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	<title>Alltagsgeschichten - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>Alltagsgeschichten - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<item>
		<title>DIE ADOPTION: QINAYA &#8211; Vom Erdbeben direkt ins Herz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 05:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Familien-Comics sind ein Genre für sich. Und ich traue ihnen nicht automatisch. Zu oft wird es weichgespült, geschniegelt und das bleibt es dann auch. DIE ADOPTION 1: QINAYA geht da einen anderen Weg. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass Zidrou und Arno Monin keine Wohlfühl-Story erzählen wollen. Sie erzählen von einer Adoption aus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Familien-Comics sind ein Genre für sich. Und ich traue ihnen nicht automatisch. Zu oft wird es weichgespült, geschniegelt und das bleibt es dann auch.</p>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA geht da einen anderen Weg. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass Zidrou und Arno Monin keine Wohlfühl-Story erzählen wollen. Sie erzählen von einer Adoption aus Peru nach Frankreich und von einem älteren Mann namens Gabriel, der plötzlich Großvater sein soll, obwohl er schon früher mit der Vaterrolle nie warm geworden ist. Genau daraus zieht der Band seine Kraft. Er will berühren, ja. Aber er will mich vorher an die richtigen Stellen kitzeln: an Stolz, an Ungeschick, Scham, Trotz und an diese kleinen, sehr menschlichen Abwehrbewegungen, die Nähe oft erst einmal aktiv verhindern.<span id="more-3636"></span></p>
<p>Was mich an DIE ADOPTION 1: QINAYA sofort gereizt hat, ist der Tonfall. Der Comic ist warm, aber nicht süßlich. Er ist humorvoll, aber nie auf Pointe geschrieben. Und er hat ein Gespür für den Alltag, das ich in solchen frankobelgischen Stoffen besonders schätze. Nicht das große Programm &#8222;Familie&#8220; interessiert Zidrou hier zuerst, sondern das leise Chaos, das entsteht, wenn ein neues Kind in ein längst eingerichtetes Leben einbricht.</p>
<p>Da steht dann kein Pathos im Raum, sondern ein alter Sessel, ein genervter Blick, eine ungeschickte Bemerkung und irgendwann ein Moment, in dem der Widerstand langsam bröckelt. Genau dort wird dieser Band stark. Zidrou weiß, wie er solche Geschichten erzählen muss.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2083" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 11 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="(max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Woher dieser Stoff seine Wärme nimmt</h2>
<p>Ein Blick auf die Entstehung hilft. Zidrou &#8211; bürgerlich: Benoît Drousie &#8211; kommt nicht aus einem literarisch kühlen Autorenmilieu, sondern war zunächst Lehrer und schrieb in den frühen neunziger Jahren erst Kinderbücher, dann Lieder und dann Comics. Er hat also ein Gespür für kindliche Perspektiven, ohne Kinder selbst zu verniedlichen.</p>
<p>Zugleich hat er sich im Lauf seiner Karriere immer stärker in Richtung realistischer, empfindsamer Erzählungen bewegt. Dass ausgerechnet er einen Stoff wie QINAYA schreibt, passt also gut. Ihn interessiert nicht die Idee einer Familie als Sonntagsbild. Ihn interessieren Reibung, Fehler und das, was Menschen &#8211; trotz ihrer Schwächen &#8211; füreinander tun.</p>
<p>Arno Monin bringt dafür die richtige Bildsprache mit. Laut seiner Autorenbiografie kam er über Kunstgeschichte, angewandte Kunst, Zeichnung, Animation und Comic zum Erzählen in Bildern. Diese Mischung spürt ich hier deutlich. Seine Seiten denken nicht nur in schönen Einzelbildern. Sie denken in Blickrichtungen, in Körperhaltungen, in kleinen Abfolgen von Gesten. In QINAYA federt die Sanftheit des Zeichenstils die Härte des Stoffes nicht ab, sondern macht sie umso deutlicher.</p>
<p>Spannend ist auch der Serienrahmen. Im französischen Original startete QINAYA 2016 als erster Teil vom ersten Zyklus und war ausdrücklich als Band 1 von 2 angelegt. Der deutsche Splitter Band erschien 2017. Heute führt die Reihe weitere Zyklen fort, aber dieser erste Auftakt gehört noch zu einem Zweiteiler, der mit DIE ADOPTION 2: LA GARÚA endet. Das merke ich beim Lesen deutlich, denn der erste Band endet mit einem Kracher.</p>
<p>Der Band erzählt genug, um eigenständig zu berühren. Gleichzeitig legt er Spuren, deren Gewicht erst im zweiten Teil voll sichtbar werden. Als Auftakt ist das klug, weil der Comic Nähe aufbaut und dabei nie so tut, als wäre eine Adoption nach der Ankunft schon erledigt.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2084" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 10 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="(max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Ein neues Kind im Haus</h2>
<p>Die Ausgangslage ist schnell umrissen, aber Zidrou nutzt sie sehr geschickt. Alain und Lynette, ein kinderloses Paar Mitte vierzig, adoptieren nach einem verheerenden Erdbeben in Peru die vierjährige QINAYA.</p>
<p>Schon dieser Anfang hat eine gewisse Wucht, weil er nicht lange bei der Katastrophe stehen bleibt. Der Comic zeigt stattdessen, was danach kommt. Ein Kind reist in eine fremde Sprache, in ein neues Land, ein neues Haus und in eine neue Familie. Alles ändert sich und alle wollen alles richtig machen. Genau dadurch entsteht schon die erste Unsicherheit. Zu viel Aufmerksamkeit kann auch zu viel Druck werden. Denn auch zu viel Zärtlichkeit kann für ein Kind, das gerade alles verloren hat, wie ein weiterer Übergriff wirken.</p>
<p>Im Zentrum steht dann überraschend nicht das Elternpaar, sondern Gabriel, der Griesgram von einem Großvater. Das finde ich eine sehr gute Entscheidung. Denn Gabriel ist kein sentimentaler Bilderbuchopa. Er ist störrisch, abweisend, stolz auf eine Weise, die sofort nervt und gerade deshalb so glaubwürdig ist. Seine Frau geht viel offener auf QINAYA zu.</p>
<p>Alain und Lynette sind voller Hoffnung. Gabriel dagegen steht quer im Bild. Er sagt die falschen Dinge, zieht sich zurück und wirkt, als habe ihn das ganze Unternehmen in seiner Ruhe beleidigt. Ich mochte daran, dass Zidrou ihn nicht künstlich sympathisch macht. Gabriel ist am Anfang wirklich &#8230; unerquicklich. Genau deshalb fühlt sich die langsame Veränderung, seine Heldenreise, später verdient an.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2085" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000.jpeg" alt="Innenseite 09 von DIE ADOPTION 1" width="711" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000.jpeg 711w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000-300x422.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000-600x844.jpeg 600w" sizes="(max-width: 711px) 100vw, 711px" /></p>
<h2>Wie aus Widerstand vorsichtige Nähe wird</h2>
<p>Die eigentliche Bewegung des Bandes liegt in den kleinen Alltagsverschiebungen. QINAYA ist nicht einfach nur das niedliche Kind, das alle Herzen im Sturm nimmt. Sie bringt Freude mit, ja, aber auch Irritation, Trauer, Missverständnisse und diese stille Unruhe, die Kinder aus einer Gewalterfahrung nicht einfach an der Garderobe abgeben.</p>
<p>Der Comic macht daraus keinen Problemkatalog, sondern zeigt lieber exemplarische Situationen: hier ein Blick zu lang, dort eine Geste, die nicht erwidert wird, wieder eine peinliche Bemerkung von Gabriel. Oder doch einen gemeinsamen Moment, der versehentlich schön wird. So wächst zwischen dem alten Mann und dem Mädchen langsam etwas, das zuerst gar keinen Namen braucht. Anfängliches Vertrauen reicht als Wort zunächst völlig aus.</p>
<p>Dabei gefällt mir besonders, wie offen der Band mit Unbeholfenheit umgeht. Gabriel hat keine pädagogische Sprache, während QINAYA ihre Verluste nicht in reifen Sätzen äußern kann. Auch die Erwachsenen ringsum handeln oft aus Überforderung. Dadurch bekommt die Geschichte etwas sehr Geerdetes. Ich habe hier nie das Gefühl, dass Figuren nur eine These bebildern. Sie stolpern, wiederholen Fehler und lernen (zu) spät.</p>
<p>Genau so entsteht Glaubwürdigkeit. Und genau so entgeht der Comic dem Kitsch. Selbst dann, wenn er mich emotional klar in Richtung Herz drückt, bleibt er an seinen Figuren dran und lässt ihnen ihre Macken. Dass der Band am Ende nicht in Harmonie ausläuft, sondern einen schmerzhaften Einschnitt setzt, macht diesen ersten Teil nur stärker. Ich war danach nicht angenehm beruhigt, sondern aufgewühlt. Das ist mehr wert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2086" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 08 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Familiengeschichte statt Thesenpapier</h2>
<p>Erzählerisch leistet der Comic vor allem eines sehr gut: er erzählt über Adoption, ohne den Stoff auf das Thema zu reduzieren. Natürlich geht es um Herkunft, Zugehörigkeit und um die Frage, ob Liebe einfach da ist oder mit der Zeit wachsen muss. Aber Zidrou macht daraus keinen erklärenden Problem-Comic. Er bleibt bei einer Familie und zeigt, wie unterschiedlich dieselbe Situation erlebt wird.</p>
<p>Für die Eltern ist QINAYA Erfüllung und Herausforderung zugleich. Für Gabriel ist sie Zumutung, Spiegel und späte Chance. QINAYA selbst ist vor allem ein Kind, das in einer neuen Welt zurechtkommen muss. Dadurch bekommt der Band eine Mehrstimmigkeit, die ich sehr schätze.</p>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA ist kein Abenteueralbum und keine klassische Graphic Novel der großen Gesten. Der Band lebt von Zwischentönen, von nicht ausgesprochenen Schuldgefühlen und von der Ahnung, dass Eltern- und Großelternschaft nicht einfach biologische Zustände sind. Sie müssen ge- bzw. erlebt werden.</p>
<p>Gerade als Auftaktband funktioniert das hervorragend. Ich lerne die Figuren schnell kennen, ich verstehe die emotionale Grundspannung und spüre am Ende sehr klar, warum es noch einen zweiten Teil braucht. Das ist für einen Serienstart beinahe die beste Mischung.</p>
<p>Eine kleine Schwäche sehe ich trotzdem. Einige emotionale Übergänge sind sehr effektiv gebaut und dadurch fast schon zu sauber, bevor der Band in seine große emotionale Zuspitzung geht. Nicht weil ich Distanz gesucht hätte. Eher weil die Figuren so gut sind, dass ich ihnen weitere, sperrige Zwischentöne zugetraut hätte. Das ist kein echter Makel, wahrlich nicht. Es ist eher der Punkt, an dem ich merke, wie hoch der Comic sein eigenes Niveau hängt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2087" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 07 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Arno Monin erzählt mit Blicken</h2>
<p>Zeichnerisch ist das Album für mich der eigentliche Trumpf. Monin kann Gesichter leben lassen. Gabriel lebt nicht von großen Monologen, sondern von Augenbrauen, Schulterhaltung, Mundwinkeln und dieser etwas steifen Körperlichkeit eines Mannes, der Gefühle lieber in einen hinteren Winkel seines Wesens verstaut.</p>
<p>QINAYA wiederum ist nie bloß süß gezeichnet. Sie wirkt klein, wach, neugierig, manchmal offen, manchmal verschlossen. Gerade darin liegt die zeichnerische Leistung. Monin behandelt Kinder nicht mit cartoonesker Verniedlichung, sondern als eigenständige Präsenz im Raum. Dies verändert den ganzen Band.</p>
<p>Dazu kommt ein sehr gutes Gespür für Rhythmus. Die Seiten wechseln zwischen ruhig gesetzten Alltagsszenen und kleinen Montagen, in denen Zeit vergeht, ohne dass viel erklärt werden muss. Ich sehe Wohnzimmer, Garten, Küche, Wege durchs Haus, kurze Begegnungen draußen. Nichts davon ist spektakulär, aber alles ist erzählerisch sauber. Räume werden nicht dekoriert, sondern bewohnt. Dadurch entsteht eine Vertrautheit, die wichtig ist. Denn QINAYA muss sich in dieser Welt ebenso erst einfinden, wie ich als Leser.</p>
<p>Besonders stark ist Monin, wenn er Text zurücknimmt und Gesichter oder Abläufe sprechen lässt. Da wird der Comic leise und zugleich sehr präzise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2088" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 06von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<p>Arno Monin gehört zu den Zeichnern, die starke Gefühle nicht mit Lautstärke verwechseln. Nach einem literarischen Abitur und einem Jahr Kunstgeschichte wechselte er an eine Schule für angewandte Kunst mit Schwerpunkt Zeichnung, Animation und Comic. Bei Grand Angle machte er früh mit L’ENVOLÉE SAUVAGE und L’ENFANT MAUDIT auf sich aufmerksam. Später folgten unter anderem MERCI, MONSIEUR JULES und eben diese verschiedenen Zyklen von L’ADOPTION.</p>
<p>Sein Markenzeichen ist ein weicher, empathischer Strich, der ernste Stoffe zugänglich macht, ohne sie zu verharmlosen. Gerade in Familiengeschichten ist das eine seltene Stärke.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2089" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 05 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Warmes Licht, kalte Blautöne</h2>
<p>Auch die Farbe trägt viel. Monin koloriert selbst und das merke ich positiv. Die warmen Innenräume geben der Geschichte zunächst etwas Geborgenes, das fast trügerisch wirken kann. Dem stehen kühlere, blaue Töne gegenüber, sobald Einsamkeit, Nacht oder innere Distanz ins Bild rücken.</p>
<p>Diese Farbdramaturgie ist nicht aufdringlich. Sie arbeitet eher unter der Oberfläche. Gerade deshalb funktioniert sie. Ich habe selten das Gefühl, hier wolle mich jemand mit Bedeutung anstrahlen. Stattdessen ziehen die Farben die Stimmung ganz sanft enger oder weiter. Für einen Comic, der so stark auf Nähe und Unsicherheit baut, ist das genau richtig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2090" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 04 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Fazit</h2>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA ist für mich ein starkes, klug gebautes Familienalbum. Nicht weil es mich bloß rührt, sondern weil es sehr genau weiß, wie Nähe entsteht, wie unerquicklich Menschen dabei sein können und wie viel in einem Blick zwischen einem Kind und einem alten Mann stecken kann.</p>
<p>Zidrou schreibt warm und mit sicherem Gespür für Reibung. Arno Monin hebt das Ganze mit seiner leisen, menschlichen Bildsprache noch einmal an. Ein Auftakt, der mir nicht einfach gefallen hat. Er ist mir nahe gegangen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_2094" aria-describedby="caption-attachment-2094" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2094" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-300x416.jpeg" alt="Cover von DIE ADOPTION 1" width="300" height="416" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-300x416.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-600x832.jpeg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000.jpeg 721w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2094" class="wp-caption-text">Die Adoption1 &#8211; QINAYA</figcaption></figure>
<ul id="infobox">
<li>DIE ADOPTION 1: QINAYA</li>
<li>Zidrou und Arno Monin</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95839-529-9</li>
<li>Storyline: ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★★</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-adoption-bd-1-qinaya.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: left;"> </p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/">DIE ADOPTION: QINAYA – Vom Erdbeben direkt ins Herz</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>DIGGER geht &#8211; Flucht aus dem inneren Gefängnis</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
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		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
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		<category><![CDATA[Schwarz-Weiss]]></category>
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		<category><![CDATA[Ralf Marczinczik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ralf Marczinczik &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://comixfactory.de/?go=about" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ralf Marczinczik</a> &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an bekannten Stoffen wie MOORHUHN, GOTHIC, RISEN, DIE SIEDLER und SVEN BØMWØLLEN beteiligt. Dazu kommen Illustrationen, Cover-Arbeiten, Cartoons, Kurzcomics und Veröffentlichungen in Magazinen wie U-COMIX oder <a href="https://www.comixene.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">COMIXENE</a>.<span id="more-4164"></span></p>
<p>Ganz wichtig ist auch sein Platz in der Comic-Szene selbst. Marczinczik ist eng mit dem <a href="https://comicseminar.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Seminar Erlangen</a> verbunden, der Künstlerinnen und Künstlern Raum für gegenseitigen Austausch und Weiterbildung bietet. Er hat dort seit 2019 eine zentrale, organisatorische Rolle. Somit kennt er also nicht nur das Zeichnen selbst, sondern auch das Ringen um gute Geschichten, liebenswerte Figuren und Spannungsbögen. Genau dies, die Vielschichtigkeit seiner Erfahrungen, merke ich seinem Buch an.</p>
<p>DIGGER wirkt auf mich nicht wie eine hübsche Idee, die schnell mal auf Album-Länge aufgeplustert wurde. Es erscheint wie ein Fundstück, das lange im Hinterkopf aufbewahrt und dann herausgeholt wurde. Dann wurde gegraben, gesiebt, verdichtet. Am Ende blieb eine Gefängnisgeschichte, die auch vom Eingesperrtsein handelt. Auch, denn eigentlich geht es darum, was Isolation mit Dir macht und was es braucht, um wahre Veränderungen unter den widrigsten Umständen anzugehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4156 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg" alt="Innenseite 07 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Besuchszeit in Erlangen</h3>
<p>Ich wollte diesen Comic schon länger lesen. Die erste Auflage war jedoch sehr schnell weg und bei Comics löst so etwas bei mir eine kindische, aber ehrliche Reaktion aus. Plötzlich steht das Buch innerlich ganz vorne im Regal, obwohl es dort eben noch nicht steht. Gibt es so etwas wie einen negativen Pile-of-Shame? Auf dem <a href="https://www.comic-salon.de/de" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Salon Erlangen</a> habe ich meine Ausgabe dann direkt vom Ralf bekommen, inklusive einer kleinen, feinen Illustration. Das war ein schöner, persönlicher Moment. Nicht wichtig für die Bewertung, aber wichtig für die erste Berührung mit dem Buch.</p>
<h3>Geschehnisse hinter dicken Wänden</h3>
<p>DIGGER begrüßt mich nicht mit einem Spektakel. Kein Knast-Drama mit Eisen stemmenden Muskelprotzen, keine harte Milieu-Parade, kein Ausbruchsthriller, der schon auf Seite drei den Löffel an der Wand wetzt. Marczinczik setzt seinen schweren, runden, melancholischen Helden in ein Gefängnis an der Küste und lässt ihn tatsächlich erst einmal &#8211; &#8222;sitzen&#8220;.</p>
<p>Das klingt erst einmal schlicht, ist andererseits aber ziemlich raffiniert. Denn DIGGER sitzt nicht nur seine Strafe ab. Er hat sich in ihr eingerichtet, glaubt, dorthin zu gehören in dieses Gefängnis. Und genau da beginnt der Schmerz dieses Comics. Nicht bei den Gittern, sondern bei der Zustimmung des Gefangenen zu diesen Gittern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4157 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg" alt="Innenseite 08 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Einschluss am Meer</h3>
<p>DIGGER kommt in ein Gefängnis, das zugleich konkret und märchenhaft wirkt, <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0120689/?ref_=tt_mlt_i_2" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE GREEN MILE</a> trifft hier auf das Château d&#8217;If aus Alexandre Dumas&#8216; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GRAF VON MONTE CHRISTO</a>: ein Riese, eine Insel am Meer, der ferne Himmel, Zellen und ihre Routinen. Alles hat seinen Platz. DIGGER auch.</p>
