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	<title>Bewertung - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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	<description>Ein Blog für alle Comic-Interessierten</description>
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	<title>Bewertung - P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</title>
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		<title>PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 05:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Gothic Novel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Gothic Novel &#8211; oder auch Schauerroman &#8211; ist ein literarisches Genre des 18. und 19. Jahrhunderts, das insbesondere mit düsteren, geheimnisvollen Inhalten punktet.Zu den bekanntesten gehören FRANKENSTEIN von Mary Shelley oder DRACULA von Bram Stoker. Zu PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE bin ich wegen Chris Wildgoose gekommen. Er ist ein britischer Comiczeichner, Concept [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Gothic Novel &#8211; oder auch Schauerroman &#8211; ist ein literarisches Genre des 18. und 19. Jahrhunderts, das insbesondere mit düsteren, geheimnisvollen Inhalten punktet.Zu den bekanntesten gehören FRANKENSTEIN von Mary Shelley oder DRACULA von Bram Stoker<em>.</em></p>
<p>Zu PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE bin ich wegen <a href="https://www.chriswildgoose.com/comics" target="_blank" rel="nofollow noopener">Chris Wildgoose</a> gekommen. Er ist ein britischer Comiczeichner, Concept Artist und begnadeter Illustrator. Daneben ist er auch Mitgründer des Verlages <a href="https://www.improperbooks.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Improper Books</a> und wurde mit der PORCELAIN Reihe einem größeren Independent-Publikum bekannt. Später arbeitete er an <a href="https://www.dc.com/comics/gotham-academy-2014/gotham-academy-16" target="_blank" rel="nofollow noopener">GOTHAM ACADEMY</a> und <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/batman-nightwalker-schatten-der-nacht-yddcya003-de02.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">BATMAN NIGHTWALKER</a>. Aktuell zählt die Zusammenarbeit mit G. Willow Wilson am Comic <a title="THE HUNGER AND THE DUSK – Ich bin anders. Du auch." href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1069763237" target="_blank" rel="nofollow noopener">THE HUNGER AND THE DUSK</a> zu seinen bekanntesten Arbeiten (den habe ich <a href="https://panelwalker.de/2025/03/the-hunger-and-the-dusk-ich-bin-anders-du-auch/" target="_blank" rel="nofollow noopener">an dieser Stelle</a> bereits besprochen).<span id="more-4245"></span></p>
<p>Wer seine späteren, oben genannten Arbeiten kennt, weiß, wie sicher er seine Figuren zeichnerisch erzählt. Bei diesem Werk wollte ich sehen, woher dieser Blick kommt. Geblieben bin ich dann aber nicht nur wegen Wildgoose&#8216; Zeichnungen, sondern weil Benjamin Read aus einem einfachen märchenhaften Aufbau ein kleines, kaltes, aber auch erstaunlich zartes Kammerspiel gebaut hat. Also: Licht aus, Kerze an! Wir begeben uns in die winterliche Stadt von &#8230; ja, keine Ahnung, irgendwo in Europa halt.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4250" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007.jpg" alt="Innenseite 01 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-007-600x857.jpg 600w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die drei Säulen einer Geschichte</h3>
<p><em>Erstens</em> wächst aus der Vorliebe von Improper Books für Märchen, Fantastik auch ein Gespür für etwas Unheimliches. Das Studio wurde 2009 von Benjamin Read, Laura Trinder und Chris Wildgoose gegründet, nachdem sie auf einem unabhängigen Filmprojekt zusammengearbeitet hatten. Diese Herkunft aus Film, Bild und dunklen Erzählsträngen vermittelt der Band auf fast jeder Seite.</p>
<p><em>Zweitens</em> spielt Porzellan selbst als Idee mit. In Europa galt das Material lange als weißes Gold. Es war schön, kostbar, fast durchsichtig und technisch schwer zu beherrschen. Erst 1710 entstand <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Meissener_Porzellan" target="_blank" rel="nofollow noopener">in Meißen die erste europäische Werkstätte für Hartporzellan</a>. Aber auch danach blieb es eine Kostbarkeit, die sich nur die wirklich Wohlhabenden leisten wollten und konnten.</p>
<p><em>Drittens</em> greift der Comic eine alte Faszination für künstliches Leben auf. Bewegliche Figuren, Automaten und mechanische Wunder wie etwa der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schacht%C3%BCrke" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schachtürke</a> gehörten seit Jahrhunderten zur europäischen Schaulust. Im 18. Jahrhundert wirkten solche Maschinen wie kleine Vorboten einer Zukunft, die atmen wollte und es doch nicht konnte.</p>
<p>Dazu kommt noch eine gewisse &#8222;Märchentür&#8220;, die niemand öffnen darf bzw. soll. Wer da sofort an das Märchen vom <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blaubart" target="_blank" rel="nofollow noopener">BLAUBART</a> denkt, liegt nicht ganz falsch. Auch dort führt ein Verbot in einen verborgenen Raum. Auch dort wird Standhaftigkeit gegen Neugier geprüft. PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE macht daraus aber keine reine Warnung vor Ungehorsam. Der Comic hinterfragt gezielter, was Schutz wirklich bedeutet, wenn er auf Schweigen beruht. Und was eine Liebe wert ist, wenn sie auf einem Geheimnis fußt.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4251" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008.jpg" alt="Innenseite 02 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-008-600x857.jpg 600w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Glasur, Schatten und der Atem der Bilder</h3>
