LUKE im Laufe der Jahrzehnte seine Form gefunden hat. Morris zeichnete die Figur von 1946 bis zu seinem Tod 2001. Ab Mitte der fünfziger Jahre kam <a href="https://panelwalker.de/tag/rene-goscinny/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">René Goscinny</a> hinzu, der dem Serienhumor eine besondere Schlagkraft gab und viele der klassischen Abenteuer prägte. Diese Mischung aus klarer Linie, Timing, Westernliebe und liebevoller Überzeichnung machte LUCKY LUKE zu einer der großen Figuren der frankobelgischen Comicgeschichte.</p>
<p>Dass 2026 der 80. Geburtstag gefeiert wird, passt deshalb wunderbar zu diesem Band. EGMONT EHAPA begleitet das Jubiläum im deutschsprachigen Raum mit neuen Veröffentlichungen und Ausstellungen, unter anderem ab dem 02. Oktober 2026 mit einer Morris-Schau &#8222;Lucky Luke – Moris’ einsa-<br />
mer Westernheld&#8220; im Museum für Kommunikation, Berlin.</p>
<p>DAKOTA 1880 erschien auf Deutsch im März 2026 und reiht sich als Hommage in diese Geburtstagsbewegung ein. Das ist kein bloßer Marketingrahmen. Es ist der passende Moment für eine Frage, die gute Hommagen stellen müssen. Was bleibt lebendig, wenn eine berühmte Figur kurz aus ihrer eigenen Routine herausgeführt wird?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3918" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-02_1000x701.jpg" alt="Innenseite 02 von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="701" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-02_1000x701.jpg 701w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-02_1000x701-300x428.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-02_1000x701-600x856.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px" /></p>
<h3>Sieben Wege durch einen raueren Westen</h3>
<p>Erzählerisch funktioniert der Band am besten, wenn ich ihn nicht als normalen Lucky-Luke-Band lese. Appollo inszeniert keine große Daltons-Jagd und keinen durchgehenden Gag-Mechanismus. Er nutzt die Postkutschenreise nach Kalifornien als lockere Klammer. Jede Episode bringt einen anderen Zungenschlag hinein. Mal wirkt der Band abenteuerlich, mal trocken komisch, mal fast melancholisch. Das Tempo bleibt angenehm zügig. Trotzdem hetzt nichts. Diese kurzen Geschichten haben Platz für Blicke, Pausen und kleine Pointen.</p>
<p>Formal ist das smart. Der Seitenrhythmus erinnert an die klassische Alben, aber Brüno zeichnet nicht im Morris-Modus. Seine Figuren sind kantiger, moderner. Die Gesichter stehen klar im Raum. Die Körper wirken manchmal fast wie ausgeschnitten, wenn auch präzise gesetzt. Das macht die Seiten sehr lesbar. Ich hatte nie das Gefühl, mich durch Dekor kämpfen zu müssen. Brüno liebt die Fläche, die Haltung, die Silhouette. Seine Bilder stopfen den Westen nicht voll, sie räumen ihn auf, bis jede Bewegung sitzt.</p>
<p>Laurence Croix unterstützt das mit Farben, die den Band nicht auf lustig trimmen. Es gibt eine gewisse Wärme. Schnee, Erde, Holz, Abendlicht und Kleidung greifen ruhig ineinander. Dadurch wirkt DAKOTA 1880 erwachsener als die klassische Serie, ohne dem Vorbild die Freude auszutreiben. Die Schwäche liegt eher in der Form selbst. Nicht jede Begegnung kann gleich tief gehen. Manche Figur verschwindet genau dann, wenn ich gern noch zwei Seiten geblieben wäre. Aber dann rollt die Kutsche halt weiter. Doch diese Knappheit gehört zum Konzept. Der Band erzählt von Spuren, nicht von Lebensläufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3919" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-03_1000x737.jpg" alt="Innenseite 03 von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-03_1000x737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-03_1000x737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-03_1000x737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Kurzbiografie: Appollo</h3>
<p>Appollo heißt bürgerlich Olivier Appollodorus und wurde 1969 in Tunesien geboren. Er wuchs in Nordafrika und auf La Réunion auf. Schon als Schüler gründete er mit Freunden ein Comicmagazin, später studierte er in Paris und begann als Szenarist zu arbeiten. Zu seinen bekannten Arbeiten zählen unter anderem <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/die-diebe-von-karthago/#cc-m-product-8773971920" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DIE DIEBE VON KARTHAGO</a>, <a href="https://www.amazon.de/Bourbon-Island-1730-Appollo/dp/1596432586" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BOURBON ISLAND 1730</a> mit Lewis Trondheim und <a href="https://www.amazon.de/Biotope-1-English-Appollo-ebook/dp/B0C1L9N3D6?th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.TEO40FDU6DCsXQ0NV0xEf0y9XpOlpVHTVB4hR61aM07uAWfiTM5qXHgBo7ipmzfN8gMA2xtvI3ycmyGVvy2X_r4J8etFZxRgtLXzx_v5N3yvuZ7MNri66KD-n2MBzD2yiVWg2bkTD1gv6n7VJSP7I941waU8haTug6pYsrj_o73U9dAGq_qCz8zHwQ-8A29io1_plE1XgN8D-ajhyk3DY51JgUlfm6KQvLaB90WL5X4.gMBI6txXw5QVEgzsihQ5z-kd3kRVnmQFJUpw2tLaF1Q&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BIOTOPE</a> mit Brüno. Gerade diese Laufbahn erklärt viel an diesem Band. Appollo interessiert sich für Geschichte, Randfiguren und dafür, wie große Erzählungen aus kleinen Begegnungen entstehen. In DAKOTA 1880 passt das sehr gut zu einem LUCKY LUKE, der noch nicht ganz das Denkmal ist, dass wir alle kennen.</p>