<p>Er ist groß, massig, kräftig und auffällig. Trotzdem sucht er keine Aufmerksamkeit. Er rebelliert nicht, er beteuert nie seine Unschuld und er macht, was von ihm verlangt wird. DIGGER fügt sich in seinen Alltag, der mit der Struktur aus Arbeit, Zelle, Essen und Schlaf beinahe beruhigend gleichförmig ist. Dazwischen ein paar Blicke nach draußen. Aber diese Ruhe ist keine echte Ruhe, sondern vielmehr ein Deckel auf dem Topf.</p>
<p>Marczinczik erzählt diesen Anfang mit erstaunlicher Geduld. Ich lerne DIGGER &#8211; dessen bürgerlichen Namen wir nie erfahren &#8211; nicht über seine Tat kennen, sondern über sein Verhalten. Seine unbekannte Vergangenheit baumelt mir nicht als Köder vor meiner Nase herum. Aber sie bleibt ein Gewicht, das DIGGER mit sich herumträgt. Der Comic muss mir nicht erklären, was genau geschehen ist, damit ich seine Schuld spüre. Zugleich verweigert dieser Kniff mir aber den bequemen Weg, die Figur einfach in eine Schublade zu schieben. Gut so! Denn DIGGER ist kein unschuldiges Herzchen im falschen System, aber auch kein Monster. Er ist ein Mensch, der sich selbst auf ein Urteil reduziert hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4158 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg" alt="Innenseite 09 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Ein Kumpel hinter der Wand</h3>
<p>In dieser engen Ordnung bekommt DIGGER Kontakt zu Manolo, genannt Manny. Diese Freundschaft ist einer der schönsten Züge des Buches. Sie entsteht nicht als große Bühne. Sie wächst eher wie etwas, das zwischen zwei Steinen einen Spalt findet. Manny ist lebendiger, wacher, vielleicht auch lockerer. Er bringt etwas in DIGGER&#8217;s Welt, das dort nicht mehr vorgesehen ist: Austausch, Wärme, Neugier und ein Gegenüber.</p>
<p>Dann wird DIGGER in der Dusche angegriffen &#8211; ja, ein Knast-Cliché! &#8211; und landet verletzt in der Krankenstation. Danach fehlt ihm etwas, das für ihn kostbarer ist als jeder Besitz. Sein Geheimnis ist verschwunden. An dieser Stelle könnte die Geschichte dann doch leicht in eine simple Rache-Geschichte kippen. Tut sie aber nicht.</p>
<p>Marczinczik interessiert sich stärker für die Wunde unter der Wunde. DIGGER verliert nicht nur einen Gegenstand und damit ein verborgenes Stück seiner Innenwelt. Er verliert neben dem Selbstwertgefühl auch die kleine Ordnung, die ihn hier noch zusammengehalten hat.</p>
<p>Manny wird nun wichtiger. Nicht als Retter, sondern als jemand, der eine Entscheidung trifft. Eine Freundschaft beweist sich hier nicht durch große Worte. Sie zeigt sich in einem Risiko, das eingegangen wird. Damit setzt das Buch seine eigentliche Energie frei. Die Handlung wird letztendlich zwar zur Fluchtgeschichte, doch der spannendste Ausbruch ist nicht der aus dem Gefängnis, sondern der aus DIGGER&#8217;s eigener Erstarrung. Alles braucht Zeit und hier hat alles und jeder Zeit, ganz besonders hier.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4159 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg" alt="Innenseite 10 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Tunnelplan für die Seele</h3>
<p>Die Stärke von DIGGER liegt darin, dass Marczinczik seine Bilder sehr ernst nimmt, ohne das der Comic schwerfällig wird. Der Titel spielt mit mehreren Ebenen. DIGGER gräbt, DIGGER sucht, DIGGER wird vielleicht selbst zu dem, was ihn aus seiner Lage befreit.</p>
<p>Ein Lockdown als Prämisse passt zu diesem Stoff, weil Marczinczik die Erfahrung von Enge nicht platt überträgt. Er schreibt keinen Corona-Comic! Aber er nimmt dieses Gefühl ernst. Jenes Gefühl, dass ich beim Lesen sofort wiedererkenne. Die Tage werden &#8230; waren gleich. Der Blick ging zum Fenster und die Zeit bekam ein seltsames Gewicht. Im Gefängnis wird daraus eine Fabel über Einsamkeit, Schuld und die Frage, ob ein Mensch sich selbst wieder erlauben darf, nach draußen zu wollen.</p>
<p>Manche Zeichen sind sehr deutlich platziert. Die wenigen Farbtupfer sind blau wie der freie Himmel. Marczinczik vertraut hier manchmal mehr auf einfache, aber klare Symbolik als auf Zwischentöne. Das kann einen Moment lang sehr geradeaus wirken, doch ich nehme es diesem Comic nicht übel. Seine Welt ist bewusst schlicht gebaut. Sie braucht keine Tarnkappe aus Raffinesse. Sie will das Herz nicht überlisten, sie klopft an und wartet dann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4160 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg" alt="Innenseite 11 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Gitterstäbe aus Tusche</h3>
<p>Visuell ist das Buch viel sicherer, als sein leiser Ton zunächst erwarten lässt. DIGGER ist eine wunderbare Comicfigur. Sein Körper ist beinahe eine eigene Landschaft. Groß, rund, schwer, mit einer Silhouette, die ihre Umgebung sofort einnimmt.</p>
<p>Marczinczik nutzt diese Form aber nicht nur für Niedlichkeit. DIGGER kann bedrohlich wirken, gleichzeitig hilflos, stur, verletzt, manchmal sogar ein wenig komisch. Seine Masse erzählt jedoch immer mit. In engen Räumen wirkt er zu groß für diese Welt, während er stillen Momenten wirkt, als würde er unter sich selbst verschwinden.</p>
<p>Die Mimik ist sparsam, aber präzise. Oft reicht ein Blick. Ein gesenkter Kopf sagt mehr als eine Seite voll narrativer Selbstanklage. Auch Manny lebt durch kleine Haltungen. Marczinczik zeichnet keine ausufernden Charakter-Posen. Er setzt stattdessen auf klare, einfache Körpersprache. Das hilft der Lesbarkeit enorm. Die Seiten sind übersichtlich, der Rhythmus ist ruhig, oft fast in kleinen Portionen erzählt. Der Ursprung als Webcomic ist spürbar. Viele Sequenzen haben etwas Episodisches. Auch im Buchformat funktioniert das überraschend gut, weil es zum Gefängnisalltag passt. Jeder Abschnitt ist wie ein weiterer Strich an der Wand.</p>
<p>Besonders stark wird Marczinczik, wenn er Enge und Weite gegeneinander setzt. Innenräume sind knapp, funktional und gedrückt. Der Blick nach draußen hat dagegen Leichtigkeit. Fenster, Himmel, Meer und Vögel sind keine reine Dekoration. Sie sind die Stellen, an denen das Buch wahrnehmbar durchatmet. Ich habe beim Lesen oft gemerkt, wie sehr die Seitengestaltung mein Tempo lenkt. Nicht durch Tricks, vielmehr durch diese öffnenden Pausen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4161 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg" alt="Innenseite 12 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Blau unter der Pritsche</h3>
<p>Die Farbe ist in DIGGER kein hübsches Extra, sondern Teil der Erzählung. Anfangs herrscht ein strenges Schwarz-Grau-Weiß. Dieses Grau liegt über den Seiten wie Staub. Das Gefängnis wirkt dadurch nicht schmutzig im realistischen Sinn, aber abgenutzt, verbraucht. Die Welt ist nicht finster, sie ist leer und ausgewaschen, allen Ablenkungen entblößt. Das passt zu DIGGER. Er hat sein Leben auf wenige erlaubte Regungen reduziert. Schönheit gestattet er sich nicht (mehr).</p>
<p>Dann kommt das Blau. Erst klein, dann deutlicher. Es ist kein Zufall, dass diese Farbe mit Blicken, Sehnsucht und einem Stück Fürsorge verbunden ist. Blau macht diese Welt freier. Nicht sofort, aber es zeigt, dass in dieser Welt noch etwas anderes existiert als Strafe und Gewohnheit.</p>
<p>Später öffnet sich die Farbigkeit weiter. Das ist nicht subtil bis zur Unsichtbarkeit, aber wirksam. Ich mochte gerade diese langsame Veränderung. Der Comic wird nicht bunt, weil die Geschichte plötzlich leichter wäre. Er wird farbiger, weil DIGGER wieder mehr wahrnehmen kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4162 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg" alt="Innenseite 13 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DIGGER ist ein kleiner Comic mit großem Atem. Er erzählt von Schuld, von Freundschaft und Freiheit. DIGGER hat Humor, aber versprüht keinen Klamauk. Er hat Gefühl, er hat eine Symbolik, die manchmal sehr klar vor mir liegt und eine Wärme, die das Bleiben an diesem Ort erträglich macht.</p>
<p>Für mich ist dies ein Buch, das vor allem in seinen stillen Passagen gewinnt. Es schreit nicht nach Bedeutung. Es sitzt erst einmal neben mir auf der Pritsche, dann zeigt es auf das Fenster. Und irgendwann merke ich, dass ich in Gedanken längst mitgegrabe.</p>
<p>Der <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/preise_indie_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Interessenverband Comic e.V.</a> (ICOM) hat Ralf Marczinczik / DIGGER den Independent Comic Preis 2024 in der Kategorie <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/icp2024/icp_2024_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bester Independent Comic (Selbstveröffentlichung)</a> für seine meisterhafte Verbindung von Kunst und Menschlichkeit verliehen. Häufig lassen mich Jury-Entscheidungen etwas ratlos zurück. In diesem Fall jedoch haben die Juroren alle richtig gemacht. Ja, es hat sich für mich gelohnt, auf diesen Comic zu warten&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-4167 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg" alt="Cover von DIGGER" width="283" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg 283w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DIGGER</li>
<li>Ralf Marczinczik</li>
<li>Hardcover | 190 Seiten | Schwarz-Weiss (und Blau)</li>
<li>ISBN 978-3-96430-320-2</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://kultcomics.net/digger/491-digger.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kult Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 05:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Madita Schwenke]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Madita Schwenke wurde 1996 geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign in Potsdam sowie Illustration in Hamburg. Dort lebt und arbeitet sie auch, zeichnet Comics, illustriert Geschichten für Kinder und bewegt sich mit sicherem Gefühl zwischen Alltagsbeobachtung, Humor und kleinen fantastischen Verschiebungen. DRIFTING erschien zunächst digital im Rahmen der ShortBox Comics Fair 2023 und liegt nun beim Reprodukt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/wenn-es-wirklich-schwierig-wird-hilft-nur-drifting/">Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://maditaschwenke.carrd.co/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Madita Schwenke</a> wurde 1996 geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign in Potsdam sowie Illustration in Hamburg. Dort lebt und arbeitet sie auch, zeichnet Comics, illustriert Geschichten für Kinder und bewegt sich mit sicherem Gefühl zwischen Alltagsbeobachtung, Humor und kleinen fantastischen Verschiebungen. DRIFTING erschien zunächst digital im Rahmen der <a href="https://www.shortboxcomicsfair.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">ShortBox Comics Fair</a> 2023 und liegt nun beim Reprodukt Verlag als zweifarbiger Comic vor.</p>
<p><span id="more-4077"></span></p>
<p>Auch wenn sich der Titel auf den ersten Blick wie <a title="„Völlig losgelöst von der Erde …“ geht es in SKYWARD hoch hinaus" href="https://panelwalker.de/2025/04/voellig-losgeloest-von-der-erde-geht-es-in-skyward-hoch-hinaus/" target="_blank" rel="noopener">SKYWARD</a> (von Joe Henderson und Lee Garbett) anhört, geht es in dieser Geschichte um etwas ganz anderes. Hier ist nicht die Physik der Grund dafür, die die Protagonisten die Bodenhaftung verlieren, sondern vielmehr die Psychologie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-4106 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Startbahn im eigenen Zimmer</h3>
<p>Vielleicht passt Schwenke&#8217;s Biografie so gut an den Anfang, weil DRIFTING ein Comic ist, der sehr genau aus einer jungen, urbanen Lebenswelt heraus erzählt. Nicht im Sinne eines Milieu-Protokolls. Eher wie ein Blick in eine Wohnung, in der zu viele unausgesprochene Dinge herumliegen. Da sind WG-Zimmer, Küchenwege, schlechte Laune am Rand der Spüle, vorsichtige Fragen und Menschen, die sich so gut eingerichtet haben, dass sie gar nicht mehr merken, wie seltsam ihr Alltag eigentlich geworden ist.</p>
<p>Der Einfall ist herrlich einfach. Felix, einer der Mitbewohner, fliegt davon, sobald es ernst wird. Er steigt aus dem Fenster und schwebt in den Himmel. Das könnte ein hübscher Cartoon-Gag à la <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0073227/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Karlsson auf dem Dach</a> sein. Bei Schwenke ist es jedoch mehr. Es ist eine sehr direkte, sehr klare Bildidee für Konfliktvermeidung. Wer nicht antworten will, verlässt nicht nur den Raum: er verlässt gleich die Schwerkraft, damit ihm wirklich niemand hinterher laufen kann.</p>
<p>Gerade deshalb wirkt der Comic so zugänglich. Ich muss keine metaphorischen Rätsel lösen. Ich sehe, was los ist. Und doch wird die Sache mit jeder Seite &#8230; unangenehmer. Denn die eigentliche Frage lautet nicht nur, warum Felix davonfliegt. Sie lautet auch, warum die anderen ihn immer wieder zurückkommen lassen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4107" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Gegenwind in der WG-Küche</h3>
<p>Annie zieht neu in die Wohngemeinschaft. Damit beginnt die Geschichte mit einem Blick von außen. Das ist wichtig, denn für die anderen gehört Felix’ Verhalten längst zur &#8222;Hausordnung&#8220;. Wenn es schwierig wird, ist er weg. Wenn er wieder auftaucht, geht es irgendwie weiter. Ein bisschen genervt sind alle, wirklich durchbrechen will die Routine zunächst aber niemand.</p>
<p>Annie nimmt diese seltsame Normalität anders wahr. Sie hat noch keinen Anteil an den kleinen Kapitulationen der Gruppe. Sie hat Felix nicht über Monate oder Jahre entschuldigt, eingeordnet und ertragen. Dadurch sieht sie schneller, wie verletzend sein Verhalten ist. Nicht weil sie moralisch über den anderen steht. Sondern weil sie neu genug ist, um die Mechanik zu erkennen.</p>
<p>Felix selbst bleibt dabei keine bloße Pointe. Er wirkt nicht wie ein Bösewicht, der andere bewusst quälen will. Eher wie jemand, der gelernt hat, dem entscheidenden Moment immer einen Schritt voraus zu sein &#8211; oder einen Flug. Sobald Nähe eine Antwort verlangt, hebt er ab.<br />
Für die Zurückbleibenden ist das bequem und grausam zugleich. Bequem, weil niemand den Streit wirklich führen muss und grausam, weil alle mit dem Rest allein bleiben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4108" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Thermik der Gewöhnung</h3>
<p>Die Gruppe lässt sich von Felix so behandeln, weil sie längst Teil seines Ausweichens geworden ist. Das ist eine der stärksten Beobachtungen des Comics. Eine WG ist ja nicht nur ein Ort, an dem Menschen wohnen. Sie ist ein kleines Abkommen. Alle halten bestimmte Dinge aus, damit das Ganze weiterläuft. Ein dreckiger Topf bleibt stehen, ein Spruch wird geschluckt, eine seltsame Angewohnheit wird zur Eigenart erklärt. Irgendwann nennt keiner mehr das Problem beim Namen, weil der Name Arbeit bringen würde.</p>
<p>Genau hier setzt DRIFTING schmerzhaft an. Felix’ Flucht funktioniert nur, weil die anderen am Boden mitspielen. Sie warten, sie schimpfen vielleicht, sie verdrehen die Augen. Aber sie geben keine echte Grenzen vor. Das klingt härter, als der Comic es erzählt.</p>
<p>Schwenke verurteilt diese Gruppe nicht. Sie zeigt eher, wie Erschöpfung aussieht. Konflikte kosten Kraft. Besonders dann, wenn jemand sich jedem Gespräch entzieht und alle anderen danach entscheiden müssen, ob sie das Fass wirklich wieder aufmachen wollen.</p>
<p>Ich finde diesen Punkt bemerkenswert lebensnah. Felix ist nicht nur das Problem, sondern auch das Ergebnis einer stillen Gruppeneinigung. Alle wissen, was passiert, alle richten sich darauf ein. Niemand fühlt sich ganz zuständig. So entsteht eine seltsame Schonung, die am Ende niemandem gut tut. Nicht Felix, weil er nie landen muss, nicht den anderen, weil sie immer wieder die Landebahn freihalten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4109" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Im Anflug: eine Fremde</h3>
<p>Dass ausgerechnet Annie Felix näher kommt, ist deshalb kein Zufall. Es braucht eine externe Dritte, weil die Gruppe bereits zu viel weiß und trotzdem zu wenig fragt. Die anderen sind durch Wiederholung befangen. Sie kennen Felix’ Muster, aber nicht unbedingt Felix. Das ist ein feiner Unterschied. Wer lange mit einem Verhalten lebt, hält es irgendwann für die Person selbst. Annie kann noch trennen. Sie sieht den Ärger, sie spürt die Zumutung. Aber sie hat auch genug Abstand, um hinter der Flucht einen Menschen zu vermuten.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine Rettungsfantasie. Annie kommt nicht herein und heilt alle. Das wäre dann doch zu einfach. Sie nähert sich Felix eher über Neugier, Irritation und vorsichtige Empathie. Zugleich bringt sie eigene Erfahrungen mit. Dadurch entsteht eine Verbindung, die nicht auf WG-Pflicht beruht. Annie muss Felix nicht mögen und ihn auch nicht decken. Gerade das macht ihren Blick freier.</p>
<p>Diese Anlage gibt der Geschichte ihre emotionale Spannung. Ich wollte beim Lesen nicht einfach wissen, ob Felix wieder herunterkommt. Ich wollte wissen, ob jemand in dieser Wohnung einen Satz findet, der sich nicht sofort in Luft auflöst.</p>
<p>Schwenke erzählt das leise. Sie setzt nicht auf große Ausbrüche. Ihre Dramaturgie besteht eher aus Annäherungen, Pausen und kleinen Verschiebungen. Das passt gut zum Thema. Wer jahrelang ausgewichen ist, landet nicht mit einem großen Knall.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4110" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fluglinien auf Papier</h3>
<p>Zeichnerisch ist DRIFTING locker, klar und sehr beweglich. Schwenke&#8217;s Figuren haben Körper, die sofort erzählen. Ein abgesenkter Kopf sagt hier oft mehr als eine Erklärung. Arme hängen schief im Raum. Gesichter öffnen und schließen sich innerhalb weniger Panels. Diese Mimik ist kein Selbstzweck. Sie trägt die Szenen, weil so viel zwischen den Figuren unausgesprochen bleibt.</p>
<p>Die Räume wirken angenehm konkret. Die WG ist nicht bloß Kulisse. Sie hat Enge, Ecken, Blickachsen. Ich spüre beim Lesen, wie schwer es ist, einander auszuweichen, wenn alle doch dieselbe Küche benutzen. Sobald Felix abhebt, verändert sich das Bild. Die Seite bekommt Luft. Der Himmel öffnet sich. Die Bewegung hat etwas Komisches, fast Leichtfüßiges. Gleichzeitig bleibt darunter die Schwere der Situation zurück. Auf diese Weise verschafft die Struktur des Werkes auch Felix Sympathien.</p>
<p>Der Seitenrhythmus ist übersichtlich und ruhig genug, um den Zwischentönen Platz zu lassen. Schwenke hetzt nicht. Sie vertraut darauf, dass ein Blick, ein Abstand oder ein leerer Moment wirken darf. Die Zweifarbigkeit unterstützt diesen Ton sehr. Sie hält den Comic nah am Alltag, ohne ihn grau wirken zu lassen. Die Farben geben Wärme &#8211; obwohl sie blau verwendet &#8211; und eine leichte Fremdheit zugleich. So bleibt das Fantastische glaubhaft, weil es nicht wie ein Effekt auftritt. Es wächst aus dem Alltäglichen heraus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4111" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Kleinere Turbulenzen</h3>
<p>Ein paar Schwächen bleiben. Manche Nebenfigur hätte ich gern deutlicher gespürt. Gerade weil die WG-Dynamik so wichtig ist, wäre noch etwas mehr Zeit mit den anderen Figuren reizvoll gewesen. Warum hält genau diese Person still? Wer ist wütend? Wer hat aufgegeben? Oder auch: Wer profitiert davon, dass Felix immer wieder verschwindet? Der Comic deutet diese Fragen an, aber er spielt sie nicht alle aus. Wie gesagt &#8211; schade.</p>
