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	<title>Bewertung - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>Bewertung - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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		<title>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW: vom Buch zum Film</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 05:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Möglicherweise ist er &#8211; wie schon 2014 GUARDIANS OF THE GALAXY &#8211; ein Film, der sein Publikum nicht nur über Bilder sondern auch über seine Musik erreicht. Jimmy Ruffin&#8217;s &#8222;What becomes of the Brokenhearted&#8220; und Blondie&#8217;s &#8222;Call Me&#8220; aus den Trailern könnten hierfür einen starken Hinweis liefern. Am 25. Juni kommt Craig Gillespie&#8217;s SUPERGIRL mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Möglicherweise ist er &#8211; wie schon 2014 <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt2015381/?ref_=nv_sr_srsg_2_tt_8_nm_0_in_0_q_guardians%20of%20the%20" target="_blank" rel="nofollow noopener">GUARDIANS OF THE GALAXY</a> &#8211; ein Film, der sein Publikum nicht nur über Bilder sondern auch über seine Musik erreicht. Jimmy Ruffin&#8217;s &#8222;What becomes of the Brokenhearted&#8220; und Blondie&#8217;s &#8222;Call Me&#8220; aus den Trailern könnten hierfür einen starken Hinweis liefern.</p>
<p>Am 25. Juni kommt Craig Gillespie&#8217;s <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Q9bBcSe5Qe8" target="_blank" rel="nofollow noopener">SUPERGIRL</a> mit Milly Alcock als Kara Zor-El, Matthias Schoenaerts als Krem und Eve Ridley als Ruthye Marye Knoll in die deutschen Kinos. Das ist ein schöner Moment, um den Comic von Tom King und Bilquis Evely u.a. noch einmal zur Hand zu nehmen.</p>
<p>Nicht als Pflichtlektüre vor dem Film natürlich, sondern eher als Gegenmittel gegen die sehr verbreitete Vorstellung, SUPERGIRL sei einfach Superman mit blondem Haar und einem Rock. Denn mit dieser Ansicht räumt SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW sehr gründlich auf.</p>
<p><span id="more-4177"></span></p>
<p>Tom King, Bilquis Evely und Matheus Lopes erzählen in 8 Ausgaben keine glänzende Geschichte. Sie schicken Kara auf eine Reise durch fremde Welten, in Kneipen unter roten Sonnen, auf staubige Planeten und zu sprechenden Wesen, erzählen von alten Wunden und sehr jungen Rachefantasien.</p>
<p>Ich habe beim ersten Lesen ursprünglich schnell gemerkt, dass dieser Comic nicht daran interessiert ist, SUPERGIRL netter zu machen. Er will sie wahrer erscheinen lassen. Das ist ein Unterschied! Kara ist hier nicht weniger heldenhaft als ihr Cousin. Sie ist jedoch müder, älter im Herzen und deutlich schneller bereit, jemandem die Laune zu verderben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4179" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657.jpg" alt="Innenseite 01 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="657" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657.jpg 657w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657-263x400.jpg 263w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657-600x913.jpg 600w" sizes="(max-width: 657px) 100vw, 657px" /></p>
<h3>Argo City brennt noch immer</h3>
<p>SUPERGIRL erschien als Kara Zor-El 1959 in ACTION COMICS #252. Geschrieben wurde ihr Debüt von Otto Binder, gezeichnet von Al Plastino.</p>
<p>Schon damals war sie mehr als eine bloße Ergänzung der Superman-Familie. Sie kam aus Argo City, einem überlebenden Bruchstück Kryptons. Auch ihr Ursprung war also von Anfang an mit Verlust verbunden. Nur wurde dieser Verlust lange meist verharmlosend geglättet. Kara sollte helfen, lächeln, sich fügen und im Zweifel im Schatten ihres berühmteren Cousins bleiben und verkörperte damit natürlich ein Frauenbild ihrer Zeit.</p>
<p>Tom King greift genau diesen Schatten auf. Seine Kara wurde nicht als Baby auf der Erde von liebevollen Eltern aufgenommen. Sie hat Krypton gekannt und bewusst verloren. Sie hat gesehen, wie ihre Heimat, ihre Familie und ihre Zukunft verschwanden.</p>
<p>Das klingt erst einmal nach einer kleinen Änderung im bekannten Mythos, verändert aber Wesentliches. Superman steht für die Chance, neu anzufangen. Dieses SUPERGIRL jedoch steht für das Weiterleben nach dem Ende.</p>
<p>Die achtteilige Miniserie erschien von Juni 2021 bis Februar 2022 bei DC und liegt inzwischen in mehreren Sammelausgaben vor. Die Deluxe Edition umfasst die komplette Geschichte. DC selbst stellt den Band deutlich als prägende Supergirl-Erzählung heraus und das ist keine Übertreibung, sondern ziemlich treffend.</p>
<p>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW nimmt eine Figur, die oft zwischen Symbol und Nebenrolle eingeklemmt war und gibt ihr eine eigenes, ja &#8211; emanzipatorisches Gewicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4180" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657.jpg" alt="Innenseite 02 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="657" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657.jpg 657w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657-263x400.jpg 263w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657-600x913.jpg 600w" sizes="(max-width: 657px) 100vw, 657px" /></p>
<h3>Krypto beißt nicht nur fürs Merchandising</h3>
<p>Die Geschichte beginnt nicht auf der Erde, sondern direkt draußen im All. Kara feiert ihren Geburtstag auf einem Planeten mit roter Sonne. Dort sind ihre Kräfte gedämpft &#8211; und dort kann sie bis zum Umfallen trinken.</p>
<p>Das ist ein starker Einstieg, weil er die Figur sofort menschlicher macht aber auch verschiebt. Diese SUPERGIRL sitzt zu ihrem Jahrestag nicht auf einem Wolkenkratzer und lächelt in den Sonnenaufgang. Sie hängt in einer Kneipe &#8218;rum und sieht so aus, als habe sie die Nase voll vom ganzen Kosmos.</p>
<p>Dann taucht Ruthye Marye Knoll auf, ein Mädchen, dessen Vater von Krem of the Yellow Hills ermordet wurde. Ruthye sucht keine Rettung. Sie sucht eine Waffe und sie will Kara anheuern, damit Krem stirbt. Kara lehnt das zunächst ab, denn sie gehört zur Superman-Familie und Töten passt nicht zu diesem Erbe.</p>
<p>Doch Krem greift ein, verletzt Krypto mit einem vergifteten Pfeil und stiehlt Kara&#8217;s Raumschiff. Plötzlich ist aus einer Bitte um Rache eine lebenswichtige Verfolgung geworden und aus einer betrunkenen Begegnung ein seltsam kratziges Bündnis zweier, junger Frauen.</p>
<p>Ruthye erzählt die Geschichte in einer Sprache, die bewusst altmodisch klingt. Das wirkt am Anfang sperrig. Ich brauchte ein paar Seiten, bis ich in diesen Ton hineinkam. Danach trägt er sehr viel. Denn Ruthye ist keine neutrale Erzählerin. Sie blickt auf Kara wie auf eine Legende, die vor ihren Augen ständig Dellen bekommt. Genau daraus entsteht jedoch der Reiz dieser Geschichte: Kara ist für Ruthye überlebensgroß, aber nie fehlerlos.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4181" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659.jpg" alt="Innenseite 03 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="659" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659.jpg 659w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659-600x910.jpg 600w" sizes="(max-width: 659px) 100vw, 659px" /></p>
<h3>Die Phantomzone liegt im Herzen</h3>
<p>Die Reise führt durch fremde Gesellschaften, Gewalt, Armut, Gier und kleine Wunder. King zählt dabei nicht einfach Stationen auf. Er lässt jede Etappe an Ruthye&#8217;s Wunsch nach Vergeltung kratzen. Das Mädchen folgt einer klaren Logik: Krem hat getötet, also muss Krem sterben.</p>
<p>Kara weiß, wie verführerisch dieser Satz ist. Sie weiß es nicht aus Lehrbüchern. Sie kennt die Wut, weil in ihr selbst ein ganzer Planet weiterbrennt.</p>
<p>Der Comic gewinnt viel Kraft daraus, dass Kara nicht als reine, moralische Instanz auftritt. Sie ist nicht die Erwachsene, die einem Kind geduldig erklärt, was richtig ist und was falsch. Sie ist selbst gefährdet, ihre Härte hat Gründe und doch bleibt sie Härte.</p>
<p>SUPERGIRL hilft Ruthye und führt sie zugleich in die Nähe des Abgrunds. Das macht die Beziehung der beiden spannend. Ruthye lernt von Kara, Kara lernt aber ebenso von Ruthye, weil das Mädchen sie zwingt, die eigenen Gewissheiten zu hinterfragen.</p>
<p>Das Finale führt die Rachefrage schließlich nicht billig zu einem Ende. Krem wird gestellt, doch die entscheidende Bewegung liegt nicht im Zuschlagen, sondern im Innehalten.</p>
<p>Dass der Comic später noch einmal in die ferne Zukunft springt, wirkt zuerst wie ein Märchenkniff. Für mich passt der Twist aber trotzdem ins Szenario. Diese Geschichte braucht den langen Atem. Schuld, Zorn und Vergebung verschwinden nicht nach einem Endkampf. Diese Geschichte brauchen Zeit, in diesem Fall sehr viel Zeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4182" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659.jpg" alt="Innenseite 04 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="659" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659.jpg 659w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659-600x910.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px" /></p>
<h3>Im Orbit von Superman</h3>
<p>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW ist für mich besonders interessant, weil der Band den Superman-Mythos nicht ablehnt, aber sich an ihm reibt. Kara trägt dasselbe Zeichen, aber sie kann es nicht auf dieselbe Weise führen wie Clark. Er wurde auf der Erde angenommen, Kara wurde entwurzelt. Diese Differenz ist der Motor einer komplett anderen  Geschichte.</p>
<p>Damit passt der Comic gut in Tom King&#8217;s stärkere Superheldenarbeiten. King interessiert sich oft für Figuren, die nach außen klar lesbar sind, in denen innerlich jedoch längst Risse stecken.</p>
<p>Bei MISTER MIRACLE, THE VISION oder HUMAN TARGET geht es ebenfalls darum, was Heldentum kostet, wenn Alltag, Trauma und die eigene Rolle nicht mehr sauber zu trennen sind. Bei Kara funktioniert dieser Ansatz besonders gut, weil sie als Figur lange nach einer eigenen, großen Erzählung gesucht hat.</p>
<p>Zum Film &#8211; den ich noch schauen muss &#8211; lässt sich ohne Spekulation nur wenig sagen. Gillespie&#8217;s SUPERGIRL übernimmt die zentralen Namen und die grobe Grundrichtung des Comic. Kara, Ruthye, Krem, Krypto und die interstellare Reise gehören sichtbar zur Verwandtschaft von Comic und Leinwand.</p>
<p>Zugleich steht fest, dass der Film andere Akzente setzt. Lobo &#8211; gespielt von Jason Momoa &#8211; gehört zur Besetzung, spielt im Comic aber keine Rolle. Auch Superman wird im offiziellen Cast geführt. Das deutet auf eine stärkere Verankerung in James Gunn&#8217;s neuem Kino-DC hin, während der Comic gerade durch seine Ferne zur Erde so gut funktioniert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4183" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661.jpg" alt="Innenseite 05 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="661" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661.jpg 661w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661-600x908.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 661px) 100vw, 661px" /></p>
<h3>Kandor im Sternenstaub</h3>
<p>Bilquis Evely ist das eigentliche Wunder dieses Bandes. Ihre Seiten sind detailreich, aber nie zugestopft. Sie zeichnet Räume, in denen ich gern länger geblieben wäre. Märkte, Landschaften, Raumschiffe und Ruinen bekommen eine eigene Attraktivität. Evely liebt Linien, Ornamente und Stofflichkeit. Gleichzeitig bleibt die Handlung immer lesbar. Ich verliere nie Kara&#8217;s Blick, Ruthye&#8217;s Trotz oder Kremen&#8217;s kalte Selbstsicherheit aus den Augen.</p>
<p>Die Frage, die sich mir bereits auf den ersten Seiten stellt, ist die nach einer grafischen &#8222;Verwandtschaft&#8220; zu Moebius und <a href="https://www.splitter-verlag.de/moebius-collection-arzach-hermetische-garage.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ARZACH</a>. Ja, in manchen Momenten erinnert Evely&#8217;s Arbeit sehr an diese Lust am fremden Raum, an weite Science-Fiction-Landschaften und an Figuren, die in seltsamen Architekturen fast klein wirken.</p>
<p>Aber Evely ist keine Nachahmerin. Ihr Strich ist wärmer, erzählerischer, stärker an Mimik und Körperhaltung gebunden. Moebius lässt Welten oft schweben, Evely lässt sie atmen.</p>
<p>Besonders schön ist ihr Umgang mit Kara selbst. Dieses SUPERGIRL fliegt natürlich, kämpft natürlich und ist &#8211; natürlich &#8211; mächtig. Doch Evely zeichnet sie am stärksten, wenn sie sitzt, wenn sie schweigt und wenn sie die Schultern hängen lässt oder Ruthye nur von der Seite ansieht. Darin zeigt sich ihr ganzes Können, denn in einem Gesichtsausdruck steckt hier mehr Geschichte als in so mancher Prügelsequenz.</p>
<p>Auch der Seitenrhythmus ist klug angelegt. Große Bilder öffnen den Kosmos, engere Abfolgen holen die Figuren jedoch wieder auf Augenhöhe. Der Comic pendelt so zwischen Sternenoper und Kammerspiel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4184" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653.jpg" alt="Innenseite 10 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="653" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653.jpg 653w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653-261x400.jpg 261w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653-600x919.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px" /></p>
<h3>Gelbe Sonne, rote Wunden</h3>
<p>Schwarz-Weiß würde das Werk vielleicht funktionieren. Matheus Lopes&#8216; Farben geben dem Band aber seine Seele. Diese Farben erzählen mit, wenn ein Ort verheißungsvoll ist und wann er kippt.</p>
<p>Rote Sonnen nehmen Kara ihre Macht und ihre Sicherheit, blaue und violette Räume lassen das All schön und kalt wirken. Warme Ocker- und Goldtöne geben manchen Planeten eine Western-Trockenheit, dass ich den Staub auf der Zunge schmecken kann.</p>
<p>Lopes koloriert nicht einfach spektakulär. Er hält die Zeichnung zusammen. Gerade weil Evely so viel zeichnet, braucht der Band eine Farbdramaturgie, die führt und sortiert. Lopes schafft das. Seine Farben machen den Kosmos groß, ohne die Figuren zu verschlucken.</p>
<p>Krypto wirkt nicht niedlich aufgeklebt, sondern körperlich im Bild. Ruthye bleibt verletzlich, auch wenn sie in knalligen, fremden Umgebungen steht. Kara wiederum bekommt keine einfache Licht-Aura. Sie leuchtet, ja, aber oft leuchtet sie gegen Dunkelheit an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4185" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652.jpg" alt="Innenseite 11 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="652" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652.jpg 652w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652-261x400.jpg 261w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652-600x920.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 652px) 100vw, 652px" /></p>
<h3>Mit dem Röntgenblick auf die Kreativen</h3>
<p>Tom King, geboren 1978, ist ein US-amerikanischer Autor und ehemaliger CIA-Mitarbeiter. Im Comicbereich wurde er vor allem durch THE VISION für Marvel sowie durch BATMAN, MISTER MIRACLE, STRANGE ADVENTURES, HUMAN TARGET und WONDER WOMAN für DC bekannt (keine Links zu seinen Werken, sucht diesmal selbst).</p>
<p>King schreibt gern über Heldinnen und Helden, die nach außen fest gebaut wirken und innerlich mit Schuld, Angst oder Kriegserfahrung ringen. Seine besten Arbeiten verbinden klare Genreformen mit einem spürbaren Interesse an verletzten Menschen. Bei DC Studios gehört King außerdem zum kreativen Umfeld des neuen DC Universe.</p>
<p>Bilquis Evely ist eine brasilianische Comiczeichnerin aus Barueri im Großraum São Paulo. Sie arbeitete unter anderem an WONDER WOMAN, THE SANDMAN UNIVERSE und THE DREAMING, bevor sie mit Tom King und Matheus Lopes diese SUPERGIRL-Miniserie gestaltete.</p>
<p>Später arbeitete das Team erneut bei <a href="https://www.darkhorse.com/books/3012-872/helen-of-wyndhorn-hc/" target="_blank" rel="nofollow noopener">HELEN OF WYNDHORN</a> zusammen. Dieses Werk wurde 2025 mit vielen Nominierungen bei den Eisner Awards berücksichtigt. <a href="https://www.comic-con.org/de/awards/eisner-awards/past-recipients/past-recipenties-2020s/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Evely gewann Best Penciler / Inker</a>. Evely&#8217;s Stärke liegt in fein geführten Linien, ausdrucksvollen Gesichtern und einer seltenen Mischung aus Pracht und Klarheit. Ihre Bilder können märchenhaft wirken, bleiben aber fast immer erzählerisch präzise.</p>
<p>Matheus Lopes, auch als Mat Lopes geführt, ist ein brasilianischer Kolorist. Er arbeitet seit 2012 regelmäßig im US-Comicmarkt und war für Verlage wie DC, Marvel, Image, Skybound, IDW, Dark Horse und Dynamite tätig. Zu seinen Arbeiten zählen neben SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW auch STEP BY BLOODY STEP und HELEN OF WYNDHORN. Lopes gehört zu den Koloristen, deren Arbeit nicht bloß Stimmung ergänzt. Er baut Leseführung, Tiefe und Tempo mit Farbe. In diesem Band ist das entscheidend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4186" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651.jpg" alt="Innenseite 12 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="651" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651.jpg 651w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651-260x400.jpg 260w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651-600x922.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Mein Fazit fällt ziemlich klar aus. SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW ist einer der seltenen Superheldencomics, die eine bekannte Figur nicht neu in &#8222;in alten Schläuchen&#8220; präsentieren, sondern ganz neu definieren.</p>
<p>Der Band ist manchmal etwas verliebt in Ruthye&#8217;s altertümliche Erzählerstimme &#8211; egal! Einige Passagen könnten einen Hauch knapper sein &#8211; na gut. Doch diese kleinen Einwände ändern wenig am Gesamteindruck.</p>
<p>Tom King findet eine starke Frage: Was wird aus Heldentum, wenn der Schmerz nicht verschwindet? Bilquis Evely und Matheus Lopes finden dafür die Bilder, die lange nachglühen.</p>
<p>Der Comic selbst ist kosmisch, ruppig, schön, traurig und stellenweise erstaunlich zart. Ich habe ihn nicht gelesen, um für den Film vorbereitet zu sein, auch wenn DER Anstoß war, ihn erneut in die Hand zu nehmen.</p>
<p>Am Ende hatte ich das Gefühl, Kara Zor-El als eigene Figur vor mir zu haben. Nicht als Ableitung, nicht als Variante derer aus dem Hause Superman, sondern als eigenständige &#8222;Woman of Tomorrow&#8220;. Eine klare Leseempfehlung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4178" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-260x400.jpg" alt="Cover von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="260" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-260x400.jpg 260w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-600x922.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651.jpg 651w" sizes="auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SUPERGIRL &#8211; DIE FRAU VON MORGEN</li>
