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	<title>Gegenwart - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>Gegenwart - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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		<title>In HONEYMOON wird ein ruhiger Urlaub zum Survival-Trip</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Bastien Vivès]]></category>
		<category><![CDATA[Brigitte Findakly]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>URLAUB &#8211; Das Zauberwort für alle stressgeplagten Erdenbürger, die dringend einmal raus wollen. URLAUB ist aber auch diese wunderbare Lüge, die ich mir selbst jedes Jahr gerne erzähle. Koffer packen und alles wird leichter. Der Alltag bleibt daheim, die Termine haben ein Funkloch und die Kinder sind gut untergebracht. Das Paar, das sonst zwischen Arbeit, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>URLAUB &#8211; Das Zauberwort für alle stressgeplagten Erdenbürger, die dringend einmal raus wollen. URLAUB ist aber auch diese wunderbare Lüge, die ich mir selbst jedes Jahr gerne erzähle. Koffer packen und alles wird leichter. Der Alltag bleibt daheim, die Termine haben ein Funkloch und die Kinder sind gut untergebracht. Das Paar, das sonst zwischen Arbeit, Müdigkeit und Familienlogistik pendelt, erinnert sich plötzlich wieder daran, dass es auch ein Paar sein darf.</p>
<p><span id="more-4222"></span></p>
<p>Mit genau dieser Hoffnung beginnt HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX. Sophie und Quentin, ein französisches Paar, wollen auf einer griechischen Insel nichts weiter als Sonne, Meer, Körperkontakt und ein paar Tage ohne Zuständigkeiten. Bastien Vivès, der Szenarist und Zeichner dieses Comics, gönnt ihnen diesen Traum &#8211; zumindest anfangs und dann nur ganz kurz. Bald reicht ein beiläufiges Wiedersehen, ein falscher Schritt auf eine Yacht und aus der kleinen Flucht ins Glück wird ein Reisealbtraum mit sehr viel Salzwasser.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4233" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 1 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04-600x829.jpg 600w" sizes="(max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>All-Inclusive mit schlechter Vorahnung</h3>
<p>Sophie und Quentin sind wie bereits erwähnt ein französisches Ehepaar mit Kindern, Arbeit und genug Erschöpfung, um einen Urlaub ohne Nachwuchs wie ein Geschenk zu betrachten.</p>
<p>Die ausgesuchte griechische Insel mit ihren Stränden, mediterranem Licht und ein trägem Dahindämmern wirkt zuerst wie ein Versprechen. Vivès braucht nicht lange, um dieses Gefühl zu etablieren. Yep, ich habe sofort verstanden, warum die Beiden dort sind. Sie wollen keine große Reisegeschichte erleben. Die Beiden wollen gerade überhaupt keine Geschichten erleben. Nur ein paar Tage Ruhe am Strand, für sich und ihre Erholung.</p>
<p>Dann taucht Olivier auf, ein Bekannter aus Paris, der eher in die Kategorie &#8222;unerwünschter Zufall&#8220; gehört. Er erkennt Sophie und Quentin am Strand wieder und lädt sie auf (s)eine Yacht ein. Das klingt nach jener Urlaubssituation, bei der die anerzogene Höflichkeit stärker ist als das eigene Bauchgefühl. Der Tag ist schön, niemand hat richtig Lust, aber einfach &#8222;Nein&#8220; zu sagen, braucht Kraft, die die Beiden im Augenblick einfach nicht haben. Also gehen sie mit.</p>
<p>Schon hier arbeitet der Comic mit einem sehr banalen Schrecken. Nicht die Gefahr drängt sich zuerst auf, sondern die soziale Verlegenheit.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4234" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 2 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05-600x829.jpg 600w" sizes="(max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Ein Ausflug, der nicht im Prospekt stand</h3>
<p>Auf der Yacht kippt die Stimmung dann sehr schnell. Olivier ist nicht der souveräne Gastgeber, als der er sich zu Beginn ausgibt. Das Boot gehört ihm nicht, er soll es nur überführen. Dazu kommen Gäste, die weniger nach entspanntem Bordleben aussehen als nach Ärger in teuren Hemden. Sophie und Quentin merken schnell, dass sie in einer Gesellschaft gelandet sind, in der Geld, Drogen und Gewalt ziemlich nah beieinanderliegen.</p>
<p>Vivès erzählt das mit hohem Tempo. Die Seiten bleiben übersichtlich, aber für unsere Protagonisten wird die Lage immer ungemütlicher. Zwischen Small-Talk und Blicken wächst die Ahnung, dass dieses Boot kein Luxusort ist, sondern eine Venus-Falle mit schönem Oberdeck.</p>
<p>Besonders gut funktioniert dabei, dass Sophie und Quentin keine klassischen Abenteurer sind. Sie werden nicht gebraucht, um die Welt zu retten, aber sie stehen im Weg. Genau daraus entsteht die Energie des Bandes.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4235" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 3 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06-600x829.jpg 600w" sizes="(max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Bordprogramm mit Schmetterling</h3>
<p>Der titelgebende Sphinx ist kein steinerner Wächter, sondern ein Schmetterling mit unheimlicher Wirkung. Er entweicht aus einem rätselhaften Gegenstand und bringt einen Hauch alter Abenteuerstoffe in diesen Drogenkrimi. Auch öffnet er den Comic ein wenig in Richtung Pulp, ohne die Geschichte sofort ins rein Fantastische zu schubsen.</p>
<p>Als die Gewalt zwischen den Gangstern ausbricht, verliert der Urlaub endgültig seine Postkarten-Idylle. Eine wilde Schießerei führt zu Panik an Bord und zu einem Sprung ins Wasser. Die Yacht wird zum explodierender Albtraum. Sophie, Quentin und Olivier treiben plötzlich sowohl im Wasser als auch in einer Lage, die sie nicht verstehen und noch weniger kontrollieren können. Dazu kommt das Meer mit seiner Tiefe und der eingebauten Bedrohung von unten. (Aus genau diesen Gründen hasse ich Wasser. Aber das ist ja nur meine persönliche Meinung!)</p>
<p>Aber gut, das Album ist also ein Comic mit einem eigentümlichen Mix aus Gangsterstück und Taucherabenteuer ohne große psychologische Erklärschleifen. Er wirft seine Figuren hinein und schaut, wie sie schwimmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4236" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 4 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Rückflug offen</h3>
<p>Als Auftakt macht HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX vieles richtig. Der Band erklärt nicht zu viel, legt aber eine einfache, tragfähige Serienidee auf den Tisch: Ein Paar will Urlaub machen und der Urlaub eskaliert &#8211; Zack, zack, zack! Dabei entsteht eine Mischung aus Ehekomödie, Abenteuer und Thriller, die erst einmal altmodisch klingt, aber durch das vorgelegte Tempo frisch bleibt.</p>
<p>Ganz ohne Schwächen ist das natürlich nicht. Die Nebenfiguren bleiben notgedrungen eher Stereotypen als Menschen. Die Gangster sind halt Gangster und Olivier ist vor allem der nervige Auslöser der Katastrophe. Das stört den Lesefluss kaum, aber es nimmt der Bedrohung etwas die Tiefe, auch wenn diese Einfachheit dem Erzähltempo erfreulich zuarbeitet. Ich war gut unterhalten, doch hatte ich selten das Gefühl, dass unter der Oberfläche ein zweiter Boden wartet. Der Band will vor allem eins: loslegen &#8211; und das tut er mit Lust!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4237" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 5 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Der Hintermann</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bastien_Viv%C3%A8s" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bastien Vivès</a>, geboren 1984 in Frankreich, gehört zu den prägenden französischen Comiczeichnern seiner Generation. Er studierte Grafik und Animation an der École des Gobelins und machte früh mit Arbeiten wie <a href="https://reprodukt.com/products/der-geschmack-von-chlor" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GESCHMACK VON CHLOR</a>, <a href="https://reprodukt.com/products/polina?_pos=1&amp;_sid=8d7cbc83f&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">POLINA</a> und <a href="https://reprodukt.com/products/in-meinen-augen?_pos=1&amp;_sid=3bbc4fbf6&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">IN MEINEN AUGEN</a> auf sich aufmerksam.</p>
<p>Für DER GESCHMACK VON CHLOR erhielt er 2009 in Angoulême den Preis als bester Nachwuchskünstler. Angoulême wiederum spielt eine Rolle in seiner Graphic Novel <a href="https://www.schreiberundleser.de/nachtprogramm/letztes-wochenende-im-januar" target="_blank" rel="nofollow noopener">LETZTES WOCHENENDE IM JANUAR</a>, die u.a. den Kulturbetrieb eines Comic-Festivals augenzwinkernd auf&#8217;s Korn nimmt. Gemeinsam mit Balak und Michaël Sanlaville zeigte er in <a href="https://reprodukt.com/products/lastman-1?_pos=1&amp;_sid=501b6efe5&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">LASTMAN</a> außerdem seine Nähe zu Manga, Serienerzählung und Popkultur. In den vergangenen Jahren arbeitete er auch an neuen <a href="https://cortomaltese.com/de/corto-maltese-schwarzer-ozean-von-vives-und-quenehen/" target="_blank" rel="nofollow noopener">CORTO MALTESE</a>-Alben. HONEYMOON zeigt eine andere Seite seines Werkes, weniger intime Studie, mehr klassisches Abenteuerformat. Vivès erzählt hier mit mehr Druck nach vorn.</p>
<p>Als Zeichner ist Bastien Vivès schwer auf einen Stil festzulegen. Gerade diese künstlerische Vielfalt gehört zu seinem Markenzeichen. Er verbindet reduzierte Körperlichkeit, leise Alltagsbeobachtung, dynamische Action und serielle Pop-Erzählung, ohne in seinen Werken jedes Mal gleich auszusehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4238" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09.jpg" alt="Innenseite 6 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Pauschalreise ins Abenteuergenre</h3>
<p>Der Reiz von HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX liegt im Kontrast zwischen Alltag und großem Kino. Sophie und Quentin sind keine makellosen Helden. Sie sind ein Paar, das kurz frei haben möchte und plötzlich in einer Geschichte steckt, die eher nach Abenteuerfilm der Achtziger und Neunziger aussieht. Ich musste sofort an <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0088011/" target="_blank" rel="nofollow noopener">AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN</a> denken oder an die Hitchcock-Idee von unbeteiligten Menschen, die in fremde Schuld hineingezogen werden wie z.B. in <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0053125/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_north%20by%20northwest" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER UNSICHTBARE DRITTE</a>.</p>
<p>Als Serienauftakt ist der Band gut gemacht. Er führt Sophie und Quentin als wiederkehrendes, narratives Zentrum ein, erklärt aber nicht jeden biografischen Schlenker. Die Reihe lebt weniger vom großen Mythos als von einer Formel: Reisen werden zu Fallen, dann werden Urlaubsorte zu Bühnen für Genre-Spielarten.</p>
<p>Spätere Bände führen diese Idee weiter, erst nach <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon/honeymoon-2-coatlicue" target="_blank" rel="nofollow noopener">Südamerika</a> dann nach <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon/honeymoon-3-high-noon" target="_blank" rel="nofollow noopener">Brüssel</a>. Damit verschiebt sich der Ton vom maritimen Abenteuer über Schatzsuche bis zum surrealen Western. Der erste Band erfüllt seine Aufgabe also ziemlich gut, denn er setzt die Hauptdarsteller, das Muster und den Humor.</p>
<p>Der Comic spielt mit meiner Sehnsucht, einmal aus dem Alltag auszubrechen. Dann zeigt er, wie schnell eine Auszeit zur persönlichen Überforderung werden kann. Natürlich ist das überdreht! Trotzdem sitzt darunter eine simple Wahrheit. Urlaub macht nicht automatisch andere Menschen aus uns. Sophie und Quentin nehmen ihre Unsicherheit, ihre Vertrautheit miteinander, ihre eingespielten Rollen und ihre kleinen Reibereien mit an Bord. Und genau das macht sie sympathisch.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4239" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10.jpg" alt="Innenseite 7 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Schlichte Urlaubsbilder</h3>
<p>Die Zeichnungen sind flach &#8211; im besten Sinn. Vivès modelliert seine Bilder nicht detailliert aus, sondern nutzt eine moderne Art der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ligne_claire" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ligne Claire</a>. Er vertraut auf klare Konturen, auf farbige Flächen und auf eine sehr direkte Lesbarkeit. Das passt zu dieser Geschichte, weil die Geschichte selbst dauernd vorwärts will. Zu viele Details würden bremsen, zu viel plastische Tiefe würde dem Ganzen eine Schwere geben, die der leicht überdrehte Abenteuercharakter gar nicht braucht.</p>
<p>Die Räume sind schnell gelesen. Der Strand, die Yacht, das Deck, Wasser und Innenbereiche werden nicht ausgestellt, sondern sind einfach da, Kulissen halt. Ich weiß immer, wo ich bin und wohin die Bewegung läuft. Das ist bei der Action wichtiger, als es auf den ersten Blick klingt. Vivès baut seine Seiten so, dass der Blick ohne Stolpern durch die Panels gleiten kann. Kleine Dialogmomente sitzen knapp. Wenn die Gewalt einsetzt, beschleunigt sich der Rhythmus, ohne unleserlich zu werden.</p>
<p>Brigitte Findakly&#8217;s Farben geben dem Band zusätzlich seine Urlaubstemperatur. Die hellen, warmen Töne am Anfang lassen den Ausflug leicht wirken. Später werden die Farben nicht plötzlich düster, sondern behalten eine gewisse Klarheit. Das macht die Gefahr fast absurder. Der Albtraum findet nicht im finsteren Keller statt, sondern unter Sonne, auf dem Wasser, also in einer Welt, die eigentlich Erholung versprochen hätte. Diese Spannung trägt viel zur Atmosphäre bei.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4240" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 8 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX ist kein tief schürfender Roman über Ehe, Erschöpfung und gemeinsam erlebter Gefahr. Er ist ein schlanker, schneller, sehr gut lesbarer Serienauftakt mit Charme, Tempo und einem ordentlichen Schuss altmodischem Abenteuerkino. Ergo: Ein Werk für einen sommerlichen Nachmittag auf einem Liegestuhl.</p>
<p>Mir gefällt besonders, dass Vivès den Urlaub nicht bloß als Kulisse nimmt. Er macht aus der Sehnsucht nach Ruhe den Zünder für eine interessante Kettenreaktion und findet damit eine schöne, wiederverwertbare Idee. Gut, die Geschichte ist manchmal einfacher, als sie sein müsste und einige Nebenfiguren bleiben schablonenhaft. Auch der Plot selbst wirkt stellenweise wie ein bewusst grob gefalteter Papierflieger &#8211; aber er fliegt nun mal. Und zwar flott!</p>
<p>Als Auftakt zeigt der Band klar, warum Sophie und Quentin als Paar funktionieren. Sie sind keine Superhelden im Ferienmodus. Sie sind zwei Normalos, die endlich einmal frei und Zeit für sich haben wollten und die in die falsche Einladung einwilligen. C&#8217;est la vie!</p>
<p>Wer nach diesem ersten Band neugierig ist, wie sich die Reihe weiterentwickelt, sollte <a href="https://tillmanncourth.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Tillmann Courth&#8217;s Besprechungen</a> zu <a href="https://tillmanncourth.de/ferienfahrt-mit-hindernissen-honeymoon-2/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Band 2</a> und <a href="https://tillmanncourth.de/honeymoon-3-fantasiereise-nach-belgien/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Band 3</a> lesen. Sie zeigen schön, wie weit Vivès das Urlaubskonzept später noch getrieben hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4232" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-292x400.jpg" alt="Cover von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="292" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-600x823.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01.jpg 729w" sizes="auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>HONEYMOON 01 &#8211; DER KUSS DER SPHINX</li>
<li>Bastien Vivès</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span class="value">978-3-96582-201-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/in-honeymoon-wird-ein-ruhiger-urlaub-zum-survival-trip/">In HONEYMOON wird ein ruhiger Urlaub zum Survival-Trip</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>DIE ADOPTION: QINAYA &#8211; Vom Erdbeben direkt ins Herz</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 05:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Zartbitter]]></category>
		<category><![CDATA[Arno Monin]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Zidrou]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Familien-Comics sind ein Genre für sich. Und ich traue ihnen nicht automatisch. Zu oft wird es weichgespült, geschniegelt und das bleibt es dann auch. DIE ADOPTION 1: QINAYA geht da einen anderen Weg. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass Zidrou und Arno Monin keine Wohlfühl-Story erzählen wollen. Sie erzählen von einer Adoption aus [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/">DIE ADOPTION: QINAYA – Vom Erdbeben direkt ins Herz</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Familien-Comics sind ein Genre für sich. Und ich traue ihnen nicht automatisch. Zu oft wird es weichgespült, geschniegelt und das bleibt es dann auch.</p>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA geht da einen anderen Weg. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass Zidrou und Arno Monin keine Wohlfühl-Story erzählen wollen. Sie erzählen von einer Adoption aus Peru nach Frankreich und von einem älteren Mann namens Gabriel, der plötzlich Großvater sein soll, obwohl er schon früher mit der Vaterrolle nie warm geworden ist. Genau daraus zieht der Band seine Kraft. Er will berühren, ja. Aber er will mich vorher an die richtigen Stellen kitzeln: an Stolz, an Ungeschick, Scham, Trotz und an diese kleinen, sehr menschlichen Abwehrbewegungen, die Nähe oft erst einmal aktiv verhindern.<span id="more-3636"></span></p>
