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	<title>Rezension - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>Rezension - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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		<title>WYOMING, 1863 liegt am Rande der bekannten Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jul 2026 05:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wyoming im Jahre 1863. Das klingt erst einmal nach Wildem Western pur, nach weitem Himmel, heißem Kaffee, Pferdeschweiß und einem Revolver, der locker im Holster sitzt. Auch die Jahreszahl macht den Schauplatz um Einiges spannender, als es der erste Blick verrät. 1863 ist Wyoming noch kein Bundesstaat der USA, noch nicht einmal das Wyoming Territorium [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wyoming im Jahre 1863. Das klingt erst einmal nach Wildem Western pur, nach weitem Himmel, heißem Kaffee, Pferdeschweiß und einem Revolver, der locker im Holster sitzt.</p>
<p>Auch die Jahreszahl macht den Schauplatz um Einiges spannender, als es der erste Blick verrät. 1863 ist Wyoming noch kein Bundesstaat der USA, noch nicht einmal das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wyoming-Territorium" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wyoming Territorium</a> existiert. Auf der Karte liegt dieser Landstrich zwischen allen Zuständigkeiten, innerhalb vielen Interessen und mitten im Zentrum rauer Gewalt. Und genau hierhin &#8211; in diese Wildnis &#8211; versetzen mich Fabrizio des Dorides und Jean-François di Giorgio.</p>
<p><span id="more-4288"></span></p>
<p>Ich mag Western besonders, wenn sie nicht so tun, als sei der Wilde Westen ein großer Abenteuerspielplatz gewesen. Darum mochte ich schon zwei andere Alben aus dem Splitter Verlag: <a title="Ein Mann geht seinen Weg BIS ZUM BITTEREN ENDE" href="https://panelwalker.de/2026/02/ein-mann-geht-seinen-weg-bis-zum-bitteren-ende/" target="_blank" rel="noopener">BIS ZUM BITTEREN ENDE</a> und <a title="Ein Rat an alle Gauner – LEAVE THEM ALONE" href="https://panelwalker.de/2026/06/ein-rat-an-alle-gauner-leave-them-alone/" target="_blank" rel="noopener">LEAVE THEM ALONE</a>. Der wahre Westen war ein Versprechen auf Freiheit und Möglichkeiten. Aber er war auch ein Ort, an dem dieses Versprechen sehr schnell blutig werden konnte.</p>
<h3>Ein Land im Umbruch</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fort_Laramie" target="_blank" rel="nofollow noopener">Fort Laramie</a> war in jener Zeit ein Knotenpunkt für Trecks, Soldaten, Händler aller Art, für Glückssucher und jene Menschen, denen dieses Land längst ohne eine Besitzurkunde gehörte. Im Osten tobte noch ein grausamer Bürgerkrieg und in den Schlachten von Gettysburg und Vicksburg starben Tausende. Aber auch hier waren die Tage roh, unsicher und voller kleiner Kriege um Besitz, Wasser und Nutztiere.</p>
<p>WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN nutzt genau dieses Szenario. Jean-François di Giorgio erzählt mir keinen gemütlichen Lagerfeuerwestern. Er stellt die Lebenslinien von drei Personen gegeneinander und lässt sie aufeinander zurasen. Dazu zeichnet Fabrizio des Dorides keinen hübschen Buffalo-Bill-Postkartenwestern. Seine Bilder sehen nach Staub aus, riechen nach Schweiß, Holz und Leder und natürlich nach Pulverdampf. Schon nach wenigen Seiten ist mir klar, dass dieser Band nicht lange fackelt. Er zieht die Colts und hält drauf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4295" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-03_1000X715.jpg" alt="Innenseite 03 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-03_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-03_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-03_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="(max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Grenzland vor dem Sheriffstern</h3>
<p>Der vorhin genannte, historische Hintergrund bleibt im Comic aber eher Kulisse. Di Giorgio erklärt nicht lange, warum dieses Land gefährlich ist. Er zeigt es mir.</p>
<p>Farmen wirken wie kleine Lichtungen im großen Meer der Gräser und Wälder. Wege sind keine sicheren Verbindungen, sondern riskante Reiserouten, während Häuser zwar Schutz bieten, aber auch exponierte Ziele sind. Denn wer Besitz hat, braucht Waffen, um es zu verteidigen. Wer nichts hat, greift erst recht nach dem, was anderen gehört.</p>
<p>1863 steckt der amerikanische Westen zwischen militärischer Ordnung, Expansion und privater Gewalt. Der Comic interessiert sich mehr für die alltäglichen Folgen daraus als für große Namen. Ein Überfall kann Familien verändern, ein Geheimnis Beziehungen vergiften und ein alter Hass schmerzt weiter wie ein schlecht verheilter Knochenbruch beim Reiten.</p>
<p>Gerade deshalb funktioniert der Titel so gut. Fünf Tage klingen wenig. Aber im Western reichen fünf Tage aus, um in einem Leben eine Trümmerlandschaft zu hinterlassen. Der Band spielt mit dieser Verdichtung. Er erzählt nicht hastig, aber kompakt. Beim Lesen hatte ich stets das Gefühl, dass irgendeine Figur immer zu spät kommt, zu spät für Frieden, zu spät für Vernunft, zu spät für einen Ausweg ohne Blut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4296" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-04_1000X715.jpg" alt="Innenseite 04 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-04_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-04_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-04_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="(max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Drei Spuren im Sand</h3>
<p>Die Handlung beginnt mit Diego, dem mexikanischen Desperado. Er führt eine Bande von Pferdedieben an, die sich auf die Creek Ranch stürzen will. Es geht um Beute und um Macht. Doch bei Diego und seinen Kumpanen bleibt es nicht beim einfachen Räuberstück. Ihre Gewalt wirkt schnell größer als ihr Plan.</p>
<p>Das macht den Band bereits auf den ersten Seiten brutal, denn bei all&#8216; ihren Raubzügen lassen sie keine Zeugen zurück. Frauen leiden besonders. Nicht jede Grausamkeit fällt sofort gleich schwer ins Gewicht. Der Auftakt setzt hier aber stark auf Schock, Tempo und Bedrohung. Die seelische Tiefe der Täter bleibt vorerst dünner als die Wucht ihrer Auftritte.</p>
<p>Als nächstes lerne ich Emma Bridges kennen. Sie ist keine geborene Heldin aus dem Bilderbuch, obwohl sie sich zu behaupten weiß &#8211; mit Worten und Revolvern. Sie ist eine Frau, der das Schlimmste widerfahren ist, was es in dieser menschenleeren Weite gibt: ihre beiden Töchter wurden entführt. Dieser Verlust treibt sie an, nicht als edle Mission, sondern als Wunde, die nicht mehr aufhört zu bluten. Emma bewegt sich durch diesen Comic mit einer Mischung aus Erschöpfung, Härte und blindem Ziel. Sie will ihre Kinder zurück. Und sie ist bereit, dafür weit, sehr weit zu gehen.</p>
<p>Sie begleitet Bill und seiner Verlobte Virginia auf die Creek Ranch, der Ranch ihres Vaters. Er ist jung, bewaffnet und für mich anfangs schwer zu greifen. Wie sich schnell herausstellt, hat Bill mit dem alten Herrn eine Rechnung offen. Welche? Das bleibt in diesem Band ein Geheimnis. Di Giorgio nutzt Bill als Figur der Verzögerung. Ich erfahre genug, um misstrauisch zu werden. Ich erfahre zu wenig, um ihn sicher einzuordnen. Das ist reizvoll, weil der Band dadurch nicht nur nach vorn drängt. Er hält immer wieder kurz an und lässt die eine oder andere Frage auf Nebenschauplätzen spielen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4297" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-05_1000X715.jpg" alt="Innenseite 05 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-05_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-05_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-05_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="(max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Pulverdampf an der Creek Ranch</h3>
<p>Diese drei Spuren also führen zur Creek Ranch. Dort bündelt der Band seine erzählerischen Kräfte. Die Ranch ist ein klassischer Westernort aus einfachem Wohlstand und einer Familie. Aber auch hier liegen Abhängigkeiten und Gewalt eng beieinander. Wer dort eintritt, bringt etwas mit, eine Lüge, eine Rechnung oder eine Waffe. Oder gleich alles zusammen.</p>
<p>Der Reiz der Handlung liegt darin, dass di Giorgio die Figuren nicht einfach nacheinander vorstellt und dann sauber zusammenführt. Er schneidet zwischen ihnen hin und her. Dadurch entsteht Bewegung. Emma sucht, Bill lauert auf die Ausführung seines eigenen Plans und Diego nimmt mit seiner Bande Kurs auf die Ranch. Ich lese das wie ein langsames Zuziehen einer Schlinge. Der Band heißt zwar FÜNF TAGE ZUM STERBEN, aber der eigentliche Motor ist weniger der Kalender als das Gefühl, dass mehrere schlechte Entscheidungen denselben Ort ansteuern.</p>
<p>Dabei verrät der Comic nicht zu viel. Er nutzt Emma als eine klare emotionale Mitte. Bei Bill hält er mich auf Abstand, baut ihn aber deutlich als Gefahr von innen auf. Und bei Diego setzt er auf eine Gefahr von außen. Dieses Ungleichgewicht ist kein Unfall. Es gibt dem Auftakt seine Form. Emma ist der Herzschlag,  Bill das Rätsel und Diego die Bedrohung. Wenn die Gewalt schließlich ausbricht, wirkt das nicht überraschend. Es wirkt dann wie die erlösende Explosion des Kessels, der zu viel Druck aufgebaut hat.</p>
<p>Schwächer finde ich, dass der Band manche Übergänge sehr zügig nimmt. Emma&#8217;s Entwicklung zur tödlichen Suchenden überzeugt emotional, weil der Verlust sehr schwer wiegt. Dennoch hätte ich mir an ein, zwei Stellen etwas mehr Atem gewünscht. Ein Moment, in dem die Figur nicht handelt, sondern die Handlung sie kurz einholt. Der Comic ist stark im Vorwärtsdrang. Gerade deshalb fehlen ihm gelegentlich kleine stille Momente. Aber ja, die Autoren hatte nur 56 Seiten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4298" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-06_1000X715.jpg" alt="Innenseite 06 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-06_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-06_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-06_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Revolver in der Autorenhand</h3>
<p>Jean-François di Giorgio wurde 1961 geboren und arbeitet seit den achtziger Jahren als Szenarist im frankobelgischen Comic. Bekannt wurde er unter anderem durch Reihen wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/samurai-legenden-bd-1-furiko.html" target="_blank" rel="noopener">SAMURAI</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/samurai-legenden-10.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SAMURAI LEGENDEN</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/sensei-bd-1-die-schule-der-einsamen-woelfe.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SENSEÏ</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/shaolin-1-kind-des-schicksals.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SHAOLIN</a>. Sein Werk zeigt eine deutliche Lust an Abenteuerstoffen, an Kämpfern mit Vergangenheit und an langen Erzählbögen. Oft bewegen sich seine Geschichten in historischen bzw. historisch gefärbten Welten. Mit WYOMING, 1863 wechselt er vom fernöstlich geprägten Abenteuer in den amerikanischen Westen, behält aber sein vertrautes Interesse bei. Ihn reizen Figuren, die von Schuld, Loyalität und Gewalt geformt werden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4299" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Keine Heiligen unter weitem Himmel</h3>
<p>Als Western ist WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN ziemlich klassisch gebaut und genau darin recht selbstbewusst. Der Comic erfindet das Genre nicht neu. Er sucht keine ironische Brechung. Er vertraut auf alte Zutaten wie z.B. eine brutale Gansterbande, einen undurchsichtiger Lebemann mit Geheimnis und eine junge, aber selbstbewusste Frau auf der Suche. Rache ist spätestens in der zweiten Hälfte des Bandes ein weiterer narrativer Treibstoff, bei dem Blut den Preis markiert.</p>
<p>Di Giorgio erzählt aus drei Blickwinkeln. Dadurch zerfällt die Welt aber nicht in Gut und Böse. Emma hat das klarste Ziel, aber keinen sauberen Glorienschein um sich. Bill ist interessant, weil ich nicht weiß, wie sich seine Geschichte über die Reihe hin entwickeln wird. Diego ist der schwächste Pol des Trios, weil seine Brutalität im ersten Band noch stärker wirkt als jede innere Logik. Er lebt in einer Welt brutaler Männer und muss sich dort jeden Tag behaupten. Für einen Auftakt reicht das, weil er die Gefahr verkörpert, für die gesamte Reihe muss da später mehr kommen.</p>
<p>Thematisch kreist der Band um Verlust, Vergeltung und die Frage, wie schnell Zivilisation abblättert, wenn ordnende Kräfte fehlen. Besonders gefällt mir, dass der Comic keine falsche Milde in seiner Welt verwendet. Niemand rettet irgendwen durch gutes Zureden. Wenn eine Institution auftritt, tut sie dies mit &#8211; genau &#8211; Verzögerung. Keine Kavallerie kommt im richtigen Monat angeritten. Hilfe ist privat, zufällig oder käuflich. Das passt zu diesem Grenzland.</p>
<p>Der Seitenrhythmus unterstützt diese Härte. Ruhigere Passagen kippen schnell in Aktion. Dialoge bleiben knapp, Blicke übernehmen viel der Arbeit. Der Comic liest sich zügig, aber nicht flach. Er legt Spuren, ohne jede Spur sofort zu erklären. Als erster Band erfüllt er damit seine Aufgabe. Er baut eine Welt auf, stellt die Hauptkräfte vor und endet mit dem deutlichen Gefühl, dass die eigentliche Abrechnung erst begonnen hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4300" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Zeichner mit Staub an den Stiefeln</h3>
<p>Fabrizio des Dorides ist ein italienischer Zeichner und Illustrator. Er arbeitet unter anderem für den italienischen Comicmarkt, u.a. für <a href="https://leagueofcomicgeeks.com/comic/3360637/dylan-dog-382" target="_blank" rel="nofollow noopener">DYLAN DOG</a>, und für französischsprachige Verlage. Zu seinen Arbeitsfeldern zählen realistische Comiczeichnung, Illustration und anatomisches Zeichnen.</p>
<p>Bei WYOMING, 1863 übernimmt er die visuelle Gestaltung einer Westernwelt, die stark von Körpern, Landschaften und Gewalt lebt. Die sehr flexible Panelgestaltung erinnert mich mit ihrem Shots stark an klassische Italo-Western wie Serio Leone&#8217;s <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0064116/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_spiel%20mir%20das%20lied" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD</a> oder <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0060196/?ref_=nm_knf_t_4" target="_blank" rel="nofollow noopener">ZWEI GLORREICHE HALUNKEN</a>.</p>
<p>Die Gesichter sind ausdrucksvoll, ohne zu übertreiben. Das ist wichtig, weil der Band viele harte Momente hat. Zu viel Grimasse hätte alles in Richtung Schund gezogen. Des Dorides bleibt nah an den Figuren, verliert die Umgebung aber nicht aus den Augen. Holzveranden, Zäune, Ställe, Innenräume und weite Außenflächen geben dem Western einen realistischen Anstrich. Ich erlebe diese Orte und halte sie für wahrhaftig. Sie sehen bewohnt aus, oder bedroht, oft auch beides zugleich.</p>
<p>Der Seitenaufbau ist klar. Die Action bleibt lesbar, auch wenn es wild wird. Das ist bei Western-Schießereien nicht selbstverständlich. Seine Panel-Führung könnte tatsächlich dem Buch <a title="THE FILMMAKER’S EYE – Eine Brücke zwischen Film und Comics" href="https://panelwalker.de/2026/02/the-filmmakers-eye-eine-bruecke-zwischen-film-und-comic/" target="_blank" rel="noopener">The Filmaker&#8217;s Eye</a> entnommen sein. Des Dorides setzt auf wechselnde Distanzen. Erst Überblick, dann Körper, dann Gesicht, dann Hand, dann Waffe. So entsteht Tempo, ohne dass ich die Orientierung verliere. Besonders stark sind die Momente, in denen die Panels enger werden. Dann zieht sich der Raum zusammen. Aus der Weite wird eine Falle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4301" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Staub, Holz und Farben des Westens</h3>
<p>Die Kolorierung stammt von Garluk (wer immer das auch ist, denn ich konnte zu diesem Pseudonym leider nichts in Erfahrung bringen). Zeichnung und Farbe prägen aber den rauen Ton des Bandes gemeinsam stärker, als es ein reines Abenteuerlayout leisten könnte.</p>
<p>Garluk&#8217;s Farben verstärken diese Wirkung. Der Band ist nicht einfach braun und staubig. Warme Gelbtöne, trockenes Ocker, schmutzige Schatten und rote Einschläge setzen den Ton. Das Licht fühlt sich oft hart an. Es schmeichelt den Figuren nicht. In Gewaltszenen werden die Farben dichter, ohne alles im Effekt zu ertränken. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Kolorierung die Hitze und Trockenheit des Landes mitbringt. Sie macht den Westen nicht romantisch, sondern verwundend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4302" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Weg führt zum Galgenbaum</h3>
<p>Der Serienkontext ist wichtig, weil dieser erste Band offensichtlich nicht alles abschließt. Splitter führt die deutsche Ausgabe als ersten Band einer Reihe. In Frankreich liegt mit L&#8217;ARBRE AU PENDU bereits die Fortsetzung vor, die als deutsche Ausgabe unter <a href="https://www.splitter-verlag.de/wyoming-1863-2.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER BAUM DES GEHÄNGTEN</a> angekündigt ist. Das beruhigt, denn WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN setzt viele Fährten.</p>
<p>Als Auftakt funktioniert der Band gut.Tatsächlich verstehe ich den Aufbau aber nicht ganz. Die erste Seite wäre als Cliffhanger genial, als Einstieg, der sich am Ende des Bandes aber (noch) nicht auflöst, weckt sie Erwartungen und enttäuscht mich. Keine gute Anbindung an die Leserschaft.</p>
<p>Er gibt genug Handlung, um nicht wie ein bloßer Prolog-Band zu wirken. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen. Welche Rache genau trägt Bill mit sich herum? Wird Emma ihre Töchter finden? Wird Diego mehr als nur der brutale Auslöser einer Kette von Katastrophen sein? Diese Fragen hängen nach der Lektüre immer noch in der Luft und ziehen mich weiter &#8218;gen Westen.</p>
<p>Ich wünsche mir darüber hinaus für die Fortsetzung, dass die Figuren noch mehr Innenleben bekommen. Die Bühne steht, das Level an Gewalt ist vorgegeben, die Zeichnungen tragen die Story. Jetzt darf die Geschichte tiefer in ihre Protagonisten eindringen. Emma hat dafür das stärkste Fundament, Bill bietet das größte Rätsel und Diego braucht die deutlichste Nachschärfung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4303" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4335" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NOT-approved-by-the-comic-code-authority-300x230.png" alt="COMIC CODE AUTHORITY STAMP - NOT APPROVED" width="300" height="230" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NOT-approved-by-the-comic-code-authority-300x230.png 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NOT-approved-by-the-comic-code-authority.png 485w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN ist ein harter, sehr ansprechend gezeichneter, nicht wirklich jugendfreier Western-Auftakt mit viel Tempo und viel, ja sehr viel Gewalt. Die Comic Code Authority <a title="DR. WERTHLESS bekämpft den Schund" href="https://panelwalker.de/2025/12/dr-werthless-bekaempft-den-schund/" target="_blank" rel="noopener">wäre not-amused</a> gewesen!</p>
<p>Jean-François di Giorgio setzt auf bewährte Genre-Motive, aber er erzählt sie mit sicherem Gespür für Druck und Zuspitzung. Fabrizio des Dorides gibt dem Band die nötige Erde unter den Stiefeln. Seine Figuren sind sehr gut lesbar, seine Schauplätze phantastisch, seine Action klar und deutlich.</p>