<li>Tom King, Bilquis Evely und Matheus Lopes</li>
<li>Softcover | 228 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3741629976</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/supergirl-die-frau-von-morgen-dosmi018-de02.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Panini Verlag</a></li>
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		<item>
		<title>DIE ADOPTION: QINAYA &#8211; Vom Erdbeben direkt ins Herz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2026 05:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Zartbitter]]></category>
		<category><![CDATA[Arno Monin]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Zidrou]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Familien-Comics sind ein Genre für sich. Und ich traue ihnen nicht automatisch. Zu oft wird es weichgespült, geschniegelt und das bleibt es dann auch. DIE ADOPTION 1: QINAYA geht da einen anderen Weg. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass Zidrou und Arno Monin keine Wohlfühl-Story erzählen wollen. Sie erzählen von einer Adoption aus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Familien-Comics sind ein Genre für sich. Und ich traue ihnen nicht automatisch. Zu oft wird es weichgespült, geschniegelt und das bleibt es dann auch.</p>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA geht da einen anderen Weg. Schon auf den ersten Seiten ist klar, dass Zidrou und Arno Monin keine Wohlfühl-Story erzählen wollen. Sie erzählen von einer Adoption aus Peru nach Frankreich und von einem älteren Mann namens Gabriel, der plötzlich Großvater sein soll, obwohl er schon früher mit der Vaterrolle nie warm geworden ist. Genau daraus zieht der Band seine Kraft. Er will berühren, ja. Aber er will mich vorher an die richtigen Stellen kitzeln: an Stolz, an Ungeschick, Scham, Trotz und an diese kleinen, sehr menschlichen Abwehrbewegungen, die Nähe oft erst einmal aktiv verhindern.<span id="more-3636"></span></p>
<p>Was mich an DIE ADOPTION 1: QINAYA sofort gereizt hat, ist der Tonfall. Der Comic ist warm, aber nicht süßlich. Er ist humorvoll, aber nie auf Pointe geschrieben. Und er hat ein Gespür für den Alltag, das ich in solchen frankobelgischen Stoffen besonders schätze. Nicht das große Programm &#8222;Familie&#8220; interessiert Zidrou hier zuerst, sondern das leise Chaos, das entsteht, wenn ein neues Kind in ein längst eingerichtetes Leben einbricht.</p>
<p>Da steht dann kein Pathos im Raum, sondern ein alter Sessel, ein genervter Blick, eine ungeschickte Bemerkung und irgendwann ein Moment, in dem der Widerstand langsam bröckelt. Genau dort wird dieser Band stark. Zidrou weiß, wie er solche Geschichten erzählen muss.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2083" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 11 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_01_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Woher dieser Stoff seine Wärme nimmt</h2>
<p>Ein Blick auf die Entstehung hilft. Zidrou &#8211; bürgerlich: Benoît Drousie &#8211; kommt nicht aus einem literarisch kühlen Autorenmilieu, sondern war zunächst Lehrer und schrieb in den frühen neunziger Jahren erst Kinderbücher, dann Lieder und dann Comics. Er hat also ein Gespür für kindliche Perspektiven, ohne Kinder selbst zu verniedlichen.</p>
<p>Zugleich hat er sich im Lauf seiner Karriere immer stärker in Richtung realistischer, empfindsamer Erzählungen bewegt. Dass ausgerechnet er einen Stoff wie QINAYA schreibt, passt also gut. Ihn interessiert nicht die Idee einer Familie als Sonntagsbild. Ihn interessieren Reibung, Fehler und das, was Menschen &#8211; trotz ihrer Schwächen &#8211; füreinander tun.</p>
<p>Arno Monin bringt dafür die richtige Bildsprache mit. Laut seiner Autorenbiografie kam er über Kunstgeschichte, angewandte Kunst, Zeichnung, Animation und Comic zum Erzählen in Bildern. Diese Mischung spürt ich hier deutlich. Seine Seiten denken nicht nur in schönen Einzelbildern. Sie denken in Blickrichtungen, in Körperhaltungen, in kleinen Abfolgen von Gesten. In QINAYA federt die Sanftheit des Zeichenstils die Härte des Stoffes nicht ab, sondern macht sie umso deutlicher.</p>
<p>Spannend ist auch der Serienrahmen. Im französischen Original startete QINAYA 2016 als erster Teil vom ersten Zyklus und war ausdrücklich als Band 1 von 2 angelegt. Der deutsche Splitter Band erschien 2017. Heute führt die Reihe weitere Zyklen fort, aber dieser erste Auftakt gehört noch zu einem Zweiteiler, der mit DIE ADOPTION 2: LA GARÚA endet. Das merke ich beim Lesen deutlich, denn der erste Band endet mit einem Kracher.</p>
<p>Der Band erzählt genug, um eigenständig zu berühren. Gleichzeitig legt er Spuren, deren Gewicht erst im zweiten Teil voll sichtbar werden. Als Auftakt ist das klug, weil der Comic Nähe aufbaut und dabei nie so tut, als wäre eine Adoption nach der Ankunft schon erledigt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2084" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 10 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_02_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Ein neues Kind im Haus</h2>
<p>Die Ausgangslage ist schnell umrissen, aber Zidrou nutzt sie sehr geschickt. Alain und Lynette, ein kinderloses Paar Mitte vierzig, adoptieren nach einem verheerenden Erdbeben in Peru die vierjährige QINAYA.</p>
<p>Schon dieser Anfang hat eine gewisse Wucht, weil er nicht lange bei der Katastrophe stehen bleibt. Der Comic zeigt stattdessen, was danach kommt. Ein Kind reist in eine fremde Sprache, in ein neues Land, ein neues Haus und in eine neue Familie. Alles ändert sich und alle wollen alles richtig machen. Genau dadurch entsteht schon die erste Unsicherheit. Zu viel Aufmerksamkeit kann auch zu viel Druck werden. Denn auch zu viel Zärtlichkeit kann für ein Kind, das gerade alles verloren hat, wie ein weiterer Übergriff wirken.</p>
<p>Im Zentrum steht dann überraschend nicht das Elternpaar, sondern Gabriel, der Griesgram von einem Großvater. Das finde ich eine sehr gute Entscheidung. Denn Gabriel ist kein sentimentaler Bilderbuchopa. Er ist störrisch, abweisend, stolz auf eine Weise, die sofort nervt und gerade deshalb so glaubwürdig ist. Seine Frau geht viel offener auf QINAYA zu.</p>
<p>Alain und Lynette sind voller Hoffnung. Gabriel dagegen steht quer im Bild. Er sagt die falschen Dinge, zieht sich zurück und wirkt, als habe ihn das ganze Unternehmen in seiner Ruhe beleidigt. Ich mochte daran, dass Zidrou ihn nicht künstlich sympathisch macht. Gabriel ist am Anfang wirklich &#8230; unerquicklich. Genau deshalb fühlt sich die langsame Veränderung, seine Heldenreise, später verdient an.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2085" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000.jpeg" alt="Innenseite 09 von DIE ADOPTION 1" width="711" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000.jpeg 711w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000-300x422.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_03_711_1000-600x844.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px" /></p>
<h2>Wie aus Widerstand vorsichtige Nähe wird</h2>
<p>Die eigentliche Bewegung des Bandes liegt in den kleinen Alltagsverschiebungen. QINAYA ist nicht einfach nur das niedliche Kind, das alle Herzen im Sturm nimmt. Sie bringt Freude mit, ja, aber auch Irritation, Trauer, Missverständnisse und diese stille Unruhe, die Kinder aus einer Gewalterfahrung nicht einfach an der Garderobe abgeben.</p>
<p>Der Comic macht daraus keinen Problemkatalog, sondern zeigt lieber exemplarische Situationen: hier ein Blick zu lang, dort eine Geste, die nicht erwidert wird, wieder eine peinliche Bemerkung von Gabriel. Oder doch einen gemeinsamen Moment, der versehentlich schön wird. So wächst zwischen dem alten Mann und dem Mädchen langsam etwas, das zuerst gar keinen Namen braucht. Anfängliches Vertrauen reicht als Wort zunächst völlig aus.</p>
<p>Dabei gefällt mir besonders, wie offen der Band mit Unbeholfenheit umgeht. Gabriel hat keine pädagogische Sprache, während QINAYA ihre Verluste nicht in reifen Sätzen äußern kann. Auch die Erwachsenen ringsum handeln oft aus Überforderung. Dadurch bekommt die Geschichte etwas sehr Geerdetes. Ich habe hier nie das Gefühl, dass Figuren nur eine These bebildern. Sie stolpern, wiederholen Fehler und lernen (zu) spät.</p>
<p>Genau so entsteht Glaubwürdigkeit. Und genau so entgeht der Comic dem Kitsch. Selbst dann, wenn er mich emotional klar in Richtung Herz drückt, bleibt er an seinen Figuren dran und lässt ihnen ihre Macken. Dass der Band am Ende nicht in Harmonie ausläuft, sondern einen schmerzhaften Einschnitt setzt, macht diesen ersten Teil nur stärker. Ich war danach nicht angenehm beruhigt, sondern aufgewühlt. Das ist mehr wert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2086" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 08 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_04_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Familiengeschichte statt Thesenpapier</h2>
<p>Erzählerisch leistet der Comic vor allem eines sehr gut: er erzählt über Adoption, ohne den Stoff auf das Thema zu reduzieren. Natürlich geht es um Herkunft, Zugehörigkeit und um die Frage, ob Liebe einfach da ist oder mit der Zeit wachsen muss. Aber Zidrou macht daraus keinen erklärenden Problem-Comic. Er bleibt bei einer Familie und zeigt, wie unterschiedlich dieselbe Situation erlebt wird.</p>
<p>Für die Eltern ist QINAYA Erfüllung und Herausforderung zugleich. Für Gabriel ist sie Zumutung, Spiegel und späte Chance. QINAYA selbst ist vor allem ein Kind, das in einer neuen Welt zurechtkommen muss. Dadurch bekommt der Band eine Mehrstimmigkeit, die ich sehr schätze.</p>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA ist kein Abenteueralbum und keine klassische Graphic Novel der großen Gesten. Der Band lebt von Zwischentönen, von nicht ausgesprochenen Schuldgefühlen und von der Ahnung, dass Eltern- und Großelternschaft nicht einfach biologische Zustände sind. Sie müssen ge- bzw. erlebt werden.</p>
<p>Gerade als Auftaktband funktioniert das hervorragend. Ich lerne die Figuren schnell kennen, ich verstehe die emotionale Grundspannung und spüre am Ende sehr klar, warum es noch einen zweiten Teil braucht. Das ist für einen Serienstart beinahe die beste Mischung.</p>
<p>Eine kleine Schwäche sehe ich trotzdem. Einige emotionale Übergänge sind sehr effektiv gebaut und dadurch fast schon zu sauber, bevor der Band in seine große emotionale Zuspitzung geht. Nicht weil ich Distanz gesucht hätte. Eher weil die Figuren so gut sind, dass ich ihnen weitere, sperrige Zwischentöne zugetraut hätte. Das ist kein echter Makel, wahrlich nicht. Es ist eher der Punkt, an dem ich merke, wie hoch der Comic sein eigenes Niveau hängt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2087" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 07 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_05_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Arno Monin erzählt mit Blicken</h2>
<p>Zeichnerisch ist das Album für mich der eigentliche Trumpf. Monin kann Gesichter leben lassen. Gabriel lebt nicht von großen Monologen, sondern von Augenbrauen, Schulterhaltung, Mundwinkeln und dieser etwas steifen Körperlichkeit eines Mannes, der Gefühle lieber in einen hinteren Winkel seines Wesens verstaut.</p>
<p>QINAYA wiederum ist nie bloß süß gezeichnet. Sie wirkt klein, wach, neugierig, manchmal offen, manchmal verschlossen. Gerade darin liegt die zeichnerische Leistung. Monin behandelt Kinder nicht mit cartoonesker Verniedlichung, sondern als eigenständige Präsenz im Raum. Dies verändert den ganzen Band.</p>
<p>Dazu kommt ein sehr gutes Gespür für Rhythmus. Die Seiten wechseln zwischen ruhig gesetzten Alltagsszenen und kleinen Montagen, in denen Zeit vergeht, ohne dass viel erklärt werden muss. Ich sehe Wohnzimmer, Garten, Küche, Wege durchs Haus, kurze Begegnungen draußen. Nichts davon ist spektakulär, aber alles ist erzählerisch sauber. Räume werden nicht dekoriert, sondern bewohnt. Dadurch entsteht eine Vertrautheit, die wichtig ist. Denn QINAYA muss sich in dieser Welt ebenso erst einfinden, wie ich als Leser.</p>
<p>Besonders stark ist Monin, wenn er Text zurücknimmt und Gesichter oder Abläufe sprechen lässt. Da wird der Comic leise und zugleich sehr präzise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2088" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 06von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_06_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<p>Arno Monin gehört zu den Zeichnern, die starke Gefühle nicht mit Lautstärke verwechseln. Nach einem literarischen Abitur und einem Jahr Kunstgeschichte wechselte er an eine Schule für angewandte Kunst mit Schwerpunkt Zeichnung, Animation und Comic. Bei Grand Angle machte er früh mit L’ENVOLÉE SAUVAGE und L’ENFANT MAUDIT auf sich aufmerksam. Später folgten unter anderem MERCI, MONSIEUR JULES und eben diese verschiedenen Zyklen von L’ADOPTION.</p>
<p>Sein Markenzeichen ist ein weicher, empathischer Strich, der ernste Stoffe zugänglich macht, ohne sie zu verharmlosen. Gerade in Familiengeschichten ist das eine seltene Stärke.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2089" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 05 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_07_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Warmes Licht, kalte Blautöne</h2>
<p>Auch die Farbe trägt viel. Monin koloriert selbst und das merke ich positiv. Die warmen Innenräume geben der Geschichte zunächst etwas Geborgenes, das fast trügerisch wirken kann. Dem stehen kühlere, blaue Töne gegenüber, sobald Einsamkeit, Nacht oder innere Distanz ins Bild rücken.</p>
<p>Diese Farbdramaturgie ist nicht aufdringlich. Sie arbeitet eher unter der Oberfläche. Gerade deshalb funktioniert sie. Ich habe selten das Gefühl, hier wolle mich jemand mit Bedeutung anstrahlen. Stattdessen ziehen die Farben die Stimmung ganz sanft enger oder weiter. Für einen Comic, der so stark auf Nähe und Unsicherheit baut, ist das genau richtig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2090" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000.jpeg" alt="Innenseite 04 von DIE ADOPTION 1" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000.jpeg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000-300x421.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_08_713_1000-600x842.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h2>Fazit</h2>
<p>DIE ADOPTION 1: QINAYA ist für mich ein starkes, klug gebautes Familienalbum. Nicht weil es mich bloß rührt, sondern weil es sehr genau weiß, wie Nähe entsteht, wie unerquicklich Menschen dabei sein können und wie viel in einem Blick zwischen einem Kind und einem alten Mann stecken kann.</p>
<p>Zidrou schreibt warm und mit sicherem Gespür für Reibung. Arno Monin hebt das Ganze mit seiner leisen, menschlichen Bildsprache noch einmal an. Ein Auftakt, der mir nicht einfach gefallen hat. Er ist mir nahe gegangen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_2094" aria-describedby="caption-attachment-2094" style="width: 300px" class="wp-caption alignright"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-2094" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-300x416.jpeg" alt="Cover von DIE ADOPTION 1" width="300" height="416" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-300x416.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000-600x832.jpeg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/08/DIE-ADOPTION_01_COVER_721_1000.jpeg 721w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-2094" class="wp-caption-text">Die Adoption1 &#8211; QINAYA</figcaption></figure>
<ul id="infobox">
<li>DIE ADOPTION 1: QINAYA</li>
<li>Zidrou und Arno Monin</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95839-529-9</li>
<li>Storyline: ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★★</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-adoption-bd-1-qinaya.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: left;"> </p><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/die-adoption-qinaya-vom-erdbeben-ins-herz/">DIE ADOPTION: QINAYA – Vom Erdbeben direkt ins Herz</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>DIGGER geht &#8211; Flucht aus dem inneren Gefängnis</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jun 2026 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Erlangen]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Weiss]]></category>
		<category><![CDATA[Kult Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Ralf Marczinczik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ralf Marczinczik &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://comixfactory.de/?go=about" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ralf Marczinczik</a> &#8211; der als Ramar zeichnet &#8211; ist wahrlich kein Neuling in der Comic-Szene, auch wenn diese Graphic Novel 2024 als sein Debüt erschien. Geboren 1966 in Wattenscheid, arbeitet er seit 1990er Jahren als Illustrator, Designer, Art Director und Comiczeichner. Viele kennen seine Handschrift, einige wohl aber eher indirekt. Er war im Game-Bereich an bekannten Stoffen wie MOORHUHN, GOTHIC, RISEN, DIE SIEDLER und SVEN BØMWØLLEN beteiligt. Dazu kommen Illustrationen, Cover-Arbeiten, Cartoons, Kurzcomics und Veröffentlichungen in Magazinen wie U-COMIX oder <a href="https://www.comixene.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">COMIXENE</a>.<span id="more-4164"></span></p>
<p>Ganz wichtig ist auch sein Platz in der Comic-Szene selbst. Marczinczik ist eng mit dem <a href="https://comicseminar.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Seminar Erlangen</a> verbunden, der Künstlerinnen und Künstlern Raum für gegenseitigen Austausch und Weiterbildung bietet. Er hat dort seit 2019 eine zentrale, organisatorische Rolle. Somit kennt er also nicht nur das Zeichnen selbst, sondern auch das Ringen um gute Geschichten, liebenswerte Figuren und Spannungsbögen. Genau dies, die Vielschichtigkeit seiner Erfahrungen, merke ich seinem Buch an.</p>
<p>DIGGER wirkt auf mich nicht wie eine hübsche Idee, die schnell mal auf Album-Länge aufgeplustert wurde. Es erscheint wie ein Fundstück, das lange im Hinterkopf aufbewahrt und dann herausgeholt wurde. Dann wurde gegraben, gesiebt, verdichtet. Am Ende blieb eine Gefängnisgeschichte, die auch vom Eingesperrtsein handelt. Auch, denn eigentlich geht es darum, was Isolation mit Dir macht und was es braucht, um wahre Veränderungen unter den widrigsten Umständen anzugehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4156 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg" alt="Innenseite 07 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-07_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Besuchszeit in Erlangen</h3>
