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	<title>Graphic Novel - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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		<title>DIGGER geht &#8211; Flucht aus dem inneren Gefängnis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
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		<category><![CDATA[Ralf Marczinczik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ralf Marczinczik &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://comixfactory.de/?go=about" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ralf Marczinczik</a> &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an bekannten Stoffen wie MOORHUHN, GOTHIC, RISEN, DIE SIEDLER und SVEN BØMWØLLEN beteiligt. Dazu kommen Illustrationen, Cover-Arbeiten, Cartoons, Kurzcomics und Veröffentlichungen in Magazinen wie U-COMIX oder <a href="https://www.comixene.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">COMIXENE</a>.<span id="more-4164"></span></p>
<p>Ganz wichtig ist auch sein Platz in der Comic-Szene selbst. Marczinczik ist eng mit dem <a href="https://comicseminar.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Seminar Erlangen</a> verbunden, der Künstlerinnen und Künstlern Raum für gegenseitigen Austausch und Weiterbildung bietet. Er hat dort seit 2019 eine zentrale, organisatorische Rolle. Somit kennt er also nicht nur das Zeichnen selbst, sondern auch das Ringen um gute Geschichten, liebenswerte Figuren und Spannungsbögen. Genau dies, die Vielschichtigkeit seiner Erfahrungen, merke ich seinem Buch an.</p>
<p>DIGGER wirkt auf mich nicht wie eine hübsche Idee, die schnell mal auf Album-Länge aufgeplustert wurde. Es erscheint wie ein Fundstück, das lange im Hinterkopf aufbewahrt und dann herausgeholt wurde. Dann wurde gegraben, gesiebt, verdichtet. Am Ende blieb eine Gefängnisgeschichte, die auch vom Eingesperrtsein handelt. Auch, denn eigentlich geht es darum, was Isolation mit Dir macht und was es braucht, um wahre Veränderungen unter den widrigsten Umständen anzugehen.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4156 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg" alt="Innenseite 07 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="(max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Besuchszeit in Erlangen</h3>
<p>Ich wollte diesen Comic schon länger lesen. Die erste Auflage war jedoch sehr schnell weg und bei Comics löst so etwas bei mir eine kindische, aber ehrliche Reaktion aus. Plötzlich steht das Buch innerlich ganz vorne im Regal, obwohl es dort eben noch nicht steht. Gibt es so etwas wie einen negativen Pile-of-Shame? Auf dem <a href="https://www.comic-salon.de/de" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Salon Erlangen</a> habe ich meine Ausgabe dann direkt vom Ralf bekommen, inklusive einer kleinen, feinen Illustration. Das war ein schöner, persönlicher Moment. Nicht wichtig für die Bewertung, aber wichtig für die erste Berührung mit dem Buch.</p>
<h3>Geschehnisse hinter dicken Wänden</h3>
<p>DIGGER begrüßt mich nicht mit einem Spektakel. Kein Knast-Drama mit Eisen stemmenden Muskelprotzen, keine harte Milieu-Parade, kein Ausbruchsthriller, der schon auf Seite drei den Löffel an der Wand wetzt. Marczinczik setzt seinen schweren, runden, melancholischen Helden in ein Gefängnis an der Küste und lässt ihn tatsächlich erst einmal &#8211; &#8222;sitzen&#8220;.</p>
<p>Das klingt erst einmal schlicht, ist andererseits aber ziemlich raffiniert. Denn DIGGER sitzt nicht nur seine Strafe ab. Er hat sich in ihr eingerichtet, glaubt, dorthin zu gehören in dieses Gefängnis. Und genau da beginnt der Schmerz dieses Comics. Nicht bei den Gittern, sondern bei der Zustimmung des Gefangenen zu diesen Gittern.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-4157 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg" alt="Innenseite 08 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="(max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Einschluss am Meer</h3>
<p>DIGGER kommt in ein Gefängnis, das zugleich konkret und märchenhaft wirkt, <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0120689/?ref_=tt_mlt_i_2" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE GREEN MILE</a> trifft hier auf das Château d&#8217;If aus Alexandre Dumas&#8216; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GRAF VON MONTE CHRISTO</a>: ein Riese, eine Insel am Meer, der ferne Himmel, Zellen und ihre Routinen. Alles hat seinen Platz. DIGGER auch.</p>
<p>Er ist groß, massig, kräftig und auffällig. Trotzdem sucht er keine Aufmerksamkeit. Er rebelliert nicht, er beteuert nie seine Unschuld und er macht, was von ihm verlangt wird. DIGGER fügt sich in seinen Alltag, der mit der Struktur aus Arbeit, Zelle, Essen und Schlaf beinahe beruhigend gleichförmig ist. Dazwischen ein paar Blicke nach draußen. Aber diese Ruhe ist keine echte Ruhe, sondern vielmehr ein Deckel auf dem Topf.</p>
<p>Marczinczik erzählt diesen Anfang mit erstaunlicher Geduld. Ich lerne DIGGER &#8211; dessen bürgerlichen Namen wir nie erfahren &#8211; nicht über seine Tat kennen, sondern über sein Verhalten. Seine unbekannte Vergangenheit baumelt mir nicht als Köder vor meiner Nase herum. Aber sie bleibt ein Gewicht, das DIGGER mit sich herumträgt. Der Comic muss mir nicht erklären, was genau geschehen ist, damit ich seine Schuld spüre. Zugleich verweigert dieser Kniff mir aber den bequemen Weg, die Figur einfach in eine Schublade zu schieben. Gut so! Denn DIGGER ist kein unschuldiges Herzchen im falschen System, aber auch kein Monster. Er ist ein Mensch, der sich selbst auf ein Urteil reduziert hat.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-4158 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg" alt="Innenseite 09 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="(max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Ein Kumpel hinter der Wand</h3>
<p>In dieser engen Ordnung bekommt DIGGER Kontakt zu Manolo, genannt Manny. Diese Freundschaft ist einer der schönsten Züge des Buches. Sie entsteht nicht als große Bühne. Sie wächst eher wie etwas, das zwischen zwei Steinen einen Spalt findet. Manny ist lebendiger, wacher, vielleicht auch lockerer. Er bringt etwas in DIGGER&#8217;s Welt, das dort nicht mehr vorgesehen ist: Austausch, Wärme, Neugier und ein Gegenüber.</p>
<p>Dann wird DIGGER in der Dusche angegriffen &#8211; ja, ein Knast-Cliché! &#8211; und landet verletzt in der Krankenstation. Danach fehlt ihm etwas, das für ihn kostbarer ist als jeder Besitz. Sein Geheimnis ist verschwunden. An dieser Stelle könnte die Geschichte dann doch leicht in eine simple Rache-Geschichte kippen. Tut sie aber nicht.</p>
<p>Marczinczik interessiert sich stärker für die Wunde unter der Wunde. DIGGER verliert nicht nur einen Gegenstand und damit ein verborgenes Stück seiner Innenwelt. Er verliert neben dem Selbstwertgefühl auch die kleine Ordnung, die ihn hier noch zusammengehalten hat.</p>
<p>Manny wird nun wichtiger. Nicht als Retter, sondern als jemand, der eine Entscheidung trifft. Eine Freundschaft beweist sich hier nicht durch große Worte. Sie zeigt sich in einem Risiko, das eingegangen wird. Damit setzt das Buch seine eigentliche Energie frei. Die Handlung wird letztendlich zwar zur Fluchtgeschichte, doch der spannendste Ausbruch ist nicht der aus dem Gefängnis, sondern der aus DIGGER&#8217;s eigener Erstarrung. Alles braucht Zeit und hier hat alles und jeder Zeit, ganz besonders hier.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4159 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg" alt="Innenseite 10 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Tunnelplan für die Seele</h3>
<p>Die Stärke von DIGGER liegt darin, dass Marczinczik seine Bilder sehr ernst nimmt, ohne das der Comic schwerfällig wird. Der Titel spielt mit mehreren Ebenen. DIGGER gräbt, DIGGER sucht, DIGGER wird vielleicht selbst zu dem, was ihn aus seiner Lage befreit.</p>
<p>Ein Lockdown als Prämisse passt zu diesem Stoff, weil Marczinczik die Erfahrung von Enge nicht platt überträgt. Er schreibt keinen Corona-Comic! Aber er nimmt dieses Gefühl ernst. Jenes Gefühl, dass ich beim Lesen sofort wiedererkenne. Die Tage werden &#8230; waren gleich. Der Blick ging zum Fenster und die Zeit bekam ein seltsames Gewicht. Im Gefängnis wird daraus eine Fabel über Einsamkeit, Schuld und die Frage, ob ein Mensch sich selbst wieder erlauben darf, nach draußen zu wollen.</p>
<p>Manche Zeichen sind sehr deutlich platziert. Die wenigen Farbtupfer sind blau wie der freie Himmel. Marczinczik vertraut hier manchmal mehr auf einfache, aber klare Symbolik als auf Zwischentöne. Das kann einen Moment lang sehr geradeaus wirken, doch ich nehme es diesem Comic nicht übel. Seine Welt ist bewusst schlicht gebaut. Sie braucht keine Tarnkappe aus Raffinesse. Sie will das Herz nicht überlisten, sie klopft an und wartet dann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4160 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg" alt="Innenseite 11 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Gitterstäbe aus Tusche</h3>
<p>Visuell ist das Buch viel sicherer, als sein leiser Ton zunächst erwarten lässt. DIGGER ist eine wunderbare Comicfigur. Sein Körper ist beinahe eine eigene Landschaft. Groß, rund, schwer, mit einer Silhouette, die ihre Umgebung sofort einnimmt.</p>
<p>Marczinczik nutzt diese Form aber nicht nur für Niedlichkeit. DIGGER kann bedrohlich wirken, gleichzeitig hilflos, stur, verletzt, manchmal sogar ein wenig komisch. Seine Masse erzählt jedoch immer mit. In engen Räumen wirkt er zu groß für diese Welt, während er stillen Momenten wirkt, als würde er unter sich selbst verschwinden.</p>
<p>Die Mimik ist sparsam, aber präzise. Oft reicht ein Blick. Ein gesenkter Kopf sagt mehr als eine Seite voll narrativer Selbstanklage. Auch Manny lebt durch kleine Haltungen. Marczinczik zeichnet keine ausufernden Charakter-Posen. Er setzt stattdessen auf klare, einfache Körpersprache. Das hilft der Lesbarkeit enorm. Die Seiten sind übersichtlich, der Rhythmus ist ruhig, oft fast in kleinen Portionen erzählt. Der Ursprung als Webcomic ist spürbar. Viele Sequenzen haben etwas Episodisches. Auch im Buchformat funktioniert das überraschend gut, weil es zum Gefängnisalltag passt. Jeder Abschnitt ist wie ein weiterer Strich an der Wand.</p>
<p>Besonders stark wird Marczinczik, wenn er Enge und Weite gegeneinander setzt. Innenräume sind knapp, funktional und gedrückt. Der Blick nach draußen hat dagegen Leichtigkeit. Fenster, Himmel, Meer und Vögel sind keine reine Dekoration. Sie sind die Stellen, an denen das Buch wahrnehmbar durchatmet. Ich habe beim Lesen oft gemerkt, wie sehr die Seitengestaltung mein Tempo lenkt. Nicht durch Tricks, vielmehr durch diese öffnenden Pausen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4161 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg" alt="Innenseite 12 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Blau unter der Pritsche</h3>
<p>Die Farbe ist in DIGGER kein hübsches Extra, sondern Teil der Erzählung. Anfangs herrscht ein strenges Schwarz-Grau-Weiß. Dieses Grau liegt über den Seiten wie Staub. Das Gefängnis wirkt dadurch nicht schmutzig im realistischen Sinn, aber abgenutzt, verbraucht. Die Welt ist nicht finster, sie ist leer und ausgewaschen, allen Ablenkungen entblößt. Das passt zu DIGGER. Er hat sein Leben auf wenige erlaubte Regungen reduziert. Schönheit gestattet er sich nicht (mehr).</p>
<p>Dann kommt das Blau. Erst klein, dann deutlicher. Es ist kein Zufall, dass diese Farbe mit Blicken, Sehnsucht und einem Stück Fürsorge verbunden ist. Blau macht diese Welt freier. Nicht sofort, aber es zeigt, dass in dieser Welt noch etwas anderes existiert als Strafe und Gewohnheit.</p>
<p>Später öffnet sich die Farbigkeit weiter. Das ist nicht subtil bis zur Unsichtbarkeit, aber wirksam. Ich mochte gerade diese langsame Veränderung. Der Comic wird nicht bunt, weil die Geschichte plötzlich leichter wäre. Er wird farbiger, weil DIGGER wieder mehr wahrnehmen kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4162 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg" alt="Innenseite 13 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DIGGER ist ein kleiner Comic mit großem Atem. Er erzählt von Schuld, von Freundschaft und Freiheit. DIGGER hat Humor, aber versprüht keinen Klamauk. Er hat Gefühl, er hat eine Symbolik, die manchmal sehr klar vor mir liegt und eine Wärme, die das Bleiben an diesem Ort erträglich macht.</p>
<p>Für mich ist dies ein Buch, das vor allem in seinen stillen Passagen gewinnt. Es schreit nicht nach Bedeutung. Es sitzt erst einmal neben mir auf der Pritsche, dann zeigt es auf das Fenster. Und irgendwann merke ich, dass ich in Gedanken längst mitgegrabe.</p>
<p>Der <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/preise_indie_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Interessenverband Comic e.V.</a> (ICOM) hat Ralf Marczinczik / DIGGER den Independent Comic Preis 2024 in der Kategorie <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/icp2024/icp_2024_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bester Independent Comic (Selbstveröffentlichung)</a> für seine meisterhafte Verbindung von Kunst und Menschlichkeit verliehen. Häufig lassen mich Jury-Entscheidungen etwas ratlos zurück. In diesem Fall jedoch haben die Juroren alle richtig gemacht. Ja, es hat sich für mich gelohnt, auf diesen Comic zu warten&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-4167 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg" alt="Cover von DIGGER" width="283" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg 283w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DIGGER</li>
<li>Ralf Marczinczik</li>
<li>Hardcover | 190 Seiten | Schwarz-Weiss (und Blau)</li>
<li>ISBN 978-3-96430-320-2</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://kultcomics.net/digger/491-digger.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kult Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>WIND IN MEINEM KOPFTUCH &#8211; Freiheit und Enge in Einem</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/05/wind-in-meinem-kopftuch/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/05/wind-in-meinem-kopftuch/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Roya Soraya]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/wind-in-meinem-kopftuch/">WIND IN MEINEM KOPFTUCH – Freiheit und Enge in Einem</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in ein Gefühl hineinzieht. Da ist diese merkwürdige Nähe zu einer Kultur, die im Alltag zwar präsent ist, die mir aber doch verschlossen bleibt.<span id="more-3970"></span></p>
<p>Da ist der Klang einer Sprache, die vertraut wirkt, obwohl nicht jedes Wort verstanden wird. Und da ist eine Reise, die nach Herkunft aussieht und sich dann immer stärker als Reise ins eigene Innere entpuppt. Genau das macht dieses Buch so stark. Es ist warm, offen und persönlich. Dabei wirkt es aber nie weichgespült, sondern intim und ständig unruhig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3972" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg" alt="Innenseite 05 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Was hinter dieser Reise steht</h3>
<p>Bevor ich auf die Handlung schaue, lohnt sich der Blick auf den Hintergrund der Erzählerin. Roya Soraya ist 1996 in Hannover geboren, hat an der Folkwang Universität der Künste studiert und lebt heute in Wuppertal.</p>
<p>Nach ihrem Debüt <a href="https://www.roya-soraya.de/shop/p/faust" target="_blank" rel="nofollow noopener">FAUST</a>, einer modernen und neuen, queerfeministischen Annäherung an den alten Goethe, wendet sie sich im aktuellen Werk der eigenen Familiengeschichte zu. Das ist ein wichtiger Schritt. Hier geht es nicht mehr um die Überschreibung eines Klassikers, sondern um etwas, das näher liegt und verletzlicher ist. <a href="https://www.roya-soraya.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Auf ihrer Website</a> beschreibt sie den Band ausdrücklich als autobiografische Graphic Novel über die Reise zu ihren Wurzeln im Iran.</p>
<p>Roya Soraya hat an diesem Buch über mehrere Jahre gearbeitet. Die Arbeit begann schon vor den großen Protesten von 2022 und bekam durch diese noch einmal ein anderes Gewicht.</p>
