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	<title>P A N E L W A L K E R &#8211; Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>P A N E L W A L K E R &#8211; Ein Comic-Blog</title>
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		<title>H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE reist in eine ferne Zukunft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe Zeitreisegeschichten. ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT, DIE CHRONIKEN DES UNIVERSUMS, DIE WAISE VON PERDIDA oder auch diesen Klassiker von Herbert George Wells &#8211; DIE ZEITMASCHINE. Ich öffne den Comic und habe sofort dieses vertraute Kribbeln. Ich kenne den Roman seit Jahren und ich kenne die Verfilmungen mit Rod Taylor aus dem Jahr 1960 (großartig) und [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/h-g-wells-die-zeitmaschine-reist-in-eine-ferne-zukunft/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">H.G.WELLS – DIE ZEITMASCHINE reist in eine ferne Zukunft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe Zeitreisegeschichten. <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0088763/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_Zur%25C3%25BCck%2520in%2520die%2520Zukunft" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT</a>, <a href="https://panelwalker.de/2025/04/die-fragmentierten-chroniken-des-universums/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">DIE CHRONIKEN DES UNIVERSUMS</a>, <a href="https://panelwalker.de/2025/08/die-waise-von-perdida-im-universum-ist-die-hilfe-selten-nah/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">DIE WAISE VON PERDIDA</a> oder auch diesen Klassiker von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/H._G._Wells" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Herbert George Wells</a> &#8211; DIE ZEITMASCHINE. Ich öffne den Comic und habe sofort dieses vertraute Kribbeln. Ich kenne den Roman seit Jahren und ich kenne die Verfilmungen mit Rod Taylor aus dem Jahr <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0054387/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_die%2520zeitmaschine" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">1960</a> (großartig) und die mit Guy Pearce aus <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0268695/?ref_=tt_mlt_i_1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">2002</a> (nicht so großartig).</p>
<p>Jede neue Adaption fühlt sich an wie ein weiteres Experiment mit einem bewährten, aber auch zerbrechlichen Klassiker. Man kann ihn behutsam in eine neue Form gießen oder auch auf Schulheftniveau herunter kürzen. Was haben Mathieu Moreau und Oliver Dobremel (kurz Dobbs) mit diesem Comic denn nun gewollt?<span id="more-2782"></span></p>
<h3>Wie viel Wells passt in ein Album</h3>
<p>Dobremel und Moreau treten mit einem gewissen Pomp auf. In Frankreich erscheint die Reihe als großes H.G.Wells-Programm, im Deutschen hat der Splitter-Verlag die Alben als eigenständige Edition in die Regale geholt. Sechs Bände widmen sich den wichtigsten Romanen des Autors, immer mit dem gleichen Szenaristen, unterstützt durch wechselnde Zeichnern. Das verspricht mir narrativ eine klare Linie. Es weckt aber auch den Verdacht, dass hier eher eine Marke gebaut wird als eine wirklich eigenwillige Interpretation. Nun, wir werden sehen.</p>
<p>Schon die Aufmachung wirkt wie ein Statement. Prägedruck, Schuber-Optik, eine Covergestaltung, die so sehr nach Bibliothek aussieht, dass ich fast den Stempel auf dem Vorsatzpapier erwarte. Optisch verkauft mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE, dass ich ein respektvolles, aufwändiges Projekt in Händen halte. Und genau hier beginnt mein Unbehagen mit diesem Band, denn: Respekt allein trägt &#8211; leider &#8211; keine gute Geschichte!</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2786" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714.jpg" alt="Innenseite 01 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="(max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Bibliotheksgold mit angezogener Handbremse</h3>
<p>Beim Lesen erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich in Gedanken zum Roman zurückspringe. Ich tue das nicht, weil der Comic mich so sehr in Wells&#8216; Kosmos hineinzieht, sondern weil ich nach dem suche, was mir hier fehlt: die Irritation, die Wut, die kalte Klarheit, mit der Wells seine Gesellschaft sezierte. In der Comicfassung schimmert davon vieles nur noch als Andeutung durch. Die Oberfläche glänzt, der Maschinenraum bleibt erstaunlich &#8211; sauber.</p>
<p>Trotzdem ist da ein gewisser Reiz. Moreau&#8217;s Bilder haben Energie. Der Band liest sich zügig, an ein paar Stellen blättere ich wissbegierig weiter. Und ich erkenne sofort, warum dieser Comic im Unterricht oder im Regal einer Stadtbibliothek eine gute Figur machen würde.</p>
<p>Der Comic bleibt übersichtlich, er bleibt brav und er will niemanden überfordern. Für mich als Leser, der Wells gerade wegen seiner Unbequemlichkeit schätzt, fühlt sich das allerdings eher wie eine Fahrt mit angezogener Handbremse an.</p>
<h3>Dinner in Richmond und der Mann ohne Namen</h3>
<p>Die Handlung beginnt im London des späten 19. Jahrhunderts. Ein namenloser Wissenschaftler lädt eine kleine Runde Herren zum Dinner ein. Darunter ein Arzt, ein Journalist und ein Psychologe.</p>
<p>Schon im Roman bleibt dieses Ensemble bewusst schablonenhaft. Sie spiegeln Reaktionen für die steilen Thesen des Gastgebers. Im Comic reduziert sich diese Gruppe noch weiter. Mehrfach erwische ich mich dabei, wie ich die Nebenfiguren nur an Frisuren und Bärten unterscheiden kann.</p>
<p>Dobbs übernimmt den narrativen Rahmen beinahe eins zu eins. Der Zeitreisende demonstriert zunächst ein Modell seiner Maschine und lässt es vor den Augen der Gäste im Nichts verschwinden. (Wobei ich mich aus heutiger Sicht immer schon gefragt habe, warum er den entgegen gesetzten Weg geht? Prototypen sind üblicherweise groß und wuchtig. Die Miniaturisierung setzt üblicherweise später ein. Hier jedoch nicht.)</p>
<p>Die Szene funktioniert in Bildern erstaunlich gut. Moreau inszeniert die Apparatur als Mischung aus viktorianischem Möbel und Steam-Punk-Requisite mit viel Kupfer, Zahnrädern und leuchtenden &#8222;Elektronenröhren&#8220;. Hier spüre ich kurz den Zauber, den mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE verspricht.</p>
<p>Die eigentliche Reise startet jedoch Off-Screen. Der Band steigt in der Rückblende ein. Der Zeitreisende verschwindet aus dem Speisezimmer, die Gäste warten und plötzlich steht er wieder in der Tür, abgemagert, verwildert und voller Schrammen. Der Comic bleibt nah an dieser Vorlage. Die Panels zeigen einen Mann, der eben noch ein Gentleman war und nun aussieht, als sei er durch eine ganze Epoche geprügelt worden.</p>
<p>Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sein Erschrecken übertrieben bleibt. Seine Augen sind weit aufgerissen, seine Körperhaltung überzeichnet. Die Figuren spielen Drama-Baby-Drama, statt dass sich ein Abgrund auftut.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2787" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714.jpg" alt="Innenseite 02 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="(max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wie der Salon zur Kulisse schrumpft</h3>
<p>Im Roman erzählt der Zeitreisende den weiteren Verlauf in langen Monologen. Dobbs kürzt diesen Bericht stark zusammen. Er legt die Erzählung in einen Tagebuch-Modus, baut Textkästen ein, die wie Notizen wirken.</p>
<p>Dadurch bleibt zwar das Prinzip des Rahmenberichts erhalten, gleichzeitig verliert die Geschichte aber einen Teil ihrer Tiefe. Die Gäste im Salon verschwinden fast komplett. Der Erzähler, der eigentlich alles im Nachhinein wiedergibt, wirkt im Comic nur noch wie ein technischer Kniff.</p>
<p>So beginnt eine Reise, die eigentlich von Wahrnehmung und Erinnerung handelt, hier aber vor allem den Plot anschiebt. Das Dinner wird zur Pflichtübung. Es eröffnet die Bühne, statt selbst Teil des Theaters zu sein.</p>
<h3>Eine weit entfernte Zukunft</h3>
<p>Der Sprung in die Zukunft führt den Zeitreisenden ins Jahr 802 701. Mehrere Seiten widmen sich dem ersten Blick auf diese Welt. Moreau erlaubt sich hier endlich größere Bilder. Verwilderte Architektur, überwachsene Ruinen, eine Sphinx, die gleichzeitig vertraut und doch fremd wirkt. Die Farbpalette kippt in sanfte Grüntöne und pastellfarbene Himmel. Auf den ersten Blick sieht alles einladend aus.</p>
<p>Hier begegnet der Protagonist den Eloi. Kindliche Menschen, androgyn, mit großen Augen und weichen Konturen. Der Comic betont ihre Naivität sehr stark. Sie lachen, sie spielen, sie essen Früchte. Sprache wirkt fast überflüssig.</p>
<p>Viele Panels verzichten auf Dialoge, was die Oberfläche tatsächlich paradiesisch erscheinen lässt. Gleichzeitig raubt diese Stille den Eloi jedoch jede Ambivalenz. Sie erscheinen nicht wie eine degenerierte Oberschicht, eher wie eine Mischung aus Manga- und Werbefiguren für vegane Picknickkörbe.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2788" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717.jpg" alt="Innenseite 03 von DIE ZEITMASCHINE" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717.jpg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-600x837.jpg 600w" sizes="(max-width: 717px) 100vw, 717px" /></p>
<h3>Ein Mädchen namens Weena</h3>
<p>Weena, die junge Eloi, die der Zeitreisende vor dem Ertrinken rettet, soll emotionale Erdung bringen. Im Roman ist sie Projektionsfläche und tragische Figur. In dieser Fassung bleibt sie erstaunlich blass. Sie hängt an seinem Arm, sie lächelt, sie fürchtet die Dunkelheit. Viel mehr erfahren wir nicht. </p>
<p>Gleichzeitig bildet sich der Zeitreisende erstaunlich schnell ein Urteil. Im Roman ringt der Forscher mit der Frage, ob er eine veredelte Menschheit oder ein Endstadium der Dekadenz sieht. Hier legt er seine Hypothesen in wenigen Sprechblasen vor. Er deutet auf Ruinen, er zieht Schlussfolgerungen und schon stehen Eloi und Morlocks als fixiertes Gleichnis da. Raum für Zweifel oder für alternative Lesarten gibt es kaum.</p>
<p>Dieser Mittelteil, in dem sich der Held im scheinbaren Paradies bewegt, könnte der Moment der größten Verunsicherung sein. Stattdessen lese ich ihn wie eine sauber illustrierte Inhaltsangabe. Schöne Bilder, klare Informationen, wenig Reibung. Ich verstehe, was mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE erzählen will. In dieser Version fühle ich es nur nicht mehr.</p>
<h3>Unter Tage mit den Morlocks</h3>
<p>Erst als die Zeitmaschine verschwindet, zieht der Comic die erzählerische Schraube wieder an. Der Zeitreisende sucht verzweifelt nach seinem Gefährt, erkennt nach und nach die seltsamen Schächte in der Landschaft und wagt den Abstieg in die Tiefe.</p>
<p>Nun werden die Panels dunkler, Grün und Ocker weichen kalten Blautönen und schmutzigem Grau. Moreau inszeniert die Unterwelt als Mischung aus Industriehöhle (oder doch -hölle?) und Insektenbau.</p>
<p>Die Morlocks treten als bleiche Kreaturen mit roten Augen auf. Ihre Körperhaltung erinnert an Raubtiere. Sie kriechen, sie klettern, sie stürzen sich auf ihre Beute. Das wirkt auf den ersten Blick bedrohlich und erfüllt seine Funktion als Schreckmoment (vor allem für jüngere Leser).</p>
<p>Gleichzeitig nimmt die Inszenierung der Morlocks ihnen jede Tragik. Sie erscheinen nur noch als Monster, nicht mehr als pervertierte Arbeiterklasse, die Opfer und Täter zugleich ist. Die nüchterne Grausamkeit, die Wells in seinen Beschreibungen anlegt, verwandelt sich in vertraute Horrorsprache.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2789" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717.jpg" alt="Innenseite 04 von DIE ZEITMASCHINE" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717.jpg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-600x837.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /></p>
<h3>Aktion im Halbdunkel</h3>
<p>Dramaturgisch arbeitet Dobbs hier mit klaren Spannungsfeldern: Attacke, Flucht, Feuer und Rettung in letzter Sekunde. Die Jagdsequenzen lesen sich schnell und flüssig.</p>
<p>Trotzdem wirkt die Bedrohung oft mechanisch. Ich weiß, dass der Held jetzt stolpern muss und dass er ein paar Seiten später wieder auf die Beine kommt. Der Comic orientiert sich stark an den vertrauten Abenteuervorgaben.</p>
<p>Die späteren Sprünge, weit hinaus in die fernste Zukunft, bekommt ich zwar noch zu sehen. Die einsame Küste, der blutrote Himmel, seltsame Meerestiere und der erlöschende Sonnenball tauchen in eindrucksvollen Bildern auf. Trotzdem bleibt dieser Abschnitt erstaunlich kurz.</p>
<p>Wo der Roman in diesem Finale einen kosmischen Schock auslöst, reiht die Adaption ein paar Albtraum-Tableaus aneinander und kehrt rasch zum viktorianischen Salon zurück.</p>
<p>Die Rückkehr des Zeitreisenden, sein zweiter, endgültiger Aufbruch und das offene Ende, das bei Wells so bitter nachhallt, geraten dadurch fast zum Epilog. Die Gäste akzeptieren seine Geschichte oder tun zumindest so. Der Erzähler bleibt mit seiner Erinnerung zurück und ich mit dem Gefühl, dass hier eine existentielle Erfahrung auf die Länge eines TV-Teasers gestutzt wurde.</p>
<h3>Illustrierte Kurzfassung</h3>
<p>Nach knapp der Hälfte des Bands wird deutlich, wie sehr der Comic H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE unter seiner eigenen Kürze leidet. Fünfundfünfzig, sechsundfünfzig Seiten müssen einen Roman auffangen, der zwar schmal wirkt, aber inhaltlich sehr dicht ist.</p>
<p>Andere Adaptionen teilen vergleichbares Material auf mehrere Bände auf. Diese Fassung versucht, alles in ein einziges Album zu pressen. Die Folge ist eine Art Luxus-Readers-Digest. (Was, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Reader%E2%80%99s_Digest" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Reader&#8217;s Digest</a> kennt hier keiner mehr? Jetzt fühle ich mich auch alt&#8230;)</p>
<p>Dobbs schafft einen vagen Eindruck von Vollständigkeit, da er fast alle Schlüsselszenen übernimmt: das Dinner, der Sprung, das Erwachen bei den Eloi, Weena&#8217;s Rettung, der erste Kontakt mit den Morlocks, die ferne Zukunft oder auch den zweiten Aufbruch. Es fehlt kaum ein Baustein. Was fehlt, ist der Raum zwischen diesen Steinen.</p>
<p>Der Comic kennt wenig Übergänge, wenig Nachklang. Ein Ereignis jagt das nächste. Die Reflexionen des Zeitreisenden rutschen in Textkästen, die sich manchmal wie Pflichtprogramm lesen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2790" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714.jpg" alt="Innenseite 05 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wenn Treue zur Fessel wird</h3>
<p>Besonders deutlich spüre ich das bei der sozialkritischen Ebene des Stoffes. Wells treibt im Roman ein grausames Gedankenexperiment voran. Was passiert, wenn Klassentrennung, Ausbeutung und Bequemlichkeit über Jahrtausende weiterlaufen?</p>
<p>Die Antwort ist unbequem und schwer verdaulich. Der Comic benennt dieses Thema, aber er kostet es nicht aus. Einige Dialoge erwähnen Dekadenz und Arbeitswelt, doch die Bilder interessieren sich stärker für dramatische Lichtstimmungen als für soziale Strukturen.</p>
<p>Ich habe den Eindruck, dass Dobbs sich sehr davor hütet, eigene Akzente zu setzen. Er will nicht interpretieren, er will einen Klassiker verwalten, der möglichst vielen Lesern zugänglich bleiben soll. Das erklärt die Treue zum Ablauf. Die Adaption wirkt brav, fast ängstlich. Sie vermeidet jede Zuspitzung, die den Geist der Vorlage in unsere Gegenwart ziehen könnte.</p>
<p>So entsteht ein merkwürdiger Zwischenzustand. Der Band ist mehr als ein reines Schülerheft, weil er atmosphärisch sorgfältig arbeitet. Gleichzeitig ist er weniger als eine eigenständige Graphic Novel, weil er sich strikt an eine hundertdreißig Jahre alte Dramaturgie kettet, ohne deren Radikalität zu übernehmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2816" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700.jpg" alt="" width="1000" height="700" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-300x210.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-750x525.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-150x105.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-768x538.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-600x420.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Kupferglanz, Nebel und digitale Blitze</h3>
<p>Die Zeichnungen finde ich bemerkenswert. Sie haben mich zu diesem Album gebracht. Moreau liefert sichtbar durchdachte Arbeit. Sein Strich mixt klassische franko-belgische Figuren mit moderner Dynamik. Die Hintergründe tragen viel zu meinem Vergnügen bei.</p>
<p>Ob viktorianische Bibliothek, Gewächshaus oder überwachsenes Sphinx-Plateau, überall wimmelt es von Details. Zahnräder, Bücher, Flaschen, Pflanzen, Nebelschwaden: man merkt, dass Moreau Erfahrung aus Illustration und Concept-Art mitbringt.</p>
<p>Die Zeitmaschine selbst ist ein schönes Stück Design. Das Gefährt wirkt gleichzeitig vertraut und ein bisschen überdreht. Messing, Holz, Glas, eine große Uhr als Hintergrundmotiv. In einigen Panels scheint das Gerät fast zu schweben, begleitet von Licht, das den Sprung durch die Zeit visualisiert.</p>
<p>Eine Doppelseite, in der sich die Panels spiralförmig um eine Uhr winden, inszeniert den Zeittunnel mit spürbarer Lust an der Form. Hier nutzt der Band das Medium Comic wirklich aus.</p>
<p>Auch die Farbgebung überzeugt mich zunächst. Die Gegenwart in London erscheint in warmen Brauntönen. Der Eloi Garten im weichen Grün. Die Höhlen der Morlock in blauen Schatten, durchbrochen von kränklichem Kunstlicht. Moreau legt klare Farbcodes für Stimmungen an. Das macht den Band gut lesbar, gerade für Einsteiger.</p>
<p>Trotzdem wirkt manches wie aus dem Baukasten moderner Digitalcomics mit ihren Lichtreflexen, Glüheffekten und Nebeltexturen. Ab und zu fehlt mir die Härte eines konsequenten Hell-Dunkel-Kontrasts.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2791" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714.jpg" alt="Innenseite 06 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wenn die Figuren den Horror weglächeln</h3>
<p>Problematischer finde ich die Figuren. Körperhaltung und Mimik sitzen in den Actionszenen meistens gut. Wenn jemand rennt, stolpert, fällt, dann spüre ich die Bewegung. In ruhigen Momenten kippt der Stil jedoch zu oft ins cartooneske.</p>
<p>Manche Gesichter wirken überdehnt. Augen werden zu großen Ovale, Münder klaffen in fast schon slapstickhafter, mangaesker Manier. Das untergräbt den Ernst einer Szene, in der es um Kannibalismus, Entfremdung und den Untergang der Sonne geht.</p>
<p>Die Panel-Architektur bleibt insgesamt konventionell. Saubere Raster, gelegentliche Schrägen, einige Splashpages. Nichts verwirrt, nichts fordert heraus. Das ist angenehm für Leser, die nicht ständig auf die Seitenkomposition achten möchten.</p>
<p>Für mich bleibt es aber hinter dem Potential zurück, das gerade ein Stoff wie dieser bietet. Eine Welt, in der Zeit, Raum und Wahrnehmung zusammenprallen, könnte auch formal kühner aussehen. H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE traut sich an dieser Stelle nur selten aus der Komfortzone.</p>
<h3>Zwei Profis, ein sehr sicherer Kurs</h3>
<p>Olivier Dobremel (Dobbs) hat sich in den letzten Jahren eine Art Spezialrolle erarbeitet. Er adaptiert Literaturklassiker und historisches Material für den Comic.</p>
<p>Dobbs bringt Serien wie Scotland Yard, Mister Hyde vs Frankenstein oder eine Reihe über Filmregisseure und Serienkiller auf den Markt. Er hat Filmgeschichte studiert und kennt die Mechanik der Genre-Geschichten. Genau das merkt man H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE an, im Guten wie im Schlechten.</p>
<p>Dobbs beherrscht die Struktur. Er weiß, wann ein Kapitel kippen muss, kennt die ikonischen Momente, die man nicht unterschlagen darf und konstruiert Alben, die sich flott und ohne Hänger lesen lassen.</p>
<p>Gleichzeitig wirkt sein Schreiben oft wie ein gut eingespieltes System. Er sortiert Material, er ordnet, er balanciert. Mut zu Radikalität, zu Lücken, zu unangenehmen Brüchen zeigt er selten. Bei Wells wäre genau diese Radikalität aber interessant gewesen. Warum nicht stärker mit Perspektiven spielen? Oder den Erzähler zweifeln lassen? Hätte man die Morlocks nicht auch als Opfer illustrieren können, statt sie nur als Monstren zu liefern?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2792" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714.jpg" alt="Innenseite 07 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Die glatte Effizienz der Adaptionenfabrik</h3>
<p>Mathieu Moreau kommt aus einer anderen Ecke. Ausbildung an einer Grafikschule in Nantes, Erfahrungen in der Videospielbranche und in Jugendbuchillustration. Seine erste größere Serie, ein Sci-fi-Zyklus um einen fremden Planeten, zeigt bereits seine Vorliebe für detailreiche Welten und glühende Farbakzente.</p>
<p>Später arbeitet er an Adaptionen von Jugendromanen. In diesem Kontext wirkt H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE fast wie eine perfekte Schnittstelle seiner Biografie. Ein bisschen Jugendbuch, ein bisschen Konzeptkunst, viel Genre. Das hat Vorteile und die Leser wissen, was sie stilistisch erwartet.</p>
<p>Es hat aber auch einen Nachteil. Das Ganze wirkt wie eine kleine Fabrik. Man spürt die Serienlogik, den Wunsch nach einem wiedererkennbaren Produkt.</p>
<p>Ich will Dobbs und Moreau nicht unterstellen, lieblos zu arbeiten. Im Gegenteil. Gerade Moreau steckt sichtbar viel Mühe in Architektur, Mimik, Lichtsetzung. Aber ich vermisse ein persönliches Risiko, die Experimentierfreude bei einem Stoff, der dies durchaus unterstützt hätte. Das Gefühl, dass sich hier zwei Künstler mit Wells anlegen, statt ihn zu glätten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2793" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714.jpg" alt="Innenseite 08 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Zwischen Andeutung und Entschärfung</h3>
<p>Auch der Umgang mit der Gegenwart des Zeitreisenden bleibt erstaunlich milde. Wells legt seinem Helden einige sehr deutliche Bemerkungen über den eigenen Stand und über die Gesellschaft in den Mund. Die Comicfassung streift diese Einsichten, führt sie aber nicht aus.</p>
<p>Man könnte sagen, sie verlagert die Kritik nach hinten. Wer will, kann sie sich aus dem Gelesenen zusammensetzen. Wer einfach nur eine Abenteuergeschichte lesen möchte, muss sie nicht beachten. An dieser Stelle merke ich wieder, dass der Comic nur 56 Seiten Zeit hat.</p>
<p>Ich verstehe, warum die Adaption diesen Weg wählt. Der Band soll in verschiedenen Ländern funktionieren, er richtet sich auch an junge Leser, die vielleicht zum ersten Mal mit Wells in Berührung kommen. Trotzdem wünschte ich mir mehr Mut.</p>
<p>Die Gegenwart, in der wir diesen Comic lesen, kennt ihre eigenen Morlocks und Eloi. Menschen, die in Logistikzentren ohne Tageslicht Pakete sortieren. Menschen, die sich in klimatisierten Büros über Lieferprobleme beklagen. Eine Adaption, die ihre Vorlage ernst nimmt, könnte diese Brücke schlagen. H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE deutet sie nur an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2796" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714.jpg" alt="Innenseite 11 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Nach knapp dreihundert Seiten Romanmaterial, zusammengepresst auf gut fünfzig Comicseiten, schlage ich H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE zu und habe ein zwiespältiges Gefühl. Handwerklich solide, stellenweise schön anzusehen, thematisch wichtig, aber als Gesamtwerk weniger mutig, als es sein Stoff verdient.</p>
<p>Wenn ich nur die Optik bewerte, kann ich den Band empfehlen. Moreau inszeniert Räume, Licht, Maschinen und Landschaften mit sichtbarer Lust. Wer Freude an sorgfältig gebauten Szenarien hat, kommt auf seine Kosten.</p>
<p>Wer Wells noch nicht gelesen hat und eine erste Annäherung sucht, findet hier eine gut lesbare, straff erzählte Fassung. Der Comic zeigt die wichtigsten Stationen, er verliert sich nie in Nebenschauplätzen.</p>
<p>Wenn ich den Band jedoch als eigenständige Graphic Novel betrachten würde, bliebe ich auf Distanz. Der Text vertraut zu sehr auf die Vorlage. Er übernimmt die Struktur, ohne sie wirklich in ein neues Medium zu übersetzen. Er übernimmt die Themen, ohne sie auf die Gegenwart zu schärfen und die Figuren, ohne ihnen zusätzliche Tiefe zu geben.</p>
<p>Das Ergebnis wirkt wie ein hochwertiger Begleitband zum Roman, nicht wie eine Adaption, die selbst atmet &#8211; leider.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2785" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von DIE ZEITMASCHINE" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<!-- /wp:post-content -->

<!-- wp:paragraph -->
<ul id="infobox">
<li>H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE</li>
<li>Mathieu Moreau und Oliver Dobremel</li>
<li>Hardcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96792-293-6</li>
<li>Storyline: ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/h-g-wells-die-zeitmaschine.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/h-g-wells-die-zeitmaschine-reist-in-eine-ferne-zukunft/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">H.G.WELLS – DIE ZEITMASCHINE reist in eine ferne Zukunft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>MALCOLM MAX 7 &#8211; AM ENDE DER ZEIT beendet das Double</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/malcolm-max-am-ende-der-zeit-beendet-das-double/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 05:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gothic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitreise]]></category>
		<category><![CDATA[Ingo Römling]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Mennigen]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich mag Ingo Römlings Arbeit seit seinem ersten MALCOLM-MAX-Band. Inzwischen habe ich bei seinen Arbeiten ein persönliches, kleines Ritual und schaue zuerst auf die Bilder, bevor ich die Sprechblasen lese. Bei MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT lohnt sich das wieder besonders. London riecht wieder nach kaltem Rauch, schlechtem Alkohol und nassen Mänteln. Später [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/malcolm-max-am-ende-der-zeit-beendet-das-double/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">MALCOLM MAX 7 – AM ENDE DER ZEIT beendet das Double</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mag Ingo Römlings Arbeit seit seinem ersten MALCOLM-MAX-Band. Inzwischen habe ich bei seinen Arbeiten ein persönliches, kleines Ritual und schaue zuerst auf die Bilder, bevor ich die Sprechblasen lese.</p>