<h3>Kurzbiografie: Brüno</h3>
<p>Brüno, mit bürgerlichem Namen Bruno Thielleux, wurde 1975 in Deutschland geboren. Nach Stationen an der École Estienne in Paris und einem Studium der bildenden Kunst in Rennes veröffentlichte er ab den späten neunziger Jahren erste Arbeiten. Mit <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/atar-gull/#cc-m-product-8700242520" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ATAR GULL</a>, <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/black-proud/#cc-m-product-8681003920" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BLACK AND PROUD</a> und besonders <a href="https://www.amazon.de/Tyler-Cross-1-Black-Rock/dp/355171228X?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2CWQRXDIAXVJR&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9._uhLneg5GmuVDsTXR7WlzZcProRQdkSXVp26NBKporL2_MdTVSve_SeUCEnL_d6kAQbJGdy_CfwfFVpKKwP0ydjuZTGoaXLgPGpOGjuxTzRPgPiStiTtTmwCeBiBVACsxFvUEhvSBMD76FMRiWxfsVxVqu8rvsgVojyWkzTcHkVeaiVrtz_yaOizLIZxalFEjnqs369v-K4mxo7ErmsjS_Vvm4tTKNcTYAmWNMEiOhg.Bzs07dUNS1KCg_7nQv7MUSDXlUZ53bNOa4eJZS7m5u4&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Tyler+Cross+comic&amp;qid=1777480894&amp;s=books&amp;sprefix=tyler+cross+comic%2Cstripbooks%2C97&amp;sr=1-6" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">TYLER CROSS</a> hat er sich einen Namen als Zeichner gemacht, der Genrestoffe ernst nimmt und zugleich radikal vereinfacht. Sein Strich ist klar, hart und elegant. Er zeigt gern Männer in gefährlichen Landschaften, aber er verliert sich nicht in Muskelshow oder Dekor. Für LUCKY LUKE ist das ein Glücksfall. Brüno macht aus dem Cowboy keine Kopie. Er macht ihn wieder &#8211; anders &#8211;  sichtbar.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3920" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg.jpeg" alt="Innenseite 04 von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="800" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg.jpeg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg-300x375.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg-750x938.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg-768x960.jpeg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKY-LUKE_DAKOTA_1880_Innenseite-04_1000x800.jpg-600x750.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DAKOTA 1880 ist eine sehr gelungene Hommage, weil sie nicht nur erinnert, sondern ausprobiert. Appollo und Brüno behandeln LUCKY LUKE wie eine Figur mit Vergangenheit, nicht wie ein Museumsstück. Der Band ist teils rauer, teils stiller und nachdenklicher als viele klassische Abenteuer. Zugleich bleibt er zugänglich, flott und charmant.</p>
<p>Ich hätte mir an einzelnen Stellen etwas mehr Atem für Nebenfiguren gewünscht. Doch der Gesamteindruck trägt. Diese Reise zeigt einen jungen Cowboy auf dem Weg zur Legende. Und genau das macht beim Lesen überraschend viel Freude.</p>
<p>Ach ja &#8211; und ganz nebenbei wir erfahren, warum Luke seinen Beinamen &#8222;Lucky&#8220; erhält.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3915" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762-300x394.jpg" alt="Cover von LUCKY LUKE DAKOTA 1880" width="300" height="394" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762-300x394.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762-750x984.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762-600x787.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/LUCKA-LUKE_DAKOTA_1880_Cover_1000x762.jpg 762w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>LUCKY LUKE &#8211; DAKOTA 1880</li>
<li>Appollo und Brüno</li>
<li>Softcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-77041-031-6 (des Hardcovers)</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.egmont-shop.de/lucky-luke-hommage-nr-7-softcover/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Egmont Ehapa Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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		<title>GARAGE DE PARIS &#8211; Zwischen Hebebühnen und Erinnerungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