<p>Ich wollte diesen Comic schon länger lesen. Die erste Auflage war jedoch sehr schnell weg und bei Comics löst so etwas bei mir eine kindische, aber ehrliche Reaktion aus. Plötzlich steht das Buch innerlich ganz vorne im Regal, obwohl es dort eben noch nicht steht. Gibt es so etwas wie einen negativen Pile-of-Shame? Auf dem <a href="https://www.comic-salon.de/de" target="_blank" rel="nofollow noopener">Internationalen Comic-Salon Erlangen</a> habe ich meine Ausgabe dann direkt vom Ralf bekommen, inklusive einer kleinen, feinen Illustration. Das war ein schöner, persönlicher Moment. Nicht wichtig für die Bewertung, aber wichtig für die erste Berührung mit dem Buch.</p>
<h3>Geschehnisse hinter dicken Wänden</h3>
<p>DIGGER begrüßt mich nicht mit einem Spektakel. Kein Knast-Drama mit Eisen stemmenden Muskelprotzen, keine harte Milieu-Parade, kein Ausbruchsthriller, der schon auf Seite drei den Löffel an der Wand wetzt. Marczinczik setzt seinen schweren, runden, melancholischen Helden in ein Gefängnis an der Küste und lässt ihn tatsächlich erst einmal &#8211; &#8222;sitzen&#8220;.</p>
<p>Das klingt erst einmal schlicht, ist andererseits aber ziemlich raffiniert. Denn DIGGER sitzt nicht nur seine Strafe ab. Er hat sich in ihr eingerichtet, glaubt, dorthin zu gehören in dieses Gefängnis. Und genau da beginnt der Schmerz dieses Comics. Nicht bei den Gittern, sondern bei der Zustimmung des Gefangenen zu diesen Gittern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4157 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg" alt="Innenseite 08 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-08_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Einschluss am Meer</h3>
<p>DIGGER kommt in ein Gefängnis, das zugleich konkret und märchenhaft wirkt, <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0120689/?ref_=tt_mlt_i_2" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE GREEN MILE</a> trifft hier auf das Château d&#8217;If aus Alexandre Dumas&#8216; <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GRAF VON MONTE CHRISTO</a>: ein Riese, eine Insel am Meer, der ferne Himmel, Zellen und ihre Routinen. Alles hat seinen Platz. DIGGER auch.</p>
<p>Er ist groß, massig, kräftig und auffällig. Trotzdem sucht er keine Aufmerksamkeit. Er rebelliert nicht, er beteuert nie seine Unschuld und er macht, was von ihm verlangt wird. DIGGER fügt sich in seinen Alltag, der mit der Struktur aus Arbeit, Zelle, Essen und Schlaf beinahe beruhigend gleichförmig ist. Dazwischen ein paar Blicke nach draußen. Aber diese Ruhe ist keine echte Ruhe, sondern vielmehr ein Deckel auf dem Topf.</p>
<p>Marczinczik erzählt diesen Anfang mit erstaunlicher Geduld. Ich lerne DIGGER &#8211; dessen bürgerlichen Namen wir nie erfahren &#8211; nicht über seine Tat kennen, sondern über sein Verhalten. Seine unbekannte Vergangenheit baumelt mir nicht als Köder vor meiner Nase herum. Aber sie bleibt ein Gewicht, das DIGGER mit sich herumträgt. Der Comic muss mir nicht erklären, was genau geschehen ist, damit ich seine Schuld spüre. Zugleich verweigert dieser Kniff mir aber den bequemen Weg, die Figur einfach in eine Schublade zu schieben. Gut so! Denn DIGGER ist kein unschuldiges Herzchen im falschen System, aber auch kein Monster. Er ist ein Mensch, der sich selbst auf ein Urteil reduziert hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4158 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg" alt="Innenseite 09 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-09_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Ein Kumpel hinter der Wand</h3>
<p>In dieser engen Ordnung bekommt DIGGER Kontakt zu Manolo, genannt Manny. Diese Freundschaft ist einer der schönsten Züge des Buches. Sie entsteht nicht als große Bühne. Sie wächst eher wie etwas, das zwischen zwei Steinen einen Spalt findet. Manny ist lebendiger, wacher, vielleicht auch lockerer. Er bringt etwas in DIGGER&#8217;s Welt, das dort nicht mehr vorgesehen ist: Austausch, Wärme, Neugier und ein Gegenüber.</p>
<p>Dann wird DIGGER in der Dusche angegriffen &#8211; ja, ein Knast-Cliché! &#8211; und landet verletzt in der Krankenstation. Danach fehlt ihm etwas, das für ihn kostbarer ist als jeder Besitz. Sein Geheimnis ist verschwunden. An dieser Stelle könnte die Geschichte dann doch leicht in eine simple Rache-Geschichte kippen. Tut sie aber nicht.</p>
<p>Marczinczik interessiert sich stärker für die Wunde unter der Wunde. DIGGER verliert nicht nur einen Gegenstand und damit ein verborgenes Stück seiner Innenwelt. Er verliert neben dem Selbstwertgefühl auch die kleine Ordnung, die ihn hier noch zusammengehalten hat.</p>
<p>Manny wird nun wichtiger. Nicht als Retter, sondern als jemand, der eine Entscheidung trifft. Eine Freundschaft beweist sich hier nicht durch große Worte. Sie zeigt sich in einem Risiko, das eingegangen wird. Damit setzt das Buch seine eigentliche Energie frei. Die Handlung wird letztendlich zwar zur Fluchtgeschichte, doch der spannendste Ausbruch ist nicht der aus dem Gefängnis, sondern der aus DIGGER&#8217;s eigener Erstarrung. Alles braucht Zeit und hier hat alles und jeder Zeit, ganz besonders hier.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4159 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg" alt="Innenseite 10 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-10_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Tunnelplan für die Seele</h3>
<p>Die Stärke von DIGGER liegt darin, dass Marczinczik seine Bilder sehr ernst nimmt, ohne das der Comic schwerfällig wird. Der Titel spielt mit mehreren Ebenen. DIGGER gräbt, DIGGER sucht, DIGGER wird vielleicht selbst zu dem, was ihn aus seiner Lage befreit.</p>
<p>Ein Lockdown als Prämisse passt zu diesem Stoff, weil Marczinczik die Erfahrung von Enge nicht platt überträgt. Er schreibt keinen Corona-Comic! Aber er nimmt dieses Gefühl ernst. Jenes Gefühl, dass ich beim Lesen sofort wiedererkenne. Die Tage werden &#8230; waren gleich. Der Blick ging zum Fenster und die Zeit bekam ein seltsames Gewicht. Im Gefängnis wird daraus eine Fabel über Einsamkeit, Schuld und die Frage, ob ein Mensch sich selbst wieder erlauben darf, nach draußen zu wollen.</p>
<p>Manche Zeichen sind sehr deutlich platziert. Die wenigen Farbtupfer sind blau wie der freie Himmel. Marczinczik vertraut hier manchmal mehr auf einfache, aber klare Symbolik als auf Zwischentöne. Das kann einen Moment lang sehr geradeaus wirken, doch ich nehme es diesem Comic nicht übel. Seine Welt ist bewusst schlicht gebaut. Sie braucht keine Tarnkappe aus Raffinesse. Sie will das Herz nicht überlisten, sie klopft an und wartet dann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4160 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg" alt="Innenseite 11 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-11_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Gitterstäbe aus Tusche</h3>
<p>Visuell ist das Buch viel sicherer, als sein leiser Ton zunächst erwarten lässt. DIGGER ist eine wunderbare Comicfigur. Sein Körper ist beinahe eine eigene Landschaft. Groß, rund, schwer, mit einer Silhouette, die ihre Umgebung sofort einnimmt.</p>
<p>Marczinczik nutzt diese Form aber nicht nur für Niedlichkeit. DIGGER kann bedrohlich wirken, gleichzeitig hilflos, stur, verletzt, manchmal sogar ein wenig komisch. Seine Masse erzählt jedoch immer mit. In engen Räumen wirkt er zu groß für diese Welt, während er stillen Momenten wirkt, als würde er unter sich selbst verschwinden.</p>
<p>Die Mimik ist sparsam, aber präzise. Oft reicht ein Blick. Ein gesenkter Kopf sagt mehr als eine Seite voll narrativer Selbstanklage. Auch Manny lebt durch kleine Haltungen. Marczinczik zeichnet keine ausufernden Charakter-Posen. Er setzt stattdessen auf klare, einfache Körpersprache. Das hilft der Lesbarkeit enorm. Die Seiten sind übersichtlich, der Rhythmus ist ruhig, oft fast in kleinen Portionen erzählt. Der Ursprung als Webcomic ist spürbar. Viele Sequenzen haben etwas Episodisches. Auch im Buchformat funktioniert das überraschend gut, weil es zum Gefängnisalltag passt. Jeder Abschnitt ist wie ein weiterer Strich an der Wand.</p>
<p>Besonders stark wird Marczinczik, wenn er Enge und Weite gegeneinander setzt. Innenräume sind knapp, funktional und gedrückt. Der Blick nach draußen hat dagegen Leichtigkeit. Fenster, Himmel, Meer und Vögel sind keine reine Dekoration. Sie sind die Stellen, an denen das Buch wahrnehmbar durchatmet. Ich habe beim Lesen oft gemerkt, wie sehr die Seitengestaltung mein Tempo lenkt. Nicht durch Tricks, vielmehr durch diese öffnenden Pausen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4161 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg" alt="Innenseite 12 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-12_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Blau unter der Pritsche</h3>
<p>Die Farbe ist in DIGGER kein hübsches Extra, sondern Teil der Erzählung. Anfangs herrscht ein strenges Schwarz-Grau-Weiß. Dieses Grau liegt über den Seiten wie Staub. Das Gefängnis wirkt dadurch nicht schmutzig im realistischen Sinn, aber abgenutzt, verbraucht. Die Welt ist nicht finster, sie ist leer und ausgewaschen, allen Ablenkungen entblößt. Das passt zu DIGGER. Er hat sein Leben auf wenige erlaubte Regungen reduziert. Schönheit gestattet er sich nicht (mehr).</p>
<p>Dann kommt das Blau. Erst klein, dann deutlicher. Es ist kein Zufall, dass diese Farbe mit Blicken, Sehnsucht und einem Stück Fürsorge verbunden ist. Blau macht diese Welt freier. Nicht sofort, aber es zeigt, dass in dieser Welt noch etwas anderes existiert als Strafe und Gewohnheit.</p>
<p>Später öffnet sich die Farbigkeit weiter. Das ist nicht subtil bis zur Unsichtbarkeit, aber wirksam. Ich mochte gerade diese langsame Veränderung. Der Comic wird nicht bunt, weil die Geschichte plötzlich leichter wäre. Er wird farbiger, weil DIGGER wieder mehr wahrnehmen kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-4162 size-full" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg" alt="Innenseite 13 von DIGGER" width="705" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705.jpg 705w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-282x400.jpg 282w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DIGGER_INNENSEITE-13_1000X705-600x851.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 705px) 100vw, 705px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DIGGER ist ein kleiner Comic mit großem Atem. Er erzählt von Schuld, von Freundschaft und Freiheit. DIGGER hat Humor, aber versprüht keinen Klamauk. Er hat Gefühl, er hat eine Symbolik, die manchmal sehr klar vor mir liegt und eine Wärme, die das Bleiben an diesem Ort erträglich macht.</p>
<p>Für mich ist dies ein Buch, das vor allem in seinen stillen Passagen gewinnt. Es schreit nicht nach Bedeutung. Es sitzt erst einmal neben mir auf der Pritsche, dann zeigt es auf das Fenster. Und irgendwann merke ich, dass ich in Gedanken längst mitgegrabe.</p>
<p>Der <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/preise_indie_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Interessenverband Comic e.V.</a> (ICOM) hat Ralf Marczinczik / DIGGER den Independent Comic Preis 2024 in der Kategorie <a href="http://www.comic-i.com/aaa-icom/docs/icp2024/icp_2024_home.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bester Independent Comic (Selbstveröffentlichung)</a> für seine meisterhafte Verbindung von Kunst und Menschlichkeit verliehen. Häufig lassen mich Jury-Entscheidungen etwas ratlos zurück. In diesem Fall jedoch haben die Juroren alle richtig gemacht. Ja, es hat sich für mich gelohnt, auf diesen Comic zu warten&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-4167 size-medium" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg" alt="Cover von DIGGER" width="283" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-283x400.jpg 283w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707-600x849.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/Digger_HC_Front_1000x707.jpg 707w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DIGGER</li>
<li>Ralf Marczinczik</li>
<li>Hardcover | 190 Seiten | Schwarz-Weiss (und Blau)</li>
<li>ISBN 978-3-96430-320-2</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://kultcomics.net/digger/491-digger.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Kult Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/">DIGGER geht – Flucht aus dem inneren Gefängnis</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://panelwalker.de/2026/06/digger-geht-flucht-aus-dem-inneren-gefaengnis/feed/</wfw:commentRss>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Rat an alle Gauner &#8211; LEAVE THEM ALONE</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/ein-rat-an-alle-gauner-leave-them-alone/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 05:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Chris Regnault]]></category>
		<category><![CDATA[Roger Seiter]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich lese Western gern, aber nicht dauernd. Ich brauche keine zehn Colts pro Seite, keinen Staub als Selbstzweck und keine Männer in Staubmänteln, die mit zusammengekniffenen Augen so tun, als hätten SIE den Westen erfunden. Umso mehr freut es mich, wenn ein Western nicht zuerst mit Posen derber Männlichkeit daherkommt, sondern mit Menschen. Menschen mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich lese Western gern, aber nicht dauernd. Ich brauche keine zehn Colts pro Seite, keinen Staub als Selbstzweck und keine Männer in Staubmänteln, die mit zusammengekniffenen Augen so tun, als hätten SIE den Westen erfunden. Umso mehr freut es mich, wenn ein Western nicht zuerst mit Posen derber Männlichkeit daherkommt, sondern mit Menschen. Menschen mit müden Händen, mit Angst im Nacken und mit Frauen, die längst verstanden haben, dass sie in dieser Welt keine Zeit für große Worte haben.</p>
<p><span id="more-3999"></span></p>
<p>Genau hier packt mich LEAVE THEM ALONE. Roger Seiter (Szenario) und Chris Regnault (Zeichnungen) erzählen von einer Poststation in Arizona im Jahr 1874. Das klingt erst einmal nach klassischem Western-Setting. Eine abgelegene Relais-Station, Gold, Banditen und ein geheimnisvoller Reiter. Sowie eine Frau auf der Flucht. Doch dieser Band wird dort interessant, wo er stehen bleibt und den Figuren ins wettergegerbte Gesicht schaut.</p>
<p>Nicht der Revolver ist hier die Hauptfigur. Es sind Marian Potter, Elfie, Mattie, Mad Wolf und Lew. Menschen, die nicht auf einen großen Auftritt warten, sondern auf den nächsten Tag. Und dieser nächste Tag kann an einem Ort wie diesem schnell tödlich werden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4001" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710.jpg" alt="Innenseite 05 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-05_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Marian hält den Laden zusammen</h3>
<p>Dead Indian Peak ist wahrlich kein Sehnsuchtsort. Es ist eine Station, ein Halt in einer weiten, rauen Landschaft. Marian Potter führt dieses Relais mit einer ernsthaften Ruhe. Sie wirkt nicht hart, weil der Comic ihr Härte anschreibt. Sie wirkt hart, weil sie längst genug gesehen hat. Bei ihr lebt Elfie, ihre Enkelin, die gerade achtzehn geworden ist. Zur Besatzung gehört auch Mad Wolf, ein Navajo, der an dieser Station nicht als exotischer Schmuck herumsteht. Er ist Teil dieses kleinen Alltags. Er hilft, beobachtet, schützt und trägt eigene Wunden mit sich.</p>
<p>Ich mochte diesen Anfang sehr. Roger Seiter kann einfühlsame Geschichten erzählen und erklärt nicht alles tot. Er lässt Marian den Ort bewohnen. Ich sehe, wie sie arbeitet, wie sie auf Menschen reagiert, wie sie Elfie im Blick behält. Diese Frau trägt Fürsorge in sich, aber keine Weichheit, die ihr gefährlich werden könnte. Sie ist keine Westernmutter aus dem Bilderbuch. Sie kann freundlich sein, aber auch misstrauisch. Beides gehört zusammen.</p>
<h3>Elfie ist der Gegenpol</h3>
<p>Elfie bringt eine andere Energie in den Band. Sie ist jung, wach und viel zu vertraut mit Gefahr. Bei ihr spüre ich diesen Trotz, der auch der Isolation in dieser Umgebung geschuldet ist und erst einmal nach Mut aussieht, darunter aber vielleicht doch auch Angst versteckt.</p>
<p>Der Comic macht aus ihr keine kleine Rebellin für den schnellen Effekt. Elfie möchte mehr können, als ihr zugetraut wird. Sie möchte helfen, schießen, jagen &#8211; und ja, sie möchte bestehen. Gerade neben Marian bekommt das Gewicht. Hier steht nicht Jugend gegen Alter. Hier stehen zwei Frauen nebeneinander, die einander lieben und sich trotzdem reiben.</p>
<p>Dann kommen die Störungen. Eine verzweifelte Frau nähert sich der Station. Ein Reiter taucht auf. Eine Bande von Halsabschneidern rückt näher. Und irgendwo im Hintergrund zieht eine Kiste Gold ihre giftige Spur durch diese Geschichte. Aus einem kargen, fast friedlichen Ort wird ein Raum, in dem jede Ankunft etwas verändern kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4002" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710.jpg" alt="Innenseite 06 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-06_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Mattie bringt die Angst mit</h3>
<p>Mattie ist die Figur, die den Band endgültig aus der Ruhe bringt. Sie kommt nicht als schöne Fremde, die das Abenteuer anstößt. Sie kommt als Frau, die fliehen muss. Ihre Vergangenheit klebt an ihr. Flagstaff, der Saloon, die Männer, die ihren Körper und ihre Angst für selbstverständlich halten. All das reist mit ihr. Der Band lässt keinen Zweifel daran, wie grausam diese Welt vor allem für Frauen sein kann. Er suhlt sich aber nicht darin. Das ist ein wichtiger Unterschied.</p>
<p>Lew, der geheimnisvolle Reiter, begegnet Mattie zunächst wie eine Figur aus einem alten Westernfilm. Schweigsam, dunkel, gefährlich. Ja, diese Sorte Mann kenne ich aus dem Genre. Normalerweise werde ich da schnell skeptisch. Hier funktioniert Lew besser, weil er nicht alles an sich zieht. Er bleibt wichtig, aber er verdrängt Mattie nicht. Seine Gegenwart öffnet eher weitere Fragen. Wer ist er? Weshalb hilft er? Was verbindet ihn mit der Gewalt, die schon unterwegs ist?</p>
<h3>Die Gauner</h3>
<p>Burt Bell und seine Männer bilden den Gegenpol. Sie sind keine komplizierten Seelen, die ich lange verstehen müsste. Sie sind eine Bedrohung, die Körper hat, Stimmen, Waffen und Lust an Macht. Das ist weder feinsinnig, noch subtil. Doch für diese Geschichte reicht es oft, weil der Blick nicht dauerhaft bei ihnen bleibt. Er bleibt bei denen, die überleben müssen.</p>
