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	<title>★★☆☆☆ - P A N E L W A L K E R</title>
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	<description>Ein Comic Blog</description>
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		<title>DR. WERTHLESS bekämpft den Schund</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 06:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★☆☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich wollte DR. WERTHLESS mögen. Ich wollte sogar, dass mich das Werk umhaut. Der Stoff hat alles, was ich lieben könnte: Popkultur, Moralpanik und die ewige Frage, wer eigentlich wen verdirbt. Dazu ein Duo, das sich mit menschlichen Abgründen auskennt. Harold Schechter und Eric Powell nehmen sich Fredric Wertham vor, den Mann, dessen Einfluss wir [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wollte DR. WERTHLESS mögen. Ich wollte sogar, dass mich das Werk umhaut. Der Stoff hat alles, was ich lieben könnte: Popkultur, Moralpanik und die ewige Frage, wer eigentlich wen verdirbt. Dazu ein Duo, das sich mit menschlichen Abgründen auskennt. Harold Schechter und Eric Powell nehmen sich Fredric Wertham vor, den Mann, dessen Einfluss wir bereits in <a href="https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/" target="_blank" rel="noopener">BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY</a> kennengelernt haben. </p>
<p>Und dann sitze ich da und merke bereits nach wenigen Kapiteln, wie mich dieses Buch gleichzeitig füttert &#8211; und überfüttert. Ja, es ist klug, wuchtig und gut recherchiert. Es ist manchmal auch richtig stark erzählt. Aber es hat ein Problem, das ich nicht übersehen kann. DR. WERTHLESS vertraut dem Medium Comic zu selten. Es drückt Wissen in Panels, statt Wissen zu inszenieren.</p>
<h3>Vollgestopft und faszinierend</h3>
<p>Das klingt nach einer formalen Nörgelei. Für mich ist es aber der Kern dieser Rezension. Denn Wertham&#8217;s Geschichte handelt davon, wie Geschichten wirken, wie Medien zum Sündenbock gestempelt werden und wie Angst sich in Schlagzeilen verwandelt. Wer das als Comic erzählt, hat ein Werkzeugkasten voller Tricks, voller Rhythmus und Bildrhetorik. Dieses Buch greift aber zu oft zum Megafon, obwohl es ein Orchester hätte.</p>
<p>Ich lese also eine Biografie, die mir ständig sagen will, wie ich sie zu lesen habe. Sie will fair sein, aber zugleich anklagen. Sie will mich umstimmen, obwohl sie spürt, dass ich schon auf ihrer Seite stehe. Genau da entsteht Reibung, aber keine produktive Reibung. Eher so eine, die mich aus dem Buch zieht.</p>
<p>Und trotzdem. Ich klappe es nicht zu, blättere weiter. Weil da ein Thema brennt, das auch mich interessiert. Weil da ein Mann ist, der nicht nur ein Schurke war und weil die Frage bleibt, ob ein übervoller Comic nicht manchmal genau das richtige Format für eine übervolle Zeit ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2886" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667.jpg" alt="Innenseite 01 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="(max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Wie Wertham sich sein Weltbild baute</h3>
<p>Die Erzählung startet nicht gemütlich. Sie führt früh in die Welt der Gewalttaten ein, die schon lange vor den Comics existierten. Das ist ein kluger Zug. Der Band macht klar, dass Wertham&#8217;s spätere Fixierung nicht aus dem Nichts heraus kommt. Gewalt gehört schon vorher zur populären Ware aus Billigromanen und Sensationspresse. Die Maschine läuft bereits, bevor Wertham sie kritisiert.</p>
<p>Dann wird Wertham eingeführt als Einwanderer aus Europa, als junger Psychiater, als jemand, der sich an Wissenschaft klammert und doch längst politisch geprägt ist. Er landet in den USA, arbeitet in Kliniken, bewegt sich in einem Feld, das Menschen nicht nur behandelt, sondern auch sortiert. Wertham steht zudem gern im Licht. Er ist Helfer, aber auch Selbstdarsteller. Diese doppelte Existenz schiebt der Comic immer wieder nach vorn.</p>
<p>Zentrale Figuren tauchen wie Wegmarken auf, Mentoren und Kollegen, Patientinnen und Patienten, Täter, an denen Wertham seine Theorien schärft. Und ich spüre, wie der Band einen Mann baut, der Gewalt nicht als Einzelfall sieht. Er will &#8211; er braucht &#8211; Muster und Ursachen, er will Prävention. Das ist für mich nachvollziehbar. Es macht ihn zunächst sympathischer, als seine Entwicklung und sein späterer Ruf es erlauben.</p>
<h3>Der Beginn einer Kontrollfantasie</h3>
<p>Nur ist die Dramaturgie hier schon überladen. Ich sehe zu viele erklärende, mich beinahe anschreiende Textblöcke. Zu wenige Szenen, die mir Wertham&#8217;s Hunger nach Deutung zeigen, statt ihn zu beschreiben. Ich will, dass ein Blick, ein Raum, eine Pause seine Psychologie trägt. Der Band entscheidet sich jedoch häufig für die Abkürzung. Er erklärt mir den Zustand, aber er zeigt ihn mir nicht lange genug.</p>
<p>Als Auftakt funktioniert es, weil es eine These setzt: Wertham glaubt, dass Kultur Gewalt produziert und er glaubt, dass man Kultur kontrollieren kann. Wer diesen Glauben einmal im Kopf hat, wird später nicht sanfter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2887" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667.jpg" alt="Innenseite 02 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="(max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Der Helfer, der später zensiert</h3>
<p>Der stärkste Teil des Comics ist für mich Wertham&#8217;s Arbeit als Arzt und Sozialreformer. Hier wird er nicht zur Karikatur. Hier erhält seine Figur Form und Charakter. Wertham denkt nicht nur in Diagnosen, sondern auch in Strukturen. Er sieht Rassismus, Armut und darin etwas, das in der Medizin kaum vorkommt.</p>
<p>Das Buch streift die Kliniken, psychiatrische Anlaufstellen in Harlem, die ab 1946 in einem Kirchenumfeld arbeitete und auf die Versorgung Schwarzer Patientinnen und Patienten zielten. Diese Passage gibt Wertham Gewicht. Sie zeigt, dass er an echter Hilfe interessiert war. Und sie zeigt, dass er sich politisch einmischen konnte, wenn es ihm richtig erschien.</p>
<h3>Wenn Verdienste zum Alibi werden</h3>
<p>Das Problem ist, dass diese Stärke später wie ein Schutzschild wirkt. Das Buch nutzt Wertham&#8217;s Verdienste oft als Beweis, dass man ihn nicht nur hassen darf. Das stimmt. Aber die Erzählung baut daraus manchmal eine Art moralische Gutschrift. Als müsste man seine spätere Kampagne gegen Comics erst abwägen, bevor man sie verurteilen kann. Ich wehre mich dagegen. Gute Taten machen schlechte Taten nicht weniger schlecht. Sie machen sie oft nur tragischer. Wie häufig geschehen Grausamkeiten auf der Grundlage guter Vorsätze?</p>
<p>Hier fehlt mir mehr Mut zur Härte. Mehr Widerspruch in den Szenen. Mehr Stimmen, die Wertham nicht nur spiegeln, sondern ihm Grenzen setzen. Stattdessen bleibt er häufig der Motor. Der Band liebt seinen Protagonisten als Drama, aber er lässt ihn zu oft die Deutungshoheit.</p>
<p>Und dann ist da wieder die Form. Ausgerechnet in diesen emotionalen, gesellschaftlich geladenen Teilen wünscht man sich mehr Bilder und weniger Bericht. Wertham, Harlem, die Kirche &#8211; all das könnte ein Comic groß erzählen. Der Band läuft daran vorbei, weil er schon zur nächsten Information drängt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2888" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667.jpg" alt="Innenseite 03 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="(max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-full wp-image-2897" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/CCAseal_260x311.png" alt="" width="260" height="311" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/CCAseal_260x311.png 260w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/CCAseal_260x311-125x150.png 125w" sizes="auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px" />Das große Tribunal der Comics</h3>
<p>Irgendwann kippt die Biografie in den Teil, den ich bereits kenne. Wertham schreibt im Jahr 1954 <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seduction_of_the_Innocent" target="_blank" rel="noopener">SEDUCTION OF THE INNOCENT</a>. Er erklärt Comics zur Ursache der Jugendkriminalität. Seine Aussagen und sein öffentlicher Druck tragen zur Gründung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Comics_Code" target="_blank" rel="noopener">Comics Code Authority</a> bei.</p>