<p>Bei MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT lohnt sich das wieder besonders. London riecht wieder nach kaltem Rauch, schlechtem Alkohol und nassen Mänteln. Später springt die Geschichte nach Afrika, in einen Dschungel voller feuchter Grüntöne und kurz darauf in eine Welt außerhalb der mir vertrauten Zeit. Die Farben erzählen mir, wo ich bin und wie sicher sich dieser Ort anfühlt. Doch dazu später mehr.</p>
<p><span id="more-4728"></span></p>
<p>Peter Mennigen setzt genau dort an, wo Band 6 &#8211; <a title="MALCOLM MAX 6 – DER KANNIBALE VON LONDON geht um" href="https://panelwalker.de/2026/05/malcolm-max-6-der-kannibale-von-london-geht-um/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">DER KANNIBALE VON LONDON</a> aufgehört hat. Malcolm hat Charisma, Emmeline und Miranda verloren. Nicht im übertragenen, symbolischen Sinn. Nein, ganz konkret: eine Zeitmaschine hat die drei verschluckt und Malcolm weiß nicht einmal, ob sie in einer anderen Epoche noch am Leben sind. Das gibt dem sonst so schlagfertigen Geisterjäger etwas, das mir in diesem Band besonders gefällt. Hinter seinen Sprüchen sitzt dieses Mal echte Verzweiflung.</p>
<p>Gleichzeitig will Mennigen zum Abschluss dieser zweiteiligen Geschichte sehr viel. Abenteuer, Horror, Zeitreise, historische Gastfigur, Parallelwelt, Weltuntergang und Familiendrama drängen auf relativ engem Raum zusammen. Das ist spannend erzählt, aber auch ein Punkt, an dem der Band gelegentlich über seine eigenen Ideen stolpert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4733" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-03_1000X715.jpg" alt="Innenseite 03 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-03_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-03_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-03_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Im Jahr 1895 schlägt die Wirklichkeit zurück</h3>
<p>Bevor die Handlung richtig Fahrt aufnimmt, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Jahr, in das Charisma und die Finch-Schwestern durch den Zeit-Sog geraten sind.</p>
<p>1895 ist für eine Zeitreisegeschichte beinahe unverschämt passend. In diesem Jahr erschien <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeitmaschine" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">H. G. Wells’ THE TIME MACHINE</a> als Buch (und über den Comic gleichen Namens von Dobbs und Mathieu Moreau berichte ich in der kommenden Woche). Wells machte die Reise durch die Zeit zu einem technischen Gedankenexperiment und nicht bloß zu einem Märchenmotiv. Dass Charisma ausgerechnet 1895 landet, ist deshalb ein hübsches, historisches Augenzwinkern.</p>
<p>Noch interessanter ist zudem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_Kingsley" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Mary Henrietta Kingsley</a>. Sie ist keine Erfindung Mennigens. Die britische Reisende war 1895 tatsächlich in Westafrika unterwegs und bereiste unter anderem das Gebiet des heutigen Gabun. Sie fuhr den Ogooué hinauf, bewegte sich mit afrikanischen Begleitern und Dolmetschern durch Regionen, die für europäische Reisende damals nur unzureichend kartiert waren und sammelte naturkundliche Objekte. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie später in ihrem Buch <a href="https://www.amazon.de/Travels-West-Africa-Penguin-Classics/dp/0141439424/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1B6I0DWQQQT3S&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.zoTjEl0qJLEGRAWU_qbriWzxYigS4u2Z-dz0baNX264RGEgcNpRfoxKlZM_X4Zqsc7eINAGQNgMZHik_kG4AmCp9n0yWrTd833M3FbpFUUZ8dhB9NbGcTcl1DyMeev6sfbbgX-N-vIqqSXPEKvVwW7RkuxWrV3Cu5Ly-J1WY3D6E4c0PCRUPzCDolyODpO1AvEkzF9YFHDoUImEPKPr9h2MeH72SWvdWrKfh9Tgtkjk.0SSpnTLGB4S9dW6gYSZ8SG2sm1ydNfrkkjxbvVckWfU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=mary+kingsley+travels+in+what+africa&amp;qid=1787482336&amp;sprefix=mary+kingsley+travels+in+wst+africa%2Caps%2C127&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">TRAVELS IN WEST AFRICA</a>.</p>
<p>Heute gehört zu dieser Geschichte selbstverständlich auch der koloniale Rahmen, in dem solche Expeditionen stattfanden. Kingsley war eine emanzipierte, eigenwillige Frau, die die Erwartungen an Frauen ihrer Zeit durchbrach. Darum passt sie sehr gut in das MALCOLM-MAX-Universum. Zugleich bewegte sie sich selbstverständlich innerhalb einer europäischen Welt, die Afrika erforschte, ordnete und für sich beschrieb.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4734" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-04_1000X715.jpg" alt="Innenseite 04 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-04_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-04_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-04_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Verlorene Stunden in London</h3>
<p>Wer den ersten Band &#8211; und / oder meinen Artikel zu MALCOLM MAX 6 &#8211; DER KANNIBALE VON LONDON &#8211; gelesen hat, kennt die Ausgangslage. Dort spielten mehrere Geschichten nebeneinander, ineinander.</p>
<p>In Londons East End trieb ein Mörder sein Unwesen, dessen Opfer bis auf die Knochen abgenagt wurden. Malcolm und Charisma gerieten bei ihren Ermittlungen an Kreaturen, die selbst für ihre beruflichen Maßstäbe außergewöhnlich waren. Emmeline und Miranda untersuchten Erdbeben, während im Hintergrund ein Physiker an einer Erfindung arbeitete, die das Problem der Zeit selbst lösen sollte. Der Mann handelte bekanntlich nicht aus wissenschaftlicher Neugier, sondern um seine todkranke Tochter zu retten. Aus diesem privaten Wunsch wuchs eine Katastrophe, die am Ende auch Malcolm und seine Gefährtinnen erfasste.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4735" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-05_1000X715.jpg" alt="Innenseite 05 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-05_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-05_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-05_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>Band 7 beginnt nun mit den Folgen im London des Jahres 1889. Malcolm sitzt betrunken in einer Gaststätte und wirkt zum ersten Mal seit langem nicht wie jemand, der schon den nächsten frechen Satz vorbereitet. Die Zeitmaschine ist außer Kontrolle geraten und zerstört, Charisma und die beiden Schwestern sind verschwunden und für Malcolm ist dabei nicht nur die Entfernung das Problem. Ein paar Sekunden für ihn können für die anderen Jahre bedeuten. Vielleicht sogar ein ganzes Leben.</p>
<p>Mennigen lässt ihn trotzdem nicht allzu lange im Selbstmitleid versinken. Malcolm trinkt, flucht, macht Witze und geht voran. Der Humor nimmt seinem Verlust nicht die Wirkung. Er zeigt, wie Malcolm tickt und versucht, überhaupt handlungsfähig zu bleiben. So bekommt der großspurige Geisterjäger eine Verletzlichkeit, die der Serie insgesamt gut tut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4736" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-06_1000X715.jpg" alt="Innenseite 06 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-06_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-06_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-06_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Zwei Jahre zurück, sechs Jahre voraus</h3>
<p>Parallel dazu führt mich Mennigen zurück ins Jahr 1887 (minus zwei Jahre). Der Physiker Elias Sinclair, ja der mit der Zeitmaschine, ist in Zentralafrika unterwegs. Er sucht nach einer geheimnisvollen Energiequelle, die seine Maschine antreiben soll. Die Expedition endet schließlich in einer Höhle, in der nicht nur gewaltige Knochen liegen. Eine schwarze, kaum fassbare Kreatur greift die Männer an. Sinclair überlebt als Einziger. Was er von dieser Reise mitbringt, wird später Teil jener Kette von Ereignissen sein, die sowohl London als auch die Zeit selbst gefährden.</p>
<p>Achtzehn Monate liegt seine sterbende Tochter im Samantha Hopkins Hospital for Women. Hier liegt für mich einer der wichtigeren Gedanken der Doppelfolge. Die Zeitmaschine entsteht aus Trauer und Angst. Sinclair will den Tod nicht akzeptieren. Darin steht er Malcolm näher, als es zunächst aussieht. Beide Männer versuchen, einen Verlust rückgängig zu machen. Der eine baut dafür eine Maschine. Der andere jagt durch Zeiten und Welten, weil er Charisma und die Finch-Schwestern zurückholen will.</p>
<p>Die Halbvampirin Charisma landet derweil nicht in Malcolms Jahr, sondern 1895 (plus sechs Jahre) im heutigen Gabun. Dort treffen sie, Emmeline und Miranda auf Mary Kingsley.</p>
<p>Dieser Handlungsstrang fühlt sich sofort anders an. Charisma muss nicht mehr Malcolms Widerpart spielen. Sie bekommt Raum für eigene Entscheidungen. Kingsley ist dafür eine passende Partnerin. Sie tritt tatkräftig, neugierig und erstaunlich unerschrocken auf. Bald führt die Reise zu einem europäischen Außenposten, der verlassen wirkt, während etwas aus dem Dschungel die Gruppe beobachtet. Die Abenteuerlust bekommt dadurch gleich einen dunkleren Unterton.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4737" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Die Zeit und ihre Richter</h3>
<p>Während Charisma mit sehr irdischen Gefahren kämpft, landet Malcolm in einer deutlich verrückteren Ecke der Geschichte. Fremdartige Gestalten greifen ihn auf und bringen ihn vor die Chronologen. Diese Wesen verstehen sich als Hüter der Zeit. Für sie ist Malcolm kein Held, sondern ein Störenfried, der durch seine Reisen elementare Regeln verletzt und den Fortbestand des Raum-Zeit-Gefüges gefährdet hat.</p>
<p>Ich mag diese Passage, zum Einen weil ich Zeitreisen mag, zum Anderen weil Mennigen die kosmische Größe mit Bürokratie erdet. Malcolm steht vor einem Gericht, das über die Ordnung des Universums wacht. Selbst dort kann er den Mund nicht halten. Seine Ironie trifft auf eine Umgebung, in der alles endgültig und feierlich wirken soll. Römling wechselt farblich in kühlere Blau-, Grau- und Grüntöne. Mantel, Haltung und Gesichtsausdruck halten Malcolm zusammen, während rund um ihn die Realität aus den Fugen gerät.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4738" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>Das kleine Problem liegt in der Menge dessen, was ich als Leser hier kennen und verstehen soll. Der Comic muss erklären, wer die Chronologen sind, was Malcolm getan haben soll und warum daraus eine Gefahr für alles entsteht. Gleichzeitig warten Charisma und Sinclair auf ihre Fortsetzung. Einige Seiten werden dadurch voller, als es ihnen gut tut. Mennigen schreibt gern ausführliche Dialoge. Hierdurch bremsen einzelne Textblöcke aber den Sog, den Römlings Bilder gerade aufgebaut haben.</p>
<p>Trotzdem bleibt die Konstruktion auf ihre Weise übersichtlich. Farben und Schauplätze geben jedem Erzählstrang ein eigenes Gesicht. Ich musste nie zurückblättern, um herauszufinden, in welchem Jahr ich gerade stecke, auch wenn dies mit den zeitlichen Hin-und-Her-Gehopse durchaus hätte schief gehen können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4739" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Die letzte Stunde vor dem Nichts</h3>
<p>Charismas Reise wird derweil zum klassischen Abenteuerstoff. Sie und ihre Begleiterinnen geraten an kriegerische Frauen, tödliche Kreaturen und Orte, an denen die bekannte Zivilisation nur noch eine ferne Behauptung ist.</p>
<p>Ingo Römling kann sich zeichnerisch wahrlich austoben. Pflanzen, Wasser, verfallene Gebäude und Monster bekommen Gewicht und Oberfläche. Besonders gern sehe ich, wie er Gefahr zunächst am Rand eines Panels auftauchen lässt. Ein Schatten reicht ihm, während das Grauen danach erst die ganze Seite beanspruchen darf.</p>
<p>Malcolm hat solche Probleme nicht. Sein Weg führt konsequent in eine andere, entgegengesetzte Richtung. Je weiter Charisma in eine sehr körperliche Welt aus Schlamm, Moskitos und Dschungel gerät, desto abstrakter wird seine Reise. Die Flucht vor den Chronologen schleudert ihn schließlich in einen Zeitstrom und weiter bis an den Punkt, an dem nicht nur seine persönliche Geschichte enden könnte.</p>
<p>Der Comic macht aus dem drohenden Weltuntergang kein stilles philosophisches Finale. Malcolm Max bleibt Malcolm Max. Also gibt es Tempo, groteske Bilder, Witze im falschen Augenblick und einen Helden, der sich selbst dann noch weigert, eine kosmische Entscheidung einfach nur hinzunehmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4740" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Was man von einer anderen Ebene sieht</h3>
<p>Für mich funktioniert MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT am besten, wenn der Band Zeit nicht als technische Spielerei behandelt, sondern als etwas Persönliches. Sinclair will zurück, weil seine Tochter stirbt. Malcolm will vorwärts, rückwärts oder irgendwohin, solange er nur Charisma und die Mädchen wiederfindet. Charisma selbst muss akzeptieren, dass sie außerhalb ihrer vertrauten Welt handeln kann. So bekommt das große Zeitreisegerüst eine emotionale Mitte.</p>
<p>Auch formal passt vieles zusammen. Römling trennt Epochen und Räume über Licht und Farbe. London trägt Braun- und Ockertöne, Gabun wirkt feucht und grün, die Welt der Chronologen kühl und fremd. Dadurch kann Mennigen schnell schneiden, ohne die Orientierung zu verlieren. Römlings besondere Gabe liegt für mich seit Jahren in den Mimiken: Müdigkeit, Trotz, Ekel, Unsicherheit und Schadenfreude sitzen sichtbar in den Gesichtern seiner Figuren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4741" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>Mennigens Kunstfertigkeit &#8211; und damit vielleicht auch seine größte Schwäche &#8211; ist sein Wunsch, möglichst wenig aufzugeben. Jede Idee bekommt noch eine Erklärung, jeder Schauplatz noch eine Wendung. Die Geschichte wirkt nach ihrem Abschluss zeitweise wie ein Koffer, der nur unter Druck zugeht. Die Handlung bleibt verständlich, aber nicht jede Station bekommt ausreichend Raum. Eine Kürzung hier oder dort hätte den dramatischen Verlauf präziser machen können. Oder einfach ein paar Seiten mehr &#8211; das ginge natürlich auch.</p>
<p>Und doch ist genau diese Überfülle auch Teil des Reizes der Marke MALCOLM-MAX. Die Serie war nie eine zurückhaltende. Sie liebt viktorianischen Schauer, Pulp, alberne Spitzen, Monster und große Gefühle. MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT treibt all das bis an die Grenzen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4742" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-12_1000X715.jpg" alt="Innenseite 12 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-12_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-12_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-12_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT ist für mich ein guter, lesenswerter Abschluss dieser zweiteiligen Geschichte. Aber kein exzellenter. Dafür ist der Band zu voll und der Afrika-Erzählstrang trägt Bilder in sich, die ich aus heutiger Sicht gern deutlicher distanzierter gesehen hätte. Trotzdem schließt Peter Mennigen die große Zeitreisehandlung mit Tempo, Gefühl und genügend Irrsinn ab.</p>
<p>Vor allem Ingo Römling hält die vielen Ebenen zusammen. Seine Bilder geben jedem Zeitsprung eine eigene Stimmung und Malcolm erhält von seinen &#8222;Vätern&#8220; eine überraschend verletzliche Seite.</p>
<p>Am Ende bleibt bei mir weniger der Weltuntergang hängen als die simple Angst, jemanden für immer verloren zu haben. An dieser Stelle wird aus der großen Zeitreise wieder eine sehr menschliche Geschichte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4732" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_COVER_1000X716-286x400.jpg" alt="Cover von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_COVER_1000X716-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_COVER_1000X716-600x838.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_COVER_1000X716.jpg 716w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>MALCOLM MAX 7: AN ENDE DER ZEIT</li>
<li>Ingo Römling und Peter Mennigen</li>
<li>Hardcover | 72 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-98721-298-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-7.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/malcolm-max-am-ende-der-zeit-beendet-das-double/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">MALCOLM MAX 7 – AM ENDE DER ZEIT beendet das Double</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Interview mit JORDI LAFEBRE: „Ich versuche die Leser vergessen zu lassen, dass sie einen Comic lesen“</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/ein-interview-mit-jordi-lafebre-ich-versuche-die-leser-vergessen-zu-lassen-dass-sie-einen-comic-lesen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Aug 2026 05:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hinweis: Das folgende Interview erschien am 30 März 2026 zuerst in Englisch auf The Comics Journal (tcj.com). (Text: Aug Stone, Übersetzung: Michael Henseler); aus der Rubrik: Interviews-die-ich-selbst-gerne-geführt-hätte: Es gibt eine amüsante Anekdote darüber, wie Jordi Lafebre seine Karriere als Comiczeichner begann (siehe unten). Bekannt wurde er jedoch durch die Zusammenarbeit mit dem französischen Autor Zidrou [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/ein-interview-mit-jordi-lafebre-ich-versuche-die-leser-vergessen-zu-lassen-dass-sie-einen-comic-lesen/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">Ein Interview mit JORDI LAFEBRE: „Ich versuche die Leser vergessen zu lassen, dass sie einen Comic lesen“</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Hinweis: Das folgende Interview erschien am 30 März 2026 zuerst in Englisch auf <a href="https://www.tcj.com/an-interview-with-jordi-lafebre-i-try-to-make-the-reader-forget-that-they-are-they-are-reading-a-comic-book/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">The Comics Journal</a> (<a href="https://www.tcj.com/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">tcj.com</a>). (Text: <a href="https://www.tcj.com/author/aug-stone/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Aug Stone</a>, Übersetzung: Michael Henseler); aus der Rubrik: Interviews-die-ich-selbst-gerne-geführt-hätte:</em></p>
<p><span id="more-4483"></span></p>
<p><em>Es gibt eine amüsante Anekdote darüber, wie Jordi Lafebre seine Karriere als Comiczeichner begann (siehe unten). Bekannt wurde er jedoch durch die Zusammenarbeit mit dem französischen Autor Zidrou an Titeln wie „<a title="LYDIE aus der Gasse der Schnurrbärtler" href="https://panelwalker.de/2025/05/lydie-aus-der-gasse-der-schnurrbaertler/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">LYDIE</a>“, „LA MONDAINE“ und den sechs Bänden von „LES BEAUX ÉTtÉS“ (<a href="https://panelwalker.de/2025/02/fahr-mit-in-wundervolle-sommer/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">WUNDERVOLLE SOMMER</a>) zwischen 2009 und 2021. Sein erstes Soloprojekt war das wunderschöne „<a href="https://panelwalker.de/2025/02/die-liebe-die-zeit-und-alles-andere-trotz-allem/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE</a>“ aus dem Jahr 2020. Es ist eine wundervolle Liebesgeschichte, die rückwärts erzählt wird, wobei das letzte Kapitel komplett rückwärts verläuft. Neben seinen stilvollen Illustrationen und seinem gekonnten Einsatz von Farbe enthält die Geschichte selbst viele poetische Elemente, wie beispielsweise den Bau einer Brücke zwischen den beiden Hälften einer kleinen italienischen Stadt, der das Schicksal der Liebenden widerspiegelt.</em></p>
<p><em>Dark Horse hat soeben „<a href="https://panelwalker.de/2026/02/ich-bin-ihr-schweigen-mord-ein-weingut-und-viele-stimmen/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">ICH BIN IHR SCHWEIGEN</a>“, die englische Übersetzung von Lafebre‘s Roman „JE SUIS LEUR SILENCE“, veröffentlicht. Obwohl es sich deutlich von seinem Vorgänger unterscheidet, setzt es die Tradition eines wunderschönen Buches mit vielschichtigen Inhalten fort und bietet sowohl visuell als auch inhaltlich viel Genuss. Die Therapeutin Eva Rojas, selbst bipolar, ermittelt, als der Onkel eines Patienten bei einem Familientreffen ermordet wird. Und nicht irgendeiner Familie, sondern einem einflussreichen Weinimperium. Die Geschichte wird aus der Perspektive einer psychologischen Begutachtung erzählt, die Evas Approbation überprüfen soll. Ihre unkonventionellen Methoden, ihr oft unberechenbares Verhalten und die Tatsache, dass die Geister dreier verstorbener Verwandter in ihrem Kopf wohnen und ihr ständig Ratschläge erteilen, haben ihre Professionalität infrage gestellt und sie zudem zur Verdächtigen gemacht. Wie in unserem Gespräch weiter unten und in seinem Nachwort erläutert, behandelt Lafebre das Thema psychische Gesundheit mit dem gebührenden Respekt und entstigmatisiert es gleichzeitig. Schließlich ist fast jeder Mensch in irgendeiner Weise davon betroffen.</em></p>
<p><em>Das Gespräch mit Lafebre über seine Liebe zu Comics und zum Geschichtenerzählen, all die Arbeit, die er damit verrichtet, sowie über seine und die Abneigung seiner Kollegen gegen KI war wirklich inspirierend. Die Leidenschaft, die er für diese Themen empfindet, spiegelt sich deutlich im fertigen Produkt wider und macht diese Bücher zu einem wahren Lesegenuss.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ich stelle mir meine Bücher eigentlich wie Filme vor und versuche, einen passenden Soundtrack dafür zu finden. Instinktiv wechsle ich die Musik von Buch zu Buch, denn ich brauche diese Musik, wenn ich an dem jeweiligen Buch arbeite. Für das nächste Buch ändere ich den Soundtrack dann komplett. Ich liebe Musik und kann problemlos zwischen verschiedenen Stilen wechseln. Für „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“ habe ich eine Playlist zusammengestellt. Sie enthielt viele Akustikgitarren und klassische Violinen. Alles instrumental, sehr melodisch, passend zur heiteren, fröhlichen Komödie des Buches, die aber auch eine melancholische Note hat. Und für „ICH BIN IHR SCHWEIGEN“ habe ich mich für Techno und Musik der frühen 2000er entschieden. Ich fand, das passte gut zu Evas Persönlichkeit.</p>
<p><strong>AUG STONE: Interessant, dass du deine Comics als Filme betrachtest. Neulich dachte ich über etwas nach und fragte mich: „Aus welchem Film ist das?“ Und dann fiel es mir wieder ein: Es war eine Szene aus „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Danke. Das nehme ich als Kompliment. Meine Bücher sind auch eine Art Liebeserklärung an Comics. Ich liebe die Sprache der Comics und die Tatsache, dass sich Comics im Kopf des Lesers abspielen. Man hat zwar die Panels, aber die Geschichte, die ganze Bewegung, alles, was passiert, spielt sich im Kopf des Lesers ab. Das liebe ich. Ich bin mit Comics aufgewachsen und hatte eine Zeit lang das Gefühl, sie würden wegen des Kinos und anderer Medien verschwinden. Aber ich finde, Comics sind wie Poesie. Sie sind so schön. Das Medium ist so schön, es wird niemals verschwinden. Ich bin da ganz romantisch veranlagt. Ich weiß, sie haben keinen Ton, sie bewegen sich nicht, sie sind nicht so rasant, wie Kinder es heute brauchen. Aber wenn ein Leser Comics entdeckt, ist das ein unglaubliches Gefühl. Da ist diese Geschichte in seinem Kopf und sie bleibt für immer. Sie sind zwar nicht mehr die großen Massenmedien, aber wir lieben Comics immer noch. Und das werden wir auch immer tun. Gleichzeitig sehe ich die Geschichten, die ich in meinen Comics er-zähle aber auch als Filme. Ich sehe die Figuren vor meinem inneren Auge und höre ihre Stimmen. Und wenn ich das Drehbuch schreibe, schließe ich die Augen und stelle mir alles genau vor – die Hintergründe, die Umgebung, einfach alles. Dann versuche ich, die Geschichte so verständlich wie möglich für die Leser zu gestalten.</p>
<p><strong>AUG STONE: Ich habe irgendwo gelesen, dass die „WUNDERVOLLE SOMMER“-Bücher eine persönliche Hommage an die klassischen Comics sind, die Sie als Kind gelesen haben. Welche waren das denn?</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ich bin in den 80er-Jahren in Barcelona aufgewachsen, und damals gab es dort Comics in allen Variationen. Mir war gar nicht bewusst, dass es französische, amerikanische und spanische Comics gab … Ich habe einfach gelesen, was mir gefiel. Ich hatte Garfield, natürlich Asterix, Superman und Spider-Man. Und die ersten Mangas, als sie erschienen, Dragon Ball … Ich habe sie alle gleichzeitig gelesen, fasziniert von den Geschichten, den Figuren und der Dynamik … einfach von allem. Erst mit Ende 19, als ich mich schon entschieden hatte, Comiczeichner zu werden, wurde mir klar, dass sie aus so unterschiedlichen Ländern und Märkten kamen, aus so unterschiedlichen Traditionen. Also fing ich an, sie alle anders zu lesen. Man merkt, dass Asterix und die französischen Comics irgendwie zusammengehören. Und Dragon Ball und Goku stammen aus dem Manga, einer ganz anderen Sprache als Spider-Man und Superman. Und als Profi kann man die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten studieren. Als Kind war ich von den Figuren, den Geschichten und den Welten, die sie in meiner Fantasie erschufen, einfach begeistert. Sie alle waren in meinem Kopf präsent und ich liebte sie. Dieses Gefühl, von einer Geschichte fasziniert zu sein, versuche ich auch heute noch in meinen Büchern wiederzuerwecken. Ich möchte, dass die Leser vergessen, dass sie einen Comic lesen. Ich möchte, dass sie die Geschichte erleben, in sie eintauchen und für einen Moment ihren Alltag vergessen. Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen von Comics. Und genau das versuche ich auch heute noch: Die Leser von der Geschichte fesseln zu lassen, denn es ist einfach fantastisch, wenn das passiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_4491" aria-describedby="caption-attachment-4491" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-4491" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_1_864X1000.jpg" alt="Innenseite 2 von WUNDERVOLLE SOMMER" width="1000" height="864" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_1_864X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_1_864X1000-300x259.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_1_864X1000-750x648.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_1_864X1000-768x664.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_1_864X1000-600x518.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-4491" class="wp-caption-text">Sequenz aus WUNDERVOLLE SOMMER von Zidrou und Lafebre</figcaption></figure></p>
