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	<title>★★★☆☆ - P A N E L W A L K E R</title>
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	<description>Ein Comic Blog</description>
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	<title>★★★☆☆ - P A N E L W A L K E R</title>
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		<title>HIMMELBLAU &#8211; Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
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		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Jaja Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Pandora Magri]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt Comics, die schon mit ihren ersten Panels klar machen, dass sie nicht beeindrucken wollen, sondern berühren. HIMMELBLAU gehört für mich in diese Kategorie. Das Format ist schmal, die Bildsprache wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich, beinahe zart. Und doch steckt in diesem Buch ein Stoff, der sich Dir schwer auf die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Comics, die schon mit ihren ersten Panels klar machen, dass sie nicht beeindrucken wollen, sondern berühren. HIMMELBLAU gehört für mich in diese Kategorie. Das Format ist schmal, die Bildsprache wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich, beinahe zart. Und doch steckt in diesem Buch ein Stoff, der sich Dir schwer auf die Brust legen kann.</p>
<p>Pandora Magri erzählt mit diesem Werk keine spektakuläre Flucht aus einer Gewaltsituation. Sie erzählt das &#8222;Danach&#8220;. Und genau darin liegt der Reiz ihres Debüts.<span id="more-3552"></span></p>
<p>Mich hat sofort angesprochen, dass hier nicht das reißerische Schockbild gesucht wird. Das kennen wir links-wie-rechts zur Genüge und die Latte für den weiteren Kick liegt inzwischen sehr, sehr hoch. Stattdessen rückt der Comic den mühsamen Alltag nach der Gewaltsituation in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Jene Phase also, in der äußerlich vielleicht schon alles vorbei zu sein scheint, innerlich aber noch gar nichts vorbei ist.</p>
<p>Diese Entscheidung ist &#8211; nun ja, &#8222;erfrischend&#8220; wäre vielleicht das falsche Wort, aber zumindest &#8222;anders&#8220;. Gerade weil HIMMELBLAU nicht auf Sensation setzt, zieht das Buch seine Stärke aus den kleinen Momenten, aus Unsicherheiten, Rückfällen, Selbstzweifeln und den kleinen Schritten zurück ins eigene Leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3560" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-600x846.jpg 600w" sizes="(max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Aus einer Abschlussarbeit wird ein Buch</h3>
<p>Der Hintergrund dieses Comics ist dabei fast so bemerkenswert wie sein Thema. Pandora Magri, Jahrgang 1999, hat Objekt- und Raumdesign in Münster und Dortmund studiert. Sie entwickelt HIMMELBLAU als autofiktionale Masterarbeit an der Münster School of Design. Die Hochschule beschreibt diesen Comic ausdrücklich als Arbeit über den Heilungsprozess nach häuslicher Gewalt.</p>
<p>Ein Jahr später wurde daraus nicht nur ein Verlagsbuch beim Berliner Jaja Verlag, sondern vielmehr auch die &#8211; <a href="https://www.fh-muenster.de/de/ueber-uns/newsroom/news/msd/himmelblau-erscheint-im-jaja-verlag" target="_blank" rel="nofollow noopener">als beste des Semesters</a>  &#8211; ausgezeichnete Arbeit im Abschlussjahrgang der Fachhochschule Münster. Dazu kam 2026 die <a href="https://www.leibinger-stiftung.de/preise-und-ausschreibungen/cbp/2026-preistrager-und-finalisten" target="_blank" rel="nofollow noopener">Platzierung unter den Finalisten beim Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung</a>. Chapeau, für ein Debütwerk ist das ein ziemlich starkes Signal!</p>
<p>Ihre Perspektive ist keine bloße Erfindung aus sicherer Distanz. Sie kommt offensichtlich aus einer im Verborgenen erlebten Erfahrung heraus, die das visuell-erzählerische Comic-Format als narratives Werkzeug bewusst gewählt hat. Das Bundeskriminalamt (BKA) erfasste für 2024 in Deutschland 265.942 Opfer häuslicher Gewalt. Das Bundesfamilienministerium und das BKA betonen außerdem, dass das Dunkelfeld hoch bleibt. HIMMELBLAU vermittelt folglich eine Realität, die wir in unserem Alltag kaum oder gar nicht sehen.</p>
<p>Dass der Verlag pro verkauftem Exemplar einen Euro an den Frauen-Notruf Münster geben will, macht aus dem Comic auch ein Hilfsprojekt, zeigt aber in erster Linie, dass er seinen Stoff nicht nur narrativ nutzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3561" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 08 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-600x846.jpg 600w" sizes="(max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Poppy lebt weiter, aber nichts ist einfach wieder normal</h3>
<p>Im Zentrum der Geschichte steht die 25-jährige Poppy. Sechs Monate nach dem Ende einer langjährigen Gewaltsituation versucht sie, in einem neuen Leben Fuß zu fassen. Das klingt in der Kurzbeschreibung beinahe (zu) schlicht. Gerade diese Schlichtheit ist aber der Punkt.</p>
<p>Poppy geht auf keine Heldenreise, muss nicht erst ein großes Abenteuer bestehen. Vielmehr muss sie ihren Alltag aushalten. Sie muss lernen, dass Freiheit nicht automatisch Leichtigkeit bedeutet. Zwischen Selbstfürsorge und Panikattacken bewegt sie sich durch Tage, die für andere gewöhnlich wären, für sie aber ständige Herausforderungen sind. Das ist eine starke Ausgangslage, weil es keine künstliche Dramatik braucht. Die Dramatik ist längst da, sitzt in Routinen, in Erinnerungen, im eigenen Körper.</p>
<p>Mir gefällt an dieser Prämisse, dass der Comic nicht fragt, ob Poppy „es schafft“, sondern wie Heilung überhaupt aussehen kann, wenn Angst, Wut und Scham sich schon in den Alltag eingenistet haben. Diese Gefühle verschwinden nicht mit einem &#8211; mehr oder weniger bewussten &#8211; Schnitt. Sie bleiben als Mitbewohner zurück! Genau das nimmt HIMMELBLAU ernst.</p>
<p>Der Band beschreibt Poppy&#8217;s Weg dabei nicht als linearen Aus- und Aufstieg, sondern als Wellenbewegung. Mal reitet sie diese Wellen, mal brechen sie über ihr zusammen. Schon dieser Rhythmus wirkt erlebt und daher glaubwürdig. Er widerspricht dem falschen Trost, dass nach dem Verlassen einer Gewaltsituation automatisch Erleichterung einsetzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3562" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 11 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-600x846.jpg 600w" sizes="(max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Kleine Auslöser, große Nachbeben</h3>
<p>Die zweite wichtige Bewegung der Handlung entsteht aus den kleinen Reibungen der Tage. Poppy bekommt Hilfe von Freundinnen und Freunden, ein Lieblingslied begleitet sie. Sie tastet sich Stück für Stück zurück ins Leben. Gleichzeitig brechen die alten Schrecken immer wieder über sie herein.</p>
<p>Auf den zugänglich gestalteten Seiten sieht das nicht nach pathetischem Rückblenden-Kino aus, sondern nach abrupten Einbrüchen in normale Situationen. Ein Blick hier, ein Geräusch dort, eine Erinnerung und plötzlich kippt die Szene. Genau diese Art von Nachbeben passt zu einem Comic, der posttraumatische Erfahrung nicht erklären, sondern spürbar machen will.</p>
<p>Was ich daran überzeugend und gut finde, ist die Weigerung, Heilung als sauber abschließbaren Prozess zu verkaufen. Poppy begreift am Ende genau das, nämlich dass Heilung nie ganz abgeschlossen ist und Rücksicht auf sich selbst gelernt werden muss. Ein Zurück zum Vorher gibt es nicht.</p>
<p>In Wahrheit steckt darin jedoch eine ziemlich harte Einsicht: wer nur auf das Ende der Gefahr schaut, begreift oft nicht, wie lang das &#8222;Danach&#8220; dauert. Genau hier hat der Band seine eigentliche Stärke. Er macht aus dem Überleben keinen Sieg auf Knopfdruck, sondern einen langsamen, manchmal widersprüchlichen Vorgang.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3563" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22.jpg" alt="Innenseite 22 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Ein Einzelband, der sich bewusst gegen das Spektakel stellt</h3>
<p>Als Einzeltitel steht HIMMELBLAU für sich. Es gibt keinen Serienballast, keine Vorgängerkenntnisse, kein Worldbuilding. Alles bleibt auf Poppy und ihre inneren Veränderungen konzentriert. In der deutschsprachigen Comiclandschaft liegt hier auch eine eigene Qualität. Das Buch kommt nicht aus der amerikanischen Superhelden-Maschinerie und nicht aus historischer Stoffhudelei. Es kommt aus dem Segment des persönlichen, gesellschaftlich wachen Indie-Comics und verbindet autobiografische Erzählung mit einer visuellen, nahbaren Form.</p>
<p>Genau deshalb wirkt die Entscheidung gegen die direkte Darstellung von Gewaltszenen so stark. Der Comic scheint zu sagen, dass nicht nur die Gewalt hinter verschlossenen Türen unsichtbar ist, sondern auch die Zeit danach. Das ist erzählerisch interessant und neu. Es verschiebt den Blick von der Tat und den Tätern auf die Folgen. Es nimmt der Gewalt die falsche, voyeuristische Aura des dramatischen Ereignisses und zeigt stattdessen, wie sie sich in Wahrnehmung, Selbstbild und Alltag eingräbt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3564" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24.jpg" alt="Innenseite 24 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Sanfte Linien, harte Zustände</h3>
<p>Zeichnerisch spricht mich an HIMMELBLAU vor allem der Kontrast an. Die Figuren wirken weich, reduziert und ein wenig tierhaft stilisiert ohne wirklich anthropomorph zu sein. Gesichter und Körper sind nicht naturalistisch ausgestaltet. Gerade dadurch entsteht eine Art Offenheit gepaart mit einer gewissen Beliebigkeit, die es mir erleichtert, mich zu identifizieren.</p>
<p>Die Figuren werden lesbar, ohne sich in Realismus möglicherweise abzuschwächen. Dazu kommen klare Panel-Raster und eine ruhige Seitenordnung. Nichts schreit nach künstlerischer Selbstdarstellung, alles ist auf Lesbarkeit, Stimmung und emotionale Führung hin ausgerichtet.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich das Cover-Motiv. Oben steht die Figur unter einem Schirm in kühlem Blau. Unten kippt die Spiegelung in eine pinke Fläche. Schon dieses Bild erzählt von der Spaltung, dem Nachhall und einem Selbst, das sich nicht einfach &#8230; deckt.</p>
<p>Auch die Innenseiten, soweit sichtbar, arbeiten mit simplen Räumen und klaren Bewegungen. Türen, Flure, Straßen, Innenräume sind keine imposanten Schauplätze. Genau deshalb passen sie. Die Bühne des Comics ist der Alltag, das Gewöhnliche und in diesem Alltag werden Mimik, Körperhaltung und kleine Unterbrechungen wichtig.</p>
<p>Ab und zu läuft dieser vereinfachte Stil allerdings Gefahr, die Härte des Themas zu glätten. Ich glaube trotzdem, dass Magri diesen Balanceakt meist bewusst gesucht hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3565" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25.jpg" alt="Innenseite 25 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Wenn Blau trägt und Pink irritiert</h3>
<p>Die Farbe ist in diesem Werk kein Zusatz, sondern ein zentrales Erzählmittel. Es herrscht eine Spannung zwischen Hellblau und Pink. Hellblau dominiert den Alltag, die Oberfläche, vielleicht auch so etwas wie den Wunsch nach Ruhe. Pink bricht hinein wie ein Störfaktor, mal aggressiv, mal wie eine Erinnerung, die sich über das Bild legt. Diese Zweifarbigkeit hat etwas sehr Direktes und bestimmt den Rhythmus des Buches mit. Hellblau lässt Luft zum Atmen, Pink nimmt sie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3567" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31.jpg" alt="Innenseite 31 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Gerade weil das Farbsystem so klar ist, dürfte der Comic auch für Leserinnen und Leser funktionieren, die sich sonst selten an autobiografische Graphic Novels wagen. Ich sehe darin eine Stärke.</p>
<p>Mir ist das stellenweise fast einen Tick zu sauber, zu flach koloriert. Aber ich verstehe gut, warum Magri diese Art der Sichtbarkeit will. Bei einem Buch über Nachwirkungen von Gewalt ist Klarheit kein Mangel, sondern vielleicht auch eine Form von Wiedererlangung von Struktur und Selbstwertgefühl. (Und natürlich hat der Student für seine Magisterarbeit auch nicht ewig Zeit, sein Werk mit Schraffuren und Schatten plastisch zu entwickeln.)</p>
<p>Ich halte HIMMELBLAU für ein Buch, das sehr genau weiß, worauf es schaut. Nicht auf den lauten Schock, nicht auf das spektakuläre Elend. Sondern auf den müden, tapferen, oft unsichtbaren Alltag nach der Gewalt. Genau daraus zieht Pandora Magri ihre stärksten Seiten. Die klare Form, die lesbare Zeichnung und die entschiedene Farbdramaturgie machen das Thema nicht einfacher. Sie machen es für mich fassbar, verstehbar. Die emotionale Lesart bleibt jederzeit zugänglich.</p>
<p>Insgesamt wirkt dieses Debüt auf mich aber klug, warmherzig und konzentriert. Eine klare Empfehlung für alle, die neben dem üblichen Comic-Einerlei etwas Besonderes lesen möchten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3559" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-300x431.jpg" alt="Cover von HIMMELBLAU" width="300" height="431" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-300x431.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-104x150.jpg 104w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-600x862.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover.jpg 696w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>HIMMELBLAU</li>
<li>Pandora Magri</li>
<li>Klappenbrochure | 88 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-948904-79-1</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★☆☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.jajaverlag.com/himmelblau/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jaja Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/himmelblau-wenn-gesundung-nicht-geradeaus-laeuft/">HIMMELBLAU – Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>GREEN WITCH VILLAGE &#8211; Eine Hexe wider Willen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Mar 2026 06:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitreise]]></category>
		<category><![CDATA[Franck Biancarelli]]></category>
		<category><![CDATA[Jérôme Maffre]]></category>
		<category><![CDATA[Lewis Trondheim]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>GREEN WITCH VILLAGE wirkt auf den ersten Blick wie ein sauber etikettiertes Genre-Versprechen. Da ist diese Frau aus der Gegenwart, die plötzlich im New York des Jahres 1959 aufwacht. Da sind die zwei Mitbewohnerinnen, die sie als Tabatha Sands kennen, während sie in ihrem Kopf jemand ganz anderes ist. Zeitreise! Und dann ist da noch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>GREEN WITCH VILLAGE wirkt auf den ersten Blick wie ein sauber etikettiertes Genre-Versprechen. Da ist diese Frau aus der Gegenwart, die plötzlich im New York des Jahres 1959 aufwacht. Da sind die zwei Mitbewohnerinnen, die sie als Tabatha Sands kennen, während sie in ihrem Kopf jemand ganz anderes ist. Zeitreise! Und dann ist da noch der neue Job, der sie ausgerechnet zur grünen Hexe macht, zur Werbefigur für die Läden im Greenwich Village. Elphaba aus <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt1262426/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_7_nm_1_in_0_q_wicked" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wicked</a> lässt grüßen.</p>
<p>Schon diese Prämissen setzt den Ton. Sie vermitteln Spaß, Reibung, wollen, dass eine moderne Haltung auf eine Welt prallt, die für die Protagonistin so nicht vorgesehen war. Eine Welt, in der genau diese Mischung aus Zeitreise, Sexismus Erfahrung und Atombomben Bedrohung im Vordergrund steht.</p>
<p>Was ich an diesem Setup mag, ist sein Kultur-Clash und sein Tempo. Die Geschichte bleibt nicht beim kuriosen Körpertausch. Sie schiebt Tabatha sofort in eine Branche, die Macht und Oberflächen wie selbstverständlich verbindet. Damit bekommt das Ganze sofort eine <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0804503/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_7_nm_1_in_0_q_MAD%20MEN" target="_blank" rel="nofollow noopener">MAD MEN-</a>Energie, ohne direkt nostalgisch zu werden.</p>
<p>Neben dem Alltag der späten 50iger Jahre tauchen CIA-Leute auf, ein sowjetischer Journalist und eine Spur Richtung russischem KGB. Auch Alt-Nazis und eine Atombombe spielen eine Rolle, die im Jahr zuvor &#8222;verloren&#8220; gegangen ist. (Seit dem Film &#8222;<a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0115759/?ref_=nv_sr_srsg_2_tt_7_nm_1_in_0_q_broken%20arrow" target="_blank" rel="nofollow noopener">Operation: Broken Arrow</a>&#8220; wissen wir, dass dies so häufig vorkommt, dass es dafür sogar ja einen Begriff gibt.) In diesem Comic greifen also Gesellschaftskomödie, Spionage Thriller und Fantastik mit ansprechender Retro-Eleganz ineinander. Sehr schön!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3254" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-003.jpg" alt="Innenseite 03 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-003.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-003-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-003-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-003-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Von DONJON zu Greenwich Village</h3>
<p><a href="https://www.lambiek.net/artists/t/trondheim.htm" target="_blank" rel="nofollow noopener">Lewis Trondheim</a> ist als Autor Herr seines eigenen Kosmos. Er steht für eine Laufbahn, die zwischen Indie-Geist und großen Serien pendelt. Bekannt wurde er unter anderem mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_erstaunlichen_Abenteuer_von_Herrn_Hase" target="_blank" rel="nofollow noopener">LAPINOT</a> (dt. &#8222;Herrn Hase&#8220;). Zusammen mit Joann Sfar schuf er das legendäre <a href="https://reprodukt.com/collections/donjon" target="_blank" rel="nofollow noopener">DONJON</a>, ein Fantasy-Universum, das sich inzwischen über dutzende Bände verzweigt und eine große Fan-Gemeinde besitzt.</p>
<p>Neben diesen Dauerläufern arbeitet er immer wieder an experimentellen Geschichten oder an autobiografischen Miniaturen. Gerade diese Lust am System und an selbst gesetzten Regeln passt ideal zu GREEN WITCH VILLAGE. Denn hier ist die Form nicht nur Dekor, sondern auch Motor der Geschichte. Wer Trondheim schon von <a href="https://reprodukt.com/products/die-fliege?_pos=2&amp;_sid=324b7333f&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">DIE FLIEGE</a> oder <a href="https://reprodukt.com/collections/lewis-trondheim/products/aurora-und-der-ork-1-ein-neuer-an-der-schule" target="_blank" rel="nofollow noopener">AURORA UND DER ORK</a> kennt, erkennt den Drang wieder, erzählerische Grenzen auszutesten.</p>
<h3>Zwei Karrieren, ein gemeinsamer Takt</h3>
<p><a href="https://www.lambiek.net/artists/b/biancarelli_frank.htm" target="_blank" rel="nofollow noopener">Franck Biancarelli</a> &#8211; ebenfalls gebürtiger Franzose und gelernter Mathematik-Lehrer &#8211; kommt aus einer anderen Tradition. Er ist ein Zeichner, der sein Handwerk spürbar aus dem amerikanischen Realismus der Zwischenkriegszeit und der Nachkriegs Jahrzehnte zieht. Damit passt er sehr gut zu diesem Album.</p>
<p>In seiner Bibliografie tauchen früh Fantasy-Stoffe auf. Später folgen lange Erzählformen und Adaptionen mit realistischen Anstrich. Beispiele hierfür sind <a href="https://www.amazon.de/Galfalek-4-Cr%C3%A9puscule-Jean-Charles-Gaudin/dp/2849460613?th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.3cCRcOQr9mpmjTDYCO5CmwffBgI6Q6yWb_LsoSdhz_cjrRHDyzJx9EBu6EXRoZS379y_2Xj-wV5djIMGDMgrPp94cfMmuhLD88DcgCP8Nou3fQxKvbZO6faCpMrWzUCTnzNREBgVR3KM3L09ePRzt-wVje9m6GqxDgFj5brVMoY.CBJQ-qqpVBK-A65al1zcWTpKkhy9YAjEDnmMV5S820U&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">GALFAREK</a> sowie Arbeiten nach Romanvorlagen wie <a href="https://www.amazon.de/Circuit-Mandelberg-Olympia-French-ebook/dp/B0C1HZRP4D?th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.3cCRcOQr9mpmjTDYCO5CmwffBgI6Q6yWb_LsoSdhz_cjrRHDyzJx9EBu6EXRoZS379y_2Xj-wV5djIMGDMgrPp94cfMmuhLD88DcgCP8Nou3fQxKvbZO6faCpMrWzUCTnzNREBgVR3KM3L09ePRzt-wVje9m6GqxDgFj5brVMoY.CBJQ-qqpVBK-A65al1zcWTpKkhy9YAjEDnmMV5S820U&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">LE CIRCUIT MANDELBERG</a>. Die Zusammenarbeit mit Trondheim kenne ich bereits aus <a href="https://www.amazon.de/Karmela-Krimm-Ramadan-Blues-English-ebook/dp/B0C1JKYJNV?th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.3cCRcOQr9mpmjTDYCO5CmwffBgI6Q6yWb_LsoSdhz_cjrRHDyzJx9EBu6EXRoZS379y_2Xj-wV5djIMGDMgrPp94cfMmuhLD88DcgCP8Nou3fQxKvbZO6faCpMrWzUCTnzNREBgVR3KM3L09ePRzt-wVje9m6GqxDgFj5brVMoY.CBJQ-qqpVBK-A65al1zcWTpKkhy9YAjEDnmMV5S820U&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">KARMELA KRIMM</a>. Dort ging es noch um einen kriminalistischen Blick auf Marseille.</p>
<p>GREEN WITCH VILLAGE verschiebt den Fokus nun auf das amerikanische New York. Die Figuren tragen mehr Glamour und die Politik drängt stärker ins Geschehen. <a href="https://www.toutenbd.com/interviews/franck-biancarelli-un-rythme-feuilletonesque-qui-dynamise-la-narration/" target="_blank" rel="nofollow noopener">In einem Interview</a> beschreibt Biancarelli außerdem seine Liebe zu amerikanischen Daily Strips. Genau diese Ästhetik wollte er mit diesem Plot verbinden.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3255" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-004.jpg" alt="Innenseite 04 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-004.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-004-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-004-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-004-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Aufwachen in einem fremden Körper</h3>
<p>Um was geht es? Tabatha Sands schläft in einem New York der Gegenwart ein und wacht im Jahr 1959 wieder auf. Der Ort bleibt vertraut, die Zeit jedoch ist eine andere. Sie weiß zunächst nicht, wer sie eigentlich ist. Ihren &#8222;alten&#8220; Namen hat sie verloren, nur das Jahr aus dem sie kommt, bleibt im Kopf. An den &#8222;neuen&#8220; muss sie sich erst noch gewöhnen.</p>
<p>Die neue Realität kommt nicht als schimmerndes Retro-Bild, vielmehr als Alltag. Tabatha steht in einer Wohnung, in der auch ihre Mitbewohnerinnen leben, Erika und Gwen. Sie reagieren mit Sorge, nicht mit Schrecken. Für sie hat Tabatha eine Ohnmacht, vielleicht einen Aussetzer, vielleicht eine Gedächtnislücke. Genau diese pragmatische Reaktion macht das Narrativ schnell glaubwürdig. Niemand ruft sofort die Polizei oder sucht eine lange Erklärung. Welcher Polizist würde Ende der 1950er kommen, nur weil eine junge Frau &#8222;unpässlich&#8220; ist? Das Leben verlangt, dass es weitergeht.</p>
