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	<title>Funny - P A N E L W A L K E R</title>
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	<description>Ein Comic Blog</description>
	<lastBuildDate>Sat, 11 Apr 2026 17:29:12 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Funny - P A N E L W A L K E R</title>
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		<title>RUMMELSDORF hilft die ENIGMA-Codes zu knacken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 05:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg arten häufig in Untergrund-Erzählungen, Vertriebenen-Schicksale und Nazi-Bashing aus. Nun, dieser Comic ist da anders. Ganz anders. RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA ist ein Spin-Off aus dem SPIROU-Universum, ein Teil der Reihe SPIROU PRÄSENTIERT und zugleich der Start einer eigenen Reihe um den jungen Grafen Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert von Rummelsdorf. Das Album [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/rummelsdorf-hilft-die-enigma-codes-zu-knacken/">RUMMELSDORF hilft die ENIGMA-Codes zu knacken</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg arten häufig in Untergrund-Erzählungen, Vertriebenen-Schicksale und Nazi-Bashing aus. Nun, dieser Comic ist da anders. Ganz anders.</p>
<p>RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA ist ein Spin-Off aus dem SPIROU-Universum, ein Teil der Reihe <a href="https://www.carlsen.de/reihe/spirou-prasentiert" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPIROU PRÄSENTIERT</a> und zugleich der Start einer eigenen Reihe um den jungen Grafen Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert von Rummelsdorf.</p>
<p>Das Album will die bekannte Figur neu aufstellen. Es will ihr Jugend, Haltung und eine Geschichte mitgeben. Vor allem aber will es zeigen, dass der liebenswerte Sonderling der späteren Abenteuern früher einmal ein junger Mann war, der mit offenem Blick durch eine aus den Fugen geratene Welt ging.<span id="more-1396"></span></p>
<p>Beka und David Etien setzen dafür nicht auf knallige Effekte. Sie setzen auf Neugier, auf Atmosphäre und auf Figuren, die klug genug sind, um interessant zu sein, aber menschlich genug, um nicht verkopft zu wirken. Und sie sind eindeutig von Morton Tyldum&#8217;s Film <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt2084970/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_the%20imitation%20game" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE IMITATION GAME</a> aus dem Jahr 2014 inspiriert, den ich persönlich für einen der besten Filme zum Thema Krieg und Spionage im 2. Weltkrieg halte.</p>
<p>Mich hat an diesem Album daher sofort gereizt und natürlich, dass es Krieg nicht als Kulisse für Heldentum benutzt. Der Krieg ist da, ja, und er drückt auf jede Szene. Aber im Mittelpunkt stehen keine Siegerposen, sondern Menschen, die denken, zweifeln, kombinieren und trotzdem handeln.</p>
<p>Genau das macht den Band für mich so sympathisch. Er will nicht bedeutungsschwer wirken. Er will eine gute, bekannte Geschichte noch einmal neu und aus einer anderer Richtung erzählen. Und er vertraut darauf, dass ein kluger Abenteuercomic völlig ausreicht, wenn Figuren und Rhythmus stimmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3394" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746.jpg" alt="Innenseite 34 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_34_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="(max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Bletchley Park und die Enigma</h3>
<p>Der historische Kern dieses Albums ist präzise gewählt. Die Enigma war keine bloße Fantasie aus einem Kriegsroman, sondern eine echte Chiffriermaschine, die von Deutschland militärisch genutzt wurde. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bletchley_Park" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bletchley Park</a> war das britische Zentrum der Codeknacker, die versuchten ihre Verschlüsselung zu knacken. Dort arbeiteten männliche und weibliche Mathematiker, Linguisten, Logiker, Schachspieler, Funkleute und viele andere Spezialistinnen und Spezialisten daran, die Nachrichten der Achsenmächte zu lesen.</p>
<p>Gerade das macht diesen Ort bis heute so faszinierend. Er war kein Schlachtfeld im klassischen Sinn. Er war ein Ort, an dem Konzentration, Geduld und Kombinationsgabe über Leben und Tod entschieden. Und auch hier führten Fehler möglicherweise zum Verlust von Menschenleben. Für einen Comic ist das fast schon ideal, weil sich hier Spannung nicht aus Explosionen ergibt, sondern aus Gedankenarbeit unter enormem Druck.</p>
<p>Besonders interessant finde ich, dass Bletchley Park eben nicht nur mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Turing" target="_blank" rel="nofollow noopener">Alan Turing</a> verbunden werden darf. Dieser Ort funktionierte stets als Teamleistung. Viele der Beschäftigten waren Frauen. Sie arbeiteten als Übersetzerinnen, Analytikerinnen und Bedienerinnen der Maschinen.</p>
<p>Auch die berühmten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Turing-Bombe" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bombes</a> waren keine magischen Wunderkästen, sondern Werkzeuge, die mit der harten Denkarbeit ihrer Erbauer zusammenspielten. Der Band greift genau diese Mischung auf. Er macht aus dem Stoff kein Schulbuch, sondern ein Abenteuer über kluge Köpfe, über Muster und über die seltsame Schönheit eines Rätsels, das sich erst Stück für Stück dem Rätselnden öffnet. Das gefällt mir sehr, weil der Comic spürbar Respekt vor dem Thema hat, ohne sich davon erdrücken zu lassen.</p>
<h3>Ein Held, der noch keiner sein will</h3>
<p>Die eigentliche Handlung beginnt 1940. Belgien ist besetzt. (Ganz Belgien? Ja, ganz Belgien!) Schloss Rummelsdorf steht unter dem Druck des Krieges. In diese Lage hinein flattert eine verschlüsselte Botschaft, die den jungen Grafen sofort elektrisiert.</p>
<p>RUMMELSDORF ist hier noch nicht die skurrile Vaterfigur, die viele aus den SPIROU UND FANTASIO-Comics kennen. Er ist wach, wissbegierig und ein wenig rastlos. Genau das funktioniert wunderbar. Der Band zeigt ihn nicht als geborenen Helden, der tollkühn irgendwo hinein stolpert. Er folgt einer Spur, weil sie seinen Verstand herausfordert und weil er spürt, dass hinter allem mehr steckt als ein nettes Denkspiel. Die Botschaft enthält eine Einladung, welche ihn nach England führt und damit in ein Abenteuer, das sehr schnell größer wird als er selbst.</p>
<p>Schon dieser erste Abschnitt liest sich angenehm flüssig. Ich mag, wie locker der Comic seine Ausgangslage baut. Das Schloss, die Besatzung, die chiffrierte Nachricht und die Reise nach London greifen sauber ineinander. Nichts wirkt übererklärt, nichts wirkt hektisch.</p>
<p>Stattdessen entsteht das schöne Gefühl, dass sich vor meinen Augen eine Tür öffnet. Hinter dieser Tür wartet kein übliches Kriegsabenteuer, sondern ein Rätselspaß mit Tempo und Charme. RUMMELSDORF ist dafür die richtige Figur, weil er weder Soldat noch Draufgänger ist. Er bringt etwas viel Passenderes mit: Neugier! In England findet der Band dann seine eigentliche Geschichte. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3395" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746.jpg" alt="Innenseite 35 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_35_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="(max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Blair, Turing und das Rätsel hinter dem Rätsel</h3>
<p>RUMMELSDORF trifft im Folgenden auf auf die Welt von Bletchley Park und eine Frau, Blair McKenzie. Blair ist für mich eine der größten Stärken dieses Comics. Sie ist nicht nur eine clevere Begleiterin. Sie gibt der Geschichte Wärme, Witz und Reibung. Zwischen ihr und RUMMELSDORF entsteht schnell eine Spannung, die den Band emotional auch trägt.</p>
<p>Zugleich wird Alan Turing als wichtige Figur eingeführt. Dies hätte leicht daneben gehen und in Ehrfurcht erstarren können. Tut es aber nicht. Der Comic nutzt Turing als Teil eines Teams, nicht als Denkmal. Dadurch bleibt die Geschichte lebendig und der Blick frei für das Zusammenspiel ihrer Figuren.</p>
<p>Die Handlung bleibt dabei angenehm konzentriert. Es geht um das Knacken der Enigma-Codes, um Zeitdruck und Vertrauen. Und es geht um die Frage, wer in so einem Moment eigentlich handeln darf und handeln muss.</p>
<p>Das alles bleibt verständlich, auch wenn man mit Bletchley Park oder kryptografischen Themen vorher kaum Berührung hatte. Genau das rechne ich dem Band hoch an. Er ist klug, aber nie glatt, historisch interessiert, aber nie trocken. Und er schafft etwas, das gar nicht so leicht ist: er macht Denkarbeit spannend, ohne sie künstlich mit Action aufzupeppen.</p>
<p>Mehr als einmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass hier nicht bloß eine Geschichte erzählt wird, sondern ein ganz eigener Ton gefunden wird, der weit über den Zungenschlag des SPIROU-Universums hinausgeht.</p>
<h3>Wo dieser Band seinen Platz hat</h3>
<p>Als erster Band der Reihe muss RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA viel leisten. Er muss seine Hauptfigur noch einmal neu vorstellen und den historischen Rahmen setzen. Auch muss er die emotionale Verbindung zu Blair aufbauen und zugleich den Grundstein für die Folgebände legen.</p>
<p>Genau deshalb verzeihe ich ihm auch kleinere Unebenheiten. Manche Szene erklärt halt doch ein wenig mehr, als sie vielleicht müsste. Manche reale Figur bleibt etwas stärker Funktion als voller Charakter. Trotzdem entwickelt sich der Band erstaunlich gut. Gerade im Rückblick sehe ich, wie sauber hier gearbeitet wurde, weil spätere Bände genau an einzelnen Punkten ansetzen können und die Reihe Schritt für Schritt weiter entwickeln &#8211; allerdings dunkler und persönlicher.</p>
<p>Für mich ist das die vielleicht schönste Qualität dieses Auftakts. Er will nicht alles schon im ersten Anlauf überbieten. Er legt an, pflanzt Motive, baut Beziehungen. Und er sorgt dafür, dass man nach der letzten Seite nicht das Gefühl hat, einen abgeschlossenen Einfall gelesen zu haben, sondern am den Beginn einer größeren Lebensgeschichte steht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3396" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746.jpg" alt="Innenseite 36 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_36_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="(max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>PATIENT A führt die Reihe in deutlich dunklere Zonen</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-thumbnail wp-image-3406" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_02_Cover_372x500-1-113x150.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF - DER PATIENT A" width="113" height="150" />Der zweite Band knüpft direkt an Bletchley Park an. RUMMELSDORF und Blair arbeiten weiter an der Entschlüsselung deutscher Kommunikation. Zwischen beiden ist inzwischen mehr gewachsen als Freundschaft. Genau das macht den Einstieg hier angenehm, weil die Reihe ihre Figuren nicht neu sortieren muss.</p>
<p>Dann kommt ein codierter Hilferuf. Wissenschaftler werden von den Nazis gezwungen, an einem Forschungsprogramm mitzuwirken. Dieses Mal führt die Spur nach Berlin. Aus dem Denkabenteuer des ersten Bandes wird damit ein deutlich riskanteres Unternehmen mitten im Machtbereich des verfeindeten Regimes. Der Ton kippt spürbar, die Serie wird dunkler, härter. Sie bleibt zwar zugänglich, wirkt aber nun ernster und dichter.</p>
<p>Gerade diese Verschiebung finde ich stark. Der erste Band lebt von Entdeckung, Tempo und dem Zauber eines großen Rätsels. Der zweite Band zwingt RUMMELSDORF viel direkter in die moralische Wirklichkeit des Krieges. Das gibt der Figur weiter Gewicht.</p>
<p>Blair wird dabei noch wichtiger. Sie läuft nicht bloß mit oder wird als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Damsel_in_Distress" target="_blank" rel="nofollow noopener">Damsel-in-Distress</a> verwendet. Sie greift ein, sie denkt mit und sie hält die Geschichte menschlich. Dadurch wächst auch mein Blick auf RUMMELSDORF. Er ist jetzt nicht mehr nur der kluge junge Graf, der spannende Probleme löst. Er wird zu jemandem, dessen Intelligenz in einer brutalen Welt bestehen muss. Genau an diesem Punkt zeigt sich, dass die Reihe mehr sein will als ein hübsches Historien-Abenteuer.</p>
<h3>EINE HANDVOLL KOHLENSTOFFATOME öffnet die Reihe in eine neue Richtung</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-thumbnail wp-image-3404 alignright" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_03_Cover_372x500-113x150.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF - EINE HANDVOLL KOHLENSTOFFATOME" width="113" height="150" />Der dritte Band springt in den Herbst 1951. Schon dieser Zeitsprung tut der Serie gut, weil er das Konzept weitet. Eine etwas exzentrische Amerikanerin namens <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Sanger" target="_blank" rel="nofollow noopener">Margaret Sanger</a> taucht auf Schloss Rummelsdorf auf. Sie hat von den Forschungen des Grafen zur Empfängnisverhütung gehört und nimmt ihn mit nach Boston. Dort soll ein Labor helfen, eine Pille zu entwickeln.</p>
<p>Das ist ein überraschender, aber sehr kluger Schritt. Die Reihe bleibt bei Wissenschaftsgeschichte, nur verschiebt sich der Schwerpunkt weg vom Krieg und hin zu Fragen von Körper, Selbstbestimmung und Verantwortung.</p>
<p>Ich finde diesen Band als Fortsetzung besonders spannend, weil er zeigt, dass die Serie nicht in ihrem Kriegsstoff gefangen bleiben muss. Sie will mehr, will RUMMELSDORF als Figur des 20. Jahrhunderts erzählen. Jemanden, der an entscheidenden Momenten wissenschaftlicher Entwicklung beteiligt ist und daran zugleich persönlich leidet.</p>
<p>Genau dadurch gewinnt auch der Auftakt rückwirkend an Tiefe. Was in RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA noch wie ein kluges Abenteuer mit historischem Kern beginnt, wächst in den Folgebänden zu einer Reihe, die Wissenschaft und Moral zu einer Einheit verbindet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3397" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746.jpg" alt="Innenseite 37 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_37_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Wo der erste Band überzeugt und bremst</h3>
<p>Was mir an RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA wirklich gut gefällt, ist seine Art, Spannung aus Intelligenz zu holen. Der Comic hat Vertrauen in seine Leserinnen und Leser. Er glaubt daran, dass ein chiffrierter Brief, ein kluger Einfall und eine gut geschriebene Begegnung reichen können, um Spannung zu erzeugen. Vor allem reicht es, weil Blair und RUMMELSDORF als Paarung so gut funktionieren. Zwischen beiden liegt etwas Zartes, Neugieriges und Unfertiges. Genau das macht sie glaubhaft. Ich habe den Band nicht nur wegen seiner historischen Kulisse gern gelesen, sondern auch, weil ich diesen beiden Figuren beim Denken und Annähern gern zugesehen habe.</p>
<p>Ganz ohne Einschränkung komme ich trotzdem nicht aus. An manchen Stellen merkt man dem Album an, dass es ein erster Band ist. Er muss die Welt erklären, Namen einführen und historische Dinge &#8211; zumindest knapp &#8211; einordnen. Dadurch fehlt ihm gelegentlich der letzte Hauch Leichtigkeit, den spätere Fortsetzungen an einigen Stellen sogar stärker entwickeln. Das ist aber kein schweres Problem.</p>
<p>Es ist eher die kleine Reibung eines sehr ambitionierten Auftakts. Für mich überwiegt ganz klar der Gewinn. Der Band ist klug gebaut, lesbar, warm und deutlich charakterstärker, als man es von einem historischen Spin-Off vielleicht zunächst erwarten würde.</p>
<h3>Zeichnungen, die Rätsel greifbar machen</h3>
<p>David Etien ist genau der richtige Zeichner für diesen Stoff. Sein Strich bleibt beweglich und klar. Die Figuren haben Ausdruck, ohne zur Karikatur zu werden. Räume, Maschinen und historische Details wirken konkret, nie steif oder künstlich. Schloss, Arbeitsräume, Züge und Bletchley Park haben in diesem Comic nicht bloß einen Dekorwert. Man spürt, wie dort gedacht, beobachtet und gearbeitet wird. Das hilft der Geschichte enorm, weil ein Stoff über Codeknacker nur dann funktioniert, wenn die Welt drumherum glaubwürdig bleibt.</p>
<p>Dazu kommt ein gutes Gefühl für Tempo. Etien kann eine Szene leicht halten, wenn der Band spielen will. Er kann sie verdichten, wenn Gefahr aufzieht. Das passt hervorragend zu einem Album, das zwischen Charme, Romantik und Kriegsdruck balanciert. Ich würde sogar sagen, dass ein Teil der Zugänglichkeit dieser Reihe direkt aus den Zeichnungen kommt. Sie laden ein. Sie schrecken nicht ab. Und genau deshalb erreicht der Comic sowohl erfahrene Leser als auch Menschen, die mit frankobelgischen Reihen sonst wenig anfangen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3398" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746.jpg" alt="Innenseite 38 von RUMMELSDORF ENIGMA" width="746" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746.jpg 746w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_INNENSEITE_38_1000X746-600x804.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA ist für mich ein sehr gelungener Reihenauftakt. Der Band ist klug, warm und spannend, ohne laut zu werden. Er erzählt von Krieg, Wissenschaft und Verschlüsselung. Vor allem aber erzählt er von Menschen, die mit ihrem Kopf und ihrem Herzen gegen eine dunkle Zeit anarbeiten. Gerade das macht ihn so lesenswert.</p>
<p>Wer nur ein historisches Abenteuer sucht, bekommt hier schon viel. Wer etwas mehr will, bekommt zusätzlich eine Figur, die im Lauf der Reihe sichtbar an Tiefe gewinnt und eine interessante Vorgeschichte erhält. Und genau deshalb bleibt RUMMELSDORF &#8211; ENIGMA für mich nicht bloß der erste Band einer Serie, sondern ein Band, der ihr ein Gesicht verleiht.</p>
<p>P.S. Mit <a href="https://www.carlsen.de/softcover/spirou-prasentiert-7-rummelsdorf-4/978-3-551-80750-2" target="_blank" rel="nofollow noopener">RUMMELSDORF &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE</a> erscheint beim Carlsen Verlag in Kürze <strong>der vierte Band der Reihe</strong>, der dem Cover-Bild zu Folge den Weg zu den Schattenseiten des technologischen Fortschritts beschreitet. Ich freue mich schon darauf&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3393" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743-300x404.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF ENIGMA" width="300" height="404" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743-300x404.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743-600x808.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RUMMELSDORF_01_COVER_1000X743.jpg 743w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>



</p>
<ul id="infobox">
<li>SPIROU PRÄSENTIERT: RUMMELSDORF 1 &#8211; ENIGMA</li>
<li>Beka und David Etien</li>
<li>Hardcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-77676-1</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★★☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/softcover/spirou-prasentiert-4-rummelsdorf-1-enigma/978-3-551-77676-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/rummelsdorf-hilft-die-enigma-codes-zu-knacken/">RUMMELSDORF hilft die ENIGMA-Codes zu knacken</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>MEGAMIND &#8211; Wenn der Erzfeind plötzlich fehlt</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/megamind-wenn-der-erzfeind-ploetzlich-fehlt/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/04/megamind-wenn-der-erzfeind-ploetzlich-fehlt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 05:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
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		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Alan Schoolcraft]]></category>
		<category><![CDATA[Brent Simons]]></category>
		<category><![CDATA[Dreamworks]]></category>
		<category><![CDATA[Tom McGrath]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich habe ein weiches Herz für Filme, die ihre eigene Prämisse mit Schwung gegen die nächste Wand fahren und daraus etwas Besseres bauen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Dreamworks Animationsfilm MEGAMIND aus dem Jahr 2010. Auf den ersten Blick wirkt alles wie eine fröhlich freche Superheldenparodie. Ein blauer Superschurke mit riesigem Schädel, ein geschniegelt [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe ein weiches Herz für Filme, die ihre eigene Prämisse mit Schwung gegen die nächste Wand fahren und daraus etwas Besseres bauen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Dreamworks Animationsfilm MEGAMIND aus dem Jahr 2010.</p>
<p>Auf den ersten Blick wirkt alles wie eine fröhlich freche Superheldenparodie. Ein blauer Superschurke mit riesigem Schädel, ein geschniegelt strahlender Held, eine schlagfertige Reporterin und eine Stadt, die täglich gerettet werden will. Alles wie gehabt. Nach wenigen Minuten kippt der Film aber in etwas Überraschendes. Ich sehe keinen bloßen Klamauk, sondern eine Geschichte über Rollen, Gewohnheiten und die seltsame Leere nach dem großen Sieg.</p>
<p>Regisseur Tom McGrath und die Autoren Alan Schoolcraft und Brent Simons stellen die Welt des Superheldenfilms lustvoll auf den Kopf und holen aus dem Witz eine erstaunlich warme Figur heraus.<span id="more-3683"></span></p>