<p><strong>AUG STONE: Wann hast du mit dem Zeichnen angefangen?</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Puh. Ich kann mich gar nicht erinnern, jemals nicht gezeichnet zu haben. Als Kind war ich ziemlich wild, nervös und bin ständig herum gesprungen. Aber sobald ich einen Stift in die Hand nahm und mich zum Zeichnen auf den Boden legte, war ich ruhig und konzentriert. Schon früh zeichnete ich mit Leidenschaft. Eigentlich zeichnen alle Kinder. Und die meisten hören irgendwann damit auf. Ich nie. Mit 14 oder 15 war klar, dass ich Künstler wer-den würde, denn ich tat es ständig. Nicht unbedingt besser als meine Klassenkameraden, aber es lag einfach in meiner Natur. Ich tat es instinktiv und mit Leidenschaft. Ich zeichnete ständig, drückte meine Gefühle oder meine Gedanken aus. Es war mein Ding. Ich habe nie damit aufgehört. Und mit 18 sagte ich zu meinen Eltern: „Ich glaube, ich werde eine künstlerische Karriere anstreben.“ Und sie sagten: „Ach, wirklich, Jordi? Das ist uns gar nicht aufgefallen.“ (lacht) „Natürlich wirst du das.“</p>
<p>Zeichnen war schon immer meine Leidenschaft, und vor allem das Geschichtenerzählen. Je weiter ich in meiner Karriere voranschreite, desto mehr merke ich, dass das Geschichtenerzählen mein Hauptaugenmerk war. Während meines Kunststudiums an der Universität habe ich mich nie gelangweilt, aber es war weniger interessant als Comics, Filme, Bücher und Romane. Sobald etwas eine Geschichte in sich birgt, bin ich sofort daran interessiert, wie sie funktioniert. Als ich mit dem Schreiben anfing, fühlte ich mich wie ein Hochstapler, weil ich aus der Kunst kam und Schreiben etwas völlig anderes ist. Aber ich setzte einfach meine Finger auf die Tastatur und begann instinktiv zu schreiben. Und es war gar nicht so schlecht, denn ich liebe Geschichten und habe mich mein ganzes Leben lang mit ihnen beschäftigt.</p>
<p><strong>AUG STONE: Was sind einige Deiner Lieblingsfilme?</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Es gibt Momente in meinem Leben, die Meilensteine waren. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist, als ich noch ganz klein war. Wir wohnten in einer kleinen Wohnung und der Fernseher hing an der Wand gegenüber dem Schlafzimmer meiner Eltern. An den Wochenenden schlief mein Vater lange. Aber ich war ein unheimlich energiegeladenes Kind und wachte deshalb immer sehr früh auf, als Erster im Haus. Dann ging ich hoch und schaltete den Fernseher ein, um Zeichentrickfilme zu gucken, die am Wochenende am besten waren. Aber ich wollte meine Eltern nicht wecken, also schaltete ich den Ton aus. Und ich stellte mir vor, was in der Geschichte passierte, ohne Stimmen oder Geräusche zu hören. Das ist eine sehr frühe Erinnerung, wie fasziniert ich von diesen Figuren und Geschichten war. Ich bin quasi vor dem Fernseher aufgewachsen. Meine Mutter sagte immer: „Jordi, das ist nicht gut für dich.“ Und ich sagte: „Doch, doch, das ist gut. Mach dir keine Sorgen.“ (lacht)</p>
<p>Mit 17, 18 Jahren begann ich mich für amerikanische Filme, Hollywood und all das zu interessieren, gleichzeitig auch für die alten klassischen Maler. Mich faszinierte es genauso sehr, Gemälde von Michelangelo und Velázquez zu studieren wie die von Scorsese oder Tarantino. Ich war regelrecht fasziniert vom Geschichtenerzählen und den Meistern dieser Kunst. Und natürlich Miyazaki. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich „Porco Rosso“ gesehen habe. Ich kenne jede einzelne Einstellung des Films auswendig. Die Kompositionen, die Farben, was passiert … Miyazaki war ein Meilenstein für mich. Scorsese ebenso und Tarantino. Auch Romane. Ich habe mich intensiv – nicht zwanghaft, aber fast (lacht) – mit allen Geschichtenerzählern auseinandergesetzt, die mich interessieren. Mein Ansatz ist nie theoretisch, aber wenn mir etwas gefällt, versuche ich zu verstehen, warum es mir so gut gefällt. Was genau meinen Verstand und meine Gefühle beeinflusst und wie ich das in meine eigene Arbeit einfließen lassen kann. Ich sollte mir also wirklich mal eine Liste meiner Lieblingsfilme und meiner Lieblingsbücher überlegen, denn ich habe schon Millionen davon gesehen.</p>
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<p><figure id="attachment_4492" aria-describedby="caption-attachment-4492" style="width: 757px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4492 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_4_1000X757.jpg" alt="Innenseite 1 von WUNDERVOLLE SOMMER" width="757" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_4_1000X757.jpg 757w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_4_1000X757-300x396.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_4_1000X757-750x991.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_4_1000X757-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/WUNDERVOLLE-SOMMER_4_1000X757-600x793.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 757px) 100vw, 757px" /><figcaption id="caption-attachment-4492" class="wp-caption-text">Sequenz aus WUNDERVOLLE SOMMER</figcaption></figure></p>
<p><strong>AUG STONE: Wann hast du zum ersten Mal Zeichnen und Geschichtenerzählen zu deinem eigenen Stil kombiniert? Ich weiß, dass du vorher schon mit Zidrou zusammengearbeitet hast.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Meine Anfänge sind eine ziemlich witzige Geschichte. Ich war 19 und habe parallel zwei Dinge studiert. An der Universität Kunst – Malerei, klassisches Zeichnen und so weiter. Vormittags besuchte ich aber eine kleine Schule in Barcelona, wo ich Illustration und Comiczeichnen lernte. Diese tolle Schule gibt es übrigens immer noch. Sie war sehr praxisorientiert, nicht besonders schick, aber mit einem starken Fokus auf Illustration und Comics. Tolle Leute, tolle Lehrer. Ich ging also vormittags zur Schule und nachmittags zur Universität. Das habe ich vier Jahre lang gemacht und war richtig gut. Mit 21 habe ich dann abgeschlossen. Und mir wurde sofort klar, dass ich im Bereich Comiczeichnen üben musste. Es ist wie beim Fliegen. Man kann alles wissen, aber man muss im Flugzeug üben, um ein guter Pilot zu werden. Man muss die Einstellungen, die Figuren und ihre Bewegungen üben. In Comics gibt es Millionen von Details, die man erst mit Übung und Verständnis erlernt. Das habe ich sofort gespürt und angefangen, meine eigenen Werke zu veröffentlichen. Aber damals brach der spanische Comicmarkt zusammen, und es war extrem schwierig, überhaupt etwas zu gründen. Schließlich fand ich einen Platz bei einem Erotikmagazin (lacht). Ich war 21 und meine ersten veröffentlichten Werke waren erotische und pornografische Comics. Ich wohnte damals noch bei meinen Eltern. Ziemlich witzig, oder? (lacht) Aber es waren meine eigenen Texte und Zeichnungen, und es war das, was ich in dem Moment tun musste, um professionell Fuß zu fassen. Von da an wechselte ich von Magazin zu Magazin, schrieb und zeichnete immer alles selbst und übte alles, was mir in den Sinn kam – Farben, Panel-Gestaltung, Charaktere, Anatomie, Dialoge – die Grundlagen des Comiczeichnens.</p>
<p>Und wieder einmal brach der spanische Markt ein, also musste ich mich nach etwas Größerem umsehen. Ich hatte drei Möglichkeiten: Europäische Comics mit französischen Geschichten, amerikanische Comics, hauptsächlich mit Superhelden und Abenteuergeschichten oder Manga, was für mich ziemlich weit weg und etwas knifflig war. Meine naheliegende Wahl war der französische Markt. So-wohl aus räumlichen Gründen als auch aus persönlichem Geschmack. Aber stellen Sie sich vor: Ich war 25 und sprach kein Wort Französisch. Und in Frankreich an Türen zu klopfen, war so: „Oh Mann, das wird hart.“ (lacht) Mein Portfolio war gut, aber es war wirklich schwierig. Der Markt war damals sehr umkämpft, selbst für Profis aus Frankreich. Man musste Französisch sprechen, Kontakte haben und verstehen, was auf dem Markt vor sich ging, um überhaupt Fuß zu fassen. Und jung zu sein, machte es auch nicht einfacher. Ich habe also wirklich versucht, einige Projekte voranzutreiben, aber es hat nie geklappt. Irgendwann entdeckte Zizou meine Arbeiten, kontaktierte mich, und wir begannen zusammenzuarbeiten. Und natürlich habe ich die Idee, eigene Geschichten zu schreiben, sofort verworfen. Denn wenn man erst einmal einen Platz hat, als Künstlerin arbeitet, einen bekannten Schriftsteller an seiner Seite hat, der einem so viel beibringt, und mit Dargaud einen großartigen Verlag, der uns die Möglichkeit bietet, unsere Bücher zu veröffentlichen, dann habe ich natürlich zugesagt. Also habe ich angefangen, mich voll und ganz meiner Kunst zu widmen. Der Kolorierung, dem Zeichnen und dem Versuch, all die alte Tradition des französischen Marktes aufzusaugen. Nicht zu imitieren, sondern wirklich all das Gute in sich aufzunehmen, das mit dieser großen Tradition ein-hergeht. Und dann, nach vielleicht zehn, zwölf Jahren, war meine Karriere so gut wie gefestigt. Wir haben „LYDIE“, „LA MONDAINE“ und mehrere Bände von „WUNDERVOLLE SOMMER“ herausgebracht. Ich fühlte mich, sagen wir mal, wohl. Ich hatte das Glück, dass das französische Publikum mich, meine Kunst, meinen Stil immer willkommen geheißen hat.</p>
<p>Dann, mit Ende 30, überkam mich so eine Art Traurigkeit oder Unzufriedenheit. Mir fiel auf, dass ich mehrere Angebote von verschiedenen Autoren – großartigen Autoren – hatte, aber aus irgendeinem Grund lehnte ich die Zusammenarbeit immer wieder ab. Ich hatte immer eine Ausrede: Ich habe keine Zeit, solche Projekte liegen mir nicht … Ich fand immer eine Ausrede, um abzulehnen. Und nicht mal stichhaltige (lacht). Irgendwann musste ich mich fragen: Warum lehne ich ab? Es muss doch einen Grund geben, warum ich all diese tollen Projekte blockiere. Und mir wurde klar, dass ich es selbst mit dem Schreiben versuchen wollte, einen Schritt weitergehen und meine eigenen Bücher schreiben. Nicht, weil ich nicht gerne Künstlerin bin, sondern weil ich eben auch gerne schreibe, nicht wahr? Also sprach ich mit meinen Lektoren, die mich von An-fang an begleiten und daher gut kennen, und sie sagten: „Klar, du musst es versuchen. Du bist ein fantastischer Geschichtenerzähler.“ Sie hatten das Vertrauen in mich, es mit einem Buch zu versuchen. Und mein erstes Buch war tatsächlich „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“. Es war mein allererstes längeres Drehbuch. Obwohl ich meine Hausaufgaben, sozusagen meine Schreibschule, jahrelang zu Hause im Selbststudium absolviert hatte. Ich analysierte Romane und Drehbücher. Und als ich dann endlich den Computer ansetzte, um mein eigenes Drehbuch zu schreiben, fühlte es sich an wie zu Hause. Ich hatte das alles schon jahrelang im Kopf durchgespielt und wusste, wie es funktioniert. Jedes Buch ist eine Herausforderung, jedes Buch ist schwer zu schreiben, aber gerade das Schreiben selbst hat mir so viel Freude bereitet. Ich habe so viel zu erzählen, dass ich nicht aufhören werde (lacht).</p>
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<p><figure id="attachment_4485" aria-describedby="caption-attachment-4485" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-4485" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_1_894X1000.jpg" alt="Innenseite 2 von TROTZ ALLEM LIEBE" width="1000" height="894" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_1_894X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_1_894X1000-300x268.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_1_894X1000-750x671.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_1_894X1000-768x687.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_1_894X1000-600x536.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-4485" class="wp-caption-text">Sequenz aus TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE</figcaption></figure></p>
<p><strong>AUG STONE: Erzähl&#8216; mir also, wie es dazu kam, dass „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“ zu Dir kam. Kannst Du erinnern, wie Du die Idee dazu hattest?</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ich glaube nicht, dass einem eine Idee einfach so in den Sinn kommt. Das ist ein Klischee. Bei mir entsteht eine gute Geschichte immer aus verschiedenen Ideen und unterschiedlichen Bedürfnissen. Manchmal habe ich eine Idee, die mich nicht loslässt, also denke ich weiter darüber nach. Ich kann aber auch monatelang über eine Idee nachdenken, ohne mir Notizen zu machen. Einfach nur darüber nachdenken. Und irgendwann verbinden sich einige dieser Ideen zu einer guten Idee. Und dann denkt man: „Jetzt habe ich etwas.“ Wenn man etwas hat, das aus verschiedenen Quellen und aus verschiedenen Ideen entsteht, dann beginnt die Arbeit. Es ist wie in einer Mine, wo man immer weiter kratzt, um einen Diamanten zu finden, nicht wahr? Es geht darum, jeden Tag etwas aufzubauen – an den Charakteren zu arbeiten, am Rhythmus, an ihren Entwicklungen, an den Gründen, warum man an diesem Buch arbeitet, an allem, was zum Schreiben dazugehört. Ich schreibe mehrere Entwürfe, bis die Geschichte ihre endgültige Form hat. Die Idee zu „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“ entstand nicht sofort, sondern durch viele verschiedene Entwürfe. Anfangs hatte ich die Idee zu einer Liebesgeschichte, da die meisten Comics von Krieg und Verbrechen handeln. Im Kino gibt es unzählige Liebesgeschichten, aber in Comics sind sie schwer zu finden. Ich wollte also eine Liebesgeschichte schreiben, hatte aber nichts Konkretes. Nur den Wunsch, eine zu erschaffen.</p>
<p>Dann las ich Natalia Ginzburgs „Die Stadt und das Haus“, einen italienischen Roman, dessen Geschichte anhand der Briefe der Figuren erzählt wird. Und da kam mir die Idee zu einer Liebesgeschichte, erzählt anhand der Briefe eines Paares, wobei einer der beiden alle Briefe aufbewahrt. Der allererste Brief läge also ganz unten im Stapel. Und der oberste Brief wäre der letzte, der Abschiedsbrief. Stell dir vor, du bist der Enkel oder so und findest diese Briefe. Aus Neugier öffnest du den ersten und siehst, dass es der letzte Brief einer Liebesgeschichte ist. Natürlich willst du den nächsten lesen, und dann den übernächsten … und so weiter, bis hin zum ersten Brief, den sie sich geschrieben haben – dem letzten im Stapel. Das war meine Vision. Die Idee kam mir wie ein Blitz (macht ein Explosionsgeräusch), als wäre sie vom Himmel gefallen. Ich hatte sie und dachte: „Okay, das ist was.“ Nun muss ich die beiden Charaktere ausarbeiten, die sich die Briefe schreiben, und eine passende Geschichte dazu entwickeln. Das hat mich Monate und Monate mit verschiedenen Ansätzen und Vorgehensweisen gekostet, bis ich schließlich den endgültigen Entwurf fertiggestellt hatte.</p>
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<p><figure id="attachment_4486" aria-describedby="caption-attachment-4486" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-4486" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_4_896X1000.jpg" alt="Innenseite 1 von TROTZ ALLEM LIEBE" width="1000" height="896" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_4_896X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_4_896X1000-300x269.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_4_896X1000-750x672.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_4_896X1000-768x688.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ALWAYS-NEVER_4_896X1000-600x538.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-4486" class="wp-caption-text">Sequenz aus TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE</figcaption></figure></p>
<p><strong>AUG STONE: War Audrey Hepburn eine große Inspiration für Anna [die weibliche Hauptrolle in „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“]?</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Natürlich. Wie ich schon sagte, mit meiner Liebe zu klassischen Hollywood-Filmen und dem Wunsch, eine Liebesgeschichte zu erzählen … einer der großen Vorteile von Comics ist, dass man keinen Schauspieler bezahlen muss (lacht). Solange man die Figuren zeichnen kann, kann man sich den jeweiligen Schauspieler aussuchen. Und Audrey Hepburn war eine unglaubliche Inspiration für mich. Ich suchte nach dieser Art von charmanter Energie. Eine Figur, die alles durchmacht, und alle versuchen, sie aufzuhalten, aber es ist unmöglich, weil sie so charmant und energiegeladen ist. Ich liebe diese Charaktere, die Enttäuschungen überwinden und niemals aufgeben. Ihre Freude und ihr Enthusiasmus treiben sie immer weiter an. Und ich habe versucht, Anna diese charmante Audrey-Hepburn-Energie zu verleihen.</p>
<p><strong>AUG STONE: Die beiden ins Englische übersetzten Bücher, „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“ und „ICH BIN IHR SCHWEIGEN“, sind sehr unterschiedlich.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ganz anders. Ich weiß nicht, ob man mir im Laufe der Jahre eine bestimmte Palette, einen bestimmten Stil zuschreiben wird. Im Moment konzentriere ich mich auf jede einzelne Geschichte. Sobald ich eine Idee habe, versuche ich, sie zu verfolgen und alle nötigen Elemente für die jeweilige Geschichte zusammenzufügen. Ich verfolge keinen übergeordneten Stil, sondern stecke jedes Mal meine ganze Energie in jedes Buch. Eigentlich versuche ich gar nichts Bestimmtes. Ich habe eine Idee, schreibe ein Buch. Dann habe ich eine andere Idee und schreibe ein ganz anderes Buch. Ich folge einfach meinen Gefühlen in diesem Moment. Mit „ICH BIN IHR SCHWEIGEN“ wurde mir bewusst, dass ich einen Großteil meiner künstlerischen Laufbahn Geschichten gezeichnet habe, die in der Vergangenheit spielen. „LYDIE“ und „LA MONDAINE“ spielen beide in den 1930er-Jahren. „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“ spielt in dieser verschwommenen Phase des 20. Jahrhunderts. Und die gesamte Reihe „Wundervolle Sommer“ spielt in den 60er- und 70er-Jahren. Ich dachte also: Ich liebe meine Gegenwart, ich liebe meine Stadt, ich liebe es, in dieser Zeit zu leben, und ich habe das noch nie gezeichnet. Vielleicht wäre es eine schöne Herausforderung, all meine Energie in die Details all dessen zu stecken, was ich täglich um mich herum sehe. Eine Geschichte zu erschaffen, die in Barcelona, meiner Stadt, in unserer Gegenwart spielt. Und es ist so anders, das zu zeichnen. Ich ertappe mich dabei, wie ich Turnschuhe, Jeans, Autos, Handys und all diese Dinge zeichne, die wir für selbstverständlich halten, weil sie uns umgeben. Aber früher, als Künstler, hätte ich sie nie gezeichnet. Es war also wirklich eine Herausforderung für mich. Und die Idee, etwas sehr Modernes zu zeichnen, hat mich gewissermaßen dazu gebracht, auch beim Schreiben einen modernen Stil auszuprobieren. Und bei der Farbwahl und beim Gestalten einer modernen Figur wie Eva.</p>
<p>Ja, es ist ganz anders, weil meine Bedürfnisse als Künstler ganz andere waren. Das erste Buch entstand aus dem Wunsch, eine Liebesgeschichte zu schreiben, das zweite hingegen aus der Idee, ein Buch zu verfassen, das in der Gegenwart spielt und unsere aktuellen menschlichen Probleme thematisiert. Sehr unterschiedliche Ideen, sehr unterschiedliche Herangehensweisen.</p>
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<p><figure id="attachment_4489" aria-describedby="caption-attachment-4489" style="width: 747px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4489 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_2_1000X747.jpg" alt="Innenseite 2 von ICH BIN IHR SCHWEIGEN" width="747" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_2_1000X747.jpg 747w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_2_1000X747-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_2_1000X747-600x803.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 747px) 100vw, 747px" /><figcaption id="caption-attachment-4489" class="wp-caption-text">Innenseite aus ICH BIN IHR SCHWEIGEN</figcaption></figure></p>
<p><strong>AUG STONE: „ICH BIN IHR SCHWEIGEN“ ist sexuell expliziter als „TROTZ ALLEM &#8230; LIEBE“.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Natürlich! Sex ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. So allgegenwärtig, dass wir ihn gar nicht mehr wahrnehmen. Ironischerweise dachte ich, sobald ich zu viel Sex in die Liebesgeschichte einbaue, würde die Liebesgeschichte darunter leiden. Deshalb habe ich versucht, jegliche sexuelle Inhalte zu vermeiden, um die Liebesgeschichte selbst zu schützen. Andererseits, eine Figur wie Eva, heute in Barcelona, in ihren Dreißigern – wenn ich keinen Sex im Buch hätte, na ja, das wäre unglaubwürdig. Sie ist schön, sie ist Single, natürlich hat sie Sex. Und es wird ein gutes Sexleben sein. Es geht nicht um sexuelle Inhalte. Ich finde, es ist witzig, es ist komödiantischer Inhalt. Sie trinkt Alkohol, sie raucht, sie hat ein paar lockere Beziehungen. Sie ist eine moderne Frau, nicht wahr? Sie ist stark, sie weiß, was sie will, sie genießt ihr Leben.</p>
<p><strong>AUG STONE: Auch der Tod spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte. Neben einem Mordfall sind da die drei Frauen aus Eva‘s Vergangenheit, die in ihren Gedanken präsent sind.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ich habe vor allem über das Thema Erbe nachgedacht. Und sobald man über Erbe spricht, muss man auch über den Tod sprechen. Wenn man Hamlet liest, muss Hamlets Vater tot sein, nicht wahr? (lacht) Sonst ist es ja nur ein Vater, der mit seinem Sohn spricht. Erst der Tod des Vaters treibt die Geschichte voran. Und der Tod ist etwas, dem wir uns alle irgendwann stellen müssen. Und mit den Stimmen [der drei Frauen] geht es darum, was wir in uns tragen. Das Buch handelt eigentlich mehr vom Erbe als vom Tod, denn Eva fürchtet ihren eigenen Tod nicht. Sie fürchtet, dass die Stimmen entweder zu viel Raum einnehmen oder, im Gegenteil, in Vergessenheit geraten. Sie fürchtet, dass der Gerechtigkeit nicht Genüge getan wird, aber sie fürchtet ihren eigenen Tod nicht. Ich denke also, dass das Buch im Großen und Ganzen vom Erbe handelt und von der Art von Gesellschaft und Planet, die wir unseren Kindern hinterlassen möchten. Was bauen wir auf und was hinterlassen wir ihnen? Und um sich ein gutes Bild davon zu machen, muss man sich fragen: „Was habe ich jetzt?“ und „Was habe ich von meinen Eltern und von meinem Erbe?“ Ich glaube, Eva wird mit Ungerechtigkeit und Verbrechen konfrontiert, weil sie ihre Stärke aus ihrem Erbe schöpft, aus den Stimmen in ihrem Kopf von den verstorbenen Frauen in ihrer Familie.</p>
<p>Und letztendlich geht es um psychische Gesundheit, richtig? Das ist ein riesiges Thema im Buch. Ich glaube, das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der psychischen Gesundheit sein. Es ist das große Problem, das uns alle umgibt, aus den unterschiedlichsten Gründen. Psychiater ringen darum, die wahren Ursachen dieser riesigen Pandemie zu verstehen und sie zu stoppen. Psychische Probleme unter Jugendlichen sind weit verbreitet, und die Gesundheitssysteme sind mit den Problemen, mit denen Jugendliche heutzutage zu kämpfen haben, völlig überlastet. Ich denke, wir als Geschichtenerzähler müssen uns dem stellen und darüber sprechen. Und wenn ich an psychische Gesundheit denke, glaube ich, dass jeder von uns sein eigenes Gleichgewicht finden und heraus-finden sollte, was für ihn funktioniert. Und es ist ein Erbe, nicht wahr? Was wir von unserer Regierung, unserer Familie, den Problemen auf unserem Planeten geerbt haben – all diese Dinge, die wir uns nicht ausgesucht haben, aber trotzdem haben.</p>
<p>Im ersten Buch [„ICH BIN IHR SCHWEIGEN“] ist Eva‘s bipolare Störung noch nicht so offensichtlich. Im zweiten Buch [„ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL“] wird ihr Kampf mit der Bipolarität deutlicher. Ich habe mich aber für den humorvollen Ansatz entschieden, weil ich das Thema enttabuisieren möchte. Ich finde es sogar normal. Eva ist bipolar, aber sie lebt ihr Leben weiter. Ich erinnere mich, wie ich einen Psychiater fragte: „Kann man Psychiater und bipolar sein?“ Und er antwortete: „Kann man bipolar sein und Polizist, Anwalt oder irgendetwas anderes sein? Sie sind bipolar, na und?“ Das war die perfekte Antwort. Der beste Rat für mein Buch. Und jedem Leser, der mich fragt: „Ist das glaubwürdig? “, kann ich nur antworten: „Natürlich.“ Und ich denke, Eva meistert ihr Leben mit der Bipolarität auf die gleiche Weise. Sie hat sie, aber sie weigert sich, sich davon in irgendeiner Weise aufhalten zu lassen.</p>
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<p><figure id="attachment_4490" aria-describedby="caption-attachment-4490" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4490 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_3_899X1000.jpg" alt="Innenseite 1 von ICH BIN IHR SCHWEIGEN" width="1000" height="899" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_3_899X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_3_899X1000-300x270.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_3_899X1000-750x674.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_3_899X1000-768x690.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILENCE_3_899X1000-600x539.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-4490" class="wp-caption-text">Sequenz aus ICH BIN IHR SCHWEIGEN</figcaption></figure></p>
<p><strong>AUG STONE: Wie Du auf der letzten Seite des Buches anmerkst, hast Du dazu umfangreiche Recherchen angestellt.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ja, ja, ja. Ich liebe es zu recherchieren, ich glaube, ich habe einen kleinen Journalisten in mir. Jedes Buch ist für mich ein Anlass, tief in die Recherche von Themen einzutauchen, die mich interessieren. Aber sobald man ein so ernstes Thema wie psychische Gesundheit und Psychiatrie anspricht, wird einem natürlich klar, dass man es ernst meint. Wenn man über, keine Ahnung, Eidechsen oder so schreibt, ist es nicht so schlimm, wenn man Fehler macht, es ist ja nur ein Buch. Aber sobald man über so ernste Themen spricht, kann man nicht lügen. Man kann keinen Unsinn erzählen. Das geht ein-fach nicht. Man muss den Kampf der Menschen wirklich respektieren. Und mit diesem Respekt kommen fundierte Recherchen und ein Kontext, der mir als Autorin eine Grundlage bietet, um zumindest glaubwürdige Dinge zu schaffen. Das gehört eben dazu.</p>
<p><strong>AUG STONE: Was kannst Du mir über den zweiten Band, „ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL“ erzählen?</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ich hoffe, es wird irgendwann ins Englische übersetzt. Dark Horse hat meine beiden vorherigen Bücher veröffentlicht, und ich hoffe, sie schenken auch diesem wieder ihr Vertrauen. Als ich „ICH BIN IHR SCHWEIGEN“ schrieb, hatte ich das Gefühl, ein neues Universum erschaffen zu haben, in dem Eva Rojas weitere Abenteuer erleben und andere Geschichten erfahren kann. Und ich liebe die Idee eines offenen Universums, das es mir erlaubt, zurückzukehren und darin weiterzuschreiben. Dieses zweite Buch ist also ein weiteres Abenteuer. Es geht wieder um Eva Rojas, wieder um dieselben Stimmen in ihrem Kopf, wieder um ihren Psychiater, Dr. Llull. Und wieder um ein Verbrechen, ein weiteres Geheimnis, das gelüftet werden will, ein weiteres Rätsel, das gelöst werden muss.</p>
