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	<title>Bewertung - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>Bewertung - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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		<title>RESSOURCEN sind eine Herausforderung für Alle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Sep 2026 05:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
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		<category><![CDATA[Philippe Bihouix]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe gute Sci-Fi-Geschichten. Vielleicht gibt es auch deshalb Zukunftsbilder, die so selbstverständlich geworden sind, dass ich kaum noch darüber nachdenke, wie verrückt sie eigentlich sind. Menschen leben auf dem Mars, Rohstoffe werden auf Asteroiden abgebaut, Künstliche Intelligenzen lösen Probleme, die wir heute noch gar nicht verstehen. Und irgendwo im Hintergrund steht die beruhigende Annahme, dass [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/ressourcen-sind-eine-herausforderung-fuer-alle/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">RESSOURCEN sind eine Herausforderung für Alle</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe gute <a title="ASSORTED CRISIS EVENTS – Alltag im Zeitsalat" href="https://panelwalker.de/2026/04/assorted-crisis-events-alltag-im-zeitsalat/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">Sci-Fi-Geschichten</a>. Vielleicht gibt es auch deshalb Zukunftsbilder, die so selbstverständlich geworden sind, dass ich kaum noch darüber nachdenke, wie verrückt sie eigentlich sind. Menschen leben auf dem Mars, Rohstoffe werden auf Asteroiden abgebaut, Künstliche Intelligenzen lösen Probleme, die wir heute noch gar nicht verstehen. Und irgendwo im Hintergrund steht die beruhigende Annahme, dass Technik schon etwas einfallen wird, wenn es auf der Erde eng wird.</p>
<p><span id="more-4837"></span></p>
<p>Philippe Bihouix und Vincent Perriot beginnen ihren Sachcomic RESSOURCEN genau hier. Nicht bei Lithium, Kupfer oder Recyclingquoten, sondern bei unseren Vorstellungen von Zukunft. Ihr Ausgangspunkt ist &#8211; unter anderem &#8211; eine Präsentation von Jeff Bezos aus dem Jahr 2019, in der der Amazon-Gründer riesige Weltraumhabitate als möglichen Lebensraum kommender Generationen vorstellt.</p>
<p>Bihouix und Perriot lernten sich ein Jahr später in Bordeaux kennen. Der eine beschäftigt sich seit Jahrzehnten als Ingenieur mit endlichen Rohstoffen und Low-Tech, der andere hatte mit <a href="https://www.carlsen.de/reihe/negalyod?srsltid=AfmBOoo6JGR2E6AmGIUD75yRLZPd0g-usXSNAJ9lkoyHkxXksAS7UcHa" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">NEGALYOD</a> gerade eine große Science-Fiction-Welt geschaffen. Aus diesem Zusammentrreffen entstand eine reizvolle Frage: Was passiert, wenn ein Science-Fiction-Zeichner seine Zukunftsträume einem Ingenieur zeigt, der anschließend die Materialrechnung aufmacht?</p>
<p>Genau das tut RESSOURCEN. Und weil Bihouix nicht nur die spektakulären Raumfahrtpläne einiger Milliardäre anzweifelt, sondern praktisch unsere gesamte Vorstellung vom unbegrenzten, technischen Fortschritt, wird aus dieser Ausgangsidee schnell ein großer Rundgang durch Industriegeschichte, Ökonomie, Philosophie und Rohstoffkunde. Das ist faszinierend, stellenweise ziemlich anstrengend, aber stets informativ.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4842" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03.jpg" alt="Innenseite 03 von RESSOURCEN" width="721" height="958" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03.jpg 721w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-03-600x797.jpg 600w" sizes="(max-width: 721px) 100vw, 721px" /></p>
<h3>Die Ressource Zukunft</h3>
<p>Los geht es im Jahr 3019 (ja, kein Schreibfehler). Die Menschheit hat den Weltraum erobert. Nicht ganz so, wie Elon Musk es sich vorgestellt hatte, denn der Mars sich dann doch als schwieriger erwiesen, als ursprünglich vermutet. Also leben Menschen inzwischen in gigantischen, ringförmigen Konstruktionen im Erdorbit. Sie drehen sich (die ringförmigen Konstruktionen) und erzeugen dadurch künstliche Schwerkraft. Das sieht beeindruckend aus. Vor allem sieht es nach jener Science-Fiction aus, die Vincent Perriot sehr gern zeichnet und die in Hollywood-Filmen ebenso gerne präsentiert wird. Dann meldet sich Philippe Bihouix zu Wort.</p>
<p>Er bezweifelt nicht nur Details dieser Zukunft. Er zweifelt daran, dass ihre materielle Grundlage überhaupt existiert. Wo kommen all die Metalle her? Wie viel Energie wäre nötig? Wie lange halten solche Anlagen? Wer repariert sie? Und was passiert mit dem Material anschließend?</p>
<p>Damit ist die Rollenverteilung zunächst klar. Perriot ist der enthusiastische Science-Fiction-Leser und Zeichner. Bihouix ist der Ingenieur, der ständig fragt, woraus das alles eigentlich gebaut werden soll. Daraus entwickelt sich eine Reise durch Zeit und Raum. Mal sitzen beide in futuristischen Fahrzeugen, mal stehen sie in vergangenen Jahrhunderten, mal landen sie bei Bergwerken, Industrieanlagen oder historischen Denkern.</p>
<p>Der Stoff wird durch diese Konstruktion zugänglich, gleichzeitig beginnt hier eines meiner Probleme mit dem Comic. Perriot übernimmt ziemlich lange die Rolle desjenigen, der Fragen stellt, damit Bihouix antworten kann. Natürlich ist das ein bewährtes Mittel für einen Sachcomic. Aber es bleibt ein Mittel. Die Gespräche wirken häufig aufgesetzt, mehr geschrieben als gesprochen. Ich höre zwei Figuren weniger miteinander reden, als dass ich einem Vortrag folge, der auf zwei Sprechblasen verteilt wurde.</p>
<p>Immerhin entwickelt sich Perriot weiter. Seine Fragen werden präziser, seine Einwände interessanter. Ganz abschütteln kann der Comic das Lehrer-Schüler-Gefälle trotzdem nicht.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4843" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 04 von RESSOURCEN" width="727" height="955" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-04.jpg 727w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-04-300x394.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-04-600x788.jpg 600w" sizes="(max-width: 727px) 100vw, 727px" /></p>
<h3>Gibt es eine unerschöpfliche Schatzkammer?</h3>
<p>Die erste große Etappe führt zu einer Denkweise, die Bihouix besonders misstrauisch betrachtet. Dahinter steckt die Vorstellung, technischer Fortschritt könne natürliche Grenzen immer wieder verschieben.</p>
<p>Der Comic reist dafür weit zurück. Roger Bacon, René Descartes und William Godwin tauchen ebenso auf wie spätere Zukunftsoptimisten. Ihnen werden Denker gegenübergestellt, die Grenzen des Wachstums oder der Ressourcennutzung thematisierten. Thomas Robert Malthus gehört dazu, ebenso William Stanley Jevons und schließlich die Autoren des 1972 veröffentlichten Berichts <a href="https://www.clubofrome.org/publication/the-limits-to-growth/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">THE LIMITS TO GROWTH des Club of Rome</a>.</p>
<p>Dabei entsteht eine Art Ideengeschichte unseres industriellen Verhältnisses zur Natur. Das gefällt mir grundsätzlich sehr gut. Bihouix zeigt nämlich, dass der heutige Streit über Wachstum, Technik und Rohstoffe keineswegs erst mit Elektroautos und Solaranlagen begonnen hat. Die Frage, ob menschlicher Erfindungsgeist materielle Grenzen überwinden kann, begleitet die Industriegesellschaft schon erstaunlich lange.</p>
<p>Nur wird diese historische Tour irgendwann etwas zu voll. Philosophen, Ökonomen, Schriftsteller oder Wissenschaftler: kaum ist eine Person eingeordnet, steht schon die nächste auf der Bildfläche. Platon, Francis Bacon, Descartes, Jevons, Jacques Ellul, Ivan Illich oder Pier Paolo Pasolini sorgen für ein beeindruckendes Line-Up. Einige Begegnungen bleiben aber kaum mehr als Kurzauftritte.</p>
<p>Hier &#8211; finde ich &#8211; hätte weniger tatsächlich mehr gebracht. Ich hätte lieber bei zwei oder drei Positionen länger verweilt, statt mit Lichtgeschwindigkeit durch eine ganze Geistesgeschichte zu rasen.</p>
<p>Noch problematischer empfinde ich die starke Zweiteilung. Auf der einen Seite stehen jene, die an technische Lösungen und weiteres Wachstum glauben. Auf der anderen jene, die physische Grenzen betonen. Natürlich werden innerhalb dieser Gruppen Unterschiede sichtbar. Trotzdem werden Gegenpositionen häufig vor allem eingeführt, damit Bihouix sie anschließend widerlegt. Ein echter Streit entsteht selten.</p>
<h3>Was steckt eigentlich in unserer Welt?</h3>
<p>Am stärksten wird der Comic für mich, sobald er die Philosophen verlässt und sich mit Dingen beschäftigt. Ein Smartphone ist dann kein handliches schwarzes Rechteck mehr. Eine Windkraftanlage ist nicht einfach eine Maschine, die sauberen Strom produziert. Ein Elektroauto besteht nicht bloß aus Batterie, Motor und Karosserie. Hinter all diesen Gegenständen erscheinen Bergwerke, Erze, Transportwege, Schmelzöfen, Energieverbrauch und Abfälle. Plötzlich bekommt der häufig verwendete Begriff der Dematerialisierung etwas ausgesprochen Komisches. Unser Alltag wirkt digital, seine technische Grundlage ist es nicht.</p>
<p>Bihouix führt in diesem Zusammenhang einen wichtigen Unterschied ein. Es reicht nicht zu fragen, wie viel eines Rohstoffs theoretisch in der Erdkruste vorhanden ist. Entscheidend ist, in welcher Konzentration er vorkommt und wie viel Energie nötig ist, ihn zu gewinnen. Ein gewaltiger Rohstoffbestand hilft wenig, wenn der betreffende Stoff so stark verteilt ist, dass seine Gewinnung irgendwann unverhältnismäßig aufwendig wird.</p>
<p>Perriot findet dafür starke Bilder. Minen wachsen zu gewaltigen Landschaftseingriffen. Maschinen erscheinen winzig gegenüber den Mengen an Erde und Gestein, die bewegt werden müssen. Ein besonders eindrücklicher Gedanke betrifft die Verbindung zwischen Energie und Metallen. Je schwieriger zugängliche Lagerstätten werden, desto mehr Energie kostet die Förderung. Gleichzeitig benötigt eine komplexer werdende Energieversorgung wiederum große Mengen unterschiedlicher Materialien. Ein Teufelskreis. Genau an solchen Stellen funktioniert der Sachcomic hervorragend. Eine abstrakte Abhängigkeit bekommt plötzlich Raum, Bewegung und Größenverhältnisse.</p>
<p>Auch das Konzept des Rebound-Effekts wird anschaulich dargestellt. Effizientere Technik senkt nicht zwangsläufig den gesamten Ressourcenverbrauch, wenn niedrigere Kosten oder bequemere Nutzung anschließend zu noch mehr Konsum führen. Fortschritt bedeutet unter diesen Bedingungen nicht automatisch weniger Material. Er kann ebenso zusätzlichen Verbrauch ermöglichen. Das klingt trocken. Auf den Seiten ist es das erstaunlich selten.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4844" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von RESSOURCEN" width="727" height="955" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-05.jpg 727w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-05-300x394.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-05-600x788.jpg 600w" sizes="(max-width: 727px) 100vw, 727px" /></p>
<h3>Recycling ist keine Zaubermaschine</h3>
<p>Irgendwann landet die Reise zwangsläufig beim Recycling. Und hier wird RESSOURCEN besonders unbequem. Denn selbstverständlich kennen Bihouix und Perriot die beruhigende Antwort auf viele Rohstoffprobleme. Wir müssen eben besser recyceln. Doch so einfach ist es nicht.</p>
<p>Moderne Produkte enthalten zahlreiche Materialien in winzigen Mengen. Metalle werden miteinander verbunden, beschichtet, verklebt oder in komplizierten Bauteilen verarbeitet. Je kleiner und komplexer die Bestandteile werden, desto schwieriger wird ihre saubere Trennung. Recycling benötigt zudem selbst Energie und Technik. Materialverluste verschwinden dadurch nicht vollständig.</p>
<p>Der Comic macht daraus allerdings keine pauschale Abrechnung mit der Kreislaufwirtschaft. Recycling bleibt notwendig. Bihouix verschiebt lediglich die Reihenfolge der Fragen. Bevor darüber gesprochen wird, wie ein Produkt wiederverwertet werden kann, sollte gefragt werden, weshalb es überhaupt hergestellt wird, wie lange es hält und ob tatsächlich jedes technische Bedürfnis mit einem neuen Gerät beantwortet werden muss.</p>
<p>Mich überzeugt dieser Teil besonders, weil hier aus der Diagnose langsam eine Haltung entsteht: Es gilt Produkte länger zu nutzen, Reparierbarkeit zu erhöhen, Dinge gemeinsam zu verwenden und materialintensive Technik dort einsetzen, wo ihr Nutzen entsprechend groß ist. Oder anders: Weniger verschwenden! Das klingt geradezu banal. Vielleicht ist genau das der Punkt.</p>
<p>Trotzdem bekommt der Comic an dieser Stelle erneut ein dramaturgisches Problem. Nach all den ausführlichen Erklärungen über Rohstoffgehalte, Energieaufwendungen, Wachstum und Recycling bleibt für die gesellschaftlichen Konsequenzen vergleichsweise wenig Platz. Technisch lässt sich ziemlich leicht sagen, dass weniger verbraucht werden sollte. Politisch wird es sofort kompliziert.</p>
<p>Wer verbraucht weniger? Wer darf weiter wachsen? Was geschieht mit Arbeitsplätzen? Welche Unterschiede zwischen wohlhabenden und ärmeren Ländern müssen berücksichtigt werden? Wer bestimmt, welche Technik sinnvoll ist? Der Comic streift solche Fragen durchaus. Nur reicht das nicht. Gerade dort, wo aus einer technisch überzeugenden Diagnose eine gesellschaftliche Entscheidung entstehen sollte, wird RESSOURCEN erstaunlich schmallippig und positioniert sich nicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4845" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 06 von RESSOURCEN" width="727" height="955" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-06.jpg 727w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-06-300x394.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-06-600x788.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 727px) 100vw, 727px" /></p>
<h3>Wenn ein Sachcomic zu viel zeigen will</h3>
<p>Die größte Stärke von RESSOURCEN ist gleichzeitig seine größte Schwäche. Dieser Comic hat unglaublich viel zu erzählen. Und er erzählt fast alles.</p>
<p>Bihouix möchte Geschichte erklären, Wachstumsmodelle, Rohstoffgeologie, Energieversorgung, Recycling, Konsum, Technikphilosophie, gesellschaftliche Werte und mögliche Auswege. Perriot wiederum möchte aus all dem echte Comicbilder machen.</p>
<p>Über weite Strecken gelingt dieses Kunststück überraschend gut. Trotzdem bleiben Seiten, auf denen ich merke, wie schwer die Informationsmenge auf dem Rhythmus liegt. Textkästen und Sprechblasen drängen sich. Ein Gedanke jagt den nächsten. Gerade wenn historische Namen, Zahlen und technische Begriffe zusammenkommen, muss ich langsamer lesen, als es Perriot mit seinen beweglichen Bildern eigentlich nahelegt.</p>
<p>Das ist kein grundsätzliches Problem bei einem Sachcomic. Ich möchte ja etwas lernen. Aber zwischen Lernen und Lesen besteht eben doch ein Unterschied. Hier hätte eine entschiedenere Auswahl geholfen.</p>
<p>Auch die beiden Hauptfiguren bleiben funktionaler, als mir lieb ist. Philippe ist Experte, Vincent ist Gesprächspartner. Persönliche Zweifel, Irritationen oder echte Veränderungen spielen nur begrenzt eine Rolle. Dadurch fehlt der Reise etwas, das andere dokumentarische Comics sehr stark machen können. Wissen verändert dort Figuren. Hier verändert es hauptsächlich den Stand des Gesprächs. RESSOURCEN ist deshalb eher gezeichneter Essay als erzählte Reportage.</p>
<h3>Wo Perriot den Vortrag rettet</h3>
<p>Zum Glück sitzt Vincent Perriot nicht nur als fragender Comiczeichner innerhalb der Geschichte. Außerhalb dieser Rolle bekommt er erheblich mehr zu tun. Seine Erfahrung mit Science-Fiction ist für dieses Buch Gold wert. Perriot kann futuristische Maschinen, historische Städte, Bergwerke, Landschaften und industrielle Anlagen mit derselben Selbstverständlichkeit zeichnen. Perspektiven dürfen sich strecken. Fahrzeuge schießen durch die Seiten. Orte wechseln innerhalb weniger Panels. Eine theoretische Diskussion kann plötzlich im Weltall, in einer Mine oder mitten in einem historischen Szenario stattfinden.</p>
<p>Die Seitenarchitektur bleibt erstaunlich flexibel. Klassische Panelreihen wechseln mit großen Bildern und erklärenden Schaubildern. Perriot nutzt diese Freiheit nicht bloß dekorativ. Sie bestimmt das Tempo. Wo Größenordnungen wichtig werden, bekommen Bilder Platz. Wo Argumente aufeinander folgen, zieht sich das Raster enger zusammen.</p>
<p>Die Farbgestaltung stammt von Maëlys Cantreau. Ihre Palette unterstützt besonders gut den Wechsel zwischen Technikbegeisterung und materieller Ernüchterung. Kühle Blauwerte tragen viele futuristische Szenen. Erdige Orange-, Braun- und Grautöne holen den Blick wieder in Minen, Industriegebiete und Landschaften zurück. Dadurch bekommt das Buch trotz seiner zahlreichen Schauplätze einen erstaunlich geschlossenen Eindruck.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4846" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 07 von RESSOURCEN" width="720" height="955" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07.jpg 720w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07-300x398.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Innenseite-07-600x796.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px" /></p>
<h3>Zwei Autoren, zwei Blickrichtungen</h3>
<p>Wie bereits erwähnt, kommt Philippe Bihouix nicht aus der Comicbranche. Er studierte an der École Centrale Paris und arbeitete anschließend in verschiedenen Industriezweigen, darunter Bau, Energie, Verkehr und Luftfahrt. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit nicht erneuerbaren Rohstoffen und mit technischen Lösungen, die weniger Material und Energie benötigen. Heute ist Bihouix Generaldirektor der Architektur- und Planungsgesellschaft AREP.</p>
<p>Interessant ist gerade diese Herkunft. Seine Skepsis gegenüber großen technischen Versprechen kommt nicht aus einer grundsätzlichen Ablehnung von Technik. Sie kommt aus der Beschäftigung mit ihrer materiellen Grundlage. Genau deshalb besitzt der Comic an seinen besten Stellen eine erfreuliche Bodenhaftung.</p>
<p>Vincent Perriot studierte an der Kunsthochschule von Angoulême und veröffentlichte zunächst kleinere Arbeiten, bevor unter anderem TAÏGA ROUGE entstand. Später arbeitete er am Animationsfilm DIE KATZE DES RABBINERS mit. Seine bekannteste Arbeit dürfte die Science-Fiction-Serie NEGALYOD sein. Dort zeigt sich bereits seine Freude an riesigen Landschaften, Maschinen und eigenwilligen Zukunftswelten. Für diesen Sachcomic ist auch das eine ideale Voraussetzung. Perriot soll schließlich nicht nur erklären, wie unsere materielle Welt funktioniert. Er darf zugleich jene Zukunft zeichnen, an deren Realisierbarkeit sein Mitautor zweifelt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Nach RESSOURCEN schaue ich anders auf Dinge und halte das für ein ziemlich großes Kompliment an einen Sachcomic. Ein Smartphone wird wieder zu Metall, Glas, Energie und Arbeit. Ein Elektroauto verliert einen Teil seiner sauberen Zukunftsaura und wird zunächst zu einer sehr großen Maschine, die gebaut werden muss. Selbst Science-Fiction bekommt plötzlich eine Materialrechnung.</p>
<p>Nicht alles überzeugt mich gleichermaßen. Der Comic will viel, möglicherweise zu viel, seine Gespräche geraten häufig zum verkleideten Vortrag und gesellschaftliche Konflikte werden deutlich knapper behandelt als technische Zusammenhänge. Auch die Rollen von Bihouix und Perriot könnten erzählerisch lebendiger sein.</p>
<p>Doch gerade dort, wo Perriot abstrakte Größen sichtbar macht und Bihouix hinter vertrauten Alltagsgegenständen deren materielle Voraussetzungen freilegt, funktioniert das Buch ausgezeichnet.</p>
<p>Wer einen spannenden Comic im klassischen Sinn erwartet, dürfte die Informationsdichte gelegentlich mühsam finden. Wer wissen möchte, was hinter unseren großen Versprechen von Wachstum, Digitalisierung und technischer Zukunft steckt, bekommt dagegen reichlich Stoff zum Weiterdenken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4847" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover-300x400.jpg" alt="Cover von RESSOURCEN" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover-600x799.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/RESSOURCEN_Cover.jpg 751w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>RESSOURCEN</li>
<li>Philippe Bihouix und Vincent Perriot</li>
<li>Hardcover | 176 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/ressourcen/978-3-551-80748-9" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="follow external noopener noreferrer">978-3-98721-393-9</a></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/hardcover/ressourcen/978-3-551-80748-9" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Carlsen Comics</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/ressourcen-sind-eine-herausforderung-fuer-alle/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">RESSOURCEN sind eine Herausforderung für Alle</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/</link>
					<comments>https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 05:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Cyber-Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Erotik]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Alessandro Barbucci]]></category>
		<category><![CDATA[Barbara Canepa]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ist ja alles so schön bunt hier! Ja, hier kommen zwei Kreative aus der Disney-Schule. SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT mag auf den ersten Blick auch aussehen wie ein Disney-Comic. Dafür ist dieser Auftakt dann aber doch viel zu frech, zu erotisch und auch viel zu bissig. Aber Alessandro Barbucci (Zeichnungen) beherrscht Körperhaltung, Mimik [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ist ja alles so schön bunt hier! Ja, hier kommen zwei Kreative aus der Disney-Schule. SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT mag auf den ersten Blick auch aussehen wie ein Disney-Comic. Dafür ist dieser Auftakt dann aber doch viel zu frech, zu erotisch und auch viel zu bissig.</p>
<p><span id="more-4754"></span></p>