<p>In der zweiten Hälfte zieht der Comic die Figuren enger zusammen. Marian, Elfie und Mattie werden nicht automatisch zu einer Gemeinschaft. Dafür ist zu viel Misstrauen im Raum. Aber sie stehen plötzlich auf derselben Seite einer Tür. Draußen lauern Männer, die nehmen wollen. Drinnen sitzen Frauen, die einander kaum kennen und doch begreifen, dass sie ohne die Anderen keine Chance haben. Genau daraus zieht der Band seine Spannung. Nicht aus der Frage, wer am besten schießt. Sondern aus der Frage, wer in der Panik nicht zuerst nur an sich denkt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4003" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710.jpg" alt="Innenseite 07 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-07_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Arizona ohne Sonntagskleidung</h3>
<p>Der historische Hintergrund ist hier kein Zierrat. Er erklärt, weshalb diese Figuren so allein wirken. Arizona war 1874 noch Territorium der Vereinigten Staaten. Der entsprechende Act wurde 1863 unter Abraham Lincoln unterzeichnet, Bundesstaat wurde Arizona erst 1912. Zwischen diesen Daten liegt eine lange Zeit, in der Verwaltung, Recht und tatsächliche Sicherheit nicht dasselbe waren. Damit spielt die Geschichte etwa in der gleichen Zeit wie <a title="Ein Mann geht seinen Weg BIS ZUM BITTEREN ENDE" href="https://panelwalker.de/2026/02/ein-mann-geht-seinen-weg-bis-zum-bitteren-ende/" target="_blank" rel="noopener">BIS ZUM BITTEREN ENDE</a>, aber in einer anderen Gegend und unter anderen Rahmenbedingungen.</p>
<p>Für einen Western ist das Gold im Gepäck natürlich ein vertrauter Köder. Trotzdem hat es einen realen Kern. Wells Fargo ließ 1885 einen Bericht über Überfälle auf Geldtransporte erstellen. Darin wurden 347 Überfälle und versuchte Überfälle auf Schatzsendungen zwischen 1870 und 1884 erfasst, die per Postkutsche und Zug unterwegs waren. Wer also beim Lesen denkt, das sei doch alles ein bisschen viel mit Räubern, Kisten und überforderten Autoritäten, liegt nur halb richtig. Diese Welt war nicht nur Mythos. Sie war auch Logistik, Risiko und sehr viel Geld auf sehr unsicheren Wegen.</p>
<p>Mad Wolf gibt dem Band noch eine andere Schicht. Die Navajo konnten nach dem Vertrag von 1868 in Teile ihrer Heimat zurückkehren. Der Vertrag steht bis heute für Überleben, Rückkehr und Selbstbehauptung nach Vertreibung. Deshalb lese ich Mad Wolf nicht einfach nur als hilfreichen Mann am Rand, der er natürlich auch ist. Seine stille Gegenwart verschiebt den Boden unter dem Western. Dieser Westen gehört nicht nur denen, die mit Pferden, Banken und Gewehren kommen. Er ist auch ein verletzter Ort. Der Comic erzählt das nicht breit aus. Doch Regnault zeichnet Mad Wolf mit genügend Würde und Ruhe, dass dieser Gedanke mitschwingt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4004" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710.jpg" alt="Innenseite 08 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-08_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Drei Frauen, keine Heiligen</h3>
<p>Was LEAVE THEM ALONE besonders macht, ist für mich weniger die Handlung als die Art, wie diese Handlung an den Figuren zieht. Marian, Elfie und Mattie könnten leicht zu klaren Rollen werden: die Alte, die Junge, die Gefallene.</p>
<p>Zum Glück bleibt der Comic nicht dabei stehen. Marian ist nicht nur weise. Sie ist auch streng, müde, gelegentlich ungerecht aus Sorge. Elfie ist nicht nur mutig. Sie ist ungeduldig und will zu schnell beweisen, dass sie dazugehört. Mattie ist nicht nur Opfer. Sie hat Angst, ja. Aber sie hat auch Witz, Willen und einen sehr genauen Blick für die Abgründe der Männerwelt.</p>
<p>Ich glaube, deshalb hat mich der Band stärker erwischt, als ich erwartet hatte. Ich musste nicht plötzlich großer Westernfan werden, nur diesen Frauen glauben. Und das tue ich. Der Comic gibt ihnen keine modernen Reden in den Mund. Er lässt sie handeln. Sie kochen, fluchen, zielen, pflegen, lügen vielleicht auch einmal aus Schutz. Sie müssen Entscheidungen treffen, die kein Mensch gern treffen möchte.</p>
<p>Die Schwäche liegt dort, wo der Band die Gegenseite etwas zu glatt bösartig zeichnet. Burt Bell und seine Leute sind wirksame Gefahr, aber selten mehr als Gefahr. Ich hätte gern einen Moment gehabt, in dem diese Männer durch Nähe interessanter würden. So bleiben sie vor allem Druck von außen. Allerdings passt das zur inneren Architektur des Comics. Diese Geschichte gehört nicht den Tätern, sondern den Bedrohten.</p>
<p>Sehr schön ist, dass Seiter den Zusammenhalt nicht romantisiert. Diese Figuren vertrauen einander nicht, weil das für eine gute Moral hübsch wäre. Sie vertrauen einander stückweise, weil jede andere Möglichkeit noch gefährlicher wäre. Das gibt dem Band eine bodenständige Wärme. Nicht die große Rede rettet hier Menschen, eher ein rechtzeitiger Blick, eine geladene Winchester oder eine Hand, die nicht loslässt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4005" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710.jpg" alt="Innenseite 09 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-09_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Chris Regnault sieht Menschen vor Landschaft &#8230;</h3>
<p>Chris Regnault zeichnet den Westen groß, aber nicht leer. Das ist mir wichtig. Viele Westernbilder verlieben sich so sehr in Weite, Berge und Sonnenuntergänge, dass die Figuren darin wie kleine Spielfiguren wirken. Regnault kann die Weite zeigen. Er kann Staub, Felsen, Kutschen, Pferde und Holzbauten überzeugend auf die Seite setzen. Doch sein eigentlicher Zugriff liegt in den Gesichtern.</p>
<p>Marian sieht bei ihm nicht einfach alt aus. Sie wirkt vom Leben benutzt. Falten, Augen, Haltung, alles erzählt von viel Arbeit. Elfie bekommt einen wachen, unruhigen Körper. Sie steht selten nur dekorativ herum. Ihr Blick springt, ihre Bewegungen haben etwas Vorwärtsdrängendes. Mattie wiederum trägt eine andere Art Erschöpfung in den Bildern. Bei ihr liegt der Schmerz nicht nur in dramatischen Momenten. Er sitzt in Schultern, Blicken, kleinen Pausen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4006" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710.jpg" alt="Innenseite 10 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-10_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>&#8230; und Landschaft mit Menschen</h3>
<p>Mad Wolf profitiert besonders von Regnault&#8217;s Zurückhaltung. Er wird nicht mit großer Zeichenfanfare eingeführt. Regnault lässt ihn stehen, schauen, reagieren. Dadurch bekommt diese Figur eine Präsenz, die stärker ist als jede Erklärung. Lew dagegen ist bewusst näher am Mythos gebaut. Hut, Schatten, kontrollierte Bewegung. Aber auch ihn erdet Regnault durch Momente, in denen seine Pose Risse zeigt.</p>
<p>Die Seiten sind klar gesetzt. Ich hatte nie das Gefühl, mich durch Action kämpfen zu müssen. Das Auge findet den Weg. Nahaufnahmen bremsen das Tempo, weite Panels lassen die Gefahr heranrollen. Regnault&#8217;s Farben bleiben warm, trocken, oft staubig. Gelb, Braun, Rot und ausgeblichene Himmel legen sich über die Seiten wie Hitze. Wenn Blut ins Bild kommt, wirkt es nicht elegant. Es stört. Genau so soll es sein.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich den Wechsel zwischen Alltag und Angriff. Die Station wirkt erst wie ein normaler Ort. Später wird sie zu einem Körper, der verteidigt werden muss. Türen, Fenster, Ecken, Sichtachsen. Regnault macht daraus keine technische Fingerübung. Er macht daraus Angst, die ich räumlich verstehe, da aus jedem Winkel Gefahr drohen kann. Das ist starkes Erzählen mit Bildern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4007" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710.jpg" alt="Innenseite 11 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-11_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Zwei Steckbriefe</h3>
<p>Roger Seiter wurde 1955 in Straßburg geboren und ist von Hause aus Historiker. Bevor er sich als Szenarist einen Namen machte, arbeitete er als Conseiller principal d’éducation, also im französischen Schuldienst. Seine Comiclaufbahn begann 1989 mit APRÈS UN SI LONG HIVER, gezeichnet von Johannes Roussel. Seitdem hat Seiter ein erstaunlich breites Werk aufgebaut, mit historischen Stoffen, Abenteuercomics, Krimis, Literaturadaptionen und Serienarbeiten. Zu seinen bekannteren Arbeiten gehören FOG, H.M.S., SPECIAL BRANCH sowie mehrere Alben aus den klassischen Reihen LEFRANC und ALIX.</p>
<p>Auffällig ist dabei sein verlässliches Gespür für historische Schauplätze und sauber gebaute Spannungsstoffe. Seiter schreibt selten laut, eher handwerklich präzise. Er interessiert sich für Figuren, die in Drucksituationen geraten, für moralische Grauzonen und für Geschichte als lebendige Bühne. Inzwischen steht er hinter mehr als 120 Comic-Alben, die bei zahlreichen Verlagen erschienen sind.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4008" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710.jpg" alt="Innenseite 12 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-12_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<p>Chris Regnault &#8211; auch Christophe Regnault &#8211; wurde 1982 in Frankreich geboren und arbeitet als Zeichner, Kolorist, Autor und Storyboarder. Nach einer klassischen Zeichenausbildung in Lyon illustrierte er unter anderem für Rollenspiele, pädagogische Comicprojekte und Magazine aus dem Videospielbereich. Zu seinen Arbeiten zählen HISTORISCHE PERSÖNLICHKEITEN: <a href="https://www.splitter-verlag.de/churchill-graphic-novel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">CHURCHILL</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/elisabeth-I-historische-persoenlichkeiten.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ELISABETH I</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/stalin-graphic-novel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">STALIN</a> sowie die Comicadaption von <a href="https://www.splitter-verlag.de/h-g-wells-der-unsichtbare-1.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">H.G. WELLS &#8211; DER UNSICHTBARE</a>.</p>
<p>Regnault arbeitete außerdem an Storyboards zu historischen Comicprojekten und zeichnete zahlreiche Cover. Mit <a href="https://www.splitter-verlag.de/wahre-geschichte-des-wilden-westens-jesse-james.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">JESSE JAMES</a> war er bereits deutlich im Western zuhause. Für LEAVE THEM ALONE bringt er diese Erfahrung sichtbar ein. Sein Blick für historische Schauplätze verbindet sich mit einem sehr lesbaren, körpernahen Stil, der Figuren nicht nur zeigt, sondern spielen lässt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4009" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710.jpg" alt="Innenseite 13 von LEAVE THEM ALONE" width="710" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710.jpg 710w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_INNENSEITE-13_1000X710-600x845.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>LEAVE THEM ALONE ist ein harter Western, der mich mit seinem Cover angezogen und mit seinem Inhalt überzeugt hat. Er hat mich über Marian, Elfie und Mattie bekommen. Über drei Frauen, die nicht auf Rettung warten können, über Mad Wolf, der viel sagt, auch wenn er dazu wenig Worte braucht und über Lew, der aus einem bekannten Typus kommt und trotzdem genug im Schatten behält. Und über eine Poststation, die erst Zuflucht ist und dann zur letzten Linie wird.</p>
<p>Mit LEAVE THEM ALONE sind vor allem die Frauen des Albums gemeint. Der Western spielt in einem gesetzlosen amerikanischen Westen, in dem Reisende, Migranten und besonders Frauen leichte Beute für Banditen, Plünderer und Gewaltmenschen sind. Der Titel ist also weniger eine höfliche Bitte als eine Warnung. So etwas wie: &#8222;Lasst diese Frauen in Ruhe – oder tragt die Folgen.&#8220; Darin steckt der klassische Western-Satz vor dem Showdown. Nur wird er hier verschoben: Nicht der große männliche Retter steht im Zentrum, sondern die Frage, was Frauen in einer Welt tun müssen, in der Recht, Schutz und Anstand gerade nicht verlässlich vorhanden sind.</p>
<p>Der Band ist hart in dem, was und wie er es erzählt. Gelegentlich ist er auch grob in der Zeichnung seiner Schurken. Doch sein Herz schlägt an der richtigen Stelle. Roger Seiter erzählt sauber und mit Gefühl für Druck. Chris Regnault gibt den Figuren Gewicht, Blick und Staub auf der Haut. Für mich ist das ein Western für Leserinnen und Leser, die nicht zwingend Western suchen, sondern gute Figuren in einer schlechten Welt. Genau davon hat dieser Comic erfreulich viel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4000" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-300x423.jpg" alt="Cover von LEAVE THEM ALONE" width="300" height="423" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-300x423.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710-600x845.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/LEAVE-THEM-ALONE_COVER_1000X710.jpg 710w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>LEAVE THEM ALONE</li>
<li>Roger Seiter und Chris Regnault</li>
<li>Hardcover | 160 Seiten | Farbe | Bookformat</li>
<li>ISBN 978-3-96792-139-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/leave-them-alone.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/ein-rat-an-alle-gauner-leave-them-alone/">Ein Rat an alle Gauner – LEAVE THEM ALONE</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 05:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Madita Schwenke]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Madita Schwenke wurde 1996 geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign in Potsdam sowie Illustration in Hamburg. Dort lebt und arbeitet sie auch, zeichnet Comics, illustriert Geschichten für Kinder und bewegt sich mit sicherem Gefühl zwischen Alltagsbeobachtung, Humor und kleinen fantastischen Verschiebungen. DRIFTING erschien zunächst digital im Rahmen der ShortBox Comics Fair 2023 und liegt nun beim Reprodukt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/wenn-es-wirklich-schwierig-wird-hilft-nur-drifting/">Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://maditaschwenke.carrd.co/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Madita Schwenke</a> wurde 1996 geboren. Sie studierte Kommunikationsdesign in Potsdam sowie Illustration in Hamburg. Dort lebt und arbeitet sie auch, zeichnet Comics, illustriert Geschichten für Kinder und bewegt sich mit sicherem Gefühl zwischen Alltagsbeobachtung, Humor und kleinen fantastischen Verschiebungen. DRIFTING erschien zunächst digital im Rahmen der <a href="https://www.shortboxcomicsfair.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">ShortBox Comics Fair</a> 2023 und liegt nun beim Reprodukt Verlag als zweifarbiger Comic vor.</p>
<p><span id="more-4077"></span></p>
<p>Auch wenn sich der Titel auf den ersten Blick wie <a title="„Völlig losgelöst von der Erde …“ geht es in SKYWARD hoch hinaus" href="https://panelwalker.de/2025/04/voellig-losgeloest-von-der-erde-geht-es-in-skyward-hoch-hinaus/" target="_blank" rel="noopener">SKYWARD</a> (von Joe Henderson und Lee Garbett) anhört, geht es in dieser Geschichte um etwas ganz anderes. Hier ist nicht die Physik der Grund dafür, die die Protagonisten die Bodenhaftung verlieren, sondern vielmehr die Psychologie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-4106 aligncenter" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Startbahn im eigenen Zimmer</h3>
<p>Vielleicht passt Schwenke&#8217;s Biografie so gut an den Anfang, weil DRIFTING ein Comic ist, der sehr genau aus einer jungen, urbanen Lebenswelt heraus erzählt. Nicht im Sinne eines Milieu-Protokolls. Eher wie ein Blick in eine Wohnung, in der zu viele unausgesprochene Dinge herumliegen. Da sind WG-Zimmer, Küchenwege, schlechte Laune am Rand der Spüle, vorsichtige Fragen und Menschen, die sich so gut eingerichtet haben, dass sie gar nicht mehr merken, wie seltsam ihr Alltag eigentlich geworden ist.</p>
<p>Der Einfall ist herrlich einfach. Felix, einer der Mitbewohner, fliegt davon, sobald es ernst wird. Er steigt aus dem Fenster und schwebt in den Himmel. Das könnte ein hübscher Cartoon-Gag à la <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0073227/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Karlsson auf dem Dach</a> sein. Bei Schwenke ist es jedoch mehr. Es ist eine sehr direkte, sehr klare Bildidee für Konfliktvermeidung. Wer nicht antworten will, verlässt nicht nur den Raum: er verlässt gleich die Schwerkraft, damit ihm wirklich niemand hinterher laufen kann.</p>
<p>Gerade deshalb wirkt der Comic so zugänglich. Ich muss keine metaphorischen Rätsel lösen. Ich sehe, was los ist. Und doch wird die Sache mit jeder Seite &#8230; unangenehmer. Denn die eigentliche Frage lautet nicht nur, warum Felix davonfliegt. Sie lautet auch, warum die anderen ihn immer wieder zurückkommen lassen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4107" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Gegenwind in der WG-Küche</h3>
<p>Annie zieht neu in die Wohngemeinschaft. Damit beginnt die Geschichte mit einem Blick von außen. Das ist wichtig, denn für die anderen gehört Felix’ Verhalten längst zur &#8222;Hausordnung&#8220;. Wenn es schwierig wird, ist er weg. Wenn er wieder auftaucht, geht es irgendwie weiter. Ein bisschen genervt sind alle, wirklich durchbrechen will die Routine zunächst aber niemand.</p>
<p>Annie nimmt diese seltsame Normalität anders wahr. Sie hat noch keinen Anteil an den kleinen Kapitulationen der Gruppe. Sie hat Felix nicht über Monate oder Jahre entschuldigt, eingeordnet und ertragen. Dadurch sieht sie schneller, wie verletzend sein Verhalten ist. Nicht weil sie moralisch über den anderen steht. Sondern weil sie neu genug ist, um die Mechanik zu erkennen.</p>
<p>Felix selbst bleibt dabei keine bloße Pointe. Er wirkt nicht wie ein Bösewicht, der andere bewusst quälen will. Eher wie jemand, der gelernt hat, dem entscheidenden Moment immer einen Schritt voraus zu sein &#8211; oder einen Flug. Sobald Nähe eine Antwort verlangt, hebt er ab.<br />
Für die Zurückbleibenden ist das bequem und grausam zugleich. Bequem, weil niemand den Streit wirklich führen muss und grausam, weil alle mit dem Rest allein bleiben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4108" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Thermik der Gewöhnung</h3>
<p>Die Gruppe lässt sich von Felix so behandeln, weil sie längst Teil seines Ausweichens geworden ist. Das ist eine der stärksten Beobachtungen des Comics. Eine WG ist ja nicht nur ein Ort, an dem Menschen wohnen. Sie ist ein kleines Abkommen. Alle halten bestimmte Dinge aus, damit das Ganze weiterläuft. Ein dreckiger Topf bleibt stehen, ein Spruch wird geschluckt, eine seltsame Angewohnheit wird zur Eigenart erklärt. Irgendwann nennt keiner mehr das Problem beim Namen, weil der Name Arbeit bringen würde.</p>
