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	<title>P A N E L W A L K E R &#8211; Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>P A N E L W A L K E R &#8211; Ein Comic-Blog</title>
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		<title>DRIFTWELT &#8211; EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Oct 2026 05:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es gibt Comics, nach denen suche ich gezielt. Und dann gibt es diese schönen Zufallsfunde. DRIFTWELT 1: EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN gehörte eindeutig zur zweiten Sorte. Ich habe den Band beim Stöbern in einem Antiquariat entdeckt. Ja, auch dieses Werk ist also nicht ganz aktuell. Aber: Eigentlich wollte ich nur ein bisschen blättern. [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/10/driftwelt-eine-geschichte-von-dieben-und-trollen/">DRIFTWELT – EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Comics, nach denen suche ich gezielt. Und dann gibt es diese schönen Zufallsfunde. DRIFTWELT 1: EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN gehörte eindeutig zur zweiten Sorte. Ich habe den Band beim Stöbern in einem Antiquariat entdeckt. Ja, auch dieses Werk ist also nicht ganz aktuell. Aber:</p>
<p>Eigentlich wollte ich nur ein bisschen blättern. Man kennt das ja: Nichts kaufen, nur gucken! Dann fiel mir Ken Broeders’ Cover ins Auge. Ich nahm das Album aus dem Regal, blätterte ein paar Seiten durch &#8211; und war verloren. Diese Zeichnungen hatten wirklich was. Schmutz, Bewegung, schräge Gesichter, gewaltige Kreaturen und Farben, die nach Hitze, Staub und Abenteuer aussahen. Genau so fangen gefährliche Antiquariatsbesuche an.</p>
<p><span id="more-4600"></span></p>
<p>Das Schöne daran ist, dass DRIFTWELT aus einer kreativen Abschweifung entstanden ist. Broeders zeichnete während der Arbeit am letzten Band seiner historischen Reihe <a href="https://kultcomics.net/suche?controller=search&amp;s=Apostata" target="_blank" rel="nofollow noopener">APOSTATA</a> zum Vergnügen fantastische Wesen. Irgendwann begann er sich zu fragen, wer diese Figuren eigentlich sind und wo sie leben. Daraus erwuchs eine ganze Welt. Seine historischen Interessen baute er gleich mit ein. Kleidung und Waffen tragen Spuren realer Vorbilder, unter anderem aus der napoleonischen Zeit und dem Osmanischen Reich. Selbst manche Namen haben kleine private Geschichten. Dellric Twotter verdankt seinen Namen Del Boy Trotter aus der britschen Fernseh-Serie <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0081912/" target="_blank" rel="nofollow noopener">ONLY FOOLS AND HORSES</a>. Mutter K’Nosser wiederum ist eine Spielerei mit dem Wort Connoisseur (frz. für Genießer).</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4603" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-04_1000X714.jpg" alt="Innenseite 04 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-04_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-04_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-04_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="(max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Der Zauberer hinter dem Zeichenbrett</h3>
<p>Ken Broeders stammt aus Antwerpen und schloss 1993 seine Ausbildung am dortigen Sint Lucas Institut ab. Sein Abschlussprojekt wurde zur fünfteiligen Reihe <a href="https://www.amazon.de/TYNDALL-N%C2%B01-ROUTE-POUR-NORD/dp/903441048X" target="_blank" rel="nofollow noopener">TYNDALL</a>. Später folgten <a href="https://www.lambiek.net/shop/series/voorbij-de-steen/9784/de-drakenmeester.html?srsltid=AfmBOorrE8X2Ne1tFdybukgF0nXD-VIbk-Kc18s9w1CCGRHGfpwqdcHt" target="_blank" rel="nofollow noopener">VORBIJ DE STEEN</a> und <a href="https://www.lambiek.net/artists/b/broeders_ken.htm?srsltid=AfmBOooObyixYwUATEb2SpY_8NOcA5dPA9MOClY73lgPqKIac8gTnoUE" target="_blank" rel="nofollow noopener">CYRANO</a>, bevor er sich mit APOSTATA ausführlich dem römischen Kaiser Julian widmete.</p>
<p>DRIFTWELT führte ihn danach zurück zur Fantasy. Die Reihe erschien zunächst im niederländischen <a href="https://eppostripblad.nl/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Magazin EPPO</a> und wurde anschließend als dreibändige Album-Serie veröffentlicht.</p>
<p>Broeders schreibt, zeichnet und koloriert selbst. Er arbeitet mit Bleistift, Acryl und Gouache und malt direkt auf seine Zeichnungen. Das erklärt einiges von dem wunderbar Handgemachten, das mich überhaupt erst am Antiquariatsregal festgehalten hat.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4604" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-05_1000X714.jpg" alt="Innenseite 05 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-05_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-05_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-05_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="(max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Willkommen im Land hinter dem Dimensionsspalt</h3>
<p>Die DRIFTWELT ist eine Zwischenwelt. Hierher haben sich Wesen zurückgezogen, die in unserer Wirklichkeit längst in Märchenbüchern gelandet sind. Elfen, Trolle, Zauberer und allerlei Geschöpfe, für die Broeders offenbar keine Lust hatte, erst einen zoologischen Stammbaum anzulegen. (Danke dafür!) Der Comic erklärt gerade genug, damit ich folgen kann und lässt vieles einfach herumlaufen, fliegen oder brüllen.</p>
<p>Ganz friedlich ist dieses Reich allerdings nicht. Der Norden wirkt vergleichsweise geordnet. Im Süden sieht die Sache anders aus. Dort breitet Mutter K’Nosser mit ihren Trollen ihre Macht aus. Sie ist eine herrlich widerliche Erscheinung.</p>
<p>Riesig, schwer, gierig und vollkommen von sich überzeugt. Sie erinnert mich sehr an den <a href="https://lotr.fandom.com/de/wiki/Gro%C3%9Fer_Ork" target="_blank" rel="nofollow noopener">Großen Ork aus der Orkstadt im Nebelgebirge</a> (DER HOBBIT). Bei ihr wird gefressen, gesoffen, herumkommandiert und Eroberungspläne geschmiedet. Ich wusste schon nach wenigen Seiten, dass ich diese Frau schrecklich finde &#8211; und unbedingt mehr von ihr sehen möchte. Solche Bösewichter mag ich. Nicht weil sie besonders fein gezeichnete Seelen hätten, sondern weil sie ihren Raum sofort besetzen.</p>
<p>Gegen K’Nosser formiert sich Widerstand. Durrys versucht, verschiedene Gruppen zusammenzubringen und gewinnt schließlich auch die Dommovoi für den Kampf. Broeders setzt damit früh eine größere politische und militärische Ebene neben seine eigentliche Abenteuergeschichte. DRIFTWELT will nicht bloß zwei Figuren durch hübsche Kulissen jagen. Hier bahnt sich ein Krieg an!</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4605" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-06_1000X714.jpg" alt="Innenseite 06 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-06_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-06_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-06_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="(max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Der Elf, der besser nichts anfassen sollte</h3>
<p>Mitten hinein in diese Lage stolpert Dellric Twotter. Wobei stolpern nicht so ganz passt. Dellric seilt sich eher in die Geschichte ab. Er ist ein Dieb, ein Schwindler und ein Mann für Geschäfte, bei denen hinterher garantiert jemand unzufrieden sein wird. Mutter K’Nosser hat ihn beauftragt, in einem Tempel ein magisches Schmuckstück zu stehlen. Dies hängt am Hals einer Mumie. Schon diese Ausgangslage verrät ziemlich gut, welche Sorte Fantasy Broeders mir erzählt.</p>
<p>Da wir schon bei DER HERR DER RINGE waren: Dellric ist kein Aragorn! Er folgt keinem höheren Auftrag, trägt keine ererbte Verantwortung mit sich herum und würde den einen Ring vermutlich verkaufen, bevor jemand erklären könnte, warum er ins Feuer geworfen werden muss. Er arbeitet für die Seite, die bezahlt. Punkt. Wenn die Lage kippt, denkt er neu und hat gerne einen Plan C, D oder E. Moral ist bei ihm flexibel, sein Überlebenswille hingegen nicht.</p>
<p>Und Dellric redet. Viel. Er flucht, prahlt, meckert und kommentiert seine eigene Lage. Dazu kommt dieses ungeheure Gebiss. Broeders hat ihm Zähne verpasst, die fast eine eigene Nebenfigur bilden. Dellric sieht dadurch gleichzeitig listig, lächerlich und ein wenig nagetierhaft aus. Gerade deshalb funktioniert er so gut. Ich hatte keine Sekunde das Bedürfnis, ihn mit einem klassischen Fantasy-Helden zu verwechseln. Und dann erscheint Ysabeau.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4606" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-07_1000X714.jpg" alt="Innenseite 07 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-07_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-07_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-07_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Eine Menschenfrau zwischen Hexen und Mumien</h3>
<p>Ysabeau gehört eigentlich nicht hierher. Sie ist ein Mensch und gerät durch eine Verbindung zwischen den Welten in die DRIFTWELT. Hinter ihr steht Shulam, eine vierarmige, spinnenhafte Hexe. Shulam hat Ysabeau unter ihren Einfluss gebracht und benutzt sie für ihre eigenen Ziele. Dass ausgerechnet diese junge Frau Dellrics Weg kreuzt, bringt den ohnehin nicht besonders sauber geplanten Diebstahl endgültig durcheinander.</p>
<p>Das Treffen der beiden ist für mich der Moment, in dem der Comic wirklich Fahrt aufnimmt. Vorher zeigt mir Broeders im Rahmen einer klassischen Exposition seine Welt. Jetzt bekommt sie zwei Figuren, an denen ich mich festhalten kann.</p>
<p>Dellric denkt zuerst an Dellric. Ysabeau dagegen wirkt orientierungslos, verletzlich und zugleich erstaunlich entschlossen. Sie trägt Erinnerungslücken mit sich herum und irgendwo in diesem Nebel liegt auch das Schicksal ihrer Schwester Robinette, die ebenfalls mit Shulam verbunden ist.</p>
<p>Im Laufe der Handlung löst sich Ysabeau zumindest zeitweise aus der Kontrolle der Hexe. Sie weigert sich, Dellric zu töten und plötzlich haben beide ein gemeinsames Problem. Die einfachste Lösung wäre vermutlich, getrennte Wege zu gehen. Aber natürlich passiert genau das nicht.</p>
<p>Ich mag dieses Paar. Nicht weil Broeders die Beziehung psychologisch besonders tief entwickelt. Ich mag sie, weil beide so schlecht zusammenpassen. Dellric braucht niemanden, für den er Verantwortung übernehmen muss. Demgegenüber braucht Ysabeau ausgerechnet jemanden, der weiß, wie diese Welt funktioniert, jemanden wie Dellric.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4607" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-08_1000X714.jpg" alt="Innenseite 08 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-08_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-08_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-08_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Trolle ante portas</h3>
<p>Von hier an beschleunigt Broeders kräftig. Dellric und Ysabeau wechseln zwischen Flucht, Gefangenschaft und dem Versuch, überhaupt herauszufinden, was hinter Ysabeaus Auftauchen in dieser Welt steckt. Zeitweise landen sie in einem hoch aufgehängten Käfig. An anderer Stelle bewegen sie sich durch Landschaften, in denen jedes größere Tier den Eindruck macht, als könne es sie mit einem einzigen Schritt zerquetschen.</p>
<p>Parallel dazu rückt Mutter K’Nossers Krieg näher. Durrys versucht, den Widerstand zusammenzuhalten und die Dommovoi müssen entscheiden, wie lange sie einem Konflikt ausweichen können, der längst vor ihrer Haustür steht. Schließlich prallen die Parteien dann doch aufeinander.</p>
<p>Diese Schlacht gehören zu den Stellen, an denen ich Broeders besonders gern zuschaue. Seine Elfen stehen nicht mit eleganten Langbögen auf einem Hügel und schießen in Zeitlupe auf Orks. Hier krachen Musketen und Kanonen. Riesige Kreaturen stürmen durch das Bild, Geschosse reißen Körper auseinander. Zwischen all dem wuseln Figuren herum, die kaum Zeit haben, über Heldentum nachzudenken. Broeders verbindet Märchenwesen mit Waffen, die aus einer sehr viel späteren historischen Kontext zu stammen scheinen. Genau daraus entsteht ein eigener &#8230; nun ja, Geschmack.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4608" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-09_1000X714.jpg" alt="Innenseite 09 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-09_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-09_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-09_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wenn das Bestiarium zurückschlägt</h3>
<p>Trotz des ganzen Spektakels bleibt die eigentliche Bedrohung noch eine Weile schwer zu greifen. Mutter K’Nosser ist brutal, aber sie ist nicht das größte Problem. Shulam ist gefährlicher. Ihre Verbindung zur Menschenwelt und zu Ysabeau erweitert den Konflikt. Plötzlich geht es nicht mehr bloß darum, welche Partei im Süden der DRIFTWELT die Oberhand gewinnt.</p>
<p>Broeders streut dazu Erinnerungsbilder in Ysabeaus Gedächtnis ein. Ihre Vergangenheit taucht immer wieder auf, bruchstückhaft, häufig in kalten, verschneiten Bildern. Ihre Schwester wird dabei immer wichtiger. Ich finde diese Stellen reizvoll, aber erzählerisch auch ziemlich vage. Der Comic will Geheimnisse schaffen und gleichzeitig Tempo machen. Das geht nur nicht immer sauber zusammen. Mehr als einmal hatte ich das Gefühl, dass mir eine Szene etwas Bedeutendes zeigen möchte, bevor sie mir überhaupt erklärt hat, warum ich diese Information einordnen können sollte.</p>
<p>Das liegt auch daran, dass Broeders sehr viele Figuren, Völker und Konflikte auf relativ engem Raum unterbringen möchte. Gerade als ich mich an eine Gruppe gewöhnt hatte, kam schon die nächste. Gerade als ein Problem greifbar wurde, öffnete sich die Tür zum nächsten. Das kann Spaß machen und bei mir hat es funktioniert, meistens. Elegant ist es trotzdem nicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4609" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-10_1000X714.jpg" alt="Innenseite 10 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-10_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-10_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-10_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Auf der Suche nach dem Roten Zauberer</h3>
<p>Für Dellric und Ysabeau läuft schließlich vieles auf eine Person hinaus: Sie brauchen den Roten Zauberer! Er soll helfen, Ordnung in Ysabeaus Erinnerungen zu bringen und die Gefahr zu verstehen, die von Shulam ausgeht. Dass ein Dieb und eine Frau aus einer anderen Welt auf der Suche nach einem geheimnisvollen Magier sind, klingt zunächst nach Fantasy aus dem großen Baukasten. Broeders weiß das offenbar selbst.</p>
<p>Er versucht gar nicht erst, jedes vertraute Motiv als sensationelle Neuerfindung zu verkaufen. Stattdessen stopft er seine Welt mit schrägen Details voll. Das ist der Unterschied. Mich interessiert irgendwann weniger, ob ich den Typus des roten Magiers schon kenne. Ich möchte wissen, wie genau Broeders ihn aussehen lässt, welche Kreatur gleich durchs nächste Panel läuft und ob Dellric diesmal wenigstens fünf Minuten lang nichts klaut.</p>
<p>Der Band endet dort, wo die Geschichte eigentlich erst richtig los gehen sollte. Dellric und Ysabeau erreichen den Roten Zauberer, Shulam gewinnt wieder an Bedeutung, der Krieg gegen die Trolle ist (noch) nicht erledigt und Ysabeaus Schwester (noch) nicht gerettet. Fast jeder größere Erzählstrang bleibt offen. Und genau hier liegt meine deutlichste Kritik an diesem Album.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4610" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-11_1000X714.jpg" alt="Innenseite 11 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-11_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-11_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-11_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Der Fluch des ersten Bandes</h3>
<p>DRIFTWELT 1: EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN erzählt keine abgeschlossene erste Episode. Der Band ist ein sehr langer Auftakt, der erster Akt eines längeren Stückes. Er stellt Figuren vor, verteilt Gegner, pflanzt Geheimnisse und zieht mehrere Zündschnüre für spätere Explosionen. Aber den eigentlichen Knall hebt sich Broeders dann doch lieber für später auf.</p>
<p>Bei einer abgeschlossenen Trilogie ist das heute weniger problematisch. Ich kann Band zwei ja einfach danebenlegen. Als einzelnes Album betrachtet bleibt dennoch ein etwas fahler Beigeschmack. Ich habe im Laufe der Erzählung viel erlebt aber erstaunlich wenig abgeschlossen. Das ist ein Unterschied.</p>
<p>Dazu kommt Broeders’ Erzählweise. Er entwickelt seine Geschichten im Kopf fast wie einen Film und verändert sie beim Zeichnen weiter. Figuren bekommen mehr Raum, Szenen wachsen, neue Details kommen hinzu. Er selbst hat beschrieben, dass nur ein Teil dessen, was er sich ausdenkt, am Ende tatsächlich auf der Seite landet. Genau diese Arbeitsweise spüre ich. Sie sorgt für Energie, erklärt aber auch, warum Übergänge gelegentlich abrupt wirken und manche Zusammenhänge mehr erahnt als sauber aufgebaut werden.</p>
<h3>Magie aus bekannten Zutaten</h3>
<p>Inhaltlich erfindet Broeders das Fantasy-Genre nicht neu. Wir bekommen Trolle, Elfen, Zauberer, eine böse Hexe, magische Gegenstände, eine bedrohte Welt, eine Menschenfigur zwischen den Welten und einen Krieg, der größer wird, als die Beteiligten zunächst ahnen. Auf dem Papier klingt das alles erst einmal vertraut.</p>
<p>Broeders gewinnt nicht über die Grundidee, sein Album gewinnt über Persönlichkeiten. Seine Trolle sind keine austauschbare Horde. Mutter K’Nosser könnte ich nach zwei Panels in jeder beliebigen Menge von Fantasy-Figuren wiedererkennen, Dellric sowieso. Selbst Nebenwesen bekommen Gesichter, Körper und Eigenheiten, die den Eindruck erzeugen, dass sie schon vor Beginn dieser Geschichte irgendwo herumgelungert haben. Genau hierin steckt die besondere Stärke dieser Welt: Ich glaube ihr ihre Bewohner!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4611" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-12_1000X714.jpg" alt="Innenseite 12 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-12_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-12_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-12_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wenn Farbe nach Staub schmeckt</h3>
<p>Spätestens bei den Zeichnungen bin ich wieder bei meinem Antiquariatsfund. DRIFTWELT 1: EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN sieht fantastisch aus. Nicht sauber im Sinne steriler Perfektion. Zum Glück. Broeders malt eine Welt, die sich benutzt anfühlt. Seine Figuren haben Gewicht. Trolle sind Fleischberge, Dellric ist drahtig und nervös, Ysabeau wirkt körperlich präsent, ohne zur glatten Damsel-in-distress zu werden. Gesichter dürfen hässlich sein, Körper dürfen seltsam aussehen. Dazu kommen Kreaturen, die gelegentlich nur durchs Bild laufen und bei mir sofort den Wunsch auslösen, hinterher zu gehen, um mehr über sie zu erfahren.</p>
<p>Besonders stark finde ich die Perspektiven. Broeders schaut von oben, von unten, durch Räume hindurch und über Figuren hinweg. Bei dem aufgehängten Käfig etwa kippt die Sicht so stark, dass ich die Höhe beinahe körperlich spüre. Große Panels öffnen Landschaften, kleinere Bilder treiben die Bewegung voran, Rahmen werden überschnitten und Sprechblasen ragen aus Bildflächen heraus. Trotzdem verliere ich nie die Orientierung.</p>
<h3>Zwischen Hexenlicht und Kanonenrauch</h3>
<p>Auch die Farben tragen erstaunlich viel. Broeders arbeitet mit Acryl und Gouache. Das Licht wirkt dadurch nicht wie eine digitale Schicht, die nachträglich über die Zeichnungen gelegt wurde. Es gehört zu den Räumen. Wüsten leuchten gelb und staubig, Höhlen werden schwer und grau. Erinnerungen an Schnee und Eis wirken beinahe ausgewaschen. Ysabeaus rötliches Haar steht darin umso deutlicher.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4612" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-13_1000X714.jpg" alt="Innenseite 13 von DRIFTWELT" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-13_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-13_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_INNENSEITE-13_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Drei Bände für eine Welt</h3>
<p>Die Reihe ist abgeschlossen und das ist gut so. Aufgrund des bereits oben beschriebenen, sauberen Abschlusses des Bandes, würde sonst etwas Wesentliches fehlen. Auf EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN folgt <a href="https://www.splitter-verlag.de/driftwelt-2-geschichte-von-zauberern.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">EINE GESCHICHTE VON ZAUBERERN</a>. Dort suchen Dellric und Ysabeau Schutz beim Roten Zauberer, während Shulam ihnen näher kommt. Den Abschluss bildet <a href="https://www.splitter-verlag.de/driftwelt-3-geschichte-hexe.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">EINE GESCHICHTE VON HEXEN</a>. Die deutsche Ausgabe erschien bei Splitter vollständig in drei Bänden und ist derzeit noch lieferbar. Ja, noch!</p>