<p>Hier macht der Comic vieles richtig. Er zeigt die Mischung aus Medienhunger und politischem Theater. Er zeigt, wie schnell komplexe Probleme eine einfache Ursache bekommen. Er zeigt, wie gern eine Gesellschaft einem Medium die Schuld gibt, weil das bequemer ist als über Armut, Rassismus, Familien und Schulen zu sprechen.</p>
<p>Und doch stolpere ich hier über die Handschrift des Buches. Es will Wertham schon irgendwie seinen Dämonstatus abnehmen. Gleichzeitig braucht es diesen Dämon aber, damit der Plot zündet. Es entsteht ein Zwiespalt. Wertham soll differenziert sein, aber die Dramaturgie schiebt ihn oft wie einen Endgegner ins Bild. Die Industrie wirkt wie ein Opfer und die Politik wie eine Kulisse. Das greift für meinen Geschmack zu kurz. Comics waren auch damals schon Geschäft und Grenzüberschreitung aus Kalkül.</p>
<h3>Wenn der Titel schon das Urteil spricht</h3>
<p>Mich nervt außerdem, wie häufig die Biografie ihre wichtigsten Konflikte in Text verdichtet. Die öffentlichen Momente, die brennen müssten, fühlen sich manchmal an wie ein gut geschriebener Wikipedia Absatz, nur eben ein illustrierter. Das ist nicht fair. Powell zeichnet stark. Aber das Verhältnis kippt. Ich lese zu viel Erklärung.</p>
<p>Und noch etwas. Das Wortspiel des Titels ist bissig, aber es ist auch bequem: Werthless als Wertham plus worthless, ein Urteil im Cover. In andere Sprachräume lässt sich das kaum übertragen. Also wird der Biss gedämpft und plötzlich merke ich, wie sehr schon der Titel die Richtung vorgibt. DR. WERTHLESS will fair sein. Aber es nennt sein Objekt im selben Atemzug wertlos.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2889" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667.jpg" alt="Innenseite 04 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Moralische Klarheit, erzählerische Enge</h3>
<p>Jetzt zum Handwerk. Ich erkenne, was Schechter und Powell hier wollen. Sie wollen eine Biografie, die nicht nur den Mythos nacherzählt, sondern die Mechanik dahinter offenlegt. Wertham wird als jemand gezeigt, der echte Fälle sieht und daraus eine Theorie zimmert, die ihm Anerkennung bringt. Das kann großartig sein.</p>
<p>Nur muss ein Comic dafür Rhythmus haben. DR. WERTHLESS hat stattdessen häufig Dichte. Dichte ist aber nicht Rhythmus, Dichte ist Beton. Und Beton macht jede Nuance schwerer.</p>
<p>Mein größter Kritikpunkt bleibt daher die Textlastigkeit. Ich habe nichts gegen Worte, auch nicht gegen viele. Nur nicht in einem Comic. Ich habe aber etwas gegen Worte, die die Bilder entmündigen. &#8222;Show, don&#8217;t tell&#8220; gilt nicht nur im Film, sondern auch in einem Comic oder einer Graphic Novell. Und gegen dieses eherne Gesetz der sequentiellen Erzählung verstößt dieser Band.</p>
<h3>Comic als zugepflasterter Essay</h3>
<p>Ein Panel soll doch nicht nur bestätigen, was die Caption bereits sagt. Es soll etwas hinzufügen, ergänzen und im besten Fall widersprechen. In diesem Band dominieren aber oft erläuternde Passagen, die jede Szene sofort mit Bedeutung versehen.</p>
<p>Dazu kommt ein moralischer Ton, der mir zu selten Selbstzweifel zeigt. Das Buch will Wertham als komplexen Menschen zeigen. Dann müsste es die eigene Erzählposition ebenfalls komplex machen. Stattdessen wirkt es oft, als würde es mit sauberer Hand die richtigen Schlüsse ziehen. Genau das ist ironisch. Denn Wertham selbst glaubte, aus Beobachtungen saubere Schlüsse ziehen zu können. Das Buch kritisiert seine Methode, übernimmt manchmal aber genau seine Sichtweise.</p>
<p>Ich vermisse außerdem mehr Blick auf das Umfeld, das Wertham groß macht. Seine Karriere fiel nicht vom Himmel. Die Medien wollten ihn, die Politik nutzte ihn und Teile der Öffentlichkeit brauchten ihn. Wertham&#8217;s Schuld ist real. Aber seine Macht ist ein Gemeinschaftsprojekt. Dies zeigt der Band, doch er betont es mir zu wenig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2890" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667.jpg" alt="Innenseite 05 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Ein Vorgängeralbum als Messlatte</h3>
<p>Ich lese DR. WERTHLESS automatisch neben SCHON GEHÖRT WAS ED GEIN GETAN HAT, einfach, weil es vom selben Team kommt und weil beide Bücher True Crime mit Kulturgeschichte verbinden. Auch DR. WERTHLESS wird offiziell als Nachfolger in diesem Umfeld angesiedelt.</p>
<p>Beim ED-GEIN-Band passte die Überfülle besser. Ed Gein ist Stoff, der in Schichten aus Taten, Mythos, Medien und Filmgeschichte existiert. Da darf ein Buch schon mal ausufern. Da hat die Textmenge sogar etwas Zwanghaftes, das zum Sujet passt. Man liest sich durch einen Schuppen voller Gerüchte und Akten. Genau so fühlt sich True-Crime oft an.</p>
<p>Bei Wertham ist das anders. Hier ist der Horror nicht körperlich sondern strukturell. Es sind Ausschüsse, Schlagzeilen, Verbote und Selbstzensur, die zrntrale Rollen spielen. Das ist weniger sinnlich und natürlich schwerer zu bebildern. Und gerade deshalb bräuchte es mehr visuelle Metaphern, mehr Seiten, die das Gefühl von Kontrolle und Angst als Bild erzählen.</p>
<h3>Wenn die Methode nicht mit dem Stoff mitwächst</h3>
<p>SCHON GEHÖRT WAS ED GEIN GETAN HAT hatte außerdem einen klareren Sog. Ich folge einem Abgrund und ich will wissen, wie tief er ist. DR. WERTHLESS hat keinen Abgrund. Es hat ein Labyrinth und ein Labyrinth braucht Lotsen. Das Buch stellt mir aber zu oft einfach alle Gänge gleichzeitig hin.</p>
<p>Was mich besonders wurmt: beide Bücher handeln vom Umgang mit Gewalt. Beim ED-GEIN-Band seziert das Team die voyeuristische Lust am Grauen. Bei Wertham seziert es den Wunsch, Grauen zu verbieten. Beides sind zwei Seiten derselben Münze. Und genau da hätte ich mir mehr Spiegelung gewünscht. Mehr Stellen, an denen DR. WERTHLESS sichtbar macht, dass Zensur und Sensationslust sich gegenseitig füttern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2891" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667.jpg" alt="Innenseite 06 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Wenn Quellenarbeit den Comic überrollt</h3>
<p>Harold Schechter ist kein Comicautor im klassischen Sinn. Er kommt aus der True-Crime-Literatur. Er war lange Professor, er schreibt seit Jahrzehnten über amerikanische Gewaltmythen und seine Bücher heißen DEVIANT, DERANGED, DEPRAVED oder THE SERIAL KILLERS FILE. Das ist sein Revier. Man merkt das in DR. WERTHLESS.</p>
<p>Schechter denkt in Quellen, in Chronologien und in Belegen. Er kann verdichten und Sachzusammenhänge hypothetisieren. In einem Comic ist eine These aufzustellen jedoch gefährlich, wenn sie jede Szene vorab bewertet. DR. WERTHLESS hat oft diesen Ton, sehr sicher, sehr wissend, aber nur sehr selten fragend.</p>
<h3>Zwei Könner, ein zu enger Rahmen</h3>
<p>Eric Powell auf der anderen Seite ist ein Zeichner, der eigentlich für Überzeichnung und Groteske bekannt ist. <a href="https://www.thegoon.com/" target="_blank" rel="noopener">THE GOON</a> ist nicht nur Horror und Humor. Es ist auch Timing und Körperlichkeit. Es ist ein Blick für absurde Traurigkeit. <a href="https://www.comic-con.org/awards/eisner-awards/past-recipients/past-recipients-2000s/" target="_blank" rel="noopener">Powell hat Eisner Awards gewonnen</a> und eine lange Liste mit Arbeiten für große US-Verlage erstellt.</p>
<p>In DR. WERTHLESS spüre ich sein Talent u.a. in den Gesichtern. Wertham wirkt oft wie ein Mann, der sich selbst nicht erträgt und deshalb die Welt kontrollieren will. Nebenfiguren bekommen mit wenigen Strichen Haltung. Ich merke: Powell kann Atmosphäre. Nur bekommt er zu selten Raum dafür.</p>
<p>Das Buch zwingt ihn häufig in die Illustration der Texte. Das ist nicht sein Pfund, mit dem er wuchern könnte. Seine Stärke liegt im bildhaften Erzählen. Wenn aber Textblöcke das Panel dominieren, darf Powell nur begleiten. Ich finde das verschenkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2892" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667.jpg" alt="Innenseite 07 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Grauwerte, Masken und ein Stil, der sich manchmal selbst im Weg steht</h3>