<p>Wildgoose zeichnet gekonnt und zieht mich mit jedem Panel über die Schwelle hinein in sein Reich. Seine Stadt wirkt kalt, schmutzig und eng. Die Kinder bewegen sich darin wie kleine Schatten, flink und abgehärtet. Sobald Child über die Mauer steigt, verändert sich die Bilderwelt jedoch. Der Garten und das Haus des Porcelain Maker&#8217;s öffnen sich wie eine fremde Welt. Hier gibt es Wärme und Schutz vor der äußeren Kälte, aber sie ist nicht frei von Gefahr. Dort gibt es Schönheit, aber diese wird unter Verschluss gehalten.</p>
<p>Besonders stark ist Wildgoose in den Szenen, in denen er seine Charaktere konkret gegeneinander setzt. Child ist manchmal kantig, stets wachsam und sofort bereit zur Flucht. Der Porcelain Maker demgegenüber wirkt zuerst groß, müde und vorsichtig. Seine künstlichen Diener wiederum besitzen diese unheimliche Mischung aus Eleganz und Starrheit. Es sind Figuren, die funktionieren, auch ohne eine Seele zu haben.</p>
<p>Allerdings habe ich beim Lesen nie vergessen, dass auch sie zerbrechen können. Diese Zerbrechlichkeit steckt schon in der Form. Sie haben glatte Gesichter, weißliche Körper und leere Augen. Der Comic liefert dafür keine langen Erklärungen. Ein Blick auf eine dieser Porzellangestalten genügt und ich weiß, dass hier Gewalt und Zerbrechlichkeit dicht beieinander stehen.</p>
<p>Die Farbgestaltung des Comic ist wichtig, weil sie diese Nähe spürbar macht. André May als Colourist und Alexa Rosa für das Flatting arbeiten mit Kälte und gedämpftem Licht. Draußen liegt die Welt in Blau, Grau und Schmutz. Im Haus wird sie heller, cremiger, manchmal fast golden. Diese Wärme ist verführerisch, natürlich. Genau deshalb halte ich sie als Leser von Beginn an für verdächtig. Die Seiten lese ich dadurch nicht schneller, sondern vorsichtiger. Ich bleibe bei Details hängen, bei Kerzenlicht, bei Schatten in Werkstätten oder bei dieser glatten, bleichen Oberfläche, unter der etwas knackt.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4252" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009.jpg" alt="Innenseite 03 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-009-600x857.jpg 600w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die Porzellanwerkstatt des Erzählers</h3>
<p>Chris Wildgoose&#8216; Partner bei diesem Werk ist Benjamin Read. Er ist ein britischer Autor von Comics, Büchern und Filmen und gehört &#8211; wie bereits erwähnt &#8211; zu den Gründungsmitgliedern von Improper Books. Zu seinen weiteren Comics zählen unter anderem <a href="https://www.amazon.de/Briar-Vol-English-Benjamin-Read-ebook/dp/B01F9EH4XC?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">BRIAR</a>, <a href="https://www.amazon.de/Butterfly-Gate-Vol-1-English-ebook/dp/B01F9EH4VE?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">BUTTERFLY GATE </a>und <a href="https://www.amazon.de/Night-Post-English-Benjamin-Read-ebook/dp/B01F9EH4Z0?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">NIGHT POST</a>.</p>
<p>Gemeinsam mit Laura Trinder entwickelte er außerdem die erfolgreiche Kinderbuchreihe <a href="https://www.amazon.de/Mitternachtsstunde-Emily-die-geheime-Nachtpost-ebook/dp/B081ZDB976?ref_=ast_author_dp_rw&amp;th=1&amp;psc=1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.bJ4z_hm5EPmRafZuDBqYd5gJtfQXz8w5ETezwyXFNRemnTN20X1lDUXlRlwQ1YyWdd_cnwSeQoAEB4JX6QCjRmdrRMJsxMIKuN9jqo8hY7D7jIU-Bz5-kiGIbkF2BMfMiXGWRe8njA9wCipt0WWVjjkLRraNsOY-GvdyoNBepXq6THEXl9EhFAqsBUKmELJnYje2icxISftTFQNNru3Q5csMneh3exU9lMJjyNQ7Icw._aYAr5QPfOx6z7pilSg36tPL-lSmGQgKrpM7uj0ZCCk&amp;dib_tag=AUTHOR" target="_blank" rel="nofollow noopener">MITTERNACHTSSTUNDE</a>. Read kommt erkennbar aus einer erzählerischen Ecke, in der Märchen, Filmrhythmus und düstere Fantastik gekonnt zusammenfinden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4253" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010.jpg" alt="Innenseite 04 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-010-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die Mauer aus feinem Porzellan</h3>
<p>Doch: Um was geht es in der Serie denn nun eigentlich? Die Hauptfigur der englischen Ausgabe heißt &#8222;Child&#8220;, also: das Kind. Ich bleibe bei diesem Namen, weil er den Märchenton des Comics trägt. Child ist kein romantisches Findelkind mit großen Augen. Sie lebt auf der Straße einer verschneiten, nicht näher bezeichneten, englischen Stadt. Child klaut, rennt, friert und behauptet sich in einer kleinen Bande aus Leidensgenossen.</p>
<p>Diese ersten Seiten erzählen ihren Hintergrund und sind wichtig, weil sie ihren Trotz nicht verniedlichen. Child ist nicht unschuldig im einfachen Sinn. Sie ist jung, verletzt, wach und voller Hunger. Hunger nach Essen, ja. Aber auch nach einem Platz, der ihr nicht sofort wieder streitig gemacht wird.</p>
<p>Eine Mutprobe führt sie über die Mauer des Anwesens, hinter welcher der Porcelain Maker residiert. Für die Kinder draußen ist er eine Art Zauberer, vielleicht auch ein Monster, auf jeden Fall jedoch ein Mann, von dem Geschichten erzählt werden.</p>
<h3>Ein Garten mit Geheimnissen</h3>
<p>Als Child in seinem Garten erwischt wird, kippen die Vorurteile. Der Alte ist doch nicht der böse Hexenmeister, auf den die Szene vorbereitet hat. Er ist einsam und gereizt, neugierig und offenbar berührt von diesem Kind, das ohne Erlaubnis in sein Leben eingebrochen ist. Sein Haus wird von Porzellangestalten bevölkert, die durch Alchemie angetrieben werden. Sie dienen ihm, schützen ihn und machen die Einsamkeit nur noch spürbarer.</p>
<p>Was mich an diesem Einstieg überzeugt, ist die Geduld. Read setzt nicht auf unmittelbaren Schrecken. Und Wildgoose zeigt mir zuerst Räume, Abstände und vorsichtige Annäherungen. Child darf bleiben. Der Porcelain Maker bietet ihr Essen, Kleidung, Schutz und eine Art Familie. Im Gegenzug gibt es nur eine Regel: Sie darf nicht in den verschlossenen Teil der Werkstatt!</p>
<p>Natürlich weiß ich als Leser sofort, dass diese Tür nicht geschlossen bleiben wird. Der Comic weiß das auch. Gerade deshalb spielt er nicht auf billige Überraschung. Er interessiert sich für den Weg zu dieser Tür.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4254" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011.jpg" alt="Innenseite 05 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-011-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Die glasierte Tür und ihr Verbot</h3>