<p>Auch Felix bleibt an manchen Stellen bewusst knapp gefasst. Das passt zwar zur Figur, weil er sich entzieht. Trotzdem hätte eine weitere Szene seine innere Not noch greifbarer machen können. Schwenke entscheidet sich für Verdichtung. Das ist sauber erzählt, nimmt dem Comic aber hier und da die Chance, noch tiefer in die Figuren zu sinken. Aber vielleicht ist dies alles auch dem ursprünglichen Online-Medium auf ShortBox geschuldet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4112" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DRIFTING ist ein schlanker, warmherziger und genauer Comic über Menschen, die Konflikten ausweichen, bis das Ausweichen selbst zur gemeinsamen Sprache wird. Madita Schwenke findet dafür ein Bild, das mir sofort einleuchtet. Ein junger Mann fliegt davon, weil er nicht bleiben kann. Eine Gruppe lässt ihn fliegen, weil Landungen für sie anstrengend sind. Und eine Neue sieht plötzlich, dass Normalität manchmal nur ein anderes Wort für Müdigkeit ist.</p>
<p>Ich mochte an diesem Comic besonders, dass er seine Figuren nicht vorführt. Er schaut genau hin, aber ohne kalten Blick. Er bleibt leicht, obwohl er von verletzendem Verhalten erzählt. Am Ende ist DRIFTING keine große Abrechnung mit einem schwierigen Menschen. Es ist eine leise Geschichte über Verantwortung, Nähe und den Mut, nicht aus dem Fenster zu steigen, wenn ein schwieriges Gespräch beginnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4102" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-300x400.jpg" alt="" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DRIFTING</li>
<li>Madita Schwenke</li>
<li>Softcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95640-516-7</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://reprodukt.com/products/drifting?_pos=1&amp;_sid=59bddceb7&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">Reprodukt Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>WIND IN MEINEM KOPFTUCH &#8211; Freiheit und Enge in Einem</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/05/wind-in-meinem-kopftuch/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Roya Soraya]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in ein Gefühl hineinzieht. Da ist diese merkwürdige Nähe zu einer Kultur, die im Alltag zwar präsent ist, die mir aber doch verschlossen bleibt.<span id="more-3970"></span></p>
<p>Da ist der Klang einer Sprache, die vertraut wirkt, obwohl nicht jedes Wort verstanden wird. Und da ist eine Reise, die nach Herkunft aussieht und sich dann immer stärker als Reise ins eigene Innere entpuppt. Genau das macht dieses Buch so stark. Es ist warm, offen und persönlich. Dabei wirkt es aber nie weichgespült, sondern intim und ständig unruhig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3972" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg" alt="Innenseite 05 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Was hinter dieser Reise steht</h3>
<p>Bevor ich auf die Handlung schaue, lohnt sich der Blick auf den Hintergrund der Erzählerin. Roya Soraya ist 1996 in Hannover geboren, hat an der Folkwang Universität der Künste studiert und lebt heute in Wuppertal.</p>
<p>Nach ihrem Debüt <a href="https://www.roya-soraya.de/shop/p/faust" target="_blank" rel="nofollow noopener">FAUST</a>, einer modernen und neuen, queerfeministischen Annäherung an den alten Goethe, wendet sie sich im aktuellen Werk der eigenen Familiengeschichte zu. Das ist ein wichtiger Schritt. Hier geht es nicht mehr um die Überschreibung eines Klassikers, sondern um etwas, das näher liegt und verletzlicher ist. <a href="https://www.roya-soraya.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Auf ihrer Website</a> beschreibt sie den Band ausdrücklich als autobiografische Graphic Novel über die Reise zu ihren Wurzeln im Iran.</p>
<p>Roya Soraya hat an diesem Buch über mehrere Jahre gearbeitet. Die Arbeit begann schon vor den großen Protesten von 2022 und bekam durch diese noch einmal ein anderes Gewicht.</p>
<p>Hinzu kommt der politische Kontext, der in diesem Comic nie wie ein angehefteter Infokasten wirkt, sondern ganz organisch in ihre Erzählung einsickert. Die Proteste der Bewegung &#8222;Frau, Leben, Freiheit&#8220; brachen 2022 nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jina_Mahsa_Amini" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jina Mahsa Amini</a> aus, die nach ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei starb. Internationale Menschenrechtsberichte halten fest, dass Frauen und Mädchen im Iran noch immer systematisch verfolgt und in ihren Rechten beschnitten werden. Auch die Pflicht zur Verschleierung bleibt Teil eines Systems, das den weiblichen Körper kontrollieren will.</p>
<p>Wenn Roya Soraya also über das Kopftuch, über Blicke im öffentlichen Raum und über die Anspannung einer Reise schreibt, dann steht dahinter kein fernes Weltthema. Es ist gelebte Wirklichkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3973" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg" alt="Innenseite 06 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Zuhause, das nicht ganz aufgeht</h3>
<p>Die Handlung beginnt dort, wo viele Fragen nach Herkunft anfangen, nämlich im ganz normalen Familienalltag. Roya Soraya wächst in Deutschland auf. Sie fühlt sich deutsch und merkt zugleich früh, dass da noch eine andere Seite in ihr arbeitet.</p>
<p>Am Tisch der iranischen Verwandtschaft versteht sie kaum etwas. Trotzdem sind Sprache, Essen, Musik und Gesten nicht fremd. Sie gehören zu ihr, ohne dass sie diese ganz greifen kann. Ich finde genau diese Ausgangslage sehr gut getroffen. Soraya beschreibt ihren Identitätskonflikt ohne Pathos. Sie zeigt etwas viel Alltäglicheres: das Gefühl, dass etwas Eigenes immer knapp außer Reichweite bleibt.</p>
<p>Aus dieser Lücke wächst ihre Sehnsucht nach dem Iran. Nicht als touristischer Traum, sondern als Versuch, sich selbst etwas genauer kennenzulernen. Dass sie den Vater erst überreden muss, mit ihr zu reisen, gibt der Sache gleich noch eine zweite Spannung. Die Fahrt in den Iran ist auch eine Annäherung zwischen Tochter und Vater.</p>
<p>Sobald Roya dann tatsächlich im Iran ist, verschiebt sich die Erzählung spürbar. Aus der Sehnsucht wird Erfahrung, aus Vorstellung wird Alltag. Der Comic schaut dabei sehr aufmerksam auf kleine Situationen. Ein Gang durch die Stadt, ein Blick auf die Menschen, ein Essen oder ein Moment vor dem Spiegel mit dem Kopftuch: Nichts davon wird künstlich aufgeblasen, aber fast alles trägt Gewicht.</p>
<p>Ich mochte besonders, wie Soraya die erste Begeisterung für Gerüche, Farben und Nähe nie gegen die wachsende Unsicherheit ausspielt. Beides ist gleichzeitig da. Die Reise erfüllt einen Wunsch und unterläuft ihn im selben Moment. Roya erkennt, dass Herkunft nicht einfach Geborgenheit bedeutet. Sie kann auch Enge, Unübersichtlichkeit und Angst mitbringen. Gerade deshalb kippt die Nacherzählung nie ins bloße Abhaken von Stationen. Hinter jeder Alltagsszene arbeitet die Frage, wer Roya in diesem Land eigentlich ist. Tochter? Besucherin? Iranerin? Die Deutsche? Queere Frau? Das Buch erzwingt keine schnelle Antwort. Das gefällt mir sehr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3974" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg" alt="Innenseite 07 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Bus, ein Vater, ein kurzer Schock</h3>
<p>Besonders stark fand ich die Szenen, in denen der öffentliche Raum plötzlich zur Prüfung wird. Die Leseprobe mit der Busfahrt ist dafür ein schönes Beispiel. Roya und ihr Vater wollen Bus fahren, wie Einheimische. Erst wirkt das fast leicht, beinahe neugierig. Dann greift die Geschlechtertrennung. Männer nach vorn, Frauen nach hinten.</p>
<p>Aus einem simplen Umsteigen wird für Roya ein Moment echter Panik. Sie verliert den Vater aus dem Blick, hängt zwischen Stangen, fremden Körpern und Regeln fest, die ihr vorher niemand erklärt hat. Auf wenigen Seiten erzählt Soraya damit sehr viel. Nicht nur die konkrete Situation. Auch das Gefühl, in einer Ordnung zu stecken, deren Logik man nicht kennt und die doch sofort über den eigenen Körper verfügt. Ich habe diese Passage als Kernszene gelesen. Hier wird das Reisen im Iran vom Abenteuer zur nervösen Selbstprüfung.</p>
<p>Noch besser ist, dass der Vater dabei nicht einfach als rettende Figur gezeichnet wird. Er ist Nähe und Sicherheit, klar. Aber er ist auch Teil einer Welt, die Roya nicht ganz versteht. Zwischen beiden liegt Zuneigung, manchmal auch Reibung, jedenfalls nie glatte Harmonie.</p>
<p>Gerade diese Zwiespältigkeiten macht den Comic stark. Ich glaube der Beziehung, weil Soraya nichts glättet. Kleine komische Momente bleiben ebenso stehen wie peinliche oder anstrengende. Auch deshalb trifft mich der Gedanke, dass dies ihre letzte Reise mit dem Vater sein wird.</p>
<p>Das Buch macht daraus kein sentimentales Programm. Es legt nur einen leichten Schatten über viele Szenen. Ein verlorener Blick hier, ein Zuruf dort, eine Umarmung. Solche Dinge bekommen im Rückblick mehr Wucht. Vielleicht hätte ich an ein, zwei Stellen gern noch etwas mehr Raum für andere Familienmitglieder gehabt, andererseits wirkt der Comic dadurch sehr fokussiert. Manchmal ist weniger eben mehr.</p>
<p>Der Comic bleibt sehr eng an Soraya&#8217;s Perspektive. Auch das ist stimmig, nimmt dem Umfeld aber etwas Luft. Der emotionale Kern trägt trotzdem gut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3975" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg" alt="Innenseite 08 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Kein Debattencomic, keine einfachen Antworten</h3>
<p>Was ich an diesem Buch am meisten schätze, ist seine Weigerung, einfache Antworten zu liefern. Gerade darin ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH bemerkenswert. Das Kopftuch erscheint hier nicht als plattes Symbol, das nur in eine Richtung zeigt. Es steht für Zwang, Gefahr und Kontrolle. Zugleich beschreibt Soraya sehr offen, dass sie das Tuch an sich selbst auch schön finden kann, wenn es aus den Kämpfen um Unterdrückung und Selbstbestimmung herausgelöst wäre.</p>
<p>Diese Ambivalenz macht den Comic klüger als vieles, was ich sonst zu diesem Themenfeld sehe und lese. Soraya lässt Widersprüche stehen und vertraut darauf, dass sie sich im orientalischen Erzählen selbst erklären. Dadurch wird aus dem Buch weder ein Lehrstück noch eine politische Parole. Es bleibt eine autobiografische Graphic Novel, die aus der eigenen Erfahrung ihre Kraft zieht.</p>
<p>Als Einzelband steht das Werk sehr geschlossen für sich. Im Vergleich zu FAUST wirkt es wie ein konsequenter nächster Schritt. Weg von der literarischen Bearbeitung, hin zu einer eigenen, sehr persönlichen Form des Erzählens.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3976" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg" alt="Innenseite 09 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Gesichter, Hände, Blicke</h3>
<p>Zeichnerisch hat mich Soraya ebenfalls überzeugt. Ihr Stil ist farbig, beweglich und deutlich handgemacht. Ihr ist der präzise Ausdruck von Gefühlen in Gesichtern besonders wichtig ist. Genau das sieht man den Seiten an. Die Figuren sind leicht vereinfacht, aber nie leer. Ich kann an einem Blick ablesen, ob Roya neugierig, überfordert, trotzig oder kurz vor der Panik ist.</p>
<p>Auch die Körpersprache sitzt. Wenn sie sich im Bus klein macht oder sich an einer Stange festklammert, trägt die Haltung schon die halbe Szene. Dazu kommen Räume, die klar lesbar bleiben, ohne geschniegelt zu wirken. Der Markt, die Haltestelle, das Restaurant, der Businnenraum. Alles ist schnell zu erfassen und hat trotzdem Eigenleben. Gerade die Busseiten zeigen, wie gut Soraya Bildrhythmus beherrscht. Enge Panels, Stangen, Blickachsen und Wiederholungen erzeugen dort fast körperlich spürbare Beklemmung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3977" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg" alt="Innenseite 10 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Farbe gegen das reine Grau</h3>
<p>Auch die Farbe spielt eine große Rolle. Soraya beschreibt ihren Stil selbst als farbenfroh. Ja, das passt. Nur arbeitet sie nie mit greller Lautstärke.</p>
<p>Ich sehe viele weiche Grün, Ocker, Beige und Rosa. Das hält die Erinnerung offen und freundlich, selbst wenn die Situationen kippen. Besonders stark ist das violette Kopftuch der Hauptfigur. Es macht Roya sichtbar, fast wie ein bewegter Marker im Bild und trägt zugleich die ganze Spannung des Buchs in sich. Schönheit und Belastung liegen darin nah beieinander.</p>
<p>Ich mag diese Farbdramaturgie, weil sie dem Comic Leichtigkeit gibt, ohne den Druck der Erzählung &#8230; wegzufärben. WIND IN MEINEM KOPFTUCH wirkt dadurch nie bleischwer. Das Buch bleibt zugänglich, obwohl es von Verlust, Unterdrückung und innerer Unruhe erzählt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3978" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg" alt="Innenseite 11 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein wenig Geschichte</h3>
<p>Für mich gewinnt WIND IN MEINEM KOPFTUCH noch einmal an Tiefe, wenn ich den langen Weg der Frauenrechte im Iran mitdenke. Schon in den 1920er Jahren gab es dort Frauenzeitschriften, Bildungsinitiativen und politische Gruppen, die mehr Mitsprache, besseren Zugang zu Bildung und ein freieres Leben forderten. Diese frühen Bewegungen waren mutig, aber oft klein und verletzlich.</p>
<p>Unter Reza Schah wurden unabhängige Frauenorganisationen in den frühen 1930er Jahren weitgehend ausgeschaltet. 1936 folgte dann das staatlich verordnete Verbot des traditionellen Schleiers. Das klingt auf den ersten Blick modern, war aber ebenfalls ein Eingriff von oben. Frauen sollten nicht selbst entscheiden, ob sie ein Tuch tragen oder nicht. Der Staat griff so schon damals direkt in ihren Alltag und in ihre Körperbilder ein. Fortschritt und Zwang lagen also schon früh dicht nebeneinander.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3979" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg" alt="Innenseite 12 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<p>In den 1960er und 1970er Jahren verbesserten sich die rechtlichen Möglichkeiten vieler Frauen spürbar. 1963 erhielten Frauen das Wahlrecht. Mit dem Familienrecht von 1967 und den Reformen von 1975 wurden Eherecht, Scheidung, Sorgerecht und die Begrenzung von Polygamie neu geregelt. Vieles blieb auch damals ungleich und die Modernisierung kam stark vom Staat her.</p>
<p>Trotzdem waren diese Jahre für viele Frauen ein echter Ausbau von Rechten und Handlungsspielräumen. Gerade dieser Punkt ist wichtig, weil er zeigt, dass die Geschichte nicht geradlinig verläuft. Rechte können wachsen. Sie können aber auch wieder zurückgenommen werden. Genau das geschah nach der Revolution von 1979.</p>
<p>Die Reformen im Familienrecht wurden weitgehend kassiert. Frauen gingen schon im März 1979 dagegen auf die Straße, als neue Kleidervorschriften angekündigt wurden. Wenige Jahre später wurde der Hijab-Zwang gesetzlich fest verankert. Seitdem ist das Tuch im Iran eben nicht nur Kleidung, sondern Teil einer staatlichen Ordnung, die weibliche Präsenz im öffentlichen Raum regelt und kontrolliert.</p>
<p>Trotzdem endet die Geschichte nicht bei der Rücknahme von Rechten. Iranische Frauen haben über Jahrzehnte weiter gekämpft. 2006 sammelte die Kampagne One Million Signatures Unterschriften gegen diskriminierende Gesetze. Sie machte deutlich, dass es nicht nur um Kleidung ging, sondern auch um Ehe, Scheidung, Erbschaft, Vormundschaft und rechtliche Gleichstellung.</p>
<p>Nach dem Tod von Jina Mahsa Amini 2022 bekam dieser Kampf eine neue, weltweite Sichtbarkeit. Die Proteste von Frau, Leben, Freiheit richteten sich gegen den Hijab-Zwang aber auch gegen ein ganzes System der Bevormundung. Aktuelle Berichte der Vereinten Nationen zeigen, dass Frauen und Mädchen im Iran bis heute systematisch benachteiligt werden und der Staat weiter mit Überwachung, Festnahmen und Strafverfahren arbeitet. Gerade deshalb wirkt Soraya&#8217;s Comic so stark. Er erzählt diese Geschichte nicht als Lehrstunde, sondern als gelebte Spannung zwischen Sehnsucht, Zugehörigkeit und Kontrolle.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3980" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg" alt="Innenseite 13 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Für mich ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH ein sehr schönes, sehr kluges und sehr ehrliches Buch. Ich habe selten einen Comic gelesen, der so unaufgeregt von Zugehörigkeit erzählt und dabei so präzise bleibt.</p>
<p>Ein paar Figuren am Rand hätte ich gerne näher kennengelernt. Mein Eindruck bleibt trotzdem stark. Roya Soraya verbindet persönliche Erinnerung, politische Wirklichkeit und zeichnerische Wärme zu einem Band, der länger nachhallt. Genau solche Comics bleiben.</p>
<p>Wer noch ein Wenig mehr erfahren möchte, kann gerne einen Blick auf <a href="https://comic-denkblase.de/wind-in-meinem-kopftuch" target="_blank" rel="nofollow noopener">den lesenswerten Beitrag</a> meines Kollegen Alex Jakubowski werfen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3971" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg" alt="Cover von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="300" height="421" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-600x843.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover.jpg 712w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>WIND IN MEINEM KOPFTUCH</li>
<li>Roya Soraya</li>
<li>Hardcover | 192 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-01590-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/wind-meinem-kopftuch/978-3-551-01590-7" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>GARAGE DE PARIS &#8211; Zwischen Hebebühnen und Erinnerungen</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/garage-de-paris-zwischen-hebebuehnen-und-erinnerungen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Bruno Bazile]]></category>
		<category><![CDATA[Dugomier]]></category>
		<category><![CDATA[Salleck Publications Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Vincent Dugomier]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Blechkarosserie an der andern, Verkehr der niemals endet, genau wie die Emotionen. Ich bin kein Freund von Autos. Für mich sind es Maschinen, die mich von A nach B bringen sollen und dabei möglichst schwere Lasten transportieren, die ich nicht selbst schleppen will. Die beinahe religiöse Anbetung einiger Zeitgenossen war mir immer fremd. Auch [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Blechkarosserie an der andern, Verkehr der niemals endet, genau wie die Emotionen. Ich bin kein Freund von Autos. Für mich sind es Maschinen, die mich von A nach B bringen sollen und dabei möglichst schwere Lasten transportieren, die ich nicht selbst schleppen will. Die beinahe religiöse Anbetung einiger Zeitgenossen war mir immer fremd. Auch die Abenteuer von <a href="https://www.zack-edition.de/produkt-kategorie/die-abenteuer-von-tanguy-und-lavedure/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Tanguy &amp; Laverdure</a> oder <a href="https://www.zack-edition.de/produkt-kategorie/michel-vaillant/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Michel Vaillant</a> in den technik-orientierten Comics frankobelgischer Prägung haben mich nie wirklich gereizt.</p>
<p>Demgegenüber hatte ich bei GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN &#8211; einem klassisch franko-belgischen Comic &#8211; sehr schnell das Gefühl, nicht einfach einen Comic über alte Autos vor mir zu haben. Dafür ist dieser Band zu aufmerksam gegenüber den Menschen, die an diesen Autos hängen.</p>
<p>Vincent Dugomier (Szenario) und Bruno Bazile (Zeichnungen) bauen in diesem Werk keine motorisierte Hitparade. Sie öffnen eine Werkstatt, in der Blech, Biografie und Zeitgeschichte ineinanderlaufen. Der alte Mechaniker Marcel führt dabei nicht nur durch eine Halle voller Klassiker. Er führt durch ein Frankreich der Landstraßen, der Ferienfahrten, Arztbesuche, Nachkriegsjahre und kleinen Träume. Genau das macht den Reiz dieses Albums aus.</p>