<p>Visuell ist das Buch rau und passend. Es arbeitet mit Schwarz, Weiß und vielen Grauwerten. Es sieht aus, als käme es aus einem Archiv, nicht aus einem Hochglanzstudio. Powell zeichnet keine glatten Ikonen. Er zeichnet Menschen mit Ecken und Kanten. Das passt zu Wertham, der selbst aus ebendiesen Kanten bestand.</p>
<p>Es gibt starke Seiten mit Gerichtsräumen, mit Fluren und Sprechzimmern. Ich spüre die Institutionen und diese Kälte, die entsteht, wenn Menschen zu Fällen werden. Und es gibt Momente, in denen Powell bewusst mit Stilwechseln spielt, wenn das Buch über Comics selbst spricht. Dann blitzt kurz ein Gefühl von Pop-Kultur auf, von historischer Ästhetik und von Masken und Schablonen. Solche Stellen hätte ich gern häufiger gesehen.</p>
<h3>Ein Stil, der mehr erzählen dürfte</h3>
<p>Sie zeigen, was möglich gewesen wäre. Der Band könnte visuell viel öfter aus dem Biografie Modus ausbrechen. Er könnte Propaganda als Panel-Rhythmus darstellen und moralische Panik als Wiederholung aufbauen. Er könnte die Zensur als ein weißes Loch im Layout zeigen. Stattdessen bleibt er oft in konventionellen Szenen.</p>
<p>Ich bleibe deshalb zwiegespalten. Der Stil ist gut und handwerklich stark. Er ist atmosphärisch, aber er wird zu selten als Motor der Erzählung genutzt. Das ist keine Schwäche von Powell, sondern eine Regie-Entscheidung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2893" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667.jpg" alt="Innenseite 08 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich komme zu einem Urteil, das mir selbst nicht ganz bequem ist. DR. WERTHLESS ist wichtig und informativ. Es ist stellenweise sogar packend. Aber es ist in seiner Form oft zu schwerfällig für das, was es erzählen will. Ich habe dieses Buch nicht verschlungen, ich habe es mühsam Seite für Seite durchgearbeitet. Dieses Werk hier ist keine leichte Kost!</p>
<p>Vielleicht soll es sich ja auch anstrengend anfühlen, weil Zensur ebenfalls anstrengend ist. Weil Moralpanik sich wie ein schwerer Mantel über alles legen kann. Ja, vielleicht. Nur ist Anstrengung keine automatisierte Qualität. Ein Comic darf sperrig sein. Er muss dann aber ein Ziel haben, das ich auf jeder Seite spüre. </p>
<p>Bei DR. WERTHLESS spüre ich es nicht immer. Zu oft wirkt der Band wie ein exzellent recherchierter Artikel, der in Panels gepresst wurde. Zu selten wie eine Sequenz, die nur als Comic funktionieren kann. Und wenn ich über einen Comic das Gefühl habe, dass er auch als Sachbuch fast genauso gut wäre, dann ist das für mich eine Niederlage des Mediums. Warum als Comic, wenn ein anderes Medium besser wäre? Dies Frage beantwortet sich hier nicht.</p>
<p>Trotzdem empfehle DR. WERTHLESS. Wenn du Comicgeschichte liebst und Wertham mehr verstehen willst als das Schreckgespenst, zu dem er wurde &#8211; lies es! Wenn du dich für Medienpaniken interessierst, lies es! Wenn du formale Eleganz suchst, lies lieber erst etwas anderes.</p>
<p>Und streite im Anschluss über die Frage, wann ein Comic zu viel Text verträgt. Und darüber, ob wir heute wirklich so viel weiter sind als 1954.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2885" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676-300x444.jpg" alt="Cover von DR. WERTHLESS" width="300" height="444" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676-300x444.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676-101x150.jpg 101w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676-600x888.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />DR. WERTHLESS</p>



<p>© <a href="https://www.darkhorse.com/books/3012-934/dr-werthless-hc/" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Dark Horse Verlag</a> | Hardcover | 200 Seiten | monochrome | englisch</p>
<p>Storyline:  ★★☆☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★★☆</p>
<p>Farben: ★★☆☆☆</p>
<p>Lettering: ★☆☆☆☆</p>
<p>Humor: ☆☆☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★☆☆☆</p>
<p>ISBN: 978-1-50674-436-0</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/12/dr-werthless-bekaempft-den-schund/">DR. WERTHLESS bekämpft den Schund</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>DIE KLUFT beschreibt Sehnsucht und Leerlauf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 06:00:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★☆☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Adam de Souza]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>DIE KLUFT &#8211; im Original THE GULF &#8211; wirkt auf den ersten Blick wie ein sicherer Kandidat für das Regal der großen Coming-of-Age-Comics. 240 Seiten in denen drei Teenager auf der Flucht sind vor Zukunftsangst und Erwartungsdruck. Eine abgelegene Inselkommune vor der Küste von Vancouver wird zum Ziel der Träume. Erst einmal schreit alles nach [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>DIE KLUFT &#8211; im Original THE GULF &#8211; wirkt auf den ersten Blick wie ein sicherer Kandidat für das Regal der großen Coming-of-Age-Comics. 240 Seiten in denen drei Teenager auf der Flucht sind vor Zukunftsangst und Erwartungsdruck. Eine abgelegene Inselkommune vor der Küste von Vancouver wird zum Ziel der Träume. Erst einmal schreit alles nach existenzieller Roadtrip-Magie.</p>
<p>Je länger man liest, desto deutlicher zeigt sich jedoch eine andere Wahrheit. Adam de Souza hat mit DIE KLUFT ein Buch vorgelegt, das diese Erwartungen nur teilweise einlöst. Die Geschichte tastet sich an die großen Themen heran, an Sinnsuche, an Kapitalismuskritik, koloniale Geschichte Kanadas und Online Mobbing. Vieles bleibt jedoch Andeutung, wenig gewinnt über die Schlusspointe hinaus Kontur.</p>
<p>Die Ausgangsidee besitzt erst einmal Kraft. Oli(via) steht 2007 kurz vor dem Highschool Abschluss in Vancouver. Von Eltern, Schule und Gesellschaft hört sie immer nur Varianten derselben imperativen Forderung: Wähle dein Studienfach, mach&#8216; einen Plan, funktioniere!.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2722" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750.jpg" alt="Innenseite 5 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwischen Utopie und Müdigkeit</h3>
<p>Gleichzeitig träumt sie seit Kindertagen von &#8222;The Evergreen&#8220;, einer Inselkommune, deren Flyer einmal den Weg in ihrem Kinderzimmer gefunden hatte. Dieser Zettel wird zu ihrem persönlichen Rettungsanker. Die Welt da draußen wirkt laut und falsch. Die Insel verspricht Einfachheit und eine Gemeinschaft aus Gleichgesinnten. Sie ist ein Sehnsuchtsort.</p>
<p>De Souza setzt dies in einer reduzierten, zweifarbigen Bildsprache um. Blaue Flächen, sandige Töne, lockere Strichführung. Die Figuren erinnern an klassische Zeitungsstrips, die Wälder und Buchten der kanadischen Westküste an nostalgische Landschaftscomics.</p>
<p>Wenn die Jugendlichen am Fährdeck stehen oder im hohen Gras verschwinden, dann ahnt man, wovon der Autor erzählen will: von Zwischenräumen, von der Kluft (!) zwischen Sehnsucht und Realität, zwischen Teenager-Fantasie und Erwachsenenwelt. Daher kommt wohl auch der Name des Werkes. Meiner Meinung nach liegt das Problem weniger im Ansatz als in der Umsetzung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2723" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750.jpg" alt="Innenseite 6 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Drei Jugendliche, ein dünner Plan</h3>
<p>Schon im ersten Drittel von DIE KLUFT tritt die lange, vielleicht zu lange Erzählung spürbar auf der Stelle. Die gleichen Konflikte drehen sich in leicht variierter Form im Kreis. Die Bildideen wiederholen sich. Statt einen Sog zu entfalten, entsteht ein Gefühl von Leerlauf. Man spürt, dass hier jemand die Atmosphäre sehr gut beherrscht, aber dann doch mit dem langen Atem einer 240 Seiten Erzählung kämpft.</p>
<p>Die Handlung setzt früh ein. Oli lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter, schwankt zwischen Resignation und Wut und hängt in einer Freundesgruppe, in der vieles unausgesprochen bleibt.</p>
<p>Milo, Film-Nerd mit Kamera, und Alvin, stiller Mitläufer, kreisen um sie. Liam, ihr ehemaliger bester Freund und halbherziger Love Interest, hat ein intimes Geheimnis weiter erzählt, das er besser für sich behalten hätte. Aus dieser Verletzung entsteht die Eskalation, die Oli endgültig aus der Bahn wirft.</p>