<p>Was mich an DIE ADOPTION 1: QINAYA sofort gereizt hat, ist der Tonfall. Der Comic ist warm, aber nicht süßlich. Er ist humorvoll, aber nie auf Pointe geschrieben. Und er hat ein Gespür für den Alltag, das ich in solchen frankobelgischen Stoffen besonders schätze. Nicht das große Programm &#8222;Familie&#8220; interessiert Zidrou hier zuerst, sondern das leise Chaos, das entsteht, wenn ein neues Kind in ein längst eingerichtetes Leben einbricht.</p>
<p>Da steht dann kein Pathos im Raum, sondern ein alter Sessel, ein genervter Blick, eine ungeschickte Bemerkung und irgendwann ein Moment, in dem der Widerstand langsam bröckelt. Genau dort wird dieser Band stark. Zidrou weiß, wie er solche Geschichten erzählen muss.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2083" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 11 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Woher dieser Stoff seine Wärme nimmt</h2>
<p>Ein Blick auf die Entstehung hilft. Zidrou &#8211; bürgerlich: Benoît Drousie &#8211; kommt nicht aus einem literarisch kühlen Autorenmilieu, sondern war zunächst Lehrer und schrieb in den frühen neunziger Jahren erst Kinderbücher, dann Lieder und dann Comics. Er hat also ein Gespür für kindliche Perspektiven, ohne Kinder selbst zu verniedlichen.</p>
<p>Zugleich hat er sich im Lauf seiner Karriere immer stärker in Richtung realistischer, empfindsamer Erzählungen bewegt. Dass ausgerechnet er einen Stoff wie QINAYA schreibt, passt also gut. Ihn interessiert nicht die Idee einer Familie als Sonntagsbild. Ihn interessieren Reibung, Fehler und das, was Menschen &#8211; trotz ihrer Schwächen &#8211; füreinander tun.</p>
<p>Arno Monin bringt dafür die richtige Bildsprache mit. Laut seiner Autorenbiografie kam er über Kunstgeschichte, angewandte Kunst, Zeichnung, Animation und Comic zum Erzählen in Bildern. Diese Mischung spürt ich hier deutlich. Seine Seiten denken nicht nur in schönen Einzelbildern. Sie denken in Blickrichtungen, in Körperhaltungen, in kleinen Abfolgen von Gesten. In QINAYA federt die Sanftheit des Zeichenstils die Härte des Stoffes nicht ab, sondern macht sie umso deutlicher.</p>
<p>Spannend ist auch der Serienrahmen. Im französischen Original startete QINAYA 2016 als erster Teil vom ersten Zyklus und war ausdrücklich als Band 1 von 2 angelegt. Der deutsche Splitter Band erschien 2017. Heute führt die Reihe weitere Zyklen fort, aber dieser erste Auftakt gehört noch zu einem Zweiteiler, der mit DIE ADOPTION 2: LA GARÚA endet. Das merke ich beim Lesen deutlich, denn der erste Band endet mit einem Kracher.</p>
<p>Der Band erzählt genug, um eigenständig zu berühren. Gleichzeitig legt er Spuren, deren Gewicht erst im zweiten Teil voll sichtbar werden. Als Auftakt ist das klug, weil der Comic Nähe aufbaut und dabei nie so tut, als wäre eine Adoption nach der Ankunft schon erledigt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2084" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 10 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Ein neues Kind im Haus</h2>
<p>Die Ausgangslage ist schnell umrissen, aber Zidrou nutzt sie sehr geschickt. Alain und Lynette, ein kinderloses Paar Mitte vierzig, adoptieren nach einem verheerenden Erdbeben in Peru die vierjährige QINAYA.</p>
<p>Schon dieser Anfang hat eine gewisse Wucht, weil er nicht lange bei der Katastrophe stehen bleibt. Der Comic zeigt stattdessen, was danach kommt. Ein Kind reist in eine fremde Sprache, in ein neues Land, ein neues Haus und in eine neue Familie. Alles ändert sich und alle wollen alles richtig machen. Genau dadurch entsteht schon die erste Unsicherheit. Zu viel Aufmerksamkeit kann auch zu viel Druck werden. Denn auch zu viel Zärtlichkeit kann für ein Kind, das gerade alles verloren hat, wie ein weiterer Übergriff wirken.</p>
<p>Im Zentrum steht dann überraschend nicht das Elternpaar, sondern Gabriel, der Griesgram von einem Großvater. Das finde ich eine sehr gute Entscheidung. Denn Gabriel ist kein sentimentaler Bilderbuchopa. Er ist störrisch, abweisend, stolz auf eine Weise, die sofort nervt und gerade deshalb so glaubwürdig ist. Seine Frau geht viel offener auf QINAYA zu.</p>
<p>Alain und Lynette sind voller Hoffnung. Gabriel dagegen steht quer im Bild. Er sagt die falschen Dinge, zieht sich zurück und wirkt, als habe ihn das ganze Unternehmen in seiner Ruhe beleidigt. Ich mochte daran, dass Zidrou ihn nicht künstlich sympathisch macht. Gabriel ist am Anfang wirklich &#8230; unerquicklich. Genau deshalb fühlt sich die langsame Veränderung, seine Heldenreise, später verdient an.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2085" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000.jpeg" alt="Innenseite 09 von DIE ADOPTION 1" width="711" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000.jpeg 711w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000-300x422.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000-600x844.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /></p>
<h2>Wie aus Widerstand vorsichtige Nähe wird</h2>
<p>Die eigentliche Bewegung des Bandes liegt in den kleinen Alltagsverschiebungen. QINAYA ist nicht einfach nur das niedliche Kind, das alle Herzen im Sturm nimmt. Sie bringt Freude mit, ja, aber auch Irritation, Trauer, Missverständnisse und diese stille Unruhe, die Kinder aus einer Gewalterfahrung nicht einfach an der Garderobe abgeben.</p>
<p>Der Comic macht daraus keinen Problemkatalog, sondern zeigt lieber exemplarische Situationen: hier ein Blick zu lang, dort eine Geste, die nicht erwidert wird, wieder eine peinliche Bemerkung von Gabriel. Oder doch einen gemeinsamen Moment, der versehentlich schön wird. So wächst zwischen dem alten Mann und dem Mädchen langsam etwas, das zuerst gar keinen Namen braucht. Anfängliches Vertrauen reicht als Wort zunächst völlig aus.</p>
<p>Dabei gefällt mir besonders, wie offen der Band mit Unbeholfenheit umgeht. Gabriel hat keine pädagogische Sprache, während QINAYA ihre Verluste nicht in reifen Sätzen äußern kann. Auch die Erwachsenen ringsum handeln oft aus Überforderung. Dadurch bekommt die Geschichte etwas sehr Geerdetes. Ich habe hier nie das Gefühl, dass Figuren nur eine These bebildern. Sie stolpern, wiederholen Fehler und lernen (zu) spät.</p>
<p>Genau so entsteht Glaubwürdigkeit. Und genau so entgeht der Comic dem Kitsch. Selbst dann, wenn er mich emotional klar in Richtung Herz drückt, bleibt er an seinen Figuren dran und lässt ihnen ihre Macken. Dass der Band am Ende nicht in Harmonie ausläuft, sondern einen schmerzhaften Einschnitt setzt, macht diesen ersten Teil nur stärker. Ich war danach nicht angenehm beruhigt, sondern aufgewühlt. Das ist mehr wert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2086" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 08 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Familiengeschichte statt Thesenpapier</h2>
<p>Erzählerisch leistet der Comic vor allem eines sehr gut: er erzählt über Adoption, ohne den Stoff auf das Thema zu reduzieren. Natürlich geht es um Herkunft, Zugehörigkeit und um die Frage, ob Liebe einfach da ist oder mit der Zeit wachsen muss. Aber Zidrou macht daraus keinen erklärenden Problem-Comic. Er bleibt bei einer Familie und zeigt, wie unterschiedlich dieselbe Situation erlebt wird.</p>
<p>Für die Eltern ist QINAYA Erfüllung und Herausforderung zugleich. Für Gabriel ist sie Zumutung, Spiegel und späte Chance. QINAYA selbst ist vor allem ein Kind, das in einer neuen Welt zurechtkommen muss. Dadurch bekommt der Band eine Mehrstimmigkeit, die ich sehr schätze.</p>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA ist kein Abenteueralbum und keine klassische Graphic Novel der großen Gesten. Der Band lebt von Zwischentönen, von nicht ausgesprochenen Schuldgefühlen und von der Ahnung, dass Eltern- und Großelternschaft nicht einfach biologische Zustände sind. Sie müssen ge- bzw. erlebt werden.</p>
<p>Gerade als Auftaktband funktioniert das hervorragend. Ich lerne die Figuren schnell kennen, ich verstehe die emotionale Grundspannung und spüre am Ende sehr klar, warum es noch einen zweiten Teil braucht. Das ist für einen Serienstart beinahe die beste Mischung.</p>
<p>Eine kleine Schwäche sehe ich trotzdem. Einige emotionale Übergänge sind sehr effektiv gebaut und dadurch fast schon zu sauber, bevor der Band in seine große emotionale Zuspitzung geht. Nicht weil ich Distanz gesucht hätte. Eher weil die Figuren so gut sind, dass ich ihnen weitere, sperrige Zwischentöne zugetraut hätte. Das ist kein echter Makel, wahrlich nicht. Es ist eher der Punkt, an dem ich merke, wie hoch der Comic sein eigenes Niveau hängt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2087" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 07 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Arno Monin erzählt mit Blicken</h2>
<p>Zeichnerisch ist das Album für mich der eigentliche Trumpf. Monin kann Gesichter leben lassen. Gabriel lebt nicht von großen Monologen, sondern von Augenbrauen, Schulterhaltung, Mundwinkeln und dieser etwas steifen Körperlichkeit eines Mannes, der Gefühle lieber in einen hinteren Winkel seines Wesens verstaut.</p>
<p>QINAYA wiederum ist nie bloß süß gezeichnet. Sie wirkt klein, wach, neugierig, manchmal offen, manchmal verschlossen. Gerade darin liegt die zeichnerische Leistung. Monin behandelt Kinder nicht mit cartoonesker Verniedlichung, sondern als eigenständige Präsenz im Raum. Dies verändert den ganzen Band.</p>
<p>Dazu kommt ein sehr gutes Gespür für Rhythmus. Die Seiten wechseln zwischen ruhig gesetzten Alltagsszenen und kleinen Montagen, in denen Zeit vergeht, ohne dass viel erklärt werden muss. Ich sehe Wohnzimmer, Garten, Küche, Wege durchs Haus, kurze Begegnungen draußen. Nichts davon ist spektakulär, aber alles ist erzählerisch sauber. Räume werden nicht dekoriert, sondern bewohnt. Dadurch entsteht eine Vertrautheit, die wichtig ist. Denn QINAYA muss sich in dieser Welt ebenso erst einfinden, wie ich als Leser.</p>
<p>Besonders stark ist Monin, wenn er Text zurücknimmt und Gesichter oder Abläufe sprechen lässt. Da wird der Comic leise und zugleich sehr präzise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2088" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 06von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<p>Arno Monin gehört zu den Zeichnern, die starke Gefühle nicht mit Lautstärke verwechseln. Nach einem literarischen Abitur und einem Jahr Kunstgeschichte wechselte er an eine Schule für angewandte Kunst mit Schwerpunkt Zeichnung, Animation und Comic. Bei Grand Angle machte er früh mit L’ENVOLÉE SAUVAGE und L’ENFANT MAUDIT auf sich aufmerksam. Später folgten unter anderem MERCI, MONSIEUR JULES und eben diese verschiedenen Zyklen von L’ADOPTION.</p>
<p>Sein Markenzeichen ist ein weicher, empathischer Strich, der ernste Stoffe zugänglich macht, ohne sie zu verharmlosen. Gerade in Familiengeschichten ist das eine seltene Stärke.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2089" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 05 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Warmes Licht, kalte Blautöne</h2>
<p>Auch die Farbe trägt viel. Monin koloriert selbst und das merke ich positiv. Die warmen Innenräume geben der Geschichte zunächst etwas Geborgenes, das fast trügerisch wirken kann. Dem stehen kühlere, blaue Töne gegenüber, sobald Einsamkeit, Nacht oder innere Distanz ins Bild rücken.</p>
<p>Diese Farbdramaturgie ist nicht aufdringlich. Sie arbeitet eher unter der Oberfläche. Gerade deshalb funktioniert sie. Ich habe selten das Gefühl, hier wolle mich jemand mit Bedeutung anstrahlen. Stattdessen ziehen die Farben die Stimmung ganz sanft enger oder weiter. Für einen Comic, der so stark auf Nähe und Unsicherheit baut, ist das genau richtig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2090" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 04 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Fazit</h2>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA ist für mich ein starkes, klug gebautes Familienalbum. Nicht weil es mich bloß rührt, sondern weil es sehr genau weiß, wie Nähe entsteht, wie unerquicklich Menschen dabei sein können und wie viel in einem Blick zwischen einem Kind und einem alten Mann stecken kann.</p>
<p>Zidrou schreibt warm und mit sicherem Gespür für Reibung. Arno Monin hebt das Ganze mit seiner leisen, menschlichen Bildsprache noch einmal an. Ein Auftakt, der mir nicht einfach gefallen hat. Er ist mir nahe gegangen&#8230;</p>
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<figure id="attachment_2094" aria-describedby="caption-attachment-2094" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2094" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-300x416.jpeg" alt="Cover von DIE ADOPTION 1" width="300" height="416" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-300x416.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-600x832.jpeg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000.jpeg 721w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2094" class="wp-caption-text">Die Adoption1 &#8211; QINAYA</figcaption></figure>
<ul id="infobox">
<li>DIE ADOPTION 1: QINAYA</li>
<li>Zidrou und Arno Monin</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95839-529-9</li>
<li>Storyline: ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★★</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-adoption-bd-1-qinaya.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
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<p style="text-align: left;"> </p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/">DIE ADOPTION: QINAYA – Vom Erdbeben direkt ins Herz</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>DIGGER geht &#8211; Flucht aus dem inneren Gefängnis</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Erlangen]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Kult Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Ralf Marczinczik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ralf Marczinczik &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://comixfactory.de/?go=about" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ralf Marczinczik</a> &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an bekannten Stoffen wie MOORHUHN, GOTHIC, RISEN, DIE SIEDLER und SVEN BØMWØLLEN beteiligt. Dazu kommen Illustrationen, Cover-Arbeiten, Cartoons, Kurzcomics und Veröffentlichungen in Magazinen wie U-COMIX oder <a href="https://www.comixene.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">COMIXENE</a>.<span id="more-4164"></span></p>
<p>Ganz wichtig ist auch sein Platz in der Comic-Szene selbst. Marczinczik ist eng mit dem <a href="https://comicseminar.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Seminar Erlangen</a> verbunden, der Künstlerinnen und Künstlern Raum für gegenseitigen Austausch und Weiterbildung bietet. Er hat dort seit 2019 eine zentrale, organisatorische Rolle. Somit kennt er also nicht nur das Zeichnen selbst, sondern auch das Ringen um gute Geschichten, liebenswerte Figuren und Spannungsbögen. Genau dies, die Vielschichtigkeit seiner Erfahrungen, merke ich seinem Buch an.</p>
<p>DIGGER wirkt auf mich nicht wie eine hübsche Idee, die schnell mal auf Album-Länge aufgeplustert wurde. Es erscheint wie ein Fundstück, das lange im Hinterkopf aufbewahrt und dann herausgeholt wurde. Dann wurde gegraben, gesiebt, verdichtet. Am Ende blieb eine Gefängnisgeschichte, die auch vom Eingesperrtsein handelt. Auch, denn eigentlich geht es darum, was Isolation mit Dir macht und was es braucht, um wahre Veränderungen unter den widrigsten Umständen anzugehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4156 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg" alt="Innenseite 07 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Besuchszeit in Erlangen</h3>
<p>Ich wollte diesen Comic schon länger lesen. Die erste Auflage war jedoch sehr schnell weg und bei Comics löst so etwas bei mir eine kindische, aber ehrliche Reaktion aus. Plötzlich steht das Buch innerlich ganz vorne im Regal, obwohl es dort eben noch nicht steht. Gibt es so etwas wie einen negativen Pile-of-Shame? Auf dem <a href="https://www.comic-salon.de/de" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Salon Erlangen</a> habe ich meine Ausgabe dann direkt vom Ralf bekommen, inklusive einer kleinen, feinen Illustration. Das war ein schöner, persönlicher Moment. Nicht wichtig für die Bewertung, aber wichtig für die erste Berührung mit dem Buch.</p>
<h3>Geschehnisse hinter dicken Wänden</h3>
<p>DIGGER begrüßt mich nicht mit einem Spektakel. Kein Knast-Drama mit Eisen stemmenden Muskelprotzen, keine harte Milieu-Parade, kein Ausbruchsthriller, der schon auf Seite drei den Löffel an der Wand wetzt. Marczinczik setzt seinen schweren, runden, melancholischen Helden in ein Gefängnis an der Küste und lässt ihn tatsächlich erst einmal &#8211; &#8222;sitzen&#8220;.</p>
<p>Das klingt erst einmal schlicht, ist andererseits aber ziemlich raffiniert. Denn DIGGER sitzt nicht nur seine Strafe ab. Er hat sich in ihr eingerichtet, glaubt, dorthin zu gehören in dieses Gefängnis. Und genau da beginnt der Schmerz dieses Comics. Nicht bei den Gittern, sondern bei der Zustimmung des Gefangenen zu diesen Gittern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4157 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg" alt="Innenseite 08 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Einschluss am Meer</h3>
<p>DIGGER kommt in ein Gefängnis, das zugleich konkret und märchenhaft wirkt, <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0120689/?ref_=tt_mlt_i_2" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE GREEN MILE</a> trifft hier auf das Château d&#8217;If aus Alexandre Dumas&#8216; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GRAF VON MONTE CHRISTO</a>: ein Riese, eine Insel am Meer, der ferne Himmel, Zellen und ihre Routinen. Alles hat seinen Platz. DIGGER auch.</p>
<p>Er ist groß, massig, kräftig und auffällig. Trotzdem sucht er keine Aufmerksamkeit. Er rebelliert nicht, er beteuert nie seine Unschuld und er macht, was von ihm verlangt wird. DIGGER fügt sich in seinen Alltag, der mit der Struktur aus Arbeit, Zelle, Essen und Schlaf beinahe beruhigend gleichförmig ist. Dazwischen ein paar Blicke nach draußen. Aber diese Ruhe ist keine echte Ruhe, sondern vielmehr ein Deckel auf dem Topf.</p>