<h3>Blaue Birne, goldenes Idol und eine genervte Reporterin</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-3684 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND-300x303.png" alt="Beispielbild 4 von MEGAMIND" width="300" height="303" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND-300x303.png 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND-113x114.png 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND-600x607.png 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND.png 712w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Im Zentrum stehen vier Figuren, die sofort sitzen. MEGAMIND ist der ewige Verlierer mit übergroßem Ego und noch größerem Bedürfnis, überhaupt gesehen zu werden.</p>
<p>Metro Man ist der perfekte Held, blütenweiß, gefeiert, fast schon als Popstar inszeniert. Dazu später mehr.</p>
<p>Roxanne Ritchi, eine Reporterin, ist wahrlich keine Deko neben der Action, sondern der wache Blick des Films. Sie ist schnell, genervt, mutig und hat für die immer gleichen Entführungen längst keine ehrfürchtige Geduld mehr.</p>
<p>Dazu kommt Minion, dieser herrlich absurde Fisch im Roboterkörper, der trotz seiner Rolle als Sidekick oft die klarste Sicht auf die Lage hat.</p>
<p>Und schon der Prolog macht deutlich, warum diese Konstellation trägt. Zwei Babys verlassen ihre sterbenden Welten (Superman lässt grüßen!), landen auf der Erde und wachsen unter völlig verschiedenen Bedingungen auf. Der eine wird gefeiert, der andere aussortiert.</p>
<p>Aus diesem schiefen Start entwickelt der Film dann seine alte, immer noch wirksame Frage: Wer wird zum Helden gemacht und wer zum Bösewicht erklärt? Ich mag es, wie flott das erzählt wird. Nichts wirkt schwer. Selbst die Herkunftsgeschichte hat Tempo, Witz und eine leicht traurige Kante.</p>
<h3>Gefangen in der Rolle</h3>
<p>Noch schöner finde ich, wie selbstverständlich der Film dann in seinen Alltag springt. MEGAMIND entführt Roxanne. Metro Man rettet sie. Die Stadt jubelt. MEGAMIND verliert. MEGAMIND baut eine Maschine. Metro Man zerstört sie. MEGAMIND verliert. Wieder und wieder.</p>
<p>Diese Schleife ist die Weltordnung von Metro City. Genau darin steckt schon der beste Einfall des Films. Nicht der Kampf zwischen Gut und Böse ist interessant, sondern seine Routine.Fühle ich mich dabei an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Road_Runner_und_Wile_E._Coyote" target="_blank" rel="nofollow noopener">Road Runner und Wile E. Coyote</a> erinnert? Natürlich. Ich spüre beim Schauen schnell, dass beide Figuren in einem Theaterstück festsitzen, das sie seit Jahren aufführen. Der Film macht daraus einen Running Gag, aber auch eine tragende Idee.</p>
<p>Als MEGAMIND seinen &#8222;Erzfeind&#8220; Metro Man endlich ausschaltet, müsste sein Triumph vollkommen sein. Stattdessen hängt plötzlich alles in der Luft. Der Superschurke bekommt, was er immer wollte und merkt sofort, dass er ohne Gegenspieler gar nicht weiß, wer er noch sein soll.</p>
<p>Diese Wendung funktioniert für mich bis heute. Sie ist witzig, traurig und erstaunlich erwachsen, ohne je die Leichtigkeit zu verlieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="text-align: center;"><span class="embed-privacy-url"><a href="https://www.youtube.com/embed/ck3aTtd6q18?si=f8ugnUOwVI496izn">Eingebetteten Inhalt von YouTube öffnen</a></span></div>
<h3>Der Sieg schmeckt überraschend schal</h3>
<p>Von hier an wird der Film erst richtig gut. MEGAMIND erzählt nun keinen simplen Macht- sondern einen Identitätswechsel.</p>
<p>Der große Sieger sitzt in seinem Versteck &#8211; und langweilt sich! Er verwüstet die Stadt, spielt mit seinen Gadgets, zelebriert sich selbst, aber nichts füllt die innere Leere. Ich mag an diesen Szenen besonders, dass der Film seinen (Anti-)Helden wider Willen nicht weichzeichnet. MEGAMIND bleibt eitel, pathetisch und theatralisch. Gerade deshalb fühlt sich seine Orientierungslosigkeit ehrlich an.</p>
<p>Aus dieser Leere heraus entsteht dann die nächste, wunderbar dumme und zugleich aber folgerichtige Idee. Wenn kein Held mehr da ist, dann baut man sich eben einen neuen. Heureka!</p>
<p>An diesem Punkt bringt der Film Hal Stewart ins Spiel, Roxanne&#8217;s schmierigen Kameramann mit Minderwertigkeitskomplex, Fantasien eigener Größe und ohne jeglichen moralischen Kompass. Aus dem geplanten Titan wird durch ein kleines Sprachmissverständnis Tighten und in dieser falschen Schreibweise steckt schon die ganze Figur.</p>
<p>Statt sich einzuengen, zu straffen, anzuziehen (was dem englischen &#8222;to tighten&#8220; entsprechen würde) will er sich aufblasen und entwickelt dabei eine unangenehme Mischung aus Bedürftigkeit und Selbstüberschätzung. Ich finde das stark, weil der Film hier schlagartig die Temperatur ändert.</p>
<p>Aus dem neckischen Witz über Superhelden wird plötzlich eine Geschichte über gekränkte Männlichkeit, über Machtfantasien und darüber, wie schnell ein Loser gefährlich wird, sobald er echte Macht in die Hand bekommt. Das bleibt familienfreundlich erzählt, aber die Schärfe ist da. Nur &#8211; an was bzw. wen erinnert mich das gerade? Ja, richtig <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/taco-man-trump-100.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">TACO-Man</a>!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_3685" aria-describedby="caption-attachment-3685" style="width: 900px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3685 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_1_600X900.jpg" alt="Beispielbild 3 von MEGAMIND" width="900" height="600" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_1_600X900.jpg 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_1_600X900-300x200.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_1_600X900-750x500.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_1_600X900-113x75.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_1_600X900-768x512.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_1_600X900-600x400.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption id="caption-attachment-3685" class="wp-caption-text">Beispielbild aus MEGAMIND copyright Dreamworks</figcaption></figure></p>
<h3>Zwischen Verkleidung, Verliebtheit und Absturz</h3>
<p>Parallel dazu lässt der Film MEGAMIND unter einer Tarnidentität in Roxanne&#8217;s Nähe schlüpfen. Auch das könnte leicht schiefgehen. Tut es aber nicht, weil Roxanne nicht zur Trophäe verkommt und weil MEGAMIND&#8217;s Täuschung nie als romantisch sauber verkauft wird.</p>
<p>Ich habe diese Passagen immer als heiklen Teil des Films empfunden. Tom McGrath und das Drehbuch balancieren sie jedoch ordentlich aus. Die Annäherung hat Charme, weil MEGAMIND dort zum ersten Mal ohne Pose agiert. Er hört zu, improvisiert und stolpert aus seiner Rolle. Gleichzeitig bleibt klar, dass auf dieser Beziehung ein Betrug liegt, der nicht einfach weg zu lächeln ist.</p>
<p>Dramaturgisch zieht der Film hier sauber an. Tighten wird zur echten Bedrohung, MEGAMIND verliert seine bequeme Ironie und Roxanne erkennt, dass hinter seinen Spielereien mehr als bisher vermutet steckt &#8211; aber auch reichlich Selbsttäuschung. Aus dieser Bewegung wächst das eigentliche Thema des Films: Nicht die Herkunft entscheidet, sondern die Wahl, die jemand trifft, wenn eine alte Rolle nicht mehr passt.</p>
<p>Ich finde es sehr angenehm, dass der Film diese Idee nicht mit pädagogischem Zeigefinger verkauft. Er kleidet sie in Action, Slapstick, peinliche Flirts und großes Superheldenkino. Genau deshalb kommt sie bei mir an. Der Humor trägt die Geschichte, statt sie klein zu halten. Wenn Minion trocken kommentiert, wenn MEGAMIND wieder einen Auftritt zu groß plant oder wenn Tighten seine neue Macht mit pubertärer Wucht missbraucht, dann lacht der Film &#8211; aber nie über seine Figuren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_3686" aria-describedby="caption-attachment-3686" style="width: 900px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3686 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_2_506X900.jpg" alt="Beispielbild 2 von MEGAMIND" width="900" height="506" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_2_506X900.jpg 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_2_506X900-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_2_506X900-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_2_506X900-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_2_506X900-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_2_506X900-600x337.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption id="caption-attachment-3686" class="wp-caption-text">Beispielbild aus MEGAMIND copyright Dreamworks</figcaption></figure></p>
<h3>Popshow mit Herz</h3>
<p>Gerade darin liegt die Stärke von MEGAMIND. Der Film versteht Superhelden nicht als heilige Ikonen, sondern als öffentliche Rollen mit Kostüm, Gestus und Show-Wert. McGrath hat diese Gegensätze selbst <a href="https://www.denofgeek.com/movies/tom-mcgrath-interview-on-megamind-animation-3d-brad-pitts-singing-and-superheroes/" target="_blank" rel="nofollow noopener">sehr plastisch beschrieben</a>, indem er den Bösewicht und den Helden eher wie Bühnenfiguren dachte, grob in Richtung <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Cooper" target="_blank" rel="nofollow noopener">Alice Cooper</a> auf der einen und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Elvis_Presley" target="_blank" rel="nofollow noopener">Elvis Presley</a> auf der anderen Seite. Das spürt ich in beinah jeder Szene. Metro Man ist glänzende Performance mit &#8222;Hüftschwung&#8220;, MEGAMIND ist dunkle Pose in Latex-Leder mit Spitze und Nebelmaschine im Kopf. Diese überzeichnete &#8222;Showhaftigkeit&#8220; macht den Film präzise. Sie passt zu einer Welt, in der Gut und Böse längst Teil eines öffentlichen Spektakels geworden sind.</p>
<p>Dazu kommt ein hübscher Blick hinter die Entstehung. Schoolcraft und Simons hatten den Stoff ursprünglich als Live Action Projekt mit dem Arbeitstitel MASTERMIND entwickelt, bevor daraus Jahre später der Animationsfilm wurde. Vielleicht erklärt genau das, warum die Figuren hier trotz ihrer cartoonesken Art oft als echte Comedy-Rollen funktionieren.</p>
<h3>Tempo, Licht und wüste Einfälle</h3>
<p>Visuell hat der Film ebenfalls mehr zu bieten, als ich ihm beim ersten Sehen des Trailers zugetraut hätte. Die Designs arbeiten mit klaren Gegensätzen. MEGAMIND&#8217;s Welt lebt von kaltem Blau, metallischen Oberflächen und einem Hang zur großen Show. Metro Man bringt Gold, Glanz und saubere Flächen mit. Wenn Tighten später die Ordnung von Metro City zerreißt, kippt auch die Farbdramaturgie spürbar ins Unruhige. Besonders die Nachtszenen haben Gewicht.</p>
<p>Für die Sequenz, in der Roxanne in der nächtlichen Stadt in Gefahr gerät, legte das Dreamworks Team großen Wert auf glaubwürdige Stadtbeleuchtung, weiche Straßenlichter und ein spürbar echtes Nachtgefühl. Metro City wirkt dort nicht wie eine generische digitale Kulisse, sondern wie ein Raum mit Tiefe, Lichtinseln und echtem Risiko.</p>
<p>Der Schnitt hält dazu ein gutes Tempo. Der Film rennt selten bloß von Gag zu Gag. Er nimmt sich die nötigen Sekunden, damit Blick, Pause und peinliche Stille überhaupt komisch werden können.</p>
<p>Kleine Schwächen gibt es trotzdem. Im letzten Drittel wird der Film konventioneller, als ich es mir wünsche. Er biegt dann doch stärker in vertraute Bahnen des Familien Blockbusters à la <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0317705/?ref_=nv_sr_srsg_7_tt_8_nm_0_in_0_q_the%20in" target="_blank" rel="nofollow noopener">DIE UNGLAUBLICHEN</a> ein. Ganz los wird MEGAMIND seine Studiomechanik also doch nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_3687" aria-describedby="caption-attachment-3687" style="width: 900px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-3687 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_3_506X900.jpg" alt="Beispielbild 1 von MEGAMIND" width="900" height="506" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_3_506X900.jpg 900w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_3_506X900-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_3_506X900-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_3_506X900-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_3_506X900-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_BEISPIELBILD_3_506X900-600x337.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px" /><figcaption id="caption-attachment-3687" class="wp-caption-text">Beispielbild aus MEGAMIND copyright Dreamworks</figcaption></figure></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Am Ende bleibt für mich ein Animationsfilm, der sehr genau weiß, wie albern sein Konzept ist und mich gerade deshalb emotional trifft. Ich bekomme Witz, Tempo, starke Designs und eine Hauptfigur, die als Witzfigur beginnt und dann langsam zum Menschen wird, auch wenn sie blau ist und einen riesigen Schädel hat.</p>
<p>Das ist keine Revolution des Genres. Dafür ist der Schluss etwas zu ordentlich. Aber ich nehme aus dem Film etwas mit, das bei vielen lauteren Superheldenspektakeln fehlt: Zuneigung!</p>
<p>MEGAMIND macht sich nie klein, aber er macht seine Charaktere auch nicht zu Witzfiguren ohne Innenleben. Genau deshalb schaue ich ihn gern immer wieder. Und deshalb hat dieser Film in der großen Reihe animierter Superheldenspielereien bis heute einen ziemlich besonderen Platz.</p>
<p>Meine Empfehlung: Anschauen!</p>
<p>P.S. Die Anregung für diesen Post habe ich bei <a href="https://tillmanncourth.de/trickfilmtipp-megamind/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Tillmann Courth</a> gefunden. Ich hatte den Film lange nicht mehr auf dem Schirm. Danke dafür!</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3688" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_COVER_900X609-300x443.jpg" alt="Filmposter von MEGAMIND" width="300" height="443" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_COVER_900X609-300x443.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_COVER_900X609-102x150.jpg 102w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_COVER_900X609-600x887.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MEGAMIND_COVER_900X609.jpg 609w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>MEGAMIND</li>
<li>Regisseur Tom McGrath</li>
<li>Autoren Alan Schoolcraft und Brent Simons</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★★☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.dreamworks.com/about" target="_blank" rel="nofollow noopener">Dreamworks</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/megamind-wenn-der-erzfeind-ploetzlich-fehlt/">MEGAMIND – Wenn der Erzfeind plötzlich fehlt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>KALIMBO &#8211; MATA-MATA Ein Zebra sucht seine Familie</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/03/kalimbo-mata-mata-ein-zebra-sucht-seine-familie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2026 05:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropomorph]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Dani Books Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Didier Crisse]]></category>
		<category><![CDATA[Fred Besson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Afrika, die Savanne. Im Gras zirpen die Grillen und in der Ferne hört man das Lachen der Hyänen. Dieser Comic nimmt mich direkt mit ins Licht des schwarzen Kontinents, mit zu seinen Bewohnern und seinen Abenteuern. Und gleich zu Beginn begegne ich einem meiner Lieblingstiere. Ein alter Elefant, KALIMBO, spürt den Ruf seiner Ahnen. Makoussa, [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/03/kalimbo-mata-mata-ein-zebra-sucht-seine-familie/">KALIMBO – MATA-MATA Ein Zebra sucht seine Familie</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Afrika, die Savanne. Im Gras zirpen die Grillen und in der Ferne hört man das Lachen der Hyänen. Dieser Comic nimmt mich direkt mit ins Licht des schwarzen Kontinents, mit zu seinen Bewohnern und seinen Abenteuern. Und gleich zu Beginn begegne ich einem meiner Lieblingstiere.</p>
<p>Ein alter Elefant, KALIMBO, spürt den Ruf seiner Ahnen. Makoussa, ein Löwe &#8211; und auch schon mit weißer Mähne &#8211; hält zu ihm. Ein junges Zebra platzt in diese traute Zweisamkeit wie ein Witz, der erst später weh tut. Wie sich zeigt, setzt KALIMBO &#8211; MATA-MATA auf eine Fabelstruktur, was mir sofort gefällt.<span id="more-3177"></span></p>
<p>Diese Geschichte nimmt Kinder ernst, ohne ihre Eltern und andere Erwachsene auszuschließen. Humor und Melancholie laufen hier parallel. Die Figuren reden wie Menschen, bleiben aber optisch Tiere. Diese Zurückhaltung verhindert süßen Kitsch und öffnet Räume für echte Themen wie das Altern, Abschiede und Verantwortung.</p>
<p>Mit Beginn der ersten Panels lockt mich die Geschichte mit ihrem warmen Ton und dem All-Ages-Zugriff, mit ihrem sanften Abenteuer und lässt mich anschließend nicht mehr los.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3167" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-03_1000X759.jpg" alt="Innenseite 3 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-03_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-03_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-03_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-03_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-03_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Der Ruf des Elefantenfriedhofs</h3>
<p>KALIMBO ist der Patriarch eines Elefantenclans. Gut, das hat mit Zoologie jetzt wenig zu tun, da die Herden üblicherweise von Elefantenkühen geführt werden. Egal, Schwamm drüber.</p>
<p>KALIMBO ist alt, er ist müde und hört den Ruf seines bevorstehenden Endes. Also trifft er eine Entscheidung, die würdevoll und radikal zugleich wirkt. Er verlässt seine Herde, will zum Elefantenfriedhof. Nicht aus Sensationslust, sondern aus innerer Logik. Er will dorthin, wo seine Geschichte ausklingen soll.</p>
<p>Makoussa begleitet ihn. Der Löwe ist nicht nur ein Jäger und eine Gefahr für seine Beutetiere. Er ist auch Bindung an gemeinsam erlebte Zeiten, da sich die Beiden lange kennen. Makoussa respektiert KALIMBO, aber er widerspricht ihm auch. Das ist wichtig, weil die Reise sonst schnell zu einem stillen Sterbemarsch werden könnte.</p>
<p>Stattdessen entsteht sofort eine schöne Dynamik. Zwei alte Freunde, die sich kennen. Freunde, die eine lange Strecke hinter sich und eine letzte Strecke vor sich haben. Und zwei Charaktere, die sehr menschliche Fragen im Gepäck haben. Was schuldet man einer Gemeinschaft? Was darf man sich selbst zugestehen? Und wann wird Würde zu Sturheit?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3168" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-04_1000X759.jpg" alt="Innenseite 4 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-04_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-04_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-04_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-04_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-04_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Der Störenfried als Lebensfunke</h3>
<p>Auf ihrem Weg trifft das Duo auf Mata-Mata, ein junges, zappeliges Zebra. Es ist unruhig, es ist überdreht und allein. Es wurde von seiner Herde getrennt, nachdem die Gnus &#8211; in Afrika gerne auch Zero-Brains genannt &#8211; in der Migration panisch durch die Gegend geprescht sind.</p>
<p>Plötzlich wird aus einem geplanten Abschied erst einmal eine Rettungsmission. Nicht, weil KALIMBO plötzlich jung wird und noch einmal eine neue Aufgabe findet, sondern weil er als verantwortungsbewusster Patriarch nicht einfach wegsehen kann.</p>
<p>Mata-Mata ist die Sorte Figur, die in einer schlechten Geschichte nervt. Hier funktioniert sie gut. Der Grund liegt klar im Kontrast der Charaktere.</p>
<p>KALIMBO trägt Schwere, Makoussa trägt Loyalität und Mata-Mata trägt Dynamik. Er redet viel, überschätzt sich immer wieder und bringt Chaos in die kleine Gemeinschaft.</p>
<p>Genau dadurch zwingt er die beiden Alten jedoch, Position zu beziehen. Der Elefant wird allerdings nicht zum niedlichen Opa, ebenso wenig wie der Löwe zum brummigen Babysitter wird. Stattdessen entsteht ein seltsames Trio, das auf einmal ein neues Ziel braucht. Und ja: irgendwie erinnern mich die Drei frappierend an <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0268380/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_ice%2520age" target="_blank" rel="noopener">Ice Age</a> der Blue Sky Studios aus dem Jahr 2002.</p>
<p>Die Fabel setzt damit ihren zentralen Hebel. Der Tod bleibt im Raum. Die Lebensenergie drängt hinein. Zwischen beiden Polen entsteht eine Wärme, die nicht geschniegelt wirkt. Und das ist der Moment, in dem der Band anfängt, größer zu sein als sein Ausgangspitch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3169" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-05_1000X759.jpg" alt="Innenseite 5 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-05_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-05_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-05_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-05_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-05_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Drei Blickwinkel auf dieselbe Steppe</h3>