<p>Nicht alles wird schon eingelöst. Einige emotionale Übergänge hätten etwas mehr Raum verdient. Doch der Gesamteindruck bleibt deutlich positiv. Dieser Comic weiß, welchen Western er erzählen will, keinen eleganten Abgesang sondern Staub, Schuld, Rache und offene Rechnungen.</p>
<p>Ich bin nach diesem ersten Band nicht satt, sondern richtig neugierig. Und das ist bei einem Western mit Fortsetzungen vielleicht das beste Gefühl, das man haben kann. Der Schuss ist gefallen, der Pulver-Rauch hängt noch in der Luft und ich will wissen, wer am Ende wirklich noch steht.</p>
<p>Und ganz entfernt, im Hintergrund läuft die <a href="https://archive.org/details/tvtunes_10114" target="_blank" rel="nofollow noopener">Titelmusik von &#8222;The Magnificent Seven&#8220;</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4294" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_COVER_1000X716-286x400.jpg" alt="Cover von WYOMING 1863 01" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_COVER_1000X716-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_COVER_1000X716-600x838.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_COVER_1000X716.jpg 716w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN</li>
<li>Jean-François di Giorgio und Fabrizio des Dorides</li>
<li>Hardcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-98721-328-1</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/wyoming-1863-1.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/wyoming-1863-liegt-am-rande-der-bekannten-welt/">WYOMING, 1863 liegt am Rande der bekannten Welt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>SCHWARZE SEEROSEN und eine Leiche im Fluss</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/07/schwarze-seerosen-und-eine-leiche-im-fluss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jul 2026 05:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Didier Cassegrain]]></category>
		<category><![CDATA[Fred Duval]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Album ist optisch einfach eine Wucht, wie ein Ausstellungskatalog aus einem Museum. SCHWARZE SEEROSEN spielt zudem an einem Ort, der sich selbst vermarktet. Giverny liegt in der Normandie, nordwestlich von Paris und lebt vom Mythos eines Mannes, der hier seinen Lebensabend verbrachte: der Maler Claude Monet. Sein berühmter Garten mit See und Seerosen wirkt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/schwarze-seerosen-und-eine-leiche-im-fluss/">SCHWARZE SEEROSEN und eine Leiche im Fluss</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Album ist optisch einfach eine Wucht, wie ein Ausstellungskatalog aus einem Museum. SCHWARZE SEEROSEN spielt zudem an einem Ort, der sich selbst vermarktet. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Giverny" target="_blank" rel="nofollow noopener">Giverny</a> liegt in der Normandie, nordwestlich von Paris und lebt vom Mythos eines Mannes, der hier seinen Lebensabend verbrachte: der Maler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Monet" target="_blank" rel="nofollow noopener">Claude Monet</a>.</p>
<p>Sein berühmter Garten mit See und Seerosen wirkt wie ein Versprechen. Wer hier ankommt, den erwartet malerische Schönheit. Genau diese Erwartung nutzt auch der Comic als seine Tarnung und erzählt mir einen Mordfall, der sich in diese Postkartenidylle einschleicht.</p>
<p><span id="more-3310"></span></p>
<p>Bekanntlich habe ich eine große Schwäche für Krimis, die ihre Ort als Kulisse ernst nehmen. Hier gelingt dies gut. Der Zeichner &#8211; oder sollte ich sagen: der Maler? &#8211; Didier Cassegrain setzt Giverny als lebenden Organismus in Szene. Gleichzeitig stolpert das Buch dort, wo es mich am meisten packen müsste: bei den Beziehungen der beteiligten Charaktere!</p>
<p>Die Handlung hängt an Eifersucht, Begehren und an Abhängigkeiten. Obwohl das Buch wie gemalt daher kommt, bleiben viele Verbindungen des Comics erstaunlich skizzenhaft. Das wirkt wie eine erzählerische Abkürzung, die dem Werk nicht gerecht wird und den Blick stärker auf das Visuelle lenkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3325" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713.jpg" alt="Innenseite 03 von SCHWARZE SEEROSEN" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Der tote Morval</h3>
<p>Worum geht es? Das Opfer, Jérôme Morval, wird tot im Wasser aufgefunden. Er war wohlhabend, er sammelte Kunst und er sammelte &#8230; Affären. Der Mord ist brutal und wirkt nicht wie ein Unfall, auch nicht wie eine Eskalation im Affekt. Und ein junger, wenig erfahrener Ermittler darf bzw. muss den Fall übernehmen.</p>
<p>Kommissar Laurenc Sérénac ist neu im Ort. Sein Assistent Sylvio Bénavides hält seinem Chef bei den Ermittlungen den Rücken frei und schnell steht Jacques Dupain im Fokus der Ermittlungen. Er ist Jäger, er ist stolz und wirkt wie ein Mann, der Besitz mit Liebe verwechselt.</p>
<p>Seine Frau Stéphanie ist Lehrerin. Sie wiederum ist attraktiv, sichtbar und für die Männer im Dorf ein Magnet. Morval soll ihr nachgestellt haben. Das schafft für die Ermittler ein bequemes Motiv.</p>
<p>Parallel setzt der Comic auf ein weiteres Thema. Ein Gemälde mit dem Titel SCHWARZE SEEROSEN ist verschollen. Plötzlich ermittelt die Polizei nicht nur in einem Tötungsdelikt, sondern auch in einer Welt aus Sammlerwert und Mythen-Handel. Denn der Ort trägt Monet wie eine Monstranz vor sich her, während hinter den Fassaden Neid und Misstrauen brodeln.</p>
<p>Kommissar Sérénac reagiert darauf nicht nur professionell, sondern persönlich. Genau das wird zur ersten Schwachstelle dieses Albums.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3326" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718.jpg" alt="Innenseite 04 von SCHWARZE SEEROSEN" width="718" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718.jpg 718w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718-600x836.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px" /></p>
<h3>Unterricht mit doppeltem Boden</h3>
<p>Die zweite große Spur führt zu Fanette Morelle. Sie ist elf und malt, als hätte sie schon zu viel gesehen. Der Comic zeigt sie mir als Talent, das nach einem Ausgang aus dieser emotionalen Einöde sucht. Fanette will nicht nur besser werden, sie will weg.</p>
<p>Ein älterer Mann &#8211; ein Amerikaner namens James &#8211; fördert sie. Er nimmt sie ernst und bringt ihr die benötigten, malerischen Techniken bei. Diese Beziehung ist die heikelste im Buch, gerade weil sie so ruhig erzählt wird. Ein Erwachsener formt den Blick eines Kindes. Das kann der Weg zur Rettung sein, aber Missbrauch von Vertrauen. Der Comic balanciert diese Ambivalenz in der Luft, ohne sie konsequent auszuspielen.</p>
<p>Fanette hat außerdem Reibungspunkte zu ihren Gleichaltrigen. Zwei Jungs umkreisen sie wie Motten das Licht. Der Stoff hätte hier viel über frühe Projektionen erzählen können, über Begehren, das sich wie Macht anfühlt, über die Einsamkeit eines Kindes, das als Wunderkind funktioniert jedoch privat verhungert. Stattdessen bleibt Fanette&#8217;s Innenleben oft bei einer kriminaltechnischen Funktion: sie muss Hinweise tragen und die Zeitlinie füttern. Als Figur bleibt sie mir leider zu berechenbar.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3327" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713.jpg" alt="Innenseite 05 von SCHWARZE SEEROSEN" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwischen Ehe und einem Ermittler, der kippt</h3>
<p>Auch Stéphanie Dupain steht zwischen mehreren Männern, aber nicht wirklich zwischen mehreren Entscheidungen. Das Charakterdesign des Comic sieht sie als Sehnsuchtsfigur. Es zeigt auch sie als Frau, die fort will. Gleichzeitig lässt das Szenario offen, woraus genau sie raus will. Aus der Ehe mit Jacques? Aus dem Dorf? Oder doch aus sich selbst?</p>
<p>Diese (impressionistische) Unschärfe kann Kunst sein, hier wirkt sie jedoch wie ein Plot-Hole. Schnell verfällt Sérénac ihr. Er glaubt an ihre Unschuld, will sie retten. Das ist dramaturgisch praktisch, aber psychologisch dünn und ermittlungstaktisch brisant.</p>
<p>Jacques bleibt ebenfalls schmal gezeichnet. Er ist der eifersüchtige Ehemann und &#8211; natürlich &#8211; der potenzielle Täter. Ich hätte gern mehr von seinem Alltag gesehen, mehr vom Ton in der heimischen Küche, mehr davon, wie Kontrolle vielleicht auch in kleinen Sätzen steckt. Stattdessen springt der Comic häufig direkt zu den großen Gesten. Das passt zur Krimi-Maschinerie, schwächt aber eine Beziehung, die als Motiv-Motor dienen soll.</p>
<p>Morval, der Tote, bleibt selbst auch nur ein Auslöser, kein Mensch. Seine Beziehungen sind Spuren, die die Polizei abläuft. Ich verstehe den Ansatz des Toten als Projektionsfläche. Nur verliert die Geschichte damit eine emotionale Achse. Wenn alles nur Hinweis ist, fühlt sich der Mord am Ende wie ein Rätsel an, dass mit einem Schulterzucken zurückgelassen werden kann und nicht wie ein Bruch in einer Lebenslinie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3328" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718.jpg" alt="Innenseite 06 von SCHWARZE SEEROSEN" width="718" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718.jpg 718w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718-600x836.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px" /></p>
<h3>Wenn Wahrheit die Figuren überrollt</h3>
<p><strong>Spoilerwarnung</strong>: Wer den Comic selbst noch einmal unbefangen lesen will, sollte diesen Abschnitt überspringen. Denn die Konstruktion von SCHWARZE SEEROSEN lebt von einer Auflösung, die rückwirkend vieles neu sortiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Comic arbeitet mit drei Frauenperspektiven und mit Zeitsprüngen. Er lässt Gegenwart, Vergangenheit und eine noch ältere Schicht ineinander laufen. Die Enthüllung verbindet diese Ebenen so, dass aus scheinbar getrennten Biografien ein einziger, langer Lebensbogen wird. Ja, der Effekt sitzt und ich blättere zurück, erkenne nun die gesetzten Details.</p>
<p>Nur entsteht dabei ein Problem. Beziehungen, die zuvor wie konkrete Verbindungen wirken sollten, entpuppen sich nun als Bauteile eines Zauber-Tricks. Dadurch werden sie im Rückblick flacher. Nicht weil die Idee schlecht wäre, sondern weil das Album seine Figuren zu lange als Masken benutzt. Wenn am Ende die Mechanik triumphiert, bleiben echte Bindungen auf der Strecke. Für mich ist das nun wirklich der zentrale Makel des Buches.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3329" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716.jpg" alt="Innenseite 07 von SCHWARZE SEEROSEN" width="716" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716.jpg 716w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716-300x419.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716-600x838.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px" /></p>
<h3>Beziehungen als Herzstück</h3>
<p>Ich sehe in diesem Stoff vier Kernbeziehungen. Keine davon bekommt die Tiefe, die sie bräuchte.</p>
<p>Erstens die Ehe von Stéphanie und Jacques. Der Comic zeigt Eifersucht, zeigt Besitzdenken. Er zeigt aber zu wenig Alltag. Dabei zeigt sich toxische Nähe selten in einem einzigen Ausbruch. Sie zeigt sich in Wiederholungen, in Blicken, die stoppen oder in Fragen, die eigentlich Vorwürfe sind. Dieses emotionale Fundament fehlt mir hier. Dadurch wirkt Jacques oft wie ein Plot-Hebel, nicht wie ein Mann, der aus Angst (ge)handelt (hat).</p>
<p>Zweitens Stéphanie und Sérénac. Hier ist die Schieflage besonders offensichtlich. Ein Ermittler verliebt sich in eine mögliche Verdächtige. Das ist nicht nur unprofessionell, sondern ein Geschenk an jedes Drehbuch, das Abkürzungen braucht. Ich hätte die Versuchung gern stärker gespürt und sehen wollen, was Stéphanie konkret in ihm triggert. Stattdessen passiert seine Wandlung schnell, wie über einen Schalter. Klick, erledigt!</p>
<p>Drittens Fanette und James. Diese Verbindung trägt die poetische Seite des Buches. Sie ist zugleich die gefährlichste. Der Comic deutet Manipulation an, bleibt dann aber doch lieber höflich. Höflichkeit ist hier jedoch das falsche Werkzeug.</p>
<p>Viertens Morval und sein Umfeld. Er sammelt Bilder, er sammelt Körper. Das ist ein starkes Motiv. Nur bleibt es letztendlich bei der Behauptung eines tötungswürdigenCharakters.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3330" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713.jpg" alt="Innenseite 08 von SCHWARZE SEEROSEN" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Logikfragen</h3>
<p>Ein guter Krimi darf täuschen, sollte dabei aber fair bleiben. Hier liegt mein größtes Unverständnis. Der Comic hält Informationen nicht nur zurück, er modelliert meine Wahrnehmung dabei so, dass sie zeitweise wie eine falsche Tatsache wirkt. Das ist ein Unterschied! In einem Roman kann man mit Erzählerstimmen spielen. Im Comic besitzt jedes Panel eine gewisse Objektivität. Wenn diese im Nachhinein relativiert wird, braucht es besonders saubere Signale.</p>
<p>Dazu kommt die Ermittlungslogik. Sérénac verrennt sich früh. Das kann passieren. Nur wiederholt sich sein Tunnelblick so konsequent, dass er wie ein Pflichtprogramm des Szenarios wirkt. Bénavides, sein Assistent, wirkt dann wie der Reparaturmechaniker, der die Story wieder richtig auf die Schiene setzen muss.</p>
<p>Auch das Kunstmotiv ist nicht immer sauber eingearbeitet. Das verschwundene Bild zieht Aufmerksamkeit auf sich, lenkt aber auch ab. Für mich wirkt es stellenweise wie eine Nebelkerze, welche die Schwächen in der Figurendarstellung kaschieren soll. Das gelingt atmosphärisch, logisch überzeugt es mich nicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3331" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713.jpg" alt="Innenseite 11 von SCHWARZE SEEROSEN" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Malerei in Panels</h3>
<p>Genug des Gejammer. Schließlich sind da ja noch die Bilder. Didier Cassegrain arbeitet nicht mit einer klassischen Linienästhetik, die Farbe nur ausfüllt. Er malt mit Farbe, baut mit Licht jede einzelne Stimmung. Grün dominiert, Wasser glitzert. Manche Seiten wirken wie feuchte Luft. Das passt, weil Giverny, die Stadt Monet&#8217;s, in dieser Geschichte selbst eine Figur ist.</p>
<p>Seine größte Stärke liegt im Umgang mit Übergängen. Ein Schnitt vom Verhör zur Natur wirkt nicht wie ein Ortswechsel. Er wirkt wie ein Wechsel der Temperatur. Dadurch bekommt die Erzählung eine sinnliche-optische Klammer, die das Szenario alleine nicht schaffen würde.</p>
<p>Gleichzeitig hat dieser Stil eine Nebenwirkung. Er macht fast alles schön. Selbst eine Bedrohung wirkt oft wie ein Gemälde, das man gern länger betrachtet. Für einen Krimi ist das riskant. Der Comic will Noir, liefert dann jedoch häufig opulenten Impressionismus.</p>
<p>Ich sehe auch einen problematischen Blick in der Figurenzeichnung. Stéphanie wird stark über Körper und Pose definiert. Das unterstreicht ihre Rolle als Projektionsfläche. Es reduziert sie aber zugleich. Gerade weil die Geschichte von weiblichen Perspektiven lebt, stört mich diese Optik. Sie wirkt im Kern wie ein Widerspruch. Das Album erzählt von Frauen, die aus (Rollen-)Bildern ausbrechen wollen, zeichnet dann aber eine von ihnen wie ein Bild, das man besitzen möchte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3332" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716.jpg" alt="Innenseite 12 von SCHWARZE SEEROSEN" width="716" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716.jpg 716w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716-300x419.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716-600x838.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px" /></p>
<h3>Die dunkle Seite des Kunstpilgerns</h3>
<p>Giverny ist nicht zufällig gewählt. Monet lebte dort jahrzehntelang. Er machte Haus und Garten zu einem kontrollierten Kunstraum. Der berühmte Seerosenteich entstand nicht einfach, er war Gestaltung. Seine monumentalen Seerosenbilder hängen heute unter anderem in der Orangerie in Paris.</p>
<p>Der Comic macht daraus eine moderne Idee: ein Ort wird zur Marke! Eine Marke erzeugt Geld, Geld erzeugt Besitzdenken, Besitzdenken erzeugt Gewalt. Konstruiert ist das plausibel. Besonders, weil Kunst hier nicht nur als Schönheit auftaucht, sondern auch als Status. Morval verkörpert das. Er will Werke, Menschen und Geschichten, die ihn größer erscheinen lassen.</p>
<p>Spannend finde ich auch den Gedanken, dass Tourismus ein Dorf in ein Schaufenster verwandeln kann. Hinter opulent ausgestatteten Schaufenstern verstecken sich immer auch Risse. Man zeigt nicht, wie es riecht, wenn der Lack abblättert. Genau dieses Abblättern ist der stärkste historische Subtext des Albums. Es erzählt nicht direkt über Monet, aber darüber, was Monet aus (s)einem Ort gemacht hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3333" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718.jpg" alt="Innenseite 13 von SCHWARZE SEEROSEN" width="718" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718.jpg 718w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718-600x836.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich wollte SCHWARZE SEEROSEN lieben, wirklich. Der Comic hat alles, was ich an solchen Stoffen schätze. Ein klares Setting, ein elegantes Motivnetz und eine Bildsprache, die man so schnell nicht vergisst. Trotzdem bleibe ich kritisch. Der große Twist ist clever &#8211; und er ist bequem.</p>
<p>Als Krimi funktioniert das Album. Ich lese schnell, werde gelenkt und überrascht. Als Drama über Menschen, die sich gegenseitig festhalten und verletzen, bleibt es mir aber zu glatt. Gerade die zentralen Beziehungen wirken eher behauptet als gelebt. Das spüre ich vor der Auflösung, danach spüre ich es noch stärker.</p>
<p>Didier Cassegrain hebt das Buch in eine andere Liga. Seine malerische Erzählweise macht Giverny glaubwürdig. Sie macht das Wasser gefährlich schön. Ohne diese Bilder &#8211; nur mit Zeichnungen wie z.B. aus <a title="VOLLE LEICHENHALLE – Ein Privatdetektiv im freien Fall" href="https://panelwalker.de/2026/02/volle-leichenhalle-ein-privatdetektiv-im-freien-fall/" target="_blank" rel="noopener">VOLLE LEICHENHALLE</a> &#8211; wäre mir die Konstruktion definitiv zu flach.</p>
<p>Unterm Strich sehe ich SCHWARZE SEEROSEN als ein Album, das mich weniger mit seiner Geschichte berührt als mit seinen malerischen Bildern einfängt. Wer Rätsel liebt, bekommt viel. Wer Figuren liebt, bekommt zu wenig. Für ein Werk, das von Blicken handelt, ist das ein bitterer Widerspruch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3324" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721-300x416.jpg" alt="Cover von SCHWARZE SEEROSEN" width="300" height="416" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721-300x416.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721-600x832.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721.jpg 721w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SCHWARZE SEEROSEN</li>
<li>Fred Duval und Didier Cassegrain</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96219-372-0</li>
<li>Storyline: ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆ (minus)</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/alben/thriller/ich-bin-ihr-schweigen-5894/" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>In HONEYMOON wird ein ruhiger Urlaub zum Survival-Trip</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/07/in-honeymoon-wird-ein-ruhiger-urlaub-zum-survival-trip/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Bastien Vivès]]></category>