<p>Tabatha muss sich also neu orientieren. Telefone hängen noch an Kabeln, Informationen sind nicht in der Hosen- &#8230; Pardon, Rock- oder Handtasche zu finden. Sicherheitsgurte sind noch unbekannt und die Männer in den Bars und Büros hören ihr nicht zu, weil sie es gewohnt sind, dass Frauen sich klein machen.</p>
<p>Der Comic nutzt diese Kontraste, um sein Thema zu setzen. Diese Frau aus der Zukunft will nicht zurück in ein Zeitalter, in der sie auf ein Lächeln und ihr Aussehen reduziert wird. Gleichzeitig steht sie jedoch erst einmal unter dem Zwang, zu überleben.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3256" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-005.jpg" alt="Innenseite 05 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-005.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-005-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-005-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-005-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Maskottchen mit Kampfgeist</h3>
<figure id="attachment_3267" aria-describedby="caption-attachment-3267" style="width: 146px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3267" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/Audrey_Hepburn_365x500-300x411.jpg" alt="" width="146" height="200" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/Audrey_Hepburn_365x500-300x411.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/Audrey_Hepburn_365x500-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/Audrey_Hepburn_365x500.jpg 365w" sizes="auto, (max-width: 146px) 100vw, 146px" /><figcaption id="caption-attachment-3267" class="wp-caption-text">Audrey Hepburn</figcaption></figure>
<p>Der erste große Schritt in die Öffentlichkeit kommt über einen neuen Job. Tabatha landet in einer Modelagentur, die auch Erika und Gwen betreut. Dort fällt sie sofort mit ihrem Audrey-Hepburn-Erscheinungsbild auf.</p>
<p>Es geht um eine Werbekampagne für die Läden im Greenwich Village. Die Kampagne braucht ein Gesicht und ein Kostüm. Tabatha wird zur GREEN WITCH und ja: die Aussprache des Stadtteils gibt den Titel und einen Teil der Idee des Albums vor.</p>
<p>Dieses Motiv ist aber mehr als ein Gag. Diese Hexe ist keine Heilerin mit Esoterik-Postkarten. Sie ist ein Reklame-Wesen, dass freundlich wirken und den Konsum ankurbeln soll. Tabatha wird auf Empfänge geschickt, wird fotografiert und steht in Schaufenstern. Sie steckt damit mitten in einer Branche, die überwiegend mit Blicken arbeitet. Und genau dort prallt ihr modernes Selbstverständnis auf die Regeln dieses Jahrzehnts, in das sie nicht passt, nicht passen will.</p>
<h3>Die grüne Hexe wird zur Marke</h3>
<p>Die Männer der Werbewelt treten als Machos auf. Tabatha hält dagegen. Sie wird nicht zur stillen Heldin, legt sich mit diesen Männern an. Sie widerspricht und nutzt auch ihre Wirkung, weil sie versteht, dass sie sonst geschluckt wird. In diesen Passagen steckt die soziale Satire des Buches. Das Setting erlaubt Humor, lässt aber auch Wut zu. Die Maske wird zum Schutz und zur Zielscheibe.</p>
<p>Die Geschichte spielt dabei bewusst mit doppelten Identitäten. Tabatha ist Tabatha und sie ist es nicht. Sie trägt ein Kostüm und soll gleichzeitig echt sein. Dies ist die Logik der Werbung. Im Alltag der Figuren bekommt sie etwas Gespenstisches, denn der Geist der Zeitreisenden taucht gelegentlich in Szenen auf und flüstert ihr zukünftige, hilfreiche Fakten zu.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3257" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-006.jpg" alt="Innenseite 06 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-006.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-006-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-006-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-006-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Kalter Krieg im Wohnzimmer</h3>
<p>Sobald Tabatha sichtbar wird, wird sie auch interessant, nicht nur für die Fotografen. Ein russischer Journalist kreuzt ihren Weg, den die CIA für einen Spion hält. Wenig später rettet er Tabatha das Leben. Damit zieht der Comic das zweite Genre aus der Kulisse nach vorn. Aus der Sittenkomödie wird auch ein Spionage Thriller.</p>
<p>Tabatha gerät zwischen CIA und KGB. Private Räume fühlen sich plötzlich politisch an. Die Wohnung mit den Mitbewohnerinnen wird zum Ort, an dem man flüstert. Die Straße wird zum Raum, in dem man beobachtet, aber auch beobachtet wird. Eine Werbeaktion kann als Deckung dienen, ein Kuss kann ein Signal sein, man verwendet tote Briefkästen statt Emails.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3258" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-007.jpg" alt="Innenseite 07 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-007.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-007-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-007-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-007-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Daily Strips und Sonntagsseiten</h3>
<p>Hier zeigt sich auch die formale Idee des Albums. Viele Seiten funktionieren wie kleine Episoden. Sie haben eine starke Auftakt Szene und eine Pointe am Ende. Diese Struktur hat ihren Ursprung im Blick zurück auf die Daily Strips und Sonntagsseiten, die in gedruckten Zeitungen erschienen. Dort musste jede Seite für sich stehen können. Trondheim und Biancarelli haben diese Regeln bewusst genutzt.</p>
<p>Das erzeugt einerseits Geschwindigkeit, andererseits aber auch Lücken. Manche Übergänge sind abrupt. Genau das macht den Leserhythmus für mich aber auch spannend. Ich stolpere kurz und bin aber schnell in der nächsten Szene.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3259" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-008.jpg" alt="Innenseite 08 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-008.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-008-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-008-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-008-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Pulp Finale mit bitterem Kern</h3>
<p>Am Ende zieht GREEN WITCH VILLAGE das Tempo merklich an. Alt-Nazis haben eine Bombe in Stellung gebracht. Sie wollen sie in New York zünden und aus Rache für 1945 einen neuen Krieg entfachen. Das ist eine fette Prise Pulp. Es ist aber auch eine Zuspitzung, die zur erzählerischen Grundidee passt. Das Album liebt die Übertreibung und nutzt sie, um Gegenwart und Vergangenheit in einen gemeinsamen Alarm zu verwandeln.</p>
<p>Tabatha rutscht auf Wunsch &#8211; bzw. eher unter Druck &#8211; der CIA in diese Affäre hinein. Was als Werbejob beginnt, endet als Weltrettung, bei dem viele helfende Hände mit den von ihr gelieferten Informationen das Schlimmste verhindern können. Dabei bleibt die Geschichte nah an ihrem Kern. Positiv finde ich, das Tabatha kein Motiv angedichtet wird, damit auch ihre zukünftige Gegenwart retten zu wollen.</p>
<p>Tabatha muss sich in einer Männerwelt behaupten. Jetzt gilt das nicht nur im Scheinwerferlicht des Agenturbüros, sondern auch im Angesicht von Gewalt und Verrat in der Schattenwelt. Ja, das Buch lässt Menschen sterben. Und nein, der Band ist kein harmloser Spaß.</p>
<p>Der paranormale Anteil bleibt dabei allzeit präsent. Der Geist der eigentlichen Zeitreisenden schiebt sich gelegentlich in die Szene und sorgt für neue Richtungen. Das ist ein kluger Kniff, denn er verhindert, dass der Körpertausch nur ein Startgag bleibt. Gleichzeitig hält der Comic die große Auflösung der Frage bis zum Ende offen. Wer ist diese Frau aus der Zukunft wirklich? Warum ist sie hier? Und welche Zeitreise-Spielchen à la <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0088763/?ref_=fn_t_1" target="_blank" rel="nofollow noopener">Zurück in die Zukunft</a> lassen sich einbauen?</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3260" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-009.jpg" alt="Innenseite 09 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-009.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-009-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-009-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-009-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Zwischen Boheme und Atomangst</h3>
<p>Der Reiz der Zeitreise liegt nicht nur im Kostümwechsel. 1959 ist ein Jahr, in dem die Welt sich gleichzeitig modern und bedroht (an-)fühlt. Der Kalte Krieg ist Alltag. In genau diesem September besucht Nikita Chruschtschow als erster sowjetischer Regierungschef die USA. Das Ereignis wird zum Medienzirkus und erinnert alle daran, wie nah Diplomatie und Eskalation beieinander liegen.</p>
<p>Schon im Juli 1959 gab es außerdem die berühmte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCchendebatte" target="_blank" rel="nofollow noopener">Küchendebatte</a>. Nixon und Chruschtschow stritten in einem amerikanischen Musterhaus in Moskau über Wohlstand und Lebensstil. Ausgerechnet die Küche wurde zur Bühne und das Gespräch kreiste auch um die Frage, was Technik für Frauen &#8222;von heute&#8220; bedeutet. Komfort kann Befreiung aber auch ein goldener Käfig sein.</p>
<p>Parallel läuft in den Vereinigten Staaten eine Kultur der Zivilverteidigung auf Hochtouren. Präsident Truman gründet die <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Federal_Civil_Defense_Administration" target="_blank" rel="nofollow noopener">Federal Civil Defense Administration</a>. Sie überflutet das Land mit Aufklärungsmaterial und Alarm-Kampagnen. In Schulen üben Kinder das sogenannte Duck-And-Cover, dass in den 1950er Jahren auf einen möglichen Atomangriff vorbereiten sollte.</p>
<p>Wenn GREEN WITCH VILLAGE eine Bombe unter die Handlung legt, dann knüpft der Band an eine realistische Grundstimmung dieser Zeit an. Die Angst vor &#8222;der Bombe&#8220; war nicht nur Stoff für Zeitungsüberschriften. Sie war Teil von Erziehung und Alltag. Vielleicht ist dieses Album damit gerade aktueller, als ich es mir wünsche.</p>
<h3>Boheme-Kulisse mit Sirenen im Hintergrund</h3>
<p>Und dann ist da natürlich das Greenwich Village. Der Stadtteil gilt im 20. Jahrhundert als Künstler-Viertel und als wichtiger Ort für die Beat-Szene und die Gegenkultur. Washington Square Park wird zu einem Ort, an dem sich Folk-Musiker regelmäßig versammeln. In den 1950er und 1960er Jahren wird der Park außerdem mit der Beat-Kultur verbunden, mit Autoren und Künstlern, die genau diese Boheme markieren.</p>
<p>Diese Boheme Aura erklärt, warum eine Werbekampagne ausgerechnet hier auf eine Hexe setzt. Das Viertel verkauft sich gern als eigenwillig. Gleichzeitig steckt es mitten in Manhattan und damit mitten in den Apparaten von Medien und großem Geld. Und genau diese Spannung nutzt der Comic. Er lässt Tabatha in einem Viertel auftreten, das Freiheit verspricht, während die Regeln der Zeit sie einengen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3261" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-010.jpg" alt="Innenseite 10 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-010.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-010-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-010-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-010-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Erzählen unter gewissem Zwang</h3>
<p>Das interessanteste Statement dieses Bandes ist seine konzeptionelle Einschränkung. Die Autoren wollten einen Comic machen, der wie die großen Zeitung-Comics der 1950er Jahre funktioniert. Biancarelli spricht in Interviews von seiner Begeisterung für Daily Strips und die Eleganz dieser Bildsprache, die sich an enge Regeln zu halten hatte.</p>
<p>Jede Seite startet mit einer großen ersten Szene und endet mit einer klaren Schluss Pointe. Und jede Seite soll so gebaut sein, dass man sie als Ganzes lesen kann, aber auch in drei oder vier Streifen teilen könnte. Wir kennen dies bereits von <a title="Tiger, Schneemänner und Spacemen – CALVIN UND HOBBES" href="https://panelwalker.de/2025/12/tiger-schneemaenner-und-spacemen-calvin-und-hobbes/">Calvin und Hobbes</a>.</p>
<h3>Die Form als Turbo</h3>
<p>Das klingt nach Selbstkasteiung. In der Praxis erzeugt es jedoch ein eigenartig modernes Tempo. Man bekommt jeden Augenblick mit Schwung serviert. Dies wiederum hilft einer Story, die bewusst viel in einen Band packt wie z.B. Werbung, Sexismus, Zeitreise, Spione und Nazis. Ohne diese Form könnte das schnell in Krawall kippen. Die episodische Seite zwingt die Autoren jedoch zur Klarheit. Manche Figuren tauchen auf, wirken groß und sind dann erst einmal wieder weg. Auch diese Sprünge sind Teil des &#8222;großen Spiels&#8220;.</p>
<p>Mit gefällt das, denn für Einsteiger ist das erstaunlich freundlich. Jede Seite hat ihren eigenen Anker. Ich verliere nicht sofort den Faden, selbst wenn ich einen Übergang verpasse. Für Profis liegt der Reiz darin, wie Trondheim und Biancarelli mit diesen Grenzen arbeiten. Trondheim ist ein Autor, der gern Systeme baut. Hier baut er eines, das gleichzeitig alt, dann aber auch wieder erfrischend neu wirkt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3262" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-011.jpg" alt="Innenseite 11 von GREEN WITCH VILLAGE" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-011.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-011-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-011-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Innenseite-011-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>New York als elegante Falle</h3>
<p>Wenn GREEN WITCH VILLAGE funktioniert, dann vor allem darum, weil Biancarelli eine Welt zeigt, die sofort glaubwürdig ist. Die Illustrationen treffen Zeit und Lokalkolorit, sind stimmungsvoll. Er zeichnet Gesichter mit klarer Linie und subtiler Mimik. Er setzt Körperhaltungen als soziale Signale, zeigt wer sich breit macht, wer Platz nimmt und wer ausweicht.</p>
<p>Kritisch sehe ich nur, dass die Eleganz &#8211; in der guten alten Zeit &#8211; manchmal so dominant wird, dass die Figuren fast zu gut aussehen, um wirklich in Gefahr zu sein. Das ist der Preis dieses Stils. Der Band kompensiert dies mit Tempo und mit einer Prise Härte. Manch einer muss ins Gras beißen. Diese Härte wiederum erdet den Glanz.</p>
<p>Die Farbe von Jérôme Maffre verdient einen eigenen Satz. Die Palette hält das schöne Retro-Gefühl, ohne in Sepia zu versinken. Rot und Grün knallen dort, wo die Werbung schreien soll. Gedämpfte Töne beruhigen die Wohnungsszenen. Im Finale darf die Dramaturgie der Farben auch lauter werden, weil der Plot es verlangt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>GREEN WITCH VILLAGE ist ein Comic, der sich traut, viel zu sein: Zeitreise, Thriller, Werbesatire, feministische Reibung, kalter Krieg und ein Abbild der Paranoia. Das könnte auseinanderfliegen, falls jemand anderes das Szenario inszeniert hätte. Trondheim hält es zusammen, weil er zwei Dinge ernst nimmt: die Form und seine Heldin!</p>
<p>Tabatha ist keine Figur, die man nur durch die Jahrzehnte schubst. Sie reagiert, wehrt sich, nutzt ihre Intelligenz. Sie scheitert vermutlich auch, jedenfalls emotional, weil so ein Sprung in eine andere Zeit Wunden hinterlässt. Genau dort entsteht jedoch die Wärme des Buches. Zwischen Gags und Action blitzt immer wieder die Frage auf, was Identität eigentlich bedeutet, wenn der eigene Körper nicht mehr passt.</p>
<p>Bei mir bleibt die Frage, ob das Album an manchen Stellen zu sehr auf Schlagzeilen setzt. Der plötzliche Nazi-Plot hat Wucht, wirkt aber auch wie eine bewusste Übersteigerung, die mich nicht unbedingt abholt.</p>
<p>Diese Geschichte will unterhalten. Und sie liefert genau das, was die alten Zeitungsformate versprachen. Jeden Tag ein Cliffhanger. Jeden Sonntag eine große Bühne. Am Ende bleibt mit diesem Album ein ausgesprochen rundes Paket.</p>
<p>Wer Trondheim für seinen Einfallsreichtum liebt, bekommt ihn in konzentrierter Form. Wer Biancarelli&#8217;s eleganten Realismus schätzt, bekommt ein Schaufenster, das die Zeit gut einfängt. Für Gelegenheitsleser ist das ein erstaunlich zugänglicher Einstieg, weil jede Seite einen Haken schlägt, an dem man sich festhalten kann. Comicfreunde werden vor allem an den Regeln Freude haben, die man beim Lesen spürt, auch wenn man sie nicht kennt. Also: eine klare Leseempfehlung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3253" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Cover-300x410.jpg" alt="Cover von GREEN WITCH VILLAGE" width="300" height="410" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Cover-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Cover-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Cover-600x821.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/GREEN_WITCH_VILLAGE_Cover.jpg 731w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>GREEN WITCH VIALLAGE</li>
<li>Lewis Trondheim und Franck Biancarelli</li>
<li>Hardcover | 104 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96582-220-7</li>
<li>Storyline: ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/index.php?main_page=advanced_search_result&amp;search_in_description=1&amp;zenid=46c3cf921b0b1b507e7ebaa5544f7418&amp;keyword=Green+witch" target="_blank" rel="noopener">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>VOLLE LEICHENHALLE &#8211; Ein Privatdetektiv im freien Fall</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Feb 2026 06:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Crime Noir]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Doug Headline]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Patrick Manchette]]></category>
		<category><![CDATA[Max Cabanes]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber und Leser Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eugène Tarpon, der Protagonist aus dem Comic VOLLE LEICHENHALLE, ist am Ende. Nicht als hartgesottener Held, sondern als Mann, der seine eigene Würde nur noch mühsam zusammenhält. Er lebt praktisch in seinem Büro, trinkt zu viel, arbeitet zu wenig und hofft auf einen Zufall, der endlich wieder Geld bringt. Schon die ersten Seiten setzen den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eugène Tarpon, der Protagonist aus dem Comic VOLLE LEICHENHALLE, ist am Ende. Nicht als hartgesottener Held, sondern als Mann, der seine eigene Würde nur noch mühsam zusammenhält. Er lebt praktisch in seinem Büro, trinkt zu viel, arbeitet zu wenig und hofft auf einen Zufall, der endlich wieder Geld bringt.</p>
<p>Schon die ersten Seiten setzen den Ton, der die Erzählung bestimmt. Ein früherer Staatsdiener, der aus der Bahn geflogen ist, weil bei einer Demonstration ein Mensch durch seine Hand starb. Der Comic macht daraus keinen großen Seelenstriptease. Er zeigt Verhalten. Tarpon schiebt sich durch den Tag, und genau das wirkt so unerquicklich glaubwürdig.</p>
<p>Dann klingelt es an der Tür. Mitten in diesen schäbigen Routineabgrund platzt Memphis Charles. Jung, aufgelöst, zitternd, aber nicht hilflos. Ihr Problem ist brutal einfach. Ihre Mitbewohnerin Griselda Zapata liegt tot daheim. Ermordet, Kehle aufgeschlitzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3096" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-004_1000X737.jpg" alt="Innenseite 4 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-004_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-004_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-004_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-004_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Ein Fall kommt ungelegen</h3>
<p>Aber Memphis kann nicht zur Polizei. Sie hat Zeug in der Wohnung, das sie sofort zur Hauptverdächtigen macht. Also landet sie bei Tarpon, diesem abgehalfterten Privaten, der eigentlich gerade aufgeben will. In VOLLE LEICHENHALLE ist das kein romantischer Ruf nach Gerechtigkeit. Es ist eine Notlösung. Sie wählt Tarpon, weil er der letzte ist, der noch zuhört und nicht sofort das Gesetz ruft.</p>
<p>Tarpon reagiert nicht heldenhaft. Er reagiert menschlich, versucht, sie zu beruhigen und greift nach Hausmitteln, Kaffee, Alkohol. Er schaut hin, und er nimmt den Fall an, weil er gar nicht anders kann.</p>
<p>Hier liegt schon das erste Problem des Albums. Es verkauft diese Zwangsläufigkeit als Motor, aber sie wirkt auch wie ein Trick. Jean-Patrick Manchette, der Szenarist, zieht Tarpon in die Sache, weil sonst kein Plot passiert. Das ist konsequent, aber es bleibt auch spürbar konstruiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3097" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-005_1000X737.jpg" alt="Innenseite 5 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-005_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-005_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-005_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-005_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Paris drückt von allen Seiten</h3>
<p>Sobald Tarpon sich bewegt, wird Paris zur Falle. Nicht das Postkarten Paris, sondern sein Milieu aus Hinterzimmern, Kneipen, schmutzigen Treppenhäusern, Büros mit abgestandenem Rauch. Der Comic liebt diese Räume. Er macht sie konkret, zeigt, wie arm Tarpon&#8217;s Alltag ist und wie schnell Gewalt in diesen Alltag einbricht.</p>
<p>Die Ermittlungen beginnen nicht mit einem genialen Schluss. Sie beginnen mit einem unguten Gang zur Wohnung, mit Blicken, mit Fragen, mit dem Gefühl, dass Tarpon sich da in was verheddert, das größer ist als er.</p>
<p>Memphis bleibt dabei mehr als ein Auftrag. Sie wird zum Störgeräusch in Tarpon&#8217;s Selbstmitleid. Sie redet, sie drängt, kippt um und fängt sich wieder. Der Comic zeichnet sie nicht als Femme fatale im klassischen Sinn. Eher als Person, die gelernt hat, sich durchzubeißen. Trotzdem kommt das Werk aus alten Reflexen nicht heraus: Männer schauen, Männer kommentieren, Männer entscheiden. Das lese ich als Zeitkolorit, aber es bleibt auch eine Schwäche. VOLLE LEICHENHALLE will dreckig sein und das ist es auch. Nur verwechselt das Album manchmal den Dreck mit Haltung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3098" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-006_1000X737.jpg" alt="Innenseite 6 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-006_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-006_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-006_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-006_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Tempo statt Tiefgang</h3>
<p>In den Nebenfiguren liegt viel von Manchette&#8217;s Bosheit. Polizisten treten nicht als Ordnungsmacht auf, sondern als Druckmittel. Kontakte sind nicht loyal, sondern opportunistisch. Und über allem hängt dieser politische Subtext, der schon sehr früh klar macht, dass hier weder rechte noch linke Posen geschont werden. Das wirkt scharf, aber auch bequem. Spott trifft alle, also muss der Text selbst keine klare Position riskieren.</p>