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<p><figure id="attachment_4488" aria-describedby="caption-attachment-4488" style="width: 1000px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4488 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILCENE_1_898X1000.jpg" alt="Innenseite 3 von ICH BIN IHR SCHWEIGEN" width="1000" height="898" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILCENE_1_898X1000.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILCENE_1_898X1000-300x269.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILCENE_1_898X1000-750x674.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILCENE_1_898X1000-768x690.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SILCENE_1_898X1000-600x539.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /><figcaption id="caption-attachment-4488" class="wp-caption-text">Sequenz aus ICH BIN IHR SCHWEIGEN</figcaption></figure></p>
<p><strong>AUG STONE: Noch etwas zu „ICH BIN IHR SCHWEIGEN“. Mir ist aufgefallen, dass Tante Berta, als Eva sie besucht, das Marseille-Tarotdeck benutzt, mit dem auch Alejandro Jodorowsky arbeitet.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ich habe diese Szene geschrieben, weil Tante Berta sagt: „Es werden noch andere Stimmen zu dir kommen.“ Also habe ich ihr die Möglichkeit gegeben, mit der Zeit auf andere Bücher und andere Stimmen zu stoßen. Ich liebe Tarot. Eine Freundin von mir arbeitet damit. Ich finde es so geheimnisvoll und metaphorisch zugleich. Es passte perfekt zu dieser Figur. Meine Bücher sind voll von meinen kleinen Interessen, ich verarbeite Dinge, die ich liebe. Es sind meine Bücher, also stecke ich alles hinein, was ich kann. So funktioniert es. Ich glaube, meine Leidenschaft wird auch die Leser begeistern. Ich könnte niemals ein Buch über etwas schreiben, das mich nicht interessiert. So professionell oder distanziert bin ich nicht. Ich brauche Neu-gier, ich brauche Leidenschaft.</p>
<p><strong>AUG STONE: Das ist es, was es lebendig macht.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Genau.</p>
<p><strong>AUG STONE: Erzähl&#8216; mir doch ein wenig über Deine anderen Arbeiten außerhalb der Comicbranche.</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ich bin Charakterdesignerin für Animationsfilme. Momentan arbeite ich an einem Netflix-Projekt. Mehr kann ich dazu nicht sagen (lacht). Ich liebe die Arbeit an Animationsfilmen, weil es Teamarbeit ist. Und es erlaubt mir, meine Drehbücher in Ruhe zu schreiben, denn jedes Mal, wenn ich ein Buch beendet habe, bin ich total erschöpft. Ich verliere mich in meinen Büchern und brauche dann Zeit, um wieder in Form zu kommen. Es ist wie ein langer Marathonlauf. Gleichzeitig kann das Schreiben eines Buches sehr einsam sein, wenn man Tag für Tag allein zu Hause daran arbeitet. Animation ist das genaue Gegenteil. Es ist immer Teamarbeit. Und es herrscht immer eine gute Stimmung zwischen uns. Es ist auch weniger Verantwortung. Ich bin nicht der Regisseur, ich bin nicht der Autor, ich helfe einfach mit. Und ich bin wirklich froh, Teil von etwas Größerem zu sein. Manchmal versuche ich, ein Buch zu schreiben, das größer ist als ich selbst, aber ich habe das Gefühl, dass ein Buch immer in gewisser Weise ein Teil von mir sein wird, weil es von mir stammt. Es ist schwierig, sich bei einem Buch wirklich von sich selbst zu entfernen. Bei einem Film ist es genau umgekehrt. Man steckt seine ganze Energie in etwas, das dieses Team erschafft, daher wird es immer größer und überraschender, weil man bei jedem Treffen andere Künstler und Kreative kennenlernt und sich über den Fortschritt des Films austauscht. Es dauert lange, aber es ist eine Reise.</p>
<p>Ich hatte in den letzten acht oder neun Jahren wirklich Glück, denn ich hatte immer Zeit, an beidem zu arbeiten und beides sind meine Leidenschaften. Meine Bücher sind natürlich mein bekanntestes Werk, schließlich steht mein Name auf dem Cover. Aber ich bin genauso glücklich mit Animationen oder der Arbeit an Filmen wie mit meinen Büchern. Es ist immer noch derselbe Jordi, derselbe Junge, der mit Leidenschaft Geschichten erzählt.</p>
<p><strong>AUG STONE: Und Du kürzlich getwittert: „Als Top-Studio-Mitarbeiter und international publizierter Autor kann ich sagen, dass wir KI nicht nur über-haupt nicht verwenden, wir hassen sie sogar.“</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ja, wirklich. Wir hassen KI. Ich arbeite gerade an einem großen Studioprojekt und keiner von uns nutzt KI für die kreative Arbeit. Das ist einfach eine Lüge, die im Internet kursiert. Ich habe noch nie professionelle KI-Arbeit gesehen. In keinem meiner Projekte. Und ich würde mich schämen, KI für meine Arbeit einzusetzen. Es ist einfach nur peinlich (lacht). Es ist so billig, unkreativ und unmenschlich, nicht wahr? Und das gilt nicht nur für mich, sondern für mein gesamtes Team. Wir alle hassen es. Wir hassen es so sehr, dass wir gar nicht darüber reden. Es ist einfach nicht existent. Wir sprechen über das Projekt, die Charaktere, die Geschichte, was passiert, was wir brauchen, den Hintergrund, an dem wir arbeiten &#8230; der Regisseur stellt uns ein paar Fragen, wir besprechen alles, wir halten uns an unseren Zeit-plan, gehen nach Hause und erledigen die Arbeit mit unseren eigenen Händen. Wie wir es immer getan haben. KI ist einfach noch nicht so weit. Wissen Sie, meine Aufgabe ist es, kreativ zu sein, und mit KI ist man nicht kreativ. Man denkt nicht, man fühlt nicht, man fragt einfach etwas, um ein Ergebnis zu erhalten. Aber dieses Ergebnis ist nutzlos. Denn man selbst ist nicht zu diesem Schluss gekommen.</p>
<p>Jede Farbe, jede Form, jede Linie, die du erschaffst, entspringt einem Punkt in deinem Kopf, wo du diese Linie, diese Farbe fühlst. Du hast Millionen von Grüntönen, Millionen von Rottönen, Millionen von Linien. Eine Linie kann so aussehen, oder so, oder so … Wenn ich an einem Filmprojekt arbeite, besteht meine Aufgabe darin, zu denken und zu fühlen. Meine Kunst ist lediglich das Ergebnis davon. Es ist die Kombination dieser Magie, die etwas Bedeutungsvolles erschafft. Und mit KI geht all das verloren, und man hat nur das Ergebnis. Dieses Ergebnis bedeutet nichts. Selbst wenn es schick aussieht – na und?</p>
<p><strong>AUG STONE: Wie geht es weiter? Gibt es noch ein weiteres Buch?</strong></p>
<p>JORDI LAFEBRE: Ja, natürlich, immer. Ich arbeite intensiv an diesem Film, aber auch an einem kleinen Buch, das nächstes Jahr [2027] auf Französisch erscheint. Ausnahmsweise mal ein winziges Buch (lacht). Ein wunderschönes, kleines Buch. Danach fange ich an, gemeinsam mit Eva Rojas Ideen für ein drittes Buch zu entwickeln. Und dann gibt es noch einige andere Projekte, die schon seit Jahren in der Schublade liegen. Manche Projekte brauchen eben ihre Zeit, und man arbeitet immer mal wieder daran. Ich werde also auch weiterhin immer mal wie-der daran arbeiten. Aber ja, im Grunde arbeite ich an diesem Animationsprojekt und das kleine Buch erscheint nächstes Jahr. Und das längere Buch, wenn alles nach Plan läuft, wird in zweieinhalb Jahren fertig sein. Das ist schon eine ganze Menge Arbeit, nicht wahr? (lacht)</p>
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<p>&#8212;</p>
<p>Hinweis von PANELWALKER: Die deutschen Ausgaben der erwähnten Alben sind im <a href="https://www.splitter-verlag.de/autoren-zeichner/autoren-l/lafebre-jordi/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a> und bei <a href="https://salleckpublications.eu/index.php?lang=0&amp;cl=search&amp;searchparam=Jordi+Lafebre" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Salleck Publications</a> erschienen. Wer jetzt noch wissen will, wie &#8222;Eva Rojas&#8220; ausgesprochen wird, kann auch noch einen Blick in dieses <a href="https://www.actuabd.com/Jordi-Lafebre-Je-suis-Je-voulais-faire-un-polar-contemporain-qui-regarde-le" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Interview mit Jordi Lafebre auf ActuaBD</a> werfen.</p>
<p>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">hier</a>.</p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/ein-interview-mit-jordi-lafebre-ich-versuche-die-leser-vergessen-zu-lassen-dass-sie-einen-comic-lesen/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">Ein Interview mit JORDI LAFEBRE: „Ich versuche die Leser vergessen zu lassen, dass sie einen Comic lesen“</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fällt vom Himmel</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/ich-bin-ein-verlorener-engel-faellt-vom-himmel/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 05:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei manchen Fortsetzungen merke ich schon nach zwanzig Seiten, dass ich innerlich anfange zu verhandeln. Vielleicht kommt da noch etwas? Vielleicht muss sich die Geschichte erst sortieren? Vielleicht bin ich nur deshalb so kritisch, weil der Vorgänger die Latte ziemlich, ziemlich hoch gelegt hat?! Bei ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL habe ich erstaunlich lange so [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/ich-bin-ein-verlorener-engel-faellt-vom-himmel/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fällt vom Himmel</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei manchen Fortsetzungen merke ich schon nach zwanzig Seiten, dass ich innerlich anfange zu verhandeln. Vielleicht kommt da noch etwas? Vielleicht muss sich die Geschichte erst sortieren? Vielleicht bin ich nur deshalb so kritisch, weil der Vorgänger die Latte ziemlich, ziemlich hoch gelegt hat?! Bei ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL habe ich erstaunlich lange so gedacht.</p>
<p><span id="more-4556"></span></p>
<p><a title="ICH BIN IHR SCHWEIGEN – Mord und viele Stimmen" href="https://panelwalker.de/2026/02/ich-bin-ihr-schweigen-mord-ein-weingut-und-viele-stimmen/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">ICH BIN IHR SCHWEIGEN</a> fand ich großartig, richtig großartig. Nicht makellos, aber lebendig, witzig, überraschend und vor allem getragen von einer Hauptfigur, der ich gern folge. Eva Rojas ist chaotisch, impulsiv, verletzlich, manchmal herrlich daneben und trotzdem nie bloß eine Ansammlung schriller Eigenschaften. Ihre <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_St%C3%B6rung" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">bipolare Störung</a> gehört zu ihr, erklärt sie aber nicht vollständig. Dazu kommen ihre verstorbenen Vorfahrinnen &#8211; ja, alles Frauen &#8211; , die sich in ihre Gedanken einmischen, als säßen sie mit am Tisch.</p>
<p>All das ist wieder da. Jordi Lafebre zeichnet weiterhin wunderbar. Eva kann weiterhin einen Raum betreten und sofort die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ihre Dialoge haben Tempo und ihre Mimik erzählt manchmal mehr als alles andere. Und trotzdem funktioniert dieser zweite Band für mich deutlich schlechter.</p>
<p>Das liegt nicht am hintergründigen Fußball-Thema. Ich interessiere mich nicht für Fußball, daher ist er mir in diesem Zusammenhang letztlich egal. Der verschwundene junge Spieler João könnte auch ein bekannter Musiker, ein berühmter Schauspieler oder der Sohn eines reichen Unternehmers sein.</p>
<p>Entscheidend ist etwas anderes. Die Suche nach ihm führt Eva in ein Umfeld aus Sexarbeit, rechter Gewalt und Neonazis. Genau dort liegt für mich das eigentliche Zentrum dieses Albums. Und genau dort hätte Lafebre bleiben sollen.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4561" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Wenn die Vergangenheit plötzlich sehr gegenwärtig wird</h3>
<p>Barcelona ist bei Lafebre nie bloß eine hübsche Kulisse. Natürlich gibt es besonderes Licht, Straßencafés, enge Gassen und auch dieses besondere Mittelmeerflair. Gleichzeitig steckt in der Stadt eine politische Geschichte, die bis heute sichtbar ist. Für ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL ist das wichtiger als jeder Fußballplatz.</p>
<p>Spanien lebt nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Bürgerkrieg von 1936 bis 1939</a> fast vier Jahrzehnte unter der Diktatur Francisco Francos. Der Übergang zur Demokratie beginnt erst nach dessen Tod 1975. Die Erinnerung daran ist bis heute nicht erledigt. <a title="Wenn Trauer verboten bleibt – DER ABGRUND DES VERGESSENS" href="https://panelwalker.de/2025/07/wenn-trauer-verboten-bleibt-der-abgrund-des-vergessens/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">Massengräber, verschwundene Angehörige, politische Symbole</a> und die Frage nach dem Umgang mit franquistischer Vergangenheit beschäftigen das Land weiter.</p>
<p>Lafebre erzählt diese tragischen Teile spanischer Geschichte nicht über Textblöcke oder Vorträge. Er verbindet sie mit Eva. Eine ihrer verstorbenen Vorfahrinnen, Ana Rojas, erlebte den Spanischen Bürgerkrieg und kämpfte auf republikanischer Seite. Wenn Eva nun mit Neonazis und einer gewalttätigen, rechtsextremen Gruppe zu tun bekommt, treffen Gegenwart und Familiengeschichte mittelbar aufeinander. Das gefällt mir als Ausgangspunkt ausgesprochen gut.</p>
<p>Auch die Verbindung zu den Sexarbeiterinnen passt dazu. Lafebre schaut auf Menschen, die schnell an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und bei denen erlebte Gewalt oft erheblich weniger öffentliche Empörung auslöst als anderswo. Unter ihnen befinden sich Trans-Frauen, die zusätzlich zum alltäglichen Risiko mit rechter und trans-feindlicher Gewalt konfrontiert sind.</p>
<p>Damit liegt eigentlich genug Material auf dem Tisch: Faschismus, Ausgrenzung, Gewalt, Erinnerung und Evas sehr persönlicher Umgang mit Autoritäten und mit Ungerechtigkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4562" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Referenzen zum ersten Band</h3>
<p>Zu Beginn sitzt Eva wieder in einer Situation, die sehr an den ersten Band erinnert. Ein Mann ist tot. Ricardo Mazas, genannt Riqui, landet auf ziemlich spektakuläre Weise kopfüber im Beton einer Großbaustelle. Eva kennt ihn, natürlich kennt sie ihn. Bei Eva Rojas wäre alles andere fast schon enttäuschend.</p>
<p>Vizeinspektorin Alemany und ihr Kollege Ohne-bekannten-Dienstgrad García wollen wissen, was passiert ist. Eva erzählt, Dr. Llull sitzt dabei. Damit kehrt Lafebre zu der bekannten Konstruktion aus ICH BIN IHR SCHWEIGEN zurück. Die Geschichte entfaltet sich rückblickend, gefiltert durch Evas Beobachtungen, unterbrochen von ihren Sprüngen, Kommentaren und den Stimmen ihrer verstorbenen Verwandten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4563" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Eine Vermisste wäre fast ehrlicher gewesen</h3>
<p>Ausgangspunkt ihrer Erzählung ist João, ein neunzehnjähriger brasilianischer Profifußballer und Patient von Eva. Er ist verschwunden. Sein Verein glaubt, Eva könne vielleicht wissen, wo er steckt oder warum er untergetaucht ist. Also sucht sie ihn. Das funktioniert als Auslöser. Mehr aber auch nicht.</p>
<p>Je länger ich lese, desto weniger interessiert mich João als Fußballspieler. Dass er jung ist und unter öffentlichem Druck steht, spielt natürlich eine Rolle. Dass ein Verein über ihn verfügen möchte, ebenfalls. Doch daraus entwickelt Lafebre keine wirklich eigenständige Geschichte über den Profisport. Er schaut weder lange genug hinter die Kulissen noch erzählt er etwas, das diesen besonderen Beruf für die Geschichte unverzichtbar machen würde. Darum wirkt das Fußballmilieu auf mich eher wie eine Einstiegstür. Hinter anderen Türen beginnt jedoch der interessantere Teil des Comic.</p>
<p>Die Spur führt Eva zu Sexarbeiterinnen. Sie trifft auf Frauen, die bedroht und angegriffen werden. Neonazis tauchen auf, Gewalt bekommt plötzlich eine politische Richtung. Riqui gehört in dieses Umfeld. Aus der Suche nach João wird nach und nach eine Geschichte über Menschen, die andere einschüchtern, weil sie sich ihnen körperlich überlegen fühlen. Ab hier interessiert mich die Geschichte sofort.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4564" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Eva läuft dahin, wo andere wegschauen</h3>
<p>Eva besitzt eine Eigenschaft, die sie für solche Erzählungen hervorragend geeignet macht: Sie kann Manches nur sehr schwer ignorieren! Das ist nicht immer vernünftig und häufig ist es sogar gefährlich. Doch genau darin liegt der Reiz ihrer Figur.</p>
<p>Wo andere Abstand halten, geht Eva näher hinein, geht tiefer ins Dunkele. Sie stellt Fragen, mischt sich ein, provoziert und überschreitet eigene Grenzen und die anderer.</p>
<p>Hinzu kommt ihre bipolare Störung, mit der Lafebre vergleichsweise sorgsam umgeht. Sie dient nicht als einfache Erklärung für jedes impulsive Verhalten. Eva bleibt verantwortlich für das, was sie tut. Gleichzeitig gehört ihre psychische Erkrankung aber zu ihrem Alltag und beeinflusst, wie sie Belastung, Kontrolle und eigene Grenzen erlebt. Gerade im Umfeld der bedrohten Sexarbeiterinnen funktioniert diese Figur hervorragend.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4565" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Figuren vom Rande der Gesellschaft</h3>
<p>Eva begegnet ihnen nicht als Retterin von oben herab. Sie landet vielmehr mitten in ihrer Welt. Lafebre lässt sie zuhören, handeln und Fehler machen. DAS tut diesem Comic gut. Besonders wichtig finde ich, dass die betroffenen Frauen nicht nur als Staffage für Evas Heldentum auftauchen. Ihre Lage bildet das moralische Zentrum dieses Falls. Hier werden Menschen bedroht, weil andere glauben, über deren Existenz urteilen zu dürfen. Rechte Gewalt wird damit nicht zu einer abstrakten politischen Idee, sie bekommt Ziele und Opfer. Leider bleibt Lafebre ausgerechnet bei den Tätern erstaunlich unspezifisch.</p>
<p>Die Neonazis sind hässlich, brutal, dumm und leicht zu hassen. Natürlich darf ein Comic Faschisten verabscheuen. Das tue ich ebenfalls. Nur ersetzt Verachtung keine gute Figurenzeichnung. Mir fehlt bei diesen Männern etwas, das sie wirklich unangenehm macht. Nicht Sympathie, bitte nicht, ich meine Glaubwürdigkeit.</p>
<p>Wenn rechte Gewalt nur von grölenden Idioten ausgeht, wird sie fast schon zu bequem. Dann kann ich sie als klar markiertes Böse betrachten und wieder weglegen.</p>
<p>Beunruhigender wäre gewesen, wenn Lafebre gezeigt hätte, wie solche Strukturen funktionieren, wie Gewalt vorbereitet wird oder wie sich Menschen darin gegenseitig bestätigen. Stattdessen bleiben die Root Boys lediglich Comic-Prügelknaben. Und das ist mir zu einfach.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4566" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729.jpg" alt="Innenseite 12 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Die Gespenster wissen mehr als der Krimi</h3>
<p>Viel interessanter wird es, sobald Ana Rojas ins Spiel kommt. Eva wird bekanntlich von ihren verstorbenen Vorfahrinnen begleitet. Ob ich diese Erscheinungen psychologisch, symbolisch oder innerhalb der Geschichte ganz wörtlich lese, ist dabei gar nicht so entscheidend. Sie sind Teil ihrer Wahrnehmung und Teil ihres &#8211; und Lafebres &#8211; Erzählens.</p>
<p>Ana verbindet Eva mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Plötzlich bekommt der Kampf gegen die Neonazis eine familiäre Vorgeschichte. Faschismus ist dann nichts, was Eva nur aus Geschichtsbüchern kennen könnte. Er hat ihre Familie berührt. Genau diesen Gedanken hätte Lafebre für meinen Geschmack viel weiter treiben können &#8230; ja, müssen!</p>
<p>Denn hier liegt eine Verbindung, die sich nicht künstlich anfühlt. Ana hat politische Gewalt erlebt. Eva begegnet den &#8222;Nachfahren im Geiste&#8220; in einer anderen Zeit und in anderer Form. Die Sexarbeiterinnen erleben wiederum ganz konkret, wie schnell Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Arbeit, ihrer Geschlechtsidentität oder schlicht aufgrund eines Feindbildes zum Ziel werden. Hier spricht ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL plötzlich über Erinnerung, ohne pathetisch zu werden. Dann biegt der Comic wieder ab.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4567" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729.jpg" alt="Innenseite 13 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Und plötzlich steht Evas Mutter im Zimmer</h3>
<p>Evas Mutter Maria gehört für mich zu den interessantesten, neuen Figuren des Albums, auch, wenn Sie im ersten Augenblick nur wie eine ältere Version von Eva erscheint. Und gleichzeitig weiß ich nach der Lektüre nicht recht, warum dieser Erzählstrang ausgerechnet in diesem Comic so viel Platz bekommt.</p>
<p>Eva besucht Maria in einer psychiatrischen Einrichtung. Dabei erfahren wir mehr über die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Rückblicke zeigen, wie beide gemeinsam Menschen beobachten und aus Gesten, Kleidung oder Verhalten kleine Geschichten ableiten. Das erklärt sehr hübsch, woher Evas enorme Aufmerksamkeit für andere Menschen stammen könnte.</p>
<p>Maria nimmt außerdem ebenfalls die verstorbenen Frauen der Familie wahr. Das ist ein erhellender Gedanke. Nur was macht er mit diesem Fall? Erstaunlich wenig.</p>
<p>Natürlich erweitert Maria unsere Vorstellung von Eva. Ich verstehe ihre Kindheit besser. Ich sehe eine familiäre Verbindung zwischen psychischer Erkrankung, Wahrnehmung und den Geistern der Vergangenheit. Auch emotional haben diese Szenen Gewicht. Nur stehen sie für mich neben der eigentlichen Geschichte statt in ihr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4568" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715.jpg" alt="Innenseite 14 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Quo vadis, Eva?</h3>
<p>Der Mord an Riqui, die Neonazis und die bedrohten Sexarbeiterinnen bekommen durch Marias Anwesenheit keine neue Richtung. Ihre Szenen unterbrechen vielmehr den Ermittlungs- und Erzählfluss. Danach kehrt Eva wieder in die alte Handlung zurück. Ich hatte deshalb zunehmend das Gefühl, Material für einen weiteren Band zu lesen, das bereits hier vorbereitet wird. Das ist als Erleuchtung kein kleines Problem.</p>
<p>Gerade weil Maria interessant ist, hätte ich ihr einen Comic gewünscht, der wirklich von ihr handelt. Hier konkurriert sie jedoch mit einem politischen Kriminalfall, der für sich genommen schon zu wenig Raum bekommt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4569" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715.jpg" alt="Innenseite 15 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Zu viele Geschichten für einen Engel</h3>
<p>Dazu kommt García, der Polizist. Schon im ersten Band war klar, dass zwischen ihm und Eva etwas knistert. Nun wird daraus mehr, körperliche Nähe entsteht, Gefühle werden komplizierter. Eva zieht ihn an und stößt ihn wieder weg. Auch das könnte einen ganzen Erzählstrang tragen.</p>
<p>Nur haben wir inzwischen einen verschwundenen João, einen ermordeten Neonazi, bedrohte Sexarbeiterinnen, rechte Gewalt, Evas Mutter, ihre Vorfahrinnen, den Spanischen Bürgerkrieg, Evas bipolare Störung und eine halbgare Liebesgeschichte. Irgendwann ist einfach Feierabend.</p>
<p>Lafebre erzählt schnell, seine Dialoge helfen ihm dabei. Seine Figuren brauchen oft nur wenige Bilder, um eine Situation lebendig zu gestalten. Doch Geschwindigkeit ersetzt eben keinen narrativen Raum. ICH BIN IHR SCHWEIGEN hatte ebenfalls viele Zutaten. Dort griffen sie aber erheblich besser ineinander. Die Familie Monturós, das Weingut, der Mord und Evas private Eigenheiten gehörten zur selben, kohärenten Erzählung.</p>
<p>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fühlt sich dagegen häufiger wie eine Sammlung interessanter Ansätze an. Der Fall geht weiter, weil Eva eine neue Spur entdeckt. Maria erscheint, weil Eva persönlich vertieft werden soll. García erscheint, weil die Beziehung weitergehen soll. Ana erscheint, weil die Geschichte damit eine historische Ebene bekommt. Die Neonazis erscheinen, weil Gewalt das eigentliche Thema ist. Alles davon kann ich nachvollziehen. Nur selten habe ich aber das Gefühl, dass das Eine zwingend aus dem Anderen entsteht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4570" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715.jpg" alt="Innenseite 16 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Lafebre zeichnet besser, als er diesmal erzählt</h3>
<p>Und dann sehe ich wieder diese Zeichnungen. Verdammt. Lafebre besitzt ein wunderbares Gefühl für Körper. Seine Figuren stehen nicht einfach in Panels. Sie lehnen, gestikulieren, schauen weg, gehen aufeinander los, verkrampfen, grinsen und reagieren.</p>
<p>Besonders Eva profitiert davon. Ihre Persönlichkeit steckt in jeder Bewegung. Selbst wenn sie nichts sagt, habe ich das Gefühl, genau zu wissen, ob sie gleich lachen, fluchen oder jemanden beleidigen wird. Auch die Gespräche bleiben visuell lebendig. Lafebre braucht keine spektakulären Perspektiven, um Spannung zu erzeugen. Ein Gesicht genügt, zwei Personen an einem Tisch genügen, ein kleiner Blickwechsel reicht ebenso. Dadurch liest sich der Comic unglaublich flüssig.</p>
<p>Vielleicht stört mich die Geschichte deshalb sogar stärker. Die Bilder ziehen mich vorwärts, während ich erzählerisch immer wieder zurückbleibe und denke, dass Lafebre gerade das spannendste Thema schon wieder verlassen hat. Ich wollte mehr über die Frauen, mehr über die rechte Gruppe, mehr über Maria und Ana wissen. Stattdessen bekam ich von allem etwas.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4571" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715.jpg" alt="Innenseite 17 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL hat eine großartige Hauptfigur, fantastische Zeichnungen und einen politischen Kern, dem ich gern folge. Doch der Comic vertraut diesem Kern einfach nicht genug.</p>
<p>Die Geschichte über Neonazis, Gewalt gegen Sexarbeiterinnen und die Verbindung zur faschistischen Vergangenheit Spaniens hätte mir vollkommen ausgereicht. Genau dort wird Evas Herangehensweise interessant, genau dort bekommen ihre Wut, ihre Impulsivität und ihre Familiengeschichte eine Richtung.</p>
<p>Der Erzählstrang um Maria ist zwar interessant, wirkt hier aber wie angeklebt. Die unnötige Beziehung zu García nimmt zusätzlichen Platz ein. Und irgendwann merke ich, wie ein eigentlich spannender Kriminalfall zwischen all diesen Dingen zerrieben wird.</p>
<p>Das ist besonders schade, weil Lafebre hier alles besitzt, was ich an Comics liebe. Er hat eine unverwechselbare Figur, einen wunderbar lebendigen Strich, sarkastischen Humor, Tempo und ein gutes Gespür für menschliche Schwächen. Für meinen Geschmack wollte er dieses Mal nur zu viel davon gleichzeitig erzählen. Vielleicht war der Erfolg des ersten Teils zu groß und die Zeit für die Entwicklung des neuen Szenarios zu kurz. Schade eigentlich, vertan!</p>
<p>Ich bin ein großer Fan von Jordi Lafebre, das gebe ich gerne zu. Doch leider muss ich auch zugeben, dass dieser Comic der Schwächste in der Reihe derer ist, bei denen er sowohl das Szenario als auch die Zeichnungen verantwortet.</p>
<p>Nach ICH BIN IHR SCHWEIGEN hatte ich mich auf Evas Rückkehr gefreut. Nach ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL freue ich mich immer noch darauf, Eva wiederzusehen. Nur beim nächsten Mal bitte mit einer Geschichte, die sich entscheidet, worüber sie wirklich erzählen möchte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4560" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-286x400.jpg" alt="Cover von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-600x839.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715.jpg 715w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL</li>
