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	<title>Lateinamerikanisch - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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		<title>HELLDORADO &#8211; Gleich am Morgen ist die Hölle da</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 05:00:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Bei HELLDORADO hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass mich dieser Comic nicht freundlich in seine Welt hineinbitten will. Stattdessen packt er mich am Hemd und zerrt mich geradezu in seine Geschichte. Schon die ersten Seiten machen klar, dass hier nichts beschönigt, kein hübsch poliertes Historienabenteuer abgeliefert und keine bequeme Exotik dargeboten wird. Stattdessen finde [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/helldorado-gleich-am-morgen-ist-die-hoelle-da/">HELLDORADO – Gleich am Morgen ist die Hölle da</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei HELLDORADO hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass mich dieser Comic nicht freundlich in seine Welt hineinbitten will. Stattdessen packt er mich am Hemd und zerrt mich geradezu in seine Geschichte. Schon die ersten Seiten machen klar, dass hier nichts beschönigt, kein hübsch poliertes Historienabenteuer abgeliefert und keine bequeme Exotik dargeboten wird.</p>
<p><span id="more-3418"></span></p>
<p>Stattdessen finde ich Hitze, Dreck, Angst und Blut und erhalte den Eindruck, dass auf dieser Insel jeder Atemzug schon einer zu viel sein kann. Die deutsche Ausgabe erschien bei Epsilon als 144 Seiten starke Hardcover-Gesamtausgabe und bündelt die ursprünglich in Frankreich einzeln veröffentlichten drei Alben zu einem Band. Und wie sich noch zeigt, ist das gut und richtig so!</p>
<p>Was mich beim Lesen sofort gepackt hat, war diese ruppige Direktheit. HELLDORADO macht keine Umwege. Der Comic lässt die Gewalt nicht geschönt aussehen und das Elend nicht edel. Das ist unkonventionell, manchmal auch anstrengend. Aber genau daraus zieht das Buch seine Wucht.</p>
<p>Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, mitten in etwas zu stecken, das längst außer Kontrolle geraten ist. Nicht nur ein Ort, sondern eine ganze Welt, die innerlich verfault noch bevor sie äußerlich zusammenbricht.</p>
<p>Und doch ist dies kein Comic, der nur auf Schock setzt. Zwischen all dem Grauen gibt es Figuren, an denen ich hängen bleibe. Junge Menschen, die keine Heldenposen brauchen, um interessant zu sein. Gerade das hat mich überzeugt.</p>
<p>Dieses Buch erzählt nicht von den &#8222;großen&#8220; Männern, die Geschichte schreiben. Es erzählt von den einfachen, normalen Menschen, die irgendwie durch diese Geschichte hindurch müssen, obwohl sie keiner gefragt hat, ob sie das auch wollen.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3426" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712.jpg" alt="Innenseite 04 von HELLDORADO" width="712" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712.jpg 712w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-600x843.jpg 600w" sizes="(max-width: 712px) 100vw, 712px" /></p>
<h3>Eine erfundene Insel mit sehr realem Schmerz</h3>
<p>Die Insel, auf der die Handlung spielt, ist frei erfunden. Auch das Volk der Syyanas ist keine direkte Darstellung einer historisch existierenden Gemeinschaft. So erhalte ich emotional wenigstens ein bisschen Abstand.</p>
<p>Der Comic gibt sich gar nicht erst als exakte Rekonstruktion für etwas aus. Er nimmt Motive aus der frühen kolonialen Expansion Spaniens, aus der Gewalt gegen indigene Gesellschaften und aus der Geschichte eingeschleppter Krankheiten und verdichtet all das zu einer wahrlich düsteren Erzählung.</p>
<p>Veröffentlicht wurde die Reihe in Frankreich zwischen 2006 und 2009 in drei Bänden. 2011 folgte dort auch die Gesamtausgabe. Die deutsche Ausgabe übernimmt genau dieses Format.</p>
<p>Gerade beim Thema Krankheit steht HELLDORADO auf einem historischen Fundament, das leider sehr belastbar ist. Im Zuge des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Columbian_Exchange" target="_blank" rel="nofollow noopener">Columbian Exchange</a> gelangten nach 1492 Krankheiten aus Europa, Asien und Afrika in die Amerikas. In der Karibik waren die Folgen besonders verheerend.</p>
<p>Bis 1600 brachen die indigenen Bevölkerungen auf den meisten Inseln um mehr als 99 Prozent ein. Das lag nicht nur an den Erregern selbst, sondern auch an Krieg, Vertreibung, Zwängen und der körperlichen sowie seelischen Erschöpfung, die koloniale Gewalt grundsätzlich mit sich bringt.</p>
<p>Dazu kommt der koloniale Apparat, der in solchen Geschichten nie bloß Kulisse ist. Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Encomienda" target="_blank" rel="nofollow noopener">Encomienda System</a> sollte auf dem Papier die Stellung der indigenen Bevölkerung regeln. In der Praxis wurde daraus jedoch oft eine Form von Ausbeutung und Zwang. Genau diese Mischung aus Mission, Herrschaft, Gier und Gewalt liegt auch über diesem Comic.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3432" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743.jpg" alt="Innenseite 07 von HELLDORADO" width="743" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743.jpg 743w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-300x404.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-600x808.jpg 600w" sizes="(max-width: 743px) 100vw, 743px" /></p>
<h3>Drei junge Menschen in einer kaputten Welt</h3>
<p>Der Anfang von HELLDORADO ist brutal, sehr wirkungsvoll und kommt über weite Strecken ohne Worte aus.</p>
<p>Ein indigenes Dorf erwacht in der Ruhe des Morgens, nur um kurz darauf von spanischen Konquistadoren ausgelöscht zu werden. Ja, auch Frauen und Kinder, niemand wird geschont.</p>