<p>Mehr als jede einzelne Szene trägt diese Konstellation das Narrativ und zeigt mir drei Perspektiven auf dieselbe Welt. KALIMBO sieht Endlichkeit, Makoussa sieht Pflicht. Und Mata-Mata? Er sieht vor allem sich selbst. Das klingt hart, ist aber ehrlich. Und es ist komisch, weil sich dieses halbstarke Zebra oft selbst im Weg steht.</p>
<p>Die Reiseform erlaubt zudem kleine Prüfungen, ohne dass die Handlung ständig explodieren muss. Die Savanne ist eine Kulisse, aber eine sprechende: Hunger ist präsent, Gefahr in Form von Geparden und Wildhunden auch. (Und nein, es sind keine Hyänen.)</p>
<p>Gleichzeitig bleibt das Abenteuer jedoch familienfreundlich. Es geht nicht um Blut, es geht um Haltung. Wer schützt wen? Wann kippt Hilfe in Bevormundung? Und was macht man, wenn der eigene Plan plötzlich nicht mehr der wichtigste ist?</p>
<p>Ich mag an diesem Mittelteil, dass die Geschichte sich nicht dauernd erklärt. Sie lässt die Figuren sich aneinander reiben. KALIMBO ist nicht nur Altersweise, er ist auch stolz. Makoussa ist nicht nur tapfer, sondern auch vorsichtig. Und Mata-Mata ist nicht nur nervig, sondern auch verletzlich. So entsteht Empathie, die ohne einen pädagogischen Zeigefinger auskommt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3170" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-06_1000X759.jpg" alt="Innenseite 6 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-06_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-06_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-06_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-06_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-06_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Etappe statt Finale</h3>
<p>Am Ende steht nicht der große Twist. Der Band wirkt eher wie eine in sich geschlossene Etappe. Genau das passt zu der Art, wie er erzählt wird.</p>
<p>Ein Weg wird gegangen, ein Plan korrigiert. Beziehungen verändern sich, aber die Grundfrage bleibt: Wie geht man mit dem Ende um, wenn das Leben unterwegs dazwischenkommt?</p>
<p>Ja, manchmal wünschte ich, dass sich die Geschichte an manchen Stellen stärker zuspitzen würde. Das ist dann aber wohl der Preis der Zugänglichkeit.</p>
<p>Der Band will niemanden verschrecken. Er will ein Einstieg sein. Dafür setzt er auf klare Emotionen und eine leicht lesbare Dramaturgie. Schließlich ist dies der erste Band einer geplanten Reihe, bei dem der kommende (<a href="https://www.danibooks.de/kalimbo/193-kalimbo-band-2-der-grosse-malak.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kalimbo &#8211; Band 2: Der große Malak</a>) schon in den Startlöchern stand. Das erklärt die Balance. Der erste Teil will vor allem Figuren etablieren und einen Ton setzen.</p>
<p>Ich bleibe mit einem guten Gefühl, aber auch mit Neugier zurück. Und genau das ist für Band eins ein sauberer Job.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3171" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-07_1000X759.jpg" alt="Innenseite 7 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-07_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-07_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-07_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-07_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-07_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Savannenlicht in klaren Panels</h3>
<p>Fred Besson übernimmt in diesem Comic Zeichnung und Farbe. Alles greift schön ineinander. Die Figuren sind klar lesbar, die Mimik ist ausdrucksstark. Besson&#8217;s Körper wirken &#8222;tierisch&#8220; realistisch, nicht verkleidet. Gerade diese minimale Vermenschlichung macht aber auch die Emotionen glaubwürdig.</p>
<p>Farblich setzt der Band auf Wärme, afrikanisches Gelb, Ocker, Abendrot. Die Savanne bekommt ihre Bühne, die nach Gras, Staub und Tieren riecht. Kontraste bleiben weich. Das passt zum Ton.</p>
<p>Panels führen das Auge ruhig, die Action bleibt überschaubar. Dafür funktionieren Blicke, Pausen und kleine Gesten sehr gut. Wenn KALIMBO innehält, fühlt sich das schwer an. Wenn Mata-Mata losplappert, fühlt sich das leicht an.</p>
<p>Ich würde mir manchmal mehr Mut zur Wildheit wünschen. Mehr Staub, mehr Kante im Licht, mehr visuelle Gefahr. Andererseits liegt genau darin die Strategie. KALIMBO &#8211; MATA-MATA will nicht als Naturdokumentation sondern als Fabel wirken. Und als Fabel zeichnet Besson sicher, elegant und leserfreundlich.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3172" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-08_1000X759.jpg" alt="Innenseite 8 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-08_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-08_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-08_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-08_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-08_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Werkspuren durch mehrere Reihen</h3>
<p>Didier Crisse ist ein Vielschreiber im frankobelgischen Kosmos. Er bewegt sich seit Jahren zwischen Abenteuer, Fantasy und Familienstoff. Beim deutschen Splitter-Verlag taucht sein Name in Zusammenhang mit Serien wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/atalante-bd-1-der-pakt.html" target="_blank" rel="noopener">ATALANTE</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/ishanti-bd-1-die-tranen-der-isis.html" target="_blank" rel="noopener">ISHANTI</a> auf.</p>
<p>Frédéric Besson hat eine interessante Doppelrolle. Er arbeitet als Illustrator, aber auch als Kolorist. Mehrere Profile beschreiben, dass er in Nantes Grafik studierte, ein Praktikum bei Crisse machte und danach als Colorist bei <a href="https://www.editions-soleil.fr/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Soleil</a> arbeitete. Diese Herkunft erklärt, warum seine Farben nicht wie ein Lack wirken, sondern wie ein intensiver Bestandteil der Zeichnung.</p>
<p>Auch die gemeinsame Werkspur ist gut sichtbar. Besson taucht bei Titeln wie <a href="https://www.amazon.de/Anya-LOiseau-bleu-Fred-Besson/dp/2357960981" target="_blank" rel="nofollow noopener">ANYA</a> auf. Er ist ebenso mit Crisse bei JUSQU’AU RÉCIF gelistet. In Bibliografien wird er außerdem mit ISHANTI verbunden.</p>
<p>Dazu kommt <a href="https://www.amazon.de/Private-Ghost-White-Bloody-Mary/dp/284565622X?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=SIIRJAGK6N7C&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.qv_YOncmjqFvn8LaINmA6T_enH-fa2zGzRWHppm6fb0w3GlEAp4Api6zT3oEv_xkpFxi5_SZ42a3b625zTOav0QDrLLFzl-bIeqC8qxQ4gniKcX77TYnYbQbmR5nta1VdNDKyP7bPCzjcPmGn0nYq1nIegbTnsqkmcRW3SS0FMkIdmExho-KMJo8t6EWvQN-iF4Pz7oWZk1mDIaY0-SIL8lmFlG-7vnOe07v_uFg-d4.pHwLqddA2wqBI1-Ygte8No0Aizigvz088akUpMcIwVM&amp;dib_tag=se&amp;keywords=private+ghost+frederic+bessons&amp;qid=1774285938&amp;sprefix=private+ghost+frederic+bessons%2Caps%2C120&amp;sr=8-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">PRIVATE GHOST</a>, wo beide ebenfalls zusammen genannt werden. Wer diese Titel kennt, erkennt eine Vorliebe. Die beiden mögen klare Abenteuersetups. Sie mögen starke Bildstimmung. Und sie mögen Figuren, die über Humor an ernste Themen herangeführt werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3173" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-09_1000X759.jpg" alt="Innenseite 9 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-09_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-09_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-09_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-09_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-09_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Elefantenfriedhof? Mythos und Wirklichkeit</h3>
<p>Der Elefantenfriedhof ist eine dieser Ideen, die bei mir sofort Bilder erzeugen. Ein geheimer Ort, an dem alte Tiere sterben. In der Popkultur funktioniert das seit Jahrzehnten. In der Realität ist es eher ein beliebter Mythos.</p>
<p>Elefanten sterben dort, wo sie gerade sind. Man findet Knochenfelder meist aus anderen Gründen, aus Wasserknappheit, Jagd, natürliche Häufungen. Gerade weil die Vorstellung so stark ist, eignet sie sich aber für Fabeln. Sie bündelt Endlichkeit in einem Zielpunkt.</p>
<p>Dazu passt die zweite reale Beobachtung, die der Comic indirekt streift: Viele Tiere reagieren auf Tod. Elefanten zeigen auffälliges Verhalten an Knochen oder Kadavern ihrer Artgenossen. Sie berühren sie, sie bleiben in der Nähe, sie wirken, als hätten sie ein Ritual.</p>
<p>Wissenschaftlich gesehen ist jedoch Vorsicht sinnvoll. Man sollte nicht zu schnell vermenschlichen. Emotional ist die Beobachtung trotzdem stark.</p>
<p>KALIMBO &#8211; MATA-MATA nutzt genau diese Spannung. Er macht aus dem Mythos einen Weg und aus dem Weg eine Frage: Was bedeutet Abschied, wenn man ihn bewusst wählt?</p>
<p>Auch die Gnu-Migration ist mehr als ein Stichwort. Sie steht für Natur in Bewegung, für Masse und Zufälligkeit. In so einem Strom kann ein Jungtier verschwinden. Und plötzlich wird Moral konkret. Helfe ich? Gehe ich weiter? Warte ich ab?</p>
<p>Der Comic übersetzt Naturphänomene in Entscheidungsmomente. Das ist simpel, aber wirkungsvoll.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3174" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-10_1000X759.jpg" alt="Innenseite 10 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-10_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-10_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-10_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-10_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-10_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Der nächste Schritt wartet bereits</h3>
<p>Die Reihe bleibt nicht beim Auftakt. Ein zweiter Band existiert bereits und trägt im Deutschen den Titel <a href="https://www.danibooks.de/kalimbo/193-kalimbo-band-2-der-grosse-malak.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">KALIMBO &#8211; DER GROSSE MALAK</a>. Im französischen Programm läuft er als zweite Etappe der Serie. Es scheint aber auch der letzte Band geblieben zu sein.</p>
<p>Schon der Umstand, dass Band eins eher eine Etappe als ein Finale ist, macht diese Fortsetzung logisch. Der erste Band baut Bindung auf. Band zwei kann dann stärker variieren. Und natürlich drängt sich der Vergleich zu großen Savannen-Erzählung von <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0110357/?ref_=nv_sr_srsg_1_tt_7_nm_1_in_0_q_DER%2520KOENIG%2520DER%2520LOEWEN" target="_blank" rel="noopener">DER KOENIG DER LOEWEN</a> auf.</p>
<p>Doch ist dieses Werk nicht als Kopie gemeint. Es ist lediglich ein Hinweis auf Ton und die Zielgruppe: Familienabenteuer mit ernstem Kern.</p>
<p>Wer nach dem ersten Band weiterliest, bekommt also nicht bloß mehr vom Gleichen. Er bekommt die Chance zu sehen, ob das Konzept auch unter anderen Konflikten trägt. Ich finde, genau darauf macht Band eins Lust.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3175" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-11_1000X759.jpg" alt="Innenseite 11 des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="759" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-11_1000X759.jpg 759w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-11_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-11_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-11_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_INNENSEITE-11_1000X759-600x791.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich nehme KALIMBO &#8211; MATA-MATA als Comic ernst, gerade weil er leicht wirkt. Die Story traut sich an das größte Thema heran und tut dies ohne Pathos. Sie traut sich über den Weg der Freundschaft. Das ist klug, denn Crisse schreibt so, dass auch Kinder folgen können. Erwachsene finden dabei genug Subtext, um nicht gelangweilt zu sein.</p>
<p>Manchmal bleibt das Abenteuer vielleicht ein Wenig zu geschniegelt. Die Savanne könnte stärker nach Risiko schmecken. Ein paar Szenen dürften unangenehmer sein. Dann würde der geplante Abschied mehr Gewicht bekommen.</p>
<p>Auf der anderen Seite würde genau das vielleicht den Kern der Geschichte verlieren. Dieser Band will trösten, nicht erschüttern. Er will einen Einstieg schaffen. Und als Einstieg funktioniert er wirklich gut.</p>
<p>Wer Comics selten liest, bekommt hier einen Album, das sofort verständlich ist. Wer Comics liebt, bekommt ein sauber gebautes Stück Fabelkunst mit sehr starkem, leicht Disney-haften Artwork. Und wer Tiere in Geschichten mag, bekommt Figuren, die nicht nur niedlich sind. Sie sind widersprüchlich, das macht sie lebendig. Mir macht es Lust auf mehr &#8230;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3166" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_COVER_1000X759-300x395.jpg" alt="Cover des Comics KALIMBO Band 1 Mata-Mata" width="300" height="395" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_COVER_1000X759-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_COVER_1000X759-750x988.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_COVER_1000X759-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_COVER_1000X759-600x791.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/KALIMBO_01_COVER_1000X759.jpg 759w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>KALIMBO &#8211; BAND 1: MATA-MATA</li>
<li>Didier Crisse und Fred Besson</li>
<li>Hardcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-944077-74-1</li>
<li>Storyline: ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.danibooks.de/kalimbo/57-kalimbo-band-1-mata-mata.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DANI BOOKS VERLAG</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/03/kalimbo-mata-mata-ein-zebra-sucht-seine-familie/">KALIMBO – MATA-MATA Ein Zebra sucht seine Familie</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>RED &#8211; Gewitter vor der Tür und ein Hund, der bleibt</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/03/red-gewitter-vor-der-tuer-und-ein-hund-der-bleibt/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/03/red-gewitter-vor-der-tuer-und-ein-hund-der-bleibt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Mar 2026 06:00:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Cartoon]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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		<category><![CDATA[Funny]]></category>
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		<category><![CDATA[Josephine Mark]]></category>
		<category><![CDATA[Kibitz Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Nacht im Gewitter reicht, um Rosa&#8217;s Alltag aus dem Takt zu bringen. Vor ihrer Tür steht Friedwart Plüschmann, dreibeinig, tropfnass, leicht dramatisch. Rosa ist nicht herzlos, sie ist nur geübt darin, ihr Mitgefühl schnell wieder einzukassieren. Der Hund lässt sich davon nicht abschrecken. Er will rein, er will bleiben, er will dazugehören. Schon in dieser [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Nacht im Gewitter reicht, um Rosa&#8217;s Alltag aus dem Takt zu bringen. Vor ihrer Tür steht Friedwart Plüschmann, dreibeinig, tropfnass, leicht dramatisch. Rosa ist nicht herzlos, sie ist nur geübt darin, ihr Mitgefühl schnell wieder einzukassieren. Der Hund lässt sich davon nicht abschrecken. Er will rein, er will bleiben, er will dazugehören.</p>
<p>Schon in dieser Auftaktszene zeigt Josephine Mark, wie sie Spannung über die Temperamente ihrer Figuren aufbaut. Rosa hält ihre Sätze kurz, Friedwart redet sich warm. Zwischen beiden knistert es. Der Witz dieses Comics entsteht nicht aus Pointen, sondern aus der Reibung seiner Figuren. Dann kippt der Tonfall und aus einer Geschichte mit Slapstick-Potential wird ein Krimi.</p>
<p>Friedwart&#8217;s Nase findet Blut, versteckt ganz hinten im Schrank unter der Treppe. Plötzlich steht nicht mehr nur die Frage im Raum, ob Rosa den Hund wieder rauswirft, sondern was in diesem Haus seit Jahrzehnten begraben liegt. Das Szenario setzt bei der Erzählung nicht auf Krimi-Horror, sondern auf Krimi-Humor. Schließlich erscheint RED im Kibitz-Verlag, der Comics für Kinder herausbringt.</p>
<p>Das Blut wirkt wie ein Fremdkörper in Rosa&#8217;s strenger Ordnung. Genau daraus gewinnt die Geschichte jedoch ihren Antrieb. Aus einer Ordnung, die Risse bekommt und aus einem Hund, der diese Risse begeistert verfolgt. Und ganz nebenbei schiebt sich der Name des Opfers ins Bild. Es geht um Rosa&#8217;s Ex-Mann RED.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3340" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Innenseite_745x1000.jpg" alt="Innenseite von RED" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Innenseite_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Innenseite_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Innenseite_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Huh, huh, da ist Blut im Sch&#8230; Schrank!</h3>
<p>Der Fund bleibt nicht einfach ein düsteres Detail. Er wird zur Eintrittskarte in einen Cold Case. Vor dreißig Jahren hat ein tragischer &#8222;Unfall&#8220; den Ort erschüttert. Rosa glaubt nicht an Zufälle, SIE glaubt an Mord. Und das ist kein leiser Verdacht, das ist inzwischen eine Überzeugung.</p>
<p>Diese Überzeugung richtet sich nicht konkret gegen eine einzelne Person, sondern färbt auf ein ganzes Umfeld ab. Rosa verdächtigt schnell die halbe Nachbarschaft &#8211; na ja, eigentlich die ganze. Damit verschiebt Mark den Fokus. Der Krimi wird zwar auch zur Jagd auf den einen Täter, in erster Linie aber zur Bestandsaufnahme einer Gemeinschaft, die sich über Jahre eingerichtet hat. Jede(r) kennt jeden, jede(r) weiß angeblich nichts, aber jede(r) hat eine Version.</p>
<p>Friedwart ist dabei mehr als ein Sidekick. Seine Spürnase liefert den Anlass, seine Offenheit liefert den Anstoß, die Untersuchung (wieder) aufzunehmen und seine Fähigkeiten liefern Hinweise, die den Fall voranbringen. Währenddessen liefert Rosa den emotionalen Antrieb. Aus dieser Konstellation entsteht die schwungvolle Dynamik des Albums. Der Tote bleibt als Abwesender stets präsent, der Hund drängt in die Gegenwart, während Rosa sich an die Mysterien der Vergangenheit herantastet.</p>
<p>Was nach klassischem Whodunit klingt, wird in Mark&#8217;s Händen auch zu einer Sozialstudie. Der Fall wirkt schräg, weil die Figuren schräg sind. Der Fall wirkt wendungsreich, weil Mark gerne Erwartungen anstupst und dann zur Seite schiebt. Wer einen Krimi mag, der sich nicht allzu ernst nimmt, wird hier großartig abgeholt. Und wer den Ton von Filmen wie <a href="https://www.imdb.com/title/tt0116282/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_6_nm_2_in_0_q_fargo" target="_blank" rel="nofollow noopener">Fargo</a> liebt, erkennt die Richtung sofort.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3477" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_02_562X1000.jpg" alt="" width="1000" height="562" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_02_562X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_02_562X1000-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_02_562X1000-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_02_562X1000-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_02_562X1000-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_02_562X1000-600x337.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Lakonische Dialoge, trockener Witz und viel Gefühl</h3>
<p>Schon in der kurzen Leseprobe sitzen die Dialoge wie kleine Schwinger und Haken. Rosa stellt Fragen, die wehtun und Friedwart liefert Begeisterung, die nervt. Beides ist präzise beobachtet.</p>
<p>Josephine Mark zeigt keine Sympathieträger, die auf Kommando gefallen wollen, sondern Menschlichkeit, die sich gegenseitig etwas zumutet. Genau daraus entsteht Nähe. Der Humor bleibt trocken, oft nur in einem Nebensatz, oft auch lauthals bissig. Rosa hat eine harte Schale und tief in ihrem Inneren einen weichen Kern &#8211; sehr, sehr tief im Inneren.</p>
<p>Visuell arbeitet die Autorin mit einem cartoonigen Strich, der schnell lesbar ist und trotzdem nuancenreich ausfällt. Die Gesichter sind klar, Haltungen erzählen viel, die Farbgebung bleibt zurückhaltend aber der Situation angemessen. Das unterstützt den Krimi-Ton. Gleichzeitig bleibt der Look offen genug für die Zielgruppe.</p>
<p>Nur der Alterungsprozess der Figuren lässt letztendlich zu wünschen übrig. Wo ich in der Geschichte nämlich immer wieder strauchele ist, wenn Zeitsprünge in die Vergangenheit ohne entsprechende Hinweise auftreten und das Charakterdesign diese Änderung nicht immer mitgeht. An dieser Stelle ist weniger nicht wirklich mehr.</p>
<p>Ich finde jedoch sofort in die Geschichte hinein und bleibe dran, weil die Figuren sie problemlos tragen. Gerade das ist Mark&#8217;s Stärke. Sie nimmt schwere Themen leichtherzig an die Hand. Bei RED heißt dies, dass Trauer, Erinnerung und Dorfgeheimnisse mitschwingen können, auch wenn der Witz vorneweg läuft.</p>