<p>Genau hier setzt DRIFTING schmerzhaft an. Felix’ Flucht funktioniert nur, weil die anderen am Boden mitspielen. Sie warten, sie schimpfen vielleicht, sie verdrehen die Augen. Aber sie geben keine echte Grenzen vor. Das klingt härter, als der Comic es erzählt.</p>
<p>Schwenke verurteilt diese Gruppe nicht. Sie zeigt eher, wie Erschöpfung aussieht. Konflikte kosten Kraft. Besonders dann, wenn jemand sich jedem Gespräch entzieht und alle anderen danach entscheiden müssen, ob sie das Fass wirklich wieder aufmachen wollen.</p>
<p>Ich finde diesen Punkt bemerkenswert lebensnah. Felix ist nicht nur das Problem, sondern auch das Ergebnis einer stillen Gruppeneinigung. Alle wissen, was passiert, alle richten sich darauf ein. Niemand fühlt sich ganz zuständig. So entsteht eine seltsame Schonung, die am Ende niemandem gut tut. Nicht Felix, weil er nie landen muss, nicht den anderen, weil sie immer wieder die Landebahn freihalten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4109" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Im Anflug: eine Fremde</h3>
<p>Dass ausgerechnet Annie Felix näher kommt, ist deshalb kein Zufall. Es braucht eine externe Dritte, weil die Gruppe bereits zu viel weiß und trotzdem zu wenig fragt. Die anderen sind durch Wiederholung befangen. Sie kennen Felix’ Muster, aber nicht unbedingt Felix. Das ist ein feiner Unterschied. Wer lange mit einem Verhalten lebt, hält es irgendwann für die Person selbst. Annie kann noch trennen. Sie sieht den Ärger, sie spürt die Zumutung. Aber sie hat auch genug Abstand, um hinter der Flucht einen Menschen zu vermuten.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine Rettungsfantasie. Annie kommt nicht herein und heilt alle. Das wäre dann doch zu einfach. Sie nähert sich Felix eher über Neugier, Irritation und vorsichtige Empathie. Zugleich bringt sie eigene Erfahrungen mit. Dadurch entsteht eine Verbindung, die nicht auf WG-Pflicht beruht. Annie muss Felix nicht mögen und ihn auch nicht decken. Gerade das macht ihren Blick freier.</p>
<p>Diese Anlage gibt der Geschichte ihre emotionale Spannung. Ich wollte beim Lesen nicht einfach wissen, ob Felix wieder herunterkommt. Ich wollte wissen, ob jemand in dieser Wohnung einen Satz findet, der sich nicht sofort in Luft auflöst.</p>
<p>Schwenke erzählt das leise. Sie setzt nicht auf große Ausbrüche. Ihre Dramaturgie besteht eher aus Annäherungen, Pausen und kleinen Verschiebungen. Das passt gut zum Thema. Wer jahrelang ausgewichen ist, landet nicht mit einem großen Knall.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4110" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fluglinien auf Papier</h3>
<p>Zeichnerisch ist DRIFTING locker, klar und sehr beweglich. Schwenke&#8217;s Figuren haben Körper, die sofort erzählen. Ein abgesenkter Kopf sagt hier oft mehr als eine Erklärung. Arme hängen schief im Raum. Gesichter öffnen und schließen sich innerhalb weniger Panels. Diese Mimik ist kein Selbstzweck. Sie trägt die Szenen, weil so viel zwischen den Figuren unausgesprochen bleibt.</p>
<p>Die Räume wirken angenehm konkret. Die WG ist nicht bloß Kulisse. Sie hat Enge, Ecken, Blickachsen. Ich spüre beim Lesen, wie schwer es ist, einander auszuweichen, wenn alle doch dieselbe Küche benutzen. Sobald Felix abhebt, verändert sich das Bild. Die Seite bekommt Luft. Der Himmel öffnet sich. Die Bewegung hat etwas Komisches, fast Leichtfüßiges. Gleichzeitig bleibt darunter die Schwere der Situation zurück. Auf diese Weise verschafft die Struktur des Werkes auch Felix Sympathien.</p>
<p>Der Seitenrhythmus ist übersichtlich und ruhig genug, um den Zwischentönen Platz zu lassen. Schwenke hetzt nicht. Sie vertraut darauf, dass ein Blick, ein Abstand oder ein leerer Moment wirken darf. Die Zweifarbigkeit unterstützt diesen Ton sehr. Sie hält den Comic nah am Alltag, ohne ihn grau wirken zu lassen. Die Farben geben Wärme &#8211; obwohl sie blau verwendet &#8211; und eine leichte Fremdheit zugleich. So bleibt das Fantastische glaubhaft, weil es nicht wie ein Effekt auftritt. Es wächst aus dem Alltäglichen heraus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4111" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Kleinere Turbulenzen</h3>
<p>Ein paar Schwächen bleiben. Manche Nebenfigur hätte ich gern deutlicher gespürt. Gerade weil die WG-Dynamik so wichtig ist, wäre noch etwas mehr Zeit mit den anderen Figuren reizvoll gewesen. Warum hält genau diese Person still? Wer ist wütend? Wer hat aufgegeben? Oder auch: Wer profitiert davon, dass Felix immer wieder verschwindet? Der Comic deutet diese Fragen an, aber er spielt sie nicht alle aus. Wie gesagt &#8211; schade.</p>
<p>Auch Felix bleibt an manchen Stellen bewusst knapp gefasst. Das passt zwar zur Figur, weil er sich entzieht. Trotzdem hätte eine weitere Szene seine innere Not noch greifbarer machen können. Schwenke entscheidet sich für Verdichtung. Das ist sauber erzählt, nimmt dem Comic aber hier und da die Chance, noch tiefer in die Figuren zu sinken. Aber vielleicht ist dies alles auch dem ursprünglichen Online-Medium auf ShortBox geschuldet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4112" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750.jpg" alt="" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_INNENSEITE-12_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>DRIFTING ist ein schlanker, warmherziger und genauer Comic über Menschen, die Konflikten ausweichen, bis das Ausweichen selbst zur gemeinsamen Sprache wird. Madita Schwenke findet dafür ein Bild, das mir sofort einleuchtet. Ein junger Mann fliegt davon, weil er nicht bleiben kann. Eine Gruppe lässt ihn fliegen, weil Landungen für sie anstrengend sind. Und eine Neue sieht plötzlich, dass Normalität manchmal nur ein anderes Wort für Müdigkeit ist.</p>
<p>Ich mochte an diesem Comic besonders, dass er seine Figuren nicht vorführt. Er schaut genau hin, aber ohne kalten Blick. Er bleibt leicht, obwohl er von verletzendem Verhalten erzählt. Am Ende ist DRIFTING keine große Abrechnung mit einem schwierigen Menschen. Es ist eine leise Geschichte über Verantwortung, Nähe und den Mut, nicht aus dem Fenster zu steigen, wenn ein schwieriges Gespräch beginnt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4102" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-300x400.jpg" alt="" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/DRIFTING_Cover_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>DRIFTING</li>
<li>Madita Schwenke</li>
<li>Softcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95640-516-7</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://reprodukt.com/products/drifting?_pos=1&amp;_sid=59bddceb7&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">Reprodukt Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>ABSOLUTE GREEN ARROW &#8211; Neuzugang im Absolute-Universum</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/absolute-green-arrow-neuzugang-im-absolute-universe/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 05:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[DC Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Marcelo Maiolo]]></category>
		<category><![CDATA[Pornsak Pichetshote]]></category>
		<category><![CDATA[Rafael Albuquerque]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein grüner Pfeil steckt in einer Leiche und plötzlich ist nichts mehr gemütlich an diesem alten Zeichen. Kein launiger Robin-Hood-Verschnitt, kein moralisch erhobener Zeigefinger, kein Superheld, der aus sicherer Entfernung die Welt verbessert. ABSOLUTE GREEN ARROW beginnt wie ein Fall, der Vielen schlaflose Nächte bereiten wird. Die Super-Reichen schlafen schlecht, die Polizei sortiert Spuren und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein grüner Pfeil steckt in einer Leiche und plötzlich ist nichts mehr gemütlich an diesem alten Zeichen. Kein launiger Robin-Hood-Verschnitt, kein moralisch erhobener Zeigefinger, kein Superheld, der aus sicherer Entfernung die Welt verbessert.</p>
<p><span id="more-4031"></span></p>
<p>ABSOLUTE GREEN ARROW beginnt wie ein Fall, der Vielen schlaflose Nächte bereiten wird. Die Super-Reichen schlafen schlecht, die Polizei sortiert Spuren und Dinah Lance steht als zentrale Figur mittendrin. Sie weiß, dass ein Mord ein Mord bleibt. Sie weiß aber auch, dass manche Opfer sehr viele Schatten werfen.</p>
<p>Genau darin liegt der Reiz dieses Auftakts. Pornsak Pichetshote (Szenario), Rafael Albuquerque (Zeichnungen) und Marcelo Maiolo (fabren) machen aus Green Arrow (k)einen Horror-Comic. Auch, wenn es sich für die Opfer dieses Serienkillers so anfühlen mag und die Community es so sieht. Für mich bauen sie einen harten Thriller mit deutlichen Krimi-Anleihen. Die Frage lautet nicht nur: Wer tötet hier? Sie lautet auch: Warum gerade jetzt? Warum gerade diese Opfer? Und was hat Oliver Queen mit all dem noch zu tun?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4025" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 01 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-01-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein neues Universum mit alten Wunden</h3>
<p>Die <a href="https://www.thalia.de/reihe/absolute-universe-A1076322223?seite=1" target="_blank" rel="nofollow noopener">ABSOLUTE-Reihe</a> von DC ist als eigenständiger Neustart angelegt und gehört inzwischen zum Besten, was der US-Comic-Markt zu bieten hat. Vertraute Figuren werden aus ihren bekannten Erzählstrukturen herausgelöst. BATMAN, SUPERMAN und WONDER WOMAN tragen noch immer ihren jeweiligen Kern in sich. Doch die Welt um sie herum ist schroffer. Sie schenkt ihnen weniger und sie zwingt sie schneller zu Entscheidungen, die weh tun.</p>
<p>Für GREEN ARROW passt dieser Ansatz erstaunlich gut. Oliver Queen war nie nur ein Bogenschütze mit einer Maske. Die Figur lebte immer auch von ihrer sozialen Reibung und eindeutigen Moralvorstellung. Er war der Held, der bei den großen Fragen nicht höflich anklopfte.</p>
<p>Reichtum, Ungleichheit, Korruption, Machtmissbrauch waren immer schon seine Themen. All das gehörte seit Jahrzehnten zum Design dieser Figur. Gerade deshalb ist es reizvoll, dass ABSOLUTE GREEN ARROW nicht bei der Abenteuermaschine ansetzt, sondern mit einer Erschütterung: Oliver Queen ist tot! Sein Zeichen lebt jedoch weiter, aber es hat seine Unschuld verloren.</p>
<p>Der Untertitel THE LONGBOW KILLER weckt natürlich Erinnerungen an <a href="https://www.medimops.de/mike-grell-green-arrow-the-longbow-hunters-green-arrow-graphic-novels-taschenbuch-M00930289382.html?variant=UsedGood" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE LONGBOW HUNTERS</a>, jene Green-Arrow-Geschichte, die die Figur Ende der 1980er Jahre rauer und erwachsener machte. Dieser neue Auftakt kopiert das nicht. Er nimmt eher die Idee auf, dass ein Bogen auch in die dunkleren Ecken des Genres führen kann. Diesmal geht es jedoch weniger um romantische Gesetzlosigkeit. Es geht um Tatmuster, Spuren, um Verdächtigungen und um eine Heldin, die lernen muss, einem Symbol nicht mehr zu trauen.</p>
<p>Auch das Kreativteam macht Sinn. Pichetshote denkt in moralischen Spannungen. Albuquerque zeichnet Körper, Räume und Gewalt mit einer Direktheit, die selten glatt wirkt. Maiolo legt darüber Farben, die nicht schmücken, sondern Druck erzeugen. So entsteht ein Comic, der sich wie eine Ermittlungsakte liest, in der jemand immer wieder mit rotem Stift etwas markiert hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4026" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 02 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-02-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Dinah Lance und die Sache mit dem Vertrauen</h3>
<p>Die Handlung von ABSOLUTE GREEN ARROW &#8211; THE LONGBOW KILLER setzt an einem Punkt ein, an dem die klassische Heldenordnung bereits zerbrochen ist. Oliver Queen ist ermordet worden. Sein Tod steht dabei jedoch nicht nur als ferne Vorgeschichte im Raum, sondern als offene Wunde.</p>
<p>Dinah Lance, in dieser Version ehemalige Polizistin und MMA-Kämpferin BLACK CANARY, arbeitet als Personenschützerin. Sie ist erfahren, kampferprobt und innerlich deutlich weniger stabil, als sie nach außen wirken möchte. Genau diese Spannung trägt das Heft.</p>
<p>Der neue Fall zieht sie in einen Kreis aus reichen, einflussreichen &#8211; und sehr nervösen &#8211; Menschen. Ein maskierter Täter jagt Milliardäre. Seine Opfer sind keine gewöhnlichen Zufallsziele. Sie gehören zu einer Schicht, die sich Schutz kaufen kann, Nähe zur offiziellen Macht pflegt und Probleme verschwinden lässt. Der Serienkiller hinterlässt grüne Pfeile. Damit wird aus Olivers altem Zeichen ein Beweisstück. Dies trifft Dinah doppelt. Sie muss einen Mörder aufhalten. Zugleich muss sie verstehen, warum ausgerechnet dieses Symbol plötzlich für Hinrichtungen steht.</p>
<p>Pichetshote erzählt das angenehm konzentriert. Die Geschichte kippt nicht in eine ausufernde Ursprungserzählung. Ich bekomme genug über Oliver, um seinen Schatten zu spüren. Ich bekomme aber nicht so viel, dass er Dinah ihre Bühne nimmt. Das ist klug konzipiert. Denn Dinah ist hier keine Nebenfigur, die dem toten Helden hinterherläuft. Sie ist der Blick, die Haltung und das Gewissen des Comics.</p>
<p>Albuquerque unterstützt diese Anlage mit klarer, ruppiger Bildführung. Die Actionszenen haben Tempo, aber sie protzen nicht. Ein Angriff kommt schnell, ein Körper fällt schwer, ein Blick bleibt einen Moment zu lang hängen. Das ist Thriller-Handwerk. Der Seitenrhythmus arbeitet mit Druck und Unterbrechung. Mal zieht die Erzählung an, dann bremst ein stilles Panel die Bewegung ab. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass Dinah nicht nur Beweise sammelt. Sie sortiert auch ihre eigenen Erinnerungen neu.</p>
<p>Der Bogenschütze bleibt zunächst mehr Funktion als Figur. Das ist für ein erstes Heft in Ordnung. Seine Maske, seine Präzision und seine Zielauswahl reichen, um Bedrohung aufzubauen. Wichtiger ist der Verdacht, den er sät. Wenn ein Symbol plötzlich an Tatorten auftaucht, wird jeder frühere Verbündete, jede alte Verbindung und jede offene Rechnung erst einmal verdächtig. Roy Harper und Mia Dearden schwingen als mögliche Spuren mit. Doch der Comic tut gut daran, nicht sofort alle seine Karten aufzudecken. Er will, dass ich weiterblättere. Und das tue ich gerne!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4027" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 03 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-03-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein Auftakt, der den Bogen spannt</h3>
<p>Als Nummer 1 funktioniert ABSOLUTE GREEN ARROW sehr gut. Das Heft erklärt seinen Schauplatz knapp, setzt Dinah stark ins Zentrum und liefert ein klares Versprechen.</p>
<p>Hier wird nicht einfach eine bekannte Figur modernisiert. Hier wird ein Vermächtnis zur Gefahr. Das ist ein starkes Sujet, weil es ohne großes Vorwissen verständlich bleibt. Wer GREEN ARROW kennt, spürt die Verschiebung. Wer ihn nicht kennt, versteht trotzdem, dass dieses Zeichen einmal für etwas anderes gestanden hat.</p>
<p>Besonders überzeugend finde ich die Krimi-Struktur. Es gibt Opfer, Muster, Verdächtige, berufliche Zwänge und private Altlasten. Die Gewalt ist hart, aber sie steht im Dienst des Falls. Der Comic will nicht schocken, nur um laut zu sein. Er will zeigen, wie schnell moralische Gewissheit verrutscht, wenn die Toten selbst keine reinen Unschuldslämmer waren. Wer einen Schmetterling zertritt ist ein Mistkerl, wer eine Kakerlake zertritt &#8230; nun ja.</p>
<p>Genau hier liegt auch die größte Aufgabe für die kommenden Hefte. Die Serie darf sich nicht zu sehr auf ihre düstere Attitüde verlassen. Sie muss Dinah&#8217;s Konflikt vertiefen, den Täter schärfen und Oliver Queen&#8217;s Erbe mit echten Konsequenzen aufladen.</p>
<p>Die große Nachfrage vor der Veröffentlichung passt zu diesem starken Start. Die Erstauflage war über Vorbestellungen so schnell vergriffen, dass DC bereits eine Zweitauflage angekündigt hat. Wer lesen will, muss das also <a href="https://globalcomix.com/?modal=c%2Fabsolute-green-arrow-2026-" target="_blank" rel="nofollow noopener">erst einmal online</a> tun.</p>
<p>Für ein Auftaktheft ist das natürlich ein hübsches Ausrufezeichen. Wichtiger bleibt für mich aber, dass der Comic diese Aufmerksamkeit erzählerisch begründet. Er hat einen sauberen Haken, eine Figur, der ich folgen möchte und er hat Bilder, die nicht nach Hochglanz aussehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4028" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 04 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-04-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein Autor mit Gespür für Schuld</h3>
<p>Pornsak Pichetshote ist ein thailändisch-amerikanischer Autor, der vor seiner eigenen Arbeit als Szenarist auch redaktionell bei DC&#8217;s <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vertigo_Comics" target="_blank" rel="nofollow noopener">Vertigo Imprint</a> tätig war. Dort bewegte er sich in einem Umfeld, das viele erwachsene, literarisch geprägte Genrestoffe hervorbrachte.</p>
<p>Als Autor wurde er besonders mit <a href="https://www.splitter-verlag.de/infidel.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">INFIDEL</a> und <a href="https://www.amazon.de/stores/Pornsak-Pichetshote/author/B07BMK89JR?ref=ap_rdr&amp;shoppingPortalEnabled=true" target="_blank" rel="nofollow noopener">EXQUISITE CORPSES</a> bekannt. Seine Geschichten verbinden oft Spannung mit Fragen nach Herkunft, Macht, Schuld und gesellschaftlicher Ausgrenzung. Das merkt ich auch hier. Pichetshote interessiert sich nicht nur dafür, was passiert. Ihn interessiert, welche Wunde eine Tat offenlegt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4029" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 05 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-05-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein Zeichner für Druck und Bewegung</h3>
<p><a href="https://www.dc.com/talent/rafael-albuquerque" target="_blank" rel="nofollow noopener">Rafael Albuquerque</a> stammt aus Brasilien und arbeitet seit vielen Jahren für den amerikanischen Comicmarkt. Bekannt wurde er unter anderem durch BLUE BEETLE, SUPERMAN / BATMAN und vor allem <a href="https://www.amazon.de/s?i=english-books&amp;rh=p_27%3ARafael%2BAlbuquerque&amp;s=relevancerank&amp;text=Rafael+Albuquerque&amp;ref=dp_byline_sr_book_3" target="_blank" rel="nofollow noopener">AMERICAN VAMPIRE</a>.</p>