		<category><![CDATA[Brigitte Findakly]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber und Leser Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>URLAUB &#8211; Das Zauberwort für alle stressgeplagten Erdenbürger, die dringend einmal raus wollen. URLAUB ist aber auch diese wunderbare Lüge, die ich mir selbst jedes Jahr gerne erzähle. Koffer packen und alles wird leichter. Der Alltag bleibt daheim, die Termine haben ein Funkloch und die Kinder sind gut untergebracht. Das Paar, das sonst zwischen Arbeit, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>URLAUB &#8211; Das Zauberwort für alle stressgeplagten Erdenbürger, die dringend einmal raus wollen. URLAUB ist aber auch diese wunderbare Lüge, die ich mir selbst jedes Jahr gerne erzähle. Koffer packen und alles wird leichter. Der Alltag bleibt daheim, die Termine haben ein Funkloch und die Kinder sind gut untergebracht. Das Paar, das sonst zwischen Arbeit, Müdigkeit und Familienlogistik pendelt, erinnert sich plötzlich wieder daran, dass es auch ein Paar sein darf.</p>
<p><span id="more-4222"></span></p>
<p>Mit genau dieser Hoffnung beginnt HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX. Sophie und Quentin, ein französisches Paar, wollen auf einer griechischen Insel nichts weiter als Sonne, Meer, Körperkontakt und ein paar Tage ohne Zuständigkeiten. Bastien Vivès, der Szenarist und Zeichner dieses Comics, gönnt ihnen diesen Traum &#8211; zumindest anfangs und dann nur ganz kurz. Bald reicht ein beiläufiges Wiedersehen, ein falscher Schritt auf eine Yacht und aus der kleinen Flucht ins Glück wird ein Reisealbtraum mit sehr viel Salzwasser.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4233" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 1 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>All-Inclusive mit schlechter Vorahnung</h3>
<p>Sophie und Quentin sind wie bereits erwähnt ein französisches Ehepaar mit Kindern, Arbeit und genug Erschöpfung, um einen Urlaub ohne Nachwuchs wie ein Geschenk zu betrachten.</p>
<p>Die ausgesuchte griechische Insel mit ihren Stränden, mediterranem Licht und ein trägem Dahindämmern wirkt zuerst wie ein Versprechen. Vivès braucht nicht lange, um dieses Gefühl zu etablieren. Yep, ich habe sofort verstanden, warum die Beiden dort sind. Sie wollen keine große Reisegeschichte erleben. Die Beiden wollen gerade überhaupt keine Geschichten erleben. Nur ein paar Tage Ruhe am Strand, für sich und ihre Erholung.</p>
<p>Dann taucht Olivier auf, ein Bekannter aus Paris, der eher in die Kategorie &#8222;unerwünschter Zufall&#8220; gehört. Er erkennt Sophie und Quentin am Strand wieder und lädt sie auf (s)eine Yacht ein. Das klingt nach jener Urlaubssituation, bei der die anerzogene Höflichkeit stärker ist als das eigene Bauchgefühl. Der Tag ist schön, niemand hat richtig Lust, aber einfach &#8222;Nein&#8220; zu sagen, braucht Kraft, die die Beiden im Augenblick einfach nicht haben. Also gehen sie mit.</p>
<p>Schon hier arbeitet der Comic mit einem sehr banalen Schrecken. Nicht die Gefahr drängt sich zuerst auf, sondern die soziale Verlegenheit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4234" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 2 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Ein Ausflug, der nicht im Prospekt stand</h3>
<p>Auf der Yacht kippt die Stimmung dann sehr schnell. Olivier ist nicht der souveräne Gastgeber, als der er sich zu Beginn ausgibt. Das Boot gehört ihm nicht, er soll es nur überführen. Dazu kommen Gäste, die weniger nach entspanntem Bordleben aussehen als nach Ärger in teuren Hemden. Sophie und Quentin merken schnell, dass sie in einer Gesellschaft gelandet sind, in der Geld, Drogen und Gewalt ziemlich nah beieinanderliegen.</p>
<p>Vivès erzählt das mit hohem Tempo. Die Seiten bleiben übersichtlich, aber für unsere Protagonisten wird die Lage immer ungemütlicher. Zwischen Small-Talk und Blicken wächst die Ahnung, dass dieses Boot kein Luxusort ist, sondern eine Venus-Falle mit schönem Oberdeck.</p>
<p>Besonders gut funktioniert dabei, dass Sophie und Quentin keine klassischen Abenteurer sind. Sie werden nicht gebraucht, um die Welt zu retten, aber sie stehen im Weg. Genau daraus entsteht die Energie des Bandes.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4235" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 3 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Bordprogramm mit Schmetterling</h3>
<p>Der titelgebende Sphinx ist kein steinerner Wächter, sondern ein Schmetterling mit unheimlicher Wirkung. Er entweicht aus einem rätselhaften Gegenstand und bringt einen Hauch alter Abenteuerstoffe in diesen Drogenkrimi. Auch öffnet er den Comic ein wenig in Richtung Pulp, ohne die Geschichte sofort ins rein Fantastische zu schubsen.</p>
<p>Als die Gewalt zwischen den Gangstern ausbricht, verliert der Urlaub endgültig seine Postkarten-Idylle. Eine wilde Schießerei führt zu Panik an Bord und zu einem Sprung ins Wasser. Die Yacht wird zum explodierender Albtraum. Sophie, Quentin und Olivier treiben plötzlich sowohl im Wasser als auch in einer Lage, die sie nicht verstehen und noch weniger kontrollieren können. Dazu kommt das Meer mit seiner Tiefe und der eingebauten Bedrohung von unten. (Aus genau diesen Gründen hasse ich Wasser. Aber das ist ja nur meine persönliche Meinung!)</p>
<p>Aber gut, das Album ist also ein Comic mit einem eigentümlichen Mix aus Gangsterstück und Taucherabenteuer ohne große psychologische Erklärschleifen. Er wirft seine Figuren hinein und schaut, wie sie schwimmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4236" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 4 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Rückflug offen</h3>
<p>Als Auftakt macht HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX vieles richtig. Der Band erklärt nicht zu viel, legt aber eine einfache, tragfähige Serienidee auf den Tisch: Ein Paar will Urlaub machen und der Urlaub eskaliert &#8211; Zack, zack, zack! Dabei entsteht eine Mischung aus Ehekomödie, Abenteuer und Thriller, die erst einmal altmodisch klingt, aber durch das vorgelegte Tempo frisch bleibt.</p>
<p>Ganz ohne Schwächen ist das natürlich nicht. Die Nebenfiguren bleiben notgedrungen eher Stereotypen als Menschen. Die Gangster sind halt Gangster und Olivier ist vor allem der nervige Auslöser der Katastrophe. Das stört den Lesefluss kaum, aber es nimmt der Bedrohung etwas die Tiefe, auch wenn diese Einfachheit dem Erzähltempo erfreulich zuarbeitet. Ich war gut unterhalten, doch hatte ich selten das Gefühl, dass unter der Oberfläche ein zweiter Boden wartet. Der Band will vor allem eins: loslegen &#8211; und das tut er mit Lust!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4237" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 5 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Der Hintermann</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bastien_Viv%C3%A8s" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bastien Vivès</a>, geboren 1984 in Frankreich, gehört zu den prägenden französischen Comiczeichnern seiner Generation. Er studierte Grafik und Animation an der École des Gobelins und machte früh mit Arbeiten wie <a href="https://reprodukt.com/products/der-geschmack-von-chlor" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GESCHMACK VON CHLOR</a>, <a href="https://reprodukt.com/products/polina?_pos=1&amp;_sid=8d7cbc83f&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">POLINA</a> und <a href="https://reprodukt.com/products/in-meinen-augen?_pos=1&amp;_sid=3bbc4fbf6&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">IN MEINEN AUGEN</a> auf sich aufmerksam.</p>
<p>Für DER GESCHMACK VON CHLOR erhielt er 2009 in Angoulême den Preis als bester Nachwuchskünstler. Angoulême wiederum spielt eine Rolle in seiner Graphic Novel <a href="https://www.schreiberundleser.de/nachtprogramm/letztes-wochenende-im-januar" target="_blank" rel="nofollow noopener">LETZTES WOCHENENDE IM JANUAR</a>, die u.a. den Kulturbetrieb eines Comic-Festivals augenzwinkernd auf&#8217;s Korn nimmt. Gemeinsam mit Balak und Michaël Sanlaville zeigte er in <a href="https://reprodukt.com/products/lastman-1?_pos=1&amp;_sid=501b6efe5&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">LASTMAN</a> außerdem seine Nähe zu Manga, Serienerzählung und Popkultur. In den vergangenen Jahren arbeitete er auch an neuen <a href="https://cortomaltese.com/de/corto-maltese-schwarzer-ozean-von-vives-und-quenehen/" target="_blank" rel="nofollow noopener">CORTO MALTESE</a>-Alben. HONEYMOON zeigt eine andere Seite seines Werkes, weniger intime Studie, mehr klassisches Abenteuerformat. Vivès erzählt hier mit mehr Druck nach vorn.</p>
<p>Als Zeichner ist Bastien Vivès schwer auf einen Stil festzulegen. Gerade diese künstlerische Vielfalt gehört zu seinem Markenzeichen. Er verbindet reduzierte Körperlichkeit, leise Alltagsbeobachtung, dynamische Action und serielle Pop-Erzählung, ohne in seinen Werken jedes Mal gleich auszusehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4238" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09.jpg" alt="Innenseite 6 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Pauschalreise ins Abenteuergenre</h3>
<p>Der Reiz von HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX liegt im Kontrast zwischen Alltag und großem Kino. Sophie und Quentin sind keine makellosen Helden. Sie sind ein Paar, das kurz frei haben möchte und plötzlich in einer Geschichte steckt, die eher nach Abenteuerfilm der Achtziger und Neunziger aussieht. Ich musste sofort an <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0088011/" target="_blank" rel="nofollow noopener">AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN</a> denken oder an die Hitchcock-Idee von unbeteiligten Menschen, die in fremde Schuld hineingezogen werden wie z.B. in <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0053125/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_north%20by%20northwest" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER UNSICHTBARE DRITTE</a>.</p>
<p>Als Serienauftakt ist der Band gut gemacht. Er führt Sophie und Quentin als wiederkehrendes, narratives Zentrum ein, erklärt aber nicht jeden biografischen Schlenker. Die Reihe lebt weniger vom großen Mythos als von einer Formel: Reisen werden zu Fallen, dann werden Urlaubsorte zu Bühnen für Genre-Spielarten.</p>
<p>Spätere Bände führen diese Idee weiter, erst nach <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon/honeymoon-2-coatlicue" target="_blank" rel="nofollow noopener">Südamerika</a> dann nach <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon/honeymoon-3-high-noon" target="_blank" rel="nofollow noopener">Brüssel</a>. Damit verschiebt sich der Ton vom maritimen Abenteuer über Schatzsuche bis zum surrealen Western. Der erste Band erfüllt seine Aufgabe also ziemlich gut, denn er setzt die Hauptdarsteller, das Muster und den Humor.</p>
<p>Der Comic spielt mit meiner Sehnsucht, einmal aus dem Alltag auszubrechen. Dann zeigt er, wie schnell eine Auszeit zur persönlichen Überforderung werden kann. Natürlich ist das überdreht! Trotzdem sitzt darunter eine simple Wahrheit. Urlaub macht nicht automatisch andere Menschen aus uns. Sophie und Quentin nehmen ihre Unsicherheit, ihre Vertrautheit miteinander, ihre eingespielten Rollen und ihre kleinen Reibereien mit an Bord. Und genau das macht sie sympathisch.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4239" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10.jpg" alt="Innenseite 7 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Schlichte Urlaubsbilder</h3>
<p>Die Zeichnungen sind flach &#8211; im besten Sinn. Vivès modelliert seine Bilder nicht detailliert aus, sondern nutzt eine moderne Art der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ligne_claire" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ligne Claire</a>. Er vertraut auf klare Konturen, auf farbige Flächen und auf eine sehr direkte Lesbarkeit. Das passt zu dieser Geschichte, weil die Geschichte selbst dauernd vorwärts will. Zu viele Details würden bremsen, zu viel plastische Tiefe würde dem Ganzen eine Schwere geben, die der leicht überdrehte Abenteuercharakter gar nicht braucht.</p>
<p>Die Räume sind schnell gelesen. Der Strand, die Yacht, das Deck, Wasser und Innenbereiche werden nicht ausgestellt, sondern sind einfach da, Kulissen halt. Ich weiß immer, wo ich bin und wohin die Bewegung läuft. Das ist bei der Action wichtiger, als es auf den ersten Blick klingt. Vivès baut seine Seiten so, dass der Blick ohne Stolpern durch die Panels gleiten kann. Kleine Dialogmomente sitzen knapp. Wenn die Gewalt einsetzt, beschleunigt sich der Rhythmus, ohne unleserlich zu werden.</p>
<p>Brigitte Findakly&#8217;s Farben geben dem Band zusätzlich seine Urlaubstemperatur. Die hellen, warmen Töne am Anfang lassen den Ausflug leicht wirken. Später werden die Farben nicht plötzlich düster, sondern behalten eine gewisse Klarheit. Das macht die Gefahr fast absurder. Der Albtraum findet nicht im finsteren Keller statt, sondern unter Sonne, auf dem Wasser, also in einer Welt, die eigentlich Erholung versprochen hätte. Diese Spannung trägt viel zur Atmosphäre bei.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4240" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 8 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX ist kein tief schürfender Roman über Ehe, Erschöpfung und gemeinsam erlebter Gefahr. Er ist ein schlanker, schneller, sehr gut lesbarer Serienauftakt mit Charme, Tempo und einem ordentlichen Schuss altmodischem Abenteuerkino. Ergo: Ein Werk für einen sommerlichen Nachmittag auf einem Liegestuhl.</p>
<p>Mir gefällt besonders, dass Vivès den Urlaub nicht bloß als Kulisse nimmt. Er macht aus der Sehnsucht nach Ruhe den Zünder für eine interessante Kettenreaktion und findet damit eine schöne, wiederverwertbare Idee. Gut, die Geschichte ist manchmal einfacher, als sie sein müsste und einige Nebenfiguren bleiben schablonenhaft. Auch der Plot selbst wirkt stellenweise wie ein bewusst grob gefalteter Papierflieger &#8211; aber er fliegt nun mal. Und zwar flott!</p>
<p>Als Auftakt zeigt der Band klar, warum Sophie und Quentin als Paar funktionieren. Sie sind keine Superhelden im Ferienmodus. Sie sind zwei Normalos, die endlich einmal frei und Zeit für sich haben wollten und die in die falsche Einladung einwilligen. C&#8217;est la vie!</p>
<p>Wer nach diesem ersten Band neugierig ist, wie sich die Reihe weiterentwickelt, sollte <a href="https://tillmanncourth.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Tillmann Courth&#8217;s Besprechungen</a> zu <a href="https://tillmanncourth.de/ferienfahrt-mit-hindernissen-honeymoon-2/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Band 2</a> und <a href="https://tillmanncourth.de/honeymoon-3-fantasiereise-nach-belgien/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Band 3</a> lesen. Sie zeigen schön, wie weit Vivès das Urlaubskonzept später noch getrieben hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4232" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-292x400.jpg" alt="Cover von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="292" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-600x823.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01.jpg 729w" sizes="auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>HONEYMOON 01 &#8211; DER KUSS DER SPHINX</li>
<li>Bastien Vivès</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span class="value">978-3-96582-201-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>RUMMELSDORF 4 &#8211; Der Moment, in dem ein Pilz unheimlich wird</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/07/rummelsdorf-4-der-moment-in-dem-ein-pilz-unheimlich-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 05:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Beka]]></category>
		<category><![CDATA[Bertrand Escaich]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline Roque]]></category>
		<category><![CDATA[David Etien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Graf von Rummelsdorf war für mich immer einer dieser wunderbaren Nebenfiguren, die ein ganzes Universum größer machen. Auf der einen Seite ein wenig kauzig, auf der anderen &#8211; auf seine Weise &#8211; ziemlich genial, mit diesem alten frankobelgischen Vertrauen darauf, dass Wissenschaft auch ein Abenteuer sein kann. Und dann kippen Bertrand Escaich und Caroline [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/rummelsdorf-4-der-moment-in-dem-ein-pilz-unheimlich-wird/">RUMMELSDORF 4 – Der Moment, in dem ein Pilz unheimlich wird</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Graf von Rummelsdorf war für mich immer einer dieser wunderbaren Nebenfiguren, die ein ganzes Universum größer machen. Auf der einen Seite ein wenig kauzig, auf der anderen &#8211; auf seine Weise &#8211; ziemlich genial, mit diesem alten frankobelgischen Vertrauen darauf, dass Wissenschaft auch ein Abenteuer sein kann. Und dann kippen Bertrand Escaich und Caroline Roque (Beka) In SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE genau dieses Vertrauen in Zweifel, denn aus dem Pilzforscher wird ein Mann, der vor dem größten Pilz der Moderne gegenüberstehen wird: dem Atompilz.<span id="more-3946"></span></p>
<p>Bereits das Cover ist ein starkes Bild. Es ist sogar so stark, dass Beka und David Etien es nicht auswalzen müssen. Als Leser weiß ich sofort weiß, was auf dem Spiel steht. Der Band erzählt uns seine Geschichte in gewohnt ruhiger Weise, dafür aber mit einem dicken Kloß im Hals. Und das passt sehr gut zu diesem Grafen, der äußerlich noch immer die Haltung wahrt, während er innerlich aber längst nicht mehr so aufrecht steht, wie sein Schnurrbart glauben machen möchte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3948" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000.jpg" alt="Innenseite 3 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Zwischen Spirou, Krieg und echter Geschichte</h3>
<p>Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert Graf von Rummelsdorf ist in der Welt von SPIROU UND FANTASIO kein Unbekannter &#8211; im Gegenteil. Er gehört zu jenen Figuren, die unter Franquin ihren festen Platz im großen Spirou-Kosmos bekommen haben. Beka und Etien holen ihn in ihrer eigenen Serie aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht. Sie erzählen von einem jüngeren Grafen, der nicht nur Pilze wie Erfahrungen sammelt und ganz nebenbei Erfindungen baut, sondern der auch mit brennenden Fragen durch prägende Episoden des 20. Jahrhunderts stolpert. Oder besser noch, durch sie hindurch muss.</p>
<p>Schon bei <a title="RUMMELSDORF hilft die ENIGMA-Codes zu knacken" href="https://panelwalker.de/2026/04/rummelsdorf-hilft-die-enigma-codes-zu-knacken/" target="_blank" rel="noopener">RUMMELSDORF ENIGMA</a> hat mich an diesem Kreativteam überzeugt, wie selbstverständlich es historische Stoffe mit klassischem Abenteuer verbindet. Der erste Band führte nach Bletchley Park und zur Entschlüsselung der Enigma-Codes. Das zweite Album griff die Kriegsjahre und medizinisch militärische Abgründe auf. Der dritte sprang in die Nachkriegszeit und zur Forschung rund um die Antibabypille. Der aktuelle Band geht nun wieder einen Schritt zurück nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Princeton_University" target="_blank" rel="nofollow noopener">Princeton</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Los_Alamos_National_Laboratory" target="_blank" rel="nofollow noopener">Los Alamos</a>, also mitten hinein in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Manhattan-Projekt" target="_blank" rel="nofollow noopener">das Manhattan Projekt</a>.</p>
<h3>Der Atompilz</h3>