<p>Ein weiterer, kleiner kritischer Punkt steckt genau da. Wer einen Krimi sucht, der konsequent düster ist und bleibt, muss sich auf Mark&#8217;s Balance bewusst einlassen und wird vielleicht enttäuscht. Sie will Spannung, ja. Sie will aber auch Schrulligkeit und die hat bei ihr immer Vorrang vor irgendeiner Genre-Pflichterfüllung. Aber mir gefällt das gut.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3478" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_03_562X1000.jpg" alt="" width="1000" height="562" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_03_562X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_03_562X1000-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_03_562X1000-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_03_562X1000-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_03_562X1000-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_03_562X1000-600x337.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Von Roadmovie zu Krimi</h3>
<p>Josephine Mark, geboren 1981 in Naumburg an der Saale, arbeitet als Illustratorin, Comiczeichnerin und Grafikdesignerin. Seit 2004 veröffentlicht sie &#8211; auch über ihr Blog <a href="https://puvoproductions.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">puvoproductions.com</a> &#8211; Comics und Cartoons.</p>
<p>In der Comic-Welt hat sie sich ihre eigene Nische gebaut. Sie erzählt All-Age-Geschichten, auch wenn Tiere die Bühne betreten. Ihr Frühwerk <a href="https://www.amazon.de/Tiere-sind-auch-nur-Menschen/dp/3629114458?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1RU35K0RGNMV4&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.9MN0GceMG6tTXJJ6KOp1Asw8632qbMIP4XO-F9_FOczPYGGAgFsEpew6-VJvTVaTwE61DteOn_ZYXnF34TEMKo8gYmHljIC1b8fv9PAYm20EV372tKW9pv8f6VNk3MV4PfOcO4LP0N9P-Ez3CnxbFvdU3kLnejh8TJh2glBaNv2t2u9_C98CBZ8SCdB8WTaNb3_mPdmoOtW4k82nkD8mo8vkoSLv0NBtB_TNGboq6Bs.ZhYePdy8uWf6SPjEmRx6xrod-88GsIg6iLyz3-WPlCE&amp;dib_tag=se&amp;keywords=TIERE+SIND+AUCH+NUR+MENSCHEN+Josephine+Mark&amp;qid=1772799994&amp;sprefix=tiere+sind+auch+nur+menschen+josephine+mar%2Caps%2C87&amp;sr=8-8" target="_blank" rel="nofollow noopener">TIERE SIND AUCH NUR MENSCHEN</a> markiert diesen Blick auf menschliche Macken im Tierkostüm. Ihr Debüt-Comic <a href="https://www.kibitz-verlag.de/b%C3%BCcher/murr" target="_blank" rel="nofollow noopener">MURR</a> erscheint 2021. Dort verhandelt sie in Westernstiefel gekleidete Fragen nach Angst, Nähe und Endlichkeit. Der Ton bleibt humorvoll, der Kern ernst.</p>
<p>Ihr großer Durchbruch im Comic-Bereich heißt <a href="https://www.kibitz-verlag.de/b%C3%BCcher/trip-mit-tropf/" target="_blank" rel="nofollow noopener">TRIP MIT TROPF</a>. Das Buch verbindet Roadmovie, Klamauk und Krankheitsthema. Genau diese Mischung hat international viele Leser erreicht.</p>
<p>Mark&#8217;s Erzählstil ist warmherzig, dabei aber nie rührselig. Humor erscheint zumeist subtil. Ihre Geschichten funktionieren für Kinder und Erwachsene, weil sie auf mehreren Ebenen gelesen werden können. Auszeichnungen und Preise unterstreichen die Wirkung. TRIP MIT TROPF wurde z.B. beim Comic Salon Erlangen 2022 mit dem <a href="https://www.comic-salon.de/de/max-und-moritz-preis-seit-1984" target="_blank" rel="nofollow noopener">Max und Moritz Preis</a> für den besten Kindercomic ausgezeichnet.</p>
<p>Mit <a href="https://www.kibitz-verlag.de/b%C3%BCcher/der-b%C3%A4rbei%C3%9F/" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER BÄRBEISS</a> wechselte Mark von dem selbstgeschriebenen Comic in die Adaption. Sie übersetzt die Geschichten von <a href="https://www.amazon.de/B%C3%A4rbei%C3%9F-Schrecklich-gut-gelaunt/dp/3446256989?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=24EAUB14EYYMJ&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.lYePw2Lzp9ZuHw_043rupwaPuLcOooJTvbj5THKRkpIact9PL90qlIsXYdGWxXoNOcQHhCnuI5HRyN3gkbSJyAtm1XLjCtzRGuFiEVqRpQFqtb1M9uA8RlxreywyIKlVlOQILHzk76z5yf_cLz75kC0eN6oYSdAGlSWUEsPpPi-7NKWRjG4_t96_Y6zTvMwG.F9tSHPpyvqi72woe2UbiUC9D6vi_glGvZ77TRxz6fTo&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Annette+Pehnt+und+Jutta+Bauer&amp;qid=1772800323&amp;sprefix=annette+pehnt+und+jutta+bauer%2Caps%2C95&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="nofollow noopener">Annette Pehnt und Jutta Bauer</a> in Comic-Sprache. Auch dort passt ihr Zugang. Sie findet den Witz in der Grummeligkeit, die Wärme im Widerstand. Wenn man diese Linie kennt, wirkt RED wie der logische nächste Schritt. Dieser Krimi erlaubt ihr, Misstrauen, Einsamkeit und Annäherung zugleich zu erzählen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3481" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_04_562X1000-1.jpg" alt="" width="1000" height="562" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_04_562X1000-1.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_04_562X1000-1-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_04_562X1000-1-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_04_562X1000-1-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_04_562X1000-1-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_INNENSEITE_04_562X1000-1-600x337.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>RED hat eine starke Ausgangsidee. Ein streitlustiges Duo stolpert über Blut und über ein Dorf, das lieber schweigt. Josephine Mark setzt dabei auf Tempo in den Dialogen und auf Figuren, die man in ihrer Andersartigkeit sofort lieben muss und ihnen gerne in das Abenteuer folgt. Das ist ihre Qualität. Sie schreibt zugänglich, bleibt dabei aber eigenständig.</p>
<p>Dieser Krimi scheint nicht dazu da, eine Checkliste an Spannungselementen abzuhaken, sondern Menschen in Bewegung zu setzen, auch wenn sie Rosa heißen und lieber distanziert bleiben würden. Wer Mark&#8217;s Mischung aus trockenem Witz und ehrlichem Gefühl schätzt, dürfte hier sehr glücklich werden. Wer neu einsteigt, bekommt einen Comic mit einem überraschenden Twist, der leicht wirkt und trotzdem etwas mitgibt.</p>
<p>Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen. Ich will doch schließlich wissen, ob Friedwart Plüschmann bleiben darf &#8230;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3339" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Cover_738x1000-300x407.jpg" alt="Cover von RED" width="300" height="407" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Cover_738x1000-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Cover_738x1000-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Cover_738x1000-600x813.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/RED_Cover_738x1000.jpg 738w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>RED</li>
<li>Josephine Mark</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-948690-46-5</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★★☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.kibitz-verlag.de/b%C3%BCcher/red/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kibitz Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/03/red-gewitter-vor-der-tuer-und-ein-hund-der-bleibt/">RED – Gewitter vor der Tür und ein Hund, der bleibt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Jeder ist WILLKOMMEN IN PANDEMONIA</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/01/jeder-ist-willkommen-in-pandemonia/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Jan 2026 06:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Diego Agrimbau]]></category>
		<category><![CDATA[Gabriel Ippoliti]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber und Leser Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich mag Geschichten, die mir sofort ein klares Geräusch vermitteln. WILLKOMMEN IN PANDEMONIA klingt wie ein Stempel auf einem Formular, das niemand braucht und den niemand beantragt hat. Ismael Posta, Life Guru und Motivationstrainer für Führungskräfte, ist ein Mann, der beruflich Antworten verkauft, aber plötzlich nur noch Durchsagen bekommt. Das ist komisch, das ist gemein [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/01/jeder-ist-willkommen-in-pandemonia/">Jeder ist WILLKOMMEN IN PANDEMONIA</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mag Geschichten, die mir sofort ein klares Geräusch vermitteln. WILLKOMMEN IN PANDEMONIA klingt wie ein Stempel auf einem Formular, das niemand braucht und den niemand beantragt hat.</p>
<p>Ismael Posta, Life Guru und Motivationstrainer für Führungskräfte, ist ein Mann, der beruflich Antworten verkauft, aber plötzlich nur noch Durchsagen bekommt. Das ist komisch, das ist gemein und es ist eine herrlich zeitgemäße Strafe (Ismael Posta? Wie &#8222;Imposter&#8220;, englisch für Hochstapler? Ja, schuldig im Sinne der Anklage).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2909" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-04.jpg" alt="Innenseite 04 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-04.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-04-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-04-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-04-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Aktenzeichen Inferno</h3>
<p>Die Grundidee trifft einen Nerv, weil sie nicht lange über Metaphysik schwadroniert. Sie packt die Gegenwart beim Kragen. Die Hölle funktioniert wie ein überlastetes System. Überall Regeln, überall Zuständigkeiten, überall Beteiligte, die sich hinter ihren Prozessen verstecken. Nur dass es eben keine Menschen sind, sondern Dämonen &#8211; Dämonen mit Aktenordnern.</p>
<p>Ich habe beim Lesen oft gedacht, dass das Album seine satirische Schärfe aus einer simplen Entscheidung zieht: Es macht die Hölle nicht exotischer, sondern einfach nur banaler. Es macht sie bürotauglich und lässt dann einen Berufs-Optimisten und Profi der Selbstvermarktung durch diese Gänge laufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2910" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-05.jpg" alt="Innenseite 05 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-05.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-05-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-05-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-05-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Ein Abgang und eine Ankunft</h3>
<p>Ismael Posta ist offensichtlich weltberühmt. Das Album stellt ihn nicht als stillen Grübler vor, sondern als Maschine aus Charisma, einen Dampfplauderer und Egozentriker. Er lebt davon, dass Menschen ihm zuhören, zujubeln und ohm glauben wollen. Dann kippt ein Moment, der eigentlich nur peinlich sein dürfte, in etwas Endgültiges: Olive, falsche Röhre, Röcheln, Tod.</p>
<p>Posta stirbt. Und weil WILLKOMMEN IN PANDEMONIA keine Zeit mit Lichtern am Ende von Tunneln verliert, wacht er kurz darauf im Zug auf mit dem Ziel Pandemonia, Hauptstadt der Hölle.</p>
<p>Posta reagiert genau so, wie ich es mir von ihm wünsche: Er akzeptiert nichts, er formuliert um, er reframed und spricht mit jedem, der eine Uniform trägt. Er will Einspruch einlegen, weil das hier ja ein Irrtum sein muss. Diese erste Strecke zwischen Tod und Ankunft ist erzählerisch clever, weil sie Posta als Figur ohne jede Scham etabliert. Er ist nicht der tragische Verdammte. Er ist der Typ, der auch im Jenseits noch eine Beschwerde als Chance begreift.</p>
<p>Und dann kommt die Pointe, die einen ganzen Kosmos öffnet. Die Hölle bestraft nicht nur die klassischen Laster. Sie ergänzt laufend neue Tatbestände wie z.B. Spamschleudern, Ghosting, Grooming oder grenzwertiges Crowdfunding. Das ist albern, das ist bitter. Und es ist genau der Spiegel, den unsere Kultur derzeit verdient hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2911" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-06.jpg" alt="Innenseite 06 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-06.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-06-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-06-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-06-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Einspruch beim Fürsten der Finsternis</h3>
<p>Sobald Posta ankommt, wird aus dem Witz ein Setting. PANDEMONIA ist keine romantische Unterwelt mit Kerkerfolklore. Es ist eine Stadt. Sie wirkt bevölkert, wirkt geschäftig und organisiert. Und genau diese Organisation macht sie unheimlich. Denn je normaler der Betrieb, desto deutlicher erkenne ich meine eigene Welt darin wieder.</p>
<p>Posta findet schnell heraus, was ihm wirklich im Weg steht. Nicht Teufelshörner, sondern Zuständigkeiten. Die infernale Verwaltung ächzt unter Überlastung. Die Verdammten kommen in Massen und die Regeln sind widersprüchlich, die Führung ratlos. Luzifer hängt irgendwo zwischen Burn-Out und Sitzungsroutine. Ich mag diese Luzifer-Figur, weil sie nicht als großes Monster auftritt, sondern stattdessen wie ein Manager <img alt="" />wirkt, dem die Kennzahlen entgleiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2912" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-07.jpg" alt="Innenseite 07 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-07.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-07-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-07-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-07-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Bürokratie als Höchststrafe</h3>
<p>Die Handlung setzt jetzt auf Reibung. Posta trifft Nebenfiguren, die wie Karikaturen aus einem Behördenkompendium wirken. Ein Anwalt, der eher zynisch als hilfreich ist. Eine Richterfigur, die aussieht wie eine brünette Angela Merkel und Regeln liebt, weil die Regeln ihr Halt geben. Mitarbeitende, die innerlich gekündigt haben, aber weiter stempeln. Es knallt zwischen Posta&#8217;s unerschütterlicher Selbstgewissheit und einem System, das jede Regung in ein Formular pressen will.</p>
<p>Hier entsteht der Kernspaß des Albums. Es zeigt, dass Folter nicht unbedingt Feuer braucht. Manchmal reicht eine endlose Prozesskette.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2913" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-08.jpg" alt="Innenseite 08 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-08.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-08-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-08-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-08-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Der Guru als Systemfehler</h3>
<p>Ab diesem Punkt verschiebt WILLKOMMEN IN PANDEMONIA seine Satire in mehrere Richtungen zugleich. Posta versucht nicht nur, sich zu retten. Er wirkt wie ein Störsignal, er inspiriert und er nervt. Er manipuliert und bringt Abläufe durcheinander, weil er Menschen wie Dämonen liest und Druckpunkte findet. In manchen Momenten ist er fast bewundernswert, in anderen möchte man ihn nur noch schütteln.</p>
<p>Das Album spielt klug damit, dass Posta nicht einfach der Bösewicht ist. Er ist auch nicht der Held: er ist ein Produkt, das er gelernt hat zu vermarkten. Er hat das System der Aufmerksamkeit perfektioniert. Jetzt trifft er auf ein System, das Aufmerksamkeit als Gefahr betrachtet. Die besten Szenen entstehen, wenn beide Systeme kollidieren, wenn Posta mit seinem Dauerlächeln sogar Folterer aus dem Takt bringt und Optimismus wie ein Gift wirkt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2914" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-09.jpg" alt="Innenseite 09 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-09.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-09-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-09-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-09-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Ein Ende, das zu ordentlich lächelt</h3>
<p>Im Finale läuft vieles auf eine Entscheidung hinaus, die ich in ihrer Logik nachvollziehen konnte. Gleichzeitig spürte ich jedoch eine kleine Enttäuschung. Ist das Ende zu sauber, zu vorhersehbar? Ich verstehe das. Der Weg ist frech, das Ziel selbst wirkt aber einen Tick zu brav.</p>
<p>Trotzdem bleibt ein Pluspunkt, den ich nicht kleinreden will. Das Album beendet seine Idee. Es lässt mich nicht mit einem halben Gedanken stehen. Es macht einen Deckel drauf. Und es tut das zügig.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2915" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-10.jpg" alt="Innenseite 10 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-10.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-10-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-10-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-10-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Panel-Rhythmus mit Büroflair</h3>
<p>Was mich wirklich überzeugt hat, ist die Erzähltechnik. Das Album liest sich flüssig. Es springt nicht hektisch herum, bleibt beweglich. Viele Einstellungen wechseln so, dass ich mich selten fest lese. Totale, damit ich die Szene verstehe. Nahaufnahme, damit ich die Figur spüre. Detail, damit ein Gag sitzt oder ein Hinweis klickt. Genau diese Abfolge macht aus dieser Satire eine Geschichte.</p>
<p>Agrimbau schreibt Dialoge, die selten labern. Sie kommen knackig, liefern Charakter und treiben die Szene. Das ist wichtig, weil die Prämisse sonst leicht zum Sketche-Heft zerfallen könnte. Stattdessen baut das Album eine Handlung, die wie eine Führung durch eine Behörde wirkt. Jeder Schalter zeigt ein anderes Problem. Jede Abteilung hat ihr eigenes Grauen. Und wo genau gibt es nun diesen <a href="https://www.comedix.de/lexikon/db/passierschein_a38.php" target="_blank" rel="noopener">Passierschein A38</a>?</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2916" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-11.jpg" alt="Innenseite 11 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-11.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-11-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-11-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-11-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Kürze und Kurzweilig</h3>
<p>Ich merke, wie sehr das Duo die Pointe ernst nimmt. Die Hölle ist nicht nur Kulisse. Sie ist ein Spiegel. Das Album setzt seine Kritik nicht mit erhobenem Zeigefinger durch. Es lässt mich lachen, und genau dann trifft es. Die Satire beißt, bleibt aber verspielt.</p>
<p>Mein größter Kritikpunkt liegt im Tempo. 72 Seiten sind straff. Manchmal hätte ich gern eine Szene länger ausgekostet. Gerade wenn das Album eine Idee findet, die weh tut, schaltet es schon zum nächsten Schalterraum.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2917" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-12.jpg" alt="Innenseite 12 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-12.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-12-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-12-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-12-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Wimmelbild mit Krawatte</h3>
<p>Gabriel Ippoliti zeichnet eine Unterwelt, die nicht nur nach Rauch und Schwefel aussieht, sondern nach Betrieb. Mich haben vor allem zwei Dinge getragen. Erstens: die Hintergründe. Die Stadtpanoramen und Innenräume wirken dicht. Überall stehen Figuren, überall hängen Details. Das gibt PANDEMONIA Gewicht.</p>
<p>Zweitens: die Gesichter. Ippoliti braucht nicht viele Linien, um Emotionen zu zeigen. Er trifft diesen leicht überzeichneten Stil, der Humor zulässt, ohne die Szene zu entwerten. Viele Nebenfiguren funktionieren über Silhouette und Haltung.</p>
<p>Das ist eine Stärke in einem Album, das Verwaltung als Horror zeigt und Figuren sofort lesbar sein müssen. Ich erkenne den gestressten Funktionär, den gelangweilten Sachbearbeiter und den Aufseher, der auch nur Schichtdienst macht.</p>
<h3>Schwefel, aber bitte gut ausgeleuchtet</h3>
<p>Dass Ippoliti und Agrimbau als Duo schon lange zusammenarbeiten, spüre ich in der Sicherheit der Seiten. Ihre gemeinsamen Titel <a href="https://www.abebooks.de/Bulle-Bertold-Diego-Agrimbau-Gabriel-Ippoliti/32165033187/bd" target="_blank" rel="noopener">LA BURBUJA DE BERTOLD</a>, <a href="https://www.abebooks.de/comics/No.02-Gran-Lienzo-Agrimbau-Ippoliti-NORMA/31526198182/bd" target="_blank" rel="noopener">EL GRAN LIENZO</a>, <a href="https://www.abebooks.de/Planeta-Extra-Diego-Agrimbau-Gabriel-Ippoliti/32342035573/bd" target="_blank" rel="noopener">PLANETA EXTRA</a> oder <a href="https://www.abebooks.de/Eden-hotel-tome-1-Ippoliti-Agrimbau/32114893606/bd" target="_blank" rel="noopener">EDEN HOTEL</a> werden in Argentinien fast als kleine Reihe von modernen Klassikern behandelt. Diese Routine merkt man der Bildregie an.</p>
<p>Auch farblich bleibt alles funktional. Schwefeliges gelb, keine Effekthascherei, klare Lesbarkeit. Das ist bei einer Höllenstadt gar nicht so selbstverständlich. Der Look trägt die Satire, statt sie zu übertünchen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2918" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-13.jpg" alt="Innenseite 13 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-13.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-13-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-13-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-13-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Das Absurde ernst genommen</h3>
<p>Diego Agrimbau schreibt gern mit einem Haken. Er baut ein Genre-Setting, dann schiebt er eine gesellschaftliche Beobachtung hinein, bis beides nicht mehr zu trennen ist.</p>