<p>Im Haus des Porcelain Maker&#8217;s lernt Child eine völlig neue Welt kennen. Sie bekommt nicht nur Luxus, sondern auch die Art Aufmerksamkeit, die ihr auf der Straße gefehlt hat. Der alte Mann behandelt sie bald wie eine Tochter. Diese Beziehung ist das Herzstück des Bandes und sie ist schön, weil beide etwas beieinander finden, das sie vermisst haben. Child findet Sicherheit, der Porcelain Maker findet menschliche Nähe.</p>
<p>Gleichzeitig bleibt ihre Beziehung jedoch irgendwie &#8211; schief. Er besitzt das Haus, das Wissen und die Regeln. Sie besitzt nur ihren Trotz. Der Comic verklärt diese Schieflage nicht. Er zeigt, wie dankbar Child ist und er zeigt zugleich, wie gefährlich Dankbarkeit werden kann, wenn Fragen verboten sind.</p>
<h3>Die glasierten Helfer</h3>
<p>Die Porzellangestalten wirken in dieser Mitte des Bandes fast häuslich. Sie decken Tische, bewegen sich durch die Flure und erfüllen ihre Aufgaben. Gerade diese Normalität macht sie präsenter. Ich lese sie nicht als bloße Monster. Es sind Geschöpfe, Produkte, vielleicht Kinder einer anderen Art. Ihre Körper tragen die ganze Frage des Comics in sich: Wann wird Fürsorge zu Kontrolle? Wann wird Herstellung zu Herrschaft? Und wie viel Leben darf ein Mensch in etwas hineinlegen, bevor er Verantwortung dafür trägt? Alles in allem ist auch die GOTHIC FAIRY TALE eine FRANKENSTEIN-Geschichte.</p>
<p>Child&#8217;s Neugier führt deshalb auch zu ihrer Intuition. Auf der Straße konnte sie es sich nicht leisten, blind zu vertrauen. Im Haus soll sie jedoch genau das tun. Sie soll glauben, dass ein Verbot nur zu ihrem Besten besteht. Aber PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE wäre keine gute Geschichte, wenn sie diese Frage sauber beantworten würde.</p>
<p>Die verbotene Werkstatt enthält keine einzelne Pointe, die alles erklärt. Stattdessen öffnet sie einen moralischen Riss. Nach dem Öffnen der Tür sieht das Haus mit einem Mal anders aus. Auch die Liebe zwischen Child und dem Porcelain Maker bekommt eine andere Farbe.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4255" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012.jpg" alt="Innenseite 06 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-012-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Scherben auf dem Werkstattboden</h3>
<p>Im letzten Teil zieht der Band die Schrauben noch einmal an. Child muss begreifen, dass die schöne Zuflucht einen Preis hat. Der Porcelain Maker muss sich seiner eigenen Vergangenheit und seinen Entscheidungen stellen. Und aus dem Märchen über ein Mädchen in einem wunderlichen Haus wird ein Drama über Besitz, Schuld und die Angst vor Verlust.</p>
<p>Der Comic bleibt dabei erstaunlich kontrolliert. Er lässt Raum für Trauer, ja sogar Raum für Zuneigung, wo Zorn vielleicht näherliegen würde. Genau das hat mich berührt. Die Geschichte will nicht einfach bestrafen. Sie schaut hin, wenn Figuren einander weh tun, obwohl sie einander brauchen. Mehr Familie geht kaum noch.</p>
<p>Die Nebenfiguren aus der Straße bleiben dabei mehr als bloßer Auftakt. Sie erinnern daran, woher Child kommt. Das ist wichtig, weil das Haus sonst zu sehr als einzige Welt erscheinen könnte. Child hat schon vor der Mauer gelernt, wie hart Menschen sein können. Im Anwesen lernt sie, dass Sanftheit ebenfalls gefährlich werden kann, wenn sie nicht ehrlich ist.</p>
<p>Der Band gewinnt daraus seine erwachsene Note. Er sieht aus wie ein Märchen, aber er denkt wie eine Geschichte über Familie. Nicht über die Familie, die Blut-ist-dicker-als-Wasser oder Die-Familie-ist-das-Gesetz verspricht. Sondern über die Familie, die entsteht, weil zwei Einsame einander erkennen und trotzdem nicht wissen, wie Nähe ohne Besitz funktioniert.</p>

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<p>Dass dies ein Auftakt ist, merke ich am Ende deutlich. Der Band erzählt eine geschlossene Geschichte, aber er lässt Child nicht dort zurück, wo Märchenheldinnen üblicherweise landen. Kein bequemes Danach, kein Happy-Ever-After. Die Fortsetzungen BONE CHINA und IVORY TOWER springen weiter in Child&#8217;s Leben und zeigen sie als Lady und später als Mother. Dieser erste Band ist also Ursprung, Wunde und Fundament zugleich.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4256" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013.jpg" alt="Innenseite 07 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-013-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Ein Serienauftakt aus gebranntem Weiß</h3>
<p>Als erster Teil einer dreibändigen Reihe funktioniert PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE sehr gut, weil der Band nicht wie ein Prolog wirkt. Er erzählt nicht nur, wie etwas beginnt. Er erzählt, warum etwas nie wieder heil wird. Das ist ein Unterschied.</p>
<p>Viele Auftakte legen Figuren, Welt und Regeln aus. Read und Wildgoose machen das auch, aber sie verstecken die Anlage in einer emotional klaren Geschichte. Ich muss nicht wissen, wohin die Reihe später führt, um diesen Band zu verstehen. Wenn ich es weiß, gewinnt er aber an Gewicht.</p>
<p>Die Reihe verfolgt Child über große Zeitsprünge weiter und macht aus dem Mädchen später eine Frau mit Macht, Geheimnissen und Verantwortung. Improper Books beschreibt die Reihe als die Geschichte einer Frau und ihrer Spuren, die sie in der Welt hinterlässt. Der erste Band zeigt die erste dieser Spuren.</p>
<p>Thematisch liegt für mich der Reiz in der Mischung. Der Comic nutzt Märchenmotive, aber er pinselt sie nicht nostalgisch an. Er nimmt BLAUBART&#8217;s verbotene Tür, den Waisenhaus Geruch viktorianischer Armut a la DAVID COPPERFIELD, die Faszination für Automaten und das Versprechen des weißen Goldes. Daraus entsteht ein Erzählstrang, der vertraut beginnt und immer unsicherer wird. Child darf hart sein, der Porcelain Maker liebenswert und beide dürfen falsch handeln. Das macht die Geschichte menschlicher als viele deutlich lautere Fantasy Comics.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4257" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014.jpg" alt="Innenseite 08 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-014-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Sprünge in der glänzenden Oberfläche</h3>