<p>Historisch ist das ein heikler Ort. In Los Alamos wurde ab 1943 unter Leitung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Oppenheimer" target="_blank" rel="nofollow noopener">Julius Robert Oppenheimer</a> an der Atombombe gearbeitet. Die Angst vor einem deutschen Vorsprung in der Kernforschung trieb das Projekt voran. Gleichzeitig wuchs in den USA das Misstrauen gegenüber linken Wissenschaftlern, kommunistischen Sympathisanten und die Angst vor möglicher Spionage.</p>
<p>Dies war keine bloß Paranoia. Die Sowjetunion versuchte tatsächlich, Informationen aus dem Atomprogramm zu gewinnen. Aber daraus entstand auch ein Klima der Verdächtigung, das viele Biografien nachhaltig beschädigte. Genau in diesen Riss setzt der Comic seinen Grafen. Er ist Wissenschaftler, Europäer, Humanist und plötzlich ein kleines Werkzeug in einer sehr großen Maschine.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3949" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000.jpg" alt="Innenseite 4 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Misstrauen allerorten</h3>
<p>Die Handlung beginnt nicht mit einer Explosion. Sie beginnt leise. RUMMELSDORF ist in Princeton und steht unter Druck, denn das FBI hat ihn eingespannt. Er soll Kollegen beobachten, politische Neigungen melden und besonders auf kommunistische Umtriebe achten. Für den Grafen fühlt sich das falsch an und das nicht nur ein bisschen. Es nagt an ihm. Er spioniert schlecht, weil sein Gewissen besser funktioniert als sein Auftrag.</p>
<p>Und direkt an dieser Stelle habe ich einen Kritikpunkt. In den bisherigen Bänden war der Graf immer ein aufrechter Kämpfer für das Gute mit funktionierendem, moralischem Kompass. Wie &#8211; um Himmels Willen &#8211; hat das FBI diesen Mann dazu gebracht, für das Bureau zu spionieren? Dies wird einfach nicht deutlich.</p>
<h3>Der Mann, der mit einem Geist Tee trinkt</h3>
<p>Dazu kommt Blair MacKenzie, RUMMELSDORF&#8217;s Freundin und großer Liebe seit Band eins, die unter tragischen Umständen verstorben ist. Hier ist sie nicht einfach nur eine Erinnerung, nicht bloß ein romantischer Nachhall aus den vorherigen Bänden. Sie ist als der Verlust anwesend, der den Grafen immer noch umgibt. Rummelsdorf redet mit ihr, als sei sie noch da. An dieser Stelle beginnt seine Verschrobenheit, die von anderen bereits wahrgenommen wird.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine billige Gespensternummer. Er zeigt Trauer als Alltag, als Gespräch, als zweite Tasse Tee, die aber niemand trinkt. Oder auch als Frage, die nicht aufhört: Warum blickte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orpheus" target="_blank" rel="nofollow noopener">Orpheus in der griechischen Mythologie</a> zurück und konnte seine Eurydike nicht aus dem Totenreich befreien?</p>
<p><a title="Albert Einstein" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein" target="_blank" rel="nofollow noopener">Albert Einstein</a> taucht als ruhender, kluger Pol auf. Er bringt keine Heldengeschichte mit, eher eine Müdigkeit gegenüber der eigenen Zeit. Er ist derjenige, den RUMMELSDORF ausspionieren soll.</p>
<p>Zugleich verschwinden Wissenschaftler aus Princeton. Köpfe werden abgezogen, ohne dass offen gesagt wird, wohin. RUMMELSDORF versteht genug, um beunruhigt zu sein. Und <a title="J. Edgar Hoover" href="https://de.wikipedia.org/wiki/J._Edgar_Hoover" target="_blank" rel="nofollow noopener">J. Edgar Hoover</a> versteht genug, um ihn stärker einzubinden. So landet der Graf dort, wo aus der Theorie in den Köpfen der verschwunden Wissenschaftler endgültig Weltgeschichte werden soll &#8211; in Los Alamos!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3950" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000.jpg" alt="Innenseite 5 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Los Alamos und die Hölle mit Zugangsausweis</h3>
<p>In Los Alamos schließlich verändert der Band seinen Rhythmus. Princeton wirkt noch wie ein der ruhige Campus mit Freiheiten. Los Alamos hingegen ist ein Lager aus Baracken, Staub, Wachposten und Geheimnissen. Etien zeichnet diesen Ort nicht als reine Kulisse. Ich spüre die Enge trotz der weiten Landschaft. Der Himmel ist groß, aber die Menschen darunter wirken eingesperrt.</p>
<p>RUMMELSDORF begegnet J. Robert Oppenheimer, aber der Band macht diesen nicht zur Hauptattraktion. Das gefällt mir. Oppenheimer ist wichtig, natürlich, doch die Geschichte interessiert sich stärker für den Blick des Grafen und für <a title="Richard Feynman" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Feynman" target="_blank" rel="nofollow noopener">Richard Feynman</a>.</p>
<p>Feynman bringt Bewegung und eine gewisse Anarchie in die Erzählung. Er ist brillant, verspielt, neugierig, manchmal fast zu lebendig für diesen Ort. Mit ihm kommt ein anderer Ton in die Geschichte. Nicht leichter im Sinn von harmloser, eher im Sinn von heller. Und gerade dadurch werden aber die Schatten dunkler.</p>
<p>Beka nutzten die wissenschaftlichen Erklärungen geschickt. Ich hatte nie das Gefühl, eine Unterrichtslektion zu Atomphysik zu bekommen. Und doch lerne ich viel über Kettenreaktionen, Uran-Anreicherungen oder Berechnungen. Wenn hierüber gesprochen wird, bleibt die Szene in Bewegung. Figuren stehen nicht einfach herum, um Wissen abzuladen. Sie denken, zweifeln, scherzen &#8211; und schweigen. Die Bombe entsteht nicht als abstraktes Objekt. Sie entsteht aus Arbeitstischen, Rechengeräten, Wachsamkeit und müden Gesichtern.</p>
<p>Der Comic verrät genug, um die moralische Richtung klarzumachen. Er muss nicht jeden historischen Schritt dezidiert nacherzählen. Ich weiß als Leser, wohin diese Arbeit führt. Gerade deshalb liegt über vielen Szenen eine beklemmende Vorahnung. Die Figuren sind in ihrer Welt noch vor dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf_Hiroshima_und_Nagasaki" target="_blank" rel="nofollow noopener">06. August 1945</a>, ich lese den Comic danach. Und das Besondere: das Rezensionsexemplar liegt an dem Tag in meinem Briefkasten, an dem ich im <a title="Friedensgedächtnismuseum Hiroshima" href="https://hpmmuseum.jp/?lang=ger" target="_blank" rel="nofollow noopener">Friedensgedächtnismuseum Hiroshima</a> vor den Auswirkungen der ersten Bombe gestanden habe. Diese Nähe tut weh.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3951" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000.jpg" alt="Innenseite 6 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Abenteuer mit Gewissen und sehr schönen Schatten</h3>
<p>RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE ist am stärksten, wenn der Band seine Gegensätze aushält. Er bleibt ein klassisches, frankobelgisches Abenteuer. Ich finde Tempo, pointierte Figuren, Spionage und geheime Anlagen. Zugleich trägt er jedoch eine Trauer in sich, die für diese Reihe inzwischen fast zum inneren Motor geworden ist.</p>
<p>David Etien ist dabei enorm wichtig. Seine Zeichnungen haben diese klare, erzählerische Eleganz, die ich an frankobelgischen Alben liebe. Seine Figuren sind lesbar, seine Räume sauber gebaut. Der Graf muss gar nicht viel sagen. Augen, Schultern, Haltung und Bildausschnitt erzählen genug. Besonders schön finde ich, wie Etien RUMMELSDORF nicht als Karikatur seiner selbst behandelt. Der Schnurrbart bleibt, die Kauzigkeit auch. Doch darunter findet sich ein Mann, der sich selbst kaum noch erträgt.</p>
<p>Die Farben arbeiten unaufdringlich, aber wirksam. Princeton hat kühlere, gedämpfte Töne. Los Alamos bekommt staubige Wärme, die nicht gemütlich wirkt. Wenn das Orange der atomaren Bilder aufblitzt, wirkt es nicht triumphal. Im Gegenteil: es brennt. Das Cover bereitet diesen Eindruck schon vor. Der Graf vor dem atomaren Glühen, die Brille als Spiegel, das Gesicht zur Maske erstarrt. Da ist kein Gewinnerlächeln, da ist ein Blick der versteht, das etwas zu groß geworden ist.</p>
<p>Auch der Seitenrhythmus überzeugt. Etien lässt Gespräche atmen und zieht dann an, wenn Bewegung gebraucht wird. Kleine Panels fangen Blicke und Reaktionen ein. Größere Bilder öffnen die Landschaft oder die historische Wucht. Der Band ist mit 56 Seiten knapp, verdichtet, aber nie hastig.</p>
<h3>Wo es ein wenig knirscht</h3>
<p>Ganz frei von Schwächen ist der Comic nicht. Einige historische Namen rauschen kurz vorbei. Wer mit dem Manhattan Projekt wenig verbindet, wird hier und da eher den Klang großer Geschichte spüren als jede Figur wirklich zu greifen. Auch der Spagat zwischen Abenteuer, Trauerarbeit, Spionage und Wissenschaft ist ehrgeizig. Nicht jede Nebenfigur bekommt den Raum, den sie verdient hätte.</p>
<p>Trotzdem stört mich das weniger, als ich erwartet hätte. Der Band will keine komplette Geschichte der Atombombe erzählen. Er schlägt eine persönliche Bresche durch ein übermächtiges Thema. Dafür ist der persönliche Blick des Grafen genau richtig. Er ist klug genug, um zu verstehen und empfindsam genug, um darunter zu leiden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3952" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000.jpg" alt="Innenseite 7 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Eine Reihe, die erwachsen bleibt</h3>
<p>Im Kontext der RUMMELSDORF-Reihe wirkt dieser vierte Band wie eine düstere Zuspitzung. RUMMELSDORF ENIGMA hatte noch stärker den Reiz eines klugen Spionageabenteuers. DER PATIENT A ging tiefer in die Kriegsverbrechen und Körperpolitik der Weltkriegszeit. EINE HANDVOLL KOHLENSTOFFATOME öffnete den Blick auf Medizin, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Veränderung. Nun steht die Wissenschaft selbst vor Gericht, ohne dass Beka daraus eine simple Anklage machen.</p>
<p>SPIROU PRÄSENTIERT besitzt mit RUMMELSDORF eine Reihe, die ihre Formel gefunden hat. Eine historische Erfindung, ein berühmter Schauplatz und ein Graf, der mehr erlebt, als ihm guttut. Das könnte mechanisch werden, bleibt aber lebendig, weil die emotionale Linie stimmt und die Autoren ihre Leser ernst nehmen.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE ist ein schöner, trauriger und erstaunlich ernster Abenteuercomic. Beka und David Etien verbinden Spirou-Tradition mit Zeitgeschichte, ohne den Charme der Figur zu opfern.</p>
<p>Der Band hat Witz, aber keinen Leichtsinn. Er hat Tempo, aber keine Flucht vor der Moral. Für mich ist das ein weiteres, starkes Kapitel dieser Reihe. Nicht makellos, aber warm, klug und lange nachglühend. Eine ganz klare Empfehlung.</p>
<p>P.S. Und warum Orpheus in der griechischen Mythologie zurückblickte &#8211; ja, auch diese Frage wird letztendlich beantwortet!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3947" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-300x403.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="300" height="403" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-600x805.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000.jpg 745w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4</li>
<li>Beka und David Etien</li>
<li>Softcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-80750-2</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/softcover/spirou-prasentiert-7-rummelsdorf-4/978-3-551-80750-2" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/rummelsdorf-4-der-moment-in-dem-ein-pilz-unheimlich-wird/">RUMMELSDORF 4 – Der Moment, in dem ein Pilz unheimlich wird</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>HELLDORADO &#8211; Gleich am Morgen ist die Hölle da</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/helldorado-gleich-am-morgen-ist-die-hoelle-da/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 05:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerikanisch]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Epsilon Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Ignacio Noé]]></category>
		<category><![CDATA[Jean David Morvan]]></category>
		<category><![CDATA[Miroslav Dragan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei HELLDORADO hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass mich dieser Comic nicht freundlich in seine Welt hineinbitten will. Stattdessen packt er mich am Hemd und zerrt mich geradezu in seine Geschichte. Schon die ersten Seiten machen klar, dass hier nichts beschönigt, kein hübsch poliertes Historienabenteuer abgeliefert und keine bequeme Exotik dargeboten wird. Stattdessen finde [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei HELLDORADO hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass mich dieser Comic nicht freundlich in seine Welt hineinbitten will. Stattdessen packt er mich am Hemd und zerrt mich geradezu in seine Geschichte. Schon die ersten Seiten machen klar, dass hier nichts beschönigt, kein hübsch poliertes Historienabenteuer abgeliefert und keine bequeme Exotik dargeboten wird.</p>
<p><span id="more-3418"></span></p>
<p>Stattdessen finde ich Hitze, Dreck, Angst und Blut und erhalte den Eindruck, dass auf dieser Insel jeder Atemzug schon einer zu viel sein kann. Die deutsche Ausgabe erschien bei Epsilon als 144 Seiten starke Hardcover-Gesamtausgabe und bündelt die ursprünglich in Frankreich einzeln veröffentlichten drei Alben zu einem Band. Und wie sich noch zeigt, ist das gut und richtig so!</p>
<p>Was mich beim Lesen sofort gepackt hat, war diese ruppige Direktheit. HELLDORADO macht keine Umwege. Der Comic lässt die Gewalt nicht geschönt aussehen und das Elend nicht edel. Das ist unkonventionell, manchmal auch anstrengend. Aber genau daraus zieht das Buch seine Wucht.</p>
<p>Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, mitten in etwas zu stecken, das längst außer Kontrolle geraten ist. Nicht nur ein Ort, sondern eine ganze Welt, die innerlich verfault noch bevor sie äußerlich zusammenbricht.</p>
<p>Und doch ist dies kein Comic, der nur auf Schock setzt. Zwischen all dem Grauen gibt es Figuren, an denen ich hängen bleibe. Junge Menschen, die keine Heldenposen brauchen, um interessant zu sein. Gerade das hat mich überzeugt.</p>
<p>Dieses Buch erzählt nicht von den &#8222;großen&#8220; Männern, die Geschichte schreiben. Es erzählt von den einfachen, normalen Menschen, die irgendwie durch diese Geschichte hindurch müssen, obwohl sie keiner gefragt hat, ob sie das auch wollen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3426" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712.jpg" alt="Innenseite 04 von HELLDORADO" width="712" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712.jpg 712w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-600x843.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></p>
<h3>Eine erfundene Insel mit sehr realem Schmerz</h3>
<p>Die Insel, auf der die Handlung spielt, ist frei erfunden. Auch das Volk der Syyanas ist keine direkte Darstellung einer historisch existierenden Gemeinschaft. So erhalte ich emotional wenigstens ein bisschen Abstand.</p>
<p>Der Comic gibt sich gar nicht erst als exakte Rekonstruktion für etwas aus. Er nimmt Motive aus der frühen kolonialen Expansion Spaniens, aus der Gewalt gegen indigene Gesellschaften und aus der Geschichte eingeschleppter Krankheiten und verdichtet all das zu einer wahrlich düsteren Erzählung.</p>
<p>Veröffentlicht wurde die Reihe in Frankreich zwischen 2006 und 2009 in drei Bänden. 2011 folgte dort auch die Gesamtausgabe. Die deutsche Ausgabe übernimmt genau dieses Format.</p>
<p>Gerade beim Thema Krankheit steht HELLDORADO auf einem historischen Fundament, das leider sehr belastbar ist. Im Zuge des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Columbian_Exchange" target="_blank" rel="nofollow noopener">Columbian Exchange</a> gelangten nach 1492 Krankheiten aus Europa, Asien und Afrika in die Amerikas. In der Karibik waren die Folgen besonders verheerend.</p>
<p>Bis 1600 brachen die indigenen Bevölkerungen auf den meisten Inseln um mehr als 99 Prozent ein. Das lag nicht nur an den Erregern selbst, sondern auch an Krieg, Vertreibung, Zwängen und der körperlichen sowie seelischen Erschöpfung, die koloniale Gewalt grundsätzlich mit sich bringt.</p>
<p>Dazu kommt der koloniale Apparat, der in solchen Geschichten nie bloß Kulisse ist. Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Encomienda" target="_blank" rel="nofollow noopener">Encomienda System</a> sollte auf dem Papier die Stellung der indigenen Bevölkerung regeln. In der Praxis wurde daraus jedoch oft eine Form von Ausbeutung und Zwang. Genau diese Mischung aus Mission, Herrschaft, Gier und Gewalt liegt auch über diesem Comic.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3432" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743.jpg" alt="Innenseite 07 von HELLDORADO" width="743" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743.jpg 743w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-300x404.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-600x808.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 743px) 100vw, 743px" /></p>
<h3>Drei junge Menschen in einer kaputten Welt</h3>
<p>Der Anfang von HELLDORADO ist brutal, sehr wirkungsvoll und kommt über weite Strecken ohne Worte aus.</p>
<p>Ein indigenes Dorf erwacht in der Ruhe des Morgens, nur um kurz darauf von spanischen Konquistadoren ausgelöscht zu werden. Ja, auch Frauen und Kinder, niemand wird geschont.</p>
<p>Dieser Auftakt hat mich nicht nur wegen seiner Härte gepackt, sondern auch wegen der Konsequenz mit der er den Ton setzt. Das Album macht sofort klar, dass hier jede Form von Ordnung nur eine dünne Firnis ist. Darunter lauern Gewalt, Brigantentum, Panik und blankes Überleben.</p>
<p>Aus den Rändern dieses Gemetzels treten zwei junge Männer hervor, Dathcino und Hutatsu. Später kommt mit dem Mädchen Initsii eine weitere Schlüsselfigur hinzu. Die Zukunft dieser Welt aus Feuer und Blut liegt in den Händen von zwei Jugendlichen und einem Mädchen, die vor allem eines miteinander verbindet: die Krankheit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3433" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736.jpg" alt="Innenseite 17 von HELLDORADO" width="736" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736.jpg 736w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-300x408.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-600x815.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px" /></p>
<h3>Die Seiten der Medaille</h3>
<p>Genau diese narrative Entscheidung gefällt mir. Statt den Blick an Heerführern oder Priestern festzukleben, hält sich das Werk an Figuren, die wenig &#8211; bis gar keine &#8211; Macht haben und deshalb viel erleiden müssen.</p>
<p>Dathcino ist schnell, trotzig und zäh. Hutatsu wirkt vorsichtiger und oft auch verletzlicher. Initsii bringt noch einmal eine andere Perspektive hinein, weil sie zwar aus der Welt der Syyanas kommt und doch nicht einfach in deren starre Ordnung passen will.</p>
<p>Aus diesem Dreieck zieht die Geschichte ihre emotionale Spannung. Ich lese nicht weiter, weil ich wissen will, welcher General gewinnt. Ich lese weiter, weil ich wissen will, ob diese drei durchkommen, ohne innerlich dabei zerstört zu werden.</p>
<p>Spannend ist auch, dass der Comic die Syyanas nicht bloß als makellose Gegenseite zu den Spaniern zeichnet. Natürlich ist die Gewalt der Eroberer klar benannt. Daran lassen die Alben keinen Zweifel. Aber auch innerhalb der indigenen Gesellschaft gibt es Härte, Aberglauben, blutige Rituale und Machtmechanismen, die Menschen zerstören. Hier ist der Band sehr nahe an Mel Gibson&#8217;s Film <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0472043/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_8_nm_0_in_0_q_apocal" target="_blank" rel="nofollow noopener">Apocalypto</a> (ebenfalls von 2006).</p>