<p>Das ist für diesen Auftakt wichtig. Denn ich würde den ersten Band heute nicht als Einzelalbum empfehlen, sondern als Einstieg in die zusammenhängende Geschichte. Dafür ist er zu offen gebaut. Wer nur einen hübschen Fantasy-Band für zwischendurch sucht, könnte am Ende sonst etwas ratlos zurückbleiben.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Mein Antiquariatsfund war ein guter. Aber DRIFTWELT 1: EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN hat erzählerische Macken. Der Band will viel auf einmal, erklärt gelegentlich zu viel und an anderer Stelle zu wenig. (Das hat Brett Bean mit <a title="Halb Zwerg, halb Orc, aber in Allem ganz ein D’ORC" href="https://panelwalker.de/2026/09/halb-zwerg-halb-orc-aber-in-allem-ganz-ein-dorc/" target="_blank" rel="nofollow noopener">D&#8217;Orc</a> besser im Griff.) Ysabeau braucht noch Profil. Einige Übergänge holpern, vor allem aber fehlt diesem Auftakt ein wirklich befriedigender, eigener Abschluss bzw. Cliffhanger. Trotzdem hatte ich wirklich große Lust weiterzulesen.</p>
<p>Das liegt an Dellric, es liegt an Mutter K’Nosser und es liegt an diesen grotesken Trollen, den merkwürdigen Wesen am Bildrand, den Kanonen, den Tempeln, den Farben und an Broeders’ Freude daran, seine Welt bis in die hinterste Ecke mit Leben vollzustopfen. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, dass hinter dem nächsten Hügel wieder irgendetwas lauert, das ich noch nie gesehen habe. Und manchmal reicht genau das, um mich für eine Fantasy-Welt zu gewinnen. Band 2 und 3 sind nachbestellt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4602" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_COVER_1000X719-288x400.jpg" alt="Cover von DRIFTWELT" width="288" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_COVER_1000X719-288x400.jpg 288w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_COVER_1000X719-600x834.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DRIFTWELT_01_COVER_1000X719.jpg 719w" sizes="auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DRIFTWELT 1: <br />EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN</li>
<li>Ken Broeders</li>
<li>Hardcover | 72 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96219-500-7</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/driftwelt-1-geschichte-von-dieben-und-trollen.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/10/driftwelt-eine-geschichte-von-dieben-und-trollen/">DRIFTWELT – EINE GESCHICHTE VON DIEBEN UND TROLLEN</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>BLOOD BROTHERS MOTHER – Keine Unschuld in Wild West</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/10/blood-brothers-mother-keine-unschuld-in-wild-west/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2026 05:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Brian Azzarello]]></category>
		<category><![CDATA[Eduardo Risso]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber und Leser Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bekanntlich war der Wilde Westen immer schon ein ziemlich unangenehmer Ort. Zumindest dann, wenn wir die romantischen Vorstellungen von Freiheit, Abenteuer und heldenhaften Revolvermännern mal beiseite lassen. Wer hier das Recht des Stärkeren durchsetzen wollte, braucht keine guten Argumente &#8211; ein Colt oder eine Winchester genügten dafür völlig. Und wer sich nicht wehren konnte, hatte [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/10/blood-brothers-mother-keine-unschuld-in-wild-west/">BLOOD BROTHERS MOTHER – Keine Unschuld in Wild West</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bekanntlich war der Wilde Westen immer schon ein ziemlich unangenehmer Ort. Zumindest dann, wenn wir die romantischen Vorstellungen von Freiheit, Abenteuer und heldenhaften Revolvermännern mal beiseite lassen. Wer hier das Recht des Stärkeren durchsetzen wollte, braucht keine guten Argumente &#8211; ein Colt oder eine Winchester genügten dafür völlig. Und wer sich nicht wehren konnte, hatte eben Pech. Dies galt natürlich besonders für Frauen und Kinder, auch bei BLOOD BROTHERS MOTHER.</p>
<p>Genau in diese Welt schicken Brian Azzarello (Szenario) und Eduardo Risso (Zeichnungen) drei kleine Jungen. Nicht etwa, weil die das Abenteuer suchen. Sie wollen ihre Mutter zurückhaben. Was erst einmal nach einer klassischen Western-Geschichte klingt, entwickelt sich in der Folge zu einer ausgesprochen brutalen Reise durch eine Landschaft, in der Gewalt zum Alltag gehört. BLOOD BROTHERS MOTHER liegt darum nahe bei Werken wie <a title="Ein Rat an alle Gauner – LEAVE THEM ALONE" href="https://panelwalker.de/2026/06/ein-rat-an-alle-gauner-leave-them-alone/" target="_blank" rel="nofollow noopener">LEAVE THEM ALONE</a> oder <a title="Ein Mann geht seinen Weg BIS ZUM BITTEREN ENDE" href="https://panelwalker.de/2026/02/ein-mann-geht-seinen-weg-bis-zum-bitteren-ende/" target="_blank" rel="nofollow noopener">BIS ZUM BITTEREN ENDE</a>.</p>
<p>Mit BLOOD BROTHERS MOTHER kehrt eines der bekanntesten Autorenduos des amerikanischen Comics zum Western zurück. Azzarello und Risso haben bereits mit <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/100-bullets-1-deluxe-edition-dbudel001-de02.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">100 BULLETS</a> bewiesen, wie hervorragend sie menschliche Abgründe erzählen können. Ihre neue Geschichte erschien ursprünglich ab Mai 2024 beim amerikanischen Verlag DSTLRY. Der deutsche Schreiber &amp; Leser Verlag hat die vierteilige Miniserie nun als 224 Seiten starken Hardcoverband aufgelegt.</p>
<p>Nach den ersten Seiten von BLOOD BROTHERS MOTHER hat mich vor allem eine Frage beschäftigt: Wie viel Grausamkeit braucht eine Geschichte eigentlich, um glaubwürdig von einer grausamen Welt zu erzählen?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-5029 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-29_1000X765.jpg" alt="Innenseite 29 von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="765" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-29_1000X765.jpg 765w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-29_1000X765-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-29_1000X765-750x980.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-29_1000X765-600x784.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></p>
<h3>Ein Revolverheld kehrt zurück</h3>
<p>Am Anfang der Erzählung steht Carter Cain. Ein Mann, der nach einem Aufenthalt in einem mexikanischen Gefängnis wieder auf freiem Fuß ist. Wer jetzt auf einen geläuterten Sünder hofft, dürfte ziemlich schnell enttäuscht werden. Cain ist ein brutaler Gangster, der seine Freiheit keineswegs als Gelegenheit für einen Neuanfang betrachtet. Stattdessen macht er dort weiter, wo er aufgehört hat. Gemeinsam mit seinen Kumpanen zieht er durch den Westen und hinterlässt eine Spur aus Gewalt, Erniedrigung und Tod.</p>
<p>Seine Vergangenheit führt ihn schließlich zu Anna, einer Frau, mit der ihn mehr verbindet als eine flüchtige Bekanntschaft. Während Cain hinter Gittern saß, hat Anna &#8211; unter den Namen Mary &#8211; ein neues Leben begonnen. Sie ist mit Reverend Jon Blood verheiratet, einem Prediger, der sich um sie und ihre drei Jungen kümmert. Daniel, Simon und Jack, den alle Rabbit nennen, wachsen in einer Familie auf, die ihnen zumindest einen gewissen Schutz vor der rauen Außenwelt bietet. Der Reverend ist allerdings nicht ihr leiblicher Vater, denn diese Rolle kommt ausgerechnet Carter Cain zu. Damit bekommt die Geschichte eine besonders unangenehme Wendung. Denn Cain betrachtet Annas neues Leben keineswegs als ihre eigene Entscheidung. Für ihn ist sie noch immer eine Frau, über die er bestimmen darf.</p>
<p>Azzarello nimmt sich für diese Vorgeschichte erstaunlich viel Raum. Das ist durchaus sinnvoll, weil ich dadurch früh verstehe, welche Gefahr von Cain ausgeht. Allerdings liegt hier bereits eine Schwäche des Comics, denn der Verbrecher wird derart konsequent als grausames Scheusal vorgeführt, dass kaum noch Platz für Überraschungen bleibt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-5030 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-30_1000X765.jpg" alt="Innenseite 30 von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="765" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-30_1000X765.jpg 765w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-30_1000X765-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-30_1000X765-750x980.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-30_1000X765-600x784.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></p>
<h3>Drei Jungen auf dem Kriegspfad</h3>
<p>Als Cain mit seinen Komplizen bei Anna auftaucht, endet das bisherige Leben der Familie schlagartig. Reverend Blood wird erschossen und Anna verschleppt. Zurück bleiben drei Jungen, die gerade alles verloren haben, was ihnen Sicherheit gegeben hat. Ihr leiblicher Vater fühlt sich für sie ganz und gar nicht verantwortlich.</p>
<p>Daniel, der Älteste, übernimmt diese Verantwortung. Gemeinsam mit Simon und Rabbit beschließt er, den Entführern zu folgen und die Mutter zurückzuholen. Das klingt zunächst nach einem ziemlich aussichtslosen Unterfangen, schließlich sind die Brüder noch Kinder. Sie besitzen weder die Erfahrung noch die körperlichen Voraussetzungen, um es mit den Erwachsenen ihrer Welt aufzunehmen. Und trotzdem machen sie sich auf den Weg.</p>
<p>Gerade dieser Gegensatz gehört für mich zu den stärksten Ideen des Comics. Drei Jungen, die eigentlich Schutz brauchen, müssen selbst für ihr Überleben sorgen und erwachsen werden. Ihre Reise ist keine abenteuerliche Bewährungsprobe, sondern eine verzweifelte Suche nach dem letzten Menschen, der ihnen geblieben ist.</p>
<p>Dabei unterscheiden sich die Brüder durchaus. Daniel versucht, die Rolle des Erwachsenen zu übernehmen. Simon und Rabbit sind stärker auf die Entscheidungen ihres älteren Bruders angewiesen. Zwischen ihnen entsteht eine Mischung aus Zusammenhalt, Angst und kindlicher Unsicherheit.</p>
<p>Ich hätte mir gewünscht, dass Azzarello diese Beziehungen ausführlicher zeigt und entwickelt. Gerade weil die Jungen das emotionale Zentrum der Geschichte bilden sollen, bleiben ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten stellenweise etwas blass.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-5031" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-31_1000X765.jpg" alt="Innenseite 31 von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="765" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-31_1000X765.jpg 765w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-31_1000X765-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-31_1000X765-750x980.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-31_1000X765-600x784.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></p>
<h3>Auf dem Trail lauert der Tod</h3>
<p>Ihre Suche führt die Brüder durch die Weiten von Texas. Was auf den ersten Blick nach grenzenloser Freiheit aussieht, entpuppt sich schnell als ein gefährliches Niemandsland. Die Jungen begegnen Menschen, deren Absichten sie kaum einschätzen können. Gesetzlose, Kopfgeldjäger und andere Gestalten bevölkern eine Welt, in der ein freundliches Gesicht noch lange kein Garant für gute Absichten bedeutet. Hinzu kommen wilde Tiere, Hunger und die unerbittliche Landschaft.</p>
<p>Azzarello nutzt diese Begegnungen gekonnt, um verschiedene Seiten des Westens zu zeigen. Es geht um Geld, Macht, Besitz und die Bereitschaft, andere Menschen für den eigenen Vorteil zu opfern. Der vermeintlich zivilisierte Teil des Westens unterscheidet sich dabei wenig von der Welt seiner Verbrecher.</p>
<p>Interessant ist, dass die Geschichte auch die Perspektive der indigenen Bevölkerung berührt. Mit der Figur Crazy Owl, die ich hier beim englischen Namen belasse, erweitert sich der Blick über das persönliche Schicksal der Familie hinaus. Die Besiedlung des Westens erscheint nicht als heldenhafter Fortschritt, sondern als gewaltsame Aneignung fremden Landes.</p>
<p>Allerdings wirken manche Begegnungen eher wie einzelne Episoden, die den Jungen weitere Gefahren vorführen sollen. Nicht jede davon bringt die eigentliche Suche entscheidend voran. Hier hätte etwas weniger durchaus mehr sein können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-5032" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-32_1000X765.jpg" alt="Innenseite 32 von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="765" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-32_1000X765.jpg 765w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-32_1000X765-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-32_1000X765-750x980.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-32_1000X765-600x784.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></p>
<h3>Blut ist dicker als Wasser</h3>
<p>Während die Brüder ihrer Mutter folgen, wird immer deutlicher, dass hinter der Entführung mehr steckt als die Grausamkeit gewöhnlicher Banditen. Carter Cain ist ihr leiblicher Vater. Der Mann, vor dem die Jungs ihre Mutter retten wollen, gehört also selbst zu ihrer Familie. Dieser Umstand verändert den zentralen Konflikt erheblich. Die Jungen kämpfen nicht einfach gegen fremde Verbrecher. Sie müssen sich mit einem Menschen auseinandersetzen, dessen Vergangenheit unmittelbar mit ihrer eigenen verbunden ist.</p>
<p>Damit stellt Azzarello eine unangenehme Frage: Was bedeutet Familie eigentlich, wenn Blutsverwandtschaft weder Liebe noch Verantwortung garantiert? Reverend Blood hat den Jungen ein Zuhause gegeben. Cain hingegen beansprucht eine Stellung, die er durch sein Verhalten längst verwirkt hat. Der Gegensatz zwischen beiden Männern könnte kaum deutlicher ausfallen.</p>
<p>Im weiteren Verlauf gewinnt die Geschichte zunehmend an Härte. Die Suche wird zur Auseinandersetzung mit Gewalt und Vergeltung. Dabei verlieren die Brüder Stück für Stück jene Unschuld, die sie zu Beginn noch ausgezeichnet hat. Gerade diese Entwicklung hätte für meinen Geschmack mehr Aufmerksamkeit verdient. Denn die entscheidende Veränderung findet nicht allein in den äußeren Ereignissen sondern in den Jungen selbst statt. Azzarello zeigt die Folgen ihrer Erlebnisse, lässt aber manche emotionalen Zwischenschritte zu schnell hinter sich.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-5033" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-33_1000X765.jpg" alt="Innenseite 33 von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="765" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-33_1000X765.jpg 765w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-33_1000X765-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-33_1000X765-750x980.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-33_1000X765-600x784.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></p>
<h3>Wenn der Colt die Geschichte erzählt</h3>
<p>BLOOD BROTHERS MOTHER ist ein kompromissloser Western. Daran besteht nach wenigen Seiten kein Zweifel. Gewalt wird hier weder beschönigt noch hinter verschlossenen Türen versteckt. Auch sexualisierte Gewalt gehört zu den erschütternden Bestandteilen der Geschichte. Das kann durchaus seine Berechtigung haben, schließlich geht es um eine Welt, in der Menschen andere Menschen wie Eigentum behandeln.</p>
<p>Mich stört allerdings, dass Azzarello bisweilen so stark auf die nächste Grausamkeit setzt, dass die Figuren dahinter zurücktreten. Besonders die Figur des Carter Cain leidet darunter. Seine Brutalität steht außer Frage, doch als Persönlichkeit bleibt er erstaunlich eindimensional.</p>
<p>Auch Anna hätte ich gerne stärker als eigenständige Figur erlebt. Ihre Vergangenheit und ihre Beziehung zu Cain sind für die Handlung entscheidend. Dennoch wird sie über weite Strecken vor allem durch das bestimmt, was andere ihr antun. Das ist besonders schade, weil der Titel ja ausdrücklich die Mutter in den Mittelpunkt zu rücken scheint. Tatsächlich gehört die erzählerische Aufmerksamkeit jedoch überwiegend den Männern und Jungen um sie herum und macht sie damit irgendwie zu einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/MacGuffin" target="_blank" rel="nofollow noopener">MacGuffin</a> (also einem Gegenstand, einer Person oder einem Ziel in einer Geschichte, das die Handlung antreibt, für die eigentliche Bedeutung des Werkes / des Films aber völlig unwichtig ist).</p>
<p>Hinzu kommt ein gelegentlich ungleichmäßiges Erzähltempo. Während manche grausame Episode ausführlich ausgespielt wird, geraten wichtige Veränderungen innerhalb der Familie vergleichsweise knapp. Spannung entsteht dadurch reichlich, emotionale Nähe nicht immer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-5034" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-34_1000X765.jpg" alt="Innenseite 34 von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="765" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-34_1000X765.jpg 765w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-34_1000X765-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-34_1000X765-750x980.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-34_1000X765-600x784.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></p>
<h3>BLOOD BROTHERS MOTHER in Wasserfarben</h3>
<p>Eduardo Rissos Zeichnungen sind für mich der überzeugendste Bestandteil dieses Comics. Wer Risso hauptsächlich aus 100 BULLETS kennt, dürfte zunächst überrascht sein. Statt der dort dominierenden harten Schwarzflächen arbeitet der argentinische Zeichner hier mit einer deutlich weicheren, aquarellartigen Farbgestaltung, was einen harten Kontrast zwischen den gezeigten Bildern und den dargestellten Ereignissen bildet. Warme Gelb- und Orangetöne bestimmen die sonnenbeschienenen Landschaften. Nachts übernehmen Blau und Violett die Bilder. Die Farben lassen den Westen gelegentlich beinahe friedlich erscheinen. Umso heftiger wirken die Gewaltausbrüche, die diese Ruhe zerstören. Für die handgemalten Innenillustrationen in (THE) BLOOD BROTHERS MOTHER gewann er 2025 den <a href="https://www.comic.de/2025/07/die-eisner-awards-2025/" target="_blank" rel="nofollow noopener">EISNER AWARD in der Kategorie &#8222;Best Pinter/Multimedia Artist (Interior Art)&#8220;</a>.</p>
<p>Besonders gefällt mir, wie Risso mit Perspektiven und Bildausschnitten arbeitet. Weite Landschaftsbilder vermitteln die Verlorenheit der Jungen. Eng gefasste Panels konzentrieren sich dagegen auf Gesichter, Bewegungen und bedrohliche Einzelheiten. Dabei versteht Risso hervorragend, wann er eine Szene beschleunigen muss. Kurze Bildfolgen lassen Gewalt plötzlich und unmittelbar erscheinen, größere Panels geben anschließend Gelegenheit, ihre Folgen wahrzunehmen.</p>
<p>Seine Figuren besitzen eine ausdrucksstarke Körpersprache. Angst, Erschöpfung und Entschlossenheit werden häufig bereits durch Haltung und Gesichtsausdruck erkennbar.</p>
<p>Ganz ohne Schwächen bleibt die Gestaltung allerdings nicht. Einige Nebenfiguren sind auf den ersten Blick schwer auseinanderzuhalten. Auch die wechselnde Detailfülle fällt auf. Manche Landschaften sind sorgfältig ausgearbeitet, während andere Hintergründe ausgesprochen sparsam bleiben. Trotzdem gelingt Risso etwas Bemerkenswertes: Seine Bilder machen die Schönheit dieser Landschaft sichtbar, ohne ihre Gefährlichkeit zu verschweigen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-5035" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-35_1000X765.jpg" alt="Innenseite 35 von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="765" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-35_1000X765.jpg 765w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-35_1000X765-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-35_1000X765-750x980.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-35_1000X765-600x784.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></p>
<h3>Zwei alte Revolverhelden</h3>
<p>Brian Azzarello stammt aus Cleveland und gehört seit den 1990er-Jahren zu den bekannten amerikanischen Comicautoren. Besonders seine gemeinsam mit Eduardo Risso geschaffene Krimiserie 100 BULLETS machte ihn international bekannt. Daneben schrieb er unter anderem Geschichten um <a href="https://www.jpc.de/s/brian+azzarello" target="_blank" rel="nofollow noopener">BATMAN, WONDER WOMAN und JOKER</a>.</p>
<p>Eduardo Risso wurde 1959 in Argentinien geboren und arbeitete zunächst für den südamerikanischen und europäischen Comicmarkt, bevor er auch in den USA große Erfolge feierte. Seine markante Bildsprache und sein Gespür für düstere Geschichten haben ihm zahlreiche Auszeichnungen eingebracht.</p>
<p>Beide Künstler arbeiteten später erneut bei <a href="https://www.amazon.de/Spaceman-Brian-Azzarello/dp/1401242707" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPACEMAN</a> und <a href="https://www.amazon.de/Moonshine-Complete-Collection-Brian-Azzarello/dp/1534399429" target="_blank" rel="nofollow noopener">MOONSHINE</a> zusammen. BLOOD BROTHERS MOTHER knüpft an ihre Vorliebe für moralisch fragwürdige Figuren an, führt sie aber in eine andere visuelle Richtung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-5036" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-36_1000X765.jpg" alt="Innenseite 36 von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="765" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-36_1000X765.jpg 765w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-36_1000X765-300x392.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-36_1000X765-750x980.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_INNENSEITE-36_1000X765-600x784.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 765px) 100vw, 765px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>BLOOD BROTHERS MOTHER hat mich vor allem durch seine Zeichnungen beeindruckt. Eduardo Risso liefert einen visuell außergewöhnlichen Western, dessen Schönheit und Brutalität häufig unmittelbar zusammenprallen.</p>
<p>Brian Azzarellos Geschichte überzeugt mich dagegen nicht durchgängig. Die Grundidee ist stark, die Reise der drei Brüder spannend. Doch die wiederholten Grausamkeiten ersetzen gelegentlich jene sorgfältige Figurenentwicklung, die aus einer guten Rachegeschichte eine wirklich bewegende Erzählung machen könnte. Besonders Anna &#8211; die titelgebende Mutter &#8211; und die Beziehungen innerhalb der Familie hätten mehr Raum verdient gehabt.</p>