<p>Kleinere Schwächen gibt es trotzdem. Einige Wendungen sind früh zu erahnen, weil die angepasste Märchenform ihre Spuren sehr sichtbar offenbart. Die Bande der Straßenkinder hätte ich gern noch etwas stärker erlebt, andererseits wir haben hier nicht <a title="DIE VIER VON DER BAKER STREET „besuchen“ ein Museum" href="https://panelwalker.de/2025/03/die-vier-von-der-baker-street-besuchen-ein-museum/" target="_blank" rel="noopener">DIE VIER VON DER BAKERSTREET</a>. Die Kids erfüllen ihre Aufgabe, doch neben Child und dem Porcelain Maker verblassen sie bald.</p>
<p>Auch die Welt außerhalb des Anwesens bleibt im ersten Band eher angedeutet. Das ist erzählerisch nachvollziehbar, weil der Comic seine Druckkammer braucht. Trotzdem wollte ich an manchen Stellen kurz aus dem Haus treten und mehr von dieser Stadt sehen. Letztendlich war diese äußere Welt narrativ dann aber doch nicht wichtig genug.</p>
<p>Doch diese Begrenzung ist zugleich die Stärke des Werkes. Der Band bleibt eng bei Child. Wenn die Welt klein wirkt, dann deshalb, weil Child&#8217;s Möglichkeiten klein sind. Wenn das Haus groß wirkt, dann deshalb, weil Schutz für sie zunächst wie Überwältigung aussehen muss.</p>
<p>Wildgoose&#8217;s Seitenrhythmus unterstützt das wunderbar. Große Panels öffnen die Räume. Kleinere Bildfolgen bremsen Bewegungen ab. Stumme Momente geben den Figuren Gewicht. Der Comic vertraut darauf, dass ein Gang, eine Tür und ein Blick mehr erzählen können als ein erklärender Absatz. Dieses Vertrauen zahlt sich aus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4258" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015.jpg" alt="Innenseite 09 von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="700" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015.jpg 700w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN-Seite-015-600x857.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>PORCELAIN &#8211; A GOTHIC FAIRY TALE ist ein Serienauftakt mit eigener Seele. Der bisher nur in englischer Sprache erschienene Band verbindet Märchen, Gothic Stimmung, alchemistische Fantastik und Familiendrama zu einer Geschichte, die kälter beginnt, als sie endet und wärmer wirkt, als sie eigentlich sein dürfte. Ich kam wegen Chris Wildgoose., blieb wegen seiner Zeichnungen, der Farben, der Porzellangestalten und wegen Child, die nie nur Opfer, nie nur Heldin und nie bloß Märchenfigur ist.</p>
<p>Nicht alles überrascht. Nicht jede Nebenfigur sitzt so tief wie das zentrale Paar. Aber der Comic hat etwas, das ich bei Gothic Stoffen besonders schätze: er kennt den Wert der Oberfläche und traut ihr nicht. Er zeigt Schönheit, bis ich die Sprünge sehe. Und wenn am Ende Scherben liegen, wirken sie nicht wie Dekor. Sie wirken wie der Anfang einer langen Geschichte&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4249" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-280x400.jpg" alt="Cover von PORCELAIN A GOTHIC FAIRY TALE" width="280" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-280x400.jpg 280w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover-600x857.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/PORCELAIN_Cover.jpg 700w" sizes="auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>PORCELAIN  A GOTHIC FAIRY TALE</li>
<li>Benjamin Read und Chris Wildgoose</li>
<li>86 Seiten | Farbe | English</li>
<li>ISBN 978-1-44746-131-9</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.improperbooks.com/comics/project-four-yjynj-nb7xc" target="_blank" rel="nofollow noopener">Improper Books Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/porcelain-ist-ein-gothic-maerchen-fuer-erwachsene/">PORCELAIN ist ein Gothic-Märchen für Erwachsene</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>NEKROMANTEN &#8211; Unterwegs mit drei Geistern</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/08/nekromanten-unterwegs-mit-drei-geistern/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2026 05:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Sword-And-Sorcerer]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Alice Scimia]]></category>
		<category><![CDATA[Olivier Gay]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Tina Valentino]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nekromanten haben im Fantasy-Genre meist einen miserablen Ruf. Sie stehen in Gruften herum, murmeln finstere Beschwörungen und schicken anschließend Skelette in irgendwelche Schlachten. Der eigentliche Begriff ist etwas freundlicher, zumindest ein bisschen. Nekromantie bezeichnet ursprünglich die Beschwörung von Toten, um von ihnen Wissen oder Weissagungen zu erhalten. Ein Nekromant ist also zunächst jemand, der Kontakt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/08/nekromanten-unterwegs-mit-drei-geistern/">NEKROMANTEN – Unterwegs mit drei Geistern</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nekromanten haben im Fantasy-Genre meist einen miserablen Ruf. Sie stehen in Gruften herum, murmeln finstere Beschwörungen und schicken anschließend Skelette in irgendwelche Schlachten.</p>
<p>Der eigentliche Begriff ist etwas freundlicher, zumindest ein bisschen. Nekromantie bezeichnet ursprünglich die Beschwörung von Toten, um von ihnen Wissen oder Weissagungen zu erhalten. Ein Nekromant ist also zunächst jemand, der Kontakt zu Verstorbenen aufnimmt. So weit, so einfach.</p>
<p>Olivier Gay und Tina Valentino bauen aus dieser Definition ein hübsches Morgenland-Szenario. In NEKROMANTEN binden Magier die Geister Verstorbener an sich und nutzen deren Fähigkeiten. Wer also den richtigen Kämpfer erwischt, wird im Duell stärker, ein berühmter Gelehrter bringt Wissen ein und selbst ein gerissener Händler kann nach seinem Tod noch nützlich sein. Die Toten sind Helfer, Machtquelle und Statussymbol zugleich.</p>