<p>Spannung entsteht weniger aus dem Rätsel als aus dem Tempo. Tarpon stolpert von Begegnung zu Begegnung. Das kann treiben &#8211; oder auch beliebig wirken. Gerade in der Mitte reiht der Plot Schläge, Drohungen und Ortswechsel aneinander, ohne dass die emotionale Kurve wirklich wächst. Man liest weiter, weil es knallt. Man bleibt selten stehen, weil es wirklich weh tut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3099" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-007_1000X737.jpg" alt="Innenseite 7 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-007_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-007_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-007_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-007_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Wenn alles kippt, kippt es richtig</h3>
<p>Die zweite Hälfte zieht die Schrauben weiter an. Der Comic stapelt Leichen, Missverständnisse und Gewalt so hoch, bis aus dem Fall ein Karussell wird. Genau hier zeigt sich Manchette&#8217;s Stärke und sein Problem. Er kann Eskalation, kann Situationen so zuspitzen, dass sie plötzlich grotesk wirken &#8211; ja, fast komisch &#8211; nur um im nächsten Moment wieder hässlich real zu sein.</p>
<p>Tarpon rennt, flüchtet, pariert und kassiert. Er bleibt dabei nie der coole Profi, sondern der Mann, der eigentlich nicht mehr kann. Das ist als Figur interessant. Tarpon ist kein Übermensch. Er ist auch kein Zyniker, der über den Dingen steht. Er ist kaputt und trotzdem anständig genug, um sich weiter reinziehen zu lassen.</p>
<p>Das macht ihn sympathisch. Es macht ihn aber auch passiv. Viele Wendungen passieren an ihm, nicht durch ihn. Er reagiert, er agiert selten. Für einen Detektivstoff ist das jedoch riskant. Ein Thriller lebt davon, dass jemand Entscheidungen trifft. VOLLE LEICHENHALLE lässt Tarpon oft nur den kleinsten Schritt wählen, um selbst nicht zu sterben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3100" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-008_1000X737.jpg" alt="Innenseite 8 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-008_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-008_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-008_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-008_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Tarpon überlebt, mehr nicht</h3>
<p>Im Finale zeigt der Plot seine alte Schule. Alles hängt zusammen, alles will noch einmal krachen, jeder hat ein Motiv, jeder lügt. Das ist unterhaltsam. Es hat aber auch etwas Mechanisches. Man spürt, wie hier ein Roman aus den frühen 1970ern arbeitet, geprägt vom hardboiled Noir und vom damals neuen französischen <a href="https://filmlexikon.uni-kiel.de/doku.php/n:neopolar-6134" target="_blank" rel="noopener">NEO POLAR</a>. Der Comic übernimmt das und er feiert es. Aber reicht das?</p>
<p>Am Ende bleibt Tarpon nicht geläutert zurück. Er bleibt Tarpon. Das ist konsequent, aber auch unerquicklich. Wer eine Entwicklung sucht, bekommt eher eine Bestandsaufnahme. Vielleicht ist aber genau das die Pointe und dient dies dem bequemen dem Start einer Reihe.</p>
<h3>Woher das kommt, wohin das führt</h3>
<p class="haftnotizrechts">Jean-Patrick Manchette wurde 1942 in Marseille geboren und starb 1995 in Paris. Er schrieb Kriminalromane, Essays und Filmtexte und prägte bei Letzteren den französischen NEO POLAR entscheidend mit. Seine Bücher sind bekannt für knappe, beobachtende Prosa, hohe Gewaltbereitschaft und einen Blick auf Politik und Klasse, der selten tröstet.</p>
<p>Jean-Patrick Manchette gilt als einer der prägenden Köpfe des modernen französischen Noir. Seine Romane wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/nada.html" target="_blank" rel="noopener">NADA</a>, <a href="https://www.schreiberundleser.de/index.php?main_page=index&amp;cPath=cPath=1_48&amp;zenid=1346b04cff6bca3f357373e6b70a87bd#tag471" target="_blank" rel="noopener">FATALE</a>, <a href="https://www.editionmoderne.ch/buch/killer-stellen-sich-nicht-vor/" target="_blank" rel="noopener">KILLER STELLEN SICH NICHT VOR</a> oder <a href="https://www.editionmoderne.ch/buch/zum-abschuss-freigegeben/" target="_blank" rel="noopener">ZUM ABSCHUSS FREIGEGEBEN</a> verbinden knappen Stil mit politischer Kälte. Sie zeigen Systeme, keine Seelen.</p>
<h3>Cabanes im Noir Modus</h3>
<p>Max Cabanes kommt aus einer ganz anderen Ecke. Er kann Realismus, aber er liebt auch das Überzeichnete. Seine Karriere reicht von der Serie DANS LES VILLAGES bis zu Arbeiten, die Jugendmilieus und Zeitgefühl der 1960er und 1970er Jahre atmen. Auffällig ist, wie stark er als Zeichner zwischen Zartheit und Groteske wechseln kann.</p>
<p>In den letzten Jahren hat er mit Doug Headline mehrere Stoffe Manchette&#8217;s als Comics umgesetzt, darunter <a href="https://www.schreiberundleser.de/index.php?main_page=advanced_search_result&amp;search_in_description=1&amp;keyword=Blutprinzessin" target="_blank" rel="noopener">BLUTPRINZESSIN</a>, <a href="https://www.schreiberundleser.de/index.php?main_page=index&amp;cPath=cPath=1_48&amp;zenid=1346b04cff6bca3f357373e6b70a87bd#tag471" target="_blank" rel="noopener">FATALE</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/nada.html" target="_blank" rel="noopener">NADA</a>. Die VOLLE LEICHENHALLE gehört ebenfalls in diese Reihe.</p>
<p>Für Einsteiger ist das Album hilfreich. Man bekommt einen in sich geschlossenen Comic, das trotzdem in einem Gesamtwerk steht. Diese Adaptionen leben stark davon, dass man Manchette&#8217;s Ton bereits schätzt. Wer den Stil nicht mag, wird hier wohl nicht bekehrt. Wer ihn mag, merkt zugleich, wie sehr der Stoff auf Bekanntes setzt. VOLLE LEICHENHALLE ist also auch eine Art Test. Nicht für die Frage, ob Noir funktioniert, sondern ob man dieses spezielle, damals neue Gift heute noch genießen will.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3101" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-009_1000X737.jpg" alt="Innenseite 9 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-009_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-009_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-009_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-009_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Linien, Gesichter, Körper als Kommentar</h3>
<p class="haftnotizlinks">Max Cabanes wurde 1947 in Béziers geboren. Er arbeitete früh für Magazine und prägte mit Serien wie DANS LES VILLAGES seinen Ruf als vielseitiger Zeichner. Er bewegt sich sicher zwischen Milieustudie, Fantastik und Krimi. 1990 erhielt er den Großen Preis von Angoulême.</p>
<p>Cabanes zeichnet nicht neutral. Er kommentiert mit Körpern. Gesichter haben Kanten, Nasen erzählen Biografien, Müdigkeit hängt in Lidern und Schultern. Tarpon steht im Büro in Unterwäsche, nicht als Gag, sondern als Entblößung. Seine Wohnung wirkt bewohnt, nicht dekoriert. Memphis sitzt da wie eine Person, die nicht weiß, wohin mit den Händen und gerade dadurch wirkt sie glaubwürdig.</p>
<p>Die Farbgebung hält sich zurück. Sie setzt auf gedämpfte Töne und lässt Innenräume oft schmutzig warm wirken. Das passt zur Zeit und es passt zum Genre. Gleichzeitig nimmt es dem Comic etwas von der Härte. Blut schockt weniger, wenn die Welt vorher schon im Licht abgestanden aussieht. Dieser Look gefällt mir, er ist stimmig.</p>
<p>Cabanes setzt dazu Zeitmarken wie Requisiten. Im Kino läuft <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0066921/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_A%2520CLOCKWORK%2520ORANGE" target="_blank" rel="noopener">UHRWERK ORANGE</a>. Ein Cop liest <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pilote" target="_blank" rel="noopener">PILOTE</a>. Im Hilton tauchen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_McCartney" target="_blank" rel="noopener">Paul McCartney</a> und die kleine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stella_McCartney" target="_blank" rel="noopener">Stella</a> auf. Das ist witzig und irritierend zugleich. Ich verstehe den Effekt. Die Siebziger sollen nicht nostalgisch glänzen, lieber grell flimmern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3102" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-010_1000X737.jpg" alt="Innenseite 10 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-010_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-010_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-010_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-010_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Panel wie Pariser Departements</h3>
<p>Cabanes arbeitet in diesem Album oft mit einem rigiden Raster. Neun Panels pro Seite dominieren über weite Strecken den Lesefluss. Das zwingt jede Szene in gleich große Häppchen. Der Rhythmus soll wie ein Metronom laufen. Der Krimi soll nicht auftrumpfen, sondern marschieren. Ist das nun kontrollierte Trockenheit? Oder ein Bleigewicht? Ich empfinde eher Letzteres.</p>
<p>Das Raster nivelliert Tempo. Eine Verfolgung fühlt sich dann ähnlich an wie ein Gespräch im Büro. Das ist eine bewusste Entscheidung. Aber sie hat einen Preis.</p>
<p>Stark ist Cabanes bei Momenten, in denen die Szene kippt. Hier ein Blick zu lang, dort ein Mundwinkel zu verächtlich, eine Pose zu aggressiv. Da entsteht Groteske, ohne dass der Comic ins cartooneske verfällt. Gerade Tarpon profitiert davon. Er wirkt oft wie ein Mann, dessen Körper schneller altert als seine Hoffnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3103" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-011_1000X737.jpg" alt="Innenseite 11 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-011_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-011_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-011_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-011_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Schwächen, wenn es kracht</h3>
<p>Schwach ist der Band, wenn er Action liefern will. Dann werden Bewegungen zeitweise unübersichtlich. Panels hetzen, statt dass sie Rhythmus aufzubauen. Und die Lesbarkeit steht gelegentlich im Weg, weil Textflächen und Bilder nicht immer elegant zusammenspielen. Das ist kein Totalausfall. Es ist aber ein spürbarer Reibungsverlust, gerade für Gelegenheitsleser, die durch Tempo eigentlich gehalten werden könnten.</p>
<p>In VOLLE LEICHENHALLE steckt also eine klare zeichnerische Haltung. Sie ist nicht hübsch, sie ist absichtlich unkomfortabel. Nur funktioniert unkomfortabel sein automatisch als Kritik. Manchmal bleibt es schlicht das: unkomfortabel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3104" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-012_1000X737.jpg" alt="Innenseite 12 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-012_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-012_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-012_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-012_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Kulisse als Spiegelbild</h3>
<p>Der Stoff spielt im Paris der frühen 1970er und das ist mehr als Tapete. Tarpon&#8217;s Büro liegt im Umfeld von Les Halles, dem ehemaligen Zentralmarkt von Paris. Dieser Ort war damals im Umbruch. Der alte Marktbetrieb endete Anfang 1973. Danach blieb lange eine riesige Baugrube, berüchtigt als das Loch von Les Halles. Später entstand dort das Forum, das 1979 eröffnete.</p>
<p>Warum ist das spannend? Weil es Tarpon&#8217;s Lebensgefühl widerspiegelt. Auch er ist eine Baustelle, nur ohne Plan. Die Welt um ihn herum wird modernisiert, umgebaut, kommerzialisiert. Er selbst bleibt hängen zwischen alter Polizeiwelt und neuer Dienstleistungswüste. VOLLE LEICHENHALLE nutzt dieses Zeitfenster gut. Es zeigt eine Stadt, in der alte Milieus verschwinden, während neue Gewaltformen schon warten.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3105" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-013_1000X737.jpg" alt="Innenseite 13 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-013_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-013_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-013_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-013_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Zeitkolorit und Milieu</h3>
<p>Ein zweites Detail passt ebenfalls. Tarpon&#8217;s Alkohol ist kein edler Whisky, sondern oft schnöder Anis und Schnaps. Das klingt banal, aber es erdet die Figur. Pastis Marken wie &#8222;Ricard&#8220; stehen in Frankreich seit den 1930ern für Alltagsrituale und Flucht zugleich. Tarpon trinkt nicht stilvoll. Er betäubt sich im Format des Landes.</p>
<p>Der Comic hätte aus diesem Hintergrund noch mehr ausbauen können. Er deutet viel an, hetzt dann aber weiter zum nächsten Schlag. Wer Paris kennenlernen will, bekommt einzelne, starke Impressionen aber keine echte Milieu-Analyse. Trotzdem trägt der Kontext. Er erklärt, warum hier alles so nervös wirkt. Eine Stadt rutscht weg und Tarpon rutscht mit.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3106" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-014_1000X737.jpg" alt="Innenseite 14 von VOLLE LEICHENHALLE" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-014_1000X737.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-014_1000X737-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-014_1000X737-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE_LEICHENHALLE_SEITE-014_1000X737-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>VOLLE LEICHENHALLE ist ein schmutziges, schnelles, dabei oft bissiges Album. Es hat Humor, aber der Humor lacht selten mit. Er lacht über die Menschen, nicht mit ihnen. Genau das kann man als Noir Tugend lesen. Man kann es auch als Ausrede lesen, um sich nicht kümmern zu müssen. Ich schwanke.</p>
<p>Manchette&#8217;s Blick ist scharf und Cabanes gibt ihm ein Gesicht, das man nicht vergisst. Tarpon als trauriger Detektiv funktioniert, Memphis als Auslöser funktioniert, Paris als Druckkammer funktioniert. Trotzdem bleibt für mich ein Kernproblem.</p>
<p>Der Plot arbeitet zu oft mit dem alten Motor: Zufall, Besuch, Prügel, nächste Adresse. Die Eskalation ersetzt nicht immer Dramaturgie. Und der politische Spott, so pointiert er sein mag, wirkt manchmal wie Feuern in alle Richtungen. Wenn alle lächerlich sind, muss man selbst keine riskante Erkenntnis formulieren.</p>
<p>Für Comic Begeisterte liegt der Reiz in der handwerklichen Souveränität. Wer Cabanes mag, bekommt hier genau sein Können, Menschen über ihre Körper zu erzählen. Seine Zeichnungen waren der Anlass für mich, mir das Werk näher anzuschauen.</p>
<p>Dieses Album ist keine Wohlfühl-Lektüre und will es auch nicht sein. Es ist ein Zeitstück mit Zähnen und Klauen. Seine besten Momente riechen nach Straße und Verachtung, seine schwächeren nach Konstruktion. Am Ende bleibt ein guter, harter Comic, der sich aber gelegentlich für klüger hält, als er letztendlich ist.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2974" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE-LEICHENHALLE_Cover-300x410.jpg" alt="Cover von VOLLE LEICHENHALLE" width="300" height="410" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE-LEICHENHALLE_Cover-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE-LEICHENHALLE_Cover-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE-LEICHENHALLE_Cover-600x820.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/01/VOLLE-LEICHENHALLE_Cover.jpg 732w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>VOLLE LEICHENHALLE</li>
<li>Felix Delep und Xavier Dorison</li>
<li>Hardcover | 104 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96582-098-2</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/index.php?main_page=advanced_search_result&amp;search_in_description=1&amp;zenid=c5d2b409b8cd9f41266e2e2438746683&amp;keyword=volle+leichenhalle" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/02/volle-leichenhalle-ein-privatdetektiv-im-freien-fall/">VOLLE LEICHENHALLE – Ein Privatdetektiv im freien Fall</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>DER WIND IN DEN DÜNEN weht heiss</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-duenen-weht-heiss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 06:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropomorph]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Kenneth Grahame]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Plessix]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2024 waren meine Frau und ich in dem Land, in dem der Nachfolge-Band des Albums aus der vergangenen Woche spielt: Marokko. Dies &#8211; und die Tatsache, dass ich von den Zeichnungen verzaubert bin &#8211; ist der Grund, dass ich beiden Bänden von Plessix so kurz hinter einander jeweils einen Beitrag widme. Ich erwische mich schon [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>2024 waren meine Frau und ich in dem Land, in dem der Nachfolge-Band des Albums aus der vergangenen Woche spielt: Marokko. Dies &#8211; und die Tatsache, dass ich von den Zeichnungen verzaubert bin &#8211; ist der Grund, dass ich beiden Bänden von Plessix so kurz hinter einander jeweils einen Beitrag widme.</p>
<p>Ich erwische mich schon auf der ersten Seite dabei, wie ich langsamer lese als sonst. Schon wieder! Auch DER WIND IN DEN DÜNEN zwingt mich dazu. Michel Plessix setzt direkt an <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> an, übernimmt Maulwurf, Ratte, Kröterich und Dachs und schiebt einige von ihnen sanft aus ihrem englischen Flusstal in Richtung Nordafrika. Die deutsche Ausgabe des Splitter Verlages fasst die fünf französischen Alben von LE VENT DANS LES SABLES zu einem 160 Seiten starken Band zusammen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2673" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 01 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Eine Schiffsratte, die alles verändert</h3>
<p>Am Anfang wirkt alles immer noch vertraut. Es ist Spätsommer geworden am Fluss. Die Tiere richten sich auf die kommenden, kühleren Tage ein und bestücken ihre Vorratskammern. Aber die Ratte grübelt. Sie steckt emotional fest. Die Schwalben ziehen gen Süden. Und was macht sie?</p>
<p>Plötzlich fühlt sich Ratte irgendwie alt, zu sesshaft, irgendwo falsch abgebogen. Ihre Gedanken bekommen eine neue Richtung, als sie auf eine tätowierte Schiffsratte trifft. Der knorrige Besucher schwärmt von Häfen, Gerüchen und Frauen, von Nächten an Deck und von dem Gefühl nicht zu wissen, welcher Horizont als nächstes auftaucht. Fernweh breitet sich in Freund Ratte aus.</p>
<h3>Wenn die Weiden zu eng werden</h3>
<p>Zum Abendessen bei Kröterich erzählt sie ihren Freunden von dieser Begegnung. Aber eigentlich ist es eine Beichte. Sie fragt sich, ob sie ihr Leben verpasst hat. Der vernünftige Dachs und der vorsichtige Maulwurf versuchen sie zu beruhigen. Kröterich dagegen hört nur das Wort &#8222;Abenteuer&#8220;. Er saugt die Geschichte auf wie Benzin. Noch in derselben Nacht verschwindet er. Zurück bleiben ein leerer Stuhl und der Verdacht, dass die Sache mit der Schiffsratte Folgen haben wird. Also ziehen Maulwurf und Ratte los, um den Kröterich zu finden.</p>
<p>Plessix erzählt dies nicht als hektische Verfolgungsjagd. Das würde auch gar nicht zum gemächlichen Ton der WIND-IN-DEN-Alben passen. Eher begleitet man zwei Freunde, die schon ahnen, dass sie dem Chaos hinterherlaufen &#8211; und es trotzdem tun.</p>
<p>Ihre Suche führt sie in einem Hafen. Sie geraten an zwielichtige Figuren und sitzen am Ende als blinde Passagiere auf einem Dampfer, der Richtung Orient fährt. Schon hier verschiebt sich erstmals die Tonlage. Die Geschichte bleibt warm und verspielt, aber der vertraute Fluss ist fort. Stattdessen wehen Salzgeruch, Maschinenlärm und fremde Sprachen über die Seiten. Eine neue, eine andere Reise beginnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2674" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 02 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Verloren in der Medina</h3>
<p>Im zweiten großen Block von DER WIND IN DEN DÜNEN betreten Ratte und Maulwurf eine Welt, die für sie komplett neu ist. Und ich kann mich sehr gut mit ihnen identifizieren. Mir ging es in Marokko ähnlich.</p>
<p>Das Schiff legt in einem nordafrikanischen Hafen an. Der Wind trägt Gewürze, Fisch, Schweiß und Musik heran. Unsere Freunde finden enge Gassen, weiße Häuser und Minarette statt Kirchtürmen vor über den Dächern der Stadt. Plessix nutzt dieses Setting nicht als reine Folklore einer andersartigen Welt. Vielmehr lässt er unsere Helden spürbar überfordert durch diese neue Welt stolpern, die so ganz anders ist.</p>
<p>Ein selbsternannter Führer heftet sich an ihre Fersen. Er lächelt, verspricht Hilfe, kassiert Geld und verschwindet im Getümmel. Ratte und Maulwurf stehen ohne Orientierung in einem Labyrinth aus Gassen und Gässchen. Die beiden werden ausgenommen, aber sie treffen auch auf Menschen, die ihnen helfen, sie aufnehmen, ihnen zu essen geben, die Medina zeigen und sie auf den Platz der Geschichtenerzähler schleusen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2675" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 03 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Kröterich erobert den Märchenplatz</h3>
<p>Und dort taucht die eigentliche Naturgewalt der Serie wieder auf. Kröterich hat sich längst eingerichtet. Er ist natürlich nicht irgendwo gestrandet. Er steht in der Mitte des Platzes, spielt den großen Erzähler und saugt die Aufmerksamkeit seines Publikums auf. Seine Geschichten sind maßlos. Er schiebt sich mit Worten durch Gefahren, Abenteuer und Romanzen.</p>
<p>Plessix inszeniert dies wie eine humorige Metakommentierung des eigenen Berufs. Der ausufernde Erzähler im Zentrum, das Publikum staunend, die Freunde am Rand, welche mit den Augen rollen und gleichzeitig stolz sind.</p>
<h3>Zwischen Souk und Seemannsgarn</h3>
<p>So schön die Zeichnungen erneut sind, so erstaunlich textlastig sind auch die Seiten wieder. Auch dieses Mal finden sich Kommentare aus dem Off, Erzählboxen und innere Monologe. Ja, das passt zum Ursprungsalbum und es gab dort auch gute Gründe dafür. Aber hier gilt das Argument nicht mehr, dass Plessix sich bei den WEIDEN stark am Ursprungstext orientiert habe. Teilweise fühlt es sich eher wie ein vorgelesener Kinderroman an, der zufällig wunderschöne Bilder bekommen hat.</p>
<p>Der Band verschiebt nun den Fokus vom Problem der Heimkehr zum Reiz des Bleibens. Ratte entdeckt die Küste, Maulwurf staunt über die Märkte, Kröterich lebt sein Ego aus. Immer wieder fragt die Erzählung ganz leise, ob ein gutes Leben eher am vertrauten Flussufer oder im fremden Hafen liegt. Noch gibt es keine Antwort, nur den Sand unter den Pfoten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2676" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 04 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Schatzsuche im Zeitlupentempo</h3>