<p>Wer harte, schonungslose Western liebt und mit drastischer Gewalt umgehen kann, bekommt dennoch einen sehenswerten Comic. Wer dagegen eine vielschichtige Familiengeschichte erwartet, dürfte nicht vollständig zufrieden sein. Für mich bleibt ein hervorragend gezeichneter, erzählerisch aber nicht immer überzeugender Western. Einer, bei dem die Bilder länger im Gedächtnis bleiben als manche seiner Figuren &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-5028" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_COVER_1000X770-300x390.jpg" alt="Cover von BLOOD BROTHERS MOTHER" width="300" height="390" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_COVER_1000X770-300x390.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_COVER_1000X770-750x974.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_COVER_1000X770-768x997.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_COVER_1000X770-600x779.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/10/BLOOD-BROTHERS-MOTHER_COVER_1000X770.jpg 770w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>BLOOD BROTHERS MOTHER</li>
<li>Brian Azzarello und Eduardo Risso</li>
<li>Hardcover | 224 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96582-244-3</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★★</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/nachtprogramm/blood-brothers-mother" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/10/blood-brothers-mother-keine-unschuld-in-wild-west/">BLOOD BROTHERS MOTHER – Keine Unschuld in Wild West</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>TELEPORTATION INC. &#8211; Die nächste Reise startet gleich</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/10/teleportation-inc-die-naechste-reise-startet-gleich/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Oct 2026 05:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Steam-Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Dominique Latil]]></category>
		<category><![CDATA[Romain Sordet]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der heutige Comic ist schon etwas älter, aus dem Jahr 2021 um genau zu sein. Er gehört zu Werken, die ich im Schrank stehen habe und zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre, falls ich für den Feierabend nach &#8222;leichter&#8220; Lektüre suche. Im Zentrum von TELEPORTATION INC. steht einer der ältesten Menschheitsträume: Reisen, wohin und [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/10/teleportation-inc-die-naechste-reise-startet-gleich/">TELEPORTATION INC. – Die nächste Reise startet gleich</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der heutige Comic ist schon etwas älter, aus dem Jahr 2021 um genau zu sein. Er gehört zu Werken, die ich im Schrank stehen habe und zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre, falls ich für den Feierabend nach &#8222;leichter&#8220; Lektüre suche.</p>
<p>Im Zentrum von TELEPORTATION INC. steht einer der ältesten Menschheitsträume: Reisen, wohin und wann immer man will, per Knopfdruck, ohne Jetlag oder Tankrabatt. Nur mit ein bisschen Techno-Zauber. Dank der Galactic Teleportation Company (kurz GTC) wird dieses Science-Fiction-Versprechen Realität. In einer weitläufigen Zukunftsgesellschaft, in der diverse Spezies das All zum Wohnzimmer gemacht haben, kontrolliert die GTC mit ihren globalen und interstellaren Regeln, wer sich wohin teleportieren darf. Strenge Vorgaben und Rückkehrtermine sind Pflicht. Wer sich nicht daran hält, wird von Rückholagenten gesucht – und oft gefunden!<span id="more-1823"></span></p>
<p>Der Comic öffnet mit einem humorvollen wie actionreichen Blick in den Alltag einer dieser Agentinnen, Lubia Thorel. Lubia, die als Beste ihrer Abteilung gilt, kehrt gerade erfolgreich von einem ihrer Einsätze zurück. Kaum angekommen, wartet allerdings auch schon der nächste Fall auf sie. Gleich fünf Teleportierte sind auf dem Planeten Shpar verschwunden.</p>
<p>Der Auftrag klingt nach Stress, vor allem weil die Abgewichenen nicht gerade harmlose Touristen sind. Die Spur führt Lubia zusammen mit ihrem neuen, eher ungewollten Alien-Partner in die Ausläufer einer Verschwörung, an deren Ende mehr auf dem Spiel steht als nur ein paar vermisste Globetrotter.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1824 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_01_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 1 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_01_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_01_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_01_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Weit, weit draußen</h3>
<p>Shpar, der Zielplanet, ist eine Mischung aus mondäner Hightech-Welt und dekadentem Treffpunkt für Milliardäre. Hier treffen intergalaktische Snobs und Sicherheitsleute bei einem Hauch Steam-Punk aufeinander.</p>
<p>Lubias Recherchen geraten schnell außer Kontrolle als ungeklärte Phänomene, skrupellose Geschäftemacher und seltsame Mutationen auf der Bildfläche erscheinen. Ihr neuer Partner, ein Duagin mit recht eigenwilligen Eigenschaften (samt Eidechsenschwanz) sorgt für Reibung, Witz und zahlreiche anzügliche Seitenhiebe. Die Buddy-Cop-Dynamik mischt actiongeladene Szenen mit bissigen Dialogen und gelegentlichem Slapstick.</p>
<p>Im Laufe der Ermittlungen geraten beide in einen Sog aus Verschwörung und Sabotage. Es geht längst nicht mehr nur um vermisste Reisende. Die Geschichte offenbart einen größeren Plan, der mit der Entwicklung der Teleportationstechnologie und verschwundenen Planeten zu tun hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1825 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_02_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 2 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_02_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_02_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_02_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Komik vs. Technik</h3>
<p>Paranoia, Intrigen und eine latent überdrehte Komik ziehen sich durch den Plot. Lubia und ihr Partner müssen sich nicht nur mit ihren Gegnern herumschlagen, sondern werden auch regelmäßig von den Tücken der eigenen Technologie überrascht.</p>
<p>Doch trotz aller Wendungen jagt TELEPORTATION INC. nie ausschließlich dem nächsten dramatischen Cliffhanger hinterher. Stattdessen dominiert eine leichte, oftmals ironische Erzählstimme, die auch Raum für Momente des Scheiterns, der Freundschaft und der gegenseitigen Annäherung lässt. Die Mission, die Handlung, das Setting – all das bleibt am Ende nicht ohne Folgen, weder für die Helden noch für das Universum selbst.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1826 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_03_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 3 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_03_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_03_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_03_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwischen Knalleffekt und Kopfnuss</h3>
<p>Obwohl TELEPORTATION INC. auf den ersten Blick wie ein temporeiches Sci-Fi-Abenteuer daherkommt, entpuppt sich die Erzählung bei genauerem Hinsehen als erstaunlich vielschichtig.</p>
<p>Sie gibt sich als klassische Buddy-Geschichte: alter Hase (pardon: Häsin) trifft auf Rookie, die härteste Agentin mit Prinzipien auf einen Alien mit sozialer Tollpatschigkeit. Dieser Ansatz verleiht dem Plot eine solide Grundspannung. Die Dynamik zwischen Lubia Thorel und ihrem Duagin-Partner bringt die nötige Würze und sorgt neben Action sowohl für schallendes Gelächter als auch für genügend Gelegenheit zum Augenverdrehen.</p>
<p>Strukturell setzt TELEPORTATION INC. auf eine Mischung aus Krimi- und Verschwörungs-Thriller. Immer wieder improvisiert die Heldin, stellt unkonventionelle Nachforschungen an und legt sich mit Vorgesetzten und Sicherheitsapparaten an. Der Wechsel von humorvoll überdrehten Dialogen zu echten Thriller-Momenten sorgt für einen Rhythmus, der auch auf längeren Strecken das Ganze nie eintönig werden. Handfeste Action, grotesker Slapstick und satirische Seitenhiebe auf Bürokratie und Konzernmacht wechseln sich flott ab.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1827 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_04_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 4 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_04_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_04_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_04_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Tempo und Takt in TELEPORTATION INC.</h3>
<p>Ich könnte bemängeln, dass die Handlung gelegentlich fragmentarisch wirkt. Die Handlungsstränge reihen sich manchmal zu hastig und zufällig aneinander. Dadurch droht der Comic, Atmosphäre und Tiefe zugunsten der nächsten Pointe oder Actionszene einzubüßen.</p>
<p>Und doch schafft es dieser Band, mir immer wieder überraschende Wendungen zu liefern, die das Buch vor Vorhersehbarkeit retten. Den dramaturgischen Höhepunkt erreicht TELEPORTATION INC. in seiner zweiten Hälfte. Der rätselhafte Hintergrund der Teleportationstechnologie – mitsamt verschwundener Planeten – wird mit Spannung aufgelöst, ohne sich in zu viele Erklärungen zu verlieren.</p>
<p>Amüsant ist, dass der Comic offen lässt, wie ernst er sich selbst eigentlich nimmt. Zwischen pop-kulturellen Referenzen, kleinen Anspielungen auf Kino (Star Wars lässt grüßen) und einer Prise Steam-Punk wird der Ernst der Lage immer wieder humorvoll unterlaufen. Es bleibt bei dem Versuch, eine Balance zwischen ambitioniertem Sci-Fi-Plot und lockerer Lesbarkeit zu halten.</p>
<p>Wer ein tiefschürfendes Drama sucht, ist hier eindeutig falsch. Wer Spaß an fein dosierter Albernheit bei gleichzeitig hohem Erzähltempo genießt, kommt wie ich auf seine Kosten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1828 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_05_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 5 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_05_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_05_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_05_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Schräge Typen, starke Agentin</h3>
<p>Der Star von TELEPORTATION INC. ist unbestritten Lubia Thorel. Sie gibt der Geschichte nicht nur ein Gesicht, sondern auch einen Tonfall. Als knallharte Rückholagentin ist sie souverän, kämpferisch und scheinbar über jede Erschütterung erhaben. Ihre Dialoge sind pointiert, ihre Methoden bisweilen &#8211; nun ja, rabaukig. Gleichzeitig bleibt sie sympathisch, weil sie Fehler macht, sich irrt, lacht und ein weiblicher Grantler ist. Ihr Charakter wird von Stereotypen gelegentlich gestreift, jedoch immer rechtzeitig durch Selbstironie oder subtile Gefühlsmomente gebrochen.</p>
<p>Ihr Alien-Partner, ein Duagin mit außergewöhnlicher Körperausstattung, dient als Kontrastfigur. Seine soziale Unsicherheit, seine wortwörtlichen Ausrutscher und sein Hang zu naivem Staunen über die menschlichen Welten sorgen für Komik. Zugleich wirkt er in den spannenden Momenten als überraschend ernsthafter und loyaler Partner.</p>
<p>Diese buddyhafte Beziehung liefert das emotionale Rückgrat und verhindert, dass der Comic zu einer bloßen Action-Sammlung verkommt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-1829" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_06_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 6 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_06_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_06_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_06_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwischen Kick-Ass und Kicherattacke</h3>
<p>Die Nebenfiguren bleiben größtenteils Staffage. Sie funktionieren als Karikaturen von Bürokraten, Snobs, Sicherheitsleuten und Tech-Nerds. Das ist nicht immer tiefgründig, sorgt aber für Wiedererkennungswert. Die Antagonistinnen und Antagonisten agieren klischee-bewusst und werden von den Protagonisten meistens mit einem Spruch oder einem Trick ausmanövriert.</p>
<p>Die Figurenentwicklung ist solide, aber nicht bahnbrechend. Ein echtes Durchleben innerer Konflikte bleibt aus, da der Fokus stärker auf Schlagfertigkeit und Teamarbeit liegt. Trotzdem verweile ich bei Lubia und ihrem Kompagnon gerne. Vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht perfekt sind. In Summe funktionieren die Hauptfiguren als Sympathieträger, die sogar Potenzial für weitere Bände hätten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1830 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_07_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 6 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_07_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_07_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_07_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwei Macher, ein Stil</h3>
<p>Die kreative Feder hinter TELEPORTATION INC. ist Dominique Latil, ein Autor, der sich durch verschiedene Sci-Fi- und Fantasyreihen einen Namen gemacht hat. In Frankreich schätzt man ihn unter anderem für die Serie <a href="https://www.amazon.de/Morea-Band-9-Schwarze-Schuld/dp/395839387X/ref=sr_1_3?dib=eyJ2IjoiMSJ9.tyZnhFY0uhH2hqbDiYS84xyuIYnB9ZwlbtX5zI6-uFg9tbt-HV57AD_GguFS35h6jcD2oXM9kL5sPBJTEp8eUMGIJ0uRqbRk5YEiCrXXGb9BFmyOyVYZd-JviW4xjPAFUP8osSbUvn4t6R7sy1fPqOW6uhLLvMC2YiYiiEGfNkx78UXgQfyAbv4cca9FlmlTpjrisLN020rp3COFOGzo5Xq_RmENpbYDfaIO4wl-j48.ulG0TwOGshN-jM4gNnKmLwSR1pWREV9fomKG3iRcQZU&amp;dib_tag=se&amp;qid=1774608902&amp;refinements=p_27%3ADominique+Latil&amp;s=books&amp;sr=1-3&amp;text=Dominique+Latil" target="_blank" rel="nofollow noopener">MOREA</a>. Latil ist bekannt für seinen Hang zum humorvoll gebrochenen Abenteuer, für pop-kulturelle Referenzen und clevere Genre-Mischungen. Er versteht es, klassische Themen auf die Schippe zu nehmen, ohne ihnen gänzlich ihren Ernst zu rauben.</p>
<p>Auch in TELEPORTATION INC. setzt er auf die bewährte Mischung aus Krimi, Sci-Fi und Buddy-Komödie. Seine Geschichten sind selten wirklich ernst und lassen stets Raum für Ironie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1831 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_08_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 7 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_08_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_08_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_08_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Wenn Storyboard auf Storytelling trifft</h3>
<p>Romain Sordet, erstmals als Hauptzeichner für einen Band dieser Länge verantwortlich, bringt als Storyboarder und Animator frischen Wind in die frankobelgische Comic-Branche. Der ausgebildete Zeichner arbeitet auch als Lehrer für Storyboarding und bringt daher ein ausgeprägtes Gefühl für Bildführung und visuelles Erzählen mit. Sein bisheriger Werdegang führt von animierten Kurzprojekten über Illustrationen bis hin zu seinem Durchbruch mit TELEPORTATION INC., das er sowohl zeichnerisch als auch farblich prägt.</p>
<p>Die Zusammenarbeit der beiden führt zu einer außergewöhnlich harmonischen Verbindung von Text und Bild. Während Latil die Dialoge fliegen lässt, verwandelt Sordet sie gekonnt in mimische Höhepunkte. Die Nähe beider Künstler zur frankobelgischen Tradition ist spürbar, gleichzeitig zeigen sie Mut zu Wagnissen und genüsslicher Überzeichnung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1832 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_09_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 8 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_09_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_09_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_09_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Knallbunt, cartoonisch und voller Bewegung</h3>
<p>Romain Sordets Zeichnungen sind die visuelle Triebfeder von TELEPORTATION INC. Sein Strich bewegt sich sicher nahe am Funny-Stil, erinnert an die großen frankobelgischen Klassiker, verzichtet aber auf sterile Perfektion.</p>
<p>Die Gesichter sind expressiv, die Körper meist karikiert, was der Interaktion zwischen den Figuren ein humorvolles Eigenleben verleiht. Gerade Mimik und Gestik überzeugen auf breiter Linie. Das führt dazu, dass schon reaktive Blicke und kleine Minenwechsel ganze Pointen transportieren können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1833 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_10_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 9 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_10_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_10_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_10_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Farbspektakel im Funny-Stil</h3>
<p>Die Farbgebung ist kräftig und plakativ. Dieses knallbunte Setting betont sowohl den spaßigen Charakter als auch den futuristischen Hintergrund. Besonders gelungen sind die urbanen Szenerien, die einen originellen Spagat zwischen Art-Déco, Steam-Punk und Hightech schaffen. Ob man sich auf dem Luxusplaneten Shpar oder in der trostlosen GTC-Zentrale befindet: Atmosphärische Tiefe wird in dezenten Details und nicht mit Pathos präsentiert.</p>
<p>Anspielungen auf bekannte Filme, Serien und Genres lassen sich schon aus den Panelformen und Bildaufbauten herauslesen. Das Design der Fahrzeuge, Labore und Nebenfiguren strotzt vor liebevollen Zitaten. Gelegentlich wirkt das Worldbuilding ein wenig überfrachtet. Doch es bleibt charmant und voller Entdeckerfreude.</p>
<p>Sordet zeigt Mut zur Eigenständigkeit, ohne sich von der frankobelgischen Historie zu lösen. Wer den Funny-Stil mag, fühlt sich sofort zu Hause. Fans düsterer Hyperrealismen werden dagegen wenig Neues entdecken. Positiv sticht heraus, wie sehr sich Bild und Story gegenseitig verstärken. Was die Handlung ironisch übertreibt, zeigt das Bild meist mit hintersinnigem Zwinkern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-1834 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_11_1000x713_medium.jpg" alt="Innenseite 10 von TELEPORTATION INC." width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_11_1000x713_medium.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_11_1000x713_medium-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_01_11_1000x713_medium-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Ein Double mit Potential</h3>
<p>Interessant sind die ironischen Seitenhiebe auf Reisewahn, Bürokratie und Großunternehmen. Die GTC als Mischung aus TÜV und SpaceX liefert zahlreiche Subtexte zur Diskussion um Technikgläubigkeit und Überwachung in einer globalisierten Welt. Diese Metaebene lässt sich leicht genießen, ohne in Philosophie oder Gesellschaftskritik abzudriften.</p>
<p>TELEPORTATION INC. ist kein Teil einer längeren Serie, könnte es aber sein. Das Setting und die Figuren bieten Potenzial für Spin-Offs. Bislang bleibt es jedoch bei diesem Doppel-Album.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>TELEPORTATION INC. ist ein kurzweiliges, pointiert erzähltes Sci-Fi-Comedy-Abenteuer, das gleichermaßen für Neueinsteiger wie erfahrene Comicfans geeignet ist. Für einen Comic zwischendurch ist dieses Werk genau das Richtige.</p>
<p>Dominique Latil und Romain Sordet liefern ein Werk, das bewusst keine große Dramatik, wohl aber jede Menge Tempo, Humor und popkulturellen Esprit präsentiert. Die Buddy-Dynamik überzeugt, der Funny-Stil sorgt für Lesefreude, und das Setting bietet Anregungen für die Fantasie.</p>
<p>Ein episches Meisterwerk will TELEPORTATION INC. nicht sein. Es genügt ihm, klug und witzig zu unterhalten. Wer Spaß an Sci-Fi mit Herz, Witz und einem Augenzwinkern sucht, findet hier einen echten Hingucker für das Regal. Oder halt für den ruhigen Feierabend bei &#8222;leichter&#8220; Lektüre &#8230;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-1835" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_Cover_1000x720_medium-300x417.jpg" alt="Cover von TELEPORTATION INC." width="300" height="417" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_Cover_1000x720_medium-300x417.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_Cover_1000x720_medium-600x833.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/07/Teleportation_INC_Cover_1000x720_medium.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>TELEPORTATION INC.</li>
<li>Jordi Lafebre</li>
<li>Hardcover | 96 Seiten | Farbe | Double</li>
<li>ISBN 978-3-96792-293-6</li>
<li>Storyline: ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/teleportation-inc.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/10/teleportation-inc-die-naechste-reise-startet-gleich/">TELEPORTATION INC. – Die nächste Reise startet gleich</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>DÉDÉ – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL trifft es ziemlich gut</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/10/dede-mir-platz-gleich-der-schaedel-trifft-es-ziemlich-gut/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Oct 2026 05:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Crime Noir]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Semi-Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Erik]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Weißmüller]]></category>