<p>Das ist ein riskanter Aspekt, weil Stoffe dieser Art leicht in falsche Gleichmacherei kippen können. Im vorliegenden Fall fand ich die Herangehensweise jedoch meistens überzeugend, weil das Buch nicht verwischt, wer auf diese Insel gekommen ist, um zu herrschen, zu missionieren &#8211; und zu töten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3434" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733.jpg" alt="Innenseite 19 von HELLDORADO" width="733" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733.jpg 733w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-300x409.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-600x819.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 733px) 100vw, 733px" /></p>
<h3>Wenn die Seuche um sich greift</h3>
<p>Im weiteren Verlauf der Handlung spreizt sich die Geschichte weiter auf. Die Wege der drei jungen Figuren trennen sich, kreuzen sich wieder und zeigen dieselben Katastrophen, dann jedoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln.</p>
<p>Dathcino gerät in die Nähe der Spanier und wird dort zu einem Körper, an dem herumprobiert wird. Hutatsu findet zwischen Angst und Opportunismus echten Überlebenswillen. Initsii wiederum wird zum Zentrum einer verzweifelten Suche nach Rettung, die jedoch immer grausamer wird.</p>
<p>Im dritten Band wird ausdrücklich beschrieben, dass die ganze Insel nun von der Krankheit verwüstet ist, Initsii schwer erkrankt, Dathcino als Versuchskörper dient und Hutatsu in die Hände der Eroberer fällt.</p>
<p>Schön ist anders. Mir hat jedoch daran gefallen, dass der Comic nicht nur größer, sondern auch schmutziger wird. Je weiter er voranschreitet, desto deutlicher zeigt er, wie Seuche und Krieg sich gegenseitig füttern. Niemand handelt hier mehr frei. Alle reagieren nur noch. Herrscher greifen zu Grausamkeit, weil sie ihre Macht verlieren. Religiöser Eifer wird zum Deckmantel für Panik. Medizin kippt in Missbrauch. Und inmitten davon versuchen junge Menschen, sich einen Rest ihrer Würde zu bewahren. Das ist manchmal wirklich schwer auszuhalten. Aber es ist erzählerisch stark, weil der Band nie so tut, als ließe sich diese Welt mit einer sauberen Pointe retten.</p>
<p>Ganz frei von Problemen ist das andererseits nicht. Vor allem im letzten Drittel hatte ich ein paarmal den Eindruck, dass einzelne Entwicklungen etwas zu schnell auf eine mögliche, gute Zukunft zulaufen könnten. Als wolle der Band nach all dem Elend doch noch einen schmalen Ausgang offenhalten. Ich verstehe das. Ich mochte sogar, dass er nicht völlig in Finsternis endet.</p>
<p>Nur spürte ich an manchen Stellen, wie sehr sich die Geschichte dafür umsortieren muss. Der Weg dorthin ist ein wenig kürzer, als diese vorher so unerbittlich gebaute Welt eigentlich nahelegt.</p>
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<h3>Kein Abenteuer für bequeme Leser</h3>
<p>Genau darin liegt aber auch die Stärke von HELLDORADO. Dieser Comic will gar nicht gemütlich sein. Er nimmt sich Motive aus dem Abenteuercomic, aber nur, um sie bewusst dreckig zu machen: tropische Inseln, Konquistadoren, indigene Krieger, Fieber, Dschungel, Rituale und Kämpfe ums Überleben.</p>
<p>Das könnte in anderen Händen sehr schnell nach bravem Genre-Programm aussehen. Hier fühlt es sich eher wie ein Fiebertraum an, in dem jede romantische Vorstellung vom exotischen Abenteuer sofort verendet.</p>
<p>Ich mochte besonders, dass das Buch die Geschichte von unten erzählt. Es schaut nicht zuerst auf Eroberer als große Täterfiguren und auch nicht auf Könige als repräsentative Opferfiguren. Stattdessen bleibt es nah an körperlichen Erfahrungen: Hunger und Angst, Hitze und Ausschlag, Wunden und Schweiß. Das ist vielleicht der eigentliche Clou dieses Comics. Er denkt Gewalt nicht als abstraktes Thema, sondern als etwas, das in Muskeln, Haut und Schmerzen steckt. Daum liest er sich so unmittelbar.</p>
<p>Zugleich hat das Buch einen eigentümlich warmen Kern. Das klingt vielleicht seltsam bei so einem Stoff, aber ich meine es ernst. Zwischen all der Grausamkeit interessiert es sich für Bindungen, für spontane Loyalität und für die kleinen Gesten, in denen Menschen einander nicht völlig aufgeben. Gerade dadurch kippt der Band nie in bloßen Zynismus. Er ist hart, aber nicht kalt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3435" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722.jpg" alt="Innenseite 28 von HELLDORADO" width="722" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722.jpg 722w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-300x416.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-600x831.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></p>
<h3>In einem Rutsch liest es sich am besten</h3>
<p>Als Gesamtband hat HELLDORADO für mich einen echten Vorteil. Die drei ursprünglichen Alben SANTA MALADRIA, ESPERAR LA MUERTE und TODOS ENFERMOS! erschienen wie bereits erwähnt 2006, 2007 und 2009. 2011 wurden sie als Integral zusammengefasst.</p>

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<p>Für mich gewinnt die Geschichte, wenn ich sie nicht in Einzelportionen konsumieren muss, sondern als langen, unruhigen Fluss. Der erste Teil haut mich um, der zweite verästelt das Geschehen und der dritte zieht die Schlinge zu. In einem Band wirkt das alles geschlossener, drängender und auch emotional schärfer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3428" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698.jpg" alt="Innenseite 29 von HELLDORADO" width="698" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698.jpg 698w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-300x430.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-105x150.jpg 105w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-600x860.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px" /></p>
<h3>Ignacio Noé zeigt keine nette Welt</h3>
<p>Der größte Trumpf dieses Comics ist für mich Ignacio Noé. Ich kannte seine Arbeiten vorher schon, aber hier passt sein Stil besonders gut.</p>
<p>Noé zeichnet &#8211; nein, malt &#8211; Menschen nicht leicht, seine Körper haben Gewicht. Sie stehen nicht wie Figuren auf einer Bühne, sondern wirken, als müssten sie sich durch Luft, Hitze und Dreck hindurch bewegen. Ich spüre die Last der Waffen, den Sog des Schlamms, die Müdigkeit in den Schultern. Das klingt erst einmal nach einem kleinen Detail. Beim Lesen macht es aber enorm viel aus.</p>
<p>Besonders stark ist seine Mimik. Viele Historien-Comics erzählen Emotionen über große Gesten. Noé kann das auch, aber er verlässt sich nicht nur darauf. Ein schiefer Blick, ein verkrampfter Mund, eine zusammengesunkene Haltung reichen oft, damit eine Szene kippt. Dadurch bekommen selbst Figuren, die nicht viel Text haben, ein Eigenleben. Diese Insel ist nicht als Postkarte gezeichnet. Sie ist ein Ort, an dem Menschen sich festkrallen, auf ihr fliehen, auf ihr krank werden &#8211; und sterben.</p>
<p>Auf seiner <a href="https://ignacionoe.com/en/index.php" target="_blank" rel="nofollow noopener">offiziellen Seite</a> beschreibt Noé sich als argentinischen Illustrator und Comiczeichner, der sowohl für Comics als auch für Magazine, Kinderbücher und Literatur gearbeitet hat. Für HELLDORADO ist das wichtig, weil ich hier spüre, wie sicher er zwischen Illustration und Erzählfluss wechseln kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3430" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712.jpg" alt="Innenseite 34 von HELLDORADO" width="712" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712.jpg 712w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-600x843.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></p>
<h3>Farben glühen und faulen zugleich</h3>
<p>Weil Ignacio Noé auch die Farben übernommen hat, wirkt der Band wie aus einem Guss. Und das ist hier wirklich entscheidend. Die Farben machen diese Welt nicht schöner, sondern dichter: viel Ocker, viel Rot, schmutzige Grüntöne, schwere Schatten, fahle Haut, verdunkelte Innenräume. Das alles erzeugt einen Druck, der kaum nachlässt. Man hat beim Lesen fast das Gefühl, die Luft selbst sei krank.</p>
<p>Ich fand besonders stark, wie die Farben zwischen Fieber und Erde pendeln. Nichts wirkt frisch. Selbst dort, wo Pflanzen üppig wachsen und der Schauplatz theoretisch paradiesisch sein könnte, liegt immer schon etwas Fauliges darüber. Das gibt dem Comic seine ganz eigene Temperatur. Er sieht heiß und krank aus. Beides zusammen bleibt bei mir hängen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3431" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703.jpg" alt="Innenseite 36 von HELLDORADO" width="703" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703.jpg 703w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-300x427.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-105x150.jpg 105w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-600x853.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 703px) 100vw, 703px" /></p>
<h3>Zwei Autoren mit Lust am Risiko</h3>
<p>Jean David Morvan, Jahrgang 1969, stammt aus Reims, studierte Kunst am Institut Saint Luc in Brüssel und gehört seit Jahren zu den produktivsten frankobelgischen Szenaristen. Größere Bekanntheit erlangte er unter anderem mit <a href="https://www.carlsen.de/reihe/sillage" target="_blank" rel="nofollow noopener">SILLAGE</a> sowie mit <a href="https://www.carlsen.de/comics/spirou-und-fantasio" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPIROU UND FANTASIO</a>, das er zusammen mit <a href="https://panelwalker.de/tag/jose-luis-munuera/" target="_blank" rel="noopener">José Luis Munuera</a> prägte.</p>
<p>Für HELLDORADO arbeitete er mit Miroslav Dragan zusammen. Hinter diesem Namen steht Michel Dufranne, ein belgischer Autor und Kritiker, der sich gelegentlich hinter diesem Pseudonym verbirgt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HELLDORADO ist kein makelloser Comic. Einige Übergänge im Schlussdrittel hätte ich mir etwas zwingender gewünscht. Auch bekommt nicht jede Figur die Tiefe, die sie verdient hätte.</p>
<p>Aber das ändert wenig daran, dass hier sehr viel gelingt. Vor allem gelingt diesem Band etwas, das ich immer schätze: er bleibt unbequem, ohne eitel zu werden, er ist roh, ohne nur auf Effekthascherei zu setzen. Und er hat Bilder, die nicht romantisierend nach Historie aussehen, sondern nach einer Welt, die gerade vor meinen Augen entgleist.</p>
<p>Ich bewundere diesen Comic nicht, weil er schlau doziert. Ich habe ihn aber gelesen, weil er mich vom ersten Moment reingezogen hat, wegen seiner Hitze, wegen seiner Wucht und wegen seiner drei jungen Figuren, die in all dem Irrsinn ums Überleben kämpfen.</p>
<p>Aus der Beschaulichkeit meines Lesesessels ist HELLDORADO harter Tobak, oh ja! Aber genau deshalb bleibt etwas davon hängen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3436" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-300x413.jpg" alt="Cover von HELLDORADO" width="300" height="413" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-300x413.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-600x825.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727.jpg 727w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>HELLDORADO</li>
<li>Jean David Morvan, Miroslav Dragan und Ignacio Noé</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span data-asw-org-font-size="14">978-3-86693-089-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.epsilongrafix.de/index.php/unser-shop/helldorado/helldorado-detail" target="_blank" rel="nofollow noopener">Epsilon Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW: vom Buch zum Film</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/supergirl-woman-of-tomorrow-vom-buch-zum-film/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 05:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Movie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Bilquis Evely]]></category>
		<category><![CDATA[Matheus Lopes]]></category>
		<category><![CDATA[Panini Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Tom King]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Möglicherweise ist er &#8211; wie schon 2014 GUARDIANS OF THE GALAXY &#8211; ein Film, der sein Publikum nicht nur über Bilder sondern auch über seine Musik erreicht. Jimmy Ruffin&#8217;s &#8222;What becomes of the Brokenhearted&#8220; und Blondie&#8217;s &#8222;Call Me&#8220; aus den Trailern könnten hierfür einen starken Hinweis liefern. Am 25. Juni kommt Craig Gillespie&#8217;s SUPERGIRL mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Möglicherweise ist er &#8211; wie schon 2014 <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt2015381/?ref_=nv_sr_srsg_2_tt_8_nm_0_in_0_q_guardians%20of%20the%20" target="_blank" rel="nofollow noopener">GUARDIANS OF THE GALAXY</a> &#8211; ein Film, der sein Publikum nicht nur über Bilder sondern auch über seine Musik erreicht. Jimmy Ruffin&#8217;s &#8222;What becomes of the Brokenhearted&#8220; und Blondie&#8217;s &#8222;Call Me&#8220; aus den Trailern könnten hierfür einen starken Hinweis liefern.</p>
<p>Am 25. Juni kommt Craig Gillespie&#8217;s <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Q9bBcSe5Qe8" target="_blank" rel="nofollow noopener">SUPERGIRL</a> mit Milly Alcock als Kara Zor-El, Matthias Schoenaerts als Krem und Eve Ridley als Ruthye Marye Knoll in die deutschen Kinos. Das ist ein schöner Moment, um den Comic von Tom King und Bilquis Evely u.a. noch einmal zur Hand zu nehmen.</p>
<p>Nicht als Pflichtlektüre vor dem Film natürlich, sondern eher als Gegenmittel gegen die sehr verbreitete Vorstellung, SUPERGIRL sei einfach Superman mit blondem Haar und einem Rock. Denn mit dieser Ansicht räumt SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW sehr gründlich auf.</p>
<p><span id="more-4177"></span></p>
<p>Tom King, Bilquis Evely und Matheus Lopes erzählen in 8 Ausgaben keine glänzende Geschichte. Sie schicken Kara auf eine Reise durch fremde Welten, in Kneipen unter roten Sonnen, auf staubige Planeten und zu sprechenden Wesen, erzählen von alten Wunden und sehr jungen Rachefantasien.</p>
<p>Ich habe beim ersten Lesen ursprünglich schnell gemerkt, dass dieser Comic nicht daran interessiert ist, SUPERGIRL netter zu machen. Er will sie wahrer erscheinen lassen. Das ist ein Unterschied! Kara ist hier nicht weniger heldenhaft als ihr Cousin. Sie ist jedoch müder, älter im Herzen und deutlich schneller bereit, jemandem die Laune zu verderben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4179" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657.jpg" alt="Innenseite 01 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="657" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657.jpg 657w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657-263x400.jpg 263w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657-600x913.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 657px) 100vw, 657px" /></p>
<h3>Argo City brennt noch immer</h3>
<p>SUPERGIRL erschien als Kara Zor-El 1959 in ACTION COMICS #252. Geschrieben wurde ihr Debüt von Otto Binder, gezeichnet von Al Plastino.</p>
<p>Schon damals war sie mehr als eine bloße Ergänzung der Superman-Familie. Sie kam aus Argo City, einem überlebenden Bruchstück Kryptons. Auch ihr Ursprung war also von Anfang an mit Verlust verbunden. Nur wurde dieser Verlust lange meist verharmlosend geglättet. Kara sollte helfen, lächeln, sich fügen und im Zweifel im Schatten ihres berühmteren Cousins bleiben und verkörperte damit natürlich ein Frauenbild ihrer Zeit.</p>
<p>Tom King greift genau diesen Schatten auf. Seine Kara wurde nicht als Baby auf der Erde von liebevollen Eltern aufgenommen. Sie hat Krypton gekannt und bewusst verloren. Sie hat gesehen, wie ihre Heimat, ihre Familie und ihre Zukunft verschwanden.</p>
<p>Das klingt erst einmal nach einer kleinen Änderung im bekannten Mythos, verändert aber Wesentliches. Superman steht für die Chance, neu anzufangen. Dieses SUPERGIRL jedoch steht für das Weiterleben nach dem Ende.</p>
<p>Die achtteilige Miniserie erschien von Juni 2021 bis Februar 2022 bei DC und liegt inzwischen in mehreren Sammelausgaben vor. Die Deluxe Edition umfasst die komplette Geschichte. DC selbst stellt den Band deutlich als prägende Supergirl-Erzählung heraus und das ist keine Übertreibung, sondern ziemlich treffend.</p>
<p>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW nimmt eine Figur, die oft zwischen Symbol und Nebenrolle eingeklemmt war und gibt ihr eine eigenes, ja &#8211; emanzipatorisches Gewicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4180" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657.jpg" alt="Innenseite 02 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="657" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657.jpg 657w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657-263x400.jpg 263w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657-600x913.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 657px) 100vw, 657px" /></p>
<h3>Krypto beißt nicht nur fürs Merchandising</h3>
<p>Die Geschichte beginnt nicht auf der Erde, sondern direkt draußen im All. Kara feiert ihren Geburtstag auf einem Planeten mit roter Sonne. Dort sind ihre Kräfte gedämpft &#8211; und dort kann sie bis zum Umfallen trinken.</p>
<p>Das ist ein starker Einstieg, weil er die Figur sofort menschlicher macht aber auch verschiebt. Diese SUPERGIRL sitzt zu ihrem Jahrestag nicht auf einem Wolkenkratzer und lächelt in den Sonnenaufgang. Sie hängt in einer Kneipe &#8218;rum und sieht so aus, als habe sie die Nase voll vom ganzen Kosmos.</p>
<p>Dann taucht Ruthye Marye Knoll auf, ein Mädchen, dessen Vater von Krem of the Yellow Hills ermordet wurde. Ruthye sucht keine Rettung. Sie sucht eine Waffe und sie will Kara anheuern, damit Krem stirbt. Kara lehnt das zunächst ab, denn sie gehört zur Superman-Familie und Töten passt nicht zu diesem Erbe.</p>
<p>Doch Krem greift ein, verletzt Krypto mit einem vergifteten Pfeil und stiehlt Kara&#8217;s Raumschiff. Plötzlich ist aus einer Bitte um Rache eine lebenswichtige Verfolgung geworden und aus einer betrunkenen Begegnung ein seltsam kratziges Bündnis zweier, junger Frauen.</p>
<p>Ruthye erzählt die Geschichte in einer Sprache, die bewusst altmodisch klingt. Das wirkt am Anfang sperrig. Ich brauchte ein paar Seiten, bis ich in diesen Ton hineinkam. Danach trägt er sehr viel. Denn Ruthye ist keine neutrale Erzählerin. Sie blickt auf Kara wie auf eine Legende, die vor ihren Augen ständig Dellen bekommt. Genau daraus entsteht jedoch der Reiz dieser Geschichte: Kara ist für Ruthye überlebensgroß, aber nie fehlerlos.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4181" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659.jpg" alt="Innenseite 03 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="659" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659.jpg 659w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659-600x910.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px" /></p>
<h3>Die Phantomzone liegt im Herzen</h3>
<p>Die Reise führt durch fremde Gesellschaften, Gewalt, Armut, Gier und kleine Wunder. King zählt dabei nicht einfach Stationen auf. Er lässt jede Etappe an Ruthye&#8217;s Wunsch nach Vergeltung kratzen. Das Mädchen folgt einer klaren Logik: Krem hat getötet, also muss Krem sterben.</p>
<p>Kara weiß, wie verführerisch dieser Satz ist. Sie weiß es nicht aus Lehrbüchern. Sie kennt die Wut, weil in ihr selbst ein ganzer Planet weiterbrennt.</p>
<p>Der Comic gewinnt viel Kraft daraus, dass Kara nicht als reine, moralische Instanz auftritt. Sie ist nicht die Erwachsene, die einem Kind geduldig erklärt, was richtig ist und was falsch. Sie ist selbst gefährdet, ihre Härte hat Gründe und doch bleibt sie Härte.</p>