<p>Hinzu kommt der politische Kontext, der in diesem Comic nie wie ein angehefteter Infokasten wirkt, sondern ganz organisch in ihre Erzählung einsickert. Die Proteste der Bewegung &#8222;Frau, Leben, Freiheit&#8220; brachen 2022 nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jina_Mahsa_Amini" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jina Mahsa Amini</a> aus, die nach ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei starb. Internationale Menschenrechtsberichte halten fest, dass Frauen und Mädchen im Iran noch immer systematisch verfolgt und in ihren Rechten beschnitten werden. Auch die Pflicht zur Verschleierung bleibt Teil eines Systems, das den weiblichen Körper kontrollieren will.</p>
<p>Wenn Roya Soraya also über das Kopftuch, über Blicke im öffentlichen Raum und über die Anspannung einer Reise schreibt, dann steht dahinter kein fernes Weltthema. Es ist gelebte Wirklichkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3973" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg" alt="Innenseite 06 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Zuhause, das nicht ganz aufgeht</h3>
<p>Die Handlung beginnt dort, wo viele Fragen nach Herkunft anfangen, nämlich im ganz normalen Familienalltag. Roya Soraya wächst in Deutschland auf. Sie fühlt sich deutsch und merkt zugleich früh, dass da noch eine andere Seite in ihr arbeitet.</p>
<p>Am Tisch der iranischen Verwandtschaft versteht sie kaum etwas. Trotzdem sind Sprache, Essen, Musik und Gesten nicht fremd. Sie gehören zu ihr, ohne dass sie diese ganz greifen kann. Ich finde genau diese Ausgangslage sehr gut getroffen. Soraya beschreibt ihren Identitätskonflikt ohne Pathos. Sie zeigt etwas viel Alltäglicheres: das Gefühl, dass etwas Eigenes immer knapp außer Reichweite bleibt.</p>
<p>Aus dieser Lücke wächst ihre Sehnsucht nach dem Iran. Nicht als touristischer Traum, sondern als Versuch, sich selbst etwas genauer kennenzulernen. Dass sie den Vater erst überreden muss, mit ihr zu reisen, gibt der Sache gleich noch eine zweite Spannung. Die Fahrt in den Iran ist auch eine Annäherung zwischen Tochter und Vater.</p>
<p>Sobald Roya dann tatsächlich im Iran ist, verschiebt sich die Erzählung spürbar. Aus der Sehnsucht wird Erfahrung, aus Vorstellung wird Alltag. Der Comic schaut dabei sehr aufmerksam auf kleine Situationen. Ein Gang durch die Stadt, ein Blick auf die Menschen, ein Essen oder ein Moment vor dem Spiegel mit dem Kopftuch: Nichts davon wird künstlich aufgeblasen, aber fast alles trägt Gewicht.</p>
<p>Ich mochte besonders, wie Soraya die erste Begeisterung für Gerüche, Farben und Nähe nie gegen die wachsende Unsicherheit ausspielt. Beides ist gleichzeitig da. Die Reise erfüllt einen Wunsch und unterläuft ihn im selben Moment. Roya erkennt, dass Herkunft nicht einfach Geborgenheit bedeutet. Sie kann auch Enge, Unübersichtlichkeit und Angst mitbringen. Gerade deshalb kippt die Nacherzählung nie ins bloße Abhaken von Stationen. Hinter jeder Alltagsszene arbeitet die Frage, wer Roya in diesem Land eigentlich ist. Tochter? Besucherin? Iranerin? Die Deutsche? Queere Frau? Das Buch erzwingt keine schnelle Antwort. Das gefällt mir sehr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3974" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg" alt="Innenseite 07 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Bus, ein Vater, ein kurzer Schock</h3>
<p>Besonders stark fand ich die Szenen, in denen der öffentliche Raum plötzlich zur Prüfung wird. Die Leseprobe mit der Busfahrt ist dafür ein schönes Beispiel. Roya und ihr Vater wollen Bus fahren, wie Einheimische. Erst wirkt das fast leicht, beinahe neugierig. Dann greift die Geschlechtertrennung. Männer nach vorn, Frauen nach hinten.</p>
<p>Aus einem simplen Umsteigen wird für Roya ein Moment echter Panik. Sie verliert den Vater aus dem Blick, hängt zwischen Stangen, fremden Körpern und Regeln fest, die ihr vorher niemand erklärt hat. Auf wenigen Seiten erzählt Soraya damit sehr viel. Nicht nur die konkrete Situation. Auch das Gefühl, in einer Ordnung zu stecken, deren Logik man nicht kennt und die doch sofort über den eigenen Körper verfügt. Ich habe diese Passage als Kernszene gelesen. Hier wird das Reisen im Iran vom Abenteuer zur nervösen Selbstprüfung.</p>
<p>Noch besser ist, dass der Vater dabei nicht einfach als rettende Figur gezeichnet wird. Er ist Nähe und Sicherheit, klar. Aber er ist auch Teil einer Welt, die Roya nicht ganz versteht. Zwischen beiden liegt Zuneigung, manchmal auch Reibung, jedenfalls nie glatte Harmonie.</p>
<p>Gerade diese Zwiespältigkeiten macht den Comic stark. Ich glaube der Beziehung, weil Soraya nichts glättet. Kleine komische Momente bleiben ebenso stehen wie peinliche oder anstrengende. Auch deshalb trifft mich der Gedanke, dass dies ihre letzte Reise mit dem Vater sein wird.</p>
<p>Das Buch macht daraus kein sentimentales Programm. Es legt nur einen leichten Schatten über viele Szenen. Ein verlorener Blick hier, ein Zuruf dort, eine Umarmung. Solche Dinge bekommen im Rückblick mehr Wucht. Vielleicht hätte ich an ein, zwei Stellen gern noch etwas mehr Raum für andere Familienmitglieder gehabt, andererseits wirkt der Comic dadurch sehr fokussiert. Manchmal ist weniger eben mehr.</p>
<p>Der Comic bleibt sehr eng an Soraya&#8217;s Perspektive. Auch das ist stimmig, nimmt dem Umfeld aber etwas Luft. Der emotionale Kern trägt trotzdem gut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3975" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg" alt="Innenseite 08 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Kein Debattencomic, keine einfachen Antworten</h3>
<p>Was ich an diesem Buch am meisten schätze, ist seine Weigerung, einfache Antworten zu liefern. Gerade darin ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH bemerkenswert. Das Kopftuch erscheint hier nicht als plattes Symbol, das nur in eine Richtung zeigt. Es steht für Zwang, Gefahr und Kontrolle. Zugleich beschreibt Soraya sehr offen, dass sie das Tuch an sich selbst auch schön finden kann, wenn es aus den Kämpfen um Unterdrückung und Selbstbestimmung herausgelöst wäre.</p>
<p>Diese Ambivalenz macht den Comic klüger als vieles, was ich sonst zu diesem Themenfeld sehe und lese. Soraya lässt Widersprüche stehen und vertraut darauf, dass sie sich im orientalischen Erzählen selbst erklären. Dadurch wird aus dem Buch weder ein Lehrstück noch eine politische Parole. Es bleibt eine autobiografische Graphic Novel, die aus der eigenen Erfahrung ihre Kraft zieht.</p>
<p>Als Einzelband steht das Werk sehr geschlossen für sich. Im Vergleich zu FAUST wirkt es wie ein konsequenter nächster Schritt. Weg von der literarischen Bearbeitung, hin zu einer eigenen, sehr persönlichen Form des Erzählens.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3976" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg" alt="Innenseite 09 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Gesichter, Hände, Blicke</h3>
<p>Zeichnerisch hat mich Soraya ebenfalls überzeugt. Ihr Stil ist farbig, beweglich und deutlich handgemacht. Ihr ist der präzise Ausdruck von Gefühlen in Gesichtern besonders wichtig ist. Genau das sieht man den Seiten an. Die Figuren sind leicht vereinfacht, aber nie leer. Ich kann an einem Blick ablesen, ob Roya neugierig, überfordert, trotzig oder kurz vor der Panik ist.</p>
<p>Auch die Körpersprache sitzt. Wenn sie sich im Bus klein macht oder sich an einer Stange festklammert, trägt die Haltung schon die halbe Szene. Dazu kommen Räume, die klar lesbar bleiben, ohne geschniegelt zu wirken. Der Markt, die Haltestelle, das Restaurant, der Businnenraum. Alles ist schnell zu erfassen und hat trotzdem Eigenleben. Gerade die Busseiten zeigen, wie gut Soraya Bildrhythmus beherrscht. Enge Panels, Stangen, Blickachsen und Wiederholungen erzeugen dort fast körperlich spürbare Beklemmung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3977" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg" alt="Innenseite 10 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Farbe gegen das reine Grau</h3>
<p>Auch die Farbe spielt eine große Rolle. Soraya beschreibt ihren Stil selbst als farbenfroh. Ja, das passt. Nur arbeitet sie nie mit greller Lautstärke.</p>
<p>Ich sehe viele weiche Grün, Ocker, Beige und Rosa. Das hält die Erinnerung offen und freundlich, selbst wenn die Situationen kippen. Besonders stark ist das violette Kopftuch der Hauptfigur. Es macht Roya sichtbar, fast wie ein bewegter Marker im Bild und trägt zugleich die ganze Spannung des Buchs in sich. Schönheit und Belastung liegen darin nah beieinander.</p>
<p>Ich mag diese Farbdramaturgie, weil sie dem Comic Leichtigkeit gibt, ohne den Druck der Erzählung &#8230; wegzufärben. WIND IN MEINEM KOPFTUCH wirkt dadurch nie bleischwer. Das Buch bleibt zugänglich, obwohl es von Verlust, Unterdrückung und innerer Unruhe erzählt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3978" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg" alt="Innenseite 11 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein wenig Geschichte</h3>
<p>Für mich gewinnt WIND IN MEINEM KOPFTUCH noch einmal an Tiefe, wenn ich den langen Weg der Frauenrechte im Iran mitdenke. Schon in den 1920er Jahren gab es dort Frauenzeitschriften, Bildungsinitiativen und politische Gruppen, die mehr Mitsprache, besseren Zugang zu Bildung und ein freieres Leben forderten. Diese frühen Bewegungen waren mutig, aber oft klein und verletzlich.</p>
<p>Unter Reza Schah wurden unabhängige Frauenorganisationen in den frühen 1930er Jahren weitgehend ausgeschaltet. 1936 folgte dann das staatlich verordnete Verbot des traditionellen Schleiers. Das klingt auf den ersten Blick modern, war aber ebenfalls ein Eingriff von oben. Frauen sollten nicht selbst entscheiden, ob sie ein Tuch tragen oder nicht. Der Staat griff so schon damals direkt in ihren Alltag und in ihre Körperbilder ein. Fortschritt und Zwang lagen also schon früh dicht nebeneinander.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3979" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg" alt="Innenseite 12 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<p>In den 1960er und 1970er Jahren verbesserten sich die rechtlichen Möglichkeiten vieler Frauen spürbar. 1963 erhielten Frauen das Wahlrecht. Mit dem Familienrecht von 1967 und den Reformen von 1975 wurden Eherecht, Scheidung, Sorgerecht und die Begrenzung von Polygamie neu geregelt. Vieles blieb auch damals ungleich und die Modernisierung kam stark vom Staat her.</p>
<p>Trotzdem waren diese Jahre für viele Frauen ein echter Ausbau von Rechten und Handlungsspielräumen. Gerade dieser Punkt ist wichtig, weil er zeigt, dass die Geschichte nicht geradlinig verläuft. Rechte können wachsen. Sie können aber auch wieder zurückgenommen werden. Genau das geschah nach der Revolution von 1979.</p>
<p>Die Reformen im Familienrecht wurden weitgehend kassiert. Frauen gingen schon im März 1979 dagegen auf die Straße, als neue Kleidervorschriften angekündigt wurden. Wenige Jahre später wurde der Hijab-Zwang gesetzlich fest verankert. Seitdem ist das Tuch im Iran eben nicht nur Kleidung, sondern Teil einer staatlichen Ordnung, die weibliche Präsenz im öffentlichen Raum regelt und kontrolliert.</p>
<p>Trotzdem endet die Geschichte nicht bei der Rücknahme von Rechten. Iranische Frauen haben über Jahrzehnte weiter gekämpft. 2006 sammelte die Kampagne One Million Signatures Unterschriften gegen diskriminierende Gesetze. Sie machte deutlich, dass es nicht nur um Kleidung ging, sondern auch um Ehe, Scheidung, Erbschaft, Vormundschaft und rechtliche Gleichstellung.</p>
<p>Nach dem Tod von Jina Mahsa Amini 2022 bekam dieser Kampf eine neue, weltweite Sichtbarkeit. Die Proteste von Frau, Leben, Freiheit richteten sich gegen den Hijab-Zwang aber auch gegen ein ganzes System der Bevormundung. Aktuelle Berichte der Vereinten Nationen zeigen, dass Frauen und Mädchen im Iran bis heute systematisch benachteiligt werden und der Staat weiter mit Überwachung, Festnahmen und Strafverfahren arbeitet. Gerade deshalb wirkt Soraya&#8217;s Comic so stark. Er erzählt diese Geschichte nicht als Lehrstunde, sondern als gelebte Spannung zwischen Sehnsucht, Zugehörigkeit und Kontrolle.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3980" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg" alt="Innenseite 13 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Für mich ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH ein sehr schönes, sehr kluges und sehr ehrliches Buch. Ich habe selten einen Comic gelesen, der so unaufgeregt von Zugehörigkeit erzählt und dabei so präzise bleibt.</p>
<p>Ein paar Figuren am Rand hätte ich gerne näher kennengelernt. Mein Eindruck bleibt trotzdem stark. Roya Soraya verbindet persönliche Erinnerung, politische Wirklichkeit und zeichnerische Wärme zu einem Band, der länger nachhallt. Genau solche Comics bleiben.</p>
<p>Wer noch ein Wenig mehr erfahren möchte, kann gerne einen Blick auf <a href="https://comic-denkblase.de/wind-in-meinem-kopftuch" target="_blank" rel="nofollow noopener">den lesenswerten Beitrag</a> meines Kollegen Alex Jakubowski werfen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3971" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg" alt="Cover von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="300" height="421" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-600x843.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover.jpg 712w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>WIND IN MEINEM KOPFTUCH</li>
<li>Roya Soraya</li>
<li>Hardcover | 192 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-01590-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/wind-meinem-kopftuch/978-3-551-01590-7" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/wind-in-meinem-kopftuch/">WIND IN MEINEM KOPFTUCH – Freiheit und Enge in Einem</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Der SPLITTER VERLAG öffnet erstmalig seine Türen</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/der-splitter-verlag-oeffnet-erstmalig-seine-tueren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 09:56:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Manga]]></category>
		<category><![CDATA[Meta-Thema]]></category>
		<category><![CDATA[Gaby von Borstel]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Eickmeyer]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>2006 wurde der SPLITTER VERLAG neugegründet, nachdem der ursprünglich 1988 gegründete Ursprungsverlag 2000 nach 12 Jahren Insolvenz anmelden musste. Der heutige SPLITTER VERLAG ist einer der führenden deutschsprachigen Verlage im Bereich Comic und Graphic Novel. Er bietet ein breites Angebot für Leserinnen und Leser jeden Alters. Einige der herausgegebenen Werke habe ich an dieser Stelle [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/der-splitter-verlag-oeffnet-erstmalig-seine-tueren/">Der SPLITTER VERLAG öffnet erstmalig seine Türen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>2006 wurde der SPLITTER VERLAG neugegründet, nachdem der ursprünglich 1988 gegründete Ursprungsverlag 2000 nach 12 Jahren Insolvenz anmelden musste.</p>
<p>Der heutige SPLITTER VERLAG ist einer der führenden deutschsprachigen Verlage im Bereich Comic und Graphic Novel. Er bietet ein breites Angebot für Leserinnen und Leser jeden Alters. Einige der herausgegebenen Werke habe ich <a href="https://panelwalker.de/tag/splitter-verlag/" target="_blank" rel="noopener">an dieser Stelle bereits besprochen</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote><p>Splitter versteht sich als vielfältiger Themenverlag mit großem Herz fürs Genre: neben der Graphic Novel findet sich die Space Opera, neben der Comicreportage der Horrorschocker. Bei uns begegnen sich Moebius und Peyo, Erich Maria Remarque und Stephen King, Sebastian Fitzek und Edgar Allan Poe auf Augenhöhe. Kurzum: Die Grenzen zwischen E und U sind nur da, um eingerissen zu werden. (Verlagswebsite)</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Anlässlich des 20-jährigen Verlagsjubiläums öffnet der Bielefelder Verlag nun zum allerersten (!) Mal seine Redaktionsräume für die Öffentlichkeit.</p>