<p>Dieser Auftakt hat mich nicht nur wegen seiner Härte gepackt, sondern auch wegen der Konsequenz mit der er den Ton setzt. Das Album macht sofort klar, dass hier jede Form von Ordnung nur eine dünne Firnis ist. Darunter lauern Gewalt, Brigantentum, Panik und blankes Überleben.</p>
<p>Aus den Rändern dieses Gemetzels treten zwei junge Männer hervor, Dathcino und Hutatsu. Später kommt mit dem Mädchen Initsii eine weitere Schlüsselfigur hinzu. Die Zukunft dieser Welt aus Feuer und Blut liegt in den Händen von zwei Jugendlichen und einem Mädchen, die vor allem eines miteinander verbindet: die Krankheit.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3433" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736.jpg" alt="Innenseite 17 von HELLDORADO" width="736" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736.jpg 736w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-300x408.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-600x815.jpg 600w" sizes="(max-width: 736px) 100vw, 736px" /></p>
<h3>Die Seiten der Medaille</h3>
<p>Genau diese narrative Entscheidung gefällt mir. Statt den Blick an Heerführern oder Priestern festzukleben, hält sich das Werk an Figuren, die wenig &#8211; bis gar keine &#8211; Macht haben und deshalb viel erleiden müssen.</p>
<p>Dathcino ist schnell, trotzig und zäh. Hutatsu wirkt vorsichtiger und oft auch verletzlicher. Initsii bringt noch einmal eine andere Perspektive hinein, weil sie zwar aus der Welt der Syyanas kommt und doch nicht einfach in deren starre Ordnung passen will.</p>
<p>Aus diesem Dreieck zieht die Geschichte ihre emotionale Spannung. Ich lese nicht weiter, weil ich wissen will, welcher General gewinnt. Ich lese weiter, weil ich wissen will, ob diese drei durchkommen, ohne innerlich dabei zerstört zu werden.</p>
<p>Spannend ist auch, dass der Comic die Syyanas nicht bloß als makellose Gegenseite zu den Spaniern zeichnet. Natürlich ist die Gewalt der Eroberer klar benannt. Daran lassen die Alben keinen Zweifel. Aber auch innerhalb der indigenen Gesellschaft gibt es Härte, Aberglauben, blutige Rituale und Machtmechanismen, die Menschen zerstören. Hier ist der Band sehr nahe an Mel Gibson&#8217;s Film <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0472043/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_8_nm_0_in_0_q_apocal" target="_blank" rel="nofollow noopener">Apocalypto</a> (ebenfalls von 2006).</p>
<p>Das ist ein riskanter Aspekt, weil Stoffe dieser Art leicht in falsche Gleichmacherei kippen können. Im vorliegenden Fall fand ich die Herangehensweise jedoch meistens überzeugend, weil das Buch nicht verwischt, wer auf diese Insel gekommen ist, um zu herrschen, zu missionieren &#8211; und zu töten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3434" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733.jpg" alt="Innenseite 19 von HELLDORADO" width="733" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733.jpg 733w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-300x409.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-600x819.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 733px) 100vw, 733px" /></p>
<h3>Wenn die Seuche um sich greift</h3>
<p>Im weiteren Verlauf der Handlung spreizt sich die Geschichte weiter auf. Die Wege der drei jungen Figuren trennen sich, kreuzen sich wieder und zeigen dieselben Katastrophen, dann jedoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln.</p>
<p>Dathcino gerät in die Nähe der Spanier und wird dort zu einem Körper, an dem herumprobiert wird. Hutatsu findet zwischen Angst und Opportunismus echten Überlebenswillen. Initsii wiederum wird zum Zentrum einer verzweifelten Suche nach Rettung, die jedoch immer grausamer wird.</p>
<p>Im dritten Band wird ausdrücklich beschrieben, dass die ganze Insel nun von der Krankheit verwüstet ist, Initsii schwer erkrankt, Dathcino als Versuchskörper dient und Hutatsu in die Hände der Eroberer fällt.</p>
<p>Schön ist anders. Mir hat jedoch daran gefallen, dass der Comic nicht nur größer, sondern auch schmutziger wird. Je weiter er voranschreitet, desto deutlicher zeigt er, wie Seuche und Krieg sich gegenseitig füttern. Niemand handelt hier mehr frei. Alle reagieren nur noch. Herrscher greifen zu Grausamkeit, weil sie ihre Macht verlieren. Religiöser Eifer wird zum Deckmantel für Panik. Medizin kippt in Missbrauch. Und inmitten davon versuchen junge Menschen, sich einen Rest ihrer Würde zu bewahren. Das ist manchmal wirklich schwer auszuhalten. Aber es ist erzählerisch stark, weil der Band nie so tut, als ließe sich diese Welt mit einer sauberen Pointe retten.</p>
<p>Ganz frei von Problemen ist das andererseits nicht. Vor allem im letzten Drittel hatte ich ein paarmal den Eindruck, dass einzelne Entwicklungen etwas zu schnell auf eine mögliche, gute Zukunft zulaufen könnten. Als wolle der Band nach all dem Elend doch noch einen schmalen Ausgang offenhalten. Ich verstehe das. Ich mochte sogar, dass er nicht völlig in Finsternis endet.</p>
<p>Nur spürte ich an manchen Stellen, wie sehr sich die Geschichte dafür umsortieren muss. Der Weg dorthin ist ein wenig kürzer, als diese vorher so unerbittlich gebaute Welt eigentlich nahelegt.</p>
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<h3>Kein Abenteuer für bequeme Leser</h3>
<p>Genau darin liegt aber auch die Stärke von HELLDORADO. Dieser Comic will gar nicht gemütlich sein. Er nimmt sich Motive aus dem Abenteuercomic, aber nur, um sie bewusst dreckig zu machen: tropische Inseln, Konquistadoren, indigene Krieger, Fieber, Dschungel, Rituale und Kämpfe ums Überleben.</p>
<p>Das könnte in anderen Händen sehr schnell nach bravem Genre-Programm aussehen. Hier fühlt es sich eher wie ein Fiebertraum an, in dem jede romantische Vorstellung vom exotischen Abenteuer sofort verendet.</p>