<p>Marczinczik erzählt diesen Anfang mit erstaunlicher Geduld. Ich lerne DIGGER &#8211; dessen bürgerlichen Namen wir nie erfahren &#8211; nicht über seine Tat kennen, sondern über sein Verhalten. Seine unbekannte Vergangenheit baumelt mir nicht als Köder vor meiner Nase herum. Aber sie bleibt ein Gewicht, das DIGGER mit sich herumträgt. Der Comic muss mir nicht erklären, was genau geschehen ist, damit ich seine Schuld spüre. Zugleich verweigert dieser Kniff mir aber den bequemen Weg, die Figur einfach in eine Schublade zu schieben. Gut so! Denn DIGGER ist kein unschuldiges Herzchen im falschen System, aber auch kein Monster. Er ist ein Mensch, der sich selbst auf ein Urteil reduziert hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4158 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg" alt="Innenseite 09 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Ein Kumpel hinter der Wand</h3>
<p>In dieser engen Ordnung bekommt DIGGER Kontakt zu Manolo, genannt Manny. Diese Freundschaft ist einer der schönsten Züge des Buches. Sie entsteht nicht als große Bühne. Sie wächst eher wie etwas, das zwischen zwei Steinen einen Spalt findet. Manny ist lebendiger, wacher, vielleicht auch lockerer. Er bringt etwas in DIGGER&#8217;s Welt, das dort nicht mehr vorgesehen ist: Austausch, Wärme, Neugier und ein Gegenüber.</p>
<p>Dann wird DIGGER in der Dusche angegriffen &#8211; ja, ein Knast-Cliché! &#8211; und landet verletzt in der Krankenstation. Danach fehlt ihm etwas, das für ihn kostbarer ist als jeder Besitz. Sein Geheimnis ist verschwunden. An dieser Stelle könnte die Geschichte dann doch leicht in eine simple Rache-Geschichte kippen. Tut sie aber nicht.</p>
<p>Marczinczik interessiert sich stärker für die Wunde unter der Wunde. DIGGER verliert nicht nur einen Gegenstand und damit ein verborgenes Stück seiner Innenwelt. Er verliert neben dem Selbstwertgefühl auch die kleine Ordnung, die ihn hier noch zusammengehalten hat.</p>
<p>Manny wird nun wichtiger. Nicht als Retter, sondern als jemand, der eine Entscheidung trifft. Eine Freundschaft beweist sich hier nicht durch große Worte. Sie zeigt sich in einem Risiko, das eingegangen wird. Damit setzt das Buch seine eigentliche Energie frei. Die Handlung wird letztendlich zwar zur Fluchtgeschichte, doch der spannendste Ausbruch ist nicht der aus dem Gefängnis, sondern der aus DIGGER&#8217;s eigener Erstarrung. Alles braucht Zeit und hier hat alles und jeder Zeit, ganz besonders hier.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4159 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg" alt="Innenseite 10 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Tunnelplan für die Seele</h3>
<p>Die Stärke von DIGGER liegt darin, dass Marczinczik seine Bilder sehr ernst nimmt, ohne das der Comic schwerfällig wird. Der Titel spielt mit mehreren Ebenen. DIGGER gräbt, DIGGER sucht, DIGGER wird vielleicht selbst zu dem, was ihn aus seiner Lage befreit.</p>
<p>Ein Lockdown als Prämisse passt zu diesem Stoff, weil Marczinczik die Erfahrung von Enge nicht platt überträgt. Er schreibt keinen Corona-Comic! Aber er nimmt dieses Gefühl ernst. Jenes Gefühl, dass ich beim Lesen sofort wiedererkenne. Die Tage werden &#8230; waren gleich. Der Blick ging zum Fenster und die Zeit bekam ein seltsames Gewicht. Im Gefängnis wird daraus eine Fabel über Einsamkeit, Schuld und die Frage, ob ein Mensch sich selbst wieder erlauben darf, nach draußen zu wollen.</p>
<p>Manche Zeichen sind sehr deutlich platziert. Die wenigen Farbtupfer sind blau wie der freie Himmel. Marczinczik vertraut hier manchmal mehr auf einfache, aber klare Symbolik als auf Zwischentöne. Das kann einen Moment lang sehr geradeaus wirken, doch ich nehme es diesem Comic nicht übel. Seine Welt ist bewusst schlicht gebaut. Sie braucht keine Tarnkappe aus Raffinesse. Sie will das Herz nicht überlisten, sie klopft an und wartet dann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4160 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg" alt="Innenseite 11 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Gitterstäbe aus Tusche</h3>
<p>Visuell ist das Buch viel sicherer, als sein leiser Ton zunächst erwarten lässt. DIGGER ist eine wunderbare Comicfigur. Sein Körper ist beinahe eine eigene Landschaft. Groß, rund, schwer, mit einer Silhouette, die ihre Umgebung sofort einnimmt.</p>
<p>Marczinczik nutzt diese Form aber nicht nur für Niedlichkeit. DIGGER kann bedrohlich wirken, gleichzeitig hilflos, stur, verletzt, manchmal sogar ein wenig komisch. Seine Masse erzählt jedoch immer mit. In engen Räumen wirkt er zu groß für diese Welt, während er stillen Momenten wirkt, als würde er unter sich selbst verschwinden.</p>
<p>Die Mimik ist sparsam, aber präzise. Oft reicht ein Blick. Ein gesenkter Kopf sagt mehr als eine Seite voll narrativer Selbstanklage. Auch Manny lebt durch kleine Haltungen. Marczinczik zeichnet keine ausufernden Charakter-Posen. Er setzt stattdessen auf klare, einfache Körpersprache. Das hilft der Lesbarkeit enorm. Die Seiten sind übersichtlich, der Rhythmus ist ruhig, oft fast in kleinen Portionen erzählt. Der Ursprung als Webcomic ist spürbar. Viele Sequenzen haben etwas Episodisches. Auch im Buchformat funktioniert das überraschend gut, weil es zum Gefängnisalltag passt. Jeder Abschnitt ist wie ein weiterer Strich an der Wand.</p>
<p>Besonders stark wird Marczinczik, wenn er Enge und Weite gegeneinander setzt. Innenräume sind knapp, funktional und gedrückt. Der Blick nach draußen hat dagegen Leichtigkeit. Fenster, Himmel, Meer und Vögel sind keine reine Dekoration. Sie sind die Stellen, an denen das Buch wahrnehmbar durchatmet. Ich habe beim Lesen oft gemerkt, wie sehr die Seitengestaltung mein Tempo lenkt. Nicht durch Tricks, vielmehr durch diese öffnenden Pausen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4161 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg" alt="Innenseite 12 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Blau unter der Pritsche</h3>
<p>Die Farbe ist in DIGGER kein hübsches Extra, sondern Teil der Erzählung. Anfangs herrscht ein strenges Schwarz-Grau-Weiß. Dieses Grau liegt über den Seiten wie Staub. Das Gefängnis wirkt dadurch nicht schmutzig im realistischen Sinn, aber abgenutzt, verbraucht. Die Welt ist nicht finster, sie ist leer und ausgewaschen, allen Ablenkungen entblößt. Das passt zu DIGGER. Er hat sein Leben auf wenige erlaubte Regungen reduziert. Schönheit gestattet er sich nicht (mehr).</p>
<p>Dann kommt das Blau. Erst klein, dann deutlicher. Es ist kein Zufall, dass diese Farbe mit Blicken, Sehnsucht und einem Stück Fürsorge verbunden ist. Blau macht diese Welt freier. Nicht sofort, aber es zeigt, dass in dieser Welt noch etwas anderes existiert als Strafe und Gewohnheit.</p>
<p>Später öffnet sich die Farbigkeit weiter. Das ist nicht subtil bis zur Unsichtbarkeit, aber wirksam. Ich mochte gerade diese langsame Veränderung. Der Comic wird nicht bunt, weil die Geschichte plötzlich leichter wäre. Er wird farbiger, weil DIGGER wieder mehr wahrnehmen kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4162 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg" alt="Innenseite 13 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DIGGER ist ein kleiner Comic mit großem Atem. Er erzählt von Schuld, von Freundschaft und Freiheit. DIGGER hat Humor, aber versprüht keinen Klamauk. Er hat Gefühl, er hat eine Symbolik, die manchmal sehr klar vor mir liegt und eine Wärme, die das Bleiben an diesem Ort erträglich macht.</p>
<p>Für mich ist dies ein Buch, das vor allem in seinen stillen Passagen gewinnt. Es schreit nicht nach Bedeutung. Es sitzt erst einmal neben mir auf der Pritsche, dann zeigt es auf das Fenster. Und irgendwann merke ich, dass ich in Gedanken längst mitgegrabe.</p>
<p>Der <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/preise_indie_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Interessenverband Comic e.V.</a> (ICOM) hat Ralf Marczinczik / DIGGER den Independent Comic Preis 2024 in der Kategorie <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/icp2024/icp_2024_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bester Independent Comic (Selbstveröffentlichung)</a> für seine meisterhafte Verbindung von Kunst und Menschlichkeit verliehen. Häufig lassen mich Jury-Entscheidungen etwas ratlos zurück. In diesem Fall jedoch haben die Juroren alle richtig gemacht. Ja, es hat sich für mich gelohnt, auf diesen Comic zu warten&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-4167 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg" alt="Cover von DIGGER" width="283" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg 283w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DIGGER</li>
<li>Ralf Marczinczik</li>
<li>Hardcover | 190 Seiten | Schwarz-Weiss (und Blau)</li>
<li>ISBN 978-3-96430-320-2</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://kultcomics.net/digger/491-digger.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kult Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 05:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Madita Schwenke]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Madita Schwenke wurde 1996 geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign in Potsdam sowie Illustration in Hamburg. Dort lebt und arbeitet sie auch, zeichnet Comics, illustriert Geschichten für Kinder und bewegt sich mit sicherem Gefühl zwischen Alltagsbeobachtung, Humor und kleinen fantastischen Verschiebungen. DRIFTING erschien zunächst digital im Rahmen der ShortBox Comics Fair 2023 und liegt nun beim Reprodukt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/wenn-es-wirklich-schwierig-wird-hilft-nur-drifting/">Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://maditaschwenke.carrd.co/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Madita Schwenke</a> wurde 1996 geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign in Potsdam sowie Illustration in Hamburg. Dort lebt und arbeitet sie auch, zeichnet Comics, illustriert Geschichten für Kinder und bewegt sich mit sicherem Gefühl zwischen Alltagsbeobachtung, Humor und kleinen fantastischen Verschiebungen. DRIFTING erschien zunächst digital im Rahmen der <a href="https://www.shortboxcomicsfair.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">ShortBox Comics Fair</a> 2023 und liegt nun beim Reprodukt Verlag als zweifarbiger Comic vor.</p>
<p><span id="more-4077"></span></p>
<p>Auch wenn sich der Titel auf den ersten Blick wie <a title="„Völlig losgelöst von der Erde …“ geht es in SKYWARD hoch hinaus" href="https://panelwalker.de/2025/04/voellig-losgeloest-von-der-erde-geht-es-in-skyward-hoch-hinaus/" target="_blank" rel="noopener">SKYWARD</a> (von Joe Henderson und Lee Garbett) anhört, geht es in dieser Geschichte um etwas ganz anderes. Hier ist nicht die Physik der Grund dafür, die die Protagonisten die Bodenhaftung verlieren, sondern vielmehr die Psychologie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-4106 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Startbahn im eigenen Zimmer</h3>
<p>Vielleicht passt Schwenke&#8217;s Biografie so gut an den Anfang, weil DRIFTING ein Comic ist, der sehr genau aus einer jungen, urbanen Lebenswelt heraus erzählt. Nicht im Sinne eines Milieu-Protokolls. Eher wie ein Blick in eine Wohnung, in der zu viele unausgesprochene Dinge herumliegen. Da sind WG-Zimmer, Küchenwege, schlechte Laune am Rand der Spüle, vorsichtige Fragen und Menschen, die sich so gut eingerichtet haben, dass sie gar nicht mehr merken, wie seltsam ihr Alltag eigentlich geworden ist.</p>
<p>Der Einfall ist herrlich einfach. Felix, einer der Mitbewohner, fliegt davon, sobald es ernst wird. Er steigt aus dem Fenster und schwebt in den Himmel. Das könnte ein hübscher Cartoon-Gag à la <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0073227/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Karlsson auf dem Dach</a> sein. Bei Schwenke ist es jedoch mehr. Es ist eine sehr direkte, sehr klare Bildidee für Konfliktvermeidung. Wer nicht antworten will, verlässt nicht nur den Raum: er verlässt gleich die Schwerkraft, damit ihm wirklich niemand hinterher laufen kann.</p>
<p>Gerade deshalb wirkt der Comic so zugänglich. Ich muss keine metaphorischen Rätsel lösen. Ich sehe, was los ist. Und doch wird die Sache mit jeder Seite &#8230; unangenehmer. Denn die eigentliche Frage lautet nicht nur, warum Felix davonfliegt. Sie lautet auch, warum die anderen ihn immer wieder zurückkommen lassen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4107" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Gegenwind in der WG-Küche</h3>
<p>Annie zieht neu in die Wohngemeinschaft. Damit beginnt die Geschichte mit einem Blick von außen. Das ist wichtig, denn für die anderen gehört Felix’ Verhalten längst zur &#8222;Hausordnung&#8220;. Wenn es schwierig wird, ist er weg. Wenn er wieder auftaucht, geht es irgendwie weiter. Ein bisschen genervt sind alle, wirklich durchbrechen will die Routine zunächst aber niemand.</p>
<p>Annie nimmt diese seltsame Normalität anders wahr. Sie hat noch keinen Anteil an den kleinen Kapitulationen der Gruppe. Sie hat Felix nicht über Monate oder Jahre entschuldigt, eingeordnet und ertragen. Dadurch sieht sie schneller, wie verletzend sein Verhalten ist. Nicht weil sie moralisch über den anderen steht. Sondern weil sie neu genug ist, um die Mechanik zu erkennen.</p>
<p>Felix selbst bleibt dabei keine bloße Pointe. Er wirkt nicht wie ein Bösewicht, der andere bewusst quälen will. Eher wie jemand, der gelernt hat, dem entscheidenden Moment immer einen Schritt voraus zu sein &#8211; oder einen Flug. Sobald Nähe eine Antwort verlangt, hebt er ab.<br />
Für die Zurückbleibenden ist das bequem und grausam zugleich. Bequem, weil niemand den Streit wirklich führen muss und grausam, weil alle mit dem Rest allein bleiben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4108" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Thermik der Gewöhnung</h3>
<p>Die Gruppe lässt sich von Felix so behandeln, weil sie längst Teil seines Ausweichens geworden ist. Das ist eine der stärksten Beobachtungen des Comics. Eine WG ist ja nicht nur ein Ort, an dem Menschen wohnen. Sie ist ein kleines Abkommen. Alle halten bestimmte Dinge aus, damit das Ganze weiterläuft. Ein dreckiger Topf bleibt stehen, ein Spruch wird geschluckt, eine seltsame Angewohnheit wird zur Eigenart erklärt. Irgendwann nennt keiner mehr das Problem beim Namen, weil der Name Arbeit bringen würde.</p>
<p>Genau hier setzt DRIFTING schmerzhaft an. Felix’ Flucht funktioniert nur, weil die anderen am Boden mitspielen. Sie warten, sie schimpfen vielleicht, sie verdrehen die Augen. Aber sie geben keine echte Grenzen vor. Das klingt härter, als der Comic es erzählt.</p>
<p>Schwenke verurteilt diese Gruppe nicht. Sie zeigt eher, wie Erschöpfung aussieht. Konflikte kosten Kraft. Besonders dann, wenn jemand sich jedem Gespräch entzieht und alle anderen danach entscheiden müssen, ob sie das Fass wirklich wieder aufmachen wollen.</p>
<p>Ich finde diesen Punkt bemerkenswert lebensnah. Felix ist nicht nur das Problem, sondern auch das Ergebnis einer stillen Gruppeneinigung. Alle wissen, was passiert, alle richten sich darauf ein. Niemand fühlt sich ganz zuständig. So entsteht eine seltsame Schonung, die am Ende niemandem gut tut. Nicht Felix, weil er nie landen muss, nicht den anderen, weil sie immer wieder die Landebahn freihalten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4109" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Im Anflug: eine Fremde</h3>
<p>Dass ausgerechnet Annie Felix näher kommt, ist deshalb kein Zufall. Es braucht eine externe Dritte, weil die Gruppe bereits zu viel weiß und trotzdem zu wenig fragt. Die anderen sind durch Wiederholung befangen. Sie kennen Felix’ Muster, aber nicht unbedingt Felix. Das ist ein feiner Unterschied. Wer lange mit einem Verhalten lebt, hält es irgendwann für die Person selbst. Annie kann noch trennen. Sie sieht den Ärger, sie spürt die Zumutung. Aber sie hat auch genug Abstand, um hinter der Flucht einen Menschen zu vermuten.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine Rettungsfantasie. Annie kommt nicht herein und heilt alle. Das wäre dann doch zu einfach. Sie nähert sich Felix eher über Neugier, Irritation und vorsichtige Empathie. Zugleich bringt sie eigene Erfahrungen mit. Dadurch entsteht eine Verbindung, die nicht auf WG-Pflicht beruht. Annie muss Felix nicht mögen und ihn auch nicht decken. Gerade das macht ihren Blick freier.</p>
<p>Diese Anlage gibt der Geschichte ihre emotionale Spannung. Ich wollte beim Lesen nicht einfach wissen, ob Felix wieder herunterkommt. Ich wollte wissen, ob jemand in dieser Wohnung einen Satz findet, der sich nicht sofort in Luft auflöst.</p>
<p>Schwenke erzählt das leise. Sie setzt nicht auf große Ausbrüche. Ihre Dramaturgie besteht eher aus Annäherungen, Pausen und kleinen Verschiebungen. Das passt gut zum Thema. Wer jahrelang ausgewichen ist, landet nicht mit einem großen Knall.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4110" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fluglinien auf Papier</h3>
<p>Zeichnerisch ist DRIFTING locker, klar und sehr beweglich. Schwenke&#8217;s Figuren haben Körper, die sofort erzählen. Ein abgesenkter Kopf sagt hier oft mehr als eine Erklärung. Arme hängen schief im Raum. Gesichter öffnen und schließen sich innerhalb weniger Panels. Diese Mimik ist kein Selbstzweck. Sie trägt die Szenen, weil so viel zwischen den Figuren unausgesprochen bleibt.</p>
<p>Die Räume wirken angenehm konkret. Die WG ist nicht bloß Kulisse. Sie hat Enge, Ecken, Blickachsen. Ich spüre beim Lesen, wie schwer es ist, einander auszuweichen, wenn alle doch dieselbe Küche benutzen. Sobald Felix abhebt, verändert sich das Bild. Die Seite bekommt Luft. Der Himmel öffnet sich. Die Bewegung hat etwas Komisches, fast Leichtfüßiges. Gleichzeitig bleibt darunter die Schwere der Situation zurück. Auf diese Weise verschafft die Struktur des Werkes auch Felix Sympathien.</p>