		<category><![CDATA[Kult Comics]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Philip Marlowe trägt seinen Trenchcoat wie eine Rüstung. Columbo wirkt darin, als hätte er die Nacht auf dem Rücksitz seines Peugeot 403 verbracht. Und Inspektor Canardo, die Ente im Humphrey-Bogart-Look, schleppt seinen Mantel durch eine Welt, in der selbst der Regen schlechte Absichten zu haben scheint. Detektiv Deschamps, genannt Dédé, gehört zu diesem illusteren Kreis, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Philip Marlowe trägt seinen Trenchcoat wie eine Rüstung. Columbo wirkt darin, als hätte er die Nacht auf dem Rücksitz seines Peugeot 403 verbracht. Und Inspektor Canardo, die Ente im Humphrey-Bogart-Look, schleppt seinen Mantel durch eine Welt, in der selbst der Regen schlechte Absichten zu haben scheint.</p>
<p>Detektiv Deschamps, genannt Dédé, gehört zu diesem illusteren Kreis, steht dort aber wie der kräftige Cousin aus Paris, der zu spät kommt, immer hungrig ist und trotzdem als Erster merkt, dass etwas nicht stimmt.</p>
<p><span id="more-4435"></span></p>
<p>In DÉDÉ: BAND 5 – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL schickt Erik seinen Privatermittler an die normannische Küste. Dort wartet jedoch kein gemütlicher Ferienfall auf ihn. Ein Tourist ist mitten auf einer belebten Promenade auf grausame und scheinbar unerklärliche Weise gestorben. Ihm ist im wahrsten Sinne des Wortes der Kopf geplatzt. Wochen später meldet sich ein Erpresser, der eine lautlose Fernwaffe besitzen will und sein nächstes Ziel sei die Industriellen-Familie von Caius Morel.</p>
<p>Ein schöner Einstieg: Erik verbindet ein beinahe groteskes Verbrechen mit der freundlichen Oberfläche eines Badeortes nach Saisonende. Hinzu kommt ein Detektiv, der weder Übermensch noch wandelndes Lexikon ist. Dédé schwitzt, flucht, gerät aus dem Takt und hält dennoch an seinem Auftrag fest. Das Szenario macht Anleihen beim Crime-Noir, der Held jedoch bleibt angenehm fehlbar.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4438" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03.jpg" alt="Innenseite 03 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-03-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Tatort Strandpromenade</h3>
<p>Tréville-Plage sieht zunächst nach einem Ort aus, an dem eine Möwe höchstens ein belegtes Brot stiehlt. Kennt man ja. Dann aber stirbt René Dourreau. Der unbescholtene Tourist wird am helllichten Tag von etwas getroffen, obwohl niemand einen Schützen wahrnimmt. Es gibt keinen hörbaren Schuss und kein übliches Geschoss. Der Tod wirkt so unmöglich, dass die Ermittlungen der örtlichen Kriminalpolizei nach Wochen ohne Ergebnis eingestellt werden.</p>
<p>Das Verbrechen ist nicht nur rätselhaft. Es verletzt die friedliche Ordnung des Ortes. Ich spüre beim Lesen sofort, dass in Tréville-Plage etwas unter der hübschen Oberfläche brodelt. Zugleich bleibt Dourreau zunächst ein großes Fragezeichen. Gerade seine Unauffälligkeit macht den Fall interessant. Weshalb sollte ausgerechnet dieser Mann sterben?</p>
<p>Sechs Wochen später ist die Saison vorbei. Die Urlauber sind abgereist, die Promenade wirkt leerer, die Küste kälter. An diesem Punkt der Ereignisse trifft Dédé ein. Schon seine Ankunft verrät viel über ihn. Die Fahrt läuft nicht glatt, der Wagen macht Ärger und der Detektiv hinterlässt bei seinen neuen Auftraggebern keinen Auftritt wie aus einem Werbeprospekt. Er kommt verschmutzt und verspätet an. Caius Morel, reich, ungeduldig und wenig bereit, Fehler zu verzeihen, empfängt ihn entsprechend kühl.</p>
<p>Damit stehen sich unmittelbar zwei gegensätzliche Kräfte gegenüber. Hier der zahlungskräftige Auftraggeber, der Kontrolle gewohnt ist, dort Dédé mit seinem eigenen Arbeitsrhythmus. Dass diese Verbindung nicht lange friedlich koexistieren kann, zeichnet sich früh ab.</p>
<h3>Der Brief im verschlossenen Château</h3>
<p>Caius Morel hat einen Grund für seine Nervosität. Ein Brief hat ankündigt, dass der Tod auf der Promenade kein Zufall war. Der Absender beansprucht die Tat für sich und richtet seine nächste Drohung gegen die Familie Morel. Eine Million Euro soll gezahlt werden, die Frist läuft noch in derselben Nacht ab. Dem Brief ist das Bild einer seltsamen Waffe beigefügt. Sie soll aus der Entfernung töten, lautlos und ohne die gewöhnlichen Spuren.</p>
<p>Die Familie zieht sich in ihr Château zurück, niemand möchte zur Zielscheibe werden. Ich mag, wie Erik den vermeintlich sicheren Wohnsitz dabei langsam in einen Käfig verwandelt. Große Räume, Besitz und gesellschaftlicher Rang helfen wenig, sobald eine Gefahr angeblich über Distanz und durch Mauern hindurch wirken kann. Caius Morel versucht zwar, die Lage mit Geld und Befehlen zu beherrschen. Seine unterschwellige Unsicherheit lässt sich jedoch kaum verbergen.</p>
<p>Dédé muss in kürzester Zeit nun zwei Fragen beantworten. Besitzt der Erpresser tatsächlich eine solche Waffe? Oder nutzt ein Nachahmer das ungelöste Verbrechen, um die Morels in Panik zu versetzen? Diese zweite Möglichkeit hält den Fall auf dem Boden. Erik lässt das Unheimliche stehen, ohne den Krimi an eine reine Fantasie-Erklärung auszuliefern.</p>
<p>Der Detektiv prüft das Gelände, hört zu, wägt die bevorstehende Geldübergabe ab und gewinnt dabei keinen souveränen Überblick über alle Beteiligten. Die Morel&#8217;s und ihr Umfeld begegnen ihm mit eigenen Interessen und Befindlichkeiten. Jede Auskunft kann helfen oder nur eine Nebelkerze sein. Dédé lässt sich davon jedoch nicht einschüchtern. Doch sein ruhiges Auftreten bekommt erste Risse. Der Auftraggeber verlangt schnelle Ergebnisse, während der Fall ihm jede einfache Antwort verweigert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4439" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 04 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-04-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Eine Million im Fadenkreuz</h3>
<p>Die Geldforderung gibt der Handlung einen harten Takt. Dédé hat keine bequeme Woche für Gespräche, Akteneinsicht und wiederholte Ortsbesichtigungen. Bis zur kommenden Nacht muss ein Plan stehen. Also versucht er, Morel zu schützen, die Übergabe zu organisieren und zugleich herauszufinden, von wo der Erpresser handeln könnte. Diese Mischung ist für ihn kaum zu beherrschen.</p>
<p>In der Dunkelheit verändert Erik den Ton. Das Küstenstädtchen verliert seine Postkarten-Idylle. Wege, Mauern und Aussichtspunkte werden zu möglichen Verstecken. Jeder Blick in die Ferne kann einen Beobachter verraten. Ebenso könnte dort auch eine falsche Spur warten. Dédé bewegt sich nicht wie ein lautloser Schatten durch diese Landschaft. Seine Körperfülle, sein zu kleiner Wagen und seine Neigung, im falschen Augenblick die Geduld zu verlieren, machen ihn sicht- und verwundbar.</p>
<p>Genau hier zeigt sich aber auch, weshalb ich die Figur so gern begleite. Dédé besitzt Mut, aber keine elegante Unantastbarkeit. Wenn ein Plan kippt, reagiert er nicht mit einem überlegenen Lächeln. Er wird hektisch, wütend und mitunter panisch. Trotzdem rennt er weiter. Seine Fehler entstehen aus Druck und Überforderung, nicht aus künstlicher Dummheit.</p>
<p>Die nächtliche Aktion bringt keine klare Lösung. Der Erpresser bleibt Dédé voraus, die Gefahr lässt sich nicht greifen und Caius Morel&#8217;s Vertrauen entschwindet. Aus dem versprochenen Zugriff wird ein Durcheinander aus Beobachtung, falschen Annahmen und verpassten Möglichkeiten. Erik nutzt das nicht nur für Komik. Im Gegenteil, das Scheitern verschärft den Fall. Nun weiß Dédé, dass der Täter entweder sehr gut vorbereitet ist oder dass entscheidende Informationen fehlen.</p>
<h3>Der Ermittler fliegt aus dem Fall</h3>
<p>Caius Morel reagiert folgerichtig &#8211; wie Dédé es befürchten musste &#8211; und entzieht Dédé den Auftrag. Hier trifft der Rauswurf den Kern der Figur. Dédé lebt davon, dass seine etwas schwerfälligen Methoden am Ende doch Ergebnisse bringen. Wenn das nicht geschieht, verliert er rasch die innere Ruhe. Ärger und Selbstzweifel liegen bei ihm eng beieinander.</p>
<p>Erik gönnt ihm keine triumphale Abkürzung. Der Fall drängt Dédé an körperliche und gedankliche Grenzen. Zugleich bleibt sein Pariser Umfeld wichtig.</p>
<p>Yvette, seine Freundin, das Café La Lorraine und die junge Nachbarin Océane gehören zu jener vertrauten Welt, in der der Ermittler nicht nur als beruflicher Problemlöser existiert. Diese Figuren erden ihn und zeigen, wie sehr er zumindest einige, wenige Beziehungen braucht.</p>
<p>Dann erhält er eine zweite Chance. Der Mörder und Erpresser ist noch nicht gefasst, die angebliche Strahlenwaffe bleibt eine Bedrohung und der Fall bietet mehr Ansatzpunkte, als der erste hektische Einsatz erkennen ließ. Dédé kehrt nicht als plötzlich verwandeltes Genie zurück. Er arbeitet sich erneut über Beobachtungen, Widersprüche und ganz praktische Fragen an die Lösung heran.</p>
<p>Der Band hält den entscheidenden Mechanismus lange zurück. Trotzdem entsteht die Auflösung nicht aus einem beliebigen Zaubertrick. Das scheinbar Fantastische bekommt eine erklärbare Grundlage. Zugleich rückt der Fall näher an menschliche Motive und praktische Gelegenheiten. Ich verrate den Täter nicht. Wichtiger ist ohnehin, wie Dédé sich aus seiner Niederlage herausarbeitet. Er gewinnt nicht, weil er über allen anderen steht. Er gewinnt, weil er nach dem Rauswurf wieder hinsieht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4440" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-05-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Die Spur hinter dem unmöglichen Mord</h3>
<p>DÉDÉ: BAND 5 – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL ist ein eigenständiger Fall, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Wer die früheren Alben kennt, entdeckt jedoch vertraute Seiten des Helden und versteht seine Beziehungen zu Yvette, Océane und dem Café La Lorraine genauer. Die Reihe setzt auf abgeschlossene Kriminalgeschichten, während sich Dédé&#8217;s Umfeld von Band zu Band verdichtet.</p>
<p>Erik verbindet in seiner Geschichte drei Tonlagen, die zu leicht auseinanderfallen könnten. Da ist zunächst der klassische Rätselkrimi mit Brief, eine kurze Frist und eine reiche Familie mit verschlossenem Anwesen. Daneben steht ein fast wissenschaftlich wirkendes Rätsel um eine unmögliche Waffe. Schließlich bringt Dédé eine bodenständige Komik in den Fall. Sie entsteht aus Körper, Temperament und Alltag, nicht aus einer Kette aufgesetzter Pointen.</p>
<p>Besonders gut funktioniert für mich, dass Dédé seinen eigenen Fall nicht jederzeit beherrscht. Er wird getrieben, er scheitert und muss neu ansetzen. So bleibt der Fall bedrohlich, obwohl der Comic mich gerne zum Schmunzeln bringt. Gleichzeitig verhindert die humorvolle Seite, dass der grausame Auftakt den gesamten Band in die Dunkelheit zieht.</p>
<p>Das 48-Seiten-Format fordert allerdings seinen Preis. Einige Figuren aus dem Morel-Umfeld bleiben eher Verdachtsmomente als vollständig ausgearbeitete Menschen. Auch die Erklärung am Ende muss mehrere Zusammenhänge zügig ordnen. Die Lösung ist nachvollziehbar, doch ein paar zusätzliche Seiten hätten den Nebenfiguren und den Folgen des Falls gegebenenfalls gutgetan.</p>
<p>Als fünfter Band erfüllt das Album seine Aufgabe dennoch sehr gut. Es bestätigt die Grundidee der Serie, ohne einen alten Fall nur neu aufzurollen. Vor allem stellt es Dédé&#8217;s Grenzen deutlicher heraus. Damit gewinnt der Held bei mir an Nähe und Sympathie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4451" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu.jpg" alt="Innenseite 06 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-06_neu-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Die Personalakte Erik</h3>
<p>Erik bin ich im Mai 2026 auf der <a href="https://www.comicmesse-koeln.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">INTERCOMIC</a> am Stand des All-Verlages über den Weg gelaufen, ohne zu wissen, wer er ist. Schon damals hatte ich die erste Ausgabe des Comic-Magazins <a href="https://bilderflut-magazin.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">BILDERFLUT</a> in der Hand, aber auch dabei fiel bei mir noch kein Groschen.</p>
<p>Erst kürzlich, als ich dann die BILDERFLUT Ausgabe 2 im Briefkasten hatte und das Interview mit ihm las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich beschloss, mich mit Erik und seinem Werk näher zu beschäftigten. So entstand der heutige Artikel.</p>
<p><a href="https://www.eriks-comics.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Erik</a> ist das Pseudonym des 1964 in Dillingen an der Saar geborenen <a href="https://frank-weissmueller.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Frank Weißmüller</a>. Er studierte Grafikdesign an der Fachhochschule des Saarlandes in Saarbrücken. Danach arbeitete er zunächst als Art Director in Werbeagenturen. 1993 wechselte er nach Düsseldorf und war dort rund zehn Jahre als Werbetexter tätig. Später machte er sich selbstständig und wandte sich wieder stärker dem Comic zu.</p>
<p>Seine Nähe zur französischen Comic-Tradition kommt offensichtlich nicht aus einem nachträglich gebauten Konzept. Frankreich gehörte seit seiner Kindheit schon zu seinen regelmäßigen Reisezielen. Serien wie ASTERIX, LUCKY LUKE, LEUTNANT BLUEBERRY und MICHEL VAILLANT prägten seine frühe Lektüre. Dédé entstand aus dem Wunsch nach einem Comic, der sich in Atmosphäre und Erzählform an frankobelgischen Alben orientiert, ohne jedoch seine Herkunft zu verleugnen.</p>
<p>Das erste gedruckte Dédé-Album erschien 2010. Parallel wurde Erik auch durch die Fantasy-Reihe DEAE EX MACHINA bekannt. Als Autor, Zeichner und Kolorist hält er bei Dédé alle erzählerischen Mittel in einer Hand zusammen. Für DÉDÉ: BAND 1 &#8211; SIND SIE TOT MADAME? erhielt er <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/icp2011/icp_artwork.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">2011 den ICOM INDEPENDENT COMIC PREIS</a> für herausragendes Artwork.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4442" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 07 von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="750" height="995" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Innenseite-07-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DÉDÉ: BAND 5 – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL ist ein Krimi, der seinen Trenchcoat mit Humor trägt und die Mordwaffe trotzdem ernst nimmt. Ich mag besonders, wie Erik den scheinbar unmöglichen Fall mit einem Helden verbindet, der keineswegs unfehlbar ist. Dédé stolpert durch die Anfänge, verliert den Auftrag und findet gerade deshalb einen glaubwürdigen Weg zurück.</p>
<p>Die knappe Albumlänge lässt einige Nebenfiguren und die Schlussphase etwas schnell vorbeiziehen. Aber das trübt den positivem Gesamteindruck nur leicht. Zeichnung, Farben und Erzählrhythmus greifen sicher ineinander. Tréville-Plage wird vom Ferienort zur Falle, während Dédé mit Dickköpfigkeit und Ausdauer gegen eine Bedrohung antritt, die zunächst bar jeder Vernunft zu sein scheint.</p>
<p>Am Ende bleibt ein warmherziger, spannender und sehr eigenständiger Detektiv-Comic. Dédé sieht vielleicht nicht aus wie der Mann, der einen perfekten Plan besitzt. Er ist aber genau der Ermittler, dem ich gern noch an viele Schauplätze folge. Gut, dass es aktuell noch die vier ersten Bände zu entdecken gibt &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4437" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Cover-272x400.jpg" alt="Cover von DEDE - MIR PLATZ GLEICH DER SCHÄDEL" width="272" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Cover-272x400.jpg 272w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Cover-600x881.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DEDE_MIR-PLATZT-GLEICH-DER-SCHAEDEL_Cover.jpg 681w" sizes="auto, (max-width: 272px) 100vw, 272px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DÉDÉ – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL</li>
<li>Erik</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96430-115-4</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://kultcomics.net/dede/222-dede-band-5-mir-platzt-gleich-der-schaedel-.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kult Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/10/dede-mir-platz-gleich-der-schaedel-trifft-es-ziemlich-gut/">DÉDÉ – MIR PLATZT GLEICH DER SCHÄDEL trifft es ziemlich gut</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>DER MAGIER IM KREML zeigt, wie Macht zur Inszenierung wird</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/der-magier-im-kreml-zeigt-wie-macht-zur-inszenierung-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Sep 2026 05:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Politthriller]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Luc Jacamon]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber und Leser Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>DER MAGIER IM KREML beginnt nicht an einem Schreibtisch und auch nicht mit Vladimir Putin. Luc Jacamon schickt uns zunächst hinaus in die Kälte, zu einem jungen Wadim Baranow (unserer Hauptfigur), seinem Vater, seinem Großvater, einem Bären &#8211; und zu den Wölfen. Der Wolf kehrt später als Sinnbild für jene Welt zurück, in die Baranow [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/der-magier-im-kreml-zeigt-wie-macht-zur-inszenierung-wird/">DER MAGIER IM KREML zeigt, wie Macht zur Inszenierung wird</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>DER MAGIER IM KREML beginnt nicht an einem Schreibtisch und auch nicht mit Vladimir Putin. Luc Jacamon schickt uns zunächst hinaus in die Kälte, zu einem jungen Wadim Baranow (unserer Hauptfigur), seinem Vater, seinem Großvater, einem Bären &#8211; und zu den Wölfen.</p>
<p>Der Wolf kehrt später als Sinnbild für jene Welt zurück, in die Baranow gerät. Eine Welt aus Rudeln, Rangordnungen und der ständigen Frage, wer hier wen zuerst beißt. Dieser Einstieg gefällt mir, weil er sofort klarstellt, dass diese Literaturadaption nicht bloß politische Abläufe bebildern will. Nein, sie sucht nach Bildern für gelebte Macht.</p>
<p><span id="more-4775"></span></p>
<p>Die Vorlage erschien 2022 und war Giuliano da Empolis erster Roman. Noch im selben Jahr gewann sie den Grand Prix du roman der Académie française. Spannend ist die verarbeitete Mischung aus Wirklichkeit und Fiktion. Baranow ist eine erfundene Figur, die sich aber deutlich an den langjährigen Kremlstrategen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wladislaw_Jurjewitsch_Surkow" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wladislaw Surkow</a> anlehnt.</p>
<p>Genau darin liegt die Stärke des Stoffes, aber auch seine heikelste Eigenart: Wer diese Geschichte liest, sollte nie vergessen, dass hier keine geheime Akte geöffnet wird, sondern ein Roman, fiktiv in seiner Darstellung und in Comicform weiterverarbeitet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4781" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-38_729x1000.jpg" alt="Innenseite 38 von DER MAGIER IM KREML" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-38_729x1000.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-38_729x1000-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-38_729x1000-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Zwei Wege führen nach Moskau</h3>
<p>Giuliano da Empoli kennt Politik nicht nur aus Büchern. Der italo-schweizerische Essayist arbeitete als politischer Berater in Italien, gründete den Thinktank Volta und lehrt an Sciences Po in Paris. Schon sein Sachbuch DIE INGENIEURE DES CHAOS beschäftigte sich mit modernen Formen politischer Propaganda. Für seinen ersten Roman wechselte er in die Fiktion und erfindet eine Figur, die zugleich Beobachter, Mitspieler und Erzähler des Systems ist.</p>
<p>Luc Jacamon kommt von einer ganz anderen Seite. Der 1967 geborene Franzose wurde vor allem durch <a href="https://www.schreiberundleser.de/der-killer/der-killer-gesamtausgabe-i" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER KILLER</a> bekannt, den er ab 1998 mit Matz (Alexis Nolent) entwickelt. Sein kontrollierter Realismus und sein Gespür für Spannung in ruhigen Situationen passen gut zu diesem Stoff.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4782" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-39_729x1000.jpg" alt="Innenseite 39 von DER MAGIER IM KREML" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-39_729x1000.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-39_729x1000-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-39_729x1000-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Russland nach dem großen Zusammenbruch</h3>
<p>Wadim Baranow wächst zwischen zwei sehr verschiedenen Vorstellungen von Russland auf. Der Vater hat gelernt, sich mit dem sowjetischen System zu arrangieren. Der Großvater stammt aus einer aristokratischen Welt, die den Kommunismus irgendwie überlebt hat. Von ihnen übernimmt Baranow weniger ein politisches Programm als eine Haltung. Er beobachtet Menschen, hört genau hin und entwickelt früh ein Gespür dafür, dass unter jeder offiziellen Wahrheit &#8211; mindestens &#8211; eine zweite liegt.</p>
<p>Jahrzehnte später ist die Sowjetunion verschwunden. Das neue Russland wirkt frei und gleichzeitig völlig ungeordnet. Baranow arbeitet zunächst am Theater, später fürs Fernsehen. Er ist keiner jener Männer, die von Anfang an nach einem Ministeramt greifen. Sein Zugang zur Politik kommt aus der Inszenierung. Er denkt in Auftritten, Bildern, Erwartungen und Stimmungen. Realität ist für ihn nie nur das, was passiert. Entscheidend ist, welche Geschichte daraus entsteht und wie sie erzählt wird.</p>