<p>Aber Alessandro Barbucci (Zeichnungen) beherrscht Körperhaltung, Mimik und Bewegung mit einer Sicherheit, die Figuren sofort lebendig werden lässt. Barbara Canepa (Szenario, Farben) und Barbucci hatten viele Jahre für Disney gearbeitet, als sie Ende der 1990er Jahre etwas Eigenes entwickeln wollten. Einen Comic für Erwachsene, in dem plötzlich Dinge Platz hatten, die in ihrem bisherigen Arbeitsumfeld undenkbar waren. Dinge wie Religion, Sexualität, Macht und die Manipulation durch Medien. All das findet sich ausdrücklich in diesem Album.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4762" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750.jpg" alt="Innenseite 03 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-03_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<p>Die erste Ausgabe erscheint 2000 in Italien und Frankreich. Barbucci hat später erzählt, dass auch das katholische Jubeljahr 2000 und die massive Präsenz der Kirche in den italienischen Medien in ihre Arbeit hineingespielt haben. Canepa wiederum brachte ihre Begeisterung für religiöse Architektur und das Design der 1960er Jahre ein. Das erklärt einiges.</p>
<p>Die Welt dieses Comics wirkt nämlich wie ein Fernsehstudio, eine Kathedrale und ein Nachtclub, die jemand ineinander gebaut hat. Überall flimmern Bilder, überall wird etwas verkauft, überall wird geglaubt. Und mittendrin steht Noa, eine künstliche Frau, die eigentlich ein Produkt sein soll und trotzdem &#8230; Fragen stellt. (Warum erinnert mich das bloß an den <a title="DER 200 JAHRE MANN ist eine Geschichte der Sehnsucht" href="https://panelwalker.de/2025/11/der-200-jahre-mann-ist-eine-geschichte-der-sehnsucht/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">200-Jahre-Mann</a>?)</p>
<p>Ich liebe dieses Setting. Gleichzeitig muss ich beim Lesen immer wieder schlucken, weil der Band seine eigenen Themen nicht so sauber zu beherrschen scheint, wie seine fantastische Oberfläche vermuten lässt. Ja, auch hier ist niemand wirklich makellos und genau das macht das Album für mich interessant.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4763" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750.jpg" alt="Innenseite 04 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-04_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Gott im Astrowash &#8211; und jetzt: Werbung</h3>
<p>Noa arbeitet im Heaven Astrowash, einer Waschanlage für Raumschiffe, auf dem Planeten Papathea und ihr Chef nennt sich tatsächlich &#8211; Gott! Die Pointe ist grob, funktioniert aber gut. Gott besitzt außerdem den Schlüssel, mit dem Noa alle 33 Stunden aufgezogen werden muss. Ohne ihn endet ihr &#8230; Zyklus.</p>
<p>Schon in dieser kleinen Idee steckt die erste Gemeinheit ihrer Existenz. Noa sieht aus wie eine junge Frau, fühlt wie eine junge Frau, erinnert sich und kann sogar träumen. Rechtlich und gesellschaftlich ist sie trotzdem nur eine Sache. Sky Dolls sind dazu da, Wünsche zu erfüllen, auch sexuelle. Die Kirche hat dafür eine sehr bequeme Moral: wer eine künstliche Puppe benutzt, sündigt schließlich nicht mit einem echten Menschen. Amen.</p>
<p>Aber Noa passt nicht in dieses System. Sie beschwert sich über ihren Chef, widerspricht und verlangt etwas, das in dieser Welt schon fast radikal klingt: SIE möchte ernst genommen werden!</p>
<p>Dann tauchen Roy und Jahu auf. Beide reisen im Auftrag der herrschenden Päpstin Lodovica. Roy ist jung, neugierig und deutlich empfänglicher für Noas Eigenarten. Jahu hingegen ist älter, härter und stärker an die herrschenden Regeln gewöhnt. Bei ihrem Besuch im Astrowash kommt es zum Chaos. Noa bringt den Betrieb durcheinander, Gott reagiert wie der Besitzer eines defekten Geräts und wenig später ist er tot. (Ja, Gott &#8211; ist &#8211; tot!)</p>
<p>Der Band lässt die Umstände dieses Ablebens bewusst in einem erzählerischen Nebel. Noa nutzt jedenfalls die Gelegenheit, versteckt sich im Schiff der beiden Gesandten und verlässt Papathea.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4764" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750.jpg" alt="Innenseite 05 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-05_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Lodovicas Wunder auf allen Kanälen</h3>
<p>Während Noa aus ihrem Gefängnis flieht, zeigt SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT, wie groß ihr Gefängnis wirklich ist. Papathea wird von Lodovica beherrscht. Früher gab es einmal zwei Päpstinnen (auch das ein fieser Seitenhieb auf katholische Machtstrukturen).</p>
<p>Lodovica stand für die körperliche Liebe, Agape für die geistige. Agape ist verschwunden, ihre Anhänger gelten als Ketzer und Lodovica hat Religion, Regierung und Unterhaltung zu einem einzigen, riesigen Betrieb verschmolzen. Auf Bildschirmen laufen die offiziellen Versionen von Wirklichkeit und Wahrheit. Fernsehgesichter erklären, wie gut doch alles ist und Massenveranstaltungen liefern die passenden Gefühle dazu.</p>
<p>Besonders böse ist die Idee der inszenierten Wunder. Lodovica präsentiert sich den Gläubigen als überirdische Figur, doch hinter der großen Show steckt ausschließlich Technik. Der Zauberer von OZ lässt grüßen. Ein Miracolatore baut die Effekte, während die Päpstin ihre Rolle spielt.</p>
<p>Das erinnert weniger an die traditionelle Kirche als an eine Mischung aus Live-Übertragung, Popkonzert und politischem Großereignis. Genau hier ist der Comic erstaunlich frisch geblieben. Er versteht sehr früh, wie perfekt sich irdische Macht mit Bildern und Erzählungen absichern lässt.</p>
<p>Subtil ist wenig daran. Fernsehen macht dumm, Religion verkauft Gefühle, Herrschaft braucht Werbung und Ablenkung. Ich verstehe die Richtung sofort.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4765" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750.jpg" alt="Innenseite 06 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-06_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Agape im Schwarzmarkt der Bilder</h3>
<p>Auf dem Raumschiff entdecken Roy und Jahu schließlich ihre blinde Passagierin. Roy zieht Noas Schlüssel wieder auf und bringt sie damit zurück ins Leben. Das ist eine kleine Szene, aber für mich eine der wichtigsten des Albums. Ein kurzer Handgriff an einer Stelle, an der sie nicht selbst heranreicht, entscheidet über ihre Existenz. Roy meint es gut. Trotzdem zeigt der Moment, wie abhängig Noa bleibt. Ihre Freiheit beginnt ausgerechnet damit, dass ein Anderer &#8211;  noch dazu Mann &#8211; den Mechanismus in ihrem Rücken bedient.</p>
<p>Die Reise führt das Trio zu einem Zwischenstopp. Dort gerät Noa in einen Bereich, in dem verbotene Andenken an Agape gehandelt werden. Bilder, Symbole und Erinnerungsstücke reichen aus, um das Regime nervös zu machen. Noa reagiert darauf stärker als alle anderen. Etwas in ihr erkennt Agape, obwohl sie selbst nicht erklären kann, warum.</p>
<p>Sie bekommt heftige Visionen. Plötzlich ist die Geschichte nicht mehr nur die Flucht einer künstlichen Frau. Noa scheint irgendwie mit dem verdrängten Teil dieser Religion verbunden zu sein.</p>
<p>Für mich funktioniert dieser Wechsel gut, weil Canepa das Rätsel nicht sofort erklärt. Zum ersten Mal wird die Handlung wirklich geheimnisvoll. Gleichzeitig schiebt der Band sehr viele Begriffe, Namen und Machtgruppen in seine 48 Seiten. Wer nicht aufmerksam liest, kann insbesondere bei der knalligen Bildgestaltung leicht den Faden verlieren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4766" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750.jpg" alt="Innenseite 07 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-07_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Ein echtes Wunder stört das System</h3>
<p>Die verbotenen Agape-Bilder locken Ärger an, natürlich. Menschen reagieren aggressiv, päpstliche Ordnungskräfte werden aufmerksam und Noas Vision steigert sich zu etwas, das sich nicht mehr so einfach mit Technik erklären lässt. Ausgerechnet in einer Welt voller künstlich erzeugter Wunder geschieht möglicherweise ein echtes. Das ist die beste Wendung des Bandes. Sie trifft Lodovicas System an seinem empfindlichsten Punkt: wer jeden Glauben als Show organisiert, hat ein Problem, sobald etwas passiert, das nicht über den abgestimmten Regieplan kontrolliert werden kann!</p>
<p>Roy, Jahu und Noa können entkommen. Danach ist trotzdem nichts gelöst. Jahu will die Sky Doll loswerden, Roy fühlt sich immer stärker mit ihr verbunden und Noa selbst weiß kaum mehr als am Anfang. Sie weiß nur, dass sie nicht das sein kann, was alle in ihr sehen wollen. Genau hier zeigt der Comic seine größte Stärke.</p>
<p>Noa ist keine besonders ausgefeilte Figur, jedenfalls noch nicht. Ihre Naivität ist manchmal sehr bequem geschrieben. Doch Barbucci gibt ihr über Blicke, Bewegungen und kleine Trotzreaktionen eine Präsenz, die der Text allein nicht schaffen würde. Am Ende ist die Flucht deshalb weniger spannend als die Frage, was da in ihr erwacht. Der Serienauftakt endet folgerichtig nicht mit einer Antwort, sondern mit einer Verunsicherung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4767" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750.jpg" alt="Innenseite 08 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-08_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Cyberpunk in Bonbonfarben</h3>
<p>Visuell spielt die Geschichte in einer eigenen Liga. Barbucci zeichnet Figuren elastisch, fast animiert. Gesichter kippen in Sekunden von Slapstick zu Angst. Raumschiffe, Kostüme und Architektur sehen aus, als hätten <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0062711/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_5_nm_3_in_0_q_barbarella" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">BARBARELLA</a>, ein futuristischer Werbespot und ein französisches Sci-Fi-Album eine Party gefeiert.</p>
<p>Dazu kommen die Farben, die mit Rosa, Violett, Türkis und künstlichem Licht arbeiten. Diese Farbwelt macht den Comic nicht gemütlich. Sie macht ihn verführerisch. Gerade deshalb passen die Bilder so gut zu einer Gesellschaft, die Kontrolle als schöne Oberfläche verkauft.</p>
<p>Praktisch hat für mich funktioniert, dass ich mir jeweils ein Panel anschaue und dabei die anderen Bilder der Seite abgedeckt halte. Anderenfalls hätte ich wahrscheinlich einen mentalen Zuckerschock bekommen.</p>
<p>Ganz ohne Widerspruch komme ich damit trotzdem nicht aus. Der Comic kritisiert, dass Noa als sexuelles Produkt behandelt wird. Gleichzeitig setzt er ihren Körper aber sehr deutlich in Szene. Die extrem langen Beine, die schmale Taille, die knappe Kleidung und manche Perspektive leben genau von dem Blick, den die Geschichte eigentlich hinterfragen will.</p>
<p>Das kann Absicht sein. Für mich funktioniert diese Doppelung aber nicht immer. Stellenweise zeigt SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT den Sexappeal dieser Welt lustvoller, als er ihn kritisiert. Auch erzählerisch bleibt vieles noch Behauptung. Die Medienkritik ist scharf, aber halt auch breit. Die Religionssatire besitzt Witz, aber wenig Zwischentöne. Und die eigentliche Handlung ist für ein Album dieser optischen Wucht erstaunlich dünn.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4768" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750.jpg" alt="Innenseite 09 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-09_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Vier Bände im langen Sendebetrieb</h3>
<p>Als Serienauftakt muss dieser Band deshalb vor allem Türen aufstoßen. Das tut er gut und gründlich. Auf DIE GELBE STADT folgten die Alben <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-2-aqua.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">AQUA</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-3-die-weisse-stadt.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DIE WEISSE STADT</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/sky-doll-band-4-sudra.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">SUDRA</a>. Die vier bislang veröffentlichten Hauptbände wurden 2026 von Splitter gemeinsam in einer schönen, <a href="https://www.splitter-verlag.de/sky-doll-gesamtausgabe.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">limitierten Jübiläums-Gesamtausgabe</a> zusammengefasst.</p>
<p>Wer nur diesen ersten Band liest, bekommt also keinen abgeschlossenen Fall, sondern die Zündung für eine größere Reise. Das sollte niemand unterschätzen. Viele Fragen zu Noa, Agape und Lodovicas Herrschaft bleiben an dieser Stelle noch bewusst offen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4769" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750.jpg" alt="Innenseite 10 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-10_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Aus dem Disney-Storyboard ins eigene Netz</h3>
<p>Barbara Canepa und Alessandro Barbucci stammen beide aus der italienischen Disney-Welt. Barbucci arbeitete schon als junger Zeichner professionell für Disney und war später unter anderem an <a href="https://de.duckipedia.org/W.i.t.c.h._Gesamtausgabe" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">W.I.T.C.H.</a> beteiligt.</p>
<p>Canepa kam Mitte der 1990er Jahre zum Unternehmen und arbeitete dort als Illustratorin und Character Designerin. SKY DOLL entstand aus ihrem Wunsch, außerhalb dieser Grenzen persönlicher &#8211; und erwachsener &#8211; erzählen zu können. Später arbeiteten beide an <a href="https://www.danibooks.de/10-monster-allergy" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">MONSTER ALLERGY</a>.</p>
<p>Barbucci zeichnete außerdem Serien wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/ekhoe-spiegelwelt-bd-1-new-york.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">EKHÖ</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/club-der-drei-schwestern-1-sarahs-traum.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DER CLUB DER DREI SCHWESTERN</a>. Canepa machte sich neben ihrer Arbeit als Autorin und Illustratorin auch als Herausgeberin einen Namen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4770" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750.jpg" alt="Innenseite 11 von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_INNENSEITE-11_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich finde diesen Auftakt leichter zu bewundern als uneingeschränkt zu lieben. Er sieht wirklich großartig aus, ist frech, sinnlich und voller Ideen. Noa hat sofort Charme und die Mischung aus Religion, Fernsehen, Konsum und Science Fiction besitzt immer noch Biss.</p>
<p>Gleichzeitig stolpert der Band über seine Lust an der eigenen Oberfläche. Seine Kritik an der Objektifizierung wird durch die Inszenierung Noas teilweise konterkariert. Seine Geschichte braucht außerdem lange, bis sie wirklich Fahrt aufnimmt. Trotzdem werde ich weiterlesen, gerade weil hier eben noch nicht alles sitzt.</p>
<p>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT wirkt wie eine Pilotfolge, die viel auf einmal zeigen möchte, dabei aber eine Welt erfindet, in die ich gerne zurückkehren möchte. Und das ist für einen Serienstart nicht gerade wenig &#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>P.S.</p>
<p>An dieser Stelle noch ein Danke-Schön an die Kollegen vom <a href="https://sprechblasen.de/sky-doll-gesamtausgabe-eine-bunte-dunkle-welt/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Sprechblasen-Blog und -Podcast</a>. Ohne Euren Beitrag zur Jubiläums-Ausgabe von SKY DOLL hätte ich diesen Artikel erst sehr viel später in Angriff genommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4761" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von SKY DOLL 1 DIE GELBE STADT" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/SKY-DOLL_1_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT</li>
<li>Alessandro Barbucci und Barbara Canepa</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-86869-710-0</li>
<li>Storyline:  ★★☆☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/skydoll-bd-1-die-gelbe-stadt.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/sky-doll-1-die-gelbe-stadt-ist-ein-visueller-zuckerschock/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">SKY DOLL 1: DIE GELBE STADT ist ein visueller Zuckerschock</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>BILL FINGER &#8211; IM SCHATTEN DES MYTHOS</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Sep 2026 05:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
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		<category><![CDATA[Julian Voloj]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>BATMAN gehört zu den Charakteren, bei denen selbst Menschen ohne Comics im Regal sofort wissen, wer gemeint ist: Schwarzer Umhang, Fledermausohren, Gotham City, Bruce Wayne, Batmobil. Umso erstaunlicher ist die Geschichte hinter seinem Namen. Als BATMAN 1939 in DETECTIVE COMICS 27 erstmals erschien, schrieb Bill Finger die Geschichte und Bob Kane zeichnete sie. Trotzdem stand [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">BILL FINGER – IM SCHATTEN DES MYTHOS</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>BATMAN gehört zu den Charakteren, bei denen selbst Menschen ohne Comics im Regal sofort wissen, wer gemeint ist: Schwarzer Umhang, Fledermausohren, Gotham City, Bruce Wayne, Batmobil.</p>
<p>Umso erstaunlicher ist die Geschichte hinter seinem Namen. Als BATMAN 1939 in DETECTIVE COMICS 27 erstmals erschien, schrieb <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Finger" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Bill Finger</a> die Geschichte und Bob Kane zeichnete sie. Trotzdem stand über Jahrzehnte allein Kane als Schöpfer im Rampenlicht.</p>
<p>Erst am <strong>18. September 2015</strong> &#8211; also heute vor 11 Jahren &#8211; wurde angekündigt, Finger künftig offiziell zu nennen und ihm damit den Platz zuzuweisen, der ihm gebührt. (Hinzu kommt, das morgen der <a href="https://www.panini.de/batman-tag" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="follow external noopener noreferrer">BATMAN-Tag</a> 2026 ist. Wie passend!)</p>
<p><span id="more-4808"></span></p>
<p>In den folgenden Produktionen tauchte sein Name also endlich in der Creditzeile auf. Finger selbst hatte davon nichts mehr. Er starb 1974 mit nur 59 Jahren, ohne die öffentliche Anerkennung zu erleben, die für uns heute so selbstverständlich wirkt.</p>
<p>Genau dort setzt BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS an. Julian Voloj erzählt mir keine geradlinige Künstlerbiografie, die brav bei der Kindheit beginnt und beim Tod endet. Stattdessen skizziert er eine Spurensuche &#8211; was übrigens überraschend gut passt, denn schließlich geht es um BATMAN, den Detektiv, und um einen Autor, dessen Anteil an BATMAN selbst jahrzehntelang wie eine verschwundene Akte behandelt wurde.</p>
<p>Der Comic beruht wesentlich auf den Forschungen von Marc Tyler Nobleman, der ab 2006 Fingers Leben rekonstruierte und später BILL THE BOY WONDER: THE SECRET CO-CREATOR OF BATMAN veröffentlichte. Voloj macht aus dieser Recherche einen zweiten Erzählstrang. Dadurch wird die Biografie zugleich Familien-, Comic- und Detektivgeschichte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4815" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750.jpg" alt="Innenseite 07 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_01_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Zwei Erzähler über den Dächern von Gotham</h3>
<p>Julian Voloj ist für solche Stoffe prädestiniert. Der in Münster geborene Autor, Journalist und Fotograf lebt seit 2003 in New York und hat sich in mehreren Graphic Novels mit biografischen Stoffen zu vergessenen oder unterschätzten Figuren beschäftigt. Dazu gehören u.a. JOE SHUSTER, BASQUIAT, BOBBY FISCHER und später LIBERTY (zusammen mit Jörg Hartmann).</p>
<p>Erez Zadok kommt aus Israel, studierte Visuelle Kommunikation an der Bezalel Academy in Jerusalem und arbeitet als Comiczeichner, Illustrator und Karikaturist. Zadok zeichnet nicht mit der Absicht historische Ehrfurcht zu verbreiten, sondern auf unmittelbare Lesbarkeit. Seine Figuren dürfen lebendig, manchmal überzeichnet und manchmal ziemlich verletzlich aussehen.</p>
<h3>Als BATMAN noch aus Papier und Bleistift bestand</h3>
<p>Die eigentliche Geschichte beginnt nicht bei Bill Finger selbst, sondern bei seiner Enkelin Athena. Als Kind erzählt sie in der Schule, ihr Großvater habe BATMAN mit erschaffen. Die Reaktionen sind bitter, niemand glaubt ihr.</p>
<p>Genau in diesem Moment steckt bereits das ganze Buch. Ruhm, Geld und Erinnerung passen hier nicht zusammen. Athena kennt die Wahrheit aus ihrer Familie, aber außerhalb gilt eine andere Version. Bob Kane ist der Name, den alle kennen. Bill Finger ist &#8211; fast &#8211; verschwunden.</p>
<p>Von dort springt Voloj zurück in die dreißiger Jahre. Finger begegnet dem jungen Bob Kane und beginnt, mit ihm zu arbeiten. Kane besitzt Ehrgeiz, Kontakte und den Instinkt für erfolgversprechende Chancen. Finger bringt etwas anderes mit. Er denkt in Geschichten, Atmosphären und Figuren. Als nach dem Erfolg von Joe Shusters SUPERMAN ein neuer Held gefragt ist, entsteht aus dieser Zusammenarbeit das zweite Schwergewicht im späteren DC-Universum: BATMAN.</p>
<p>Der Band zeigt sehr anschaulich, wie stark Finger die zunächst deutlich hellere und konventionellere Figur verändert. Aus dem Helden mit Flügeln wird der düstere Fledermausmann, aus einem Namen wird Bruce Wayne und aus einem x-beliebigen Schauplatz Gotham. Finger schreibt die erste veröffentlichte BATMAN-Geschichte &#8222;The Case of the Chemical Syndicate&#8220; und prägt in den folgenden Jahren entscheidend die Welt, in der der Dunkle Ritter bis heute lebt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4816" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750.jpg" alt="Innenseite 08 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_02_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>BATMANs verschwundene Akte</h3>
<p>Voloj erzählt mir diese Vergangenheit aber nie lange am Stück. Immer wieder kehrt er zu Marc Tyler Nobleman zurück, dessen Recherche Jahrzehnte später beginnt und die zunächst fast absurd mühsam wirkt. Er sucht alte Adressen, telefoniert sich durch Namenslisten, spricht mit Weggefährten und versucht, einen Mann sichtbar zu machen, von dem erstaunlich wenig greifbar geblieben ist.</p>
<p>Genau hier bekommt der Comic sein Detektiv-Charakter. Nobleman ist kein Actionheld, seine Werkzeuge sind Telefonbücher, Interviews, Notizen und Hartnäckigkeit. Gute, alte Investigativ-Arbeit, würden man sagen. Die Suche liest sich wie eine Ermittlung, weil jeder neue Kontakt einen weiteren Teil des Bildes freilegt.</p>
<p>Dabei begegnet Nobleman mehreren Kollegen aus Fingers Zeit und dringt immer tiefer in die frühen Jahre der US-Comicindustrie ein. Mir gefallen diese Passagen, weil sie den Mythos BATMAN plötzlich auf Schreibtische, Termindruck und schlecht abgesicherte Kreative zurückholen.</p>