<p>Der Seitenrhythmus ist übersichtlich und ruhig genug, um den Zwischentönen Platz zu lassen. Schwenke hetzt nicht. Sie vertraut darauf, dass ein Blick, ein Abstand oder ein leerer Moment wirken darf. Die Zweifarbigkeit unterstützt diesen Ton sehr. Sie hält den Comic nah am Alltag, ohne ihn grau wirken zu lassen. Die Farben geben Wärme &#8211; obwohl sie blau verwendet &#8211; und eine leichte Fremdheit zugleich. So bleibt das Fantastische glaubhaft, weil es nicht wie ein Effekt auftritt. Es wächst aus dem Alltäglichen heraus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4111" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Kleinere Turbulenzen</h3>
<p>Ein paar Schwächen bleiben. Manche Nebenfigur hätte ich gern deutlicher gespürt. Gerade weil die WG-Dynamik so wichtig ist, wäre noch etwas mehr Zeit mit den anderen Figuren reizvoll gewesen. Warum hält genau diese Person still? Wer ist wütend? Wer hat aufgegeben? Oder auch: Wer profitiert davon, dass Felix immer wieder verschwindet? Der Comic deutet diese Fragen an, aber er spielt sie nicht alle aus. Wie gesagt &#8211; schade.</p>
<p>Auch Felix bleibt an manchen Stellen bewusst knapp gefasst. Das passt zwar zur Figur, weil er sich entzieht. Trotzdem hätte eine weitere Szene seine innere Not noch greifbarer machen können. Schwenke entscheidet sich für Verdichtung. Das ist sauber erzählt, nimmt dem Comic aber hier und da die Chance, noch tiefer in die Figuren zu sinken. Aber vielleicht ist dies alles auch dem ursprünglichen Online-Medium auf ShortBox geschuldet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4112" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DRIFTING ist ein schlanker, warmherziger und genauer Comic über Menschen, die Konflikten ausweichen, bis das Ausweichen selbst zur gemeinsamen Sprache wird. Madita Schwenke findet dafür ein Bild, das mir sofort einleuchtet. Ein junger Mann fliegt davon, weil er nicht bleiben kann. Eine Gruppe lässt ihn fliegen, weil Landungen für sie anstrengend sind. Und eine Neue sieht plötzlich, dass Normalität manchmal nur ein anderes Wort für Müdigkeit ist.</p>
<p>Ich mochte an diesem Comic besonders, dass er seine Figuren nicht vorführt. Er schaut genau hin, aber ohne kalten Blick. Er bleibt leicht, obwohl er von verletzendem Verhalten erzählt. Am Ende ist DRIFTING keine große Abrechnung mit einem schwierigen Menschen. Es ist eine leise Geschichte über Verantwortung, Nähe und den Mut, nicht aus dem Fenster zu steigen, wenn ein schwieriges Gespräch beginnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4102" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-300x400.jpg" alt="" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DRIFTING</li>
<li>Madita Schwenke</li>
<li>Softcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95640-516-7</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://reprodukt.com/products/drifting?_pos=1&amp;_sid=59bddceb7&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">Reprodukt Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>ABSOLUTE GREEN ARROW &#8211; Neuzugang im Absolute-Universum</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/absolute-green-arrow-neuzugang-im-absolute-universe/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 05:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[DC Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Marcelo Maiolo]]></category>
		<category><![CDATA[Pornsak Pichetshote]]></category>
		<category><![CDATA[Rafael Albuquerque]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein grüner Pfeil steckt in einer Leiche und plötzlich ist nichts mehr gemütlich an diesem alten Zeichen. Kein launiger Robin-Hood-Verschnitt, kein moralisch erhobener Zeigefinger, kein Superheld, der aus sicherer Entfernung die Welt verbessert. ABSOLUTE GREEN ARROW beginnt wie ein Fall, der Vielen schlaflose Nächte bereiten wird. Die Super-Reichen schlafen schlecht, die Polizei sortiert Spuren und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein grüner Pfeil steckt in einer Leiche und plötzlich ist nichts mehr gemütlich an diesem alten Zeichen. Kein launiger Robin-Hood-Verschnitt, kein moralisch erhobener Zeigefinger, kein Superheld, der aus sicherer Entfernung die Welt verbessert.</p>
<p><span id="more-4031"></span></p>
<p>ABSOLUTE GREEN ARROW beginnt wie ein Fall, der Vielen schlaflose Nächte bereiten wird. Die Super-Reichen schlafen schlecht, die Polizei sortiert Spuren und Dinah Lance steht als zentrale Figur mittendrin. Sie weiß, dass ein Mord ein Mord bleibt. Sie weiß aber auch, dass manche Opfer sehr viele Schatten werfen.</p>
<p>Genau darin liegt der Reiz dieses Auftakts. Pornsak Pichetshote (Szenario), Rafael Albuquerque (Zeichnungen) und Marcelo Maiolo (fabren) machen aus Green Arrow (k)einen Horror-Comic. Auch, wenn es sich für die Opfer dieses Serienkillers so anfühlen mag und die Community es so sieht. Für mich bauen sie einen harten Thriller mit deutlichen Krimi-Anleihen. Die Frage lautet nicht nur: Wer tötet hier? Sie lautet auch: Warum gerade jetzt? Warum gerade diese Opfer? Und was hat Oliver Queen mit all dem noch zu tun?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4025" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 01 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein neues Universum mit alten Wunden</h3>
<p>Die <a href="https://www.thalia.de/reihe/absolute-universe-A1076322223?seite=1" target="_blank" rel="nofollow noopener">ABSOLUTE-Reihe</a> von DC ist als eigenständiger Neustart angelegt und gehört inzwischen zum Besten, was der US-Comic-Markt zu bieten hat. Vertraute Figuren werden aus ihren bekannten Erzählstrukturen herausgelöst. BATMAN, SUPERMAN und WONDER WOMAN tragen noch immer ihren jeweiligen Kern in sich. Doch die Welt um sie herum ist schroffer. Sie schenkt ihnen weniger und sie zwingt sie schneller zu Entscheidungen, die weh tun.</p>
<p>Für GREEN ARROW passt dieser Ansatz erstaunlich gut. Oliver Queen war nie nur ein Bogenschütze mit einer Maske. Die Figur lebte immer auch von ihrer sozialen Reibung und eindeutigen Moralvorstellung. Er war der Held, der bei den großen Fragen nicht höflich anklopfte.</p>
<p>Reichtum, Ungleichheit, Korruption, Machtmissbrauch waren immer schon seine Themen. All das gehörte seit Jahrzehnten zum Design dieser Figur. Gerade deshalb ist es reizvoll, dass ABSOLUTE GREEN ARROW nicht bei der Abenteuermaschine ansetzt, sondern mit einer Erschütterung: Oliver Queen ist tot! Sein Zeichen lebt jedoch weiter, aber es hat seine Unschuld verloren.</p>
<p>Der Untertitel THE LONGBOW KILLER weckt natürlich Erinnerungen an <a href="https://www.medimops.de/mike-grell-green-arrow-the-longbow-hunters-green-arrow-graphic-novels-taschenbuch-M00930289382.html?variant=UsedGood" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE LONGBOW HUNTERS</a>, jene Green-Arrow-Geschichte, die die Figur Ende der 1980er Jahre rauer und erwachsener machte. Dieser neue Auftakt kopiert das nicht. Er nimmt eher die Idee auf, dass ein Bogen auch in die dunkleren Ecken des Genres führen kann. Diesmal geht es jedoch weniger um romantische Gesetzlosigkeit. Es geht um Tatmuster, Spuren, um Verdächtigungen und um eine Heldin, die lernen muss, einem Symbol nicht mehr zu trauen.</p>
<p>Auch das Kreativteam macht Sinn. Pichetshote denkt in moralischen Spannungen. Albuquerque zeichnet Körper, Räume und Gewalt mit einer Direktheit, die selten glatt wirkt. Maiolo legt darüber Farben, die nicht schmücken, sondern Druck erzeugen. So entsteht ein Comic, der sich wie eine Ermittlungsakte liest, in der jemand immer wieder mit rotem Stift etwas markiert hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4026" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 02 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Dinah Lance und die Sache mit dem Vertrauen</h3>
<p>Die Handlung von ABSOLUTE GREEN ARROW &#8211; THE LONGBOW KILLER setzt an einem Punkt ein, an dem die klassische Heldenordnung bereits zerbrochen ist. Oliver Queen ist ermordet worden. Sein Tod steht dabei jedoch nicht nur als ferne Vorgeschichte im Raum, sondern als offene Wunde.</p>
<p>Dinah Lance, in dieser Version ehemalige Polizistin und MMA-Kämpferin BLACK CANARY, arbeitet als Personenschützerin. Sie ist erfahren, kampferprobt und innerlich deutlich weniger stabil, als sie nach außen wirken möchte. Genau diese Spannung trägt das Heft.</p>
<p>Der neue Fall zieht sie in einen Kreis aus reichen, einflussreichen &#8211; und sehr nervösen &#8211; Menschen. Ein maskierter Täter jagt Milliardäre. Seine Opfer sind keine gewöhnlichen Zufallsziele. Sie gehören zu einer Schicht, die sich Schutz kaufen kann, Nähe zur offiziellen Macht pflegt und Probleme verschwinden lässt. Der Serienkiller hinterlässt grüne Pfeile. Damit wird aus Olivers altem Zeichen ein Beweisstück. Dies trifft Dinah doppelt. Sie muss einen Mörder aufhalten. Zugleich muss sie verstehen, warum ausgerechnet dieses Symbol plötzlich für Hinrichtungen steht.</p>
<p>Pichetshote erzählt das angenehm konzentriert. Die Geschichte kippt nicht in eine ausufernde Ursprungserzählung. Ich bekomme genug über Oliver, um seinen Schatten zu spüren. Ich bekomme aber nicht so viel, dass er Dinah ihre Bühne nimmt. Das ist klug konzipiert. Denn Dinah ist hier keine Nebenfigur, die dem toten Helden hinterherläuft. Sie ist der Blick, die Haltung und das Gewissen des Comics.</p>
<p>Albuquerque unterstützt diese Anlage mit klarer, ruppiger Bildführung. Die Actionszenen haben Tempo, aber sie protzen nicht. Ein Angriff kommt schnell, ein Körper fällt schwer, ein Blick bleibt einen Moment zu lang hängen. Das ist Thriller-Handwerk. Der Seitenrhythmus arbeitet mit Druck und Unterbrechung. Mal zieht die Erzählung an, dann bremst ein stilles Panel die Bewegung ab. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass Dinah nicht nur Beweise sammelt. Sie sortiert auch ihre eigenen Erinnerungen neu.</p>
<p>Der Bogenschütze bleibt zunächst mehr Funktion als Figur. Das ist für ein erstes Heft in Ordnung. Seine Maske, seine Präzision und seine Zielauswahl reichen, um Bedrohung aufzubauen. Wichtiger ist der Verdacht, den er sät. Wenn ein Symbol plötzlich an Tatorten auftaucht, wird jeder frühere Verbündete, jede alte Verbindung und jede offene Rechnung erst einmal verdächtig. Roy Harper und Mia Dearden schwingen als mögliche Spuren mit. Doch der Comic tut gut daran, nicht sofort alle seine Karten aufzudecken. Er will, dass ich weiterblättere. Und das tue ich gerne!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4027" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 03 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein Auftakt, der den Bogen spannt</h3>
<p>Als Nummer 1 funktioniert ABSOLUTE GREEN ARROW sehr gut. Das Heft erklärt seinen Schauplatz knapp, setzt Dinah stark ins Zentrum und liefert ein klares Versprechen.</p>
<p>Hier wird nicht einfach eine bekannte Figur modernisiert. Hier wird ein Vermächtnis zur Gefahr. Das ist ein starkes Sujet, weil es ohne großes Vorwissen verständlich bleibt. Wer GREEN ARROW kennt, spürt die Verschiebung. Wer ihn nicht kennt, versteht trotzdem, dass dieses Zeichen einmal für etwas anderes gestanden hat.</p>
<p>Besonders überzeugend finde ich die Krimi-Struktur. Es gibt Opfer, Muster, Verdächtige, berufliche Zwänge und private Altlasten. Die Gewalt ist hart, aber sie steht im Dienst des Falls. Der Comic will nicht schocken, nur um laut zu sein. Er will zeigen, wie schnell moralische Gewissheit verrutscht, wenn die Toten selbst keine reinen Unschuldslämmer waren. Wer einen Schmetterling zertritt ist ein Mistkerl, wer eine Kakerlake zertritt &#8230; nun ja.</p>
<p>Genau hier liegt auch die größte Aufgabe für die kommenden Hefte. Die Serie darf sich nicht zu sehr auf ihre düstere Attitüde verlassen. Sie muss Dinah&#8217;s Konflikt vertiefen, den Täter schärfen und Oliver Queen&#8217;s Erbe mit echten Konsequenzen aufladen.</p>
<p>Die große Nachfrage vor der Veröffentlichung passt zu diesem starken Start. Die Erstauflage war über Vorbestellungen so schnell vergriffen, dass DC bereits eine Zweitauflage angekündigt hat. Wer lesen will, muss das also <a href="https://globalcomix.com/?modal=c%2Fabsolute-green-arrow-2026-" target="_blank" rel="nofollow noopener">erst einmal online</a> tun.</p>
<p>Für ein Auftaktheft ist das natürlich ein hübsches Ausrufezeichen. Wichtiger bleibt für mich aber, dass der Comic diese Aufmerksamkeit erzählerisch begründet. Er hat einen sauberen Haken, eine Figur, der ich folgen möchte und er hat Bilder, die nicht nach Hochglanz aussehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4028" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 04 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein Autor mit Gespür für Schuld</h3>
<p>Pornsak Pichetshote ist ein thailändisch-amerikanischer Autor, der vor seiner eigenen Arbeit als Szenarist auch redaktionell bei DC&#8217;s <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vertigo_Comics" target="_blank" rel="nofollow noopener">Vertigo Imprint</a> tätig war. Dort bewegte er sich in einem Umfeld, das viele erwachsene, literarisch geprägte Genrestoffe hervorbrachte.</p>
<p>Als Autor wurde er besonders mit <a href="https://www.splitter-verlag.de/infidel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">INFIDEL</a> und <a href="https://www.amazon.de/stores/Pornsak-Pichetshote/author/B07BMK89JR?ref=ap_rdr&amp;shoppingPortalEnabled=true" target="_blank" rel="nofollow noopener">EXQUISITE CORPSES</a> bekannt. Seine Geschichten verbinden oft Spannung mit Fragen nach Herkunft, Macht, Schuld und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Das merkt ich auch hier. Pichetshote interessiert sich nicht nur dafür, was passiert. Ihn interessiert, welche Wunde eine Tat offenlegt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4029" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 05 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein Zeichner für Druck und Bewegung</h3>
<p><a href="https://www.dc.com/talent/rafael-albuquerque" target="_blank" rel="nofollow noopener">Rafael Albuquerque</a> stammt aus Brasilien und arbeitet seit vielen Jahren für den amerikanischen Comicmarkt. Bekannt wurde er unter anderem durch BLUE BEETLE, SUPERMAN / BATMAN und vor allem <a href="https://www.amazon.de/s?i=english-books&amp;rh=p_27%3ARafael%2BAlbuquerque&amp;s=relevancerank&amp;text=Rafael+Albuquerque&amp;ref=dp_byline_sr_book_3" target="_blank" rel="nofollow noopener">AMERICAN VAMPIRE</a>.</p>
<p>Seine Zeichnungen haben eine körperliche Energie, die gut zu Geschichten passt, in denen Figuren unter Druck geraten. Albuquerque kann Action klar erzählen, ohne sie glattzubügeln. Gesichter, Schatten und Bewegungen wirken bei ihm oft leicht angeraut. In ABSOLUTE GREEN ARROW &#8211; THE LONGBOW KILLER ist genau das wichtig. Die Welt sieht nicht edel aus, sondern benutzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4030" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 06 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ABSOLUTE GREEN ARROW liefert viele Anspielungen auf aktuelle Ereignisse, Personen und Diskussionen. Gleichzeitig ist der erste Band ein starker, harter und sehr kontrollierter Auftakt, bei dem ich verstehen kann, weshalb die Community so heiß auf diese Ausgabe war.</p>
<p>Ich mochte vor allem, dass der Comic seine Hauptfigur nicht bequem über das Symbol Green Arrow definiert, sondern über den Verlust dieses Symbols. Dinah Lance trägt die Geschichte mit Wucht, Zweifel und genug Wärme, damit die Kälte des Falls nicht alles verschluckt. Die Ausgabe ist ein Thriller mit Krimi-Puls. Genau so funktioniert sie hier am besten.</p>
<p>Die Pfeile fliegen nicht mehr als reines Helden-Signe. Sie stecken in Beweisräumen örtlicher Polizeistationen fest. Und ich will wissen, wer sie dort hin geschossen hat.</p>
<p>Der Panini Verlag hat angekündigt, die Reihe auf Deutsch zu bringen. Falls die kommenden Hefte der Reihe das Niveau halten, wird der Sammelband mit Sicherheit seinen Weg in mein Regal finden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4024" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg" alt="Cover von ABSOLUTE GREEN ARROW" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>ABSOLUTE GREEN ARROW #1</li>
<li>Pornsak Pichetshote und Rafael Albuquerque</li>
<li>28 Seiten | Farbe</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.dc.com/comics/absolute-green-arrow-2026/absolute-green-arrow-2026-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">DC Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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		<item>
		<title>INTERNATIONALER COMIC-SALON ERLANGEN, Ausgabe 22</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/05/internationaler-comic-salon-erlangen-ausgabe-22/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 May 2026 05:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Erlangen]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Meta-Thema]]></category>
		<category><![CDATA[Veranstaltung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nur noch wenige Tage, dann ist wieder &#8222;Erlangen&#8220;. Die mittelfränkische Stadt ist während des Internationalen Comic-Salons nicht einfach ein Ort, in der nebenbei ein paar Zeichner ihre Werke signieren und Verlage ihre Neuheiten stapeln. Für vier Tage wechselt der Ort in einen anderen Zustand: Er wird zur Comic-City Deutschland. Plötzlich stehen Comics nicht nur in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nur noch wenige Tage, dann ist wieder &#8222;Erlangen&#8220;. Die mittelfränkische Stadt ist während des Internationalen Comic-Salons nicht einfach ein Ort, in der nebenbei ein paar Zeichner ihre Werke signieren und Verlage ihre Neuheiten stapeln. Für vier Tage wechselt der Ort in einen anderen Zustand: Er wird zur Comic-City Deutschland.</p>
<p>Plötzlich stehen Comics nicht nur in den hinteren Regalen von Buchhandlungen, hängen an Wänden von Nerds oder liegen auf Tischen &#8211; nein, sie ziehen durch Plätze, Theater, Museen, Schaufenster und Gespräche. Genau das macht den Reiz eines Festivals aus. Es ist groß genug, um beinah die ganze Branche zu versammeln und zugleich kompakt genug, damit man nach wenigen Stunden das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein.</p>
<p><span id="more-3721"></span></p>