<li>Jordi Lafebre</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-68950-166-2</li>
<li>Storyline:  ★★☆☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/ich-bin-ein-verlorener-engel.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>Bei PULP beginnt der letzte Ritt im Feierabendverkehr</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Aug 2026 05:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Crime Noir]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Ed Brubaker]]></category>
		<category><![CDATA[Image Comics Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Jacob Phillips]]></category>
		<category><![CDATA[Sean Phillips]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aktuell habe ich wohl eine Western-Phase. Vor Kurzem noch waren wir im Wyoming des Jahres 1863, heute sind wir im New York der ausgehender 30er-Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. PULP von Ed Brubaker und Sean Phillips war vor Jahren mein erster Comic dieses Autorenteams. Rückblickend betrachtet, hätte der Einstieg in ihre Arbeiten kaum passender sein können. [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/bei-pulp-beginnt-der-letzte-ritt-im-feierabendverkehr/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">Bei PULP beginnt der letzte Ritt im Feierabendverkehr</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aktuell habe ich wohl eine Western-Phase. Vor Kurzem noch waren wir im Wyoming des Jahres 1863, heute sind wir im New York der ausgehender 30er-Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts. PULP von Ed Brubaker und Sean Phillips war vor Jahren mein erster Comic dieses Autorenteams. Rückblickend betrachtet, hätte der Einstieg in ihre Arbeiten kaum passender sein können.</p>
<p>Diese schmale, 2020 erschienene Geschichte enthält beinahe alles, was ihre gemeinsame Arbeit auszeichnet. Sie erzählt von Schuld und Gewalt, von Loyalität und der Frage, ob ein einziger, anständiger Entschluss ein verpfuschtes Leben noch verändern kann. Zugleich verbindet es Western, Großstadtkrimi und Künstlerdrama so eng, dass keiner dieser Teile das Genre dieses Comics ernsthaft vorgeben könnte.</p>
<p><span id="more-4316"></span></p>
<p>Die Grundidee entstand, weil Sean Phillips einen Western zeichnen wollte. &#8222;Gut, machen wir!&#8220; dachte sich Brubaker und fragte sich in der Folge, was aus einem Gesetzlosen wird, der nicht jung im Kugelhagel stirbt. So entstand ihr Hauptcharakter, Max Winter, ein früherer Outlaw, der im New York des Jahres 1939 billige Westerngeschichten für Groschenhefte schreibt. PULP eben.</p>
<p>Der historische Zeitpunkt ist dabei sorgfältig gewählt. Am 20. Februar 1939 füllten mehr als 20.000 Anhänger des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikadeutscher_Bund" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">German-American Bund</a> den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Madison_Square_Garden" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Madison Square Garden</a>. Auf der Bühne standen Hakenkreuze neben amerikanischen Fahnen und einem riesigen Porträt George Washingtons, während draußen Tausende gegen die offene Nazi-Propaganda protestierten. Für sein Script nahm Brubaker dieses reale Ereignis und machte daraus den Schauplatz für den &#8222;letzten Ritt&#8220; eines alten Mannes.</p>
<p>Schon auf den ersten Seiten spürte ich, wie sicher Brubaker und Phillips ihre Geschichte entwickeln. Sie brauchen keine lange Anlaufstrecke. Ein kranker Autor, ein gestohlener Mythos und ein Land, das seine Feinde noch nicht erkennen will, reichen für eine spannende wie tiefsinnige Geschichte völlig aus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4320" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-02_900X585.jpg" alt="Innenseite 02 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-02_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-02_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>Ed Brubaker vor dem großen Schattenwurf</h3>
<p>Ed Brubaker begann nicht als gefeierter Krimiautor, sondern als Zeichner und Autor eigener kleiner Comics. In Werken wie <a href="https://www.amazon.de/Complete-Lowlife-Ed-Brubaker/dp/1891830201" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">A COMPLETE LOWLIFE</a> verarbeitete er in den frühen Neunzigerjahren Erfahrungen aus seinem unsteten, jungen Leben. Dazu kamen kurze Geschichten für Anthologien wie DARK HORSE PRESENTS. Schon damals interessierten ihn Menschen, die sich selbst im Weg stehen und trotzdem nach einem Ausweg suchen.</p>
<p>Der entscheidende Schritt folgte schließlich 1999 mit <a href="https://www.amazon.de/Scene-Crime-Ed-Brubaker/dp/1534319344/ref=sr_1_21?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2ENNHUPPE7YWK&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.9gYKNsBn59CQTUhaAjbffy1ZcXHJejc-wUwJ-QtAzRDGjHj071QN20LucGBJIEps.AlHhfpb2LYLwJLm6ClE9dV8X59dbuoEvSpKYUevGDtg&amp;dib_tag=se&amp;keywords=ed+brubaker&amp;qid=1783966741&amp;s=books&amp;sprefix=ed+brubaker%2Cstripbooks%2C109&amp;sr=1-21&amp;xpid=28fioPd5XxSAu" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">SCENE OF THE CRIME</a>. Dort verband Brubaker Detektivgeschichte, Stadtbeobachtung und beschädigte Figuren zu jenem Ton, der seine späteren Arbeiten intensiv prägen sollte. Phillips tuschte drei der vier Hefte und trat damit erstmals in Brubakers berufliche Laufbahn.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4319" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-01_900X585.jpg" alt="Innenseite 01 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-01_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-01_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>Steckbrief von Sean Phillips</h3>
<p>Sean Phillips arbeitete bereits als Jugendlicher professionell. Seine ersten Aufträge führten ihn in britische Mädchencomics. Dort lernte er, schnell, klar und zuverlässig zu erzählen. Nach dem Kunststudium wechselte er zu CRISIS, <a href="https://shop.2000ad.com/catalogue" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">2000 AD</a> und dem JUDGE DREDD MEGAZINE. Arbeiten wie NEW STATESMEN und <a href="https://www.amazon.de/Devlin-Waugh-Swimming-Blood-English-ebook/dp/B00OFWF94G/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1UKCQCEO2IGXI&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.7Bk53kedL5Qbzih-lS2v-mgg40qM66HEPvM4BbekSvPBtgc1mYyran5NtmyG7fQXJwHD-PA_oUyzhKJGWVuKRDSoDE6LHl-L_E0B9ZM_MV5crlfvfgkwIqKzGh_PbxPMT4Tju8mt5X58lVpbVS6xiw.idZrm_t0P4ThCmu6yYqzTVJ5-NRdhExqsEBCCC8OKBs&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+devlin&amp;qid=1783966856&amp;s=books&amp;sprefix=sean+phillips+devlin%2Cstripbooks%2C103&amp;sr=1-2" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DEVLIN WAUGH</a> zeigten, wie wandlungsfähig er schon früh war.</p>
<p>Für <a href="https://www.amazon.de/Constantine-Hellblazer-Jenkins-Phillips-Omnibus/dp/1799507645/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1GW5H12VL4IZN&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.L_ZPr_ciMhWRNu50KhkcdzJIqv8xrqACCfcIsLSP0eFFO-ND2XZg5t2j5JPWByspSpHdBuaGyKu5B439FLL7wR_06hwhRF8hPzxoPRailzLzP14zoF6M-DLGD3TEfFzIBcBkR2iilrglCZayuCE55aRi7wn_rQ_uDBUtrl30hQb_tUBFjbJ6XRMklA7dSyvFkSA2qFbjlBJ9PT90cZm9jDCH2x2K9ts6GFcradzvJac.qoKjYF-uL2hYGQ0FNp_xPMe0H_k52fdk_wz3f5HvGNU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+HELLBLAZER&amp;qid=1783967088&amp;sprefix=sean+phillips+hellblazer%2Caps%2C115&amp;sr=8-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">HELLBLAZER</a> ersetzte Phillips die glatte Pinsel-Linie seiner früheren Arbeiten durch eine rauere Feder. <a href="https://www.amazon.de/Kid-Eternity-Book-1993-1994-English-ebook/dp/B01MSAI117/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=GVOJWDKEZHYU&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.wa5Y-KmdwqDfhZubLjy9u53Ut6T5BW79marktDtdsTTJOjB43dRSLK4kIyy1xo5HdiVM0ecfn8nOVZQAU02s-BxuVhwAwFWncvt6dyiisWYOKM0bzRFuP1SXCyS8jbgHWuAruNd4ZnH-97pwfOgsigrYTflL1E4hMUCLVg8g1dtqt021n7D4C4sxeHeANudHPCi6EAq-dpIoSKPiw8KWDPXEXkkCZdYH3cQ3Yw5D1VA.Nwc_fAZiFqxLIhveccjIpZv5OEb9L3mIdRq-KO-g7XU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+KID+ETERNITY&amp;qid=1783967135&amp;sprefix=sean+phillips+kid+eternity%2Caps%2C116&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">KID ETERNITY</a> gab ihm später mehr Freiheit bei Seitengestaltung, Wiederholungen und Bildfolgen. Diese Jahre erklären viel von seiner heutigen Stärke. Phillips denkt nicht zuerst in schönen Einzelbildern, er denkt in Abläufen. Jede Einstellung muss die nächste vorbereiten. Bereits lange vor Brubaker konnte er Milieus, Gesichter und Licht so einsetzen, dass eine Seite ohne große Gesten Spannung aufbaut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4321" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-03_900X585.jpg" alt="Innenseite 03 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-03_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-03_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>Zwei Erzähler finden ihren gemeinsamen Takt</h3>
<p>Nach SCENE OF THE CRIME folgten <a href="https://www.amazon.de/DC-Comics-Presents-Batman-English-ebook/dp/B014M72ZE0/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=26AHI4A3UYA5J&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.HKfY87D21HVt_PjkE22rPPuWTTJFQYutNO6E7ZdlTpXWvKhpYX7roxx3QJtomOGpkr5V0Ql3He4iWxSYLunmwHnQ8SRV3XHZVNdgoweBeres4NLbIUvf6zT7FlJM-4zxtICykKA2ISvTkDvadKRunWjRfMtratwVOR67EcR5Gtwat7yYRHFYV55E3adruEvGk3-xo72kQkcDbakGGM54tb4KofKkV78UubrEjtqEmes.RPBiSeO9fziKtBXq4JiVuiENNfbHxBCSYe0W4iJV3Ms&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+GOTHAM+NOIR&amp;qid=1783967206&amp;sprefix=sean+phillips+gotham+noir%2Caps%2C116&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">GOTHAM NOIR</a> und ab 2003 <a href="https://www.amazon.de/Sleeper-Book-One-Ed-Brubaker/dp/1401278442/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1LJO1T0J9GJLD&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.PlLOPL9XY1xKuXKD2nWAmO4BiSgnCUGJzZtlYn8uEpRXHQhTyI7QIhTAYN0Wvzir5q8nruwrExZp-LuepDUjwOOjlgINbc5GdOwBfrao7eT-ePk-FF4zsYbpu9_lIGjebU0eCbJAcnHWTBt5-HfNVKNdFCSYMfG6hgfqsizzk5qp3C40Z_JJzLUdiCp7mkMExzfWtzn-NH8tdRbnz9t4KYMAiIFsFwqi8Nwm4qLmUl8.P8edtPWugiMRcp6wtbQXVLZYuF-mfqdsD7AyPuVyJeU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+SLEEPER&amp;qid=1783967241&amp;sprefix=sean+phillips+sleeper%2Caps%2C108&amp;sr=8-3" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">SLEEPER</a>. Mit der Reihe <a href="https://www.schreiberundleser.de/criminal" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">CRIMINAL</a> schufen Brubaker und Phillips ab 2006 schließlich ihre eigene große Welt aus Räubern, Betrügern, Polizisten und Menschen, die zur falschen Zeit die falsche Entscheidung treffen. <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/catalogsearch/result/?q=incognito+sean+phillips" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">INCOGNITO</a> verschiebt diese Haltung in Richtung Superhelden-Pulp. <a href="https://www.amazon.de/Fatale-Compendium-Ed-Brubaker/dp/1534327657/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1KUEZVMBCD7WH&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9._hnddzonmFjqmT8Y-YRgqhQtkoZghNyDWcIeukk9w4EWkq6F8XG5ucmDWL-VhFWhz3j56vqy_lOu0DmmmpF6ZhRYVgcdofWBpALg0FiZ2Jyu_-IceDGhFQf9Ou-ABQn0psSPGDCZR1YL4otCUHgkSYiyYxz_A0bfDVuvShjDi6ADf1qbhij11C6Tu95k_qe184yehIAb7LaQcDezS7355CBCp9pE-TI1Ug7BHHfOywM.227OxUjKhIiyj9Cin7WxFQymPHYwUvwUqkijeSnKGBo&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+FATALE&amp;qid=1783967380&amp;sprefix=sean+phillips+fatale%2Caps%2C102&amp;sr=8-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">FATALE</a> verbindet Krimi und übernatürlichen Schrecken, <a href="https://www.amazon.de/Fade-Out-Complete-Collection/dp/1534308601/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1PS2CZMTWFBJP&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.nuo6wFgQg3Qu0huMX0neBCNnWg3iG4DY_1rbowokVUdqs7R8UVqHHjNNYF0NkRRzWOjkTq0omSNWS_l8ktu0mv7GISB-oiyUnZjPi9DnHtcoir5HjQyxIi6KFDIqRf3ldc0LsffTSWtW972nKvUo_LsbUc-vDjka2NfT5j_8ZncKVma2H9BTNjGNc6xcOkN5q7nSd_GKnAyhxeujsx697ZM4L8B95SBvAnqc_LWYOfk.obbd4zu76zIz4SX5akQLu_uw8HQ7QtYr_o_XeFW14lE&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+The+fade+out&amp;qid=1783967422&amp;sprefix=sean+phillips+the+fade+out%2Caps%2C115&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">THE FADE OUT</a> &#8211; zu dem der POW!-Comicpodcast übrigens <a href="https://pow-comicpodcast.de/pow-ein-comicpodcast/ep-229-terrassenromantik/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">eine schöne Folge</a> gemacht hat &#8211; blickt hinter die Fassaden des alten Hollywood und <a href="https://www.amazon.de/Kill-Killed-Band-Ed-Brubaker/dp/3962190333/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2MKJRILKFNVN7&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.DT3XTWLDz2GhR2yrFcSAalWUFVxpjwEsOuEQQNlh5a39x2p9XO0mfxxT8VgJqFr-M3mjPKiRqzcXGJt93iUZxkjbpul4JUejWBUPF0OpUmj8LwMILq2U_3YYAgAAi4fvrmdvAhjDryC53-ik1wU-32U8CEW9B1LdlH_qDP4jkiKd4HrGLQY-rVI_cKnvhbTY6CI_744LcxLcnQh8Qo012WMtwC2-FJUf769Q7hhyY7g.UyHr93ot4ISCu3e-AtLMeAVOSSBxjUyzyS9-K1g7G7U&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+KILL+OR+BE+KILLED&amp;qid=1783967520&amp;sprefix=sean+phillips+kill+or+be+killed%2Caps%2C108&amp;sr=8-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">KILL OR BE KILLED</a> nimmt den Mythos des Selbstjustizhelden auseinander. Der Out-Put der Beiden ist hoch.</p>
<p>Ihre Zusammenarbeit beruht auf großem, gegenseitigem Vertrauen. Phillips erhält die Skripte oft kapitelweise und möchte den weiteren Verlauf der Geschichten gar nicht kennen. Brubaker lässt ihm Raum für Inszenierung und Rhythmus. Seit <a href="https://www.amazon.de/Criminal-Heroes-Have-Always-Junkies/dp/1534350675/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=169NF3M79EO3Z&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.HojqPczIwz71E_gYCN9f6mCNayfb0h-dpYAybM1-Lnpb4aCwqaX-Sk9JBJnpVELdoQpQ4vFUMG8qTDxDEWzCD_OwH54wHP6NoiDGiC-jw4JGQy1bKYRnrmBzEY1aA7OOJg0YRfq5MYYZJ7-zb0uRgooM_AHRwuxn53B4umrV7WSaZ-CfQ7yfr8qV1L2jJTTZhpnvOXYpl26f1itVNT5W31Q77KQqkdwvPsL-K86UJRU.vvKj030dqhYoaMU3hBwzgojrcTb4gCaqq6yg_A7IsJw&amp;dib_tag=se&amp;keywords=sean+phillips+MY+HEROES+HAVE+ALWAYS+BEEN+JUNKIES&amp;qid=1783967563&amp;sprefix=sean+phillips+my+heroes+have+always+been+junkies%2Caps%2C101&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">MY HEROES HAVE ALWAYS BEEN JUNKIES</a> färbt Jacob Phillips, der Sohn von Sean Phillips, die gemeinsamen Bücher. Damit bekam die Partnerschaft eine dritte Stimme.</p>
<p>Nach Jahrzehnten monatlicher Hefte wenden sich Brubaker und Phillips schließlich stärker abgeschlossenen Graphic Novels zu. PULP steht genau an diesem Übergang. Brubaker empfand den knappen Umfang während der Arbeit zwar als Herausforderung, doch gerade diese Enge gibt dem Buch die notwendige, erzählerische Dichte, die mir besonders gefällt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4322" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-04_900X585.jpg" alt="Innenseite 04 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-04_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-04_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>Der Mann hinter dem Red River Kid</h3>
<p>&#8222;Genug der Vorrede, kommen wir zu Handlung&#8220;: Max Winter lebt vom Schreiben. Viel mehr lässt sich über seinen Alltag zunächst kaum sagen. Er sitzt an einer Schreibmaschine, liefert Westernstoffe und wartet auf das nächste, magere Honorar. Sein Held heißt Red River Kid, der durch eine Welt reitet, in der das Unrecht sichtbar ist und eine Waffe wenigstens einige Seiten lang für Ordnung sorgt.</p>
<p>Max schreibt jedoch keine reine Fantasie. Hinter dem Pseudonym steckt ein Mann, der Ende des 19. Jahrhunderts selbst als Red Rock Kid Banken und Postkutschen überfiel. Die Geschichten sind &#8222;geglättete&#8220; Erinnerungen und aus Angst, Hunger und Blut werden Abenteuer und aus einem Gesetzlosen wird eine verkäufliche Figur. Brubaker legt diese Ebenen so übereinander, dass ich nie lange überlegen muss, ob ich gerade Max’ Vergangenheit, seine gedruckte Fassung oder eine neue Erfindung lese.</p>
<p>Sein Redakteur verlangt vor allem Eines: Wiederholung, PULP halt. Ein stilles Ende oder ein alternder Held, der einfach weiterlebt, passen nicht in das gewünschte Muster. Als der Verlag wegen sinkender Auflage auch noch das Honorar kürzt, wird Max’ Lage bedrohlich. Kurz darauf verteidigt er in der U-Bahn einen jüdischen Jungen gegen zwei Schläger. Dafür wird er selbst brutal zusammengeschlagen, ausgeraubt und nach einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert.</p>
<p>Dieser Moment ist wichtig, denn Max handelt nicht, weil er plötzlich ein Held sein möchte. Er handelt, weil er Ungerechtigkeit erkennt und seinen alten Körper für einige Sekunden vergisst. Ein würdevoller Moment, der aber nicht gut für ihn ausgeht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4323" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-05_900X585.jpg" alt="Innenseite 05 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-05_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-05_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>Wenn Dir die eigene Geschichte nicht mehr gehört</h3>
<p>Nach dem Krankenhaus versucht Max weiterzuschreiben. Er braucht Geld für Rosa, seine Frau. Seine Angst gilt weniger dem eigenen Tod als der Frage, was er ihr hinterlässt, wenn er nicht mehr ist. Doch sein Redakteur hat längst Ersatz gefunden. Jüngere, günstigere &#8211; und gefügigere &#8211; Autoren schreiben neue Abenteuer des Red River Kid. Der Verlag besitzt die Figur, Max besitzt nur seine Erinnerungen, aus denen sie entstanden ist.</p>
<p>Brubaker trifft hier einen besonders bitteren Punkt. Max hat sein früheres Leben in Geschichten verwandelt, um zu überleben. Nun nimmt ihm die Unterhaltungsindustrie auch diese zweite Existenz. Die Figur darf ewig weiter reiten, während ihr Schöpfer krank und mittellos zurückbleibt. Der Comic macht daraus keine Abhandlung über Urheberrecht. Ein kurzes Gespräch im Büro genügt. Max&#8216; Redakteur ist kein fauchender Bösewicht. Er folgt einer einfachen Rechnung: Günstig ist einfach besser und verspricht mehr Profit. Gerade deshalb wirkt diese Szene so kalt.</p>
<p>Max reagiert mit dem Werkzeug, das er am besten kennt. Er beobachtet einen Geldtransport und plant einen Überfall. Der alte Gesetzlose kehrt nicht aus Abenteuerlust zu alten Gewohnheiten zurück. Er sucht eine letzte Möglichkeit, Rosa abzusichern. Doch bevor er zuschlagen kann, wird er von Jeremiah Goldman abgefangen. Goldman war früher <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pinkerton_(Detektei)" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Pinkerton-Detektiv</a> und jagte Max und dessen Bruder im Westen. Jetzt braucht er keine Gefangenen, sondern einen Partner.</p>
<p>Diese Begegnung verändert den Comic. Zwei alte Männer stehen sich gegenüber, deren Rollen früher klar verteilt waren. Einer brach das Gesetz, der andere verteidigte es. 1939 reicht diese alte Ordnung nicht mehr aus, um in der Gegenwart zu Überleben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4324" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-06_900X586.jpg" alt="Innenseite 06 von PULP" width="586" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-06_900X586.jpg 586w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-06_900X586-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px" /></p>
<h3>Ein Raubzug gegen die falschen Patrioten</h3>
<p>Goldman plant einen Einbruch in die Räume des bereits erwähnten German-American Bund. Während die Organisation im Madison Square Garden ihre große Kundgebung abhält, wollen Max und Goldman deren Kasse leeren. Für Max klingt das wie ein vertrauter Überfall mit neuen Zielscheiben, welche die &#8222;Entreicherung&#8220; verdienen. Die Nazis sind reich, bewaffnet und verachtenswert. Mehr Begründung braucht er zunächst nicht.</p>
<p>Beim Einbruch erkennt Max jedoch, dass Goldman auch ein anderes Ziel verfolgt. Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Unterlagen und Namen. Goldman will belegen, wer die amerikanischen Nazis finanziert und unterstützt. Seine persönliche Wut hat einen klaren Ursprung. Er wurde als Jude aus einem sicheren Beruf gedrängt und sieht früher als viele andere, welche Gefahr vor der amerikanischen Haustür wächst.</p>
<p>Der Plan scheitert blutig und Goldman wird in der Folge ermordet. Die Nazis lassen sich nicht so einfach etwas wegnehmen. Max überlebt erneut, obwohl sein Körper längst jedes Recht dazu verloren zu haben scheint. Spätestens hier verschmilzt seine Geschichten mit seinem Leben. Der alte Autor kann das Ende nicht mehr am Schreibtisch ändern. Er kann nur entscheiden, welche Rolle er darin übernimmt.</p>
<p>Max sucht die Mörder seines Partners auf. Der folgende Schusswechsel besitzt keinen Triumph. Phillips inszeniert ihn als bewussten Gang in den Tod. Max rächt Goldman und stellt sich gegen jene Männer, die ihre Menschenverachtung hinter Uniformen und patriotischen Bildern verstecken. Er stirbt nicht als makelloser Held, sondern als jemand, der für einen kurzen Augenblick auf der richtigen Seite steht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4325" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-07_900X585.jpg" alt="Innenseite 07 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-07_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-07_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>Als Amerika seine Nazis noch duldet</h3>
<p>Die Pulp-Magazine, von denen Max lebt, waren billige, leicht verfügbare Unterhaltung. Ihren Namen verdankten sie dem groben, säurehaltigen Papier. Zwischen den Zwanziger- und Fünfzigerjahren bedienten sie Western, Krimis, Horror, Science-Fiction, Liebesgeschichten und Kriegsabenteuer. Viele Autoren wurden nach Wortzahl bezahlt und schrieben unter mehreren Namen, um ihre Rechnungen begleichen zu können.</p>
<p>Brubaker nutzt diese Welt nicht bloß als hübsche Kulisse. Das tut er nie. Max wird pro Wort bezahlt, weil das System Masse braucht. Sein Leben wird zerlegt, verlängert und von anderen fortgeschrieben. Der Red River Kid gehört am Ende stärker dem Markt als seinem Schöpfer.</p>
<p>Ebenso wichtig ist das Jahr 1939. Die Vereinigten Staaten waren noch nicht in den Zweiten Weltkrieg eingetreten. Der German-American Bund konnte Antisemitismus verbreiten, Jugendcamps betreiben und sich als amerikanische Bewegung inszenieren. Beim New Yorker Aufmarsch standen nationale Symbole und Nazi-Zeichen nebeneinander. Genau diese Mischung macht den historischen Hintergrund so unheimlich. Das Böse trägt hier keine fremde Uniform. Es spricht von Heimat und Ordnung. An was erinnert mich das heute bloß???</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4326" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-08_900X585.jpg" alt="Innenseite 08 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-08_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-08_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>Sean Phillips lässt die Bilder altern</h3>
<p>Sean Phillips zeichnet den Comic nicht wie einen auf Hochglanz polierten Historienfilm. Seine Linien bleiben rau. Gesichter tragen Falten, Schatten und Müdigkeit. Max wirkt oft zusammengesunken, manchmal schwach, doch nie schwächlich. In seinem Körper steckt noch die Erinnerung an eine frühere Schnelligkeit. Phillips zeigt sie in kleinen Verschiebungen der Haltung.</p>
<p>Die Bildsprache ist stark vom Kino geprägt, ohne wie ein abgezeichneter Film zu wirken. Phillips wechselt sicher zwischen Totalen, Halbnahen und engen Gesichtern. Räume werden zuerst verständlich gemacht. Danach kann er die Blickrichtung verdichten. Besonders in den Überfällen entsteht Bewegung nicht durch überfüllte Panels, sondern durch klare Anschlüsse. Eine Hand greift, eine Tür öffnet sich und eine Figur tritt aus dem Schatten. Der nächste Schuss fällt fast zwangsläufig.</p>
<p>Auch der Seitenrhythmus überzeugt. Ruhige Gespräche laufen häufig in gleichmäßigen Bildfolgen. Gefahr bricht diese Ordnung auf. Größere Panels geben entscheidenden Momenten Gewicht, ohne die Seite in Spektakel zu verwandeln. Phillips nutzt Schwarzflächen wie verschlossene Türen. Sie nehmen den Figuren Luft und machen New York eng. Im Westen öffnet sich das Bild stärker. Doch selbst dort liegt keine Freiheit. Die Landschaft ist Teil einer Erinnerung, die Max längst in bedruckbare Ware verwandelt hat.</p>
<p>Seine größte Leistung bleibt für mich in allen Werken die Lesbarkeit. So auch hier: trotz mehrerer Zeitebenen, verschiedener Arten von Erinnerung und vieler Ortswechsel verliere ich nie den Überblick. Phillips führt das Auge so sicher, dass Brubakers Erzählerstimme Raum bekommt, ohne die Zeichnung zu ersticken.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4327" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-09_900X585.jpg" alt="Innenseite 09 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-09_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-09_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>Jacob Phillips färbt Erinnerung und Gegenwart</h3>
<p>Jacob Phillips trennt die Ebenen nicht mit grellen Effekten. Die Gegenwart liegt oft in kühlen Grau-, Blau- und Brauntönen. Sie fühlt sich feucht, schwer und verbraucht an. New York scheint das Licht zu schlucken.</p>
<p>Die Westernpassagen brennen dagegen in Orange, Rot und staubigem Gelb. Ihre Farben wirken nicht natürlicher, sondern stärker bearbeitet. So sehen Erinnerungen aus, die jahrelang erzählt und gedruckt wurden. Der Westen erscheint heißer, größer und gefährlicher als das Leben in der Großstadt oder am Schreibtisch. Zugleich ahmen einzelne Flächen die ungenaue Farbwirkung alter Drucke nach. Die Farbe erklärt damit nicht nur Zeit und Ort. Sie zeigt, wie Max seine Vergangenheit in einen Mythos verwandelt hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4328" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-10_900X585.jpg" alt="Innenseite 10 von PULP" width="585" height="900" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-10_900X585.jpg 585w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PULP_INNENSEITE-10_900X585-260x400.jpg 260w" sizes="auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px" /></p>
<h3>(Ein längeres) Fazit</h3>