<p>De Souza zeigt diese Eskalation in mehreren Stufen. Erst das heimliche Teilen eines intimen Moments, dann das Kichern auf den Gängen, der digitale Spott, die Anonymität des Mobbing. Schließlich ein körperlicher Übergriff eines Mitschülers, auf den Oli zurückschlägt. Sie verliert dabei aber mehr als nur ihren Ruf und steht plötzlich vor einer Mischung aus schulischer Strafe und familiärer Überforderung. An diesem Punkt entscheidet sie sich endgültig zur Flucht nach &#8222;The Evergreen&#8220;.</p>
<p>Sie überredet Milo, sie zu begleiten. Milo wiederum zieht Alvin mit hinein. Er verkauft die Reise als kleines Abenteuer, als Gelegenheit für ein Filmprojekt über alternative Lebensformen. Dass er selbst heimlich in Alvin verliebt ist, erzählt er niemandem. Dieses Dreieck aus Wut, romantischer Unsicherheit und ideologischer Überhöhung bildet den Motor der Geschichte. Zumindest theoretisch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2724" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750.jpg" alt="Innenseite 7 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Roadtrip mit angezogener Handbremse</h3>
<p>Der Roadtrip, der folgt, besitzt einige starke Momente. Eine unangenehme Autofahrt mit einem zu aufdringlichen Fahrer gehört ebenso dazu wie schlaflose Nächte auf unbequemen Sofas oder der Blick auf die Weite des Meeres von der Fähre aus. Immer wieder gelingen de Souza kurze, treffende Beobachtungen. Die Welt fühlt sich real, ja bewohnt an.</p>
<p>Doch gerade hier zeigen sich für mich die strukturellen Schwächen. Szenen, die die Figuren hätten schärfen können, bleiben merkwürdig vage. Die Außenwelt ist wichtiger als das Innenleben der Protagonisten. Konflikte brechen auf, lösen sich im nächsten Panel im Halbsatz wieder. Die Reise wirkt weniger wie eine zugespitzte Erzählung und mehr wie ein aneinander gereihtes Notizbuch voller Augenblicke.</p>
<p>Im Vergleich zu anderen Roadtrip- und Jugend-Comics wie <a href="https://reprodukt.com/products/sommer-am-see" target="_blank" rel="noopener">EIN SOMMER AM SEE</a> oder <a href="https://reprodukt.com/products/blankets" target="_blank" rel="noopener">BLANKETS</a> fehlt der klare Rhythmus aus Anspannung und Entspannung. DIE KLUFT hangelt sich von Episode zu Episode, ohne echten dramaturgischen Bogen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2725" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750.jpg" alt="Innenseite 8 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Utopie auf Sparflamme</h3>
<p>Die zweite Hälfte von DIE KLUFT gehört der Insel. Endlich erreicht das Trio &#8222;The Evergreen&#8220;, jenen Ort, den Oli jahrelang idealisiert hat. Die Kommune lebte von Gemüsebeeten, Gemeinschaftsküche und der Idee eines gerechteren Miteinanders. Zumindest behaupten dies die, die noch übrig sind.</p>
<p>Auf dem Papier wäre das eine Steilvorlage: Eine Utopie, die an ihren eigenen Strukturen scheitert und Jugendliche, die hierdurch merken, dass Ideale auch Arbeit bedeuten. Ein System, das kolonial besetztes Land nutzt, während es von Harmonie mit der Natur spricht. All das schwingt lediglich in Andeutungen mit. Man spürt, dass der Alltag einer Kommune wenig mit romantischen Flyern zu tun hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2726" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750.jpg" alt="Innenseite 9 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Konflikte ohne Biss</h3>
<p>Der Comic bleibt auch hier konsequent an der Oberfläche. Es gibt Streit um Aufgaben, unausgesprochene Machtverhältnisse, finanzielle Abhängigkeiten, die Frage nach indigener Landnutzung. Nichts davon erhält die erzählerische Schärfe, die es bräuchte, um wirklich weh zu tun. Stattdessen verlaufen die Konflikte in einem melodramatischen Mix aus Eifersucht und gekränktem Idealismus.</p>
<p>Auch formal wirkt die Inselsequenz erstaunlich zahm. Die Panelarchitektur bleibt überwiegend konventionell. Viele Seiten zeigen drei oder vier horizontale Streifen mit ähnlich aufgebauten Einstellungen. Nur selten wagt sich de Souza an radikalere Bildlösungen. Eine echte räumliche Landkarte der Kommune entsteht dadurch kaum. Wer nach der Lektüre versucht, &#8222;The Evergreen&#8220; im Kopf zu rekonstruieren, landet bei einem diffusen Sammelbild aus Küche, Schlafraum und ein paar Wegen im Wald.</p>
<p>Das Finale verstärkt diesen Eindruck. Die Utopie bröckelt, Beziehungen brechen, einige Figuren werden nach Hause fahren, andere bleiben. Die Erzählung setzt auf eine bewusst offene Schlussnote. Die Freiheit, die der Comic den Figuren zugesteht, geht dabei zulasten der narrativen Präzision. Eine Heldenreise ist dieser Road-Trip wahrlich nicht.</p>
<p>Statt eines klaren Eindrucks bleibt bei mir ein leichtes Achselzucken. DIE KLUFT endet, als hätte man mitten in einem Tagebuch einfach aufgehört zu schreiben. Und ich Frage mich: War&#8217;s das jetzt etwa? Braucht es dafür tatsächlich 240 Seiten?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2727" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750.jpg" alt="Innenseite 10 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Figuren, die sich fast trauen</h3>
<p>Die stärkste und zugleich frustrierende Qualität von DIE KLUFT liegt im Figurenensemble. Oli, Milo, Alvin und Liam besitzen erkennbare Profile. Oli ist impulsiv, idealistisch, wütend und gleichzeitig verängstigt. Milo flüchtet sich in die Kamera und in ironische Kommentare. Alvin beobachtet viel und sagt wenig. Liam steht irgendwo zwischen Arschloch und verunsichertem Teenager, der zu spät merkt, was er mit seiner Indiskretion angerichtet hat.</p>
<p>In einzelnen Szenen blitzen diese Profile hell auf z.B. wenn Oli im Gang des Schulgebäudes explodiert. Oder wenn Milo heimlich auf Alvin schielt und seine Gefühle hinter nerdigen Sprüchen versteckt. In solchen Momenten schiebt sich der Comic nah an die radikal ehrliche Teenagerzeichnung eines <a href="https://reprodukt.com/products/ghost-world" target="_blank" rel="noopener">GHOST WORLD</a> oder von <a href="https://reprodukt.com/products/roaming" target="_blank" rel="noopener">ROAMING</a> heran.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2728" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750.jpg" alt="Innenseite 11 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fast gute Figuren, fast große Gefühle</h3>
<p>Doch de Souza zieht selten einmal richtig durch. Statt Konflikte konsequent auszuspielen, wechselt die Erzählung oft schnell die Perspektive. Ein Streit bleibt unaufgelöst im Raum stehen oder eine mögliche Aussprache endet in einem flapsigen Witz. War das früher &#8211; in meiner Jugend &#8211; wirklich so? Oder ist bei der heutigen Jugend alles tatsächlich anders?</p>
<p>Die Figuren wirken, als würde man sie im entscheidenden Augenblick ausblenden. Vielleicht soll das die Verlegenheit und Sprachlosigkeit jugendlicher Kommunikation spiegeln. Ich weiß es nicht, im Lesefluss fühlt es sich für mich wie ein Zurückschrecken an.</p>
<p>Auch die Nebenfiguren leiden unter dieser Zurückhaltung. Oli&#8217;s Mutter taucht auf, wirkt glaubhaft überfordert und verschwindet wieder in der Kulisse. Die Erwachsenen in der Kommune erscheinen als klischeehafte Figuren, als abgehalfterter Öko-Guru oder als schweigsamer Handwerker. Hier steckt erheblich mehr Potenzial für Reibung und Ambivalenz, doch der Comic gönnt ihnen kaum mehr als ein paar Szenen.</p>
<p>Die queere Dimension der Geschichte bleibt ebenfalls erstaunlich zurückhaltend. Milo&#8217;s Verliebtheit in Alvin wirkt glaubwürdig, läuft aber parallel zur Haupthandlung. Sie erhält weder einen erzählerischen Kulminationspunkt noch eine echte Konsequenz, vertanes Konfliktpotential. Im Jahr 2025 dürfen Jugendcomics mehr wagen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2729" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750.jpg" alt="Innenseite 12 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwischen Zine Charme und Preisregal</h3>
<p>Wer Adam de Souza nur über DIE KLUFT kennenlernt, merkt schnell, dass hier kein Zufallsdebüt vorliegt. Der kanadische Zeichner aus Vancouver hat sich mit seinem Webcomic <a href="https://kumerish.com/BLIND-ALLEY" target="_blank" rel="noopener">BLIND ALLEY</a> bereits eine feste Fanbase erarbeitet und dafür den <a href="https://www.cartoonstudies.org/announcing-the-winners-of-the-2022-cartoonist-studio-prize-award/" target="_blank" rel="noopener">Cartoonist Studio Prize</a> gewonnen. Der Strip erhielt außerdem eine Auszeichnung bei den <a href="https://dougwrightawards.com/past-winners/" target="_blank" rel="noopener">Doug Wright Awards</a>.</p>