<p>Gleichzeitig liegt hier aber eine Schwäche des Buches. Je stärker Nobleman in den Mittelpunkt rückt, desto häufiger wird ÜBER Finger gesprochen, statt ihn selbst zu erleben. Der Titelheld verschwindet ausgerechnet in seiner eigenen Biografie hinter anderen Stimmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4817" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750.jpg" alt="Innenseite 09 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_03_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Im Schatten des Bat-Signals</h3>
<p>Besonders schmerzhaft wird die Geschichte, sobald sich Erfolg und Anerkennung endgültig voneinander lösen. Kane wird öffentlich mit BATMAN verbunden. Finger schreibt weiter, erfindet, entwickelt und arbeitet verstärkt im Hintergrund.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine einfache Schurkennummer. Kane kommt schlecht weg, ja, aber Voloj interessiert sich mehr für das Gefälle zwischen den beiden Männern als für eine nachträgliche Abrechnung. Der Gegensatz ist ohnehin deutlich genug. Auf der einen Seite steht ein Name, der zum Markenzeichen wird. Auf der anderen Seite steht ein Autor, dessen Arbeit tief im BATMAN-Narrativ steckt, während seine eigene wirtschaftliche und persönliche Lage immer schwieriger wird.</p>
<p>Finger erlebt zwar noch, dass einzelne Kollegen seine Bedeutung kennen. Eine breite Anerkennung bleibt ihm jedoch verwehrt. Der Band erzählt auch von Depressionen und von seinem immer brüchiger werdenden Leben. Besonders still wird er schließlich rund um Fingers Tod.</p>
<p>Noch trauriger ist, dass die Geschichte danach nicht endet. Fingers Sohn Fred versucht, das Andenken seines Vaters zu verteidigen. Zugleich erzählt Voloj von Freds Sexualität, seiner familiären Entfremdung und später von seiner HIV-Erkrankung.</p>
<p>Damit weitet sich das Buch über die reine Comicgeschichte hinaus. Es zeigt, wie fehlende Anerkennung durch eine Familie weitergetragen werden kann. Bill Finger ist nicht nur ein vergessener Autor, sondern eine Schnittkante, an der sich mehrere Lebensgeschichten berühren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4818" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750.jpg" alt="Innenseite 10 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_04_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>&#8222;BATGIRL&#8220; bietet eine letzte Spur</h3>
<p>Die entscheidende Wendung führt wieder zu Athena. Nobleman stößt bei seiner Suche auf Fingers Enkelin, die bis dahin außerhalb eines kleinen Kreises praktisch unbekannt war.</p>
<p>Plötzlich gibt es nicht nur Erinnerungen und Aussagen alter Kollegen, sondern auch eine direkte Nachfahrin. Für Nobleman wird sie zum entscheidenden Bindeglied. Für den Comic ist sie noch wichtiger, denn durch Athena bekommt das historische Unrecht ein Gesicht, das nicht aus der Ära der Schreibmaschinen und Zeichenbretter stammt. Es reicht bis in die Gegenwart hinein.</p>
<p>Voloj wiederum baut den Weg zur späten Anerkennung nicht als triumphalen Siegeszug. Das wäre auch falsch. Als 2015 die offizielle Würdigung kommt, ist Finger seit mehr als vier Jahrzehnten tot. Fred, sein Sohn, erlebt sie ebenfalls nicht mehr. Natürlich ist es bewegend, wenn der Name endlich dorthin gelangt, wo er hingehört. Gleichzeitig bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Anerkennung kann nachgereicht werden, ein verlorenes Leben lässt sich nicht nachträglich korrigieren.</p>
<h3>Wie viel Bill Finger steckt in Gotham?</h3>
<p>Für mich ist Volojs stärkste Entscheidung die Doppelperspektive. Er erzählt Fingers Leben und zugleich die Rekonstruktion dieses Lebens. Dadurch wird sichtbar, wie Comicgeschichte entsteht. Sie liegt nicht fertig in einem Archiv. Sie muss aus Erinnerungen, Veröffentlichungen, Adressen und widersprüchlichen Spuren mühsam zusammengetragen werden. Beim Lesen weiß ich immer, dass hier jemand auf der Suche ist. Und genau das passt zum Thema. Der ursprünglich bei Carlsen auf Deutsch erschienene Einzelband braucht übrigens keinerlei BATMAN-Vorwissen. Die wichtigsten Zusammenhänge liefert Voloj gleich mit.</p>
<p>Ganz rund ist die gewählte Form trotzdem nicht. Nobleman bekommt so viel Raum, dass Finger manchmal beinahe zur Nebenfigur wird. Auch die vielen Branchenkollegen rauschen recht schnell vorbei. Wer die Geschichte des Golden Age kaum kennt, dürfte einzelne Namen bald wieder vergessen. Ich hätte außerdem gern deutlicher gespürt, wie Finger Geschichten schrieb. Welche Art von Erzähler war er am Schreibtisch? Wie entwickelte er Szenen? Wie klang seine kreative Zusammenarbeit im Alltag? Aber vielleicht wäre dies wiederum am Thema vorbei.</p>
<p>Ein wenig hadere ich mit dem deutschen Titel. BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS klingt so, als müsse Bob Kane nun einfach aus der Geschichte gestrichen werden. So einfach erzählt Voloj zum Glück nicht. Die offizielle Einordnung nennt Finger heute als Mitschöpfer und auch das französische Original BILL FINGER, DANS L&#8217;OMBRE DU MYTHE (also: Im Schatten des Mythos) formuliert vorsichtiger. Der deutsche Untertitel setzt stärker auf Zuspitzung als der Comic selbst.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4819" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750.jpg" alt="Innenseite 11 von BILL FINGER" width="750" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_05_1000X750-600x800.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>BILL FINGER – DER WAHRE SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS ist für mich weniger eine BATMAN-Biografie als eine Geschichte über Anerkennung und über einen Autor, dessen Ideen weltberühmt wurden, während sein eigener Name verblasste. Voloj erzählt diese Entwicklung zugänglich, warm und mit spürbarem Respekt. Zadok gibt der Spurensuche zeichnerisch das nötige Tempo und Gefühl.</p>
<p>Es gab Stellen, an denn hätte ich Bill Finger selbst gern stärker im Zentrum erlebt. Gerade deshalb bleibt der Band aber auf eine fast unfreiwillige Weise passend. Finger ist anwesend und fehlt gleichzeitig. Nach der letzten Seite sieht das BATMAN-Logo für mich jedenfalls ein kleines bisschen anders aus. Hinter der Fledermaus steht nun ein Name mehr.</p>
<p>Derweil geht die Entwicklung der Figur mit <a href="https://panelwalker.de/2025/09/absolute-batman-held-ohne-herrenhaus/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">ABSOLUTE BATMAN</a> in eine neue Richtung und beweist, dass die geschichten rund um den Dunklen Ritter noch lange nicht auserzählt sind&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4820" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-293x400.jpg" alt="Cover von BILL FINGER" width="293" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-293x400.jpg 293w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733-600x819.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/BILL-FINGER_COVER_1000X733.jpg 733w" sizes="auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>BILL FINGER &#8211; DER WAHRE<br />
SCHÖPFER DES DUNKLEN RITTERS</li>
<li>Julian Voloj und Erez Zadok</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span class="a-list-item">978-3-55171-136-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.amazon.de/Bill-Finger-Sch%C3%B6pfer-Dunklen-Biografie/dp/3551711364" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="follow external noopener noreferrer">Carlsen Comics</a> (verlagsvergriffen)</li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/bill-finger-im-schatten-des-mythos/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">BILL FINGER – IM SCHATTEN DES MYTHOS</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Halb Zwerg, halb Orc, aber in Allem ganz ein D&#8217;ORC</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Sep 2026 05:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Cartoon]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Indie]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Sword-And-Sorcerer]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Brett Bean]]></category>
		<category><![CDATA[Image Comics Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Francois Beaulieu]]></category>
		<category><![CDATA[Nate Piekos]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hat der Schöpfer dieses Comics lange auf den richtigen Moment gewartet? Bei D&#8217;ORC hatte ich genau dieses Gefühl. Brett Bean trug die Idee offenbar eine ganze Weile mit sich herum, bevor er im Sommer 2025 erstmals das Cover präsentierte. Den kleinen Schubs in Richtung Öffentlichkeit gab ihm ausgerechnet Nate Piekos, der später das Lettering übernahm [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/halb-zwerg-halb-orc-aber-in-allem-ganz-ein-dorc/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">Halb Zwerg, halb Orc, aber in Allem ganz ein D’ORC</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hat der Schöpfer dieses Comics lange auf den richtigen Moment gewartet? Bei D&#8217;ORC hatte ich genau dieses Gefühl.</p>
<p>Brett Bean trug die Idee offenbar eine ganze Weile mit sich herum, bevor er im Sommer 2025 erstmals das Cover präsentierte. Den kleinen Schubs in Richtung Öffentlichkeit gab ihm ausgerechnet Nate Piekos, der später das Lettering übernahm und der uns schon als Vater des <a title="Typefaces, Bubbles, Sprechblasen und BOOOM, kurz: Lettering – die wenig beachtete Kunst" href="https://panelwalker.de/2025/09/typefaces-bubbles-sprechblasen-und-booom-kurz-lettering-die-wenig-beachtete-kunst/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">Letterer-Appreciation-Day</a> bekannt ist. Bean hatte bis dahin nicht nur an der Geschichte gefeilt. Gemeinsam mit Kolorist Jean-François Beaulieu suchte er nach einer Bilderwelt, in der knalliger Spaß, blutiges Durcheinander und echte Gefühle nebeneinander bestehen können.</p>
<p><span id="more-4341"></span></p>
<p>Ein paar Monate später wurde aus dem Herzensprojekt eine fortlaufende Serie. Das erste Heft erschien im Februar 2026. Der frisch erschienene Band mit dem Titel (bitte mit sehr tiefer Stimme lesen:) THE BOOK OF CERTAIN DOOM ( &#8230; und mit normaler Stimme weiterlesen. Danke) sammelt die ersten fünf Ausgaben und erzählt damit einen vollständigen Auftaktbogen.</p>
<p>Das klingt zunächst nach einer recht gewöhnlichen Veröffentlichungsgeschichte. Beim Lesen zeigt sich dann aber schnell, wie persönlich Bean diese Welt genommen hat. Er schreibt, zeichnet und entwirft ihre Figuren selbst. Jeder alberne Ortsname, jedes schiefe Monster und jede Grimasse scheint aus derselben überschäumenden Fantasie zu stammen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4348" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite_01_1000X678.jpg" alt="Innenseite 01 von D'ORC" width="678" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite_01_1000X678.jpg 678w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite_01_1000X678-271x400.jpg 271w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite_01_1000X678-600x885.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px" /></p>
<h3>Wenn BONE auf einen schlecht gelaunten Orc trifft</h3>
<p>Natürlich musste ich beim Lesen sofort an <a title="BONE – mehr als nur Knochen" href="https://panelwalker.de/2025/01/bone-mehr-als-nur-knochen/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">BONE</a> von Jeff Smith denken. Auch dort geraten kleine, rundlich gezeichnete Figuren in ein Fantasy-Abenteuer, das zuerst niedlich wirkt, dann jedoch bald erstaunlich große Gefahren auffährt. D&#8217;ORC besitzt außerdem etwas von der wilden Energie aus <a href="https://imagecomics.com/comics/series/i-hate-fairyland" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">I HATE FAIRYLAND</a>, an dem Jean-Francois Beaulieu schon als Zeichner beteiligt war. Trotzdem wirkt die Serie nicht wie eine Mischung aus bekannten Zutaten.</p>
<p>Ihr eigener Tonfall entsteht durch die Hauptfigur. Unser junger Held ist halb Zwerg (eng. Dwarf, mit führendem &#8222;D&#8220;) und halb Orc &#8211; also D&#8217;Orc. Keine Seite möchte ihn wirklich haben. Beide Seiten halten ihn außerdem für den angekündigten Zerstörer ihrer Welt Sunderaine. Und hinter all den Schlägereien, Wortspielen und platzenden Monstern steckt eine Geschichte über einen Außenseiter, der nicht einmal einen richtigen Namen besitzt. Das ist einerseits sehr komisch, andererseits aber nie nur ein Witz.</p>
<h3>Ein Halb-Zwerg im Niemandsland</h3>
<p>Sunderaine wird seit tausend Jahren von einem Krieg zwischen dem Licht und der Dunkelheit verwüstet. Die beiden Lager haben sich so lange bekämpft, dass niemand mehr ernsthaft über den Ursprung des Konflikts nachzudenken scheint. Jede Seite hält sich für rechtschaffen, beide richten beträchtlichen Schaden an.</p>
<p>Zwischen ihren Gebieten liegt die &#8222;Scar&#8220; (eng. für &#8222;die Narbe&#8220; .. gern geschehen!). Dort lebt seit rund zwanzig Jahren besagter namenloser Halb-Zwerg und Halb-Orc. Er hält sich verborgen, meidet größere Gruppen und versucht vor allem, keinen Ärger zu bekommen. Sein engster Begleiter, ein sprechender Schild, macht dieses nachvollziehbare Vorhaben allerdings nicht gerade leichter. Der verzauberte Schild besitzt auf der Aussenseite ein riesiges Auge, ein ausgesprochen loses Mundwerk und eine beinahe rührende Begeisterung für ausufernde Gewalt.</p>
<p>Als Soldaten beider Kriegsparteien den jungen Außenseiter entdecken, erkennen sie in ihm die Gestalt aus einer alten Prophezeiung. Die Bezeichnung aus Zwerg und Orc wird dabei kurzerhand zu seinem Namen erklärt. Sein Einwand, das sei nicht sein Name, verhallt. Für eine kurze Weile scheint er sogar das Unmögliche geschafft zu haben. Licht und Dunkelheit arbeiten einmal zusammen. Leider besteht ihr gemeinsames Ziel darin, ihn umzubringen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4343" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-02_1000X681.jpg" alt="Innenseite 02 von D'ORC" width="681" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-02_1000X681.jpg 681w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-02_1000X681-272x400.jpg 272w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-02_1000X681-600x881.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px" /></p>
<h3>Orc-Beine auf der Flucht</h3>
<p>Der vermeintliche Weltenvernichter entkommt nur knapp und sucht Zuflucht in einer Schenke. Viel Ruhe findet er dort allerdings nicht. Der Gastwirt, ein sprechendes Huhn, wird von einigen Gästen drangsaliert. D&#8217;Orc greift ein, obwohl er sich eigentlich aus jeder Auseinandersetzung heraushalten möchte.</p>
<p>Was als Rettungsaktion beginnt, endet mit einem fliegenden Schild und einem kopflosen Huhn. Ganz verschwunden bleibt das Tier allerdings nicht. Wir kennen das: kopflose Hühner rennen manchmal noch ein wenig herum. Seine geisterhafte Hälfte bleibt also erhalten, weil der Begleiter des Helden eben kein gewöhnlicher Schutzschild ist. Wie ich erfahre, handelt es sich um einen Todesschild, der Seelen an sich binden kann.</p>
<p>Damit steht auch die kleine Reisegruppe fest, die mich nun durch die einzelnen Ausgaben begleiten wird. Ein namenloser Halb-Zwerg läuft vor einer Prophezeiung davon, ein Schild auf dem Rücken, der jede Unterhaltung am liebsten mit einem tödlichen Schlag beenden möchte und zu diesem Duo gesellt sich der Geist eines Huhns, dessen unerschütterliche Neugier kaum zur Übersicht beiträgt.</p>
<p>Die Grundidee könnte leicht in einer Reihe lose verbundener Gags versanden. Bean setzt narrativ jedoch früh einen klaren Antrieb: Die Mächte des Lichts und der Dunkelheit schicken ihre jeweiligen Jäger los und D&#8217;Orc muss herausfinden, was hinter der Prophezeiung steckt. Vor allem möchte er wissen, weshalb ausgerechnet er darin auftaucht.</p>
<h3>Kinder mit gestohlener Zwergenzeit</h3>
<p>Die nächste Station führt die Gruppe zu Kindern, die mit leuchtenden Klingen Lebenszeit rauben. Jeder Treffer lässt D&#8217;Orc sichtbar altern. Sein Gesicht wird faltiger, der Rücken krümmt sich und die Bewegungen verlieren ihre Leichtigkeit. Bean macht den Zauber sofort verständlich, ohne ihn lange erklären zu müssen.</p>
<p>Hinter dem Einfall steckt mehr als eine gute Kampfszene. Die jungen Diebe sind Waisen des ewigen Krieges. Ein Herr der Zeit hat sie für seine Zwecke eingespannt. Für den Helden wird die Begegnung damit unangenehm persönlich. Auch er wuchs ohne Eltern auf, auch sein Leben wird von Erwachsenen und alten Erzählungen bestimmt, die ihm eine Rolle aufzwingen.</p>
<p>Der Schild schlägt &#8211; natürlich &#8211; eine schnelle und blutige Lösung vor, das Geisterhuhn stellt Fragen, die selten zum passenden Zeitpunkt kommen und D&#8217;Orc entscheidet sich trotzdem gegen den einfachen Weg, denn er erkennt, dass die Kinder gefährlich sind, aber selbst ausgenutzt werden.</p>
<p>Und schon zeigt die Serie erstmals ihr warmes Herz. Der Comic macht sich über Monster, Zauberer und großspurige Heldensprüche lustig. Über Verlassene und Einsame lacht er nicht. Bean lässt seinen Helden handeln, statt ihm eine lange Rede zu geben. Er hilft den Kindern, obwohl sie ihm gerade einen beträchtlichen Teil seines Lebens gestohlen haben.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4344" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-03_1000X678.jpg" alt="Innenseite 03 von D'ORC" width="678" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-03_1000X678.jpg 678w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-03_1000X678-271x400.jpg 271w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-03_1000X678-600x885.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px" /></p>
<h3>Ein Orc sucht eine Familie</h3>
<p>Aus dieser Entscheidung wächst langsam eine Gemeinschaft. Das Geisterhuhn ist bald mehr als die Pointe einer missglückten Rettung. Es nimmt Anteil, fragt nach und bleibt. Selbst der Todesschild zeigt unter seiner Freude am Gemetzel erste Spuren von Treue. D&#8217;Orc braucht diese Begleiter. Er sehnt sich nach Nähe, rechnet aber ständig mit Ablehnung. Seine Herkunft hat ihn vorsichtig gemacht. Zugleich besitzt er ein so starkes Bedürfnis zu helfen, dass er immer wieder in Schwierigkeiten gerät.</p>
<p>Ich mochte besonders, dass Bean diese Güte nicht mit Unschuld verwechselt. Sein Held trägt einen gewaltigen Zorn in sich. Wenn er die Kontrolle verliert, kann er erschreckend brutal werden. Danach empfindet er innerlich eine gewisse Scham. Die Gewalt löst Probleme, aber sie macht ihn nicht stolz.</p>
<p>So bleibt die Figur auch zwischen all dem Klamauk glaubwürdig. D&#8217;Orc ist kein pussierliches Maskottchen, das zufällig durch eine gefährliche Welt stolpert. Er trifft Entscheidungen. Manche sind mutig, andere ungeschickt, fast alle zeigen aber, wie sehr er sich danach sehnt, selbst bestimmen zu dürfen, wer er ist.</p>
<h3>Ein Zwergenhammer voller Vorurteile</h3>
<p>Mit Gloinspear tritt ein Gegner auf, der äußerlich wie ein klassischer Zwergenheld wirkt. Er trägt einen mächtigen Hammer, folgt einem klaren Auftrag und marschiert mit großer Entschlossenheit durch die Panels. Das Reich des Lichts hat ihn ausgesandt, um den vermeintlichen Weltenvernichter aus dem Weg zu räumen.</p>
<p>Bean dreht dieses vertraute Bild genüsslich um. Gloinspear hinterlässt keine dankbaren Dörfer. Er verbreitet Angst, zerstört was ihm in die Quere kommt und behandelt jede Spur von Freundlichkeit als Täuschung. Hinweise darauf, dass der Gejagte anderen geholfen hat, bringen ihn nicht zum Nachdenken. Sie machen ihn nur wütender.</p>
<p>Beim Aufeinandertreffen versucht D&#8217;Orc zunächst eine lächerliche Verkleidung. Der Schwindel hält erwartungsgemäß nicht lange. Der folgende Kampf ist schnell, brutal und deutlich ernster als viele der vorherigen Prügeleien. Gloinspear besitzt Erfahrung, körperliche Kraft und eine magische Flüssigkeit, die ein Wesen vollständig auslöschen kann.</p>
<p>Der Held überlebt nicht, weil er plötzlich stärker wäre. Er setzt auf Bewegung, Einfallsreichtum und eine gute Portion Glück. Das passt zu seiner bisherigen Entwicklung. Seine größte Stärke liegt nicht im Kampf. Sie zeigt sich in seiner Weigerung, das Bild anzunehmen, das andere von ihm haben.</p>
<h3>Zwei Goblinlager und kein Gedanke zu viel</h3>
<p>Später gerät die Gruppe zwischen zwei verfeindete Goblinlager. Beide Seiten wollen einen riesigen dreiköpfigen Thrawg töten. Gemeinsam hätten sie eine echte Chance. Stattdessen verbringen sie ihre Zeit damit, sich gegenseitig anzuschreien und anzugreifen.</p>
<p>Die fast gleich klingenden Namen ihrer Anführer machen den Konflikt dabei noch absurder. Der große Krieg schrumpft plötzlich auf die Größe eines entgleisten Familienstreits. Beide Seiten ähneln sich so stark, dass ihre Feindschaft noch lächerlicher wirkt.</p>
<p>D&#8217;Orc versucht zuerst zu reden. Diese Veränderung fällt nicht groß aus und zeigt sich in kleinen Entscheidungen. Er sucht nach einer Lösung, bei der niemand sterben muss. Gleichzeitig gesteht er dem Schild, wie sehr ihn sein eigener Zorn beunruhigt.</p>
<p>Ausgerechnet der kampflustige Begleiter antwortet mit ehrlichem Zuspruch. Der Moment ist kurz, verändert die Beziehung der beiden aber positiv. Der Schild bleibt laut, frech und gefährlich. Und trotzdem ist er inzwischen jemand, dem D&#8217;Orc seine Angst anvertraut.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4345" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-04_1000X681.jpg" alt="Innenseite 04 von D'ORC" width="681" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-04_1000X681.jpg 681w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-04_1000X681-272x400.jpg 272w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-04_1000X681-600x881.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px" /></p>
<h3>Ein nackter Orc vor der Knochenhexe</h3>
<p>Das fünfte und letzte Kapitel beginnt mit einem herrlich albernen Bild. Der Held ist nass, nackt und auf der Flucht vor Stadtwachen. Schutz sucht er ausgerechnet bei der Wahrsagerin Madam Morrigan. Dort hofft er endlich auf Antworten zur Prophezeiung und zu seiner Herkunft.</p>
<p>Madam Morrigan lässt ihn erzählen, obwohl sie deutlich mehr weiß, als sie zugibt. Ein Rückblick berichtet von einem Bad, wachsendem Chaos und einem verschwundenen Lavadrachen. Bean hält den Ton leicht, rückt aber erstmals die Vergangenheit von D&#8217;Orc ins Zentrum.</p>
<p>Bald zeigt sich, dass Madam Morrigan selbst eine Knochenhexe ist. Sie kennt Gloinspear, weiß um die magische Flüssigkeit und verfolgt eigene Ziele. Der erste Bogen endet deshalb erst einmal nicht mit einer bequemen Lösung. Stattdessen öffnet sich die Geschichte weiter.</p>
<p>Ich finde, das funktioniert als Abschluss des Auftaktbandes sehr gut. Die einzelnen Hefte bieten jeweils ein überschaubares Abenteuer, zugleich sammeln sich Fragen zu Geburt, Prophezeiung und Todesschild an. D&#8217;ORC liefert damit genug, um zufrieden zu sein und hält genug zurück, um neugierig zu bleiben.</p>
<h3>Lichtzwerge sind nicht automatisch die Guten</h3>