<p>Mich hat sofort angesprochen, wie unspektakulär und zugleich treffsicher der Band beginnt. Zwei Besucher kommen in eine Werkstatt, die äußerlich aus der Zeit gefallen wirkt. Drinnen stehen neben heutigen Gebrauchtwagen die eigentlichen Schätze. Der Mechaniker, Marcel, ist kein romantisch verklärter Priester der Oldtimer-Kultur. Er ist ein Arbeiter, ein Erzähler, ein Typ mit Blick für den Wert von Geschichten. Das ist klug, weil der Comic so nie in bloßes Schwelgen kippt. Er bleibt bei den Menschen, die diese Autos gefahren, repariert, geliebt oder verflucht haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3601" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746.jpg" alt="Innenseite 03 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-01_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Woher der Band seine Wärme nimmt</h3>
<p>Der Hintergrund von GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN ist spannender, als der schlichte Auftritt zuerst vermuten lässt.</p>
<p>Der Band erschien ursprünglich 2014 bei Glénat in der Reihe <a href="https://www.glenat.com/glenat-bd/collections-plein-gaz/" target="_blank" rel="nofollow noopener">PLEIN GAZ</a> und dann 2020 auf Deutsch bei Salleck Publications heraus. Dugomier ist nicht bloß Szenarist, der sich hier ein nettes Thema gesucht hat. Er ist auch leidenschaftlicher Sammler seltener Archive, als Autor mit fast soziologischem Blick auf Alltagsmenschen und ein Freund von Oldtimern, der seit den achtziger Jahren mit klassischen französischen Modellen unterwegs ist. Vielleicht ist dieser Band also auch eines der Herzensprojekte gewesen, das ihm besonders wichtig war. Das Gefühl habe ich im ganzen Album. Hier schreibt keiner von außen über ein Hobby. Hier erzählt jemand aus echter Nähe.</p>
<p>Noch wichtiger ist aber der historische Unterbau. Die Autos, die Dugomier und Bazile aufrufen, stehen für eine Zeit, in der Mobilität in Frankreich neu verteilt wurde. Die Renault 4CV war nach dem Krieg ein Symbol für Aufbruch und Wohlstand. Renault führt ihn als Bestseller des Landes bis 1955 und als Modell, das die Rückkehr in friedlichere Zeiten verkörperte. Peugeot nennt die 203 sein erstes Nachkriegsmodell und betont, dass sie unter den Bedingungen von Materialknappheit und Sparsamkeit entwickelt wurde.</p>
<p>Genau an dieser Stelle dockt der Comic an. Er interessiert sich nicht nur für Karosserien, sondern für die Gesellschaft, die sich in ihnen spiegelt. Dazu passt auch der offizielle Hinweis auf einen Tonfall im Geist von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Tati" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jacques Tati</a>. Diese Mischung aus &#8230; ja, Zärtlichkeit, Beobachtung und leichtem Witz trifft den Band ziemlich gut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3603" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746.jpg" alt="Innenseite 05 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-03_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Marcel öffnet die Tore</h3>
<p>Die Handlung ist im Kern einfach und gerade deshalb so einladend. Dugomier und Bazile treten in der Rahmenerzählung selbst als Besucher auf. Sie fahren zu Marcel, dessen Garage in der Charente einen fast musealen Charme hat.</p>
<p>Zwischen Werkzeug, Hebebühne und öligen Böden stehen Wagen, die sofort Geschichten versprechen. Marcel braucht dafür keine große Bühne. Ein Blick auf ein Auto genügt, und schon setzt eine Episode ein. Diese Struktur ist einerseits klassisch. Sie funktioniert aber, weil der Band nie so tut, als müsse er ein großes Geheimnis lösen. Sein Motor ist die Neugier. Was hängt an diesem Modell? Wer fuhr so etwas? In welchem Moment der französischen Alltagsgeschichte taucht dieser Wagen auf?</p>
<p>Da wird die Renault 4CV nicht als museales Objekt vorgestellt, sondern als Ferienauto einer Familie. Das ist ein kluger Einstieg. Denn damit steht sofort fest, worum es in diesem Band wirklich geht. Nicht um PS-Werte für Sammler, sondern um das Verhältnis von Mensch zu Maschine und Leben. Die 4CV wird zum Wagen des Aufbruchs, der Improvisation und des Familienchaos. Das Auto ist klein, die Hoffnungen sind groß und auf der Straße zeigt sich schnell, wie dünn die Grenze zwischen Abenteuer und Panne sein kann. Ich mag daran, dass Dugomier das Komische nicht auf Kosten seiner Figuren ausspielt. Er lächelt über sie, aber er verrät sie nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3602" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746.jpg" alt="Innenseite 04 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-02_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Zehn kleine Geschichten über ein Land in Bewegung</h3>
<p>Der Band versammelt zehn kurze Episoden um legendäre Modelle. Als Nicht-Auto-Kenner mit Recherchepotential erkenne ich einen Renault 4CV, einen Panhard Dyna Z1, einen Peugeot 203, den Renault 8 Gordini, einen Jeep, einen Citroën 2CV (die Ente!), einen Citroën Traction 11 BL, einen Simca Aronde P60 Élysée, (natürlich) einen Volkswagen Käfer 1200 und und einen Alpine A110 1600 S. (Spaß beiseite &#8211; jede Kurzgeschichte beginnt natürlich mit einer Typenbezeichnung.)</p>
<p>Schon diese Auswahl zeigt, wie breit der Blick unserer Autoren ist. Da stehen Volksnähe und Kultstatus nebeneinander. Das Spektrum reicht vom Arztwagen bis zur Rallye-Sehnsucht, von der Familienkutsche bis zum Mythos auf Rädern. Dugomier und Bazile machen daraus keine trockene Chronik. Sie nehmen jede Karosserie als Anlass, ein Milieu, einen Beruf, einen Traum oder eine Erinnerung freizulegen.</p>
<p>Gerade darin liegt für mich die eigentliche Stärke des Albums. Ich sehe hier keine zehn bloßen Anekdoten, sondern zehn kleine, soziale Miniaturen. Die Peugeot 203 steht für Landarzt und Nachkriegspragmatik. Die Jeep trägt noch den Schatten des Krieges und später zugleich den Glanz populärer Bilder. Der Renault 8 Gordini öffnet den Raum für Tempo, Ehrgeiz und die Lust, aus einem alltagstauglichen Auto plötzlich etwas beinah Heldenhafftes zu machen. Dazu kommen Ferienfahrten, Landstraßen, erste ökologische Regungen, ländliche Routinen und auch ein vorsichtig sichtbarer Wandel von Rollenbildern.</p>
<p>All das bleibt knapp, oft skizzenhaft. Aber genau das ist hier Teil des Konzepts. Die Macher wollten keine Romane im Kleinformat erzählen. Sie wollen einen Moment treffen. Meist gelingt das gut. Gelegentlich bleibt eine Episode eher Pointe als Erzählung. Doch selbst dann trägt die Atmosphäre noch weiter, als es die reine Handlung tut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3604" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746.jpg" alt="Innenseite 06 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS6" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-04_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Was der Auftakt kann und was nicht</h3>
<p>Als Auftaktband funktioniert GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN erstaunlich gut. Die Werkstatt mit Marcel ist ein starker Rahmen, weil sie sofort Verlässlichkeit schafft. Ich weiß nach wenigen Seiten, wie dieser Comic atmet. Ein Auto wird gezeigt, eine Erinnerung springt an, eine kleine Welt öffnet sich und dann kehrt der Band wieder in die Garage zurück. Das schafft Ruhe und Rhythmus.</p>
<p>Der Band ist klar als Beginn einer kleinen Reihe gebaut. Genau so liest sich das auch. Der erste Band will nicht alles. Er setzt den Ton, den Blick und das Erzählprinzip. Für eine Serie mit lose verbundenen Episoden ist das genau die richtige Aufgabe.</p>
<p>Seine Schwäche ist zugleich fast zwangsläufig. Zehn Geschichten auf gerade einmal 48 Seiten bedeuten wenig Raum für die einzelne Episode. Dadurch bleiben manche Figuren Typen, wo ich gern noch eine Nuance mehr gehabt hätte. Nicht jede Geschichte entfaltet denselben Nachhall. Einige wirken eher wie gut beobachtete Vignetten. Andere haben wirklich narrativen Drive.</p>
<p>Mich stört das nicht grundsätzlich, weil der Band offen als Sammlung kurzer Geschichten angelegt ist. Trotzdem hätte ich mir an zwei oder drei Stellen etwas mehr Reibung, etwas mehr Konflikt oder einfach einen längeren Atem gewünscht. Dugomier streift vieles klug. Er vertieft nicht alles gleich stark.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3605" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746.jpg" alt="Innenseite 07 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-05_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Bruno Bazile zeichnet nicht nur Autos</h3>
<p>Bruno Bazile ist für mich der eigentliche Star dieses Bandes. Das liegt nicht daran, dass er Autos schön zeichnen kann. Das kann er natürlich. Wichtiger ist, dass er ihnen Gewicht und Charakter gibt, ohne die Seite zu verstopfen. Die Fahrzeuge stehen nie wie ausgeschnittene Schaustücke herum, sondern haben ihren Platz im Raum. Sie haben Gebrauchsspuren, Volumen und eine sehr schöne Präsenz zwischen Alltagsgegenständen, Werkstatt und Landschaft.</p>
<p>Bazile hält Perspektive und Lesefluss sicher zusammen. Eine Werkstatthalle voller Autos kann schnell unübersichtlich werden. Hier bleibt alles klar. Ich weiß immer, wo ich bin und worauf ich schauen soll.</p>
<p>Dazu kommt sein Gespür für Menschen. Marcel ist auf Anhieb präsent. Nicht als Karikatur, sondern als Figur mit Haltung, Gewohnheit und Wärme. Bazile zeichnet Gesichter, die etwas vom Leben erzählen. Seine Nebenfiguren wirken nie wie Staffage. Gerade in einem Album, das viele kleine Geschichten statt einer großen Handlung hat, ist das entscheidend. Jede Episode braucht auf wenigen Seiten sofort ein soziales Klima.</p>
<h3>Ligne claire</h3>
<p>Bazile schafft das mit Körperhaltung, Mimik und sehr guter Milieu-Darstellung. Die Landstraße, die Küste, die Werkstatt, das Dorf, all das entsteht schnell und glaubwürdig. Ich mag auch, dass die Seiten nicht geschniegelt wirken. Er darf stauben, knarzen und manchmal einfach freundlich altmodisch sein.</p>
<p>Bruno Bazile wurde im Juni 1961 in Saint-Nazaire geboren. Seine ersten Comicseiten erschienen zwischen 1985 und 1992 in der Jugendpresse. Später arbeitete er mit Michel Plessix an LES FORELL, veröffentlichte mit LES FAUSSAIRES auch ein Soloalbum und begann anschließend eine längere Zusammenarbeit mit Pierre Veys, unter anderem bei LES AVATARS sowie ARTHUR ET MERLIN.</p>
<p>Seit 2010 zeichnete er außerdem an LES AVENTURES DE SARKOZIX mit. In der Glénat-Bibliografie tauchen neben GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN auch M’SIEUR MAURICE und LA NAISSANCE DE LA 4CV auf. Das passt gut zu dem Eindruck, den ich hier habe. Bazile ist ein Zeichner, der Figuren, Fahrzeuge und Zeitmilieu gleichermaßen ernst nimmt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3606" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746.jpg" alt="Innenseite 08 von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_INNENSEITE-06_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN ist kein Comic, der mit Lautstärke gewinnt. Er kommt leise wie ein E-Auto, freundlich und sehr präzise daher. Gerade deshalb hat er mich bekommen. Dugomier versteht, dass ein Auto erst dann interessant wird, wenn ein Mensch darin sitzt. Bazile sorgt dafür, dass diese Menschen und Maschinen auf jeder Seite glaubwürdig zusammenfinden. Damit erinnert er mich sehr an <a title="Fahr‘ mit – in WUNDERVOLLE SOMMER!" href="https://panelwalker.de/2025/02/fahr-mit-in-wundervolle-sommer/" target="_blank" rel="noopener">WUNDERVOLLE SOMMER</a>, die Familie Faldérault und ihre &#8222;Mam&#8217;zelle Esterelle&#8220;.</p>
<p>Nicht jede der zehn Episoden hat dieselbe Kraft. Einige sind eher Skizze als Volltreffer. Aber der Band hat Herz, Haltung und ein sehr feines Gespür für Alltagsgeschichte. Als Auftakt ist das mehr als ordentlich. Es ist ein Album, in das ich gern einsteige, weil es nicht nur alte Autos zeigt, sondern Erinnerungen auf Räder stellt. Also, Zündung an, die Kupplung kommen lassen und entspannt losrollen &#8230;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3600" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von GARAGE DE PARIS 1 - ZEHN BELIEBTE AUTOS" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/GARAGE_DE_PARIS_1_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>GARAGE DE PARIS 1: ZEHN BELIEBTE<br />
AUTOS UND IHRE GESCHICHTEN</li>
<li>Dugomier und Bruno Bazile</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-89908-753-6</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://salleckpublications.eu/Gesamtverzeichnis/Garage-de-Paris/Garage-de-Paris-1-Zehn-beliebte-Autos-und-ihre-Geschichten.html?listtype=search&amp;searchparam=garage%20de%20Paris" target="_blank" rel="nofollow noopener">Salleck Publications Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/garage-de-paris-zwischen-hebebuehnen-und-erinnerungen/">GARAGE DE PARIS – Zwischen Hebebühnen und Erinnerungen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>HIMMELBLAU &#8211; Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/himmelblau-wenn-gesundung-nicht-geradeaus-laeuft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Jaja Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Pandora Magri]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt Comics, die schon mit ihren ersten Panels klar machen, dass sie nicht beeindrucken wollen, sondern berühren. HIMMELBLAU gehört für mich in diese Kategorie. Das Format ist schmal, die Bildsprache wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich, beinahe zart. Und doch steckt in diesem Buch ein Stoff, der sich Dir schwer auf die [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/himmelblau-wenn-gesundung-nicht-geradeaus-laeuft/">HIMMELBLAU – Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Comics, die schon mit ihren ersten Panels klar machen, dass sie nicht beeindrucken wollen, sondern berühren. HIMMELBLAU gehört für mich in diese Kategorie. Das Format ist schmal, die Bildsprache wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich, beinahe zart. Und doch steckt in diesem Buch ein Stoff, der sich Dir schwer auf die Brust legen kann.</p>
<p>Pandora Magri erzählt mit diesem Werk keine spektakuläre Flucht aus einer Gewaltsituation. Sie erzählt das &#8222;Danach&#8220;. Und genau darin liegt der Reiz ihres Debüts.<span id="more-3552"></span></p>
<p>Mich hat sofort angesprochen, dass hier nicht das reißerische Schockbild gesucht wird. Das kennen wir links-wie-rechts zur Genüge und die Latte für den weiteren Kick liegt inzwischen sehr, sehr hoch. Stattdessen rückt der Comic den mühsamen Alltag nach der Gewaltsituation in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Jene Phase also, in der äußerlich vielleicht schon alles vorbei zu sein scheint, innerlich aber noch gar nichts vorbei ist.</p>
<p>Diese Entscheidung ist &#8211; nun ja, &#8222;erfrischend&#8220; wäre vielleicht das falsche Wort, aber zumindest &#8222;anders&#8220;. Gerade weil HIMMELBLAU nicht auf Sensation setzt, zieht das Buch seine Stärke aus den kleinen Momenten, aus Unsicherheiten, Rückfällen, Selbstzweifeln und den kleinen Schritten zurück ins eigene Leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3560" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Aus einer Abschlussarbeit wird ein Buch</h3>
<p>Der Hintergrund dieses Comics ist dabei fast so bemerkenswert wie sein Thema. Pandora Magri, Jahrgang 1999, hat Objekt- und Raumdesign in Münster und Dortmund studiert. Sie entwickelt HIMMELBLAU als autofiktionale Masterarbeit an der Münster School of Design. Die Hochschule beschreibt diesen Comic ausdrücklich als Arbeit über den Heilungsprozess nach häuslicher Gewalt.</p>
<p>Ein Jahr später wurde daraus nicht nur ein Verlagsbuch beim Berliner Jaja Verlag, sondern vielmehr auch die &#8211; <a href="https://www.fh-muenster.de/de/ueber-uns/newsroom/news/msd/himmelblau-erscheint-im-jaja-verlag" target="_blank" rel="nofollow noopener">als beste des Semesters</a>  &#8211; ausgezeichnete Arbeit im Abschlussjahrgang der Fachhochschule Münster. Dazu kam 2026 die <a href="https://www.leibinger-stiftung.de/preise-und-ausschreibungen/cbp/2026-preistrager-und-finalisten" target="_blank" rel="nofollow noopener">Platzierung unter den Finalisten beim Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung</a>. Chapeau, für ein Debütwerk ist das ein ziemlich starkes Signal!</p>
<p>Ihre Perspektive ist keine bloße Erfindung aus sicherer Distanz. Sie kommt offensichtlich aus einer im Verborgenen erlebten Erfahrung heraus, die das visuell-erzählerische Comic-Format als narratives Werkzeug bewusst gewählt hat. Das Bundeskriminalamt (BKA) erfasste für 2024 in Deutschland 265.942 Opfer häuslicher Gewalt. Das Bundesfamilienministerium und das BKA betonen außerdem, dass das Dunkelfeld hoch bleibt. HIMMELBLAU vermittelt folglich eine Realität, die wir in unserem Alltag kaum oder gar nicht sehen.</p>
<p>Dass der Verlag pro verkauftem Exemplar einen Euro an den Frauen-Notruf Münster geben will, macht aus dem Comic auch ein Hilfsprojekt, zeigt aber in erster Linie, dass er seinen Stoff nicht nur narrativ nutzt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3561" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 08 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Poppy lebt weiter, aber nichts ist einfach wieder normal</h3>
<p>Im Zentrum der Geschichte steht die 25-jährige Poppy. Sechs Monate nach dem Ende einer langjährigen Gewaltsituation versucht sie, in einem neuen Leben Fuß zu fassen. Das klingt in der Kurzbeschreibung beinahe (zu) schlicht. Gerade diese Schlichtheit ist aber der Punkt.</p>
<p>Poppy geht auf keine Heldenreise, muss nicht erst ein großes Abenteuer bestehen. Vielmehr muss sie ihren Alltag aushalten. Sie muss lernen, dass Freiheit nicht automatisch Leichtigkeit bedeutet. Zwischen Selbstfürsorge und Panikattacken bewegt sie sich durch Tage, die für andere gewöhnlich wären, für sie aber ständige Herausforderungen sind. Das ist eine starke Ausgangslage, weil es keine künstliche Dramatik braucht. Die Dramatik ist längst da, sitzt in Routinen, in Erinnerungen, im eigenen Körper.</p>
<p>Mir gefällt an dieser Prämisse, dass der Comic nicht fragt, ob Poppy „es schafft“, sondern wie Heilung überhaupt aussehen kann, wenn Angst, Wut und Scham sich schon in den Alltag eingenistet haben. Diese Gefühle verschwinden nicht mit einem &#8211; mehr oder weniger bewussten &#8211; Schnitt. Sie bleiben als Mitbewohner zurück! Genau das nimmt HIMMELBLAU ernst.</p>
<p>Der Band beschreibt Poppy&#8217;s Weg dabei nicht als linearen Aus- und Aufstieg, sondern als Wellenbewegung. Mal reitet sie diese Wellen, mal brechen sie über ihr zusammen. Schon dieser Rhythmus wirkt erlebt und daher glaubwürdig. Er widerspricht dem falschen Trost, dass nach dem Verlassen einer Gewaltsituation automatisch Erleichterung einsetzt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3562" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 11 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Kleine Auslöser, große Nachbeben</h3>
<p>Die zweite wichtige Bewegung der Handlung entsteht aus den kleinen Reibungen der Tage. Poppy bekommt Hilfe von Freundinnen und Freunden, ein Lieblingslied begleitet sie. Sie tastet sich Stück für Stück zurück ins Leben. Gleichzeitig brechen die alten Schrecken immer wieder über sie herein.</p>
<p>Auf den zugänglich gestalteten Seiten sieht das nicht nach pathetischem Rückblenden-Kino aus, sondern nach abrupten Einbrüchen in normale Situationen. Ein Blick hier, ein Geräusch dort, eine Erinnerung und plötzlich kippt die Szene. Genau diese Art von Nachbeben passt zu einem Comic, der posttraumatische Erfahrung nicht erklären, sondern spürbar machen will.</p>