<p>Mich beeindruckt an PULP bis heute, wie viel mir dieses kurze Buch erzählt, ohne unter seinem eigenen Gewicht zusammenzubrechen. Brubaker erzählt vom Altern, von Armut, vom Besitz an Geschichten und vom Wunsch, wenigstens einmal noch etwas Richtiges zu tun. Dazu kommt ein historischer Hintergrund, der nicht wie eine nachträglich eingebaute Botschaft wirkt. Der German-American Bund gehört direkt zu Max’ Welt. Beide leben davon, Wirklichkeit in eine gefällige Erzählung zu verwandeln. Der eine macht aus einem Gesetzlosen einen Westernhelden. Der andere kleidet Faschismus in amerikanische Fahnen.</p>
<p>Besonders schön finde ich, dass das Buch seine Liebe zu billiger Unterhaltung nie verleugnet. Es behandelt Westernhefte nicht als minderwertiges Futter, sondern als Geschichten, die Trost spenden sollten, Erinnerungen formten und zugleich ausgebeutet werden konnten. Diese doppelte Sicht macht den Comic tiefschürfender, als seine düstere Oberfläche zunächst erwarten lässt.</p>
<p>Max Winter ist dabei keine Figur, die ich wegen ihrer moralischen Reinheit ins Herz schließe. Er war gewalttätig, er hat geraubt und er hat sein Leben später so umgeschrieben, dass es sich verkaufen ließ. Trotzdem besitzt er eine klare Grenze. Er erkennt Feigheit, Grausamkeit und offenen Hass. Als jüngere und gesündere Männer wegsehen, handelt ausgerechnet dieser erschöpfte alte Mann.</p>
<p>Die Kürze ist zugleich Stärke und Schwäche. Rosa bleibt zu sehr am Rand. Ihre Sorge um Max und seine Sorge um sie tragen einen großen Teil seiner Motivation, doch ich hätte ihr gern mehr eigene Gegenwart gegönnt. Auch Goldman verschwindet fast in dem Moment, in dem seine Geschichte zusätzliche Tiefe gewinnt. Ein paar weitere Seiten hätten beiden Figuren gutgetan.</p>
<p>Trotzdem möchte ich dem Comic keine künstliche Länge wünschen. Seine Wirkung entsteht gerade daraus, dass er wie eine letzte, hastig getippte Geschichte vorankommt. Sean Phillips hält jede Seite verständlich und gespannt. Jacob Phillips gibt den Zeitebenen eigene Temperaturen und Ed Brubaker findet für Max eine Stimme, die müde aber nicht gebrochen klingt.</p>
<p>Mein erster Brubaker-Phillips-Comic war damit auch eine erstaunlich vollständige Einführung in ihr gemeinsames Erzählen. Das Buch zeigt Verbrechen ohne Verklärung, liebt jedoch die Formen des Krimis und des Western. Es misstraut Heldenbildern, ohne die Hoffnung auf Haltung aufzugeben. Am Ende bleibt kein Sieg, der die Welt verändert. Es bleibt die lebensnahe Entscheidung eines alten Mannes, nicht länger nur über Mut zu schreiben&#8230;</p>
<p>Vor Kurzem habe ich mir dann noch <a href="https://www.amazon.de/Pulp-Process-Ed-Brubaker/dp/1534323023/ref=sr_1_1?crid=357SVPPXH863G&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.vcSODS7I4B3i_-y8PpzTQQWltCbLM9faVgHIYrn5AUS2eSWPN2Zrarci0o36QmQ7fIBT3708cX5AT0u4qtK-AeojHJltoydU_FEkf0M7UMbsbPieBQRXuxwAZNd9gVdzTBMbWKvdYx2qpbgyipTQw-HfIRauDUsn1c0CTH9tiHPZbxjHGFUOohQxyK8vUPnRR7x03ZqCcx5GjRYaeVdInx2vMJdJlpK8A9-W1LkcCdA.kBA7FJMbYrmq0fkg52jQISguKh5wWNzWkBIZy1p4hFI&amp;dib_tag=se&amp;keywords=ed+brubaker+pulp&amp;qid=1786794130&amp;sprefix=pulp+brubaker%2Caps%2C130&amp;sr=8-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">PULP: The Process Edition</a> zugelegt. Dieses Hardcover beinhaltet Einblicke in den Schaffensprozess vom Script, über die Pencils und das Coloring bis hin zur fertigen Geschichte. Ein schöner Blick hinter die Kulissen des Kreativprozesses dieses erfolgreichen Duos.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4655" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/PULP_Cover-262x400.jpg" alt="Cover von PULP" width="262" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/PULP_Cover-262x400.jpg 262w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/PULP_Cover-655x1000.jpg 655w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/PULP_Cover-768x1172.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/PULP_Cover-600x916.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/PULP_Cover.jpg 983w" sizes="auto, (max-width: 262px) 100vw, 262px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>PULP</li>
<li>Ed Brubaker und Sean Phillips</li>
<li>Hardcover | 72 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-1-53431-644-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★★(★)</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://imagecomics.com/comics/series/pulp" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Image Comics Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD &#8211; Auf nach Gergovia!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 05:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Albert Uderzo]]></category>
		<category><![CDATA[Egmont Ehapa Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Rene Goscinny]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rene Goscinny wurde heute vor 100 Jahren, am 14. August 1926, in Paris geboren. Für mich wieder einmal Grund genug, einen besonderen Comic des Meisters zu besprechen. Soweit ich mich erinnern kann, war ASTERIX UND DER ARVERNERSCHILD mein erster Asterix überhaupt. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war oder wer mir das Album in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Rene Goscinny wurde <strong>heute vor 100 Jahren</strong>, am 14. August 1926, in Paris geboren. Für mich wieder einmal Grund genug, einen besonderen Comic des Meisters zu besprechen.</p>
<p>Soweit ich mich erinnern kann, war ASTERIX UND DER ARVERNERSCHILD mein erster Asterix überhaupt. Ich weiß nicht mehr, wie alt ich war oder wer mir das Album in die Hand gedrückt hat. Geblieben ist nur so ein Gefühl, dass genau dieser Band dazu beigetragen haben könnte, dass ich mich für Comics zu interessieren begann.</p>
<p><span id="more-4410"></span></p>
<p>Diese Figuren wirkten schon damals, als wären wir alte Bekannte &#8230; Familie!. Asterix wusste immer Rat, Obelix war stets hungrig, Majestix wollte allzeit würdevoll aussehen und die Römer &#8211; nun, die wollten ernst genommen werden. Nicht alles davon funktionierte. Dazu kamen früh die Running-Gags, die sich durch die folgenden Alben zogen. Und genau diese Kombination war es, die mich voll erwischt hatte.</p>
<p>Die Geschichte des Albums erschien 1967 zunächst in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pilot_(Comicmagazin)" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">PILOTE</a> und 1968 als Buch. Die deutsche Ausgabe folgte 1972 in der Übersetzung von Gudrun Penndorf. Ich merkte damals schon, dass hinter der leichten Geschichte ein erstaunlich dichtes historisches Gerüst steckt.</p>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gergovia" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Gergovia</a> war einer der Orte, an dem die Gallier über Cäsar triumphierten. Demgegenüber wurde <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alesia" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Alesia</a> kurz darauf zum Schauplatz der entscheidenden Niederlage des großen Aufstands unter ihrem Volkshelden Vercingetorix.</p>
<p>Goscinny und Uderzo bauen aus den historischen Fakten eine flotte Komödie über verletzten Stolz, verdrängte Niederlagen, Diätenwahn und politische Schauveranstaltungen, ganz im Stil klassischer, frankobelgischer Erzählungen. Ein verlorener Schild reicht ihnen dafür als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/MacGuffin" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">MacGuffin</a> völlig aus.</p>
<p>Für Albert Uderzo markiert der Band zudem einen beruflichen Einschnitt. Mit diesem Album beginnt er. sich ganz auf den Erfolg von Asterix zu konzentrieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_4426" aria-describedby="caption-attachment-4426" style="width: 702px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4426 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-01.jpg" alt="Sequenz aus ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD" width="702" height="217" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-01.jpg 702w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-01-300x93.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-01-600x185.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 702px) 100vw, 702px" /><figcaption id="caption-attachment-4426" class="wp-caption-text">Asterix® Obelix® Idefix® / ® Hachette Livre / Goscinny &#8211; Uderzo</figcaption></figure></p>
<h3>Alesia, DIE Niederlage hinter der Geschichte</h3>
<p>Alesia war mehr als nur eine verlorene Schlacht. Im Sommer 52 vor Christus verschanzte sich Vercingetorix mit seinen Truppen in dem befestigten, auf einem Hügel gelegenen Ort. Cäsar ließ die Stellung einschließen und errichtete zwei große Befestigungsringe. Der innere Ring hielt die Eingeschlossenen fest. Der äußere schützte die Römer vor einem gallischen Entsatzheer. Nach wochenlanger Belagerung kapitulierte Vercingetorix. Der organisierte Aufstand war damit im Kern erstickt, auch wenn die Kämpfe in Gallien noch bis etwa 51 vor Christus weitergingen.</p>
<p>Später wurde Alesia für Frankreich zu einem schmerzhaften Erinnerungsort. Im 19. Jahrhundert ließ Napoleon III. bei Alise-Sainte-Reine graben und 1865 eine monumentale Statue des Vercingetorix errichten. ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD spielt mit genau dieser Mischung aus Niederlage, Nationalstolz und spätem Heldengedenken. Die Arverner wollen den Namen Alesia am liebsten vergessen. Goscinny macht daraus einen Running-Gag. (&#8222;Alesia? Ich kenne kein Alesia! Ich weiß nicht, wo Alesia liegt! Niemand weiß, wo Alesia liegt!&#8220;) Dahinter liegt jedoch ein sehr verständlicher Wunsch. Wer eine Niederlage nicht aus der Welt schaffen kann, verweigert ihr wenigstens die Anerkennung &#8211; auch wenn genau das eben nicht wirklich funktioniert &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_4427" aria-describedby="caption-attachment-4427" style="width: 702px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4427 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-02.jpg" alt="Sequenz aus ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD" width="702" height="217" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-02.jpg 702w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-02-300x93.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-02-600x185.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 702px) 100vw, 702px" /><figcaption id="caption-attachment-4427" class="wp-caption-text">Asterix® Obelix® Idefix® / ® Hachette Livre / Goscinny &#8211; Uderzo</figcaption></figure></p>
<h3>Beim Teutates, der Häuptling hat Bauchweh</h3>
<p>Unsere Geschichte beginnt dort, wo der gallische Heldenglanz einen schweren Dämpfer bekommt. Vercingetorix wirft Cäsar nach der Niederlage von Alesia seine Waffen vor &#8211; bzw. auf &#8211; die Füße. Sein Schild verschwindet anschließend in einer Kette aus Diebstahl, Glücksspiel, Bestechung und Alkohol. Bereits dieser Auftakt zeigt, wie Goscinny arbeitete. Ein Zeichen dieser nationaler Niederlage, Vercingetorix&#8216; Schild, wird nicht ehrfürchtig verwahrt. Es wandert durch viele menschliche Hände und verschwindet im Nebel des Vergessens. Erst einmal.</p>
<p>Einige Jahre später leidet Majestix nach einem üppigen Festmahl unter heftigen Beschwerden. Die Leber schafft es nicht mehr und der herbei gerufene Miraculix kennt nur einen Ausweg: Majestix muss zur Kur nach Aquae Calidae im Arvernerland, dem heutigen Vichy! Asterix und Obelix begleiten ihn, während Gutemine, Majestix&#8216; Frau, mit fester Hand dafür sorgt, dass aus der Reise kein bewegliches Bankett wird.</p>
<p>Im Kurort angekommen beginnt für Majestix ein persönlicher Feldzug gegen gedünstetes Gemüse, Heilwasser und eine Behandlung, die jedes gemütliche Essen zum verbotenen Traum erklärt. Obelix leidet vorsorglich mit. Seine Begegnung mit einer winzigen Traube gehört zu den Sequenzen, die sich seit meiner ersten Lektüre tief in mein kindliches Gedächtnis eingeprägt hat. Uderzo braucht dafür kaum Text. Der Blick, die Körperhaltung und das lächerlich kleine Stück Nahrung erzählen den ganzen Witz.</p>
<p>Natürlich stören Asterix und Obelix mit ihrem gesunden Appetit bald die Disziplin der übrigen Kurgäste. Ein Aufstand droht! Also müssen sie weiterziehen und verabreden sich mit Majestix für das Ende der Kur in Gergovia. Aus der Gesundheitsreise des Häuptlings wird für unsere Helden damit wieder eine eigene Reisegeschichte. Das Dorf bleibt zurück, doch seine vertraute Dynamik wandern mit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_4428" aria-describedby="caption-attachment-4428" style="width: 702px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4428 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-03.jpg" alt="Sequenz aus ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD" width="702" height="439" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-03.jpg 702w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-03-300x188.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-03-600x375.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 702px) 100vw, 702px" /><figcaption id="caption-attachment-4428" class="wp-caption-text">Asterix® Obelix® Idefix® / ® Hachette Livre / Goscinny &#8211; Uderzo</figcaption></figure></p>
<h3>Wein, Kohle und ein römischer Triumphzug</h3>
<p>Unterwegs treffen Asterix und Obelix auf Tullius Firlefanzus, einen Sonderbeauftragten Cäsar&#8217;s. Der soll prüfen, ob die Arverner sich auch ordentlich unterworfen haben. Und natürlich fällt das Ergebnis für seine römische Begleitung &#8211; wie üblich &#8211; schmerzhaft aus.</p>
<p>In Gergovia finden die Freunde schließlich bei Alkoholix, einem Händler für Wein und Kohle, eine Unterkunft. (Damit ist dieser Band ein direkter Vorgänger des aktuellen 41. Bandes <a title="ASTERIX IN LUSITANIEN ist eine Jubiläum-Reise" href="https://panelwalker.de/2025/10/asterix-in-lusitanien-ist-eine-jubilaeum-reise/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">ASTERIX IN LUSITANIEN</a> mit seinen Kacheln-und-Kabeljau-Läden bzw. seinen sprachlichen Besonderheiten). Alkoholix ist gastfreundlich, patriotisch und auffallend wortkarg, sobald das Gespräch auf besagtes Alesia kommt.</p>
<p>Cäsar erfährt von der erneuten Demütigung seiner Männer &#8211; ausgerechnet in Gergovia! Dort hatte Vercingetorix den Römern 52 vor Christus wie bereits erwähnt eine seltene Niederlage beigebracht. Der Imperator plant deshalb eine gewaltige Geste. Er will in Gergovia auf dem Schild des Vercingetorix triumphieren. Das Problem liegt kurz darauf auf der Hand: Niemand weiß, wo der ver%&amp;$te Schild geblieben ist!</p>
<h3>Detektivgeschichten gallisch-römisch</h3>
<p>Nun laufen zwei Suchen parallel nebeneinander ab. Firlefanzus setzt Legionäre, Akten und Einschüchterung ein, um das gute Stück wiederzufinden. Währenddessen folgen Asterix und Obelix Kneipenspuren, Erinnerungen und ehemaligen Soldaten. Der Weg des Schildes führt sie über den Legionär Keuchhustus, den Spieler Apfelmus und den trinkfreudigen Zenturio Corruptus in die richtige Richtung. Schließlich landen die Beiden wieder bei Alkoholix in seiner Wein-und-Kohle-Handlung. Alkoholix hatte den Schild dereinst einem erschöpften gallischen Überlebenden geschenkt. Und wie sich herausstellt war dieser Mann &#8211; Majestix!</p>
<p>Die Auflösung ist kein bloßer Schlussgag, denn sie verändert meinen Blick auf den Häuptling unserer Gallier. Unter seiner Eitelkeit steckt auch ein Mann, der die historische Niederlage selbst erlebt hat. Am Ende steht Majestix wieder auf dem Schild des Vercingetorix, der inzwischen sein Schild geworden ist, und zieht von Obelix getragen statt Cäsar durch Gergovia. Cäsars geplante Machtdemonstration kippt erneut in einen gallischen Triumph. Das ist witzig, überraschend würdevoll und soooo befriedigend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><figure id="attachment_4429" aria-describedby="caption-attachment-4429" style="width: 702px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4429 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-04.jpg" alt="Sequenz aus ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD" width="702" height="435" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-04.jpg 702w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-04-300x186.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_Panel-04-600x372.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 702px) 100vw, 702px" /><figcaption id="caption-attachment-4429" class="wp-caption-text">Asterix® Obelix® Idefix® / ® Hachette Livre / Goscinny &#8211; Uderzo</figcaption></figure></p>
<h3>Zwischen Dorfbankett und Landpartie</h3>
<p>ASTERIX UND DER ARVERNERSCHILD gehört für mich zu den besten Geschichten die das Duo Goscinny / Uderzo zu Papier gebracht haben. Der Anfang und das Ende wurzeln im vertrauten Dorfleben. Majestix, Miraculix und das voraus gegangene Festmahl liefern den Antrieb. Danach öffnet sich die Handlung zur Reise durch das Arvernerland.</p>
<p>Erzählerisch funktioniert das Album wie eine Schnitzeljagd. Der Schild ist das gesuchte Objekt, seine früheren Besitzer bilden eine Spur und zwei Parteien verfolgen aus unterschiedlichen Gründen dasselbe Ziel. Diese Konstellation hält die Handlung zusammen, obwohl die Kur-Satire, das Reiseabenteuer, die Römer-Prügeleien und historische Erinnerung ständig ineinandergreifen. Dabei staune ich jedes Mal, wie mühelos Goscinnys Szenario-Komponenten hier ineinander greifen.</p>
<p>Majestix&#8216; Geschichte erhält in diesem Band außergewöhnlich viel Raum. Er ist hier nicht nur der Häuptling, der üblicherweise vom Schild fällt oder eine seiner großen Reden schwingt. Seine Völlerei setzt diese Reise in Gang, seine Vergangenheit löst das Rätsel um den Schild und sein geschrumpfter Bauch liefert einen visuellen Witz, der natürlich nicht von langer Dauer sein wird. Gleichzeitig bekommt seine Würde mehr Gewicht. Gerade diese Mischung macht ihn hier &#8211; und für kommende Geschichten &#8211; so liebenswert.</p>
<h3>Zeichnerischer Zaubertrank</h3>
<p>Uderzos Zeichnungen tragen jeden Wechsel im Tonfall. Seine Figuren sind weich, rund und beweglich. Selbst ein stiller Blick kann eine Pointe vorbereiten. Die Kurbäder leben von Körperkomik, die römischen Aufmärsche von übertriebener Ordnung, Gergovia von gedrängten Menschenmengen und stolzer Kulisse. Besonders stark finde ich die Gesichter. Firlefanzus bläht sich auf, Obelix hungert sichtbar und Majestix schwankt zwischen Elend und Größe.</p>
<p>Ganz ohne Schwäche ist ASTERIX UND DER ARVERNERSCHILD für mich letztendlich dann doch nicht. Der mittlere Suchteil folgt mehrfach einem ähnlichen Muster. Eine neue Auskunft führt zum nächsten Namen, danach gibt es Ärger mit den Römern. Das ist unterhaltsam, aber auch etwas mechanisch. Auch Asterix bleibt als Figur dieses Mal recht funktional. Er denkt, ermittelt und lenkt. Die größeren Gefühle gehören aber Majestix und den Arvernern. Ich empfinde das jedoch eher als kleine Einschränkung als einen echten Makel.</p>
<h3>Zwei Druiden am Zeichentisch</h3>
<p><figure id="attachment_4417" aria-describedby="caption-attachment-4417" style="width: 113px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4417 size-thumbnail" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/ReneGoscinny-113x150.jpg" alt="Rene Goscinny" width="113" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-4417" class="wp-caption-text">Rene Goscinny</figcaption></figure></p>
<p><strong>René Goscinny</strong> wuchs in Buenos Aires auf. Nach Jahren in New York und Paris entwickelte er sich zu einem der prägendsten Autoren des frankobelgischen Comics. (Falls Du mehr über den Lebensweg des Meisters erfahren willst, solltest Du zugreifen, wenn Du <a href="https://www.amazon.de/Die-Geschichte-Goscinnys-Galliers-Luke-Erfinders/dp/3551760454" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DIE GESCHICHTE DER GOSCINNYS</a> in einem Buchladen oder Comic-Shop findest.) Neben Asterix schrieb er unter anderem an LUCKY LUKE, ISNOGUD und DER KLEINE NICK. 1951 lernte er Albert Uderzo kennen. Gemeinsam entwickelten sie mehrere Serien wie z.B. UMPAH-PAH, bevor Asterix 1959 in der ersten Ausgabe von PILOTE erschien. Happy Birthday, lieber Rene! Ich vermisse Dich.</p>
<p><strong>Albert Uderzo</strong> wurde 1927 in Fismes geboren. Der Autodidakt verband karikaturhafte Figuren mit sicherem realistischem Zeichnen und einer außergewöhnlichen Begabung für Bewegung. Ab diesem elften Album widmete er sich ganz Asterix. Nach Goscinny&#8217;s Tod 1977 führte er die Reihe mit wechselndem Erfolg erst einmal allein weiter.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ASTERIX UND DER ARVERNERSCHILD ist für mich weit mehr als mein nostalgischer Lieblingsband. Er verbindet Reisekomödie, historische Erinnerung und Krimi-Handlung auf nur 48 kompakten Seiten. Der Humor ist warm und genau beobachtet. Die Geschichte erlaubt sich Spott über Kuren, die Bürokratie und Siegesposen. Zugleich nimmt sie die gallische Niederlage von Alesia ernst genug, um ihr Gewicht spürbar zu machen.</p>
<p>Vielleicht hat mich mein erster Asterix damals deshalb so dauerhaft gepackt. Hinter jedem Running-Gag öffnete sich eine größere Welt. Ich lachte über Obelix und seine Traube. Gleichzeitig verstand ich schon in jungen Jahren, dass ein Schild manchmal mehr tragen kann als nur einen Häuptling.</p>
<p>P.S. Falls Du mehr zu Asterix erfahren möchtest, empfehle ich Dir das von Marco Mütz liebevoll betreute, deutsche Asterix-Archiv unter <a href="https://comedix.de/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Comedix.de</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4578" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_COVER_1000X760.JPG-300x395.jpg" alt="Cover von ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD" width="300" height="395" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_COVER_1000X760.JPG-300x395.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_COVER_1000X760.JPG-750x987.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_COVER_1000X760.JPG-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_COVER_1000X760.JPG-600x789.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ASTERIX-UND-DER-AVERNERSCHILD_COVER_1000X760.JPG.jpg 760w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD</li>
<li>Rene Goscinny und Albert Uderzo</li>
<li>Softcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★★☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.egmont-shop.de/asterix-11-der-arvernerschild/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Egmont Ehapa Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/astrix-und-der-avernerschild-auf-nach-gergovia/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">ASTERIX UND DER AVERNERSCHILD – Auf nach Gergovia!</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 05:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gothic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zartbitter]]></category>
		<category><![CDATA[Alexa Rosa]]></category>
		<category><![CDATA[André May]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Read]]></category>
		<category><![CDATA[Chris Wildgoose]]></category>
		<category><![CDATA[Improper Books Verlag]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://panelwalker.de/?p=4245</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine Gothic Novel &#8211; oder auch Schauerroman &#8211; ist ein literarisches Genre des 18. und 19. Jahrhunderts, das insbesondere mit düsteren, geheimnisvollen Inhalten punktet.Zu den bekanntesten gehören FRANKENSTEIN von Mary Shelley oder DRACULA von Bram Stoker. Zu PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE bin ich wegen Chris Wildgoose gekommen. Er ist ein britischer Comiczeichner, Concept [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/porcelain-ist-ein-gothic-maerchen-fuer-erwachsene/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Gothic Novel &#8211; oder auch Schauerroman &#8211; ist ein literarisches Genre des 18. und 19. Jahrhunderts, das insbesondere mit düsteren, geheimnisvollen Inhalten punktet.Zu den bekanntesten gehören FRANKENSTEIN von Mary Shelley oder DRACULA von Bram Stoker<em>.</em></p>
<p>Zu PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE bin ich wegen <a href="https://www.chriswildgoose.com/comics" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Chris Wildgoose</a> gekommen. Er ist ein britischer Comiczeichner, Concept Artist und begnadeter Illustrator. Daneben ist er auch Mitgründer des Verlages <a href="https://www.improperbooks.com/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Improper Books</a> und wurde mit der PORCELAIN Reihe einem größeren Independent-Publikum bekannt. Später arbeitete er an <a href="https://www.dc.com/comics/gotham-academy-2014/gotham-academy-16" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">GOTHAM ACADEMY</a> und <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/batman-nightwalker-schatten-der-nacht-yddcya003-de02.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BATMAN NIGHTWALKER</a>. Aktuell zählt die Zusammenarbeit mit G. Willow Wilson am Comic <a title="THE HUNGER AND THE DUSK – Ich bin anders. Du auch." href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1069763237" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">THE HUNGER AND THE DUSK</a> zu seinen bekanntesten Arbeiten (den habe ich <a href="https://panelwalker.de/2025/03/the-hunger-and-the-dusk-ich-bin-anders-du-auch/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">an dieser Stelle</a> bereits besprochen).<span id="more-4245"></span></p>
<p>Wer seine späteren, oben genannten Arbeiten kennt, weiß, wie sicher er seine Figuren zeichnerisch erzählt. Bei diesem Werk wollte ich sehen, woher dieser Blick kommt. Geblieben bin ich dann aber nicht nur wegen Wildgoose&#8216; Zeichnungen, sondern weil Benjamin Read aus einem einfachen märchenhaften Aufbau ein kleines, kaltes, aber auch erstaunlich zartes Kammerspiel gebaut hat. Also: Licht aus, Kerze an! Wir begeben uns in die winterliche Stadt von &#8230; ja, keine Ahnung, irgendwo in Europa halt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4250" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007.jpg" alt="Innenseite 01 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die drei Säulen einer Geschichte</h3>
<p><em>Erstens</em> wächst aus der Vorliebe von Improper Books für Märchen, Fantastik auch ein Gespür für etwas Unheimliches. Das Studio wurde 2009 von Benjamin Read, Laura Trinder und Chris Wildgoose gegründet, nachdem sie auf einem unabhängigen Filmprojekt zusammengearbeitet hatten. Diese Herkunft aus Film, Bild und dunklen Erzählsträngen vermittelt der Band auf fast jeder Seite.</p>
<p><em>Zweitens</em> spielt Porzellan selbst als Idee mit. In Europa galt das Material lange als weißes Gold. Es war schön, kostbar, fast durchsichtig und technisch schwer zu beherrschen. Erst 1710 entstand <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Meissener_Porzellan" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">in Meißen die erste europäische Werkstätte für Hartporzellan</a>. Aber auch danach blieb es eine Kostbarkeit, die sich nur die wirklich Wohlhabenden leisten wollten und konnten.</p>