<p>Der nächste Abschnitt von DER WIND IN DEN DÜNEN führt die Figuren endgültig in eine andersartige Welt &#8211; in die Wüste. Die Idee eines Schatzes taucht auf, mal als hanebüchene Behauptung von Kröterich, mal als halb wahrer Hinweis aus der Umgebung. Spätestens mit dieser Episode wird klar, dass Plessix keine Abenteuersaga im klassischen Sinne zeichnet. Die Wüste ist bei ihm mehr Bühne für Stimmungen als Kulisse für Gefahr.</p>
<p>Ratte, Maulwurf, Kröterich und verschiedene Nebenfiguren ziehen mit einer Karawane los. Kamele, Wasserbottiche, Zelte sind in gemächlicher Bewegung. Plessix lässt sie durch die gleißende Hitze schreiten, Sandfelsen ragen hervor, Oasen tauchen aus dem Hitzeflimmern auf. Statt dramatischer Überfälle gibt es kleine Begebenheiten. Ein Tier, das fast kollabiert, ein Streit um eine Richtungsentscheidung oder ein Wüstenbewohner, der ihnen seine Lebenshaltung erklärt. Die Erzählung verlangsamt sich weiter. Es ist, als ob der Sand der Zeit langsamer verrinnt.</p>
<h3>Karawane der leisen Töne</h3>
<p>In einem <a href="https://www.actuabd.com/Michel-Plessix-Le-Vent-dans-les-sables-La-bande-dessinee-est-un-art-de-la" target="_blank" rel="noopener">Interview sagte Plessix</a> einmal, dass er hier keinen schnellen Abenteuerplot schreiben wollte. Er nennt DER WIND IN DEN DÜNEN einen hedonistischen, kontemplativen, poetischen Reisebericht. Für ihn besteht das Vergnügen darin, seinen Figuren einfach beim Unterwegs-Sein zuzusehen. Die Schatzsuche funktioniert mehr als Vorwand, um die Hitze, die Farben, das Licht im Sand zu zeigen.</p>
<p>Am Ende dieser Reise steht natürlich eine Enttäuschung. Der Schatz ist kleiner als erhofft, anders als erwartet oder vielleicht sogar eher symbolisch. Je nachdem wie man die Bilder liest. Wichtig ist etwas anderes. Die Freunde sind erschöpft, aber gewachsen.</p>
<p>Ratte hat eine Ahnung davon bekommen, wie sich ein anderes Leben anfühlt. Maulwurf hat mehr gesehen als seinen Keller und das nahe Ufer. Kröterich durfte sich als Wüsteneroberer fühlen, ohne mit einem zertrümmerten Automobil im Straßengraben zu enden.</p>
<p>Hier liegt für mich ein Reiz dieser Serie. Plessix erzählt nicht von Helden, die die Welt verändern. Er erzählt von Figuren, die ein Stück weiter sehen als vorher. Die Wüste schmirgelt etwas von ihrer Naivität weg, ohne ihnen die Neugier zu nehmen. Dieser Ton ist selten im Mainstream der frankobelgischen Abenteuercomics.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2677" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 05 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Alte Freunde, neue Sichtweisen</h3>
<p>Im letzten Abschnitt der großen Reise kippt die Stimmung noch einmal. Die Wüste ist bereist, der Schatz ist abgehandelt, das Heimweh wächst. In der fünften Episode zeichnet Plessix Ratte, Maulwurf und Kröterich eher melancholisch. Sie starren gedankenverloren zurück Richtung Heimat. Die Rückkehr gelingt nicht aus eigener Kraft. Plessix bringt den Dachs zurück ins Spiel.</p>
<p>Der alte Freund ist ihnen nachgereist und organisiert die Heimfahrt. Er ist am Anfang der Serie die Stimme der Vernunft. Jetzt wird er zur Brücke zwischen den Welten. Mit seiner Hilfe treten die drei Freunde ihre Heimreise an. Der Weg führt noch einmal durch die inzwischen vertraute Stadt, über den Markt, durch den Souk. Szenen wirken wie Abschiedspostkarten. Eine letzte Essensszene, ein letzter Blick auf eine Gasse in der die Sonne direkt auf die Hauswand scheint und Menschen denen man nicht versprechen kann, dass man sich wieder trifft.</p>
<h3>Rat­te, Maulwurf und ein geläuterter Kröterich</h3>
<p>Nach dem Staunen kommt die Erkenntnis, dass man nicht alles mitnehmen kann. Die Figuren reisen mit leeren Geldbeuteln, aber prall gefüllten Köpfen zurück &#8211; oder vielleicht doch nicht? Nun, das Ende ist bewusst offen gehalten und lässt Raum für neue Abenteuer.</p>
<p>Für mich schließt das Album einen Kreis. Die erste Hälfte begann mit Ratte&#8217;s Zweifel, ob ein Leben am Fluss genug ist. Die letzten Seiten zeigen die Freunde gewachsen, verändert, aufgeladen mit Erfahrungen. Plessix verkauft mir das nicht als moralische Lektion. Es fühlt sich eher an wie ein sanftes Schulterklopfen: Du darfst aufbrechen, du darfst zurückkehren und beides hat seinen Wert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2678" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 06 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Alte Freunde, neue Nuancen</h3>
<p>Eine Fortsetzung mit bekannten Figuren funktioniert nur, wenn diese Figuren mehr werden als bloße Wiederholungen. DER WIND IN DEN DÜNEN knüpft an die psychologischen Linien von <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> an, schichtet aber Neues obenauf.</p>
<p>Ratte bleibt die Figur mit der ich mich am stärksten identifizieren kann. Sie steht anfangs an einem Punkt, an dem viele Erwachsene irgendwann landen: Beruf, Alltag, immer dieselben Wege, Zweifel, dann Aus- bzw. Aufbruch. Der Besuch der Schiffsratte trifft genau ins Zentrum dieser Müdigkeit und durchbricht die Routinen. Im Verlauf der Geschichte kippt das Handeln &#8211; anders als bei Kröterich &#8211; nicht in blinde Abenteuerlust. Ratte bleibt vorsichtig, ein Wenig nervös, aber geht trotzdem. Sie ist also keine Stereotype, sondern ein Charakter, der seine Ängste mitnimmt und trotzdem wächst.</p>
<p>Maulwurf bleibt staunend. Er ist die Linse durch die ich die neue Welt betrachte. Plessix gönnt ihm kleine Momente der Eigenständigkeit. Er widerspricht, redet Kröterich ins Gewissen, entscheidet instinktiv mal gegen die Mehrheit. Es sind die kleinen Gesten, die mir Gefühl geben, dass dieser Maulwurf nicht derselbe ist wie im Vorgängerband.</p>
<h3>Bewegungsdrang und Ruhe</h3>
<p>Kröterich bleibt der große Egomane. Im Originalroman ist er manchmal so nervig, dass man ihn am liebsten an eine Wand klatschen möchte. In DER WIND IN DEN DÜNEN wirkt er fast ein bisschen milder. Seine nazistischen Wesenszüge finden jetzt eine Bühne auf dem Platz der Geschichtenerzähler. Er ist in einer Umgebung, in der Großmäuligkeit sogar gefragt ist. Geht dadurch ein Teil der Schärfe verloren geht, die ihn in DER WIND IN DEN WEIDEN so unberechenbar machte? Vielleicht, vielleicht auch nicht.</p>
<p>Der beliebte Dachs tritt diese Mal nur punktuell auf. Er ist weniger Mentor als Fixpunkt. Seine Funktion besteht darin, immer dann aufzutauchen, wenn die Geschichte einen Erdungspunkt braucht. Das verschiebt die Figurenkonstellation. Das Quartett wird zum Trio auf Zeit.</p>
<p>Plessix füllt diese Lücke mit Nebenfiguren, Hafenarbeitern und Wüstenbewohnern. Die meisten bleiben Typen, bewusst als Figuren gezeichnet, denen man auf einer Reise kurz begegnet und an die man sich Jahre später nur in Stimmungen erinnert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2679" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 07 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Panel-Spaziergänge für Detailjäger</h3>
<p>Über die Zeichnungen von Plessix lässt sich schwer nüchtern schreiben. Die Kulissen sind erneut detailversessen und die Aquarellfarben lassen selbst einen staubigen Souk wie einen Traum wirken. Hier treffen Plessix&#8216; Vorstellungskraft und meine erlebte Erfahrung aufeinander. Ja, so habe ich Marokko erlebt.</p>
<p>Die Seiten sind dicht, aber nie unübersichtlich. Plessix arbeitet mit vielen mittleren und großen Panels, in denen sich massenhaft kleine Szenen verstecken: ein Händler, der im Hintergrund gestikuliert, ein Kind, das sich an einem Esel festhält, Insekten, die sich durch die Luft schlängeln. Sie bringen Humor in den Details. Ich ertappe mich beim zweiten Lesen dabei, wie ich kaum noch dem Text folge, sondern nur noch von Detail zu Detail wandere.</p>
<h3>Wüstenlicht statt schattige Auen</h3>
<p>Die Farbdramaturgie nutzt die Reise von Grün zu Ocker. In <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> dominieren kühle Flussfarben, Nebel, Blätterdächer. Jetzt regieren Ocker, Rot, verbranntes Gelb. Die Wüste strahlt, die Nächte glühen blauviolett. Trotzdem wirkt nichts kitschig. Plessix hat ein Gefühl dafür wie weit er Sättigung treiben kann, bevor das Auge ermüdet.</p>
<p>Interessant ist auch sein Umgang mit anthropomorphen Figuren. In Interviews erzählte er, dass er die Tiere eher als kleine Menschen mit Masken zeichnet. Genau so fühlen sie sich an. Sie bewegen sich glaubwürdig durch menschliche Architektur. Sie sitzen auf Stühlen, tragen Mäntel, trinken Tee. Es gibt keine Slapstick-Deformationen. Das hebt die Geschichte aus der reinen Kindercomic-Ecke heraus.</p>
<h3>Viel Text? Viel Text!</h3>
<p>Ein Kritikpunkt bleibt: die Textmenge. Die Off-Texte wiederholen manchmal was die Bilder bereits ausdrücken. Plessix selbst begründete dies mit dem Wunsch, das Lesetempo zu verlangsamen und eine literarische Stimmung zu erzeugen. Mir geht es so, dass ich nach ein paar Seiten in diesen Rhythmus hineingleite. Wer aber klare, knappe Dialogführung bevorzugt, kann dies hier als ermüdend empfinden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2680" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 08 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Vom Flussroman zum Reiseepos</h3>
<p>DER WIND IN DEN DÜNEN ist keine simple Zugabe. Es ist die logische Fortsetzung dessen, was Plessix mit <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> begonnen hat. Der Ausgangspunkt bleibt Kenneth Grahame&#8217;s Roman, der 1908 erschienen ist und seitdem als Klassiker gilt, der weit über reine Kinderliteratur hinausreicht.</p>
<p>Der Unterschied liegt in der Freiheit. Die Adaption von <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> hält sich eng an die Struktur des Romans. Plessix passt Ton und Rhythmus an, aber die Grundpfeiler stehen fest.</p>
<p>DER WIND IN DEN DÜNEN dagegen erfindet eine komplett neue Geschichte mit denselben Figuren. Im Interview sagte Plessix, dass die Figuren irgendwann zu seinen eigenen geworden seien. Genau dieses Gefühl vermittelt mir dieser Band.</p>
<h3>Wie viel Grahame noch in Plessix steckt</h3>
<p>Inhaltlich verschieben sich die Schwerpunkte: <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> erzählt von Freundschaft, Heimat, Technikangst und sozialen Klassen. Die DÜNEN der Wüste und des Maghreb öffnen nun ein Feld, das eher von Fremdheit, Neugier, Übergängen und dem Spannungsfeld zwischen Bleiben und Gehen handelt.</p>
<p>Formal bleibt vieles gleich. Die Aufteilung in Kapiteln, die Erzählstimme aus dem Off, die Lust an Nebenhandlungen. Trotzdem wirkt DER WIND IN DEN DÜNEN eigenständig. Statt eines Reigens von Episoden entlang des Flusses bekommen wir einen langen Bogen über Meere aus Wasser und Sand.</p>
<p>Ob man diese Fortsetzung braucht, hängt stark davon ab, wie sehr man sich auf diese Figuren eingelassen hat. Für mich fühlt sich der Band an wie ein langer, schöner Epilog. Der Roman wirkt nach, die Adaption lebt fort und Michel Plessix nutzt die Freiheit, noch einmal alles auszuspielen, was ihn interessiert: Reisen, Licht, kleine Gesten zwischen Freunden. Wer im ersten Band vor allem die Spannung um Kröterich&#8217;s Autowahn mochte, findet hier weniger davon. Wer die leisen Zwischentöne liebte, ist hier genau richtig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2681" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 09 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Orientbilder zwischen Klischee und Zuneigung</h3>
<p>Ein letzter Aspekt verlangt noch einen genaueren Blick. DER WIND IN DEN DÜNEN spielt mit Orientbildern. Souks, Gewürzstände, Erzählerplätze, verschlungene Gassen, Gastfreundschaft, aber auch Schmutz, Betrug und Behördenwillkür. Aus heutiger Sicht: ein Balanceakt.</p>
<p>Plessix kennt die Region aus eigenen Reisen. Er erzählt selbst, dass er die Szenarien in Marokko entwickelt hat und dabei bewusst die eigene touristische Perspektive hinterfragt. Die Alben zeigen keine politisch komplexe Nordafrika-Darstellung. Es sind Reiseimpressionen, gefiltert durch die Augen kleiner Tiermenschen. Trotzdem lässt er kleine Stiche zu: korrupte Führer oder die Frage, wer sich hier eigentlich wen anschaut. Ratte und Maulwurf staunen über den Markt. Die Marktbesucher staunen zurück.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2682" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 10 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Zeitlose Erzählung</h3>
<p>Am Ende schlage ich DER WIND IN DEN DÜNEN zu und habe das Gefühl, von einem Urlaub heimzukommen. Die Figuren sind dieselben wie in DER WIND IN DEN WEIDEN. Die Welt wirkt größer, aber auch fragiler. Da wir &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; 2024 einen Urlaub in Marokko verbracht haben, habe ich mich stark dorthin zurückversetzt gefühlt.</p>
<p>Ein Alleinstellungsmerkmal im heutigen Markt ist die Kombination aus klassischer franko-belgischer Erzählweise und (fast) nostalgiefreier Zeitlosigkeit. Der Band spielt in keiner klaren Epoche. Technik und Kleidung könnten irgendwo zwischen Zwischenkriegszeit und nie verortet sein. Damit passt DER WIND IN DEN DÜNEN gut zu jenen Lesern, die sich nach entschleunigten Geschichten sehnen, ohne direkt in Retro-Kitsch zu rutschen.</p>
<p>Für mich funktioniert das Buch auf zwei Weisen: beim ersten Lesen folge ich einfach der Reise. Ich will wissen ob Ratte ihre Zweifel sortiert, ob Maulwurf seinen Horizont erweitert und ob Kröterich irgendwann ein Minimum an Einsicht gewinnt. Beim zweiten Lesen bleibt die Handlung im Hintergrund und ich verliere mich im Licht auf Hausfassaden, im Muster eines Teppichs und im Staub der Karawane.</p>
<p>Aus Sicht einiger anderer Rezensenten steht DER WIND IN DEN DÜNEN im Schatten des Vorgängerbands. Für mich stehen sie sowohl grafisch als auch atmosphärisch auf derselben Stufe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2683" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 11 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>In diesem Beitrag habe auch ich mir mehr Zeit als sonst genommen. Danke also, falls Du bis hierhin durchgehalten hast.</p>
<p>Mein Fazit fällt klar aus. Wer schon bei <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> ausgestiegen ist, weil der Ton zu sanft oder der Text zu dicht war, wird mit diesem Werk kaum bekehrt. Wer aber das erste Buch liebt, bekommt mit DER WIND IN DEN DÜNEN ein langes, warmes Nachglühen. Eine Reise, die nicht auf große Twists setzt, sondern auf kleine Erkenntnisse und auf die beruhigende Gewissheit, dass man heimkehren darf, ohne der Welt den Rücken zu kehren.</p>
<p>Ich würde den Band allen empfehlen, die Lust auf entschleunigte Fantasy im Grenzbereich zwischen Kinderzimmer und Erwachsenensessel haben. Man kann ihn gemeinsam lesen, man kann ihn verschenken, man kann ihn immer wieder aus dem Regal ziehen und eine beliebige Doppelseite aufschlagen. Irgendwo werden Ratte und Maulwurf gerade wieder durch die Gassen der Medina laufen. Es lohnt sich, ihnen noch einmal zu folgen.</p>
<p>Leider ist der Band bei Splitter inzwischen verlagsvergriffen und wird dort wohl auch nicht mehr nachgedruckt. Halte also die Augen auf. Und sollte Dir das Album in einem gut sortierten Comic-Laden begegnen &#8230; nun, dann löse das Ticket und mach&#8216; Dich auf die Reise!</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2648 alignright" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-300x385.jpg" alt="" width="300" height="385" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-300x385.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-750x963.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-117x150.jpg 117w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-768x986.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-600x770.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779.jpg 779w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>



<p>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/der-wind-in-den-duenen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a> | Hardcover | 160 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★★☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★★★</p>
<p>Farben: ★★★★★</p>
<p>Lettering: ★★☆☆☆</p>
<p>Humor: ★★☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-86869-697-4</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">Die Bände der Reihe</p>

<a href='https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/wind-in-den-weiden_cover_1000x781/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="384" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-300x384.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von DER WIND IN DEN WEIDEN" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-300x384.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-750x960.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-117x150.jpg 117w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-768x983.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-600x768.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781.jpg 781w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-duenen-weht-heiss/wind-in-den-duenen_cover_1000x779/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="385" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-300x385.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-300x385.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-750x963.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-117x150.jpg 117w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-768x986.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-600x770.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779.jpg 779w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-duenen-weht-heiss/">DER WIND IN DEN DÜNEN weht heiss</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY findet seinen Platz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Dec 2025 06:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropomorph]]></category>
		<category><![CDATA[Bewertung]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Crime Noir]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sekundärliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Giovanni Rigano]]></category>
		<category><![CDATA[Juan Diaz Canales]]></category>
		<category><![CDATA[Juanjo Guarnido]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe BLACKSAD. Die Hauptserie gehört zu meinen persönlichen Klassikern des europäischen Comics. Die Mischung aus dreckigem Noir, politischer Schärfe und diesen unglaublich lebendigen Aquarellseiten sitzt bei mir im Muskelgedächtnis, wenn ich zum Regal greife. Genau deshalb schaue ich bei BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY genauer hin und betrachte das Werk gegebenenfalls mit weniger Nachsicht als [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/">BLACKSAD STORIES – WEEKLY findet seinen Platz</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-gesammelte-falle-neuausgabe/978-3-551-74574-3" target="_blank" rel="noopener">BLACKSAD</a>. Die Hauptserie gehört zu meinen persönlichen Klassikern des europäischen Comics. Die Mischung aus dreckigem Noir, politischer Schärfe und diesen unglaublich lebendigen Aquarellseiten sitzt bei mir im Muskelgedächtnis, wenn ich zum Regal greife. Genau deshalb schaue ich bei BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY genauer hin und betrachte das Werk gegebenenfalls mit weniger Nachsicht als irgendein anderes, x-beliebiges Spin-Off.</p>
<h3>Die Background-Story</h3>
<p>Die Ausgangslage klingt erst einmal verlockend. Weekly, der müffelnde, nervige, dabei aber liebenswerte Steinmarder aus ARCTIC NATION und <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-4-die-stille-der-holle/978-3-551-74764-8" target="_blank" rel="noopener">DIE STILLE DER HÖLLE</a>, bekommt seinen eigenen Band. Von der Idee her: Prima!</p>
<p>Wir erfahren, wie der junge Dustin Kalisnowszczyzna &#8211; später bekannt als Weekly &#8211; mit seiner polnischstämmigen Großmutter Chana im New York der fünfziger Jahre in einem winzigen Apartment lebt. Er schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, während Chana in der pastoralen Eiferin, Mrs. Lubansky, die Rettung sieht. Gläubig sind sie ja, diese Exilanten.</p>
<p>Pastorin Lubansky bläst zur moralischen Offensive gegen Comics, die sie als Gefahr für die Jugend darstellt. Ihr Mann betreibt derweil ein respektables Bestattungsinstitut, in dem Weekly widerwillig anheuern muss. Parallel landet er bei Proper Comics, einem Verlag von Krimi- und Horrorgeschichten, der &#8211; natürlich &#8211; im Visier der besagten Tugendwächterin steht.</p>
<h3>Wenn das Spin-off plötzlich nach Merchandise schmeckt</h3>
<p>Auf dem Papier klingt das nach der idealen Bühne, um Themen wie Coming-of-Age, Medienkritik, Zensurdebatte, Noir-Versatzstücke und familiäre Traumata zu verarbeiten. Dabei ist alles noch wunderbar verpackt in einem Prequel für Hard-Core-Fans einer der erfolgreichsten Serien des frankobelgischen Comic-Marktes. Beim Lesen spüre ich aber schnell, wie stark hier die Marketing-Logik den kreativen Biss beeinflusst hat.</p>
<p>BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY will alles gleichzeitig sein: ein Einstieg für neue Leser bzw. Leserinnen (ja, genau in dieser Reihenfolge) und ein Liebesbrief an &#8230; mich und andere Fans der Reihe. Am Ende wirkt es wie ein sehr professionelles Produkt, das genau weiß, wie es aussehen soll, aber nicht genau weiß, warum es erzählt werden muss. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2748" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-01.jpg" alt="Innenseite 01 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-01.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-01-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-01-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Ein Steinmarder, zwei Jobs und ein sehr enger Horizont</h3>
<p>Der erste Akt der Handlung bleibt dicht bei Weekly. Wir begleiten ihn durch seinen Alltag im heruntergekommenen New York der Nachkriegszeit. Der Junge will mehr, als der enge Korridor aus Schule, billigen Jobs und religiöser Strenge ihm zugesteht.</p>
<p>Seine Großmutter wird von Visionen aus der Vergangenheit geplagt, klammert sich an ihren Glauben und sieht in Comics den Anfang des moralischen Endes. Sie zieht Pastorin Lubansky zu Rate, denn diese Schafsdame führt eine fanatische Kampagne gegen die Schundhefte, wie sie sie nennt. Schon hier setzt Juan Diaz Canales das Thema, auf das der ganze Band abfährt: die moralische Panik rund um Comics und den angeblichen Jugendverfall.</p>
<p>Weekly landet zuerst im Bestattungsunternehmen von Lubansky&#8217;s Ehemann. Der Job ist genauso trist, wie man es erwartet kann: Böden werden gefegt, Kisten werden geschleppt, Leichen bewegt und der Mund gehalten.</p>
<p>Giovanni Rigano, der Hauptzeichner, nutzt diese Szenen für ein paar hübsch inszenierte Bildwitze mit Blumenkränzen, Särgen und verlegenen Trauergästen. Gleichzeitig legt Canales Hinweise auf ein schmutzigeres Geschäftsmodell. Der Bestatter pfuscht an Leichen herum und die Behörden schauen weg. Das ist alles solide gemacht, nur bleibt es lange beim Versprechen eines großen Skandals.</p>