<p>Besucherinnen und Besucher können dabei einen exklusiven Blick hinter die Kulissen eines Comicverlags werfen. Abgerundet wird die &#8222;Nacht der offenen Tür&#8220; im Rahmen der <a href="https://www.bielefeld.jetzt/node/1573604" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bielefelder Nachtansichten</a> durch Live-Zeichnen und Quiz-Veranstaltungen. Das Meller Künstlerpaar <a href="https://www.splitter-verlag.de/autoren-zeichner/autoren-b/gaby-von-borstel/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Gaby von Borstel</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/autoren-zeichner/autoren-e/peter-eickmeyer/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Peter Eickmeyer</a>, die u.a. mit <a href="https://www.splitter-verlag.de/rabe-raven-eickmeyer.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER RABE / THE RAVEN</a> oder <a href="https://www.splitter-verlag.de/im-westen-nichts-neues-graphic-novel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">IM WESTEN NICHTS NEUES</a> im Verlagsprogramm vertreten sind, unterstützen dabei das Verlagsteam.</p>
<p>Hoffen wir, dass es keine einmalige Chance bleibt, einem der großen unter den kleinen Verlagen einen Besuch abstatten zu können. Für alle, die kein Risiko eingehen wollen, kann es daher nur heißen: HINGEHEN!</p>
<h3><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3615" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/RABE-RAVEN_Cover-300x417.jpg" alt="" width="300" height="417" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/RABE-RAVEN_Cover-300x417.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/RABE-RAVEN_Cover-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/RABE-RAVEN_Cover-600x833.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/RABE-RAVEN_Cover.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></h3>
<h3>Programm</h3>
<ul>
<li>18:00 &#8211; 00:00 Nacht der offenen Tür im Splitter Verlag</li>
<li>18:30 &#8211; 19:00 Comic-Quiz für Kids mit Peter Eickmeyer</li>
<li>19:30 &#8211; 20:00 Comic-Quiz für Erwachsene mit Peter Eickmeyer</li>
<li>21:00 &#8211; 21:30 Lesung mit Live-Zeichnen aus <a href="https://www.splitter-verlag.de/rabe-raven-eickmeyer.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER RABE</a> von E. A. Poe mit Gaby von Borstel und Peter Eickmeyer mit anschließender Signierstunde</li>
</ul>
<h3>Wann</h3>
<ul>
<li>25. April 2026</li>
</ul>
<h3>Wo</h3>
<ul>
<li class="field field--name-title">Splitter Verlag</li>
<li class="field field--name-field-strasse field--type-string field--label-hidden field__item">Detmolder Straße 23</li>
<li class="field field--name-field-plz-ort field__item">33604 Bielefeld</li>
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		<title>DR. WERTHLESS bekämpft den Schund</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/12/dr-werthless-bekaempft-den-schund/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Dec 2025 06:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★☆☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Meta-Thema]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Dark Horse Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Eric Powell]]></category>
		<category><![CDATA[Harold Schechter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich wollte DR. WERTHLESS mögen. Ich wollte sogar, dass mich das Werk umhaut. Der Stoff hat alles, was ich lieben könnte: Popkultur, Moralpanik und die ewige Frage, wer eigentlich wen verdirbt. Dazu ein Duo, das sich mit menschlichen Abgründen auskennt. Harold Schechter und Eric Powell nehmen sich Fredric Wertham vor, den Mann, dessen Einfluss wir [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wollte DR. WERTHLESS mögen. Ich wollte sogar, dass mich das Werk umhaut. Der Stoff hat alles, was ich lieben könnte: Popkultur, Moralpanik und die ewige Frage, wer eigentlich wen verdirbt. Dazu ein Duo, das sich mit menschlichen Abgründen auskennt. Harold Schechter und Eric Powell nehmen sich Fredric Wertham vor, den Mann, dessen Einfluss wir bereits in <a href="https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/" target="_blank" rel="noopener">BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY</a> kennengelernt haben. </p>
<p>Und dann sitze ich da und merke bereits nach wenigen Kapiteln, wie mich dieses Buch gleichzeitig füttert &#8211; und überfüttert. Ja, es ist klug, wuchtig und gut recherchiert. Es ist manchmal auch richtig stark erzählt. Aber es hat ein Problem, das ich nicht übersehen kann. DR. WERTHLESS vertraut dem Medium Comic zu selten. Es drückt Wissen in Panels, statt Wissen zu inszenieren.</p>
<h3>Vollgestopft und faszinierend</h3>
<p>Das klingt nach einer formalen Nörgelei. Für mich ist es aber der Kern dieser Rezension. Denn Wertham&#8217;s Geschichte handelt davon, wie Geschichten wirken, wie Medien zum Sündenbock gestempelt werden und wie Angst sich in Schlagzeilen verwandelt. Wer das als Comic erzählt, hat ein Werkzeugkasten voller Tricks, voller Rhythmus und Bildrhetorik. Dieses Buch greift aber zu oft zum Megafon, obwohl es ein Orchester hätte.</p>
<p>Ich lese also eine Biografie, die mir ständig sagen will, wie ich sie zu lesen habe. Sie will fair sein, aber zugleich anklagen. Sie will mich umstimmen, obwohl sie spürt, dass ich schon auf ihrer Seite stehe. Genau da entsteht Reibung, aber keine produktive Reibung. Eher so eine, die mich aus dem Buch zieht.</p>
<p>Und trotzdem. Ich klappe es nicht zu, blättere weiter. Weil da ein Thema brennt, das auch mich interessiert. Weil da ein Mann ist, der nicht nur ein Schurke war und weil die Frage bleibt, ob ein übervoller Comic nicht manchmal genau das richtige Format für eine übervolle Zeit ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2886" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667.jpg" alt="Innenseite 01 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_01_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Wie Wertham sich sein Weltbild baute</h3>
<p>Die Erzählung startet nicht gemütlich. Sie führt früh in die Welt der Gewalttaten ein, die schon lange vor den Comics existierten. Das ist ein kluger Zug. Der Band macht klar, dass Wertham&#8217;s spätere Fixierung nicht aus dem Nichts heraus kommt. Gewalt gehört schon vorher zur populären Ware aus Billigromanen und Sensationspresse. Die Maschine läuft bereits, bevor Wertham sie kritisiert.</p>
<p>Dann wird Wertham eingeführt als Einwanderer aus Europa, als junger Psychiater, als jemand, der sich an Wissenschaft klammert und doch längst politisch geprägt ist. Er landet in den USA, arbeitet in Kliniken, bewegt sich in einem Feld, das Menschen nicht nur behandelt, sondern auch sortiert. Wertham steht zudem gern im Licht. Er ist Helfer, aber auch Selbstdarsteller. Diese doppelte Existenz schiebt der Comic immer wieder nach vorn.</p>
<p>Zentrale Figuren tauchen wie Wegmarken auf, Mentoren und Kollegen, Patientinnen und Patienten, Täter, an denen Wertham seine Theorien schärft. Und ich spüre, wie der Band einen Mann baut, der Gewalt nicht als Einzelfall sieht. Er will &#8211; er braucht &#8211; Muster und Ursachen, er will Prävention. Das ist für mich nachvollziehbar. Es macht ihn zunächst sympathischer, als seine Entwicklung und sein späterer Ruf es erlauben.</p>
<h3>Der Beginn einer Kontrollfantasie</h3>
<p>Nur ist die Dramaturgie hier schon überladen. Ich sehe zu viele erklärende, mich beinahe anschreiende Textblöcke. Zu wenige Szenen, die mir Wertham&#8217;s Hunger nach Deutung zeigen, statt ihn zu beschreiben. Ich will, dass ein Blick, ein Raum, eine Pause seine Psychologie trägt. Der Band entscheidet sich jedoch häufig für die Abkürzung. Er erklärt mir den Zustand, aber er zeigt ihn mir nicht lange genug.</p>
<p>Als Auftakt funktioniert es, weil es eine These setzt: Wertham glaubt, dass Kultur Gewalt produziert und er glaubt, dass man Kultur kontrollieren kann. Wer diesen Glauben einmal im Kopf hat, wird später nicht sanfter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2887" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667.jpg" alt="Innenseite 02 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_02_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Der Helfer, der später zensiert</h3>
<p>Der stärkste Teil des Comics ist für mich Wertham&#8217;s Arbeit als Arzt und Sozialreformer. Hier wird er nicht zur Karikatur. Hier erhält seine Figur Form und Charakter. Wertham denkt nicht nur in Diagnosen, sondern auch in Strukturen. Er sieht Rassismus, Armut und darin etwas, das in der Medizin kaum vorkommt.</p>
<p>Das Buch streift die Kliniken, psychiatrische Anlaufstellen in Harlem, die ab 1946 in einem Kirchenumfeld arbeitete und auf die Versorgung Schwarzer Patientinnen und Patienten zielten. Diese Passage gibt Wertham Gewicht. Sie zeigt, dass er an echter Hilfe interessiert war. Und sie zeigt, dass er sich politisch einmischen konnte, wenn es ihm richtig erschien.</p>
<h3>Wenn Verdienste zum Alibi werden</h3>
<p>Das Problem ist, dass diese Stärke später wie ein Schutzschild wirkt. Das Buch nutzt Wertham&#8217;s Verdienste oft als Beweis, dass man ihn nicht nur hassen darf. Das stimmt. Aber die Erzählung baut daraus manchmal eine Art moralische Gutschrift. Als müsste man seine spätere Kampagne gegen Comics erst abwägen, bevor man sie verurteilen kann. Ich wehre mich dagegen. Gute Taten machen schlechte Taten nicht weniger schlecht. Sie machen sie oft nur tragischer. Wie häufig geschehen Grausamkeiten auf der Grundlage guter Vorsätze?</p>
<p>Hier fehlt mir mehr Mut zur Härte. Mehr Widerspruch in den Szenen. Mehr Stimmen, die Wertham nicht nur spiegeln, sondern ihm Grenzen setzen. Stattdessen bleibt er häufig der Motor. Der Band liebt seinen Protagonisten als Drama, aber er lässt ihn zu oft die Deutungshoheit.</p>
<p>Und dann ist da wieder die Form. Ausgerechnet in diesen emotionalen, gesellschaftlich geladenen Teilen wünscht man sich mehr Bilder und weniger Bericht. Wertham, Harlem, die Kirche &#8211; all das könnte ein Comic groß erzählen. Der Band läuft daran vorbei, weil er schon zur nächsten Information drängt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2888" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667.jpg" alt="Innenseite 03 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_03_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-full wp-image-2897" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/CCAseal_260x311.png" alt="" width="260" height="311" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/CCAseal_260x311.png 260w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/CCAseal_260x311-125x150.png 125w" sizes="auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px" />Das große Tribunal der Comics</h3>
<p>Irgendwann kippt die Biografie in den Teil, den ich bereits kenne. Wertham schreibt im Jahr 1954 <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seduction_of_the_Innocent" target="_blank" rel="noopener">SEDUCTION OF THE INNOCENT</a>. Er erklärt Comics zur Ursache der Jugendkriminalität. Seine Aussagen und sein öffentlicher Druck tragen zur Gründung der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Comics_Code" target="_blank" rel="noopener">Comics Code Authority</a> bei.</p>
<p>Hier macht der Comic vieles richtig. Er zeigt die Mischung aus Medienhunger und politischem Theater. Er zeigt, wie schnell komplexe Probleme eine einfache Ursache bekommen. Er zeigt, wie gern eine Gesellschaft einem Medium die Schuld gibt, weil das bequemer ist als über Armut, Rassismus, Familien und Schulen zu sprechen.</p>
<p>Und doch stolpere ich hier über die Handschrift des Buches. Es will Wertham schon irgendwie seinen Dämonstatus abnehmen. Gleichzeitig braucht es diesen Dämon aber, damit der Plot zündet. Es entsteht ein Zwiespalt. Wertham soll differenziert sein, aber die Dramaturgie schiebt ihn oft wie einen Endgegner ins Bild. Die Industrie wirkt wie ein Opfer und die Politik wie eine Kulisse. Das greift für meinen Geschmack zu kurz. Comics waren auch damals schon Geschäft und Grenzüberschreitung aus Kalkül.</p>
<h3>Wenn der Titel schon das Urteil spricht</h3>
<p>Mich nervt außerdem, wie häufig die Biografie ihre wichtigsten Konflikte in Text verdichtet. Die öffentlichen Momente, die brennen müssten, fühlen sich manchmal an wie ein gut geschriebener Wikipedia Absatz, nur eben ein illustrierter. Das ist nicht fair. Powell zeichnet stark. Aber das Verhältnis kippt. Ich lese zu viel Erklärung.</p>
<p>Und noch etwas. Das Wortspiel des Titels ist bissig, aber es ist auch bequem: Werthless als Wertham plus worthless, ein Urteil im Cover. In andere Sprachräume lässt sich das kaum übertragen. Also wird der Biss gedämpft und plötzlich merke ich, wie sehr schon der Titel die Richtung vorgibt. DR. WERTHLESS will fair sein. Aber es nennt sein Objekt im selben Atemzug wertlos.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2889" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667.jpg" alt="Innenseite 04 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_04_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Moralische Klarheit, erzählerische Enge</h3>
<p>Jetzt zum Handwerk. Ich erkenne, was Schechter und Powell hier wollen. Sie wollen eine Biografie, die nicht nur den Mythos nacherzählt, sondern die Mechanik dahinter offenlegt. Wertham wird als jemand gezeigt, der echte Fälle sieht und daraus eine Theorie zimmert, die ihm Anerkennung bringt. Das kann großartig sein.</p>
<p>Nur muss ein Comic dafür Rhythmus haben. DR. WERTHLESS hat stattdessen häufig Dichte. Dichte ist aber nicht Rhythmus, Dichte ist Beton. Und Beton macht jede Nuance schwerer.</p>
<p>Mein größter Kritikpunkt bleibt daher die Textlastigkeit. Ich habe nichts gegen Worte, auch nicht gegen viele. Nur nicht in einem Comic. Ich habe aber etwas gegen Worte, die die Bilder entmündigen. &#8222;Show, don&#8217;t tell&#8220; gilt nicht nur im Film, sondern auch in einem Comic oder einer Graphic Novell. Und gegen dieses eherne Gesetz der sequentiellen Erzählung verstößt dieser Band.</p>
<h3>Comic als zugepflasterter Essay</h3>
<p>Ein Panel soll doch nicht nur bestätigen, was die Caption bereits sagt. Es soll etwas hinzufügen, ergänzen und im besten Fall widersprechen. In diesem Band dominieren aber oft erläuternde Passagen, die jede Szene sofort mit Bedeutung versehen.</p>
<p>Dazu kommt ein moralischer Ton, der mir zu selten Selbstzweifel zeigt. Das Buch will Wertham als komplexen Menschen zeigen. Dann müsste es die eigene Erzählposition ebenfalls komplex machen. Stattdessen wirkt es oft, als würde es mit sauberer Hand die richtigen Schlüsse ziehen. Genau das ist ironisch. Denn Wertham selbst glaubte, aus Beobachtungen saubere Schlüsse ziehen zu können. Das Buch kritisiert seine Methode, übernimmt manchmal aber genau seine Sichtweise.</p>
<p>Ich vermisse außerdem mehr Blick auf das Umfeld, das Wertham groß macht. Seine Karriere fiel nicht vom Himmel. Die Medien wollten ihn, die Politik nutzte ihn und Teile der Öffentlichkeit brauchten ihn. Wertham&#8217;s Schuld ist real. Aber seine Macht ist ein Gemeinschaftsprojekt. Dies zeigt der Band, doch er betont es mir zu wenig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2890" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667.jpg" alt="Innenseite 05 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_05_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Ein Vorgängeralbum als Messlatte</h3>
<p>Ich lese DR. WERTHLESS automatisch neben SCHON GEHÖRT WAS ED GEIN GETAN HAT, einfach, weil es vom selben Team kommt und weil beide Bücher True Crime mit Kulturgeschichte verbinden. Auch DR. WERTHLESS wird offiziell als Nachfolger in diesem Umfeld angesiedelt.</p>
<p>Beim ED-GEIN-Band passte die Überfülle besser. Ed Gein ist Stoff, der in Schichten aus Taten, Mythos, Medien und Filmgeschichte existiert. Da darf ein Buch schon mal ausufern. Da hat die Textmenge sogar etwas Zwanghaftes, das zum Sujet passt. Man liest sich durch einen Schuppen voller Gerüchte und Akten. Genau so fühlt sich True-Crime oft an.</p>
<p>Bei Wertham ist das anders. Hier ist der Horror nicht körperlich sondern strukturell. Es sind Ausschüsse, Schlagzeilen, Verbote und Selbstzensur, die zrntrale Rollen spielen. Das ist weniger sinnlich und natürlich schwerer zu bebildern. Und gerade deshalb bräuchte es mehr visuelle Metaphern, mehr Seiten, die das Gefühl von Kontrolle und Angst als Bild erzählen.</p>
<h3>Wenn die Methode nicht mit dem Stoff mitwächst</h3>
<p>SCHON GEHÖRT WAS ED GEIN GETAN HAT hatte außerdem einen klareren Sog. Ich folge einem Abgrund und ich will wissen, wie tief er ist. DR. WERTHLESS hat keinen Abgrund. Es hat ein Labyrinth und ein Labyrinth braucht Lotsen. Das Buch stellt mir aber zu oft einfach alle Gänge gleichzeitig hin.</p>