<p>DIE KLUFT erschien 2024 bei Tundra Books und brachte ihm Nominierungen für die <a href="https://www.comic-con.org/de/awards/eisner-awards/" target="_blank" rel="noopener">Eisner Awards</a> bei den &#8222;Best Publication for Teens&#8220; ein. Die deutsche Ausgabe bei Reprodukt markiert sein Debüt im deutschsprachigen Raum.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2730" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750.jpg" alt="Innenseite 13 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwischen Webcomic und Roman-Ambition</h3>
<p>De Souza kommt aus der Welt der Zines &#8211; also den kleinen, selbst verlegten Publikationen &#8211; und Online Strips. Er arbeitet in Vancouver auf dem Gebiet mehrerer indigener First Nations und beschäftigt sich in seinen Arbeiten immer wieder mit Naturmotiven, Jugend und dem Gefühl, zwischen Welten zu stehen.</p>
<p>Seine Zeichnungen setzen auf weiche Linien, leichte Überzeichnung und eine Mischung aus Alltagsbeobachtung und surrealen Einfällen. In BLIND ALLEY und <a href="http://HTTPS://reprodukt.com/products/brambles" target="_blank" rel="noopener">BRAMBLES</a> funktionieren diese Qualitäten hervorragend. Kurze Episoden, eigenwillige Figuren, leise Weirdness.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2731" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750.jpg" alt="Innenseite 14 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Auf der Suche nach der langen Form</h3>
<p>In DIE KLUFT prallt dieses Zinehafte auf die Anforderungen einer langen Erzählung. Man spürt an vielen Stellen den Wunsch, Zeit zu lassen, Pausen zu setzen oder die Natur sprechen zu lassen. Eine Art Entschleunigung in hektischen Zeiten?</p>
<p>Die Wälder, Fähren und Küsten sind mit sichtbarer Zuneigung gezeichnet. Einige Panels besitzen eine Ruhe, die man in schneller produzierten Mainstream Titeln vergeblich sucht. Andererseits nimmt die Geschichte dadurch nur Verhalten Fahrt auf und wird nicht vorangetrieben.</p>
<p>Die visuelle Sprache bleibt erstaunlich gleich. Die Figuren unterscheiden in Körpersprache und Mimik wenig. Der skizzenhafte Stil wirkt zwar sympathisch, gewinnt aber selten die Schärfe, die eine 240 Seiten Geschichte braucht.</p>
<p>Spannende, grafische Entscheidungen wie ungewöhnliche Panelraster oder stark abstrahierte Doppelseiten tauchen nur vereinzelt auf. Vieles erinnert an einen Webcomic den ich durch scrollen soll, weniger an eine durchkomponierte Graphic Novel, bei der ich mir alle Zeit der Welt nehmen kann, die Seiten zu betrachten.</p>
<p>Gerade weil man weiß, wie hoch die Erwartungen inzwischen an de Souza&#8217;s Arbeit sind, wirkt DIE KLUFT wie ein Zwischenschritt. Das Werk ist kein Fehlschlag, aber auch kein Meisterwerk. Eher ein Buch, in dem ein sehr begabter Künstler ausprobiert, wie weit sein bisheriger Ansatz trägt &#8211; und dabei sichtbar an seine aktuellen Grenzen stößt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2732" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750.jpg" alt="Innenseite 15 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Bleibt die Frage, ob man DIE KLUFT empfehlen kann. Die ehrliche Antwort lautet &#8222;ja, aber&#8220; mit deutlicher Einschränkung. Wer eine bissige Gesellschaftsanalyse erwartet, wird enttäuscht. Wer eine radikal psychologische Studie jugendlicher Wut sucht, greift besser zu anderen Titeln.</p>
<p>Trotzdem besitzt der Comic Qualitäten, die sich nicht ignorieren lassen: die Landschaftsbilder, die Fähren, die Höfe, das Licht über den Grasflächen. Die Art, wie de Souza das Gefühl einfängt, als junger Mensch am Rand einer Entscheidung zu stehen und trotzdem noch nicht einmal die richtigen Fragen zu kennen. Die Unsicherheit, ob man zur Welt passen will oder sie lieber von außen beobachtet.</p>
<p>Für jugendliche Leserinnen und Leser (laut Verlagsangaben: ab 14 Jahren), die sich mit dem Druck von Berufsentscheidungen, Social Media und unausgesprochenen Gefühlen herumschlagen, kann DIE KLUFT ein Spiegel sein. Vielleicht sogar gerade deshalb, weil der Comic sich manchmal verzettelt. Die Unentschiedenheit der Erzählung spiegelt die Unentschiedenheit der Figuren. Das macht die Geschichte nicht besser konstruiert, aber in manchen Momenten ehrlich. Ich bin für dieses Werk eindeutig zu alt.</p>
<p>Wer sich ohnehin für die Karriere von Adam de Souza interessiert oder BLIND ALLEY bereits schätzt, sollte einen Blick riskieren. Allein um zu beobachten, wie ein Künstler, der in Strips und Kurzcomics brilliert, sich im Langformat abmüht&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2721" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749-300x401.jpg" alt="Cover von DIE KLUFT" width="300" height="401" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749-300x401.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749-112x150.jpg 112w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749-600x801.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749.jpg 749w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />DIE KLUFT</p>



<p>© <a href="https://reprodukt.com/products/die-kluft" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Reprodukt Verlag</a> | Hardcover | 240 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★☆☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★★☆☆☆</p>
<p>Lettering: ★★☆☆☆</p>
<p>Humor: ★☆☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★☆☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-95640-485-6</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/12/die-kluft-beschreibt-sehnsucht-und-leerlauf/">DIE KLUFT beschreibt Sehnsucht und Leerlauf</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>HALLIMASCH &#8211; Eine Versuch über Freundschaft</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/10/hallimasch-eine-versuch-ueber-freundschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Oct 2025 06:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★☆☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Max Baitinger]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>HALLIMASCH entführt uns auf einen Wochenendtrip nach Leipzig, der für die Protagonisten Dietz und Volker rückblickend zum Prüfstein ihrer langjährigen Freundschaft gerät. Dietz, ein mittelalter Ingenieur aus Düsseldorf, ist ein typischer Durchschnittstyp: verheiratet, zwei Töchter, Trainer im örtlichen Judo-Verein. Das Leben läuft in geregelten Bahnen. Sein Gegenpart Volker ist Musiker, ein notorischer Langfinger und hat [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>HALLIMASCH entführt uns auf einen Wochenendtrip nach Leipzig, der für die Protagonisten Dietz und Volker rückblickend zum Prüfstein ihrer langjährigen Freundschaft gerät. Dietz, ein mittelalter Ingenieur aus Düsseldorf, ist ein typischer Durchschnittstyp: verheiratet, zwei Töchter, Trainer im örtlichen Judo-Verein. Das Leben läuft in geregelten Bahnen.</p>
<p>Sein Gegenpart Volker ist Musiker, ein notorischer Langfinger und hat mit seiner abseitsstehenden Eigenwilligkeit die Rolle des Provokateurs inne.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2453" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_01_1000x763_2.jpg" alt="Innenseite 01 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_01_1000x763_2.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_01_1000x763_2-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_01_1000x763_2-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_01_1000x763_2-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Gemeinsam machen sich die Beiden auf den Weg, um ihren alten Schulfreund Acki zu besuchen, eine scheinbar banale, etwas sentimentale Unternehmung. Doch wie so oft ist die Realität weniger zugänglich als erwartet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2454" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_02_1000x763_3.jpg" alt="Innenseite 02 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_02_1000x763_3.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_02_1000x763_3-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_02_1000x763_3-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_02_1000x763_3-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<h3>Die Suche nach Acki</h3>