<p>Düster? Könnte sein. Olivier Gay erzählt vielmehr eine flotte Fantasykomödie, während Tina Valentino sie in eine Welt aus detailreichen Grabmälern, Basaren, Kuppeln und Palästen umsetzt. <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0105935/?ref_=nv_sr_srsg_1_tt_7_nm_1_in_0_q_alladin%20disney" target="_blank" rel="nofollow noopener">Disney&#8217;s Aladdin</a> lässt auf mehreren Ebenen grüßen.</p>
<p>Die deutsche Ausgabe liegt nun als Splitter Double vor und packt die vollständige Geschichte auf 96 Seiten in einen Hardcoverband. Das ist gut, denn dieses Abenteuer möchte ohnehin am liebsten ohne Pause durch das Tor zum Totenreich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4367" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715.jpg" alt="Innenseite 03 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-03_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Das Grab unter der Bodenklappe</h3>
<p>Also, Sesam, öffne Dich! Morla, eine junge Nekromantin, weiß genau, was sie will. Sie ist ehrgeizig, selbstbewusst und überzeugt, dass in einem verlassenen Grabmal ein besonders wertvoller Geist auf sie wartet. Ihr jüngerer Bruder Acher begleitet sie. Er ist ebenfalls Nekromant, allerdings ein ausgesprochen schlechter. Morla geht wie üblich voran, Acher folgt, stellt Fragen und hofft, dass niemand seine Unsicherheit bemerkt.</p>
<p>Das gesuchte Grab liegt überwuchert irgendwo im Wald, Pflanzen wachsen über Mauern und kaltes Licht schwebt durch muffige Räume. Morla hält all das eher für eine Einladung als für eine Warnung. Tief im Inneren stößt die kleine Gruppe aus Geschwistern und Helfern auf Boph-Êt. Der uralte Erzmagier war einst so mächtig, dass mehrere große Helden nötig waren, um ihn zu besiegen. Die ehrgeizige Morla versucht nun, seinen Geist an sich zu binden, was &#8211; natürlich &#8211; nicht funktioniert. Boph-Êt dreht das von ihm entwickelte Ritual einfach um und übernimmt stattdessen ihren Körper. Zwei Begleiter sterben, die Anlage stürzt ein und Acher entkommt dem Schlamassel nur mit knapper Not.</p>
<p>Das Schöne ist, dass damit sein Charackter-Arc feststeht: Acher muss seine Schwester retten und verhindern, dass Boph-Êt erneut die Macht ergreift. Dafür ist er ungefähr so gut gerüstet wie ein Kameltreiber für einen Seekrieg. Aber aus genau diesem Grund mochte ich ihn sofort. Acher ist kein verklemmter Überflieger. Er ist wirklich überfordert &#8211; trotzdem läuft er nicht davon! Das gibt seiner Reise von Beginn an Mut und viel Herz.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4368" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715.jpg" alt="Innenseite 04 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-04_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Drei Geister ziehen zum Basar</h3>
<p>Ganz allein ist Acher bei dieser Reise natürlich nicht. Drei Geister sind an ihn gebunden. Teodor ist ein älterer Gelehrter, der viel weiß, sich aber im entscheidenden Augenblick gern im eigenen Gedächtnis verirrt. Teheris ist ein Krieger, der bereits in seiner ersten Schlacht starb und deshalb erschreckend wenig Kampferfahrung besitzt. Und Isia war eine Bauchtänzerin mit Temperament, einer schnellen Zunge und wenig Lust, sich wie ein Werkzeug behandeln zu lassen. Als Sammlung mächtiger Geister sind die drei eine Enttäuschung, als Reisegesellschaft großartig.</p>
<p>Boph-Êt zieht in Morla&#8217;s Körper nach Biblys. Die Hauptstadt breitet sich über die Hügel aus, während sich unten Marktstände, Stoffbahnen und schmale Häuser drängen. Darüber wachsen arabische Kuppeln und Türme in den Himmel. Ganz oben schließlich sitzt die Akademie der Magie. Dort beginnt der frisch erwachte Erzmagier seinen Einfluss auszubauen und nach jenen Personen zu suchen, die ihn vor Jahrtausenden besiegt hatten. Man will so ein Desaster ja kein zweites Mal erleben.</p>
<p>Acher folgt ihm und trifft auf Ayu. Sie gehört zur Elitetruppe der Garde und kann mit einer Waffe deutlich besser umgehen als ein Teheris-gepimpter Acher mit seinen Geistern. Sie packt zu und läuft nicht bloß bewundernd neben dem Helden her, sie widerspricht und entscheidet selbst. Ihr trockener Blick auf Acher&#8217;s Chaos hält dabei viele Szenen auf eine besondere Art zusammen.</p>
<p>Die Spur führt zu drei legendären Toten. Montserrat war einst eine brillante Strategin, Dmitris war der große Kämpfer und Varlam ein mächtiger Magier. Gemeinsam brachten sie Boph-Êt zu Fall. In der Gegenwart braucht Acher nun erneut ihre Hilfe. Dummerweise haben diese Geister ihre eigenen Wünsche und sehr, sehr alte Rechnungen offen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4369" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715.jpg" alt="Innenseite 05 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-05_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Im Palast wartet ein alter Fluch</h3>
<p>Montserrat bringt neue Unruhe in die Geschichte. Ihr Geist steckt im Körper eines Händlers, den sie als Wirt benutzt. Sie will Boph-Êt vernichten und bietet Acher ihre Hilfe an. Vertrauen ist dabei aber eine zweischneidige Angelegenheit. Montserrat verrät immer nur so viel, wie es ihrem Plan dient. Und Acher bemerkt langsam, dass er damit zwischen zwei uralten Gegnern steht, die andere gern wie Figuren auf einem Spielbrett hin- und herschieben.</p>
<p>Auch Morla bleibt wichtig, obwohl Boph-Êt ihren Körper beherrscht. Für Acher ist sie nicht einfach die Hülle des Bösewichts, sie ist &#8211; und bleibt &#8211; seine große Schwester. Jeder Angriff auf den Erzmagier kann deshalb auch sie treffen. Auf diese Weise wird das Abenteuer auch persönlich: Acher muss nicht nur gewinnen, sondern auch einen Weg finden, Morla zurückzuholen. Bereits hier zeichnen sich schmerzhafte Entscheidungen am Horizont ab.</p>
<p>Ich hätte Morla &#8211; die echte &#8211; gern öfter erlebt. Vor der Besessenheit zeigt sie Eigensinn, Mut und eine gute Portion Überheblichkeit. Danach verschwindet ihre Stimme lange hinter der Boph-Êt&#8217;s. Ja, das ist für die Handlung gut nachvollziehbar. Der Geschwisterbeziehung fehlt andererseits dadurch aber Raum und ihre Rettung wird für mich als Leser weniger emotional aufgeladen.</p>