<p>Für 2026 kündigt der Salon auf seiner <a href="https://www.comic-salon.de/de" target="_blank" rel="nofollow noopener">Website</a> wieder rund 300 Aussteller, mehr als 500 Künstlerinnen und Künstler und ein dichtes Programm aus Messe, Ausstellungen, Gesprächen und Signierstunden an. Die Zahlen der letzten Ausgabe zeigen, dass dies keine freundliche Übertreibung ist: 2024 kamen rund 30.000 Besucherinnen und Besucher, es gab 325 Aussteller, 582 gemeldete Künstlerinnen und Künstler, 278 Veranstaltungen und 25 Ausstellungen.</p>
<p>Was den INTERNATIONALEN COMIC-SALON ERLANGEN (ICSE) so erfolgreich macht, ist nicht bloß seine Größe. Andere Festivals haben mehr Pathos, mehr Glamour oder mehr pop-artige Begleitgeräusche. Erlangen dagegen hat eine seltene Mischung aus Ernsthaftigkeit, Neugier und Bodenhaftung. Hier treffen auf engem Raum Buchhandel und Verlage auf Hochschulen, Sammler und Familien auf Zeichner, Kritiker und Gelegenheitsleser auf Hardcore-Fans. Und manchmal gerät der eine oder Tourist in den Trubel, ohne zu wissen, wie ihm &#8211; oder ihr &#8211; geschieht.</p>
<p>Das Festival will Kunst zeigen, aber es will sich nicht von seinem Publikum abkoppeln. Es nimmt Comics als Kunstform ernst, ohne sie hinter Museumsglas einzusperren. Genau deshalb fühlt sich Erlangen nie wie ein Branchentermin unter Ausschluss der Öffentlichkeit an, sondern wie ein offenes Stadtfest für die Neunte Kunst. (Diesen Begriff prägte ursprünglich der Journalist und Schriftsteller <span class="kY2IgmnCmOGjharHErah">Francis Lacassin. Eine passende Muse lieferte er uns jedoch nicht gleich mit. Schade eigentlich.)</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-3760 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMICSALONGRAFFITI_553X1000.jpg" alt="Graffiti zum COMIC-SALON ERLANGEN" width="1000" height="553" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMICSALONGRAFFITI_553X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMICSALONGRAFFITI_553X1000-300x166.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMICSALONGRAFFITI_553X1000-750x415.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMICSALONGRAFFITI_553X1000-113x62.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMICSALONGRAFFITI_553X1000-768x425.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMICSALONGRAFFITI_553X1000-600x332.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Wie Erlangen zur festen Adresse wurde</h3>
<p>Die Geschichte des Salons ist spannender, als der nüchterne Festival-Name zunächst vermuten lässt. Gegründet wurde er 1984, also in einer Zeit, in der Comics in Deutschland zwar längst gelesen wurden, kulturell aber noch deutlich weniger Ansehen genossen. (Und ja, auch heute ist das sogenannte Standing der bunten Hefte und Alben immer noch ausbaufähig.)</p>
<p>In Erlanger <a href="https://ratsinfo.erlangen.de/vo0050.asp?__kvonr=2137324" target="_blank" rel="nofollow noopener">Unterlagen zur geplanten Entwicklung eines Comic-Museums</a> steht ziemlich deutlich, dass die Stadt damals ihrer Zeit voraus war. Der Salon habe über Jahrzehnte den Stellenwert der Comic-Kunst mitgeprägt und Erlangen zu einem weithin beachteten Ort der Neunten Kunst gemacht.</p>
<p>Zugleich erinnert eine städtische Publikation daran, dass der frühere Kulturreferent Wolf Peter Schnetz jene kommunale Kulturlandschaft mit aufgebaut hat, aus der neben dem Comic-Salon auch das Figurentheater-Festival und das Poetenfest hervorgingen. Man kann also sagen, dass der Salon keine Laune oder netter Zufall war, sondern Teil einer kulturpolitischen Strategie, die erstaunlich weitsichtig gewesen ist.</p>
<p>Das zweite spannende Detail liegt in der Stadt selbst. Erlangen ist eben nicht Berlin, nicht Hamburg oder Köln. Und gerade das hilft im Drei-Länder-Eck der deutschsprachigen Interessierten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.</p>
<p>Ein <a href="https://ratsinfo.erlangen.de/vo0050.asp?__kvonr=2137948" target="_blank" rel="nofollow noopener">offizielles Eckpunktepapier</a> der Stadt beschreibt, wie Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre mehrere große Festivals den Ruf Erlangens als Festivalstadt begründeten.</p>
<h3>Zwischen Angoulême, Lucca und Luzern</h3>
<p>Der Vergleich mit anderen europäischen Festivals wird das Besondere von Erlangen erst richtig deutlich.</p>
<p><a href="https://www.bdangouleme.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Angoulême</a> (Frankreich) denkt den Comic stark vom Autor und vom vergebenen <a href="https://www.bdangouleme.com/grand-prix-festival-angouleme-2025" target="_blank" rel="nofollow noopener">Preis</a> her. Auf der offiziellen Seite des Festivals wird ausdrücklich betont, dass die Künstlerinnen und Künstler im Zentrum stehen.</p>
<p><a href="https://www.luccacomicsandgames.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Lucca</a> (Italien) wiederum beschreibt sich gern selbst als eines der größten Community-Events der westlichen Welt und feiert ganz offen die Popkultur aus Comics, Games, Kino und mehr in aller Breite.</p>
<p><a href="https://www.fumetto.ch/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Fumetto</a> in Luzern (Schweiz) setzt seit 1992 traditionell stärker auf Ausstellung, Kunst-Anspruch und Avantgarde, ausdrücklich ohne einen klassischen Messehintergrund.</p>
<p>Erlangen wiederum liegt irgendwo dazwischen, aber eben nicht unentschlossen, sondern ziemlich eigenständig. Gerade darin steckt seine Stärke. Das deutsche Festival ist konzentrierter als Lucca, zugänglicher als viele rein kunstorientierten Formate und weniger von Preislogik dominiert als Angoulême, obwohl in Erlangen der renommierte <a href="https://www.comic-salon.de/de/max-und-moritz-preis" target="_blank" rel="nofollow noopener">Max-und-Moritz-Preis</a> vergeben wird.</p>
<p>Das Festival verbindet Kunst und Kommerz, Mainstream und Avantgarde &#8211; so beschreibt es die offizielle Selbstdarstellung selbst. Und anders als bei vielen Messen bleibt dieses Versprechen nicht bloß ein Slogan. Wer morgens in eine Ausstellung geht, mittags durch die Zelte streift, nachmittags einer Diskussion zuhört und abends im <a href="https://www.visit-erlangen.de/poi/markgrafentheater-27264/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Markgrafentheater</a> zur Preisverleihung landet, merkt schnell, wie sauber diese Bausteine ineinandergreifen.</p>
<p>Der ICSE wirkt nicht wie eine Ansammlung einzelner Programmpunkte, sondern wie ein aus der Stadt heraus gebautes Ganzes.</p>
<h3>Kleine Stadt, ganz groß</h3>
<p>Der Comic-Salon findet seit 1984 im zweijährigen Wechsel mit dem Internationalen Figurentheater-Festival und dem Poet*innenfestival statt. Wie viele andere, große europäische Comic-Festivals sitzt auch Erlangen in einer kleineren Stadt mit historischer Kulisse. Hier entsteht daraus ein geschlossener Kreislauf.</p>
<p>Man läuft sich dauernd über den Weg. Die Wege sind kurz, Begegnungen nicht künstlich arrangiert und die Stadt selbst spielt mit. Das klingt zuerst einmal simpel, ist aber ein echter Standortvorteil.</p>
<p>Ein drittes Detail erklärt, warum der Salon mehr als eine Messe mit Rahmenprogramm ist. Aus ihm sind Strukturen entstanden, die weit über das Festival hinausreichen. Die Idee eines Comic-Museums in Erlangen wird seit Jahren ernsthaft verfolgt, ausdrücklich mit Verweis auf die Bedeutung des Salons. Auch existiert das 1986 gegründete International <a href="https://www.comic-salon.de/de/internationales-comic-seminar" target="_blank" rel="nofollow noopener">Comic-Seminar</a>. Dazu kommt das Festival im Festival <a href="https://2022.comic-salon.de/de/kinder-lieben-comics" target="_blank" rel="nofollow noopener">KINDER LIEBEN COMICS</a>, das 2016 gestartet ist und in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert.</p>
<p>Dies ist kein schmückendes Beiwerk. Es zeigt, wie bewusst in Erlangen an der nächsten Generation von Künstlerinnen und Künstlern, Leserinnen- und Lesern gearbeitet wird. Wer Comics nur als Nostalgie für ältere Fans versteht, bekommt hier seit Jahren das Gegenteil vorgeführt.</p>
<h3>Wenn selbst ein Erfolgsfestival rechnen muss</h3>
<p>So robust der Comic-Salon kulturell dasteht, so wenig ist er von den Finanzproblemen seiner Stadt abgekoppelt. Genau darin liegt derzeit der wunde Punkt.</p>
<p>Die Kommune Erlangen beschreibt ihre Haushaltslage für 2026 selbst als &#8222;schwierig&#8220;. Als Ursachen nennt sie hohe Gewerbesteuerrückzahlungen aus dem Jahr 2024, rückläufige Gewerbesteuereinnahmen, steigende Personal- und Sozialausgaben sowie hohe Baukosten. Das alles kennt man ja. In den offiziellen <a href="https://erlangen.de/aktuelles/faqs-zum-haushalt" target="_blank" rel="nofollow noopener">Haushalts-FAQs</a> ist außerdem von Kassenkrediten, einer zuvor nötigen Haushaltssperre und einem Konsolidierungskonzept die Rede.</p>
<p>Ergänzend wurde im Herbst 2025 öffentlich, wie hart der Einbruch die Stadt getroffen hat. Nach <a href="https://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/festivalstadt-erlangen-in-finanznot-gute-aussichten-fur-comic-salon--trotz-sparzwangen-14381645.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Angaben</a> aus dem Umfeld des Kulturamts mussten Gewerbesteuern in einer Größenordnung zurückgezahlt werden, die den finanziellen Spielraum der Kommune massiv schrumpfen ließ. Wer das nüchtern liest, versteht sofort, warum in Erlangen plötzlich auch über Festivalgrößen, Ticketmodelle und Prioritäten gesprochen wird. Für den Comic-Salon heißt das ganz konkret, dass auch er Teil des Sparens geworden ist.</p>
<p>Der Stadtrat hat den Haushalt 2026 zwar beschlossen und damit die Grundlage geschaffen, Kulturförderung und andere freiwillige Aufgaben weiter zu finanzieren. Aber der Konsolidierungskurs bleibt sichtbar. Beim Salon 2026 <a href="https://www.comic-salon.de/de/ticketinfo" target="_blank" rel="nofollow noopener">wurden die Eintrittspreise angehoben</a>. Die (nicht ermäßigte) Tageskarte steigt von 12 auf 15 Euro, die Dauerkarte von 32 auf 40 Euro. Bemerkenswert ist auch die Begründung in den städtischen Unterlagen. Das Prinzip &#8222;Zahl, was du kannst&#8220; wird beim Comic-Salon vorerst gerade nicht eingeführt, weil ein großer Teil des Publikums nicht aus Erlangen kommt. Das klingt trocken, sagt aber viel.</p>
<p>Der Salon ist für die Stadt ein Prestigeprojekt, ein Standortfaktor und ein Publikumsmagnet. Zugleich ist er jedoch kein geschützter Raum außerhalb der Haushaltsrealität. Erfolgreich zu sein heißt in Erlangen also gerade auch, sich den härteren Bedingungen zu stellen bzw. anzupassen, ohne dabei den eigenen, langjährig entwickelten Charakter zu verlieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-3759 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMIC-SALON_ERLANGEN_2012_50_794X1000.jpg" alt="Beitragsbild zum COMIC-SALON ERLANGEN" width="1000" height="794" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMIC-SALON_ERLANGEN_2012_50_794X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMIC-SALON_ERLANGEN_2012_50_794X1000-300x238.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMIC-SALON_ERLANGEN_2012_50_794X1000-750x596.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMIC-SALON_ERLANGEN_2012_50_794X1000-113x90.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMIC-SALON_ERLANGEN_2012_50_794X1000-768x610.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/COMIC-SALON_ERLANGEN_2012_50_794X1000-600x476.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h4>Die Stadt als Ausstellungsraum</h4>
<p>Mindestens so wichtig wie Preis und Messe sind in Erlangen die Ausstellungen. Dies ist der Teil des Festivals, den man von außen leicht unterschätzt.</p>
<p>Viele Comic-Veranstaltungen haben schöne Originalseiten an den Wänden. Erlangen macht daraus seit Jahren ein eigenes Netz, dass sich durch die ganze Stadt zieht. Der Salon arbeitet mit Museen und Ausstellungshäusern zusammen, verteilt Einzelschauen, Themenschauen und Nachwuchsprojekte über mehrere Orte und zwingt sein Publikum damit angenehm zum Spazieren, Schauen und Umschalten.</p>
<p>Für 2026 ist mit <a href="https://www.kunstpalais.de/de/117/Ausstellung-Detailseite.html/Christoph-Niemann-Auf-den-Punkt:106.html?referingPageNr=1" target="_blank" rel="nofollow noopener">CHRISTOPH NIEMANN. AUF DEN PUNKT</a> bereits früh eine große Einzelausstellung im Kunstpalais an den Start gegangen. Sie läuft vom 14. März bis 7. Juni und ist mit dem Salon-Ticket frei zugänglich. Schon daran sieht man, dass die Ausstellungslinie nicht bloß Begleitmusik ist, sondern ein eigener Pfeiler des Festivals. <a href="https://www.comic-salon.de/de/ausstellungen" target="_blank" rel="nofollow noopener">Weitere</a> sind bereits in Arbeit.</p>
<p>Dazu kommt die konkrete Topografie. Die Messe sitzt üblicherweise in temporären Hallen am Schlossplatz und Schlossgarten, dazu kommen <a href="https://www.e-werk.de/redoutensaal/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Redoutensaal</a>, <a href="https://kubic.de/de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">kubic &#8211; Das Kreativ-Kraftwerk</a> und weitere Orte. Die Börse ergänzt am Samstag das Ganze mit ihrem eigenen Sammler- und Händlermilieu.</p>
<p>Das klingt erst einmal nach viel Betrieb, fühlt sich vor Ort aber erstaunlich übersichtlich an. Vielleicht ist das der eigentliche Trick von Erlangen. Der Salon ist groß genug, um an jeder Ecke etwas los zu haben und klein genug, um nicht im Eventlärm unterzugehen. Du kaufst ein Buch und landest zehn Minuten später in einer Ausstellung. Du gehst wegen eines Stars ins Markgrafentheater und bleibst an einem Hochschulstand hängen.</p>
<p>Genau aus solchen Wechseln entsteht der besondere Zug des Festivals. Hier wird der Comic nicht nur verkauft, sondern geehrt und &#8222;bewohnt&#8220;.</p>
<h4>Warum Erlangen bleibt</h4>
<p>Der COMIC-SALON ERLANGEN ist erfolgreich, weil er etwas kann, das schwer zu kopieren ist: Er ist Fachtreffen, Publikumsmagnet, Ausstellungsfestival und Gradmesser der Branche zugleich. Er hat Geschichte, ohne traditionsselig zu wirken. Er wächst, ohne seine Heimeligkeit zu verlieren. Und er zeigt gerade in wirtschaftlich harten Zeiten, dass Kultur nur dann Gewicht hat, wenn sie in einer Stadt wirklich verankert ist.</p>
<p>Ich mag an Erlangen besonders, dass es den Comic weder zum Nischenhobby verniedlicht noch zum feierlichen Heiligtum aufbläst. Es behandelt ihn als das, was er längst ist: eine lebendige Kunstform, die Leser braucht, die Orte braucht und ein Festival, das beides zusammenbringt.</p>
<p>Am 04. Juni ist es also wieder soweit. Und wir alle wünschen uns, das die Stadt Erlangen Mittel und Wege findet, uns auch in Zukunft mit ihrem Internationalen Comic-Salon so etwas wie Heimat zu bieten.</p>
<h2>Zu guter Letzt:</h2>
<h4>Ein Preis, auf den alle schauen</h4>
<p>Zum Kern des Salons gehört der <a href="https://www.comic-salon.de/de/max-und-moritz-preis" target="_blank" rel="nofollow noopener">MAX-UND-MORITZ-PREIS</a>. Er wird von der Stadt Erlangen vergeben, <a href="https://www.comic-salon.de/de/jury" target="_blank" rel="nofollow noopener">von einer unabhängigen Fachjury</a> entschieden und gilt seit Jahrzehnten als wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum.</p>
<p>2026 sitzen mit <a href="https://petitkami.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Catherine Bazabas</a> (Eigentümerin Comicbuchhandlung Petit Kami, Hamburg), <a href="https://www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/ueber-uns/personensuche/profile/?pid=1395" target="_blank" rel="nofollow noopener">Christian Gasser</a> (Autor, Dozent an der Hochschule Luzern – Design &amp; Kunst), <a href="https://www.radiodrei.de/programm/team/team/andrea_heinze.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Andrea Heinze</a> (Journalistin, Berlin), <a href="https://www.comix-hannover.de/shop/Impressum:_:4.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Katinka Kornacker</a> (Geschäftsführerin COMIX – Comicbuchhandlung Hannover), <a href="https://isakreitz.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Isabel Kreitz</a> (Comic-Zeichnerin, Hamburg), <a href="https://www.comic-salon.de/de/vogt-0" target="_blank" rel="nofollow noopener">Christine Vogt</a> (Leiterin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen) und <a href="https://www.comic-salon.de/de/birk" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bodo Birk</a> (Leiter des Internationalen Comic-Salons Erlangen) erneut breit aufgestelltes Fachwissen zusammen.</p>
<p>Alleine das zeigt, welchen Rang der Preis in Erlangen hat. Er läuft nicht nebenbei mit, sondern bildet den festlichen Mittelpunkt des Wochenendes.</p>
<h6><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3959" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/Max_und_Moritz_Preis_plakette_nominiert-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/Max_und_Moritz_Preis_plakette_nominiert-300x300.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/Max_und_Moritz_Preis_plakette_nominiert.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Die Nominierungen 2026</h6>
<p>Die Nominierungen wurden auch in diesem Jahr relativ spät bekannt gegeben. Das ist journalistisch zwar unpraktisch, andererseits aber auch ziemlich aufschlussreich. Denn schon die Wartephase macht sichtbar, wie stark ein solcher Preis als Taktgeber funktioniert.</p>
<p>Sobald die Liste erscheint, beginnen in Verlagen, Buchhandlungen und Ateliers sowie unter Leserinnen und Lesern sofort die Debatten darüber, welche Art von Comic gerade nach vorn rückt.</p>
<p>Auch 2026 sind es erneut <a href="https://www.comic-salon.de/de/nominierungen" target="_blank" rel="nofollow noopener">25 Nominierungen</a>. Die Bandbreite verrät, dass der Preis mehr tut, als nur einen Sieger zu küren. Er bildet die Szene ab, vom Kinder- bis zum Sachcomic, von Originalausgabe bis Übersetzung, von Einzelwerk bis Lebensleistung.</p>
<p>Dass auf der Liste vergangener Lebenswerk-Preisträger Namen wie <strong>Albert Uderzo</strong>, <strong>Jacques Tardi</strong>, <strong>Alan Moore</strong>, <strong>Pierre Christin</strong>, <strong>Claire Bretécher</strong>, <strong>Naoki Urasawa</strong> und zuletzt <strong>Joann Sfar</strong> stehen, zeigt zugleich den Anspruch, den sich die Stifter gegeben haben. Erlangen denkt auch hier nicht provinziell. Es misst die deutschsprachige Comic-Kultur immer auch an einem internationalen Horizont.</p>