<p>Was mich besonders wurmt: beide Bücher handeln vom Umgang mit Gewalt. Beim ED-GEIN-Band seziert das Team die voyeuristische Lust am Grauen. Bei Wertham seziert es den Wunsch, Grauen zu verbieten. Beides sind zwei Seiten derselben Münze. Und genau da hätte ich mir mehr Spiegelung gewünscht. Mehr Stellen, an denen DR. WERTHLESS sichtbar macht, dass Zensur und Sensationslust sich gegenseitig füttern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2891" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667.jpg" alt="Innenseite 06 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_06_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Wenn Quellenarbeit den Comic überrollt</h3>
<p>Harold Schechter ist kein Comicautor im klassischen Sinn. Er kommt aus der True-Crime-Literatur. Er war lange Professor, er schreibt seit Jahrzehnten über amerikanische Gewaltmythen und seine Bücher heißen DEVIANT, DERANGED, DEPRAVED oder THE SERIAL KILLERS FILE. Das ist sein Revier. Man merkt das in DR. WERTHLESS.</p>
<p>Schechter denkt in Quellen, in Chronologien und in Belegen. Er kann verdichten und Sachzusammenhänge hypothetisieren. In einem Comic ist eine These aufzustellen jedoch gefährlich, wenn sie jede Szene vorab bewertet. DR. WERTHLESS hat oft diesen Ton, sehr sicher, sehr wissend, aber nur sehr selten fragend.</p>
<h3>Zwei Könner, ein zu enger Rahmen</h3>
<p>Eric Powell auf der anderen Seite ist ein Zeichner, der eigentlich für Überzeichnung und Groteske bekannt ist. <a href="https://www.thegoon.com/" target="_blank" rel="noopener">THE GOON</a> ist nicht nur Horror und Humor. Es ist auch Timing und Körperlichkeit. Es ist ein Blick für absurde Traurigkeit. <a href="https://www.comic-con.org/awards/eisner-awards/past-recipients/past-recipients-2000s/" target="_blank" rel="noopener">Powell hat Eisner Awards gewonnen</a> und eine lange Liste mit Arbeiten für große US-Verlage erstellt.</p>
<p>In DR. WERTHLESS spüre ich sein Talent u.a. in den Gesichtern. Wertham wirkt oft wie ein Mann, der sich selbst nicht erträgt und deshalb die Welt kontrollieren will. Nebenfiguren bekommen mit wenigen Strichen Haltung. Ich merke: Powell kann Atmosphäre. Nur bekommt er zu selten Raum dafür.</p>
<p>Das Buch zwingt ihn häufig in die Illustration der Texte. Das ist nicht sein Pfund, mit dem er wuchern könnte. Seine Stärke liegt im bildhaften Erzählen. Wenn aber Textblöcke das Panel dominieren, darf Powell nur begleiten. Ich finde das verschenkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2892" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667.jpg" alt="Innenseite 07 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_07_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Grauwerte, Masken und ein Stil, der sich manchmal selbst im Weg steht</h3>
<p>Visuell ist das Buch rau und passend. Es arbeitet mit Schwarz, Weiß und vielen Grauwerten. Es sieht aus, als käme es aus einem Archiv, nicht aus einem Hochglanzstudio. Powell zeichnet keine glatten Ikonen. Er zeichnet Menschen mit Ecken und Kanten. Das passt zu Wertham, der selbst aus ebendiesen Kanten bestand.</p>
<p>Es gibt starke Seiten mit Gerichtsräumen, mit Fluren und Sprechzimmern. Ich spüre die Institutionen und diese Kälte, die entsteht, wenn Menschen zu Fällen werden. Und es gibt Momente, in denen Powell bewusst mit Stilwechseln spielt, wenn das Buch über Comics selbst spricht. Dann blitzt kurz ein Gefühl von Pop-Kultur auf, von historischer Ästhetik und von Masken und Schablonen. Solche Stellen hätte ich gern häufiger gesehen.</p>
<h3>Ein Stil, der mehr erzählen dürfte</h3>
<p>Sie zeigen, was möglich gewesen wäre. Der Band könnte visuell viel öfter aus dem Biografie Modus ausbrechen. Er könnte Propaganda als Panel-Rhythmus darstellen und moralische Panik als Wiederholung aufbauen. Er könnte die Zensur als ein weißes Loch im Layout zeigen. Stattdessen bleibt er oft in konventionellen Szenen.</p>
<p>Ich bleibe deshalb zwiegespalten. Der Stil ist gut und handwerklich stark. Er ist atmosphärisch, aber er wird zu selten als Motor der Erzählung genutzt. Das ist keine Schwäche von Powell, sondern eine Regie-Entscheidung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2893" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667.jpg" alt="Innenseite 08 von DR. WERTHLESS" width="667" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667.jpg 667w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667-300x450.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667-100x150.jpg 100w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_INNENSEITE_08_1000X667-600x900.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich komme zu einem Urteil, das mir selbst nicht ganz bequem ist. DR. WERTHLESS ist wichtig und informativ. Es ist stellenweise sogar packend. Aber es ist in seiner Form oft zu schwerfällig für das, was es erzählen will. Ich habe dieses Buch nicht verschlungen, ich habe es mühsam Seite für Seite durchgearbeitet. Dieses Werk hier ist keine leichte Kost!</p>
<p>Vielleicht soll es sich ja auch anstrengend anfühlen, weil Zensur ebenfalls anstrengend ist. Weil Moralpanik sich wie ein schwerer Mantel über alles legen kann. Ja, vielleicht. Nur ist Anstrengung keine automatisierte Qualität. Ein Comic darf sperrig sein. Er muss dann aber ein Ziel haben, das ich auf jeder Seite spüre. </p>
<p>Bei DR. WERTHLESS spüre ich es nicht immer. Zu oft wirkt der Band wie ein exzellent recherchierter Artikel, der in Panels gepresst wurde. Zu selten wie eine Sequenz, die nur als Comic funktionieren kann. Und wenn ich über einen Comic das Gefühl habe, dass er auch als Sachbuch fast genauso gut wäre, dann ist das für mich eine Niederlage des Mediums. Warum als Comic, wenn ein anderes Medium besser wäre? Dies Frage beantwortet sich hier nicht.</p>
<p>Trotzdem empfehle DR. WERTHLESS. Wenn du Comicgeschichte liebst und Wertham mehr verstehen willst als das Schreckgespenst, zu dem er wurde &#8211; lies es! Wenn du dich für Medienpaniken interessierst, lies es! Wenn du formale Eleganz suchst, lies lieber erst etwas anderes.</p>
<p>Und streite im Anschluss über die Frage, wann ein Comic zu viel Text verträgt. Und darüber, ob wir heute wirklich so viel weiter sind als 1954.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2885" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676-300x444.jpg" alt="Cover von DR. WERTHLESS" width="300" height="444" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676-300x444.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676-101x150.jpg 101w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676-600x888.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DR-WERTHLESS_COVER_1000X676.jpg 676w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />DR. WERTHLESS</p>



<p class="wp-block-paragraph">© <a href="https://www.darkhorse.com/books/3012-934/dr-werthless-hc/" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Dark Horse Verlag</a> | Hardcover | 200 Seiten | monochrome | englisch</p>
<p>Storyline:  ★★☆☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★★☆</p>
<p>Farben: ★★☆☆☆</p>
<p>Lettering: ★☆☆☆☆</p>
<p>Humor: ☆☆☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★☆☆☆</p>
<p>ISBN: 978-1-50674-436-0</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/12/dr-werthless-bekaempft-den-schund/">DR. WERTHLESS bekämpft den Schund</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>DIE KLUFT beschreibt Sehnsucht und Leerlauf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2025 06:00:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★☆☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Adam de Souza]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>DIE KLUFT &#8211; im Original THE GULF &#8211; wirkt auf den ersten Blick wie ein sicherer Kandidat für das Regal der großen Coming-of-Age-Comics. 240 Seiten in denen drei Teenager auf der Flucht sind vor Zukunftsangst und Erwartungsdruck. Eine abgelegene Inselkommune vor der Küste von Vancouver wird zum Ziel der Träume. Erst einmal schreit alles nach [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>DIE KLUFT &#8211; im Original THE GULF &#8211; wirkt auf den ersten Blick wie ein sicherer Kandidat für das Regal der großen Coming-of-Age-Comics. 240 Seiten in denen drei Teenager auf der Flucht sind vor Zukunftsangst und Erwartungsdruck. Eine abgelegene Inselkommune vor der Küste von Vancouver wird zum Ziel der Träume. Erst einmal schreit alles nach existenzieller Roadtrip-Magie.</p>
<p>Je länger man liest, desto deutlicher zeigt sich jedoch eine andere Wahrheit. Adam de Souza hat mit DIE KLUFT ein Buch vorgelegt, das diese Erwartungen nur teilweise einlöst. Die Geschichte tastet sich an die großen Themen heran, an Sinnsuche, an Kapitalismuskritik, koloniale Geschichte Kanadas und Online Mobbing. Vieles bleibt jedoch Andeutung, wenig gewinnt über die Schlusspointe hinaus Kontur.</p>
<p>Die Ausgangsidee besitzt erst einmal Kraft. Oli(via) steht 2007 kurz vor dem Highschool Abschluss in Vancouver. Von Eltern, Schule und Gesellschaft hört sie immer nur Varianten derselben imperativen Forderung: Wähle dein Studienfach, mach&#8216; einen Plan, funktioniere!.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2722" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750.jpg" alt="Innenseite 5 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_05_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwischen Utopie und Müdigkeit</h3>
<p>Gleichzeitig träumt sie seit Kindertagen von &#8222;The Evergreen&#8220;, einer Inselkommune, deren Flyer einmal den Weg in ihrem Kinderzimmer gefunden hatte. Dieser Zettel wird zu ihrem persönlichen Rettungsanker. Die Welt da draußen wirkt laut und falsch. Die Insel verspricht Einfachheit und eine Gemeinschaft aus Gleichgesinnten. Sie ist ein Sehnsuchtsort.</p>
<p>De Souza setzt dies in einer reduzierten, zweifarbigen Bildsprache um. Blaue Flächen, sandige Töne, lockere Strichführung. Die Figuren erinnern an klassische Zeitungsstrips, die Wälder und Buchten der kanadischen Westküste an nostalgische Landschaftscomics.</p>
<p>Wenn die Jugendlichen am Fährdeck stehen oder im hohen Gras verschwinden, dann ahnt man, wovon der Autor erzählen will: von Zwischenräumen, von der Kluft (!) zwischen Sehnsucht und Realität, zwischen Teenager-Fantasie und Erwachsenenwelt. Daher kommt wohl auch der Name des Werkes. Meiner Meinung nach liegt das Problem weniger im Ansatz als in der Umsetzung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2723" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750.jpg" alt="Innenseite 6 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Drei Jugendliche, ein dünner Plan</h3>
<p>Schon im ersten Drittel von DIE KLUFT tritt die lange, vielleicht zu lange Erzählung spürbar auf der Stelle. Die gleichen Konflikte drehen sich in leicht variierter Form im Kreis. Die Bildideen wiederholen sich. Statt einen Sog zu entfalten, entsteht ein Gefühl von Leerlauf. Man spürt, dass hier jemand die Atmosphäre sehr gut beherrscht, aber dann doch mit dem langen Atem einer 240 Seiten Erzählung kämpft.</p>
<p>Die Handlung setzt früh ein. Oli lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter, schwankt zwischen Resignation und Wut und hängt in einer Freundesgruppe, in der vieles unausgesprochen bleibt.</p>
<p>Milo, Film-Nerd mit Kamera, und Alvin, stiller Mitläufer, kreisen um sie. Liam, ihr ehemaliger bester Freund und halbherziger Love Interest, hat ein intimes Geheimnis weiter erzählt, das er besser für sich behalten hätte. Aus dieser Verletzung entsteht die Eskalation, die Oli endgültig aus der Bahn wirft.</p>
<p>De Souza zeigt diese Eskalation in mehreren Stufen. Erst das heimliche Teilen eines intimen Moments, dann das Kichern auf den Gängen, der digitale Spott, die Anonymität des Mobbing. Schließlich ein körperlicher Übergriff eines Mitschülers, auf den Oli zurückschlägt. Sie verliert dabei aber mehr als nur ihren Ruf und steht plötzlich vor einer Mischung aus schulischer Strafe und familiärer Überforderung. An diesem Punkt entscheidet sie sich endgültig zur Flucht nach &#8222;The Evergreen&#8220;.</p>
<p>Sie überredet Milo, sie zu begleiten. Milo wiederum zieht Alvin mit hinein. Er verkauft die Reise als kleines Abenteuer, als Gelegenheit für ein Filmprojekt über alternative Lebensformen. Dass er selbst heimlich in Alvin verliebt ist, erzählt er niemandem. Dieses Dreieck aus Wut, romantischer Unsicherheit und ideologischer Überhöhung bildet den Motor der Geschichte. Zumindest theoretisch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2724" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750.jpg" alt="Innenseite 7 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Roadtrip mit angezogener Handbremse</h3>
<p>Der Roadtrip, der folgt, besitzt einige starke Momente. Eine unangenehme Autofahrt mit einem zu aufdringlichen Fahrer gehört ebenso dazu wie schlaflose Nächte auf unbequemen Sofas oder der Blick auf die Weite des Meeres von der Fähre aus. Immer wieder gelingen de Souza kurze, treffende Beobachtungen. Die Welt fühlt sich real, ja bewohnt an.</p>
<p>Doch gerade hier zeigen sich für mich die strukturellen Schwächen. Szenen, die die Figuren hätten schärfen können, bleiben merkwürdig vage. Die Außenwelt ist wichtiger als das Innenleben der Protagonisten. Konflikte brechen auf, lösen sich im nächsten Panel im Halbsatz wieder. Die Reise wirkt weniger wie eine zugespitzte Erzählung und mehr wie ein aneinander gereihtes Notizbuch voller Augenblicke.</p>
<p>Im Vergleich zu anderen Roadtrip- und Jugend-Comics wie <a href="https://reprodukt.com/products/sommer-am-see" target="_blank" rel="noopener">EIN SOMMER AM SEE</a> oder <a href="https://reprodukt.com/products/blankets" target="_blank" rel="noopener">BLANKETS</a> fehlt der klare Rhythmus aus Anspannung und Entspannung. DIE KLUFT hangelt sich von Episode zu Episode, ohne echten dramaturgischen Bogen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2725" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750.jpg" alt="Innenseite 8 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Utopie auf Sparflamme</h3>
<p>Die zweite Hälfte von DIE KLUFT gehört der Insel. Endlich erreicht das Trio &#8222;The Evergreen&#8220;, jenen Ort, den Oli jahrelang idealisiert hat. Die Kommune lebte von Gemüsebeeten, Gemeinschaftsküche und der Idee eines gerechteren Miteinanders. Zumindest behaupten dies die, die noch übrig sind.</p>
<p>Auf dem Papier wäre das eine Steilvorlage: Eine Utopie, die an ihren eigenen Strukturen scheitert und Jugendliche, die hierdurch merken, dass Ideale auch Arbeit bedeuten. Ein System, das kolonial besetztes Land nutzt, während es von Harmonie mit der Natur spricht. All das schwingt lediglich in Andeutungen mit. Man spürt, dass der Alltag einer Kommune wenig mit romantischen Flyern zu tun hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2726" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750.jpg" alt="Innenseite 9 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Konflikte ohne Biss</h3>
<p>Der Comic bleibt auch hier konsequent an der Oberfläche. Es gibt Streit um Aufgaben, unausgesprochene Machtverhältnisse, finanzielle Abhängigkeiten, die Frage nach indigener Landnutzung. Nichts davon erhält die erzählerische Schärfe, die es bräuchte, um wirklich weh zu tun. Stattdessen verlaufen die Konflikte in einem melodramatischen Mix aus Eifersucht und gekränktem Idealismus.</p>
<p>Auch formal wirkt die Inselsequenz erstaunlich zahm. Die Panelarchitektur bleibt überwiegend konventionell. Viele Seiten zeigen drei oder vier horizontale Streifen mit ähnlich aufgebauten Einstellungen. Nur selten wagt sich de Souza an radikalere Bildlösungen. Eine echte räumliche Landkarte der Kommune entsteht dadurch kaum. Wer nach der Lektüre versucht, &#8222;The Evergreen&#8220; im Kopf zu rekonstruieren, landet bei einem diffusen Sammelbild aus Küche, Schlafraum und ein paar Wegen im Wald.</p>
<p>Das Finale verstärkt diesen Eindruck. Die Utopie bröckelt, Beziehungen brechen, einige Figuren werden nach Hause fahren, andere bleiben. Die Erzählung setzt auf eine bewusst offene Schlussnote. Die Freiheit, die der Comic den Figuren zugesteht, geht dabei zulasten der narrativen Präzision. Eine Heldenreise ist dieser Road-Trip wahrlich nicht.</p>