<p>Was ich daran überzeugend und gut finde, ist die Weigerung, Heilung als sauber abschließbaren Prozess zu verkaufen. Poppy begreift am Ende genau das, nämlich dass Heilung nie ganz abgeschlossen ist und Rücksicht auf sich selbst gelernt werden muss. Ein Zurück zum Vorher gibt es nicht.</p>
<p>In Wahrheit steckt darin jedoch eine ziemlich harte Einsicht: wer nur auf das Ende der Gefahr schaut, begreift oft nicht, wie lang das &#8222;Danach&#8220; dauert. Genau hier hat der Band seine eigentliche Stärke. Er macht aus dem Überleben keinen Sieg auf Knopfdruck, sondern einen langsamen, manchmal widersprüchlichen Vorgang.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3563" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22.jpg" alt="Innenseite 22 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Ein Einzelband, der sich bewusst gegen das Spektakel stellt</h3>
<p>Als Einzeltitel steht HIMMELBLAU für sich. Es gibt keinen Serienballast, keine Vorgängerkenntnisse, kein Worldbuilding. Alles bleibt auf Poppy und ihre inneren Veränderungen konzentriert. In der deutschsprachigen Comiclandschaft liegt hier auch eine eigene Qualität. Das Buch kommt nicht aus der amerikanischen Superhelden-Maschinerie und nicht aus historischer Stoffhudelei. Es kommt aus dem Segment des persönlichen, gesellschaftlich wachen Indie-Comics und verbindet autobiografische Erzählung mit einer visuellen, nahbaren Form.</p>
<p>Genau deshalb wirkt die Entscheidung gegen die direkte Darstellung von Gewaltszenen so stark. Der Comic scheint zu sagen, dass nicht nur die Gewalt hinter verschlossenen Türen unsichtbar ist, sondern auch die Zeit danach. Das ist erzählerisch interessant und neu. Es verschiebt den Blick von der Tat und den Tätern auf die Folgen. Es nimmt der Gewalt die falsche, voyeuristische Aura des dramatischen Ereignisses und zeigt stattdessen, wie sie sich in Wahrnehmung, Selbstbild und Alltag eingräbt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3564" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24.jpg" alt="Innenseite 24 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Sanfte Linien, harte Zustände</h3>
<p>Zeichnerisch spricht mich an HIMMELBLAU vor allem der Kontrast an. Die Figuren wirken weich, reduziert und ein wenig tierhaft stilisiert ohne wirklich anthropomorph zu sein. Gesichter und Körper sind nicht naturalistisch ausgestaltet. Gerade dadurch entsteht eine Art Offenheit gepaart mit einer gewissen Beliebigkeit, die es mir erleichtert, mich zu identifizieren.</p>
<p>Die Figuren werden lesbar, ohne sich in Realismus möglicherweise abzuschwächen. Dazu kommen klare Panel-Raster und eine ruhige Seitenordnung. Nichts schreit nach künstlerischer Selbstdarstellung, alles ist auf Lesbarkeit, Stimmung und emotionale Führung hin ausgerichtet.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich das Cover-Motiv. Oben steht die Figur unter einem Schirm in kühlem Blau. Unten kippt die Spiegelung in eine pinke Fläche. Schon dieses Bild erzählt von der Spaltung, dem Nachhall und einem Selbst, das sich nicht einfach &#8230; deckt.</p>
<p>Auch die Innenseiten, soweit sichtbar, arbeiten mit simplen Räumen und klaren Bewegungen. Türen, Flure, Straßen, Innenräume sind keine imposanten Schauplätze. Genau deshalb passen sie. Die Bühne des Comics ist der Alltag, das Gewöhnliche und in diesem Alltag werden Mimik, Körperhaltung und kleine Unterbrechungen wichtig.</p>
<p>Ab und zu läuft dieser vereinfachte Stil allerdings Gefahr, die Härte des Themas zu glätten. Ich glaube trotzdem, dass Magri diesen Balanceakt meist bewusst gesucht hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3565" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25.jpg" alt="Innenseite 25 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Wenn Blau trägt und Pink irritiert</h3>
<p>Die Farbe ist in diesem Werk kein Zusatz, sondern ein zentrales Erzählmittel. Es herrscht eine Spannung zwischen Hellblau und Pink. Hellblau dominiert den Alltag, die Oberfläche, vielleicht auch so etwas wie den Wunsch nach Ruhe. Pink bricht hinein wie ein Störfaktor, mal aggressiv, mal wie eine Erinnerung, die sich über das Bild legt. Diese Zweifarbigkeit hat etwas sehr Direktes und bestimmt den Rhythmus des Buches mit. Hellblau lässt Luft zum Atmen, Pink nimmt sie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3567" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31.jpg" alt="Innenseite 31 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Gerade weil das Farbsystem so klar ist, dürfte der Comic auch für Leserinnen und Leser funktionieren, die sich sonst selten an autobiografische Graphic Novels wagen. Ich sehe darin eine Stärke.</p>
<p>Mir ist das stellenweise fast einen Tick zu sauber, zu flach koloriert. Aber ich verstehe gut, warum Magri diese Art der Sichtbarkeit will. Bei einem Buch über Nachwirkungen von Gewalt ist Klarheit kein Mangel, sondern vielleicht auch eine Form von Wiedererlangung von Struktur und Selbstwertgefühl. (Und natürlich hat der Student für seine Magisterarbeit auch nicht ewig Zeit, sein Werk mit Schraffuren und Schatten plastisch zu entwickeln.)</p>
<p>Ich halte HIMMELBLAU für ein Buch, das sehr genau weiß, worauf es schaut. Nicht auf den lauten Schock, nicht auf das spektakuläre Elend. Sondern auf den müden, tapferen, oft unsichtbaren Alltag nach der Gewalt. Genau daraus zieht Pandora Magri ihre stärksten Seiten. Die klare Form, die lesbare Zeichnung und die entschiedene Farbdramaturgie machen das Thema nicht einfacher. Sie machen es für mich fassbar, verstehbar. Die emotionale Lesart bleibt jederzeit zugänglich.</p>
<p>Insgesamt wirkt dieses Debüt auf mich aber klug, warmherzig und konzentriert. Eine klare Empfehlung für alle, die neben dem üblichen Comic-Einerlei etwas Besonderes lesen möchten.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3559" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-300x431.jpg" alt="Cover von HIMMELBLAU" width="300" height="431" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-300x431.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-104x150.jpg 104w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-600x862.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover.jpg 696w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>HIMMELBLAU</li>
<li>Pandora Magri</li>
<li>Klappenbrochure | 88 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-948904-79-1</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★☆☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.jajaverlag.com/himmelblau/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jaja Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>ASSORTED CRISIS EVENTS &#8211; Alltag im Zeitsalat</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/assorted-crisis-events-alltag-im-zeitsalat/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 05:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Anthologie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitreise]]></category>
		<category><![CDATA[Deniz Camp]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Zawadzki]]></category>
		<category><![CDATA[Hassan Otsmane Elhaou]]></category>
		<category><![CDATA[Image Comics Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Jordie Bellaire]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man kann Science Fiction auf zwei Arten lesen: entweder als Flucht aus dem Alltag oder als Lupe, die genau diesen Alltag schärfer macht. ASSORTED CRISIS EVENTS entscheidet sich sehr eindeutig für diese zweite Variante. Dieser erste Sammelband vereint die ersten fünf US Hefte der Reihe, die mich sehr an die &#8211; mehr oder weniger &#8211; [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/assorted-crisis-events-alltag-im-zeitsalat/">ASSORTED CRISIS EVENTS – Alltag im Zeitsalat</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Man kann Science Fiction auf zwei Arten lesen: entweder als Flucht aus dem Alltag oder als Lupe, die genau diesen Alltag schärfer macht. ASSORTED CRISIS EVENTS entscheidet sich sehr eindeutig für diese zweite Variante.</p>
<p>Dieser erste Sammelband vereint die ersten fünf US Hefte der Reihe, die mich sehr an die &#8211; mehr oder weniger &#8211; erfolgreichen TV-Serien <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt2085059/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_black%2520mirror" target="_blank" rel="noopener">Black Mirror</a> oder <a href="https://www.degeto.de/film/beforeigners-moerderische-zeiten/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Beforeigners</a> erinnert. Er wirft normale Menschen in eine Sci-Fi-Welt, in der sich die Zeit selbst nicht mehr an Regeln hält. Denn vor der eigenen Haustür kann beispielsweise plötzlich die Steinzeit stehen. Oder der Bus fährt statt nach Queens in ein anderes Jahrhundert.<span id="more-3187"></span></p>
<p>Doch zwischen all dem Chaos bleibt das eigentliche Drama erstaunlich bodenständig. Die Figuren wollen arbeiten, lieben, trauern oder einfach nur überleben. Sie stolpern dabei über eine Realität, die sich wie ein schlecht aktualisiertes Betriebssystem verhält. Mal hängt sie, mal springt sie, mal zeigt sie dieselbe Szene immer und immer wieder.</p>
<p>Mich hat das Konzept sofort gepackt, weil ich Zeitreisen liebe und die einzelnen Geschichten nicht so tun, als müsse man die Phänomene erst groß erklären. ASSORTED CRISIS EVENTS folgt dem klassischen Grundsatz Show-Don&#8217;t-Tell und zeigt mir die jeweilige Story-Idee Seite für Seite für Seite.</p>
<p>Die formale Spiellust wird dabei jedoch nie zum Selbstzweck. Sie hat eine klare Funktion und drückt ein Gefühl aus, das vielen gerade vertraut vorkommt. Unsere Welt wird schneller, Krisen werden zum Dauerrauschen und Orientierung wird zu persönlichem Luxus. Dieser Comic macht daraus keine These, baut jedoch aber abwechslungsreiche Erzählungen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3194" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-014.jpg" alt="Innenseite 14 von ASSORTED CRISIS EVENTS" width="651" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-014.jpg 651w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-014-300x461.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-014-98x150.jpg 98w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-014-600x922.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px" /></p>
<h3>Kurzgeschichten mit Langzeitwirkung</h3>
<p>Die Grundidee ist simpel und zugleich radikal. Die Zeit selbst hat eine Krise. Epochen, Alternativen, Schleifen und Ausreißer mischen sich in den Straßenverkehr.</p>
<p>In diesem Setting erzählen Deniz Camp und Eric Zawadzki keine einzelne, große Heldenreise. Sie liefern lieber One-Shot-Geschichten. Jede davon konzentriert sich auf eine Person und nutzt eine andere Erzählform. Dabei stellt jede Geschichte eine andere Frage nach Verantwortung, nach Mitgefühl oder Selbsterhalt.</p>
<p>Das klingt nach Anthologie und irgendwie ist es das auch. Gleichzeitig fühlt es sich aber an wie eine lose Reihe von Kurzromanen, weil Camp sich pro Heft viel Platz nimmt. Selbst die Seitenstruktur wirkt wie aus dem Labor, da jede Ausgabe ihr eigenes Regelwerk bekommt. Auch das ist für mich der Reiz der Reihe.</p>
<p>Während ich lese, mache ich drei Beobachtungen: <em>Erstens</em>, die Geschichten leben vom Kontrast. Das Zeit-Chaos tobt im Hintergrund. Im Vordergrund kämpfen Menschen mit sehr persönlichen, konkreten Dingen wie Trauer, Arbeit, Gewalt, Beziehung oder Zugehörigkeit.</p>
<p><em>Zweitens</em>: Zawadzki und Bellaire machen das Thema Zeit sichtbar. Seitenaufteilungen kippen, Wiederholungen werden zu Fallen und Farben steuern den Blick, statt ihn zu überladen.</p>
<p>Und <em>drittens</em>: das Ganze wirkt nicht wie ein Trickfilm aus Ideen. Es landet emotionale Treffer. Ich spüre Wut, Angst und Scham. Und ja, ich spüre das unangenehme Wissen, dass vieles davon auch ohne Zeit-Risse passieren könnte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3195" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-015.jpg" alt="Innenseite 15 von ASSORTED CRISIS EVENTS" width="651" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-015.jpg 651w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-015-300x461.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-015-98x150.jpg 98w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-015-600x922.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Ashley und die neue Normalität</h3>
<p>Heft eins folgt Ashley, einer jungen Frau, die ihren Tag und ihren Kalender genauso organisiert wie jede(r) andere. Nur dass sie neben Terminen auch Warnmeldungen zu atypischen temporalen Phänomenen checkt.</p>
<p>Draußen wird ihre Straße ständig zur Filmkulisse. Billige Endzeit-Drehs laufen praktisch nebenan. Mal marschieren Nazis durchs Bild, mal treiben Kannibalenhorden ihr Unwesen.</p>
<p>Ashley müsste längst abgestumpft sein. Doch gerade diese Mischung aus Dauer-Ausnahme und Alltag macht sie anfällig. Der Band zeigt sehr genau, wie sie ihre Gegenwart &#8211; ihre Realität &#8211; sortiert. Sie versucht, feste Punkte zu behalten. Einer davon ist eine Uhr, ein altes Familienerbstück, das sie mit ihren verstorbenen Eltern verbindet. Als diese Uhr kaputtgeht, kippt mehr als nur ein Gegenstand.</p>
<p>Camp erzählt das als langsames Abrutschen. Ashley rennt nicht sofort schreiend durch die Straßen. Sie wird erst unruhig, dann reizbar, dann panisch. Zawadzki unterstützt dies mit Seiten, die dicht getaktet sind, ohne hektisch zu wirken. Neben Ashley tauchen Höhlenmenschen, Ritter oder futuristische Fahrzeuge auf, doch sie bleiben oft Hintergrund.</p>
<p>Gerade dadurch wirkt der Wahnsinn glaubhaft. Die Welt insgesamt hat das Absurde akzeptiert, Ashley kann es nicht. Am Ende steht ein Moment, der sich wie eine persönliche Apokalypse anfühlt. Kein großes Spektakel, eher der Punkt, an dem eine Stimme im Kopf entscheidet, dass Ordnung wohl nicht mehr erreichbar ist.</p>
<h3>Jesus auf dem Fließband der Zeit</h3>
<p>Das zweite Heft wechselt den Ton. Es folgt Jesus, einem spanischen Arbeiter im Schlachthaus. Schon diese Wahl ist ein Statement. Hier geht es um Körper, um Routine und um Gewalt, die als Job verkauft wird.</p>
<p>Camp schneidet Szenen wie Fleisch, schiebt Erinnerungen ebenso in die Gegenwart wie Halluzinationen. Dazwischen liegt das Dröhnen der Maschinen. Jesus trägt eine Geschichte mit sich, die der Comic nur stückweise seziert. Sein Schock sitzt tief. Der Tod seines Vaters wird zum Knotenpunkt. Nichts daran fühlt sich fair alles jedoch industriell an.</p>
<p>Die Zeit-Krise kommt hier nicht als bunter Epochenmix. Sie kommt als Verzerrung der Wahrnehmung. Blut scheint zu wandern. Räume wirken endlos. Die Arbeit frisst Minuten und Jahre zugleich. Das Thema ist Ausbeutung und es wird nicht weichzeichnet.</p>
<p>Oder ist das Heft überfrachtet und zu sehr auf Schock gebaut? Ich bin mir unsicher. Die Wucht trifft, gleichzeitig drückt Camp so viele Grausamkeiten in dieses eine Heft, dass auch meine Emotion irgendwann stumpf wird. Das hilft dem Anliegen nicht immer, passt aber ins Bild.</p>
<p>Formal ist es trotzdem beeindruckend. Details wie ein sich steigernder Bluteindruck im Seitenrand machen das Heft zu einem Objekt, das man fast wie einen Unfallbericht betrachten muss. Wegschauen geht, aber das Gesehene bleibt im Kopf.</p>
<h3>Warum ein Schlachthaus nie neutral ist</h3>
<p>Das zweite Heft trifft einen Nerv, weil Schlachthäuser als Symbol längst aufgeladen sind. Der moderne Fleischbetrieb steht für Industrie, für Unsichtbarkeit und für eine Arbeit, die viele Gesellschaften gern an Bevölkerungsschichten auslagern, die sowieso keine andere Wahl haben.</p>
<p>In den USA wurde diese Unsichtbarkeit schon früh literarisch verarbeitet. Upton Sinclair&#8217;s Roman <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Dschungel" target="_blank" rel="noopener">THE JUNGLE</a> erschien 1906. Er beschrieb drastisch die hygienischen Zustände und die Ausbeutung im Umfeld der Fleischindustrie.</p>
<p>Der öffentliche Druck trug dazu bei, dass 1906 Gesetze wie der PURE FOOD AND DRUG ACT und der MEAT INSPECTION ACT beschlossen wurden. Roosevelt unterschrieb den Meat Inspection Act am 30. Juni 1906. Der Roman zielte stark auf die Lage der Arbeiter. Die unmittelbare Debatte drehte sich aber um Sauberkeit und Verbraucherschutz.</p>
<p>Der Punkt ist keine Nostalgie. Es geht um ein Muster. Die Fleischindustrie funktioniert als System. Sie zerlegt Leben in Arbeitsschritte, verschiebt Verantwortung und versteckt Gewalt hinter Prozessen und Verpackung.</p>
<h3>Industrie als Horror, damals wie heute</h3>
<p>Natürlich ist das nicht einfach dieselbe Geschichte. Trotzdem bleibt der Kern aktuell. Fleischverarbeitung ist bis eine Branche, die von harter, gefährlicher Arbeit lebt. Sie zieht oft Migrantinnen und Migranten an, weil sie Jobs bietet, die andere nicht machen wollen.</p>
<p>Gleichzeitig entstehen Abhängigkeiten, Verletzungen, Schweigen. Genau dieses Spannungsfeld nutzt Camp, wenn er die Routine des Tötens mit einer zerrissenen Zeit Wahrnehmung koppelt. Der Comic übertreibt, halluziniert und schockt. Doch die Metapher sitzt, weil das reale System schon lange wie ein Fließband funktioniert, das Menschen und Tiere in Einheiten zerlegt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3196" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-016.jpg" alt="Innenseite 16 von ASSORTED CRISIS EVENTS" width="651" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-016.jpg 651w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-016-300x461.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-016-98x150.jpg 98w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-016-600x922.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px" /></p>
<h3>Hearth, zwei Welten, ein schlechtes Willkommen</h3>
<p>Heft drei wirkt auf den ersten Blick wiederum klassischer. Dann merke ich, wie fies es ist. Eine Kleinstadt namens Hearth verliert ihre Welt, denn ein Feuer frisst alles. Die Bewohner retten sich in eine nahezu identische Nachbarwelt. Dort existiert Hearth noch. Nur eben mit anderen Menschen, die sich selbst schon für vollständig hielten. Plötzlich stehen ihre Doppelgänger vor der Tür.</p>
<p>Camp setzt hier nicht auf Action. Er setzt auf soziale Chemie. Wie lange hält eigentlich Empathie, wenn die Ressourcen knapp wirken? Wie schnell kippt Hilfe in Abwehr? Und wie bequem ist die Sprache, mit der man sich selbst zum Original erklärt? Der Konflikt entsteht schrittweise.</p>
<p>Zuerst gibt es Essen, Decken, freundliche Hände. Eine Wir-Schaffen-Das-Situation. Dann folgen Gerüchte, dann die Schuldzuweisungen, dann das erste WIR gegen DIE. Das Heft schaut dabei auf beide Seiten. Die Geflüchteten aus Hearth 1 tragen ihr Trauma, die Bewohner von Hearth 2 tragen ihre Angst.</p>
<p>Camp macht keine einfache Rechnung auf. Er zeigt Mechanismen, wie sich Menschen in einer Krise gern an Regeln klammern, die nur so lange galten, wie niemand sie testen muss.</p>
<p>Formal arbeitet das Heft mit Spiegelungen und Parallelität. Man spürt, dass hier zwei Versionen derselben Geschichte gegeneinander gestellt werden. Aber das Ende hat keinen Sieger, es hat nur den bitteren Beweis, dass man selbst in einem absurden Zeit-Setting sehr real scheitern kann.</p>
<h3>Mike und die verlorene Zeit</h3>
<p>Heft vier erzählt das Leben von Mike, ein Leben als Beschleunigung. Er wacht als Schüler auf. Zwei Seiten später ist er erwachsen. Kurz darauf datet er wieder, wird Vater.</p>
<p>Beziehungen entstehen, zerreißen und verschwinden. Der Horror liegt nicht in irgendwelchen Monstern sondern darin, dass Mike nie wirklich ankommt. Camp nutzt den Zeit-Riss als Metapher für das Gefühl, sein eigenes Leben zu verpassen.</p>