<p>Dann tritt Boris Beresowski in sein Leben. Der Oligarch versteht früh, wie eng Geld, Fernsehen und politischer Einfluss im Russland der neunziger Jahre zusammenhängen. Baranow wird für ihn wertvoll, weil er etwas beherrscht, das viele der neuen Mächtigen unterschätzen. Er weiß, wie Aufmerksamkeit funktioniert.</p>
<p>Zugleich ist da Xenia, die Frau, die Baranow liebt und die er nie ganz festhalten kann. Während er immer tiefer in Systeme, Pläne und Abhängigkeiten gerät, bleibt sie eine Figur, die sich seinem Wunsch nach Kontrolle entzieht.</p>
<p>Jacamon erzählt diesen Teil erfreulich flott. Namen und Funktionen kommen und gehen allerdings schnell. Wer mit der russischen Geschichte der neunziger Jahre wenig vertraut ist, kann anfangs ins Rutschen geraten. Russische Vornamen, Kosenamen und reale Persönlichkeiten tauchen auf, bevor jede Beziehung vollständig erklärt ist. Ich musste an einigen Stellen bewusst langsamer lesen. Das ist kein großes Problem, aber ein möglicher Stolperstein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4783" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-40_729x1000.jpg" alt="Innenseite 40 von DER MAGIER IM KREML" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-40_729x1000.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-40_729x1000-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-40_729x1000-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Im Kreml wird ein Zar gebaut</h3>
<p>Der entscheidende Moment kommt, als Beresowski und sein Umfeld nach einem Nachfolger für Boris Jelzin suchen. Russland ist erschöpft von Chaos, wirtschaftlicher Unsicherheit und dem Eindruck, international an Gewicht verloren zu haben. In dieser Lage erscheint Vladimir Putin zunächst wie ein eher farbloser Funktionär aus den Sicherheitsdiensten. Gerade das macht ihn für jene attraktiv, die glauben, ihn zur Marionette formen zu können.</p>
<p>Baranow erkennt etwas anderes. Er sieht, dass dieser zurückhaltende Mann eine politische Sehnsucht bedienen kann. Nicht Begeisterung steht bei ihm im Mittelpunkt, sondern Ordnung, Stärke und Kontrolle. Der künftige Präsident muss kein großer Redner sein. Er muss nur den Eindruck vermitteln, dass nach Jahren des Durcheinanders wieder jemand entscheidet.</p>
<p>Hier findet DER MAGIER IM KREML zu seiner eigentlichen Kraft. Baranow baut keine Wahlkampagne im üblichen Sinn. Er baut eine Erzählung über Russland. Putin wird darin zur Antwort auf Angst, Demütigung und Unsicherheit. Der Krieg in Tschetschenien, die Gewalt im Inneren und die Fernsehbilder werden Teile (s)einer politischen Dramaturgie. Das Album zeigt diese Vorgänge konsequent aus Baranows Nähe. Dadurch entsteht eine unangenehme Faszination. Ich verstehe, wie seine Arbeit funktioniert, ohne sie deshalb gutheißen zu müssen.</p>
<p>Der Haken folgt schnell. Beresowski glaubt anfangs, eine politische Figur geschaffen zu haben, die abhängig bleiben wird. Doch Putin braucht seine Erfinder bald nicht mehr. Der neue Präsident hat erkannt, wie Macht entsteht &#8211; und zieht die Kontrolle an sich!</p>
<p>Beresowskis Einfluss schwindet. Medien werden nicht länger nur Mittel verschiedener Oligarchen, sondern zunehmend Teil des politischen Machtapparats selbst. Beresowski muss gehen. Baranow bleibt.</p>
<p>Das ist für mich die wichtigste moralische Entscheidung des Buches. Er kann sich nicht darauf zurückziehen, bloß ein Beobachter zu sein. Nein, er hilft aktiv mit. Seine Nähe zum Präsidenten verschafft ihm Einfluss, doch zugleich wird sein Spielraum kleiner. Je mächtiger Putin wird, desto weniger ist Baranow der Zauberer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4784" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-41_729x1000.jpg" alt="Innenseite 41 von DER MAGIER IM KREML" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-41_729x1000.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-41_729x1000-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-41_729x1000-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Moskau lernt die senkrechte Macht</h3>
<p>Der Comic verfolgt nun, wie aus dem Versprechen von Stabilität ein System wird. Die Episode um die Katastrophe des U-Boots Kursk zeigt früh, wie empfindlich der neue Kreml auf öffentliche Schwäche reagiert. Beresowskis Fernsehsender berichtet kritisch. Kurz darauf verliert der Oligarch seinen Einfluss und schließlich seinen Platz in Russland. Auch andere Unternehmer erfahren, dass wirtschaftliche Macht nur so lange geduldet wird, wie sie sich der politischen Spitze unterordnet.</p>
<p>Baranow liefert unterdessen Begriffe, Bilder und Geschichten für die neue politische Ordnung. Die Vorstellung einer senkrechten Macht passt zu einem Präsidenten, der konkurrierende Zentren beseitigen will. Der Comic interessiert sich dabei weniger für Verwaltung als für Gefühle. Welche Sehnsucht lässt sich ansprechen? Welche Angst lässt sich vergrößern? Und welches Bild bleibt letztendlich hängen?</p>
<p>Das ist packend und doch beginnt hier auch meine Skepsis. Die Erzählung sitzt so eng auf Baranows Schulter, dass Putins Aufstieg gelegentlich fast zwangsläufig erscheint. Als hätte Russland nach den wilden neunziger Jahren nur auf genau diese Form von Herrschaft gewartet. Der Stoff erklärt sehr überzeugend, wie Baranow das Land und dessen Bedürfnisse deutet und wie diese Deutung ausgenutzt werden kann Er beweist aber nicht, dass diese Deutung die einzig richtige ist.</p>
<p>Xenia bleibt deshalb wichtig. Sie erinnert Baranow an ein Leben außerhalb des Kremls. Ihre Beziehung besitzt jedoch deutlich weniger Gewicht als der politische Teil. Ich verstehe, was sie für ihn bedeutet, doch emotional erreicht mich diese Liebesgeschichte kaum. Baranow ist auch privat ein Mann, der sich selbst beobachtet. Nähe bekommt bei ihm schnell etwas Gedankliches. Das passt zur Figur, schafft aber Distanz.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4785" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-42_729x1000.jpg" alt="Innenseite 42 von DER MAGIER IM KREML" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-42_729x1000.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-42_729x1000-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-42_729x1000-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Von Moskau bis zur Ukraine</h3>
<p>Mit den Jahren wird das politische Theater größer. Gegner werden ausgeschaltet, eingeschüchtert oder an den Rand gedrängt. Figuren wie Eduard Limonow und später Jewgeni Prigoschin tauchen auf. Der Comic führt vor, wie politische Kommunikation sich verändert. Das Fernsehen reicht irgendwann nicht mehr.</p>
<p>Digitale Kampagnen, gezielte Störungen und die Arbeit mit widersprüchlichen Botschaften werden Teil desselben Denkens. Entscheidend ist nicht mehr, dass alle dieselbe Wahrheit glauben. Es reicht, wenn niemand mehr sicher weiß, welcher Wahrheit noch zu trauen ist.</p>
<p>Gerade diese Passagen wirken erschreckend gegenwärtig. Jacamon überlädt sie nicht mit Erklärungen. Er lässt Gespräche, Räume und Entscheidungen wirken. Das hilft dem Tempo. Zugleich bezahlt die Adaption dafür einen Preis. Einige Nebenfiguren bleiben flüchtig. Limonow und Prigoschin besitzen historisches Gewicht, bekommen im Comic aber nur begrenzten Raum. Das ist bei 144 Seiten nachvollziehbar, führt jedoch dazu, dass manche politische Entwicklung wie eine schnelle Station auf Baranows Lebensweg wirken muss.</p>
<p>Schließlich rückt die Ukraine ins Zentrum. Baranow hat inzwischen viele Jahre geholfen, die politische Wirklichkeit des Kremls zu formen. Doch sein Verhältnis zu Putin verändert sich. Aus gegenseitigem Nutzen ist längst ein Verhältnis geworden, in dem nur einer wirklich bestimmt. Baranow erkennt zunehmend, dass er nicht der Herr des Spiels ist. Seine Fähigkeit, Erzählungen zu erfinden, schützt ihn nicht vor dem System, das er mit aufgebaut hat. Auch er kann entbehrlich werden.</p>
<p>Der Rückzug aus dem inneren Kreis fühlt sich deshalb nicht wie ein großer Akt der Läuterung an. Dafür hat Wadim zu lange mitgemacht. Genau das finde ich richtig gut. Der Comic schenkt ihm keine bequeme Absolution. Er bleibt faszinierend, kultiviert und oft sympathischer als die Männer um ihn herum, er bleibt aber auch mitverantwortlich.</p>
<h3>Zwischen Kremlroman und Geschichtsbuch</h3>
<p>Für mich funktioniert die Adaption am besten, wenn ich sie als politischen Roman lese und nicht als Erklärungsschrift über Russland. Empolis Kunstgriff ist stark: ein erfundener Insider führt durch reale Ereignisse und erlaubt eine Nähe, die ein Sachbuch kaum bieten könnte. Jacamons Umsetzung bewahrt diese Nähe. Der Band passt damit sehr gut ins Nachtprogramm von Schreiber und Leser, wo eigenständige, erwachsene Stoffe abseits langer Serien ihren Platz haben.</p>
<p>Gerade die Geschlossenheit der Erzählung verlangt aber auch meine ganze Aufmerksamkeit. Reale Namen, historische Ereignisse und erfundene Gespräche stehen dicht nebeneinander. Das kann den Eindruck erzeugen, hier werde erklärt, was hinter verschlossenen Türen tatsächlich gedacht und beschlossen wurde. Diesen Anspruch kann der Comic aber natürlich nicht einlösen. Er ist Fiktion, auch wenn ich dies beim Lesen an der einen oder anderen Stelle vergesse.</p>
<p>Baranow ist erfunden, seine private Biografie auch. Auch werden die Motive realer Personen literarisch zugespitzt. Für mich mindert das den Wert des Buches nicht. Es macht nur eine bestimmte Lesehaltung nötig. DER MAGIER IM KREML ist eine starke Veranschaulichung von Macht und wie sie funktioniert, aber das Album ist keine Dokumentation.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4786" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-43_729x1000.jpg" alt="" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-43_729x1000.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-43_729x1000-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Innenseite-43_729x1000-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Russland in Violett, Grau und Eis</h3>
<p>Zeichnerisch hat mich Jacamon überzeugt. Sein Realismus ist präzise, aber nicht fotografisch starr. Gesichter tragen die Szenen. Putin bekommt keinen dämonischen Ausdruck verpasst. Viel unangenehmer ist, wie wenig sein Gesicht oft preisgibt. Baranow wirkt beweglicher, neugieriger, manchmal fast charmant. Zwischen beiden entsteht dadurch schon optisch ein Machtgefälle.</p>
<p>Sehr stark sind die Räume. Weite Schneelandschaften, sowjetisch geprägte Städte, Büros, Fernsehstudios und repräsentative Innenräume erzählen mit. Russland wirkt groß, kalt und gleichzeitig doch erstaunlich eng. Sobald Baranow im Machtzentrum angekommen ist, scheint fast jede Begegnung in einem Raum stattzufinden, dessen Ordnung bereits feststeht.</p>
<p>Auch die Farben leisten viel. Jacamon arbeitet mit zurückgenommenen Tönen und wiederkehrenden rosa bis violetten Flächen, die manchen Seiten etwas Abendliches geben. Das ist schön, ohne hübsch sein zu wollen. Besonders die Schneeszenen profitieren davon. Weiß macht die Figuren klein und legt Stille über die Bilder.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DER MAGIER IM KREML ist für mich eine sehr gelungene Literaturadaption und zugleich ein Comic, bei dem kritische Distanz zur erzählten Version der Geschichte wichtig bleibt. Am stärksten ist er dort, wo Macht nicht nur erklärt, sondern sichtbar gemacht wird und bei einem Mann, der glaubt, politische Wirklichkeit inszenieren zu können.</p>
<p>Nicht jede Nebenfigur bekommt ihren Platz und Baranows private Geschichte bleibt gegenüber dem politischen Teil etwas blass. Trotzdem trägt mich das Buch mühelos durch seine 144 Seiten. Jacamon hat aus einem stark sprachlich geprägten Roman einen eigenständigen Comic gemacht. Der liest sich spannend, sieht hervorragend aus und hinterlässt bei mir ein ziemlich (un)gutes Gefühl. Aber bei diesem Stoff ist genau das vermutlich das passendste Ergebnis.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4780" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Cover_734x1000-294x400.jpg" alt="Cover von DER MAGIER IM KREML" width="294" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Cover_734x1000-294x400.jpg 294w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Cover_734x1000-600x817.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/DER-MAGIER-IM-KREML_Cover_734x1000.jpg 734w" sizes="auto, (max-width: 294px) 100vw, 294px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DER MAGIER IM KREML</li>
<li>Luc Jacamon</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96582-247-4</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/nachtprogramm/der-magier-im-kreml" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/der-magier-im-kreml-zeigt-wie-macht-zur-inszenierung-wird/">DER MAGIER IM KREML zeigt, wie Macht zur Inszenierung wird</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>RESSOURCEN sind eine Herausforderung für Alle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 05:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sachbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitreise]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Maëlys Cantreau]]></category>
		<category><![CDATA[Philippe Bihouix]]></category>
		<category><![CDATA[Vincent Perriot]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe gute Sci-Fi-Geschichten. Vielleicht gibt es auch deshalb Zukunftsbilder, die so selbstverständlich geworden sind, dass ich kaum noch darüber nachdenke, wie verrückt sie eigentlich sind. Menschen leben auf dem Mars, Rohstoffe werden auf Asteroiden abgebaut, Künstliche Intelligenzen lösen Probleme, die wir heute noch gar nicht verstehen. Und irgendwo im Hintergrund steht die beruhigende Annahme, dass [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/ressourcen-sind-eine-herausforderung-fuer-alle/">RESSOURCEN sind eine Herausforderung für Alle</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe gute <a title="ASSORTED CRISIS EVENTS – Alltag im Zeitsalat" href="https://panelwalker.de/2026/04/assorted-crisis-events-alltag-im-zeitsalat/" target="_blank" rel="noopener">Sci-Fi-Geschichten</a>. Vielleicht gibt es auch deshalb Zukunftsbilder, die so selbstverständlich geworden sind, dass ich kaum noch darüber nachdenke, wie verrückt sie eigentlich sind. Menschen leben auf dem Mars, Rohstoffe werden auf Asteroiden abgebaut, Künstliche Intelligenzen lösen Probleme, die wir heute noch gar nicht verstehen. Und irgendwo im Hintergrund steht die beruhigende Annahme, dass Technik schon etwas einfallen wird, wenn es auf der Erde eng wird.</p>
<p><span id="more-4837"></span></p>
<p>Philippe Bihouix und Vincent Perriot beginnen ihren Sachcomic RESSOURCEN genau hier. Nicht bei Lithium, Kupfer oder Recyclingquoten, sondern bei unseren Vorstellungen von Zukunft. Ihr Ausgangspunkt ist &#8211; unter anderem &#8211; eine Präsentation von Jeff Bezos aus dem Jahr 2019, in der der Amazon-Gründer riesige Weltraumhabitate als möglichen Lebensraum kommender Generationen vorstellt.</p>
<p>Bihouix und Perriot lernten sich ein Jahr später in Bordeaux kennen. Der eine beschäftigt sich seit Jahrzehnten als Ingenieur mit endlichen Rohstoffen und Low-Tech, der andere hatte mit <a href="https://www.carlsen.de/reihe/negalyod?srsltid=AfmBOoo6JGR2E6AmGIUD75yRLZPd0g-usXSNAJ9lkoyHkxXksAS7UcHa" target="_blank" rel="nofollow noopener">NEGALYOD</a> gerade eine große Science-Fiction-Welt geschaffen. Aus diesem Zusammentrreffen entstand eine reizvolle Frage: Was passiert, wenn ein Science-Fiction-Zeichner seine Zukunftsträume einem Ingenieur zeigt, der anschließend die Materialrechnung aufmacht?</p>
<p>Genau das tut RESSOURCEN. Und weil Bihouix nicht nur die spektakulären Raumfahrtpläne einiger Milliardäre anzweifelt, sondern praktisch unsere gesamte Vorstellung vom unbegrenzten, technischen Fortschritt, wird aus dieser Ausgangsidee schnell ein großer Rundgang durch Industriegeschichte, Ökonomie, Philosophie und Rohstoffkunde. Das ist faszinierend, stellenweise ziemlich anstrengend, aber stets informativ.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4842" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03.jpg" alt="Innenseite 03 von RESSOURCEN" width="721" height="958" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03.jpg 721w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03-600x797.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 721px) 100vw, 721px" /></p>
<h3>Die Ressource Zukunft</h3>
<p>Los geht es im Jahr 3019 (ja, kein Schreibfehler). Die Menschheit hat den Weltraum erobert. Nicht ganz so, wie Elon Musk es sich vorgestellt hatte, denn der Mars sich dann doch als schwieriger erwiesen, als ursprünglich vermutet. Also leben Menschen inzwischen in gigantischen, ringförmigen Konstruktionen im Erdorbit. Sie drehen sich (die ringförmigen Konstruktionen) und erzeugen dadurch künstliche Schwerkraft. Das sieht beeindruckend aus. Vor allem sieht es nach jener Science-Fiction aus, die Vincent Perriot sehr gern zeichnet und die in Hollywood-Filmen ebenso gerne präsentiert wird. Dann meldet sich Philippe Bihouix zu Wort.</p>
<p>Er bezweifelt nicht nur Details dieser Zukunft. Er zweifelt daran, dass ihre materielle Grundlage überhaupt existiert. Wo kommen all die Metalle her? Wie viel Energie wäre nötig? Wie lange halten solche Anlagen? Wer repariert sie? Und was passiert mit dem Material anschließend?</p>
<p>Damit ist die Rollenverteilung zunächst klar. Perriot ist der enthusiastische Science-Fiction-Leser und Zeichner. Bihouix ist der Ingenieur, der ständig fragt, woraus das alles eigentlich gebaut werden soll. Daraus entwickelt sich eine Reise durch Zeit und Raum. Mal sitzen beide in futuristischen Fahrzeugen, mal stehen sie in vergangenen Jahrhunderten, mal landen sie bei Bergwerken, Industrieanlagen oder historischen Denkern.</p>
<p>Der Stoff wird durch diese Konstruktion zugänglich, gleichzeitig beginnt hier eines meiner Probleme mit dem Comic. Perriot übernimmt ziemlich lange die Rolle desjenigen, der Fragen stellt, damit Bihouix antworten kann. Natürlich ist das ein bewährtes Mittel für einen Sachcomic. Aber es bleibt ein Mittel. Die Gespräche wirken häufig aufgesetzt, mehr geschrieben als gesprochen. Ich höre zwei Figuren weniger miteinander reden, als dass ich einem Vortrag folge, der auf zwei Sprechblasen verteilt wurde.</p>
<p>Immerhin entwickelt sich Perriot weiter. Seine Fragen werden präziser, seine Einwände interessanter. Ganz abschütteln kann der Comic das Lehrer-Schüler-Gefälle trotzdem nicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4843" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 04 von RESSOURCEN" width="727" height="955" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-04.jpg 727w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-04-300x394.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-04-600x788.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px" /></p>
<h3>Gibt es eine unerschöpfliche Schatzkammer?</h3>
<p>Die erste große Etappe führt zu einer Denkweise, die Bihouix besonders misstrauisch betrachtet. Dahinter steckt die Vorstellung, technischer Fortschritt könne natürliche Grenzen immer wieder verschieben.</p>
<p>Der Comic reist dafür weit zurück. Roger Bacon, René Descartes und William Godwin tauchen ebenso auf wie spätere Zukunftsoptimisten. Ihnen werden Denker gegenübergestellt, die Grenzen des Wachstums oder der Ressourcennutzung thematisierten. Thomas Robert Malthus gehört dazu, ebenso William Stanley Jevons und schließlich die Autoren des 1972 veröffentlichten Berichts <a href="https://www.clubofrome.org/publication/the-limits-to-growth/" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE LIMITS TO GROWTH des Club of Rome</a>.</p>
<p>Dabei entsteht eine Art Ideengeschichte unseres industriellen Verhältnisses zur Natur. Das gefällt mir grundsätzlich sehr gut. Bihouix zeigt nämlich, dass der heutige Streit über Wachstum, Technik und Rohstoffe keineswegs erst mit Elektroautos und Solaranlagen begonnen hat. Die Frage, ob menschlicher Erfindungsgeist materielle Grenzen überwinden kann, begleitet die Industriegesellschaft schon erstaunlich lange.</p>
<p>Nur wird diese historische Tour irgendwann etwas zu voll. Philosophen, Ökonomen, Schriftsteller oder Wissenschaftler: kaum ist eine Person eingeordnet, steht schon die nächste auf der Bildfläche. Platon, Francis Bacon, Descartes, Jevons, Jacques Ellul, Ivan Illich oder Pier Paolo Pasolini sorgen für ein beeindruckendes Line-Up. Einige Begegnungen bleiben aber kaum mehr als Kurzauftritte.</p>
<p>Hier &#8211; finde ich &#8211; hätte weniger tatsächlich mehr gebracht. Ich hätte lieber bei zwei oder drei Positionen länger verweilt, statt mit Lichtgeschwindigkeit durch eine ganze Geistesgeschichte zu rasen.</p>
<p>Noch problematischer empfinde ich die starke Zweiteilung. Auf der einen Seite stehen jene, die an technische Lösungen und weiteres Wachstum glauben. Auf der anderen jene, die physische Grenzen betonen. Natürlich werden innerhalb dieser Gruppen Unterschiede sichtbar. Trotzdem werden Gegenpositionen häufig vor allem eingeführt, damit Bihouix sie anschließend widerlegt. Ein echter Streit entsteht selten.</p>
<h3>Was steckt eigentlich in unserer Welt?</h3>
<p>Am stärksten wird der Comic für mich, sobald er die Philosophen verlässt und sich mit Dingen beschäftigt. Ein Smartphone ist dann kein handliches schwarzes Rechteck mehr. Eine Windkraftanlage ist nicht einfach eine Maschine, die sauberen Strom produziert. Ein Elektroauto besteht nicht bloß aus Batterie, Motor und Karosserie. Hinter all diesen Gegenständen erscheinen Bergwerke, Erze, Transportwege, Schmelzöfen, Energieverbrauch und Abfälle. Plötzlich bekommt der häufig verwendete Begriff der Dematerialisierung etwas ausgesprochen Komisches. Unser Alltag wirkt digital, seine technische Grundlage ist es nicht.</p>