<p>In diesem Jahr sind die Glücklichen (nach Verlagen geordnet):</p>
<p>&nbsp;</p>
<div style="background-color: #d2e3e5; padding: 20px;">
<div class="col">
<h6>avant-verlag</h6>
<p><a href="https://www.avant-verlag.de/comics/der-verkehrte-himmel/#cc-m-product-9202672420" target="_blank" rel="nofollow noopener">Der verkehrte Himmel</a> von Mikael Ross<br />
<a href="https://www.avant-verlag.de/comics/die-gro%C3%9Fe-verdr%C3%A4ngung/#cc-m-product-9257676320" target="_blank" rel="nofollow noopener">Die große Verdrängung</a> von Roberto Grossi (Übersetzung: Myriam Alfano)<br />
<a href="https://www.avant-verlag.de/comics/jakob-neyder/#cc-m-product-9257680720" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jakob Neyder</a> von Franz Suess<br />
<a href="https://www.avant-verlag.de/comics/meine-geschichten-von-mutter-und-tochter/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Meine Geschichten von Mutter und Tochter</a> von Katharina Greve<br />
<a href="https://www.avant-verlag.de/comics/schweigen/#cc-m-product-9241631320" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schweigen</a> von Birgit Weyhe (habe ich <a title="SCHWEIGEN – Ein lauter Ruf gegen die Stille des Vergessens" href="https://panelwalker.de/2025/06/schweigen-ein-lauter-ruf-gegen-die-stille-des-vergessens/" target="_blank" rel="noopener">hier</a> besprochen)</p>
<h6>Carlsen Verlag</h6>
<p><a href="https://www.carlsen.de/hardcover/ahmadjan-und-der-wiedehopf/978-3-551-79971-5" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ahmadjan</a> und der Wiedehopf von Maren Amini<br />
<a href="https://www.carlsen.de/hardcover/blutsauger/978-3-551-80898-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">Blutsauger</a> von André Breinbauer<br />
<a href="https://www.carlsen.de/hardcover/peri-meno/978-3-551-80568-3" target="_blank" rel="nofollow noopener">Peri Meno</a> von Rinah Lang</p>
<h6>Edition Moderne</h6>
<p><a href="https://www.editionmoderne.ch/buch/bauchlandung/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bauchlandung. Geschichte einer Teenager-Schwangerschaft</a> von Wanda Dufner<br />
<a href="https://www.editionmoderne.ch/?s=Fleischeslust&amp;post_type=product" target="_blank" rel="nofollow noopener">Fleischeslust</a> von Martin Oesch<br />
<a href="https://www.editionmoderne.ch/buch/saloon-das-ist-familiensache/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Saloon. Das ist Familiensache</a> von Mia Oberländer<br />
<a href="https://www.editionmoderne.ch/buch/sonntag/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Sonntag</a> von Olivier Schrauwen (Übersetzung: Christoph Schuler) Edition Moderne / Colorama</p>
<h6>Helvetiq Verlag</h6>
<p><a href="https://helvetiq.com/ch_de/in-den-truben-gewassern-istanbuls" target="_blank" rel="nofollow noopener">In den trüben Gewässern Istanbuls</a> von Özge Samancı (Übersetzung: Silv Bannenberg)</p>
<h6>Jaja Verlag</h6>
<p><a href="https://www.jajaverlag.com/unruhe/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Unruhe</a> von Sarah Hübner</p>
<h6>Kibitz Verlag</h6>
<p><a href="https://www.kibitz-verlag.de/b%C3%BCcher/der-zahn/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Der Zahn</a> von Ayşe Klinge<br />
<a href="https://www.kibitz-verlag.de/b%C3%BCcher/red/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Red</a> von Josephine Mark (habe ich <a title="RED – Gewitter vor der Tür und ein Hund, der bleibt" href="https://panelwalker.de/2026/03/red-gewitter-vor-der-tuer-und-ein-hund-der-bleibt/" target="_blank" rel="noopener">hier</a> besprochen)<br />
<a href="https://www.kibitz-verlag.de/b%C3%BCcher/shrimpie-und-ich/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Shrimpie und ich</a> von Moni Port und Claudia Weikert</p>
<h6>Klett Kinderbuch</h6>
<p><a href="https://www.klett-kinderbuch.de/buecher/details/der-suesseste-bruder-der-welt.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Der süßeste Bruder der Welt &#8230; und andere Irrtümer</a> von Elin Lindell (Übersetzung: Katharina Erben)</p>
<h6 style="break-after: avoid; page-break-after: avoid;">Panini Manga Verlag</h6>
<p><a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/the-strange-house-1-dstrah001-de02.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">The Strange House</a> von Uketsu und Kyo Ayano (Übersetzung: Claudia Peter).</p>
<h6>Reprodukt</h6>
<p><a href="https://reprodukt.com/products/die-frau-als-mensch-am-anfang-der-geschichte-1?_pos=2&amp;_sid=aaa48ff65&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">Die Frau als Mensch</a> von Ulli Lust (habe ich <a title="Ulli Lust gewinnt – DIE FRAU ALS MENSCH wird bestes Sachbuch" href="https://panelwalker.de/2025/06/ulli-lust-gewinnt-die-frau-als-mensch-wird-bestes-sachbuch/" target="_blank" rel="noopener">hier</a> besprochen)<br />
<a href="https://reprodukt.com/products/kaputt?_pos=5&amp;_sid=aaa48ff65&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kaputt</a> von Alison Bechdel (Übersetzung: Katharina Erben)<br />
<a href="https://reprodukt.com/products/zwei-weibliche-halbakte?_pos=1&amp;_sid=6b8e2d6fa&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">Zwei weibliche Halbakte</a> von Luz (Übersetzung: Lilian Pithan)</p>
<h6>Rotopol Verlag</h6>
<p><a href="https://www.rotopolpress.de/produkte/panik-im-postamt" target="_blank" rel="nofollow noopener">Der Weltraumpostbote. Panik im Postamt!</a> von Guillaume Perreault (Übersetzung: Ulrich Pröfrock)</p>
<h6>Schreiber &amp; Leser Verlag</h6>
<p><a href="https://www.schreiberundleser.de/index.php?main_page=advanced_search_result&amp;search_in_description=1&amp;zenid=119dd73a1ebc6b04d3fdd12534cbcd96&amp;keyword=Das+Lied+der+Arktis" target="_blank" rel="nofollow noopener">Das Lied der Arktis</a> von Jean-Paul Krassinsky und Bérengère Cournut (Übersetzung: Resel Rebiersch).</p>
<h6>Schwarzer Turm Verlag</h6>
<p><a href="https://www.schwarzerturm.de/melanie-l%C3%BCdtke/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Hackenporsche</a> von Melanie Lüdtke</p>
</div>
</div>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hinweis: Die Fotos unterliegen der Lizenzierung nach <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank" rel="nofollow noopener">Creative Commons CC BY-SA 3.0</a>.</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/internationaler-comic-salon-erlangen-ausgabe-22/">INTERNATIONALER COMIC-SALON ERLANGEN, Ausgabe 22</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>WIND IN MEINEM KOPFTUCH &#8211; Freiheit und Enge in Einem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Roya Soraya]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/wind-in-meinem-kopftuch/">WIND IN MEINEM KOPFTUCH – Freiheit und Enge in Einem</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in ein Gefühl hineinzieht. Da ist diese merkwürdige Nähe zu einer Kultur, die im Alltag zwar präsent ist, die mir aber doch verschlossen bleibt.<span id="more-3970"></span></p>
<p>Da ist der Klang einer Sprache, die vertraut wirkt, obwohl nicht jedes Wort verstanden wird. Und da ist eine Reise, die nach Herkunft aussieht und sich dann immer stärker als Reise ins eigene Innere entpuppt. Genau das macht dieses Buch so stark. Es ist warm, offen und persönlich. Dabei wirkt es aber nie weichgespült, sondern intim und ständig unruhig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3972" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg" alt="Innenseite 05 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Was hinter dieser Reise steht</h3>
<p>Bevor ich auf die Handlung schaue, lohnt sich der Blick auf den Hintergrund der Erzählerin. Roya Soraya ist 1996 in Hannover geboren, hat an der Folkwang Universität der Künste studiert und lebt heute in Wuppertal.</p>
<p>Nach ihrem Debüt <a href="https://www.roya-soraya.de/shop/p/faust" target="_blank" rel="nofollow noopener">FAUST</a>, einer modernen und neuen, queerfeministischen Annäherung an den alten Goethe, wendet sie sich im aktuellen Werk der eigenen Familiengeschichte zu. Das ist ein wichtiger Schritt. Hier geht es nicht mehr um die Überschreibung eines Klassikers, sondern um etwas, das näher liegt und verletzlicher ist. <a href="https://www.roya-soraya.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Auf ihrer Website</a> beschreibt sie den Band ausdrücklich als autobiografische Graphic Novel über die Reise zu ihren Wurzeln im Iran.</p>
<p>Roya Soraya hat an diesem Buch über mehrere Jahre gearbeitet. Die Arbeit begann schon vor den großen Protesten von 2022 und bekam durch diese noch einmal ein anderes Gewicht.</p>
<p>Hinzu kommt der politische Kontext, der in diesem Comic nie wie ein angehefteter Infokasten wirkt, sondern ganz organisch in ihre Erzählung einsickert. Die Proteste der Bewegung &#8222;Frau, Leben, Freiheit&#8220; brachen 2022 nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jina_Mahsa_Amini" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jina Mahsa Amini</a> aus, die nach ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei starb. Internationale Menschenrechtsberichte halten fest, dass Frauen und Mädchen im Iran noch immer systematisch verfolgt und in ihren Rechten beschnitten werden. Auch die Pflicht zur Verschleierung bleibt Teil eines Systems, das den weiblichen Körper kontrollieren will.</p>
<p>Wenn Roya Soraya also über das Kopftuch, über Blicke im öffentlichen Raum und über die Anspannung einer Reise schreibt, dann steht dahinter kein fernes Weltthema. Es ist gelebte Wirklichkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3973" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg" alt="Innenseite 06 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Zuhause, das nicht ganz aufgeht</h3>
<p>Die Handlung beginnt dort, wo viele Fragen nach Herkunft anfangen, nämlich im ganz normalen Familienalltag. Roya Soraya wächst in Deutschland auf. Sie fühlt sich deutsch und merkt zugleich früh, dass da noch eine andere Seite in ihr arbeitet.</p>
<p>Am Tisch der iranischen Verwandtschaft versteht sie kaum etwas. Trotzdem sind Sprache, Essen, Musik und Gesten nicht fremd. Sie gehören zu ihr, ohne dass sie diese ganz greifen kann. Ich finde genau diese Ausgangslage sehr gut getroffen. Soraya beschreibt ihren Identitätskonflikt ohne Pathos. Sie zeigt etwas viel Alltäglicheres: das Gefühl, dass etwas Eigenes immer knapp außer Reichweite bleibt.</p>
<p>Aus dieser Lücke wächst ihre Sehnsucht nach dem Iran. Nicht als touristischer Traum, sondern als Versuch, sich selbst etwas genauer kennenzulernen. Dass sie den Vater erst überreden muss, mit ihr zu reisen, gibt der Sache gleich noch eine zweite Spannung. Die Fahrt in den Iran ist auch eine Annäherung zwischen Tochter und Vater.</p>
<p>Sobald Roya dann tatsächlich im Iran ist, verschiebt sich die Erzählung spürbar. Aus der Sehnsucht wird Erfahrung, aus Vorstellung wird Alltag. Der Comic schaut dabei sehr aufmerksam auf kleine Situationen. Ein Gang durch die Stadt, ein Blick auf die Menschen, ein Essen oder ein Moment vor dem Spiegel mit dem Kopftuch: Nichts davon wird künstlich aufgeblasen, aber fast alles trägt Gewicht.</p>
<p>Ich mochte besonders, wie Soraya die erste Begeisterung für Gerüche, Farben und Nähe nie gegen die wachsende Unsicherheit ausspielt. Beides ist gleichzeitig da. Die Reise erfüllt einen Wunsch und unterläuft ihn im selben Moment. Roya erkennt, dass Herkunft nicht einfach Geborgenheit bedeutet. Sie kann auch Enge, Unübersichtlichkeit und Angst mitbringen. Gerade deshalb kippt die Nacherzählung nie ins bloße Abhaken von Stationen. Hinter jeder Alltagsszene arbeitet die Frage, wer Roya in diesem Land eigentlich ist. Tochter? Besucherin? Iranerin? Die Deutsche? Queere Frau? Das Buch erzwingt keine schnelle Antwort. Das gefällt mir sehr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3974" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg" alt="Innenseite 07 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Bus, ein Vater, ein kurzer Schock</h3>
<p>Besonders stark fand ich die Szenen, in denen der öffentliche Raum plötzlich zur Prüfung wird. Die Leseprobe mit der Busfahrt ist dafür ein schönes Beispiel. Roya und ihr Vater wollen Bus fahren, wie Einheimische. Erst wirkt das fast leicht, beinahe neugierig. Dann greift die Geschlechtertrennung. Männer nach vorn, Frauen nach hinten.</p>
<p>Aus einem simplen Umsteigen wird für Roya ein Moment echter Panik. Sie verliert den Vater aus dem Blick, hängt zwischen Stangen, fremden Körpern und Regeln fest, die ihr vorher niemand erklärt hat. Auf wenigen Seiten erzählt Soraya damit sehr viel. Nicht nur die konkrete Situation. Auch das Gefühl, in einer Ordnung zu stecken, deren Logik man nicht kennt und die doch sofort über den eigenen Körper verfügt. Ich habe diese Passage als Kernszene gelesen. Hier wird das Reisen im Iran vom Abenteuer zur nervösen Selbstprüfung.</p>
<p>Noch besser ist, dass der Vater dabei nicht einfach als rettende Figur gezeichnet wird. Er ist Nähe und Sicherheit, klar. Aber er ist auch Teil einer Welt, die Roya nicht ganz versteht. Zwischen beiden liegt Zuneigung, manchmal auch Reibung, jedenfalls nie glatte Harmonie.</p>
<p>Gerade diese Zwiespältigkeiten macht den Comic stark. Ich glaube der Beziehung, weil Soraya nichts glättet. Kleine komische Momente bleiben ebenso stehen wie peinliche oder anstrengende. Auch deshalb trifft mich der Gedanke, dass dies ihre letzte Reise mit dem Vater sein wird.</p>
<p>Das Buch macht daraus kein sentimentales Programm. Es legt nur einen leichten Schatten über viele Szenen. Ein verlorener Blick hier, ein Zuruf dort, eine Umarmung. Solche Dinge bekommen im Rückblick mehr Wucht. Vielleicht hätte ich an ein, zwei Stellen gern noch etwas mehr Raum für andere Familienmitglieder gehabt, andererseits wirkt der Comic dadurch sehr fokussiert. Manchmal ist weniger eben mehr.</p>
<p>Der Comic bleibt sehr eng an Soraya&#8217;s Perspektive. Auch das ist stimmig, nimmt dem Umfeld aber etwas Luft. Der emotionale Kern trägt trotzdem gut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3975" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg" alt="Innenseite 08 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Kein Debattencomic, keine einfachen Antworten</h3>
<p>Was ich an diesem Buch am meisten schätze, ist seine Weigerung, einfache Antworten zu liefern. Gerade darin ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH bemerkenswert. Das Kopftuch erscheint hier nicht als plattes Symbol, das nur in eine Richtung zeigt. Es steht für Zwang, Gefahr und Kontrolle. Zugleich beschreibt Soraya sehr offen, dass sie das Tuch an sich selbst auch schön finden kann, wenn es aus den Kämpfen um Unterdrückung und Selbstbestimmung herausgelöst wäre.</p>
<p>Diese Ambivalenz macht den Comic klüger als vieles, was ich sonst zu diesem Themenfeld sehe und lese. Soraya lässt Widersprüche stehen und vertraut darauf, dass sie sich im orientalischen Erzählen selbst erklären. Dadurch wird aus dem Buch weder ein Lehrstück noch eine politische Parole. Es bleibt eine autobiografische Graphic Novel, die aus der eigenen Erfahrung ihre Kraft zieht.</p>
<p>Als Einzelband steht das Werk sehr geschlossen für sich. Im Vergleich zu FAUST wirkt es wie ein konsequenter nächster Schritt. Weg von der literarischen Bearbeitung, hin zu einer eigenen, sehr persönlichen Form des Erzählens.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3976" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg" alt="Innenseite 09 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Gesichter, Hände, Blicke</h3>
<p>Zeichnerisch hat mich Soraya ebenfalls überzeugt. Ihr Stil ist farbig, beweglich und deutlich handgemacht. Ihr ist der präzise Ausdruck von Gefühlen in Gesichtern besonders wichtig ist. Genau das sieht man den Seiten an. Die Figuren sind leicht vereinfacht, aber nie leer. Ich kann an einem Blick ablesen, ob Roya neugierig, überfordert, trotzig oder kurz vor der Panik ist.</p>
<p>Auch die Körpersprache sitzt. Wenn sie sich im Bus klein macht oder sich an einer Stange festklammert, trägt die Haltung schon die halbe Szene. Dazu kommen Räume, die klar lesbar bleiben, ohne geschniegelt zu wirken. Der Markt, die Haltestelle, das Restaurant, der Businnenraum. Alles ist schnell zu erfassen und hat trotzdem Eigenleben. Gerade die Busseiten zeigen, wie gut Soraya Bildrhythmus beherrscht. Enge Panels, Stangen, Blickachsen und Wiederholungen erzeugen dort fast körperlich spürbare Beklemmung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3977" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg" alt="Innenseite 10 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Farbe gegen das reine Grau</h3>
<p>Auch die Farbe spielt eine große Rolle. Soraya beschreibt ihren Stil selbst als farbenfroh. Ja, das passt. Nur arbeitet sie nie mit greller Lautstärke.</p>
<p>Ich sehe viele weiche Grün, Ocker, Beige und Rosa. Das hält die Erinnerung offen und freundlich, selbst wenn die Situationen kippen. Besonders stark ist das violette Kopftuch der Hauptfigur. Es macht Roya sichtbar, fast wie ein bewegter Marker im Bild und trägt zugleich die ganze Spannung des Buchs in sich. Schönheit und Belastung liegen darin nah beieinander.</p>
<p>Ich mag diese Farbdramaturgie, weil sie dem Comic Leichtigkeit gibt, ohne den Druck der Erzählung &#8230; wegzufärben. WIND IN MEINEM KOPFTUCH wirkt dadurch nie bleischwer. Das Buch bleibt zugänglich, obwohl es von Verlust, Unterdrückung und innerer Unruhe erzählt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3978" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg" alt="Innenseite 11 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein wenig Geschichte</h3>
<p>Für mich gewinnt WIND IN MEINEM KOPFTUCH noch einmal an Tiefe, wenn ich den langen Weg der Frauenrechte im Iran mitdenke. Schon in den 1920er Jahren gab es dort Frauenzeitschriften, Bildungsinitiativen und politische Gruppen, die mehr Mitsprache, besseren Zugang zu Bildung und ein freieres Leben forderten. Diese frühen Bewegungen waren mutig, aber oft klein und verletzlich.</p>