<p>Ich mochte besonders, dass das Buch die Geschichte von unten erzählt. Es schaut nicht zuerst auf Eroberer als große Täterfiguren und auch nicht auf Könige als repräsentative Opferfiguren. Stattdessen bleibt es nah an körperlichen Erfahrungen: Hunger und Angst, Hitze und Ausschlag, Wunden und Schweiß. Das ist vielleicht der eigentliche Clou dieses Comics. Er denkt Gewalt nicht als abstraktes Thema, sondern als etwas, das in Muskeln, Haut und Schmerzen steckt. Daum liest er sich so unmittelbar.</p>
<p>Zugleich hat das Buch einen eigentümlich warmen Kern. Das klingt vielleicht seltsam bei so einem Stoff, aber ich meine es ernst. Zwischen all der Grausamkeit interessiert es sich für Bindungen, für spontane Loyalität und für die kleinen Gesten, in denen Menschen einander nicht völlig aufgeben. Gerade dadurch kippt der Band nie in bloßen Zynismus. Er ist hart, aber nicht kalt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<h3>In einem Rutsch liest es sich am besten</h3>
<p>Als Gesamtband hat HELLDORADO für mich einen echten Vorteil. Die drei ursprünglichen Alben SANTA MALADRIA, ESPERAR LA MUERTE und TODOS ENFERMOS! erschienen wie bereits erwähnt 2006, 2007 und 2009. 2011 wurden sie als Integral zusammengefasst.</p>

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<p>Für mich gewinnt die Geschichte, wenn ich sie nicht in Einzelportionen konsumieren muss, sondern als langen, unruhigen Fluss. Der erste Teil haut mich um, der zweite verästelt das Geschehen und der dritte zieht die Schlinge zu. In einem Band wirkt das alles geschlossener, drängender und auch emotional schärfer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3428" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698.jpg" alt="Innenseite 29 von HELLDORADO" width="698" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698.jpg 698w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-300x430.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-105x150.jpg 105w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-600x860.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px" /></p>
<h3>Ignacio Noé zeigt keine nette Welt</h3>
<p>Der größte Trumpf dieses Comics ist für mich Ignacio Noé. Ich kannte seine Arbeiten vorher schon, aber hier passt sein Stil besonders gut.</p>
<p>Noé zeichnet &#8211; nein, malt &#8211; Menschen nicht leicht, seine Körper haben Gewicht. Sie stehen nicht wie Figuren auf einer Bühne, sondern wirken, als müssten sie sich durch Luft, Hitze und Dreck hindurch bewegen. Ich spüre die Last der Waffen, den Sog des Schlamms, die Müdigkeit in den Schultern. Das klingt erst einmal nach einem kleinen Detail. Beim Lesen macht es aber enorm viel aus.</p>
<p>Besonders stark ist seine Mimik. Viele Historien-Comics erzählen Emotionen über große Gesten. Noé kann das auch, aber er verlässt sich nicht nur darauf. Ein schiefer Blick, ein verkrampfter Mund, eine zusammengesunkene Haltung reichen oft, damit eine Szene kippt. Dadurch bekommen selbst Figuren, die nicht viel Text haben, ein Eigenleben. Diese Insel ist nicht als Postkarte gezeichnet. Sie ist ein Ort, an dem Menschen sich festkrallen, auf ihr fliehen, auf ihr krank werden &#8211; und sterben.</p>
<p>Auf seiner <a href="https://ignacionoe.com/en/index.php" target="_blank" rel="nofollow noopener">offiziellen Seite</a> beschreibt Noé sich als argentinischen Illustrator und Comiczeichner, der sowohl für Comics als auch für Magazine, Kinderbücher und Literatur gearbeitet hat. Für HELLDORADO ist das wichtig, weil ich hier spüre, wie sicher er zwischen Illustration und Erzählfluss wechseln kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3430" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712.jpg" alt="Innenseite 34 von HELLDORADO" width="712" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712.jpg 712w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-600x843.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></p>
<h3>Farben glühen und faulen zugleich</h3>
<p>Weil Ignacio Noé auch die Farben übernommen hat, wirkt der Band wie aus einem Guss. Und das ist hier wirklich entscheidend. Die Farben machen diese Welt nicht schöner, sondern dichter: viel Ocker, viel Rot, schmutzige Grüntöne, schwere Schatten, fahle Haut, verdunkelte Innenräume. Das alles erzeugt einen Druck, der kaum nachlässt. Man hat beim Lesen fast das Gefühl, die Luft selbst sei krank.</p>
<p>Ich fand besonders stark, wie die Farben zwischen Fieber und Erde pendeln. Nichts wirkt frisch. Selbst dort, wo Pflanzen üppig wachsen und der Schauplatz theoretisch paradiesisch sein könnte, liegt immer schon etwas Fauliges darüber. Das gibt dem Comic seine ganz eigene Temperatur. Er sieht heiß und krank aus. Beides zusammen bleibt bei mir hängen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3431" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703.jpg" alt="Innenseite 36 von HELLDORADO" width="703" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703.jpg 703w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-300x427.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-105x150.jpg 105w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-600x853.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 703px) 100vw, 703px" /></p>
<h3>Zwei Autoren mit Lust am Risiko</h3>
<p>Jean David Morvan, Jahrgang 1969, stammt aus Reims, studierte Kunst am Institut Saint Luc in Brüssel und gehört seit Jahren zu den produktivsten frankobelgischen Szenaristen. Größere Bekanntheit erlangte er unter anderem mit <a href="https://www.carlsen.de/reihe/sillage" target="_blank" rel="nofollow noopener">SILLAGE</a> sowie mit <a href="https://www.carlsen.de/comics/spirou-und-fantasio" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPIROU UND FANTASIO</a>, das er zusammen mit <a href="https://panelwalker.de/tag/jose-luis-munuera/" target="_blank" rel="noopener">José Luis Munuera</a> prägte.</p>