<p>Zawadzki hält die Zeichnungen bewusst im Banalen zwischen Küche, Auto, Couch und Krankenhaus. Gerade das macht es schlimm. Wer schon einmal gedacht hat, dass Jahre plötzlich weg sind, erkennt sich sofort wieder.</p>
<h3>Anna und die Grausamkeit der Wiederholung</h3>
<p>Heft fünf setzt noch einen drauf, weil es nicht nur schnell ist. Es ist rund. Anna steckt in einer Zeit-Schleife fest. Sie erlebt immer wieder einen Moment häuslicher Gewalt. Nicht als langer Film, sondern in sechzig Sekunden Schnipseln.</p>
<p>Der Comic zeigt, wie Trauma Zeit einfriert und zugleich doch endlos abspult. Die Seite wird zum Kreis. Wir, die Beobachter, stehen außen. Anna steht innen. Das liest sich wie ein sozialer Pranger und wie ein Therapieraum zugleich.</p>
<p>Hier stimmt für mich alles. Die Form erzählt mit. Die Wiederholung erzeugt mein Mitgefühl. Und plötzlich versteht ich, warum dieser Band ein formales Ausrufezeichen ist. Er macht das Erlebte anderer zur inneren, eigenen Erfahrung und hilft mir, mich besser in Andere hinein zu versetzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3197" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-017.jpg" alt="Innenseite 17 von ASSORTED CRISIS EVENTS" width="651" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-017.jpg 651w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-017-300x461.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-017-98x150.jpg 98w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-017-600x922.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px" /></p>
<h3>Ein starker Beginn</h3>
<p>ASSORTED CRISIS EVENTS VOL. 1 sammelt den ersten Story-Block der nach hinten offenen Reihe. Ab Heft sechs startet ein neuer Handlungsbogen. Er setzt stärker auf die Frage, was diese kaputte Zeit überhaupt ausgelöst hat.</p>
<p>Die Serie bleibt dabei bei ihrem Kern. Sie folgt den normalen Leuten und Portale, Schleifen oder Zeitreisende bleiben Störgeräusche, die in die jeweiligen Biografien eindringen.</p>
<h3>Zeichnung, Farbe, Lettering als Zeitmaschine</h3>
<p>Zawadzki&#8217;s Zeichenkunst ist der Motor dieses ersten Sammelbandes. Er kann ruhig erzählen, wenn es nötig ist. Er kann aber auch ganze Seiten in ein Kontrollfeld verwandeln, in dem Panel-Ränder wie Zäune wirken. Oft führt er den Blick so, dass man die Zeit nicht nur liest, sondern sie spürt.</p>
<p>Jordie Bellaire unterstützt dies mit Farben, die nicht dekorieren. Sie ordnen. Figuren bleiben dadurch klar, selbst wenn das Layout explodiert. Bellaire kann jedoch auch reduzieren. Einzelne Elemente stehen dann wie farbige Skizzen im Raum, nur dass die Reduktion hier nicht kühl wirkt.</p>
<h3>Wenn Schrift mitspielt</h3>
<p>Dann ist da noch das Lettering von Hassan Otsmane Elhaou. Viele Comics behandeln Schrift als Transportmittel, als Hintergrundrauschen. Hier ist sie Teil der Choreografie.</p>
<p>Geräusche, Ansagen, Warnhinweise, Werbesprüche fügen der Geschichte eine zusätzliche Ebene hinzu. Alles hat eine eigene Textur.</p>
<p>In manchen Ausgaben hat man das Gefühl, die Buchstaben selbst würden stolpern. Das ist selten so konsequent eingebaut. Und es passt zum Thema, weil Sprache in einer Krisenwelt oft das Erste ist, was sich automatisiert. Slogans ersetzen Gedanken. Dieser Sammelband legt auch dies offen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3198" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-018.jpg" alt="Innenseite 18 von ASSORTED CRISIS EVENTS" width="651" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-018.jpg 651w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-018-300x461.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-018-98x150.jpg 98w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Innenseite-018-600x922.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px" /></p>
<h3>Die Macher hinter den Geschichten</h3>
<p>Deniz Camp wirkt wie jemand, der zu viel Energie hat, um sich auf ein Format festzulegen. Im US Markt kennt man ihn als Autor von <a href="https://www.amazon.de/-/en/20th-Century-Men-Deniz-Camp/dp/1534324542" target="_blank" rel="noopener">20TH CENTURY MEN</a>, einer politischen alternativen History, die Supermenschen und Geopolitik zusammen bringt. Mit <a href="https://www.amazon.de/Bloodshot-Unleashed-English-ebook/dp/B0B4YYFQDW?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=34R69IOVKWJVU&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.FmKmUMrGTZYxszY-qFFyOZ_0nnqbTrGvKPz5B6VZDmgXyTsNteJV83CYo49KtQIt96ddjBBWX2w9nT1_BEY-t5dMyScWEbjWGBnECd3w3eP6RxrZEs9pt2PdhDK_qzmGALnn9vVIuFRvDA9yZEUIPLL1XHreurfumG8l-0SWcXSeKBqmO2PrelpmWJisNpwEEA03qJ73RS4YQPucF8pm_ItoRXmBgAwJ10q_rS2ohXI.Ym-_XjUVD0kj2SUyoOCU9ALsVroSM5SJ5Y_7vc66jkU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=BLOODSHOT+UNLEASHED&amp;qid=1771246331&amp;s=digital-text&amp;sprefix=bloodshot+unleashed%2Cdigital-text%2C111&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener">BLOODSHOT UNLEASHED</a> hat er gezeigt, dass er auch im Action-Korsett Charakterarbeit unterbringen kann.</p>
<p>Bei Marvel schrieb er unter anderem <a href="https://www.amazon.de/Children-Vault-English-ebook/dp/B0CNQRPQ8Z?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1ML3BUQQXXMD4&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.EiHKYPVDX8RnxR0zmwT0iMNtnkxni9mwOp0nR9CURwGPw22T3wijlf4NDp1hr9Zf6tbqB-_n5JIddrWuMKye5Qx9SrqLYbEpv63SCztihUTE4lCdAxMMOT3kpmfqezaBtHpsLzoIyk6Gddp9XBu8SMeEJ6zz0_l88LeYnyuDqpCaK0Josw9gtnycCg8QI_9lJHs80nVVp9vNtE4IxKuw421f7MtX5lMnm_cvdIuAAz4.pdsLzWzyKMhYwVGhMiH00ZDIg4uXcv10Ygszcqx2Kdg&amp;dib_tag=se&amp;keywords=CHILDREN+OF+THE+VAULT&amp;qid=1771246374&amp;s=digital-text&amp;sprefix=children+of+the+vault%2Cdigital-text%2C130&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener">CHILDREN OF THE VAULT</a>, bevor er mit <a href="https://www.amazon.de/Ultimates-Deniz-Camp-Vol-English-ebook/dp/B0DNTC28WV?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=51TYI0WOUBO8&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.4YzDdNbpT7VnjFSML-B7wlQYcvu9lfB0enGs3ueSqpRK3BZiFA4zAxtpMm3WwKIM4brUCkKTW_FpDpcqajyPvYjHtLBOK3WiVdWPWVC5bdwgiKqgDvg0baHRmDnOQBimZRbiAhdUKTY2QJtfvXacZDSSUjsKvARbSumlZGY9QlSPm7ZDhuf3QvYMdmIZJuS8c1-Zu0iQYAw4NTqkVmfVx_KqtsKcGFx7nlAkfe56oIs.WGk1rcvABBKxE_ofS4_BzQUbYnH5DV7KGXKSLUlIdms&amp;dib_tag=se&amp;keywords=THE+ULTIMATES&amp;qid=1771246399&amp;s=digital-text&amp;sprefix=the+ultimates%2Cdigital-text%2C149&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener">THE ULTIMATES</a> im neuen Ultimate-Kosmos zu einer Art Ideen-Motor wurde. Gleichzeitig arbeitet er bei DC an <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/absolute-martian-manhunter-1-dabsmm001-de01.html" target="_blank" rel="noopener">ABSOLUTE MARTIAN MANHUNTER</a>, einer viel gelobten Neuinterpretation der Figur im frisch gestarteten Absolute-Universum. Diese Bandbreite erklärt viel.</p>
<p>Camp denkt gern in Genre-Mechanismen. Dann nutzt er sie, um über die Gegenwart zu sprechen. Er liebt formale Kniffe, baut daraus moralische Fallstudien, vergisst dabei aber selten die Figuren.</p>
<p>Eric Zawadzki hat sich über Jahre einen Ruf als grafischen Erzähler aufgebaut, der Sequenzen nicht nur ansprechend zeichnet, sondern sie exakt konstruiert. Seine Arbeiten reichen von <a href="https://www.amazon.de/Dregs-Vol-1-English-ebook/dp/B072LHLGYK?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2AK4RA1820VN3&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.sHfEk91R0ykg-mLYdyM3rbPi2gEtWv2i7DFZj-i7DZ1-E_lPvrmF6B7cA03FsIIwCj2ZD-FKlF1iZk_Mn56FYw.C6nzyCOligHJl0waK2RBPBF00lzbyEKpGVAO7iD5E_A&amp;dib_tag=se&amp;keywords=THE+DREGS+eric+zawadzki&amp;qid=1771246606&amp;s=digital-text&amp;sprefix=the+dregs+eric+zawadzki%2Cdigital-text%2C136&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener">THE DREGS</a> über <a href="https://www.amazon.de/Eternal-Eric-Zawadzki/dp/1628752157?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2FV0P6X51VMDT&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.fr0cN2upgd9RcSggaiwJTg.uIwOfaNhX2qdkG5JuDGkb9YiizunCd8jttCuILm5CnI&amp;dib_tag=se&amp;keywords=ETERNAL+eric+zawadzki&amp;qid=1771246581&amp;s=digital-text&amp;sbo=RZvfv%2F%2FHxDF%2BO5021pAnSA%3D%3D&amp;sprefix=eternal+eric+zawadzki%2Cdigital-text%2C123&amp;sr=1-1-catcorr" target="_blank" rel="noopener">ETERNAL</a> bis zu <a href="https://www.amazon.de/Heart-Attack-English-Shawn-Kittelsen-ebook/dp/B07XSH96N4?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=35LNXZCFX52A4&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.eXSCvJyLJm3N4Q-9w40ca3ASNi79l7W-7YrS7KS4gzmvczwEL-GQtZkun-1G1M8BwfthJEPnpXj4tkryFweCnl9ynzNpiqpkcRZG-_B1ra34Dx77N-LGBo4UNRVVAaz5sPhjlTOMXc1Cp0W3mlGI9j4fpIYRqZCfluQpBI_Djfc.YlZnNzGs5aC9nkWxuTY2uB4RtrN7hZBt-6Y7lPo5X4c&amp;dib_tag=se&amp;keywords=HEART+ATTACK+eric+zawadzki&amp;qid=1771246560&amp;s=digital-text&amp;sprefix=heart+attack+eric+zawadzki%2Cdigital-text%2C137&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener">HEART ATTACK</a>. Dazu kommt die <a href="https://www.amazon.de/House-El-Three-Treacherous-English-ebook/dp/B0BRYFNJ7L?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=GBP7OOQUW5RN&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.dbgIQF6A1bjFnIipcJV_69X7IhHYvOoEGvZrhafx0XuwOCXikJHwZX-E5W4Lv0Ht2SgTG8tESp-BHTU7T8EHdlGTe6zdRuNoj3eRRhls-YNAhKtVC9NLYYuqMnJ0eQdqfVm6GTLJtqcBjwRK7pMNfsm12bLMSS7jAFAueoK9TqU.dB4AU9S6uMTrpiITFgBvjA31krOM9HQnFpzatzqmv30&amp;dib_tag=se&amp;keywords=eric+zawadzki&amp;qid=1771246501&amp;s=digital-text&amp;sprefix=eric+zawadzki%2Cdigital-text%2C143&amp;sr=1-17&amp;xpid=1fFsXbsgVXi_p" target="_blank" rel="noopener">HOUSE OF EL</a> Trilogie.</p>
<p>Auf seiner eigenen Portfolio-Seite wirkt das wie eine klare Linie. Er interessiert sich für Figuren, die unter Druck stehen. Dazu baut er Seiten, die diesen Druck sichtbar machen. Er kann zwischen Stilen springen, ohne seine Handschrift zu verlieren.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ASSORTED CRISIS EVENTS VOL. 1 ist ein Band, den man nicht einfach schnell überfliegt. Er zwingt dich zum Tempowechsel, zur Einteilung der eigenen Lebens- und Lesezeit. Mal renne ich durch die Seiten, mal bleibe ich hängen, weil ein Layout meinen Blick festhält. Camp und Zawadzki haben eine seltene Kontrolle über Format und Inhalt.</p>
<p>Die besten Momente sind die, in denen das Zeit-Phänomen direkt in die Psyche der Figuren greift. Heft eins, vier und fünf können sich neben den stärksten US One-Shots der letzten Jahre sehen lassen.</p>
<p>Dem gegenüber wirkt Heft drei wie eine bitter realistische Parabel. Heft zwei bleibt für mich der wackligste Teil, weil es seine Themen stellenweise in Blut ertränkt. Trotzdem gehört es zum Gesamtbild, weil es zeigt, wie unterschiedlich Krisen sich anfühlen können.</p>
<p>Wer als Gelegenheitsleser nach einem runden Genre-Spaß sucht, muss sich auf Arbeit einstellen. Der Band ist zugänglich, aber wahrlich nicht bequem. Wer Comics liebt, weil das Medium Dinge kann, die Film und Prosa nicht können, bekommt hier eine Lehrstunde. Wer gerade das Gefühl hat, die Welt sei aus dem Takt, findet hier keine Therapie, aber einen Spiegel, der erstaunlich klar reflektiert.</p>
<p>Insgesamt gehört diese Reihe meiner persönlichen Meinung zum Besten, was in den vergangenen Jahren in Comic-Form produziert wurde. Es würde mich daher doch sehr wundern, falls die Autoren bei der kommenden Verleihung der <a href="https://www.comic-con.org/awards/eisner-awards/" target="_blank" rel="noopener">Eisner-Awards</a> leer ausgehen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3188" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Cover-300x461.jpg" alt="Cover von ASSORTED CRISIS EVENTS" width="300" height="461" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Cover-300x461.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Cover-98x150.jpg 98w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Cover-600x922.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/ASSORTED_CRISIS_EVENTS_Cover.jpg 651w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>ASSORTED CRISIS EVENTS VOL. 1</li>
<li><span class="rush-component s-latency-cf-section" data-component-type="s-search-results" data-component-id="6"><span class="a-declarative" data-version-id="v3mgx08m3wrvmp2v25jwvgtwkx1" data-render-id="rgta968z4bqs824l6ic56gas6d" data-action="puis-card-container-declarative" data-csa-c-func-deps="aui-da-puis-card-container-declarative" data-csa-c-item-id="amzn1.asin.B0FJGJK5HS" data-csa-c-posx="1" data-csa-c-type="item" data-csa-c-owner="puis" data-csa-c-id="u4jwzn-c7bbhy-qwmi0g-y2jupg">Deniz Camp<span class="a-size-base"> und </span><span class="a-size-base">Eric Zawadzki</span></span></span></li>
<li>Softcover | 208 Seiten | Farbe | Englisch</li>
<li>ISBN 978-1-53433-396-3</li>
<li>Storyline(s): ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://imagecomics.com/comics/series/assorted-crisis-events" target="_blank" rel="noopener">Image Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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		<title>DER WIND IN DEN DÜNEN weht heiss</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-duenen-weht-heiss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 06:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropomorph]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Kenneth Grahame]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Plessix]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2024 waren meine Frau und ich in dem Land, in dem der Nachfolge-Band des Albums aus der vergangenen Woche spielt: Marokko. Dies &#8211; und die Tatsache, dass ich von den Zeichnungen verzaubert bin &#8211; ist der Grund, dass ich beiden Bänden von Plessix so kurz hinter einander jeweils einen Beitrag widme. Ich erwische mich schon [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>2024 waren meine Frau und ich in dem Land, in dem der Nachfolge-Band des Albums aus der vergangenen Woche spielt: Marokko. Dies &#8211; und die Tatsache, dass ich von den Zeichnungen verzaubert bin &#8211; ist der Grund, dass ich beiden Bänden von Plessix so kurz hinter einander jeweils einen Beitrag widme.</p>
<p>Ich erwische mich schon auf der ersten Seite dabei, wie ich langsamer lese als sonst. Schon wieder! Auch DER WIND IN DEN DÜNEN zwingt mich dazu. Michel Plessix setzt direkt an <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> an, übernimmt Maulwurf, Ratte, Kröterich und Dachs und schiebt einige von ihnen sanft aus ihrem englischen Flusstal in Richtung Nordafrika. Die deutsche Ausgabe des Splitter Verlages fasst die fünf französischen Alben von LE VENT DANS LES SABLES zu einem 160 Seiten starken Band zusammen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2673" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 01 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_01_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Eine Schiffsratte, die alles verändert</h3>
<p>Am Anfang wirkt alles immer noch vertraut. Es ist Spätsommer geworden am Fluss. Die Tiere richten sich auf die kommenden, kühleren Tage ein und bestücken ihre Vorratskammern. Aber die Ratte grübelt. Sie steckt emotional fest. Die Schwalben ziehen gen Süden. Und was macht sie?</p>
<p>Plötzlich fühlt sich Ratte irgendwie alt, zu sesshaft, irgendwo falsch abgebogen. Ihre Gedanken bekommen eine neue Richtung, als sie auf eine tätowierte Schiffsratte trifft. Der knorrige Besucher schwärmt von Häfen, Gerüchen und Frauen, von Nächten an Deck und von dem Gefühl nicht zu wissen, welcher Horizont als nächstes auftaucht. Fernweh breitet sich in Freund Ratte aus.</p>
<h3>Wenn die Weiden zu eng werden</h3>
<p>Zum Abendessen bei Kröterich erzählt sie ihren Freunden von dieser Begegnung. Aber eigentlich ist es eine Beichte. Sie fragt sich, ob sie ihr Leben verpasst hat. Der vernünftige Dachs und der vorsichtige Maulwurf versuchen sie zu beruhigen. Kröterich dagegen hört nur das Wort &#8222;Abenteuer&#8220;. Er saugt die Geschichte auf wie Benzin. Noch in derselben Nacht verschwindet er. Zurück bleiben ein leerer Stuhl und der Verdacht, dass die Sache mit der Schiffsratte Folgen haben wird. Also ziehen Maulwurf und Ratte los, um den Kröterich zu finden.</p>
<p>Plessix erzählt dies nicht als hektische Verfolgungsjagd. Das würde auch gar nicht zum gemächlichen Ton der WIND-IN-DEN-Alben passen. Eher begleitet man zwei Freunde, die schon ahnen, dass sie dem Chaos hinterherlaufen &#8211; und es trotzdem tun.</p>
<p>Ihre Suche führt sie in einem Hafen. Sie geraten an zwielichtige Figuren und sitzen am Ende als blinde Passagiere auf einem Dampfer, der Richtung Orient fährt. Schon hier verschiebt sich erstmals die Tonlage. Die Geschichte bleibt warm und verspielt, aber der vertraute Fluss ist fort. Stattdessen wehen Salzgeruch, Maschinenlärm und fremde Sprachen über die Seiten. Eine neue, eine andere Reise beginnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2674" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 02 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_02_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Verloren in der Medina</h3>
<p>Im zweiten großen Block von DER WIND IN DEN DÜNEN betreten Ratte und Maulwurf eine Welt, die für sie komplett neu ist. Und ich kann mich sehr gut mit ihnen identifizieren. Mir ging es in Marokko ähnlich.</p>
<p>Das Schiff legt in einem nordafrikanischen Hafen an. Der Wind trägt Gewürze, Fisch, Schweiß und Musik heran. Unsere Freunde finden enge Gassen, weiße Häuser und Minarette statt Kirchtürmen vor über den Dächern der Stadt. Plessix nutzt dieses Setting nicht als reine Folklore einer andersartigen Welt. Vielmehr lässt er unsere Helden spürbar überfordert durch diese neue Welt stolpern, die so ganz anders ist.</p>
<p>Ein selbsternannter Führer heftet sich an ihre Fersen. Er lächelt, verspricht Hilfe, kassiert Geld und verschwindet im Getümmel. Ratte und Maulwurf stehen ohne Orientierung in einem Labyrinth aus Gassen und Gässchen. Die beiden werden ausgenommen, aber sie treffen auch auf Menschen, die ihnen helfen, sie aufnehmen, ihnen zu essen geben, die Medina zeigen und sie auf den Platz der Geschichtenerzähler schleusen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2675" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 03 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_03_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Kröterich erobert den Märchenplatz</h3>
<p>Und dort taucht die eigentliche Naturgewalt der Serie wieder auf. Kröterich hat sich längst eingerichtet. Er ist natürlich nicht irgendwo gestrandet. Er steht in der Mitte des Platzes, spielt den großen Erzähler und saugt die Aufmerksamkeit seines Publikums auf. Seine Geschichten sind maßlos. Er schiebt sich mit Worten durch Gefahren, Abenteuer und Romanzen.</p>
<p>Plessix inszeniert dies wie eine humorige Metakommentierung des eigenen Berufs. Der ausufernde Erzähler im Zentrum, das Publikum staunend, die Freunde am Rand, welche mit den Augen rollen und gleichzeitig stolz sind.</p>
<h3>Zwischen Souk und Seemannsgarn</h3>
<p>So schön die Zeichnungen erneut sind, so erstaunlich textlastig sind auch die Seiten wieder. Auch dieses Mal finden sich Kommentare aus dem Off, Erzählboxen und innere Monologe. Ja, das passt zum Ursprungsalbum und es gab dort auch gute Gründe dafür. Aber hier gilt das Argument nicht mehr, dass Plessix sich bei den WEIDEN stark am Ursprungstext orientiert habe. Teilweise fühlt es sich eher wie ein vorgelesener Kinderroman an, der zufällig wunderschöne Bilder bekommen hat.</p>