<p>Bihouix führt in diesem Zusammenhang einen wichtigen Unterschied ein. Es reicht nicht zu fragen, wie viel eines Rohstoffs theoretisch in der Erdkruste vorhanden ist. Entscheidend ist, in welcher Konzentration er vorkommt und wie viel Energie nötig ist, ihn zu gewinnen. Ein gewaltiger Rohstoffbestand hilft wenig, wenn der betreffende Stoff so stark verteilt ist, dass seine Gewinnung irgendwann unverhältnismäßig aufwendig wird.</p>
<p>Perriot findet dafür starke Bilder. Minen wachsen zu gewaltigen Landschaftseingriffen. Maschinen erscheinen winzig gegenüber den Mengen an Erde und Gestein, die bewegt werden müssen. Ein besonders eindrücklicher Gedanke betrifft die Verbindung zwischen Energie und Metallen. Je schwieriger zugängliche Lagerstätten werden, desto mehr Energie kostet die Förderung. Gleichzeitig benötigt eine komplexer werdende Energieversorgung wiederum große Mengen unterschiedlicher Materialien. Ein Teufelskreis. Genau an solchen Stellen funktioniert der Sachcomic hervorragend. Eine abstrakte Abhängigkeit bekommt plötzlich Raum, Bewegung und Größenverhältnisse.</p>
<p>Auch das Konzept des Rebound-Effekts wird anschaulich dargestellt. Effizientere Technik senkt nicht zwangsläufig den gesamten Ressourcenverbrauch, wenn niedrigere Kosten oder bequemere Nutzung anschließend zu noch mehr Konsum führen. Fortschritt bedeutet unter diesen Bedingungen nicht automatisch weniger Material. Er kann ebenso zusätzlichen Verbrauch ermöglichen. Das klingt trocken. Auf den Seiten ist es das erstaunlich selten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4844" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von RESSOURCEN" width="727" height="955" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-05.jpg 727w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-05-300x394.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-05-600x788.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px" /></p>
<h3>Recycling ist keine Zaubermaschine</h3>
<p>Irgendwann landet die Reise zwangsläufig beim Recycling. Und hier wird RESSOURCEN besonders unbequem. Denn selbstverständlich kennen Bihouix und Perriot die beruhigende Antwort auf viele Rohstoffprobleme. Wir müssen eben besser recyceln. Doch so einfach ist es nicht.</p>
<p>Moderne Produkte enthalten zahlreiche Materialien in winzigen Mengen. Metalle werden miteinander verbunden, beschichtet, verklebt oder in komplizierten Bauteilen verarbeitet. Je kleiner und komplexer die Bestandteile werden, desto schwieriger wird ihre saubere Trennung. Recycling benötigt zudem selbst Energie und Technik. Materialverluste verschwinden dadurch nicht vollständig.</p>
<p>Der Comic macht daraus allerdings keine pauschale Abrechnung mit der Kreislaufwirtschaft. Recycling bleibt notwendig. Bihouix verschiebt lediglich die Reihenfolge der Fragen. Bevor darüber gesprochen wird, wie ein Produkt wiederverwertet werden kann, sollte gefragt werden, weshalb es überhaupt hergestellt wird, wie lange es hält und ob tatsächlich jedes technische Bedürfnis mit einem neuen Gerät beantwortet werden muss.</p>
<p>Mich überzeugt dieser Teil besonders, weil hier aus der Diagnose langsam eine Haltung entsteht: Es gilt Produkte länger zu nutzen, Reparierbarkeit zu erhöhen, Dinge gemeinsam zu verwenden und materialintensive Technik dort einsetzen, wo ihr Nutzen entsprechend groß ist. Oder anders: Weniger verschwenden! Das klingt geradezu banal. Vielleicht ist genau das der Punkt.</p>
<p>Trotzdem bekommt der Comic an dieser Stelle erneut ein dramaturgisches Problem. Nach all den ausführlichen Erklärungen über Rohstoffgehalte, Energieaufwendungen, Wachstum und Recycling bleibt für die gesellschaftlichen Konsequenzen vergleichsweise wenig Platz. Technisch lässt sich ziemlich leicht sagen, dass weniger verbraucht werden sollte. Politisch wird es sofort kompliziert.</p>
<p>Wer verbraucht weniger? Wer darf weiter wachsen? Was geschieht mit Arbeitsplätzen? Welche Unterschiede zwischen wohlhabenden und ärmeren Ländern müssen berücksichtigt werden? Wer bestimmt, welche Technik sinnvoll ist? Der Comic streift solche Fragen durchaus. Nur reicht das nicht. Gerade dort, wo aus einer technisch überzeugenden Diagnose eine gesellschaftliche Entscheidung entstehen sollte, wird RESSOURCEN erstaunlich schmallippig und positioniert sich nicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4845" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 06 von RESSOURCEN" width="727" height="955" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-06.jpg 727w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-06-300x394.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-06-600x788.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px" /></p>
<h3>Wenn ein Sachcomic zu viel zeigen will</h3>
<p>Die größte Stärke von RESSOURCEN ist gleichzeitig seine größte Schwäche. Dieser Comic hat unglaublich viel zu erzählen. Und er erzählt fast alles.</p>
<p>Bihouix möchte Geschichte erklären, Wachstumsmodelle, Rohstoffgeologie, Energieversorgung, Recycling, Konsum, Technikphilosophie, gesellschaftliche Werte und mögliche Auswege. Perriot wiederum möchte aus all dem echte Comicbilder machen.</p>
<p>Über weite Strecken gelingt dieses Kunststück überraschend gut. Trotzdem bleiben Seiten, auf denen ich merke, wie schwer die Informationsmenge auf dem Rhythmus liegt. Textkästen und Sprechblasen drängen sich. Ein Gedanke jagt den nächsten. Gerade wenn historische Namen, Zahlen und technische Begriffe zusammenkommen, muss ich langsamer lesen, als es Perriot mit seinen beweglichen Bildern eigentlich nahelegt.</p>
<p>Das ist kein grundsätzliches Problem bei einem Sachcomic. Ich möchte ja etwas lernen. Aber zwischen Lernen und Lesen besteht eben doch ein Unterschied. Hier hätte eine entschiedenere Auswahl geholfen.</p>
<p>Auch die beiden Hauptfiguren bleiben funktionaler, als mir lieb ist. Philippe ist Experte, Vincent ist Gesprächspartner. Persönliche Zweifel, Irritationen oder echte Veränderungen spielen nur begrenzt eine Rolle. Dadurch fehlt der Reise etwas, das andere dokumentarische Comics sehr stark machen können. Wissen verändert dort Figuren. Hier verändert es hauptsächlich den Stand des Gesprächs. RESSOURCEN ist deshalb eher gezeichneter Essay als erzählte Reportage.</p>
<h3>Wo Perriot den Vortrag rettet</h3>
<p>Zum Glück sitzt Vincent Perriot nicht nur als fragender Comiczeichner innerhalb der Geschichte. Außerhalb dieser Rolle bekommt er erheblich mehr zu tun. Seine Erfahrung mit Science-Fiction ist für dieses Buch Gold wert. Perriot kann futuristische Maschinen, historische Städte, Bergwerke, Landschaften und industrielle Anlagen mit derselben Selbstverständlichkeit zeichnen. Perspektiven dürfen sich strecken. Fahrzeuge schießen durch die Seiten. Orte wechseln innerhalb weniger Panels. Eine theoretische Diskussion kann plötzlich im Weltall, in einer Mine oder mitten in einem historischen Szenario stattfinden.</p>
<p>Die Seitenarchitektur bleibt erstaunlich flexibel. Klassische Panelreihen wechseln mit großen Bildern und erklärenden Schaubildern. Perriot nutzt diese Freiheit nicht bloß dekorativ. Sie bestimmt das Tempo. Wo Größenordnungen wichtig werden, bekommen Bilder Platz. Wo Argumente aufeinander folgen, zieht sich das Raster enger zusammen.</p>
<p>Die Farbgestaltung stammt von Maëlys Cantreau. Ihre Palette unterstützt besonders gut den Wechsel zwischen Technikbegeisterung und materieller Ernüchterung. Kühle Blauwerte tragen viele futuristische Szenen. Erdige Orange-, Braun- und Grautöne holen den Blick wieder in Minen, Industriegebiete und Landschaften zurück. Dadurch bekommt das Buch trotz seiner zahlreichen Schauplätze einen erstaunlich geschlossenen Eindruck.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4846" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 07 von RESSOURCEN" width="720" height="955" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07.jpg 720w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></p>
<h3>Zwei Autoren, zwei Blickrichtungen</h3>
<p>Wie bereits erwähnt, kommt Philippe Bihouix nicht aus der Comicbranche. Er studierte an der École Centrale Paris und arbeitete anschließend in verschiedenen Industriezweigen, darunter Bau, Energie, Verkehr und Luftfahrt. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit nicht erneuerbaren Rohstoffen und mit technischen Lösungen, die weniger Material und Energie benötigen. Heute ist Bihouix Generaldirektor der Architektur- und Planungsgesellschaft AREP.</p>
<p>Interessant ist gerade diese Herkunft. Seine Skepsis gegenüber großen technischen Versprechen kommt nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung von Technik. Sie kommt aus der Beschäftigung mit ihrer materiellen Grundlage. Genau deshalb besitzt der Comic an seinen besten Stellen eine erfreuliche Bodenhaftung.</p>
<p>Vincent Perriot studierte an der Kunsthochschule von Angoulême und veröffentlichte zunächst kleinere Arbeiten, bevor unter anderem TAÏGA ROUGE entstand. Später arbeitete er am Animationsfilm DIE KATZE DES RABBINERS mit. Seine bekannteste Arbeit dürfte die Science-Fiction-Serie NEGALYOD sein. Dort zeigt sich bereits seine Freude an riesigen Landschaften, Maschinen und eigenwilligen Zukunftswelten. Für diesen Sachcomic ist auch das eine ideale Voraussetzung. Perriot soll schließlich nicht nur erklären, wie unsere materielle Welt funktioniert. Er darf zugleich jene Zukunft zeichnen, an deren Realisierbarkeit sein Mitautor zweifelt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Nach RESSOURCEN schaue ich anders auf Dinge und halte das für ein ziemlich großes Kompliment an einen Sachcomic. Ein Smartphone wird wieder zu Metall, Glas, Energie und Arbeit. Ein Elektroauto verliert einen Teil seiner sauberen Zukunftsaura und wird zunächst zu einer sehr großen Maschine, die gebaut werden muss. Selbst Science-Fiction bekommt plötzlich eine Materialrechnung.</p>
<p>Nicht alles überzeugt mich gleichermaßen. Der Comic will viel, möglicherweise zu viel, seine Gespräche geraten häufig zum verkleideten Vortrag und gesellschaftliche Konflikte werden deutlich knapper behandelt als technische Zusammenhänge. Auch die Rollen von Bihouix und Perriot könnten erzählerisch lebendiger sein.</p>
<p>Doch gerade dort, wo Perriot abstrakte Größen sichtbar macht und Bihouix hinter vertrauten Alltagsgegenständen deren materielle Voraussetzungen freilegt, funktioniert das Buch ausgezeichnet.</p>
<p>Wer einen spannenden Comic im klassischen Sinn erwartet, dürfte die Informationsdichte gelegentlich mühsam finden. Wer wissen möchte, was hinter unseren großen Versprechen von Wachstum, Digitalisierung und technischer Zukunft steckt, bekommt dagegen reichlich Stoff zum Weiterdenken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4847" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover-300x400.jpg" alt="Cover von RESSOURCEN" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover-600x799.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover.jpg 751w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>RESSOURCEN</li>
<li>Philippe Bihouix und Vincent Perriot</li>
<li>Hardcover | 176 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/ressourcen/978-3-551-80748-9">978-3-98721-393-9</a></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/ressourcen/978-3-551-80748-9" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/ressourcen-sind-eine-herausforderung-fuer-alle/">RESSOURCEN sind eine Herausforderung für Alle</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 05:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Cyber-Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Erotik]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Alessandro Barbucci]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Canepa]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ist ja alles so schön bunt hier! Ja, hier kommen zwei Kreative aus der Disney-Schule. SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT mag auf den ersten Blick auch aussehen wie ein Disney-Comic. Dafür ist dieser Auftakt dann aber doch viel zu frech, zu erotisch und auch viel zu bissig. Aber Alessandro Barbucci (Zeichnungen) beherrscht Körperhaltung, Mimik [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/">SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ist ja alles so schön bunt hier! Ja, hier kommen zwei Kreative aus der Disney-Schule. SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT mag auf den ersten Blick auch aussehen wie ein Disney-Comic. Dafür ist dieser Auftakt dann aber doch viel zu frech, zu erotisch und auch viel zu bissig.</p>
<p><span id="more-4754"></span></p>
<p>Aber Alessandro Barbucci (Zeichnungen) beherrscht Körperhaltung, Mimik und Bewegung mit einer Sicherheit, die Figuren sofort lebendig werden lässt. Barbara Canepa (Szenario, Farben) und Barbucci hatten viele Jahre für Disney gearbeitet, als sie Ende der 1990er Jahre etwas Eigenes entwickeln wollten. Einen Comic für Erwachsene, in dem plötzlich Dinge Platz hatten, die in ihrem bisherigen Arbeitsumfeld undenkbar waren. Dinge wie Religion, Sexualität, Macht und die Manipulation durch Medien. All das findet sich ausdrücklich in diesem Album.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4762" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750.jpg" alt="Innenseite 03 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<p>Die erste Ausgabe erscheint 2000 in Italien und Frankreich. Barbucci hat später erzählt, dass auch das katholische Jubeljahr 2000 und die massive Präsenz der Kirche in den italienischen Medien in ihre Arbeit hineingespielt haben. Canepa wiederum brachte ihre Begeisterung für religiöse Architektur und das Design der 1960er Jahre ein. Das erklärt einiges.</p>
<p>Die Welt dieses Comics wirkt nämlich wie ein Fernsehstudio, eine Kathedrale und ein Nachtclub, die jemand ineinander gebaut hat. Überall flimmern Bilder, überall wird etwas verkauft, überall wird geglaubt. Und mittendrin steht Noa, eine künstliche Frau, die eigentlich ein Produkt sein soll und trotzdem &#8230; Fragen stellt. (Warum erinnert mich das bloß an den <a title="DER 200 JAHRE MANN ist eine Geschichte der Sehnsucht" href="https://panelwalker.de/2025/11/der-200-jahre-mann-ist-eine-geschichte-der-sehnsucht/" target="_blank" rel="noopener">200-Jahre-Mann</a>?)</p>
<p>Ich liebe dieses Setting. Gleichzeitig muss ich beim Lesen immer wieder schlucken, weil der Band seine eigenen Themen nicht so sauber zu beherrschen scheint, wie seine fantastische Oberfläche vermuten lässt. Ja, auch hier ist niemand wirklich makellos und genau das macht das Album für mich interessant.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4763" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750.jpg" alt="Innenseite 04 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Gott im Astrowash &#8211; und jetzt: Werbung</h3>
<p>Noa arbeitet im Heaven Astrowash, einer Waschanlage für Raumschiffe, auf dem Planeten Papathea und ihr Chef nennt sich tatsächlich &#8211; Gott! Die Pointe ist grob, funktioniert aber gut. Gott besitzt außerdem den Schlüssel, mit dem Noa alle 33 Stunden aufgezogen werden muss. Ohne ihn endet ihr &#8230; Zyklus.</p>
<p>Schon in dieser kleinen Idee steckt die erste Gemeinheit ihrer Existenz. Noa sieht aus wie eine junge Frau, fühlt wie eine junge Frau, erinnert sich und kann sogar träumen. Rechtlich und gesellschaftlich ist sie trotzdem nur eine Sache. Sky Dolls sind dazu da, Wünsche zu erfüllen, auch sexuelle. Die Kirche hat dafür eine sehr bequeme Moral: wer eine künstliche Puppe benutzt, sündigt schließlich nicht mit einem echten Menschen. Amen.</p>
<p>Aber Noa passt nicht in dieses System. Sie beschwert sich über ihren Chef, widerspricht und verlangt etwas, das in dieser Welt schon fast radikal klingt: SIE möchte ernst genommen werden!</p>
<p>Dann tauchen Roy und Jahu auf. Beide reisen im Auftrag der herrschenden Päpstin Lodovica. Roy ist jung, neugierig und deutlich empfänglicher für Noas Eigenarten. Jahu hingegen ist älter, härter und stärker an die herrschenden Regeln gewöhnt. Bei ihrem Besuch im Astrowash kommt es zum Chaos. Noa bringt den Betrieb durcheinander, Gott reagiert wie der Besitzer eines defekten Geräts und wenig später ist er tot. (Ja, Gott &#8211; ist &#8211; tot!)</p>
<p>Der Band lässt die Umstände dieses Ablebens bewusst in einem erzählerischen Nebel. Noa nutzt jedenfalls die Gelegenheit, versteckt sich im Schiff der beiden Gesandten und verlässt Papathea.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4764" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750.jpg" alt="Innenseite 05 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Lodovicas Wunder auf allen Kanälen</h3>
<p>Während Noa aus ihrem Gefängnis flieht, zeigt SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT, wie groß ihr Gefängnis wirklich ist. Papathea wird von Lodovica beherrscht. Früher gab es einmal zwei Päpstinnen (auch das ein fieser Seitenhieb auf katholische Machtstrukturen).</p>
<p>Lodovica stand für die körperliche Liebe, Agape für die geistige. Agape ist verschwunden, ihre Anhänger gelten als Ketzer und Lodovica hat Religion, Regierung und Unterhaltung zu einem einzigen, riesigen Betrieb verschmolzen. Auf Bildschirmen laufen die offiziellen Versionen von Wirklichkeit und Wahrheit. Fernsehgesichter erklären, wie gut doch alles ist und Massenveranstaltungen liefern die passenden Gefühle dazu.</p>
<p>Besonders böse ist die Idee der inszenierten Wunder. Lodovica präsentiert sich den Gläubigen als überirdische Figur, doch hinter der großen Show steckt ausschließlich Technik. Der Zauberer von OZ lässt grüßen. Ein Miracolatore baut die Effekte, während die Päpstin ihre Rolle spielt.</p>
<p>Das erinnert weniger an die traditionelle Kirche als an eine Mischung aus Live-Übertragung, Popkonzert und politischem Großereignis. Genau hier ist der Comic erstaunlich frisch geblieben. Er versteht sehr früh, wie perfekt sich irdische Macht mit Bildern und Erzählungen absichern lässt.</p>
<p>Subtil ist wenig daran. Fernsehen macht dumm, Religion verkauft Gefühle, Herrschaft braucht Werbung und Ablenkung. Ich verstehe die Richtung sofort.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4765" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750.jpg" alt="Innenseite 06 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Agape im Schwarzmarkt der Bilder</h3>
<p>Auf dem Raumschiff entdecken Roy und Jahu schließlich ihre blinde Passagierin. Roy zieht Noas Schlüssel wieder auf und bringt sie damit zurück ins Leben. Das ist eine kleine Szene, aber für mich eine der wichtigsten des Albums. Ein kurzer Handgriff an einer Stelle, an der sie nicht selbst heranreicht, entscheidet über ihre Existenz. Roy meint es gut. Trotzdem zeigt der Moment, wie abhängig Noa bleibt. Ihre Freiheit beginnt ausgerechnet damit, dass ein Anderer &#8211;  noch dazu Mann &#8211; den Mechanismus in ihrem Rücken bedient.</p>
<p>Die Reise führt das Trio zu einem Zwischenstopp. Dort gerät Noa in einen Bereich, in dem verbotene Andenken an Agape gehandelt werden. Bilder, Symbole und Erinnerungsstücke reichen aus, um das Regime nervös zu machen. Noa reagiert darauf stärker als alle anderen. Etwas in ihr erkennt Agape, obwohl sie selbst nicht erklären kann, warum.</p>
<p>Sie bekommt heftige Visionen. Plötzlich ist die Geschichte nicht mehr nur die Flucht einer künstlichen Frau. Noa scheint irgendwie mit dem verdrängten Teil dieser Religion verbunden zu sein.</p>
<p>Für mich funktioniert dieser Wechsel gut, weil Canepa das Rätsel nicht sofort erklärt. Zum ersten Mal wird die Handlung wirklich geheimnisvoll. Gleichzeitig schiebt der Band sehr viele Begriffe, Namen und Machtgruppen in seine 48 Seiten. Wer nicht aufmerksam liest, kann insbesondere bei der knalligen Bildgestaltung leicht den Faden verlieren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4766" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750.jpg" alt="Innenseite 07 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein echtes Wunder stört das System</h3>
<p>Die verbotenen Agape-Bilder locken Ärger an, natürlich. Menschen reagieren aggressiv, päpstliche Ordnungskräfte werden aufmerksam und Noas Vision steigert sich zu etwas, das sich nicht mehr so einfach mit Technik erklären lässt. Ausgerechnet in einer Welt voller künstlich erzeugter Wunder geschieht möglicherweise ein echtes. Das ist die beste Wendung des Bandes. Sie trifft Lodovicas System an seinem empfindlichsten Punkt: wer jeden Glauben als Show organisiert, hat ein Problem, sobald etwas passiert, das nicht über den abgestimmten Regieplan kontrolliert werden kann!</p>
<p>Roy, Jahu und Noa können entkommen. Danach ist trotzdem nichts gelöst. Jahu will die Sky Doll loswerden, Roy fühlt sich immer stärker mit ihr verbunden und Noa selbst weiß kaum mehr als am Anfang. Sie weiß nur, dass sie nicht das sein kann, was alle in ihr sehen wollen. Genau hier zeigt der Comic seine größte Stärke.</p>
<p>Noa ist keine besonders ausgefeilte Figur, jedenfalls noch nicht. Ihre Naivität ist manchmal sehr bequem geschrieben. Doch Barbucci gibt ihr über Blicke, Bewegungen und kleine Trotzreaktionen eine Präsenz, die der Text allein nicht schaffen würde. Am Ende ist die Flucht deshalb weniger spannend als die Frage, was da in ihr erwacht. Der Serienauftakt endet folgerichtig nicht mit einer Antwort, sondern mit einer Verunsicherung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4767" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750.jpg" alt="Innenseite 08 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Cyberpunk in Bonbonfarben</h3>