<h3>Moralpanik zum Mitnehmen</h3>
<p>Parallel dazu entwickelt sich Weekly&#8217;s Faszination für Proper Comics. Der Verlag produziert Krimi- und Horrorhefte, die deutlich an EC-Comics wie <a href="https://www.ppm-vertrieb.de/EC-Tales-from-the-Crypt-Gesamtausgabe-1::317788.html" target="_blank" rel="noopener">TALES FROM THE CRYPT</a> erinnern. Die moralischen Angriffe von Lubansky spiegeln realhistorische Debatten wider um <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fredric_Wertham" target="_blank" rel="noopener">Fredric Wertham</a> und den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Comics_Code" target="_blank" rel="noopener">Comics Code Authority</a>. Der Band streut Anspielungen auf diese Zeit ein, verweist auf öffentliche Anhörungen und die Angst vor jugendlicher Verderbtheit durch Bilder von Gewalt und Monstern.</p>
<p>Das Problem ist nur, dass der Comic mir das alles wie eine hübsch arrangierte Ausstellung zeigt. Die Figuren reagieren brav entlang ihrer Rollen. Weekly als neugieriger Rebell, Chana als ängstliche Gläubige, Lubansky als Karikatur der Moralpanik. Niemand überrascht mich. Die Szenen funktionieren, aber sie kitzeln mich nicht. Für ein Noir-Universum, das sonst voller Ambivalenzen steckt, bleibt dieser Auftakt erstaunlich glatt.</p>
<h3>Comics, Leichen und reichlich Pappfiguren</h3>
<p>Im zweiten Akt von BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY zieht Canales dann die Schrauben an. Weekly schleicht zwischen Leichenhalle und Verlag hin und her. Er übernimmt Botengänge, fotografiert heimlich und gerät zufällig an Hinweise, die das Bestattungsinstitut mit zwielichtigen Geschäften verbinden. Tote werden ausgetauscht, mysteriöse Gelder erscheinen und verschwinden und Unterlagen werden manipuliert. Das Bestattungsunternehmen dient als Schleuse für alles, was im offiziellen Amerika der fünfziger Jahre nicht auftauchen darf.</p>
<p>Gleichzeitig bekommt Weekly bei Proper Comics eine echte Chance. Der Verleger Venables will ein Fotokrimiprojekt ausprobieren, weil ihm die Moralwächter alles andere zusammenstreichen. Weekly soll die Bilder liefern. Hier liegt der Kern von Weekly&#8217;s späterer Identität als Fotojournalist.</p>
<p>Rigano setzt diese Sequenzen flott um. Die Fotomontagen, die Künstlichkeit des Settings, der Spaß daran, Bilder zu stellen sind die Momente, in denen die Serie mir zeigt, wie Fiktion auf Realität reagiert und sie gleichzeitig formt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2749" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-02.jpg" alt="Innenseite 02 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-02.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-02-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-02-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Thriller aus der Schablone</h3>
<p>Der Plot verknüpft dies alles mit Lubansky&#8217;s Kreuzzug. Die Pastorin nutzt die staatliche Paranoia, um Comics als Feindbild aufzubauen. Der Band schlägt hier deutliche Bögen in die Gegenwart, zu den heutigen Versuchen, Bücher aus Bibliotheken zu verbannen oder Medien für gesellschaftliche Missstände verantwortlich zu machen.</p>
<p>Der Thriller-Plot funktioniert, aber er bleibt schablonenhaft. Der Bösewicht ist offensichtlich, der Verrat kommt absehbar, die Wendungen wirken wie die sauber abgehakten Punkte einer Checklisten für Krimi-Drehbücher.</p>
<p>Für eine Marke, die in <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-6-wenn-alles-fallt-teil-1/978-3-551-74766-2" target="_blank" rel="noopener">WENN ALLES FÄLLT</a> oder <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-1-irgendwo-zwischen-den-schatten/978-3-551-74761-7" target="_blank" rel="noopener">IRGENDWO ZWISCHEN DEN SCHATTEN</a> komplexe Machtgeflechte aufzieht, fühlt sich diese Geschichte überraschend brav an. Die moralischen Fanatiker dürfen wüten, aber sie bleiben dabei erstaunlich harmlos.</p>
<h3>Vom Pechvogel zum Reporter – eine Abkürzung zu viel</h3>
<p>Die letzte Etappe der Handlung führt Weekly in den direkten Konflikt. Er stolpert in eine Verschwörung, wird zur Zielscheibe, gerät zwischen Secret Service, fanatische Gläubige und skrupellose Geschäftsleute. Natürlich gibt es eine persönliche Offenbarung rund um die Vergangenheit seiner Familie. Und doch frage ich mich: Wofür war die nun gut? Hilft sie der Geschichte oder dem Verständnis darum, weshalb Weekly tut, was er tut? Nein!</p>
<p>Canales arbeitet hier mit allen vertrauten Elementen: Rückblende, Enthüllung, moralische Entscheidung. Weekly muss wählen, ob er schweigt und sich in Sicherheit bringt oder ob er Risiko eingeht, um die Geschichte sichtbar zu machen.</p>
<p>Er entscheidet sich &#8211; wenig überraschend &#8211; mit der Kamera in der Hand für die Wahrheit. In der Logik des Bandes und der BLACKSAD-Reihe ist dies folgerichtig. Als Leser bleibe ich aber auf Distanz. Die innere Entwicklung wirkt wie ein Sprung über mehrere Stufen. Zwischen überfordertem Herumstolpern und klar definiertem Berufsethos klafft eine riesige Lücke, die der Comic &#8211; leider &#8211; nicht füllt.</p>
<h3>Ein Werdegang im Schnelldurchlauf</h3>
<p>Dazu kommt ein zweites Problem. Die Nebenfiguren sind zwar zahlreich, aber flach. Lubansky ist als Schaf mit Bibel in der Hand schnell aus erzählt. Ihr Mann bleibt der schleimige Geschäftsmann ohne Facetten. Venables ist der typische zynische Verleger, der zwar ein paar gute Pointen bekommt, aber nie zu einer widersprüchlichen Figur wächst. Selbst Chana, die vom Skript her jede Menge Konflikt in sich tragen sollte, bleibt erstaunlich eindimensional. Ihre Angst, ihr Glaube, ihre Liebe zu Weekly erscheint, wird benannt und verschwindet dann wieder.</p>
<p>Am Ende klappt der Plot zusammen wie ein ordentlich gefaltetes Dossier. Die Bösen werden gestellt, die Geheimnisse erklärt, Dustin erhält sein neues Leben als Weekly und eine neue Jacke (weil die alte ja so stinkt, dass sich niemand daran traut). Für ein Einsteigerpublikum ist das angenehm klar. Für Leserinnen und Leser, die mit IRGENDWO ZWISCHEN DEN SCHATTEN oder DIE STILLE DER HÖLLE sozial und emotional komplexere Stoffe gewohnt sind, fühlt sich dieses Ende wie eine sehr stark vereinfachte Version des bekannten BLACKSAD-Rezepts an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2750" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-03.jpg" alt="Innenseite 03 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-03.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-03-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-03-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Routine trifft Riesenerbe</h3>
<p>Juan Díaz Canales ist längst kein Newcomer mehr. Er hat mit der Hauptserie BLACKSAD eine Reihe internationaler Preise eingesammelt und sich als einer der wichtigen Autoren im Bereich des europäischen Noir etabliert.</p>
<p>Seine Arbeiten an <a href="https://literaturzeitschrift.de/book-review/corto-maltese-nacht-in-berlin/" target="_blank" rel="noopener">CORTO MALTESE</a> zeigen, dass er souverän mit historischen und politischen Themen umgehen kann. Seine Karriere begann im Animationsbereich, er gründete ein eigenes Studio, schrieb für Serien und Langfilme und brachte diese Erfahrung erfolgreich in BLACKSAD ein.</p>
<p>Giovanni Rigano kommt ebenfalls aus der Ecke der Auftragsarbeit und der Zeichentrick-Maschinerie. Er hat unter anderem die <a href="https://www.schmitt-hahn.de/shop/article/2175478/eoin_colfer_artemis_fowl.html" target="_blank" rel="noopener">ARTEMIS FOWL</a>-Graphic Novels gezeichnet, für Disney an <a href="https://www.amazon.de/Incredibles-Disney-Pixar-Movies/dp/1532145519" target="_blank" rel="noopener">THE INCREDIBLES</a> und FLUCH DER KARIBIK gearbeitet und für italienische Verlage Serien wie <a href="https://www.comicguide.de/book/87375/Monster-Allergy-1" target="_blank" rel="noopener">MONSTER ALLERGY</a> bebildert. Seine Ausbildung an der Scuola del Fumetto in Mailand und sein Weg über die Disney Academy prägen seinen Stil, dynamisch, klar lesbar und mit einer starken Fokussierung auf Bewegung und Mimik.</p>
<h3>Wenn der Schöpfer sich selbst zitiert</h3>
<p>In BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY prallen diese beiden Profile auf ein gigantisches Erbe. Canales befindet sich in der unangenehmen Situation, sein eigenes Meisterwerk zitieren zu müssen. Er erzählt eine Geschichte, die sich in die Kontinuität der Reihe einfügen soll und die im kollektiven Gedächtnis bereits fest als moderner Klassiker verankert ist. Also geht er den Weg, den viele etablierte Filme und Serien gegangen sind: er wählt eine Vorgeschichte!</p>
<p>Ich habe beim Lesen den Eindruck, dass Canales hier vor allem auf Sicherheit setzt. Die politische Ebene bleibt generisch genug, um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Die Figuren tun, was man von ihnen erwartet. Die Dialoge sind sauber, aber selten wirklich zündend. Der Autor liefert solide Arbeit, aber nicht den Funken, der die Reihe um John BLACKSAD ursprünglich ausgezeichnet hat.</p>
<p>Rigano übernimmt die undankbare Rolle als Erbe von Juanjo Guarnido. Er muss den Look so nah wie möglich treffen, damit das Spin-Off als Teil derselben Welt erkennbar bleibt. Gleichzeitig bräuchte er eigentlich Raum für eine eigene Handschrift. Das Ergebnis wirkt wie ein erstaunlich gut gemachter Cover-Song, bei dem man die Originalmelodie jederzeit heraushört und sich fragt, ob man sie nicht lieber direkt hören würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2751" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 04 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-04.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-04-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-04-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Digitales Fell</h3>
<figure id="attachment_2754" aria-describedby="caption-attachment-2754" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-2754 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-STILL-DER-HOELLE_Innenseite-300x395.jpg" alt="Anschauungsseite aus DIE STILLE DER HOELLE" width="300" height="395" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-STILL-DER-HOELLE_Innenseite-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-STILL-DER-HOELLE_Innenseite-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-STILL-DER-HOELLE_Innenseite.jpg 572w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2754" class="wp-caption-text">Beispielseite aus BLACKSAD 4 &#8211; DIE STILLE DER HÖLLE</figcaption></figure>
<p>Optisch sitzt BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY zunächst erstaunlich gut im Regal neben den Bänden von Guarnido. Das Format passt, die anthropomorphen Figuren tragen vertraute Züge, die Farbpalette legt sich mit einem warmen Sepia-Schleier über das New York der fünfziger Jahre. Die Cover-Illustration des Bandes, in der WEEKLY inmitten einer anonymen Masse steht und ein Lichtstrahl auf ihn und den Rücken von John BLACKSAD fällt, gehört für mich zu den stärksten Bildern des gesamten Projekts.</p>
<p>Beim Blättern merkt man allerdings schnell den Unterschied. Guarnido&#8217;s ursprüngliche Seiten leben von einer unglaublich dichten, handgemalten Aquarellstruktur (s. Beispielseite aus BLACKSAD 4 &#8211; DIE STILLE DER HÖLLE). Die Hintergründe sind vollgestopft mit architektonischen und atmosphärischen Details, das Licht gleitet wie Rauch über Papier, jede Gasse hat ihre Temperatur.</p>
<p>Rigano arbeitet stattdessen digital und das sieht man. Er nutzt saubere, präzise Linien und eine dunkle, sehr kontrollierte, wenn auch rudimentäre Farbgebung. Das macht die Seiten einerseits klar, andererseits aber nicht immer gut lesbar. Zugleich geht aber ein Teil der körnigen Sinnlichkeit verloren, die BLACKSAD bislang ausgezeichnet hat. Meinen persönlichen Geschmack trifft der hier gewählte Ansatz leider nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Noir ohne tiefen Schatten</h3>
<p>Ein weiterer Unterschied liegt im Seitenlayout. WEEKLY setzt deutlich stärker auf viele kleine Panels pro Seite. Das passt zum hektischen Alltag eines jungen Botengängers und Fotografen. Es erzeugt Bewegung, Tempo, Slapstick. Gleichzeitig nimmt es dem Comic die großen, atmenden Panel, in denen Guarnido seine Noir-Kompositionen ausspielte.</p>
<p>Die berühmten Splash-Momente aus IRGENDWO ZWISCHEN DEN SCHATTEN oder ARCTIC NATION, in denen eine Straßenszene oder ein Clubraum plötzlich wie ein Gemälde wirkt, finden sich hier kaum.</p>
<p>Die Figuren selbst sind gelungen, aber glatter koloriert. WEEKLY hat eine cartooneske Mimik. Rigano kann diesen Stil, er hat ihn jahrelang perfektioniert. Im Kontext von BLACKSAD nimmt er der Welt aber ein Stück Härte. Blut, Schmutz, Schweiß, Zigarettenrauch, all das ist vorhanden, aber wie mit einem feuchten Tuch abgewischt. Die Zeichnungen sind stark, doch sie wirken selten gefährlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2752" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-05.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-05-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-05-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Blacksad light – nötig, nett, nicht mehr</h3>
<p>Thematisch spielt BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY mit großen Bällen. Zensur im Namen der Moral, Medienhysterie und Manipulation durch Kirche, Staat und Verlag. Die Anspielungen auf die reale Geschichte der US-Comics, auf das Buch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seduction_of_the_Innocent" target="_blank" rel="noopener">SEDUCTION OF THE INNOCENT</a> und den Comics Code sind klar und reizvoll. Der Band deutet immer wieder an, dass Schundhefte und Horrorcover nur die Spitze eines Eisbergs sind, unter dem ein System liegt, das Angst bewusst steuert.</p>
<p>Doch anstatt tief in diesen Eisberg hinein zu fräsen, bleibt der Comic lieber an seiner glatten Oberfläche. Er zeigt mir skurrile Proteste, empörte Predigten und inkompetente Beamte, die sich von moralischen Unternehmern treiben lassen. Dabei gönnt sich mehrere ironische Brechungen, wenn Weekly die Absurdität des Ganzen kommentiert. Er schafft es aber kaum, echte Verzweiflung zu erzeugen. Die Bedrohung bleibt abstrakt, die Betroffenen bleiben Statisten.</p>
<p>Der Band ist eine gelungene Hommage, die aber manchmal so wirkt, als gehöre sie nicht zu der Reihe. Ein Bonus-Album eben oder ein Album für eine komplett andere, jüngere Leserschaft.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY ist professionell, gut lesbar und in vielen Momenten charmant. Er ist aber auch die bislang entbehrlichste Reise in dieses Universum. Wer mit BLACKSAD beginnen will, greift sehr viel besser zu IRGENDWO ZWISCHEN DEN SCHATTEN oder meinem persönlichen Favoriten ARCTIC NATION.</p>
<p>Wer die Reihe ohnehin komplett sammelt, wird BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY nicht bereuen. Man bekommt einen hübsch gemachten Band, ein paar schöne Szenen und etwas Hintergrund zu Weekly. Wer aber gehofft hat, dass dieses Spin-off die Welt von BLACKSAD erweitert oder vertieft, wird eher einen sauber polierten Schatten des Originals in der Hand halten.</p>
<p>Ob es weitere Bände der BLACKSAD STORIES gibt, wird sich zeigen. Genügend Nebencharaktere mit Potential wären vorhanden.</p>
<p>Trotz aller Kritik bleibe ich bei einer klaren Empfehlung mit Einschränkungen. Wenn du das Universum liebst und wissen willst, wie Weekly zu dem Reporter wurde, den du kennst, dann lies&#8216; den Band. Lies ihn mit einem wachen Blick. Vergleiche aber, was er erzählt, mit dem, was die Hauptserie wagt.</p>
<p>Vielleicht hilft dir genau dieser Kontrast zu verstehen, warum BLACKSAD als Reihe so stark ist. Und warum es manchmal nicht reicht, eine gute Idee einfach in ein vertrautes Fell zu stopfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2747" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Cover-300x400.jpg" alt="Cover von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Cover-112x150.jpg 112w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Cover.jpg 557w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY</p>



<p>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-stories/978-3-551-80741-0" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Comics</a> | Hardcover | 64 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★★☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★★★☆☆</p>
<p>Lettering: ★★★☆☆</p>
<p>Humor: ★★★☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-551-80741-0</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">Die Bände der BLACKSAD-Reihe:</p>

<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_1_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_1_Cover-300x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 1" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_1_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_1_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_1_Cover.jpg 566w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_2_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_2_Cover-300x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 2" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_2_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_2_Cover-112x150.jpg 112w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_2_Cover.jpg 566w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_3_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="412" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_3_Cover-300x412.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 3" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_3_Cover-300x412.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_3_Cover-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_3_Cover.jpg 550w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_4_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_4_Cover-300x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 4" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_4_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_4_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_4_Cover.jpg 566w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_5_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="402" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_5_Cover-300x402.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 5" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_5_Cover-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_5_Cover-112x150.jpg 112w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_5_Cover.jpg 563w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_6_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="399" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_6_Cover-300x399.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 6" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_6_Cover-300x399.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_6_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_6_Cover.jpg 567w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_7_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="397" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_7_Cover-300x397.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 7" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_7_Cover-300x397.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_7_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_7_Cover.jpg 570w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/">BLACKSAD STORIES – WEEKLY findet seinen Platz</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>FRONTIER &#8211; Ein niedlicher Albtraum in Pastell</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/11/frontier-ein-niedlicher-albtraum-in-pastell/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Nov 2025 06:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Cartoon]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Guillaume Singelin]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Auf den ersten Blick wirkt dieser Band harmlos. Bunte Flächen. Runde Köpfe. Figuren, die aussehen wie Maskottchen aus einem Mobile Game. Schon nach wenigen Seiten merke ich, wie trügerisch dieser Eindruck ist. FRONTIER zeigt eine Zukunft, in der Konzerne das All als verlängerten Tagebau betrachten und die Menschen nur ein vernachlässigbarer Teil der Infrastruktur sind. [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/11/frontier-ein-niedlicher-albtraum-in-pastell/">FRONTIER – Ein niedlicher Albtraum in Pastell</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auf den ersten Blick wirkt dieser Band harmlos. Bunte Flächen. Runde Köpfe. Figuren, die aussehen wie Maskottchen aus einem Mobile Game. Schon nach wenigen Seiten merke ich, wie trügerisch dieser Eindruck ist. FRONTIER zeigt eine Zukunft, in der Konzerne das All als verlängerten Tagebau betrachten und die Menschen nur ein vernachlässigbarer Teil der Infrastruktur sind. Eine knuddelige Dystopie also?</p>
<p>Das Album wird fast einhellig gefeiert und die Mischung aus Science-Fiction, Sozialdrama und Coming-of-Age gelobt. Es die emotionale Wucht der Geschichte und das dichte politische Panorama betont. Man hebt die detailverliebten Kulissen hervor und schwärmt von der poetischen Melancholie, die über allem liegt. Darum habe ich das Album mit sehr hohen Voraberwartungen gelesen. Vielleicht waren sie aber tatsächlich zu hoch.</p>
<p>Ja, die Wucht ist da, die Ambition auch. Aber je weiter ich blätterte, desto stärker stören mich Chibi-Art, platte Gegensätze und dramaturgische Abkürzungen. Was viele als Meisterwerk feiern, wirkt auf mich bei genauerer Betrachtung dann doch unausgewogen. Ein Comic mit großartigen Momenten, der sich selbst immer aber immer wieder im Weg steht.</p>
<p>Gerade weil das Buch so hoch gelobt wird, lohnt ein sehr genauer, kritischer Blick. Die Stärken sind kaum zu übersehen, die Schwächen aber auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2699" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_1_1000X713.jpg" alt="Innenseite 1 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_1_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_1_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_1_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_1_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Der Mann hinter den runden Köpfen</h3>