<p>Für HELLDORADO arbeitete er mit Miroslav Dragan zusammen. Hinter diesem Namen steht Michel Dufranne, ein belgischer Autor und Kritiker, der sich gelegentlich hinter diesem Pseudonym verbirgt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HELLDORADO ist kein makelloser Comic. Einige Übergänge im Schlussdrittel hätte ich mir etwas zwingender gewünscht. Auch bekommt nicht jede Figur die Tiefe, die sie verdient hätte.</p>
<p>Aber das ändert wenig daran, dass hier sehr viel gelingt. Vor allem gelingt diesem Band etwas, das ich immer schätze: er bleibt unbequem, ohne eitel zu werden, er ist roh, ohne nur auf Effekthascherei zu setzen. Und er hat Bilder, die nicht romantisierend nach Historie aussehen, sondern nach einer Welt, die gerade vor meinen Augen entgleist.</p>
<p>Ich bewundere diesen Comic nicht, weil er schlau doziert. Ich habe ihn aber gelesen, weil er mich vom ersten Moment reingezogen hat, wegen seiner Hitze, wegen seiner Wucht und wegen seiner drei jungen Figuren, die in all dem Irrsinn ums Überleben kämpfen.</p>
<p>Aus der Beschaulichkeit meines Lesesessels ist HELLDORADO harter Tobak, oh ja! Aber genau deshalb bleibt etwas davon hängen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3436" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-300x413.jpg" alt="Cover von HELLDORADO" width="300" height="413" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-300x413.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-600x825.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727.jpg 727w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>HELLDORADO</li>
<li>Jean David Morvan, Miroslav Dragan und Ignacio Noé</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span data-asw-org-font-size="14">978-3-86693-089-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.epsilongrafix.de/index.php/unser-shop/helldorado/helldorado-detail" target="_blank" rel="nofollow noopener">Epsilon Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>ETERNAUTA &#8211; Ein Meilenstein des lateinamerikanischen Comics</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Jun 2025 05:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerikanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Avant-Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Francisco Solano Lopez]]></category>
		<category><![CDATA[Hector German Oesterheld]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ETERNAUTA ist ein Meilenstein des lateinamerikanischen Comics. Ein Mann in einem Taucheranzug, mit Tauchermaske auf dem Gesicht und einem Gewehr über der Schulter, kommt auf dem Cover auf Dich zu. Es ist auf seine Weise surreal. Wie die Geschichte im Inneren und die Geschichte hinter dem Comic. &#160; Buenos Aires, 1963: Juan Salvo sitzt mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="wp-block-paragraph">ETERNAUTA ist ein Meilenstein des lateinamerikanischen Comics. Ein Mann in einem Taucheranzug, mit Tauchermaske auf dem Gesicht und einem Gewehr über der Schulter, kommt auf dem Cover auf Dich zu. Es ist auf seine Weise surreal. Wie die Geschichte im Inneren und die Geschichte hinter dem Comic.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>Buenos Aires, 1963: Juan Salvo sitzt mit seiner Familie und Freunden beim Kartenspiel, als es zu schneien beginnt. Der Schnee, der auf die Stadt fällt, ist tödlich, sein Gift dringt durch jede Ritze, wer mit ihm in Berührung kommt, stirbt sofort. Außerirdische haben Buenos Aires erobert, mit Hilfe des Schnees, Rieseninsekten und versklavten Wesen eines anderen Planeten töten SIE die Bewohner der Stadt oder verwandeln sie in Robotermenschen. Juan Salvo und seine Freunde gehören zu den wenigen Überlebenden. Sie entschließen sich, gehen den übermächtigen Feind in den Kampf zu ziehen. Ein Kampf, bei dem Salvo nicht nur sein eigenes Leben aufs Spiel setzt – sondern auch das seiner Familie&#8230;*</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1103 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_01.jpg" alt="" width="993" height="768" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_01.jpg 993w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_01-300x232.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_01-750x580.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_01-768x594.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_01-600x464.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px" /></p>
<p>„El Eternauta“ von Héctor Germán Oesterheld und Francisco Solano López ist nicht nur ein Klassiker der argentinischen Comicgeschichte. Es ist auch ein Werk von universeller Strahlkraft. Der Comic erschien zwischen 1957 und 1959 in 106 Folgen in der Zeitschrift „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Hora_Cero" target="_blank" rel="noopener">Hora Cero</a>“ und hat sich als Allegorie auf politische Unterdrückung, als Plädoyer für Solidarität und als künstlerische Innovation tief in das kollektive Gedächtnis Lateinamerikas eingebrannt. Gleichzeitig ist die Geschichte des Comics untrennbar mit dem Schicksal seines Autors, seiner Familie und der Tragödie der argentinischen Junta-Diktatur verbunden.</p>
<h3>Die Geschichte</h3>
<p>Im Zentrum von ETERNAUTA steht Juan Salvo, ein Familienvater, der gemeinsam mit Freunden in Buenos Aires beim Kartenspiel von einer tödlichen Invasion überrascht wird. Der Angriff beginnt mit einem giftigen Schneefall, der alles Leben auslöscht, das ihm ungeschützt begegnet. Salvo, seine Familie und eine kleine Gruppe Überlebender haben Glück. Durch gemeinsame Anstrengungen gelingt es ihnen, sich schützende Anzüge zu erstellen und sich lebensnotwendige Dinge zu beschaffen. Erst später stellt sich heraus, dass der giftige Schneefall in Wahrheit der Angriff einer außerirdischen Spezies ist, die aggressiv gegen den letzten menschlichen Widerstand vorgeht.</p>