<p>Unter Reza Schah wurden unabhängige Frauenorganisationen in den frühen 1930er Jahren weitgehend ausgeschaltet. 1936 folgte dann das staatlich verordnete Verbot des traditionellen Schleiers. Das klingt auf den ersten Blick modern, war aber ebenfalls ein Eingriff von oben. Frauen sollten nicht selbst entscheiden, ob sie ein Tuch tragen oder nicht. Der Staat griff so schon damals direkt in ihren Alltag und in ihre Körperbilder ein. Fortschritt und Zwang lagen also schon früh dicht nebeneinander.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3979" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg" alt="Innenseite 12 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<p>In den 1960er und 1970er Jahren verbesserten sich die rechtlichen Möglichkeiten vieler Frauen spürbar. 1963 erhielten Frauen das Wahlrecht. Mit dem Familienrecht von 1967 und den Reformen von 1975 wurden Eherecht, Scheidung, Sorgerecht und die Begrenzung von Polygamie neu geregelt. Vieles blieb auch damals ungleich und die Modernisierung kam stark vom Staat her.</p>
<p>Trotzdem waren diese Jahre für viele Frauen ein echter Ausbau von Rechten und Handlungsspielräumen. Gerade dieser Punkt ist wichtig, weil er zeigt, dass die Geschichte nicht geradlinig verläuft. Rechte können wachsen. Sie können aber auch wieder zurückgenommen werden. Genau das geschah nach der Revolution von 1979.</p>
<p>Die Reformen im Familienrecht wurden weitgehend kassiert. Frauen gingen schon im März 1979 dagegen auf die Straße, als neue Kleidervorschriften angekündigt wurden. Wenige Jahre später wurde der Hijab-Zwang gesetzlich fest verankert. Seitdem ist das Tuch im Iran eben nicht nur Kleidung, sondern Teil einer staatlichen Ordnung, die weibliche Präsenz im öffentlichen Raum regelt und kontrolliert.</p>
<p>Trotzdem endet die Geschichte nicht bei der Rücknahme von Rechten. Iranische Frauen haben über Jahrzehnte weiter gekämpft. 2006 sammelte die Kampagne One Million Signatures Unterschriften gegen diskriminierende Gesetze. Sie machte deutlich, dass es nicht nur um Kleidung ging, sondern auch um Ehe, Scheidung, Erbschaft, Vormundschaft und rechtliche Gleichstellung.</p>
<p>Nach dem Tod von Jina Mahsa Amini 2022 bekam dieser Kampf eine neue, weltweite Sichtbarkeit. Die Proteste von Frau, Leben, Freiheit richteten sich gegen den Hijab-Zwang aber auch gegen ein ganzes System der Bevormundung. Aktuelle Berichte der Vereinten Nationen zeigen, dass Frauen und Mädchen im Iran bis heute systematisch benachteiligt werden und der Staat weiter mit Überwachung, Festnahmen und Strafverfahren arbeitet. Gerade deshalb wirkt Soraya&#8217;s Comic so stark. Er erzählt diese Geschichte nicht als Lehrstunde, sondern als gelebte Spannung zwischen Sehnsucht, Zugehörigkeit und Kontrolle.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3980" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg" alt="Innenseite 13 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Für mich ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH ein sehr schönes, sehr kluges und sehr ehrliches Buch. Ich habe selten einen Comic gelesen, der so unaufgeregt von Zugehörigkeit erzählt und dabei so präzise bleibt.</p>
<p>Ein paar Figuren am Rand hätte ich gerne näher kennengelernt. Mein Eindruck bleibt trotzdem stark. Roya Soraya verbindet persönliche Erinnerung, politische Wirklichkeit und zeichnerische Wärme zu einem Band, der länger nachhallt. Genau solche Comics bleiben.</p>
<p>Wer noch ein Wenig mehr erfahren möchte, kann gerne einen Blick auf <a href="https://comic-denkblase.de/wind-in-meinem-kopftuch" target="_blank" rel="nofollow noopener">den lesenswerten Beitrag</a> meines Kollegen Alex Jakubowski werfen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3971" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg" alt="Cover von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="300" height="421" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-600x843.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover.jpg 712w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>WIND IN MEINEM KOPFTUCH</li>
<li>Roya Soraya</li>
<li>Hardcover | 192 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-01590-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/wind-meinem-kopftuch/978-3-551-01590-7" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
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		<title>TEBORI &#8211; Unter der Haut beginnt die Geschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 05:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Cross Cult Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[José Manuel Robledo]]></category>
		<category><![CDATA[Marcial Toledano]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Manchmal wirkt ein Comic erst nur wie ein schneller Thriller, bis man merkt, dass er eigentlich ein Handwerk porträtiert. Und manchmal ist es umgekehrt. TEBORI BAND 1 erzählt von Tattoos, von Schuld und von einer Jugend, die &#8211; wie so häufig &#8211; zu früh in eine falsche Richtung abbiegt. Der Band ist im Deutschen bei [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal wirkt ein Comic erst nur wie ein schneller Thriller, bis man merkt, dass er eigentlich ein Handwerk porträtiert. Und manchmal ist es umgekehrt. TEBORI BAND 1 erzählt von Tattoos, von Schuld und von einer Jugend, die &#8211; wie so häufig &#8211; zu früh in eine falsche Richtung abbiegt. Der Band ist im Deutschen bei Cross Cult als großformatiges Hardcover mit 72 Seiten erschienen und bringt neben der eigentlichen Geschichte auch redaktionelles Zusatzmaterial mit. Leider ist er laut Homepage inzwischen verlagsvergriffen &#8211; was mich jedoch nicht davon abhält, diesem großartigen Werk hier einen Beitrag zu widmen, weil er auf gut sortierten Comic-Börsen immer noch zu finden sein dürfte.<span id="more-3288"></span></p>
<p>Was mich an diesem Auftakt der abgeschlossenen Reihe reizt, ist der narrative Tonfall. Die Autoren, José Manuel Robledo und Marcial Toledano gehen mit mir nicht auf eine exotische Postkartenreise. Sie setzen Japan mit seinen Traditionen zwar als exotische Bühne, aber sie erzählen von sehr menschlichen Dingen. Jemand will neu anfangen und jemand anderes nutzt genau das aus. Dazwischen steht ein Ladengeschäft, das nach Tinte riecht und nach Regeln funktioniert, die älter sind als jede Ausrede dafür, etwas nicht zu tun.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3280" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-01_1000X758.jpg" alt="Innenseite 1 von TEBORI Band 1" width="758" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-01_1000X758.jpg 758w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-01_1000X758-300x396.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-01_1000X758-750x989.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-01_1000X758-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-01_1000X758-600x792.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px" /></p>
<h3>Motorenlärm und Wut im Bauch</h3>
<p>Die Ausgangslage ist zunächst klassisch. Ein junger Rebell bekommt eine letzte Chance. Natürlich kippt das Ganze. Plötzlich hat jede Linie auf einem Stück Haut eine Bedeutung. Und plötzlich ist ein Tattoo nicht mehr nur Körperschmuck, sondern Beweisstück, Drohung und Mythos zugleich. Yoshi ist zu Beginn der Geschichte kein Held. Er ist ein Teenager, der sich an eine Bande klammert, weil dort Zugehörigkeit und so etwas wie Familiengefühl billig zu haben ist. Er fährt Motorrad, sucht Streit und sammelt schlechte Entscheidungen.</p>
<p>Sein persönliches Umfeld kennt ihn längst als einen Problemfall. Seine Familie sieht, dass es so nicht weitergeht. Also landet Yoshi nicht vor Gericht, sondern bei Seijun. Seijun ist ein hochangesehener Tätowierer und führt ein Studio, das auf Disziplin setzt, auf Routine und damit alles besitzt, um einen jungen Mann &#8222;auf den Pfad der Tugend&#8220; zurückzuversetzen.</p>
<p>Der Wechsel wirkt auf Yoshi brutal. Aus Lärm wird Stille, aus Übermut wird Wiederholung. Er lernt, was Hände können, wenn sie nicht zuschlagen, sondern arbeiten. Er entdeckt ein Talent in sich, das ihn selbst überrascht. Genau hier baut der Band eine seiner besten Spannungen auf. Yoshi will wieder dazugehören, diesmal jedoch wirklich. Das Handwerk bietet ihm einerseits einen eigenen Weg, andererseits bleibt in ihm etwas Unruhiges.</p>
<p>Seijun&#8217;s Laden hat zudem eine zweite Ebene, im wörtlichen Sinn. Unten läuft das, was man sich unter einem Tattoo Studio vorstellt. Oben passiert jedoch das, was niemand sehen soll. Der Comic streut diese Ahnung früh ein. Ich mag das, weil es nicht mit einem Holzhammer kommt. Ich spüre die Geheimnisse, lange bevor ich sie benennen kann.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3281" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-02_1000X758.jpg" alt="Innenseite 2 von TEBORI Band 1" width="758" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-02_1000X758.jpg 758w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-02_1000X758-300x396.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-02_1000X758-750x989.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-02_1000X758-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-02_1000X758-600x792.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px" /></p>
<h3>Der zweite Stock und ein Rücken voller Unheil</h3>
<p>Dann macht die Geschichte einen Sprung. Zehn Jahre sind vergangen, ohne dass der Band daraus ein großes Drama macht. Yoshi ist inzwischen in seinem Handwerk bewandert. Er beherrscht sogar die traditionelle <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Tebori" target="_blank" rel="nofollow noopener">Tebori</a>-Technik. Genau in diesem Moment zieht Seijun die letzte Abdeckung fort, denn seine wahren Kunden sind japanische Mafiosi: Yakuza. Und jede Tätowierung beinhaltet eine konkrete Bedeutung. Sie hängt mit den Taten ihrer Träger zusammen, Taten, die niemand laut ausspricht.</p>
<p>Der Band führt Takeshi Mitsumune als Kunden ein. Sein Rücken zeigt eine seltsame Kreatur. Dieses Motiv hängt wie ein dunkler Schatten über allem und jedem. Das Tattoo fühlt sich an wie ein Vorzeichen. Gleichzeitig bleibt es greifbar, weil es an Menschen gebunden ist, nicht nur an abstrakte Bedrohungen. Yoshi steht vor einem Dilemma, das ihm keiner abnimmt. Er kann den Auftrag verweigern und damit sein neues Leben riskieren. Oder er kann ihn annehmen und in eine Welt hinübergleiten, die nur nach außen durchgestylt wirkt, innerlich jedoch brutal ist.</p>
<p>Der Auftakt der Reihe endet nicht mit einem abgeschlossenen Fall, sondern mit einem Cliffhanger. Fragen bleiben offen, Beziehungen sind nur angedeutet. Der Band will nicht schon alles ausspielen. Er legt Fäden, die später straffgezogen werden. Wer beim Lesen gern das Gefühl hat, dass ein größerer Plan existiert, bekommt ihn hier bereits angedeutet.</p>
<h3 data-start="4303" data-end="4344">Figuren aus Fleisch, nicht aus Mythos</h3>
<p data-start="4346" data-end="4717">Am stärksten wirkt TEBORI BAND 1, wenn er seine Figuren nicht erklärt, sondern sie handeln lässt. Show don&#8217;t tell. Yoshi sucht Anerkennung. Er findet sie zuerst bei den Falschen. Danach sucht er sie bei Seijun und lernt, dass Anerkennung verdient sein will. Dieses Motiv macht ihn zugänglich. Es macht ihn auch gefährdet, denn wer sich seine Zugehörigkeit verdienen will, lässt sich leichter binden.</p>
<p data-start="4719" data-end="5061">Seijun selbst bleibt bewusst ambivalent. Er ist Mentor und Gatekeeper. Er schützt Yoshi und benutzt ihn zugleich. Der Comic zeigt das in seinen Gesten. Ein Lob kommt selten, ein Auftrag plötzlich. Ein Blick nach oben auf die zweite Ebene sagt mehr als eine Drohung. Das ist gutes Erzählen, weil es die Machtverhältnisse im Raum hält.</p>
<p data-start="5063" data-end="5334">Auch die Yakuza Figuren wirken nicht wie Karikaturen. Takeshi ist kein reiner Bösewicht. Er wirkt wie jemand, der selbst in seinem eigenen Körper eine Geschichte trägt. Genau deshalb bekommt das Tattoo-Motiv eine solche Präsenz. Das Bild auf seinem Rücken ist nicht nur schön, sondern auch eine Last.</p>
<p data-start="5336" data-end="5584">Robledo nutzt zudem den Kontrast zwischen Außenwelt und Innenwelt. Außen steht eine moderne Großstadt, innen herrscht das Ritual. Dieser Widerspruch treibt die Spannung, weil er Yoshi&#8217;s neue Identität ständig testet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3282" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-03_1000X758.jpg" alt="Innenseite 3 von TEBORI Band 1" width="758" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-03_1000X758.jpg 758w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-03_1000X758-300x396.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-03_1000X758-750x989.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-03_1000X758-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-03_1000X758-600x792.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px" /></p>
<h3>Wenn Handwerk zur Falle wird</h3>
<p>Das stärkste Element von TEBORI BAND 1 ist für mich die Verbindung aus Arbeitsschritten und Gefahr. Der Comic zeigt das Tätowieren nicht als cooles Accessoire, sondern als Prozess aus  Konzentration, Schmerz, Nähe und Vertrauen. Und genau diese Nähe macht die Geschichte so unangenehm spannend. Wer dir seine Haut öffnet, bekommt etwas von dir. Wer dir die Haut öffnet, kann dich auch besitzen.</p>
<p>Robledo nutzt dieses Setting, um zwei Erzählrichtungen gegeneinander zu schneiden. Auf der einen Seite steht Yoshi, der sich aus Gewalt lösen will. Auf der anderen Seite steht eine Unterwelt, die Gewalt als Geschäft und Mittel zum Zweck versteht. Das Studio wird zur Schnittstelle zwischen den Welten. Dort treffen Tradition und Moderne aufeinander, dort prallen Ehre, Geld und Angst zusammen.</p>
<p>Clever finde ich auch, wie der Band mit zeitlichen Aspekten arbeitet. Der Sprung über zehn Jahre wirkt nicht wie eine Abkürzung. Er wirkt wie ein Kommentar. Ich sehe, dass Lernen Zeit braucht. Ich sehe auch, dass Vergangenheit zäh bleiben kann. Und ich merke, dass ein neues Können nicht automatisch ein neues Leben bedeutet.</p>
<p>Dazu kommt ein Ton, der gelegentlich in Richtung des Unheimlichen kippt. Das Motiv der Kreatur auf Takeshi&#8217;s Rücken öffnet eine Tür zu Mythos und Vorzeichen. Der Comic bleibt dabei in einer Schwebe. Er verspricht nicht sofort Magie als Erklärung, stattdessen nutzt er das Fantastische als die wabernde Gefahr im Hintergrund. Das passt, weil Tattoos selbst auch immer Erzählungen sind, die man glauben oder anzweifeln kann.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3283" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-04_1000X758.jpg" alt="Innenseite 4 von TEBORI Band 1" width="758" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-04_1000X758.jpg 758w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-04_1000X758-300x396.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-04_1000X758-750x989.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-04_1000X758-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-04_1000X758-600x792.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px" /></p>
<h3>Farben wie Neon auf nasser Straße</h3>
<p>Marcial Toledano&#8217;s Zeichnungen wirken auf den ersten Blick glatt. Klare Linien, saubere Flächen, leicht mangaesk. Dann sehe ich, wie viel Arbeit in den Details steckt. Gesichter tragen Nuancen, Körperhaltungen erzählen Stimmungen. Besonders bei Tattoos zeigt Toledano viel Geduld. Die Motive sitzen nicht einfach auf der Haut. Sie wirken eingebettet, als hätten sie selbst Gewicht.</p>
<p>Die Farbgebung spielt dabei eine eigene Hauptrolle. Der Band setzt auf starke Kontraste und auf eine Palette, welche die Szenen emotional codiert. Gelb und Blau tauchen als dominante Pole auf. Das ergibt einen Look, der modern wirkt und trotzdem nicht steril bleibt. Ich hatte mehrfach das Gefühl, dass die Farben den Puls der Seite steuern. Sie beruhigen, sie treiben, sie warnen.</p>
<p>Spannend ist auch die Mischform der Erzählweise. Der Band liest sich dynamisch, teilweise mit einer Rhythmik, die an Manga erinnert. Gleichzeitig bleibt die Gestaltung klar im frankobelgischen Album verankert: mangaeskes Coming-of-Age trifft frankobelgische Ästhetik. Genau diese Kombination macht das Buch zugänglich für unterschiedliche Lesegewohnheiten.</p>
<p>Dass Cross Cult der deutschen Ausgabe Zusatzseiten mitgibt, passt ins Konzept. Der Band will nicht nur unterhalten. Er will auch zeigen, wie stark Recherche und Design zusammenarbeiten.</p>
<h3>Das Duo hinter dem Thriller</h3>
<p>José Manuel Robledo und Marcial Toledano arbeiten seit Jahren als Team. Beide haben an der Universidad Complutense in Madrid Bildende Kunst studiert und sich dort Anfang der 2000er kennengelernt. Von Anfang an scheint sie das gleiche Interesse zu verbinden, wie Spannung, klare Figuren oder ein Sinn für popkulturelle Dynamik. Dies wird ihr Markenzeichen: Sie bauen Spannung über Figuren und über Geheimnisse.</p>
<p>Ihr bekanntestes gemeinsames Projekt vor TEBORI BAND 1 ist <a href="https://www.europecomics.com/album/1-rock/" target="_blank" rel="nofollow noopener">KEN GAMES</a>. Die Serie startete bei Dargaud und machte sie im frankobelgischen Raum bekannt. Für KEN GAMES erhielten sie zudem eine Nominierung beim Barcelona International Comics Festival. Interessant ist, dass beide später auch an <a href="https://www.europecomics.com/album/cityzen/" target="_blank" rel="nofollow noopener">CITYZEN</a> beteiligt waren, einem Projekt, das andere Autorinnen und Autoren mit einbindet. Das zeigt eine Offenheit für kollaboratives Erzählen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3284" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-05_1000X758.jpg" alt="Innenseite 5 von TEBORI Band 1" width="758" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-05_1000X758.jpg 758w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-05_1000X758-300x396.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-05_1000X758-750x989.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-05_1000X758-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-05_1000X758-600x792.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px" /></p>
<h3>Tebori und Tattoo Tabu</h3>