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		<category><![CDATA[Bruno Bazile]]></category>
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		<category><![CDATA[Salleck Publications Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Vincent Dugomier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Blechkarosserie an der andern, Verkehr der niemals endet, genau wie die Emotionen. Ich bin kein Freund von Autos. Für mich sind es Maschinen, die mich von A nach B bringen sollen und dabei möglichst schwere Lasten transportieren, die ich nicht selbst schleppen will. Die beinahe religiöse Anbetung einiger Zeitgenossen war mir immer fremd. Auch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Blechkarosserie an der andern, Verkehr der niemals endet, genau wie die Emotionen. Ich bin kein Freund von Autos. Für mich sind es Maschinen, die mich von A nach B bringen sollen und dabei möglichst schwere Lasten transportieren, die ich nicht selbst schleppen will. Die beinahe religiöse Anbetung einiger Zeitgenossen war mir immer fremd. Auch die Abenteuer von <a href="https://www.zack-edition.de/produkt-kategorie/die-abenteuer-von-tanguy-und-lavedure/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Tanguy &amp; Laverdure</a> oder <a href="https://www.zack-edition.de/produkt-kategorie/michel-vaillant/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Michel Vaillant</a> in den technik-orientierten Comics frankobelgischer Prägung haben mich nie wirklich gereizt.</p>
<p>Demgegenüber hatte ich bei GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN &#8211; einem klassisch franko-belgischen Comic &#8211; sehr schnell das Gefühl, nicht einfach einen Comic über alte Autos vor mir zu haben. Dafür ist dieser Band zu aufmerksam gegenüber den Menschen, die an diesen Autos hängen.</p>
<p>Vincent Dugomier (Szenario) und Bruno Bazile (Zeichnungen) bauen in diesem Werk keine motorisierte Hitparade. Sie öffnen eine Werkstatt, in der Blech, Biografie und Zeitgeschichte ineinanderlaufen. Der alte Mechaniker Marcel führt dabei nicht nur durch eine Halle voller Klassiker. Er führt durch ein Frankreich der Landstraßen, der Ferienfahrten, Arztbesuche, Nachkriegsjahre und kleinen Träume. Genau das macht den Reiz dieses Albums aus.</p>
<p>Mich hat sofort angesprochen, wie unspektakulär und zugleich treffsicher der Band beginnt. Zwei Besucher kommen in eine Werkstatt, die äußerlich aus der Zeit gefallen wirkt. Drinnen stehen neben heutigen Gebrauchtwagen die eigentlichen Schätze. Der Mechaniker, Marcel, ist kein romantisch verklärter Priester der Oldtimer-Kultur. Er ist ein Arbeiter, ein Erzähler, ein Typ mit Blick für den Wert von Geschichten. Das ist klug, weil der Comic so nie in bloßes Schwelgen kippt. Er bleibt bei den Menschen, die diese Autos gefahren, repariert, geliebt oder verflucht haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3601" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746.jpg" alt="Innenseite 03 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Woher der Band seine Wärme nimmt</h3>
<p>Der Hintergrund von GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN ist spannender, als der schlichte Auftritt zuerst vermuten lässt.</p>
<p>Der Band erschien ursprünglich 2014 bei Glénat in der Reihe <a href="https://www.glenat.com/glenat-bd/collections-plein-gaz/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">PLEIN GAZ</a> und dann 2020 auf Deutsch bei Salleck Publications heraus. Dugomier ist nicht bloß Szenarist, der sich hier ein nettes Thema gesucht hat. Er ist auch leidenschaftlicher Sammler seltener Archive, als Autor mit fast soziologischem Blick auf Alltagsmenschen und ein Freund von Oldtimern, der seit den achtziger Jahren mit klassischen französischen Modellen unterwegs ist. Vielleicht ist dieser Band also auch eines der Herzensprojekte gewesen, das ihm besonders wichtig war. Das Gefühl habe ich im ganzen Album. Hier schreibt keiner von außen über ein Hobby. Hier erzählt jemand aus echter Nähe.</p>
<p>Noch wichtiger ist aber der historische Unterbau. Die Autos, die Dugomier und Bazile aufrufen, stehen für eine Zeit, in der Mobilität in Frankreich neu verteilt wurde. Die Renault 4CV war nach dem Krieg ein Symbol für Aufbruch und Wohlstand. Renault führt ihn als Bestseller des Landes bis 1955 und als Modell, das die Rückkehr in friedlichere Zeiten verkörperte. Peugeot nennt die 203 sein erstes Nachkriegsmodell und betont, dass sie unter den Bedingungen von Materialknappheit und Sparsamkeit entwickelt wurde.</p>