<p>Um Salvo herum entsteht eine Widerstandsgruppe aus den wenigen, die den Angriff zufällig überlebt haben. Diese Gruppe zieht nun los, um zu überleben und den &#8211; aussichtslosen &#8211; Kampf gegen die Invasoren aufzunehmen. Ähnlich wie in modernen, filmischen Endzeitserien wechseln die Mitglieder der Gruppe häufiger, weil es Tote oder neu hinzugekommene Verbündete gibt.</p>
<p>Zum Schluss ist Salvo der einzige aus seiner ursprünglichen Gruppe, der noch übrig ist. Er ist zum ewig Reisenden geworden, zum &#8222;El Eternauta&#8220;, der letztendlich wieder in seiner Heimatstadt landen wird.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1104 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_02.jpg" alt="" width="993" height="768" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_02.jpg 993w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_02-300x232.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_02-750x580.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_02-768x594.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_02-600x464.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px" /></p>
<h3>Eine neue Erzählstruktur</h3>
<p>Oesterheld betritt mit seiner Geschichte Neuland. Er nutzt eine Rahmenhandlung, in der ein Comicautor (!) Besuch vom „Eternauten&#8220; (Salvo) erhält und der ihm seine Geschichte erzählt. Wobei der Begriff &#8222;Besuch erhalten&#8220; viel zu vereinfacht ist. Der &#8222;Eternaut&#8220; erscheint dem Autor aus dem Nichts, was der Geschichte eine zusätzliche Metaebene hinzufügt.</p>
<p>Zur damaligen Zeit war die Verwendung von Metaebenen ungewöhnlich und wurde erst viel später von international bekannten Autoren wie Grant Morrison (All-Star Superman, Heavy Metal Magazin) oder Cary Bates (The Flash, Superman) aufgegriffen.</p>
<p>Der Story-Arc entwickelt sich als fortlaufende Serie von Cliffhangern, in der auf jede überstandene Gefahr eine weitere, noch größere Bedrohung folgt. Und doch ist die Geschichte weit mehr als nur ein Science-Fiction-Abenteuer.</p>
<p>Sie ist eine Parabel auf den Widerstand einer Zivilgesellschaft gegen übermächtige, anonyme Mächte. Sie ist ein Plädoyer für Gemeinschaft und Menschlichkeit in Zeiten einer Katastrophe.</p>
<p>Der Comic ist dabei keine einfache Heldenerzählung. Juan Salvo ist kein Superheld, sondern gewinnt seine Stärke aus der Solidarität mit anderen. Auch sind die Überlebenden keine Einzelgänger, sondern eine Schicksalsgemeinschaft, deren Zusammenhalt immer wieder auf die Probe gestellt wird und die nur durch das geschaffene Netzwerk überhaupt lebens- bzw. überlebensfähig sind..</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1105 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_03.jpg" alt="" width="993" height="768" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_03.jpg 993w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_03-300x232.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_03-750x580.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_03-768x594.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_03-600x464.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px" /></p>
<h3>Die Charaktere</h3>
<p>Die Figur des Juan Salvo ist das emotionale Zentrum des Comics. Als Familienvater und einfacher Bürger steht er für das „kollektive Heldentum“, welches Oesterheld als Gegenentwurf zum erstarkenden Superhelden-Mythos der US-Comics entwickelt hat. Dort die wahrlich einsamen Helden wie Superman, Batman oder die Green Lantern, hier die Mitglieder der sozialen Gemeinschaft, die zusammenstehen und sich gegenseitig stützen.</p>
<p>Salvo ist verletzlich, zweifelnd, aber auch entschlossen. Seine Charakter-Entwicklung ist von Verlust geprägt, von wiederkehrender Hoffnung und der ständigen Suche nach seiner Familie. Und doch ist seine Suche von Einsamkeit geprägt. Er wird zum „ewigen Reisenden“ zwischen den Dimensionen, zum &#8222;El Eternauta&#8220;. In gewisser Weise gleicht er hierin dem Batman, der ja als Einziger des DC-Universums keine Superkräfte besitzt und sich nur auf seine Intelligenz und erlernte Fähigkeiten verlassen kann.</p>
<p>Auch die Nebenfiguren sind keine bloßen Statisten. Die Freunde, Nachbarn und Mitstreiter spiegeln unterschiedliche Facetten der argentinischen Gesellschaft wider. Wir finden Mut, Angst, Verrat und Opferbereitschaft in ihren Reihen. Die Dynamik der Gruppe, das Aushandeln von Führung, Vertrauen und Misstrauen, wird mit großer psychologischer Präzision erzählt. Oesterheld gelingt es, in wenigen Strichen glaubwürdige Charaktere zu zeichnen, die für die Zerbrechlichkeit sozialer Bindungen in Extremsituationen stehen. Und er nimmt sich Zeit, die jeweilige Figurenentwicklung zu begleiten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1106 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_04.jpg" alt="" width="993" height="768" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_04.jpg 993w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_04-300x232.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_04-750x580.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_04-768x594.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_04-600x464.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px" /></p>
<h3>Klassische Präzision und experimentelle Abstraktion</h3>
<p>Demgegenüber prägt Francisco Solano López die Urfassung von ETERNAUTA mit einem Stil, der sich an den internationalen Standards der 1950er Jahre orientierte, aber bereits eine spezifisch argentinische Handschrift erkennen lässt. Wir sehen strenge, oft fast abstrakte Schwarz-Weiß-Panels, die viel Raum für Leere und Andeutung lassen. Die Stadtansichten von Buenos Aires sind skizzenhaft, beinahe gespenstisch und verstärken das Gefühl von Isolation und Bedrohung.</p>