<p>Visuell spielt die Geschichte in einer eigenen Liga. Barbucci zeichnet Figuren elastisch, fast animiert. Gesichter kippen in Sekunden von Slapstick zu Angst. Raumschiffe, Kostüme und Architektur sehen aus, als hätten <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0062711/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_5_nm_3_in_0_q_barbarella" target="_blank" rel="nofollow noopener">BARBARELLA</a>, ein futuristischer Werbespot und ein französisches Sci-Fi-Album eine Party gefeiert.</p>
<p>Dazu kommen die Farben, die mit Rosa, Violett, Türkis und künstlichem Licht arbeiten. Diese Farbwelt macht den Comic nicht gemütlich. Sie macht ihn verführerisch. Gerade deshalb passen die Bilder so gut zu einer Gesellschaft, die Kontrolle als schöne Oberfläche verkauft.</p>
<p>Praktisch hat für mich funktioniert, dass ich mir jeweils ein Panel anschaue und dabei die anderen Bilder der Seite abgedeckt halte. Anderenfalls hätte ich wahrscheinlich einen mentalen Zuckerschock bekommen.</p>
<p>Ganz ohne Widerspruch komme ich damit trotzdem nicht aus. Der Comic kritisiert, dass Noa als sexuelles Produkt behandelt wird. Gleichzeitig setzt er ihren Körper aber sehr deutlich in Szene. Die extrem langen Beine, die schmale Taille, die knappe Kleidung und manche Perspektive leben genau von dem Blick, den die Geschichte eigentlich hinterfragen will.</p>
<p>Das kann Absicht sein. Für mich funktioniert diese Doppelung aber nicht immer. Stellenweise zeigt SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT den Sexappeal dieser Welt lustvoller, als er ihn kritisiert. Auch erzählerisch bleibt vieles noch Behauptung. Die Medienkritik ist scharf, aber halt auch breit. Die Religionssatire besitzt Witz, aber wenig Zwischentöne. Und die eigentliche Handlung ist für ein Album dieser optischen Wucht erstaunlich dünn.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4768" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750.jpg" alt="Innenseite 09 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Vier Bände im langen Sendebetrieb</h3>
<p>Als Serienauftakt muss dieser Band deshalb vor allem Türen aufstoßen. Das tut er gut und gründlich. Auf DIE GELBE STADT folgten die Alben <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-2-aqua.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">AQUA</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-3-die-weisse-stadt.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DIE WEISSE STADT</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/sky-doll-band-4-sudra.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SUDRA</a>. Die vier bislang veröffentlichten Hauptbände wurden 2026 von Splitter gemeinsam in einer schönen, <a href="https://www.splitter-verlag.de/sky-doll-gesamtausgabe.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">limitierten Jübiläums-Gesamtausgabe</a> zusammengefasst.</p>
<p>Wer nur diesen ersten Band liest, bekommt also keinen abgeschlossenen Fall, sondern die Zündung für eine größere Reise. Das sollte niemand unterschätzen. Viele Fragen zu Noa, Agape und Lodovicas Herrschaft bleiben an dieser Stelle noch bewusst offen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4769" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750.jpg" alt="Innenseite 10 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Aus dem Disney-Storyboard ins eigene Netz</h3>
<p>Barbara Canepa und Alessandro Barbucci stammen beide aus der italienischen Disney-Welt. Barbucci arbeitete schon als junger Zeichner professionell für Disney und war später unter anderem an <a href="https://de.duckipedia.org/W.i.t.c.h._Gesamtausgabe" target="_blank" rel="nofollow noopener">W.I.T.C.H.</a> beteiligt.</p>
<p>Canepa kam Mitte der 1990er Jahre zum Unternehmen und arbeitete dort als Illustratorin und Character Designerin. SKY DOLL entstand aus ihrem Wunsch, außerhalb dieser Grenzen persönlicher &#8211; und erwachsener &#8211; erzählen zu können. Später arbeiteten beide an <a href="https://www.danibooks.de/10-monster-allergy" target="_blank" rel="nofollow noopener">MONSTER ALLERGY</a>.</p>
<p>Barbucci zeichnete außerdem Serien wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/ekhoe-spiegelwelt-bd-1-new-york.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">EKHÖ</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/club-der-drei-schwestern-1-sarahs-traum.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER CLUB DER DREI SCHWESTERN</a>. Canepa machte sich neben ihrer Arbeit als Autorin und Illustratorin auch als Herausgeberin einen Namen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4770" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750.jpg" alt="Innenseite 11 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich finde diesen Auftakt leichter zu bewundern als uneingeschränkt zu lieben. Er sieht wirklich großartig aus, ist frech, sinnlich und voller Ideen. Noa hat sofort Charme und die Mischung aus Religion, Fernsehen, Konsum und Science Fiction besitzt immer noch Biss.</p>
<p>Gleichzeitig stolpert der Band über seine Lust an der eigenen Oberfläche. Seine Kritik an der Objektifizierung wird durch die Inszenierung Noas teilweise konterkariert. Seine Geschichte braucht außerdem lange, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt. Trotzdem werde ich weiterlesen, gerade weil hier eben noch nicht alles sitzt.</p>
<p>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT wirkt wie eine Pilotfolge, die viel auf einmal zeigen möchte, dabei aber eine Welt erfindet, in die ich gerne zurückkehren möchte. Und das ist für einen Serienstart nicht gerade wenig &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>P.S.</p>
<p>An dieser Stelle noch ein Danke-Schön an die Kollegen vom <a href="https://sprechblasen.de/sky-doll-gesamtausgabe-eine-bunte-dunkle-welt/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Sprechblasen-Blog und -Podcast</a>. Ohne Euren Beitrag zur Jubiläums-Ausgabe von SKY DOLL hätte ich diesen Artikel erst sehr viel später in Angriff genommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4761" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT</li>
<li>Alessandro Barbucci und Barbara Canepa</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-86869-710-0</li>
<li>Storyline:  ★★☆☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-1-die-gelbe-stadt.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/">SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>BILL FINGER &#8211; IM SCHATTEN DES MYTHOS</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 05:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sekundärliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Erez Zadok]]></category>
		<category><![CDATA[Julian Voloj]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>BATMAN gehört zu den Charakteren, bei denen selbst Menschen ohne Comics im Regal sofort wissen, wer gemeint ist: Schwarzer Umhang, Fledermausohren, Gotham City, Bruce Wayne, Batmobil. Umso erstaunlicher ist die Geschichte hinter seinem Namen. Als BATMAN 1939 in DETECTIVE COMICS 27 erstmals erschien, schrieb Bill Finger die Geschichte und Bob Kane zeichnete sie. Trotzdem stand [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/">BILL FINGER – IM SCHATTEN DES MYTHOS</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>BATMAN gehört zu den Charakteren, bei denen selbst Menschen ohne Comics im Regal sofort wissen, wer gemeint ist: Schwarzer Umhang, Fledermausohren, Gotham City, Bruce Wayne, Batmobil.</p>
<p>Umso erstaunlicher ist die Geschichte hinter seinem Namen. Als BATMAN 1939 in DETECTIVE COMICS 27 erstmals erschien, schrieb <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Finger" target="_blank" rel="noopener">Bill Finger</a> die Geschichte und Bob Kane zeichnete sie. Trotzdem stand über Jahrzehnte allein Kane als Schöpfer im Rampenlicht.</p>
<p>Erst am <strong>18. September 2015</strong> &#8211; also heute vor 11 Jahren &#8211; wurde angekündigt, Finger künftig offiziell zu nennen und ihm damit den Platz zuzuweisen, der ihm gebührt. (Hinzu kommt, das morgen der <a href="https://www.panini.de/batman-tag">BATMAN-Tag</a> 2026 ist. Wie passend!)</p>
<p><span id="more-4808"></span></p>
<p>In den folgenden Produktionen tauchte sein Name also endlich in der Creditzeile auf. Finger selbst hatte davon nichts mehr. Er starb 1974 mit nur 59 Jahren, ohne die öffentliche Anerkennung zu erleben, die für uns heute so selbstverständlich wirkt.</p>
<p>Genau dort setzt BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS an. Julian Voloj erzählt mir keine geradlinige Künstlerbiografie, die brav bei der Kindheit beginnt und beim Tod endet. Stattdessen skizziert er eine Spurensuche &#8211; was übrigens überraschend gut passt, denn schließlich geht es um BATMAN, den Detektiv, und um einen Autor, dessen Anteil an BATMAN selbst jahrzehntelang wie eine verschwundene Akte behandelt wurde.</p>
<p>Der Comic beruht wesentlich auf den Forschungen von Marc Tyler Nobleman, der ab 2006 Fingers Leben rekonstruierte und später BILL THE BOY WONDER: THE SECRET CO-CREATOR OF BATMAN veröffentlichte. Voloj macht aus dieser Recherche einen zweiten Erzählstrang. Dadurch wird die Biografie zugleich Familien-, Comic- und Detektivgeschichte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4815" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750.jpg" alt="Innenseite 07 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwei Erzähler über den Dächern von Gotham</h3>
<p>Julian Voloj ist für solche Stoffe prädestiniert. Der in Münster geborene Autor, Journalist und Fotograf lebt seit 2003 in New York und hat sich in mehreren Graphic Novels mit biografischen Stoffen zu vergessenen oder unterschätzten Figuren beschäftigt. Dazu gehören u.a. JOE SHUSTER, BASQUIAT, BOBBY FISCHER und später LIBERTY (zusammen mit Jörg Hartmann).</p>
<p>Erez Zadok kommt aus Israel, studierte Visuelle Kommunikation an der Bezalel Academy in Jerusalem und arbeitet als Comiczeichner, Illustrator und Karikaturist. Zadok zeichnet nicht mit der Absicht historische Ehrfurcht zu verbreiten, sondern auf unmittelbare Lesbarkeit. Seine Figuren dürfen lebendig, manchmal überzeichnet und manchmal ziemlich verletzlich aussehen.</p>
<h3>Als BATMAN noch aus Papier und Bleistift bestand</h3>
<p>Die eigentliche Geschichte beginnt nicht bei Bill Finger selbst, sondern bei seiner Enkelin Athena. Als Kind erzählt sie in der Schule, ihr Großvater habe BATMAN mit erschaffen. Die Reaktionen sind bitter, niemand glaubt ihr.</p>
<p>Genau in diesem Moment steckt bereits das ganze Buch. Ruhm, Geld und Erinnerung passen hier nicht zusammen. Athena kennt die Wahrheit aus ihrer Familie, aber außerhalb gilt eine andere Version. Bob Kane ist der Name, den alle kennen. Bill Finger ist &#8211; fast &#8211; verschwunden.</p>
<p>Von dort springt Voloj zurück in die dreißiger Jahre. Finger begegnet dem jungen Bob Kane und beginnt, mit ihm zu arbeiten. Kane besitzt Ehrgeiz, Kontakte und den Instinkt für erfolgversprechende Chancen. Finger bringt etwas anderes mit. Er denkt in Geschichten, Atmosphären und Figuren. Als nach dem Erfolg von Joe Shusters SUPERMAN ein neuer Held gefragt ist, entsteht aus dieser Zusammenarbeit das zweite Schwergewicht im späteren DC-Universum: BATMAN.</p>
<p>Der Band zeigt sehr anschaulich, wie stark Finger die zunächst deutlich hellere und konventionellere Figur verändert. Aus dem Helden mit Flügeln wird der düstere Fledermausmann, aus einem Namen wird Bruce Wayne und aus einem x-beliebigen Schauplatz Gotham. Finger schreibt die erste veröffentlichte BATMAN-Geschichte &#8222;The Case of the Chemical Syndicate&#8220; und prägt in den folgenden Jahren entscheidend die Welt, in der der Dunkle Ritter bis heute lebt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4816" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750.jpg" alt="Innenseite 08 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>BATMANs verschwundene Akte</h3>
<p>Voloj erzählt mir diese Vergangenheit aber nie lange am Stück. Immer wieder kehrt er zu Marc Tyler Nobleman zurück, dessen Recherche Jahrzehnte später beginnt und die zunächst fast absurd mühsam wirkt. Er sucht alte Adressen, telefoniert sich durch Namenslisten, spricht mit Weggefährten und versucht, einen Mann sichtbar zu machen, von dem erstaunlich wenig greifbar geblieben ist.</p>
<p>Genau hier bekommt der Comic sein Detektiv-Charakter. Nobleman ist kein Actionheld, seine Werkzeuge sind Telefonbücher, Interviews, Notizen und Hartnäckigkeit. Gute, alte Investigativ-Arbeit, würden man sagen. Die Suche liest sich wie eine Ermittlung, weil jeder neue Kontakt einen weiteren Teil des Bildes freilegt.</p>
<p>Dabei begegnet Nobleman mehreren Kollegen aus Fingers Zeit und dringt immer tiefer in die frühen Jahre der US-Comicindustrie ein. Mir gefallen diese Passagen, weil sie den Mythos BATMAN plötzlich auf Schreibtische, Termindruck und schlecht abgesicherte Kreative zurückholen.</p>
<p>Gleichzeitig liegt hier aber eine Schwäche des Buches. Je stärker Nobleman in den Mittelpunkt rückt, desto häufiger wird ÜBER Finger gesprochen, statt ihn selbst zu erleben. Der Titelheld verschwindet ausgerechnet in seiner eigenen Biografie hinter anderen Stimmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4817" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750.jpg" alt="Innenseite 09 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Im Schatten des Bat-Signals</h3>
<p>Besonders schmerzhaft wird die Geschichte, sobald sich Erfolg und Anerkennung endgültig voneinander lösen. Kane wird öffentlich mit BATMAN verbunden. Finger schreibt weiter, erfindet, entwickelt und arbeitet verstärkt im Hintergrund.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine einfache Schurkennummer. Kane kommt schlecht weg, ja, aber Voloj interessiert sich mehr für das Gefälle zwischen den beiden Männern als für eine nachträgliche Abrechnung. Der Gegensatz ist ohnehin deutlich genug. Auf der einen Seite steht ein Name, der zum Markenzeichen wird. Auf der anderen Seite steht ein Autor, dessen Arbeit tief im BATMAN-Narrativ steckt, während seine eigene wirtschaftliche und persönliche Lage immer schwieriger wird.</p>
<p>Finger erlebt zwar noch, dass einzelne Kollegen seine Bedeutung kennen. Eine breite Anerkennung bleibt ihm jedoch verwehrt. Der Band erzählt auch von Depressionen und von seinem immer brüchiger werdenden Leben. Besonders still wird er schließlich rund um Fingers Tod.</p>
<p>Noch trauriger ist, dass die Geschichte danach nicht endet. Fingers Sohn Fred versucht, das Andenken seines Vaters zu verteidigen. Zugleich erzählt Voloj von Freds Sexualität, seiner familiären Entfremdung und später von seiner HIV-Erkrankung.</p>
<p>Damit weitet sich das Buch über die reine Comicgeschichte hinaus. Es zeigt, wie fehlende Anerkennung durch eine Familie weitergetragen werden kann. Bill Finger ist nicht nur ein vergessener Autor, sondern eine Schnittkante, an der sich mehrere Lebensgeschichten berühren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4818" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750.jpg" alt="Innenseite 10 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>&#8222;BATGIRL&#8220; bietet eine letzte Spur</h3>
<p>Die entscheidende Wendung führt wieder zu Athena. Nobleman stößt bei seiner Suche auf Fingers Enkelin, die bis dahin außerhalb eines kleinen Kreises praktisch unbekannt war.</p>
<p>Plötzlich gibt es nicht nur Erinnerungen und Aussagen alter Kollegen, sondern auch eine direkte Nachfahrin. Für Nobleman wird sie zum entscheidenden Bindeglied. Für den Comic ist sie noch wichtiger, denn durch Athena bekommt das historische Unrecht ein Gesicht, das nicht aus der Ära der Schreibmaschinen und Zeichenbretter stammt. Es reicht bis in die Gegenwart hinein.</p>
<p>Voloj wiederum baut den Weg zur späten Anerkennung nicht als triumphalen Siegeszug. Das wäre auch falsch. Als 2015 die offizielle Würdigung kommt, ist Finger seit mehr als vier Jahrzehnten tot. Fred, sein Sohn, erlebt sie ebenfalls nicht mehr. Natürlich ist es bewegend, wenn der Name endlich dorthin gelangt, wo er hingehört. Gleichzeitig bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Anerkennung kann nachgereicht werden, ein verlorenes Leben lässt sich nicht nachträglich korrigieren.</p>
<h3>Wie viel Bill Finger steckt in Gotham?</h3>
<p>Für mich ist Volojs stärkste Entscheidung die Doppelperspektive. Er erzählt Fingers Leben und zugleich die Rekonstruktion dieses Lebens. Dadurch wird sichtbar, wie Comicgeschichte entsteht. Sie liegt nicht fertig in einem Archiv. Sie muss aus Erinnerungen, Veröffentlichungen, Adressen und widersprüchlichen Spuren mühsam zusammengetragen werden. Beim Lesen weiß ich immer, dass hier jemand auf der Suche ist. Und genau das passt zum Thema. Der ursprünglich bei Carlsen auf Deutsch erschienene Einzelband braucht übrigens keinerlei BATMAN-Vorwissen. Die wichtigsten Zusammenhänge liefert Voloj gleich mit.</p>
<p>Ganz rund ist die gewählte Form trotzdem nicht. Nobleman bekommt so viel Raum, dass Finger manchmal beinahe zur Nebenfigur wird. Auch die vielen Branchenkollegen rauschen recht schnell vorbei. Wer die Geschichte des Golden Age kaum kennt, dürfte einzelne Namen bald wieder vergessen. Ich hätte außerdem gern deutlicher gespürt, wie Finger Geschichten schrieb. Welche Art von Erzähler war er am Schreibtisch? Wie entwickelte er Szenen? Wie klang seine kreative Zusammenarbeit im Alltag? Aber vielleicht wäre dies wiederum am Thema vorbei.</p>
<p>Ein wenig hadere ich mit dem deutschen Titel. BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS klingt so, als müsse Bob Kane nun einfach aus der Geschichte gestrichen werden. So einfach erzählt Voloj zum Glück nicht. Die offizielle Einordnung nennt Finger heute als Mitschöpfer und auch das französische Original BILL FINGER, DANS L&#8217;OMBRE DU MYTHE (also: Im Schatten des Mythos) formuliert vorsichtiger. Der deutsche Untertitel setzt stärker auf Zuspitzung als der Comic selbst.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4819" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750.jpg" alt="Innenseite 11 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS ist für mich weniger eine BATMAN-Biografie als eine Geschichte über Anerkennung und über einen Autor, dessen Ideen weltberühmt wurden, während sein eigener Name verblasste. Voloj erzählt diese Entwicklung zugänglich, warm und mit spürbarem Respekt. Zadok gibt der Spurensuche zeichnerisch das nötige Tempo und Gefühl.</p>
<p>Es gab Stellen, an denn hätte ich Bill Finger selbst gern stärker im Zentrum erlebt. Gerade deshalb bleibt der Band aber auf eine fast unfreiwillige Weise passend. Finger ist anwesend und fehlt gleichzeitig. Nach der letzten Seite sieht das BATMAN-Logo für mich jedenfalls ein kleines bisschen anders aus. Hinter der Fledermaus steht nun ein Name mehr.</p>
<p>Derweil geht die Entwicklung der Figur mit <a href="https://panelwalker.de/2025/09/absolute-batman-held-ohne-herrenhaus/">ABSOLUTE BATMAN</a> in eine neue Richtung und beweist, dass die geschichten rund um den Dunklen Ritter noch lange nicht auserzählt sind&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4820" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-293x400.jpg" alt="Cover von BILL FINGER" width="293" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-293x400.jpg 293w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-600x819.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733.jpg 733w" sizes="auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>BILL FINGER &#8211; DER WAHRE<br />
SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS</li>
<li>Julian Voloj und Erez Zadok</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span class="a-list-item">978-3-55171-136-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.amazon.de/Bill-Finger-Sch%C3%B6pfer-Dunklen-Biografie/dp/3551711364">Carlsen Comics</a> (verlagsvergriffen)</li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/">BILL FINGER – IM SCHATTEN DES MYTHOS</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Halb Zwerg, halb Orc, aber in Allem ganz ein D&#8217;ORC</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/halb-zwerg-halb-orc-aber-in-allem-ganz-ein-dorc/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/09/halb-zwerg-halb-orc-aber-in-allem-ganz-ein-dorc/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 05:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Cartoon]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Sword-And-Sorcerer]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Brett Bean]]></category>
		<category><![CDATA[Image Comics Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Francois Beaulieu]]></category>
		<category><![CDATA[Nate Piekos]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hat der Schöpfer dieses Comics lange auf den richtigen Moment gewartet? Bei D&#8217;ORC hatte ich genau dieses Gefühl. Brett Bean trug die Idee offenbar eine ganze Weile mit sich herum, bevor er im Sommer 2025 erstmals das Cover präsentierte. Den kleinen Schubs in Richtung Öffentlichkeit gab ihm ausgerechnet Nate Piekos, der später das Lettering übernahm [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/halb-zwerg-halb-orc-aber-in-allem-ganz-ein-dorc/">Halb Zwerg, halb Orc, aber in Allem ganz ein D’ORC</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hat der Schöpfer dieses Comics lange auf den richtigen Moment gewartet? Bei D&#8217;ORC hatte ich genau dieses Gefühl.</p>