<p>Guillaume Singelin ist kein Newcomer, der zufällig im All gelandet ist. Er hat sich mit Werken wie <a href="https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9781637159569/Decoudray-Aurelien/The-Grocery-Omnibus" target="_blank" rel="noopener">THE GROCERY</a>, <a href="https://www.abebooks.de/9782203008861/King-David-Ozanam-Antoine-Singelin-2203008865/plp?srsltid=AfmBOoqJya_GRa3-K0XDamOkI6OdILTB4b951-SL_57OgmTBV_6oBW__" target="_blank" rel="noopener">KONIG DAVID</a> und vor allem <a href="https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9781626723184/Singelin-Guillaume/Ptsd" target="_blank" rel="noopener">PTSD</a> einen Namen gemacht. Dort beschäftigt er sich mit Trauma, Gewalt und einer Gesellschaft, die ihre Außenseiter auslagert. Er ist Teil des experimentierfreudigen Label 619 und gilt als einer der prägenden Zeichner seiner Szene.</p>
<p>In Interviews erzählt er, wie ihn Filme wie <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0078748/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_8_nm_0_in_0_q_Alien" target="_blank" rel="noopener">ALIEN</a> und Romane wie <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt1160419/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_8_nm_0_in_0_q_DUNE" target="_blank" rel="noopener">DUNE</a> geprägt haben. Entscheidend für seinen Wunsch dieses Buch zu machen, war aber der Erfolg von <a href="https://www.splitter-verlag.de/shangri-la.html" target="_blank" rel="noopener">SHANGRI-LA</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/carbon-silizium.html" target="_blank" rel="noopener">CARBONE &amp; SILIZIUM</a> seines Freundes Mathieu Bablet. Diese Werke haben ihn offenbar ermutigt, eine eigene große Science-Fiction-Geschichte anzugehen, die gesellschaftliche Fragen mit Pop-Bildern verknüpft.</p>
<h3>Von PTSD ins All</h3>
<p>Die Arbeit an der Geschichte begann schon vor Jahren. Notizen, Skizzen und Designstudien reichen z.B. laut Bonusmaterial bis ins Jahr 2013 zurück. Man spürt diese lange Entwicklungszeit. Das Universum wirkt durchdacht, die Ökonomie des Alls ist klar umrissen. Gleichzeitig schleichen sich genau hier erste Probleme ein.</p>
<p>Singelin packt viele seiner Lieblingsthemen in einen einzigen Band: militarisierte Konzerne, kriegsversehrte Söldnerinnen, zynische Manager, Aktivistinnen, die eine andere Welt suchen. Vieles davon kennt man bereits aus seinen früheren Arbeiten. In FRONTIER wirkt es weniger wie eine Weiterentwicklung, eher wie ein Best-of seiner Motive, das sich nicht immer zu einem neuen Ganzen fügt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2700" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_2_1000X713.jpg" alt="Innenseite 2 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_2_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_2_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_2_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_2_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Wie eine Sonde zur Ware wird</h3>
<p>Die Handlung beginnt auf der Erde. Ein Forschungsteam arbeitet in einem abgelegenen Zentrum an einer neuartigen Sonde. Das Projekt soll das All in einer Tiefe vermessen, von der frühere Programme nur träumen konnten. Im Mittelpunkt steht Ji-Soo Park. Sie glaubt an Wissenschaft, an Neugier und an die Idee, dass Forschung der Menschheit gehören sollte und nicht den Aktionären. Ich erkenne hier starke Star-Trek-Vibes.</p>
<p>Dann kauft der Energieriese &#8222;Energy Solution&#8220; das komplette Projekt. Die Vision wird zum Asset. Aus Forschung wird Produktentwicklung. Ji-Soo bleibt im Team, aber nur, weil sie schwer zu ersetzen ist. Innerlich geht sie auf Distanz. Sie sabotiert, verschleppt, stellt Fragen, die niemand hören will. Genau dadurch wird sie zur Störerin, die man aus der Zentrale entfernen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2701" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_3_1000X713.jpg" alt="Innenseite 3 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_3_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_3_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_3_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_3_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Vom Forschungstraum zur Konzernhölle</h3>
<p>Ihre Strafe ist eine Versetzung in den Orbit. Sie landet auf der Plattform „Rock Breaker“, wo Arbeiterinnen und Arbeiter in extremer Umgebung schuften. Viele sind schon im All geboren und haben die Erde nie gesehen. Die Station ist kein heroischer Außenposten, eher eine Mischung aus Bergbau-Knast und schwebender Fabrik. Die Menschen &#8211; in Form der Konzerne &#8211; haben das All kolonisiert, aber nicht die eigene Gier überwunden. Die Ideale von Star Trek sind an dieser Stelle weit, weit weg.</p>
<p>Hier lernt Ji-Soo Alex kennen. Er ist ein Spacer, ein stiller Typ, der seine Rolle im System lange akzeptiert hat. Gemeinsam entdecken die beiden, dass &#8222;Energy Solution&#8220; nicht nur Rohstoffe ausbeutet. Der Konzern experimentiert auch mit Tieren für riskante Forschungsmissionen. An diesem Punkt kippt die Geschichte und aus Passivität wird Widerstand.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2702" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_4_1000X713.jpg" alt="Innenseite 4 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_4_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_4_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_4_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_4_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Ein Affe, eine Söldnerin und ein viel zu glatter Aufstand</h3>
<p>Die Entdeckung der Tierversuche bildet den emotionalen Kern des zweiten Aktes. Das prominenteste Opfer ist ein Affe. Ji-Soo und Alex können nicht tatenlos zusehen und befreien die Tiere. Sie lösen damit eine Kettenreaktion aus. Die Flucht aus der Station gerät zur blutigen Eskalation, deren Szenen mit ihrer Härte in starkem Kontrast zur Cosy-Optik des ganzen Albums steht.</p>
<p>In den Wirren dieser Flucht stoßen die beiden auf Camina. Sie ist eine ehemalige Söldnerin, die im Dienste der Konzerne gekämpft hat und nun an Körper und Seele gezeichnet ist. Sie bringt Kampferfahrung mit und verkörpert die Perspektive derjenigen, die lange Teil der Maschine waren. Zusammen formt das Trio eine fragile Gemeinschaft. Sie wollen nicht mehr funktionieren, sondern sich dem System entziehen.</p>
<p>Hier zeigt Singelin eine Reihe starker Szenen. Kämpfe in der Schwerelosigkeit, Sabotageakte, enge Korridore, in denen jede Explosion Menschen in Stücke reißt. Die Brutalität erinnert daran, dass hier keine &#8222;saubere&#8220; Science-Fiction erzählt wird. Gleichzeitig beginnt die Dramaturgie zu gleiten.</p>
<p>Viele Wendungen wirken wie bekannte Versatzstücke. Der Aufstand entsteht sehr schnell, Figuren schließen sich an, weil es die Handlung verlangt, nicht weil der Comic ihre Entscheidung sorgfältig vorbereitet hätte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2703" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_5_1000X713.jpg" alt="Innenseite 5 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_5_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_5_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_5_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_5_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwischen Massengrab und Utopie aus dem Katalog</h3>
<p>Nach der Flucht beginnt eine Odyssee durch unterschiedliche Stationen und Planeten. Das Trio erlebt Massengräber von Arbeiterinnen, die für den Konzern entbehrlich wurden. Es besucht Minenkolonien, in denen moderne Sklaverei Teil des Alltags ist. Der Comic spielt hier auf reale Debatten über seltene Erden und globale Lieferketten an. Die Zukunft ist gar nicht so weit weg.</p>
<p>Je weiter die Reise geht, desto stärker rückt eine Frage in den Mittelpunkt: Wo kann man in einem System überleben, das auf Ausbeutung aufbaut? Die Antwort liefert eine versteckte Station, die wie ein Gegenentwurf zu den Konzernwelten inszeniert ist. Gemeinschaftsgärten ersetzen Fabrikhallen. Es gibt kein Geld mehr, Menschen teilen ihr Wissen, reparieren Dinge und nehmen Geflüchtete auf. Utopia lässt grüßen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2704" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_6_1000X713.jpg" alt="Innenseite 6 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_6_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_6_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_6_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_6_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Wenn Rebellion auf dem Reißbrett entsteht</h3>
<p>Genau hier kollabiert für mich aber ein Teil der Glaubwürdigkeit. Die Utopie wirkt wie ein fertiges Modell, das aus einem politischen Flyer kommen könnte. Kann es diesen Ort in einer solchen Realität überhaupt geben? Er funktioniert eher als Projektionsfläche für die &#8222;gute&#8220; Gesellschaft und weniger als Alternative für Aussteiger.</p>
<p>Der Schluss verbindet diesen Zufluchtsort mit einem großen Showdown. Wieder fliegt alles in die Luft. Wieder zahlen einfache Menschen den Preis. Emotional funktioniert das, weil man die Figuren inzwischen kennt. Politisch bleibt jedoch ein schaler Nachgeschmack, ein großer Reset, der zu glatt daherkommt und mehr behauptet als durchspielt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2706" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_8_1000X713.jpg" alt="Innenseite 8" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_8_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_8_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_8_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_8_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Chibi-Gesichter im Blech-Nirwana</h3>
<p>Über den Zeichenstil herrscht bei den anderen Kritiken erstaunlich viel Einigkeit. Fast alle Besprechungen heben die unglaubliche Detailfülle hervor. Raumstationen, Minenschiffe, Planetenoberflächen, Schrottgürtel. Jede Seite wirkt auf mich jedoch wie ein Wimmelbild, das zum längeren Inspizieren einladen will. Irgendwann ist mein Kopf allerdings voll.</p>
<p>Chibi-Art bedeutet überzeichnete Proportionen, große Köpfe, kleine Körper, starke Vereinfachung der Gesichter. Die Figuren sehen kindlich aus, oft sogar ein wenig knautschig. Das erzeugt einen gewissen Charme und macht die gezeigten Gewaltspitzen aber umso härter.</p>
<p>Ich ringe mit diesem Ansatz. In ruhigen Momenten funktioniert er gut. Der Blick folgt der Körpersprache. Kleine Haltungen erzählen von Müdigkeit, Trotz oder Feigheit. In den Action-Passagen kippt der Effekt jedoch. Die Chibi-Körper fliegen wie Gummifiguren verharmlosend durch den Raum. Tote sehen oft genauso aus wie Lebende und bei mir verpufft der gewünschte emotionale Schlag.</p>
<p>Hinzu kommt die Frage zur Lesbarkeit, denn manche Seiten wirken überfrachtet. In vielen Panels konkurrieren technische Details, Hintergrundgags und winzige Figuren um meine Aufmerksamkeit. Das ist beeindruckend, aber es erschwert meinen Lesefluss. Ich finde, weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2707" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_9_1000X713.jpg" alt="Innenseite 9 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_9_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_9_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_9_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_9_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Drei Menschen, ein Affe und viele Klischees</h3>
<p>Ji-Soo, Alex und Camina tragen die Geschichte. Sie holen den abstrakten Kapitalismus-Kritik-Plot auf eine menschliche Ebene und scheinen Solidarität gegen ein System zu stellen, das Profit über alles erhebt. In Wirklichkeit ist es differenzierter.</p>
<p>Ji-Soo ist die klassische Idealistin, die an ihrem eigenen Anspruch scheitert. Alex verkörpert den müden Arbeiter, der spät merkt, dass Anpassung ihn nicht schützt. Camina ist die traumatisierte Kriegerin mit gutem Kern. Das sind funktionale Archetypen. Sie funktionieren in der Handlung und erzeugen Sympathie, jedoch bleiben ihre inneren Konflikte erstaunlich schematisch.</p>
<p>Ji-Soo soll lernen, ihren Hass zu überwinden. Alex soll Verantwortung übernehmen. Camina soll eine neue Rolle finden. Oft passieren diese Verlagerungen in wenigen Szenen oder sogar nur im Off. Figuren, die angeblich kaum miteinander können, funktionieren im nächsten Kapitel problemlos als eingeschworenes Team.</p>
<p>Was mich auch stört ist, dass viele Nebenfiguren nur als Verstärker für die Botschaft dienen. Die gütige Gärtnerin, der zynische Offizier oder die ausgebeutete Arbeiterin, die kurz vor dem Tod noch einen eindringlichen Satz sagt sind emotional effektiv, aber durchschaubar. Der Comic sortiert seine Figuren sehr schnell in &#8222;rettenswert&#8220; oder in Teil des Problems, schwarz oder weiß. Ich sehe auf den 200 Seiten keine Graustufen.</p>
<h3>Kapitalismuskritik mit dem Holzhammer</h3>
<p>Niemand kann Singelin vorwerfen, dass er unpolitisch wäre. FRONTIER zeigt Konzerne, die Planeten plündern, Arbeiterinnen einsperren und jeden Widerstand brutal niederschlagen. Der Bezug zu Gegenwartsthemen wie z.B. seltene Erden, Arbeitsrechte, Fluchtbewegungen oder ökologische Katastrophen ist eindeutig.</p>
<p>Das Problem liegt weniger im Anliegen, mehr in der Ausführung. Die Konzerne sind durchweg monströs. Manager und Söldner agieren fast immer als Karikaturen, die keine Zwischentöne kennen. Auf der anderen Seite stehen reine Opfer und ein idealisierter Zufluchtsort, der jedes ökonomische Problem elegant ausblendet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2708" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_10_1000X713.jpg" alt="Innenseite 10 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_10_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_10_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_10_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_10_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Kapitalismus böse, Kommune gut</h3>
<p>Natürlich darf eine Fiktion vereinfachen. Aber hier wird eine komplexe Debatte in Schablonen gepresst und über das Styling verniedlicht. Kapitalismus ist böse, Gemeinschaft ist gut. Das mag emotional funktionieren. Es liefert nur wenig neue Einsichten.</p>
<p>Die interessantesten Momente entstehen dort, wo Figuren zwischen den Fronten stehen. Camina, die vom Gewaltapparat lebt und sich gleichzeitig davon lösen will. Arbeiter, die wissen, dass der Konzern sie zerstört, aber keine Alternative sehen.</p>
<p>Solche Spannungen tauchen immer wieder auf. Der Comic entwickelt sie nur selten konsequent. Stattdessen kehrt er zum vertrauten Bild zurück. Unternehmen sind abstrakte Monster. Die Hoffnung liegt in einer bewusst handelnden Gemeinschaft. Das ist nicht falsch, es ist nur im Jahr 2025 als Aussage ziemlich dünn.</p>
<h3>Struktur, Tempo und meine Müdigkeit beim Blättern</h3>
<p>Ich fand den Einstieg in das Album sperrig. Der Auftakt ist tatsächlich zäh. Lange Sequenzen im Forschungslabor. Viele erklärende Dialoge. Gleichzeitig deutet Singelin nur an, wie die politische Ordnung der Erde aussieht. Ja, hier geht es um Worldbuilding. Und doch ist es ein Comic für einen Abend auf der Couch und kein Computerspiel, mit dem ich die kommenden Tage verbringen will &#8211; obwohl ich es bei der Vielzahl von Eindrücken wohl muss.</p>
<p>Der Mittelteil gewinnt, sobald das Trio gemeinsam unterwegs ist. Hier entstehen dichte, fast schon filmische Szenen. Der Rhythmus kippt, wenn der Comic zwischen Schockbildern und ruhigen Beobachtungen springt. Manchmal geschieht das harmonisch, manchmal wirkt es wie das Abhaken einer To-do-Liste: Jetzt brauchen wir einen großen Angriff! Jetzt ein leises Gespräch unter Sternenhimmel! Jetzt ein moralisches Dilemma!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2709" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_11_1000X713.jpg" alt="Innenseite 11 von FRONTIER" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_11_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_11_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_11_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_11_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Overkill</h3>
<p>Hinzu kommt die zeichnerische Überfrachtung. Besonders in breiten Panoramen verschwimmen Figuren, Maschinen und Landschaft. Ich hatte es schwer, mich zu entscheiden: Sollte ich der Handlung folgen und zuerst den Text lesen? Oder koste ich die Bilder aus und verliere vielleicht den narrativen Faden?</p>
<p>Im letzten Drittel dann wirkt die Geschichte wiederum seltsam gehetzt. Die Utopie wird eingeführt, geprüft und verteidigt, bevor sie sich wirklich entfalten kann. Ein Band mit 200 Seiten fühlt sich plötzlich kurz an.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Nach der Lektüre verstehe ich, warum so viele Menschen diesen Comic lieben. Das Buch ist visuell beeindruckend. Es erzählt von Freundschaft, Solidarität und dem Versuch, sich einem zerstörerischen System zu entziehen. Es hat wichtige Preise gewonnen und steht auf mehreren Best-of-Listen für aktuelle Science-Fiction-Comics.</p>
<p>Gleichzeitig bleiben meine Vorbehalte massiv. Die politische Ebene ist oft platt. Die Utopie wirkt am Ende wie ein Poster, nicht wie ein ernsthaft gedachtes Gesellschaftsmodell. Die Chibi-Optik nimmt vielen Szenen ihre Schärfe, statt sie zu verstärken. Die Figuren berühren, aber sie überraschen nur selten. Und die erzählerische Struktur ist weniger souverän, als der erste Eindruck vermuten lässt.</p>
<p>Trotzdem würde ich FRONTIER nicht ignorieren. Im Gegenteil. Wer sich für Comics interessiert, die zwischen Manga-Ästhetik, europäischer Science-Fiction und linker Kapitalismuskritik pendeln, kommt um dieses Buch nicht herum. Es ist ein Werk, an dem man sich reiben kann. Man kann es lieben, man kann sich daran abarbeiten, man kann es großartig oder überbewertet finden.</p>
<p>Meine Empfehlung: Lies&#8216; den Band, aber lass&#8216; Dich nicht vom Hype lenken. Nutze die üppigen Bilder, um inne zuhalten, lass&#8216; Dir Zeit und stell&#8216; Dir beim Lesen immer wieder eine Frage: Wo wird hier wirklich erzählt? Und wo wird nur behauptet?</p>
<p>Wenn ein Comic so viel Gesprächsstoff liefert, hat er seinen Job am Ende doch erfüllt&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2710" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_COVER_1000X718-300x418.jpg" alt="Cover von FRONTIER" width="300" height="418" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_COVER_1000X718-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_COVER_1000X718-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_COVER_1000X718-600x836.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/FRONTIER_COVER_1000X718.jpg 718w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />FRONTIER</p>



<p>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/frontier.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a> | Hardcover | 200 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★★☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★★★☆☆</p>
<p>Lettering: ★★★☆☆</p>
<p>Humor: ★☆☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-68950-020-7</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/11/frontier-ein-niedlicher-albtraum-in-pastell/">FRONTIER – Ein niedlicher Albtraum in Pastell</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>ES WAR EINMAL AMERIKA ist Literaturgeschichte in Bildern</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/10/es-war-einmal-in-amerika-ist-literaturgeschichte-in-bildern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Oct 2025 05:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Catherine Mory]]></category>
		<category><![CDATA[François Guérif]]></category>
		<category><![CDATA[Jacoby Stuart Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Baptiste Hostache]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver Gallmeister]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt den Mafiafilm von Sergio Leone, mit Robert de Niro und James Woods aus dem Jahre 1984. Aber um den geht es hier nicht. Der dreibändige Comic ES WAR EINMAL AMERIKA entfaltet jeweils auf rund 250 Seiten einen reichen Teppich aus Literaturgeschichte, Zeitgeist und US-Mythos, wie ihn sonst nur literarische Großwerke wagen. Die Bände [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/10/es-war-einmal-in-amerika-ist-literaturgeschichte-in-bildern/">ES WAR EINMAL AMERIKA ist Literaturgeschichte in Bildern</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt den <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0087843/" target="_blank" rel="noopener">Mafiafilm</a> von Sergio Leone, mit Robert de Niro und James Woods aus dem Jahre 1984. Aber um den geht es hier nicht. Der dreibändige Comic ES WAR EINMAL AMERIKA entfaltet jeweils auf rund 250 Seiten einen reichen Teppich aus Literaturgeschichte, Zeitgeist und US-Mythos, wie ihn sonst nur literarische Großwerke wagen. Die Bände vermitteln Wissen auf eine leicht Art statt &#8211; staubtrocken wie die Prärie &#8211; nur Fakten anzuhäufen.</p>
<p>Das Trio Catherine Mory, Olivier Gallmeister und François Guérif hat sich nicht weniger vorgenommen als den amerikanischen Traum in der Sprache der Comics zu erzählen. Gemeinsam mit dem Zeichner Jean-Baptiste Hostache gelingt ihnen eine bildgewaltige, augenzwinkernde, dabei stets tiefgründige Reise durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2282" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_02_1000x766_2.jpg" alt="Innenseite 02 von ES WAR ENMAL IN AMERIKA" width="766" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_02_1000x766_2.jpg 766w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_02_1000x766_2-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_02_1000x766_2-750x979.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_02_1000x766_2-600x783.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></p>
<h3>Von Huckleberry bis Hemingway</h3>
<p>ES WAR EINMAL AMERIKA beginnt nicht einfach irgendwo, sondern im Gründungsmythos selbst. Die Autoren lassen uns durch die Zeiten reisen: von den Gründervätern, über die Bürgerkriegszeiten, hinein in die turbulenten 1920er, die goldenen Fifties und die unruhigen Sixties. Anhand illustrer Autorenfiguren wie z.B. der von Mark Twain über Edgar Allan Poe, John Steinbeck, Ernest Hemingway bis hin zu den Beatniks wie Kerouac wird die Literaturgeschichte selbst zum erzählerischen Abenteuer. Jede Epoche, jeder Autor bringt jeweils seine eigene Farbe ins Spiel: Fitzgerald&#8217;s Glitzer, Faulkner&#8217;s Südstaatenstaub, Capote&#8217;s Crime-Glamour.</p>
<p>Uns begegnen ikonischen Gestalten, wie der ruhelose Huckleberry Finn, der tragischen Kapitän Ahab, die eigensinnigen Daisy Buchanan oder die gebrochenen, aber nie ganz hoffnungslosen Steinbeck-Helden. Die Autoren verweben biografische Hintergründe mit politischen Umbrüchen und stilistische Innovationen zu einem szenischen Panorama. Die Harlem Renaissance rauscht vorüber, Jazz und Exil-Poeten geben sich ein Stelldichein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2284" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_03_1000x766_3.jpg" alt="Innenseite 03 von ES WAR ENMAL IN AMERIKA" width="766" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_03_1000x766_3.jpg 766w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_03_1000x766_3-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_03_1000x766_3-750x979.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_03_1000x766_3-600x783.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></p>