<p>Die Panel-Struktur folgt einer gemächlichen Präzision, die den Fortsetzungscharakter des ursprünglichen, in „Hora Cero“ erschienenen Comics unterstreicht. Die Dramaturgie lebt von virtuosen Cliffhangern, die das Lesetempo bestimmen und die Spannung hochhalten. Besonders auffällig ist die Reduktion auf das Wesentliche. Wo nordamerikanische Comics oft in opulenten Details und knalligen Farben schwelgen, setzt López auf Andeutung und Atmosphäre.</p>
<p>López Panel-Struktur entspricht den Sehgewohnheiten seiner Zeit. Durch die bewusste Reduktion auf das Wesentliche, insbesondere in den Schwarz-Weiß-Panels, entsteht eine bedrückende Atmosphäre der Leere, der Isolation und der Bedrohung, die ein Gefühl kollektiver Ohnmacht &#8211; auch in Zeiten politischer Repression &#8211; widerspiegelt. Die abstrahierende Darstellung der Stadtlandschaften und Figuren lenkt den Blick weg fort von individuellen Details, hin zu universellen Erfahrungen von Angst, Zusammenhalt und Widerstand.</p>
<p>Das Lettering bleibt schlicht, ist dabei aber effizient. Die erzählerischen Textpassagen sind umfangreich und verhindern, dass sich der Leser hastig durch die Geschichte durchblättert. Auf diese Weise unterstreichen sie das Pacing der bedrückenden Handlung. Nichts geht wirklich schnell &#8211; mit Ausnahme des Schneefalls zu Beginn &#8211; und alles braucht in diesem Comic seine Zeit.</p>
<h3>Neuinterpreatation von Alberto Breccia</h3>
<p>Eine spätere Neuinterpretation der Geschichte von 1969, gezeichnet von Alberto Breccia, wird künstlerisch noch eins draufsetzen: Breccia experimentiert mit Tusche, Wischtechnik und Collagen, setzt auf Schlaglichter und Stimmungen statt auf lineare Erzählung. Dieser Stilbruch verstärkt die Ästhetik und deutet &#8211; durch zeichnerische Veränderung &#8211; die zunehmende Politisierung Oesterhelds und die gesellschaftlichen Umbrüche Argentiniens an.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1107 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_05.jpg" alt="" width="993" height="768" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_05.jpg 993w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_05-300x232.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_05-750x580.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_05-768x594.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_05-600x464.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px" /></p>
<h3>Oesterheld&#8217;s Schicksal</h3>
<p>Die Entstehung und Rezeption von ETERNAUTA sind leider untrennbar mit dem Leben <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/H%C3%A9ctor_Germ%C3%A1n_Oesterheld" target="_blank" rel="noopener">Héctor Germán Oesterheld&#8217;s</a> und seiner Familie verbunden. Ursprünglich als spannender Science-Fiction-Comic konzipiert, wurde das Werk im Nachhinein vielfach als prophetische Allegorie auf die Schrecken der kommenden argentinischen Militärdiktatur gelesen.</p>
<p>Oesterheld selbst radikalisierte sich im Laufe der 1960er und 70er Jahre politisch, engagierte sich im Widerstand gegen die Diktatur und wurde – ebenso wie seine vier Töchter – von den Militärs verschleppt und 1977 (wahrscheinlich) ermordet. Genaueres ist bis heute nicht bekannt.</p>
<p>Im „ETERNAUTA II“, der nur fragmentarisch gebliebenen Fortsetzung aus den späten 1970er Jahren, verarbeitete Oesterheld explizit die Erfahrungen von Repression und Verlust.</p>
<p>Der Comic ETERNAUTA wurde zum Symbol für den Widerstand gegen die Diktatur, für die „Desaparecidos“ und die endlose Suche nach den verschwundenen Angehörigen. Der Mythos des „Eternauten“ – des ewigen Suchenden und Widerständigen – wurde in Argentinien so zur Chiffre für das kollektive Trauma eines ganzen Landes.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1108 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_06.jpg" alt="" width="993" height="768" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_06.jpg 993w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_06-300x232.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_06-750x580.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_06-768x594.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_06-600x464.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px" /></p>
<h3>Vergleich mit anderen lateinamerikanischen Comics</h3>
<p>ETERNAUTA steht in einer Reihe mit anderen bedeutenden Werken der lateinamerikanischen Comicgeschichte. Speziell hebt er sich durch seine politische und ästhetische Radikalität deutlich ab. Während viele brasilianische und mexikanische Comics der 1950er und 1960er Jahre auf Abenteuer, Humor oder Folklore setzten, entwickelte sich in Argentinien eine Tradition der engagierten, oft düsteren Graphic Novel, die gesellschaftliche Missstände thematisiert. Humor suchen wir hier vergebens.</p>
<p>Ein Vergleich mit „<a href="https://panelwalker.de/2025/01/mort-cinder-schwarz-auf-weiss/" target="_blank" rel="noopener">MORT CINDER</a>“ (ebenfalls von Oesterheld, gezeichnet von Breccia) zeigt, wie sehr der argentinische Comic von existenziellen Themen und einer pessimistischen Weltsicht geprägt ist.</p>
<p>Beide Werke teilen die Faszination für das Überleben in einer feindlichen Welt, für die moralische Integrität des Einzelnen und für die Macht der Erinnerung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1109 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_07.jpg" alt="" width="993" height="768" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_07.jpg 993w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_07-300x232.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_07-750x580.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_07-768x594.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_07-600x464.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 993px) 100vw, 993px" /></p>
<h3>Kult-Comic und Symbol</h3>