<p>SUPERGIRL hilft Ruthye und führt sie zugleich in die Nähe des Abgrunds. Das macht die Beziehung der beiden spannend. Ruthye lernt von Kara, Kara lernt aber ebenso von Ruthye, weil das Mädchen sie zwingt, die eigenen Gewissheiten zu hinterfragen.</p>
<p>Das Finale führt die Rachefrage schließlich nicht billig zu einem Ende. Krem wird gestellt, doch die entscheidende Bewegung liegt nicht im Zuschlagen, sondern im Innehalten.</p>
<p>Dass der Comic später noch einmal in die ferne Zukunft springt, wirkt zuerst wie ein Märchenkniff. Für mich passt der Twist aber trotzdem ins Szenario. Diese Geschichte braucht den langen Atem. Schuld, Zorn und Vergebung verschwinden nicht nach einem Endkampf. Diese Geschichte brauchen Zeit, in diesem Fall sehr viel Zeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4182" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659.jpg" alt="Innenseite 04 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="659" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659.jpg 659w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659-600x910.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px" /></p>
<h3>Im Orbit von Superman</h3>
<p>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW ist für mich besonders interessant, weil der Band den Superman-Mythos nicht ablehnt, aber sich an ihm reibt. Kara trägt dasselbe Zeichen, aber sie kann es nicht auf dieselbe Weise führen wie Clark. Er wurde auf der Erde angenommen, Kara wurde entwurzelt. Diese Differenz ist der Motor einer komplett anderen  Geschichte.</p>
<p>Damit passt der Comic gut in Tom King&#8217;s stärkere Superheldenarbeiten. King interessiert sich oft für Figuren, die nach außen klar lesbar sind, in denen innerlich jedoch längst Risse stecken.</p>
<p>Bei MISTER MIRACLE, THE VISION oder HUMAN TARGET geht es ebenfalls darum, was Heldentum kostet, wenn Alltag, Trauma und die eigene Rolle nicht mehr sauber zu trennen sind. Bei Kara funktioniert dieser Ansatz besonders gut, weil sie als Figur lange nach einer eigenen, großen Erzählung gesucht hat.</p>
<p>Zum Film &#8211; den ich noch schauen muss &#8211; lässt sich ohne Spekulation nur wenig sagen. Gillespie&#8217;s SUPERGIRL übernimmt die zentralen Namen und die grobe Grundrichtung des Comic. Kara, Ruthye, Krem, Krypto und die interstellare Reise gehören sichtbar zur Verwandtschaft von Comic und Leinwand.</p>
<p>Zugleich steht fest, dass der Film andere Akzente setzt. Lobo &#8211; gespielt von Jason Momoa &#8211; gehört zur Besetzung, spielt im Comic aber keine Rolle. Auch Superman wird im offiziellen Cast geführt. Das deutet auf eine stärkere Verankerung in James Gunn&#8217;s neuem Kino-DC hin, während der Comic gerade durch seine Ferne zur Erde so gut funktioniert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4183" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661.jpg" alt="Innenseite 05 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="661" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661.jpg 661w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661-600x908.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 661px) 100vw, 661px" /></p>
<h3>Kandor im Sternenstaub</h3>
<p>Bilquis Evely ist das eigentliche Wunder dieses Bandes. Ihre Seiten sind detailreich, aber nie zugestopft. Sie zeichnet Räume, in denen ich gern länger geblieben wäre. Märkte, Landschaften, Raumschiffe und Ruinen bekommen eine eigene Attraktivität. Evely liebt Linien, Ornamente und Stofflichkeit. Gleichzeitig bleibt die Handlung immer lesbar. Ich verliere nie Kara&#8217;s Blick, Ruthye&#8217;s Trotz oder Kremen&#8217;s kalte Selbstsicherheit aus den Augen.</p>
<p>Die Frage, die sich mir bereits auf den ersten Seiten stellt, ist die nach einer grafischen &#8222;Verwandtschaft&#8220; zu Moebius und <a href="https://www.splitter-verlag.de/moebius-collection-arzach-hermetische-garage.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ARZACH</a>. Ja, in manchen Momenten erinnert Evely&#8217;s Arbeit sehr an diese Lust am fremden Raum, an weite Science-Fiction-Landschaften und an Figuren, die in seltsamen Architekturen fast klein wirken.</p>
<p>Aber Evely ist keine Nachahmerin. Ihr Strich ist wärmer, erzählerischer, stärker an Mimik und Körperhaltung gebunden. Moebius lässt Welten oft schweben, Evely lässt sie atmen.</p>
<p>Besonders schön ist ihr Umgang mit Kara selbst. Dieses SUPERGIRL fliegt natürlich, kämpft natürlich und ist &#8211; natürlich &#8211; mächtig. Doch Evely zeichnet sie am stärksten, wenn sie sitzt, wenn sie schweigt und wenn sie die Schultern hängen lässt oder Ruthye nur von der Seite ansieht. Darin zeigt sich ihr ganzes Können, denn in einem Gesichtsausdruck steckt hier mehr Geschichte als in so mancher Prügelsequenz.</p>
<p>Auch der Seitenrhythmus ist klug angelegt. Große Bilder öffnen den Kosmos, engere Abfolgen holen die Figuren jedoch wieder auf Augenhöhe. Der Comic pendelt so zwischen Sternenoper und Kammerspiel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4184" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653.jpg" alt="Innenseite 10 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="653" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653.jpg 653w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653-261x400.jpg 261w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653-600x919.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px" /></p>
<h3>Gelbe Sonne, rote Wunden</h3>
<p>Schwarz-Weiß würde das Werk vielleicht funktionieren. Matheus Lopes&#8216; Farben geben dem Band aber seine Seele. Diese Farben erzählen mit, wenn ein Ort verheißungsvoll ist und wann er kippt.</p>
<p>Rote Sonnen nehmen Kara ihre Macht und ihre Sicherheit, blaue und violette Räume lassen das All schön und kalt wirken. Warme Ocker- und Goldtöne geben manchen Planeten eine Western-Trockenheit, dass ich den Staub auf der Zunge schmecken kann.</p>
<p>Lopes koloriert nicht einfach spektakulär. Er hält die Zeichnung zusammen. Gerade weil Evely so viel zeichnet, braucht der Band eine Farbdramaturgie, die führt und sortiert. Lopes schafft das. Seine Farben machen den Kosmos groß, ohne die Figuren zu verschlucken.</p>
<p>Krypto wirkt nicht niedlich aufgeklebt, sondern körperlich im Bild. Ruthye bleibt verletzlich, auch wenn sie in knalligen, fremden Umgebungen steht. Kara wiederum bekommt keine einfache Licht-Aura. Sie leuchtet, ja, aber oft leuchtet sie gegen Dunkelheit an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4185" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652.jpg" alt="Innenseite 11 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="652" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652.jpg 652w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652-261x400.jpg 261w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652-600x920.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 652px) 100vw, 652px" /></p>
<h3>Mit dem Röntgenblick auf die Kreativen</h3>
<p>Tom King, geboren 1978, ist ein US-amerikanischer Autor und ehemaliger CIA-Mitarbeiter. Im Comicbereich wurde er vor allem durch THE VISION für Marvel sowie durch BATMAN, MISTER MIRACLE, STRANGE ADVENTURES, HUMAN TARGET und WONDER WOMAN für DC bekannt (keine Links zu seinen Werken, sucht diesmal selbst).</p>
<p>King schreibt gern über Heldinnen und Helden, die nach außen fest gebaut wirken und innerlich mit Schuld, Angst oder Kriegserfahrung ringen. Seine besten Arbeiten verbinden klare Genreformen mit einem spürbaren Interesse an verletzten Menschen. Bei DC Studios gehört King außerdem zum kreativen Umfeld des neuen DC Universe.</p>
<p>Bilquis Evely ist eine brasilianische Comiczeichnerin aus Barueri im Großraum São Paulo. Sie arbeitete unter anderem an WONDER WOMAN, THE SANDMAN UNIVERSE und THE DREAMING, bevor sie mit Tom King und Matheus Lopes diese SUPERGIRL-Miniserie gestaltete.</p>
<p>Später arbeitete das Team erneut bei <a href="https://www.darkhorse.com/books/3012-872/helen-of-wyndhorn-hc/" target="_blank" rel="nofollow noopener">HELEN OF WYNDHORN</a> zusammen. Dieses Werk wurde 2025 mit vielen Nominierungen bei den Eisner Awards berücksichtigt. <a href="https://www.comic-con.org/de/awards/eisner-awards/past-recipients/past-recipenties-2020s/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Evely gewann Best Penciler / Inker</a>. Evely&#8217;s Stärke liegt in fein geführten Linien, ausdrucksvollen Gesichtern und einer seltenen Mischung aus Pracht und Klarheit. Ihre Bilder können märchenhaft wirken, bleiben aber fast immer erzählerisch präzise.</p>
<p>Matheus Lopes, auch als Mat Lopes geführt, ist ein brasilianischer Kolorist. Er arbeitet seit 2012 regelmäßig im US-Comicmarkt und war für Verlage wie DC, Marvel, Image, Skybound, IDW, Dark Horse und Dynamite tätig. Zu seinen Arbeiten zählen neben SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW auch STEP BY BLOODY STEP und HELEN OF WYNDHORN. Lopes gehört zu den Koloristen, deren Arbeit nicht bloß Stimmung ergänzt. Er baut Leseführung, Tiefe und Tempo mit Farbe. In diesem Band ist das entscheidend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4186" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651.jpg" alt="Innenseite 12 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="651" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651.jpg 651w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651-260x400.jpg 260w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651-600x922.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Mein Fazit fällt ziemlich klar aus. SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW ist einer der seltenen Superheldencomics, die eine bekannte Figur nicht neu in &#8222;in alten Schläuchen&#8220; präsentieren, sondern ganz neu definieren.</p>
<p>Der Band ist manchmal etwas verliebt in Ruthye&#8217;s altertümliche Erzählerstimme &#8211; egal! Einige Passagen könnten einen Hauch knapper sein &#8211; na gut. Doch diese kleinen Einwände ändern wenig am Gesamteindruck.</p>
<p>Tom King findet eine starke Frage: Was wird aus Heldentum, wenn der Schmerz nicht verschwindet? Bilquis Evely und Matheus Lopes finden dafür die Bilder, die lange nachglühen.</p>
<p>Der Comic selbst ist kosmisch, ruppig, schön, traurig und stellenweise erstaunlich zart. Ich habe ihn nicht gelesen, um für den Film vorbereitet zu sein, auch wenn DER Anstoß war, ihn erneut in die Hand zu nehmen.</p>
<p>Am Ende hatte ich das Gefühl, Kara Zor-El als eigene Figur vor mir zu haben. Nicht als Ableitung, nicht als Variante derer aus dem Hause Superman, sondern als eigenständige &#8222;Woman of Tomorrow&#8220;. Eine klare Leseempfehlung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4178" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-260x400.jpg" alt="Cover von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="260" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-260x400.jpg 260w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-600x922.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651.jpg 651w" sizes="auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SUPERGIRL &#8211; DIE FRAU VON MORGEN</li>
<li>Tom King, Bilquis Evely und Matheus Lopes</li>
<li>Softcover | 228 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3741629976</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/supergirl-die-frau-von-morgen-dosmi018-de02.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Panini Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>DIE ADOPTION: QINAYA &#8211; Vom Erdbeben direkt ins Herz</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 05:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Zartbitter]]></category>
		<category><![CDATA[Arno Monin]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Zidrou]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Familien-Comics sind ein Genre für sich. Und ich traue ihnen nicht automatisch. Zu oft wird es weichgespült, geschniegelt und das bleibt es dann auch. DIE ADOPTION 1: QINAYA geht da einen anderen Weg. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass Zidrou und Arno Monin keine Wohlfühl-Story erzählen wollen. Sie erzählen von einer Adoption aus [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/">DIE ADOPTION: QINAYA – Vom Erdbeben direkt ins Herz</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Familien-Comics sind ein Genre für sich. Und ich traue ihnen nicht automatisch. Zu oft wird es weichgespült, geschniegelt und das bleibt es dann auch.</p>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA geht da einen anderen Weg. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass Zidrou und Arno Monin keine Wohlfühl-Story erzählen wollen. Sie erzählen von einer Adoption aus Peru nach Frankreich und von einem älteren Mann namens Gabriel, der plötzlich Großvater sein soll, obwohl er schon früher mit der Vaterrolle nie warm geworden ist. Genau daraus zieht der Band seine Kraft. Er will berühren, ja. Aber er will mich vorher an die richtigen Stellen kitzeln: an Stolz, an Ungeschick, Scham, Trotz und an diese kleinen, sehr menschlichen Abwehrbewegungen, die Nähe oft erst einmal aktiv verhindern.<span id="more-3636"></span></p>
<p>Was mich an DIE ADOPTION 1: QINAYA sofort gereizt hat, ist der Tonfall. Der Comic ist warm, aber nicht süßlich. Er ist humorvoll, aber nie auf Pointe geschrieben. Und er hat ein Gespür für den Alltag, das ich in solchen frankobelgischen Stoffen besonders schätze. Nicht das große Programm &#8222;Familie&#8220; interessiert Zidrou hier zuerst, sondern das leise Chaos, das entsteht, wenn ein neues Kind in ein längst eingerichtetes Leben einbricht.</p>
<p>Da steht dann kein Pathos im Raum, sondern ein alter Sessel, ein genervter Blick, eine ungeschickte Bemerkung und irgendwann ein Moment, in dem der Widerstand langsam bröckelt. Genau dort wird dieser Band stark. Zidrou weiß, wie er solche Geschichten erzählen muss.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2083" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 11 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Woher dieser Stoff seine Wärme nimmt</h2>
<p>Ein Blick auf die Entstehung hilft. Zidrou &#8211; bürgerlich: Benoît Drousie &#8211; kommt nicht aus einem literarisch kühlen Autorenmilieu, sondern war zunächst Lehrer und schrieb in den frühen neunziger Jahren erst Kinderbücher, dann Lieder und dann Comics. Er hat also ein Gespür für kindliche Perspektiven, ohne Kinder selbst zu verniedlichen.</p>
<p>Zugleich hat er sich im Lauf seiner Karriere immer stärker in Richtung realistischer, empfindsamer Erzählungen bewegt. Dass ausgerechnet er einen Stoff wie QINAYA schreibt, passt also gut. Ihn interessiert nicht die Idee einer Familie als Sonntagsbild. Ihn interessieren Reibung, Fehler und das, was Menschen &#8211; trotz ihrer Schwächen &#8211; füreinander tun.</p>
<p>Arno Monin bringt dafür die richtige Bildsprache mit. Laut seiner Autorenbiografie kam er über Kunstgeschichte, angewandte Kunst, Zeichnung, Animation und Comic zum Erzählen in Bildern. Diese Mischung spürt ich hier deutlich. Seine Seiten denken nicht nur in schönen Einzelbildern. Sie denken in Blickrichtungen, in Körperhaltungen, in kleinen Abfolgen von Gesten. In QINAYA federt die Sanftheit des Zeichenstils die Härte des Stoffes nicht ab, sondern macht sie umso deutlicher.</p>
<p>Spannend ist auch der Serienrahmen. Im französischen Original startete QINAYA 2016 als erster Teil vom ersten Zyklus und war ausdrücklich als Band 1 von 2 angelegt. Der deutsche Splitter Band erschien 2017. Heute führt die Reihe weitere Zyklen fort, aber dieser erste Auftakt gehört noch zu einem Zweiteiler, der mit DIE ADOPTION 2: LA GARÚA endet. Das merke ich beim Lesen deutlich, denn der erste Band endet mit einem Kracher.</p>
<p>Der Band erzählt genug, um eigenständig zu berühren. Gleichzeitig legt er Spuren, deren Gewicht erst im zweiten Teil voll sichtbar werden. Als Auftakt ist das klug, weil der Comic Nähe aufbaut und dabei nie so tut, als wäre eine Adoption nach der Ankunft schon erledigt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2084" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 10 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Ein neues Kind im Haus</h2>
<p>Die Ausgangslage ist schnell umrissen, aber Zidrou nutzt sie sehr geschickt. Alain und Lynette, ein kinderloses Paar Mitte vierzig, adoptieren nach einem verheerenden Erdbeben in Peru die vierjährige QINAYA.</p>
<p>Schon dieser Anfang hat eine gewisse Wucht, weil er nicht lange bei der Katastrophe stehen bleibt. Der Comic zeigt stattdessen, was danach kommt. Ein Kind reist in eine fremde Sprache, in ein neues Land, ein neues Haus und in eine neue Familie. Alles ändert sich und alle wollen alles richtig machen. Genau dadurch entsteht schon die erste Unsicherheit. Zu viel Aufmerksamkeit kann auch zu viel Druck werden. Denn auch zu viel Zärtlichkeit kann für ein Kind, das gerade alles verloren hat, wie ein weiterer Übergriff wirken.</p>
<p>Im Zentrum steht dann überraschend nicht das Elternpaar, sondern Gabriel, der Griesgram von einem Großvater. Das finde ich eine sehr gute Entscheidung. Denn Gabriel ist kein sentimentaler Bilderbuchopa. Er ist störrisch, abweisend, stolz auf eine Weise, die sofort nervt und gerade deshalb so glaubwürdig ist. Seine Frau geht viel offener auf QINAYA zu.</p>
<p>Alain und Lynette sind voller Hoffnung. Gabriel dagegen steht quer im Bild. Er sagt die falschen Dinge, zieht sich zurück und wirkt, als habe ihn das ganze Unternehmen in seiner Ruhe beleidigt. Ich mochte daran, dass Zidrou ihn nicht künstlich sympathisch macht. Gabriel ist am Anfang wirklich &#8230; unerquicklich. Genau deshalb fühlt sich die langsame Veränderung, seine Heldenreise, später verdient an.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2085" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000.jpeg" alt="Innenseite 09 von DIE ADOPTION 1" width="711" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000.jpeg 711w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000-300x422.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000-600x844.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /></p>
<h2>Wie aus Widerstand vorsichtige Nähe wird</h2>
<p>Die eigentliche Bewegung des Bandes liegt in den kleinen Alltagsverschiebungen. QINAYA ist nicht einfach nur das niedliche Kind, das alle Herzen im Sturm nimmt. Sie bringt Freude mit, ja, aber auch Irritation, Trauer, Missverständnisse und diese stille Unruhe, die Kinder aus einer Gewalterfahrung nicht einfach an der Garderobe abgeben.</p>
<p>Der Comic macht daraus keinen Problemkatalog, sondern zeigt lieber exemplarische Situationen: hier ein Blick zu lang, dort eine Geste, die nicht erwidert wird, wieder eine peinliche Bemerkung von Gabriel. Oder doch einen gemeinsamen Moment, der versehentlich schön wird. So wächst zwischen dem alten Mann und dem Mädchen langsam etwas, das zuerst gar keinen Namen braucht. Anfängliches Vertrauen reicht als Wort zunächst völlig aus.</p>
<p>Dabei gefällt mir besonders, wie offen der Band mit Unbeholfenheit umgeht. Gabriel hat keine pädagogische Sprache, während QINAYA ihre Verluste nicht in reifen Sätzen äußern kann. Auch die Erwachsenen ringsum handeln oft aus Überforderung. Dadurch bekommt die Geschichte etwas sehr Geerdetes. Ich habe hier nie das Gefühl, dass Figuren nur eine These bebildern. Sie stolpern, wiederholen Fehler und lernen (zu) spät.</p>
<p>Genau so entsteht Glaubwürdigkeit. Und genau so entgeht der Comic dem Kitsch. Selbst dann, wenn er mich emotional klar in Richtung Herz drückt, bleibt er an seinen Figuren dran und lässt ihnen ihre Macken. Dass der Band am Ende nicht in Harmonie ausläuft, sondern einen schmerzhaften Einschnitt setzt, macht diesen ersten Teil nur stärker. Ich war danach nicht angenehm beruhigt, sondern aufgewühlt. Das ist mehr wert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2086" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 08 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Familiengeschichte statt Thesenpapier</h2>