<p>Olivier Gay gleicht das mit narrativem Tempo aus. Palastwachen, Fluchten, Magie und Geisterbeschwörungen folgen dicht aufeinander. Am stärksten bleibt für mich trotzdem die kleine Gruppe um Acher. Teodor liefert Wissen mit eingebautem Wackelkontakt, Teheris versucht tapfer, wenigstens gelegentlich wie ein Krieger auszusehen und Isia kommentiert das Chaos mit Spott und erstaunlicher Treue. Die vier müssen gar nicht über Freundschaft reden. Wie sie streiten und sich im nächsten Augenblick retten, sagt mehr als tausend Worte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4370" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715.jpg" alt="Innenseite 06 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-06_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Karawane zum Grab des großen Magiers</h3>
<p>Im zweiten Teil verschärft sich die Lage dramatisch. Kaiser Othman Al-Thariv, der Herrscher des Reiches, ist ermordet worden. Biblys steht unter Spannung, während Boph-Êt im Palast immer mehr Einfluss gewinnt.</p>
<p>Montserrat weist Acher den Weg zum Grab Varlam&#8217;s. Der tote Magier war entscheidend am ursprünglichen Sieg über Boph-Êt beteiligt und ohne seine Macht sieht es für ihre Mission schlecht aus.</p>
<p>Natürlich erfährt auch Boph-Êt von diesem Plan. Er schickt Luu hinterher. Luu ist sein Vollstrecker und führt bewaffnete Männer gegen Acher und seine Geister. Die Suche nach Varlam&#8217;s Grab wird zum Wettlauf durch Wüsten und Ruinen. Auf der einen Seite reist eine Heldengruppe, die eher zufällig zusammengefunden hat, auf der anderen Seite marschieren Leute, die genau wissen, wie Gewalt funktioniert.</p>
<p>Das Tempo der Erzählung steigt jetzt noch einmal kräftig. Enthüllungen, Kämpfe und Seitenwechsel folgen eng getaktet aufeinander. Das hält die Spannung hoch, lässt aber wenig Platz für die Vergangenheit von Montserrat, Dmitris und Varlam. Aus diesen alten Feindschaften hätte Gay locker mehr machen können.</p>
<p>Das Finale verrate ich nicht. Entscheidend ist ohnehin Acher&#8217;s Entwicklung. Er wird durch die Umstände nicht plötzlich zum mächtigsten Nekromanten des Reiches. Er lernt jedoch, seine Geister ernst zu nehmen. Teodor, Teheris und Isia sind keine schlechten Werkzeuge, nein, sie sind überhaupt keine Werkzeuge! Sie sind eigensinnige Gefährten und genau daraus zieht die Geschichte ihre Wärme.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4371" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Geschichtenerzähler am Tor der Unterwelt</h3>
<p>Schauen wir gemeinsam noch auf die Autoren dieses Comic. Olivier Gay, unser Szenarist, wurde 1979 in Grenoble geboren. Bevor er vom Schreiben leben konnte, arbeitete er als Manager in einer Unternehmensberatung. Er veröffentlichte Kriminalromane, Fantasy sowie Kinder- und Jugendbücher. Zu seinen Reihen gehören LE NOIR EST MA COULEUR, LES ÉPÉES DE GLACE und LA MAIN DE L’EMPEREUR. 2019 schloss er sich dem Fantasy-Label <a href="https://www.drakoo.fr/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Drakoo</a> an. Dort schrieb er unter anderem <a href="https://www.amazon.de/D%C3%A9monistes-Vlad-French-Olivier-Gay-ebook/dp/B0C1J14WBT/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=VL682DX0BOXJ&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.tkCG1-1pe7kZM6dU8kdI3_j8vZFpxTYcTmHZnEXhpTJiv2ZU4DB0OoQNOshOIC6mqD9jRdN9C1QCwn3CDHXc9P9kzgqkXUAa9kZ6m93SB50V5vh_rTXPUOnfXtZf8JAlHNBxTvTlfGmc2_MyDtnjSVt7JBb1x5Ztxrh16dE0ZZup1093z0Q98CCwRAbGKXgv.zROZEMpLq582VNhlVqfgNkgmKqiCtWWJFReQZOEoP8A&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+gay+demonistes&amp;qid=1784647282&amp;s=books&amp;sprefix=olivier+gay+demonistes%2Cstripbooks%2C106&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">DÉMONISTES</a>, <a href="https://www.amazon.de/Mal%C3%A9fices-Danthrakon-vol-diva-pics/dp/2382330430/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=2RJDZVRMQCV47&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.jF_9H2ADxUXD8_GTsyBjKAm-Xzjb9g-D62uTjWAXyeG3jXeMbfmz7ZFMABxDvbgmjitxBhU1euYg3_zoAiTWtA.97ZJDfppKruUOpe_vMp3Z9UXBksbI5RnLsXlLZQgu8Y&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+Gay+LES+MAL%C3%89FICES+DU+DANTHRAKON&amp;qid=1784647241&amp;sprefix=olivier+gay+les+mal%C3%A9fices+du+danthrakon%2Caps%2C152&amp;sr=8-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">LES MALÉFICES DU DANTHRAKON</a> und <a href="https://www.amazon.de/Mages-Bonaparte-histoire-compl%C3%A8te/dp/2382331119/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=1R4R4C4SWSR9T&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.3hHzqY28nbUjEIuC-Y92KVaNMJXt_W7R8FxvPhAIgIpo-OptbJFBXaD-m8fEG9YwDYKnxWndu-4ljzVVwJUWV-CeAyDtvMRZjjgN1DXKFXA.mglOoZQbIfwnGgRNe4ENfpNleYAmX0oGm_luaCk3XH0&amp;dib_tag=se&amp;keywords=Olivier+gay+LES+MAGES+DE+BONAPARTE&amp;qid=1784647305&amp;s=books&amp;sprefix=olivier+gay+les+mages+de+bonaparte%2Cstripbooks%2C192&amp;sr=1-1" target="_blank" rel="nofollow noopener">LES MAGES DE BONAPARTE</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4372" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Mit leichtem Schritt durch 1001 Gruft</h3>
<p>Gay&#8217;s Art Geschichten zu erzählen macht mir den Einstieg angenehm leicht. Die Regeln der Nekromantie dieser Welt stehen nach wenigen Seiten fest. Ein Geist besitzt eine Fähigkeit, ein Nekromant bindet ihn an sich und aus dieser Verbindung entsteht Macht. Danach kann die Geschichte loslaufen. Ich musste nicht erst ein Glossar heranziehen oder eine Weltkarte studieren. Sehr schön.</p>
<p>Der Humor der Geschichte entsteht meist aus den Figuren selbst. Acher möchte souverän wirken, während seine Geister ihn öffentlich untergraben. Ayu durchschaut ihn ohnehin und Isia besitzt häufig die schärfste Zunge der Runde. Diese Rollen sind deutlich, kippen aber selten in bloße Nummern.</p>
<p>Andererseits sitzt nicht jeder Witz. Einige moderne Anspielungen passen nur bedingt in die Gassen von Biblys. Außerdem rennt der zweite Teil seinem Ende entgegen. Ruhigere Gespräche hätten Morla, Montserrat und den übrigen alten Helden mehr Gewicht geben können, trotzdem bleibt die Erzählung jederzeit verständlich. Ich weiß immer, wer etwas will und warum der nächste Schritt nötig ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4373" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Macht, Besitz und Stimmen aus dem Jenseits</h3>