<p>Acki empfängt seine Schulkameraden nicht wie (vermeintlich?) vereinbart und seine neue Adresse bleibt ein Rätsel. Was tatsächlich besprochen wurde und was nur in der persönlichen Gewissheit von Dietz existiert, bleibt sowohl uns &#8211; als auch den Beiden &#8211; unklar.</p>
<p>Jedenfalls sind Dietz und Volker nach der Ankunft erst einmal auf sich alleine gestellt. So hangeln sich die beiden ersatzweise durch Leipziger Kneipen, Museen und Erinnerungen, um die Zeit totzuschlagen, bis sich ihr Kumpel meldet.</p>
<p>Baitinger inszeniert diese Suche als ein Spiel aus Absurditäten und kleinen Eskapaden, darunter der Diebstahl eines antiken Schwertes durch Volker. Die Stimmung schwankt immer wieder zwischen eigenwilligem Humor und Tragik. Die narrativen Schwerpunkte wechseln subtil zwischen nostalgischen Rückblicken, unaufgeregtem Alltag und einem Gefühl der Entfremdung – nicht nur von Acki, sondern auch voneinander und vom eigenen Selbst. Von Anfang an spüren wir eine deutliche Melancholie, die durch lakonischen Witz unterbrochen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2455" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_03_1000x763_4.jpg" alt="Innenseite 03 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_03_1000x763_4.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_03_1000x763_4-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_03_1000x763_4-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_03_1000x763_4-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<h3>Drei Männer, drei Welten</h3>
<p>Im Zentrum von HALLIMASCH stehen die zentralen Figuren Dietz und Volker. Ihre Dynamik ist geprägt von unausgesprochenen Vorwürfen, alten Ritualen voller Leerlauf und Dietz&#8216; mühsamer Suche nach neuen Verbindungslinien. Dietz versucht die Stimmung mit routinierten Sprüchen und bemühtem Optimismus zu retten, während Volker in seinem kränkelnden, trotzig-lauernden Dasein die Schattenseiten der Vergangenheit und Gegenwart verkörpert.</p>
<p>Acki glänzt durch Abwesenheit, ein Spielball der Erinnerung und der Wünsche – nach Nähe, nach Bestätigung, nach einer Brücke zu früheren Zeiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2456" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_04_1000x763_5.jpg" alt="Innenseite 04 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_04_1000x763_5.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_04_1000x763_5-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_04_1000x763_5-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_04_1000x763_5-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<h3>Figuren zwischen Sehnsucht und Ernüchterung</h3>
<p>Erst spät kommt Nachricht von Acki und selbst danach bleibt er ein größtenteils schemenhafter Charakter. Die Hoffnung, dass mit ihm alles besser oder zumindest gut wird, schwindet.</p>
<p>Die eigentliche Handlung strebt jedoch weniger nach äußerer Bewegung als nach innerer Erkenntnis: Wie viel „Freundschaft“ hält das echte Leben noch aus, wenn Routine, Entfremdung und verpasste Chancen die Oberhand gewinnen? Die narrative Struktur von HALLIMASCH ist entsprechend zurückhaltend und arbeitet mit Ellipsen, Leerstellen und bewusst unspektakulären Szenen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2457" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_05_1000x763_6.jpg" alt="Innenseite 05 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_05_1000x763_6.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_05_1000x763_6-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_05_1000x763_6-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_05_1000x763_6-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<h3>Abstufungen von Blässe</h3>
<p>Und mir fehlt in diesem Werk damit jegliche Dynamik, die Comics zu meinen präferierten Medien machen. Selbst der Diebstahl des Schwertes durch Volker, bringt keine Spannung. Volker entwendet das gute Stück einfach so, weil er es kann und niemandem scheint es aufzufallen. Konsequenzen für die Geschichte? Keine. </p>
<p>Dietz ist die einzige, wirklich herausgearbeitete Figur. Sie trägt die Erzählung. Volker kränkelt herum, schweigt, ist dabei. Mehr nicht. Währenddessen glänzt Acki durch körperliche Abwesenheit, erscheint anfangs nur in Dietz&#8216; Erinnerungen und soll doch die zentrale Figur sein, um die es bei dieser Buddy-Tour geht.</p>
<p>Die gesamt Erzählung wirkt darum wie ein &#8222;Warten auf Godot&#8220; für Anfänger. Ihr fehlt Action, echte Konflikte und Identifizierungspotential mit den Charakteren. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Dietz und Volker nach dem Wochenende unverrichteter Dinge wieder den Heimweg antreten. Eine Heldenreise sieht anders aus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2458" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_06_1000x763_7.jpg" alt="Innenseite 06 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_06_1000x763_7.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_06_1000x763_7-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_06_1000x763_7-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_06_1000x763_7-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<h3>Was Baitinger ausmacht</h3>
<p>Max Baitinger ist in der deutschsprachigen und internationalen Comic-Szene kein Unbekannter. Als Zeichner und Szenarist gilt er machen als Meister der Zwischentöne. Seine Werke sind geprägt von lakonischem Humor, subtilen Absurditäten und visueller Entschleunigung.</p>
<p>Neben HALLIMASCH sind insbesondere seine Graphic Novels <a href="https://www.rotopolpress.de/en/produkte/heimdall" target="_blank" rel="noopener">HEIMDALL</a> und <a href="https://www.rotopolpress.de/en/produkte/roehner" target="_blank" rel="noopener">RÖHNER</a> bekannt geworden. HEIMDALL setzt sich mit nordischen Sagenfiguren und ihren Brüchen auseinander, während RÖHNER das Alltagsleben und zwischenmenschliche Beziehungen seziert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2459" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_07_1000x763_8.jpg" alt="Innenseite 07 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_07_1000x763_8.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_07_1000x763_8-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_07_1000x763_8-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_07_1000x763_8-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Baitinger&#8217;s Bildsprache ist reduziert, wirkt wie aus dem Handgelenk auf das Papier geworfen, die Striche mit wenigen Aquarellfarben flüssig gesetzt. Allerdings muss ich sagen: Diese Art der Darstellung spricht mich nicht wirklich an. </p>
<p>Insbesondere die Aufarbeitung der Bewegungen, mit mehreren Armen und Beinen am gleichen Körper, in der Ausprägung nicht differenziert, sodass sich eine echte Bewegung lediglich erahnen lässt, haben mich in diversen Abschnitten eher verwirrt als begeistert. Falls, wie in einigen Kritiken nachzulesen, seine Stärke die Kunst des Weglassens ist, wird sie an diesen Stellen nicht gelebt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2460" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_08_1000x763_9.jpg" alt="Innenseite 08 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_08_1000x763_9.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_08_1000x763_9-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_08_1000x763_9-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_08_1000x763_9-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<h3>Zeichentechnik und visuelle Ebenen</h3>