<p>Die Welt von Sunderaine kennt klare Lager: Licht steht gegen Dunkelheit, Zwerge kämpfen gegen Orcs und Helden verfolgen Monster. Bean stellt diese bekannte Fantasy-Ordnung von Beginn an auf den Kopf. Schon die Hauptfigur widerspricht ihr durch ihre bloße Existenz.</p>
<p>Der Comic erklärt diese Idee nicht in langen Gesprächen, er zeigt sie. Soldaten des Lichts handeln grausam, Kinder werden zu Dieben, weil Erwachsene ihren Verlust ausnutzen und Goblins führen einen Krieg, dessen Gründe kaum noch jemand versteht. D&#8217;Orc dagegen trägt sowohl Güte als auch gefährliche Wut in sich.</p>
<p>Besonders gelungen finde ich, dass keine Eigenschaft seine ganze Persönlichkeit bestimmt. Seine Herkunft macht ihn weder edel noch böse. Auch die Prophezeiung sagt noch nichts darüber aus, welche Entscheidungen er treffen wird. Darin liegt das erzählerische Herz der Serie. Der Held möchte nicht beweisen, dass alle anderen ihn falsch eingeschätzt haben. Er versucht zunächst überhaupt herauszufinden, wer er ohne ihre Urteile sein könnte!</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4346" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-05_1000X680.jpg" alt="Innenseite 05 von D'ORC" width="680" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-05_1000X680.jpg 680w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-05_1000X680-272x400.jpg 272w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-05_1000X680-600x882.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<h3>Fünf Abenteuer aus der Orc-Spielrunde</h3>
<p>Formal erinnert der Sammel-Band an eine sehr gute Rollenspielrunde. Jede Station bringt eigene Regeln, Gegner und komische Einfälle mit. Mal geht es um gestohlene Lebenszeit, mal wartet ein fanatischer Zwerg. Später geraten Goblins und ein dreiköpfiges Monster aneinander.</p>
<p>Trotzdem wirkt der Band nicht wie eine lose Sammlung, die Richtung bleibt deutlich: Aus der Flucht wird eine Suche, aus zufälligen Begleitern entsteht eine kleine Gemeinschaft und die Prophezeiung verändert sich von einer Bedrohung zu einem Rätsel, dem sich der Held stellen möchte.</p>
<p>Gelegentlich setzt Bean einen Gag zuviel oben drauf, obwohl die Szene bereits funktioniert. Sei&#8217;s d&#8217;rum! Insgesamt findet er aber erstaunlich sicher die Balance zwischen Klamauk, Action und Gefühl.</p>
<h3>Große Orc-Augen und kurze Zwergenbeine</h3>
<p>Brett Bean&#8217;s Zeichnungen tragen diesen Comic. Seine Figuren besitzen klare Umrisse, große Augen und stark überzeichnete Körper. Jede Stimmung wird sofort sichtbar. D&#8217;Orc kann innerhalb weniger Panels trotzig, verschreckt, wütend und peinlich berührt wirken. Besonders sein Gesicht bleibt mir im Gedächtnis. Die Kapuze rahmt es fast wie eine kleine Bühne. Bean braucht oft nur einen schiefen Mund oder einen verunsicherten Blick, um einen Witz vorzubereiten. Bei ernsteren Momenten nimmt er die Übertreibung zurück, ohne den Stil zu wechseln.</p>
<p>Auch die Nebenfiguren erhalten schnell einen eigenen Auftritt. Gloinspear bewegt sich schwer und zielgerichtet. Die Goblins wirken hektisch und streitlustig. Das Geisterhuhn besitzt trotz seines einfachen Entwurfs eine erstaunliche Ausdruckskraft. All das erinnert mich stark an das bereits erwähnte BONE.</p>
<h3>Wenn der Orc durch die Panels fliegt</h3>
<p>Die Actionszenen bleiben selbst im größten Durcheinander gut lesbar. Bean setzt eindeutige Bewegungsrichtungen. Figuren fliegen durch Bilder, Waffen schlagen ein und Körper purzeln übereinander. Trotzdem verliere ich selten den Überblick. Große Panels geben Monstern und magischen Effekten den nötigen Platz. Engere Bildfolgen beschleunigen Fluchten, Schläge und Wortwechsel. Häufig baut Bean eine Pointe über mehrere Bilder auf. Das letzte Panel setzt dann den sichtbaren Treffer.</p>
<p>Seine Erfahrung aus Animation, Film, Spielen und Figurengestaltung ist deutlich zu spüren. Bewegungen besitzen Schwung. Silhouetten bleiben auch aus der Entfernung erkennbar. Selbst kleine Gesten erzählen etwas über die Figuren. Das ist wichtig, weil der Comic sehr viel Tempo besitzt. Eine weniger klare Zeichnung würde das Lesen anstrengend machen. Bean behält dagegen die Ordnung, auch wenn seine Figuren sie vollständig verlieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4347" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-06_1000X678.jpg" alt="Innenseite 06 von D'ORC" width="678" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-06_1000X678.jpg 678w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-06_1000X678-271x400.jpg 271w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_Innenseite-06_1000X678-600x885.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px" /></p>
<h3>Orcgrün, Geisterblau und Zwergenfeuer</h3>
<p>Jean-François Beaulieu hält die wilde Bildwelt mit seinen Farben zusammen. Das Grün und Gelb des Helden hebt ihn deutlich von fast jeder Umgebung ab. Das Geisterhuhn leuchtet in einem kühlen, blassen Blau. Magie erhält häufig giftige Türkis- und Violetttöne.</p>
<p>Sobald Kämpfe eskalieren, kippen die Hintergründe in kräftiges Orange und Rot. Die Farbe beschreibt deshalb nicht nur Orte oder Tageszeiten. Sie bestimmt auch, wie laut sich eine Szene anfühlt. Ruhige Momente werden sichtbar gedämpft. Dann dürfen Mimik und Körperhaltung stärker wirken. In den großen Actionszenen ziehen die Farben das Tempo wieder an. Beaulieu unterstützt Bean&#8217;s Zeichnungen, ohne sie zuzudecken.</p>
<p>Währenddessen sorgt Nate Piekos&#8216; im Lettering dafür, dass die unterschiedlichen Stimmen auseinanderzuhalten sind. Schild, Huhn, Erzähler und übrige Figuren besitzen jeweils eine eigene Klangfarbe. Geräuschwörter werden Teil der Bewegung. Gerade in vollen Szenen hält das die Seite übersichtlich.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>D&#8217;ORC ist laut, albern, blutig und deutlich herzlicher, als das erste Gemetzel vermuten lässt. Brett Bean erzählt von einem Außenseiter, ohne die Geschichte in Schwermut zu ziehen. Stattdessen verbindet er eine wilde Fantasykomödie mit einer Figur, deren Güte sie immer wieder Kraft kostet.</p>
<p>Nicht jede Pointe sitzt gleich gut. Ja, manche Szenen dürften etwas früher enden. Trotzdem bin ich mit dieser seltsamen Reisegruppe gerne auf den Strassen der Scar unterwegs. Der Auftakt bietet ein vollständiges Abenteuer und breitet zugleich eine große Welt vor mir aus. Vor allem besitzt er einen Helden, der weder Zwerg noch Orc genug sein darf. Gerade deshalb möchte ich unbedingt erfahren, wer er im Laufe der Serie einmal werden wird. Eine ganz klare Empfehlung meinerseits! In diesem Jahr sind die Geschichten rund um den D&#8217;Orc (noch) nicht für die <a href="https://www.comic-con.org/awards/eisner-awards/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Eisner Awards</a> nominiert, aber ich glaube fest daran, dass sie 2027 gelistet sein werden &#8230;</p>
<p>Ach ja, zum Schluss noch ein Aufruf an die deutschen Verlage: nehmt diesen Comic um Himmels Willen in Euer Programm auf!</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4342" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_COVER_1000X659-264x400.jpg" alt="Cover von D'ORC" width="264" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_COVER_1000X659-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_COVER_1000X659-600x910.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/DORC01_COVER_1000X659.jpg 659w" sizes="auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>D&#8217;ORC: The Book of Certain Doom</li>
<li>Brett Bean, Jean-Francois Beaulieu und Nate Piekos</li>
<li>Softcover | 128 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-1-53433-152-5</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★★</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★★★☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://imagecomics.com/comics/releases/d-orc-vol-1-tp" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Image Comics Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/halb-zwerg-halb-orc-aber-in-allem-ganz-ein-dorc/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">Halb Zwerg, halb Orc, aber in Allem ganz ein D’ORC</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>KREATUREN – Wenn&#8217;s im Alltag irgendwie klemmt</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/kreaturen-wenns-im-alltag-irgendwie-klemmt/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2026 05:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Alltagsgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Bianca Bagnarelli]]></category>
		<category><![CDATA[Reprodukt Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die klaren, einfachen &#8211; aber nicht simplen &#8211; Zeichnungen hatten also meine Aufmerksamkeit geweckt. Sie erinnerten mich im ersten Moment an Madita Schwenkes DRIFTING. Dann aber auch wieder nicht. Und erst danach kamen die Geschichten selbst und zogen mich in ihr Innerstes. Eigentlich passiert in diesem Buch gar nicht so viel. Jedenfalls nicht in dem [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/kreaturen-wenns-im-alltag-irgendwie-klemmt/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">KREATUREN – Wenn’s im Alltag irgendwie klemmt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die klaren, einfachen &#8211; aber nicht simplen &#8211; Zeichnungen hatten also meine Aufmerksamkeit geweckt. Sie erinnerten mich im ersten Moment an Madita Schwenkes <a title="Wenn es wirklich schwierig wird hilft nur DRIFTING" href="https://panelwalker.de/2026/06/wenn-es-wirklich-schwierig-wird-hilft-nur-drifting/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">DRIFTING</a>. Dann aber auch wieder nicht. Und erst danach kamen die Geschichten selbst und zogen mich in ihr Innerstes.</p>
<p><span id="more-4667"></span></p>
<p>Eigentlich passiert in diesem Buch gar nicht so viel. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass Autos explodieren, Familiengeheimnisse ganzer Dynastien erschüttert werden oder am Ende die Welt gerettet wird. Bei Bianca Bagnarellis Geschichten genügt oft &#8230; sagen wir: eine Bank oder &#8230; eine Haustür. Jemand klingelt, draußen steht ein Mädchen und bittet um Hilfe. Drinnen sitzt ein Paar, das nun entscheiden muss, ob es dieser Fremden glaubt und genau diese Hilfe gewährt. Schon ist alles da. Unsicherheit, Angst, Misstrauen und diese unangenehme Frage, wie ich wohl selbst in der geschilderten Situation reagieren würde.</p>
<p>Das ist typisch für KREATUREN. Der Band versammelt 13 Kurzgeschichten, die über ungefähr zehn Jahre entstanden sind. Bagnarelli hat dafür nicht einfach alles zusammengesucht, was noch in irgendwelchen Schubladen lag. Sie ließ ältere Arbeiten weg, mit denen sie sich heute nicht mehr wohlfühlt und ordnete die übrigen Geschichten auch nicht streng nach ihrem Entstehungsdatum. Abergläubisch scheint Bagnarelli trotz ihrer italienischen Herkunft jedenfalls nicht zu sein.</p>
<p>Dreizehn kleine Geschichten, die keinem großen Heldenbogen folgen und die sich trotzdem recht geschlossen lesen lassen. Gleichzeitig kann ich verfolgen, wie sich Bagnarellis Zeichenkünste und ihr Erzählen entwickeln. Interessant, denn hier habe ich keine Künstlerin vor mir, die schon auf Seite eins fertig ausgebildet aus dem Ei geschlüpft ist. Ich sehe eine Künstlerin, die sich noch ausprobiert, die kürzt, sicherer wird.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4673" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-09_1000X715.webp" alt="Innenseite 09 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-09_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Alltag heißt auch, jemandem nicht zu glauben</h3>
<p>Die erste Geschichte zeigt ziemlich gut, worauf ich mich einstellen darf. Ein Paar verbringt seine Freizeit auf dem Land. Dann taucht an der Tür dieses Mädchen auf. Sie erzählt von einem Wolf und bittet um Hilfe. Eigentlich könnte die Sache schnell erledigt sein: Tür auf, zuhören, helfen, Tür zu. Aber so funktionieren Menschen nun einmal selten. Das Paar beginnt zu zweifeln. Vielleicht stimmt etwas an der Geschichte nicht? Vielleicht bringt man sich gerade selbst in Gefahr, weil die Tür geöffnet wird?</p>
<p>Ich fand das sofort &#8230; unangenehm. Nicht, weil Bagnarelli daraus einen Thriller macht. Genau das tut sie nämlich nicht. Es gibt keine Titelmusik vom &#8222;Weißen Hai&#8220;, die in meinem Kopf immer lauter wird, keinen großen Schockmoment und auch keinen Bösewicht, der hinter dem nächsten Baum hervorspringt. Stattdessen beobachte ich zwei Menschen dabei, wie sie sich ihre Vorsicht langsam selbst erklären. Und da wird es interessant. Denn irgendwann geht es gar nicht mehr um den Wolf. Es geht darum, wie schnell Hilfsbereitschaft verschwindet, sobald die eigene, verquaste Angst eine halbwegs vernünftige Begründung erhält.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4674" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-10_1000X715.webp" alt="Innenseite 10 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-10_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Erkennnis beginnt manchmal im Klassenzimmer</h3>
<p>Auch danach bleibt Bagnarelli bei solch kleinen Situationen. Eine ehemalige Schülerin erinnert sich an ihre Philosophielehrerin. Als Jugendliche sah sie in ihr vor allem eine strenge, unangenehme Frau. Jahre später, aus einem erfahreneren Blickwinkel, sieht dieselbe Erinnerung plötzlich anders aus. Das kennt wahrscheinlich jeder. Menschen, über die ich mir mit siebzehn ein felsenfestes Urteil gebildet habe, wirken mit zeitlichem Abstand plötzlich komplizierter, manchmal sogar verständlicher.</p>
<p>Bagnarelli macht daraus zum Glück keine Geschichte über die große Weisheit des Älterwerdens. Sie interessiert sich eher dafür, wie wenig wir voneinander wissen, obwohl wir ständig glauben, längst Bescheid zu wissen. &#8222;Be curious, not judgemental&#8220; wie Walt Whitman (vielleicht) &#8211; <a href="https://tv.apple.com/de/show/ted-lasso/umc.cmc.vtoh0mn0xn7t3c643xqonfzy" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Ted Lasso</a> aber auf jeden Fall &#8211; einmal gesagt hat. Diese Weisheit zieht sich für mich durch das ganze Buch.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4675" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-11_1000X715.webp" alt="Innenseite 11 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-11_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Leben und Tot</h3>
<p>Eine der älteren Geschichten heißt FISH (dt. FISCHE). Sie fällt ein wenig aus dem Rahmen, weil sie erzählerisch noch deutlich auf einen bestimmten Punkt hinsteuert.</p>
<p>Im Mittelpunkt steht Milo, zwölf Jahre alt. Seine Eltern sind bei einem Unfall gestorben. Seitdem kreisen seine Gedanken immer wieder um Tod, Verletzungen und Vergänglichkeit. Ein toter Vogel oder ein verwesendes Tier bekommt für ihn eine Bedeutung, die Erwachsene wahrscheinlich sofort wegwischen würden.</p>
<p>Dann wird ein vermisstes Mädchen tot aufgefunden. Milo glaubt, dass ihm die Begegnung mit diesem Tod vielleicht helfen könnte, den Tod der eigenen Eltern zu begreifen. Das ist harter Tobak.</p>
<p>Bagnarelli erzählt ihn erstaunlich ruhig. Kein großes Schluchzen, keine aufdringlichen Tränenbilder. Gerade deshalb kommt mir Milo nahe. Kinder denken schließlich nicht automatisch so, wie Erwachsene sich kindliche Trauer vorstellen. Milo sucht etwas sehr Konkretes. Er will verstehen, was der Tod eigentlich bedeutet.</p>
<p>FISH gefällt mir, aber ich merke hier stärker als in den späteren Geschichten, dass Bagnarelli mich zu einem bestimmten Gefühl führen möchte. Das Ende sitzt ziemlich genau dort, wo es sitzen soll. Bei ihren neueren Arbeiten vertraut sie häufiger darauf, mich einfach stehenzulassen. Ist das fair? Ich frage mich, warum erzählt sie mir ihre Geschichte, ihre Sicht auf die Dinge nicht zu Ende?<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4676" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-12_1000X715.webp" alt="Innenseite 12 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-12_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-12_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-12_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Alltag nach der Pandemie</h3>
<p>Besonders hängen geblieben ist mir Miriam. Die Geschichte spielt während der Covid-Zeit. Eine junge Frau geht feiern. Im Club liegen Masken herum, Körper kommen sich wieder nahe, und für ein paar Stunden scheint dieses seltsame Leben mit Regeln, Abstand und Vorsicht draußen zu bleiben. Später sitzt Miriam im Bus. Die Masken sind zurück. Der Alltag hat sie wieder.</p>
<p>Das Interessante daran ist die Entstehung. Die Grundidee schrieb Bagnarelli bereits 2015. Damals plante sie eine größere Geschichte über eine Epidemie, führte das Projekt aber nicht zu Ende. Jahre später wurde etwas, das einmal erfunden war, plötzlich ziemlich real. Sie griff die Geschichte wieder auf und passte sie an die tatsächliche Pandemie an.</p>
<p>Ich finde das fast ein bisschen unheimlich. Gleichzeitig passt es wunderbar zu dem Band. Bagnarelli erzählt immer wieder davon, wie schnell etwas Vertrautes fremd werden kann. Eine Straße bleibt dieselbe Straße, ein Bus bleibt ein Bus. Und trotzdem verändert sich mit einem Mal, wie Menschen sich darin bewegen und einander ansehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4677" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-13_1000X715.webp" alt="Innenseite 13 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-13_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-13_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-13_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Geschichten ohne Ortsschild</h3>
<p>Viele dieser Geschichten könnten fast überall spielen. Wohnungen, Schulräume, Straßen, Busse, Clubs. Bagnarelli hängt selten ein großes Schild über die Szene und sagt mir, wo genau ich mich befinde. Auch ihre Figuren sind nicht immer so stark herausgearbeitet, dass ich sie nach zwanzig Seiten sofort wiedererkennen würde.</p>
<p>Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Einerseits komme ich sehr schnell in die Situationen hinein. Ich brauche keine lange Einführung. Andererseits verschwinden einige Figuren auch schnell wieder aus meinem Kopf. Gerade wenn ich KREATUREN am Stück lese, merke ich irgendwann ein Muster. Wieder eine einsame Figur, wieder eine Beziehung, in der etwas nicht stimmt, wieder ein Moment, in dem jemand verletzt wird oder jemanden verletzt.</p>
<p>Hier beginnt der Band für mich an Kraft zu verlieren. Nicht dramatisch, aber ich würde ihn nicht mehr in einem Rutsch lesen wollen. Drei oder vier Geschichten, dann erst einmal weglegen. So bekommen die einzelnen Stücke mehr Luft.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4678" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-14_1000X715.webp" alt="Innenseite 14 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-14_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-14_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-14_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Gesellschaft kann ganz schön kleinlich sein</h3>
<p>Oft sind es die kleinlichen Momente, die mir aus KREATUREN im Gedächtnis bleiben, nicht die großen Katastrophen. Jemand glaubt jemand anderen nicht, jemand lässt eine andere Person absichtlich auflaufen. Ein Sohn kennt die empfindliche Stelle seiner Mutter und drückt genau dort drauf.</p>
<p>Das klingt nun ziemlich düster, und tatsächlich ist Bagnarelli keine Autorin, bei der ich nach jeder Geschichte beschwingt durchs Leben laufe. Trotzdem empfinde ich den Band nicht als schwermütig. Dafür beobachtet sie ihre Figuren zu genau. Sie führt sie nicht vor, selbst dort, wo Menschen etwas Hässliches tun, bleiben sie Menschen.</p>
<p>Genau hier liegt für mich aber auch die deutlichste Schwäche des Buches. Irgendwann weiß ich, welche Art von Moment Bagnarelli interessiert. Wenn mehrere Geschichten hintereinander auf ähnliche Weise offen auslaufen, stellt sich Gewöhnung ein. Ein offenes Ende kann wunderbar nachwirken. Dreizehn offene oder nur halb geschlossene Türen hintereinander verlieren den Reiz. Hier hätte ich mir im Nachhinein mehr Abwechslung zwischen (halb-)offenen und geschlossenen Erzählungen gewünscht.</p>
<h3>Alltag mit wenigen Strichen</h3>
<p>Zeichnerisch macht der Band richtig Spaß, gerade weil ich die Entwicklung über die Jahre erkennen kann. Die früheren Geschichten wirken noch etwas genauer ausformuliert: Gesichter, Hände und Körper bekommen mehr Linien. Später reduziert Bagnarelli ihren Zeichenstil stärker.</p>
<p>Figuren bestehen nun aus weniger Strichen und wirken trotzdem lebendiger. Das klingt zunächst widersprüchlich. Beim Lesen funktioniert es aber sofort. Ich mag diese Zurückhaltung an manchen Stellen sehr. Die Figuren führen Gefühle nicht vor. Niemand setzt für mich ein Trauergesicht auf, nur damit ich auch wirklich verstehe, dass gerade jemand traurig ist.</p>
<p>Auch die Seiten bleiben angenehm lesbar. Bagnarelli veranstaltet keine großen Kunststücke mit Panels, nur um zu zeigen, dass sie es könnte. Sie baut ihre Seiten so auf, dass Gespräche funktionieren und Pausen spürbar werden. Punkt. Gerade in einem Band voller kurzer Geschichten ist das hilfreich. Ich bin schnell drin, ohne jedes Mal erst den neuen Rhythmus suchen zu müssen.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4679" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-15_1000X715.webp" alt="Innenseite 15 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-15_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-15_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-15_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Das Leben hat seine eigenen Farben</h3>
<p>Die Farbe gehört fest zu dieser Erzählweise. FISCHE hat beispielsweise eine gedämpfte, leicht malvenfarbene Stimmung. Der Sommer wirkt dadurch nicht sonnig und leicht, sondern ein wenig fiebrig. Das passt zu Milo und seinen Gedanken.</p>
<p>In der Geschichte mit dem Mädchen und dem Wolf arbeitet Bagnarelli stark mit dem schwindenden Tageslicht. Je dunkler es draußen wird, desto unbehaglicher fühlt sich die Situation an. Eigentlich ist das ein sehr einfacher Effekt. Er funktioniert trotzdem prächtig, weil er sich nicht in den Vordergrund drängt.</p>
<p>Überhaupt nutzt Bagnarelli Farbe eher, um Licht und Atmosphäre zu bestimmen, als einzelne Dinge möglichst hübsch anzumalen. Das merkt man ihrer Arbeit als Illustratorin an. Ihre Seiten wollen nicht spektakulär aussehen. Sie wollen, dass ich mich in einem Raum sofort zurechtfinde und spüre, ob dort gerade etwas nicht stimmt.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4680" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-16_1000X715.webp" alt="Innenseite 16 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-16_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-16_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-16_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Einblick außerhalb der Panels</h3>