<p>Wenn ich es recht bedenke, steckt hinter dieser Komödie auch eine interessante Frage: Wem gehört die Erfahrung eines Menschen nach dessen Tod? Mächtige Nekromanten behandeln Geister wie Besitz. Ein berühmter Toter erhöht den Rang seines neuen Herrn. Wissen, Kampfkunst und Einfluss wechseln einfach den Besitzer. Auch dies erinnert mich an Aladdin: Dschinny ist dort ein Wesen mit eigenen Wünschen, obwohl er an seinen Meister gebunden ist. So auch hier.</p>
<p>Das Album verfolgt diesen Gedanken nicht bis in jede Ecke. Dafür ist das Buch zu gern Abenteuer. Acher bietet trotzdem einen Gegenentwurf. Seine Verbindung zu Teodor, Teheris und Isia beruht immer weniger auf Befehl und immer mehr auf Kooperation. Er gewinnt nicht durch bessere Unterwerfung, sondern weil aus vier Außenseitern eine sich ergänzende Gruppe wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4374" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Die Zeichnerin im blauen Geisterlicht</h3>
<p>Wer ist nun für die schönen Zeichnungen verantwortlich? Tina Valentino wurde an der <a href="https://scuolacomics.com/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Scuola Internazionale di Comics</a> in Rom in Zeichnung und Animation ausgebildet. Sie arbeitete an<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Geronimo_Stilton" target="_blank" rel="nofollow noopener"> GERONIMO STILTON</a>, gestaltete Cover und war an der Webserie <a href="https://www.crestomat.ch/" target="_blank" rel="nofollow noopener">IL CRESTOMAT</a> beteiligt. 2021 begann sie bei Drakoo die Zusammenarbeit mit Olivier Gay.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4375" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Kuppeln, Knochen und flinke Blicke</h3>
<p>Valentino eröffnet die Geschichte mit einem Grabmal, das sofort Lust auf Erkundung macht. Bäume, Wurzeln und Ruinen schieben sich in- und übereinander. Kleine Figuren laufen durch eine riesige grüne Anlage. Schon die erste Seite erklärt die Größe, die Stimmung und die Gefahr. Danach rückt die Zeichnerin näher an die Gruppe heran. Gesichter, Hände und Blicke fokussieren.</p>
<p>Ihre Figuren spielen sehr körperlich. Acher zieht die Schultern ein und schaut gern zur Seite. Morla steht fest und nimmt mehr Raum ein. Nach der Übernahme durch Boph-Êt wird ihr Gesicht härter. Ayu wirkt wach und kampfbereit, Isia schwebt zwar als Geist durch die Panels, besitzt aber mehr Haltung als viele Lebende.</p>
<p>Besonders schön ist das Geisterlicht. Teodor, Teheris und Isia erscheinen in kühlen Blautönen. Alice Scimia&#8217;s Kolorierung trennt sie deutlich von warmen Hautfarben, goldenen Kuppeln und rötlichen Stoffen. Gerät die Magie außer Kontrolle, strömen Grün und Gelb in die Seiten. Ich erkenne dadurch schnell, welche Kräfte gerade wirken.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4376" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715.jpg" alt="Innenseite 12 von NEKROMANTEN" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_INNENSEITE-12_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>NEKROMANTEN ist keine finstere Abhandlung über verbotene Rituale. Es ist eine warmherzige Coming-of-Age-Fantasy-Komödie über einen jungen Zauberer, der mit drei wenig angesehenen Toten über sich hinauswächst. Olivier Gay erzählt diese Geschichte flott und verständlich, während Tina Valentino dem Abenteuer starke Gesichter und sehr viel Bewegung mitgibt.</p>
<p>Ich hätte mir manchmal mehr Platz für Morla, Montserrat und die alten Helden gewünscht. Auch Biblys bleibt eher schöne Bühne als vollständig ausgearbeitete Stadt. Das Double habe ich trotzdem mit großem Vergnügen gelesen, denn seine beste Idee liegt darin, dass Acher aufhört, seine Geister nach ihrem Nutzen zu beurteilen und ihre Freundschaft zu schätzen lernt. Am Ende schlagen in diesem Totenreich erstaunlich viele Herzen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4366" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-286x400.jpg" alt="Cover von NEKROMANTEN" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714-600x840.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NEKROMANTEN_COVER_1000X714.jpg 714w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>NEKROMANTEN</li>
<li>Olivier Gay und Tina Valentino</li>
<li>Hardcover | 96 Seiten | Farbe | Double</li>
<li>ISBN 978-3-96792-284-4</li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★☆☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/nekromanten.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>LÄNDER VON YNUMA &#8211; ROTER SAMURAI und kleine Priesterin</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/07/laender-von-ynuma-roter-samurai-und-kleine-priesterin/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jul 2026 05:00:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Fantasy]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Mystery]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Sword-And-Sorcerer]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich gebe es ja zu. Als ich auf den ersten Seiten den schweigsamen Samurai mit roter Haut und gewaltigem Schwert sah, dachte ich zunächst, ich hätte mich in eine von Mike Mignola&#8217;s HELLBOY-Geschichten verirrt. Schließlich geht es hier ebenfalls um Dämonen, Waffen und bedeutungsvolles Schweigen. Andererseits fehlen hier die Hörner. Dann jedoch zieht sich Zhao, [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/laender-von-ynuma-roter-samurai-und-kleine-priesterin/">LÄNDER VON YNUMA – ROTER SAMURAI und kleine Priesterin</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich gebe es ja zu. Als ich auf den ersten Seiten den schweigsamen Samurai mit roter Haut und gewaltigem Schwert sah, dachte ich zunächst, ich hätte mich in eine von Mike Mignola&#8217;s <a href="https://www.cross-cult.de/highlights/hellboy-highlight-seite/" target="_blank" rel="nofollow noopener">HELLBOY</a>-Geschichten verirrt. Schließlich geht es hier ebenfalls um Dämonen, Waffen und bedeutungsvolles Schweigen. Andererseits fehlen hier die Hörner.</p>