<h3>Amerika&#8217;s Spiegel in Panel und Tinte</h3>
<p>Kein Abschnitt bleibt dabei ohne doppelten Boden. Die Wirtschaftskrise spiegelt sich in verdrängten Träumen, der Noir-Held des Hardboiled steht selbstverständlich neben dem Südstaaten-Gothic. So wird ES WAR EINMAL AMERIKA zu einer literarisch-visuellen Tour-de-Force durch die amerikanische Literaturgeschichte.</p>
<p>Die Comicfiguren kommentieren und karikieren dabei das Geschehen oft mit ironischem Unterton ohne den Ernst der Lage jemals ins Lächerliche kippen zu lassen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2286" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_04_1000x766_4.jpg" alt="Innenseite 04 von ES WAR ENMAL IN AMERIKA" width="766" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_04_1000x766_4.jpg 766w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_04_1000x766_4-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_04_1000x766_4-750x979.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_04_1000x766_4-600x783.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></p>
<h3>Von Melancholikern und Machos</h3>
<p>Im Zentrum der Handlung stehen neben den berühmten Schriftstellern selbst die literarischen Kinder Amerikas. Huckleberry Finn ist mehr als nur der Schelm auf dem Floß. Er fungiert als Reiseführer durch das kollektive Unterbewusstsein eines Landes, dessen Identität immer im Werden begriffen ist. Poe wird als dunkler Zauberer der modernen Genreszenen inszeniert, F. Scott Fitzgerald wechselt zwischen Glitzer und Melancholie, Hemingway prahlt maskulin, nur um daran zu zerbrechen.</p>
<p>Die Mory, Gallmeister und Guérif schaffen es, diese Figuren sowohl als Legenden als auch Menschen mit Fehlern, Selbstzweifeln und genialen Ausbrüchen zu zeigen. Dabei wird kein billiger Heldenmythos produziert, sondern Ambivalenz kultiviert. Faulkner, der Melancholiker des Südens, ringt ebenso mit seinem Schatten wie Jack Kerouac mit den Geistern der Rastlosigkeit.</p>
<p>Die Comicgestaltung setzt dabei auf subtil nuancierte Mimik und Körperhaltung, ein wenig wie in Art Spiegelman&#8217;s MAUS oder Loisel&#8217;s AUF DER SUCHE NACH DEM VOGEL DER ZEIT, nur hier eben im Dienste der amerikanischen Literaturgeschichte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2288" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_05_1000x766_5.jpg" alt="Innenseite 05 von ES WAR ENMAL IN AMERIKA" width="766" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_05_1000x766_5.jpg 766w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_05_1000x766_5-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_05_1000x766_5-750x979.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_05_1000x766_5-600x783.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></p>
<h3>Historische Bezüge</h3>
<p>Was ES WAR EINMAL AMERIKA auszeichnet, ist der vielschichtige Umgang mit der wechselvollen US-Geschichte. Der Comic versäumt es nicht, von Rassentrennung, Sklaverei, Mafia, Prohibition und Bürgerkrieg zu erzählen, ohne dabei jedoch didaktisch zu werden.</p>
<p>Stattdessen erzählt er aus der Sicht der Betroffenen, dem afroamerikanischen Schriftsteller, der sich gegen Ausschluss und Diskriminierung behauptet, dem Trucker in der Krisenzeit oder dem Beatpoeten, der nach Spiritualität und Gleichheit hungert.</p>
<p>Der Humor, mal bissig, mal melancholisch, wirkt stets als Katalysator für Erkenntnis. Die berühmte Kapitän-Ahab-Szene wird dramatisch inszeniert, doch bricht der Comic immer wieder aus dem Pathos aus, beispielsweise mit Meta-Kommentaren der Figuren direkt ins Panel.</p>
<p>Im Subtext schwingt Kritik am Makel des amerikanischen Traums mit. Fragen nach Ungleichheit, Emanzipation und dem Scheitern großspuriger Visionen ziehen sich wie ein blau-rot-weißer Faden durch die Seiten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2290" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_06_1000x766_6.jpg" alt="Innenseite 06 von ES WAR ENMAL IN AMERIKA" width="766" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_06_1000x766_6.jpg 766w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_06_1000x766_6-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_06_1000x766_6-750x979.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_06_1000x766_6-600x783.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></p>
<h3>Die Macher hinter dem Mythos</h3>
<p>Oliver Gallmeister und François Guérif kennen sich aus mit amerikanischer Literatur, während Catherine Mory für intelligente, Sujet übergreifende Romanbearbeitungen bekannt ist. Alle drei sind Spezialisten für die literarische und historische Vermittlung von Literatur.</p>
<p>Jean-Baptiste Hostache, der bereits mit <a href="https://www.splitter-verlag.de/assassin-s-creed-conspirations.html" target="_blank" rel="noopener">ASSASIN&#8217;S CREED CONSIPARTIONS</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/clockwerx-bd-1-genesis.html" target="_blank" rel="noopener">CLOCKWERX</a> beeindruckte, setzt hier einen weiteren Meilenstein im Bereich des historisch-literarischen Comics. Seine Arbeiten sind hier schlichter gehalten und greifen Elemente der Karikatur wie auch der Literarisierung auf, ohne ins Banale abzugleiten.</p>
<p>Hostache&#8217;s Stil ist charakterisiert von klaren Linien, von pointiertem Farbgebrauch und kontrollierter Überzeichnung. Er erinnert streckenweise an die Ligne Claire der Klassiker wie TIM UND STRUPPI, bleibt aber roher, eigenständig und nimmt sich hinter der Geschichte zurück. </p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2292" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_07_1000x766_7.jpg" alt="Innenseite 07 von ES WAR ENMAL IN AMERIKA" width="766" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_07_1000x766_7.jpg 766w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_07_1000x766_7-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_07_1000x766_7-750x979.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_07_1000x766_7-600x783.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></p>
<h3>Zweimal Amerika, zweimal anders</h3>
<p>ES WAR EINMAL AMERIKA ist Bestandteil einer dreibändigen Reihe, die sich jeweils unterschiedlichen Aspekten der amerikanischen Literatur- und Kulturgeschichte widmet.</p>
<p>Im ersten Band finden sich James Fenimore Cooper&#8217;s letzter Mohikaner und der Völkermord an den Ureinwohnern, Nathaniel Hawthorne mit den Hexen von Salem, Edgar Allan Poe und die Erfindung des Kriminalromans, Henry David Thoreau mit der Erfindung des Nature Writing und der Kampf gegen die Sklaverei, Walt Whitman mit der Geburt der amerikanischen Poesie und dem Sezessionskrieg, Herman Melville mit seinem Moby Dick und der Eroberung der Ozeane, Emily Dickinson und der Puritanismus, Mark Twain und der Humor des Westens, Henry James und der Gegensatz zwischen der alten und der neuen Welt sowie Jack London und der Goldrausch</p>
<p>Während der erste Band also die Grundlagen des amerikanischen Selbstverständnisses beleuchtet, wagt Band zwei im Herbst 2025 einen Zeitsprung in die Moderne, setzt noch stärker auf stilistische Innovationen und legt mehr Wert auf den politischen Subtext.</p>
<p>Der zweite &#8211; und derzeit aktuellste &#8211; Band reiht sich gekonnt ein, bezieht sich auf seine Vorgänger, erweitert jedoch Perspektive wie Tiefenschärfe und macht neugierig auf abschließende &#8211; oder weitere? &#8211; Bände.</p>
<p>Interessant ist, dass jede Episode einerseits für sich steht, sie andererseits aber einen roten Faden durch die Entwicklung der amerikanischen Erzähl- und Identitätskultur bilden. Parallelen zu Reihen wie AMERICAN SPLENDOR oder die monumentalen Adaptionen von WILL EISNER sind dabei durchaus angebracht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2294" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_09_1000x766_9.jpg" alt="Innenseite 09 von ES WAR ENMAL IN AMERIKA" width="766" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_09_1000x766_9.jpg 766w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_09_1000x766_9-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_09_1000x766_9-750x979.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_09_1000x766_9-600x783.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></p>
<h3>Literaturgeschichte für Comicleser</h3>
<p>ES WAR EINMAL AMERIKA ist ein Comic für alle, die Amerika lieben und für alle, die seinen Glanz kritisch hinterfragen. Die größten Stärken sind das ironische Spiel mit Genre und Zeitgeist, die nuancenreiche Charakterzeichnung und das brillante Zusammenspiel aus Text und Bild.</p>
<p>Die bisher erschienenen Bände verstehen es, die großen Themen der US-Literatur anschaulich darzustellen, ohne dabei bildungsbürgerlich zu wirken. Wer einen staubtrockenen Schmöker befürchtet, wird positiv überrascht. Die Panels sind humorvoll, selbst reflektierend und gelegentlich sogar richtig frech.</p>
<p>Natürlich bleibt Raum für Kritik: Manche Episoden könnten mehr Tiefe vertragen, insbesondere die Perspektiven weiblicher Autoren werden nur am Rand behandelt. Insgesamt aber ist ES WAR EINMAL AMERIKA ein großartiges Beispiel dafür, wie Comics komplexe Geschichten vermitteln können und dabei lehrreich, unterhaltsam und ein Fest für die Sinne sein können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2296" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_10_1000x766_10.jpg" alt="" width="766" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_10_1000x766_10.jpg 766w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_10_1000x766_10-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_10_1000x766_10-750x979.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_10_1000x766_10-600x783.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 766px) 100vw, 766px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ES WAR EINMAL AMERIKA überzeugt nicht nur Comic-Kenner, sondern dürfte viele Lesemuffel für die großen Geschichten Nordamerikas begeistern. Wer einen Einstieg in amerikanische Literatur sucht, findet hier eine unterhaltsame, intelligente und optisch schön gestaltete Einführung, die zum Weiterschmökern verführt.</p>
<p>Allen, die an der Schnittstelle von Comic, Geschichte und literarischer Innovation schwelgen wollen, sei die Bände ans Herz gelegt: Lest, lacht – und entdeckt Amerika neu!</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2318" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-300x389.jpg" alt="Cover von ES WAR EINMAL IN AMERIKA 1" width="300" height="389" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-300x389.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-750x973.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-768x996.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-600x778.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1.jpg 771w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />ES WAR EINMAL AMERIKA &#8211; Das 19. Jahrhundert (1 von 3)</p>
<p>© <a href="https://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/neuerscheinungen/es-war-einmal-amerika/" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Jacoby Stuart</a> | Hardcover | 224 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★★★☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★★★☆☆</p>
<p>Lettering: ★★☆☆☆</p>
<p>Humor: ★★☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-96428-272-9</p>
<p>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">Die bisher erschienenen Bände der Reihe:</p>

<a href='https://panelwalker.de/2025/10/es-war-einmal-in-amerika-ist-literaturgeschichte-in-bildern/es_war_einmal_in_amerika_01_cover_new_1000x771_1/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="389" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-300x389.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von ES WAR EINMAL IN AMERIKA 1" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-300x389.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-750x973.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-768x996.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1-600x778.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_01_Cover_new_1000x771_1.jpg 771w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/es_war_einmal_in_amerika_02_cover_new_1000x749_2/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="401" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_02_Cover_new_1000x749_2-300x401.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von ES WAR EINMAL IN AMERIKA 2" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_02_Cover_new_1000x749_2-300x401.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_02_Cover_new_1000x749_2-600x801.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/09/ES_WAR_EINMAL_IN_AMERIKA_02_Cover_new_1000x749_2.jpg 749w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/10/es-war-einmal-in-amerika-ist-literaturgeschichte-in-bildern/">ES WAR EINMAL AMERIKA ist Literaturgeschichte in Bildern</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>SHUBEIK LUBEIK &#8211; Ein Kiosk voller Sehnsucht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Sep 2025 05:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Deena Mohamed]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber und Leser Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich gebe es ja zu: Ich habe noch nicht viele arabische bzw. arabisch inspirierte Comics gelesen oder Gesellschaftsparabeln, die Magie als Metapher nutzen. Aber SHUBEIK LUBEIK (was wohl soviel bedeutet wie: DEIN WUNSCH IST MIR BEFEHL) war eine Überraschung. Eine positive. Das Werk ist eine dieser raren Entdeckungen, bei denen ich Seite um Seite langsamer [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich gebe es ja zu: Ich habe noch nicht viele arabische bzw. arabisch inspirierte Comics gelesen oder Gesellschaftsparabeln, die Magie als Metapher nutzen. Aber SHUBEIK LUBEIK (was wohl soviel bedeutet wie: DEIN WUNSCH IST MIR BEFEHL) war eine Überraschung. Eine positive.</p>
<p>Das Werk ist eine dieser raren Entdeckungen, bei denen ich Seite um Seite langsamer lese, um das Ende hinauszuzögern. Einfach weil ich merke, dass hier etwas passiert, das ich in dieser Form selten erlebe: ein Comic, der warmherzig ist und gleichzeitig messerscharf, der poetisch ist, aber auch brutal ehrlich. Ein Comic, der sich visuell wie inhaltlich traut, unbequem zu sein.</p>
<p>Die Geschichte beginnt vor einem Kiosk in Kairo oder besser: es beginnen drei Geschichten. Drei, die sich nicht wie Zahnräder ineinander fügen, sondern eher wie drei Himmelskörper denselben Fixstern umkreisen. Es gibt Flaschen, darin Magie, aber keinen Dschinn, der nach der Befreiung Karawanen voller Geschmeide oder Kleidung ausspuckt.</p>
<p>Stattdessen sind Wünsche in dieser Welt reguliert, behördlich klassifiziert und &#8211; natürlich &#8211; teuer. Und gefährlich, wie man direkt zu Beginn sieht, als ein Werbespot vor den Fallstricken drittklassiger Wünsche warnt. &#8222;Hüte Dich vor Deinen Wünschen&#8220;, scheint der Spot auf seine ganz eigene, mit schwarzem Humor gespickte Art zu rufen. &#8222;Hüte Dich!&#8220; Denn wenn Du es dem Wunsch überlässt, wie er Deine Sehnsüchte umsetzt, ist das Ergebnis im besten Fall nur unerwartet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1971" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIK_LUBEIK_Seite-09.jpg" alt="Innenseite 1 von SHUBEIK LUBEIK" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIK_LUBEIK_Seite-09.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIK_LUBEIK_Seite-09-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIK_LUBEIK_Seite-09-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Drei Wünsche und ein Kiosk</h3>
<p>Nach dieser ersten Einführung: Wer sind denn nun unsere handelnden Personen?</p>
<p>Da ist Shokry, der Ladenbesitzer, mit seinem wachen Blick und seiner inneren Zerrissenheit. Eine Figur, die nicht heldenhaft sein will, die aber Würde hat.</p>
<p>Und da ist Aziza, eine junge Frau, die sich jahrelang einen erstklassigen Wunsch zusammen spart, nur um beim Kauf daran erinnert zu werden, wie sehr das System gegen Menschen wie sie aufgebaut ist. Es schmerzt, das zu lesen.</p>
<p>Und dann ist da noch Nour. Ihm stellt sich die Frage, was der &#8222;richtige&#8220; Wunsch ist. Justiere ich mein Glück per Knopfdruck? Oder besteht das Leben darin, eben nicht alles kontrollieren zu können? Nour hat keine einfache Antwort. Und ich als Leser auch nicht.</p>
<p>Was SHUBEIK LUBEIK für mich einzigartig macht ist, dass dieses Kairo kein Postkarten-Kairo ist. Es ist kein orientalisierter Hintergrund für westliches Storytelling. Es ist lebendig, es ist widersprüchlich, verrückt, kaputt und vor allem in seiner gezeigten Magie realistisch und in seiner Realität ein wenig magisch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1972" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIK_LUBEIK_Seite-10.jpg" alt="Innenseite 2 von SHUBEIK LUBEIK" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIK_LUBEIK_Seite-10.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIK_LUBEIK_Seite-10-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIK_LUBEIK_Seite-10-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Geschichten, die sich weigern, einfach zu sein</h3>
<p>Was ich an der erzählerischen Struktur von SHUBEIK LUBEIK schätze, ist, dass mich die Geschichte ernst nimmt. Kein überhasteter Spannungsaufbau, keine Marvel-Formel, kein Pseudo-Klimax. Deena Mohamed nimmt sich Zeit für ihren Geschichten, gibt ihnen Luft, gibt ihnen Grauzonen.</p>
<p>Das fühlt sich manchmal fast ein wenig trotzig an und kreiert ein Comic, der sich dem Page-Turner-Diktat entzieht, ohne dabei träge zu sein. Meine europäischen Lesegewohnheiten muss ich hier sowieso umstellen, weil der Comic &#8211; wie ein Manga &#8211; ganz arabisch von hinten nach vorne gelesen werden will. Auch dies trägt aktiv zu Entschleunigung bei. Ich trage also meine Pantoffel statt meiner Straßenschuhe und bewege mich gemächlich durch die Geschichte(n). Aber ich schweife ab.</p>
<p>Wo war ich? Ach, ja! Drei Figuren, drei Perspektiven auf das Wünschen. Sie berühren sich, kreuzen sich ein wenig, aber nie so, dass man auf einen gemeinsamen Showdown hofft. Denn das wäre das Falsche. Diese Geschichten wollen nicht zusammengeführt, sondern verstanden werden. Jede für sich, jede mit ihrer eigenen Wucht. Wie in den märchenhaften Geschichten aus 1000-und-einer-Nacht.</p>
<h3>Keine Magie ohne Antrag</h3>
<p>Mich hat beeindruckt, wie Deena Mohamed die Machtstrukturen, die der Wunschhandel mit sich bringt, so beiläufig einflicht, dass ich sie fast überlese und mich dann plötzlich dabei erwische, wie ich mich frage: Wer darf hier eigentlich etwas wünschen? Wer kann sich das leisten? Und warum?</p>
<p>Formal nutzt Mohamed eine Art Dokumentarstil, eine gewisse Werbeästhetik und sogar manchmal staatlich wirkende Bilder. Ein Wunsch ist nicht einfach eine Entscheidung des Herzens. Er ist eine öffentliche Angelegenheit, verwaltet, reguliert, bürokratisiert und hier und da auch boykottiert. Schließlich haben Wünsche Konsequenzen. Nicht nur für die Person, die sich etwas wünscht. All das macht Deena Mohamed mir ohne erzählerischen Zeigefinger sichtbar.</p>
<p>Auf ganz leise Weise stellt SHUBEIK LUBEIK die große Frage: Was passiert, wenn das größte Versprechen überhaupt – nämlich dass Du alles sein kannst – tatsächlich real würde? Die Antwort darauf ist so bitter, klug und humorvoll wie das Leben eben ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1974" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-492.jpg" alt="Innenseite 4 von SHUBEIK LUBEIK" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-492.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-492-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-492-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Keine Helden, nur Menschen mit Wünschen</h3>
<p>Aziza hat mich gepackt. Ihre Geschichte ist ein leiser Schlag in die Magengrube. Sie besitzt Stolz, Verletzlichkeit, einfache Träume und den fiebrigen Glauben an Gerechtigkeit. Und wie sie von einem System behandelt wird, das nette Formulare hat, aber kalte Augen. Sie ist keine tragische Figur, sondern eine starke Frau, deren Geschichte stellvertretend für viele andere steht.</p>
<p>Shokry ist dem gegenüber nicht der Archetyp des moralischen Helden, sondern ein Zweifler vor dem Herrn. Ein Typ, der viel denkt und wenig spricht. Der seinen Frieden will, ihn aber nicht erhält, ohne zu handeln. Ich kenne Menschen wie ihn und ich finde es großartig, wie der Comic ihn zeigt.</p>
<p>Und zu Nour muss sich sowieso jeder selbst seine eigenen Gedanken machen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1975" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-493.jpg" alt="Innenseite 5 von SHUBEIK LUBEIK" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-493.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-493-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-493-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Jeder Wunsch hat sein Gesicht</h3>
<p>Auch die Nebenfiguren bekommen ihren Raum. Selbst Menschen, die in nur drei Panels zu sehen sind, scheinen zu leben und wirken wie echte Existenzen. Und wieder schwingen unausgesprochene Fragen mit: Warum lebt diese Frau allein? Woran glaubt dieser Verkäufer? Wozu braucht dieses Kind einen drittklassigen Wunsch?</p>
<p>Deena Mohamed nimmt dem Schwarz-Weiß die Macht. Alle sind schattiert, grau, voller Sehnsüchte, voller Zweifel und manchmal auch voller Komik.</p>
<h3>Die Frau, die Wünsche zeichnete</h3>
<p>Ich bin ehrlich: Ich habe Deena Mohamed gegoogelt, noch bevor ich die letzte Seite von SHUBEIK LUBEIK umgeblättert hatte. Wer ist diese Frau, die es schafft, systemische Kritik so charmant, komplex aber greifbar in Szene zu setzen?</p>
<p>Deena Mohamed ist keine Newcomerin im eigentlichen Sinne. Bereits mit dem Web-Comic <a href="https://qaherathesuperhero.com/" target="_blank" rel="noopener">QAHERA</a> hat sie sich in der Comic-Welt einen Namen gemacht, mit einer Hijabi-Superheldin gegen Sexismus und Islamophobie. Doch mit SHUBEIK LUBEIK hebt sie sich noch einmal auf eine andere Ebene. Es ist nicht mehr Protest mit Cape, sondern poetischer Realismus mit Prüfsiegel.</p>