<p>In WILLKOMMEN IN PANDEMONIA finde ich seine stärkste Idee nicht einmal in der Influencer-Satire, obwohl die hervorragend sitzt. Ich finde sie in der Bürokratie. Das Album zeigt, wie Systeme entstehen, die niemand mehr steuert. Regeln wachsen weiter, auch wenn der Sinn verdunstet. Selbst Luzifer bekommt keine Antwort von oben. Sogar sein Chef ist abgetaucht.</p>
<p>Ich liebe diesen Gegenwartsbezug, weil ich mich schon immer gefragt habe, ob unsere Gegenwart nicht eigentlich die echte Hölle ist. Das Album karikiert zeitgleich unsere moralische Aufgeregtheit und unsere Prozessgläubigkeit. Das Album macht sich nicht über das Gute lustig, sondern über die Mechanik, mit der wir das Gute verwalten wollen.</p>
<p>Trotz allem hätte ich mir an zwei Stellen ein wenig mehr Mut zur Hässlichkeit gewünscht. Posta bleibt lange zu glatt, auch persönlich und optisch. Das ist zwar seine Funktion. Aber gerade weil Agrimbau ihn so effizient als Störkörper nutzt, hätte ich gern einen Moment gehabt, in dem die Maske wirklich fällt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2919" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-14.jpg" alt="Innenseite 14 von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="737" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-14.jpg 737w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-14-300x407.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-14-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-14-600x814.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 737px) 100vw, 737px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>WILLKOMMEN IN PANDEMONIA ist ein schlankes Album mit einem großen Spaßfaktor und echten Stacheln. Es liest sich schnell, bleibt hängen und trifft einen Zeitgeist, der sich selbst gern optimiert und dabei ständig neue Schuldformen erfindet.</p>
<p>Wenn du Satire magst, die nicht nur lacht, sondern auch zwickt, bist du hier richtig. Sind Dir Comics lieber, die eine Welt mit Details füllen und trotzdem flott erzählen, ebenfalls. Wenn du allerdings eine lange, epische Höllenreise erwartest, wirst du auf 72 Seiten an Grenzen stoßen.</p>
<p>Ich feiere die Bildregie. ich mag die Idee der modernisierten Sünden und ich genieße die Bürokratie als Horror. Ich sehe aber auch, dass das Ende etwas zu geordnet wirkt.</p>
<p>Gib&#8216; dem Album also gerne eine Chance, wenn du gerade genug von Wohlfühl-Parabeln hast. Lies es am besten nicht zwischen Tür und Angel. Lies es so, wie man eine gute Satire liest. Mit einem Lachen, das kurz stecken bleibt. Und wenn du danach mehr willst, dann schau dir aus der gemeinsamen Werkgeschichte der Autoren unbedingt auch anderes an.</p>
<p>Ach ja, und mach&#8216; einen Bogen um Oliven!</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2920" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-Cover-300x436.jpg" alt="Cover von WILLKOMMEN IN PANDEMONIA" width="300" height="436" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-Cover-300x436.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-Cover-103x150.jpg 103w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-Cover-600x872.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/PANDEMONIA-Cover.jpg 688w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>WILLKOMMEN IN PANDEMONIA</li>
<li>Diego Agrimbau und Gabriel Ippoliti</li>
<li>Hardcover | 72 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96582-208-5</li>
<li>Storyline: ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★★☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog#Bewertung" target="_blank" rel="noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/index.php?main_page=advanced_search_result&amp;search_in_description=1&amp;zenid=759545f416bead507e779c4e504169f5&amp;keyword=pandemonia" target="_blank" rel="noopener">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>DER WIND IN DEN WEIDEN begleitet das Leben am Strom</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Jan 2026 06:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropomorph]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Kenneth Grahame]]></category>
		<category><![CDATA[Michel Plessix]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>DER WIND IN DEN WEIDEN beginnt mit einer kleinen, einfachen Entscheidung. Ein Maulwurf legt den Besen weg. Er hat keine Lust mehr auf Frühjahrsputz und geht vor die Tür. Dieser eine Schritt aus dem dunklen Bau in das helle Gras ist der Moment, in dem mich Michel Plessix zu seiner Geschichte abholt. Er führt mich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>DER WIND IN DEN WEIDEN beginnt mit einer kleinen, einfachen Entscheidung. Ein Maulwurf legt den Besen weg. Er hat keine Lust mehr auf Frühjahrsputz und geht vor die Tür.</p>
<p>Dieser eine Schritt aus dem dunklen Bau in das helle Gras ist der Moment, in dem mich Michel Plessix zu seiner Geschichte abholt. Er führt mich an ein Flussufer, an dem die Zeit irgendwie anders verläuft, ruhiger, entspannter, weniger hektisch.</p>
<p>Ich folge dem Maulwurf an die Oberfläche. Die Luft ist frisch, der Boden riecht nach Erde. Am Fluss trifft er die Wasserratte, die sofort wie ein Gastgeber wirkt. Ihr Boot ist kein spektakuläres Schiff, eher ein schwimmendes Wohnzimmer. Ratte zeigt ihm den Fluss, die Biegungen, die kleinen Buchten.</p>
<p>Plessix nimmt sich Zeit, diese erste Begegnung auszuspielen. Die Bilder tragen die Stimmung. Die Dialoge sind freundlich und unaufgeregt. Ich spüre, wie die beiden Figuren einander abtasten.</p>
<p>Nach und nach erweitert sich der Kreis. Der Dachs bleibt zunächst eine ferne, leicht unheimliche Figur. Eine Präsenz im Wald, die Respekt einflöst.</p>
<p>Der Fischotter taucht eher als ein beweglicher Nebencharakter auf. Er bringt eine Prise Wildheit mit in die Runde. Und dann ist da natürlich noch er, der Kröterich. Reich ist er, laut und begeistert von allem, was schnell ist. Plessix baut ihn nicht sofort als chaotischen Tausendsassa auf. Er streut erst einmal kleine Hinweise, ein Bootsprojekt hier, eine Idee dort.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2634" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 1 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_01_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Handlung wie ein langsamer Fluss</h3>
<p>Die Handlung in diesem ersten Teil der Adaption des bekannten Buches von Kenneth Grahame wirkt wie ein Reigen von Episoden. Es gibt Ausflüge, Picknicks, einen gefährlichen Schneesturm, eine nächtliche Wanderung durch den Wald. Die Bedrohung bleibt dabei überschaubar.</p>
<p>Die Figuren verfangen sich eher in ihren eigenen Schwächen. Der Maulwurf verlässt sich zu sehr auf seine Intuition. Die Ratte hängt sehr am Gewohnten und der Kröterich verschiebt alle Grenzen, weil er sich zu sicher fühlt.</p>
<p>Plessix erzählt diese Phase extrem behutsam. Diese Adaption ist ein stimmungsvolle Idylle am Fluss, die durch einen poetischen, beinahe impressionistischen Umgang mit Natur und Licht geprägt ist. Diese Comic-Fassung erhielt im Jahr 2000 unter anderem den Max und Moritz Preis als bester Kinder- und Jugendcomic und wurde mehrfach als Comic des Jahres ausgezeichnet.</p>
<p>Als Leser sitze ich beim ersten Durchgang gefühlt mit im Boot. Ich höre das Plätschern des Wassers zwischen den Panels. Die Handlung baut keinen großen Bogen auf. Sie lädt mich erst einmal nur ein. Wer hier ein Actionfeuerwerk erwartet, liegt falsch. Wer Lust auf ein gemächliches Ankommen in einer Welt voller kleiner Gesten hat, ist genau richtig.</p>
<h3>Wenn der Fluss ruft und Motoren heulen</h3>
<p>Je weiter DER WIND IN DEN WEIDEN voranschreitet, desto stärker bildet sich ein zweiter Puls unter der ruhigen Oberfläche. Der Fluss bleibt der Herzschlag der Geschichte, doch an den Ufern hört man plötzlich etwas anderes. Es klingt nach Motor und riecht nach Benzin.</p>
<p>Der Kröterich bleibt der Katalysator dieses Störgeräuschs. Seine Begeisterung für jede neue Fortbewegungsart wirkt zuerst komisch. Ein Boot hier, eine Kutsche dort, im nächsten Moment ein Automobil &#8211; Plessix lässt den Kröterich mit jeder neuen Obsession ein bisschen höher drehen.</p>
<p>Seine Freunde versuchen, ihn einzufangen. Sie mahnen zur Vernunft, erinnern ihn an Verantwortung aber natürlich prallt alles an ihm ab. In diesen Passagen rutscht die Geschichte stärker in Slapstick und Farce.</p>
<p>Der erste Teil stellt die Figuren vor und zeigt mir den Fluss als friedlichen Raum mit leicht naiver, poetischer Note. Ab der Mitte verschiebt sich der Schwerpunkt. Der Kröterich rückt stärker in den Mittelpunkt und die Erzählung wird abenteuerlicher und spitzer im Humor.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2635" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 2 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_02_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Balance und menschlicher Einfluss </h3>
<p>Plessix hält die Balance zwischen ruhigen Naturmomenten und komischen Szenen. Die großen Umbrüche deutet er früh an. Das Dorf der Tiere wirkt nicht nur idyllisch, es ist auch verletzlich. Die Menschenwelt bleibt meist am Rand. Sie ist größer, gefährlicher und wenig verständnisvoll. Wenn der Kröterich mit ihr kollidiert, bekommt ich eine Ahnung davon, wie brüchig das gemütliche Leben am Fluss tatsächlich ist.</p>
<p>Später kommt eine deutliche Krise hinzu. Sie betrifft das Zuhause der Freunde und stellt ihre Loyalität auf eine härtere Probe. Mehr möchte ich für diese Rezension nicht ausbreiten. Entscheidend ist, wie Plessix die Gefahr inszeniert.</p>
<p>Er setzt nicht auf Schock, sondern auf das Gefühl, dass die Figuren sich zusammenraufen müssen. Die Spannung entsteht weniger aus der Frage, was genau passiert. Sie entsteht aus der Frage, wie die Gemeinschaft reagiert.</p>
<p>Für mich funktioniert diese Steigerung gut. Ich mag, dass sich das Buch Zeit nimmt, bevor es den Ton verschärft. Zugleich kann ich nachvollziehen, warum manche Leser den Weg dorthin als langsam &#8211; ja, mühsam &#8211; empfinden. Vor allem, wenn sie eher lineare Plots gewohnt sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2636" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 3 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_03_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Ein Comic wie eine Flusskurve</h3>
<p>In der Erzählstruktur zeigt DER WIND IN DEN WEIDEN seine Herkunft als Kinderbuchklassiker. Die Adaption folgt weitestgehend den Episoden des Romans von 1908. Sie übernimmt elf der zwölf Kapitel und ergänzt sie um einen Epilog. Die Kapitel wirken oft wie in sich runde Kurzgeschichten. Sie fügen sich aber zu einem Fluss, der sich langsam, aber stetig in Richtung Konflikt bewegt.</p>
<p>Man kann den Aufbau grob in drei Akten lesen. Zuerst die Ankunft des Maulwurfs in der Welt des Flusses. Diese Phase etabliert Figuren und Rhythmus.</p>
<p>Dann eine Reihe von Episoden, die wie Schleifen erscheinen. Jede Episode vertieft eine Beziehung oder eine Eigenschaft. Gleichzeitig dehnt Plessix Zeit und Raum. Er zeigt Jahreszeiten, unterschiedliche Lichtstimmungen. Der große Bogen bleibt noch leise.</p>
<p>Im letzten Drittel verdichtet sich alles. Die Eskapaden des Kröterichs eskalieren. Die äußere Gefahr nimmt zu und die Freunde müssen handeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2637" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 4 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_04_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Vom Episodenreigen zum großen Bogen</h3>
<p>Das Ergebnis ist andererseits kein klassischer Dreiakter mit sauberem Spannungsdiagramm. Eher ein Reigen, der von einer Atmosphäre zur nächsten gleitet.</p>
<p>Aus heutiger Comic-Perspektive fühlt sich die Struktur ungewohnt an. Wer mit klaren Cliffs und verdichteten Plots sozialisiert ist, braucht hier eine andere Lesebrille. Mich persönlich holt genau diese Flusslogik, diese Andersartigkeit ab.</p>
<p>Die Geschichten plätschern nicht belanglos vor sich hin. Sie mäandern bewusst. Dazu kommen mehrere Leseschichten. Oberflächlich geht es um Tiere am Fluss, darunter steht eine Parabel über Technikbegeisterung, Klassenunterschiede und die Sehnsucht nach einem festen Ort. Auf diese Weise wird DER WIND IN DEN WEIDEN zu einer ausufernden Fabel.</p>
<p>Als Leser muss ich dennoch akzeptieren, dass nicht jede Episode zündet. Manche Nebenwege sind eher Stimmungsbilder. Sie funktionieren vor allem, wenn man bereit ist, sich auf Tempo und Tonfall des Gesamtwerkes einzulassen. Dann fühlt sich der Story-Arc trotz aller Episodenhaftigkeit letztendlich erstaunlich geschlossen an.</p>
<h3>Maulwurf, Ratte, Kröterich und ich</h3>
<p>Die große Stärke des Comics liegt für mich in den Figuren. Plessix entwickelt Maulwurf, Ratte, Dachs, Kröterich und Otter mit viel Liebe zum Detail, mit starker Mimik und Körperhaltung.</p>
<p>Der Maulwurf ist unser Einstieg. Er wirkt schüchtern, neugierig und anfangs leicht überfordert. In seinen Bewegungen steckt eine Mischung aus Unsicherheit, aber auch Wille zum Aufbruch. Man spürt, wie ihn jeder neue Eindruck überwältigt. Seine Entwicklung ist eher leise. Er wird nicht zum Actionhelden. Er wächst, indem er Verantwortung übernimmt und lernt, die eigenen Ängste auszuhalten.</p>
<p>Die Ratte ist der ruhige Pol. Sie verkörpert das Heimweh im besten Sinne. Sie liebt den Fluss, kennt jede Ecke, weiß, welche Strömung wann gefährlich wird. In vielen Szenen fungiert sie als moderierende Kraft. Sie nimmt den Maulwurf an die Hand, bremst den Kröterich ein und hält den kleinen Freundeskreis zusammen.</p>
<p>Der Dachs bleibt kantig. Plessix zeichnet ihn als grummeligen, aber warmherzigen Einzelgänger. Er ist derjenige, der ausspricht, was die anderen denken, aber nicht zu sagen wagen. Er ist ein klassischer Sympathieträger, weil seine Figur Rauheit und Verlässlichkeit verbindet.</p>
<p>Der Kröterich ist der Motor des Humors. Er ist eitel, laut, schnell begeistert und noch schneller gelangweilt. Man kann ihn genau wegen dieser Überhöhung lieben, muss es aber nicht. Er erscheint oft als einzige Figur mit echter psychologischer Tiefe: Er trägt die große Wandlung, die von verantwortungsloser Raserei zu einem gewissen Maß an Einsicht führt.</p>
<p>Ich merke beim Lesen, wie stark mein eigenes Alter hier eine Rolle spielt. Als Kind wäre ich vermutlich beim Kröterich hängen geblieben. Heute fühle ich mich dem Ratte näher. Seine Mischung aus Freundlichkeit und Abstand liegt sehr nah an meiner eigenen Leseerfahrung. Genau diese Unterschiedlichkeit der Figuren macht das Buch für mich so spannend. Sie altern mit mir.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2638" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 5 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_05_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Vom bretonischen Atelier an den englischen Fluss</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Plessix" target="_blank" rel="noopener">Michel Plessix</a> stammte aus der Bretagne. Er wuchs in einer Familie auf, in der Pinsel schon vor ihm eine Rolle spielten. Sein Vater und sein Großvater waren Maler.</p>
<p>Als Jugendlicher verschlang er Hefte wie TIM UND STRUPPI und SPIROU und beschloss früh, selbst Comics zu zeichnen. Irgendwann arbeitete er wiederholt an Kinder- und Jugendstoffen. Aus einer Mischung aus Reiselust, Beobachtungsgabe und klassischer frankobelgischer Schule speiste sich später DER WIND IN DEN WEIDEN und sein Nachfolger.</p>
<p>Die Adaption erschien zwischen 1996 und 2001 in vier Bänden unter dem französischen Titel LE VENT DANS LES SAULES und brachte Plessix internationale Aufmerksamkeit. Der dritte Band erhielt auf dem Comic-Festival in <a href="https://www.angouleme-tourisme.com/de/fete-manifestation/festival-international-de-la-bande-dessinee/" target="_blank" rel="noopener">Angoulême</a> den Publikumspreis. Im deutschsprachigen Raum wurde die Serie als Comic des Jahres gefeiert und mit dem Max und Moritz Preis ausgezeichnet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2639" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 6 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_06_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Vom Fluss zum Meer aus Sand</h3>
<p>Nach Abschluss dieser Adaption knüpfte Plessix mit DER WIND IN DEN DÜNEN an die Figuren an (s. meine Besprechung in der kommenden Woche). Darin schickt er Ratte, Maulwurf und Kröterich in eine neue, eigenständige Fortsetzung, die noch stärker vom Reisen und vom Fremdsein handelt.</p>
<p>2017 verstarb Michel Plessix mit nur 57 Jahren an einem Herzinfarkt. Viele Nachrufe betonten, dass DER WIND IN DEN WEIDEN sein Signaturalbum bleibt. Es vereint seine Wurzeln als Naturmaler mit seiner Liebe zu klassischer Erzählung mit anthropomorphen Figuren. Kenneth Grahame&#8217;s Original von 1908 hat er damit nicht ersetzt, sondern für eine neue Generation auf andere Weise sichtbar gemacht.</p>
<p>Ich spüre auch, dass hier jemand an einem Herzensprojekt gesessen hat. Die Adaption wirkt nicht wie eine Auftragsarbeit, sondern wie eine sehr persönliche Übersetzung eines geliebten Textes in ein anderes Medium.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2640" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 7 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_07_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Aquarell, Licht und die Kunst der Brise</h3>
<p>Wenn man andere Rezensionen zu DER WIND IN DEN WEIDEN quer liest, taucht ein Begriff ständig auf: Die Zeichnungen seien einfach wunderschön. Das klingt in anderem Kontext häufig abgenutzt, in diesem Fall jedoch stimmt es.</p>
<p>Plessix arbeitet mit Aquarellfarben und feinem Strich. Die Landschaften erinnern an impressionistische Gemälde. Dadurch, dass er Natur oft aus der Perspektive der Tiere zeigt, entsteht eine unmittelbare Nähe. Man sitzt buchstäblich tief im Gras, leicht unterhalb der Menschenwelt oder auf einem Zweig und hört den Freunden bei ihren Gesprächen zu.</p>
<p>Die Figuren sind stilisiert, aber nie karikaturhaft. Der Maulwurf wirkt rund und weich. Der Kröterich trägt seine Eitelkeit schon im Schnitt seines Mantels. Die Ratte strahlt mit wenigen Linien Gelassenheit aus. Alles hängt an kleinen Details, an einer hochgezogene Augenbraue, einer Pfote, die am Mantelsaum zupft. Mit feinen Details vermittelt Plessix gekonnt Charaktere und Emotionen. </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2641" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 8 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_08_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Wie der Fluss ins Papier sickert</h3>
<p>Der Seitenaufbau unterstützt den langsamen Rhythmus. Viele Panels sind breit und offen. Die Übergänge zwischen ihnen lenken den Blick über verschiedene Aspekte eines Ortes. </p>
<p>Was mir kritisch auffällt ist, dass Erzählerkästen und Sprechblasen viel Raum einnehmen. Das wirkt &#8211; leider &#8211; altmodisch. Vielleicht liegt es an einer möglichst exakten Adaption der Prosavorlage?</p>
<p>Für mich gehört diese Graphic Novel zu den seltenen Büchern, die man langsamer liest, weil man länger schauen will. Ich ertappe mich ständig dabei, Seiten zurückzublättern. Nicht, weil ich etwas nicht verstanden habe, sondern weil ich das Licht auf dem Fluss noch einmal sehen will.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2642" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 9 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_09_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Ein Buch für späte Abende</h3>
<p>Eine Besonderheit von DER WIND IN DEN WEIDEN liegt in seinem Verhältnis zur Zeit. Dieser Comic verlangt kein binge reading, im Gegenteil. Er lädt stattdessen zu Leseabenden ein mit Tee, mit Decke, mit Geduld.</p>
<p>Auch ist dieses Album für alle Altersstufen geeignet. Kinder können der Oberfläche folgen (Tiere fahren Boot, Kröterich baut Mist, die Freunde halten zusammen). Erwachsene entdecken nebenbei andere Ebenen, sehen die leise Technik und Zivilisationskritik, lesen die Klassenbilder heraus. Sie spüren die Melancholie eines ländlichen England, das es so nicht mehr gibt.</p>
<p>Gleichzeitig gibt es eine erkennbare Spannung zwischen Anspruch und Zielgruppe. Die Qualität der Zeichnungen und der Vorlage kann ich loben. Ich merke aber auch, dass die Erstveröffentlichung in Deutschland in einer hochwertigen, dafür aber auch relativ teuren Ausstattung erschienen ist. Die Bände wurden als wertvolle Kindercomics vermarktet. Das passte zur ästhetischen Ambition, erschwerte aber den spontanen Zugang für viele Familien.</p>
<h3>Langsamer Lesen im schnellen Zeitalter</h3>
<p>Kritisch halte ich fest, dass der Comic zwischen die Stühle fallen kann. Für viele jüngere Leser ist der Textumfang zu hoch und die Sprache stellenweise zu altmodisch. Für Erwachsene, die eher auf knappe Graphic Novels stehen, wirkt das Setting zunächst sehr brav. Dazu kommt eine gewisse Berechenbarkeit der Konflikte. Man spürt, dass die Vorlage aus einer Zeit stammt, in der Geschichten anders gebaut wurden.</p>
<p>Ich würde den Band deshalb niemandem als Einstiegscomic empfehlen, der bisher nur Superhelden, Manga oder schnelle Gagstrips kennt. Wer aber bereit ist, sich auf eine langsam erzählte, sehr sinnliche Fabel einzulassen, findet hier etwas, das es so nicht oft gibt.</p>