<p>Der Band verschiebt nun den Fokus vom Problem der Heimkehr zum Reiz des Bleibens. Ratte entdeckt die Küste, Maulwurf staunt über die Märkte, Kröterich lebt sein Ego aus. Immer wieder fragt die Erzählung ganz leise, ob ein gutes Leben eher am vertrauten Flussufer oder im fremden Hafen liegt. Noch gibt es keine Antwort, nur den Sand unter den Pfoten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2676" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 04 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_04_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Schatzsuche im Zeitlupentempo</h3>
<p>Der nächste Abschnitt von DER WIND IN DEN DÜNEN führt die Figuren endgültig in eine andersartige Welt &#8211; in die Wüste. Die Idee eines Schatzes taucht auf, mal als hanebüchene Behauptung von Kröterich, mal als halb wahrer Hinweis aus der Umgebung. Spätestens mit dieser Episode wird klar, dass Plessix keine Abenteuersaga im klassischen Sinne zeichnet. Die Wüste ist bei ihm mehr Bühne für Stimmungen als Kulisse für Gefahr.</p>
<p>Ratte, Maulwurf, Kröterich und verschiedene Nebenfiguren ziehen mit einer Karawane los. Kamele, Wasserbottiche, Zelte sind in gemächlicher Bewegung. Plessix lässt sie durch die gleißende Hitze schreiten, Sandfelsen ragen hervor, Oasen tauchen aus dem Hitzeflimmern auf. Statt dramatischer Überfälle gibt es kleine Begebenheiten. Ein Tier, das fast kollabiert, ein Streit um eine Richtungsentscheidung oder ein Wüstenbewohner, der ihnen seine Lebenshaltung erklärt. Die Erzählung verlangsamt sich weiter. Es ist, als ob der Sand der Zeit langsamer verrinnt.</p>
<h3>Karawane der leisen Töne</h3>
<p>In einem <a href="https://www.actuabd.com/Michel-Plessix-Le-Vent-dans-les-sables-La-bande-dessinee-est-un-art-de-la" target="_blank" rel="noopener">Interview sagte Plessix</a> einmal, dass er hier keinen schnellen Abenteuerplot schreiben wollte. Er nennt DER WIND IN DEN DÜNEN einen hedonistischen, kontemplativen, poetischen Reisebericht. Für ihn besteht das Vergnügen darin, seinen Figuren einfach beim Unterwegs-Sein zuzusehen. Die Schatzsuche funktioniert mehr als Vorwand, um die Hitze, die Farben, das Licht im Sand zu zeigen.</p>
<p>Am Ende dieser Reise steht natürlich eine Enttäuschung. Der Schatz ist kleiner als erhofft, anders als erwartet oder vielleicht sogar eher symbolisch. Je nachdem wie man die Bilder liest. Wichtig ist etwas anderes. Die Freunde sind erschöpft, aber gewachsen.</p>
<p>Ratte hat eine Ahnung davon bekommen, wie sich ein anderes Leben anfühlt. Maulwurf hat mehr gesehen als seinen Keller und das nahe Ufer. Kröterich durfte sich als Wüsteneroberer fühlen, ohne mit einem zertrümmerten Automobil im Straßengraben zu enden.</p>
<p>Hier liegt für mich ein Reiz dieser Serie. Plessix erzählt nicht von Helden, die die Welt verändern. Er erzählt von Figuren, die ein Stück weiter sehen als vorher. Die Wüste schmirgelt etwas von ihrer Naivität weg, ohne ihnen die Neugier zu nehmen. Dieser Ton ist selten im Mainstream der frankobelgischen Abenteuercomics.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2677" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 05 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_05_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Alte Freunde, neue Sichtweisen</h3>
<p>Im letzten Abschnitt der großen Reise kippt die Stimmung noch einmal. Die Wüste ist bereist, der Schatz ist abgehandelt, das Heimweh wächst. In der fünften Episode zeichnet Plessix Ratte, Maulwurf und Kröterich eher melancholisch. Sie starren gedankenverloren zurück Richtung Heimat. Die Rückkehr gelingt nicht aus eigener Kraft. Plessix bringt den Dachs zurück ins Spiel.</p>
<p>Der alte Freund ist ihnen nachgereist und organisiert die Heimfahrt. Er ist am Anfang der Serie die Stimme der Vernunft. Jetzt wird er zur Brücke zwischen den Welten. Mit seiner Hilfe treten die drei Freunde ihre Heimreise an. Der Weg führt noch einmal durch die inzwischen vertraute Stadt, über den Markt, durch den Souk. Szenen wirken wie Abschiedspostkarten. Eine letzte Essensszene, ein letzter Blick auf eine Gasse in der die Sonne direkt auf die Hauswand scheint und Menschen denen man nicht versprechen kann, dass man sich wieder trifft.</p>
<h3>Rat­te, Maulwurf und ein geläuterter Kröterich</h3>
<p>Nach dem Staunen kommt die Erkenntnis, dass man nicht alles mitnehmen kann. Die Figuren reisen mit leeren Geldbeuteln, aber prall gefüllten Köpfen zurück &#8211; oder vielleicht doch nicht? Nun, das Ende ist bewusst offen gehalten und lässt Raum für neue Abenteuer.</p>
<p>Für mich schließt das Album einen Kreis. Die erste Hälfte begann mit Ratte&#8217;s Zweifel, ob ein Leben am Fluss genug ist. Die letzten Seiten zeigen die Freunde gewachsen, verändert, aufgeladen mit Erfahrungen. Plessix verkauft mir das nicht als moralische Lektion. Es fühlt sich eher an wie ein sanftes Schulterklopfen: Du darfst aufbrechen, du darfst zurückkehren und beides hat seinen Wert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2678" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 06 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_06_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Alte Freunde, neue Nuancen</h3>
<p>Eine Fortsetzung mit bekannten Figuren funktioniert nur, wenn diese Figuren mehr werden als bloße Wiederholungen. DER WIND IN DEN DÜNEN knüpft an die psychologischen Linien von <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> an, schichtet aber Neues obenauf.</p>
<p>Ratte bleibt die Figur mit der ich mich am stärksten identifizieren kann. Sie steht anfangs an einem Punkt, an dem viele Erwachsene irgendwann landen: Beruf, Alltag, immer dieselben Wege, Zweifel, dann Aus- bzw. Aufbruch. Der Besuch der Schiffsratte trifft genau ins Zentrum dieser Müdigkeit und durchbricht die Routinen. Im Verlauf der Geschichte kippt das Handeln &#8211; anders als bei Kröterich &#8211; nicht in blinde Abenteuerlust. Ratte bleibt vorsichtig, ein Wenig nervös, aber geht trotzdem. Sie ist also keine Stereotype, sondern ein Charakter, der seine Ängste mitnimmt und trotzdem wächst.</p>
<p>Maulwurf bleibt staunend. Er ist die Linse durch die ich die neue Welt betrachte. Plessix gönnt ihm kleine Momente der Eigenständigkeit. Er widerspricht, redet Kröterich ins Gewissen, entscheidet instinktiv mal gegen die Mehrheit. Es sind die kleinen Gesten, die mir Gefühl geben, dass dieser Maulwurf nicht derselbe ist wie im Vorgängerband.</p>
<h3>Bewegungsdrang und Ruhe</h3>
<p>Kröterich bleibt der große Egomane. Im Originalroman ist er manchmal so nervig, dass man ihn am liebsten an eine Wand klatschen möchte. In DER WIND IN DEN DÜNEN wirkt er fast ein bisschen milder. Seine nazistischen Wesenszüge finden jetzt eine Bühne auf dem Platz der Geschichtenerzähler. Er ist in einer Umgebung, in der Großmäuligkeit sogar gefragt ist. Geht dadurch ein Teil der Schärfe verloren geht, die ihn in DER WIND IN DEN WEIDEN so unberechenbar machte? Vielleicht, vielleicht auch nicht.</p>
<p>Der beliebte Dachs tritt diese Mal nur punktuell auf. Er ist weniger Mentor als Fixpunkt. Seine Funktion besteht darin, immer dann aufzutauchen, wenn die Geschichte einen Erdungspunkt braucht. Das verschiebt die Figurenkonstellation. Das Quartett wird zum Trio auf Zeit.</p>
<p>Plessix füllt diese Lücke mit Nebenfiguren, Hafenarbeitern und Wüstenbewohnern. Die meisten bleiben Typen, bewusst als Figuren gezeichnet, denen man auf einer Reise kurz begegnet und an die man sich Jahre später nur in Stimmungen erinnert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2679" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 07 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_07_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Panel-Spaziergänge für Detailjäger</h3>
<p>Über die Zeichnungen von Plessix lässt sich schwer nüchtern schreiben. Die Kulissen sind erneut detailversessen und die Aquarellfarben lassen selbst einen staubigen Souk wie einen Traum wirken. Hier treffen Plessix&#8216; Vorstellungskraft und meine erlebte Erfahrung aufeinander. Ja, so habe ich Marokko erlebt.</p>
<p>Die Seiten sind dicht, aber nie unübersichtlich. Plessix arbeitet mit vielen mittleren und großen Panels, in denen sich massenhaft kleine Szenen verstecken: ein Händler, der im Hintergrund gestikuliert, ein Kind, das sich an einem Esel festhält, Insekten, die sich durch die Luft schlängeln. Sie bringen Humor in den Details. Ich ertappe mich beim zweiten Lesen dabei, wie ich kaum noch dem Text folge, sondern nur noch von Detail zu Detail wandere.</p>
<h3>Wüstenlicht statt schattige Auen</h3>
<p>Die Farbdramaturgie nutzt die Reise von Grün zu Ocker. In <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> dominieren kühle Flussfarben, Nebel, Blätterdächer. Jetzt regieren Ocker, Rot, verbranntes Gelb. Die Wüste strahlt, die Nächte glühen blauviolett. Trotzdem wirkt nichts kitschig. Plessix hat ein Gefühl dafür wie weit er Sättigung treiben kann, bevor das Auge ermüdet.</p>
<p>Interessant ist auch sein Umgang mit anthropomorphen Figuren. In Interviews erzählte er, dass er die Tiere eher als kleine Menschen mit Masken zeichnet. Genau so fühlen sie sich an. Sie bewegen sich glaubwürdig durch menschliche Architektur. Sie sitzen auf Stühlen, tragen Mäntel, trinken Tee. Es gibt keine Slapstick-Deformationen. Das hebt die Geschichte aus der reinen Kindercomic-Ecke heraus.</p>
<h3>Viel Text? Viel Text!</h3>
<p>Ein Kritikpunkt bleibt: die Textmenge. Die Off-Texte wiederholen manchmal was die Bilder bereits ausdrücken. Plessix selbst begründete dies mit dem Wunsch, das Lesetempo zu verlangsamen und eine literarische Stimmung zu erzeugen. Mir geht es so, dass ich nach ein paar Seiten in diesen Rhythmus hineingleite. Wer aber klare, knappe Dialogführung bevorzugt, kann dies hier als ermüdend empfinden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2680" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 08 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_08_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Vom Flussroman zum Reiseepos</h3>
<p>DER WIND IN DEN DÜNEN ist keine simple Zugabe. Es ist die logische Fortsetzung dessen, was Plessix mit <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> begonnen hat. Der Ausgangspunkt bleibt Kenneth Grahame&#8217;s Roman, der 1908 erschienen ist und seitdem als Klassiker gilt, der weit über reine Kinderliteratur hinausreicht.</p>
<p>Der Unterschied liegt in der Freiheit. Die Adaption von <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> hält sich eng an die Struktur des Romans. Plessix passt Ton und Rhythmus an, aber die Grundpfeiler stehen fest.</p>
<p>DER WIND IN DEN DÜNEN dagegen erfindet eine komplett neue Geschichte mit denselben Figuren. Im Interview sagte Plessix, dass die Figuren irgendwann zu seinen eigenen geworden seien. Genau dieses Gefühl vermittelt mir dieser Band.</p>
<h3>Wie viel Grahame noch in Plessix steckt</h3>
<p>Inhaltlich verschieben sich die Schwerpunkte: <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> erzählt von Freundschaft, Heimat, Technikangst und sozialen Klassen. Die DÜNEN der Wüste und des Maghreb öffnen nun ein Feld, das eher von Fremdheit, Neugier, Übergängen und dem Spannungsfeld zwischen Bleiben und Gehen handelt.</p>
<p>Formal bleibt vieles gleich. Die Aufteilung in Kapiteln, die Erzählstimme aus dem Off, die Lust an Nebenhandlungen. Trotzdem wirkt DER WIND IN DEN DÜNEN eigenständig. Statt eines Reigens von Episoden entlang des Flusses bekommen wir einen langen Bogen über Meere aus Wasser und Sand.</p>
<p>Ob man diese Fortsetzung braucht, hängt stark davon ab, wie sehr man sich auf diese Figuren eingelassen hat. Für mich fühlt sich der Band an wie ein langer, schöner Epilog. Der Roman wirkt nach, die Adaption lebt fort und Michel Plessix nutzt die Freiheit, noch einmal alles auszuspielen, was ihn interessiert: Reisen, Licht, kleine Gesten zwischen Freunden. Wer im ersten Band vor allem die Spannung um Kröterich&#8217;s Autowahn mochte, findet hier weniger davon. Wer die leisen Zwischentöne liebte, ist hier genau richtig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2681" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 09 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_09_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Orientbilder zwischen Klischee und Zuneigung</h3>
<p>Ein letzter Aspekt verlangt noch einen genaueren Blick. DER WIND IN DEN DÜNEN spielt mit Orientbildern. Souks, Gewürzstände, Erzählerplätze, verschlungene Gassen, Gastfreundschaft, aber auch Schmutz, Betrug und Behördenwillkür. Aus heutiger Sicht: ein Balanceakt.</p>
<p>Plessix kennt die Region aus eigenen Reisen. Er erzählt selbst, dass er die Szenarien in Marokko entwickelt hat und dabei bewusst die eigene touristische Perspektive hinterfragt. Die Alben zeigen keine politisch komplexe Nordafrika-Darstellung. Es sind Reiseimpressionen, gefiltert durch die Augen kleiner Tiermenschen. Trotzdem lässt er kleine Stiche zu: korrupte Führer oder die Frage, wer sich hier eigentlich wen anschaut. Ratte und Maulwurf staunen über den Markt. Die Marktbesucher staunen zurück.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2682" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 10 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_10_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Zeitlose Erzählung</h3>
<p>Am Ende schlage ich DER WIND IN DEN DÜNEN zu und habe das Gefühl, von einem Urlaub heimzukommen. Die Figuren sind dieselben wie in DER WIND IN DEN WEIDEN. Die Welt wirkt größer, aber auch fragiler. Da wir &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; 2024 einen Urlaub in Marokko verbracht haben, habe ich mich stark dorthin zurückversetzt gefühlt.</p>
<p>Ein Alleinstellungsmerkmal im heutigen Markt ist die Kombination aus klassischer franko-belgischer Erzählweise und (fast) nostalgiefreier Zeitlosigkeit. Der Band spielt in keiner klaren Epoche. Technik und Kleidung könnten irgendwo zwischen Zwischenkriegszeit und nie verortet sein. Damit passt DER WIND IN DEN DÜNEN gut zu jenen Lesern, die sich nach entschleunigten Geschichten sehnen, ohne direkt in Retro-Kitsch zu rutschen.</p>
<p>Für mich funktioniert das Buch auf zwei Weisen: beim ersten Lesen folge ich einfach der Reise. Ich will wissen ob Ratte ihre Zweifel sortiert, ob Maulwurf seinen Horizont erweitert und ob Kröterich irgendwann ein Minimum an Einsicht gewinnt. Beim zweiten Lesen bleibt die Handlung im Hintergrund und ich verliere mich im Licht auf Hausfassaden, im Muster eines Teppichs und im Staub der Karawane.</p>
<p>Aus Sicht einiger anderer Rezensenten steht DER WIND IN DEN DÜNEN im Schatten des Vorgängerbands. Für mich stehen sie sowohl grafisch als auch atmosphärisch auf derselben Stufe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2683" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 11 von DER WIND IN DEN DUENEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_02_11_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>In diesem Beitrag habe auch ich mir mehr Zeit als sonst genommen. Danke also, falls Du bis hierhin durchgehalten hast.</p>
<p>Mein Fazit fällt klar aus. Wer schon bei <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/" target="_blank" rel="noopener">DER WIND IN DEN WEIDEN</a> ausgestiegen ist, weil der Ton zu sanft oder der Text zu dicht war, wird mit diesem Werk kaum bekehrt. Wer aber das erste Buch liebt, bekommt mit DER WIND IN DEN DÜNEN ein langes, warmes Nachglühen. Eine Reise, die nicht auf große Twists setzt, sondern auf kleine Erkenntnisse und auf die beruhigende Gewissheit, dass man heimkehren darf, ohne der Welt den Rücken zu kehren.</p>
<p>Ich würde den Band allen empfehlen, die Lust auf entschleunigte Fantasy im Grenzbereich zwischen Kinderzimmer und Erwachsenensessel haben. Man kann ihn gemeinsam lesen, man kann ihn verschenken, man kann ihn immer wieder aus dem Regal ziehen und eine beliebige Doppelseite aufschlagen. Irgendwo werden Ratte und Maulwurf gerade wieder durch die Gassen der Medina laufen. Es lohnt sich, ihnen noch einmal zu folgen.</p>
<p>Leider ist der Band bei Splitter inzwischen verlagsvergriffen und wird dort wohl auch nicht mehr nachgedruckt. Halte also die Augen auf. Und sollte Dir das Album in einem gut sortierten Comic-Laden begegnen &#8230; nun, dann löse das Ticket und mach&#8216; Dich auf die Reise!</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2648 alignright" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-300x385.jpg" alt="" width="300" height="385" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-300x385.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-750x963.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-117x150.jpg 117w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-768x986.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779-600x770.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-DUENEN_COVER_1000X779.jpg 779w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>



<p class="wp-block-paragraph">© <a href="https://www.splitter-verlag.de/der-wind-in-den-duenen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a> | Hardcover | 160 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★★☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★★★</p>
<p>Farben: ★★★★★</p>
<p>Lettering: ★★☆☆☆</p>
<p>Humor: ★★☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-86869-697-4</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">Die Bände der Reihe</p>

<a href='https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/wind-in-den-weiden_cover_1000x781/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="384" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-300x384.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von DER WIND IN DEN WEIDEN" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-300x384.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-750x960.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-117x150.jpg 117w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-768x983.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-600x768.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781.jpg 781w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
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		<title>DER WIND IN DEN WEIDEN begleitet das Leben am Strom</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Jan 2026 06:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropomorph]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Kenneth Grahame]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Plessix]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>DER WIND IN DEN WEIDEN beginnt mit einer kleinen, einfachen Entscheidung. Ein Maulwurf legt den Besen weg. Er hat keine Lust mehr auf Frühjahrsputz und geht vor die Tür. Dieser eine Schritt aus dem dunklen Bau in das helle Gras ist der Moment, in dem mich Michel Plessix zu seiner Geschichte abholt. Er führt mich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>DER WIND IN DEN WEIDEN beginnt mit einer kleinen, einfachen Entscheidung. Ein Maulwurf legt den Besen weg. Er hat keine Lust mehr auf Frühjahrsputz und geht vor die Tür.</p>
<p>Dieser eine Schritt aus dem dunklen Bau in das helle Gras ist der Moment, in dem mich Michel Plessix zu seiner Geschichte abholt. Er führt mich an ein Flussufer, an dem die Zeit irgendwie anders verläuft, ruhiger, entspannter, weniger hektisch.</p>
<p>Ich folge dem Maulwurf an die Oberfläche. Die Luft ist frisch, der Boden riecht nach Erde. Am Fluss trifft er die Wasserratte, die sofort wie ein Gastgeber wirkt. Ihr Boot ist kein spektakuläres Schiff, eher ein schwimmendes Wohnzimmer. Ratte zeigt ihm den Fluss, die Biegungen, die kleinen Buchten.</p>
<p>Plessix nimmt sich Zeit, diese erste Begegnung auszuspielen. Die Bilder tragen die Stimmung. Die Dialoge sind freundlich und unaufgeregt. Ich spüre, wie die beiden Figuren einander abtasten.</p>
<p>Nach und nach erweitert sich der Kreis. Der Dachs bleibt zunächst eine ferne, leicht unheimliche Figur. Eine Präsenz im Wald, die Respekt einflöst.</p>