<p>Der Begriff Tebori meint traditionelles Tätowieren per Hand, ohne Maschine. Tätowierer arbeiten dabei mit einem Werkzeug, das Nadeln bündelt und die Farbe rhythmisch in die Haut sticht. Das klingt technisch, ist jedoch auch kulturell aufgeladen, weil in Japan Tätowierungen lange zwischen Kunst, Stigma und Verbot pendelten. Auch heute sind sie außerhalb gewisser Kreise nicht gerne gesehen.</p>
<p>Historisch gilt, dass die japanische Regierung im Zuge der Meiji Modernisierung dekoratives Tätowieren 1872 verbot. Das Verbot drängte die Praxis in den Untergrund. Erst 1948 wurde es unter dem Einfluss der amerikanischen Besatzung wieder aufgehoben.</p>
<p>Trotz Legalisierung blieb ein Stigma. Viele öffentliche Bäder und Onsen verweigern bis heute Menschen mit Tattoos den Zutritt. Der Grund ist weniger Gesetz als soziale Codierung. Tattoos wurden im 20. Jahrhundert stark mit organisierter Kriminalität verbunden, besonders mit der japanischen Mafia, den Yakuza.</p>
<p>Genau in dieses Spannungsfeld stößt der Comic hinein. Er nutzt die Welt der Tattoos nicht nur als Kulisse. Er macht sie zum Konfliktkern. In einer Welt, in der ein Tattoo zugleich Meisterschaft und Makel sein kann, bekommt jede Nadelbewegung eine zweite Bedeutung. Das macht den Reiz von TEBORI BAND 1 aus. Der Comic erzählt oberflächlich über Körper, aber er meint auch die Gesellschaft darunter.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3285" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-06_1000X758.jpg" alt="Innenseite 6 von TEBORI Band 1" width="758" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-06_1000X758.jpg 758w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-06_1000X758-300x396.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-06_1000X758-750x989.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-06_1000X758-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_INNENSEITE-06_1000X758-600x792.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 758px) 100vw, 758px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>TEBORI BAND 1 ist ein Auftakt, der bewusst nicht alles auspackt. Er setzt lieber auf Atmosphäre, auf Figurenentwicklung und auf eine Bedrohung, die erst langsam ihre Konturen zeigt. Wer einen abgeschlossenen Krimi erwartet, wird das offene Ende spüren. Wer dagegen Lust auf einen Thriller hat, der sein Milieu ernst nimmt und dabei visuell intensiv bleibt, bekommt hier einen sehr stimmigen Einstieg.</p>
<p>Ich mag besonders, wie organisch das Tattoo-Handwerk in die Spannung hineinwächst. Nichts wirkt wie Dekoration, alles wirkt wie Konsequenz. Und wenn am Ende offene Fragen bleiben, dann nicht, weil der Band schlampig wäre. Sondern weil er dich genau dort haben will, wo Yoshi steht. Einen Schritt vor der Tür, die man besser nicht öffnet.</p>
<p>Ein Kritikpunkt für mich ist, dass die Folgebände mit jeweils nur 48 Seiten erheblich dünner sind, als der Auftakt-Band.</p>
<p>P.S. Leider war kein deutschsprachiges Bildmaterial (mehr) zu bekommen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3279" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_COVER_1000X749-300x401.jpg" alt="Cover von TEBORI Band 1" width="300" height="401" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_COVER_1000X749-300x401.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_COVER_1000X749-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_COVER_1000X749-600x801.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/02/TEBORI_01_COVER_1000X749.jpg 749w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>TEBORI Band 1</li>
<li>José Manuel Robledo und Marcial Toledano</li>
<li>Hardcover | 72 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span class="isbn">978-3-96658-354-1</span></li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.cross-cult.de/produkte/details/tebori-1/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Cross Cult Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
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<p style="text-align: center;"><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/diesen-beitrag-kopieren-nur-entwurf-speichern-3/">TEBORI – Unter der Haut beginnt die Geschichte</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>HIMMELBLAU &#8211; Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/04/himmelblau-wenn-gesundung-nicht-geradeaus-laeuft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Apr 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Jaja Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Pandora Magri]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt Comics, die schon mit ihren ersten Panels klar machen, dass sie nicht beeindrucken wollen, sondern berühren. HIMMELBLAU gehört für mich in diese Kategorie. Das Format ist schmal, die Bildsprache wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich, beinahe zart. Und doch steckt in diesem Buch ein Stoff, der sich Dir schwer auf die [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Comics, die schon mit ihren ersten Panels klar machen, dass sie nicht beeindrucken wollen, sondern berühren. HIMMELBLAU gehört für mich in diese Kategorie. Das Format ist schmal, die Bildsprache wirkt auf den ersten Blick weich und freundlich, beinahe zart. Und doch steckt in diesem Buch ein Stoff, der sich Dir schwer auf die Brust legen kann.</p>
<p>Pandora Magri erzählt mit diesem Werk keine spektakuläre Flucht aus einer Gewaltsituation. Sie erzählt das &#8222;Danach&#8220;. Und genau darin liegt der Reiz ihres Debüts.<span id="more-3552"></span></p>
<p>Mich hat sofort angesprochen, dass hier nicht das reißerische Schockbild gesucht wird. Das kennen wir links-wie-rechts zur Genüge und die Latte für den weiteren Kick liegt inzwischen sehr, sehr hoch. Stattdessen rückt der Comic den mühsamen Alltag nach der Gewaltsituation in den Mittelpunkt seiner Erzählung. Jene Phase also, in der äußerlich vielleicht schon alles vorbei zu sein scheint, innerlich aber noch gar nichts vorbei ist.</p>
<p>Diese Entscheidung ist &#8211; nun ja, &#8222;erfrischend&#8220; wäre vielleicht das falsche Wort, aber zumindest &#8222;anders&#8220;. Gerade weil HIMMELBLAU nicht auf Sensation setzt, zieht das Buch seine Stärke aus den kleinen Momenten, aus Unsicherheiten, Rückfällen, Selbstzweifeln und den kleinen Schritten zurück ins eigene Leben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3560" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-05-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Aus einer Abschlussarbeit wird ein Buch</h3>
<p>Der Hintergrund dieses Comics ist dabei fast so bemerkenswert wie sein Thema. Pandora Magri, Jahrgang 1999, hat Objekt- und Raumdesign in Münster und Dortmund studiert. Sie entwickelt HIMMELBLAU als autofiktionale Masterarbeit an der Münster School of Design. Die Hochschule beschreibt diesen Comic ausdrücklich als Arbeit über den Heilungsprozess nach häuslicher Gewalt.</p>
<p>Ein Jahr später wurde daraus nicht nur ein Verlagsbuch beim Berliner Jaja Verlag, sondern vielmehr auch die &#8211; <a href="https://www.fh-muenster.de/de/ueber-uns/newsroom/news/msd/himmelblau-erscheint-im-jaja-verlag" target="_blank" rel="nofollow noopener">als beste des Semesters</a>  &#8211; ausgezeichnete Arbeit im Abschlussjahrgang der Fachhochschule Münster. Dazu kam 2026 die <a href="https://www.leibinger-stiftung.de/preise-und-ausschreibungen/cbp/2026-preistrager-und-finalisten" target="_blank" rel="nofollow noopener">Platzierung unter den Finalisten beim Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung</a>. Chapeau, für ein Debütwerk ist das ein ziemlich starkes Signal!</p>
<p>Ihre Perspektive ist keine bloße Erfindung aus sicherer Distanz. Sie kommt offensichtlich aus einer im Verborgenen erlebten Erfahrung heraus, die das visuell-erzählerische Comic-Format als narratives Werkzeug bewusst gewählt hat. Das Bundeskriminalamt (BKA) erfasste für 2024 in Deutschland 265.942 Opfer häuslicher Gewalt. Das Bundesfamilienministerium und das BKA betonen außerdem, dass das Dunkelfeld hoch bleibt. HIMMELBLAU vermittelt folglich eine Realität, die wir in unserem Alltag kaum oder gar nicht sehen.</p>
<p>Dass der Verlag pro verkauftem Exemplar einen Euro an den Frauen-Notruf Münster geben will, macht aus dem Comic auch ein Hilfsprojekt, zeigt aber in erster Linie, dass er seinen Stoff nicht nur narrativ nutzt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3561" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 08 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-08-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Poppy lebt weiter, aber nichts ist einfach wieder normal</h3>
<p>Im Zentrum der Geschichte steht die 25-jährige Poppy. Sechs Monate nach dem Ende einer langjährigen Gewaltsituation versucht sie, in einem neuen Leben Fuß zu fassen. Das klingt in der Kurzbeschreibung beinahe (zu) schlicht. Gerade diese Schlichtheit ist aber der Punkt.</p>
<p>Poppy geht auf keine Heldenreise, muss nicht erst ein großes Abenteuer bestehen. Vielmehr muss sie ihren Alltag aushalten. Sie muss lernen, dass Freiheit nicht automatisch Leichtigkeit bedeutet. Zwischen Selbstfürsorge und Panikattacken bewegt sie sich durch Tage, die für andere gewöhnlich wären, für sie aber ständige Herausforderungen sind. Das ist eine starke Ausgangslage, weil es keine künstliche Dramatik braucht. Die Dramatik ist längst da, sitzt in Routinen, in Erinnerungen, im eigenen Körper.</p>
<p>Mir gefällt an dieser Prämisse, dass der Comic nicht fragt, ob Poppy „es schafft“, sondern wie Heilung überhaupt aussehen kann, wenn Angst, Wut und Scham sich schon in den Alltag eingenistet haben. Diese Gefühle verschwinden nicht mit einem &#8211; mehr oder weniger bewussten &#8211; Schnitt. Sie bleiben als Mitbewohner zurück! Genau das nimmt HIMMELBLAU ernst.</p>
<p>Der Band beschreibt Poppy&#8217;s Weg dabei nicht als linearen Aus- und Aufstieg, sondern als Wellenbewegung. Mal reitet sie diese Wellen, mal brechen sie über ihr zusammen. Schon dieser Rhythmus wirkt erlebt und daher glaubwürdig. Er widerspricht dem falschen Trost, dass nach dem Verlassen einer Gewaltsituation automatisch Erleichterung einsetzt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3562" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 11 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-11-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Kleine Auslöser, große Nachbeben</h3>
<p>Die zweite wichtige Bewegung der Handlung entsteht aus den kleinen Reibungen der Tage. Poppy bekommt Hilfe von Freundinnen und Freunden, ein Lieblingslied begleitet sie. Sie tastet sich Stück für Stück zurück ins Leben. Gleichzeitig brechen die alten Schrecken immer wieder über sie herein.</p>
<p>Auf den zugänglich gestalteten Seiten sieht das nicht nach pathetischem Rückblenden-Kino aus, sondern nach abrupten Einbrüchen in normale Situationen. Ein Blick hier, ein Geräusch dort, eine Erinnerung und plötzlich kippt die Szene. Genau diese Art von Nachbeben passt zu einem Comic, der posttraumatische Erfahrung nicht erklären, sondern spürbar machen will.</p>
<p>Was ich daran überzeugend und gut finde, ist die Weigerung, Heilung als sauber abschließbaren Prozess zu verkaufen. Poppy begreift am Ende genau das, nämlich dass Heilung nie ganz abgeschlossen ist und Rücksicht auf sich selbst gelernt werden muss. Ein Zurück zum Vorher gibt es nicht.</p>
<p>In Wahrheit steckt darin jedoch eine ziemlich harte Einsicht: wer nur auf das Ende der Gefahr schaut, begreift oft nicht, wie lang das &#8222;Danach&#8220; dauert. Genau hier hat der Band seine eigentliche Stärke. Er macht aus dem Überleben keinen Sieg auf Knopfdruck, sondern einen langsamen, manchmal widersprüchlichen Vorgang.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3563" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22.jpg" alt="Innenseite 22 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-22-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Ein Einzelband, der sich bewusst gegen das Spektakel stellt</h3>
<p>Als Einzeltitel steht HIMMELBLAU für sich. Es gibt keinen Serienballast, keine Vorgängerkenntnisse, kein Worldbuilding. Alles bleibt auf Poppy und ihre inneren Veränderungen konzentriert. In der deutschsprachigen Comiclandschaft liegt hier auch eine eigene Qualität. Das Buch kommt nicht aus der amerikanischen Superhelden-Maschinerie und nicht aus historischer Stoffhudelei. Es kommt aus dem Segment des persönlichen, gesellschaftlich wachen Indie-Comics und verbindet autobiografische Erzählung mit einer visuellen, nahbaren Form.</p>
<p>Genau deshalb wirkt die Entscheidung gegen die direkte Darstellung von Gewaltszenen so stark. Der Comic scheint zu sagen, dass nicht nur die Gewalt hinter verschlossenen Türen unsichtbar ist, sondern auch die Zeit danach. Das ist erzählerisch interessant und neu. Es verschiebt den Blick von der Tat und den Tätern auf die Folgen. Es nimmt der Gewalt die falsche, voyeuristische Aura des dramatischen Ereignisses und zeigt stattdessen, wie sie sich in Wahrnehmung, Selbstbild und Alltag eingräbt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3564" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24.jpg" alt="Innenseite 24 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-24-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Sanfte Linien, harte Zustände</h3>
<p>Zeichnerisch spricht mich an HIMMELBLAU vor allem der Kontrast an. Die Figuren wirken weich, reduziert und ein wenig tierhaft stilisiert ohne wirklich anthropomorph zu sein. Gesichter und Körper sind nicht naturalistisch ausgestaltet. Gerade dadurch entsteht eine Art Offenheit gepaart mit einer gewissen Beliebigkeit, die es mir erleichtert, mich zu identifizieren.</p>
<p>Die Figuren werden lesbar, ohne sich in Realismus möglicherweise abzuschwächen. Dazu kommen klare Panel-Raster und eine ruhige Seitenordnung. Nichts schreit nach künstlerischer Selbstdarstellung, alles ist auf Lesbarkeit, Stimmung und emotionale Führung hin ausgerichtet.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich das Cover-Motiv. Oben steht die Figur unter einem Schirm in kühlem Blau. Unten kippt die Spiegelung in eine pinke Fläche. Schon dieses Bild erzählt von der Spaltung, dem Nachhall und einem Selbst, das sich nicht einfach &#8230; deckt.</p>
<p>Auch die Innenseiten, soweit sichtbar, arbeiten mit simplen Räumen und klaren Bewegungen. Türen, Flure, Straßen, Innenräume sind keine imposanten Schauplätze. Genau deshalb passen sie. Die Bühne des Comics ist der Alltag, das Gewöhnliche und in diesem Alltag werden Mimik, Körperhaltung und kleine Unterbrechungen wichtig.</p>
<p>Ab und zu läuft dieser vereinfachte Stil allerdings Gefahr, die Härte des Themas zu glätten. Ich glaube trotzdem, dass Magri diesen Balanceakt meist bewusst gesucht hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3565" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25.jpg" alt="Innenseite 25 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-25-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Wenn Blau trägt und Pink irritiert</h3>
<p>Die Farbe ist in diesem Werk kein Zusatz, sondern ein zentrales Erzählmittel. Es herrscht eine Spannung zwischen Hellblau und Pink. Hellblau dominiert den Alltag, die Oberfläche, vielleicht auch so etwas wie den Wunsch nach Ruhe. Pink bricht hinein wie ein Störfaktor, mal aggressiv, mal wie eine Erinnerung, die sich über das Bild legt. Diese Zweifarbigkeit hat etwas sehr Direktes und bestimmt den Rhythmus des Buches mit. Hellblau lässt Luft zum Atmen, Pink nimmt sie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3567" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31.jpg" alt="Innenseite 31 von HIMMELBLAU" width="709" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31.jpg 709w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-106x150.jpg 106w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Innenseite-31-600x846.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Gerade weil das Farbsystem so klar ist, dürfte der Comic auch für Leserinnen und Leser funktionieren, die sich sonst selten an autobiografische Graphic Novels wagen. Ich sehe darin eine Stärke.</p>
<p>Mir ist das stellenweise fast einen Tick zu sauber, zu flach koloriert. Aber ich verstehe gut, warum Magri diese Art der Sichtbarkeit will. Bei einem Buch über Nachwirkungen von Gewalt ist Klarheit kein Mangel, sondern vielleicht auch eine Form von Wiedererlangung von Struktur und Selbstwertgefühl. (Und natürlich hat der Student für seine Magisterarbeit auch nicht ewig Zeit, sein Werk mit Schraffuren und Schatten plastisch zu entwickeln.)</p>
<p>Ich halte HIMMELBLAU für ein Buch, das sehr genau weiß, worauf es schaut. Nicht auf den lauten Schock, nicht auf das spektakuläre Elend. Sondern auf den müden, tapferen, oft unsichtbaren Alltag nach der Gewalt. Genau daraus zieht Pandora Magri ihre stärksten Seiten. Die klare Form, die lesbare Zeichnung und die entschiedene Farbdramaturgie machen das Thema nicht einfacher. Sie machen es für mich fassbar, verstehbar. Die emotionale Lesart bleibt jederzeit zugänglich.</p>
<p>Insgesamt wirkt dieses Debüt auf mich aber klug, warmherzig und konzentriert. Eine klare Empfehlung für alle, die neben dem üblichen Comic-Einerlei etwas Besonderes lesen möchten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3559" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-300x431.jpg" alt="Cover von HIMMELBLAU" width="300" height="431" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-300x431.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-104x150.jpg 104w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover-600x862.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HIMMELBLAU_Cover.jpg 696w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>HIMMELBLAU</li>
<li>Pandora Magri</li>
<li>Klappenbrochure | 88 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-948904-79-1</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★☆☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.jajaverlag.com/himmelblau/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jaja Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/04/himmelblau-wenn-gesundung-nicht-geradeaus-laeuft/">HIMMELBLAU – Wenn Gesundung nicht geradeaus läuft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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