<p><a href="https://www.biancabagnarelli.com/about" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Bianca Bagnarelli</a> wurde 1988 in Mailand geboren und arbeitet heute in Bologna. Sie studierte dort an der Kunstakademie und gehörte zu den Mitgründerinnen des unabhängigen Comicprojekts <a href="https://delebile.bigcartel.com/" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Delebile</a>. Schon früh veröffentlichte sie Kurzcomics. FISH brachte ihr 2015 eine Goldmedaille der Society of Illustrators in New York ein.</p>
<p>Parallel dazu entwickelte sie eine erfolgreiche Karriere als Illustratorin. Ihre Arbeiten erschienen unter anderem in <a href="https://www.newyorker.com/culture/cover-story/cover-story-2024-01-01" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">THE NEW YORKER</a> und <a href="https://www.nytimes.com/by/bianca-bagnarelli" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">THE NEW YORK TIMES</a>. Das erklärt vielleicht auch, weshalb ihre Bilder so schnell funktionieren. Bagnarelli muss in einer einzigen Illustration oft sehr viel erzählen. Dieses Können nimmt sie mit in ihre Comics.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4681" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-17_1000X715.webp" alt="Innenseite 17 von KREATUREN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-17_1000X715.webp 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-17_1000X715-286x400.webp 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_INNENSEITE-17_1000X715-600x839.webp 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Nach dreizehn Geschichten hatte ich nicht das Gefühl, dreizehn kleine Welten besucht zu haben. Eher saß ich dreizehnmal irgendwo ein Stück daneben und durfte Menschen beobachten, beim Streiten, beim Zweifeln, beim Erinnern oder beim &#8222;Gemein sein&#8220;. Manchmal auch einfach bei dem Versuch, irgendwie durch den Tag zu kommen.</p>
<p>Nicht jede Geschichte berührt mich gleich stark. Einige bleiben hängen, andere verschwimmen später miteinander. Und Bagnarellis Vorliebe für leise, offene Enden nutzt sich über 224 Seiten &#8211; für mein persönliches Gefühl &#8211; dann doch ab.</p>
<p>Trotzdem würde ich KREATUREN bedenkenlos jemandem geben, der Kurzgeschichten mag und bei Comics nicht darauf wartet, dass spätestens auf Seite drei etwas explodiert. Dieses Buch interessiert sich für die vielen kleinen Dinge des Lebens, für den Moment, in dem ich eine Tür öffne oder eben nicht, für einen Blick, der eine Spur zu lange dauert oder für ein Foto, von dem zwei Menschen ganz genau wissen, warum es ihnen wichtig ist.</p>
<p>Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mir einige dieser Geschichten nachgehen. Bagnarelli erzählt nicht davon, wie außergewöhnlich Menschen sein können. Stattdessen erzählt sie davon, wie gewöhnlich wir sind. Das ist manchmal ziemlich komisch, häufig traurig und gelegentlich erstaunlich grausam. Aber immer sehr bodenständig.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4672" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_COVER_1000X722-289x400.webp" alt="Cover von KREATUREN" width="289" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_COVER_1000X722-289x400.webp 289w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_COVER_1000X722-600x831.webp 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/KREATUREN_COVER_1000X722.webp 722w" sizes="auto, (max-width: 289px) 100vw, 289px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>KREATUREN</li>
<li>Bianca Bagnarelli</li>
<li>Hardcover | 224 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-95640-545-7</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★☆☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://reprodukt.com/products/kreaturen" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Reprodukt Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>JUNIOR UND SENIOR &#8211; Pferde, Fäuste und sechs Mädchen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 2026 05:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Semi-Funny]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-Baptiste Hostache]]></category>
		<category><![CDATA[Robin Recht]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein schlaksiger Cowboy mit verschmitztem Grinsen steht neben einem bärtigen Schrank von einem Kerl, dessen Hände ungefähr die Größe handelsüblicher Bratpfannen haben. Da muss niemand Terence Hill oder Bud Spencer über die Seite schreiben. Robin Recht, der Szenarist dieses Albums, macht aus seiner Inspiration auch kein Geheimnis. Die Filme des italienischen Duos gehören zu seinen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein schlaksiger Cowboy mit verschmitztem Grinsen steht neben einem bärtigen Schrank von einem Kerl, dessen Hände ungefähr die Größe handelsüblicher Bratpfannen haben. Da muss niemand Terence Hill oder Bud Spencer über die Seite schreiben. Robin Recht, der Szenarist dieses Albums, macht aus seiner Inspiration auch kein Geheimnis. Die Filme des italienischen Duos gehören zu seinen &#8211; und meinen &#8211; Kindheitserinnerungen.</p>
<p><span id="more-4894"></span></p>
<p>Eine zweite Zutat kommt allerdings aus einer ganz anderen Ecke. In Hayao Miyazakis japanischem Anime <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0104652/?ref_=fn_t_1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">PORCO ROSSO</a> kidnappen Luftpiraten eine Gruppe Mädchen, stellen dann aber ziemlich schnell fest, dass sich die Kinder nicht besonders gut an die üblichen Regeln für unspektakuläre Entführungen halten. Studio Ghibli trifft Italo-Western-Kömodie. Gegensätzlicher geht es kaum noch.</p>
<p>Recht gefiel diese Idee und zusammen mit Jean-Baptiste Hostache baut er aus diesem Gemisch einen Comic, der irgendwo zwischen Prügelwestern, Kinderabenteuer und nostalgischer Komödie oszilliert. Und damit ist auch das Grundrezept von SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR schnell gepitched.</p>
<p>Interessanter ist für mich aber eigentlich die Frage, ob daraus mehr wird als ein ziemlich aufwendig inszeniertes Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Fanprojekt? Und die Antwort fällt mir nicht ganz leicht.</p>
<p>Warum? Der Comic macht eine Menge Spaß, sieht dabei gut aus und besitzt Herz. Nur verlässt er sich an einigen Stellen so sehr auf seine Vorbilder und auf die nächste Pointe, dass seine eigene Geschichte hier und da ein wenig zu kurz kommt &#8230; ein wenig.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4902" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-03.jpg" alt="Innenseite 03 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-03.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-03-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-03-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Zwei Halunken reiten aus dem Gefängnis</h3>
<p>Ach ja, die Geschichte. Sie spielt während des amerikanischen Sezessionskrieges, also etwa im gleichen Abschnitt wie <a title="WYOMING, 1863 liegt am Rande der bekannten Welt" href="https://panelwalker.de/2026/07/wyoming-1863-liegt-am-rande-der-bekannten-welt/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">WYOMING, 1863</a>. Während andernorts Nord- und Südstaatler aufeinander schießen, beschäftigen sich die Herren Smith und Wesson (!) mit einer mindestens ebenso erbitterten Auseinandersetzung: Sie wollen an die politische Macht ihres Bezirks. Smith fürchtet, gegen seinen Konkurrenten Wesson keine Chance bei einer anstehenden Wahl zu haben. Also muss er etwas gegen seinen Rivalen in die Hand bekommen.</p>
<p>Glücklicherweise kennt Smith (wie jeder erfolgreiche Politiker) ein schmutziges Geheimnis seines Kontrahenten. Wesson hat eine uneheliche Tochter namens Karina, die in einem Mädcheninternat versteckt lebt. Wenn Smith dieses Kind in die Finger bekäme, besäße er ein wunderbares Druckmittel. Für die Entführung braucht Smith allerdings Mitstreiter, die robust genug sind, das Mädchen zu holen und gleichzeitig nicht zu viele Fragen stellen. Junior und Senior erfüllen beide Voraussetzungen, nur sitzen sie leider im Gefängnis.</p>
<p>Schon die Namen Smith und Wesson verraten, auf welchem &#8222;Gelände&#8220; wir humoristisch unterwegs sind. Robin Recht besitzt wahrlich keinen subtilen Humor. Er winkt mit dem Cowboyhut, einem Lasso oder allem, was sich dazu eignet, bis auch der letzte Leser den Witz erkannt hat. Aber kommen wir zu den Hauptpersonen.</p>
<p>Junior ist der schmale, schnelle Teil des Duos. Er redet gern, flirtet noch lieber und bekommt schon deshalb immer wieder Schwierigkeiten, weil irgendwo in seiner Umgebung eine Frau auftaucht. Senior dagegen ist ein menschlicher Rammbock. Er spricht wenig und erledigt Diskussionen notfalls mit seinen Händen. Das ist natürlich haargenau die Rollenverteilung, die ich aus zahllosen Filmen von Terence Hill und Bud Spencer kenne.</p>
<p>Smith holt die Brüder aus dem Knast. Als Gegenleistung sollen sie Karina entführen und später bei Mamita abliefern, einer Frau, die in der Vergangenheit der beiden eine wichtige Rolle gespielt hat. Außerdem winken 5000 Dollar für einen Neuanfang. Das klingt für die Beiden einfach, das klingt genug. Aber natürlich ist es das nicht.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4903" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 04 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-04.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-04-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-04-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Sechs Gören und kein brauchbarer Fluchtplan</h3>
<p>Im Internat stoßen Junior und Senior auf ein klitzekleines Problem, das für zwei Entführer erstaunlich banal ist: Sie können Karina nicht eindeutig identifizieren! Also treffen sie eine fatale Entscheidung, die ungefähr so vernünftig ist wie eine Stange Dynamit an einem Lagerfeuer zu parken. Sie nehmen einfach alle Mädchen mit &#8211; alle sechs.</p>
<p>Ab diesem Punkt findet SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR zu seiner eigentlichen Form. Zwei Banditen, sechs selbstbewusste Kinder ziehen &#8211; beziehungsweise jagen &#8211; durch den Wilden Westen. Zu den Jägern gesellen sich die zunehmend wütende Gouvernante (Mlle Bismarck im Original deutschsprachig, Frau Antje bei uns, niederländisch parlierend), ein konföderiertes Kavallerieregiment, weitere Gesetzlose und allerlei Gestalten, die Gelegenheit bekommen, mit Junior oder Senior zusammenzustoßen.</p>
<p>Der hübsche Kniff liegt darin, dass die vermeintlichen sechs Opfer sehr schnell aufhören, sich wie Opfer zu benehmen (PORCO ROSO lässt grüßen). Die Mädchen sind keine verschreckten &#8222;Pakete&#8220;, die Junior und Senior nur von einem Ort zum anderen transportieren müssen. Sie stellen Fragen, mischen sich ein, verlangen Aufmerksamkeit und treiben ihre Entführer regelrecht an den Rand ihrer Möglichkeiten.</p>
<p>Auf intelligente Weise verschiebt Robin Recht damit das Kräfteverhältnis seiner Erzählung. Junior und Senior sind körperlich jeder Situation gewachsen. Gegen eine Bande bewaffneter Männer hilft Seniors Faust, aber gegen sechs Kinder hilft sie selbstverständlich nicht. Der große Kerl kann einen Saloon auseinandernehmen, aber ein kleines Mädchen auf dem Arm verändert sofort seine Körpersprache. Junior kann noch so lässig auftreten, sobald mehrere Kinder gleichzeitig etwas von ihm wollen, zerfällt die zur Schau gestellte Coolness. Gut, das ist vorhersehbar und trotzdem hat es Charme. Für mich funktioniert der Comic an dieser Stelle am besten, denn die berühmte Spencer-Hill-Mechanik bekommt hier eine neue Gegenkraft.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4904" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 05 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-05.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-05-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-05-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Staubwolken und Kavallerie</h3>
<p>Robin Recht gibt dem Geschehen in der Folge kaum Gelegenheit zum Stillstand. Sobald sich die Gruppe aus einer Schwierigkeit befreit, taucht schon die nächste am Horizont auf. Pferde, Schießereien, Dynamit, Desperados, Frau Antje und das Militär sorgen dafür, dass der Comic ständig in Bewegung bleibt. Sogar ein Heißluftballon kommt zum Einsatz.</p>
<p>Diese Ballonfahrt gehört einerseits zu den interessantesten Momenten der Erzählung, weil der Comic dort kurz seine übliche Lautstärke herunter dreht. Von oben sehen Junior, Senior und die Mädchen eine andere Welt als jene, die ihre Abenteuerkomödie bisher bestimmt hat. Unter ihnen liegen Baumwollfelder mit versklavten Menschen. An anderer Stelle wird gekämpft. Plötzlich ist der Bürgerkrieg nicht mehr bloß eine dekorative Kulisse aus Uniformen und Kavalleristen.</p>
<p>Andererseits lässt mich diese Szene sehr zwiespältig zurück. Sie ist stark, weil Hostache die Perspektive nutzt, um dieses ausgelassene Abenteuer für einen Augenblick mit der tatsächlichen Brutalität seiner Zeit zu konfrontieren. Schade nur, dass dieser Gedanke nicht lange nachhallt. Kaum ist der Augenblick vorbei, setzt die Geschichte ihren Galopp wieder in eine andere Richtung fort. Die Sklaverei und der Krieg wurden sichtbar, aber nicht wirklich Bestandteil dieser Erzählung.</p>
<p>Ja, das ist grundsätzlich erlaubt. Schließlich soll dies alles hier kein historischer Sachcomic sein. Trotzdem öffnet Recht an dieser Stelle eine Tür, durch die er anschließend nicht hindurchgeht und die schöne Idee trägt nicht wirklich etwas zur eigentlichen Geschichte bei.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4905" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 06 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-06.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-06-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-06-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Wenn Banditen plötzlich Familie werden</h3>
<p>Wichtiger wird etwas anderes. Je länger Junior und Senior mit den Mädchen unterwegs sind, desto weniger überzeugend lässt sich noch behaupten, sie würden lediglich einen Auftrag erledigen. Stattdessen kümmern sich die beiden.</p>
<p>Senior eignet sich dafür besonders gut, weil seine enorme Körperlichkeit ständig gegen seine zunehmende Fürsorge ausgespielt wird. Jean-Baptiste Hostache, der Zeichner, braucht dafür keinen Text. Wenn dieser Berg von einem Mann ein Kind trägt, entsteht der Witz bereits aus den Größenverhältnissen und die Emotion aus der dargestellten Zärtlichkeit.</p>
<p>Junior entwickelt sich ebenfalls, nur funktioniert seine Figur nicht ganz so gut. Der ewig flirtende Draufgänger ist als komischer Gegenpol brauchbar, bleibt im Wesentlichen aber näher an seinem Vorbild. Bei Senior entsteht nach und nach eine eigenständige Figur, bei Junior sehe ich häufiger noch Terence Hill durch die Panels spazieren.</p>
<p>Auch die sechs Mädchen leiden ein wenig unter ihrer Zahl. Als Gruppe sind sie hervorragend, erzeugen Chaos, Tempo und Wärme. Einzeln bleiben mehrere von ihnen dann aber doch erstaunlich blass. Gerade weil die Geschichte ihre Beziehung zu den beiden Banditen emotional auflädt, hätte ich gern zwei oder drei Kinder näher kennengelernt.</p>
<p>Robin Rechts Kernmotiv ist dabei überraschend schön, denn Familie entsteht bei ihm nicht nur aus Abstammung, sondern aus der Entscheidung, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Am Ende müssen Junior und Senior deshalb entscheiden, was für Banditen sie sein wollen. Ein krimineller Lebenslauf bedeutet noch lange nicht, dass jede Schweinerei erlaubt ist. Diese Grenze ist simpel gezogen, aber sie passt wunderbar zum Ton des ganzen Albums.</p>
<p>Die Geschichte endet entsprechend nicht mit einer Läuterung. Aus den beiden werden keine braven Bürger, zum Glück! Sie bleiben Halunken, nur eben Halunken mit Regeln.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4906" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 07 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-07.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-07-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-07-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Am Lagerfeuer der alten Western</h3>
<p>Die große Stärke und zugleich das größte Problem des Albums ist seine Liebe zu anderen Geschichten. Überall stolpere ich über Wegweiser. Wie mehrfach erwähnt, sind Bud Spencer und Terence Hill nicht zu übersehen. Hinzu kommen LUCKY LUKE, ASTERIX, klassische Westernfiguren und das bereits erwähnte PORCO ROSSO. Selbst die Grundidee von zwei körperlich völlig unterschiedlichen Helden reicht viel weiter zurück und erinnert an Komikerduos wie Laurel und Hardy.</p>
<p>Recht und Hostache wollen genau diese populäre Abenteuertradition wiederbeleben. Das fühlt sich angenehm altmodisch an. SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR schämt sich weder für den Prügelhumor noch für sentimentale Augenblicke. Nach einer Schlägerei darf ein Kind jemandem einen Kuss geben, nach einem leisen Moment dürfen wieder Bohnen gegessen und schlechte Gerüche produziert werden. Ich mag diese Unbekümmertheit.</p>
<p>Sobald ein Comic so stark von gemeinsamem Popkultur-Wissen lebt wie dieser, besteht jedoch immer die Gefahr, dass Erinnerungen den Platz eigener Ideen einnimmt. Die sechs Mädchen verhindern, dass dies hier passiert. Sie sind der entscheidende Einfall, der aus einer bloßen Kopie eine schöne, eigenständige Variante macht.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4907" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 08 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-08.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-08-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-08-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Revolverhelden bekommen ihren Platz</h3>
<p>Jean-Baptiste Hostache ist für diesen Stoff als Zeichner fast wichtiger als das Szenario. JUNIOR &amp; SENIOR müssen nur nebeneinanderstehen und die Rollen sind verteilt. Junior besteht aus langen Beinen, schmalem Oberkörper und einem Gesicht, das praktisch schon beim Stillstehen grinst. Senior ist Masse. Schultern, Bart, Hände, Bauch und schwere Kleidung ergeben einen Körper, der ein Panel praktisch besetzen kann.</p>
<p>Hostache zeichnet bewusst cartoonesk. Nasen dürfen groß sein, Kinnpartien übertrieben, Augenbrauen unter Hüten hervorragen. Trotzdem kippen die Figuren nicht in reine Cartoon-Skizzen. Hier hilft Hostaches beruflicher Hintergrund im Animationsbereich spürbar, denn Bewegungen werden sauber vorbereitet. Eine Figur steht nicht plötzlich irgendwo, sondern läuft, stolpert, springt oder fliegt dorthin. Besonders in den Prügeleien entsteht daraus eine beinahe filmische Abfolge.</p>
<p>Das Seitenlayout bleibt dabei beweglich. Große Querpanels schaffen Raum für Landschaften oder neue Schauplätze. Kleinere Bilder beschleunigen Dialog und Aktion. Sobald mehrere Kinder, Verfolger und Sprechblasen zusammenkommen, werden einige Seiten allerdings sehr voll. Dann interessiert sich die Inszenierung stärker für das nächste komische Ereignis als für eine ganz saubere räumliche Orientierung. Das passt zum Chaos. Trotzdem musste ich gelegentlich einen Augenblick länger schauen, wer sich gerade wo befindet.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4908" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-09.jpg" alt="Innenseite 09 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-09.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-09-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-09-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Unter einem staubigen Himmel</h3>
<p>Noch stärker als die Zeichnung hat mich die Kolorierung überrascht &#8211; und das meine ich positiv. Hostache hätte diesen Comic problemlos mit knalligem Cartoonlicht ausstatten können. Stattdessen liegen häufig gedämpfte Gelb-, Braun-, Rosa- und Blautöne über den Seiten.</p>
<p>Dazu kommt eine flache, leicht körnige Oberfläche. Das gibt den Bildern etwas angenehm Gebrauchtes. Fast so, als hätte dieser neue Comic einige Jahrzehnte irgendwo in einer Kiste mit alten Westernheftchen gelegen. Und gerade dadurch gewinnen die gefühlvolleren Szenen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4909" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-10.jpg" alt="Innenseite 10 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-10.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-10-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-10-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Zwei Cowboys hinter den Kulissen</h3>
<p>Robin Recht, Jahrgang 1974, kommt ursprünglich stärker vom Zeichnen als vom Schreiben. Nach seiner Ausbildung in Paris arbeitete er unter anderem an <a href="https://www.splitter-verlag.de/der-glockner-von-notre-dame-bd-1-der-tag-der-narren.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME &#8211; DER TAG DER NARREN</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/elric-gesamtausgabe.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ELRIC</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/conan-der-cimmerier-bd-4.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">CONAN DER CIMMERIER</a>. Besonders viel Aufmerksamkeit bekam später seine <a href="https://www.splitter-verlag.de/thorgal-saga-adieu-aaricia.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">THORGAL-SAGA ADIEU AARICIA</a>, bei der er Szenario und Zeichnungen übernahm. Dass Recht Kino ebenso stark mitdenkt wie Comics, überrascht bei SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR kaum. Die Geschichte lebt von filmischen Typen, Timing und Bewegungsabläufen. Mit Hostache verbindet ihn zudem eine langjährige Freundschaft.</p>