<p>Brett Bean trug die Idee offenbar eine ganze Weile mit sich herum, bevor er im Sommer 2025 erstmals das Cover präsentierte. Den kleinen Schubs in Richtung Öffentlichkeit gab ihm ausgerechnet Nate Piekos, der später das Lettering übernahm und der uns schon als Vater des <a title="Typefaces, Bubbles, Sprechblasen und BOOOM, kurz: Lettering – die wenig beachtete Kunst" href="https://panelwalker.de/2025/09/typefaces-bubbles-sprechblasen-und-booom-kurz-lettering-die-wenig-beachtete-kunst/" target="_blank" rel="noopener">Letterer-Appreciation-Day</a> bekannt ist. Bean hatte bis dahin nicht nur an der Geschichte gefeilt. Gemeinsam mit Kolorist Jean-François Beaulieu suchte er nach einer Bilderwelt, in der knalliger Spaß, blutiges Durcheinander und echte Gefühle nebeneinander bestehen können.</p>
<p><span id="more-4341"></span></p>
<p>Ein paar Monate später wurde aus dem Herzensprojekt eine fortlaufende Serie. Das erste Heft erschien im Februar 2026. Der frisch erschienene Band mit dem Titel (bitte mit sehr tiefer Stimme lesen:) THE BOOK OF CERTAIN DOOM ( &#8230; und mit normaler Stimme weiterlesen. Danke) sammelt die ersten fünf Ausgaben und erzählt damit einen vollständigen Auftaktbogen.</p>
<p>Das klingt zunächst nach einer recht gewöhnlichen Veröffentlichungsgeschichte. Beim Lesen zeigt sich dann aber schnell, wie persönlich Bean diese Welt genommen hat. Er schreibt, zeichnet und entwirft ihre Figuren selbst. Jeder alberne Ortsname, jedes schiefe Monster und jede Grimasse scheint aus derselben überschäumenden Fantasie zu stammen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4348" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite_01_1000X678.jpg" alt="Innenseite 01 von D'ORC" width="678" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite_01_1000X678.jpg 678w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite_01_1000X678-271x400.jpg 271w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite_01_1000X678-600x885.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px" /></p>
<h3>Wenn BONE auf einen schlecht gelaunten Orc trifft</h3>
<p>Natürlich musste ich beim Lesen sofort an <a title="BONE – mehr als nur Knochen" href="https://panelwalker.de/2025/01/bone-mehr-als-nur-knochen/" target="_blank" rel="noopener">BONE</a> von Jeff Smith denken. Auch dort geraten kleine, rundlich gezeichnete Figuren in ein Fantasy-Abenteuer, das zuerst niedlich wirkt, dann jedoch bald erstaunlich große Gefahren auffährt. D&#8217;ORC besitzt außerdem etwas von der wilden Energie aus <a href="https://imagecomics.com/comics/series/i-hate-fairyland" target="_blank" rel="nofollow noopener">I HATE FAIRYLAND</a>, an dem Jean-Francois Beaulieu schon als Zeichner beteiligt war. Trotzdem wirkt die Serie nicht wie eine Mischung aus bekannten Zutaten.</p>
<p>Ihr eigener Tonfall entsteht durch die Hauptfigur. Unser junger Held ist halb Zwerg (eng. Dwarf, mit führendem &#8222;D&#8220;) und halb Orc &#8211; also D&#8217;Orc. Keine Seite möchte ihn wirklich haben. Beide Seiten halten ihn außerdem für den angekündigten Zerstörer ihrer Welt Sunderaine. Und hinter all den Schlägereien, Wortspielen und platzenden Monstern steckt eine Geschichte über einen Außenseiter, der nicht einmal einen richtigen Namen besitzt. Das ist einerseits sehr komisch, andererseits aber nie nur ein Witz.</p>
<h3>Ein Halb-Zwerg im Niemandsland</h3>
<p>Sunderaine wird seit tausend Jahren von einem Krieg zwischen dem Licht und der Dunkelheit verwüstet. Die beiden Lager haben sich so lange bekämpft, dass niemand mehr ernsthaft über den Ursprung des Konflikts nachzudenken scheint. Jede Seite hält sich für rechtschaffen, beide richten beträchtlichen Schaden an.</p>
<p>Zwischen ihren Gebieten liegt die &#8222;Scar&#8220; (eng. für &#8222;die Narbe&#8220; .. gern geschehen!). Dort lebt seit rund zwanzig Jahren besagter namenloser Halb-Zwerg und Halb-Orc. Er hält sich verborgen, meidet größere Gruppen und versucht vor allem, keinen Ärger zu bekommen. Sein engster Begleiter, ein sprechender Schild, macht dieses nachvollziehbare Vorhaben allerdings nicht gerade leichter. Der verzauberte Schild besitzt auf der Aussenseite ein riesiges Auge, ein ausgesprochen loses Mundwerk und eine beinahe rührende Begeisterung für ausufernde Gewalt.</p>
<p>Als Soldaten beider Kriegsparteien den jungen Außenseiter entdecken, erkennen sie in ihm die Gestalt aus einer alten Prophezeiung. Die Bezeichnung aus Zwerg und Orc wird dabei kurzerhand zu seinem Namen erklärt. Sein Einwand, das sei nicht sein Name, verhallt. Für eine kurze Weile scheint er sogar das Unmögliche geschafft zu haben. Licht und Dunkelheit arbeiten einmal zusammen. Leider besteht ihr gemeinsames Ziel darin, ihn umzubringen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4343" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-02_1000X681.jpg" alt="Innenseite 02 von D'ORC" width="681" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-02_1000X681.jpg 681w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-02_1000X681-272x400.jpg 272w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-02_1000X681-600x881.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px" /></p>
<h3>Orc-Beine auf der Flucht</h3>
<p>Der vermeintliche Weltenvernichter entkommt nur knapp und sucht Zuflucht in einer Schenke. Viel Ruhe findet er dort allerdings nicht. Der Gastwirt, ein sprechendes Huhn, wird von einigen Gästen drangsaliert. D&#8217;Orc greift ein, obwohl er sich eigentlich aus jeder Auseinandersetzung heraushalten möchte.</p>
<p>Was als Rettungsaktion beginnt, endet mit einem fliegenden Schild und einem kopflosen Huhn. Ganz verschwunden bleibt das Tier allerdings nicht. Wir kennen das: kopflose Hühner rennen manchmal noch ein wenig herum. Seine geisterhafte Hälfte bleibt also erhalten, weil der Begleiter des Helden eben kein gewöhnlicher Schutzschild ist. Wie ich erfahre, handelt es sich um einen Todesschild, der Seelen an sich binden kann.</p>
<p>Damit steht auch die kleine Reisegruppe fest, die mich nun durch die einzelnen Ausgaben begleiten wird. Ein namenloser Halb-Zwerg läuft vor einer Prophezeiung davon, ein Schild auf dem Rücken, der jede Unterhaltung am liebsten mit einem tödlichen Schlag beenden möchte und zu diesem Duo gesellt sich der Geist eines Huhns, dessen unerschütterliche Neugier kaum zur Übersicht beiträgt.</p>
<p>Die Grundidee könnte leicht in einer Reihe lose verbundener Gags versanden. Bean setzt narrativ jedoch früh einen klaren Antrieb: Die Mächte des Lichts und der Dunkelheit schicken ihre jeweiligen Jäger los und D&#8217;Orc muss herausfinden, was hinter der Prophezeiung steckt. Vor allem möchte er wissen, weshalb ausgerechnet er darin auftaucht.</p>
<h3>Kinder mit gestohlener Zwergenzeit</h3>
<p>Die nächste Station führt die Gruppe zu Kindern, die mit leuchtenden Klingen Lebenszeit rauben. Jeder Treffer lässt D&#8217;Orc sichtbar altern. Sein Gesicht wird faltiger, der Rücken krümmt sich und die Bewegungen verlieren ihre Leichtigkeit. Bean macht den Zauber sofort verständlich, ohne ihn lange erklären zu müssen.</p>
<p>Hinter dem Einfall steckt mehr als eine gute Kampfszene. Die jungen Diebe sind Waisen des ewigen Krieges. Ein Herr der Zeit hat sie für seine Zwecke eingespannt. Für den Helden wird die Begegnung damit unangenehm persönlich. Auch er wuchs ohne Eltern auf, auch sein Leben wird von Erwachsenen und alten Erzählungen bestimmt, die ihm eine Rolle aufzwingen.</p>
<p>Der Schild schlägt &#8211; natürlich &#8211; eine schnelle und blutige Lösung vor, das Geisterhuhn stellt Fragen, die selten zum passenden Zeitpunkt kommen und D&#8217;Orc entscheidet sich trotzdem gegen den einfachen Weg, denn er erkennt, dass die Kinder gefährlich sind, aber selbst ausgenutzt werden.</p>
<p>Und schon zeigt die Serie erstmals ihr warmes Herz. Der Comic macht sich über Monster, Zauberer und großspurige Heldensprüche lustig. Über Verlassene und Einsame lacht er nicht. Bean lässt seinen Helden handeln, statt ihm eine lange Rede zu geben. Er hilft den Kindern, obwohl sie ihm gerade einen beträchtlichen Teil seines Lebens gestohlen haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4344" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-03_1000X678.jpg" alt="Innenseite 03 von D'ORC" width="678" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-03_1000X678.jpg 678w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-03_1000X678-271x400.jpg 271w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-03_1000X678-600x885.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px" /></p>
<h3>Ein Orc sucht eine Familie</h3>
<p>Aus dieser Entscheidung wächst langsam eine Gemeinschaft. Das Geisterhuhn ist bald mehr als die Pointe einer missglückten Rettung. Es nimmt Anteil, fragt nach und bleibt. Selbst der Todesschild zeigt unter seiner Freude am Gemetzel erste Spuren von Treue. D&#8217;Orc braucht diese Begleiter. Er sehnt sich nach Nähe, rechnet aber ständig mit Ablehnung. Seine Herkunft hat ihn vorsichtig gemacht. Zugleich besitzt er ein so starkes Bedürfnis zu helfen, dass er immer wieder in Schwierigkeiten gerät.</p>
<p>Ich mochte besonders, dass Bean diese Güte nicht mit Unschuld verwechselt. Sein Held trägt einen gewaltigen Zorn in sich. Wenn er die Kontrolle verliert, kann er erschreckend brutal werden. Danach empfindet er innerlich eine gewisse Scham. Die Gewalt löst Probleme, aber sie macht ihn nicht stolz.</p>
<p>So bleibt die Figur auch zwischen all dem Klamauk glaubwürdig. D&#8217;Orc ist kein pussierliches Maskottchen, das zufällig durch eine gefährliche Welt stolpert. Er trifft Entscheidungen. Manche sind mutig, andere ungeschickt, fast alle zeigen aber, wie sehr er sich danach sehnt, selbst bestimmen zu dürfen, wer er ist.</p>
<h3>Ein Zwergenhammer voller Vorurteile</h3>
<p>Mit Gloinspear tritt ein Gegner auf, der äußerlich wie ein klassischer Zwergenheld wirkt. Er trägt einen mächtigen Hammer, folgt einem klaren Auftrag und marschiert mit großer Entschlossenheit durch die Panels. Das Reich des Lichts hat ihn ausgesandt, um den vermeintlichen Weltenvernichter aus dem Weg zu räumen.</p>
<p>Bean dreht dieses vertraute Bild genüsslich um. Gloinspear hinterlässt keine dankbaren Dörfer. Er verbreitet Angst, zerstört was ihm in die Quere kommt und behandelt jede Spur von Freundlichkeit als Täuschung. Hinweise darauf, dass der Gejagte anderen geholfen hat, bringen ihn nicht zum Nachdenken. Sie machen ihn nur wütender.</p>
<p>Beim Aufeinandertreffen versucht D&#8217;Orc zunächst eine lächerliche Verkleidung. Der Schwindel hält erwartungsgemäß nicht lange. Der folgende Kampf ist schnell, brutal und deutlich ernster als viele der vorherigen Prügeleien. Gloinspear besitzt Erfahrung, körperliche Kraft und eine magische Flüssigkeit, die ein Wesen vollständig auslöschen kann.</p>
<p>Der Held überlebt nicht, weil er plötzlich stärker wäre. Er setzt auf Bewegung, Einfallsreichtum und eine gute Portion Glück. Das passt zu seiner bisherigen Entwicklung. Seine größte Stärke liegt nicht im Kampf. Sie zeigt sich in seiner Weigerung, das Bild anzunehmen, das andere von ihm haben.</p>
<h3>Zwei Goblinlager und kein Gedanke zu viel</h3>
<p>Später gerät die Gruppe zwischen zwei verfeindete Goblinlager. Beide Seiten wollen einen riesigen dreiköpfigen Thrawg töten. Gemeinsam hätten sie eine echte Chance. Stattdessen verbringen sie ihre Zeit damit, sich gegenseitig anzuschreien und anzugreifen.</p>
<p>Die fast gleich klingenden Namen ihrer Anführer machen den Konflikt dabei noch absurder. Der große Krieg schrumpft plötzlich auf die Größe eines entgleisten Familienstreits. Beide Seiten ähneln sich so stark, dass ihre Feindschaft noch lächerlicher wirkt.</p>
<p>D&#8217;Orc versucht zuerst zu reden. Diese Veränderung fällt nicht groß aus und zeigt sich in kleinen Entscheidungen. Er sucht nach einer Lösung, bei der niemand sterben muss. Gleichzeitig gesteht er dem Schild, wie sehr ihn sein eigener Zorn beunruhigt.</p>
<p>Ausgerechnet der kampflustige Begleiter antwortet mit ehrlichem Zuspruch. Der Moment ist kurz, verändert die Beziehung der beiden aber positiv. Der Schild bleibt laut, frech und gefährlich. Und trotzdem ist er inzwischen jemand, dem D&#8217;Orc seine Angst anvertraut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4345" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-04_1000X681.jpg" alt="Innenseite 04 von D'ORC" width="681" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-04_1000X681.jpg 681w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-04_1000X681-272x400.jpg 272w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-04_1000X681-600x881.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px" /></p>
<h3>Ein nackter Orc vor der Knochenhexe</h3>
<p>Das fünfte und letzte Kapitel beginnt mit einem herrlich albernen Bild. Der Held ist nass, nackt und auf der Flucht vor Stadtwachen. Schutz sucht er ausgerechnet bei der Wahrsagerin Madam Morrigan. Dort hofft er endlich auf Antworten zur Prophezeiung und zu seiner Herkunft.</p>
<p>Madam Morrigan lässt ihn erzählen, obwohl sie deutlich mehr weiß, als sie zugibt. Ein Rückblick berichtet von einem Bad, wachsendem Chaos und einem verschwundenen Lavadrachen. Bean hält den Ton leicht, rückt aber erstmals die Vergangenheit von D&#8217;Orc ins Zentrum.</p>
<p>Bald zeigt sich, dass Madam Morrigan selbst eine Knochenhexe ist. Sie kennt Gloinspear, weiß um die magische Flüssigkeit und verfolgt eigene Ziele. Der erste Bogen endet deshalb erst einmal nicht mit einer bequemen Lösung. Stattdessen öffnet sich die Geschichte weiter.</p>
<p>Ich finde, das funktioniert als Abschluss des Auftaktbandes sehr gut. Die einzelnen Hefte bieten jeweils ein überschaubares Abenteuer, zugleich sammeln sich Fragen zu Geburt, Prophezeiung und Todesschild an. D&#8217;ORC liefert damit genug, um zufrieden zu sein und hält genug zurück, um neugierig zu bleiben.</p>
<h3>Lichtzwerge sind nicht automatisch die Guten</h3>
<p>Die Welt von Sunderaine kennt klare Lager: Licht steht gegen Dunkelheit, Zwerge kämpfen gegen Orcs und Helden verfolgen Monster. Bean stellt diese bekannte Fantasy-Ordnung von Beginn an auf den Kopf. Schon die Hauptfigur widerspricht ihr durch ihre bloße Existenz.</p>
<p>Der Comic erklärt diese Idee nicht in langen Gesprächen, er zeigt sie. Soldaten des Lichts handeln grausam, Kinder werden zu Dieben, weil Erwachsene ihren Verlust ausnutzen und Goblins führen einen Krieg, dessen Gründe kaum noch jemand versteht. D&#8217;Orc dagegen trägt sowohl Güte als auch gefährliche Wut in sich.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich, dass keine Eigenschaft seine ganze Persönlichkeit bestimmt. Seine Herkunft macht ihn weder edel noch böse. Auch die Prophezeiung sagt noch nichts darüber aus, welche Entscheidungen er treffen wird. Darin liegt das erzählerische Herz der Serie. Der Held möchte nicht beweisen, dass alle anderen ihn falsch eingeschätzt haben. Er versucht zunächst überhaupt herauszufinden, wer er ohne ihre Urteile sein könnte!</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4346" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-05_1000X680.jpg" alt="Innenseite 05 von D'ORC" width="680" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-05_1000X680.jpg 680w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-05_1000X680-272x400.jpg 272w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-05_1000X680-600x882.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<h3>Fünf Abenteuer aus der Orc-Spielrunde</h3>
<p>Formal erinnert der Sammel-Band an eine sehr gute Rollenspielrunde. Jede Station bringt eigene Regeln, Gegner und komische Einfälle mit. Mal geht es um gestohlene Lebenszeit, mal wartet ein fanatischer Zwerg. Später geraten Goblins und ein dreiköpfiges Monster aneinander.</p>
<p>Trotzdem wirkt der Band nicht wie eine lose Sammlung, die Richtung bleibt deutlich: Aus der Flucht wird eine Suche, aus zufälligen Begleitern entsteht eine kleine Gemeinschaft und die Prophezeiung verändert sich von einer Bedrohung zu einem Rätsel, dem sich der Held stellen möchte.</p>
<p>Gelegentlich setzt Bean einen Gag zuviel oben drauf, obwohl die Szene bereits funktioniert. Sei&#8217;s d&#8217;rum! Insgesamt findet er aber erstaunlich sicher die Balance zwischen Klamauk, Action und Gefühl.</p>
<h3>Große Orc-Augen und kurze Zwergenbeine</h3>
<p>Brett Bean&#8217;s Zeichnungen tragen diesen Comic. Seine Figuren besitzen klare Umrisse, große Augen und stark überzeichnete Körper. Jede Stimmung wird sofort sichtbar. D&#8217;Orc kann innerhalb weniger Panels trotzig, verschreckt, wütend und peinlich berührt wirken. Besonders sein Gesicht bleibt mir im Gedächtnis. Die Kapuze rahmt es fast wie eine kleine Bühne. Bean braucht oft nur einen schiefen Mund oder einen verunsicherten Blick, um einen Witz vorzubereiten. Bei ernsteren Momenten nimmt er die Übertreibung zurück, ohne den Stil zu wechseln.</p>
<p>Auch die Nebenfiguren erhalten schnell einen eigenen Auftritt. Gloinspear bewegt sich schwer und zielgerichtet. Die Goblins wirken hektisch und streitlustig. Das Geisterhuhn besitzt trotz seines einfachen Entwurfs eine erstaunliche Ausdruckskraft. All das erinnert mich stark an das bereits erwähnte BONE.</p>
<h3>Wenn der Orc durch die Panels fliegt</h3>
<p>Die Actionszenen bleiben selbst im größten Durcheinander gut lesbar. Bean setzt eindeutige Bewegungsrichtungen. Figuren fliegen durch Bilder, Waffen schlagen ein und Körper purzeln übereinander. Trotzdem verliere ich selten den Überblick. Große Panels geben Monstern und magischen Effekten den nötigen Platz. Engere Bildfolgen beschleunigen Fluchten, Schläge und Wortwechsel. Häufig baut Bean eine Pointe über mehrere Bilder auf. Das letzte Panel setzt dann den sichtbaren Treffer.</p>
<p>Seine Erfahrung aus Animation, Film, Spielen und Figurengestaltung ist deutlich zu spüren. Bewegungen besitzen Schwung. Silhouetten bleiben auch aus der Entfernung erkennbar. Selbst kleine Gesten erzählen etwas über die Figuren. Das ist wichtig, weil der Comic sehr viel Tempo besitzt. Eine weniger klare Zeichnung würde das Lesen anstrengend machen. Bean behält dagegen die Ordnung, auch wenn seine Figuren sie vollständig verlieren.</p>
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<h3>Orcgrün, Geisterblau und Zwergenfeuer</h3>
<p>Jean-François Beaulieu hält die wilde Bildwelt mit seinen Farben zusammen. Das Grün und Gelb des Helden hebt ihn deutlich von fast jeder Umgebung ab. Das Geisterhuhn leuchtet in einem kühlen, blassen Blau. Magie erhält häufig giftige Türkis- und Violetttöne.</p>
<p>Sobald Kämpfe eskalieren, kippen die Hintergründe in kräftiges Orange und Rot. Die Farbe beschreibt deshalb nicht nur Orte oder Tageszeiten. Sie bestimmt auch, wie laut sich eine Szene anfühlt. Ruhige Momente werden sichtbar gedämpft. Dann dürfen Mimik und Körperhaltung stärker wirken. In den großen Actionszenen ziehen die Farben das Tempo wieder an. Beaulieu unterstützt Bean&#8217;s Zeichnungen, ohne sie zuzudecken.</p>
<p>Währenddessen sorgt Nate Piekos&#8216; im Lettering dafür, dass die unterschiedlichen Stimmen auseinanderzuhalten sind. Schild, Huhn, Erzähler und übrige Figuren besitzen jeweils eine eigene Klangfarbe. Geräuschwörter werden Teil der Bewegung. Gerade in vollen Szenen hält das die Seite übersichtlich.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>D&#8217;ORC ist laut, albern, blutig und deutlich herzlicher, als das erste Gemetzel vermuten lässt. Brett Bean erzählt von einem Außenseiter, ohne die Geschichte in Schwermut zu ziehen. Stattdessen verbindet er eine wilde Fantasykomödie mit einer Figur, deren Güte sie immer wieder Kraft kostet.</p>
<p>Nicht jede Pointe sitzt gleich gut. Ja, manche Szenen dürften etwas früher enden. Trotzdem bin ich mit dieser seltsamen Reisegruppe gerne auf den Strassen der Scar unterwegs. Der Auftakt bietet ein vollständiges Abenteuer und breitet zugleich eine große Welt vor mir aus. Vor allem besitzt er einen Helden, der weder Zwerg noch Orc genug sein darf. Gerade deshalb möchte ich unbedingt erfahren, wer er im Laufe der Serie einmal werden wird. Eine ganz klare Empfehlung meinerseits! In diesem Jahr sind die Geschichten rund um den D&#8217;Orc (noch) nicht für die <a href="https://www.comic-con.org/awards/eisner-awards/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Eisner Awards</a> nominiert, aber ich glaube fest daran, dass sie 2027 gelistet sein werden &#8230;</p>
<p>Ach ja, zum Schluss noch ein Aufruf an die deutschen Verlage: nehmt diesen Comic um Himmels Willen in Euer Programm auf!</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4342" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_COVER_1000X659-264x400.jpg" alt="Cover von D'ORC" width="264" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_COVER_1000X659-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_COVER_1000X659-600x910.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_COVER_1000X659.jpg 659w" sizes="auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>D&#8217;ORC: The Book of Certain Doom</li>
<li>Brett Bean, Jean-Francois Beaulieu und Nate Piekos</li>
<li>Softcover | 128 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-1-53433-152-5</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★★</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★★☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://imagecomics.com/comics/releases/d-orc-vol-1-tp" target="_blank" rel="nofollow noopener">Image Comics Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/halb-zwerg-halb-orc-aber-in-allem-ganz-ein-dorc/">Halb Zwerg, halb Orc, aber in Allem ganz ein D’ORC</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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