<p>Baitinger arbeitet mit markant geometrischen Figuren, deren Reduktion mich zu kühler Distanz verleitet und nie wirklich mein Interesse an den Charakteren geweckt hat. Auch die einfach und einfarbig gehaltenen Bildebenen haben nicht dazu geführt, dass ich mich länger in einzelnen Darstellungen aufhalten wollte. Die 200 Seiten des Buches waren in einem Rutsch und innerhalb kürzester Zeit durchpflügt. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2461" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_09_1000x763_10.jpg" alt="Innenseite 09 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_09_1000x763_10.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_09_1000x763_10-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_09_1000x763_10-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_09_1000x763_10-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HALLIMASCH ist kein Comic, der mich auffordert, inne zuhalten, weder in der Handlung noch in der Wahrnehmung. Vieles bleibt an der Oberfläche, eine bewusste Verweigerung von Katharsis und erzählerischer Zuspitzung. Die Konzentration auf die kleinen Momente und subtilen Absurditäten des Alltags ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Werks: Einerseits schafft Baitinger eine oberflächliche Atmosphäre und damit eine Authentizität, die gut zum Thema passt. Andererseits riskiert er die Gefahr der Belanglosigkeit, wenn die Handlung auf kaum mehr als das Verstreichen eines Wochenendes hinausläuft.</p>
<p>Auch das Motiv der Freundschaft wird weitgehend als Idee verhandelt, weniger als gelebte Realität. Die Figuren bleiben rätselhaft, mögliche Antworten fragmentarisch.</p>
<p>Die visuelle Umsetzung wirkt durch ihre flache Geradlinigkeit, kann dadurch aber auch distanziert oder gar unterkühlt wirken. Für Strips-Leser und klassische Graphic-Novel-Fans bietet der Comic wenig spektakuläre Wendungen, aber viel Raum für stille Reflexion, falls wir das behandelte Thema interessant finden sollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2462" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_10_1000x763_11.jpg" alt="Innenseite 10 von HALLIMASCH" width="763" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_10_1000x763_11.jpg 763w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_10_1000x763_11-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_10_1000x763_11-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Innenseite_10_1000x763_11-600x786.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 763px) 100vw, 763px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>P.S.</p>
<p>Der namensgebende HALLIMASCH &#8211; oder auch Honigpilz &#8211; gehört zu den Speisepilzen und ist ungekocht unbekömmlich. Auch können gelegentlich, trotz korrekter Zubereitung, Unverträglichkeitsreaktionen auftreten. &#8211; Ja, stimmt &#8230;</p>
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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2452" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Cover_1000x763_1-300x393.jpg" alt="Cover von HALLIMASCH" width="300" height="393" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Cover_1000x763_1-300x393.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Cover_1000x763_1-750x983.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Cover_1000x763_1-600x786.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/HALLIMASCH_Cover_1000x763_1.jpg 763w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />HALLIMASCH</p>



<p>© <a href="https://reprodukt.com/collections/max-baitinger/products/hallimasch" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Reprodukt Verlag</a> | Softcover | 200 Seiten | Zweifarbig</p>
<p>Storyline:  ★☆☆☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★☆☆☆</p>
<p>Farben: ★★☆☆☆</p>
<p>Lettering: ★★☆☆☆</p>
<p>Humor: ★☆☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★☆☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-95640-448-1</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/10/hallimasch-eine-versuch-ueber-freundschaft/">HALLIMASCH – Eine Versuch über Freundschaft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Auf der EVIL ROAD gibt es kein Entrinnen</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/06/auf-der-evil-road-gibt-es-kein-entrinnen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Jun 2025 05:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★☆☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Dominique Monfery]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit einer Harley Davidson die Route 66 entlang oder die Panamericana von Norden nach Süden befahren: dies sind die Träume derjenigen, die sich auf den Strassen dieser Welt frei und ungebunden fühlen wollen. Einen ROAD-Trip nennt der Romantiker das. Eine entspannte Reise über mehrere Tage von A nach B, möglichst entschleunigt und mit zahlreichen Stopps, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit einer Harley Davidson die Route 66 entlang oder die Panamericana von Norden nach Süden befahren: dies sind die Träume derjenigen, die sich auf den Strassen dieser Welt frei und ungebunden fühlen wollen. Einen ROAD-Trip nennt der Romantiker das. Eine entspannte Reise über mehrere Tage von A nach B, möglichst entschleunigt und mit zahlreichen Stopps, um sich die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke anzuschauen.</p>
<h3>Zwei Opas auf großer Fahrt: Der Startschuss</h3>
<p>Die in die Jahre gekommenen Zwillinge Helis und Helias wollen einen solchen Road-Trip genießen und machen sich auf, die Vereinigten Staaten zu durchqueren, von Kalifornien nach New York. Das Besondere daran: sie wollen die rd. 3.000 Meilen-lange Strecke in einem alten Ford-T-Modell befahren, in dessen Besitz sie durch einen Zufall gekommen sind und dass sie selbst &#8211; in monatelanger, liebevoller Kleinarbeit &#8211; gemeinsam restauriert haben.</p>
<p>Die Brüder starten mit Beginn der Sommerferien, verlassen den Großraum San Fransisco&#8217;s Richtung Süden und gelangen nach einiger Zeit auf die mit dem Lineal gezogenen Strassen, die durch Wüsten ähnliche Gebiete führen. Landschaft, Weite, kaum Menschen und auf der EVIL ROAD keine Bäume. </p>



<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-898 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_1.jpg" alt="Innenseite 1 von EVIL ROAD" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_1.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_1-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_1-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
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<h3>Ein Pinkelstopp mit fatalen Folgen</h3>
<p>Letztere vermisst Helias ziemlich schnell, als sich seine Blase meldet und er seinen Bruder bitten muss, an einem völlig verdreckten Schrott-LKW am Wegesrand anzuhalten. (Warum Männer immer ein Objekt brauchen, um sich zu erleichtern, wird wohl nie abschließend geklärt werden. Die bekannten Theorien über Spritz-/Schutz von vorne, Reviermarkierungen oder einfachen Gleichgewichtsfragen bieten jedenfalls abschließend keine befriedigende Antworten.)</p>
<p>Nach vollbrachtem Werk und einigen Witzeleien geht es für die Brüder schließlich weiter. Nur, dass der Schrottlaster eben nicht verlassen am Wegesrand stand und sich der Fahrer &#8211; nun ja, &#8222;angepisst&#8220; fühlt. Der Road-Trip wird zum Horror-Trip. Wie es um den geistigen Gesundheitszustand des Fahrers bestellt ist, sehen wir schon daran, dass er sich weder zu erkennen gibt, noch sofort auf Helias&#8216; &#8222;Tat&#8220; reagiert und die Zwillinge ab sofort lieber jagt. Die Rücksichtslosigkeit des Trucks und die damit verbundenen Gefahren für Leib und Leben bringen die beiden Reisenden schnell an ihre physischen und psychischen Grenzen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-899 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_2.jpg" alt="Innenseite 2 von EVIL ROAD" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_2.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_2-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_2-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
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<h3>Truck des Todes: Zwischen Hommage und Abklatsch</h3>
<p>Dominique Monféry, der Autor und Zeichner des Albums, nimmt bei seiner EVIL ROAD unverkennbar Anleihen bei Steven Spielberg&#8217;s Kurzfilm &#8222;<a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0067023/?ref_=nv_sr_srsg_4_tt_6_nm_2_in_0_q_duell" target="_blank" rel="noopener">Duell</a>&#8220; aus dem Jahre 1971. Im Gegensatz zu Spielberg zeigt uns Monféry aber nie, ob wirklich jemand am Steuer des Abschlepp-Trucks sitzt. Vielleicht hat er sich ja auch bei einem anderen Stephen (King) bedient und eine &#8222;Christine&#8220; zum Leben erweckt. Der Truck selbst wird zum Antagonisten unserer Helden. Im Laufe der Geschichte wird nicht abschließend geklärt, ob es einen Fahrer gab und das lässt mich ratlos zurück.</p>