<p>Seine Zeichnungen haben eine körperliche Energie, die gut zu Geschichten passt, in denen Figuren unter Druck geraten. Albuquerque kann Action klar erzählen, ohne sie glattzubügeln. Gesichter, Schatten und Bewegungen wirken bei ihm oft leicht angeraut. In ABSOLUTE GREEN ARROW &#8211; THE LONGBOW KILLER ist genau das wichtig. Die Welt sieht nicht edel aus, sondern benutzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4030" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg" alt="Innenseite 06 von ABSOLUTE GREEN ARROW NO 1" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/INNENSEITE-06-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ABSOLUTE GREEN ARROW liefert viele Anspielungen auf aktuelle Ereignisse, Personen und Diskussionen. Gleichzeitig ist der erste Band ein starker, harter und sehr kontrollierter Auftakt, bei dem ich verstehen kann, weshalb die Community so heiß auf diese Ausgabe war.</p>
<p>Ich mochte vor allem, dass der Comic seine Hauptfigur nicht bequem über das Symbol Green Arrow definiert, sondern über den Verlust dieses Symbols. Dinah Lance trägt die Geschichte mit Wucht, Zweifel und genug Wärme, damit die Kälte des Falls nicht alles verschluckt. Die Ausgabe ist ein Thriller mit Krimi-Puls. Genau so funktioniert sie hier am besten.</p>
<p>Die Pfeile fliegen nicht mehr als reines Helden-Signe. Sie stecken in Beweisräumen örtlicher Polizeistationen fest. Und ich will wissen, wer sie dort hin geschossen hat.</p>
<p>Der Panini Verlag hat angekündigt, die Reihe auf Deutsch zu bringen. Falls die kommenden Hefte der Reihe das Niveau halten, wird der Sammelband mit Sicherheit seinen Weg in mein Regal finden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4024" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg" alt="Cover von ABSOLUTE GREEN ARROW" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-300x400.jpeg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-113x150.jpeg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750-600x800.jpeg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/COVERFOTO-VON-ABSOLUTE-GREEN-ARROW-01_1000X750.jpeg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>ABSOLUTE GREEN ARROW #1</li>
<li>Pornsak Pichetshote und Rafael Albuquerque</li>
<li>28 Seiten | Farbe</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.dc.com/comics/absolute-green-arrow-2026/absolute-green-arrow-2026-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">DC Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/absolute-green-arrow-neuzugang-im-absolute-universe/">ABSOLUTE GREEN ARROW – Neuzugang im Absolute-Universum</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>MALCOLM MAX 6 &#8211; DER KANNIBALE VON LONDON geht um</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 05:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe diese Reihe, obwohl ich mich im Normalfall für Horror-Stoffe gar nicht begeistern kann. Aber MALCOLM MAX 6: DER KANNIBALE VON LONDON hat mich wieder zuverlässig abgeholt. Peter Mennigen und Ingo Römling liefern in dieser Erzählung keinen Blutrausch um des Effekts willen. Ich erhalte stattdessen eine viktorianischen Abenteuernarration, die sich mit sichtbarer Lust an [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/malcolm-max-6-der-kannibale-von-london-geht-um/">MALCOLM MAX 6 – DER KANNIBALE VON LONDON geht um</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe diese Reihe, obwohl ich mich im Normalfall für Horror-Stoffe gar nicht begeistern kann. Aber MALCOLM MAX 6: DER KANNIBALE VON LONDON hat mich wieder zuverlässig abgeholt.</p>
<p>Peter Mennigen und Ingo Römling liefern in dieser Erzählung keinen Blutrausch um des Effekts willen. Ich erhalte stattdessen eine viktorianischen Abenteuernarration, die sich mit sichtbarer Lust an Schauer, Krimi, Steampunk, Weltuntergangsflirt und sehr trockenen Humor durch ihre 64-seitige Geschichte hindurch laviert. Hierbei handelt es sich um den inzwischen sechsten Band der laufenden, sehr erfolgreichen Serie. Und &#8211; er endet mit einem fetten Cliffhanger. Der Folgeband <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-7.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">AM ENDE DER ZEIT</a> ist beim Splitter Verlag nun &#8211; endlich! &#8211; für September 2026 angekündigt.</p>
<p><span id="more-3704"></span></p>
<p>Was ich an dieser Serie so mag, zeigt sich auch in diesem Werk wieder. Malcolm Max ist kein grummeliger Dämonenschlächter, der mit finsterem Gesicht durch die Seiten stapft. Er ist elegant, spöttisch, kontrolliert und oft genau dann am besten, wenn sich alles außerhalb seiner Kontrolle abspielt.</p>
<p>Seine Partnerin, Charisma Myskina, ist für mich dabei längst das emotionale Zentrum der Reihe. Halbvampirin hin oder her, ihre Mischung aus Direktheit, Stolz, Fremdheit und verletzlicher Neugier trägt diese Geschichten mindestens genauso stark wie Malcolm&#8217;s Gehabe als Gentleman mit Nerven aus Stahl.</p>
<p>Das Ganze spielt im London der späten viktorianischen Epoche. Also in einer Welt, die nach außen zwar voller Normen und Regeln aussieht, innerlich jedoch bereits vor sich hin fault. Genau an diesem Ort und zu dieser Zeit fühlt sich diese Serie seit Jahren am wohlsten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3706" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713.jpg" alt="Innenseite 03 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-03_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>London aus Nebel, Armut und Zukunftseuphorie</h3>
<p>Bevor ich zur Handlung komme, lohnt sich ein kurzer Blick auf den Hintergrund, vor dem diese Serie läuft. Zunächst einmal: Malcolm Max begann nicht als Comic, sondern als Hörspiel. Peter Mennigen entwickelte die Figur 2008 im Umfeld einer geplanten <a href="https://www.comic.de/2019/01/die-entstehung-von-malcolm-max-teil-1-oder-die-drei-leben-eines-viktorianischen-helden/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wiederbelebung von GESPENSTER GESCHICHTEN</a>. Erst später wurde daraus diese Comicreihe beim Splitter Verlag.</p>
<p>Für die Chronologie ist das wichtig, denn die frühen Hörspiele erzählen die Vorgeschichten, während der erste Comic zeitlich danach einsetzt. Das erklärt auch, warum die Welt dieser Serie oft so wirkt, als läge schon ein ganzes Leben hinter ihren Figuren.</p>
<p>Noch spannender ist für mich aber der Schauplatz. Der Band führt tief ins <a href="https://www.google.de/maps/place/East+London,+Vereinigtes+K%C3%B6nigreich/@51.6258414,0.0869074,10.29z/data=!4m10!1m2!2m1!1sLondon+East+End!3m6!1s0x47d8a689a0c6d81d:0x869c417ae78b7e4!8m2!3d51.55633!4d0.0655092!15sCg9Mb25kb24gRWFzdCBFbmSSAQ9jb2xsb3F1aWFsX2FyZWHgAQA!16zL20vMDUwdzZk?entry=ttu&amp;g_ep=EgoyMDI2MDQwNS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D" target="_blank" rel="nofollow noopener">East End</a> und damit in jenen Teil Londons, der im späten 19. Jahrhundert wie ein Gegenbild zur imperialen Selbstverherrlichung wirkte. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Booth" target="_blank" rel="nofollow noopener">Charles Booth&#8217;s</a> <a href="https://www.londonmuseum.org.uk/collections/v/object-541823/descriptive-map-of-london-poverty/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Londoner Armutskarte</a> markierte Spitalfields und Whitechapel 1889 bis 1891 großflächig in Schwarz und Blau. Also als Gegenden mit besonders hoher Armut.</p>
<p>Gleichzeitig hängt dort noch der Schatten von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jack_the_Ripper" target="_blank" rel="nofollow noopener">JACK THE RIPPER</a> in der Luft. Die Morde in Whitechapel von 1888 wurden zum Dauertrauma der Stadt und fraßen sich tief in die Popkultur hinein. Genau diese Mischung aus Elend, Angst und öffentlicher Obsession zapfen das Hörbuch und später auch der Comic sehr gezielt an.</p>
<p>Dazu kommt ein dritter Punkt, der für MALCOLM MAX: DER KANNIBALE VON LONDON fast ideal ist. London war damals eben nicht nur düster, sondern auch im wörtlichen Sinn elektrisiert. In den 1860er Jahren wuchs das <a href="https://www.thelondonarchives.org/blog/spiritualism-and-the-victorian-city" target="_blank" rel="nofollow noopener">Interesse an Séancen und modernem Spiritualismus</a>. 1879 bekam der Lesesaal des British Museum elektrische Lampen und 1882 ging am Holborn Viaduct eine frühe öffentliche Stromversorgung in Betrieb.</p>
<p>Diese Stadt glaubte also gleichzeitig an &#8222;Geisterklopfen&#8220; und an technische Erlösung. Ich finde, kaum ein deutscher Genre-Comic nutzt diese Spannung zwischen Okkultismus und Fortschrittsrausch so stimmig aus wie diese Reihe.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3707" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713.jpg" alt="Innenseite 04 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-04_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwei Ermittler wie ein altes Ehepaar</h3>
<p>Im Zentrum dieses Bandes stehen &#8211; natürlich &#8211; wieder Malcolm Max und Charisma Myskina. Er ist der stilbewusste Spezialist für paranormale Fälle, sie die Halbvampirin an seiner Seite, gefährlich, scharfzüngig und deutlich weniger bereit, höflich um die Dinge herumzureden.</p>
<p>Dazu kommen die Schwestern Emmeline und Miranda Finch, die in dieser Welt längst mehr sind als putzige Nebenfiguren. Sie bringen Witz, Tempo und ein sehr eigenes detektivisches Gespür ein, das ihnen bereits einen eigenen <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-emmeline-miranda-finch.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Spin-Off-Band</a> beschert hat.</p>
<p>Gerade diese Mischung aus erwachsener Schauerabenteuer-Serie und fast frecher Jungdetektiv-Energie gibt MALCOLM MAX: DER KANNIBALE VON LONDON seinen besonderen Ton.</p>
<h3>Ein vollgepacktes Album</h3>
<p>Der Band steigt mit einem Hinterhalt ein. Malcolm und Charisma geraten in ein verlassenes Hospital und dort in eine Falle, die sehr schnell klarmacht, dass hier mehr am Werk ist als ein örtlicher Serienmörder. Dämonische Kopfgeldjäger, seltsame Steckbriefe, rätselhafte Gegner, dazu später die Spur eines Kannibalen, der Frauen aus dem Milieu zerfetzt zurücklässt, nehmen hier ihren Anfang.</p>
<p>Peter Mennigen eröffnet den Band gleich mit diversen Fäden. Das ist auf 64 Seiten riskant, funktioniert hier aber erstaunlich gut, weil er nie vergisst, die Figuren zusammenzuhalten. Selbst wenn die Handlung kurz in Richtung dimensionsoffener Irrsinn abkippt, bleibt die Frage wichtig, wie Malcolm und Charisma aufeinander reagieren, wie sie sich necken, reizen, retten und doch ständig einen halben Schritt zu weit voneinander weg bleiben. Schließlich gibt es da ja noch die Drohung von Charisma&#8217;s Vater, Malcolm den Garaus zu machen, sollte er seiner Tochter zu nahe kommen. Aber das ist ein anderes Thema.</p>
<p>Gerade dieses Duo ist für mich der eigentliche Grund, warum ich immer wieder zu der Serie zurückkehre. Zwischen diesen Beiden knistert es gewaltig und nicht in einem kitschigen Sinne. Eher so, als würden zwei Menschen seit Ewigkeiten denselben Satz umkreisen und ihn nie aussprechen.</p>
<p>Der Humor kommt genau aus dieser Bewegung. Ein schräger Blick hier, eine kühle Bemerkung dort, ein Satz, der halb Rettungsleine und halb Spitze ist. Das ist genau mein Ding. Ich habe beim Lesen oft den Eindruck, dass Mennigen den Rhythmus der Beziehung besser versteht als viele Autoren, die ihre Figuren nur auf eine Romanze zuschreiben. Hier bleibt das Spiel offen. Und genau deshalb bleibt es lebendig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3708" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713.jpg" alt="Innenseite 05 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-05_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Das East End wird zum Schaufenster des Grauens</h3>
<p>Der titelgebende Kannibale ist natürlich kein bloßer Vorwand. Der Fall bringt diese Geschichte mitten ins East End, also hinein in jene Straßen, in denen Frauenkörper schnell zur Ware und noch schneller zu Wegwerfmaterial wurden.</p>
<p>Der Band macht daraus keine plumpe Sozialgeschichte. Ich fand aber stark, wie deutlich die soziale Schieflage spürbar bleibt. Die Opfer sind nicht zufällig Frauen aus dem Milieu. Dieser Fall erzählt eben auch davon, wer in dieser Stadt am leichtesten verschwindet und wer erst dann zählt, wenn sich das Grauen nicht mehr vertuschen lässt. Besonders gut hat mir gefallen, wie Charisma von Menningen in diese Umgebung gestellt wird. Dass sie sich als Prostituierte verdingen soll, ist nicht bloß ein sensationeller Aufhänger, sondern ein kluger Perspektivwechsel innerhalb der Serie.</p>
<p>Plötzlich sieht London anders aus, nicht aus Malcolm&#8217;s ironischer Distanz, sondern aus einer gefährdeten, körperlich exponierten &#8211; wenn auch wehrhaften &#8211; Position einer Frau. Gleichzeitig nimmt sich der Band beim Humor nicht zurück. Diese Szenen haben Biss (Sorry, Wortspiel), aber eben auch Witz.</p>
<p>Charisma spielt keine wehrlose Rolle. Sie spielt mit ihrer Rolle. Und Malcolm muss dabei einsehen, wie wenig Kontrolle er wirklich hat. Genau daraus zieht der Comic einen guten Teil seiner Spannung.</p>
<p>Parallel dazu läuft die Geschichte um einen hochbegabten Physiker, der für seine todkranke Tochter an eine Grenze geht, hinter der Wissenschaft nicht mehr sauber von Hybris zu trennen ist. Auch das ist typisch für diese Serie. Sie liebt Laborfantasien, dampfende Apparaturen, große Versprechen und den Moment, in dem Fortschritt vielleicht in Größenwahn kippt.</p>
<p>Ich mag, dass Mennigen diese Ebene nicht trocken erklärt, sondern als emotionalen Motor nutzt. Es geht nie nur um diese Erfindung. Es geht um Verzweiflung, Liebe, Verlustangst und den alten Wunsch, den Tod irgendwie doch zu überlisten. Dadurch bleibt das Science-Fiction-Element im Band nicht bloß Dekor, sondern bekommt ein Herz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3709" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713.jpg" alt="Innenseite 06 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-06_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Wenn Witz und Weltuntergang gleichzeitig anklopfen</h3>
<p>Was dieser Band besonders gut kann, ist einen ganz bestimmten Ton zu treffen. Ich lese hier einen Geschichte, die Dinge zeigt, die eigentlich unerquicklich sind. Verstümmelte Opfer, dämonische Angriffe, apokalyptische Möglichkeiten. Und trotzdem kippt das Ganze nie in selbstgefällige Düsternis. Dafür sorgt der Humor, vor allem der, der aus den Figuren kommt und nicht aus aufgesetzten Gags. Ein schönes Beispiel ist das Gerücht über eine mögliche Verlobung von Malcolm und Charisma. So ein Einfall könnte albern werden. Hier lockert er die Geschichte auf und zeigt gleichzeitig, wie viel zwischen diesen beiden unausgesprochen herumsteht.</p>
<p>Gleichzeitig merkt ich dem Band an, dass er ein Kapitel in einer fortlaufenden Serie und kein völlig abgeschlossener Einzelband ist. Das ist Stärke und kleine Schwäche zugleich. Stärke, weil die Welt dicht ist, weil Nebenfiguren Gewicht haben, weil jedes neue Abenteuer auf etwas Größeres hinarbeitet. Kleine Schwäche, weil der Band sein Material sehr energisch zusammenhält und deshalb an einigen Stellen fast zu viel in zu kurzer Zeit erzählen muss. Die Übergänge zwischen Serienmörderfall, okkultem Angriff, Wissenschaftsdrama und kosmischer Bedrohung sind spannend, aber nicht immer ganz &#8230; &#8222;luftig&#8220;. Ich war beim Lesen nie verloren, habe aber gespürt, wie dicht Mennigen seine 64 Seiten packen musste.</p>
<p>Trotzdem sitzt der Cliffhanger. Und zwar nicht nur als lautes &#8222;To-be-continued&#8220;-Schild, sondern als echter Schub nach vorn. Ich habe das Album mit genau dem Gefühl geschlossen, das eine gute Fortsetzungsserie auslösen soll: nicht Sättigung, sondern Vorfreude und ungeduldige Erwartung des nächsten Bandes. Genau darin liegt für mich eine große Qualität von MALCOLM MAX: DER KANNIBALE VON LONDON. Der Band will nicht nur gefallen, sondern die Reihe unter Spannung halten. Das gelingt ihm.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3710" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713.jpg" alt="Innenseite 07 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-07_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Mehr Serienfolge als Einsteigeralbum</h3>
<p>Wie schon erwähnt, ist für die Einordnung wichtig, dass die Comics chronologisch nach der Hörspielvorgeschichte spielen und längst ein größeres Netz aus Beziehungen, Mythen und Running Gags aufgebaut haben. Wer hier zum ersten Mal einsteigt, bekommt genug, um dem Fall zu folgen. Ich würde Band 6 trotzdem nicht als idealen Erstkontakt empfehlen.</p>
<p>Zu viel von seinem Charme entsteht aus Vertrautheit mit seinen Figuren und dem Wissen, wie Malcolm und Charisma seit Jahren umeinander kreisen. Oder aus dem Vergnügen, wenn die Finch-Schwestern auftauchen. Und aus dem Gefühl, dass diese Welt schon lange vor der ersten Seite atmet.</p>
<p>Innerhalb der Reihe wirkt der Band für mich wie eine Zuspitzung. Der Fall ist größer, die Bedrohung drastischer, der Blick stärker auf die Serie als Ganzes gerichtet. Darum wird er auch in zwei Alben erzählt. Dazu passt, dass der angekündigte Folgeband AM ENDE DER ZEIT die Linie von Raum, Zeit und Apokalypse ausdrücklich weiterführt.</p>
<p>Ich mag an dieser Entwicklung, dass sie die Serie nicht verrät. MALCOLM MAX bleibt auch dann Malcolm Max, wenn die Bühne wächst. Er bleibt der geschniegelte, grantige Geisterermittler, der lieber einen trockenen Satz setzt, als heroisch zu posieren. Und Charisma bleibt die Figur, die ihm mit Freude jede Attitüde aus dem Gesicht klatscht, sobald sie zu geschniegelt sitzt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3711" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713.jpg" alt="Innenseite 08 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-08_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Kurz etwas zu den Machern</h3>
<p>Peter Mennigen, Jahrgang 1952, studierte in Köln Kunst und Design und schrieb seit den späten 1970er Jahren für eine erstaunliche Zahl deutscher Comicreihen. Besonders prägend war seine Arbeit für Bastei Titel wie GESPENSTER GESCHICHTEN, SPUK GESCHICHTEN, PHANTOM, CONNY oder FELIX.</p>
<p>Später schrieb er auch für die Verlage Egmont, Panini und Ravensburger und verfasste internationale Stoffe zu Serien wie LUCKY LUKE, DIE SCHLÜMPFE, BESSY und ISNOGUD. Hinzu kommen Hörspiele, Bücher sowie Drehbücher für Fernsehproduktionen wie KÄPT’N BLAUBÄR, TIM THALER und RTL SAMSTAG NACHT. Bei MALCOLM MAX bündelt er viel von dem, was er über Pulp, Serienerzählung, Schauerstoffe und pointierte Dialoge gelernt hat.</p>
<p>Ingo Römling wurde 1969 in Frankfurt am Main geboren und kam aus Illustration, Grafik und Musik zum Comic. Früh arbeitete er für Verlage, Werbeagenturen und später sehr erfolgreich für die Musikbranche als Cover-Illustrator und Layouter. Mit DIE TOTEN machte er sich im deutschen Comic deutlich bemerkbar. Seine Comics <a title="METROPOLIA: BERLIN 2099 zahlt einen Euro – pro gelaufenem Kilometer!" href="https://panelwalker.de/2025/05/metropolia-berlin-2099-zahlt-einen-euro-pro-kilometer/" target="_blank" rel="noopener">METROPOLIA: BERLIN 2099</a> und <a title="DIE (fragmentierten) CHRONIKEN DES UNIVERSUMS" href="https://panelwalker.de/2025/04/die-fragmentierten-chroniken-des-universums/" target="_blank" rel="noopener">DIE CHRONIKEN DES UNIVERSUMS</a> habe ich an dieser Stelle bereits besprochen.</p>