<p>Genau an dieser Stelle dockt der Comic an. Er interessiert sich nicht nur für Karosserien, sondern für die Gesellschaft, die sich in ihnen spiegelt. Dazu passt auch der offizielle Hinweis auf einen Tonfall im Geist von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Tati" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Jacques Tati</a>. Diese Mischung aus &#8230; ja, Zärtlichkeit, Beobachtung und leichtem Witz trifft den Band ziemlich gut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3603" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746.jpg" alt="Innenseite 05 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Marcel öffnet die Tore</h3>
<p>Die Handlung ist im Kern einfach und gerade deshalb so einladend. Dugomier und Bazile treten in der Rahmenerzählung selbst als Besucher auf. Sie fahren zu Marcel, dessen Garage in der Charente einen fast musealen Charme hat.</p>
<p>Zwischen Werkzeug, Hebebühne und öligen Böden stehen Wagen, die sofort Geschichten versprechen. Marcel braucht dafür keine große Bühne. Ein Blick auf ein Auto genügt, und schon setzt eine Episode ein. Diese Struktur ist einerseits klassisch. Sie funktioniert aber, weil der Band nie so tut, als müsse er ein großes Geheimnis lösen. Sein Motor ist die Neugier. Was hängt an diesem Modell? Wer fuhr so etwas? In welchem Moment der französischen Alltagsgeschichte taucht dieser Wagen auf?</p>
<p>Da wird die Renault 4CV nicht als museales Objekt vorgestellt, sondern als Ferienauto einer Familie. Das ist ein kluger Einstieg. Denn damit steht sofort fest, worum es in diesem Band wirklich geht. Nicht um PS-Werte für Sammler, sondern um das Verhältnis von Mensch zu Maschine und Leben. Die 4CV wird zum Wagen des Aufbruchs, der Improvisation und des Familienchaos. Das Auto ist klein, die Hoffnungen sind groß und auf der Straße zeigt sich schnell, wie dünn die Grenze zwischen Abenteuer und Panne sein kann. Ich mag daran, dass Dugomier das Komische nicht auf Kosten seiner Figuren ausspielt. Er lächelt über sie, aber er verrät sie nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3602" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746.jpg" alt="Innenseite 04 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Zehn kleine Geschichten über ein Land in Bewegung</h3>
<p>Der Band versammelt zehn kurze Episoden um legendäre Modelle. Als Nicht-Auto-Kenner mit Recherchepotential erkenne ich einen Renault 4CV, einen Panhard Dyna Z1, einen Peugeot 203, den Renault 8 Gordini, einen Jeep, einen Citroën 2CV (die Ente!), einen Citroën Traction 11 BL, einen Simca Aronde P60 Élysée, (natürlich) einen Volkswagen Käfer 1200 und und einen Alpine A110 1600 S. (Spaß beiseite &#8211; jede Kurzgeschichte beginnt natürlich mit einer Typenbezeichnung.)</p>
<p>Schon diese Auswahl zeigt, wie breit der Blick unserer Autoren ist. Da stehen Volksnähe und Kultstatus nebeneinander. Das Spektrum reicht vom Arztwagen bis zur Rallye-Sehnsucht, von der Familienkutsche bis zum Mythos auf Rädern. Dugomier und Bazile machen daraus keine trockene Chronik. Sie nehmen jede Karosserie als Anlass, ein Milieu, einen Beruf, einen Traum oder eine Erinnerung freizulegen.</p>
<p>Gerade darin liegt für mich die eigentliche Stärke des Albums. Ich sehe hier keine zehn bloßen Anekdoten, sondern zehn kleine, soziale Miniaturen. Die Peugeot 203 steht für Landarzt und Nachkriegspragmatik. Die Jeep trägt noch den Schatten des Krieges und später zugleich den Glanz populärer Bilder. Der Renault 8 Gordini öffnet den Raum für Tempo, Ehrgeiz und die Lust, aus einem alltagstauglichen Auto plötzlich etwas beinah Heldenhafftes zu machen. Dazu kommen Ferienfahrten, Landstraßen, erste ökologische Regungen, ländliche Routinen und auch ein vorsichtig sichtbarer Wandel von Rollenbildern.</p>
<p>All das bleibt knapp, oft skizzenhaft. Aber genau das ist hier Teil des Konzepts. Die Macher wollten keine Romane im Kleinformat erzählen. Sie wollen einen Moment treffen. Meist gelingt das gut. Gelegentlich bleibt eine Episode eher Pointe als Erzählung. Doch selbst dann trägt die Atmosphäre noch weiter, als es die reine Handlung tut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3604" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746.jpg" alt="Innenseite 06 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS6" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Was der Auftakt kann und was nicht</h3>
<p>Als Auftaktband funktioniert GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN erstaunlich gut. Die Werkstatt mit Marcel ist ein starker Rahmen, weil sie sofort Verlässlichkeit schafft. Ich weiß nach wenigen Seiten, wie dieser Comic atmet. Ein Auto wird gezeigt, eine Erinnerung springt an, eine kleine Welt öffnet sich und dann kehrt der Band wieder in die Garage zurück. Das schafft Ruhe und Rhythmus.</p>