<p>Die Wirkung von ETERNAUTA reicht weit über die Comic-Szene hinaus. In Argentinien wurde der Comic zum Symbol des Widerstands gegen die Diktatur und der Suche nach Gerechtigkeit für die „Verschwundenen“. Die Figur des &#8222;El Eternauta&#8220; ist heute Teil der politischen Ikonografie: Bei Demonstrationen für Menschenrechte taucht das Bild des &#8222;Tauchers&#8220; immer wieder auf.</p>
<p>Auch international wird ETERNAUTA als eines der bedeutenderen Werke der Comicgeschichte gewürdigt. Er gilt als Beispiel für die Möglichkeiten des Mediums, gesellschaftliche Traumata zu verarbeiten und kollektive Erinnerungen zu bewahren.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ETERNAUTA ist mehr als ein Science-Fiction-Comic. Es ist ein universelles Werk über Angst und Hoffnung, Verlust und Solidarität, individuelle und kollektive Verantwortung. Das Schicksal seines Autors verleiht ihm eine zusätzliche Dimension, denn ETERNAUTA ist nicht nur Fiktion. ETERNAUTA ist Teil der realen Geschichte eines ganzen Landes. Das Werk ist ein bleibendes Symbol für Menschlichkeit im Angesicht des Unmenschlichen.</p>
<p>Die Geschichte des &#8222;El Eternauta&#8220; endet mit der Niederlage des &#8222;Helden&#8220; Juan Salvo. Er ist dazu verdammt, auf ewig seine Familie zu suchen. Etwas, mit dem sich immer noch sehr viele Argentinier identifizieren können.</p>
<p>Für ihre Bearbeitung ähnlicher Einzelschicksale in Form eine Graphic Novel ist Ulli Lust mit ihrem Band &#8222;<a href="https://panelwalker.de/2025/06/ulli-lust-gewinnt-die-frau-als-mensch-wird-bestes-sachbuch/" target="_blank" rel="noopener">Die Frau als Mensch</a>&#8220; vor Kurzem mit dem Sachbuchpreis des <a href="https://www.boersenverein.de/" target="_blank" rel="noopener">Börsenvereins des Deutschen Buchhandels</a> zurecht ausgezeichnet worden. Sie reiht sich damit &#8211; wie schon Hector German Oesterheld &#8211; in die Reihe derjenigen ein, die die sequenzielle Erzählung zur mehr nutzen als nur zur Unterhaltung.</p>
<p>Eigentlich war ich im Buchladen, um nach etwas Aktuellem, Neuerschienen Ausschau zu halten. Stattdessen lag dieses Album vor mir, dass mich geradezu anbettelte, es mitzunehmen. Trotz einer, den heutigen Seh- und Lesegewohnheiten stark entgegen stehenden Präsentation der Geschichte zog mich die Handlung unmittelbar in ihren Bann. Also nahm ich das Album mit &#8230;</p>
<p>ETERNAUTA ist keine leichte Kost, ganz im Gegenteil. Aber sowohl die zeichnerischen Mittel als auch Osterheld&#8217;s Art, die Geschichte zu erzählen, hatten mich fasziniert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>

</p>
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</p>
<p class="wp-block-paragraph"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-1102" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_Cover-300x230.jpg" alt="" width="300" height="230" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_Cover-300x230.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/05/ETERNAUTA_Cover.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />ETERNAUTA</p>
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</p>
<p class="wp-block-paragraph">© <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/eternauta/#cc-m-product-8774133320" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Avant-Verlag</a>| Hardcover | 392 Seiten | Schwarz-Weiss (Querformat)<br /><br />Storyline:   ★★★☆☆<br />Zeichnungen:  ★★★★☆<br />Lettering:  ★★★☆☆<br />Humor:  ☆☆☆☆☆<br />Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>:  ★★★★☆<br />ISBN: 978-3-945034-35-4<br /><br />Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>

<p>Fussnote</p>
<!-- /wp:post-content -->
<p>* Verlagsbeschreibung</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/06/eternauta-ein-meilenstein-des-lateinamerikanischen-comics/">ETERNAUTA – Ein Meilenstein des lateinamerikanischen Comics</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>MORT CINDER &#8211; Schwarz auf Weiss</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/01/mort-cinder-schwarz-auf-weiss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jan 2025 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerikanisch]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Alberto Breccia]]></category>
		<category><![CDATA[Avant-Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Hector German Oesterheld]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Comicreihe MORT CINDER, geschrieben von Héctor Germán Oesterheld (* 1919 &#8211; † 1978?) und illustriert von Alberto Breccia (* 1919 &#8211; † 1993), gilt als eines der Meisterwerke des Comicgenres. Die ursprünglich zwischen 1962 und 1964 veröffentlichte Serie verbindet tiefgründiges Storytelling mit außergewöhnlicher, grafischer Kunst. Zeitreisen mit Normalmenschen Im Zentrum der Geschichte steht Mort [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/01/mort-cinder-schwarz-auf-weiss/">MORT CINDER – Schwarz auf Weiss</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div style="clear: both; text-align: center;">
<p style="text-align: left;">Die Comicreihe MORT CINDER, geschrieben von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A9ctor_Germ%C3%A1n_Oesterheld" target="_blank" rel="noopener">Héctor Germán Oesterheld</a> (* 1919 &#8211; † 1978?) und illustriert von Alberto Breccia (* 1919 &#8211; † 1993), gilt als eines der Meisterwerke des Comicgenres. Die ursprünglich zwischen 1962 und 1964 veröffentlichte Serie verbindet tiefgründiges Storytelling mit außergewöhnlicher, grafischer Kunst.</p>
</div>
<h3>Zeitreisen mit Normalmenschen</h3>
<p style="text-align: left;">Im Zentrum der Geschichte steht Mort Cinder, ein geheimnisvoller, unsterblicher Mann, der durch die Jahrhunderte reist und auf seinem Weg auf bedeutende historische Ereignisse und Figuren trifft. Begleitet wird er von dem Antiquitätenhändler Ezra Winston, der als Erzähler fungiert und den Leser in die düstere, nachdenkliche Welt von Mort Cinder einführt.</p>