<p>Für mich liegt das eigentliche Alleinstellungsmerkmal im Zusammenspiel aus Naturbetrachtung, humorvoller Charakterstudie und stiller Gesellschaftsskizze. Dieser Comic winkt nicht mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern vertraut stattdessen darauf, dass ich zwischen den Panels lese.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2643" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000.jpg" alt="Innenseite 10 von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="1000" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-750x750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-150x150.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-768x768.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_01_10_1000X1000-600x600.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Warum sich DER WIND IN DEN WEIDEN heute noch lohnt</h3>
<p>Am Ende bleibe ich mit einem seltsamen Gefühl der Vertrautheit zurück. Ich kenne diese Welt nicht wirklich, war nie an diesem Fluss. Ich bin trotzdem sicher, dass ich wüsste, wie das Wasser klingt, wenn ich dort ein Boot abstieße.</p>
<p>DER WIND IN DEN WEIDEN ist kein makelloser Comic. Manche Episoden sind etwas bieder, der Text kann zu voluminös wirken und der Humor um den Kröterich wiederholt sich an diversen Stellen. Einige Kinder und Erwachsene der Gegenwart werden mit dem gemächlichen Tempo fremdeln.</p>
<p>Gleichzeitig hat dieses Buch etwas, das viele moderne Serien verloren haben. Es besitzt Gelassenheit und vertraut seiner eigenen Langsamkeit. Es setzt nicht auf Schock, sondern auf Schichten.</p>
<p>Beim ersten Lesen nimmt man vielleicht nur die freundliche Geschichte wahr, beim zweiten Lesen schaut man stärker auf die Technikbegeisterung des Kröterich&#8217;s und die Reaktion der anderen Tiere. Zuletzt sieht man, wie sehr dieses England eine Erinnerung ist und kein realistischer Ort.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Für Comic-Fans, die sich für Adaptionen klassischer Literatur interessieren, ist der Band beinahe Pflicht. Er zeigt, wie man einen Roman respektvoll und trotzdem eigenständig in Bilder überträgt. Er steht damit neben anderen Arbeiten im Werk von Plessix und passt trotzdem mühelos in eine Reihe mit <a href="https://panelwalker.de/2025/01/bone-mehr-als-nur-knochen/" target="_blank" rel="noopener">BONE</a>, <a href="https://www.mouseguard.net/" target="_blank" rel="noopener">MOUSE GUARD</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/schloss-der-tiere-1-miss-bengalore.html" target="_blank" rel="noopener">DAS SCHLOSS DER TIERE</a> oder <a href="https://panelwalker.de/2025/12/tiger-schneemaenner-und-spacemen-calvin-und-hobbes/" target="_blank" rel="noopener">CALVIN UND HOBBES</a>, wenn es um animalische Figuren mit Charakter geht.</p>
<p>Für Gelegenheitsleser ist die Empfehlung etwas vorsichtiger. Wer eine liebevoll gezeichnete, dichte Geschichte sucht, die man gut vorlesen oder gemeinsam entdecken kann, ist hier sehr gut aufgehoben. Wer dagegen eher schnelle, laute Stoffe bevorzugt, sollte sich bewusst entscheiden, ob er sich auf ein langsames Buch einlassen möchte.</p>
<p>Mein persönlicher Rat fällt dennoch klar aus. Wenn Du Lust hast, Dich für ein paar Abende aus dem Alltag auszuklinken, dann gib diesem Comic eine Chance. Aber such&#8216; Dir eine großformatige Ausgabe und blättere nicht zu schnell. Lass&#8216; den Fluss für Dich arbeiten. Und wenn Du nach dem Lesen das Gefühl hast, dass Du leise Motorengeräusche durch das Rauschen der Bäume hörst, dann hat Plessix seinen Job gut gemacht&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-2645 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-300x384.jpg" alt="Cover von DER WIND IN DEN WEIDEN" width="300" height="384" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-300x384.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-750x960.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-117x150.jpg 117w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-768x983.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781-600x768.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/WIND-IN-DEN-WEIDEN_COVER_1000X781.jpg 781w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>DER WIND IN DEN WEIDEN</p>



<p>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/der-wind-in-den-weiden.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a> Toonfish | Hardcover | 128 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★☆☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★★★(★)</p>
<p>Farben: ★★★★★</p>
<p>Lettering: ★★★☆☆</p>
<p>Humor: ★★★☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</p>
<p>ISBN: 978-3-86869-696-7</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"> </p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/01/der-wind-in-den-weiden-begleitet-das-leben-am-strom/">DER WIND IN DEN WEIDEN begleitet das Leben am Strom</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Tiger, Schneemänner und Spacemen &#8211; CALVIN UND HOBBES</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2025 23:01:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Cartoon]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Bill Watterson]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>CALVIN &#38; HOBBES leuchtet wie der hellste Komet in der Galaxie der Zeitungs-Comics. Die Strips entfalten seit ihrem Debüt am 18. November 1985 eine Magie, die andauert, obwohl Zeitungs-Comics seit Jahren der Vergangenheit angehören. Heute vor 30 Jahren, am 31. Dezember 1995 erschien der letzte Strip dieser einzigartigen Reihe.  An seinem ersten Erscheinungstag wurde der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>CALVIN &amp; HOBBES leuchtet wie der hellste Komet in der Galaxie der Zeitungs-Comics. Die Strips entfalten seit ihrem Debüt am 18. November 1985 eine Magie, die andauert, obwohl Zeitungs-Comics seit Jahren der Vergangenheit angehören. Heute vor 30 Jahren, am 31. Dezember 1995 erschien der letzte Strip dieser einzigartigen Reihe. </p>
<p>An seinem ersten Erscheinungstag wurde der Strip in 35 Zeitungen veröffentlicht, zuletzt waren es rund 2.400. In den 10 Jahren dazwischen wurden 3.160 tägliche (!) Comic-Strips publiziert. Dreitausend-einhundert-sechzig, eine unvorstellbare Zahl. Ja, es waren Strips bei denen es durchaus qualitative Höhen und Tiefen gab. Aber Bill Watterson hat die Latte für alle, die nach ihm kamen, sehr, sehr hoch gelegt. Jetzt ist aber Schluss mit all den Zahlen!</p>
<p>In diesem Artikel geht es nicht nur um eine Kinderfreundschaft, sondern um ein lebenskluges, witziges Plädoyer für eben diese Freundschaft, gepaart mit ausufernder Fantasie und der Kunst, die Tür zum Abenteuer im Alltag immer einen Spalt offen zu halten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>Mit den Abenteuern des sechsjährigen Calvin und seines Stofftigers Hobbes hat Autor Bill Watterson einen Zeitungscomic geschaffen, dessen magische Qualitäten bis heute unerreicht sind. [&#8230;] Calvin ist Chaos! Ob Eltern, Babysitterin oder Nachbarstochter: Der Bengel treibt seine Umwelt mit Spitzfindigkeiten und den absurdesten Streichen an den Rand des Wahnsinns. Wenn er nicht gerade als &#8222;Raumfahrer Spiff&#8220; oder mächtiger Dinosaurier im Reich seiner überbordenden Fantasie unterwegs ist.</p>
<p>Einzig seinem besten Freund, dem liebenswerten Stofftiger Hobbes, gelingt es, den hyperaktiven Calvin auf den Boden der Tatsachen zu holen. Wenn auch nie für lange, denn eine zünftige Partie Calvin-Ball, eine Vereinssitzung des E.M.S.V. (Eklige Mädchen Sollen Verduften) oder ein tiefschürfendes Gespräch über Zuckerbomben mit Schokoguss sind schließlich auch nicht zu verachten. Hobbes ist ja kein Spielverderber! [Verlagstext]</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Drei Strips zum Einstieg</h3>
<p>In manchen Strips zeigt uns Bill Watterson einen Gag, in anderen verbindet er seine narrative Kunstfertigkeit zu einer Fortsetzungsgeschichte, die sich über mehrere Strips entwickelt. Aber immer endet die aktuelle Bildfolge mit einer wohlgesetzten Pointe. Dies ist ein wichtiges Merkmal der Zeitungsstrips der damaligen Zeit.</p>
<h3><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2606" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_04_889X1000.jpg" alt="" width="1000" height="889" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_04_889X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_04_889X1000-300x267.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_04_889X1000-750x667.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_04_889X1000-150x133.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_04_889X1000-768x683.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_04_889X1000-600x533.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></h3>
<h3>Fantasie zwischen Keksdose und Urknall</h3>
<p>CALVIN &amp; HOBBES erzählt die Geschichte des ewig sechsjährigen Calvin, dessen wildes, widerspenstiges Herz einzig von seinem getigerten Weggefährten Hobbes verstanden wird. Auf dem Papier ist Hobbes ein Plüschtier. Doch kaum sind Erwachsene außer Reichweite, verwandelt er sich für uns blitzschnell in einen sprechenden, bestens aufgelegten Tiger.</p>
<p>Mit ihm an seiner Seite geht Calvin auf atemberaubende Fantasiereisen. Da wird das Wohnzimmer zur außerirdischen Dschungellandschaft, das Badezimmer zum See voller Monster, der Schulhof zum Planeten einer Alieninvasion. Jede noch so graue Kleinigkeit des Alltags wird im Kopf des Jungen zur Rakete für große, oft absurde Abenteuer.</p>
<p>Die Erzählstruktur der Comicstrips ist schlau angelegt. Oft reicht ein einziger Blick, ein Satz oder die absurde Klage über das vermeintliche Leiden am Erwachsensein, um einen Bogen vom Alltäglichen zum Kosmischen zu schlagen.</p>
<p>So sieht Calvin im strengen Schuldirektor prompt einen außerirdischen Spion, der mit teuflischen Hausaufgaben die Welt unterjochen will. In anderen Strips plant Calvin genüsslich destruktive Attacken auf seine Nachbarin Susie oder philosophiert (mal kindlich-naiv, mal entwaffnend klarsichtig) über die großen Fragen von Zeit, Existenz und Moral.</p>
<p>Trotz aller Sprunghaftigkeit pendelt CALVIN &amp; HOBBES immer zwischen den Extremen und euphorischer Übermut trifft auf melancholische Nachdenklichkeit. Denn so uneingeschränkt Calvin mit seinem Tiger durch Traumlandschaften jagt, so regelmäßig kracht er zurück auf den Boden der unnachgiebigen Wirklichkeit.</p>
<p>Die Pointen blühen auf der Diskrepanz zwischen dem Wunsch, die Welt zu formen, und der Frustration, ihr ausgeliefert zu sein. Was anfangs als ulkige Alltagsflucht erscheint, entwickelt sich zunehmend zur Meditation über Kindheit, Freundschaft, Identität – und die Fähigkeit, mit kindlichem Staunen die Welt täglich neu zu begreifen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2607" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_05_889X1000.jpg" alt="" width="1000" height="889" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_05_889X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_05_889X1000-300x267.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_05_889X1000-750x667.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_05_889X1000-150x133.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_05_889X1000-768x683.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_05_889X1000-600x533.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Zwei, die die Welt neu erfinden</h3>
<p>Im Zentrum des Strips strahlt die kontrastreiche Freundschaft zwischen Calvin und Hobbes. Calvin platzt vor Energie, Fantasie und Renitenz. Er rebelliert gegen Hausaufgaben, Zähneputzen und jede Form von Kontrolle.</p>
<p>Sein Vater ist die verkörperte Ironie, seine Mutter die stoische Geduld, die Lehrerin das Sinnbild pädagogischer Frustration, doch wirklich ernst nehmen kann Calvin nur Hobbes. Dieser besitzt alles, was Calvin fehlt: Gelassenheit, ein ausgeprägtes Verständnis für Ironie, das rechte Maß an Nachsicht und gelegentlicher Raubtierlust.</p>
<p>Hobbes oszilliert zwischen Spiegelbild, Korrektiv und subversivem Draufgänger. Mit seiner sanften, oft spöttischen Klugheit erdet er Calvin. Die Dialoge sind funkelnde Wechselspiele, in denen sich philosophisch grundierte Nachdenklichkeit mit anarchischem Klamauk paaren.</p>
<p>Während Calvin bei seinen Ausflügen ständig moralische und existenzielle Grenzen testet, mahnt Hobbes immer wieder zur Reflexion und Menschlichkeit – wenn er nicht selbst zur Attacke übergeht oder sich das nächstbeste Sandwich stibitzt.</p>
<p>Die Dynamik erinnert frappierend an wiederkehrende Paarkonstellationen der Comicgeschichte, doch selten wurden Ego und Über-Ich, Impuls und Vernunft so subversiv miteinander verbunden.</p>
<p>Auch in den Nebenfiguren spiegelt sich eine stimmig gezeichnete, analoge Vorstadtwelt. Ob Eltern, Rektor, bullige Mitschüler oder die smarte Nachbarin Susie: sie alle tauchen in Calvins Vorstellungswelt transformiert auf. Sie sind mal Monster, mal Helden oder bloßes Inventar für seine Fantastereien.</p>
<p>Jeder Charakter gewinnt Kontur durch Calvin&#8217;s überbordende Fantasie und zeigt zugleich etwas Grundsätzliches über menschliche Beziehungen, Macht und Ohnmacht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2605" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_03_889X1000.jpg" alt="" width="1000" height="889" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_03_889X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_03_889X1000-300x267.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_03_889X1000-750x667.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_03_889X1000-150x133.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_03_889X1000-768x683.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_03_889X1000-600x533.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Ein Mann, ein Tiger, ein Comic-Weltwunder</h3>
<p>CALVIN &amp; HOBBES ist das Werk von Bill Watterson (im deutschen Sprachraum teils auch als William Watterson II geführt). Der 1958 geborene US-Amerikaner prägte mit seiner Serie eine ganze Generation von Leserinnen und Lesern. Ursprünglich als kleiner Strip in der Lokalzeitung gestartet, wurde die Serie bald zu einem internationalen Phänomen. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität erschien sie weltweit in Hunderten Zeitungen, doch lehnte Watterson &#8211; gegen allen wirtschaftlichen Menschenverstand &#8211; jegliche Vermarktung seiner Figuren als Trickfilm, Serie oder Merchandise kategorisch ab.</p>
<p>Bill Watterson ist bekannt für seine kompromisslose, romantisch verklärte – und äußerst humorvolle – Haltung gegenüber Kunstfreiheit. In der Comic-Szene gilt er daher als widerspenstiger Erneuerer.</p>
<p>Er lotete die engen Rahmen des Zeitungsstrips künstlerisch wie erzählerisch immer weiter aus und hielt dabei einen einzigartigen Stil zwischen klassischer Linie und visueller, experimenteller Freude. Neben CALVIN &amp; HOBBES hinterließ er vor allem Spuren in der Debatte um die Comic-Kunst an sich, Veröffentlichungsrechte und anti-kommerzielle Haltung. Zahlreiche Comicautoren wie z.B. Art Spiegelman oder die PEANUTS-Erben sehen ihn als kreativen Wegbereiter.</p>
<h3>Bilder, die träumen wollen</h3>
<p>Was CALVIN &amp; HOBBES in der visuellen Abteilung vollbringt, begeistert mich immer wieder auf&#8217;s Neue und ist einfach bahnbrechend. Die Panels leben von einer unglaublichen Dynamik. Ob rollende Wälder für rasante Schlittenfahrten, verwaschene Regenstürme als melancholisches Intermezzo oder minimalistische Portraits punktgenauer Ironie: Watterson zieht souverän alle Register der Zeichenkunst. Die Vielseitigkeit reicht von locker-flirrenden Federstrichen bis hin zu detailverliebten Splash-Panels, wie sie für Sonntagsseiten typisch sind.</p>
<p>Besonders bemerkenswert ist die expressive Mimik von Calvin. Mit wenigen Strichen springt Watterson von Ekstase zu tiefster Verstörung oder rührender Nachdenklichkeit. Die Dramaturgie funktioniert auf mehreren Ebenen. Während die wortlosen Gags auch für Kinder verständlich bleiben, baumeln viele Anspielungen und Meta-Kommentare wie versteckte Bonbons im Bild für uns Erwachsene.</p>
<p>Die Gestaltung der Traumsequenzen, etwa wenn Calvin als „Spaceman Spiff“ durchs All jagt, ist ein Fest für die Augen. Auch in Schwarz-Weiß bleibt die visuelle Wucht ungebrochen.</p>
<h3>Revolution aus der Rappelkiste</h3>
<p>CALVIN &amp; HOBBES erschien in einer Zeit, als die Comic-Strips in den Zeitungen zunehmend standardisiert und stromlinienförmig wurden. Watterson stemmte sich sowohl mit erzählerischer, als auch stilistischer und politischer Finesse dagegen.</p>
<p>Durch seine Weigerung, die Figuren ins Konsum-Karussell zu schicken, setzte er ein zudem wichtiges Zeichen gegen Kommerzialisierung und für künstlerische Autonomie.</p>
<p>Thematisch greift CALVIN &amp; HOBBES Debatten auf, die den jeweiligen Zeitgeist widerspiegeln, manchmal subtil, manchmal aber auch mit der Brechstange. Kritik an der Konsumgesellschaft, Betrachtungen über Umwelt, Bildung, mediale Überforderung und das moderne Familienleben durchziehen die Strips, ohne moralisch zu belehren.</p>
<p>Die Beziehung zu anderen Comic-Klassikern ist offensichtlich. Doch während die PEANUTS ihre Welt zumeist melancholisch und resigniert erleben, zelebrieren CALVIN &amp; HOBBES den anarchischen Spaß und den Widerstand gegen die Erwachsenenlogik mit einer Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2608" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_06_889X1000.jpg" alt="" width="1000" height="889" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_06_889X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_06_889X1000-300x267.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_06_889X1000-750x667.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_06_889X1000-150x133.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_06_889X1000-768x683.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_06_889X1000-600x533.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Eigen-Sinn und Tiger-Biss</h3>
<p>Watterson sprengt in CALVIN &amp; HOBBES nicht nur die Grenzen der Formatvorgaben für Zeitungscomics. Er inszeniert Panel, die von philosophischer Tiefe bis zum hintergründigen Klamauk reichen.</p>
<p>Besonders prägnant bleibt der Verzicht auf eine fortlaufende Handlung. Jedes Abenteuer, jede Krise, jeder Gag steht wie eine Miniatur für das große Ganze. So erreicht der Comic eine emotionale und intellektuelle Bandbreite zwischen absurdem Alltagswitz und existenzieller Reflexion, die in der Comiclandschaft herausragt.</p>
<p>Ungewohnt bleibt auch, dass der Strip jede Vermarktung verweigert. Keine Animationsfilme, keine Actionfiguren, kein T-Shirt-Universum. Der Wunsch, CALVIN &amp; HOBBES ausschließlich als gezeichnete Figuren weiterleben zu lassen, bewahrt ihnen einen Zauber, den kaum eine andere Serie so lange halten konnte. Alles, was &#8211; außer Büchern &#8211; mit CALVIN &amp; HOBBES Motiven erhältlich ist, kann getrost als nicht autorisiert betrachtet werden.</p>
<h3>Einzigartig wie Tigerstreifen</h3>
<p>CALVIN &amp; HOBBES bleibt ein zeitloses Meisterstück, das Grenzen überschreitet und Leserinnen und Leser aller Generationen inspiriert. Der Comic glänzt als Abenteuerreise für den Geist und als liebevolle Hommage an das kreative Potenzial des kindlichen Blicks. Wer sich auf CALVIN &amp; HOBBES einlässt, reist zwischen urkomischen Alltagskatastrophen, existenziellen Gedankenspielen und poetischen Momentaufnahmen hin und her. Die raffinierten Zeichnungen, pointierten Dialoge und das anarchische Herz der Figuren laden zum Staunen, Lachen, Nachdenken und &#8211; nicht zuletzt &#8211; zum Kind-sein ein. Immer wieder aufs Neue!</p>
<p>Dieser Comic gehört für mich in jedes Was-Nimmst-Du-Mit-Auf-Die-Einsame-Insel-Paket und in jedes Comic-Regal.</p>
<p>Egal ob Sammler oder Neueinsteiger: Diese Comic-Strips sind ein wichtiger, unverzichtbarer Teil unserer Popkultur und ein Geschenk für alle, die Humor mit Haltung, Zeichnung mit Gehalt und Fantasie mit bissigem Witz lieben.</p>
<p>Wer Calvin und seinen Tiger noch nicht kennt, sollte ihnen unbedingt begegnen – auf der nächsten Zeitungsseite, im Comicladen oder direkt als Gesamtausgabe. Man bleibt dabei garantiert nicht derselbe. Um es mit den letzten Worten von Calvin heute vor 30 Jahren zu sagen: &#8222;Let&#8217;s go exploring!&#8220;</p>
<p>P.S:</p>
<p>CALVIN &amp; HOBBES erhielt 1990 den <a title="Max-und-Moritz-Preis" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Max-und-Moritz-Preis">Max-und-Moritz-Preis</a> als bester internationaler Comicstrip und 2007 den <a title="Sondermann (Cartoon)" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sondermann_(Cartoon)#Sondermann-Preis">Sondermann-Preis 2007</a> als bester Comic International 2007. Zuuuuuu recht! </p>
<p>&nbsp;</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2603" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_01_1000X841-300x357.jpg" alt="" width="300" height="357" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_01_1000X841-300x357.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_01_1000X841-750x892.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_01_1000X841-126x150.jpg 126w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_01_1000X841-768x913.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_01_1000X841-600x713.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/11/CALVIN_UND_HOBBES_01_1000X841.jpg 841w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />CALVIN UND HOBBES</p>