<p>Der Band ist klar als Beginn einer kleinen Reihe gebaut. Genau so liest sich das auch. Der erste Band will nicht alles. Er setzt den Ton, den Blick und das Erzählprinzip. Für eine Serie mit lose verbundenen Episoden ist das genau die richtige Aufgabe.</p>
<p>Seine Schwäche ist zugleich fast zwangsläufig. Zehn Geschichten auf gerade einmal 48 Seiten bedeuten wenig Raum für die einzelne Episode. Dadurch bleiben manche Figuren Typen, wo ich gern noch eine Nuance mehr gehabt hätte. Nicht jede Geschichte entfaltet denselben Nachhall. Einige wirken eher wie gut beobachtete Vignetten. Andere haben wirklich narrativen Drive.</p>
<p>Mich stört das nicht grundsätzlich, weil der Band offen als Sammlung kurzer Geschichten angelegt ist. Trotzdem hätte ich mir an zwei oder drei Stellen etwas mehr Reibung, etwas mehr Konflikt oder einfach einen längeren Atem gewünscht. Dugomier streift vieles klug. Er vertieft nicht alles gleich stark.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3605" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746.jpg" alt="Innenseite 07 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Bruno Bazile zeichnet nicht nur Autos</h3>
<p>Bruno Bazile ist für mich der eigentliche Star dieses Bandes. Das liegt nicht daran, dass er Autos schön zeichnen kann. Das kann er natürlich. Wichtiger ist, dass er ihnen Gewicht und Charakter gibt, ohne die Seite zu verstopfen. Die Fahrzeuge stehen nie wie ausgeschnittene Schaustücke herum, sondern haben ihren Platz im Raum. Sie haben Gebrauchsspuren, Volumen und eine sehr schöne Präsenz zwischen Alltagsgegenständen, Werkstatt und Landschaft.</p>
<p>Bazile hält Perspektive und Lesefluss sicher zusammen. Eine Werkstatthalle voller Autos kann schnell unübersichtlich werden. Hier bleibt alles klar. Ich weiß immer, wo ich bin und worauf ich schauen soll.</p>
<p>Dazu kommt sein Gespür für Menschen. Marcel ist auf Anhieb präsent. Nicht als Karikatur, sondern als Figur mit Haltung, Gewohnheit und Wärme. Bazile zeichnet Gesichter, die etwas vom Leben erzählen. Seine Nebenfiguren wirken nie wie Staffage. Gerade in einem Album, das viele kleine Geschichten statt einer großen Handlung hat, ist das entscheidend. Jede Episode braucht auf wenigen Seiten sofort ein soziales Klima.</p>
<h3>Ligne claire</h3>
<p>Bazile schafft das mit Körperhaltung, Mimik und sehr guter Milieu-Darstellung. Die Landstraße, die Küste, die Werkstatt, das Dorf, all das entsteht schnell und glaubwürdig. Ich mag auch, dass die Seiten nicht geschniegelt wirken. Er darf stauben, knarzen und manchmal einfach freundlich altmodisch sein.</p>
<p>Bruno Bazile wurde im Juni 1961 in Saint-Nazaire geboren. Seine ersten Comicseiten erschienen zwischen 1985 und 1992 in der Jugendpresse. Später arbeitete er mit Michel Plessix an LES FORELL, veröffentlichte mit LES FAUSSAIRES auch ein Soloalbum und begann anschließend eine längere Zusammenarbeit mit Pierre Veys, unter anderem bei LES AVATARS sowie ARTHUR ET MERLIN.</p>
<p>Seit 2010 zeichnete er außerdem an LES AVENTURES DE SARKOZIX mit. In der Glénat-Bibliografie tauchen neben GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN auch M’SIEUR MAURICE und LA NAISSANCE DE LA 4CV auf. Das passt gut zu dem Eindruck, den ich hier habe. Bazile ist ein Zeichner, der Figuren, Fahrzeuge und Zeitmilieu gleichermaßen ernst nimmt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3606" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746.jpg" alt="Innenseite 08 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN ist kein Comic, der mit Lautstärke gewinnt. Er kommt leise wie ein E-Auto, freundlich und sehr präzise daher. Gerade deshalb hat er mich bekommen. Dugomier versteht, dass ein Auto erst dann interessant wird, wenn ein Mensch darin sitzt. Bazile sorgt dafür, dass diese Menschen und Maschinen auf jeder Seite glaubwürdig zusammenfinden. Damit erinnert er mich sehr an <a title="Fahr‘ mit – in WUNDERVOLLE SOMMER!" href="https://panelwalker.de/2025/02/fahr-mit-in-wundervolle-sommer/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">WUNDERVOLLE SOMMER</a>, die Familie Faldérault und ihre &#8222;Mam&#8217;zelle Esterelle&#8220;.</p>
<p>Nicht jede der zehn Episoden hat dieselbe Kraft. Einige sind eher Skizze als Volltreffer. Aber der Band hat Herz, Haltung und ein sehr feines Gespür für Alltagsgeschichte. Als Auftakt ist das mehr als ordentlich. Es ist ein Album, in das ich gern einsteige, weil es nicht nur alte Autos zeigt, sondern Erinnerungen auf Räder stellt. Also, Zündung an, die Kupplung kommen lassen und entspannt losrollen &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3600" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE<br />
AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN</li>