<p>Erzählerisch leistet der Comic vor allem eines sehr gut: er erzählt über Adoption, ohne den Stoff auf das Thema zu reduzieren. Natürlich geht es um Herkunft, Zugehörigkeit und um die Frage, ob Liebe einfach da ist oder mit der Zeit wachsen muss. Aber Zidrou macht daraus keinen erklärenden Problem-Comic. Er bleibt bei einer Familie und zeigt, wie unterschiedlich dieselbe Situation erlebt wird.</p>
<p>Für die Eltern ist QINAYA Erfüllung und Herausforderung zugleich. Für Gabriel ist sie Zumutung, Spiegel und späte Chance. QINAYA selbst ist vor allem ein Kind, das in einer neuen Welt zurechtkommen muss. Dadurch bekommt der Band eine Mehrstimmigkeit, die ich sehr schätze.</p>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA ist kein Abenteueralbum und keine klassische Graphic Novel der großen Gesten. Der Band lebt von Zwischentönen, von nicht ausgesprochenen Schuldgefühlen und von der Ahnung, dass Eltern- und Großelternschaft nicht einfach biologische Zustände sind. Sie müssen ge- bzw. erlebt werden.</p>
<p>Gerade als Auftaktband funktioniert das hervorragend. Ich lerne die Figuren schnell kennen, ich verstehe die emotionale Grundspannung und spüre am Ende sehr klar, warum es noch einen zweiten Teil braucht. Das ist für einen Serienstart beinahe die beste Mischung.</p>
<p>Eine kleine Schwäche sehe ich trotzdem. Einige emotionale Übergänge sind sehr effektiv gebaut und dadurch fast schon zu sauber, bevor der Band in seine große emotionale Zuspitzung geht. Nicht weil ich Distanz gesucht hätte. Eher weil die Figuren so gut sind, dass ich ihnen weitere, sperrige Zwischentöne zugetraut hätte. Das ist kein echter Makel, wahrlich nicht. Es ist eher der Punkt, an dem ich merke, wie hoch der Comic sein eigenes Niveau hängt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2087" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 07 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Arno Monin erzählt mit Blicken</h2>
<p>Zeichnerisch ist das Album für mich der eigentliche Trumpf. Monin kann Gesichter leben lassen. Gabriel lebt nicht von großen Monologen, sondern von Augenbrauen, Schulterhaltung, Mundwinkeln und dieser etwas steifen Körperlichkeit eines Mannes, der Gefühle lieber in einen hinteren Winkel seines Wesens verstaut.</p>
<p>QINAYA wiederum ist nie bloß süß gezeichnet. Sie wirkt klein, wach, neugierig, manchmal offen, manchmal verschlossen. Gerade darin liegt die zeichnerische Leistung. Monin behandelt Kinder nicht mit cartoonesker Verniedlichung, sondern als eigenständige Präsenz im Raum. Dies verändert den ganzen Band.</p>
<p>Dazu kommt ein sehr gutes Gespür für Rhythmus. Die Seiten wechseln zwischen ruhig gesetzten Alltagsszenen und kleinen Montagen, in denen Zeit vergeht, ohne dass viel erklärt werden muss. Ich sehe Wohnzimmer, Garten, Küche, Wege durchs Haus, kurze Begegnungen draußen. Nichts davon ist spektakulär, aber alles ist erzählerisch sauber. Räume werden nicht dekoriert, sondern bewohnt. Dadurch entsteht eine Vertrautheit, die wichtig ist. Denn QINAYA muss sich in dieser Welt ebenso erst einfinden, wie ich als Leser.</p>
<p>Besonders stark ist Monin, wenn er Text zurücknimmt und Gesichter oder Abläufe sprechen lässt. Da wird der Comic leise und zugleich sehr präzise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2088" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 06von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<p>Arno Monin gehört zu den Zeichnern, die starke Gefühle nicht mit Lautstärke verwechseln. Nach einem literarischen Abitur und einem Jahr Kunstgeschichte wechselte er an eine Schule für angewandte Kunst mit Schwerpunkt Zeichnung, Animation und Comic. Bei Grand Angle machte er früh mit L’ENVOLÉE SAUVAGE und L’ENFANT MAUDIT auf sich aufmerksam. Später folgten unter anderem MERCI, MONSIEUR JULES und eben diese verschiedenen Zyklen von L’ADOPTION.</p>
<p>Sein Markenzeichen ist ein weicher, empathischer Strich, der ernste Stoffe zugänglich macht, ohne sie zu verharmlosen. Gerade in Familiengeschichten ist das eine seltene Stärke.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2089" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 05 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Warmes Licht, kalte Blautöne</h2>
<p>Auch die Farbe trägt viel. Monin koloriert selbst und das merke ich positiv. Die warmen Innenräume geben der Geschichte zunächst etwas Geborgenes, das fast trügerisch wirken kann. Dem stehen kühlere, blaue Töne gegenüber, sobald Einsamkeit, Nacht oder innere Distanz ins Bild rücken.</p>
<p>Diese Farbdramaturgie ist nicht aufdringlich. Sie arbeitet eher unter der Oberfläche. Gerade deshalb funktioniert sie. Ich habe selten das Gefühl, hier wolle mich jemand mit Bedeutung anstrahlen. Stattdessen ziehen die Farben die Stimmung ganz sanft enger oder weiter. Für einen Comic, der so stark auf Nähe und Unsicherheit baut, ist das genau richtig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2090" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 04 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Fazit</h2>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA ist für mich ein starkes, klug gebautes Familienalbum. Nicht weil es mich bloß rührt, sondern weil es sehr genau weiß, wie Nähe entsteht, wie unerquicklich Menschen dabei sein können und wie viel in einem Blick zwischen einem Kind und einem alten Mann stecken kann.</p>
<p>Zidrou schreibt warm und mit sicherem Gespür für Reibung. Arno Monin hebt das Ganze mit seiner leisen, menschlichen Bildsprache noch einmal an. Ein Auftakt, der mir nicht einfach gefallen hat. Er ist mir nahe gegangen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_2094" aria-describedby="caption-attachment-2094" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2094" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-300x416.jpeg" alt="Cover von DIE ADOPTION 1" width="300" height="416" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-300x416.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-600x832.jpeg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000.jpeg 721w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2094" class="wp-caption-text">Die Adoption1 &#8211; QINAYA</figcaption></figure>
<ul id="infobox">
<li>DIE ADOPTION 1: QINAYA</li>
<li>Zidrou und Arno Monin</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95839-529-9</li>
<li>Storyline: ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★★</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-adoption-bd-1-qinaya.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: left;"> </p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/">DIE ADOPTION: QINAYA – Vom Erdbeben direkt ins Herz</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>DIGGER geht &#8211; Flucht aus dem inneren Gefängnis</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Erlangen]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Kult Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Ralf Marczinczik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ralf Marczinczik &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://comixfactory.de/?go=about" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ralf Marczinczik</a> &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an bekannten Stoffen wie MOORHUHN, GOTHIC, RISEN, DIE SIEDLER und SVEN BØMWØLLEN beteiligt. Dazu kommen Illustrationen, Cover-Arbeiten, Cartoons, Kurzcomics und Veröffentlichungen in Magazinen wie U-COMIX oder <a href="https://www.comixene.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">COMIXENE</a>.<span id="more-4164"></span></p>
<p>Ganz wichtig ist auch sein Platz in der Comic-Szene selbst. Marczinczik ist eng mit dem <a href="https://comicseminar.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Seminar Erlangen</a> verbunden, der Künstlerinnen und Künstlern Raum für gegenseitigen Austausch und Weiterbildung bietet. Er hat dort seit 2019 eine zentrale, organisatorische Rolle. Somit kennt er also nicht nur das Zeichnen selbst, sondern auch das Ringen um gute Geschichten, liebenswerte Figuren und Spannungsbögen. Genau dies, die Vielschichtigkeit seiner Erfahrungen, merke ich seinem Buch an.</p>
<p>DIGGER wirkt auf mich nicht wie eine hübsche Idee, die schnell mal auf Album-Länge aufgeplustert wurde. Es erscheint wie ein Fundstück, das lange im Hinterkopf aufbewahrt und dann herausgeholt wurde. Dann wurde gegraben, gesiebt, verdichtet. Am Ende blieb eine Gefängnisgeschichte, die auch vom Eingesperrtsein handelt. Auch, denn eigentlich geht es darum, was Isolation mit Dir macht und was es braucht, um wahre Veränderungen unter den widrigsten Umständen anzugehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4156 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg" alt="Innenseite 07 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Besuchszeit in Erlangen</h3>
<p>Ich wollte diesen Comic schon länger lesen. Die erste Auflage war jedoch sehr schnell weg und bei Comics löst so etwas bei mir eine kindische, aber ehrliche Reaktion aus. Plötzlich steht das Buch innerlich ganz vorne im Regal, obwohl es dort eben noch nicht steht. Gibt es so etwas wie einen negativen Pile-of-Shame? Auf dem <a href="https://www.comic-salon.de/de" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Salon Erlangen</a> habe ich meine Ausgabe dann direkt vom Ralf bekommen, inklusive einer kleinen, feinen Illustration. Das war ein schöner, persönlicher Moment. Nicht wichtig für die Bewertung, aber wichtig für die erste Berührung mit dem Buch.</p>
<h3>Geschehnisse hinter dicken Wänden</h3>
<p>DIGGER begrüßt mich nicht mit einem Spektakel. Kein Knast-Drama mit Eisen stemmenden Muskelprotzen, keine harte Milieu-Parade, kein Ausbruchsthriller, der schon auf Seite drei den Löffel an der Wand wetzt. Marczinczik setzt seinen schweren, runden, melancholischen Helden in ein Gefängnis an der Küste und lässt ihn tatsächlich erst einmal &#8211; &#8222;sitzen&#8220;.</p>
<p>Das klingt erst einmal schlicht, ist andererseits aber ziemlich raffiniert. Denn DIGGER sitzt nicht nur seine Strafe ab. Er hat sich in ihr eingerichtet, glaubt, dorthin zu gehören in dieses Gefängnis. Und genau da beginnt der Schmerz dieses Comics. Nicht bei den Gittern, sondern bei der Zustimmung des Gefangenen zu diesen Gittern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4157 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg" alt="Innenseite 08 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Einschluss am Meer</h3>
<p>DIGGER kommt in ein Gefängnis, das zugleich konkret und märchenhaft wirkt, <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0120689/?ref_=tt_mlt_i_2" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE GREEN MILE</a> trifft hier auf das Château d&#8217;If aus Alexandre Dumas&#8216; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GRAF VON MONTE CHRISTO</a>: ein Riese, eine Insel am Meer, der ferne Himmel, Zellen und ihre Routinen. Alles hat seinen Platz. DIGGER auch.</p>
<p>Er ist groß, massig, kräftig und auffällig. Trotzdem sucht er keine Aufmerksamkeit. Er rebelliert nicht, er beteuert nie seine Unschuld und er macht, was von ihm verlangt wird. DIGGER fügt sich in seinen Alltag, der mit der Struktur aus Arbeit, Zelle, Essen und Schlaf beinahe beruhigend gleichförmig ist. Dazwischen ein paar Blicke nach draußen. Aber diese Ruhe ist keine echte Ruhe, sondern vielmehr ein Deckel auf dem Topf.</p>
<p>Marczinczik erzählt diesen Anfang mit erstaunlicher Geduld. Ich lerne DIGGER &#8211; dessen bürgerlichen Namen wir nie erfahren &#8211; nicht über seine Tat kennen, sondern über sein Verhalten. Seine unbekannte Vergangenheit baumelt mir nicht als Köder vor meiner Nase herum. Aber sie bleibt ein Gewicht, das DIGGER mit sich herumträgt. Der Comic muss mir nicht erklären, was genau geschehen ist, damit ich seine Schuld spüre. Zugleich verweigert dieser Kniff mir aber den bequemen Weg, die Figur einfach in eine Schublade zu schieben. Gut so! Denn DIGGER ist kein unschuldiges Herzchen im falschen System, aber auch kein Monster. Er ist ein Mensch, der sich selbst auf ein Urteil reduziert hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4158 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg" alt="Innenseite 09 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Ein Kumpel hinter der Wand</h3>
<p>In dieser engen Ordnung bekommt DIGGER Kontakt zu Manolo, genannt Manny. Diese Freundschaft ist einer der schönsten Züge des Buches. Sie entsteht nicht als große Bühne. Sie wächst eher wie etwas, das zwischen zwei Steinen einen Spalt findet. Manny ist lebendiger, wacher, vielleicht auch lockerer. Er bringt etwas in DIGGER&#8217;s Welt, das dort nicht mehr vorgesehen ist: Austausch, Wärme, Neugier und ein Gegenüber.</p>
<p>Dann wird DIGGER in der Dusche angegriffen &#8211; ja, ein Knast-Cliché! &#8211; und landet verletzt in der Krankenstation. Danach fehlt ihm etwas, das für ihn kostbarer ist als jeder Besitz. Sein Geheimnis ist verschwunden. An dieser Stelle könnte die Geschichte dann doch leicht in eine simple Rache-Geschichte kippen. Tut sie aber nicht.</p>
<p>Marczinczik interessiert sich stärker für die Wunde unter der Wunde. DIGGER verliert nicht nur einen Gegenstand und damit ein verborgenes Stück seiner Innenwelt. Er verliert neben dem Selbstwertgefühl auch die kleine Ordnung, die ihn hier noch zusammengehalten hat.</p>
<p>Manny wird nun wichtiger. Nicht als Retter, sondern als jemand, der eine Entscheidung trifft. Eine Freundschaft beweist sich hier nicht durch große Worte. Sie zeigt sich in einem Risiko, das eingegangen wird. Damit setzt das Buch seine eigentliche Energie frei. Die Handlung wird letztendlich zwar zur Fluchtgeschichte, doch der spannendste Ausbruch ist nicht der aus dem Gefängnis, sondern der aus DIGGER&#8217;s eigener Erstarrung. Alles braucht Zeit und hier hat alles und jeder Zeit, ganz besonders hier.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4159 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg" alt="Innenseite 10 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Tunnelplan für die Seele</h3>
<p>Die Stärke von DIGGER liegt darin, dass Marczinczik seine Bilder sehr ernst nimmt, ohne das der Comic schwerfällig wird. Der Titel spielt mit mehreren Ebenen. DIGGER gräbt, DIGGER sucht, DIGGER wird vielleicht selbst zu dem, was ihn aus seiner Lage befreit.</p>
<p>Ein Lockdown als Prämisse passt zu diesem Stoff, weil Marczinczik die Erfahrung von Enge nicht platt überträgt. Er schreibt keinen Corona-Comic! Aber er nimmt dieses Gefühl ernst. Jenes Gefühl, dass ich beim Lesen sofort wiedererkenne. Die Tage werden &#8230; waren gleich. Der Blick ging zum Fenster und die Zeit bekam ein seltsames Gewicht. Im Gefängnis wird daraus eine Fabel über Einsamkeit, Schuld und die Frage, ob ein Mensch sich selbst wieder erlauben darf, nach draußen zu wollen.</p>
<p>Manche Zeichen sind sehr deutlich platziert. Die wenigen Farbtupfer sind blau wie der freie Himmel. Marczinczik vertraut hier manchmal mehr auf einfache, aber klare Symbolik als auf Zwischentöne. Das kann einen Moment lang sehr geradeaus wirken, doch ich nehme es diesem Comic nicht übel. Seine Welt ist bewusst schlicht gebaut. Sie braucht keine Tarnkappe aus Raffinesse. Sie will das Herz nicht überlisten, sie klopft an und wartet dann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4160 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg" alt="Innenseite 11 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Gitterstäbe aus Tusche</h3>
<p>Visuell ist das Buch viel sicherer, als sein leiser Ton zunächst erwarten lässt. DIGGER ist eine wunderbare Comicfigur. Sein Körper ist beinahe eine eigene Landschaft. Groß, rund, schwer, mit einer Silhouette, die ihre Umgebung sofort einnimmt.</p>
<p>Marczinczik nutzt diese Form aber nicht nur für Niedlichkeit. DIGGER kann bedrohlich wirken, gleichzeitig hilflos, stur, verletzt, manchmal sogar ein wenig komisch. Seine Masse erzählt jedoch immer mit. In engen Räumen wirkt er zu groß für diese Welt, während er stillen Momenten wirkt, als würde er unter sich selbst verschwinden.</p>
<p>Die Mimik ist sparsam, aber präzise. Oft reicht ein Blick. Ein gesenkter Kopf sagt mehr als eine Seite voll narrativer Selbstanklage. Auch Manny lebt durch kleine Haltungen. Marczinczik zeichnet keine ausufernden Charakter-Posen. Er setzt stattdessen auf klare, einfache Körpersprache. Das hilft der Lesbarkeit enorm. Die Seiten sind übersichtlich, der Rhythmus ist ruhig, oft fast in kleinen Portionen erzählt. Der Ursprung als Webcomic ist spürbar. Viele Sequenzen haben etwas Episodisches. Auch im Buchformat funktioniert das überraschend gut, weil es zum Gefängnisalltag passt. Jeder Abschnitt ist wie ein weiterer Strich an der Wand.</p>
<p>Besonders stark wird Marczinczik, wenn er Enge und Weite gegeneinander setzt. Innenräume sind knapp, funktional und gedrückt. Der Blick nach draußen hat dagegen Leichtigkeit. Fenster, Himmel, Meer und Vögel sind keine reine Dekoration. Sie sind die Stellen, an denen das Buch wahrnehmbar durchatmet. Ich habe beim Lesen oft gemerkt, wie sehr die Seitengestaltung mein Tempo lenkt. Nicht durch Tricks, vielmehr durch diese öffnenden Pausen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4161 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg" alt="Innenseite 12 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Blau unter der Pritsche</h3>
<p>Die Farbe ist in DIGGER kein hübsches Extra, sondern Teil der Erzählung. Anfangs herrscht ein strenges Schwarz-Grau-Weiß. Dieses Grau liegt über den Seiten wie Staub. Das Gefängnis wirkt dadurch nicht schmutzig im realistischen Sinn, aber abgenutzt, verbraucht. Die Welt ist nicht finster, sie ist leer und ausgewaschen, allen Ablenkungen entblößt. Das passt zu DIGGER. Er hat sein Leben auf wenige erlaubte Regungen reduziert. Schönheit gestattet er sich nicht (mehr).</p>
<p>Dann kommt das Blau. Erst klein, dann deutlicher. Es ist kein Zufall, dass diese Farbe mit Blicken, Sehnsucht und einem Stück Fürsorge verbunden ist. Blau macht diese Welt freier. Nicht sofort, aber es zeigt, dass in dieser Welt noch etwas anderes existiert als Strafe und Gewohnheit.</p>
<p>Später öffnet sich die Farbigkeit weiter. Das ist nicht subtil bis zur Unsichtbarkeit, aber wirksam. Ich mochte gerade diese langsame Veränderung. Der Comic wird nicht bunt, weil die Geschichte plötzlich leichter wäre. Er wird farbiger, weil DIGGER wieder mehr wahrnehmen kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4162 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg" alt="Innenseite 13 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DIGGER ist ein kleiner Comic mit großem Atem. Er erzählt von Schuld, von Freundschaft und Freiheit. DIGGER hat Humor, aber versprüht keinen Klamauk. Er hat Gefühl, er hat eine Symbolik, die manchmal sehr klar vor mir liegt und eine Wärme, die das Bleiben an diesem Ort erträglich macht.</p>
<p>Für mich ist dies ein Buch, das vor allem in seinen stillen Passagen gewinnt. Es schreit nicht nach Bedeutung. Es sitzt erst einmal neben mir auf der Pritsche, dann zeigt es auf das Fenster. Und irgendwann merke ich, dass ich in Gedanken längst mitgegrabe.</p>