<p>Statt eines klaren Eindrucks bleibt bei mir ein leichtes Achselzucken. DIE KLUFT endet, als hätte man mitten in einem Tagebuch einfach aufgehört zu schreiben. Und ich Frage mich: War&#8217;s das jetzt etwa? Braucht es dafür tatsächlich 240 Seiten?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2727" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750.jpg" alt="Innenseite 10 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Figuren, die sich fast trauen</h3>
<p>Die stärkste und zugleich frustrierende Qualität von DIE KLUFT liegt im Figurenensemble. Oli, Milo, Alvin und Liam besitzen erkennbare Profile. Oli ist impulsiv, idealistisch, wütend und gleichzeitig verängstigt. Milo flüchtet sich in die Kamera und in ironische Kommentare. Alvin beobachtet viel und sagt wenig. Liam steht irgendwo zwischen Arschloch und verunsichertem Teenager, der zu spät merkt, was er mit seiner Indiskretion angerichtet hat.</p>
<p>In einzelnen Szenen blitzen diese Profile hell auf z.B. wenn Oli im Gang des Schulgebäudes explodiert. Oder wenn Milo heimlich auf Alvin schielt und seine Gefühle hinter nerdigen Sprüchen versteckt. In solchen Momenten schiebt sich der Comic nah an die radikal ehrliche Teenagerzeichnung eines <a href="https://reprodukt.com/products/ghost-world" target="_blank" rel="noopener">GHOST WORLD</a> oder von <a href="https://reprodukt.com/products/roaming" target="_blank" rel="noopener">ROAMING</a> heran.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2728" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750.jpg" alt="Innenseite 11 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fast gute Figuren, fast große Gefühle</h3>
<p>Doch de Souza zieht selten einmal richtig durch. Statt Konflikte konsequent auszuspielen, wechselt die Erzählung oft schnell die Perspektive. Ein Streit bleibt unaufgelöst im Raum stehen oder eine mögliche Aussprache endet in einem flapsigen Witz. War das früher &#8211; in meiner Jugend &#8211; wirklich so? Oder ist bei der heutigen Jugend alles tatsächlich anders?</p>
<p>Die Figuren wirken, als würde man sie im entscheidenden Augenblick ausblenden. Vielleicht soll das die Verlegenheit und Sprachlosigkeit jugendlicher Kommunikation spiegeln. Ich weiß es nicht, im Lesefluss fühlt es sich für mich wie ein Zurückschrecken an.</p>
<p>Auch die Nebenfiguren leiden unter dieser Zurückhaltung. Oli&#8217;s Mutter taucht auf, wirkt glaubhaft überfordert und verschwindet wieder in der Kulisse. Die Erwachsenen in der Kommune erscheinen als klischeehafte Figuren, als abgehalfterter Öko-Guru oder als schweigsamer Handwerker. Hier steckt erheblich mehr Potenzial für Reibung und Ambivalenz, doch der Comic gönnt ihnen kaum mehr als ein paar Szenen.</p>
<p>Die queere Dimension der Geschichte bleibt ebenfalls erstaunlich zurückhaltend. Milo&#8217;s Verliebtheit in Alvin wirkt glaubwürdig, läuft aber parallel zur Haupthandlung. Sie erhält weder einen erzählerischen Kulminationspunkt noch eine echte Konsequenz, vertanes Konfliktpotential. Im Jahr 2025 dürfen Jugendcomics mehr wagen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2729" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750.jpg" alt="Innenseite 12 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_12_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwischen Zine Charme und Preisregal</h3>
<p>Wer Adam de Souza nur über DIE KLUFT kennenlernt, merkt schnell, dass hier kein Zufallsdebüt vorliegt. Der kanadische Zeichner aus Vancouver hat sich mit seinem Webcomic <a href="https://kumerish.com/BLIND-ALLEY" target="_blank" rel="noopener">BLIND ALLEY</a> bereits eine feste Fanbase erarbeitet und dafür den <a href="https://www.cartoonstudies.org/announcing-the-winners-of-the-2022-cartoonist-studio-prize-award/" target="_blank" rel="noopener">Cartoonist Studio Prize</a> gewonnen. Der Strip erhielt außerdem eine Auszeichnung bei den <a href="https://dougwrightawards.com/past-winners/" target="_blank" rel="noopener">Doug Wright Awards</a>.</p>
<p>DIE KLUFT erschien 2024 bei Tundra Books und brachte ihm Nominierungen für die <a href="https://www.comic-con.org/de/awards/eisner-awards/" target="_blank" rel="noopener">Eisner Awards</a> bei den &#8222;Best Publication for Teens&#8220; ein. Die deutsche Ausgabe bei Reprodukt markiert sein Debüt im deutschsprachigen Raum.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2730" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750.jpg" alt="Innenseite 13 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_13_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwischen Webcomic und Roman-Ambition</h3>
<p>De Souza kommt aus der Welt der Zines &#8211; also den kleinen, selbst verlegten Publikationen &#8211; und Online Strips. Er arbeitet in Vancouver auf dem Gebiet mehrerer indigener First Nations und beschäftigt sich in seinen Arbeiten immer wieder mit Naturmotiven, Jugend und dem Gefühl, zwischen Welten zu stehen.</p>
<p>Seine Zeichnungen setzen auf weiche Linien, leichte Überzeichnung und eine Mischung aus Alltagsbeobachtung und surrealen Einfällen. In BLIND ALLEY und <a href="http://HTTPS://reprodukt.com/products/brambles" target="_blank" rel="noopener">BRAMBLES</a> funktionieren diese Qualitäten hervorragend. Kurze Episoden, eigenwillige Figuren, leise Weirdness.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2731" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750.jpg" alt="Innenseite 14 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_14_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Auf der Suche nach der langen Form</h3>
<p>In DIE KLUFT prallt dieses Zinehafte auf die Anforderungen einer langen Erzählung. Man spürt an vielen Stellen den Wunsch, Zeit zu lassen, Pausen zu setzen oder die Natur sprechen zu lassen. Eine Art Entschleunigung in hektischen Zeiten?</p>
<p>Die Wälder, Fähren und Küsten sind mit sichtbarer Zuneigung gezeichnet. Einige Panels besitzen eine Ruhe, die man in schneller produzierten Mainstream Titeln vergeblich sucht. Andererseits nimmt die Geschichte dadurch nur Verhalten Fahrt auf und wird nicht vorangetrieben.</p>
<p>Die visuelle Sprache bleibt erstaunlich gleich. Die Figuren unterscheiden in Körpersprache und Mimik wenig. Der skizzenhafte Stil wirkt zwar sympathisch, gewinnt aber selten die Schärfe, die eine 240 Seiten Geschichte braucht.</p>
<p>Spannende, grafische Entscheidungen wie ungewöhnliche Panelraster oder stark abstrahierte Doppelseiten tauchen nur vereinzelt auf. Vieles erinnert an einen Webcomic den ich durch scrollen soll, weniger an eine durchkomponierte Graphic Novel, bei der ich mir alle Zeit der Welt nehmen kann, die Seiten zu betrachten.</p>
<p>Gerade weil man weiß, wie hoch die Erwartungen inzwischen an de Souza&#8217;s Arbeit sind, wirkt DIE KLUFT wie ein Zwischenschritt. Das Werk ist kein Fehlschlag, aber auch kein Meisterwerk. Eher ein Buch, in dem ein sehr begabter Künstler ausprobiert, wie weit sein bisheriger Ansatz trägt &#8211; und dabei sichtbar an seine aktuellen Grenzen stößt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2732" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750.jpg" alt="Innenseite 15 von DIE KLUFT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_INNENSEITE_15_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Bleibt die Frage, ob man DIE KLUFT empfehlen kann. Die ehrliche Antwort lautet &#8222;ja, aber&#8220; mit deutlicher Einschränkung. Wer eine bissige Gesellschaftsanalyse erwartet, wird enttäuscht. Wer eine radikal psychologische Studie jugendlicher Wut sucht, greift besser zu anderen Titeln.</p>
<p>Trotzdem besitzt der Comic Qualitäten, die sich nicht ignorieren lassen: die Landschaftsbilder, die Fähren, die Höfe, das Licht über den Grasflächen. Die Art, wie de Souza das Gefühl einfängt, als junger Mensch am Rand einer Entscheidung zu stehen und trotzdem noch nicht einmal die richtigen Fragen zu kennen. Die Unsicherheit, ob man zur Welt passen will oder sie lieber von außen beobachtet.</p>
<p>Für jugendliche Leserinnen und Leser (laut Verlagsangaben: ab 14 Jahren), die sich mit dem Druck von Berufsentscheidungen, Social Media und unausgesprochenen Gefühlen herumschlagen, kann DIE KLUFT ein Spiegel sein. Vielleicht sogar gerade deshalb, weil der Comic sich manchmal verzettelt. Die Unentschiedenheit der Erzählung spiegelt die Unentschiedenheit der Figuren. Das macht die Geschichte nicht besser konstruiert, aber in manchen Momenten ehrlich. Ich bin für dieses Werk eindeutig zu alt.</p>
<p>Wer sich ohnehin für die Karriere von Adam de Souza interessiert oder BLIND ALLEY bereits schätzt, sollte einen Blick riskieren. Allein um zu beobachten, wie ein Künstler, der in Strips und Kurzcomics brilliert, sich im Langformat abmüht&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2721" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749-300x401.jpg" alt="Cover von DIE KLUFT" width="300" height="401" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749-300x401.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749-112x150.jpg 112w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749-600x801.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/DIE-KLUFT_COVER_1000X749.jpg 749w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />DIE KLUFT</p>



<p class="wp-block-paragraph">© <a href="https://reprodukt.com/products/die-kluft" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Reprodukt Verlag</a> | Hardcover | 240 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★☆☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★★☆☆☆</p>
<p>Lettering: ★★☆☆☆</p>
<p>Humor: ★☆☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★☆☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-95640-485-6</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/12/die-kluft-beschreibt-sehnsucht-und-leerlauf/">DIE KLUFT beschreibt Sehnsucht und Leerlauf</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>EIN HUNDELEBEN &#8211; Figuren, die ans Herz gehen</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/08/ein-hundeleben-figuren-die-ans-herz-gehen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Aug 2025 05:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Edition Moderne Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Arégui]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>EIN HUNDELEBEN von Matthias Arégui entführt uns in eine charmante, bittersüße Welt, in der ein Hund mehr ist als nur der beste Freund seines Menschen. Im Mittelpunkt steht John Morose, ein Maler, der den Anschluss an den Erfolg längst verloren hat. Sein Alltag wirkt grau, seine Kunst stagniert. Ihm fehlt Inspiration. Doch als ein kleiner [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="wp-block-paragraph">EIN HUNDELEBEN von Matthias Arégui entführt uns in eine charmante, bittersüße Welt, in der ein Hund mehr ist als nur der beste Freund seines Menschen. Im Mittelpunkt steht John Morose, ein Maler, der den Anschluss an den Erfolg längst verloren hat. Sein Alltag wirkt grau, seine Kunst stagniert. Ihm fehlt Inspiration.</p>
<p>Doch als ein kleiner Hund in sein Leben tritt, beginnt sich alles zu verändern. Der neue Begleiter bringt frischen Wind in Morose&#8217;s Routinen. Plötzlich blüht der Künstler auf und findet sogar wieder Freude an seiner Arbeit. Doch das Glück bleibt fragil.</p>
<p>In der Nachbarschaft lebt Dubonheur, ein erfolgreicher Maler mit großem Ego und &#8211; Vorsicht: Klischee! &#8211; einer Katze als Muse. Und ja, die beiden sind wie Hund und Katze. Dubonheur beobachtet Morose wahrlich von oben herab und argwöhnisch. Schnell entwickelt sich eine Rivalität, die weit über einen künstlerischen Wettstreit hinausgeht. Dubonheur versucht, Morose gezielt zu manipulieren und dessen Erfolge zu sabotieren. Und natürlich wird dabei die Katze zur listigen Gegenspielerin des Hundes. Die Geschichte ist somit auch eine Erzählung darüber, wie der eigene Erfolg nicht nur von den persönlichen Fähigkeiten sondern auch vom Tun anderer abhängen kann. Ich sage nur: goldene Pinsel!</p>
<p>Die Geschichte von EIN HUNDELEBEN lebt von feinen Zwischentönen. Humor und Tragik liegen dicht beieinander. Rückblenden in kühlen Blautönen geben Einblicke in Morose&#8217;s und Dubonheur&#8217;s Vergangenheit. Demgegenüber leuchtet die Gegenwart in kräftigen Farben.</p>
<p>Arégui schafft es, auf wenigen Seiten eine dichte Atmosphäre zu erzeugen. Die Handlung bleibt gefällig, ohne sich in echten Klischees zu verlieren. Wir begleiten Morose durch Höhen und Tiefen, fiebern mit ihm und entdecken an ihm immer neue Facetten. Die Rivalität zwischen Hund und Katze spiegelt dabei auch die ewige Frage wider, wer wohl der / die bessere Begleiter(in) des Menschen ist. (Ich wage zu behaupten, dass Arégui hierzu eine klare Meinung hat.)</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1640" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_01_1000x731_medium.jpg" alt="Innenseite 1 von EIN HUNDELEBEN" width="731" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_01_1000x731_medium.jpg 731w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_01_1000x731_medium-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_01_1000x731_medium-600x821.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 731px) 100vw, 731px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Rivalität als Motor der Handlung</h3>
<p>Die narrative Struktur von EIN HUNDELEBEN überzeugt durch ihre recht einfache, klare Linie, gewürzt durch einige wenige, überraschende Wendungen. Arégui setzt auf eine klassische Drei-Akt-Struktur, die hier dennoch frisch erscheint. Der Einstieg zeigt Morose in aller Tristesse. Mit dem Auftauchen des Hundes beginnt der Wandel. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier steht im Mittelpunkt, doch sie bleibt nicht statisch.</p>
<p>Die Handlung entwickelt sich ruhig und organisch. Jeder Schritt wirkt nachvollziehbar. Arégui verzichtet auf Hektik und übertriebene Dramatik. Stattdessen baut er Spannung durch kleine Gesten und subtile Konflikte auf. Die Rivalität mit Dubonheur eskaliert langsam, aber stetig. Missgunst, Neid und Eifersucht werden greifbar, ohne plakativ zu wirken.</p>
<p>Besonders gelungen ist sein Umgang mit Zeitsprüngen. Rückblenden fügen sich harmonisch ein und geben uns Orientierung. Die Farbgestaltung unterstützt diesen Effekt. Die Gegenwart strahlt in kräftigen Farben, während die Vergangenheit in sanften Blautönen schimmert.</p>
<p>Der Story-Arc bleibt bis zum Schluss auf seine Art ansprechend. Arégui spielt mit unseren Erwartungen, ohne sie im Lauf der Handlung zu enttäuschen. Die Geschichte bleibt offen für Interpretationen. Wir dürfen selbst entscheiden, was wir aus Morose&#8217;s Weg mitnehmen. EIN HUNDELEBEN wird so zur Einladung, über Freundschaft und Rivalität im Allgemeinen sowie Kunst im Speziellen nachzudenken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1641" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_02_1000x731_medium.jpg" alt="Innenseite 2 von EIN HUNDELEBEN" width="731" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_02_1000x731_medium.jpg 731w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_02_1000x731_medium-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_02_1000x731_medium-600x821.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 731px) 100vw, 731px" /></p>
<h3>Der feine Strich</h3>
<p><a href="https://www.matthiasaregui.com/" target="_blank" rel="noopener">Matthias Arégui</a>, geboren 1984 in Straßburg, ist längst kein Unbekannter mehr in der europäischen Comic-Szene. Nach seinem Abschluss an der École supérieure des arts décoratifs arbeitete er für verschiedene Magazine und veröffentlichte mehrere Kinder- und Jugendbücher, oft gemeinsam mit Anne-Margot Ramstein. Zu seinen bekanntesten Werken zählen <a href="https://www.albin-michel.fr/avant-apres-9782226250858" target="_blank" rel="noopener">AVANT APRÈS</a>, das 2013 mit dem <a href="https://www.bolognachildrensbookfair.com/en/awards/bolognaragazzi-awards/8382.html" target="_blank" rel="noopener">Bologna Ragazzi Award</a> &#8211; Kinderbuchpreis ausgezeichnet wurde, und PAPAYOU, eine poetische Fabel über Freundschaft und Eifersucht unter Affen.</p>
<p>Arégui versteht es, komplexe Themen in einfache, aber emotional berührende Geschichten zu verwandeln. Sein Stil ist geprägt von klaren Linien und schlichten Farben. In EIN HUNDELEBEN übernimmt er erstmals sowohl das Szenario, als auch die Zeichnungen und die Farben. Das Ergebnis ist ein stimmiges Gesamtwerk, das deutlich seine Handschrift trägt.</p>