<p style="text-align: left;">In der Serie verwebt Oesterheld meisterhaft Abenteuer, Historie und existenzielle Fragestellungen. Die Episoden sind sowohl spannende Geschichten als auch Reflexionen über menschliche Schwächen, Gewalt und Macht. Mort Cinder ist dabei weniger ein Held im klassischen Sinne, sondern eine Figur, die Leid und Weisheit verkörpert und die Ambivalenz menschlicher Taten aufzeigt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-291 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_1.jpg" alt="" width="672" height="945" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_1.jpg 672w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_1-284x400.jpg 284w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_1-600x844.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_1-213x300.jpg 213w" sizes="auto, (max-width: 672px) 100vw, 672px" /></p>
<h3>Zeichnerisch eine Wucht</h3>
<p style="text-align: left;">Ein besonderes Highlight von Mort Cinder ist die künstlerische Gestaltung durch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alberto_Breccia" target="_blank" rel="noopener">Alberto Breccia</a>. Seine detaillierten, expressiven Schwarz-Weiß-Zeichnungen verleihen der Serie eine unheimliche, bedrückende, fast surreale Atmosphäre. Düstere Schattierungen, präzise Mimik und dynamische Bildkompositionen unterstreichen die emotionale Tiefe der Erzählung. Breccias Stil war schon damals innovativ und wegweisend und seine expressive Arbeit in MORT CINDER gilt bis heute &#8211; zurecht &#8211; als ein Meilenstein in der Comic-Kunst.</p>
<p style="text-align: left;">Laut Verlagsangaben wurden die Originalseiten für diese Gesamtausgabe neu gescannt, um eine bestmögliche Reproduktion zu gewährleisten. Dies ist den Verantwortlichen gelungen. Auch kommt dem Artwork das Großformat von 22,5 x 29,5 cm sehr entgegen.</p>
<p style="text-align: left;">Ursprünglich wurde die Serie im Misterix-Magazin veröffentlicht. Das Misterix war ein Comic-Magazin, das zwischen 1948 und 1965 in Argentinien von Editorial Abril und später Editorial Yago mit 859 Ausgaben veröffentlicht wurde. Er war Teil des goldenen Zeitalters der Argentinien-Comics. Im Laufe seiner Geschichte wechselte das Magazin mehrfach sein Format von Hoch- in Querformat und wieder zurück. Diesen Wechsel bilden die Seiten des Bandes ebenfalls ab.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-292 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_2.jpg" alt="" width="657" height="948" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_2.jpg 657w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_2-277x400.jpg 277w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_2-600x866.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_2-208x300.jpg 208w" sizes="auto, (max-width: 657px) 100vw, 657px" /></p>
<h3>Ein grafischer Meilenstein</h3>
<p style="text-align: left;">MORT CINDER war seiner Zeit weit voraus und hat die Grenzen des Mediums Comic entscheidend erweitert. Besonders bemerkenswert ist, dass die philosophischen und humanistischen Elemente von Oesterhelds Schreibstil in der oft rauen und düsteren Welt von MORT CINDER so klar hervortreten.</p>
<p style="text-align: left;">Die Tragik von Oesterhelds eigenem Schicksal – er wurde während der argentinischen Militärdiktatur verschleppt und ermordet – verleiht seinem Werk eine zusätzliche Ebene der Bedeutung. Den Männer mit den bleiernen Augen konnte er nicht länger ausweichen &#8230;</p>
<h3>Fazit</h3>
<p style="text-align: left;">Comics und sequentielle Kunst interessieren mich wegen der grafischen Arbeiten. Mit MORT CINDER habe ich ein Werk gefunden, dass mich vom ersten Augenblick an in sich hinein gezogen und fasziniert hat. Die Serie zeigt, dass Comics nicht nur einfache Unterhaltung sein müssen, sondern als Kunstform in der Lage sind, komplexe, literarische Themen anspruchsvoll zu behandeln.</p>
<p style="text-align: left;">Leider ist diese Kunstform, gesellschaftliche Themen in regelmäßigen Intervallen in der Presse zu behandeln, aus der Mode gekommen. Sehr schade.</p>
<p style="text-align: left;">Die Gesamtausgabe MORT CINDER ist 2023 im avant-Verlag erschienen.</p>
<hr />
<div style="text-align: left;">
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-293" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_cover-300x390.jpg" alt="Cover von Mort Cinder" width="300" height="390" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_cover-300x390.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_cover-600x781.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_cover-231x300.jpg 231w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/04/mort_cinder_cover.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Mort Cinder . Gesamtausgabe</p>
</div>
<div style="text-align: left;">© <a href="https://www.avant-verlag.de/comics/mort-cinder/#cc-m-product-9182917520" target="_blank" rel="noopener">avant-Verlag</a> | Hardcover | 260 Seiten | schwarz.weiss</div>
<div style="text-align: left;">Storyline: ★★★★☆</div>
<div style="text-align: left;">Zeichnungen: ★★★★★</div>
<div style="text-align: left;">Lettering: ★★★★☆</div>
<div style="text-align: left;">Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</div>
<div style="text-align: left;"></div>
<div style="text-align: left;">ISBN: 978-3-96445-098-2</div>
<div style="text-align: left;">Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noopener">hier</a>.</div>
<p><!--black &#9733; white &#9734;--></p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/01/mort-cinder-schwarz-auf-weiss/">MORT CINDER – Schwarz auf Weiss</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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