<p>Jean-Baptiste Hostache wurde 1981 in Rouen geboren und arbeitete zunächst im Animationsbereich als Dekorateur sowie später als Concept Artist und Production Designer. 2008 erschien <a href="https://www.splitter-verlag.de/clockwerx-bd-1-genesis.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">CLOCKWERX</a>. Danach folgten Arbeiten wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/assassin-s-creed-conspirations.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ASSASIN&#8217;S CREED CONSPIRATIONS &#8211; DIE GLOCKE</a> oder <a href="https://panelwalker.de/2025/10/es-war-einmal-in-amerika-ist-literaturgeschichte-in-bildern/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">ES WAR EINMAL AMERIKA</a>. Er unterrichtete außerdem Concept Art und Storyboarding. Seine Erfahrungen mit Bewegung, Raum und Bildfolge passen erstaunlich gut zu einer Geschichte, die praktisch nie stillsteht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4910" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 11 von JUNIOR AND SENIOR" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-11.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-11-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Innenseite-11-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR ist ein Comic, bei dem ich ziemlich genau weiß, warum ich während der Lektüre grinse und zugleich gelegentlich die Augen verdrehe. Robin Recht und Jean-Baptiste Hostache lieben ihre Vorbilder so sehr, dass sie ihnen manchmal etwas zu dicht auf die Pelle rücken. Manche Pointen sind sehr einfach und die ernsteren Hinweise auf Bürgerkrieg und Sklaverei verschwinden schneller, als mir lieb ist. Besonders Junior braucht künftig mehr Eigenleben, damit aus einer offensichtlichen Terence-Hill-Variation wirklich Junior wird.</p>
<p>Trotzdem funktioniert das Album. Vor allem deshalb, weil unter all den Prügeleien etwas erstaunlich Warmes steckt. Zwei Kerle, die praktisch jedes Problem mit einer Faust lösen könnten, bekommen es ausgerechnet mit sechs Mädchen zu tun und entdecken dabei Verantwortung. Hostaches lebendige Zeichnungen und seine wunderbar staubige Farbgebung erledigen den Rest.</p>
<p>Wer mit Bud Spencer und Terence Hill nichts anfangen kann, wird vermutlich auch aus diesem Comic wenig mitnehmen. Wer dagegen Westernkomödien, klassische frankobelgische Abenteuer und sympathische Grobiane mag, bekommt einen ausgesprochen unterhaltsamen Serienauftakt.</p>
<p>Die Reihe ist auf Fortsetzung angelegt. Recht und Hostache haben bestätigt, dass mindestens ein weiteres Abenteuer geplant ist. Beim zweiten Band dürfen die beiden dann gern etwas weiter von ihren großen Vorbildern wegreiten&#8230; Yiipijajeh!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4901" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Cover-290x400.jpg" alt="Cover von JUNIOR AND SENIOR" width="290" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Cover-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Cover-600x829.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/09/JUNIOR_SENIOR_Cover.jpg 724w" sizes="auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul id="infobox">
<li>SIE NANNTEN SIE JUNIOR &amp; SENIOR 01</li>
<li>Robin Recht und Jean-Baptiste Hostache</li>
<li>Hardcover | 104 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-69258-011-1</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/junior-und-senior-1.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/junior-und-senior-pferde-faeuste-und-sechs-maedchen/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">JUNIOR UND SENIOR – Pferde, Fäuste und sechs Mädchen</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE reist in eine ferne Zukunft</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/09/h-g-wells-die-zeitmaschine-reist-in-eine-ferne-zukunft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 05:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Graphic Novel]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Horror]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Steam-Punk]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitreise]]></category>
		<category><![CDATA[Mathieu Moreau]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Dobremel (Dobbs)]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich liebe Zeitreisegeschichten. ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT, DIE CHRONIKEN DES UNIVERSUMS, DIE WAISE VON PERDIDA oder auch diesen Klassiker von Herbert George Wells &#8211; DIE ZEITMASCHINE. Ich öffne den Comic und habe sofort dieses vertraute Kribbeln. Ich kenne den Roman seit Jahren und ich kenne die Verfilmungen mit Rod Taylor aus dem Jahr 1960 (großartig) und [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/h-g-wells-die-zeitmaschine-reist-in-eine-ferne-zukunft/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">H.G.WELLS – DIE ZEITMASCHINE reist in eine ferne Zukunft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich liebe Zeitreisegeschichten. <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0088763/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_Zur%25C3%25BCck%2520in%2520die%2520Zukunft" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT</a>, <a href="https://panelwalker.de/2025/04/die-fragmentierten-chroniken-des-universums/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">DIE CHRONIKEN DES UNIVERSUMS</a>, <a href="https://panelwalker.de/2025/08/die-waise-von-perdida-im-universum-ist-die-hilfe-selten-nah/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">DIE WAISE VON PERDIDA</a> oder auch diesen Klassiker von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/H._G._Wells" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Herbert George Wells</a> &#8211; DIE ZEITMASCHINE. Ich öffne den Comic und habe sofort dieses vertraute Kribbeln. Ich kenne den Roman seit Jahren und ich kenne die Verfilmungen mit Rod Taylor aus dem Jahr <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0054387/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_die%2520zeitmaschine" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">1960</a> (großartig) und die mit Guy Pearce aus <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0268695/?ref_=tt_mlt_i_1" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">2002</a> (nicht so großartig).</p>
<p>Jede neue Adaption fühlt sich an wie ein weiteres Experiment mit einem bewährten, aber auch zerbrechlichen Klassiker. Man kann ihn behutsam in eine neue Form gießen oder auch auf Schulheftniveau herunter kürzen. Was haben Mathieu Moreau und Oliver Dobremel (kurz Dobbs) mit diesem Comic denn nun gewollt?<span id="more-2782"></span></p>
<h3>Wie viel Wells passt in ein Album</h3>
<p>Dobremel und Moreau treten mit einem gewissen Pomp auf. In Frankreich erscheint die Reihe als großes H.G.Wells-Programm, im Deutschen hat der Splitter-Verlag die Alben als eigenständige Edition in die Regale geholt. Sechs Bände widmen sich den wichtigsten Romanen des Autors, immer mit dem gleichen Szenaristen, unterstützt durch wechselnde Zeichnern. Das verspricht mir narrativ eine klare Linie. Es weckt aber auch den Verdacht, dass hier eher eine Marke gebaut wird als eine wirklich eigenwillige Interpretation. Nun, wir werden sehen.</p>
<p>Schon die Aufmachung wirkt wie ein Statement. Prägedruck, Schuber-Optik, eine Covergestaltung, die so sehr nach Bibliothek aussieht, dass ich fast den Stempel auf dem Vorsatzpapier erwarte. Optisch verkauft mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE, dass ich ein respektvolles, aufwändiges Projekt in Händen halte. Und genau hier beginnt mein Unbehagen mit diesem Band, denn: Respekt allein trägt &#8211; leider &#8211; keine gute Geschichte!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2786" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714.jpg" alt="Innenseite 01 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_01_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Bibliotheksgold mit angezogener Handbremse</h3>
<p>Beim Lesen erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich in Gedanken zum Roman zurückspringe. Ich tue das nicht, weil der Comic mich so sehr in Wells&#8216; Kosmos hineinzieht, sondern weil ich nach dem suche, was mir hier fehlt: die Irritation, die Wut, die kalte Klarheit, mit der Wells seine Gesellschaft sezierte. In der Comicfassung schimmert davon vieles nur noch als Andeutung durch. Die Oberfläche glänzt, der Maschinenraum bleibt erstaunlich &#8211; sauber.</p>
<p>Trotzdem ist da ein gewisser Reiz. Moreau&#8217;s Bilder haben Energie. Der Band liest sich zügig, an ein paar Stellen blättere ich wissbegierig weiter. Und ich erkenne sofort, warum dieser Comic im Unterricht oder im Regal einer Stadtbibliothek eine gute Figur machen würde.</p>
<p>Der Comic bleibt übersichtlich, er bleibt brav und er will niemanden überfordern. Für mich als Leser, der Wells gerade wegen seiner Unbequemlichkeit schätzt, fühlt sich das allerdings eher wie eine Fahrt mit angezogener Handbremse an.</p>
<h3>Dinner in Richmond und der Mann ohne Namen</h3>
<p>Die Handlung beginnt im London des späten 19. Jahrhunderts. Ein namenloser Wissenschaftler lädt eine kleine Runde Herren zum Dinner ein. Darunter ein Arzt, ein Journalist und ein Psychologe.</p>
<p>Schon im Roman bleibt dieses Ensemble bewusst schablonenhaft. Sie spiegeln Reaktionen für die steilen Thesen des Gastgebers. Im Comic reduziert sich diese Gruppe noch weiter. Mehrfach erwische ich mich dabei, wie ich die Nebenfiguren nur an Frisuren und Bärten unterscheiden kann.</p>
<p>Dobbs übernimmt den narrativen Rahmen beinahe eins zu eins. Der Zeitreisende demonstriert zunächst ein Modell seiner Maschine und lässt es vor den Augen der Gäste im Nichts verschwinden. (Wobei ich mich aus heutiger Sicht immer schon gefragt habe, warum er den entgegen gesetzten Weg geht? Prototypen sind üblicherweise groß und wuchtig. Die Miniaturisierung setzt üblicherweise später ein. Hier jedoch nicht.)</p>
<p>Die Szene funktioniert in Bildern erstaunlich gut. Moreau inszeniert die Apparatur als Mischung aus viktorianischem Möbel und Steam-Punk-Requisite mit viel Kupfer, Zahnrädern und leuchtenden &#8222;Elektronenröhren&#8220;. Hier spüre ich kurz den Zauber, den mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE verspricht.</p>
<p>Die eigentliche Reise startet jedoch Off-Screen. Der Band steigt in der Rückblende ein. Der Zeitreisende verschwindet aus dem Speisezimmer, die Gäste warten und plötzlich steht er wieder in der Tür, abgemagert, verwildert und voller Schrammen. Der Comic bleibt nah an dieser Vorlage. Die Panels zeigen einen Mann, der eben noch ein Gentleman war und nun aussieht, als sei er durch eine ganze Epoche geprügelt worden.</p>
<p>Trotzdem habe ich das Gefühl, dass sein Erschrecken übertrieben bleibt. Seine Augen sind weit aufgerissen, seine Körperhaltung überzeichnet. Die Figuren spielen Drama-Baby-Drama, statt dass sich ein Abgrund auftut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2787" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714.jpg" alt="Innenseite 02 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_02_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wie der Salon zur Kulisse schrumpft</h3>
<p>Im Roman erzählt der Zeitreisende den weiteren Verlauf in langen Monologen. Dobbs kürzt diesen Bericht stark zusammen. Er legt die Erzählung in einen Tagebuch-Modus, baut Textkästen ein, die wie Notizen wirken.</p>
<p>Dadurch bleibt zwar das Prinzip des Rahmenberichts erhalten, gleichzeitig verliert die Geschichte aber einen Teil ihrer Tiefe. Die Gäste im Salon verschwinden fast komplett. Der Erzähler, der eigentlich alles im Nachhinein wiedergibt, wirkt im Comic nur noch wie ein technischer Kniff.</p>
<p>So beginnt eine Reise, die eigentlich von Wahrnehmung und Erinnerung handelt, hier aber vor allem den Plot anschiebt. Das Dinner wird zur Pflichtübung. Es eröffnet die Bühne, statt selbst Teil des Theaters zu sein.</p>
<h3>Eine weit entfernte Zukunft</h3>
<p>Der Sprung in die Zukunft führt den Zeitreisenden ins Jahr 802 701. Mehrere Seiten widmen sich dem ersten Blick auf diese Welt. Moreau erlaubt sich hier endlich größere Bilder. Verwilderte Architektur, überwachsene Ruinen, eine Sphinx, die gleichzeitig vertraut und doch fremd wirkt. Die Farbpalette kippt in sanfte Grüntöne und pastellfarbene Himmel. Auf den ersten Blick sieht alles einladend aus.</p>
<p>Hier begegnet der Protagonist den Eloi. Kindliche Menschen, androgyn, mit großen Augen und weichen Konturen. Der Comic betont ihre Naivität sehr stark. Sie lachen, sie spielen, sie essen Früchte. Sprache wirkt fast überflüssig.</p>
<p>Viele Panels verzichten auf Dialoge, was die Oberfläche tatsächlich paradiesisch erscheinen lässt. Gleichzeitig raubt diese Stille den Eloi jedoch jede Ambivalenz. Sie erscheinen nicht wie eine degenerierte Oberschicht, eher wie eine Mischung aus Manga- und Werbefiguren für vegane Picknickkörbe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2788" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717.jpg" alt="Innenseite 03 von DIE ZEITMASCHINE" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717.jpg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_03_1000X717-600x837.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /></p>
<h3>Ein Mädchen namens Weena</h3>
<p>Weena, die junge Eloi, die der Zeitreisende vor dem Ertrinken rettet, soll emotionale Erdung bringen. Im Roman ist sie Projektionsfläche und tragische Figur. In dieser Fassung bleibt sie erstaunlich blass. Sie hängt an seinem Arm, sie lächelt, sie fürchtet die Dunkelheit. Viel mehr erfahren wir nicht. </p>
<p>Gleichzeitig bildet sich der Zeitreisende erstaunlich schnell ein Urteil. Im Roman ringt der Forscher mit der Frage, ob er eine veredelte Menschheit oder ein Endstadium der Dekadenz sieht. Hier legt er seine Hypothesen in wenigen Sprechblasen vor. Er deutet auf Ruinen, er zieht Schlussfolgerungen und schon stehen Eloi und Morlocks als fixiertes Gleichnis da. Raum für Zweifel oder für alternative Lesarten gibt es kaum.</p>
<p>Dieser Mittelteil, in dem sich der Held im scheinbaren Paradies bewegt, könnte der Moment der größten Verunsicherung sein. Stattdessen lese ich ihn wie eine sauber illustrierte Inhaltsangabe. Schöne Bilder, klare Informationen, wenig Reibung. Ich verstehe, was mir H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE erzählen will. In dieser Version fühle ich es nur nicht mehr.</p>
<h3>Unter Tage mit den Morlocks</h3>
<p>Erst als die Zeitmaschine verschwindet, zieht der Comic die erzählerische Schraube wieder an. Der Zeitreisende sucht verzweifelt nach seinem Gefährt, erkennt nach und nach die seltsamen Schächte in der Landschaft und wagt den Abstieg in die Tiefe.</p>
<p>Nun werden die Panels dunkler, Grün und Ocker weichen kalten Blautönen und schmutzigem Grau. Moreau inszeniert die Unterwelt als Mischung aus Industriehöhle (oder doch -hölle?) und Insektenbau.</p>
<p>Die Morlocks treten als bleiche Kreaturen mit roten Augen auf. Ihre Körperhaltung erinnert an Raubtiere. Sie kriechen, sie klettern, sie stürzen sich auf ihre Beute. Das wirkt auf den ersten Blick bedrohlich und erfüllt seine Funktion als Schreckmoment (vor allem für jüngere Leser).</p>
<p>Gleichzeitig nimmt die Inszenierung der Morlocks ihnen jede Tragik. Sie erscheinen nur noch als Monster, nicht mehr als pervertierte Arbeiterklasse, die Opfer und Täter zugleich ist. Die nüchterne Grausamkeit, die Wells in seinen Beschreibungen anlegt, verwandelt sich in vertraute Horrorsprache.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2789" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717.jpg" alt="Innenseite 04 von DIE ZEITMASCHINE" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717.jpg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_04_1000X717-600x837.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /></p>
<h3>Aktion im Halbdunkel</h3>
<p>Dramaturgisch arbeitet Dobbs hier mit klaren Spannungsfeldern: Attacke, Flucht, Feuer und Rettung in letzter Sekunde. Die Jagdsequenzen lesen sich schnell und flüssig.</p>
<p>Trotzdem wirkt die Bedrohung oft mechanisch. Ich weiß, dass der Held jetzt stolpern muss und dass er ein paar Seiten später wieder auf die Beine kommt. Der Comic orientiert sich stark an den vertrauten Abenteuervorgaben.</p>
<p>Die späteren Sprünge, weit hinaus in die fernste Zukunft, bekommt ich zwar noch zu sehen. Die einsame Küste, der blutrote Himmel, seltsame Meerestiere und der erlöschende Sonnenball tauchen in eindrucksvollen Bildern auf. Trotzdem bleibt dieser Abschnitt erstaunlich kurz.</p>
<p>Wo der Roman in diesem Finale einen kosmischen Schock auslöst, reiht die Adaption ein paar Albtraum-Tableaus aneinander und kehrt rasch zum viktorianischen Salon zurück.</p>
<p>Die Rückkehr des Zeitreisenden, sein zweiter, endgültiger Aufbruch und das offene Ende, das bei Wells so bitter nachhallt, geraten dadurch fast zum Epilog. Die Gäste akzeptieren seine Geschichte oder tun zumindest so. Der Erzähler bleibt mit seiner Erinnerung zurück und ich mit dem Gefühl, dass hier eine existentielle Erfahrung auf die Länge eines TV-Teasers gestutzt wurde.</p>
<h3>Illustrierte Kurzfassung</h3>
<p>Nach knapp der Hälfte des Bands wird deutlich, wie sehr der Comic H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE unter seiner eigenen Kürze leidet. Fünfundfünfzig, sechsundfünfzig Seiten müssen einen Roman auffangen, der zwar schmal wirkt, aber inhaltlich sehr dicht ist.</p>
<p>Andere Adaptionen teilen vergleichbares Material auf mehrere Bände auf. Diese Fassung versucht, alles in ein einziges Album zu pressen. Die Folge ist eine Art Luxus-Readers-Digest. (Was, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Reader%E2%80%99s_Digest" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Reader&#8217;s Digest</a> kennt hier keiner mehr? Jetzt fühle ich mich auch alt&#8230;)</p>
<p>Dobbs schafft einen vagen Eindruck von Vollständigkeit, da er fast alle Schlüsselszenen übernimmt: das Dinner, der Sprung, das Erwachen bei den Eloi, Weena&#8217;s Rettung, der erste Kontakt mit den Morlocks, die ferne Zukunft oder auch den zweiten Aufbruch. Es fehlt kaum ein Baustein. Was fehlt, ist der Raum zwischen diesen Steinen.</p>
<p>Der Comic kennt wenig Übergänge, wenig Nachklang. Ein Ereignis jagt das nächste. Die Reflexionen des Zeitreisenden rutschen in Textkästen, die sich manchmal wie Pflichtprogramm lesen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2790" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714.jpg" alt="Innenseite 05 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_05_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wenn Treue zur Fessel wird</h3>
<p>Besonders deutlich spüre ich das bei der sozialkritischen Ebene des Stoffes. Wells treibt im Roman ein grausames Gedankenexperiment voran. Was passiert, wenn Klassentrennung, Ausbeutung und Bequemlichkeit über Jahrtausende weiterlaufen?</p>
<p>Die Antwort ist unbequem und schwer verdaulich. Der Comic benennt dieses Thema, aber er kostet es nicht aus. Einige Dialoge erwähnen Dekadenz und Arbeitswelt, doch die Bilder interessieren sich stärker für dramatische Lichtstimmungen als für soziale Strukturen.</p>
<p>Ich habe den Eindruck, dass Dobbs sich sehr davor hütet, eigene Akzente zu setzen. Er will nicht interpretieren, er will einen Klassiker verwalten, der möglichst vielen Lesern zugänglich bleiben soll. Das erklärt die Treue zum Ablauf. Die Adaption wirkt brav, fast ängstlich. Sie vermeidet jede Zuspitzung, die den Geist der Vorlage in unsere Gegenwart ziehen könnte.</p>
<p>So entsteht ein merkwürdiger Zwischenzustand. Der Band ist mehr als ein reines Schülerheft, weil er atmosphärisch sorgfältig arbeitet. Gleichzeitig ist er weniger als eine eigenständige Graphic Novel, weil er sich strikt an eine hundertdreißig Jahre alte Dramaturgie kettet, ohne deren Radikalität zu übernehmen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2816" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700.jpg" alt="" width="1000" height="700" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700.jpg 1000w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-300x210.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-750x525.jpg 750w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-150x105.jpg 150w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-768x538.jpg 768w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_09_10_1000X700-600x420.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></p>
<h3>Kupferglanz, Nebel und digitale Blitze</h3>
<p>Die Zeichnungen finde ich bemerkenswert. Sie haben mich zu diesem Album gebracht. Moreau liefert sichtbar durchdachte Arbeit. Sein Strich mixt klassische franko-belgische Figuren mit moderner Dynamik. Die Hintergründe tragen viel zu meinem Vergnügen bei.</p>
<p>Ob viktorianische Bibliothek, Gewächshaus oder überwachsenes Sphinx-Plateau, überall wimmelt es von Details. Zahnräder, Bücher, Flaschen, Pflanzen, Nebelschwaden: man merkt, dass Moreau Erfahrung aus Illustration und Concept-Art mitbringt.</p>
<p>Die Zeitmaschine selbst ist ein schönes Stück Design. Das Gefährt wirkt gleichzeitig vertraut und ein bisschen überdreht. Messing, Holz, Glas, eine große Uhr als Hintergrundmotiv. In einigen Panels scheint das Gerät fast zu schweben, begleitet von Licht, das den Sprung durch die Zeit visualisiert.</p>
<p>Eine Doppelseite, in der sich die Panels spiralförmig um eine Uhr winden, inszeniert den Zeittunnel mit spürbarer Lust an der Form. Hier nutzt der Band das Medium Comic wirklich aus.</p>
<p>Auch die Farbgebung überzeugt mich zunächst. Die Gegenwart in London erscheint in warmen Brauntönen. Der Eloi Garten im weichen Grün. Die Höhlen der Morlock in blauen Schatten, durchbrochen von kränklichem Kunstlicht. Moreau legt klare Farbcodes für Stimmungen an. Das macht den Band gut lesbar, gerade für Einsteiger.</p>
<p>Trotzdem wirkt manches wie aus dem Baukasten moderner Digitalcomics mit ihren Lichtreflexen, Glüheffekten und Nebeltexturen. Ab und zu fehlt mir die Härte eines konsequenten Hell-Dunkel-Kontrasts.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2791" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714.jpg" alt="Innenseite 06 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_06_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Wenn die Figuren den Horror weglächeln</h3>
<p>Problematischer finde ich die Figuren. Körperhaltung und Mimik sitzen in den Actionszenen meistens gut. Wenn jemand rennt, stolpert, fällt, dann spüre ich die Bewegung. In ruhigen Momenten kippt der Stil jedoch zu oft ins cartooneske.</p>
<p>Manche Gesichter wirken überdehnt. Augen werden zu großen Ovale, Münder klaffen in fast schon slapstickhafter, mangaesker Manier. Das untergräbt den Ernst einer Szene, in der es um Kannibalismus, Entfremdung und den Untergang der Sonne geht.</p>
<p>Die Panel-Architektur bleibt insgesamt konventionell. Saubere Raster, gelegentliche Schrägen, einige Splashpages. Nichts verwirrt, nichts fordert heraus. Das ist angenehm für Leser, die nicht ständig auf die Seitenkomposition achten möchten.</p>