<li>Dugomier und Bruno Bazile</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-89908-753-6</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://salleckpublications.eu/Gesamtverzeichnis/Garage-de-Paris/Garage-de-Paris-1-Zehn-beliebte-Autos-und-ihre-Geschichten.html?listtype=search&amp;searchparam=garage%20de%20Paris" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Salleck Publications Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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		<item>
		<title>HIMMELBLAU &#8211; Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Jaja Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Pandora Magri]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt Comics, die schon mit ihren ersten Panels klar machen, dass sie nicht beeindrucken wollen, sondern berühren. HIMMELBLAU gehört für mich in diese Kategorie. Das Format ist schmal, die Bildsprache wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich, beinahe zart. Und doch steckt in diesem Buch ein Stoff, der sich Dir schwer auf die [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/himmelblau-wenn-gesundung-nicht-geradeaus-laeuft/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">HIMMELBLAU – Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Comics, die schon mit ihren ersten Panels klar machen, dass sie nicht beeindrucken wollen, sondern berühren. HIMMELBLAU gehört für mich in diese Kategorie. Das Format ist schmal, die Bildsprache wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich, beinahe zart. Und doch steckt in diesem Buch ein Stoff, der sich Dir schwer auf die Brust legen kann.</p>
<p>Pandora Magri erzählt mit diesem Werk keine spektakuläre Flucht aus einer Gewaltsituation. Sie erzählt das &#8222;Danach&#8220;. Und genau darin liegt der Reiz ihres Debüts.<span id="more-3552"></span></p>
<p>Mich hat sofort angesprochen, dass hier nicht das reißerische Schockbild gesucht wird. Das kennen wir links-wie-rechts zur Genüge und die Latte für den weiteren Kick liegt inzwischen sehr, sehr hoch. Stattdessen rückt der Comic den mühsamen Alltag nach der Gewaltsituation in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Jene Phase also, in der äußerlich vielleicht schon alles vorbei zu sein scheint, innerlich aber noch gar nichts vorbei ist.</p>
<p>Diese Entscheidung ist &#8211; nun ja, &#8222;erfrischend&#8220; wäre vielleicht das falsche Wort, aber zumindest &#8222;anders&#8220;. Gerade weil HIMMELBLAU nicht auf Sensation setzt, zieht das Buch seine Stärke aus den kleinen Momenten, aus Unsicherheiten, Rückfällen, Selbstzweifeln und den kleinen Schritten zurück ins eigene Leben.</p>
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<h3>Aus einer Abschlussarbeit wird ein Buch</h3>
<p>Der Hintergrund dieses Comics ist dabei fast so bemerkenswert wie sein Thema. Pandora Magri, Jahrgang 1999, hat Objekt- und Raumdesign in Münster und Dortmund studiert. Sie entwickelt HIMMELBLAU als autofiktionale Masterarbeit an der Münster School of Design. Die Hochschule beschreibt diesen Comic ausdrücklich als Arbeit über den Heilungsprozess nach häuslicher Gewalt.</p>
<p>Ein Jahr später wurde daraus nicht nur ein Verlagsbuch beim Berliner Jaja Verlag, sondern vielmehr auch die &#8211; <a href="https://www.fh-muenster.de/de/ueber-uns/newsroom/news/msd/himmelblau-erscheint-im-jaja-verlag" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">als beste des Semesters</a>  &#8211; ausgezeichnete Arbeit im Abschlussjahrgang der Fachhochschule Münster. Dazu kam 2026 die <a href="https://www.leibinger-stiftung.de/preise-und-ausschreibungen/cbp/2026-preistrager-und-finalisten" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Platzierung unter den Finalisten beim Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung</a>. Chapeau, für ein Debütwerk ist das ein ziemlich starkes Signal!</p>
<p>Ihre Perspektive ist keine bloße Erfindung aus sicherer Distanz. Sie kommt offensichtlich aus einer im Verborgenen erlebten Erfahrung heraus, die das visuell-erzählerische Comic-Format als narratives Werkzeug bewusst gewählt hat. Das Bundeskriminalamt (BKA) erfasste für 2024 in Deutschland 265.942 Opfer häuslicher Gewalt. Das Bundesfamilienministerium und das BKA betonen außerdem, dass das Dunkelfeld hoch bleibt. HIMMELBLAU vermittelt folglich eine Realität, die wir in unserem Alltag kaum oder gar nicht sehen.</p>
<p>Dass der Verlag pro verkauftem Exemplar einen Euro an den Frauen-Notruf Münster geben will, macht aus dem Comic auch ein Hilfsprojekt, zeigt aber in erster Linie, dass er seinen Stoff nicht nur narrativ nutzt.</p>
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<h3>Poppy lebt weiter, aber nichts ist einfach wieder normal</h3>