<p>© <a href="https://www.carlsen.de/reihe/calvin-und-hobbes?srsltid=AfmBOoogrCvgfYYh8A0woRjaEQomhk80dqspsCwZa7FpI76qBmR2WdSm" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">CARLSEN VERLAG</a> | Hardcover | 1456 Seiten | Schwarz-Weiß und Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★★★★</p>
<p>Zeichnungen: ★★★★★</p>
<p>Farben: ★★★☆☆</p>
<p>Lettering: ★★★★☆</p>
<p>Humor: ★★★★★(★)</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★(★)</p>
<p>ISBN: 978-3-551-78907-5 (Gesamtausgabe)</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/12/tiger-schneemaenner-und-spacemen-calvin-und-hobbes/">Tiger, Schneemänner und Spacemen – CALVIN UND HOBBES</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY findet seinen Platz</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Dec 2025 06:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Anthropomorph]]></category>
		<category><![CDATA[Bewertung]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Crime Noir]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sekundärliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Giovanni Rigano]]></category>
		<category><![CDATA[Juan Diaz Canales]]></category>
		<category><![CDATA[Juanjo Guarnido]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe BLACKSAD. Die Hauptserie gehört zu meinen persönlichen Klassikern des europäischen Comics. Die Mischung aus dreckigem Noir, politischer Schärfe und diesen unglaublich lebendigen Aquarellseiten sitzt bei mir im Muskelgedächtnis, wenn ich zum Regal greife. Genau deshalb schaue ich bei BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY genauer hin und betrachte das Werk gegebenenfalls mit weniger Nachsicht als [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-gesammelte-falle-neuausgabe/978-3-551-74574-3" target="_blank" rel="noopener">BLACKSAD</a>. Die Hauptserie gehört zu meinen persönlichen Klassikern des europäischen Comics. Die Mischung aus dreckigem Noir, politischer Schärfe und diesen unglaublich lebendigen Aquarellseiten sitzt bei mir im Muskelgedächtnis, wenn ich zum Regal greife. Genau deshalb schaue ich bei BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY genauer hin und betrachte das Werk gegebenenfalls mit weniger Nachsicht als irgendein anderes, x-beliebiges Spin-Off.</p>
<h3>Die Background-Story</h3>
<p>Die Ausgangslage klingt erst einmal verlockend. Weekly, der müffelnde, nervige, dabei aber liebenswerte Steinmarder aus ARCTIC NATION und <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-4-die-stille-der-holle/978-3-551-74764-8" target="_blank" rel="noopener">DIE STILLE DER HÖLLE</a>, bekommt seinen eigenen Band. Von der Idee her: Prima!</p>
<p>Wir erfahren, wie der junge Dustin Kalisnowszczyzna &#8211; später bekannt als Weekly &#8211; mit seiner polnischstämmigen Großmutter Chana im New York der fünfziger Jahre in einem winzigen Apartment lebt. Er schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, während Chana in der pastoralen Eiferin, Mrs. Lubansky, die Rettung sieht. Gläubig sind sie ja, diese Exilanten.</p>
<p>Pastorin Lubansky bläst zur moralischen Offensive gegen Comics, die sie als Gefahr für die Jugend darstellt. Ihr Mann betreibt derweil ein respektables Bestattungsinstitut, in dem Weekly widerwillig anheuern muss. Parallel landet er bei Proper Comics, einem Verlag von Krimi- und Horrorgeschichten, der &#8211; natürlich &#8211; im Visier der besagten Tugendwächterin steht.</p>
<h3>Wenn das Spin-off plötzlich nach Merchandise schmeckt</h3>
<p>Auf dem Papier klingt das nach der idealen Bühne, um Themen wie Coming-of-Age, Medienkritik, Zensurdebatte, Noir-Versatzstücke und familiäre Traumata zu verarbeiten. Dabei ist alles noch wunderbar verpackt in einem Prequel für Hard-Core-Fans einer der erfolgreichsten Serien des frankobelgischen Comic-Marktes. Beim Lesen spüre ich aber schnell, wie stark hier die Marketing-Logik den kreativen Biss beeinflusst hat.</p>
<p>BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY will alles gleichzeitig sein: ein Einstieg für neue Leser bzw. Leserinnen (ja, genau in dieser Reihenfolge) und ein Liebesbrief an &#8230; mich und andere Fans der Reihe. Am Ende wirkt es wie ein sehr professionelles Produkt, das genau weiß, wie es aussehen soll, aber nicht genau weiß, warum es erzählt werden muss. </p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2748" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-01.jpg" alt="Innenseite 01 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-01.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-01-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-01-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Ein Steinmarder, zwei Jobs und ein sehr enger Horizont</h3>
<p>Der erste Akt der Handlung bleibt dicht bei Weekly. Wir begleiten ihn durch seinen Alltag im heruntergekommenen New York der Nachkriegszeit. Der Junge will mehr, als der enge Korridor aus Schule, billigen Jobs und religiöser Strenge ihm zugesteht.</p>
<p>Seine Großmutter wird von Visionen aus der Vergangenheit geplagt, klammert sich an ihren Glauben und sieht in Comics den Anfang des moralischen Endes. Sie zieht Pastorin Lubansky zu Rate, denn diese Schafsdame führt eine fanatische Kampagne gegen die Schundhefte, wie sie sie nennt. Schon hier setzt Juan Diaz Canales das Thema, auf das der ganze Band abfährt: die moralische Panik rund um Comics und den angeblichen Jugendverfall.</p>
<p>Weekly landet zuerst im Bestattungsunternehmen von Lubansky&#8217;s Ehemann. Der Job ist genauso trist, wie man es erwartet kann: Böden werden gefegt, Kisten werden geschleppt, Leichen bewegt und der Mund gehalten.</p>
<p>Giovanni Rigano, der Hauptzeichner, nutzt diese Szenen für ein paar hübsch inszenierte Bildwitze mit Blumenkränzen, Särgen und verlegenen Trauergästen. Gleichzeitig legt Canales Hinweise auf ein schmutzigeres Geschäftsmodell. Der Bestatter pfuscht an Leichen herum und die Behörden schauen weg. Das ist alles solide gemacht, nur bleibt es lange beim Versprechen eines großen Skandals.</p>
<h3>Moralpanik zum Mitnehmen</h3>
<p>Parallel dazu entwickelt sich Weekly&#8217;s Faszination für Proper Comics. Der Verlag produziert Krimi- und Horrorhefte, die deutlich an EC-Comics wie <a href="https://www.ppm-vertrieb.de/EC-Tales-from-the-Crypt-Gesamtausgabe-1::317788.html" target="_blank" rel="noopener">TALES FROM THE CRYPT</a> erinnern. Die moralischen Angriffe von Lubansky spiegeln realhistorische Debatten wider um <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fredric_Wertham" target="_blank" rel="noopener">Fredric Wertham</a> und den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Comics_Code" target="_blank" rel="noopener">Comics Code Authority</a>. Der Band streut Anspielungen auf diese Zeit ein, verweist auf öffentliche Anhörungen und die Angst vor jugendlicher Verderbtheit durch Bilder von Gewalt und Monstern.</p>
<p>Das Problem ist nur, dass der Comic mir das alles wie eine hübsch arrangierte Ausstellung zeigt. Die Figuren reagieren brav entlang ihrer Rollen. Weekly als neugieriger Rebell, Chana als ängstliche Gläubige, Lubansky als Karikatur der Moralpanik. Niemand überrascht mich. Die Szenen funktionieren, aber sie kitzeln mich nicht. Für ein Noir-Universum, das sonst voller Ambivalenzen steckt, bleibt dieser Auftakt erstaunlich glatt.</p>
<h3>Comics, Leichen und reichlich Pappfiguren</h3>
<p>Im zweiten Akt von BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY zieht Canales dann die Schrauben an. Weekly schleicht zwischen Leichenhalle und Verlag hin und her. Er übernimmt Botengänge, fotografiert heimlich und gerät zufällig an Hinweise, die das Bestattungsinstitut mit zwielichtigen Geschäften verbinden. Tote werden ausgetauscht, mysteriöse Gelder erscheinen und verschwinden und Unterlagen werden manipuliert. Das Bestattungsunternehmen dient als Schleuse für alles, was im offiziellen Amerika der fünfziger Jahre nicht auftauchen darf.</p>
<p>Gleichzeitig bekommt Weekly bei Proper Comics eine echte Chance. Der Verleger Venables will ein Fotokrimiprojekt ausprobieren, weil ihm die Moralwächter alles andere zusammenstreichen. Weekly soll die Bilder liefern. Hier liegt der Kern von Weekly&#8217;s späterer Identität als Fotojournalist.</p>
<p>Rigano setzt diese Sequenzen flott um. Die Fotomontagen, die Künstlichkeit des Settings, der Spaß daran, Bilder zu stellen sind die Momente, in denen die Serie mir zeigt, wie Fiktion auf Realität reagiert und sie gleichzeitig formt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2749" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-02.jpg" alt="Innenseite 02 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-02.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-02-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-02-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Thriller aus der Schablone</h3>
<p>Der Plot verknüpft dies alles mit Lubansky&#8217;s Kreuzzug. Die Pastorin nutzt die staatliche Paranoia, um Comics als Feindbild aufzubauen. Der Band schlägt hier deutliche Bögen in die Gegenwart, zu den heutigen Versuchen, Bücher aus Bibliotheken zu verbannen oder Medien für gesellschaftliche Missstände verantwortlich zu machen.</p>
<p>Der Thriller-Plot funktioniert, aber er bleibt schablonenhaft. Der Bösewicht ist offensichtlich, der Verrat kommt absehbar, die Wendungen wirken wie die sauber abgehakten Punkte einer Checklisten für Krimi-Drehbücher.</p>
<p>Für eine Marke, die in <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-6-wenn-alles-fallt-teil-1/978-3-551-74766-2" target="_blank" rel="noopener">WENN ALLES FÄLLT</a> oder <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-1-irgendwo-zwischen-den-schatten/978-3-551-74761-7" target="_blank" rel="noopener">IRGENDWO ZWISCHEN DEN SCHATTEN</a> komplexe Machtgeflechte aufzieht, fühlt sich diese Geschichte überraschend brav an. Die moralischen Fanatiker dürfen wüten, aber sie bleiben dabei erstaunlich harmlos.</p>
<h3>Vom Pechvogel zum Reporter – eine Abkürzung zu viel</h3>
<p>Die letzte Etappe der Handlung führt Weekly in den direkten Konflikt. Er stolpert in eine Verschwörung, wird zur Zielscheibe, gerät zwischen Secret Service, fanatische Gläubige und skrupellose Geschäftsleute. Natürlich gibt es eine persönliche Offenbarung rund um die Vergangenheit seiner Familie. Und doch frage ich mich: Wofür war die nun gut? Hilft sie der Geschichte oder dem Verständnis darum, weshalb Weekly tut, was er tut? Nein!</p>
<p>Canales arbeitet hier mit allen vertrauten Elementen: Rückblende, Enthüllung, moralische Entscheidung. Weekly muss wählen, ob er schweigt und sich in Sicherheit bringt oder ob er Risiko eingeht, um die Geschichte sichtbar zu machen.</p>
<p>Er entscheidet sich &#8211; wenig überraschend &#8211; mit der Kamera in der Hand für die Wahrheit. In der Logik des Bandes und der BLACKSAD-Reihe ist dies folgerichtig. Als Leser bleibe ich aber auf Distanz. Die innere Entwicklung wirkt wie ein Sprung über mehrere Stufen. Zwischen überfordertem Herumstolpern und klar definiertem Berufsethos klafft eine riesige Lücke, die der Comic &#8211; leider &#8211; nicht füllt.</p>
<h3>Ein Werdegang im Schnelldurchlauf</h3>
<p>Dazu kommt ein zweites Problem. Die Nebenfiguren sind zwar zahlreich, aber flach. Lubansky ist als Schaf mit Bibel in der Hand schnell aus erzählt. Ihr Mann bleibt der schleimige Geschäftsmann ohne Facetten. Venables ist der typische zynische Verleger, der zwar ein paar gute Pointen bekommt, aber nie zu einer widersprüchlichen Figur wächst. Selbst Chana, die vom Skript her jede Menge Konflikt in sich tragen sollte, bleibt erstaunlich eindimensional. Ihre Angst, ihr Glaube, ihre Liebe zu Weekly erscheint, wird benannt und verschwindet dann wieder.</p>
<p>Am Ende klappt der Plot zusammen wie ein ordentlich gefaltetes Dossier. Die Bösen werden gestellt, die Geheimnisse erklärt, Dustin erhält sein neues Leben als Weekly und eine neue Jacke (weil die alte ja so stinkt, dass sich niemand daran traut). Für ein Einsteigerpublikum ist das angenehm klar. Für Leserinnen und Leser, die mit IRGENDWO ZWISCHEN DEN SCHATTEN oder DIE STILLE DER HÖLLE sozial und emotional komplexere Stoffe gewohnt sind, fühlt sich dieses Ende wie eine sehr stark vereinfachte Version des bekannten BLACKSAD-Rezepts an.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2750" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-03.jpg" alt="Innenseite 03 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-03.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-03-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-03-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Routine trifft Riesenerbe</h3>
<p>Juan Díaz Canales ist längst kein Newcomer mehr. Er hat mit der Hauptserie BLACKSAD eine Reihe internationaler Preise eingesammelt und sich als einer der wichtigen Autoren im Bereich des europäischen Noir etabliert.</p>
<p>Seine Arbeiten an <a href="https://literaturzeitschrift.de/book-review/corto-maltese-nacht-in-berlin/" target="_blank" rel="noopener">CORTO MALTESE</a> zeigen, dass er souverän mit historischen und politischen Themen umgehen kann. Seine Karriere begann im Animationsbereich, er gründete ein eigenes Studio, schrieb für Serien und Langfilme und brachte diese Erfahrung erfolgreich in BLACKSAD ein.</p>
<p>Giovanni Rigano kommt ebenfalls aus der Ecke der Auftragsarbeit und der Zeichentrick-Maschinerie. Er hat unter anderem die <a href="https://www.schmitt-hahn.de/shop/article/2175478/eoin_colfer_artemis_fowl.html" target="_blank" rel="noopener">ARTEMIS FOWL</a>-Graphic Novels gezeichnet, für Disney an <a href="https://www.amazon.de/Incredibles-Disney-Pixar-Movies/dp/1532145519" target="_blank" rel="noopener">THE INCREDIBLES</a> und FLUCH DER KARIBIK gearbeitet und für italienische Verlage Serien wie <a href="https://www.comicguide.de/book/87375/Monster-Allergy-1" target="_blank" rel="noopener">MONSTER ALLERGY</a> bebildert. Seine Ausbildung an der Scuola del Fumetto in Mailand und sein Weg über die Disney Academy prägen seinen Stil, dynamisch, klar lesbar und mit einer starken Fokussierung auf Bewegung und Mimik.</p>
<h3>Wenn der Schöpfer sich selbst zitiert</h3>
<p>In BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY prallen diese beiden Profile auf ein gigantisches Erbe. Canales befindet sich in der unangenehmen Situation, sein eigenes Meisterwerk zitieren zu müssen. Er erzählt eine Geschichte, die sich in die Kontinuität der Reihe einfügen soll und die im kollektiven Gedächtnis bereits fest als moderner Klassiker verankert ist. Also geht er den Weg, den viele etablierte Filme und Serien gegangen sind: er wählt eine Vorgeschichte!</p>
<p>Ich habe beim Lesen den Eindruck, dass Canales hier vor allem auf Sicherheit setzt. Die politische Ebene bleibt generisch genug, um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Die Figuren tun, was man von ihnen erwartet. Die Dialoge sind sauber, aber selten wirklich zündend. Der Autor liefert solide Arbeit, aber nicht den Funken, der die Reihe um John BLACKSAD ursprünglich ausgezeichnet hat.</p>
<p>Rigano übernimmt die undankbare Rolle als Erbe von Juanjo Guarnido. Er muss den Look so nah wie möglich treffen, damit das Spin-Off als Teil derselben Welt erkennbar bleibt. Gleichzeitig bräuchte er eigentlich Raum für eine eigene Handschrift. Das Ergebnis wirkt wie ein erstaunlich gut gemachter Cover-Song, bei dem man die Originalmelodie jederzeit heraushört und sich fragt, ob man sie nicht lieber direkt hören würde.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2751" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 04 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-04.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-04-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-04-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Digitales Fell</h3>
<figure id="attachment_2754" aria-describedby="caption-attachment-2754" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-2754 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-STILL-DER-HOELLE_Innenseite-300x395.jpg" alt="Anschauungsseite aus DIE STILLE DER HOELLE" width="300" height="395" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-STILL-DER-HOELLE_Innenseite-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-STILL-DER-HOELLE_Innenseite-114x150.jpg 114w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-STILL-DER-HOELLE_Innenseite.jpg 572w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2754" class="wp-caption-text">Beispielseite aus BLACKSAD 4 &#8211; DIE STILLE DER HÖLLE</figcaption></figure>
<p>Optisch sitzt BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY zunächst erstaunlich gut im Regal neben den Bänden von Guarnido. Das Format passt, die anthropomorphen Figuren tragen vertraute Züge, die Farbpalette legt sich mit einem warmen Sepia-Schleier über das New York der fünfziger Jahre. Die Cover-Illustration des Bandes, in der WEEKLY inmitten einer anonymen Masse steht und ein Lichtstrahl auf ihn und den Rücken von John BLACKSAD fällt, gehört für mich zu den stärksten Bildern des gesamten Projekts.</p>
<p>Beim Blättern merkt man allerdings schnell den Unterschied. Guarnido&#8217;s ursprüngliche Seiten leben von einer unglaublich dichten, handgemalten Aquarellstruktur (s. Beispielseite aus BLACKSAD 4 &#8211; DIE STILLE DER HÖLLE). Die Hintergründe sind vollgestopft mit architektonischen und atmosphärischen Details, das Licht gleitet wie Rauch über Papier, jede Gasse hat ihre Temperatur.</p>
<p>Rigano arbeitet stattdessen digital und das sieht man. Er nutzt saubere, präzise Linien und eine dunkle, sehr kontrollierte, wenn auch rudimentäre Farbgebung. Das macht die Seiten einerseits klar, andererseits aber nicht immer gut lesbar. Zugleich geht aber ein Teil der körnigen Sinnlichkeit verloren, die BLACKSAD bislang ausgezeichnet hat. Meinen persönlichen Geschmack trifft der hier gewählte Ansatz leider nicht.</p>
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<h3>Noir ohne tiefen Schatten</h3>
<p>Ein weiterer Unterschied liegt im Seitenlayout. WEEKLY setzt deutlich stärker auf viele kleine Panels pro Seite. Das passt zum hektischen Alltag eines jungen Botengängers und Fotografen. Es erzeugt Bewegung, Tempo, Slapstick. Gleichzeitig nimmt es dem Comic die großen, atmenden Panel, in denen Guarnido seine Noir-Kompositionen ausspielte.</p>
<p>Die berühmten Splash-Momente aus IRGENDWO ZWISCHEN DEN SCHATTEN oder ARCTIC NATION, in denen eine Straßenszene oder ein Clubraum plötzlich wie ein Gemälde wirkt, finden sich hier kaum.</p>
<p>Die Figuren selbst sind gelungen, aber glatter koloriert. WEEKLY hat eine cartooneske Mimik. Rigano kann diesen Stil, er hat ihn jahrelang perfektioniert. Im Kontext von BLACKSAD nimmt er der Welt aber ein Stück Härte. Blut, Schmutz, Schweiß, Zigarettenrauch, all das ist vorhanden, aber wie mit einem feuchten Tuch abgewischt. Die Zeichnungen sind stark, doch sie wirken selten gefährlich.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2752" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="572" height="754" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-05.jpg 572w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-05-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Innenseite-05-114x150.jpg 114w" sizes="auto, (max-width: 572px) 100vw, 572px" /></p>
<h3>Blacksad light – nötig, nett, nicht mehr</h3>
<p>Thematisch spielt BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY mit großen Bällen. Zensur im Namen der Moral, Medienhysterie und Manipulation durch Kirche, Staat und Verlag. Die Anspielungen auf die reale Geschichte der US-Comics, auf das Buch <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Seduction_of_the_Innocent" target="_blank" rel="noopener">SEDUCTION OF THE INNOCENT</a> und den Comics Code sind klar und reizvoll. Der Band deutet immer wieder an, dass Schundhefte und Horrorcover nur die Spitze eines Eisbergs sind, unter dem ein System liegt, das Angst bewusst steuert.</p>
<p>Doch anstatt tief in diesen Eisberg hinein zu fräsen, bleibt der Comic lieber an seiner glatten Oberfläche. Er zeigt mir skurrile Proteste, empörte Predigten und inkompetente Beamte, die sich von moralischen Unternehmern treiben lassen. Dabei gönnt sich mehrere ironische Brechungen, wenn Weekly die Absurdität des Ganzen kommentiert. Er schafft es aber kaum, echte Verzweiflung zu erzeugen. Die Bedrohung bleibt abstrakt, die Betroffenen bleiben Statisten.</p>
<p>Der Band ist eine gelungene Hommage, die aber manchmal so wirkt, als gehöre sie nicht zu der Reihe. Ein Bonus-Album eben oder ein Album für eine komplett andere, jüngere Leserschaft.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY ist professionell, gut lesbar und in vielen Momenten charmant. Er ist aber auch die bislang entbehrlichste Reise in dieses Universum. Wer mit BLACKSAD beginnen will, greift sehr viel besser zu IRGENDWO ZWISCHEN DEN SCHATTEN oder meinem persönlichen Favoriten ARCTIC NATION.</p>