<p>Seine Figuren wirken lebendig, ihre Emotionen nachvollziehbar. Arégui setzt auf reduzierte, aber ausdrucksstarke Mimik. Die Bildsprache ist zugänglich. Besonders auffällig ist die liebevolle Detailarbeit, die in jedem Panel steckt.</p>
<p>Mit EIN HUNDELEBEN beweist Arégui seine Vielseitigkeit. Er bleibt seinem Stil treu, wagt aber auch neue Wege. Die Mischung aus Humor, Melancholie und Gesellschaftskritik macht den Comic zu einem schönen Lesevergnügen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1642" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_03_1000x731_medium.jpg" alt="Innenseite 3 von EIN HUNDELEBEN" width="731" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_03_1000x731_medium.jpg 731w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_03_1000x731_medium-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_03_1000x731_medium-600x821.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 731px) 100vw, 731px" /></p>
<h3>Rivalen, Freunde, Gefährten</h3>
<p>Die Figuren in EIN HUNDELEBEN sind detailliert ausgearbeitet. John Morose ist ein sensibler, verletzlicher Künstler, dessen Entwicklung und Frustration glaubhaft und nachvollziehbar ist.</p>
<p>Der Hund ist nicht nur Sidekick, sondern der eigentliche Motor der Handlung. Er bringt Morose dazu, sich selbst neu zu entdecken.</p>
<p>Dubonheur, der erfolgreiche Nachbar, ist ein vielschichtiger Antagonist. Seine Eitelkeit und sein Ehrgeiz machen ihn einerseits unsympathisch, andererseits aber auch menschlich. Die Neid getriebene Rivalität zwischen ihm und Morose wirkt echt, auch wenn mir nicht wirklich klar wurde, worin sie eigentlich ihren Ursprung hat. Aber vielleicht handelt es sich auch nur um eine Form des Narzissmus, der niemand anderen neben sich duldet.</p>
<p>Gelungen ist die Darstellung der beteiligten Tiere: der Hund als treuer Begleiter, die Katze als listige Gegenspielerin. Beide bringen auf ihre Art Humor und Dynamik in die Geschichte.</p>
<p>Die Charakterentwicklung erfolgt in kleinen Schritten. Arégui nimmt sich Zeit, die Beziehungen wachsen zu lassen. Freundschaft, Eifersucht, Hoffnung und Enttäuschung werden spürbar. Wir können uns mit den Figuren identifizieren, ohne dass diese ihre Geheimnisse völlig preisgeben.</p>
<p>EIN HUNDELEBEN zeigt, wie vielschichtig und authentisch Comic-Charaktere sein können. Die Balance zwischen Komik und Ernst gelingt Arégui mühelos.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1643" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_04_1000x731_medium.jpg" alt="Innenseite 4 von EIN HUNDELEBEN" width="731" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_04_1000x731_medium.jpg 731w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_04_1000x731_medium-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_04_1000x731_medium-600x821.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 731px) 100vw, 731px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>EIN HUNDELEBEN ist eine kleine Überraschung. Matthias Arégui gelingt es, eine vielschichtige Geschichte mit feinem Humor, berührender Melancholie und gesellschaftskritischen Untertönen zu erzählen. Die Figuren schleichen sich ins Herz, die Zeichnungen laden zum Verweilen ein. Ja, das Klischee, dass Hunde Herrchen haben und Katzen Personal, findet sich auch hier. Geschenkt.</p>
<p>Der Comic eignet sich sowohl für erfahrene Leserinnen und Leser als auch für Einsteiger. Wer Lust auf eine originelle, liebevoll gestaltete Graphic Novel hat, der zügigen Lesespaß verspricht, sollte EIN HUNDELEBEN nicht verpassen. Die Rivalität zwischen Hund und Katze, die feinen Zwischentöne und die künstlerische Qualität machen das Werk zu etwas Besonderem.</p>
<p>Also: Lesebrille auf, den eigenen Hund streicheln und eintauchen. EIN HUNDELEBEN gehört definitiv auf den eigenen Lesestapel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>

</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
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</p>
<figure class="wp-block-image size-thumbnail is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-1645 size-medium alignright" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_cover_1000x732_medium-300x410.jpg" alt="Cover von EIN HUNDELEBEN" width="300" height="410" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_cover_1000x732_medium-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_cover_1000x732_medium-600x820.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/EIN-HUNDELEBEN_cover_1000x732_medium.jpg 732w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>
<p>

</p>
<p class="wp-block-paragraph">EIN HUNDELEBEN</p>
<p>

</p>
<p class="wp-block-paragraph">© <a href="https://www.editionmoderne.ch/buch/ein-hundeleben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Edition Moderne Verlag</a> | Hardcover | 120 Seiten | Farbe<br /><br /></p>
<p>Storyline:  ★★★☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★★★☆☆</p>
<p>Lettering: ★★★☆☆</p>
<p>Humor: ★★☆☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-03731-275-9<br /><br />Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>

<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/08/ein-hundeleben-figuren-die-ans-herz-gehen/">EIN HUNDELEBEN – Figuren, die ans Herz gehen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn Trauer verboten bleibt – DER ABGRUND DES VERGESSENS</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/07/wenn-trauer-verboten-bleibt-der-abgrund-des-vergessens/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Jul 2025 05:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Paco Roca]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Rodrigo Terrasa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt Zeiten, in denen will man einfach nur weitermachen. Ganze Völker wollen einfach nur weitermachen. Weitermachen und vergessen. Und doch bleibt das, was geschehen ist, immer Teil dieser Menschen. So war es im Nachkriegs-Deutschland. So war es bei den Spaniern der Post-Franco-Ära. DER ABGRUND DES VERGESSENS ist eine Graphic Novel, die mehr als nur [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Zeiten, in denen will man einfach nur weitermachen. Ganze Völker wollen einfach nur weitermachen. Weitermachen und vergessen. Und doch bleibt das, was geschehen ist, immer Teil dieser Menschen. <br />So war es im Nachkriegs-Deutschland. So war es bei den Spaniern der Post-Franco-Ära. DER ABGRUND DES VERGESSENS ist eine Graphic Novel, die mehr als nur einen Einblick in die düsteren Kapitel der spanischen Geschichte bietet. Sie erzählt von einer Zeit, in der Erinnern gefährlich war und das Vergessen verhängnisvoll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1692" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_01.webp" alt="Innenseite 1 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_01.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_01-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_01-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_01-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_01-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Spanien, Franco-Ära</h3>
<p>Die Geschichte setzt ein im September 1940, kurz nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs. José Celda, ein einfacher Mann, wird von franquistischen Sicherheitskräften erschossen. Er verschwindet, wie so viele andere Republikaner, in einem Massengrab. Die offizielle Geschichtsschreibung schweigt, die Verwandten trauern im Verborgenen, Angst liegt wie Blei über den Überlebenden.</p>
<p>Sieben Jahrzehnte vergehen. Die Vergangenheit wirkt nach. Josés Tochter Pepica, mittlerweile achtzig, sucht nach den sterblichen Überresten ihres Vaters. Es bleibt eine scheinbar aussichtslose Suche, weil das Franco-Regime nicht nur Körper verschwinden ließ. Es löschte auch Spuren aus, versiegelte Akten und verbot Trauer öffentlich zu zeigen.</p>
<p>Doch Pepica bekommt Hilfe. Der junge Totengräber Leoncio Badía (selbst Republikaner) riskierte sein Leben, damit die Opfer nicht namenlos blieben. Er sammelte Erinnerungsstücke, widersetzte sich der Vereinnahmung durch die Sieger. Seine Handlungen blieben für ihn gefährlich. Bis heute schätzen Historiker, dass zwischen 100.000 und 150.000 Menschen während des Bürgerkrieges und der Diktatur verschwanden und nie wiedergefunden wurden.</p>
<p>Die Überlebenden kämpfen mit ihrer Ohnmacht. Dieses zentrale Motiv zieht sich durch das Werk. Die Toten fordern die Erinnerung derer ein, die vergessen wollen. Die familiäre Perspektive steht dabei narrativ immer im Mittelpunkt. Aus Gräbern steigen Geschichten auf wie Gespenster und verweben schicksalhafte Einzelerlebnisse mit der kollektiven Tragödie aller „desaparecidos“, aller Verschwundenen. Paco Roca und Rodrigo Terrasa geben ihnen in dieser Erzählung Gesichter, Stimmen und Würde.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1693" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_02.webp" alt="Innenseite 2 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_02.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_02-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_02-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_02-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_02-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Spurensuche zwischen Wahrheit und Verschweigen</h3>
<p>Die Handlung von DER ABGRUND DES VERGESSENS springt zwischen privatem Drama, historischem Bericht und investigativer Aufarbeitung umher. Roca und Terrasa verweben sorgfältig recherchierte Fakten mit den persönlichen Perspektiven von Beteiligten und folgen in ihrer Geschichte dem klassischen Aufbau einer Spurensuche.</p>
<p>Nach und nach decken die Protagonisten &#8211; wie in einer archäologischen Ausgrabung &#8211; Schicht um Schicht dessen ab, was politisch und privat über Jahrzehnte hinweg verschüttet wurde. Die Erzählstruktur wechselt zwischen Chronologie und Rückblenden. Die Vergangenheit wirkt in Momentaufnahmen nach.</p>
<p>Zeitzeugen und Nachgeborene kommen zu Wort, Erinnerungsfetzen durchbrechen die Stille des Schweigens und persönliche Geschichten stehen dabei im Kleinen für das gesellschaftliche Zerwürfnis im Großen und erzeugen ihre eigene Dynamik.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1694" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_03.webp" alt="Innenseite 3 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_03.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_03-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_03-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_03-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_03-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Chronik einer gebrochenen Stille</h3>
<p>Literarisch setzt der Comic nicht auf  Distanz, sondern führt uns direkt mitten hinein in die Konflikte. Wir erleben die Angst hautnah, das Unrecht, aber auch die Solidarität. Dass der Comic die Taten beider Seiten – und nicht nur die der Franco-Diktatur – thematisiert, macht das Werk erzählerisch vielschichtig. Zwischen den Panels knistern die Spannung und das Unausgesprochene.</p>
<p>So entsteht eine erzählerische Stellung des Nebeneinander von dokumentarischem Ton, emotionaler Nähe und subtilen Kommentaren. Auch für diejenigen unter uns mit Grundkenntnissen zur Geschichte Spaniens bietet DER ABGRUND DES VERGESSENS daher neue Perspektiven.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1695" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_04.webp" alt="Innenseite 4 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_04.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_04-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_04-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_04-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_04-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Figuren am Abgrund der Geschichte</h3>
<p>Die Hauptfiguren in DER ABGRUND DES VERGESSENS sind bemerkenswert gezeichnet, sowohl optisch als auch in ihrer psychologischen Tiefe. Pepica steht im Zentrum des Suchens und Erinnerns. Ihre zwanghafte, unerschütterliche Entschlossenheit wird ergänzt durch Trauer und Altersweisheit. Ihre Figur überzeugt mit Authentizität. Sie agiert, zweifelt, erträgt. Sie erhebt keine Anklage, sondern sucht nach Wahrheit und Würde für den Vater und für die Familie.</p>
<p>Leoncio Badía dagegen verkörpert den stillen Widerstand. Er nimmt Risiken in Kauf, um Opfer sichtbar zu machen. Seine zurückhaltende Art spiegelt den emotionalen Schmerz vieler Zeitzeugen, die zwischen Pflichtgefühl und Angst leben mussten. Die Autoren geben auch den Biographien der Opfer Raum. Sie steigen aus der Anonymität der Statistik auf und nehmen individuelle Konturen an.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1696" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_05.webp" alt="Innenseite 5 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_05.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_05-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_05-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_05-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_05-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Menschliche Gesichter der Zeit</h3>
<p>Neben den Protagonisten wirken auch die Nebencharaktere plastisch. Familienangehörige, Ermittler, Mitläufer und Mitschuldige werden nicht bloß als narratives Mittel benutzt, sondern mit menschlichen Schwächen und Selbstzweifeln ausgestattet. Die Authentizität der Dialoge und die leisen Töne in der Figurenzeichnung machen den Comic realistisch. Kaum eine Figur erscheint seelenlos oder eindimensional. Alle tragen zur Geschichte, zur Handlung bei.</p>
<p>Schließlich reflektieren die Persönlichkeiten das Dilemma des Erinnerns selbst. Ist Erinnerung eine Last? Eine Pflicht? Oder gar ein politischer Akt? DER ABGRUND DES VERGESSENS gibt hierauf keine einfachen Antworten, doch die Figuren werden zu Botschaftern gegen das Vergessen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1697" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_06.webp" alt="Innenseite 6 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_06.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_06-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_06-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_06-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_06-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Vom Journalismus zur Kunst des Erinnerns</h3>
<p>Rodrigo Terrasa ist als investigativer Journalist für die spanische Tageszeitung El Mundo bekannt. Sein erstes Buch, die Chronik LA CIUDAD DE LA EUFORIA, handelt von milliardenschweren Bausünden und jahrelanger Korruption in Valencia..</p>
<p>Im Team mit Roca bringt Terrasa seine Recherchekompetenz ein. Diese Fähigkeit, in großen Chronologien das individuelle Schicksal sichtbar zu machen, verleiht dem Comic eine zusätzliche, journalistische Tiefe. Paco Roca und Rodrigo Terrasa lassen in DER ABGRUND DES VERGESSENS ihre jeweiligen Stärken auf bemerkenswerte Weise einfließen.</p>
<p>Paco Roca ist einer der bekanntesten, international mehrfach ausgezeichneten Comic-Schaffenden Spaniens und bekannt für Werke wie <a href="https://reprodukt.com/collections/paco-roca/products/kopf-in-den-wolken" target="_blank" rel="noopener">KOPF IN DEN WOLKEN</a>, <a href="https://reprodukt.com/collections/paco-roca/products/die-heimatlosen" target="_blank" rel="noopener">DIE HEIMATLOSEN</a>, <a href="https://reprodukt.com/collections/paco-roca/products/ruckkehr-nach-eden" target="_blank" rel="noopener">RÜCKKEHR NACH EDEN</a> und <a href="https://reprodukt.com/collections/paco-roca/products/der-winter-des-zeichners" target="_blank" rel="noopener">DER WINTER DES ZEICHNERS</a> (alle im Reprodukt Verlag erschienen). Seine Themen kreisen oft um Erinnerung, Identität und Familie. Roca verbindet persönliche Geschichten stets mit sozialer, historischer Tiefe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1698" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_07.webp" alt="Innenseite 7 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_07.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_07-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_07-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_07-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_07-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Farben der Erinnerung</h3>