<p>Die arbeitsreichen Jahre sieht man dem Comic an. Nichts scheint unter Zeitdruck entstanden zu sein, wirkt gehetzt. Alles scheint durchdacht und ausgearbeitet zu sein. Und genau das macht den Band besonders. Mohamed erzählt mit Neugier, nicht mit dem Zeigefinger. Sie interessiert sich wirklich für &#8222;ihre&#8220; Menschen, nicht nur für deren Positionen und das Sujet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1976" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-494.jpg" alt="Innenseite 6 von SHUBEIK LUBEIK" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-494.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-494-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-494-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Eine Stimme aus Kairo mit globalem Echo</h3>
<p>Mohamed besitzt die Fähigkeit, westliche und arabische Sehgewohnheiten zu mischen, ohne sich anzubiedern. Sie bleibt bei sich, bei ihrem Kairo und ihrer Sprache. Ich hoffe, dass wir noch viel von ihr sehen werden.</p>
<p>Denn wenn Comics klug sind, universell und ehrliche Fragen stellen, dann ist da noch viel Luft nach oben.</p>
<h3>Bilder, die zwischen den Zeilen sprechen</h3>
<p>Ich kann mich nicht erinnern, wann mich ein Comic zuletzt beim Blättern so häufig innehalten ließ. Anfangs wegen der mangaesken bzw. orientalischen Leserichtung von hinten nach vorne und rechts nach links. Nicht wegen der Effekte. Sondern weil ich einfach das jeweilige Bild anschauen wollte. Eine Straßenszene, ein schweigender Blick, eine überzeichnete Werbetafel für Billigwünsche.</p>
<p>Deena Mohamed zeichnet teils schlicht, dann aber wiederum genau und gekonnt. Sie erzählt. Und das ist ein Unterschied. Ihr Stil ist ruhig, fast dokumentarisch, dabei voller Details. Wenig Action, viel Atmosphäre. Und genau das passt zur dieser Welt, die sie uns zeigt. Kairo lebt aus jedem Panel. Zwischen Südwind und Dreck, zwischen Tee und Alpträumen liegt hier eine ganze Gesellschaft auf dem Papier.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1977" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-495.jpg" alt="Innenseite 7 von SHUBEIK LUBEIK" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-495.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-495-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-495-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Sehnsucht in Schwarz-Weiß</h3>
<p>Besonders kraftvoll und experimentell wird es, wenn die Realität bricht, in Nour&#8217;s inneren Monologen, bei Wunschübungen oder in symbolischen Sequenzen. Dann kaschiert Mohamed Farben, schichtet Panels übereinander, durchbricht die Seite. Dabei ist sie nie aufdringlich. Ich hatte jedes Mal das Gefühl, dass alles genau so passiert. Nicht hübsch, aber richtig.</p>
<p>Manche von uns mögen sich mehr Dynamik wünschen. Ich persönlich fand die Zurückhaltung eine Wohltat. SHUBEIK LUBEIK fordert, aber es drängt nicht. Es kümmert sich mehr um das Gefühl als um den Effekt.</p>
<h3>Eine Welt, die verdächtig echt wirkt</h3>
<p>Was mich nicht loslässt ist, wie realistisch diese fantastische Welt ist. Ja klar, es gibt Wünsche in Flaschen. Aber darauf ist kein Feenstaub, darin kein orientalistischer Schnick-Schnack. Stattdessen Verwaltung, Regeln, dubiose Schwarzmarktgeschäfte, Werbung, Misstrauen. Diese Gesellschaft glaubt nicht mehr an das Wunder, sie hat es in Paragraphen gezwängt.</p>
<p>Ich habe oft an unsere Realität gedacht. An Leistungsgesellschaft und Selbstoptimierung, an das Ideal, alles haben zu können, wenn man nur will. SHUBEIK LUBEIK seziert diesen neo-liberalen Trugschluss mit ägyptischem Anstrich, aber es funktioniert global. In Berlin genauso wie in Beirut. Denn wer von uns hat nie gedacht &#8222;Wenn ich nur einmal WIRKLICH könnte…&#8220;?</p>
<p>Mohamed liefert die Wunschmaschine, aber sie zeigt auch die Zwischentöne, die Gier und die Angst, die Sprachlosigkeit, die Religion, das Kapital und den Kolonialismus: alles steckt in diesen Flaschen. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1978 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-496.jpg" alt="Innenseite 8 von SHUBEIK LUBEIK" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-496.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-496-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK-Seite-496-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich lege das Buch zur Seite, schwer im Gewicht, schwer aber auch im Inhalt. Und ich denke: Wenn das die Zukunft des Comics ist, dann bin ich dabei.</p>
<p>SHUBEIK LUBEIK – DEIN WUNSCH IST MIR BEFEHL ist eines dieser Werke, das bleiben wird. Nicht nur wegen der Idee der Wunschflaschen. Sondern weil es sich traut, Fragen zu stellen, bei denen andere nur Antworten liefern wollen.</p>
<p>Es ist auch ein Statement, dass Comics mehr können als Action oder Autobiografie. Sie können Worldbuilding, Philosophie, Empathie und das alles in einem Format, das sich fantastisch anfühlt.</p>
<p>Fast hätte ich dieses Kleinod übersehen. Irgendwer scheint aber den Wunsch gehabt zu haben, dass ich es lese. Wer eine Alltagsflucht mit Tiefgang sucht, landet bei diesem Comic einen Glückstreffer. </p>
<p>Für mich war das keine Lektüre, sondern ein Besuch. In einer Stadt, die ich noch nicht gesehen habe, unter Menschen, die ich nicht kannte, die mir aber plötzlich vertraut erschienen. Und in einer Geschichte, die mich selbst herausgefordert hat. Was würde ich mir eigentlich wünschen, wenn es möglich wäre?</p>
<p>&#8222;SHUBEIK LUBEIK &#8211; Was ist Dein Begehr?&#8220; &#8222;Ich wünschte mir einen zweiten Band&#8230;&#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-1979" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK_Cover-300x424.jpg" alt="Cover von SHUBEIK LUBEIK" width="300" height="424" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK_Cover-300x424.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK_Cover-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/SHUBEIKLUBEIK_Cover.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />SHUBEIK LUBEIK &#8211; DEIN WUNSCH IST MIR BEFEHL</p>
<p>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/index.php?main_page=index&amp;cPath=cPath=1_26&amp;zenid=a910536c3df246d54d981dcc2183190d#tag858" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Schreiber und Leser Verlag</a> | Hardcover | 528 Seiten | S/W und Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★★★☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★☆☆☆☆</p>
<p>Lettering: ★★★☆☆</p>
<p>Humor: ★★★☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-96582-199-6</p>
<p>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/09/shubeik-lubeik-ein-kiosk-voller-sehnsucht/">SHUBEIK LUBEIK – Ein Kiosk voller Sehnsucht</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Schatten über Barcelona – GAUDIS GESPENST</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Aug 2025 05:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus Alonso Iglesias]]></category>
		<category><![CDATA[Juan Antonio Torres Garcia (El Torres)]]></category>
		<category><![CDATA[Salleck Publications Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Barcelona pulsiert. Die Stadt ist voller Leben, voller Kunst, voller Geschichte. Doch hinter den berühmten Fassaden des katalanischen Großmeisters Antoni Gaudí geschieht Schreckliches. Es beginnt unscheinbar. Die Supermarkt-Kassiererin Antonia (genannt Toni) rettet einem alten Mann, der gedankenverloren vor eine Straßenbahn läuft, das Leben. Sie wird verletzt, der Mann verschwindet und Toni fühlt sich fortan seltsam [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Barcelona pulsiert. Die Stadt ist voller Leben, voller Kunst, voller Geschichte. Doch hinter den berühmten Fassaden des katalanischen Großmeisters Antoni Gaudí geschieht Schreckliches.</p>
<p>Es beginnt unscheinbar. Die Supermarkt-Kassiererin Antonia (genannt Toni) rettet einem alten Mann, der gedankenverloren vor eine Straßenbahn läuft, das Leben. Sie wird verletzt, der Mann verschwindet und Toni fühlt sich fortan seltsam verfolgt. Schon bald ist in ihrem Leben nichts mehr wie zuvor.</p>
<h3>Blutige Schatten zwischen Mosaiken</h3>
<p>Kaum zurück im Alltag, überschlagen sich die Ereignisse. In unmittelbarer Nähe eines von Gaudí entworfenen Gebäudes wird eine brutal entstellte Leiche gefunden. Details des Mordes erinnern an rituelle Praktiken. Die Eingeweide des Opfers sind grausam zur Schau gestellt und schon bald zieht ein kaltblütiger Serienmörder eine blutige Spur durch die gesamte Stadt. Die Verbindung: An jedem Tatort spielt die Architektur Gaudís eine zentrale Rolle.</p>
<p>Inspektor Calvo, einst ein gefeierter Ermittler, heute von seinem Dienst suspendiert und mit Privatproblemen beladen, verfolgt die Spuren. Er entdeckt Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern und der Geschichte Gaudí&#8217;s. Der Geist des Architekten scheint (wortwörtlich) durch die Straßen Barcelonas zu wandeln. Calvo erkennt Zusammenhänge, die seine Polizeikollegen ignorieren. Seine Vorgesetzten unterschätzen dabei die Gefahr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1683" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_01.jpg" alt="Innenseite 1 von GAUDIS GESPENST" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_01.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_01-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_01-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Mysterien im Herzen Kataloniens</h3>
<p>Auch Toni fühlt sich immer tiefer in den Strudel aus Illusionen, Kunst und Mord hineingezogen. Sie glaubt, den Geist Gaudís gesehen zu haben. Halluzinationen vermischen sich mit Realität. Dabei geraten Calvo und Antonia unabhängig voneinander ins Zentrum dieser Mordserie. Die Ermittlungen führen sie in bisher verborgene Ecken der Stadt, aber auch in ihre eigenen Vergangenheit.</p>
<p>Der finale Showdown findet hoch über der Stadt &#8211; unübersehbar &#8211; auf der <a href="https://sagradafamilia.org/en/" target="_blank" rel="noopener">Sagrada Família</a> statt. Inspektor Calvo, Antonia und der Täter treffen hier aufeinander. Es kommt zum Showdown, bei dem sich Wahnsinn, Obsession und das Streben nach einer göttlichen Kunst tragisch entladen. Der Fall endet so spektakulär wie die Kulisse, in der er sich abspielt. Und am Ende bleibt die Frage: Sind in dieser Stadt die Toten wirklich tot?</p>
<h3>Von Morden und Meisterwerken</h3>
<p>GAUDIS GESPENST entfaltet sich als Krimi, der weit mehr ist als bloße Polizeiarbeit eines Whodunit-Falles. Die Handlung nimmt Fahrt auf, sobald Antonia dem Alten begegnet und damit quasi mit Gaudí in Kontakt tritt. Von hier an steuert die Geschichte mit klarem Ziel auf ihren dramatischen Schlusspunkt zu.</p>
<p>El Torres (bürgerlich Juan Antonio Torres Garcia) versteht es, die Elemente des klassischen Whodunit mit Horrorelementen und einem Hauch Übersinnlichem zu vermengen. Besonders gelungen wirkt seine Kombination realer, architektonischer Schauplätze mit einer Nerven aufreibenden Mörderjagd.</p>
<p>Immer wieder spielt der Autor die Faszination aus, die von Gaudís Bauwerken ausgeht. Die Erzählstruktur verschachtelt er dabei bewusst. Rückblenden geben Einblick in Calvo&#8217;s Vergangenheit. Träume und Visionen lassen Realitäten und Fantasien verschwimmen.</p>
<p>Narrativ arbeitet El Torres mit klaren Schnitten. Die Panels folgen dicht aufeinander, erlauben kaum eine Pause durchzuatmen. Wir werden so sehr schnell in den Sog der Enthüllungen hinein gezogen. Gleichzeitig bleibt aber genügend Raum für die handelnden Figuren, sich zu entfalten.</p>
<p>Der Spannungsbogen hält, auch weil El Torres konsequent auf überflüssige Nebenhandlungen verzichtet. Jede Szene greift unmittelbar ins Hauptthema ein. Was dient der Handlung? Alles! Wer sich für klassische Kriminalgeschichten interessiert, findet zahlreiche Referenzen von modernen Serienkillergeschichten bis hin zur der Art, wie Edgar Allan Poe seine Geschichten erzählte. Die Dramaturgie führt vom vermeintlich Zufälligen zum Unentrinnbaren.</p>
<p>Wer Barcelona schon einmal besucht hat, wird viele Handlungsorte wiedererkennen und &#8211; wie ich &#8211; in Erinnerungen schwelgen können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1684" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_02.jpg" alt="Innenseite 2 von GAUDIS GESPENST" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_02.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_02-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_02-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Zwischen Menschen und Mythos</h3>
<p>Antonia steht im Mittelpunkt dieser Erzählung. Als einfache, bodenständige Kassiererin ist sie alles andere als eine klassische Heldin. Gerade das macht ihren Werdegang glaubwürdig. Ihr skeptischer Blick auf die eigenen Halluzinationen, der Kampf mit der Realität verleiht dem Werk psychologische Tiefe. Antonia ist weder Ermittlerin noch Opfer, sondern eine zutiefst menschliche Figur mit Fehlern, Ängsten und einer Verbundenheit zu ihrer Stadt.</p>
<p>Demgegenüber wirkt Inspektor Calvo anfangs wie ein abgedroschenes Klischee. Ein in Ungnade gefallener Ermittler, geplagt von Fehlern, isoliert vom Apparat. El Torres gelingt es aber, ihm überraschende Nuancen zu geben. Seine Besessenheit von der Aufklärung des Falls, sein Zerbrechen an inneren Dämonen, seine Nähe zur Kunst Gaudí&#8217;s &#8211; all das sorgt für Dramatik und Empathie bietet schnell Identifkationspotential.</p>
<p>Der Antagonist bleibt lange anonym. Er agiert wie ein Schatten, ein Gespenst im Takt der Stadt. Erst spät klärt sich, welche Motivation ihn antreibt und wie seine Taten mit Gaudí&#8217;s Vermächtnis verwoben sind.</p>
<p>Auch Nebenfiguren wie Antonia&#8217;s Sohn oder Calvo&#8217;s frühere Kollegen erhalten ausreichend Tiefe, um aktiv etwas zur Handlung betragen zu können. Die Entwicklungsideen sind zwar klassisch, werden aber so präzise umgesetzt, dass sie nie ins Abgedroschene abgleiten.</p>
<h3>Teamwork zwischen Horror und Historie</h3>
<p>El Torres und Iglesias erschaffen gemeinsam ein Werk, das Kriminalplot und Künstlerbiografie vereint. Die Konstellation funktioniert, weil Beide an den Grenzen ihrer jeweiligen Genres arbeiten. Genau dieser Crossover-Charme ist es, der mich neben den Zeichnungen angezogen hat.</p>
<p>El Torres, Jahrgang 1972, ist ein Veteran der spanischen Comiclandschaft. Er schuf zahlreiche, international beachtete Arbeiten. Darunter das Höllenspektakel <a href="https://www.reuffel.de/ebooks/detail/ISBN-9783957980427/Torres-El/Nancy-in-Hell---Die-H%C3%B6lle-auf-Erden" target="_blank" rel="noopener">NANCY IN HELL</a>, der irre Mystery-Trip <a href="https://www.goodreads.com/series/348278-the-suicide-forest" target="_blank" rel="noopener">THE SUICIDE FOREST</a> und die Fantasy-Reihe <a href="https://www.goodreads.com/en/book/show/17879732-rogues" target="_blank" rel="noopener">ROGUES!</a>.</p>
<p>Mit GAUDIS GESPENST kombiniert er seine Stärken, nämlich eine sichere Hand für Thrillerstrukturen und ein feines Gespür für das Surreale. Torres experimentiert mit Erzählrhythmen und Schemen, bleibt dabei aber immer zugänglich.</p>
<p>Jesus Alonso Iglesias setzt das Szenario großartig in Szene. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Arbeit an der Westernserie <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-daltons-bd-1.html" target="_blank" rel="noopener">DIE DALTONS</a>. Sein Werdegang reicht von Animationsdesigner bis zum Comiczeichner für den französischen und spanischen Markt. Dem Animationsdesigner in ihm verdanken wir die beweglichen, lebensechte Figuren dieser Welt. Der Stil von Iglesias kombiniert expressive Linien mit detailreicher Architektur. Er arbeitet auffällig mit Kontrasten aus Licht und Schatten, Weite und Enge, Fantasie und Realität.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1685" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_03.jpg" alt="Innenseite 3 von GAUDIS GESPENST" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_03.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_03-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_03-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Farbenzauber und Fassaden</h3>
<p>Die Zeichnungen von Jesus Alonso Iglesias geben GAUDIS GESPENST ein Gesicht. Iglesias versteht es, die Lichtstimmungen Barcelonas einzufangen. Seine Panels sind voller Dynamik und sehr lebendig. Besonders die Darstellungen von Gaudí&#8217;s Bauwerken stechen heraus. Iglesias nutzt weiche Übergänge, expressiven Strich und eine tiefe Farbpalette, um Bewegung und Statik nebeneinander zustellen.</p>
<p>Die Gesichter und die Körpersprache seiner Figuren wirken leicht karikiert. Dadurch entsteht bei uns eine emotionale Distanz, die die Brutalität der Handlung erträglicher macht. Die Farbgebung ist nicht nur illustrativ, sondern erzählerisch eingebunden. Je nach Stimmung verschieben sich Farbtöne, die Atmosphäre wird durch die jeweiligen Farbkontraste unterstützt. Blutige Momente erschüttern durch ihre Kälte. Friedliche Sequenzen atmen mediterrane Wärme.</p>
<p>Der Panel-Aufbau des Albums bleibt weitgehend klassisch. Gleichzeitig wirken einige Seiten wie architektonische Skizzen: Perspektiven springen, Kameraschwenks betonen das Monumentale. Gerade in den Szenen, in denen die Sagrada Família im Fokus steht, verschmelzen Zeichnung mit Architektur.</p>
<p>Wo die Erzählung in surreale Sequenzen abgleitet, wird diese Formalität jedoch durchbrochen. Panels verschwimmen, Perspektiven kippen, Gewissheiten verbiegen sich wie Wachs in der spanischen Sonne. Auf diese Weise verschafft uns Iglesias u.a. auch visuell Einblick in die geistige Verfassung von Toni.</p>
<h3>Der Geist des Modernisme</h3>
<p>GAUDIS GESPENST zieht seinen Zauber aus der Verschränkung von Fiktion und Geschichte. Antoni Gaudí, Schöpfer der Sagrada Família, prägte das Bild Barcelonas wie kaum ein anderer. Sein Leben war vielfach tragisch. Ein Unfall beendete es viel zu früh. Seine Werke stehen in der Realität als Mahnmale einer Epoche, die Schönheit und Chaos verband.</p>
<p>Die eingebetteten Verweise auf Barcelonas Kunstgeschichte, den Modernisme, die Psychologie des urbanen Lebens und das Unvollendete der Sagrada Família, all das ist kein aufgesetztes Bildungskalkül. Vielmehr bereichert es die Handlung und macht die Lektüre auch für Leserinnen und Leser zu einem Vergnügen, die an Architektur interessiert sind.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1686" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_04.jpg" alt="Innenseite 4 von GAUDIS GESPENST" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_04.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_04-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_04-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Mord und Moderne</h3>
<p>GAUDIS GESPENST wurde erstmals 2015 auf Spanisch veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe folgte 2016 bei <a href="https://salleckpublications.eu/Gesamtverzeichnis/Gaudis-Gespenst/Gaudis-Gespenst.html" target="_blank" rel="noopener">Salleck Publications</a>. Und doch wirken die Themen des Comics heute frisch und aktuell: Serienkriminalität, das Verhältnis von Kunst und Öffentlichkeit, die Zerrissenheit moderner Städte. All das findet ein Echo im heutigen Barcelona, aber ebenso in vielen anderen Metropolen.</p>
<p>Das Buch spricht auch gesellschaftlich relevante Themen wie Vereinsamung, soziale Spannungen und psychische Gesundheit an. Damit hebt sich der Comic wohltuend von anderen &#8211; häufig trivialen &#8211; Werken ab.</p>
<h3>Besonderheiten, Innovationen, Details</h3>
<p>GAUDIS GESPENST bleibt zwar grafisch und erzählerisch meist konventionell, überrascht aber durch ausgefeilte Detailverliebtheit. Besonders die im Anhang mitgelieferten Skizzen, alternativen Cover-Entwürfe und die Making-of-Notizen lassen uns nach dem Ende der Geschichte noch einmal hinter den kreativen Vorhang blicken. Diese Einblicke in den kreativen Prozess empfand ich gerade bei diesem Band als besondere Würze.</p>
<p>Obwohl der Comic für sich alleine steht, wäre eine Fortsetzung im gleichen Kosmos mit Antonia und Calvo durchaus denkbar. Bislang bleibt GAUDIS GESPENST jedoch ein Einzelband mit starker persönlicher Handschrift. Leider, muss ich sagen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1687" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_05.jpg" alt="Innenseite 5 von GAUDIS GESPENST" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_05.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_05-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_05-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Im Genre des Kunstkrimis erscheint GAUDIS GESPENST als vielschichtiges und atmosphärisches Werk. Der Comic bringt inspirierte Erzählkunst und kenntnisreiche Zeichensprache zusammen. Für Fans intelligenter Krimis mit düsteren Seiten ist der Band ein Muss.</p>
<p>Obwohl seine Zeichnungen karikaturhaft und im ersten Augenblick vermeintlich kinderfreundlich daher kommen, sind einige Stellen des Albums alles andere als kindgerecht. Sie sind brutal und blutig. Subtil ist dieser Comic nicht. Also Achtung!</p>
<p>Architektur-Begeisterte, Kunsthistoriker und Barcelona-Urlauber finden zahlreiche Anspielungen, die sie attraktiv finden werden. Gelegenheitsleser genießen die Spannung und die ungewöhnliche Kulisse. Besonders für Leserinnen und Leser, die Comics abseits angloamerikanischer Superhelden suchen, lohnt das Eintauchen in diesen Barcelona-Krimi.</p>
<p>Wer Lust auf Mystery, Urbanität und eine große Portion spanisches Flair verspürt, sollte sich GAUDIS GESPENST unbedingt gönnen. Der Band bleibt im Gedächtnis und macht Lust auf weitere Werke dieses kreativen Duos.</p>



<p>&nbsp;</p>
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</p>
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</p>
<figure class="wp-block-image size-thumbnail is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1688 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_Cover-300x414.jpg" alt="Cover von GAUDIS GESPENST" width="300" height="414" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_Cover-300x414.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_Cover-600x829.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Gaudis_Gespenst_Cover.jpg 724w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
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<p>GAUIS GESPENST</p>
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<p>© <a href="https://salleckpublications.eu/Gesamtverzeichnis/Gaudis-Gespenst/Gaudis-Gespenst.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Salleck Publications Verlag</a> | Hardcover | 124 Seiten | Farbe<br /><br /></p>
<p>Storyline:  ★★★☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★★★☆☆</p>
<p>Lettering: ★★★☆☆</p>
<p>Humor: ☆☆☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-89908-599-0<br /><br />Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>

<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/08/schatten-ueber-barcelona-gaudis-gespenst/">Schatten über Barcelona – GAUDIS GESPENST</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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