<p>Wer die Reihe ohnehin komplett sammelt, wird BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY nicht bereuen. Man bekommt einen hübsch gemachten Band, ein paar schöne Szenen und etwas Hintergrund zu Weekly. Wer aber gehofft hat, dass dieses Spin-off die Welt von BLACKSAD erweitert oder vertieft, wird eher einen sauber polierten Schatten des Originals in der Hand halten.</p>
<p>Ob es weitere Bände der BLACKSAD STORIES gibt, wird sich zeigen. Genügend Nebencharaktere mit Potential wären vorhanden.</p>
<p>Trotz aller Kritik bleibe ich bei einer klaren Empfehlung mit Einschränkungen. Wenn du das Universum liebst und wissen willst, wie Weekly zu dem Reporter wurde, den du kennst, dann lies&#8216; den Band. Lies ihn mit einem wachen Blick. Vergleiche aber, was er erzählt, mit dem, was die Hauptserie wagt.</p>
<p>Vielleicht hilft dir genau dieser Kontrast zu verstehen, warum BLACKSAD als Reihe so stark ist. Und warum es manchmal nicht reicht, eine gute Idee einfach in ein vertrautes Fell zu stopfen.</p>
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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2747" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Cover-300x400.jpg" alt="Cover von BLACKSAD STORIES WEEKLY" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Cover-112x150.jpg 112w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_STORIES_WEEKLY_Cover.jpg 557w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />BLACKSAD STORIES &#8211; WEEKLY</p>



<p>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blacksad-stories/978-3-551-80741-0" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Comics</a> | Hardcover | 64 Seiten | Farbe</p>
<p>Storyline:  ★★★☆☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★☆☆</p>
<p>Farben: ★★★☆☆</p>
<p>Lettering: ★★★☆☆</p>
<p>Humor: ★★★☆☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</p>
<p>ISBN: 978-3-551-80741-0</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">Die Bände der BLACKSAD-Reihe:</p>

<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_1_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_1_Cover-300x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 1" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_1_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_1_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_1_Cover.jpg 566w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_2_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_2_Cover-300x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 2" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_2_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_2_Cover-112x150.jpg 112w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_2_Cover.jpg 566w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_3_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="412" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_3_Cover-300x412.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 3" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_3_Cover-300x412.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_3_Cover-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_3_Cover.jpg 550w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_4_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_4_Cover-300x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 4" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_4_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_4_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_4_Cover.jpg 566w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_5_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="402" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_5_Cover-300x402.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 5" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_5_Cover-300x402.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_5_Cover-112x150.jpg 112w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_5_Cover.jpg 563w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://panelwalker.de/2025/12/blacksad-stories-weekly-findet-seinen-platz/blacksad_6_cover/'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="399" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_6_Cover-300x399.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von BLACKSAD 6" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_6_Cover-300x399.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_6_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/BLACKSAD_6_Cover.jpg 567w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
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		<title>ASTERIX IN LUSITANIEN ist eine Jubiläum-Reise</title>
		<link>https://panelwalker.de/2025/10/asterix-in-lusitanien-ist-eine-jubilaeum-reise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Oct 2025 05:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Didier Conrad]]></category>
		<category><![CDATA[Egmont Ehapa Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Fabrice Caro]]></category>
		<category><![CDATA[Thierry Mebarki]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich muss etwa sechs Jahre alt gewesen sein, als ich meinen ersten Asterix in die Finger bekam. Durch die wabernden Nebelschwaden meiner Erinnerung glaube ich, dass es ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD war. Denn immer wenn ich an Asterix denke, erinnere ich mich zuerst an Wein und kohleverdreckte Römer, die in Gergovia wieder einen Keller nach [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich muss etwa sechs Jahre alt gewesen sein, als ich meinen ersten <a href="https://www.egmont-shop.de/comics/asterix/?CoverType=Kartonierte+Ausgabe&amp;Serie=Asterix+Einzelb%C3%A4nde" target="_blank" rel="noopener">Asterix</a> in die Finger bekam. Durch die wabernden Nebelschwaden meiner Erinnerung glaube ich, dass es <a href="https://www.egmont-shop.de/asterix-11-der-arvernerschild/" target="_blank" rel="noopener">ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD</a> war. Denn immer wenn ich an Asterix denke, erinnere ich mich zuerst an Wein und kohleverdreckte Römer, die in Gergovia wieder einen Keller nach irgendetwas oder irgendwem durchsucht haben. Offensichtlich hat der 11. Band bei mir also mächtig Eindruck hinterlassen.</p>
<p>Inzwischen sind wir dreißig Bände weiter. <a href="https://www.egmont-shop.de/asterix-nr-41/" target="_blank" rel="noopener">ASTERIX IN LUSITANIEN</a> ist der 41. Band der erfolgreichen, frankobelgischen Reihe und führt unsere Helden zurück auf die iberische Halbinsel, ins Land des Trockenfischs, der gelebten Melancholie und ihrer musikalischen Entsprechung, des Fado. Wie die Fans der Reihe wissen, war <a href="https://www.egmont-shop.de/asterix-14-asterix-in-spanien/" target="_blank" rel="noopener">ASTERIX IN SPANIEN</a> übrigens der 14. Band der Reihe. Ob der Zahlendreher Absicht war? Beim Teutates, wer weiß das schon so genau?</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_2479" aria-describedby="caption-attachment-2479" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2479" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_1_308x1000_3.jpg" alt="" width="1000" height="308" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_1_308x1000_3.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_1_308x1000_3-300x92.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_1_308x1000_3-750x231.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_1_308x1000_3-768x237.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_1_308x1000_3-600x185.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-2479" class="wp-caption-text">ASTERIX® OBELIX® IDEFIX® / © 2025 HACHETTE LIVRE / GOSCINNY – UDERZO</figcaption></figure>
<h3>Eine Rettungsmission beginnt</h3>
<p>Zu Beginn dieses Abenteuers erreicht die Galeere des Phöniziers Epidemais das uns wohlbekannte, gallische Dorf, um bestellte Waren abzuliefern. Mit an Bord reist ein lusitanischer Passagier, der sich als ehemaliger Sklave aus dem Album <a href="https://www.egmont-shop.de/asterix-17-die-trabantenstadt/" target="_blank" rel="noopener">DIE TRABANTENSTADT</a> entpuppt und der auf den Namen &#8222;Schnurres&#8220; hört. (Ja, ich weiß: die Namensgebung neuer Figuren wirkt seit einiger Zeit sehr bemüht. Im Original lautet sein Name &#8222;Boulquiès&#8220;)</p>
<p>Sein Freund Schãoprozes (Im Original: &#8222;Mavubès&#8220;) wurde von den Römern als vermeintlicher Cäsar-Attentäter verhaftet und soll den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Einen solchen Justizskandal können die Gallier natürlich nicht zulassen. Also beauftragt Majestix Asterix und Obelix nach Lusitanien zu reisen, um zu helfen. Obelix ist davon &#8211; wie man in den Abbildungen unschwer erkennen kann &#8211; zwar anfangs nicht begeistert, aber Asterix kennt seinen Kumpel viel zu gut, um sich das neue Abenteuer durch die Lappen gehen zu lassen. Und was soll ein Held ohne weitere Beschäftigung sonst auch tun? Eben.</p>
<h3>Schablonen, Klischees und Clichés</h3>
<p>Im Zuge der folgenden Rettungsaktion werden wieder viele Klischees des Reiselandes ausgebreitet, neue Freunde gefunden, diverse römischen Patrouillen verhauen und der Gerechtigkeit zum Sieg verholfen. Und ganz zum Schluss, im allerletzten Panel gibt es &#8211; endlich &#8211; auch wieder Wildschwein.</p>
<p>Der Schauplatz aus ASTERIX IN LUSITANIEN war zur Zeit der römischen Republik eine Provinz im Westen der Iberischen Halbinsel, gelegentlich auch in Teilen des heutigen Spaniens. Die lusitanischen Freiheitskämpfer unter Anführer Viriathus gelten als Pendant zu den Galliern unter Vercingetorix.</p>
<p>Beide Völker standen den römischen Invasoren feindlich gegenüber und Fabcaro greift diese Verbindung und ihre Parallelen gerne auf. Nur sind sie charakterlich unterschiedlich: hier die stets zu Streitereien und Raufereien aufgelegten Gallier, dort die melancholischen und stoischen Lusitanier.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_2480" aria-describedby="caption-attachment-2480" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2480" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_3_307x1000.jpg" alt="" width="1000" height="307" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_3_307x1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_3_307x1000-300x92.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_3_307x1000-750x230.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_3_307x1000-768x236.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_3_307x1000-600x184.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-2480" class="wp-caption-text">ASTERIX® OBELIX® IDEFIX® / © 2025 HACHETTE LIVRE / GOSCINNY – UDERZO</figcaption></figure>
<h3>Das aktuelle Team hinter Asterix: Fabcaro &#8230;</h3>
<p>Fabrice Caro (genannt Fabcaro) durfte sich erstmals mit der Übernahme des Szenarios beim Vorgänger <a href="https://www.egmont-shop.de/asterix-nr-40/" target="_blank" rel="noopener">DIE WEISSE IRIS</a> als Autor einbringen. Vorher war er schon für seinen eigenen Stil und seinen teils absurden Humors bekannt, etwa in seinem erfolgreichen Werk <a href="https://boutique.rqmt.fr/6-pieds-sous-terre/346-zai-zai-zai-zai-fabcaro.html" target="_blank" rel="noopener">Zaï Zaï Zaï Zaï.</a> Und genau dieser Humor ist es auch, der den neuen Abenteuer den Glanz vergangener Jahre zurückgibt.</p>
<p>Fabcaro übernahm die von René Goscinny und Albert Uderzo gegründete Serie, die auf eine jahrzehntelange Tradition zurückblickt und bei der es sich faktisch um ein französische Nationalheiligtum handelt. Keine frankobelgische Comic-Serie ist auch nur annähernd so erfolgreich, wie die Gallier.</p>
<p>Seine Aufgabe besteht darin, dem Geist dieser Klassiker insbesondere mit Wortwitz und kulturellen Anspielungen gerecht zu werden und den liebenswerten Charakteren weiter Leben einzuhauchen. Tradition meets eigene Note, eine wahre Herkulesaufgabe.</p>
<p>Aber: es läuft! Bereits im Zusammenhang mit DIE WEISSE IRIS war von einer gelungenen Rückkehr zu alten Stärken die Rede, da die Bände vorher den Erwartungen der Fangemeinde immer weniger entsprachen. Dass er nun mit ASTERIX IN LUSITANIEN sein zweites Album schreiben darf, zeigt, dass er die hohen Erwartungen erfüllen konnte und die Übergabe des Staffelstabes von Jean-Yves Ferri, der eine Pause einlegt, erfolgreich war.</p>
<h3>&#8230; und Conrad</h3>
<p>Dem gegenüber ist Didier Conrad seit <a href="https://www.egmont-shop.de/asterix-nr-35-asterix-bei-den-pikten/" target="_blank" rel="noopener">ASTERIX BEI DEN PIKTEN</a> als Zeichner dabei und gilt bereits ein alter Hase. Conrad hat die große Herausforderung übernommen, den ikonischen Stil von Uderzo weiterzuführen, was wahrlich kein leichtes Unterfangen darstellt. Nach eigener Aussage musste er seinen Zeichenstil dafür umstellen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<blockquote>
<p>&#8222;Einen fremden Stil zu übernehmen, ist eher wie eine andere Sprache zu sprechen. Uderzo steht in der Tradition des franko-belgischen Comics wie SPIROU oder TIM UND STRUPPI – ein sehr klarer, sauberer Stil. Aber er ist nicht eindeutig  festzulegen. Er weicht von der Ligne claire ab, er ist nie berechenbar, sondern flexibel und innovativ. Das ist wahnsinnig schwer nachzuempfinden.&#8220; (Interview, Welt am Sonntag vom 19.10.2025)</p>
</blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Balance zwischen respektvoller Fortführung und eigenem Zugang ist nun mal kein Selbstläufer. Die Gesichter, die Mimik, die reichen Hintergründe: das alles wirkt vertraut und doch frisch.</p>
<p>Im Fall von ASTERIX IN LUSITANIEN kommt zudem erneut Thierry Mebarki als Kolorist ins Spiel. Farben haben bei Asterix bekanntlich seit jeher eine starke Wirkung: Atmosphäre, Stimmung und Humor liegen nicht nur im Text, sondern auch im visuell-narrativen Gesamtgefüge.</p>
<p>Leider &#8211; und das ist meine ganz persönlich Meinung &#8211; hat mich gerade die Farbgestaltung des Bandes ehrlich gesagt ein Wenig enttäuscht. Warum? Vor einigen Jahren war ich selbst in Olisipo &#8211; also dem heutigen Lissabon &#8211; bin mit der gelben Straßenbahn gefahren und habe in den schmalen Gassen die schön gefliesten Häuser und das einzigartige Licht erlebt, dass sich durch eben diese Kacheln in den Strassen wiederspiegelt.</p>
<p>Und genau diese Atmosphäre fehlt dem Album. Mebarki hat mit seinen wiedererkennbaren, aber flachen Farben die Chance liegen lassen, diesem Band etwas wirklich Einzigartiges zu verleihen. (Aber vielleicht waren aber auch die Vorgaben zu streng, um diese künstlerische Inspiration effektvoll einzubringen.)</p>
<p>Die Kombination Fabcaro / Conrad / Mebarki ist ein Team, das authentisch mit dem Stoff umgeht, aber auch subtile Veränderungen einbringt. Fabcaro spielt erzählerisch mit vertrauten Zutaten (Zaubertrank, Prügeleien, Römer in Hülle und Fülle, Gallier, die sich wehren), hat aber auch einen modernen Blick auf aktuelle Themen und geht subtil darauf ein. Conrad und Mebarki wiederum liefern die vertraute visuelle Sprache dazu, auch wenn Conrad&#8217;s Figuren abgerundeter erscheinen als noch bei Übervater Uderzo. </p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_2481" aria-describedby="caption-attachment-2481" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2481" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_4_308x1000.jpg" alt="" width="1000" height="308" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_4_308x1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_4_308x1000-300x92.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_4_308x1000-750x231.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_4_308x1000-768x237.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_4_308x1000-600x185.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-2481" class="wp-caption-text">ASTERIX® OBELIX® IDEFIX® / © 2025 HACHETTE LIVRE / GOSCINNY – UDERZO</figcaption></figure>
<h3>Römische Weltwirtschaft &#8230;</h3>
<p>Welches aktuelle Thema serviert uns Fabcaro nun im aktuellen Band? Während es bei DIE WEISSE IRIS noch um Coaching-Verirrungen und die Achtsamkeitsbewegung ging, nutzt ASTERIX IN LUSITANIEN den größten Hafen des römischen Reiches, um uns an diesem Beispiel die Globalisierung und ihre immanenten Veränderungen näher zu bringen:</p>
<p>Frisches Obst aus Übersee, Manufakturen gegen große Produktionsstätten, massenhafter Warenaustausch mit kapitalistischer Ausbeutung: Dies sind die Themen, die unsere Freunde als roter Faden durch die Erzählung begleiten. Finanzielle Stärke unterdrückt den Einzelnen. Aber solange List und ein Fläschchen Zaubertrank zur Hand sind, besteht für jeden die Hoffnung, dass am Ende alles Gut wird (auch wenn diese Erkenntnis sicherlich kein lusitanisches Konzept ist!). </p>
<h3>&#8230; und lusitanisches Lokalkolorit </h3>
<p>Wenn Asterix und Obelix in ein fernes Land reisen, erfahren wir viel über die dort lebenden Menschen, ihre Geschichte und ihre Besonderheiten. So natürlich auch in Lusitanien:</p>
<p>Insbesondere die Saudade, also das Gefühl, das Melancholie und Träumerei mit dem Wunsch nach Glück verbindet, das aber auch immer erst davon ausgeht, dass nicht automatisch alles gut wird, ist immer wieder Thema zwischen Gastgebern und Galliern und sorgt für diverse humorvolle Momente.</p>
<p>Das Straßenpflaster aus weißem Kalkstein und schwarzem Basalt gepaart mit überall erhältlichen Kacheln vermittelt südländisches Kolorit und der allgegenwärtige Bacalhau (Trockenfisch) aus Kabeljau &#8211; Verzeihung: Kabeljão &#8211; lässt Obelix hungrig und zeitweise verzweifelt zurück (nein, Wildsão gibt es hier nicht).</p>
<p>Übrigens: Dass die Geschäfte in Olisipo alle Kacheln und Kabeljão verkaufen, ist übrigens eine wunderbare Referenz an die Wein-und-Kohle-Läden aus dem bereits erwähnten ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD.</p>
<p>Und dies bringt mich zu einer wesentlichen Kritik, die ich für den aktuellen Band habe: Es ist sicherlich ein schöner Versuch, die landestypische Betonung bestimmter Silben in das Lettering einfließen zu lassen und aus jedem &#8222;au&#8220; ein lusitanisches &#8222;ão&#8220; zu machen. Allerdings stört es den Lesefluss gewaltig. Manche Worte musste ich zweimal lesen, um den Satz zu verstehen. Ein Beispiel: &#8222;Dort werden sie bis zur Einschiffung nach Rom in einem Lagerhãos ãofbewahrt.&#8220; Wirklich kein Vergleich zu den großartigen, sprachlichen Umsetzungen aus ASTERIX BEI DEN BRITEN, den AVERNERN oder auch den GOTEN!</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Alles in Allem ist der 41. Band der gefeierten Reihe und die 25. Reise wieder ein gelungenes Werk und setzt die Serie erfolgreich fort. Für Asterix-Fans ist es ein willkommener Jubiläums-Ausflug in ein neues Land, der Bekanntes und Bewährtes mit Neuem mischt.</p>
<p>Für Gelegenheitsleser ist der Band ein leichter Einstieg, der keine jahrelange Kenntnis der handelnden Personen und ihrer bereits erlebten Abenteuer voraussetzt. Wir erleben die Gallier in einem frischen Umfeld, dass &#8211; im Gegensatz zu Goscinny&#8217;s Skripten &#8211; in manchen Augenblicken etwas überfrachtet daher kommt. Klischees sind schön, sollten aber nicht zum Selbstzweck werden und in erster Linie der Handlung dienen.</p>
<p>Lass dich also mitnehmen nach Lusitanien. Nimm Platz auf dem Wagen, genieß&#8216; den Blick aufs Meer, halte Ausschau nach Römern – und natürlich: nach Wildschweinen.</p>
<p>Zwei kleine Anmerkungen zum Schluss: Zum Einen fand ich das vorläufige <a href="https://panelwalker.de/2025/03/asterix-und-obelix-gehen-wieder-auf-reisen/" target="_blank" rel="noopener">Cover</a> schöner als das aktuelle, ausbaufähig, aber schöner. Idefix sollte man die Gage streichen! Das, was er in diesem Band geleistet hat, grenzt ja schon an Arbeitsverweigerung. Freundchen, so geht das nicht! DAS WIRD MAN JA WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN!</p>
<p>&nbsp;</p>
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<figure id="attachment_2426" aria-describedby="caption-attachment-2426" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-2426 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_Cover-300x395.jpg" alt="Cover von ASTERIX IN LUSITANIEN" width="300" height="395" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_Cover-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_Cover-750x987.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_Cover-600x789.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/10/ASTERIX-IN-LUSITANIEN_Cover.jpg 760w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2426" class="wp-caption-text">ASTERIX® OBELIX® IDEFIX® / © 2025 HACHETTE LIVRE / GOSCINNY – UDERZO</figcaption></figure>
<p>ASTERIX IN LUSITANIEN</p>



<p>© <a href="https://www.egmont.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Egmont Ehapa Media</a> | Softcover | 48 Seiten | Farbe | erschienen am 23.10.2025</p>
<p>Storyline:  ★★★★☆</p>
<p>Zeichnungen: ★★★★☆</p>
<p>Farben: ★★★☆☆</p>
<p>Lettering: ★★☆☆☆</p>
<p>Humor: ★★★★☆</p>
<p>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</p>
<p>ISBN: 978-3-7704-2441-2</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2025/10/asterix-in-lusitanien-ist-eine-jubilaeum-reise/">ASTERIX IN LUSITANIEN ist eine Jubiläum-Reise</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R</a>.</p>]]></content:encoded>
					
		
		
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