<p>Im Zentrum der Geschichte steht die 25-jährige Poppy. Sechs Monate nach dem Ende einer langjährigen Gewaltsituation versucht sie, in einem neuen Leben Fuß zu fassen. Das klingt in der Kurzbeschreibung beinahe (zu) schlicht. Gerade diese Schlichtheit ist aber der Punkt.</p>
<p>Poppy geht auf keine Heldenreise, muss nicht erst ein großes Abenteuer bestehen. Vielmehr muss sie ihren Alltag aushalten. Sie muss lernen, dass Freiheit nicht automatisch Leichtigkeit bedeutet. Zwischen Selbstfürsorge und Panikattacken bewegt sie sich durch Tage, die für andere gewöhnlich wären, für sie aber ständige Herausforderungen sind. Das ist eine starke Ausgangslage, weil es keine künstliche Dramatik braucht. Die Dramatik ist längst da, sitzt in Routinen, in Erinnerungen, im eigenen Körper.</p>
<p>Mir gefällt an dieser Prämisse, dass der Comic nicht fragt, ob Poppy „es schafft“, sondern wie Heilung überhaupt aussehen kann, wenn Angst, Wut und Scham sich schon in den Alltag eingenistet haben. Diese Gefühle verschwinden nicht mit einem &#8211; mehr oder weniger bewussten &#8211; Schnitt. Sie bleiben als Mitbewohner zurück! Genau das nimmt HIMMELBLAU ernst.</p>
<p>Der Band beschreibt Poppy&#8217;s Weg dabei nicht als linearen Aus- und Aufstieg, sondern als Wellenbewegung. Mal reitet sie diese Wellen, mal brechen sie über ihr zusammen. Schon dieser Rhythmus wirkt erlebt und daher glaubwürdig. Er widerspricht dem falschen Trost, dass nach dem Verlassen einer Gewaltsituation automatisch Erleichterung einsetzt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3562" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 11 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Kleine Auslöser, große Nachbeben</h3>
<p>Die zweite wichtige Bewegung der Handlung entsteht aus den kleinen Reibungen der Tage. Poppy bekommt Hilfe von Freundinnen und Freunden, ein Lieblingslied begleitet sie. Sie tastet sich Stück für Stück zurück ins Leben. Gleichzeitig brechen die alten Schrecken immer wieder über sie herein.</p>
<p>Auf den zugänglich gestalteten Seiten sieht das nicht nach pathetischem Rückblenden-Kino aus, sondern nach abrupten Einbrüchen in normale Situationen. Ein Blick hier, ein Geräusch dort, eine Erinnerung und plötzlich kippt die Szene. Genau diese Art von Nachbeben passt zu einem Comic, der posttraumatische Erfahrung nicht erklären, sondern spürbar machen will.</p>
<p>Was ich daran überzeugend und gut finde, ist die Weigerung, Heilung als sauber abschließbaren Prozess zu verkaufen. Poppy begreift am Ende genau das, nämlich dass Heilung nie ganz abgeschlossen ist und Rücksicht auf sich selbst gelernt werden muss. Ein Zurück zum Vorher gibt es nicht.</p>
<p>In Wahrheit steckt darin jedoch eine ziemlich harte Einsicht: wer nur auf das Ende der Gefahr schaut, begreift oft nicht, wie lang das &#8222;Danach&#8220; dauert. Genau hier hat der Band seine eigentliche Stärke. Er macht aus dem Überleben keinen Sieg auf Knopfdruck, sondern einen langsamen, manchmal widersprüchlichen Vorgang.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3563" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22.jpg" alt="Innenseite 22 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Ein Einzelband, der sich bewusst gegen das Spektakel stellt</h3>
<p>Als Einzeltitel steht HIMMELBLAU für sich. Es gibt keinen Serienballast, keine Vorgängerkenntnisse, kein Worldbuilding. Alles bleibt auf Poppy und ihre inneren Veränderungen konzentriert. In der deutschsprachigen Comiclandschaft liegt hier auch eine eigene Qualität. Das Buch kommt nicht aus der amerikanischen Superhelden-Maschinerie und nicht aus historischer Stoffhudelei. Es kommt aus dem Segment des persönlichen, gesellschaftlich wachen Indie-Comics und verbindet autobiografische Erzählung mit einer visuellen, nahbaren Form.</p>
<p>Genau deshalb wirkt die Entscheidung gegen die direkte Darstellung von Gewaltszenen so stark. Der Comic scheint zu sagen, dass nicht nur die Gewalt hinter verschlossenen Türen unsichtbar ist, sondern auch die Zeit danach. Das ist erzählerisch interessant und neu. Es verschiebt den Blick von der Tat und den Tätern auf die Folgen. Es nimmt der Gewalt die falsche, voyeuristische Aura des dramatischen Ereignisses und zeigt stattdessen, wie sie sich in Wahrnehmung, Selbstbild und Alltag eingräbt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3564" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24.jpg" alt="Innenseite 24 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Sanfte Linien, harte Zustände</h3>