<p>Roca&#8217;s Zeichenstil zeichnet sich durch Empathie und erzählerische Präzision aus. Farben und Linienführung dienen als Verstärker von Emotion und Zeitgefühl. Häufig arbeitet er mit autobiografischen Elementen oder gibt Unbekannten eine Stimme. Nicht selten geht es in seinen Comics um das kollektive Gedächtnis Spaniens.</p>
<p>Die grafische Umsetzung von DER ABGRUND DES VERGESSENS trägt seinen unverwechselbaren Stempel. Seine Panels sind dokumentarisch präzise, lassen aber auch Platz für eine gewisse Melancholie. Mit feinen Linien und einer durchdachten Farbpalette transportiert Roca die Last der Geschichte. Vieles bleibt in kühleren Farbtönen gehalten. Erde, Blut und Uniformen bekommen so einen symbolhaften Charakter. Licht wird gezielt eingesetzt, um Hoffnung aufblitzen oder Erinnerungen verblassen zu lassen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1699" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_08.webp" alt="Innenseite 8 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_08.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_08-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_08-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_08-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_08-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Biografien, die Geschichte atmen</h3>
<p>Die Figuren wirken menschlich nahbar und nicht überzeichnet. Roca&#8217;s Stil legt Wert auf Details, verzichtet aber auf visuelle Effekthascherei. Die Lesegewohnheiten der europäischen Bandes dessinées treffen in DER ABGRUND DES VERGESSENS auf die erzählerische Dichte der spanischen Graphic-Novel-Tradition. Panels erhalten ausreichend Raum zu atmen, verdichten Sequenzen jedoch gleichzeitig zu eindrucksvollen Stimmungsbildern.</p>
<p>Ganze Szenen laufen ohne Worte, sind dadurch bedrückender als mit Worten. Die Zeit scheint immer wieder still zustehen. Roca&#8217;s Bildsprache lässt Mitgefühl oder Verzweiflung durchscheinen. Rückblenden werden oft grafisch abgedunkelt. Erinnerungen wirken wie durch einen Filter, als wolle man sie nicht nur sehen, sondern fühlen. Die Gestaltung macht das Lesen zu einem intensiven Erlebnis. DER ABGRUND DES VERGESSENS ist daher auch grafisch ein Gegenentwurf zum schnellen Vergessen spanischer Geschichte.</p>
<p>Die Zusammenarbeit beider Autoren resultiert in einer Graphic Novel, die faktensicher recherchiert und künstlerisch gekonnt umgesetzt ist. Sie feiern damit auch international Erfolge, wie etwa die Auszeichnung beim <a href="https://www.acdcomic.es/acdcomic/" target="_blank" rel="noopener">ACDCómic Award</a>.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1700" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_09.webp" alt="Innenseite 9 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_09.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_09-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_09-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_09-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_09-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Erinnerung als Widerstand</h3>
<p>Historisch ist DER ABGRUND DES VERGESSENS eine intensive Auseinandersetzung mit der Aufarbeitung der Franco-Diktatur und dem Spanischen Bürgerkrieg. Der Comic legt seinen Finger auf eine kollektive Wunde. Die massenhafte Ermordung politisch Andersdenkender und das jahrelange Verschweigen stellen bis heute ein gesellschaftliches Trauma in Spanien dar. Somit ist das Werk ein zeitgemäßes Dokument.</p>
<p>Viele Gräueltaten wurden erst lange nach der Rückkehr zur Demokratie untersucht, obwohl Angehörige bereits Jahrzehnte nach Wahrheit und Gerechtigkeit suchten.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1701" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_10.webp" alt="" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_10.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_10-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_10-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_10-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_10-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Der Pakt des Schweigens zerbricht</h3>
<p>Roca und Terrasa gehen en détails auf die Mechanismen dieses Verschweigens ein. Öffentliche Trauer wurde verboten. Die Angst vor Repression war allgegenwärtig. Nationale Mythen standen der Aufarbeitung im Weg. DER ABGRUND DES VERGESSENS leistet einen Beitrag dazu, diesen „Pakt des Schweigens“ zu brechen. Ähnlich wie in den Aufarbeitungen zu Argentinien und in Ulli Lust&#8217;s <a href="https://panelwalker.de/2025/06/schweigen-ein-lauter-ruf-gegen-die-stille-des-vergessens/" target="_blank" rel="noopener">SCHWEIGEN</a>.</p>
<p>Dabei bleibt auch das vorliegende Buch nah an Einzelschicksalen. Die politische Dimension wird nie zur reinen Anklage. Vielmehr steht immer die Frage: Wie kann Erinnerung die Toten ehren und die Hinterbliebenen heilen? Anders als viele Werke, die den Bürgerkrieg oder die Diktatur nur aus der Perspektive der „großen&#8220; Männer schildern, richtet sich das Scheinwerferlicht von DER ABGRUND DES VERGESSENS auf die Namenlosen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1702" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_11.webp" alt="Innenseite 11 von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="900" height="619" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_11.webp 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_11-300x206.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_11-750x516.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_11-768x528.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_11-600x413.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /></p>
<h3>Fazit – Vergessen ist keine Option</h3>
<p>DER ABGRUND DES VERGESSENS ist weitaus mehr als eine weitere Geschichtserzählung in Comic-Form. Das Buch ist brisant und persönlich. Paco Roca und Rodrigo Terrasa erzählen nicht über Vergangenheit, sondern gegen &#8222;das Vergessen&#8220;. Etwas, das auch in der heutigen Politik gern eingefordert wird, wie z.B. das &#8222;Wir werden uns viel verzeihen müssen!&#8220; eines Jens Spahn (CDU).</p>
<p>Roca und Terrasa geben denen ein Gesicht, die jahrzehntelang namenlos blieben. Die Lektüre ist bewegend, mitreißend und dabei unaufdringlich lehrreich. Die grafische Qualität unterstreicht das Thema, das Pacing bleibt über die 300 Seiten hoch, ohne je effekthascherisch zu werden.</p>
<p>Die Vielschichtigkeit der Charaktere, die Sorgfalt in der Recherche und die atmosphärisch dichte Bildsprache machen DER ABGRUND DES VERGESSENS zu einer wichtigen europäischen Graphic Novel. Das Buch gibt Denkanstöße, ist aber nie belehrend. Es macht Mut, weiterzufragen und nicht zu (ver-)schweigen.</p>
<p>Das Werk ist gedacht für alle, die Comics lieben und wichtig für alle, die das Medium als ernst zunehmende Kunst- und Erinnerungsform entdecken wollen. DER ABGRUND DES VERGESSENS bleibt haften. Es ist ein Buch, das gelesen werden will. Immer wieder aufs Neue.</p>
<p>Man sagt, dass es drei Arten von Tod gibt. Der Erste ist der, wenn Du aufgehört hast, zu atmen. Der Zweite, wenn niemand mehr da ist, der Dich kannte. Der Dritte, wenn niemand mehr über Dich spricht. Manchmal ist der Dritte auch schon der Zweite &#8230;</p>



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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p></p>
<figure class="wp-block-image size-thumbnail is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1703" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_Cover-300x210.webp" alt="Cover von DER ABGRUND DES VERGESSENS" width="399" height="280" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_Cover-300x210.webp 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_Cover-750x526.webp 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_Cover-768x538.webp 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_Cover-600x421.webp 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/DER-ABGRUND-DES-VERGESSENS_Cover.webp 900w" sizes="auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px" /></figure>
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<p>DER ABGRUND DES VERGESSENS</p>
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<p>© <a href="https://reprodukt.com/products/der-abgrund-des-vergessens" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Reprodukt Verlag</a> | Hardcover | 304 Seiten | Farbe<br /><br />Storyline:   ★★★☆☆<br />Zeichnungen:  ★★★☆☆<br />Lettering:  ★★★☆☆<br />Humor:  ☆☆☆☆☆<br />Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>:  ★★★☆☆<br />ISBN: 978-3-95640-464-1<br /><br />Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>
<!-- /wp:paragraph --><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/07/wenn-trauer-verboten-bleibt-der-abgrund-des-vergessens/">Wenn Trauer verboten bleibt – DER ABGRUND DES VERGESSENS</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ulli Lust gewinnt – DIE FRAU ALS MENSCH wird bestes Sachbuch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2025 18:09:12 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Ulli Lust]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein historischer Triumph für die Comic-Kunst In einem Jahr mit acht starken Finalistinnen und Finalisten hat sich Ulli Lusts Visionärswerk &#8222;DIE FRAU ALS MENSCH &#8211; Am Anfang der Geschichte&#8220; gegen eine erlesene Auswahl ernstzunehmender Titel wie &#8222;Digitaler Kolonialismus&#8220;, &#8222;Kinder – Minderheit ohne Schutz&#8220; oder &#8222;Mit Pflanzen die Welt retten&#8220; durchgesetzt. Am 17. Juni 2025 im [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3>Ein historischer Triumph für die Comic-Kunst</h3>
<p class="wp-block-paragraph">In einem Jahr mit acht starken Finalistinnen und Finalisten hat sich <a href="https://www.ullilust.de/" target="_blank" rel="noopener">Ulli Lusts</a> Visionärswerk &#8222;DIE FRAU ALS MENSCH &#8211; Am Anfang der Geschichte&#8220; gegen eine erlesene Auswahl ernstzunehmender Titel wie &#8222;Digitaler Kolonialismus&#8220;, &#8222;Kinder – Minderheit ohne Schutz&#8220; oder &#8222;Mit Pflanzen die Welt retten&#8220; durchgesetzt. Am 17. Juni 2025 im Kleinen Saal der Elbphilharmonie Hamburg wurde ihr Werk als bestes <a href="https://www.deutscher-sachbuchpreis.de/" target="_blank" rel="noopener">Sachbuch des Jahres</a> vom <a href="https://www.boersenverein.de/" target="_blank" rel="noopener">Börsenverein des Deutschen Buchhandels</a> ausgezeichnet. <br />Zum ersten Mal (!) in der Preisgeschichte gewinnt damit ein Comic. Ein Meilenstein für das Genre!</p>
<h3>Über das Buch</h3>
<p>In ihrem ambitionierten Sachcomic DIE FRAU ALS MENSCH öffnet Ulli Lust (geboren 1967 in Wien) den Blick auf die weibliche Frühgeschichte. Ausgangspunkt sind frühe bodenständige Figurinen wie steinzeitliche Skulpturen, die nicht nur Jagdvorstellungen widerspiegeln, sondern Frauen in faszinierend starker, symbolträchtiger Rolle zeigen. <br />Lust verwebt aktuelle Erkenntnisse aus Archäologie, Anthropologie und Gender Studies, bereichert mit humorvollen Alltagsanekdoten und erschafft eine Mischung aus Graphic Novel, Lehrbuch und Nachschlagewerk.</p>
<h3>Die Jury sagt: ein Sachbuch in Bildern</h3>
<p>Die Jury betonte: „quasi der Dokumentarfilm unter den Graphic Novels … geht weit über die rein deskriptive illustrative Darstellung hinaus… verbindet sich diskursiv mit dem Text“. Eine ungewöhnliche Auszeichnung &#8211; nicht nur für Lust, sondern für das ganze Genre.</p>
<blockquote>
<p>Die starke Frau als Mensch. In ihrem so kenntnisreichen wie fantasievollen Sachbuch zu den Anfängen der Menschheit zwischen Evolution und Kultur zeigt Ulli Lust, dass die Rolle von Frauen in der Menschheitsgeschichte weitgehend unsichtbar blieb. Der lange Zeit vorherrschende Blick auf den Menschen als Mann ist grundlegend revisionsbedürftig, und das zeigt dieses Buch anhand eines originellen Ineinandergreifens von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Archäologie, Anthropologie und Kunstgeschichte, immer wieder inspiriert von Alltagserfahrungen. Mit diesem vielschichtigen Zugang vermag Ulli Lust festgefahrene Vorstellungen aufzubrechen. Das gilt auch für das Genre des Sachbuchs, das durch die virtuose Verbindung von Bild und Wort auf das Schönste erweitert wird. (Jury-Begründung)</p>
</blockquote>
<h3>Zum Kontext: der Deutsche Sachbuchpreis</h3>
<p>Der Preis, gestiftet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, wird seit 2021 jährlich verliehen. Ziel ist, herausragende deutsche Sachbücher zu würdigen, die öffentliche Debatten bereichern. Aus insgesamt 234 Einreichungen kürte die Jury acht Titel (die Shortlist, allesamt gesellschaftlich relevante Werke).</p>
<h3>Wer ist Ulli Lust?</h3>
<p>Geboren 1967 in Wien, lebt sie seit 1995 in Berlin und lehrt Comic und Illustration in Hannover. Sie wurde vielfach ausgezeichnet u. a. mit dem<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ulli_Lust" target="_blank" rel="noopener"> Max-und-Moritz-Preis, dem Ignatz Award und dem Los Angeles Times Book Award</a>. Sie ist eine zentrale Figur dokumentarischer Comics im deutschsprachigen Raum.</p>
<h3>Warum ist dieser Preis mehr als ein Sieg?</h3>
<p>Ein Genre gewinnt an Bedeutung! Der Sieg signalisiert einen Paradigmenwechsel. Graphic Novels werden nicht länger nur Kunst, sondern als ernstzunehmende Wissensvermittlung wahrgenommen. Die Verbindung aus Fakten, Forschung und persönlicher Perspektive macht den Comic zum interdisziplinären Lehrbuch und erlauben einen Brückenschlag von Wissenschaft und Kunst.</p>
<p>Der Deutsche Sachbuchpreis des Börsenvereins existiert wie bereits oben erwähnt erst seit 2021. Ziel ist es, gesellschaftlich relevante Sachbücher auszuzeichnen. Ein Preisgeld von 25.000 EUR winkt dem Gewinner, 2.500 EUR erhalten die anderen Nominierten. Der Einstieg eines Comics in diese Förderlogik ist ein deutliches Signal.</p>
<p>Der Erfolg wird andere Comic-Schaffende motivieren, ähnliche Projekte mit emanzipatorischen, feministischen und historischen Themen zu wagen und wird somit zur Inspirationsquelle für mehr Diversity. Zumindest ist nun die starke Hoffnung da, dass sich auch in Deutschland das Genre Comic endlich aus seiner vorurteilsbehafteten Ecke entfernt.</p>
<h3>Ausblick</h3>
<p>Lust hat bereits Band 2 angekündigt – ebenfalls ein großer Erfolg so früh! Ihr Werk könnte zum Vorbild und Meilenstein werden – in Buchhandlungen, Bibliotheken und Comicschulen. Leserinnen und Leser dürfen gespannt sein auf den zweiten Band Anfang 2026 – und auf viel mehr visuelle Sachbücher in Zukunft.</p>
<p>Auch ohne Preis wäre das Projekt ein Erfolg gewesen: Band 2 erscheint Anfang 2026. Die Diskussionen werden jetzt erst recht weitergehen – in Akademien, Comic-Foren, Feministinnen-Netzwerken. Ulli Lust ist Durchstarterin eines Formats mit Zukunft, den Comic-Sachbücher. Diese Shortlist war nur der Anfang.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ulli Lust hat mit „DIE FRAU ALS MENSCH“ einen echten Quantensprung für die Graphic‑Novel‑Szene ausgelöst. Für Comic-Liebhaberinnen und Liebhaber in Deutschland ist der heutige Dienstag ein Freudentag.  Vielleicht ist dieses Ereignis ja auch ein Ausblick auf eine buntere, politischere, wissenschaftlich gestützte Zukunft des Mediums? Wir werden sehen.</p>
<p>Herzlichen Glückwunsch!</p>
<p>&nbsp;</p>
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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
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<p class="wp-block-paragraph"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-1316 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/DIE-FRAU-ALS-MENSCH_Cover-300x405.jpg" alt="Cover von DIE FRAU ALS MENSCH" width="300" height="405" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/DIE-FRAU-ALS-MENSCH_Cover-300x405.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/DIE-FRAU-ALS-MENSCH_Cover-600x811.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/DIE-FRAU-ALS-MENSCH_Cover.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />DIE FRAU ALS MENSCH &#8211; Am Anfang der Geschichte</p>
<p>

</p>
<p class="wp-block-paragraph">© <a href="https://reprodukt.com/products/die-frau-als-mensch-am-anfang-der-geschichte-1" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Reprodukt Verlag</a>| Hardcover | 256 Seiten | Farbe<br />ISBN: 78-3-95640-445-0<br /><br />Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>