<p>Für mich bleibt es aber hinter dem Potential zurück, das gerade ein Stoff wie dieser bietet. Eine Welt, in der Zeit, Raum und Wahrnehmung zusammenprallen, könnte auch formal kühner aussehen. H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE traut sich an dieser Stelle nur selten aus der Komfortzone.</p>
<h3>Zwei Profis, ein sehr sicherer Kurs</h3>
<p>Olivier Dobremel (Dobbs) hat sich in den letzten Jahren eine Art Spezialrolle erarbeitet. Er adaptiert Literaturklassiker und historisches Material für den Comic.</p>
<p>Dobbs bringt Serien wie Scotland Yard, Mister Hyde vs Frankenstein oder eine Reihe über Filmregisseure und Serienkiller auf den Markt. Er hat Filmgeschichte studiert und kennt die Mechanik der Genre-Geschichten. Genau das merkt man H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE an, im Guten wie im Schlechten.</p>
<p>Dobbs beherrscht die Struktur. Er weiß, wann ein Kapitel kippen muss, kennt die ikonischen Momente, die man nicht unterschlagen darf und konstruiert Alben, die sich flott und ohne Hänger lesen lassen.</p>
<p>Gleichzeitig wirkt sein Schreiben oft wie ein gut eingespieltes System. Er sortiert Material, er ordnet, er balanciert. Mut zu Radikalität, zu Lücken, zu unangenehmen Brüchen zeigt er selten. Bei Wells wäre genau diese Radikalität aber interessant gewesen. Warum nicht stärker mit Perspektiven spielen? Oder den Erzähler zweifeln lassen? Hätte man die Morlocks nicht auch als Opfer illustrieren können, statt sie nur als Monstren zu liefern?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2792" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714.jpg" alt="Innenseite 07 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_07_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Die glatte Effizienz der Adaptionenfabrik</h3>
<p>Mathieu Moreau kommt aus einer anderen Ecke. Ausbildung an einer Grafikschule in Nantes, Erfahrungen in der Videospielbranche und in Jugendbuchillustration. Seine erste größere Serie, ein Sci-fi-Zyklus um einen fremden Planeten, zeigt bereits seine Vorliebe für detailreiche Welten und glühende Farbakzente.</p>
<p>Später arbeitet er an Adaptionen von Jugendromanen. In diesem Kontext wirkt H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE fast wie eine perfekte Schnittstelle seiner Biografie. Ein bisschen Jugendbuch, ein bisschen Konzeptkunst, viel Genre. Das hat Vorteile und die Leser wissen, was sie stilistisch erwartet.</p>
<p>Es hat aber auch einen Nachteil. Das Ganze wirkt wie eine kleine Fabrik. Man spürt die Serienlogik, den Wunsch nach einem wiedererkennbaren Produkt.</p>
<p>Ich will Dobbs und Moreau nicht unterstellen, lieblos zu arbeiten. Im Gegenteil. Gerade Moreau steckt sichtbar viel Mühe in Architektur, Mimik, Lichtsetzung. Aber ich vermisse ein persönliches Risiko, die Experimentierfreude bei einem Stoff, der dies durchaus unterstützt hätte. Das Gefühl, dass sich hier zwei Künstler mit Wells anlegen, statt ihn zu glätten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2793" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714.jpg" alt="Innenseite 08 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_08JPG_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Zwischen Andeutung und Entschärfung</h3>
<p>Auch der Umgang mit der Gegenwart des Zeitreisenden bleibt erstaunlich milde. Wells legt seinem Helden einige sehr deutliche Bemerkungen über den eigenen Stand und über die Gesellschaft in den Mund. Die Comicfassung streift diese Einsichten, führt sie aber nicht aus.</p>
<p>Man könnte sagen, sie verlagert die Kritik nach hinten. Wer will, kann sie sich aus dem Gelesenen zusammensetzen. Wer einfach nur eine Abenteuergeschichte lesen möchte, muss sie nicht beachten. An dieser Stelle merke ich wieder, dass der Comic nur 56 Seiten Zeit hat.</p>
<p>Ich verstehe, warum die Adaption diesen Weg wählt. Der Band soll in verschiedenen Ländern funktionieren, er richtet sich auch an junge Leser, die vielleicht zum ersten Mal mit Wells in Berührung kommen. Trotzdem wünschte ich mir mehr Mut.</p>
<p>Die Gegenwart, in der wir diesen Comic lesen, kennt ihre eigenen Morlocks und Eloi. Menschen, die in Logistikzentren ohne Tageslicht Pakete sortieren. Menschen, die sich in klimatisierten Büros über Lieferprobleme beklagen. Eine Adaption, die ihre Vorlage ernst nimmt, könnte diese Brücke schlagen. H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE deutet sie nur an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2796" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714.jpg" alt="Innenseite 11 von DIE ZEITMASCHINE" width="714" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714.jpg 714w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-300x420.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_INNENSEITE_11_1000X714-600x840.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 714px) 100vw, 714px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Nach knapp dreihundert Seiten Romanmaterial, zusammengepresst auf gut fünfzig Comicseiten, schlage ich H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE zu und habe ein zwiespältiges Gefühl. Handwerklich solide, stellenweise schön anzusehen, thematisch wichtig, aber als Gesamtwerk weniger mutig, als es sein Stoff verdient.</p>
<p>Wenn ich nur die Optik bewerte, kann ich den Band empfehlen. Moreau inszeniert Räume, Licht, Maschinen und Landschaften mit sichtbarer Lust. Wer Freude an sorgfältig gebauten Szenarien hat, kommt auf seine Kosten.</p>
<p>Wer Wells noch nicht gelesen hat und eine erste Annäherung sucht, findet hier eine gut lesbare, straff erzählte Fassung. Der Comic zeigt die wichtigsten Stationen, er verliert sich nie in Nebenschauplätzen.</p>
<p>Wenn ich den Band jedoch als eigenständige Graphic Novel betrachten würde, bliebe ich auf Distanz. Der Text vertraut zu sehr auf die Vorlage. Er übernimmt die Struktur, ohne sie wirklich in ein neues Medium zu übersetzen. Er übernimmt die Themen, ohne sie auf die Gegenwart zu schärfen und die Figuren, ohne ihnen zusätzliche Tiefe zu geben.</p>
<p>Das Ergebnis wirkt wie ein hochwertiger Begleitband zum Roman, nicht wie eine Adaption, die selbst atmet &#8211; leider.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-2785" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-300x400.jpg" alt="Cover von DIE ZEITMASCHINE" width="300" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-300x400.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-113x150.jpg 113w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750-600x800.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2025/12/DIE-ZEITMASCHINE_COVER_1000X750.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<!-- /wp:post-content -->

<!-- wp:paragraph -->
<ul id="infobox">
<li>H.G.WELLS &#8211; DIE ZEITMASCHINE</li>
<li>Mathieu Moreau und Oliver Dobremel</li>
<li>Hardcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96792-293-6</li>
<li>Storyline: ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/h-g-wells-die-zeitmaschine.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/09/h-g-wells-die-zeitmaschine-reist-in-eine-ferne-zukunft/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">H.G.WELLS – DIE ZEITMASCHINE reist in eine ferne Zukunft</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>MALCOLM MAX 7 &#8211; AM ENDE DER ZEIT beendet das Double</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/malcolm-max-am-ende-der-zeit-beendet-das-double/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 05:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
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		<category><![CDATA[Gothic Novel]]></category>
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		<category><![CDATA[Peter Mennigen]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich mag Ingo Römlings Arbeit seit seinem ersten MALCOLM-MAX-Band. Inzwischen habe ich bei seinen Arbeiten ein persönliches, kleines Ritual und schaue zuerst auf die Bilder, bevor ich die Sprechblasen lese. Bei MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT lohnt sich das wieder besonders. London riecht wieder nach kaltem Rauch, schlechtem Alkohol und nassen Mänteln. Später [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/malcolm-max-am-ende-der-zeit-beendet-das-double/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">MALCOLM MAX 7 – AM ENDE DER ZEIT beendet das Double</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mag Ingo Römlings Arbeit seit seinem ersten MALCOLM-MAX-Band. Inzwischen habe ich bei seinen Arbeiten ein persönliches, kleines Ritual und schaue zuerst auf die Bilder, bevor ich die Sprechblasen lese.</p>
<p>Bei MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT lohnt sich das wieder besonders. London riecht wieder nach kaltem Rauch, schlechtem Alkohol und nassen Mänteln. Später springt die Geschichte nach Afrika, in einen Dschungel voller feuchter Grüntöne und kurz darauf in eine Welt außerhalb der mir vertrauten Zeit. Die Farben erzählen mir, wo ich bin und wie sicher sich dieser Ort anfühlt. Doch dazu später mehr.</p>
<p><span id="more-4728"></span></p>
<p>Peter Mennigen setzt genau dort an, wo Band 6 &#8211; <a title="MALCOLM MAX 6 – DER KANNIBALE VON LONDON geht um" href="https://panelwalker.de/2026/05/malcolm-max-6-der-kannibale-von-london-geht-um/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">DER KANNIBALE VON LONDON</a> aufgehört hat. Malcolm hat Charisma, Emmeline und Miranda verloren. Nicht im übertragenen, symbolischen Sinn. Nein, ganz konkret: eine Zeitmaschine hat die drei verschluckt und Malcolm weiß nicht einmal, ob sie in einer anderen Epoche noch am Leben sind. Das gibt dem sonst so schlagfertigen Geisterjäger etwas, das mir in diesem Band besonders gefällt. Hinter seinen Sprüchen sitzt dieses Mal echte Verzweiflung.</p>
<p>Gleichzeitig will Mennigen zum Abschluss dieser zweiteiligen Geschichte sehr viel. Abenteuer, Horror, Zeitreise, historische Gastfigur, Parallelwelt, Weltuntergang und Familiendrama drängen auf relativ engem Raum zusammen. Das ist spannend erzählt, aber auch ein Punkt, an dem der Band gelegentlich über seine eigenen Ideen stolpert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4733" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-03_1000X715.jpg" alt="Innenseite 03 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-03_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-03_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-03_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Im Jahr 1895 schlägt die Wirklichkeit zurück</h3>
<p>Bevor die Handlung richtig Fahrt aufnimmt, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Jahr, in das Charisma und die Finch-Schwestern durch den Zeit-Sog geraten sind.</p>
<p>1895 ist für eine Zeitreisegeschichte beinahe unverschämt passend. In diesem Jahr erschien <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeitmaschine" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">H. G. Wells’ THE TIME MACHINE</a> als Buch (und über den Comic gleichen Namens von Dobbs und Mathieu Moreau berichte ich in der kommenden Woche). Wells machte die Reise durch die Zeit zu einem technischen Gedankenexperiment und nicht bloß zu einem Märchenmotiv. Dass Charisma ausgerechnet 1895 landet, ist deshalb ein hübsches, historisches Augenzwinkern.</p>
<p>Noch interessanter ist zudem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_Kingsley" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Mary Henrietta Kingsley</a>. Sie ist keine Erfindung Mennigens. Die britische Reisende war 1895 tatsächlich in Westafrika unterwegs und bereiste unter anderem das Gebiet des heutigen Gabun. Sie fuhr den Ogooué hinauf, bewegte sich mit afrikanischen Begleitern und Dolmetschern durch Regionen, die für europäische Reisende damals nur unzureichend kartiert waren und sammelte naturkundliche Objekte. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie später in ihrem Buch <a href="https://www.amazon.de/Travels-West-Africa-Penguin-Classics/dp/0141439424/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1B6I0DWQQQT3S&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.zoTjEl0qJLEGRAWU_qbriWzxYigS4u2Z-dz0baNX264RGEgcNpRfoxKlZM_X4Zqsc7eINAGQNgMZHik_kG4AmCp9n0yWrTd833M3FbpFUUZ8dhB9NbGcTcl1DyMeev6sfbbgX-N-vIqqSXPEKvVwW7RkuxWrV3Cu5Ly-J1WY3D6E4c0PCRUPzCDolyODpO1AvEkzF9YFHDoUImEPKPr9h2MeH72SWvdWrKfh9Tgtkjk.0SSpnTLGB4S9dW6gYSZ8SG2sm1ydNfrkkjxbvVckWfU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=mary+kingsley+travels+in+what+africa&amp;qid=1787482336&amp;sprefix=mary+kingsley+travels+in+wst+africa%2Caps%2C127&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">TRAVELS IN WEST AFRICA</a>.</p>
<p>Heute gehört zu dieser Geschichte selbstverständlich auch der koloniale Rahmen, in dem solche Expeditionen stattfanden. Kingsley war eine emanzipierte, eigenwillige Frau, die die Erwartungen an Frauen ihrer Zeit durchbrach. Darum passt sie sehr gut in das MALCOLM-MAX-Universum. Zugleich bewegte sie sich selbstverständlich innerhalb einer europäischen Welt, die Afrika erforschte, ordnete und für sich beschrieb.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4734" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-04_1000X715.jpg" alt="Innenseite 04 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-04_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-04_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-04_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Verlorene Stunden in London</h3>
<p>Wer den ersten Band &#8211; und / oder meinen Artikel zu MALCOLM MAX 6 &#8211; DER KANNIBALE VON LONDON &#8211; gelesen hat, kennt die Ausgangslage. Dort spielten mehrere Geschichten nebeneinander, ineinander.</p>
<p>In Londons East End trieb ein Mörder sein Unwesen, dessen Opfer bis auf die Knochen abgenagt wurden. Malcolm und Charisma gerieten bei ihren Ermittlungen an Kreaturen, die selbst für ihre beruflichen Maßstäbe außergewöhnlich waren. Emmeline und Miranda untersuchten Erdbeben, während im Hintergrund ein Physiker an einer Erfindung arbeitete, die das Problem der Zeit selbst lösen sollte. Der Mann handelte bekanntlich nicht aus wissenschaftlicher Neugier, sondern um seine todkranke Tochter zu retten. Aus diesem privaten Wunsch wuchs eine Katastrophe, die am Ende auch Malcolm und seine Gefährtinnen erfasste.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4735" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-05_1000X715.jpg" alt="Innenseite 05 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-05_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-05_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-05_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>Band 7 beginnt nun mit den Folgen im London des Jahres 1889. Malcolm sitzt betrunken in einer Gaststätte und wirkt zum ersten Mal seit langem nicht wie jemand, der schon den nächsten frechen Satz vorbereitet. Die Zeitmaschine ist außer Kontrolle geraten und zerstört, Charisma und die beiden Schwestern sind verschwunden und für Malcolm ist dabei nicht nur die Entfernung das Problem. Ein paar Sekunden für ihn können für die anderen Jahre bedeuten. Vielleicht sogar ein ganzes Leben.</p>
<p>Mennigen lässt ihn trotzdem nicht allzu lange im Selbstmitleid versinken. Malcolm trinkt, flucht, macht Witze und geht voran. Der Humor nimmt seinem Verlust nicht die Wirkung. Er zeigt, wie Malcolm tickt und versucht, überhaupt handlungsfähig zu bleiben. So bekommt der großspurige Geisterjäger eine Verletzlichkeit, die der Serie insgesamt gut tut.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4736" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-06_1000X715.jpg" alt="Innenseite 06 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-06_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-06_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-06_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Zwei Jahre zurück, sechs Jahre voraus</h3>
<p>Parallel dazu führt mich Mennigen zurück ins Jahr 1887 (minus zwei Jahre). Der Physiker Elias Sinclair, ja der mit der Zeitmaschine, ist in Zentralafrika unterwegs. Er sucht nach einer geheimnisvollen Energiequelle, die seine Maschine antreiben soll. Die Expedition endet schließlich in einer Höhle, in der nicht nur gewaltige Knochen liegen. Eine schwarze, kaum fassbare Kreatur greift die Männer an. Sinclair überlebt als Einziger. Was er von dieser Reise mitbringt, wird später Teil jener Kette von Ereignissen sein, die sowohl London als auch die Zeit selbst gefährden.</p>
<p>Achtzehn Monate liegt seine sterbende Tochter im Samantha Hopkins Hospital for Women. Hier liegt für mich einer der wichtigeren Gedanken der Doppelfolge. Die Zeitmaschine entsteht aus Trauer und Angst. Sinclair will den Tod nicht akzeptieren. Darin steht er Malcolm näher, als es zunächst aussieht. Beide Männer versuchen, einen Verlust rückgängig zu machen. Der eine baut dafür eine Maschine. Der andere jagt durch Zeiten und Welten, weil er Charisma und die Finch-Schwestern zurückholen will.</p>
<p>Die Halbvampirin Charisma landet derweil nicht in Malcolms Jahr, sondern 1895 (plus sechs Jahre) im heutigen Gabun. Dort treffen sie, Emmeline und Miranda auf Mary Kingsley.</p>
<p>Dieser Handlungsstrang fühlt sich sofort anders an. Charisma muss nicht mehr Malcolms Widerpart spielen. Sie bekommt Raum für eigene Entscheidungen. Kingsley ist dafür eine passende Partnerin. Sie tritt tatkräftig, neugierig und erstaunlich unerschrocken auf. Bald führt die Reise zu einem europäischen Außenposten, der verlassen wirkt, während etwas aus dem Dschungel die Gruppe beobachtet. Die Abenteuerlust bekommt dadurch gleich einen dunkleren Unterton.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4737" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Die Zeit und ihre Richter</h3>
<p>Während Charisma mit sehr irdischen Gefahren kämpft, landet Malcolm in einer deutlich verrückteren Ecke der Geschichte. Fremdartige Gestalten greifen ihn auf und bringen ihn vor die Chronologen. Diese Wesen verstehen sich als Hüter der Zeit. Für sie ist Malcolm kein Held, sondern ein Störenfried, der durch seine Reisen elementare Regeln verletzt und den Fortbestand des Raum-Zeit-Gefüges gefährdet hat.</p>
<p>Ich mag diese Passage, zum Einen weil ich Zeitreisen mag, zum Anderen weil Mennigen die kosmische Größe mit Bürokratie erdet. Malcolm steht vor einem Gericht, das über die Ordnung des Universums wacht. Selbst dort kann er den Mund nicht halten. Seine Ironie trifft auf eine Umgebung, in der alles endgültig und feierlich wirken soll. Römling wechselt farblich in kühlere Blau-, Grau- und Grüntöne. Mantel, Haltung und Gesichtsausdruck halten Malcolm zusammen, während rund um ihn die Realität aus den Fugen gerät.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4738" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>Das kleine Problem liegt in der Menge dessen, was ich als Leser hier kennen und verstehen soll. Der Comic muss erklären, wer die Chronologen sind, was Malcolm getan haben soll und warum daraus eine Gefahr für alles entsteht. Gleichzeitig warten Charisma und Sinclair auf ihre Fortsetzung. Einige Seiten werden dadurch voller, als es ihnen gut tut. Mennigen schreibt gern ausführliche Dialoge. Hierdurch bremsen einzelne Textblöcke aber den Sog, den Römlings Bilder gerade aufgebaut haben.</p>
<p>Trotzdem bleibt die Konstruktion auf ihre Weise übersichtlich. Farben und Schauplätze geben jedem Erzählstrang ein eigenes Gesicht. Ich musste nie zurückblättern, um herauszufinden, in welchem Jahr ich gerade stecke, auch wenn dies mit den zeitlichen Hin-und-Her-Gehopse durchaus hätte schief gehen können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4739" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Die letzte Stunde vor dem Nichts</h3>
<p>Charismas Reise wird derweil zum klassischen Abenteuerstoff. Sie und ihre Begleiterinnen geraten an kriegerische Frauen, tödliche Kreaturen und Orte, an denen die bekannte Zivilisation nur noch eine ferne Behauptung ist.</p>
<p>Ingo Römling kann sich zeichnerisch wahrlich austoben. Pflanzen, Wasser, verfallene Gebäude und Monster bekommen Gewicht und Oberfläche. Besonders gern sehe ich, wie er Gefahr zunächst am Rand eines Panels auftauchen lässt. Ein Schatten reicht ihm, während das Grauen danach erst die ganze Seite beanspruchen darf.</p>
<p>Malcolm hat solche Probleme nicht. Sein Weg führt konsequent in eine andere, entgegengesetzte Richtung. Je weiter Charisma in eine sehr körperliche Welt aus Schlamm, Moskitos und Dschungel gerät, desto abstrakter wird seine Reise. Die Flucht vor den Chronologen schleudert ihn schließlich in einen Zeitstrom und weiter bis an den Punkt, an dem nicht nur seine persönliche Geschichte enden könnte.</p>
<p>Der Comic macht aus dem drohenden Weltuntergang kein stilles philosophisches Finale. Malcolm Max bleibt Malcolm Max. Also gibt es Tempo, groteske Bilder, Witze im falschen Augenblick und einen Helden, der sich selbst dann noch weigert, eine kosmische Entscheidung einfach nur hinzunehmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4740" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Was man von einer anderen Ebene sieht</h3>
<p>Für mich funktioniert MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT am besten, wenn der Band Zeit nicht als technische Spielerei behandelt, sondern als etwas Persönliches. Sinclair will zurück, weil seine Tochter stirbt. Malcolm will vorwärts, rückwärts oder irgendwohin, solange er nur Charisma und die Mädchen wiederfindet. Charisma selbst muss akzeptieren, dass sie außerhalb ihrer vertrauten Welt handeln kann. So bekommt das große Zeitreisegerüst eine emotionale Mitte.</p>
<p>Auch formal passt vieles zusammen. Römling trennt Epochen und Räume über Licht und Farbe. London trägt Braun- und Ockertöne, Gabun wirkt feucht und grün, die Welt der Chronologen kühl und fremd. Dadurch kann Mennigen schnell schneiden, ohne die Orientierung zu verlieren. Römlings besondere Gabe liegt für mich seit Jahren in den Mimiken: Müdigkeit, Trotz, Ekel, Unsicherheit und Schadenfreude sitzen sichtbar in den Gesichtern seiner Figuren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4741" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<p>Mennigens Kunstfertigkeit &#8211; und damit vielleicht auch seine größte Schwäche &#8211; ist sein Wunsch, möglichst wenig aufzugeben. Jede Idee bekommt noch eine Erklärung, jeder Schauplatz noch eine Wendung. Die Geschichte wirkt nach ihrem Abschluss zeitweise wie ein Koffer, der nur unter Druck zugeht. Die Handlung bleibt verständlich, aber nicht jede Station bekommt ausreichend Raum. Eine Kürzung hier oder dort hätte den dramatischen Verlauf präziser machen können. Oder einfach ein paar Seiten mehr &#8211; das ginge natürlich auch.</p>