<p>Zeichnerisch spricht mich an HIMMELBLAU vor allem der Kontrast an. Die Figuren wirken weich, reduziert und ein wenig tierhaft stilisiert ohne wirklich anthropomorph zu sein. Gesichter und Körper sind nicht naturalistisch ausgestaltet. Gerade dadurch entsteht eine Art Offenheit gepaart mit einer gewissen Beliebigkeit, die es mir erleichtert, mich zu identifizieren.</p>
<p>Die Figuren werden lesbar, ohne sich in Realismus möglicherweise abzuschwächen. Dazu kommen klare Panel-Raster und eine ruhige Seitenordnung. Nichts schreit nach künstlerischer Selbstdarstellung, alles ist auf Lesbarkeit, Stimmung und emotionale Führung hin ausgerichtet.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich das Cover-Motiv. Oben steht die Figur unter einem Schirm in kühlem Blau. Unten kippt die Spiegelung in eine pinke Fläche. Schon dieses Bild erzählt von der Spaltung, dem Nachhall und einem Selbst, das sich nicht einfach &#8230; deckt.</p>
<p>Auch die Innenseiten, soweit sichtbar, arbeiten mit simplen Räumen und klaren Bewegungen. Türen, Flure, Straßen, Innenräume sind keine imposanten Schauplätze. Genau deshalb passen sie. Die Bühne des Comics ist der Alltag, das Gewöhnliche und in diesem Alltag werden Mimik, Körperhaltung und kleine Unterbrechungen wichtig.</p>
<p>Ab und zu läuft dieser vereinfachte Stil allerdings Gefahr, die Härte des Themas zu glätten. Ich glaube trotzdem, dass Magri diesen Balanceakt meist bewusst gesucht hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3565" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25.jpg" alt="Innenseite 25 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Wenn Blau trägt und Pink irritiert</h3>
<p>Die Farbe ist in diesem Werk kein Zusatz, sondern ein zentrales Erzählmittel. Es herrscht eine Spannung zwischen Hellblau und Pink. Hellblau dominiert den Alltag, die Oberfläche, vielleicht auch so etwas wie den Wunsch nach Ruhe. Pink bricht hinein wie ein Störfaktor, mal aggressiv, mal wie eine Erinnerung, die sich über das Bild legt. Diese Zweifarbigkeit hat etwas sehr Direktes und bestimmt den Rhythmus des Buches mit. Hellblau lässt Luft zum Atmen, Pink nimmt sie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3567" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31.jpg" alt="Innenseite 31 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Gerade weil das Farbsystem so klar ist, dürfte der Comic auch für Leserinnen und Leser funktionieren, die sich sonst selten an autobiografische Graphic Novels wagen. Ich sehe darin eine Stärke.</p>
<p>Mir ist das stellenweise fast einen Tick zu sauber, zu flach koloriert. Aber ich verstehe gut, warum Magri diese Art der Sichtbarkeit will. Bei einem Buch über Nachwirkungen von Gewalt ist Klarheit kein Mangel, sondern vielleicht auch eine Form von Wiedererlangung von Struktur und Selbstwertgefühl. (Und natürlich hat der Student für seine Magisterarbeit auch nicht ewig Zeit, sein Werk mit Schraffuren und Schatten plastisch zu entwickeln.)</p>
<p>Ich halte HIMMELBLAU für ein Buch, das sehr genau weiß, worauf es schaut. Nicht auf den lauten Schock, nicht auf das spektakuläre Elend. Sondern auf den müden, tapferen, oft unsichtbaren Alltag nach der Gewalt. Genau daraus zieht Pandora Magri ihre stärksten Seiten. Die klare Form, die lesbare Zeichnung und die entschiedene Farbdramaturgie machen das Thema nicht einfacher. Sie machen es für mich fassbar, verstehbar. Die emotionale Lesart bleibt jederzeit zugänglich.</p>
<p>Insgesamt wirkt dieses Debüt auf mich aber klug, warmherzig und konzentriert. Eine klare Empfehlung für alle, die neben dem üblichen Comic-Einerlei etwas Besonderes lesen möchten.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3559" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-300x431.jpg" alt="Cover von HIMMELBLAU" width="300" height="431" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-300x431.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-104x150.jpg 104w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-600x862.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover.jpg 696w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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<ul id="infobox">
<li>HIMMELBLAU</li>
<li>Pandora Magri</li>
<li>Klappenbrochure | 88 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-948904-79-1</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★☆☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.jajaverlag.com/himmelblau/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Jaja Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/himmelblau-wenn-gesundung-nicht-geradeaus-laeuft/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">HIMMELBLAU – Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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