<p><em>Drittens</em> greift der Comic eine alte Faszination für künstliches Leben auf. Bewegliche Figuren, Automaten und mechanische Wunder wie etwa der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schacht%C3%BCrke" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Schachtürke</a> gehörten seit Jahrhunderten zur europäischen Schaulust. Im 18. Jahrhundert wirkten solche Maschinen wie kleine Vorboten einer Zukunft, die atmen wollte und es doch nicht konnte.</p>
<p>Dazu kommt noch eine gewisse &#8222;Märchentür&#8220;, die niemand öffnen darf bzw. soll. Wer da sofort an das Märchen vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blaubart" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BLAUBART</a> denkt, liegt nicht ganz falsch. Auch dort führt ein Verbot in einen verborgenen Raum. Auch dort wird Standhaftigkeit gegen Neugier geprüft. PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE macht daraus aber keine reine Warnung vor Ungehorsam. Der Comic hinterfragt gezielter, was Schutz wirklich bedeutet, wenn er auf Schweigen beruht. Und was eine Liebe wert ist, wenn sie auf einem Geheimnis fußt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4251" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008.jpg" alt="Innenseite 02 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Glasur, Schatten und der Atem der Bilder</h3>
<p>Wildgoose zeichnet gekonnt und zieht mich mit jedem Panel über die Schwelle hinein in sein Reich. Seine Stadt wirkt kalt, schmutzig und eng. Die Kinder bewegen sich darin wie kleine Schatten, flink und abgehärtet. Sobald Child über die Mauer steigt, verändert sich die Bilderwelt jedoch. Der Garten und das Haus des Porcelain Maker&#8217;s öffnen sich wie eine fremde Welt. Hier gibt es Wärme und Schutz vor der äußeren Kälte, aber sie ist nicht frei von Gefahr. Dort gibt es Schönheit, aber diese wird unter Verschluss gehalten.</p>
<p>Besonders stark ist Wildgoose in den Szenen, in denen er seine Charaktere konkret gegeneinander setzt. Child ist manchmal kantig, stets wachsam und sofort bereit zur Flucht. Der Porcelain Maker demgegenüber wirkt zuerst groß, müde und vorsichtig. Seine künstlichen Diener wiederum besitzen diese unheimliche Mischung aus Eleganz und Starrheit. Es sind Figuren, die funktionieren, auch ohne eine Seele zu haben.</p>
<p>Allerdings habe ich beim Lesen nie vergessen, dass auch sie zerbrechen können. Diese Zerbrechlichkeit steckt schon in der Form. Sie haben glatte Gesichter, weißliche Körper und leere Augen. Der Comic liefert dafür keine langen Erklärungen. Ein Blick auf eine dieser Porzellangestalten genügt und ich weiß, dass hier Gewalt und Zerbrechlichkeit dicht beieinander stehen.</p>
<p>Die Farbgestaltung des Comic ist wichtig, weil sie diese Nähe spürbar macht. André May als Colourist und Alexa Rosa für das Flatting arbeiten mit Kälte und gedämpftem Licht. Draußen liegt die Welt in Blau, Grau und Schmutz. Im Haus wird sie heller, cremiger, manchmal fast golden. Diese Wärme ist verführerisch, natürlich. Genau deshalb halte ich sie als Leser von Beginn an für verdächtig. Die Seiten lese ich dadurch nicht schneller, sondern vorsichtiger. Ich bleibe bei Details hängen, bei Kerzenlicht, bei Schatten in Werkstätten oder bei dieser glatten, bleichen Oberfläche, unter der etwas knackt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4252" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009.jpg" alt="Innenseite 03 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die Porzellanwerkstatt des Erzählers</h3>
<p>Chris Wildgoose&#8216; Partner bei diesem Werk ist Benjamin Read. Er ist ein britischer Autor von Comics, Büchern und Filmen und gehört &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; zu den Gründungsmitgliedern von Improper Books. Zu seinen weiteren Comics zählen unter anderem <a href="https://www.amazon.de/Briar-Vol-English-Benjamin-Read-ebook/dp/B01F9EH4XC?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BRIAR</a>, <a href="https://www.amazon.de/Butterfly-Gate-Vol-1-English-ebook/dp/B01F9EH4VE?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BUTTERFLY GATE </a>und <a href="https://www.amazon.de/Night-Post-English-Benjamin-Read-ebook/dp/B01F9EH4Z0?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">NIGHT POST</a>.</p>
<p>Gemeinsam mit Laura Trinder entwickelte er außerdem die erfolgreiche Kinderbuchreihe <a href="https://www.amazon.de/Mitternachtsstunde-Emily-die-geheime-Nachtpost-ebook/dp/B081ZDB976?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">MITTERNACHTSSTUNDE</a>. Read kommt erkennbar aus einer erzählerischen Ecke, in der Märchen, Filmrhythmus und düstere Fantastik gekonnt zusammenfinden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4253" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010.jpg" alt="Innenseite 04 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die Mauer aus feinem Porzellan</h3>
<p>Doch: Um was geht es in der Serie denn nun eigentlich? Die Hauptfigur der englischen Ausgabe heißt &#8222;Child&#8220;, also: das Kind. Ich bleibe bei diesem Namen, weil er den Märchenton des Comics trägt. Child ist kein romantisches Findelkind mit großen Augen. Sie lebt auf der Straße einer verschneiten, nicht näher bezeichneten, englischen Stadt. Child klaut, rennt, friert und behauptet sich in einer kleinen Bande aus Leidensgenossen.</p>
<p>Diese ersten Seiten erzählen ihren Hintergrund und sind wichtig, weil sie ihren Trotz nicht verniedlichen. Child ist nicht unschuldig im einfachen Sinn. Sie ist jung, verletzt, wach und voller Hunger. Hunger nach Essen, ja. Aber auch nach einem Platz, der ihr nicht sofort wieder streitig gemacht wird.</p>
<p>Eine Mutprobe führt sie über die Mauer des Anwesens, hinter welcher der Porcelain Maker residiert. Für die Kinder draußen ist er eine Art Zauberer, vielleicht auch ein Monster, auf jeden Fall jedoch ein Mann, von dem Geschichten erzählt werden.</p>
<h3>Ein Garten mit Geheimnissen</h3>
<p>Als Child in seinem Garten erwischt wird, kippen die Vorurteile. Der Alte ist doch nicht der böse Hexenmeister, auf den die Szene vorbereitet hat. Er ist einsam und gereizt, neugierig und offenbar berührt von diesem Kind, das ohne Erlaubnis in sein Leben eingebrochen ist. Sein Haus wird von Porzellangestalten bevölkert, die durch Alchemie angetrieben werden. Sie dienen ihm, schützen ihn und machen die Einsamkeit nur noch spürbarer.</p>
<p>Was mich an diesem Einstieg überzeugt, ist die Geduld. Read setzt nicht auf unmittelbaren Schrecken. Und Wildgoose zeigt mir zuerst Räume, Abstände und vorsichtige Annäherungen. Child darf bleiben. Der Porcelain Maker bietet ihr Essen, Kleidung, Schutz und eine Art Familie. Im Gegenzug gibt es nur eine Regel: Sie darf nicht in den verschlossenen Teil der Werkstatt!</p>
<p>Natürlich weiß ich als Leser sofort, dass diese Tür nicht geschlossen bleiben wird. Der Comic weiß das auch. Gerade deshalb spielt er nicht auf billige Überraschung. Er interessiert sich für den Weg zu dieser Tür.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4254" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011.jpg" alt="Innenseite 05 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die glasierte Tür und ihr Verbot</h3>
<p>Im Haus des Porcelain Maker&#8217;s lernt Child eine völlig neue Welt kennen. Sie bekommt nicht nur Luxus, sondern auch die Art Aufmerksamkeit, die ihr auf der Straße gefehlt hat. Der alte Mann behandelt sie bald wie eine Tochter. Diese Beziehung ist das Herzstück des Bandes und sie ist schön, weil beide etwas beieinander finden, das sie vermisst haben. Child findet Sicherheit, der Porcelain Maker findet menschliche Nähe.</p>
<p>Gleichzeitig bleibt ihre Beziehung jedoch irgendwie &#8211; schief. Er besitzt das Haus, das Wissen und die Regeln. Sie besitzt nur ihren Trotz. Der Comic verklärt diese Schieflage nicht. Er zeigt, wie dankbar Child ist und er zeigt zugleich, wie gefährlich Dankbarkeit werden kann, wenn Fragen verboten sind.</p>
<h3>Die glasierten Helfer</h3>
<p>Die Porzellangestalten wirken in dieser Mitte des Bandes fast häuslich. Sie decken Tische, bewegen sich durch die Flure und erfüllen ihre Aufgaben. Gerade diese Normalität macht sie präsenter. Ich lese sie nicht als bloße Monster. Es sind Geschöpfe, Produkte, vielleicht Kinder einer anderen Art. Ihre Körper tragen die ganze Frage des Comics in sich: Wann wird Fürsorge zu Kontrolle? Wann wird Herstellung zu Herrschaft? Und wie viel Leben darf ein Mensch in etwas hineinlegen, bevor er Verantwortung dafür trägt? Alles in allem ist auch die GOTHIC FAIRY TALE eine FRANKENSTEIN-Geschichte.</p>
<p>Child&#8217;s Neugier führt deshalb auch zu ihrer Intuition. Auf der Straße konnte sie es sich nicht leisten, blind zu vertrauen. Im Haus soll sie jedoch genau das tun. Sie soll glauben, dass ein Verbot nur zu ihrem Besten besteht. Aber PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE wäre keine gute Geschichte, wenn sie diese Frage sauber beantworten würde.</p>
<p>Die verbotene Werkstatt enthält keine einzelne Pointe, die alles erklärt. Stattdessen öffnet sie einen moralischen Riss. Nach dem Öffnen der Tür sieht das Haus mit einem Mal anders aus. Auch die Liebe zwischen Child und dem Porcelain Maker bekommt eine andere Farbe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4255" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012.jpg" alt="Innenseite 06 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Scherben auf dem Werkstattboden</h3>
<p>Im letzten Teil zieht der Band die Schrauben noch einmal an. Child muss begreifen, dass die schöne Zuflucht einen Preis hat. Der Porcelain Maker muss sich seiner eigenen Vergangenheit und seinen Entscheidungen stellen. Und aus dem Märchen über ein Mädchen in einem wunderlichen Haus wird ein Drama über Besitz, Schuld und die Angst vor Verlust.</p>
<p>Der Comic bleibt dabei erstaunlich kontrolliert. Er lässt Raum für Trauer, ja sogar Raum für Zuneigung, wo Zorn vielleicht näherliegen würde. Genau das hat mich berührt. Die Geschichte will nicht einfach bestrafen. Sie schaut hin, wenn Figuren einander weh tun, obwohl sie einander brauchen. Mehr Familie geht kaum noch.</p>
<p>Die Nebenfiguren aus der Straße bleiben dabei mehr als bloßer Auftakt. Sie erinnern daran, woher Child kommt. Das ist wichtig, weil das Haus sonst zu sehr als einzige Welt erscheinen könnte. Child hat schon vor der Mauer gelernt, wie hart Menschen sein können. Im Anwesen lernt sie, dass Sanftheit ebenfalls gefährlich werden kann, wenn sie nicht ehrlich ist.</p>
<p>Der Band gewinnt daraus seine erwachsene Note. Er sieht aus wie ein Märchen, aber er denkt wie eine Geschichte über Familie. Nicht über die Familie, die Blut-ist-dicker-als-Wasser oder Die-Familie-ist-das-Gesetz verspricht. Sondern über die Familie, die entsteht, weil zwei Einsame einander erkennen und trotzdem nicht wissen, wie Nähe ohne Besitz funktioniert.</p>
<p>
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<img loading="lazy" decoding="async" width="283" height="400" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-283x400.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="Cover von PORCELAIN - IVORY TOWER" columns="2" size="medium" link="none" ids="4261,4262" orderby="post__in" include="4261,4262" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-283x400.jpg 283w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_IvoryTower_Cover_707x1000.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" />
</p>
<p>Dass dies ein Auftakt ist, merke ich am Ende deutlich. Der Band erzählt eine geschlossene Geschichte, aber er lässt Child nicht dort zurück, wo Märchenheldinnen üblicherweise landen. Kein bequemes Danach, kein Happy-Ever-After. Die Fortsetzungen BONE CHINA und IVORY TOWER springen weiter in Child&#8217;s Leben und zeigen sie als Lady und später als Mother. Dieser erste Band ist also Ursprung, Wunde und Fundament zugleich.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4256" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013.jpg" alt="Innenseite 07 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Ein Serienauftakt aus gebranntem Weiß</h3>
<p>Als erster Teil einer dreibändigen Reihe funktioniert PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE sehr gut, weil der Band nicht wie ein Prolog wirkt. Er erzählt nicht nur, wie etwas beginnt. Er erzählt, warum etwas nie wieder heil wird. Das ist ein Unterschied.</p>
<p>Viele Auftakte legen Figuren, Welt und Regeln aus. Read und Wildgoose machen das auch, aber sie verstecken die Anlage in einer emotional klaren Geschichte. Ich muss nicht wissen, wohin die Reihe später führt, um diesen Band zu verstehen. Wenn ich es weiß, gewinnt er aber an Gewicht.</p>
<p>Die Reihe verfolgt Child über große Zeitsprünge weiter und macht aus dem Mädchen später eine Frau mit Macht, Geheimnissen und Verantwortung. Improper Books beschreibt die Reihe als die Geschichte einer Frau und ihrer Spuren, die sie in der Welt hinterlässt. Der erste Band zeigt die erste dieser Spuren.</p>
<p>Thematisch liegt für mich der Reiz in der Mischung. Der Comic nutzt Märchenmotive, aber er pinselt sie nicht nostalgisch an. Er nimmt BLAUBART&#8217;s verbotene Tür, den Waisenhaus Geruch viktorianischer Armut a la DAVID COPPERFIELD, die Faszination für Automaten und das Versprechen des weißen Goldes. Daraus entsteht ein Erzählstrang, der vertraut beginnt und immer unsicherer wird. Child darf hart sein, der Porcelain Maker liebenswert und beide dürfen falsch handeln. Das macht die Geschichte menschlicher als viele deutlich lautere Fantasy Comics.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4257" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014.jpg" alt="Innenseite 08 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Sprünge in der glänzenden Oberfläche</h3>
<p>Kleinere Schwächen gibt es trotzdem. Einige Wendungen sind früh zu erahnen, weil die angepasste Märchenform ihre Spuren sehr sichtbar offenbart. Die Bande der Straßenkinder hätte ich gern noch etwas stärker erlebt, andererseits wir haben hier nicht <a title="DIE VIER VON DER BAKER STREET „besuchen“ ein Museum" href="https://panelwalker.de/2025/03/die-vier-von-der-baker-street-besuchen-ein-museum/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">DIE VIER VON DER BAKERSTREET</a>. Die Kids erfüllen ihre Aufgabe, doch neben Child und dem Porcelain Maker verblassen sie bald.</p>
<p>Auch die Welt außerhalb des Anwesens bleibt im ersten Band eher angedeutet. Das ist erzählerisch nachvollziehbar, weil der Comic seine Druckkammer braucht. Trotzdem wollte ich an manchen Stellen kurz aus dem Haus treten und mehr von dieser Stadt sehen. Letztendlich war diese äußere Welt narrativ dann aber doch nicht wichtig genug.</p>
<p>Doch diese Begrenzung ist zugleich die Stärke des Werkes. Der Band bleibt eng bei Child. Wenn die Welt klein wirkt, dann deshalb, weil Child&#8217;s Möglichkeiten klein sind. Wenn das Haus groß wirkt, dann deshalb, weil Schutz für sie zunächst wie Überwältigung aussehen muss.</p>
<p>Wildgoose&#8217;s Seitenrhythmus unterstützt das wunderbar. Große Panels öffnen die Räume. Kleinere Bildfolgen bremsen Bewegungen ab. Stumme Momente geben den Figuren Gewicht. Der Comic vertraut darauf, dass ein Gang, eine Tür und ein Blick mehr erzählen können als ein erklärender Absatz. Dieses Vertrauen zahlt sich aus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4258" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015.jpg" alt="Innenseite 09 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE ist ein Serienauftakt mit eigener Seele. Der bisher nur in englischer Sprache erschienene Band verbindet Märchen, Gothic Stimmung, alchemistische Fantastik und Familiendrama zu einer Geschichte, die kälter beginnt, als sie endet und wärmer wirkt, als sie eigentlich sein dürfte. Ich kam wegen Chris Wildgoose., blieb wegen seiner Zeichnungen, der Farben, der Porzellangestalten und wegen Child, die nie nur Opfer, nie nur Heldin und nie bloß Märchenfigur ist.</p>
<p>Nicht alles überrascht. Nicht jede Nebenfigur sitzt so tief wie das zentrale Paar. Aber der Comic hat etwas, das ich bei Gothic Stoffen besonders schätze: er kennt den Wert der Oberfläche und traut ihr nicht. Er zeigt Schönheit, bis ich die Sprünge sehe. Und wenn am Ende Scherben liegen, wirken sie nicht wie Dekor. Sie wirken wie der Anfang einer langen Geschichte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4249" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-280x400.jpg" alt="Cover von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="280" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-600x857.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>PORCELAIN  A GOTHIC FAIRY TALE</li>
<li>Benjamin Read und Chris Wildgoose</li>
<li>86 Seiten | Farbe | English</li>
<li>ISBN 978-1-44746-131-9</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.improperbooks.com/comics/project-four-yjynj-nb7xc" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Improper Books Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/porcelain-ist-ein-gothic-maerchen-fuer-erwachsene/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>NEKROMANTEN &#8211; Unterwegs mit drei Geistern</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/nekromanten-unterwegs-mit-drei-geistern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2026 05:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sword-And-Sorcerer]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Alice Scimia]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Gay]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Tina Valentino]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nekromanten haben im Fantasy-Genre meist einen miserablen Ruf. Sie stehen in Gruften herum, murmeln finstere Beschwörungen und schicken anschließend Skelette in irgendwelche Schlachten. Der eigentliche Begriff ist etwas freundlicher, zumindest ein bisschen. Nekromantie bezeichnet ursprünglich die Beschwörung von Toten, um von ihnen Wissen oder Weissagungen zu erhalten. Ein Nekromant ist also zunächst jemand, der Kontakt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/nekromanten-unterwegs-mit-drei-geistern/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">NEKROMANTEN – Unterwegs mit drei Geistern</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nekromanten haben im Fantasy-Genre meist einen miserablen Ruf. Sie stehen in Gruften herum, murmeln finstere Beschwörungen und schicken anschließend Skelette in irgendwelche Schlachten.</p>
<p>Der eigentliche Begriff ist etwas freundlicher, zumindest ein bisschen. Nekromantie bezeichnet ursprünglich die Beschwörung von Toten, um von ihnen Wissen oder Weissagungen zu erhalten. Ein Nekromant ist also zunächst jemand, der Kontakt zu Verstorbenen aufnimmt. So weit, so einfach.</p>
<p>Olivier Gay und Tina Valentino bauen aus dieser Definition ein hübsches Morgenland-Szenario. In NEKROMANTEN binden Magier die Geister Verstorbener an sich und nutzen deren Fähigkeiten. Wer also den richtigen Kämpfer erwischt, wird im Duell stärker, ein berühmter Gelehrter bringt Wissen ein und selbst ein gerissener Händler kann nach seinem Tod noch nützlich sein. Die Toten sind Helfer, Machtquelle und Statussymbol zugleich.</p>
<p>Düster? Könnte sein. Olivier Gay erzählt vielmehr eine flotte Fantasykomödie, während Tina Valentino sie in eine Welt aus detailreichen Grabmälern, Basaren, Kuppeln und Palästen umsetzt. <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0105935/?ref_=nv_sr_srsg_1_tt_7_nm_1_in_0_q_alladin%20disney" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Disney&#8217;s Aladdin</a> lässt auf mehreren Ebenen grüßen.</p>
<p>Die deutsche Ausgabe liegt nun als Splitter Double vor und packt die vollständige Geschichte auf 96 Seiten in einen Hardcoverband. Das ist gut, denn dieses Abenteuer möchte ohnehin am liebsten ohne Pause durch das Tor zum Totenreich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4367" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715.jpg" alt="Innenseite 03 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Das Grab unter der Bodenklappe</h3>
<p>Also, Sesam, öffne Dich! Morla, eine junge Nekromantin, weiß genau, was sie will. Sie ist ehrgeizig, selbstbewusst und überzeugt, dass in einem verlassenen Grabmal ein besonders wertvoller Geist auf sie wartet. Ihr jüngerer Bruder Acher begleitet sie. Er ist ebenfalls Nekromant, allerdings ein ausgesprochen schlechter. Morla geht wie üblich voran, Acher folgt, stellt Fragen und hofft, dass niemand seine Unsicherheit bemerkt.</p>
<p>Das gesuchte Grab liegt überwuchert irgendwo im Wald, Pflanzen wachsen über Mauern und kaltes Licht schwebt durch muffige Räume. Morla hält all das eher für eine Einladung als für eine Warnung. Tief im Inneren stößt die kleine Gruppe aus Geschwistern und Helfern auf Boph-Êt. Der uralte Erzmagier war einst so mächtig, dass mehrere große Helden nötig waren, um ihn zu besiegen. Die ehrgeizige Morla versucht nun, seinen Geist an sich zu binden, was &#8211; natürlich &#8211; nicht funktioniert. Boph-Êt dreht das von ihm entwickelte Ritual einfach um und übernimmt stattdessen ihren Körper. Zwei Begleiter sterben, die Anlage stürzt ein und Acher entkommt dem Schlamassel nur mit knapper Not.</p>
<p>Das Schöne ist, dass damit sein Charackter-Arc feststeht: Acher muss seine Schwester retten und verhindern, dass Boph-Êt erneut die Macht ergreift. Dafür ist er ungefähr so gut gerüstet wie ein Kameltreiber für einen Seekrieg. Aber aus genau diesem Grund mochte ich ihn sofort. Acher ist kein verklemmter Überflieger. Er ist wirklich überfordert &#8211; trotzdem läuft er nicht davon! Das gibt seiner Reise von Beginn an Mut und viel Herz.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4368" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715.jpg" alt="Innenseite 04 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Drei Geister ziehen zum Basar</h3>
<p>Ganz allein ist Acher bei dieser Reise natürlich nicht. Drei Geister sind an ihn gebunden. Teodor ist ein älterer Gelehrter, der viel weiß, sich aber im entscheidenden Augenblick gern im eigenen Gedächtnis verirrt. Teheris ist ein Krieger, der bereits in seiner ersten Schlacht starb und deshalb erschreckend wenig Kampferfahrung besitzt. Und Isia war eine Bauchtänzerin mit Temperament, einer schnellen Zunge und wenig Lust, sich wie ein Werkzeug behandeln zu lassen. Als Sammlung mächtiger Geister sind die drei eine Enttäuschung, als Reisegesellschaft großartig.</p>
<p>Boph-Êt zieht in Morla&#8217;s Körper nach Biblys. Die Hauptstadt breitet sich über die Hügel aus, während sich unten Marktstände, Stoffbahnen und schmale Häuser drängen. Darüber wachsen arabische Kuppeln und Türme in den Himmel. Ganz oben schließlich sitzt die Akademie der Magie. Dort beginnt der frisch erwachte Erzmagier seinen Einfluss auszubauen und nach jenen Personen zu suchen, die ihn vor Jahrtausenden besiegt hatten. Man will so ein Desaster ja kein zweites Mal erleben.</p>
<p>Acher folgt ihm und trifft auf Ayu. Sie gehört zur Elitetruppe der Garde und kann mit einer Waffe deutlich besser umgehen als ein Teheris-gepimpter Acher mit seinen Geistern. Sie packt zu und läuft nicht bloß bewundernd neben dem Helden her, sie widerspricht und entscheidet selbst. Ihr trockener Blick auf Acher&#8217;s Chaos hält dabei viele Szenen auf eine besondere Art zusammen.</p>
<p>Die Spur führt zu drei legendären Toten. Montserrat war einst eine brillante Strategin, Dmitris war der große Kämpfer und Varlam ein mächtiger Magier. Gemeinsam brachten sie Boph-Êt zu Fall. In der Gegenwart braucht Acher nun erneut ihre Hilfe. Dummerweise haben diese Geister ihre eigenen Wünsche und sehr, sehr alte Rechnungen offen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4369" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715.jpg" alt="Innenseite 05 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Im Palast wartet ein alter Fluch</h3>
<p>Montserrat bringt neue Unruhe in die Geschichte. Ihr Geist steckt im Körper eines Händlers, den sie als Wirt benutzt. Sie will Boph-Êt vernichten und bietet Acher ihre Hilfe an. Vertrauen ist dabei aber eine zweischneidige Angelegenheit. Montserrat verrät immer nur so viel, wie es ihrem Plan dient. Und Acher bemerkt langsam, dass er damit zwischen zwei uralten Gegnern steht, die andere gern wie Figuren auf einem Spielbrett hin- und herschieben.</p>
<p>Auch Morla bleibt wichtig, obwohl Boph-Êt ihren Körper beherrscht. Für Acher ist sie nicht einfach die Hülle des Bösewichts, sie ist &#8211; und bleibt &#8211; seine große Schwester. Jeder Angriff auf den Erzmagier kann deshalb auch sie treffen. Auf diese Weise wird das Abenteuer auch persönlich: Acher muss nicht nur gewinnen, sondern auch einen Weg finden, Morla zurückzuholen. Bereits hier zeichnen sich schmerzhafte Entscheidungen am Horizont ab.</p>
<p>Ich hätte Morla &#8211; die echte &#8211; gern öfter erlebt. Vor der Besessenheit zeigt sie Eigensinn, Mut und eine gute Portion Überheblichkeit. Danach verschwindet ihre Stimme lange hinter der Boph-Êt&#8217;s. Ja, das ist für die Handlung gut nachvollziehbar. Der Geschwisterbeziehung fehlt andererseits dadurch aber Raum und ihre Rettung wird für mich als Leser weniger emotional aufgeladen.</p>
<p>Olivier Gay gleicht das mit narrativem Tempo aus. Palastwachen, Fluchten, Magie und Geisterbeschwörungen folgen dicht aufeinander. Am stärksten bleibt für mich trotzdem die kleine Gruppe um Acher. Teodor liefert Wissen mit eingebautem Wackelkontakt, Teheris versucht tapfer, wenigstens gelegentlich wie ein Krieger auszusehen und Isia kommentiert das Chaos mit Spott und erstaunlicher Treue. Die vier müssen gar nicht über Freundschaft reden. Wie sie streiten und sich im nächsten Augenblick retten, sagt mehr als tausend Worte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4370" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715.jpg" alt="Innenseite 06 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Karawane zum Grab des großen Magiers</h3>
<p>Im zweiten Teil verschärft sich die Lage dramatisch. Kaiser Othman Al-Thariv, der Herrscher des Reiches, ist ermordet worden. Biblys steht unter Spannung, während Boph-Êt im Palast immer mehr Einfluss gewinnt.</p>
<p>Montserrat weist Acher den Weg zum Grab Varlam&#8217;s. Der tote Magier war entscheidend am ursprünglichen Sieg über Boph-Êt beteiligt und ohne seine Macht sieht es für ihre Mission schlecht aus.</p>
<p>Natürlich erfährt auch Boph-Êt von diesem Plan. Er schickt Luu hinterher. Luu ist sein Vollstrecker und führt bewaffnete Männer gegen Acher und seine Geister. Die Suche nach Varlam&#8217;s Grab wird zum Wettlauf durch Wüsten und Ruinen. Auf der einen Seite reist eine Heldengruppe, die eher zufällig zusammengefunden hat, auf der anderen Seite marschieren Leute, die genau wissen, wie Gewalt funktioniert.</p>