<p>Die Geschichte ist linear, auf schmalen 48 Seiten gradlinig erzählt und hat neben starken Actionszenen auch ruhige Momente. Soweit, so gut. Um aber ehrlich zu sein: ich tue mich mit dem Album insgesamt schwer!</p>
<p>Der Abschlepper der EVIL ROAD ist eine so übermächtige Bedrohung, dass ihm ein uralter Ford Model T mit zwei alten Knackern am Lenker nicht gewachsen sein dürfte. Und doch ist genau das der Fall.</p>
<p>Eine Identifikation mit den Protagonisten ist mir zudem kaum möglich, da es sich um Zwillinge handelt, die sich &#8211; vom Wesen her &#8211; auch noch sehr ähnlich sind. Welche Mutter ohne größere Ambitionen gibt ihren Kindern Namen wie Helis oder Helias? &#8222;Sonne, Licht&#8220; und &#8222;der Mächtige&#8220;? Und trotz eines gemeinsamen Gegners streiten sich die zwei immer wieder wie die Kesselflicker. Brüder? Ja, natürlich. Aber auch potentielle Sieger eines solchen Straßenkrieges? Nein, eher nicht.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-900 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_4.jpg" alt="Innenseite 3 von EVIL ROAD" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_4.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_4-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_4-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
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<h3>Sonnenstich statt Story-Logik?</h3>
<p>Auch scheinen sich unsere Protagonisten mehr Gedanken um die Restaurierung des Fahrzeugs als um die Planung der Reise gemacht zu haben, selbst wenn uns ein kleines Panel etwas anderes glauben lassen möchte. Bei der Planung der Reise haben die Zwillinge sich für eine südliche Route durch Wüsten und ähnliche Landschaften entschieden. Und das obwohl sie ein Cabrio restauriert haben? Obwohl Helias kein Hutträger ist und ihm stundenlang die Sonne das Hirn weich kochen wird? Auch verlangt die Handlung von den Zwillingen, die nicht mehr die jüngsten sind, körperliche Stunts ab, die selbst in der heutigen Zeit unglaubwürdig wären. Doch dazu spoilere ich hier nichts weiter.</p>
<p>Im Gegensatz zu Spielberg&#8217;s Duell, dass einen Kampf Mann-gegen-Mann darstellt und durch die vermeintliche Überlegenheit des Trucks gegenüber dem roten Plymouth Valiant De Luxe des Protagonisten bei ihm &#8211; und dem Zuschauer &#8211; paranoide Züge begünstigt, treffen die beschriebenen Geschehnisse bei mir als Leser keinen Nerv.</p>
<p>Paranoide Personen sind üblicherweise mit ihrem individuellen Angstempfinden allein, allein in der Weite des Landes, auf unbelebter Straße. Aber nicht hier. Die Zwillinge sind nie allein. Das nimmt dem Album die Kraft. (Vorsicht Spoiler:) Existiert dieser Twist vielleicht nur, weil die Antagonisten ebenfalls Zwillinge sind? Nur damit &#8211; nachdem einer erledigt wurde und man sich endlich sicher fühlen könnte &#8211; der zweite wie Kai-aus-der-Kiste auftaucht? Dieser Effekt ist billig und eine vergebene Chance! Aber vielleicht wollte sich Monféry auch einfach nur zu sehr von &#8222;Duell&#8220; abheben.</p>



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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-901 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_7.jpg" alt="Innenseite 4 von EVIL ROAD" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_7.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_7-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_7-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Licht, Farbe, Panelkunst: Monféry&#8217;s Kino im Comic</h3>
<p>Was mich an EVIL ROAD von Beginn an fasziniert hat, sind die lebendigen Zeichnungen von Dominique Monféry, der Ende der 80er-Jahre als Animator angefangen und später sogar eine Oscar-Nominierung erhalten hat. Die klassische Panel-Abfolge ist an vielen Stellen mit den Sehgewohnheiten der (ebenfalls) klassischen Kinogänger kompatibel, in ihrer Ausrichtung abwechslungsreich, aber wenig dynamisch. Eine Kinoleinwand eben, die auf Comic-Format herunter gebrochen wurde.</p>
<p>Man merkt Monféry an, dass er sein Anmiations-Handwerk versteht. Er beherrscht den Einsatz von Licht und Schatten, die Farbkomposition ist stimmig, die ausdrucksstarke Mimik der Handelnden und die wuchtige Darstellung der Action-Sequenzen machen das Album visuell zu einem echten Hingucker. Das war auch genau das, was mich zum Kauf animiert hat. Und aus diesem Grund habe ich ihn nicht bereut.</p>



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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-902 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_9.jpg" alt="Innenseite 5 von EVIL ROAD" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_9.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_9-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_9-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>&nbsp;</p>



<h3>Comic ohne Kompass: Zwischen den Genres verloren</h3>
<p>Der Comic entzieht sich den üblichen Genre-Schubladen. Er ist kein einfaches Road-Movie, kein Krimi, kein Thriller, vor allen Dingen aber auch kein Funny. Ja, er hat gewisse Horror-Elemente, hat aber gleichzeitig keine Protagonisten, die ich gern haben und mit denen ich ernsthaft mitfiebern kann.</p>
<p>Echter Horror, der sich des überraschenden Moments bedient, kann in den Weiten dieser Wüste glaubhaft nicht entstehen. Ja, Monféry lässt den Truck immer wieder aus dem Nichts auftauchen, aber eine gute Erklärung dafür liefert er nie und damit ist es bloße Effekthascherei.</p>
<h3>Finale ohne Wirkung – David gegen Goliath, mal zwei</h3>
<p>Helis und Helias wachsen über sich hinaus und werden am Ende überlebt haben. Aber dieser erfahrene Goliath, der &#8211; wie wir auch erfahren &#8211; schon zahlreiche Morde begangen hat, soll diesen beiden David&#8217;s nicht gewachsen sein? Obwohl es sogar zwei von dieser üblen Sorte gibt?</p>
<p>Die Protagonisten erinnern mich sehr an Jack Lemon und Walter Matthau in ihren besten Tagen. Ein Gespann, dass auf ihre Weise eine Komödie abliefert, aber keine echte Heldenreise absolviert. Helis und Helias werden zum Schluss wieder in der Garage sitzen, das herunter gekommene Wrack des Ford an ihrer Seite. Ob sie es nach den Geschehnissen noch einmal aufarbeiten, lässt die Geschichte offen. Im Augenblick fühlen sich die Beiden wohl einfach nur alt, uralt &#8211; wie das T-Modell selbst.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-903 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_10.jpg" alt="Innenseite 6 von EVIL ROAD" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_10.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_10-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_10-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Schöner Schein, schwache Story</h3>
<p>Böse Zungen werden behaupten, dass man das alles hätte erahnen können und dass einem das Cover bei genauem Hinsehen bereits einen versteckten Hinweis gegeben hätte: denjenigen, die uns zu sehr folgten, zeigen wir den Stinkefinger&#8230; EVIL ROAD hin oder her!</p>
<p>&nbsp;</p>
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</p>
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<p>



</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-904 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_Cover-300x416.jpg" alt="Cover von EVIL ROAD" width="300" height="416" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_Cover-300x416.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_Cover-600x832.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_Cover-288x400.jpg 288w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/Evil_Road_Cover.jpg 721w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />EVIL ROAD</p>
<p>

</p>
<p>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/evil-road.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a>| Hardcover | 48 Seiten | Farbe<br /><br />Storyline:   ★☆☆☆☆<br />Zeichnungen:  ★★★★☆<br />Lettering:  ★★★☆☆<br />Humor:  ★☆☆☆☆<br />Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>:  ★★☆☆☆<br />ISBN: 978-3-96445-131-6<br /><br />Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>

<p>&nbsp;</p>
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