<p>Und doch ist genau diese Überfülle auch Teil des Reizes der Marke MALCOLM-MAX. Die Serie war nie eine zurückhaltende. Sie liebt viktorianischen Schauer, Pulp, alberne Spitzen, Monster und große Gefühle. MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT treibt all das bis an die Grenzen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4742" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-12_1000X715.jpg" alt="Innenseite 12 von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-12_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-12_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_INNENSEITE-12_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>MALCOLM MAX 7: AM ENDE DER ZEIT ist für mich ein guter, lesenswerter Abschluss dieser zweiteiligen Geschichte. Aber kein exzellenter. Dafür ist der Band zu voll und der Afrika-Erzählstrang trägt Bilder in sich, die ich aus heutiger Sicht gern deutlicher distanzierter gesehen hätte. Trotzdem schließt Peter Mennigen die große Zeitreisehandlung mit Tempo, Gefühl und genügend Irrsinn ab.</p>
<p>Vor allem Ingo Römling hält die vielen Ebenen zusammen. Seine Bilder geben jedem Zeitsprung eine eigene Stimmung und Malcolm erhält von seinen &#8222;Vätern&#8220; eine überraschend verletzliche Seite.</p>
<p>Am Ende bleibt bei mir weniger der Weltuntergang hängen als die simple Angst, jemanden für immer verloren zu haben. An dieser Stelle wird aus der großen Zeitreise wieder eine sehr menschliche Geschichte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4732" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_COVER_1000X716-286x400.jpg" alt="Cover von MALCOLM MAX 7 - AM ENDE DER ZEIT" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_COVER_1000X716-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_COVER_1000X716-600x838.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/MALOCOLM_MAX_AM_ENDE_DER_ZEIT_COVER_1000X716.jpg 716w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>MALCOLM MAX 7: AN ENDE DER ZEIT</li>
<li>Ingo Römling und Peter Mennigen</li>
<li>Hardcover | 72 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-98721-298-7</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/malcolm-max-7.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/malcolm-max-am-ende-der-zeit-beendet-das-double/" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">MALCOLM MAX 7 – AM ENDE DER ZEIT beendet das Double</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de" data-wpel-link="internal" target="_blank" rel="follow noopener noreferrer">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fällt vom Himmel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2026 05:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Neuerscheinung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei manchen Fortsetzungen merke ich schon nach zwanzig Seiten, dass ich innerlich anfange zu verhandeln. Vielleicht kommt da noch etwas? Vielleicht muss sich die Geschichte erst sortieren? Vielleicht bin ich nur deshalb so kritisch, weil der Vorgänger die Latte ziemlich, ziemlich hoch gelegt hat?! Bei ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL habe ich erstaunlich lange so [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei manchen Fortsetzungen merke ich schon nach zwanzig Seiten, dass ich innerlich anfange zu verhandeln. Vielleicht kommt da noch etwas? Vielleicht muss sich die Geschichte erst sortieren? Vielleicht bin ich nur deshalb so kritisch, weil der Vorgänger die Latte ziemlich, ziemlich hoch gelegt hat?! Bei ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL habe ich erstaunlich lange so gedacht.</p>
<p><span id="more-4556"></span></p>
<p><a title="ICH BIN IHR SCHWEIGEN – Mord und viele Stimmen" href="https://panelwalker.de/2026/02/ich-bin-ihr-schweigen-mord-ein-weingut-und-viele-stimmen/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">ICH BIN IHR SCHWEIGEN</a> fand ich großartig, richtig großartig. Nicht makellos, aber lebendig, witzig, überraschend und vor allem getragen von einer Hauptfigur, der ich gern folge. Eva Rojas ist chaotisch, impulsiv, verletzlich, manchmal herrlich daneben und trotzdem nie bloß eine Ansammlung schriller Eigenschaften. Ihre <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_St%C3%B6rung" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">bipolare Störung</a> gehört zu ihr, erklärt sie aber nicht vollständig. Dazu kommen ihre verstorbenen Vorfahrinnen &#8211; ja, alles Frauen &#8211; , die sich in ihre Gedanken einmischen, als säßen sie mit am Tisch.</p>
<p>All das ist wieder da. Jordi Lafebre zeichnet weiterhin wunderbar. Eva kann weiterhin einen Raum betreten und sofort die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ihre Dialoge haben Tempo und ihre Mimik erzählt manchmal mehr als alles andere. Und trotzdem funktioniert dieser zweite Band für mich deutlich schlechter.</p>
<p>Das liegt nicht am hintergründigen Fußball-Thema. Ich interessiere mich nicht für Fußball, daher ist er mir in diesem Zusammenhang letztlich egal. Der verschwundene junge Spieler João könnte auch ein bekannter Musiker, ein berühmter Schauspieler oder der Sohn eines reichen Unternehmers sein.</p>
<p>Entscheidend ist etwas anderes. Die Suche nach ihm führt Eva in ein Umfeld aus Sexarbeit, rechter Gewalt und Neonazis. Genau dort liegt für mich das eigentliche Zentrum dieses Albums. Und genau dort hätte Lafebre bleiben sollen.<img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4561" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Wenn die Vergangenheit plötzlich sehr gegenwärtig wird</h3>
<p>Barcelona ist bei Lafebre nie bloß eine hübsche Kulisse. Natürlich gibt es besonderes Licht, Straßencafés, enge Gassen und auch dieses besondere Mittelmeerflair. Gleichzeitig steckt in der Stadt eine politische Geschichte, die bis heute sichtbar ist. Für ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL ist das wichtiger als jeder Fußballplatz.</p>
<p>Spanien lebt nach dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Bürgerkrieg von 1936 bis 1939</a> fast vier Jahrzehnte unter der Diktatur Francisco Francos. Der Übergang zur Demokratie beginnt erst nach dessen Tod 1975. Die Erinnerung daran ist bis heute nicht erledigt. <a title="Wenn Trauer verboten bleibt – DER ABGRUND DES VERGESSENS" href="https://panelwalker.de/2025/07/wenn-trauer-verboten-bleibt-der-abgrund-des-vergessens/" target="_blank" rel="noopener follow noreferrer" data-wpel-link="internal">Massengräber, verschwundene Angehörige, politische Symbole</a> und die Frage nach dem Umgang mit franquistischer Vergangenheit beschäftigen das Land weiter.</p>
<p>Lafebre erzählt diese tragischen Teile spanischer Geschichte nicht über Textblöcke oder Vorträge. Er verbindet sie mit Eva. Eine ihrer verstorbenen Vorfahrinnen, Ana Rojas, erlebte den Spanischen Bürgerkrieg und kämpfte auf republikanischer Seite. Wenn Eva nun mit Neonazis und einer gewalttätigen, rechtsextremen Gruppe zu tun bekommt, treffen Gegenwart und Familiengeschichte mittelbar aufeinander. Das gefällt mir als Ausgangspunkt ausgesprochen gut.</p>
<p>Auch die Verbindung zu den Sexarbeiterinnen passt dazu. Lafebre schaut auf Menschen, die schnell an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und bei denen erlebte Gewalt oft erheblich weniger öffentliche Empörung auslöst als anderswo. Unter ihnen befinden sich Trans-Frauen, die zusätzlich zum alltäglichen Risiko mit rechter und trans-feindlicher Gewalt konfrontiert sind.</p>
<p>Damit liegt eigentlich genug Material auf dem Tisch: Faschismus, Ausgrenzung, Gewalt, Erinnerung und Evas sehr persönlicher Umgang mit Autoritäten und mit Ungerechtigkeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4562" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Referenzen zum ersten Band</h3>
<p>Zu Beginn sitzt Eva wieder in einer Situation, die sehr an den ersten Band erinnert. Ein Mann ist tot. Ricardo Mazas, genannt Riqui, landet auf ziemlich spektakuläre Weise kopfüber im Beton einer Großbaustelle. Eva kennt ihn, natürlich kennt sie ihn. Bei Eva Rojas wäre alles andere fast schon enttäuschend.</p>
<p>Vizeinspektorin Alemany und ihr Kollege Ohne-bekannten-Dienstgrad García wollen wissen, was passiert ist. Eva erzählt, Dr. Llull sitzt dabei. Damit kehrt Lafebre zu der bekannten Konstruktion aus ICH BIN IHR SCHWEIGEN zurück. Die Geschichte entfaltet sich rückblickend, gefiltert durch Evas Beobachtungen, unterbrochen von ihren Sprüngen, Kommentaren und den Stimmen ihrer verstorbenen Verwandten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4563" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Eine Vermisste wäre fast ehrlicher gewesen</h3>
<p>Ausgangspunkt ihrer Erzählung ist João, ein neunzehnjähriger brasilianischer Profifußballer und Patient von Eva. Er ist verschwunden. Sein Verein glaubt, Eva könne vielleicht wissen, wo er steckt oder warum er untergetaucht ist. Also sucht sie ihn. Das funktioniert als Auslöser. Mehr aber auch nicht.</p>
<p>Je länger ich lese, desto weniger interessiert mich João als Fußballspieler. Dass er jung ist und unter öffentlichem Druck steht, spielt natürlich eine Rolle. Dass ein Verein über ihn verfügen möchte, ebenfalls. Doch daraus entwickelt Lafebre keine wirklich eigenständige Geschichte über den Profisport. Er schaut weder lange genug hinter die Kulissen noch erzählt er etwas, das diesen besonderen Beruf für die Geschichte unverzichtbar machen würde. Darum wirkt das Fußballmilieu auf mich eher wie eine Einstiegstür. Hinter anderen Türen beginnt jedoch der interessantere Teil des Comic.</p>
<p>Die Spur führt Eva zu Sexarbeiterinnen. Sie trifft auf Frauen, die bedroht und angegriffen werden. Neonazis tauchen auf, Gewalt bekommt plötzlich eine politische Richtung. Riqui gehört in dieses Umfeld. Aus der Suche nach João wird nach und nach eine Geschichte über Menschen, die andere einschüchtern, weil sie sich ihnen körperlich überlegen fühlen. Ab hier interessiert mich die Geschichte sofort.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4564" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Eva läuft dahin, wo andere wegschauen</h3>
<p>Eva besitzt eine Eigenschaft, die sie für solche Erzählungen hervorragend geeignet macht: Sie kann Manches nur sehr schwer ignorieren! Das ist nicht immer vernünftig und häufig ist es sogar gefährlich. Doch genau darin liegt der Reiz ihrer Figur.</p>
<p>Wo andere Abstand halten, geht Eva näher hinein, geht tiefer ins Dunkele. Sie stellt Fragen, mischt sich ein, provoziert und überschreitet eigene Grenzen und die anderer.</p>
<p>Hinzu kommt ihre bipolare Störung, mit der Lafebre vergleichsweise sorgsam umgeht. Sie dient nicht als einfache Erklärung für jedes impulsive Verhalten. Eva bleibt verantwortlich für das, was sie tut. Gleichzeitig gehört ihre psychische Erkrankung aber zu ihrem Alltag und beeinflusst, wie sie Belastung, Kontrolle und eigene Grenzen erlebt. Gerade im Umfeld der bedrohten Sexarbeiterinnen funktioniert diese Figur hervorragend.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4565" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Figuren vom Rande der Gesellschaft</h3>
<p>Eva begegnet ihnen nicht als Retterin von oben herab. Sie landet vielmehr mitten in ihrer Welt. Lafebre lässt sie zuhören, handeln und Fehler machen. DAS tut diesem Comic gut. Besonders wichtig finde ich, dass die betroffenen Frauen nicht nur als Staffage für Evas Heldentum auftauchen. Ihre Lage bildet das moralische Zentrum dieses Falls. Hier werden Menschen bedroht, weil andere glauben, über deren Existenz urteilen zu dürfen. Rechte Gewalt wird damit nicht zu einer abstrakten politischen Idee, sie bekommt Ziele und Opfer. Leider bleibt Lafebre ausgerechnet bei den Tätern erstaunlich unspezifisch.</p>
<p>Die Neonazis sind hässlich, brutal, dumm und leicht zu hassen. Natürlich darf ein Comic Faschisten verabscheuen. Das tue ich ebenfalls. Nur ersetzt Verachtung keine gute Figurenzeichnung. Mir fehlt bei diesen Männern etwas, das sie wirklich unangenehm macht. Nicht Sympathie, bitte nicht, ich meine Glaubwürdigkeit.</p>
<p>Wenn rechte Gewalt nur von grölenden Idioten ausgeht, wird sie fast schon zu bequem. Dann kann ich sie als klar markiertes Böse betrachten und wieder weglegen.</p>
<p>Beunruhigender wäre gewesen, wenn Lafebre gezeigt hätte, wie solche Strukturen funktionieren, wie Gewalt vorbereitet wird oder wie sich Menschen darin gegenseitig bestätigen. Stattdessen bleiben die Root Boys lediglich Comic-Prügelknaben. Und das ist mir zu einfach.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4566" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729.jpg" alt="Innenseite 12 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-12_1000X729-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Die Gespenster wissen mehr als der Krimi</h3>
<p>Viel interessanter wird es, sobald Ana Rojas ins Spiel kommt. Eva wird bekanntlich von ihren verstorbenen Vorfahrinnen begleitet. Ob ich diese Erscheinungen psychologisch, symbolisch oder innerhalb der Geschichte ganz wörtlich lese, ist dabei gar nicht so entscheidend. Sie sind Teil ihrer Wahrnehmung und Teil ihres &#8211; und Lafebres &#8211; Erzählens.</p>
<p>Ana verbindet Eva mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Plötzlich bekommt der Kampf gegen die Neonazis eine familiäre Vorgeschichte. Faschismus ist dann nichts, was Eva nur aus Geschichtsbüchern kennen könnte. Er hat ihre Familie berührt. Genau diesen Gedanken hätte Lafebre für meinen Geschmack viel weiter treiben können &#8230; ja, müssen!</p>
<p>Denn hier liegt eine Verbindung, die sich nicht künstlich anfühlt. Ana hat politische Gewalt erlebt. Eva begegnet den &#8222;Nachfahren im Geiste&#8220; in einer anderen Zeit und in anderer Form. Die Sexarbeiterinnen erleben wiederum ganz konkret, wie schnell Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Arbeit, ihrer Geschlechtsidentität oder schlicht aufgrund eines Feindbildes zum Ziel werden. Hier spricht ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL plötzlich über Erinnerung, ohne pathetisch zu werden. Dann biegt der Comic wieder ab.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4567" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729.jpg" alt="Innenseite 13 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="729" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729.jpg 729w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-13_1000X729-600x823.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 729px) 100vw, 729px" /></p>
<h3>Und plötzlich steht Evas Mutter im Zimmer</h3>
<p>Evas Mutter Maria gehört für mich zu den interessantesten, neuen Figuren des Albums, auch, wenn Sie im ersten Augenblick nur wie eine ältere Version von Eva erscheint. Und gleichzeitig weiß ich nach der Lektüre nicht recht, warum dieser Erzählstrang ausgerechnet in diesem Comic so viel Platz bekommt.</p>
<p>Eva besucht Maria in einer psychiatrischen Einrichtung. Dabei erfahren wir mehr über die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Rückblicke zeigen, wie beide gemeinsam Menschen beobachten und aus Gesten, Kleidung oder Verhalten kleine Geschichten ableiten. Das erklärt sehr hübsch, woher Evas enorme Aufmerksamkeit für andere Menschen stammen könnte.</p>
<p>Maria nimmt außerdem ebenfalls die verstorbenen Frauen der Familie wahr. Das ist ein erhellender Gedanke. Nur was macht er mit diesem Fall? Erstaunlich wenig.</p>
<p>Natürlich erweitert Maria unsere Vorstellung von Eva. Ich verstehe ihre Kindheit besser. Ich sehe eine familiäre Verbindung zwischen psychischer Erkrankung, Wahrnehmung und den Geistern der Vergangenheit. Auch emotional haben diese Szenen Gewicht. Nur stehen sie für mich neben der eigentlichen Geschichte statt in ihr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4568" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715.jpg" alt="Innenseite 14 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-14_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Quo vadis, Eva?</h3>
<p>Der Mord an Riqui, die Neonazis und die bedrohten Sexarbeiterinnen bekommen durch Marias Anwesenheit keine neue Richtung. Ihre Szenen unterbrechen vielmehr den Ermittlungs- und Erzählfluss. Danach kehrt Eva wieder in die alte Handlung zurück. Ich hatte deshalb zunehmend das Gefühl, Material für einen weiteren Band zu lesen, das bereits hier vorbereitet wird. Das ist als Erleuchtung kein kleines Problem.</p>
<p>Gerade weil Maria interessant ist, hätte ich ihr einen Comic gewünscht, der wirklich von ihr handelt. Hier konkurriert sie jedoch mit einem politischen Kriminalfall, der für sich genommen schon zu wenig Raum bekommt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4569" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715.jpg" alt="Innenseite 15 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-15_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Zu viele Geschichten für einen Engel</h3>
<p>Dazu kommt García, der Polizist. Schon im ersten Band war klar, dass zwischen ihm und Eva etwas knistert. Nun wird daraus mehr, körperliche Nähe entsteht, Gefühle werden komplizierter. Eva zieht ihn an und stößt ihn wieder weg. Auch das könnte einen ganzen Erzählstrang tragen.</p>
<p>Nur haben wir inzwischen einen verschwundenen João, einen ermordeten Neonazi, bedrohte Sexarbeiterinnen, rechte Gewalt, Evas Mutter, ihre Vorfahrinnen, den Spanischen Bürgerkrieg, Evas bipolare Störung und eine halbgare Liebesgeschichte. Irgendwann ist einfach Feierabend.</p>
<p>Lafebre erzählt schnell, seine Dialoge helfen ihm dabei. Seine Figuren brauchen oft nur wenige Bilder, um eine Situation lebendig zu gestalten. Doch Geschwindigkeit ersetzt eben keinen narrativen Raum. ICH BIN IHR SCHWEIGEN hatte ebenfalls viele Zutaten. Dort griffen sie aber erheblich besser ineinander. Die Familie Monturós, das Weingut, der Mord und Evas private Eigenheiten gehörten zur selben, kohärenten Erzählung.</p>
<p>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL fühlt sich dagegen häufiger wie eine Sammlung interessanter Ansätze an. Der Fall geht weiter, weil Eva eine neue Spur entdeckt. Maria erscheint, weil Eva persönlich vertieft werden soll. García erscheint, weil die Beziehung weitergehen soll. Ana erscheint, weil die Geschichte damit eine historische Ebene bekommt. Die Neonazis erscheinen, weil Gewalt das eigentliche Thema ist. Alles davon kann ich nachvollziehen. Nur selten habe ich aber das Gefühl, dass das Eine zwingend aus dem Anderen entsteht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4570" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715.jpg" alt="Innenseite 16 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-16_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Lafebre zeichnet besser, als er diesmal erzählt</h3>
<p>Und dann sehe ich wieder diese Zeichnungen. Verdammt. Lafebre besitzt ein wunderbares Gefühl für Körper. Seine Figuren stehen nicht einfach in Panels. Sie lehnen, gestikulieren, schauen weg, gehen aufeinander los, verkrampfen, grinsen und reagieren.</p>
<p>Besonders Eva profitiert davon. Ihre Persönlichkeit steckt in jeder Bewegung. Selbst wenn sie nichts sagt, habe ich das Gefühl, genau zu wissen, ob sie gleich lachen, fluchen oder jemanden beleidigen wird. Auch die Gespräche bleiben visuell lebendig. Lafebre braucht keine spektakulären Perspektiven, um Spannung zu erzeugen. Ein Gesicht genügt, zwei Personen an einem Tisch genügen, ein kleiner Blickwechsel reicht ebenso. Dadurch liest sich der Comic unglaublich flüssig.</p>
<p>Vielleicht stört mich die Geschichte deshalb sogar stärker. Die Bilder ziehen mich vorwärts, während ich erzählerisch immer wieder zurückbleibe und denke, dass Lafebre gerade das spannendste Thema schon wieder verlassen hat. Ich wollte mehr über die Frauen, mehr über die rechte Gruppe, mehr über Maria und Ana wissen. Stattdessen bekam ich von allem etwas.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4571" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715.jpg" alt="Innenseite 17 von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_INNENSEITE-17_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL hat eine großartige Hauptfigur, fantastische Zeichnungen und einen politischen Kern, dem ich gern folge. Doch der Comic vertraut diesem Kern einfach nicht genug.</p>
<p>Die Geschichte über Neonazis, Gewalt gegen Sexarbeiterinnen und die Verbindung zur faschistischen Vergangenheit Spaniens hätte mir vollkommen ausgereicht. Genau dort wird Evas Herangehensweise interessant, genau dort bekommen ihre Wut, ihre Impulsivität und ihre Familiengeschichte eine Richtung.</p>
<p>Der Erzählstrang um Maria ist zwar interessant, wirkt hier aber wie angeklebt. Die unnötige Beziehung zu García nimmt zusätzlichen Platz ein. Und irgendwann merke ich, wie ein eigentlich spannender Kriminalfall zwischen all diesen Dingen zerrieben wird.</p>
<p>Das ist besonders schade, weil Lafebre hier alles besitzt, was ich an Comics liebe. Er hat eine unverwechselbare Figur, einen wunderbar lebendigen Strich, sarkastischen Humor, Tempo und ein gutes Gespür für menschliche Schwächen. Für meinen Geschmack wollte er dieses Mal nur zu viel davon gleichzeitig erzählen. Vielleicht war der Erfolg des ersten Teils zu groß und die Zeit für die Entwicklung des neuen Szenarios zu kurz. Schade eigentlich, vertan!</p>
<p>Ich bin ein großer Fan von Jordi Lafebre, das gebe ich gerne zu. Doch leider muss ich auch zugeben, dass dieser Comic der Schwächste in der Reihe derer ist, bei denen er sowohl das Szenario als auch die Zeichnungen verantwortet.</p>
<p>Nach ICH BIN IHR SCHWEIGEN hatte ich mich auf Evas Rückkehr gefreut. Nach ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL freue ich mich immer noch darauf, Eva wiederzusehen. Nur beim nächsten Mal bitte mit einer Geschichte, die sich entscheidet, worüber sie wirklich erzählen möchte&#8230;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4560" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-286x400.jpg" alt="Cover von ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715-600x839.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/08/ICH-BIN-EIN-VERLORENER-ENGEL_COVER_1000X715.jpg 715w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>ICH BIN EIN VERLORENER ENGEL</li>
<li>Jordi Lafebre</li>
<li>Hardcover | 112 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-68950-166-2</li>
<li>Storyline:  ★★☆☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/ich-bin-ein-verlorener-engel.html" target="_blank" rel="noopener follow external noreferrer" data-wpel-link="external">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener follow" data-wpel-link="internal">hier</a></li>
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