<p>Der <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/preise_indie_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Interessenverband Comic e.V.</a> (ICOM) hat Ralf Marczinczik / DIGGER den Independent Comic Preis 2024 in der Kategorie <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/icp2024/icp_2024_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bester Independent Comic (Selbstveröffentlichung)</a> für seine meisterhafte Verbindung von Kunst und Menschlichkeit verliehen. Häufig lassen mich Jury-Entscheidungen etwas ratlos zurück. In diesem Fall jedoch haben die Juroren alle richtig gemacht. Ja, es hat sich für mich gelohnt, auf diesen Comic zu warten&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-4167 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg" alt="Cover von DIGGER" width="283" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg 283w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DIGGER</li>
<li>Ralf Marczinczik</li>
<li>Hardcover | 190 Seiten | Schwarz-Weiss (und Blau)</li>
<li>ISBN 978-3-96430-320-2</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://kultcomics.net/digger/491-digger.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kult Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Rat an alle Gauner &#8211; LEAVE THEM ALONE</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 05:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Chris Regnault]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Seiter]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich lese Western gern, aber nicht dauernd. Ich brauche keine zehn Colts pro Seite, keinen Staub als Selbstzweck und keine Männer in Staubmänteln, die mit zusammengekniffenen Augen so tun, als hätten SIE den Westen erfunden. Umso mehr freut es mich, wenn ein Western nicht zuerst mit Posen derber Männlichkeit daherkommt, sondern mit Menschen. Menschen mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich lese Western gern, aber nicht dauernd. Ich brauche keine zehn Colts pro Seite, keinen Staub als Selbstzweck und keine Männer in Staubmänteln, die mit zusammengekniffenen Augen so tun, als hätten SIE den Westen erfunden. Umso mehr freut es mich, wenn ein Western nicht zuerst mit Posen derber Männlichkeit daherkommt, sondern mit Menschen. Menschen mit müden Händen, mit Angst im Nacken und mit Frauen, die längst verstanden haben, dass sie in dieser Welt keine Zeit für große Worte haben.</p>
<p><span id="more-3999"></span></p>
<p>Genau hier packt mich LEAVE THEM ALONE. Roger Seiter (Szenario) und Chris Regnault (Zeichnungen) erzählen von einer Poststation in Arizona im Jahr 1874. Das klingt erst einmal nach klassischem Western-Setting. Eine abgelegene Relais-Station, Gold, Banditen und ein geheimnisvoller Reiter. Sowie eine Frau auf der Flucht. Doch dieser Band wird dort interessant, wo er stehen bleibt und den Figuren ins wettergegerbte Gesicht schaut.</p>
<p>Nicht der Revolver ist hier die Hauptfigur. Es sind Marian Potter, Elfie, Mattie, Mad Wolf und Lew. Menschen, die nicht auf einen großen Auftritt warten, sondern auf den nächsten Tag. Und dieser nächste Tag kann an einem Ort wie diesem schnell tödlich werden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4001" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710.jpg" alt="Innenseite 05 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Marian hält den Laden zusammen</h3>
<p>Dead Indian Peak ist wahrlich kein Sehnsuchtsort. Es ist eine Station, ein Halt in einer weiten, rauen Landschaft. Marian Potter führt dieses Relais mit einer ernsthaften Ruhe. Sie wirkt nicht hart, weil der Comic ihr Härte anschreibt. Sie wirkt hart, weil sie längst genug gesehen hat. Bei ihr lebt Elfie, ihre Enkelin, die gerade achtzehn geworden ist. Zur Besatzung gehört auch Mad Wolf, ein Navajo, der an dieser Station nicht als exotischer Schmuck herumsteht. Er ist Teil dieses kleinen Alltags. Er hilft, beobachtet, schützt und trägt eigene Wunden mit sich.</p>
<p>Ich mochte diesen Anfang sehr. Roger Seiter kann einfühlsame Geschichten erzählen und erklärt nicht alles tot. Er lässt Marian den Ort bewohnen. Ich sehe, wie sie arbeitet, wie sie auf Menschen reagiert, wie sie Elfie im Blick behält. Diese Frau trägt Fürsorge in sich, aber keine Weichheit, die ihr gefährlich werden könnte. Sie ist keine Westernmutter aus dem Bilderbuch. Sie kann freundlich sein, aber auch misstrauisch. Beides gehört zusammen.</p>
<h3>Elfie ist der Gegenpol</h3>
<p>Elfie bringt eine andere Energie in den Band. Sie ist jung, wach und viel zu vertraut mit Gefahr. Bei ihr spüre ich diesen Trotz, der auch der Isolation in dieser Umgebung geschuldet ist und erst einmal nach Mut aussieht, darunter aber vielleicht doch auch Angst versteckt.</p>
<p>Der Comic macht aus ihr keine kleine Rebellin für den schnellen Effekt. Elfie möchte mehr können, als ihr zugetraut wird. Sie möchte helfen, schießen, jagen &#8211; und ja, sie möchte bestehen. Gerade neben Marian bekommt das Gewicht. Hier steht nicht Jugend gegen Alter. Hier stehen zwei Frauen nebeneinander, die einander lieben und sich trotzdem reiben.</p>
<p>Dann kommen die Störungen. Eine verzweifelte Frau nähert sich der Station. Ein Reiter taucht auf. Eine Bande von Halsabschneidern rückt näher. Und irgendwo im Hintergrund zieht eine Kiste Gold ihre giftige Spur durch diese Geschichte. Aus einem kargen, fast friedlichen Ort wird ein Raum, in dem jede Ankunft etwas verändern kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4002" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710.jpg" alt="Innenseite 06 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Mattie bringt die Angst mit</h3>
<p>Mattie ist die Figur, die den Band endgültig aus der Ruhe bringt. Sie kommt nicht als schöne Fremde, die das Abenteuer anstößt. Sie kommt als Frau, die fliehen muss. Ihre Vergangenheit klebt an ihr. Flagstaff, der Saloon, die Männer, die ihren Körper und ihre Angst für selbstverständlich halten. All das reist mit ihr. Der Band lässt keinen Zweifel daran, wie grausam diese Welt vor allem für Frauen sein kann. Er suhlt sich aber nicht darin. Das ist ein wichtiger Unterschied.</p>
<p>Lew, der geheimnisvolle Reiter, begegnet Mattie zunächst wie eine Figur aus einem alten Westernfilm. Schweigsam, dunkel, gefährlich. Ja, diese Sorte Mann kenne ich aus dem Genre. Normalerweise werde ich da schnell skeptisch. Hier funktioniert Lew besser, weil er nicht alles an sich zieht. Er bleibt wichtig, aber er verdrängt Mattie nicht. Seine Gegenwart öffnet eher weitere Fragen. Wer ist er? Weshalb hilft er? Was verbindet ihn mit der Gewalt, die schon unterwegs ist?</p>
<h3>Die Gauner</h3>
<p>Burt Bell und seine Männer bilden den Gegenpol. Sie sind keine komplizierten Seelen, die ich lange verstehen müsste. Sie sind eine Bedrohung, die Körper hat, Stimmen, Waffen und Lust an Macht. Das ist weder feinsinnig, noch subtil. Doch für diese Geschichte reicht es oft, weil der Blick nicht dauerhaft bei ihnen bleibt. Er bleibt bei denen, die überleben müssen.</p>
<p>In der zweiten Hälfte zieht der Comic die Figuren enger zusammen. Marian, Elfie und Mattie werden nicht automatisch zu einer Gemeinschaft. Dafür ist zu viel Misstrauen im Raum. Aber sie stehen plötzlich auf derselben Seite einer Tür. Draußen lauern Männer, die nehmen wollen. Drinnen sitzen Frauen, die einander kaum kennen und doch begreifen, dass sie ohne die Anderen keine Chance haben. Genau daraus zieht der Band seine Spannung. Nicht aus der Frage, wer am besten schießt. Sondern aus der Frage, wer in der Panik nicht zuerst nur an sich denkt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4003" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710.jpg" alt="Innenseite 07 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Arizona ohne Sonntagskleidung</h3>
<p>Der historische Hintergrund ist hier kein Zierrat. Er erklärt, weshalb diese Figuren so allein wirken. Arizona war 1874 noch Territorium der Vereinigten Staaten. Der entsprechende Act wurde 1863 unter Abraham Lincoln unterzeichnet, Bundesstaat wurde Arizona erst 1912. Zwischen diesen Daten liegt eine lange Zeit, in der Verwaltung, Recht und tatsächliche Sicherheit nicht dasselbe waren. Damit spielt die Geschichte etwa in der gleichen Zeit wie <a title="Ein Mann geht seinen Weg BIS ZUM BITTEREN ENDE" href="https://panelwalker.de/2026/02/ein-mann-geht-seinen-weg-bis-zum-bitteren-ende/" target="_blank" rel="noopener">BIS ZUM BITTEREN ENDE</a>, aber in einer anderen Gegend und unter anderen Rahmenbedingungen.</p>
<p>Für einen Western ist das Gold im Gepäck natürlich ein vertrauter Köder. Trotzdem hat es einen realen Kern. Wells Fargo ließ 1885 einen Bericht über Überfälle auf Geldtransporte erstellen. Darin wurden 347 Überfälle und versuchte Überfälle auf Schatzsendungen zwischen 1870 und 1884 erfasst, die per Postkutsche und Zug unterwegs waren. Wer also beim Lesen denkt, das sei doch alles ein bisschen viel mit Räubern, Kisten und überforderten Autoritäten, liegt nur halb richtig. Diese Welt war nicht nur Mythos. Sie war auch Logistik, Risiko und sehr viel Geld auf sehr unsicheren Wegen.</p>
<p>Mad Wolf gibt dem Band noch eine andere Schicht. Die Navajo konnten nach dem Vertrag von 1868 in Teile ihrer Heimat zurückkehren. Der Vertrag steht bis heute für Überleben, Rückkehr und Selbstbehauptung nach Vertreibung. Deshalb lese ich Mad Wolf nicht einfach nur als hilfreichen Mann am Rand, der er natürlich auch ist. Seine stille Gegenwart verschiebt den Boden unter dem Western. Dieser Westen gehört nicht nur denen, die mit Pferden, Banken und Gewehren kommen. Er ist auch ein verletzter Ort. Der Comic erzählt das nicht breit aus. Doch Regnault zeichnet Mad Wolf mit genügend Würde und Ruhe, dass dieser Gedanke mitschwingt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4004" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710.jpg" alt="Innenseite 08 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Drei Frauen, keine Heiligen</h3>
<p>Was LEAVE THEM ALONE besonders macht, ist für mich weniger die Handlung als die Art, wie diese Handlung an den Figuren zieht. Marian, Elfie und Mattie könnten leicht zu klaren Rollen werden: die Alte, die Junge, die Gefallene.</p>
<p>Zum Glück bleibt der Comic nicht dabei stehen. Marian ist nicht nur weise. Sie ist auch streng, müde, gelegentlich ungerecht aus Sorge. Elfie ist nicht nur mutig. Sie ist ungeduldig und will zu schnell beweisen, dass sie dazugehört. Mattie ist nicht nur Opfer. Sie hat Angst, ja. Aber sie hat auch Witz, Willen und einen sehr genauen Blick für die Abgründe der Männerwelt.</p>
<p>Ich glaube, deshalb hat mich der Band stärker erwischt, als ich erwartet hatte. Ich musste nicht plötzlich großer Westernfan werden, nur diesen Frauen glauben. Und das tue ich. Der Comic gibt ihnen keine modernen Reden in den Mund. Er lässt sie handeln. Sie kochen, fluchen, zielen, pflegen, lügen vielleicht auch einmal aus Schutz. Sie müssen Entscheidungen treffen, die kein Mensch gern treffen möchte.</p>
<p>Die Schwäche liegt dort, wo der Band die Gegenseite etwas zu glatt bösartig zeichnet. Burt Bell und seine Leute sind wirksame Gefahr, aber selten mehr als Gefahr. Ich hätte gern einen Moment gehabt, in dem diese Männer durch Nähe interessanter würden. So bleiben sie vor allem Druck von außen. Allerdings passt das zur inneren Architektur des Comics. Diese Geschichte gehört nicht den Tätern, sondern den Bedrohten.</p>
<p>Sehr schön ist, dass Seiter den Zusammenhalt nicht romantisiert. Diese Figuren vertrauen einander nicht, weil das für eine gute Moral hübsch wäre. Sie vertrauen einander stückweise, weil jede andere Möglichkeit noch gefährlicher wäre. Das gibt dem Band eine bodenständige Wärme. Nicht die große Rede rettet hier Menschen, eher ein rechtzeitiger Blick, eine geladene Winchester oder eine Hand, die nicht loslässt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4005" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710.jpg" alt="Innenseite 09 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Chris Regnault sieht Menschen vor Landschaft &#8230;</h3>
<p>Chris Regnault zeichnet den Westen groß, aber nicht leer. Das ist mir wichtig. Viele Westernbilder verlieben sich so sehr in Weite, Berge und Sonnenuntergänge, dass die Figuren darin wie kleine Spielfiguren wirken. Regnault kann die Weite zeigen. Er kann Staub, Felsen, Kutschen, Pferde und Holzbauten überzeugend auf die Seite setzen. Doch sein eigentlicher Zugriff liegt in den Gesichtern.</p>
<p>Marian sieht bei ihm nicht einfach alt aus. Sie wirkt vom Leben benutzt. Falten, Augen, Haltung, alles erzählt von viel Arbeit. Elfie bekommt einen wachen, unruhigen Körper. Sie steht selten nur dekorativ herum. Ihr Blick springt, ihre Bewegungen haben etwas Vorwärtsdrängendes. Mattie wiederum trägt eine andere Art Erschöpfung in den Bildern. Bei ihr liegt der Schmerz nicht nur in dramatischen Momenten. Er sitzt in Schultern, Blicken, kleinen Pausen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4006" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710.jpg" alt="Innenseite 10 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>&#8230; und Landschaft mit Menschen</h3>
<p>Mad Wolf profitiert besonders von Regnault&#8217;s Zurückhaltung. Er wird nicht mit großer Zeichenfanfare eingeführt. Regnault lässt ihn stehen, schauen, reagieren. Dadurch bekommt diese Figur eine Präsenz, die stärker ist als jede Erklärung. Lew dagegen ist bewusst näher am Mythos gebaut. Hut, Schatten, kontrollierte Bewegung. Aber auch ihn erdet Regnault durch Momente, in denen seine Pose Risse zeigt.</p>
<p>Die Seiten sind klar gesetzt. Ich hatte nie das Gefühl, mich durch Action kämpfen zu müssen. Das Auge findet den Weg. Nahaufnahmen bremsen das Tempo, weite Panels lassen die Gefahr heranrollen. Regnault&#8217;s Farben bleiben warm, trocken, oft staubig. Gelb, Braun, Rot und ausgeblichene Himmel legen sich über die Seiten wie Hitze. Wenn Blut ins Bild kommt, wirkt es nicht elegant. Es stört. Genau so soll es sein.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich den Wechsel zwischen Alltag und Angriff. Die Station wirkt erst wie ein normaler Ort. Später wird sie zu einem Körper, der verteidigt werden muss. Türen, Fenster, Ecken, Sichtachsen. Regnault macht daraus keine technische Fingerübung. Er macht daraus Angst, die ich räumlich verstehe, da aus jedem Winkel Gefahr drohen kann. Das ist starkes Erzählen mit Bildern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4007" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710.jpg" alt="Innenseite 11 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Zwei Steckbriefe</h3>
<p>Roger Seiter wurde 1955 in Straßburg geboren und ist von Hause aus Historiker. Bevor er sich als Szenarist einen Namen machte, arbeitete er als Conseiller principal d’éducation, also im französischen Schuldienst. Seine Comiclaufbahn begann 1989 mit APRÈS UN SI LONG HIVER, gezeichnet von Johannes Roussel. Seitdem hat Seiter ein erstaunlich breites Werk aufgebaut, mit historischen Stoffen, Abenteuercomics, Krimis, Literaturadaptionen und Serienarbeiten. Zu seinen bekannteren Arbeiten gehören FOG, H.M.S., SPECIAL BRANCH sowie mehrere Alben aus den klassischen Reihen LEFRANC und ALIX.</p>
<p>Auffällig ist dabei sein verlässliches Gespür für historische Schauplätze und sauber gebaute Spannungsstoffe. Seiter schreibt selten laut, eher handwerklich präzise. Er interessiert sich für Figuren, die in Drucksituationen geraten, für moralische Grauzonen und für Geschichte als lebendige Bühne. Inzwischen steht er hinter mehr als 120 Comic-Alben, die bei zahlreichen Verlagen erschienen sind.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4008" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710.jpg" alt="Innenseite 12 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<p>Chris Regnault &#8211; auch Christophe Regnault &#8211; wurde 1982 in Frankreich geboren und arbeitet als Zeichner, Kolorist, Autor und Storyboarder. Nach einer klassischen Zeichenausbildung in Lyon illustrierte er unter anderem für Rollenspiele, pädagogische Comicprojekte und Magazine aus dem Videospielbereich. Zu seinen Arbeiten zählen HISTORISCHE PERSÖNLICHKEITEN: <a href="https://www.splitter-verlag.de/churchill-graphic-novel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">CHURCHILL</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/elisabeth-I-historische-persoenlichkeiten.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ELISABETH I</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/stalin-graphic-novel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">STALIN</a> sowie die Comicadaption von <a href="https://www.splitter-verlag.de/h-g-wells-der-unsichtbare-1.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">H.G. WELLS &#8211; DER UNSICHTBARE</a>.</p>
<p>Regnault arbeitete außerdem an Storyboards zu historischen Comicprojekten und zeichnete zahlreiche Cover. Mit <a href="https://www.splitter-verlag.de/wahre-geschichte-des-wilden-westens-jesse-james.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">JESSE JAMES</a> war er bereits deutlich im Western zuhause. Für LEAVE THEM ALONE bringt er diese Erfahrung sichtbar ein. Sein Blick für historische Schauplätze verbindet sich mit einem sehr lesbaren, körpernahen Stil, der Figuren nicht nur zeigt, sondern spielen lässt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4009" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710.jpg" alt="Innenseite 13 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>LEAVE THEM ALONE ist ein harter Western, der mich mit seinem Cover angezogen und mit seinem Inhalt überzeugt hat. Er hat mich über Marian, Elfie und Mattie bekommen. Über drei Frauen, die nicht auf Rettung warten können, über Mad Wolf, der viel sagt, auch wenn er dazu wenig Worte braucht und über Lew, der aus einem bekannten Typus kommt und trotzdem genug im Schatten behält. Und über eine Poststation, die erst Zuflucht ist und dann zur letzten Linie wird.</p>
<p>Mit LEAVE THEM ALONE sind vor allem die Frauen des Albums gemeint. Der Western spielt in einem gesetzlosen amerikanischen Westen, in dem Reisende, Migranten und besonders Frauen leichte Beute für Banditen, Plünderer und Gewaltmenschen sind. Der Titel ist also weniger eine höfliche Bitte als eine Warnung. So etwas wie: &#8222;Lasst diese Frauen in Ruhe – oder tragt die Folgen.&#8220; Darin steckt der klassische Western-Satz vor dem Showdown. Nur wird er hier verschoben: Nicht der große männliche Retter steht im Zentrum, sondern die Frage, was Frauen in einer Welt tun müssen, in der Recht, Schutz und Anstand gerade nicht verlässlich vorhanden sind.</p>
<p>Der Band ist hart in dem, was und wie er es erzählt. Gelegentlich ist er auch grob in der Zeichnung seiner Schurken. Doch sein Herz schlägt an der richtigen Stelle. Roger Seiter erzählt sauber und mit Gefühl für Druck. Chris Regnault gibt den Figuren Gewicht, Blick und Staub auf der Haut. Für mich ist das ein Western für Leserinnen und Leser, die nicht zwingend Western suchen, sondern gute Figuren in einer schlechten Welt. Genau davon hat dieser Comic erfreulich viel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4000" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-300x423.jpg" alt="Cover von LEAVE THEM ALONE" width="300" height="423" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-600x845.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710.jpg 710w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>LEAVE THEM ALONE</li>
<li>Roger Seiter und Chris Regnault</li>
<li>Hardcover | 160 Seiten | Farbe | Bookformat</li>
<li>ISBN 978-3-96792-139-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/leave-them-alone.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/ein-rat-an-alle-gauner-leave-them-alone/">Ein Rat an alle Gauner – LEAVE THEM ALONE</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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