<p>Das Tempo der Erzählung steigt jetzt noch einmal kräftig. Enthüllungen, Kämpfe und Seitenwechsel folgen eng getaktet aufeinander. Das hält die Spannung hoch, lässt aber wenig Platz für die Vergangenheit von Montserrat, Dmitris und Varlam. Aus diesen alten Feindschaften hätte Gay locker mehr machen können.</p>
<p>Das Finale verrate ich nicht. Entscheidend ist ohnehin Acher&#8217;s Entwicklung. Er wird durch die Umstände nicht plötzlich zum mächtigsten Nekromanten des Reiches. Er lernt jedoch, seine Geister ernst zu nehmen. Teodor, Teheris und Isia sind keine schlechten Werkzeuge, nein, sie sind überhaupt keine Werkzeuge! Sie sind eigensinnige Gefährten und genau daraus zieht die Geschichte ihre Wärme.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4371" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Geschichtenerzähler am Tor der Unterwelt</h3>
<p>Schauen wir gemeinsam noch auf die Autoren dieses Comic. Olivier Gay, unser Szenarist, wurde 1979 in Grenoble geboren. Bevor er vom Schreiben leben konnte, arbeitete er als Manager in einer Unternehmensberatung. Er veröffentlichte Kriminalromane, Fantasy sowie Kinder- und Jugendbücher. Zu seinen Reihen gehören LE NOIR EST MA COULEUR, LES ÉPÉES DE GLACE und LA MAIN DE L’EMPEREUR. 2019 schloss er sich dem Fantasy-Label <a href="https://www.drakoo.fr/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Drakoo</a> an. Dort schrieb er unter anderem <a href="https://www.amazon.de/D%C3%A9monistes-Vlad-French-Olivier-Gay-ebook/dp/B0C1J14WBT/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=VL682DX0BOXJ&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.tkCG1-1pe7kZM6dU8kdI3_j8vZFpxTYcTmHZnEXhpTJiv2ZU4DB0OoQNOshOIC6mqD9jRdN9C1QCwn3CDHXc9P9kzgqkXUAa9kZ6m93SB50V5vh_rTXPUOnfXtZf8JAlHNBxTvTlfGmc2_MyDtnjSVt7JBb1x5Ztxrh16dE0ZZup1093z0Q98CCwRAbGKXgv.zROZEMpLq582VNhlVqfgNkgmKqiCtWWJFReQZOEoP8A&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+gay+demonistes&amp;qid=1784647282&amp;s=books&amp;sprefix=olivier+gay+demonistes%2Cstripbooks%2C106&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DÉMONISTES</a>, <a href="https://www.amazon.de/Mal%C3%A9fices-Danthrakon-vol-diva-pics/dp/2382330430/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2RJDZVRMQCV47&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.jF_9H2ADxUXD8_GTsyBjKAm-Xzjb9g-D62uTjWAXyeG3jXeMbfmz7ZFMABxDvbgmjitxBhU1euYg3_zoAiTWtA.97ZJDfppKruUOpe_vMp3Z9UXBksbI5RnLsXlLZQgu8Y&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+Gay+LES+MAL%C3%89FICES+DU+DANTHRAKON&amp;qid=1784647241&amp;sprefix=olivier+gay+les+mal%C3%A9fices+du+danthrakon%2Caps%2C152&amp;sr=8-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">LES MALÉFICES DU DANTHRAKON</a> und <a href="https://www.amazon.de/Mages-Bonaparte-histoire-compl%C3%A8te/dp/2382331119/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1R4R4C4SWSR9T&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.3hHzqY28nbUjEIuC-Y92KVaNMJXt_W7R8FxvPhAIgIpo-OptbJFBXaD-m8fEG9YwDYKnxWndu-4ljzVVwJUWV-CeAyDtvMRZjjgN1DXKFXA.mglOoZQbIfwnGgRNe4ENfpNleYAmX0oGm_luaCk3XH0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+gay+LES+MAGES+DE+BONAPARTE&amp;qid=1784647305&amp;s=books&amp;sprefix=olivier+gay+les+mages+de+bonaparte%2Cstripbooks%2C192&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">LES MAGES DE BONAPARTE</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4372" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Mit leichtem Schritt durch 1001 Gruft</h3>
<p>Gay&#8217;s Art Geschichten zu erzählen macht mir den Einstieg angenehm leicht. Die Regeln der Nekromantie dieser Welt stehen nach wenigen Seiten fest. Ein Geist besitzt eine Fähigkeit, ein Nekromant bindet ihn an sich und aus dieser Verbindung entsteht Macht. Danach kann die Geschichte loslaufen. Ich musste nicht erst ein Glossar heranziehen oder eine Weltkarte studieren. Sehr schön.</p>
<p>Der Humor der Geschichte entsteht meist aus den Figuren selbst. Acher möchte souverän wirken, während seine Geister ihn öffentlich untergraben. Ayu durchschaut ihn ohnehin und Isia besitzt häufig die schärfste Zunge der Runde. Diese Rollen sind deutlich, kippen aber selten in bloße Nummern.</p>
<p>Andererseits sitzt nicht jeder Witz. Einige moderne Anspielungen passen nur bedingt in die Gassen von Biblys. Außerdem rennt der zweite Teil seinem Ende entgegen. Ruhigere Gespräche hätten Morla, Montserrat und den übrigen alten Helden mehr Gewicht geben können, trotzdem bleibt die Erzählung jederzeit verständlich. Ich weiß immer, wer etwas will und warum der nächste Schritt nötig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4373" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Macht, Besitz und Stimmen aus dem Jenseits</h3>
<p>Wenn ich es recht bedenke, steckt hinter dieser Komödie auch eine interessante Frage: Wem gehört die Erfahrung eines Menschen nach dessen Tod? Mächtige Nekromanten behandeln Geister wie Besitz. Ein berühmter Toter erhöht den Rang seines neuen Herrn. Wissen, Kampfkunst und Einfluss wechseln einfach den Besitzer. Auch dies erinnert mich an Aladdin: Dschinny ist dort ein Wesen mit eigenen Wünschen, obwohl er an seinen Meister gebunden ist. So auch hier.</p>
<p>Das Album verfolgt diesen Gedanken nicht bis in jede Ecke. Dafür ist das Buch zu gern Abenteuer. Acher bietet trotzdem einen Gegenentwurf. Seine Verbindung zu Teodor, Teheris und Isia beruht immer weniger auf Befehl und immer mehr auf Kooperation. Er gewinnt nicht durch bessere Unterwerfung, sondern weil aus vier Außenseitern eine sich ergänzende Gruppe wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4374" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Die Zeichnerin im blauen Geisterlicht</h3>
<p>Wer ist nun für die schönen Zeichnungen verantwortlich? Tina Valentino wurde an der <a href="https://scuolacomics.com/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Scuola Internazionale di Comics</a> in Rom in Zeichnung und Animation ausgebildet. Sie arbeitete an<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geronimo_Stilton" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external"> GERONIMO STILTON</a>, gestaltete Cover und war an der Webserie <a href="https://www.crestomat.ch/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">IL CRESTOMAT</a> beteiligt. 2021 begann sie bei Drakoo die Zusammenarbeit mit Olivier Gay.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4375" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Kuppeln, Knochen und flinke Blicke</h3>
<p>Valentino eröffnet die Geschichte mit einem Grabmal, das sofort Lust auf Erkundung macht. Bäume, Wurzeln und Ruinen schieben sich in- und übereinander. Kleine Figuren laufen durch eine riesige grüne Anlage. Schon die erste Seite erklärt die Größe, die Stimmung und die Gefahr. Danach rückt die Zeichnerin näher an die Gruppe heran. Gesichter, Hände und Blicke fokussieren.</p>
<p>Ihre Figuren spielen sehr körperlich. Acher zieht die Schultern ein und schaut gern zur Seite. Morla steht fest und nimmt mehr Raum ein. Nach der Übernahme durch Boph-Êt wird ihr Gesicht härter. Ayu wirkt wach und kampfbereit, Isia schwebt zwar als Geist durch die Panels, besitzt aber mehr Haltung als viele Lebende.</p>
<p>Besonders schön ist das Geisterlicht. Teodor, Teheris und Isia erscheinen in kühlen Blautönen. Alice Scimia&#8217;s Kolorierung trennt sie deutlich von warmen Hautfarben, goldenen Kuppeln und rötlichen Stoffen. Gerät die Magie außer Kontrolle, strömen Grün und Gelb in die Seiten. Ich erkenne dadurch schnell, welche Kräfte gerade wirken.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4376" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715.jpg" alt="Innenseite 12 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>NEKROMANTEN ist keine finstere Abhandlung über verbotene Rituale. Es ist eine warmherzige Coming-of-Age-Fantasy-Komödie über einen jungen Zauberer, der mit drei wenig angesehenen Toten über sich hinauswächst. Olivier Gay erzählt diese Geschichte flott und verständlich, während Tina Valentino dem Abenteuer starke Gesichter und sehr viel Bewegung mitgibt.</p>
<p>Ich hätte mir manchmal mehr Platz für Morla, Montserrat und die alten Helden gewünscht. Auch Biblys bleibt eher schöne Bühne als vollständig ausgearbeitete Stadt. Das Double habe ich trotzdem mit großem Vergnügen gelesen, denn seine beste Idee liegt darin, dass Acher aufhört, seine Geister nach ihrem Nutzen zu beurteilen und ihre Freundschaft zu schätzen lernt. Am Ende schlagen in diesem Totenreich erstaunlich viele Herzen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4366" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-286x400.jpg" alt="Cover von NEKROMANTEN" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-600x840.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714.jpg 714w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>NEKROMANTEN</li>
<li>Olivier Gay und Tina Valentino</li>
<li>Hardcover | 96 Seiten | Farbe | Double</li>
<li>ISBN 978-3-96792-284-4</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/nekromanten.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>LÄNDER VON YNUMA &#8211; ROTER SAMURAI und kleine Priesterin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 05:00:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Sword-And-Sorcerer]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich gebe es ja zu. Als ich auf den ersten Seiten den schweigsamen Samurai mit roter Haut und gewaltigem Schwert sah, dachte ich zunächst, ich hätte mich in eine von Mike Mignola&#8217;s HELLBOY-Geschichten verirrt. Schließlich geht es hier ebenfalls um Dämonen, Waffen und bedeutungsvolles Schweigen. Andererseits fehlen hier die Hörner. Dann jedoch zieht sich Zhao, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich gebe es ja zu. Als ich auf den ersten Seiten den schweigsamen Samurai mit roter Haut und gewaltigem Schwert sah, dachte ich zunächst, ich hätte mich in eine von Mike Mignola&#8217;s <a href="https://www.cross-cult.de/highlights/hellboy-highlight-seite/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">HELLBOY</a>-Geschichten verirrt. Schließlich geht es hier ebenfalls um Dämonen, Waffen und bedeutungsvolles Schweigen. Andererseits fehlen hier die Hörner.</p>
<p><span id="more-4398"></span></p>
<p>Dann jedoch zieht sich Zhao, der rote Samurai, eine Augenbinde über, weil seine Begleiterin nackt in einen Teich steigen will. Das wiederum passt so gar nicht zu HELLBOY und kurz darauf liegt er selbst im Wasser und ringt mit einem rachsüchtigen Geist.</p>
<p>Genau in diesem Wechsel zwischen Ernst, Grusel und trockenem Humor liegt der Reiz von LÄNDER VON YNUMA und dem Startband ROTER SAMURAI. Nicolas Jarry, der Szenarist, und Vax, der Zeichner, greifen bekannte Motive aus asiatischen Geistergeschichten und Samurai-Erzählungen auf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4387" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 03 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-05.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-05-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-05-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Vier Jahreszeiten, vier Prüfungen</h3>
<p>Jedes Kapitel beginnt mit einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haiku" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Haiku</a> und führt Zhao, den Krieger, und Mei-Jen, die Priesterin, durch Herbst, Winter, Frühling und Sommer. Landschaften, Gegner und Stimmungen verändern sich mit dem Wetter. Der erste Band der neuen Reihe fühlt sich dadurch wie eine vollständige Reise an, obwohl er aus vier einzelnen Aufträgen besteht.</p>
<p>Ynuma ist der dritte große Kontinent der Welten von Aquilon. Nach Arran und Ogon öffnet sich nun eine asiatisch angeregte Region mit Samurai, Mönchen, Geistern und erfundenen Völkern. Historisch genau will das nicht sein. Jarry baut schließlich eine Fantasywelt, keinen Reiseführer durch das alte Japan.</p>
<h3>Der Autor hinter Aquilon</h3>
<p>Nicolas Jarry gehört zu den prägenden Autoren der Welten von Aquilon. Nach ersten Fantasy-Romanen arbeitete er gemeinsam mit Jean-Luc Istin an Reihen wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/elfen-bd-1-der-kristall-der-blauelfen.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ELFEN</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-saga-der-zwerge-bd-1-redwin-von-der-schmiede.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ZWERGE</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/orks-und-goblins-bd-1.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ORKS &amp; GOBLINS</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/laender-von-ogon-1-zul-kassai.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">LÄNDER VON OGON</a>.</p>
<p>Seine Erfahrung hilft beim Einstieg. Jarry deutet eine große Welt an, ohne die Geschichte frühzeitig mit Namen, Ländern und alten Kriegen zu überladen. Vorkenntnisse brauche ich nicht. Die Regeln ergeben sich während der Reise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4388" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 04 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-06.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-06-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-06-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Herbst am dunklen Teich</h3>
<p>Zhao gehört zum Volk der Kugo. Er ist riesig, besitzt eine mit Kanji übersäte, rote Haut. Schon seine Silhouette sagt deutlich, dass Ärger besser einen anderen Weg nehmen sollte. (Was das angeht, erinnert er mich sofort an <a href="https://panelwalker.de/2026/05/die-bruderschaft-der-stuerme-01-thoorak/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">Thoorak aus der Bruderschaft der Stürme</a>). Als Roter Samurai folgt er einem strengen Ehrenkodex. Er spricht wenig, lächelt noch weniger und behandelt selbst harmlose Begegnungen mit einer Feierlichkeit, die fast schon ein wenig komisch wirkt.</p>
<p>An seiner Seite reist Mei-Jen. Die Dobushi-Priesterin kennt sich mit Geistern, Ritualen und der Grenze zwischen den Welten aus. Wenn heilige Glocken erklingen, hat sich irgendwo der Schleier zwischen den Welten geöffnet. Dann folgen die Beiden ihrem Auftrag. Denn Zhao und Mei-Jen sollen jene Wesen zurückschicken, die nach Ynuma gelangt sind.</p>
<p>Der erste Ruf führt sie zu einem stillen Teich. Dort geht der Geist eines ertrunkenen Mädchens um. Die Ausgangslage hat etwas angenehm Altmodisches. Ein einsamer Ort, eine traurige Geschichte und Wasser, das ein wenig zu ruhig daliegt. Ich ahnte sofort, dass niemand freiwillig hineinsteigen sollte. Mei-Jen tut es trotzdem.</p>
<h3>Augenbinde gegen Anstand</h3>
<p>Um den Geist hervorzulocken, entkleidet sie sich, während Zhao sich die Augen verbindet und sich auf seine Ehre beruft. Mei-Jen nimmt das mit sichtlichem Vergnügen zur Kenntnis. Diese kleine Szene reicht bereits, um das Verhältnis der beiden zu erklären. Er hält sich an Regeln, sie prüft gern, wie belastbar diese sind.</p>
<p>Als der Yūrei angreift, packt er Mei-Jen und zieht sie in die Tiefe. Zhao springt hinterher. Der Kampf funktioniert, weil Jarry den Teich erst unheimlich erscheinen lässt und Vax mir dunkles Wasser, verschwommene Formen und Bewegungen unter der Oberfläche zeigt.</p>
<p>Hinter der Gefahr steckt jedoch keine grundlose Bosheit. Das Mädchen ist an seinen Tod gebunden. Zhao kann den Spuk nicht allein durch Kraft beenden. Mei-Jen&#8217;s Wissen und Mitgefühl sind ebenso nötig. Schon hier macht der Comic deutlich, dass seine Monster mehr sind als nur Ziele für ein scharfes Schwert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4389" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 05 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-07.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-07-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-07-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Winter in den Bergen</h3>
<p>Der zweite Auftrag führt uns in verschneite Berge. Eine wichtige Quelle ist verdorben. Aus ihrem Wasser kriechen larvenartige Wesen, die in Körper eindringen und sich ausbreiten. Nach dem stillen Geist am Herbstteich wird das Abenteuer deutlich körperlicher und unangenehmer.</p>
<p>Während Mei-Jen den Riss zwischen den Welten mit ihren Fähigkeiten zu schließen versucht, entweicht eine weitere Kreatur. Zhao löst das Problem auf eine Weise, die perfekt zu ihm passt. Er nimmt die Kreatur in sich auf. Sein eigener Körper wird zur Falle. Das ist heldenhaft, widerlich, aber auch eindrucksvoll. Vor allem erzählt diese Szene mehr über ihn als mehrere Seiten voller Erklärungen.</p>
<h3>Der Krieger als Schutzwall</h3>
<p>Zhao sieht sich selbst als Werkzeug. Schmerzen sind hinzunehmen. Gefahr gehört zum Auftrag. Rücksicht auf die eigene Person kennt er nicht. Was zunächst wie große Tapferkeit aussieht, hat deshalb auch eine dunklere Seite.</p>
<p>In dieser Geschichte rückt die Bedeutung einer Team-Leistung in den Vordergrund. Beide kümmern sich, aber jeder um einen bestimmten Aspekt der Bedrohung. Ohne Mei-Jen&#8217;s Wissen wären die befallenen Personen alle verloren, ohne Zhao&#8217;s Kraft und Selbstaufopferung könnte Mei-Jen ihren Teil der Aufgabe nicht erfüllen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4390" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 06 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-08.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-08-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-08-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Frühlingsnebel und ein kleiner Hirte</h3>
<p>Im Frühling liegt Nebel über dem Land. Ein kleiner Hirte hat seine Tiere verloren und bittet Zhao und Mei-Jen um Hilfe. Damit verändert sich die Stimmung erneut. Aber jetzt läuft ein Kind neben ihnen her, stellt Fragen und lässt sich von Zhao&#8217;s Erscheinung kaum beeindrucken.</p>
<p>Für mich ist dieses Kapitel der stärkste Teil des Bandes. Der Junge bringt Wärme in die Geschichte, ohne zum niedlichen Maskottchen zu werden. Seine Sorge ist einfach: er hat Tiere verloren, die ihm anvertraut wurden. Plötzlich geht es nicht um das Gleichgewicht großer Welten, sondern um ein kleines persönliches Versprechen.</p>
<p>Zhao begegnet ihm zunächst mit seiner üblichen Steifheit. Hiervon lässt der Junge sich aber nicht abschrecken und zeigt, dass Risse auch Zhao&#8217;s Schutzpanzer entstehen können.</p>
<h3>Hinter dem Ehrenkodex</h3>
<p>Jarry erzählt nun etwas mehr über den Roten Samurai. Zhao hatte ein Leben vor seinen Reisen. Er kannte Nähe, Verantwortung und Verlust. Der Band erklärt nicht jedes Detail. Kurze Erinnerungen und Reaktionen genügen.</p>
<p>Sein Ehrenkodex ist nicht nur Ausdruck seiner Überzeugung. Er schützt ihn vor Gefühlen, die er nicht noch einmal zulassen möchte. Mei-Jen erkennt schneller als er selbst, was in ihm vorgeht. Ihr Humor bleibt freundlich. Sie reizt ihn, aber sie stellt ihn nicht bloß.</p>
<p>Im Nebel verschwimmen Wege und Entfernungen. Vax lässt Figuren nur teilweise aus dem Weiß auftauchen. Der Frühling, sonst eine Zeit des Aufbruchs, fühlt sich hier wie eine Reise durch Erinnerungen an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4391" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-09.jpg" alt="Innenseite 07 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-09.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-09-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-09-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Sommer unter einer gnadenlosen Sonne</h3>
<p>Der letzte Auftrag führt hinaus auf&#8217;s Wasser. Ein gewaltiges, schlangenartiges Wesen nährt sich von Erinnerungen und vergangenen Leben. Seine Opfer verlieren nicht nur Kraft. Sie werden mit allem konfrontiert, was sie einmal waren oder hätten werden können.</p>
<p>Für Zhao ist das der denkbar schlimmste Gegner. Gegen Krallen, Zähne und Hiebe kann er kämpfen. Gegen die eigene Vergangenheit hilft kein scharfes Schwert.</p>
<p>Der Comic öffnet nun einige Türen, die zuvor nur einen Spalt breit offen standen. Zhao musste schwere Verluste hinnehmen. Seine Härte kommt nicht aus angeborener Kälte. Er hat sich in die Rolle des Roten Samurai eingeschlossen, weil diese Rolle keine Zweifel und keine Nähe verlangt.</p>
<h3>Klinge gegen Erinnerung</h3>
<p>Das Wesen zwingt ihn, hinter diese Fassade zu schauen. Der Kampf funktioniert deshalb nicht nur als Abschluss mit möglichst viel Getöse. Zhao muss eine innere Entscheidung treffen. Er kann seine Vergangenheit nicht besiegen, indem er sie noch tiefer vergräbt. Denn diesmal muss er sich der Aufgabe auch alleine stellen.</p>
<p>Vax zieht bei dieser Begegnung alle Register. Das Geschöpf füllt große Teile der Seiten. Zhao wirkt daneben plötzlich klein. Weite Bilder wechseln mit engen Ausschnitten. Bewegungen ziehen sich durch mehrere Panels. Trotzdem blieb für mich immer klar, wer sich wo befindet.</p>
<p>Zhao wird nicht plötzlich offen und redselig. Die Veränderung zeigt sich in kleinen Entscheidungen und Blicken. Nur das Ende kommt etwas schnell. Nach dem Kampf hätte ich gern noch ein paar ruhige Seiten mit Zhao und Mei-Jen verbracht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4392" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-10.jpg" alt="Innenseite 08 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-10.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-10-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-10-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Vier Episoden, eine Entwicklung</h3>
<p>LÄNDER VON YNUMA &#8211; ROTER SAMURAI fühlt sich nicht wie eine lose Sammlung an. Jede Jahreszeit führt Zhao und Mei-Jen einen Schritt weiter.</p>
<p>Im Herbst begegnet er dem Schmerz eines fremden Geistes, im Winter macht er den eigenen Körper zum Schutzwall, im Frühling erinnert ihn ein Kind an sein früheres Leben und im Sommer muss er sich schließlich dem stellen, was er lange verdrängt hat.</p>
<p>Diese Ordnung gibt der Geschichte Halt. Jeder Abschnitt hat eine eigene Farbe, ein eigenes Tempo und eine eigene Art von Gefahr. Jarry verbindet dabei klassisches Fantasyabenteuer mit dem Porträt eines verschlossenen Kriegers, dessen Schutzmauern langsam Risse bekommen.</p>
<h3>Fünf Bände für Ynuma</h3>
<p>Die Reihe ist auf fünf Alben angelegt. Spätere Teile wechseln Figuren, Szenaristen und Zeichner. Das ist reizvoll, weil Ynuma dadurch aus verschiedenen Blickwinkeln wachsen kann.</p>
<p>Gleichzeitig hätte ich gegen weitere Abenteuer mit Zhao und Mei-Jen nichts einzuwenden. Besonders Mei-Jen besitzt noch viel ungenutztes Potenzial. Über Zhao erfahre ich bereits einiges. Seine Begleiterin bleibt dagegen zu oft die humorvolle Helferin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4393" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 09 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-11.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-11-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-11-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Vax und die Kunst der Haltung</h3>
<p>Vax hat bereits an <a href="https://www.splitter-verlag.de/sensei-bd-1-die-schule-der-einsamen-woelfe.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">SENSEÏ</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-legende-der-drachenritter-30.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DIE LEGENDE DER DRACHENRITTER</a> und SAMURAI ORIGINS gearbeitet. Asiatisch geprägte Welten und große Fantasyabenteuer sind für ihn also kein Neuland.</p>
<p>Das merke ich LÄNDER VON YNUMA &#8211; ROTER SAMURAI an. Tempel, Rüstungen, Berge und Waffen passen zusammen. Vor allem versteht Vax, dass Zhao nicht nur im Kampf überzeugen muss.</p>
<p>Der Krieger lebt von seiner Haltung. Er steht gerade, bewegt sich sparsam und besetzt mit seinem Körper oft einen großen Teil des Bildes. Mei-Jen bildet den passenden Gegenpol. Sie ist beweglicher und lebhafter. Wenn sie Zhao aufzieht, genügt häufig ein Blick.</p>
<h3>Wenn Farben Wetter erzählen</h3>
<p>Auch die Jahreszeiten bekommen ein eigenes Gesicht. Der Herbstteich liegt dunkel zwischen Grün und Braun. Der Winter besteht aus Felsen, Schnee und kaltem Licht. Im Frühling löst Nebel die festen Formen auf. Der Sommer bringt warme Farben und weite Räume.</p>
<p>Sehr gelungen ist der Seitenaufbau. Vax eröffnet Szenen häufig mit breiten Bildern. Sobald Gefahr entsteht, werden die Panels enger und schneller. Dadurch steigt das Tempo, ohne dass die Seite unruhig wird.</p>
<p>Nicht jedes kleine Gesicht ist gleich fein ausgearbeitet. Nebenfiguren wirken aus größerer Entfernung gelegentlich grob. Die Geister und Dämonen sind ohnehin die heimlichen Stars. Vax nutzt lange Gliedmaßen, nasse Haare und unnatürliche Bewegungen. Der Comic bleibt dabei ein Fantasyabenteuer und kippt nicht in reinen Horror.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4394" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-12.jpg" alt="Innenseite 10 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-12.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-12-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-12-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>LÄNDER VON YNUMA &#8211; ROTER SAMURAI macht den Einstieg in die neue Serie sehr leicht. Ich bekomme einen eindrucksvollen Helden, eine charmante Begleiterin, vier unterschiedliche Geisterabenteuer und eine Welt, die sofort nach mehr aussieht. Das gefällt mir richtig gut.</p>
<p>Nicolas Jarry erzählt geradlinig. Hinter den Kämpfen steckt eine Geschichte über Verlust, Pflichtgefühl und die Frage, wann ein Ehrenkodex Halt gibt und wann er zum Gefängnis wird. Vax liefert dazu starke Bilder. Seine Landschaften tragen die Stimmung, seine Kämpfe bleiben klar.</p>
<p>Ganz rund ist der Auftakt nicht. Mei-Jen hätte mehr eigene Geschichte verdient und das Ende könnte länger ausklingen. Diese kleinen Schwächen ändern aber nichts daran, dass ich mit den Beiden sehr gern durch Herbst, Winter, Frühling und Sommer gezogen bin.</p>
<p>Wer Samurai, Geister und zugängliche Fantasy mag, sollte Zhao und Mei-Jen begleiten. Und wer bei einem roten Krieger (mit und ohne Hörnern) zunächst nur an große Schwertkämpfe denkt, darf sich auf eine angenehm persönliche Überraschung gefasst machen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4386" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Cover-290x400.jpg" alt="Cover von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="290" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Cover-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Cover-600x829.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Cover.jpg 724w" sizes="auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>LÄNDER VON YNUMA 01 &#8211; ROTER SAMURAI</li>
<li>Nicolas Jarry und Vax</li>
<li>Hardcover | 72 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-69258-002-9</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/laender-von-ynuma-1.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
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