<p>Seit 2013 prägt er gemeinsam mit Peter Mennigen die Welt von MALCOLM MAX. Parallel dazu wurde er mit STAR WARS REBELS zu einem der ersten offiziellen Disney Comiczeichner aus Deutschland. Auch international ist Römling längst unterwegs, etwa über den französischen Verlag Dargaud und Europe Comics. Sein Stil verbindet klassische Lesbarkeit mit digital gestützter Bildfülle und einem sicheren Gespür für Atmosphäre. Genau deshalb passt er so gut zu einer Serie, die zwischen Gasse, Labor und Dämonenportal ständig den Ton wechseln muss.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3712" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713.jpg" alt="Innenseite 09 von MALCOLM MAX 6" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_INNENSEITE-09_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>MALCOLM MAX: DER KANNIBALE VON LONDON ist für mich ein fast perfekter Band. Fast &#8211; denn dafür ist er stellenweise etwas zu dicht und zu verliebt in die Menge seines Materials. Aber genau darin steckt auch seine Kraft.</p>
<p>Ich bekomme einen deutschen Genre-Comic, der seine viktorianische Bühne ernst nimmt, seine Figuren liebt, seinen Humor trocken serviert und sein Grauen nie bloß vordergründig benutzt. Vor allem bekomme ich aber wieder Malcolm und Charisma. Und ehrlich gesagt reicht mir das schon, um glücklich zu sein.</p>
<p>Ich bleibe also dran, obwohl mich &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; Horror selten begeistert. Diese Reihe aber tut das schon. Und auf <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-7.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Band 7</a> im September 2026 freue ich mich sehr&#8230;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3705" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720-300x417.jpg" alt="Cover von MALCOLM MAX 6" width="300" height="417" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720-300x417.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720-600x833.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/MALCOLM_MAX_06_COVER_1000X720.jpg 720w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>MALCOLM MAX 6 &#8211; DER KANNIBALE VON LONDON</li>
<li>Peter Mennigen und Ingo Römling</li>
<li>Hardcover | 64 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-98721-297-0</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-6-kannibale-von-london.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>WIND IN MEINEM KOPFTUCH &#8211; Freiheit und Enge in Einem</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Roya Soraya]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/wind-in-meinem-kopftuch/">WIND IN MEINEM KOPFTUCH – Freiheit und Enge in Einem</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Cover kann mich ansprechen und mich dazu verleiten, einen genaueren Blick auf einen Titel zu werfen. WIND IN MEINEM KOPFTUCH hat mich dann schnell gepackt, weil Roya Soraya aus einem sehr privaten Blickwinkel heraus erzählt. Ich merke zügig, dass ich hier keinen Comic lese, der mir ein Thema erklärt, sondern einen, der mich in ein Gefühl hineinzieht. Da ist diese merkwürdige Nähe zu einer Kultur, die im Alltag zwar präsent ist, die mir aber doch verschlossen bleibt.<span id="more-3970"></span></p>
<p>Da ist der Klang einer Sprache, die vertraut wirkt, obwohl nicht jedes Wort verstanden wird. Und da ist eine Reise, die nach Herkunft aussieht und sich dann immer stärker als Reise ins eigene Innere entpuppt. Genau das macht dieses Buch so stark. Es ist warm, offen und persönlich. Dabei wirkt es aber nie weichgespült, sondern intim und ständig unruhig.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3972" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg" alt="Innenseite 05 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-005-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Was hinter dieser Reise steht</h3>
<p>Bevor ich auf die Handlung schaue, lohnt sich der Blick auf den Hintergrund der Erzählerin. Roya Soraya ist 1996 in Hannover geboren, hat an der Folkwang Universität der Künste studiert und lebt heute in Wuppertal.</p>
<p>Nach ihrem Debüt <a href="https://www.roya-soraya.de/shop/p/faust" target="_blank" rel="nofollow noopener">FAUST</a>, einer modernen und neuen, queerfeministischen Annäherung an den alten Goethe, wendet sie sich im aktuellen Werk der eigenen Familiengeschichte zu. Das ist ein wichtiger Schritt. Hier geht es nicht mehr um die Überschreibung eines Klassikers, sondern um etwas, das näher liegt und verletzlicher ist. <a href="https://www.roya-soraya.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Auf ihrer Website</a> beschreibt sie den Band ausdrücklich als autobiografische Graphic Novel über die Reise zu ihren Wurzeln im Iran.</p>
<p>Roya Soraya hat an diesem Buch über mehrere Jahre gearbeitet. Die Arbeit begann schon vor den großen Protesten von 2022 und bekam durch diese noch einmal ein anderes Gewicht.</p>
<p>Hinzu kommt der politische Kontext, der in diesem Comic nie wie ein angehefteter Infokasten wirkt, sondern ganz organisch in ihre Erzählung einsickert. Die Proteste der Bewegung &#8222;Frau, Leben, Freiheit&#8220; brachen 2022 nach dem Tod von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jina_Mahsa_Amini" target="_blank" rel="nofollow noopener">Jina Mahsa Amini</a> aus, die nach ihrer Festnahme durch die iranische Sittenpolizei starb. Internationale Menschenrechtsberichte halten fest, dass Frauen und Mädchen im Iran noch immer systematisch verfolgt und in ihren Rechten beschnitten werden. Auch die Pflicht zur Verschleierung bleibt Teil eines Systems, das den weiblichen Körper kontrollieren will.</p>
<p>Wenn Roya Soraya also über das Kopftuch, über Blicke im öffentlichen Raum und über die Anspannung einer Reise schreibt, dann steht dahinter kein fernes Weltthema. Es ist gelebte Wirklichkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3973" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg" alt="Innenseite 06 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-006-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Zuhause, das nicht ganz aufgeht</h3>
<p>Die Handlung beginnt dort, wo viele Fragen nach Herkunft anfangen, nämlich im ganz normalen Familienalltag. Roya Soraya wächst in Deutschland auf. Sie fühlt sich deutsch und merkt zugleich früh, dass da noch eine andere Seite in ihr arbeitet.</p>
<p>Am Tisch der iranischen Verwandtschaft versteht sie kaum etwas. Trotzdem sind Sprache, Essen, Musik und Gesten nicht fremd. Sie gehören zu ihr, ohne dass sie diese ganz greifen kann. Ich finde genau diese Ausgangslage sehr gut getroffen. Soraya beschreibt ihren Identitätskonflikt ohne Pathos. Sie zeigt etwas viel Alltäglicheres: das Gefühl, dass etwas Eigenes immer knapp außer Reichweite bleibt.</p>
<p>Aus dieser Lücke wächst ihre Sehnsucht nach dem Iran. Nicht als touristischer Traum, sondern als Versuch, sich selbst etwas genauer kennenzulernen. Dass sie den Vater erst überreden muss, mit ihr zu reisen, gibt der Sache gleich noch eine zweite Spannung. Die Fahrt in den Iran ist auch eine Annäherung zwischen Tochter und Vater.</p>
<p>Sobald Roya dann tatsächlich im Iran ist, verschiebt sich die Erzählung spürbar. Aus der Sehnsucht wird Erfahrung, aus Vorstellung wird Alltag. Der Comic schaut dabei sehr aufmerksam auf kleine Situationen. Ein Gang durch die Stadt, ein Blick auf die Menschen, ein Essen oder ein Moment vor dem Spiegel mit dem Kopftuch: Nichts davon wird künstlich aufgeblasen, aber fast alles trägt Gewicht.</p>
<p>Ich mochte besonders, wie Soraya die erste Begeisterung für Gerüche, Farben und Nähe nie gegen die wachsende Unsicherheit ausspielt. Beides ist gleichzeitig da. Die Reise erfüllt einen Wunsch und unterläuft ihn im selben Moment. Roya erkennt, dass Herkunft nicht einfach Geborgenheit bedeutet. Sie kann auch Enge, Unübersichtlichkeit und Angst mitbringen. Gerade deshalb kippt die Nacherzählung nie ins bloße Abhaken von Stationen. Hinter jeder Alltagsszene arbeitet die Frage, wer Roya in diesem Land eigentlich ist. Tochter? Besucherin? Iranerin? Die Deutsche? Queere Frau? Das Buch erzwingt keine schnelle Antwort. Das gefällt mir sehr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3974" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg" alt="Innenseite 07 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-007-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein Bus, ein Vater, ein kurzer Schock</h3>
<p>Besonders stark fand ich die Szenen, in denen der öffentliche Raum plötzlich zur Prüfung wird. Die Leseprobe mit der Busfahrt ist dafür ein schönes Beispiel. Roya und ihr Vater wollen Bus fahren, wie Einheimische. Erst wirkt das fast leicht, beinahe neugierig. Dann greift die Geschlechtertrennung. Männer nach vorn, Frauen nach hinten.</p>
<p>Aus einem simplen Umsteigen wird für Roya ein Moment echter Panik. Sie verliert den Vater aus dem Blick, hängt zwischen Stangen, fremden Körpern und Regeln fest, die ihr vorher niemand erklärt hat. Auf wenigen Seiten erzählt Soraya damit sehr viel. Nicht nur die konkrete Situation. Auch das Gefühl, in einer Ordnung zu stecken, deren Logik man nicht kennt und die doch sofort über den eigenen Körper verfügt. Ich habe diese Passage als Kernszene gelesen. Hier wird das Reisen im Iran vom Abenteuer zur nervösen Selbstprüfung.</p>
<p>Noch besser ist, dass der Vater dabei nicht einfach als rettende Figur gezeichnet wird. Er ist Nähe und Sicherheit, klar. Aber er ist auch Teil einer Welt, die Roya nicht ganz versteht. Zwischen beiden liegt Zuneigung, manchmal auch Reibung, jedenfalls nie glatte Harmonie.</p>
<p>Gerade diese Zwiespältigkeiten macht den Comic stark. Ich glaube der Beziehung, weil Soraya nichts glättet. Kleine komische Momente bleiben ebenso stehen wie peinliche oder anstrengende. Auch deshalb trifft mich der Gedanke, dass dies ihre letzte Reise mit dem Vater sein wird.</p>
<p>Das Buch macht daraus kein sentimentales Programm. Es legt nur einen leichten Schatten über viele Szenen. Ein verlorener Blick hier, ein Zuruf dort, eine Umarmung. Solche Dinge bekommen im Rückblick mehr Wucht. Vielleicht hätte ich an ein, zwei Stellen gern noch etwas mehr Raum für andere Familienmitglieder gehabt, andererseits wirkt der Comic dadurch sehr fokussiert. Manchmal ist weniger eben mehr.</p>
<p>Der Comic bleibt sehr eng an Soraya&#8217;s Perspektive. Auch das ist stimmig, nimmt dem Umfeld aber etwas Luft. Der emotionale Kern trägt trotzdem gut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3975" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg" alt="Innenseite 08 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-008-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Kein Debattencomic, keine einfachen Antworten</h3>
<p>Was ich an diesem Buch am meisten schätze, ist seine Weigerung, einfache Antworten zu liefern. Gerade darin ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH bemerkenswert. Das Kopftuch erscheint hier nicht als plattes Symbol, das nur in eine Richtung zeigt. Es steht für Zwang, Gefahr und Kontrolle. Zugleich beschreibt Soraya sehr offen, dass sie das Tuch an sich selbst auch schön finden kann, wenn es aus den Kämpfen um Unterdrückung und Selbstbestimmung herausgelöst wäre.</p>
<p>Diese Ambivalenz macht den Comic klüger als vieles, was ich sonst zu diesem Themenfeld sehe und lese. Soraya lässt Widersprüche stehen und vertraut darauf, dass sie sich im orientalischen Erzählen selbst erklären. Dadurch wird aus dem Buch weder ein Lehrstück noch eine politische Parole. Es bleibt eine autobiografische Graphic Novel, die aus der eigenen Erfahrung ihre Kraft zieht.</p>
<p>Als Einzelband steht das Werk sehr geschlossen für sich. Im Vergleich zu FAUST wirkt es wie ein konsequenter nächster Schritt. Weg von der literarischen Bearbeitung, hin zu einer eigenen, sehr persönlichen Form des Erzählens.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3976" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg" alt="Innenseite 09 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-009-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Gesichter, Hände, Blicke</h3>
<p>Zeichnerisch hat mich Soraya ebenfalls überzeugt. Ihr Stil ist farbig, beweglich und deutlich handgemacht. Ihr ist der präzise Ausdruck von Gefühlen in Gesichtern besonders wichtig ist. Genau das sieht man den Seiten an. Die Figuren sind leicht vereinfacht, aber nie leer. Ich kann an einem Blick ablesen, ob Roya neugierig, überfordert, trotzig oder kurz vor der Panik ist.</p>
<p>Auch die Körpersprache sitzt. Wenn sie sich im Bus klein macht oder sich an einer Stange festklammert, trägt die Haltung schon die halbe Szene. Dazu kommen Räume, die klar lesbar bleiben, ohne geschniegelt zu wirken. Der Markt, die Haltestelle, das Restaurant, der Businnenraum. Alles ist schnell zu erfassen und hat trotzdem Eigenleben. Gerade die Busseiten zeigen, wie gut Soraya Bildrhythmus beherrscht. Enge Panels, Stangen, Blickachsen und Wiederholungen erzeugen dort fast körperlich spürbare Beklemmung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3977" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg" alt="Innenseite 10 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-010-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Farbe gegen das reine Grau</h3>
<p>Auch die Farbe spielt eine große Rolle. Soraya beschreibt ihren Stil selbst als farbenfroh. Ja, das passt. Nur arbeitet sie nie mit greller Lautstärke.</p>
<p>Ich sehe viele weiche Grün, Ocker, Beige und Rosa. Das hält die Erinnerung offen und freundlich, selbst wenn die Situationen kippen. Besonders stark ist das violette Kopftuch der Hauptfigur. Es macht Roya sichtbar, fast wie ein bewegter Marker im Bild und trägt zugleich die ganze Spannung des Buchs in sich. Schönheit und Belastung liegen darin nah beieinander.</p>
<p>Ich mag diese Farbdramaturgie, weil sie dem Comic Leichtigkeit gibt, ohne den Druck der Erzählung &#8230; wegzufärben. WIND IN MEINEM KOPFTUCH wirkt dadurch nie bleischwer. Das Buch bleibt zugänglich, obwohl es von Verlust, Unterdrückung und innerer Unruhe erzählt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3978" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg" alt="Innenseite 11 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-011-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Ein wenig Geschichte</h3>
<p>Für mich gewinnt WIND IN MEINEM KOPFTUCH noch einmal an Tiefe, wenn ich den langen Weg der Frauenrechte im Iran mitdenke. Schon in den 1920er Jahren gab es dort Frauenzeitschriften, Bildungsinitiativen und politische Gruppen, die mehr Mitsprache, besseren Zugang zu Bildung und ein freieres Leben forderten. Diese frühen Bewegungen waren mutig, aber oft klein und verletzlich.</p>
<p>Unter Reza Schah wurden unabhängige Frauenorganisationen in den frühen 1930er Jahren weitgehend ausgeschaltet. 1936 folgte dann das staatlich verordnete Verbot des traditionellen Schleiers. Das klingt auf den ersten Blick modern, war aber ebenfalls ein Eingriff von oben. Frauen sollten nicht selbst entscheiden, ob sie ein Tuch tragen oder nicht. Der Staat griff so schon damals direkt in ihren Alltag und in ihre Körperbilder ein. Fortschritt und Zwang lagen also schon früh dicht nebeneinander.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3979" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg" alt="Innenseite 12 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-012-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<p>In den 1960er und 1970er Jahren verbesserten sich die rechtlichen Möglichkeiten vieler Frauen spürbar. 1963 erhielten Frauen das Wahlrecht. Mit dem Familienrecht von 1967 und den Reformen von 1975 wurden Eherecht, Scheidung, Sorgerecht und die Begrenzung von Polygamie neu geregelt. Vieles blieb auch damals ungleich und die Modernisierung kam stark vom Staat her.</p>
<p>Trotzdem waren diese Jahre für viele Frauen ein echter Ausbau von Rechten und Handlungsspielräumen. Gerade dieser Punkt ist wichtig, weil er zeigt, dass die Geschichte nicht geradlinig verläuft. Rechte können wachsen. Sie können aber auch wieder zurückgenommen werden. Genau das geschah nach der Revolution von 1979.</p>
<p>Die Reformen im Familienrecht wurden weitgehend kassiert. Frauen gingen schon im März 1979 dagegen auf die Straße, als neue Kleidervorschriften angekündigt wurden. Wenige Jahre später wurde der Hijab-Zwang gesetzlich fest verankert. Seitdem ist das Tuch im Iran eben nicht nur Kleidung, sondern Teil einer staatlichen Ordnung, die weibliche Präsenz im öffentlichen Raum regelt und kontrolliert.</p>
<p>Trotzdem endet die Geschichte nicht bei der Rücknahme von Rechten. Iranische Frauen haben über Jahrzehnte weiter gekämpft. 2006 sammelte die Kampagne One Million Signatures Unterschriften gegen diskriminierende Gesetze. Sie machte deutlich, dass es nicht nur um Kleidung ging, sondern auch um Ehe, Scheidung, Erbschaft, Vormundschaft und rechtliche Gleichstellung.</p>
<p>Nach dem Tod von Jina Mahsa Amini 2022 bekam dieser Kampf eine neue, weltweite Sichtbarkeit. Die Proteste von Frau, Leben, Freiheit richteten sich gegen den Hijab-Zwang aber auch gegen ein ganzes System der Bevormundung. Aktuelle Berichte der Vereinten Nationen zeigen, dass Frauen und Mädchen im Iran bis heute systematisch benachteiligt werden und der Staat weiter mit Überwachung, Festnahmen und Strafverfahren arbeitet. Gerade deshalb wirkt Soraya&#8217;s Comic so stark. Er erzählt diese Geschichte nicht als Lehrstunde, sondern als gelebte Spannung zwischen Sehnsucht, Zugehörigkeit und Kontrolle.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3980" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg" alt="Innenseite 13 von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="675" height="922" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013.jpg 675w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-300x410.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Innenseite-013-600x820.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Für mich ist WIND IN MEINEM KOPFTUCH ein sehr schönes, sehr kluges und sehr ehrliches Buch. Ich habe selten einen Comic gelesen, der so unaufgeregt von Zugehörigkeit erzählt und dabei so präzise bleibt.</p>
<p>Ein paar Figuren am Rand hätte ich gerne näher kennengelernt. Mein Eindruck bleibt trotzdem stark. Roya Soraya verbindet persönliche Erinnerung, politische Wirklichkeit und zeichnerische Wärme zu einem Band, der länger nachhallt. Genau solche Comics bleiben.</p>