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			</item>
		<item>
		<title>SCHWEIGEN – Ein lauter Ruf gegen die Stille des Vergessens</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jun 2025 05:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Avant-Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Birgit Weyhe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>SCHWEIGEN ist die neueste Graphic Novel der Hamburger Comiczeichnerin Birgit Weyhe. Die Autorin ist für ihre präzise recherchierten und emotional tief gehenden Werke bekannt. In diesem Band widmet sie sich den Schicksalen von zwei Frauen, deren jeweiliges Leben durch Diktatur und Unterdrückung geprägt wird. Weyhe beleuchtet dabei nicht nur die individuellen Tragödien, sondern auch die [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/06/schweigen-ein-lauter-ruf-gegen-die-stille-des-vergessens/">SCHWEIGEN – Ein lauter Ruf gegen die Stille des Vergessens</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="wp-block-paragraph">SCHWEIGEN ist die neueste <a href="https://panelwalker.de/category/graphic-novel/" target="_blank" rel="noopener">Graphic Novel</a> der Hamburger Comiczeichnerin Birgit Weyhe. Die Autorin ist für ihre präzise recherchierten und emotional tief gehenden Werke bekannt. In diesem Band widmet sie sich den Schicksalen von zwei Frauen, deren jeweiliges Leben durch Diktatur und Unterdrückung geprägt wird. Weyhe beleuchtet dabei nicht nur die individuellen Tragödien, sondern auch die politischen Verstrickungen zwischen Deutschland und Argentinien.</p>
<div id="cc-m-9258161520" class="j-module n j-text ">
<blockquote>
<p>Als Folge von Diktatur und Unterdrückung wird in den meisten Ländern geschwiegen – was die Täter schützt und das Gedenken an die Opfer verblassen lässt. Die Graphic Novel <em>Schweigen</em> erinnert an zwei Frauen und ihre Schicksale.</p>
<p>Zum einen Ellen Marx, die als 17-jährige deutsche Jüdin im Frühjahr 1939 nach Buenos Aires emigriert. Ellens gesamte Familie kommt im Holocaust um. In den 1970er Jahren wiederholt sich Ellens Diktaturerfahrung auf tragische Weise: Ihre Tochter Nora „verschwindet“ während der grausamen argentinischen Militärdiktatur.</p>
<p>Zum anderen Elisabeth Käsemann: Sie gehört zur deutschen Nachkriegsgeneration, die sich innerhalb der Studentenbewegung politisiert. Ab 1969 studiert sie in Buenos Aires und engagiert sich in den Armenvierteln der Stadt. 1977 wird sie verhaftet, in das Folterlager El Vesubio verschleppt und ermordet. Das Auswärtige Amt schweigt dazu, da wirtschaftliche Interessen und die bevorstehende Fußball-WM in Argentinien wichtiger erscheinen. (Verlagstext)</p>
</blockquote>
</div>

<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1211 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_077.jpg" alt="Innenseite 1 der Graphic Novel SCHWEIGEN von Birgit Weyhe" width="694" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_077.jpg 694w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_077-300x432.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_077-600x865.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px" /></p>

<h3>Zwei Leben, ein Schicksal</h3>
<p>Die Geschichten folgen zwei realen Hauptfiguren: Zum einen ist da <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ellen_Marx_(Menschenrechtlerin)" target="_blank" rel="noopener">Ellen Marx</a>. Sie ist eine junge, deutsche Jüdin, die 1939 nach Buenos Aires emigriert und die ihre Tochter Nora während der argentinischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren verliert.</p>
<p>Zum Anderen wird das Leben von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_K%C3%A4semann" target="_blank" rel="noopener">Elisabeth Käsemann</a> erzählt, einer deutschen Studentin, die sich in Argentinien politisch engagiert und die 1977 von der Militärjunta ermordet wird.</p>
<p>Durch diese beiden Erzählstränge thematisiert Birgit Weyhe ihr Thema &#8211; das SCHWEIGEN über die Verbrechen einer Diktatur &#8211; und betont die Bedeutung der aktiven Erinnerung. Denn alles andere als SCHWEIGEN ist während einer Diktatur lebensgefährlich. Danach jedoch hilft es nur den Tätern. Die Opfer erleben durch ihr eigenes SCHWEIGEN &#8211; aber auch das der Anderen &#8211; gegebenenfalls eine erneute bzw. eine verlängerte Traumatisierung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1212" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_080.jpg" alt="Innenseite 2 der Graphic Novel SCHWEIGEN von Birgit Weyhe" width="694" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_080.jpg 694w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_080-300x432.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_080-600x865.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px" /></p>
<h3>Grafische Reduktion &#8230;</h3>
<p>Birgit Weyhe&#8217;s künstlerischer Stil in SCHWEIGEN ist geprägt von einer reduzierten Linienführung und einer simplifizierten Farbpalette, die die Ernsthaftigkeit des Themas unterstreicht. Die wiederkehrende Verwendung von Symboliken &#8211; wie beispielsweise Vögeln, die für Freiheit stehen &#8211; verleiht den Bildern eine zusätzliche, chiffrierte, aber allgemein verständliche Ebene.</p>
<p>Die klare Struktur der Panels ermöglicht es dem Leser, sich auf die erzählten Geschichten zu konzentrieren, ohne von gegebenenfalls überladenen Bildern abgelenkt zu werden. Dies ist Mittel zum Zweck, aber gleichzeitig auch ein Kritikpunkt:</p>
<p>Die Panelgestaltung wirkt stellenweise altbacken, ja geradezu bieder und aus der Zeit gefallen. Der bewusst reduzierte grafische Stil – minimalistische Farbgebung, abstrahierte Figuren, strenge Panelstruktur – unterstützt zwar die Ernsthaftigkeit und Sachlichkeit des Werks. Aufgrund des Umfangs dieser <a href="https://panelwalker.de/category/graphic-novel/" target="_blank" rel="noopener">Graphic Novel</a> von 368 Seiten ist die Art der Darstellung auf Dauer jedoch ermüdend. (Lesebändchen sei Dank wissen wir immer wo wir aufgehört haben.)</p>
<p>Ja, es existieren Bilder, die den Betrachter mit voller Wucht treffen. Gerade in der heutigen Zeit jedoch, in der die Sehgewohnheiten durch filmische Kameraführungen geprägt sind, wirken die Panels mit der Zeit distanzierend &#8211; unnötig distanzierend. Hier hat Weyhe meines Erachtens eine Chance vertan, den Leserinnen und Leser emotional intensiver einzubeziehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1213" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_082.jpg" alt="Innenseite 3 der Graphic Novel SCHWEIGEN von Birgit Weyhe" width="694" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_082.jpg 694w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_082-300x432.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_082-600x865.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px" /></p>
<h3>&#8230; mit umfangreichen Texten</h3>
<p>Trotz der visuell zurückhaltenden Gestaltung ist SCHWEIGEN vergleichsweise textlastig. Es gibt Seiten, auf denen der Text dominiert und die grafische Sprache in den Hintergrund tritt. Dies kann ein Gefühl vermitteln, eher ein illustriertes Geschichtsbuch als eine <a href="https://panelwalker.de/category/graphic-novel/" target="_blank" rel="noopener">Graphic Novel</a> vor sich zu haben.</p>
<p>Vor dem Hintergrund des Themas ist die Vermittlung der Fakten neben den narrativen Erzählsträngen ein wichtiger Aspekt des Werkes. Diese Fakten lassen sich leider nicht immer mit dem Grundsatz &#8222;Show-Don&#8217;t-Tell&#8220; vermitteln. Dafür ist der benötigte, geschichtliche Hintergrund zu umfangreich.</p>
<p>Daher hat sich mir während der Lektüre immer wieder die Frage gestellt: Warum hat die Autorin bei der Vielzahl erzählerischer Möglichkeiten und Medien ausgerechnet die <a href="https://panelwalker.de/category/graphic-novel/" target="_blank" rel="noopener">Graphic Novel</a> gewählt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1214 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_087.jpg" alt="Innenseite 4 der Graphic Novel SCHWEIGEN von Birgit Weyhe" width="694" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_087.jpg 694w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_087-300x432.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_087-600x865.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px" /></p>
<h3>Vom Schweigen zum Widerstand</h3>
<p>Die Charaktere in SCHWEIGEN durchlaufen bemerkenswerte Entwicklungen. Ellen Marx, die als Jugendliche Europa verlassen muss und die zunächst als Opfer erscheint, wird als Mutter durch ihre unermüdliche Suche nach ihrer Tochter zu einer Symbolfigur des Widerstands gegen das Vergessen. Auch sie gehört schließlich zu den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Madres_de_Plaza_de_Mayo" target="_blank" rel="noopener">Madres de Plaza de Mayo</a>, die mit ihren weißen, zu Kopftüchern umgearbeiteten Stoffwindeln zum Sinnbild des argentinischen, gewaltfreien Widerstandes wurden.</p>
<p>Die 1979 erschienene, spanische Version des Liedes &#8222;<a href="https://www.youtube.com/watch?v=ih4JqI44Qz8" target="_blank" rel="noopener">Chiquitita</a>&#8220; der Pop-Gruppe ABBA gelangte in Spanien, Mexiko und eben auch in Argentinien zu großer Beliebtheit als ein symbolträchtiges Lied einer unterdrückten Bevölkerung. Gerade auch für die Madres de Plaza de Mayo.</p>
<p>Auch Elisabeth Käsemann wird nicht nur als Opfer sondern als eine aktive Kämpferin für soziale Gerechtigkeit dargestellt. Sie steht für ihre Überzeugungen ein und fällt den Schergen eines unterdrückenden Machtapparats zum Opfer. Dies erfordert Mut, Hoffnung und Willensstärke im Angesicht von möglicher Folter und des eigenen Todes.</p>
<p>Beide Entwicklungen zeigen, wie aus Schweigen individueller Widerstand erwachsen kann &#8211; trotz persönlich erlebter Repressalien.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1215" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_088.jpg" alt="Innenseite 5 der Graphic Novel SCHWEIGEN von Birgit Weyhe" width="694" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_088.jpg 694w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_088-300x432.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_088-600x865.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px" /></p>
<h3>Historische Präzision und emotionale Tiefe</h3>
<p>Was SCHWEIGEN von anderen <a href="https://panelwalker.de/category/graphic-novel/" target="_blank" rel="noopener">Graphic Novels</a> unterscheidet, ist die Kombination aus historischer Präzision und emotionaler Tiefe. Birgit Weyhe gelingt es, komplexe politische Zusammenhänge verständlich darzustellen, ohne die persönliche Dimension der Geschichten aus den Augen zu verlieren. Die sorgfältige Recherche und die einfühlsame Erzählweise machen dieses Werk zu einem wichtigen Beitrag der Erinnerungskultur.</p>
<p>Hierzu trägt auch die Doppelstruktur aus Nacherzählung der Lebensgeschichten der beiden Frauen und der jeweils eingeschobenen Darstellung eines Kontextes mit historischen Fakten bei.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1216" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_090.jpg" alt="Innenseite 6 der Graphic Novel SCHWEIGEN von Birgit Weyhe" width="694" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_090.jpg 694w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_090-300x432.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_090-600x865.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px" /></p>
<h3>Wo Licht ist, gibt es Schatten</h3>
<p>Stellenweise empfand ich die erzählerische Struktur des Werkes als zu lehrbuchhaft. Weyhe verfolgt einen klar dokumentarischen und aufklärerischen Ansatz, was in ihrem Werk mitunter zu einem &#8222;pädagogischen Duktus&#8220; führt. Die politische und historische Botschaft steht in manchen Passagen so stark im Vordergrund, dass die narrative Subtilität verloren geht. Dies tut dem Anspruch an das Werk nicht gut.</p>
<p>Ich gehöre zu den Lesern, die eine stärker literarisch-emotionale Erzählweise bei meinen Comics / <a href="https://panelwalker.de/category/graphic-novel/" target="_blank" rel="noopener">Graphic Novels</a> bevorzugen. Daher irritiert &#8211; und distanziert &#8211; mich die verwendete  Herangehensweise, bei der für mich vielfach ein anklagender Zeigefinger mitschwang. Will mich die Autorin warnen, vor dem was jederzeit wieder geschehen könnte? Oder will sie überwiegend die Täter anklagen? Ich konnte es nicht immer unterscheiden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1217" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_091.jpg" alt="Innenseite 7 der Graphic Novel SCHWEIGEN von Birgit Weyhe" width="694" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_091.jpg 694w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_091-300x432.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_Seite_091-600x865.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>SCHWEIGEN &#8211; ein Werk mit Engagement für Erinnerung und Aufarbeitung</h3>
<p>Birgit Weyhe setzt ein gewisses Maß an Vorwissen &#8211; oder auch Interesse &#8211; an den historischen Zusammenhängen voraus (wie z. B. an der argentinische Militärdiktatur oder an deutscher Exilgeschichte). Ohne dieses Hintergrundwissen bleiben manche inhaltlichen Verknüpfungen eher abstrakt. Gleichzeitig bietet der Comic aber ausreichend Hinweise, um dieses Grundverständnis zu sichern. Die emotionale Wirkung der Geschichten entfaltet sich m.E. aber stärker bei bereits sensibilisierten Leserinnen und Lesern.</p>
<p>SCHWEIGEN ist eine <a href="https://panelwalker.de/category/graphic-novel/" target="_blank" rel="noopener">Graphic Novel</a>, die inhaltlich zumeist überzeugt. Birgit Weyhe gelingt es, die Geschichten ihrer Protagonistinnen auf eine Weise zu erzählen, die sowohl den historischen Ereignissen als auch den persönlichen Schicksalen gerecht wird. Dieses Werk ist nicht nur für Fans sequentieller Erzählungen ein starkes Werk, sondern für alle, die sich mit der Geschichte und der Bedeutung des Erinnerns auseinandersetzen wollen. Man sieht dem Werk die viele Arbeit an, die investiert wurde. Grafisch hingegen gibt es Potential, dass nicht voll ausgeschöpft wurde.</p>
<p>Meinem informierten, reflektierten Publikum kann ich darum nur zurufen: Lass Dich von &#8222;SCHWEIGEN&#8220; berühren und rege Gespräche über Erinnerung und die Aufarbeitung von Missständen an: &#8222;Diejenigen, die nicht aus der Geschichte lernen können, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ &#8211; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_Santayana" target="_blank" rel="noopener">Georg Santayana</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>

</p>
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<p>



</p>
<p class="wp-block-paragraph"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-1210" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_01_Cover_1000x800_medium-300x375.jpg" alt="Cover der Graphic Nocel SCHWEIGEN vom Birgit Weyhe" width="300" height="375" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_01_Cover_1000x800_medium-300x375.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_01_Cover_1000x800_medium-750x938.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_01_Cover_1000x800_medium-768x960.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_01_Cover_1000x800_medium-600x750.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/06/Schweigen_01_Cover_1000x800_medium.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />SCHWEIGEN</p>
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<p class="wp-block-paragraph">© <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/schweigen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Avant-Verlag</a>| Hardcover mit Leseband | 368 Seiten | Farbe<br /><br />Storyline:   ★★★☆☆<br />Zeichnungen:  ★★☆☆☆<br />Lettering:  ★★★☆☆<br />Humor:  ☆☆☆☆☆<br />Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>:  ★★★☆☆<br />ISBN: 978-3-96445-141-5<br /><br />Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/06/schweigen-ein-lauter-ruf-gegen-die-stille-des-vergessens/">SCHWEIGEN – Ein lauter Ruf gegen die Stille des Vergessens</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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