<p>Der Fischotter taucht eher als ein beweglicher Nebencharakter auf. Er bringt eine Prise Wildheit mit in die Runde. Und dann ist da natürlich noch er, der Kröterich. Reich ist er, laut und begeistert von allem, was schnell ist. Plessix baut ihn nicht sofort als chaotischen Tausendsassa auf. Er streut erst einmal kleine Hinweise, ein Bootsprojekt hier, eine Idee dort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2634" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 1 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Handlung wie ein langsamer Fluss</h3>
<p>Die Handlung in diesem ersten Teil der Adaption des bekannten Buches von Kenneth Grahame wirkt wie ein Reigen von Episoden. Es gibt Ausflüge, Picknicks, einen gefährlichen Schneesturm, eine nächtliche Wanderung durch den Wald. Die Bedrohung bleibt dabei überschaubar.</p>
<p>Die Figuren verfangen sich eher in ihren eigenen Schwächen. Der Maulwurf verlässt sich zu sehr auf seine Intuition. Die Ratte hängt sehr am Gewohnten und der Kröterich verschiebt alle Grenzen, weil er sich zu sicher fühlt.</p>
<p>Plessix erzählt diese Phase extrem behutsam. Diese Adaption ist ein stimmungsvolle Idylle am Fluss, die durch einen poetischen, beinahe impressionistischen Umgang mit Natur und Licht geprägt ist. Diese Comic-Fassung erhielt im Jahr 2000 unter anderem den Max und Moritz Preis als bester Kinder- und Jugendcomic und wurde mehrfach als Comic des Jahres ausgezeichnet.</p>
<p>Als Leser sitze ich beim ersten Durchgang gefühlt mit im Boot. Ich höre das Plätschern des Wassers zwischen den Panels. Die Handlung baut keinen großen Bogen auf. Sie lädt mich erst einmal nur ein. Wer hier ein Actionfeuerwerk erwartet, liegt falsch. Wer Lust auf ein gemächliches Ankommen in einer Welt voller kleiner Gesten hat, ist genau richtig.</p>
<h3>Wenn der Fluss ruft und Motoren heulen</h3>
<p>Je weiter DER WIND IN DEN WEIDEN voranschreitet, desto stärker bildet sich ein zweiter Puls unter der ruhigen Oberfläche. Der Fluss bleibt der Herzschlag der Geschichte, doch an den Ufern hört man plötzlich etwas anderes. Es klingt nach Motor und riecht nach Benzin.</p>
<p>Der Kröterich bleibt der Katalysator dieses Störgeräuschs. Seine Begeisterung für jede neue Fortbewegungsart wirkt zuerst komisch. Ein Boot hier, eine Kutsche dort, im nächsten Moment ein Automobil &#8211; Plessix lässt den Kröterich mit jeder neuen Obsession ein bisschen höher drehen.</p>
<p>Seine Freunde versuchen, ihn einzufangen. Sie mahnen zur Vernunft, erinnern ihn an Verantwortung aber natürlich prallt alles an ihm ab. In diesen Passagen rutscht die Geschichte stärker in Slapstick und Farce.</p>
<p>Der erste Teil stellt die Figuren vor und zeigt mir den Fluss als friedlichen Raum mit leicht naiver, poetischer Note. Ab der Mitte verschiebt sich der Schwerpunkt. Der Kröterich rückt stärker in den Mittelpunkt und die Erzählung wird abenteuerlicher und spitzer im Humor.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2635" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 2 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Balance und menschlicher Einfluss </h3>
<p>Plessix hält die Balance zwischen ruhigen Naturmomenten und komischen Szenen. Die großen Umbrüche deutet er früh an. Das Dorf der Tiere wirkt nicht nur idyllisch, es ist auch verletzlich. Die Menschenwelt bleibt meist am Rand. Sie ist größer, gefährlicher und wenig verständnisvoll. Wenn der Kröterich mit ihr kollidiert, bekommt ich eine Ahnung davon, wie brüchig das gemütliche Leben am Fluss tatsächlich ist.</p>
<p>Später kommt eine deutliche Krise hinzu. Sie betrifft das Zuhause der Freunde und stellt ihre Loyalität auf eine härtere Probe. Mehr möchte ich für diese Rezension nicht ausbreiten. Entscheidend ist, wie Plessix die Gefahr inszeniert.</p>
<p>Er setzt nicht auf Schock, sondern auf das Gefühl, dass die Figuren sich zusammenraufen müssen. Die Spannung entsteht weniger aus der Frage, was genau passiert. Sie entsteht aus der Frage, wie die Gemeinschaft reagiert.</p>
<p>Für mich funktioniert diese Steigerung gut. Ich mag, dass sich das Buch Zeit nimmt, bevor es den Ton verschärft. Zugleich kann ich nachvollziehen, warum manche Leser den Weg dorthin als langsam &#8211; ja, mühsam &#8211; empfinden. Vor allem, wenn sie eher lineare Plots gewohnt sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2636" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 3 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Ein Comic wie eine Flusskurve</h3>
<p>In der Erzählstruktur zeigt DER WIND IN DEN WEIDEN seine Herkunft als Kinderbuchklassiker. Die Adaption folgt weitestgehend den Episoden des Romans von 1908. Sie übernimmt elf der zwölf Kapitel und ergänzt sie um einen Epilog. Die Kapitel wirken oft wie in sich runde Kurzgeschichten. Sie fügen sich aber zu einem Fluss, der sich langsam, aber stetig in Richtung Konflikt bewegt.</p>
<p>Man kann den Aufbau grob in drei Akten lesen. Zuerst die Ankunft des Maulwurfs in der Welt des Flusses. Diese Phase etabliert Figuren und Rhythmus.</p>
<p>Dann eine Reihe von Episoden, die wie Schleifen erscheinen. Jede Episode vertieft eine Beziehung oder eine Eigenschaft. Gleichzeitig dehnt Plessix Zeit und Raum. Er zeigt Jahreszeiten, unterschiedliche Lichtstimmungen. Der große Bogen bleibt noch leise.</p>
<p>Im letzten Drittel verdichtet sich alles. Die Eskapaden des Kröterichs eskalieren. Die äußere Gefahr nimmt zu und die Freunde müssen handeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2637" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 4 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Vom Episodenreigen zum großen Bogen</h3>
<p>Das Ergebnis ist andererseits kein klassischer Dreiakter mit sauberem Spannungsdiagramm. Eher ein Reigen, der von einer Atmosphäre zur nächsten gleitet.</p>
<p>Aus heutiger Comic-Perspektive fühlt sich die Struktur ungewohnt an. Wer mit klaren Cliffs und verdichteten Plots sozialisiert ist, braucht hier eine andere Lesebrille. Mich persönlich holt genau diese Flusslogik, diese Andersartigkeit ab.</p>
<p>Die Geschichten plätschern nicht belanglos vor sich hin. Sie mäandern bewusst. Dazu kommen mehrere Leseschichten. Oberflächlich geht es um Tiere am Fluss, darunter steht eine Parabel über Technikbegeisterung, Klassenunterschiede und die Sehnsucht nach einem festen Ort. Auf diese Weise wird DER WIND IN DEN WEIDEN zu einer ausufernden Fabel.</p>
<p>Als Leser muss ich dennoch akzeptieren, dass nicht jede Episode zündet. Manche Nebenwege sind eher Stimmungsbilder. Sie funktionieren vor allem, wenn man bereit ist, sich auf Tempo und Tonfall des Gesamtwerkes einzulassen. Dann fühlt sich der Story-Arc trotz aller Episodenhaftigkeit letztendlich erstaunlich geschlossen an.</p>
<h3>Maulwurf, Ratte, Kröterich und ich</h3>
<p>Die große Stärke des Comics liegt für mich in den Figuren. Plessix entwickelt Maulwurf, Ratte, Dachs, Kröterich und Otter mit viel Liebe zum Detail, mit starker Mimik und Körperhaltung.</p>
<p>Der Maulwurf ist unser Einstieg. Er wirkt schüchtern, neugierig und anfangs leicht überfordert. In seinen Bewegungen steckt eine Mischung aus Unsicherheit, aber auch Wille zum Aufbruch. Man spürt, wie ihn jeder neue Eindruck überwältigt. Seine Entwicklung ist eher leise. Er wird nicht zum Actionhelden. Er wächst, indem er Verantwortung übernimmt und lernt, die eigenen Ängste auszuhalten.</p>
<p>Die Ratte ist der ruhige Pol. Sie verkörpert das Heimweh im besten Sinne. Sie liebt den Fluss, kennt jede Ecke, weiß, welche Strömung wann gefährlich wird. In vielen Szenen fungiert sie als moderierende Kraft. Sie nimmt den Maulwurf an die Hand, bremst den Kröterich ein und hält den kleinen Freundeskreis zusammen.</p>
<p>Der Dachs bleibt kantig. Plessix zeichnet ihn als grummeligen, aber warmherzigen Einzelgänger. Er ist derjenige, der ausspricht, was die anderen denken, aber nicht zu sagen wagen. Er ist ein klassischer Sympathieträger, weil seine Figur Rauheit und Verlässlichkeit verbindet.</p>
<p>Der Kröterich ist der Motor des Humors. Er ist eitel, laut, schnell begeistert und noch schneller gelangweilt. Man kann ihn genau wegen dieser Überhöhung lieben, muss es aber nicht. Er erscheint oft als einzige Figur mit echter psychologischer Tiefe: Er trägt die große Wandlung, die von verantwortungsloser Raserei zu einem gewissen Maß an Einsicht führt.</p>
<p>Ich merke beim Lesen, wie stark mein eigenes Alter hier eine Rolle spielt. Als Kind wäre ich vermutlich beim Kröterich hängen geblieben. Heute fühle ich mich dem Ratte näher. Seine Mischung aus Freundlichkeit und Abstand liegt sehr nah an meiner eigenen Leseerfahrung. Genau diese Unterschiedlichkeit der Figuren macht das Buch für mich so spannend. Sie altern mit mir.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2638" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 5 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Vom bretonischen Atelier an den englischen Fluss</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Plessix" target="_blank" rel="noopener">Michel Plessix</a> stammte aus der Bretagne. Er wuchs in einer Familie auf, in der Pinsel schon vor ihm eine Rolle spielten. Sein Vater und sein Großvater waren Maler.</p>
<p>Als Jugendlicher verschlang er Hefte wie TIM UND STRUPPI und SPIROU und beschloss früh, selbst Comics zu zeichnen. Irgendwann arbeitete er wiederholt an Kinder- und Jugendstoffen. Aus einer Mischung aus Reiselust, Beobachtungsgabe und klassischer frankobelgischer Schule speiste sich später DER WIND IN DEN WEIDEN und sein Nachfolger.</p>
<p>Die Adaption erschien zwischen 1996 und 2001 in vier Bänden unter dem französischen Titel LE VENT DANS LES SAULES und brachte Plessix internationale Aufmerksamkeit. Der dritte Band erhielt auf dem Comic-Festival in <a href="https://www.angouleme-tourisme.com/de/fete-manifestation/festival-international-de-la-bande-dessinee/" target="_blank" rel="noopener">Angoulême</a> den Publikumspreis. Im deutschsprachigen Raum wurde die Serie als Comic des Jahres gefeiert und mit dem Max und Moritz Preis ausgezeichnet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2639" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 6 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Vom Fluss zum Meer aus Sand</h3>
<p>Nach Abschluss dieser Adaption knüpfte Plessix mit DER WIND IN DEN DÜNEN an die Figuren an (s. meine Besprechung in der kommenden Woche). Darin schickt er Ratte, Maulwurf und Kröterich in eine neue, eigenständige Fortsetzung, die noch stärker vom Reisen und vom Fremdsein handelt.</p>
<p>2017 verstarb Michel Plessix mit nur 57 Jahren an einem Herzinfarkt. Viele Nachrufe betonten, dass DER WIND IN DEN WEIDEN sein Signaturalbum bleibt. Es vereint seine Wurzeln als Naturmaler mit seiner Liebe zu klassischer Erzählung mit anthropomorphen Figuren. Kenneth Grahame&#8217;s Original von 1908 hat er damit nicht ersetzt, sondern für eine neue Generation auf andere Weise sichtbar gemacht.</p>
<p>Ich spüre auch, dass hier jemand an einem Herzensprojekt gesessen hat. Die Adaption wirkt nicht wie eine Auftragsarbeit, sondern wie eine sehr persönliche Übersetzung eines geliebten Textes in ein anderes Medium.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2640" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 7 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Aquarell, Licht und die Kunst der Brise</h3>
<p>Wenn man andere Rezensionen zu DER WIND IN DEN WEIDEN quer liest, taucht ein Begriff ständig auf: Die Zeichnungen seien einfach wunderschön. Das klingt in anderem Kontext häufig abgenutzt, in diesem Fall jedoch stimmt es.</p>
<p>Plessix arbeitet mit Aquarellfarben und feinem Strich. Die Landschaften erinnern an impressionistische Gemälde. Dadurch, dass er Natur oft aus der Perspektive der Tiere zeigt, entsteht eine unmittelbare Nähe. Man sitzt buchstäblich tief im Gras, leicht unterhalb der Menschenwelt oder auf einem Zweig und hört den Freunden bei ihren Gesprächen zu.</p>
<p>Die Figuren sind stilisiert, aber nie karikaturhaft. Der Maulwurf wirkt rund und weich. Der Kröterich trägt seine Eitelkeit schon im Schnitt seines Mantels. Die Ratte strahlt mit wenigen Linien Gelassenheit aus. Alles hängt an kleinen Details, an einer hochgezogene Augenbraue, einer Pfote, die am Mantelsaum zupft. Mit feinen Details vermittelt Plessix gekonnt Charaktere und Emotionen. </p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2641" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 8 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Wie der Fluss ins Papier sickert</h3>
<p>Der Seitenaufbau unterstützt den langsamen Rhythmus. Viele Panels sind breit und offen. Die Übergänge zwischen ihnen lenken den Blick über verschiedene Aspekte eines Ortes. </p>
<p>Was mir kritisch auffällt ist, dass Erzählerkästen und Sprechblasen viel Raum einnehmen. Das wirkt &#8211; leider &#8211; altmodisch. Vielleicht liegt es an einer möglichst exakten Adaption der Prosavorlage?</p>
<p>Für mich gehört diese Graphic Novel zu den seltenen Büchern, die man langsamer liest, weil man länger schauen will. Ich ertappe mich ständig dabei, Seiten zurückzublättern. Nicht, weil ich etwas nicht verstanden habe, sondern weil ich das Licht auf dem Fluss noch einmal sehen will.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2642" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 9 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Ein Buch für späte Abende</h3>
<p>Eine Besonderheit von DER WIND IN DEN WEIDEN liegt in seinem Verhältnis zur Zeit. Dieser Comic verlangt kein binge reading, im Gegenteil. Er lädt stattdessen zu Leseabenden ein mit Tee, mit Decke, mit Geduld.</p>
<p>Auch ist dieses Album für alle Altersstufen geeignet. Kinder können der Oberfläche folgen (Tiere fahren Boot, Kröterich baut Mist, die Freunde halten zusammen). Erwachsene entdecken nebenbei andere Ebenen, sehen die leise Technik und Zivilisationskritik, lesen die Klassenbilder heraus. Sie spüren die Melancholie eines ländlichen England, das es so nicht mehr gibt.</p>
<p>Gleichzeitig gibt es eine erkennbare Spannung zwischen Anspruch und Zielgruppe. Die Qualität der Zeichnungen und der Vorlage kann ich loben. Ich merke aber auch, dass die Erstveröffentlichung in Deutschland in einer hochwertigen, dafür aber auch relativ teuren Ausstattung erschienen ist. Die Bände wurden als wertvolle Kindercomics vermarktet. Das passte zur ästhetischen Ambition, erschwerte aber den spontanen Zugang für viele Familien.</p>
<h3>Langsamer Lesen im schnellen Zeitalter</h3>
<p>Kritisch halte ich fest, dass der Comic zwischen die Stühle fallen kann. Für viele jüngere Leser ist der Textumfang zu hoch und die Sprache stellenweise zu altmodisch. Für Erwachsene, die eher auf knappe Graphic Novels stehen, wirkt das Setting zunächst sehr brav. Dazu kommt eine gewisse Berechenbarkeit der Konflikte. Man spürt, dass die Vorlage aus einer Zeit stammt, in der Geschichten anders gebaut wurden.</p>
<p>Ich würde den Band deshalb niemandem als Einstiegscomic empfehlen, der bisher nur Superhelden, Manga oder schnelle Gagstrips kennt. Wer aber bereit ist, sich auf eine langsam erzählte, sehr sinnliche Fabel einzulassen, findet hier etwas, das es so nicht oft gibt.</p>
<p>Für mich liegt das eigentliche Alleinstellungsmerkmal im Zusammenspiel aus Naturbetrachtung, humorvoller Charakterstudie und stiller Gesellschaftsskizze. Dieser Comic winkt nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern vertraut stattdessen darauf, dass ich zwischen den Panels lese.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2643" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 10 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Warum sich DER WIND IN DEN WEIDEN heute noch lohnt</h3>
<p>Am Ende bleibe ich mit einem seltsamen Gefühl der Vertrautheit zurück. Ich kenne diese Welt nicht wirklich, war nie an diesem Fluss. Ich bin trotzdem sicher, dass ich wüsste, wie das Wasser klingt, wenn ich dort ein Boot abstieße.</p>
<p>DER WIND IN DEN WEIDEN ist kein makelloser Comic. Manche Episoden sind etwas bieder, der Text kann zu voluminös wirken und der Humor um den Kröterich wiederholt sich an diversen Stellen. Einige Kinder und Erwachsene der Gegenwart werden mit dem gemächlichen Tempo fremdeln.</p>
<p>Gleichzeitig hat dieses Buch etwas, das viele moderne Serien verloren haben. Es besitzt Gelassenheit und vertraut seiner eigenen Langsamkeit. Es setzt nicht auf Schock, sondern auf Schichten.</p>
<p>Beim ersten Lesen nimmt man vielleicht nur die freundliche Geschichte wahr, beim zweiten Lesen schaut man stärker auf die Technikbegeisterung des Kröterich&#8217;s und die Reaktion der anderen Tiere. Zuletzt sieht man, wie sehr dieses England eine Erinnerung ist und kein realistischer Ort.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Für Comic-Fans, die sich für Adaptionen klassischer Literatur interessieren, ist der Band beinahe Pflicht. Er zeigt, wie man einen Roman respektvoll und trotzdem eigenständig in Bilder überträgt. Er steht damit neben anderen Arbeiten im Werk von Plessix und passt trotzdem mühelos in eine Reihe mit <a href="https://panelwalker.de/2025/01/bone-mehr-als-nur-knochen/" target="_blank" rel="noopener">BONE</a>, <a href="https://www.mouseguard.net/" target="_blank" rel="noopener">MOUSE GUARD</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/schloss-der-tiere-1-miss-bengalore.html" target="_blank" rel="noopener">DAS SCHLOSS DER TIERE</a> oder <a href="https://panelwalker.de/2025/12/tiger-schneemaenner-und-spacemen-calvin-und-hobbes/" target="_blank" rel="noopener">CALVIN UND HOBBES</a>, wenn es um animalische Figuren mit Charakter geht.</p>
<p>Für Gelegenheitsleser ist die Empfehlung etwas vorsichtiger. Wer eine liebevoll gezeichnete, dichte Geschichte sucht, die man gut vorlesen oder gemeinsam entdecken kann, ist hier sehr gut aufgehoben. Wer dagegen eher schnelle, laute Stoffe bevorzugt, sollte sich bewusst entscheiden, ob er sich auf ein langsames Buch einlassen möchte.</p>
<p>Mein persönlicher Rat fällt dennoch klar aus. Wenn Du Lust hast, Dich für ein paar Abende aus dem Alltag auszuklinken, dann gib diesem Comic eine Chance. Aber such&#8216; Dir eine großformatige Ausgabe und blättere nicht zu schnell. Lass&#8216; den Fluss für Dich arbeiten. Und wenn Du nach dem Lesen das Gefühl hast, dass Du leise Motorengeräusche durch das Rauschen der Bäume hörst, dann hat Plessix seinen Job gut gemacht&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-2645 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-300x384.jpg" alt="Cover von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="300" height="384" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-300x384.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-750x960.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-117x150.jpg 117w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-768x983.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-600x768.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781.jpg 781w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>DER WIND IN DEN WEIDEN</p>



<p class="wp-block-paragraph">© <a href="https://www.splitter-verlag.de/der-wind-in-den-weiden.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a> Toonfish | Hardcover | 128 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★☆☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★★★(★)</p>
<p>Farben: ★★★★★</p>
<p>Lettering: ★★★☆☆</p>
<p>Humor: ★★★☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</p>
<p>ISBN: 978-3-86869-696-7</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"> </p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/">DER WIND IN DEN WEIDEN begleitet das Leben am Strom</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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