<p>Wer noch ein Wenig mehr erfahren möchte, kann gerne einen Blick auf <a href="https://comic-denkblase.de/wind-in-meinem-kopftuch" target="_blank" rel="nofollow noopener">den lesenswerten Beitrag</a> meines Kollegen Alex Jakubowski werfen.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3971" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg" alt="Cover von WIND IN MEINEM KOPFTUCH" width="300" height="421" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover-600x843.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/WIND_IN_MEINEM_KOPFTUCH_Cover.jpg 712w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>WIND IN MEINEM KOPFTUCH</li>
<li>Roya Soraya</li>
<li>Hardcover | 192 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-01590-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★☆☆☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/wind-meinem-kopftuch/978-3-551-01590-7" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>BLUE EYE SAMURAI &#8211; Schnee, der leise auf Klingen fällt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2026 05:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Movie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Amber Noizumi]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Green]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe Japan in der Edo-Periode seitdem ich in den 1980ern SHOGUN nach James Clavell mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle gesehen habe. Damals musste ich noch eine Woche warten, bis ich Blackthorne und Mariko wieder begleiten durfte. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen. Ich liebe diese Mischung aus strenger Ordnung, gedämpften Farben, hölzernen [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/blue-eye-samurai-schnee-der-leise-auf-klingen-faellt/">BLUE EYE SAMURAI – Schnee, der leise auf Klingen fällt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe Japan in der Edo-Periode seitdem ich in den 1980ern <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0080274/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_7_nm_1_in_0_q_shogun" target="_blank" rel="nofollow noopener">SHOGUN</a> nach James Clavell mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle gesehen habe. Damals musste ich noch eine Woche warten, bis ich Blackthorne und Mariko wieder begleiten durfte. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen.</p>
<p>Ich liebe diese Mischung aus strenger Ordnung, gedämpften Farben, hölzernen Häusern, heißen Badehäusern, höfischer Etikette und plötzlicher Gewalt. Da reicht bei mir schon ein verschneiter Weg zwischen Papierwänden und Laternenlicht und ich sitze etwas gerader vor dem Bildschirm. Bei BLUE EYE SAMURAI kam noch etwas dazu. Diese Serie sieht nicht einfach nur schön aus, sie starrt geradezu zurück.<span id="more-3739"></span></p>
<p>Schon die ersten Minuten haben mich gepackt, weil hier nichts harmlos eingeführt wird. Mizu, die Hauptfigur, tritt nicht als Heldin auf, die um Zuneigung bittet. Sie kommt aus der Kälte und trägt ihre Wut wie eine zweite Haut mit sich herum. Und sie hat diese blauen Augen, die in ihrer Welt nicht als Besonderheit gelesen werden, sondern als Makel. Als Beweis, dass sie nicht hineinpasst, nicht hineinpassen darf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3745" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 01" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_01-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die erste Staffel erschien 2023 auf Netflix, umfasst acht Folgen und stammt von Amber Noizumi und Michael Green. Netflix führt die Serie als erwachsene Action-Animation, angesiedelt im Japan der Edo-Zeit. Die zweite Staffel befindet sich derzeit offiziell in Produktion.</p>
<p>Die Stroyline klingt nach Rachegeschichte und das ist es auch. Aber es ist die gute, gefährliche Sorte Rachegeschichte. Eine, bei der ich zwar auf den nächsten Kampf warte, aber zugleich immer stärker spüre, was die bisherigen Kämpfe aus der Figur gemacht haben. Mizu schneidet sich durch Gegner, Mauern und Lügen. Doch der tiefste Schnitt geht nach innen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3746" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 02" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_02-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Ein verschlossenes Land, ein unerlaubtes Gesicht</h3>
<p>Der historische Rahmen ist hier kein Postkarten-Japan. BLUE EYE SAMURAI spielt im 17. Jahrhundert, in einer Zeit, in der Japan den Kontakt zur Außenwelt streng begrenzte. Netflix&#8217;s eigenes Hintergrundmaterial zur Serie verweist auf diese Abschottung und auf die starke Kontrolle westlicher Einflüsse. Genau daraus zieht die Serie ihre Härte. Mizu&#8217;s blaue Augen sind nicht bloß ein auffälliges Detail. Sie machen ihren Körper zum Vorwurf. Jeder Blick auf sie kann zur Anklage werden.</p>
<p>Das ist erzählerisch stark, weil die Serie aus einem historischen Zustand eine ganz persönliche Bedrohung formt. Ich muss kein Fachbuch über die Edo-Zeit gelesen haben, um zu verstehen, warum Mizu sich versteckt. Die Welt erklärt es mir durch zuschlagende Türen, durch Blicke, durch Tusche, Stoffe, Waffen und gelebte soziale Regeln. Sie erklärt es mir auch durch das Schweigen. Diese Gesellschaft ist eng gebaut. Wer nicht passt, wird nicht vorsichtig beiseitegeschoben. Wer nicht passt, wird markiert.</p>
<p>Zur Entstehung gehört außerdem ein spürbarer Anspruch der Macher an Genauigkeit. Für Kleidung, Orte, Esskultur, Schrift und soziale Details wurden Fachleute einbezogen. Das merkt ich weniger an einzelnen Dingen als am Gesamtgefühl. Die Serie wirkt nicht wie ein dekorierter Actionspielplatz. Sie hat Schwere, Räume fühlen sich bewohnt an, Küchen, Werkstätten und Bordelle, Burgen und Straßen erzählen etwas über Rang, Begehren und Angst.</p>
<p>Auch die Produktionsform ist interessant. Das französische Studio Blue Spirit beschreibt die Serie als CGI-Animation mit 2D-Hintergründen. Die Figuren bewegen sich körperlich und wuchtig, während die Hintergründe oft eine malerische Ruhe haben. Diese Spannung zwischen Bewegung und Bildfläche gibt dieser Serie ihren eigenen Ton.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3747" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 03" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_03-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Mizu oder wie aus Scham eine Klinge wird</h3>
<p>Mizu sucht vier weiße Männer, die zur Zeit ihrer Geburt illegal in Japan waren. Einer von ihnen ist ihr Vater. Für sie ist das jedoch kein Stammbaum, sondern ein Fluch. Sie sieht ihr eigenes Gesicht als Beweis einer Schuld, die sie nie begangen hat. Daraus entsteht ihr Ziel. Sie will diese Männer finden. Sie will sie töten und damit den Ursprung ihres Lebens auslöschen, weil dieses Leben ihr von Anfang an als Schande vorgeworfen wurde.</p>
<p>Die Serie erzählt diesen Wunsch nicht als sauberen Motor. Mizu wirkt nicht frei, weil sie kämpft. Sie wirkt gebunden, tarnt ihre Augen, lebt als Mann und sie versteckt ihren Körper, ihre Herkunft und jede weiche Stelle. Ich habe schnell verstanden, warum sie das tut. Trotzdem tut es weh, ihr dabei zuzusehen. Sie hat sich eine mentale Rüstung gebaut, die sie schützt und zugleich einsperrt.</p>
<p>Besonders stark ist, dass Mizu nicht sympathisch sein muss, um mich zu interessieren. Sie ist hart, abweisend, manchmal sogar grausam. Sie stößt Menschen weg, die ihr helfen wollen und benutzt andere, wenn sie ihrem Ziel dienen. Doch die Serie lässt mich nie vergessen, dass diese Härte erlernt ist. Mizu wurde nicht als Legende geboren. Sie wurde klein gemacht, gejagt, verhöhnt und ausgeschlossen. Aus diesem Abfall der Gesellschaft schmiedet sie sich selbst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3749" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 05" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_05-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Ringo bringt Wärme in die Kälte</h3>
<p>Dann ist da Ringo. Er könnte leicht zum Comic-Relief verkommen. Ein junger Mann ohne Hände, mit großem Herzen, großem Hunger und dem Wunsch, ein großer Koch zu werden. Er hängt sich an Mizu, weil er in ihr eine Meisterin sieht. Vielleicht sieht er sogar mehr als das. Vielleicht sieht er die Möglichkeit, dass Größe nicht so aussehen muss, wie andere sie erwarten.</p>
<p>Ringo ist wichtig, weil er die Serie zwischendurch aufatmen lässt. Durch ihn kommt eine gewisse Wärme hinein, ohne dass die Geschichte weichgespült dadurch wirkt. Seine Begeisterung hat etwas Kindliches, aber nicht Dummes. Er glaubt an Ehre, Lernen und Freundschaft, obwohl die Welt ihm ebenfalls wenig Grund dazu gibt. Neben Mizu wirkt er wie eine Laterne in einem Schneesturm. Nicht hell genug, um alles zu erleuchten. Aber hell genug, damit ich sehe, wie dunkel es wirklich ist.</p>
<p>Auch Taigen gehört in dieses Geflecht. Er war einst Teil von Mizus Demütigung und wird später selbst gedemütigt. Sein Stolz ist fast komisch groß, bis die Serie zeigt, wie verletzlich er unter seiner Fassade ist. Taigen will Ruhm, Anerkennung, Rang &#8211; und Akemi. Er will der Mann sein, für den andere ihn halten sollen. Im Kontakt mit Mizu bricht dieses Bild immer wieder auf. Gerade dadurch wird er spannender als der übliche Rivale mit Schwert und schlechter Laune.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3750" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 06" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_06-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Akemi kämpft mit Seide statt Stahl</h3>
<p>Akemi lebt in einer anderen Welt als Mizu. Sie ist reich, schön, begehrt &#8211; und eingesperrt. Ihr Käfig ist kein schmutziger Hinterhof, sondern ein vornehmes Haus. Die Stäbe bestehen aus Erwartungen, Heiratsplänen und höflicher Gewalt. Ihr Vater will sie politisch verheiraten. Sie selbst will Taigen. Vor allem aber will sie entscheiden dürfen, was aus ihr wird.</p>
<p>Ich mochte Akemi von Folge zu Folge mehr. Zuerst scheint sie wie eine Nebenfigur aus einem höfischen Handlungsstrang, der als Kontrast zu Misu&#8217;s Welt erzählt wird. Dann wächst sie. Nicht, weil sie plötzlich mit dem Schwert alles niedermäht. Die Serie macht etwas Besseres. Sie zeigt, wie Akemi Macht dort sucht, wo sie für eine junge Frau erreichbar ist: in Gesprächen, in Blicken, in ihrer Wirkung auf andere und in Momenten, in denen sie selbst unterschätzt wird.</p>
<p>Dadurch entsteht ein schöner Gegenpol zu Mizu. Beide Frauen sind Gefangene ihrer Rollen. Mizu muss sich als Mann ausgeben, um überhaupt handlungsfähig zu sein. Akemi soll als Frau vor allem wertvoll aussehen. Beide begreifen, dass Gehorsam ihnen keinen Schutz bringt. Ihre Wege unterscheiden sich folglich radikal. Trotzdem erzählen sie von demselben Hunger nach &#8222;Ich will selbst bestimmen, wer ich bin!&#8220;.</p>
<p>Im Laufe der Staffel verschränken sich diese Wege mit Fowler&#8217;s Plänen, mit Taigens verletztem Ehrgefühl und mit Mizu&#8217;s unerbittlicher Jagd. Dabei kippt die Serie nie in eine reine Abfolge von Kämpfen. Jede Station verändert eine Figur. Jeder Kampf hinterlässt mehr als Leichen. Am Ende steht Mizu vor Fowler, Edo brennt und die Rache, die so klar schien, wird schmutziger. Sie tötet ihn nicht, sie braucht ihn. Der Weg führt weiter, hinaus aus einem abgesperrten Japan, Richtung London. Das ist ein starkes Ende, weil es nicht erlöst. Vielmehr wird die Mizu auch dort nicht dazugehören, denn sie wird wieder zu einer Fremden, nur diesmal zusätzlich in einer fremden Umgebung.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3751" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 07" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_07-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Ist das nun Anime?</h3>
<p>Die Frage, ob BLUE EYE SAMURAI ein Anime ist, wirkt zunächst wie ein Streit für Menschen, die ihre Regale sehr genau sortieren. Trotzdem lohnt sie sich, denn sie führt mitten hinein in das, was diese Serie ausmacht.</p>
<p>Im engeren Sinn meint Anime Animation aus Japan. Nach dieser Herkunftsdefinition ist die Serie kein klassischer Vertreter dieses Genres. Sie wurde von Amber Noizumi und Michael Green geschaffen, für Netflix produziert und mit maßgeblicher Arbeit des französischen Studios Blue Spirit umgesetzt. Ich würde sie als Actionserie, Abenteuerserie und Animation für Erwachsene beschreiben.</p>
<p>Gleichzeitig wäre eine knappe Ablehnung dann doch zu einfach. Denn die Serie steht sichtbar im Austausch mit japanischer Erzähltradition, Samurai-Filmen, Manga-Bildgefühl und erwachsener Animationskunst. Sie übernimmt aber nicht nur Oberflächen, keine großen Kulleraugen, keine schnellen Stilzitate, kein Kostümfest mit Katana. Stattdessen sucht sie &#8211; wie Mizu &#8211; ihren eigenen Weg. Ihre Bilder erinnern mal an Holzschnitt und Tusche, mal an großes Kino, mal an gemalte Bühnenräume. Ihre Gewalt ist choreografiert wie ein Actionfilm, aber rhythmisiert wie Animation. Ihr Blick auf Mizu hat etwas sehr Körperliches, beinahe Live-Action-Nahes.</p>
<p>Ich sage deshalb, dass die Serie kein Anime im strengen Produktionssinn ist. Im weiteren kulturellen Sinn kann ich sie aber verstehen, wenn jemand sie in die Anime-Nachbarschaft stellt. Sie wohnt nur nicht brav in einem einzigen Haus. Sie geht zwischen den Formen umher. Genau dort liegt ihr Reiz. Sie ist westliche Erwachsenenanimation mit japanischem Schauplatz, starkem Samurai-Erbe und einer Bildsprache, die sich nicht entschuldigt, weil sie sich aus mehreren Quellen speißt. Für mich ist das keine Schwäche sondern der Grund, warum sie so frisch wirkt.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3752" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 08" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_08-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Wenn jede Einstellung nach Entscheidung aussieht</h3>
<p>Formal ist diese Serie ein Fest. Nicht im Sinne von schönem Hintergrundrauschen. Eher im Sinne von Bildern, die wissen, warum sie existieren. Schnee macht Szenen stiller, Feuer macht Körper verletzlicher, Glas trennt die Menschen und Türen rahmen Macht. Schatten verstecken nicht nur, sie erzählen. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Kamera, obwohl es keine echte Kamera gibt, genau weiß, wo sie stehen muss.</p>
<p>Die Action ist hart und präzise. Mizu kämpft nicht wie eine schwerelose Superheldin. Sie stemmt, rutscht, fällt, stößt, nutzt Wände, Kanten, Dreck und Schmerz. Ein Schlag hat Gewicht, ein Schnitt hat Folgen. Live-Action-Stuntarbeit diente als Grundlage für Choreografie und Storyboards. Das erklärt diesen körperlichen Zug, der viele Szenen so greifbar macht.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3748" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 04" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_04-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
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<h3>Action trifft auf Ruhe</h3>
<p>Besonders schön finde ich, dass BLUE EYE SAMURAI trotz all seiner Härte Sinn für Ruhe hat. Eine Schwertschmiede kann hier wichtiger wirken als ein Massaker. Eine Mahlzeit kann mehr erzählen als ein Duell und die Episode um Mizu&#8217;s mögliche Ehe mit Mikio gehört für mich zu den stärksten Momenten der Staffel. Da wird die Rache für kurze Zeit leiser. Plötzlich scheint ein anderes Leben denkbar. Genau deshalb schmerzt es, als diese Möglichkeit zerbricht.</p>
<p>Die Serie arbeitet dabei sehr bewusst mit Themen, die leicht platt wirken könnten: Identität, Körper, Herkunft, Geschlecht, Scham und Macht. Hier hängen Themen an konkreten Figuren und Situationen. Mizu muss nicht erklären, dass sie zerrissen ist. Ich sehe es an ihren Augen, an ihrer Haltung, an dem kurzen Zögern, bevor sie wieder brutal wird. Akemi muss keine Rede über Freiheit halten. Ich sehe ihren Wunsch nach Freiheit daran, wie sie lernt, Räume zu lesen, in denen andere sie nur als Ware betrachten.</p>
<p>Natürlich ist nicht alles perfekt. Das Finale packt sehr viel auf einmal zusammen. Feuer, Intrige, Rache, politische Umwälzung und die Vorbereitung der nächsten Reise drängen dicht an dicht. Für ein paar Minuten fühle ich mich fast überfüttert. Doch selbst dort bleibt die Serie emotional bei ihren Figuren. Sie verliert Mizu nicht aus dem Blick. Das rettet die große Geste vor dem bloßen Spektakel.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3753" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09.jpg" alt="Bild aus BLUE EYE SAMURAI 09" width="800" height="450" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09.jpg 800w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-300x169.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-750x422.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-113x64.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-768x432.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_09-600x338.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>BLUE EYE SAMURAI ist für mich eine der eindrucksvollsten Serien der letzten Jahre, weil sie Schönheit und Schmerz zusammenbringt, ohne eines davon zu verraten. Diese Serie ist brutal, wie das Leben im feudalen Japan dieser Zeit. Sie ist stilvoll, aber nicht eitel. Die Macher lieben das Samurai-Genre, doch sie erzählen nicht nur von Schwertern. Sie erzählen von einem Menschen, der so lange als Fehler behandelt wurde, bis aus diesem Fehler eine Waffe entstand.</p>
<p>Ich habe Mizu nicht immer gemocht. Ich habe sie aber fast immer verstanden. Das ist mehr wert, denn diese Serie nimmt ihre Hauptfigur ernst genug. Sie zeigt, wie Wut antreibt, was es sie kostet und warum sie trotzdem so verführerisch bleibt.</p>
<p>Am Ende sitzt Mizu auf einem Schiff nach London. Die Rache ist nicht vorbei. Vielleicht beginnt sie dort erst richtig. Ich bin weiterhin dabei. Nicht nur wegen der Kämpfe, nicht nur wegen der Bilder, nicht nur wegen dieser eisigen Schönheit. Ich bin dabei, weil diese Serie eine Figur erschaffen hat, deren Blick ich nicht vergesse&#8230; Also sage ich さようなら (Sayōnara!)</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3756" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_Cover_744x1000-300x403.jpg" alt="Cover von BLUE EYE SAMURAI" width="300" height="403" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_Cover_744x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_Cover_744x1000-600x806.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/04/BLUE_EYE_SAMURAI_Cover_744x1000.jpg 744w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
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<ul id="infobox">
<li>BLUE EYE SAMURAI</li>
<li>Amber Noizumi und Michael Green</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.netflix.com/de/title/81144203" target="_blank" rel="nofollow noopener">NETFLIX</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/05/blue-eye-samurai-schnee-der-leise-auf-klingen-faellt/">BLUE EYE SAMURAI – Schnee, der leise auf Klingen fällt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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