<p><span id="more-4398"></span></p>
<p>Dann jedoch zieht sich Zhao, der rote Samurai, eine Augenbinde über, weil seine Begleiterin nackt in einen Teich steigen will. Das wiederum passt so gar nicht zu HELLBOY und kurz darauf liegt er selbst im Wasser und ringt mit einem rachsüchtigen Geist.</p>
<p>Genau in diesem Wechsel zwischen Ernst, Grusel und trockenem Humor liegt der Reiz von LÄNDER VON YNUMA und dem Startband ROTER SAMURAI. Nicolas Jarry, der Szenarist, und Vax, der Zeichner, greifen bekannte Motive aus asiatischen Geistergeschichten und Samurai-Erzählungen auf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4387" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 03 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-05.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-05-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-05-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Vier Jahreszeiten, vier Prüfungen</h3>
<p>Jedes Kapitel beginnt mit einem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haiku" target="_blank" rel="nofollow noopener">Haiku</a> und führt Zhao, den Krieger, und Mei-Jen, die Priesterin, durch Herbst, Winter, Frühling und Sommer. Landschaften, Gegner und Stimmungen verändern sich mit dem Wetter. Der erste Band der neuen Reihe fühlt sich dadurch wie eine vollständige Reise an, obwohl er aus vier einzelnen Aufträgen besteht.</p>
<p>Ynuma ist der dritte große Kontinent der Welten von Aquilon. Nach Arran und Ogon öffnet sich nun eine asiatisch angeregte Region mit Samurai, Mönchen, Geistern und erfundenen Völkern. Historisch genau will das nicht sein. Jarry baut schließlich eine Fantasywelt, keinen Reiseführer durch das alte Japan.</p>
<h3>Der Autor hinter Aquilon</h3>
<p>Nicolas Jarry gehört zu den prägenden Autoren der Welten von Aquilon. Nach ersten Fantasy-Romanen arbeitete er gemeinsam mit Jean-Luc Istin an Reihen wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/elfen-bd-1-der-kristall-der-blauelfen.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ELFEN</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-saga-der-zwerge-bd-1-redwin-von-der-schmiede.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ZWERGE</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/orks-und-goblins-bd-1.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ORKS &amp; GOBLINS</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/laender-von-ogon-1-zul-kassai.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">LÄNDER VON OGON</a>.</p>
<p>Seine Erfahrung hilft beim Einstieg. Jarry deutet eine große Welt an, ohne die Geschichte frühzeitig mit Namen, Ländern und alten Kriegen zu überladen. Vorkenntnisse brauche ich nicht. Die Regeln ergeben sich während der Reise.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4388" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 04 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-06.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-06-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-06-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Herbst am dunklen Teich</h3>
<p>Zhao gehört zum Volk der Kugo. Er ist riesig, besitzt eine mit Kanji übersäte, rote Haut. Schon seine Silhouette sagt deutlich, dass Ärger besser einen anderen Weg nehmen sollte. (Was das angeht, erinnert er mich sofort an <a href="https://panelwalker.de/2026/05/die-bruderschaft-der-stuerme-01-thoorak/" target="_blank" rel="noopener">Thoorak aus der Bruderschaft der Stürme</a>). Als Roter Samurai folgt er einem strengen Ehrenkodex. Er spricht wenig, lächelt noch weniger und behandelt selbst harmlose Begegnungen mit einer Feierlichkeit, die fast schon ein wenig komisch wirkt.</p>
<p>An seiner Seite reist Mei-Jen. Die Dobushi-Priesterin kennt sich mit Geistern, Ritualen und der Grenze zwischen den Welten aus. Wenn heilige Glocken erklingen, hat sich irgendwo der Schleier zwischen den Welten geöffnet. Dann folgen die Beiden ihrem Auftrag. Denn Zhao und Mei-Jen sollen jene Wesen zurückschicken, die nach Ynuma gelangt sind.</p>
<p>Der erste Ruf führt sie zu einem stillen Teich. Dort geht der Geist eines ertrunkenen Mädchens um. Die Ausgangslage hat etwas angenehm Altmodisches. Ein einsamer Ort, eine traurige Geschichte und Wasser, das ein wenig zu ruhig daliegt. Ich ahnte sofort, dass niemand freiwillig hineinsteigen sollte. Mei-Jen tut es trotzdem.</p>
<h3>Augenbinde gegen Anstand</h3>
<p>Um den Geist hervorzulocken, entkleidet sie sich, während Zhao sich die Augen verbindet und sich auf seine Ehre beruft. Mei-Jen nimmt das mit sichtlichem Vergnügen zur Kenntnis. Diese kleine Szene reicht bereits, um das Verhältnis der beiden zu erklären. Er hält sich an Regeln, sie prüft gern, wie belastbar diese sind.</p>
<p>Als der Yūrei angreift, packt er Mei-Jen und zieht sie in die Tiefe. Zhao springt hinterher. Der Kampf funktioniert, weil Jarry den Teich erst unheimlich erscheinen lässt und Vax mir dunkles Wasser, verschwommene Formen und Bewegungen unter der Oberfläche zeigt.</p>
<p>Hinter der Gefahr steckt jedoch keine grundlose Bosheit. Das Mädchen ist an seinen Tod gebunden. Zhao kann den Spuk nicht allein durch Kraft beenden. Mei-Jen&#8217;s Wissen und Mitgefühl sind ebenso nötig. Schon hier macht der Comic deutlich, dass seine Monster mehr sind als nur Ziele für ein scharfes Schwert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4389" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 05 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-07.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-07-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-07-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Winter in den Bergen</h3>
<p>Der zweite Auftrag führt uns in verschneite Berge. Eine wichtige Quelle ist verdorben. Aus ihrem Wasser kriechen larvenartige Wesen, die in Körper eindringen und sich ausbreiten. Nach dem stillen Geist am Herbstteich wird das Abenteuer deutlich körperlicher und unangenehmer.</p>
<p>Während Mei-Jen den Riss zwischen den Welten mit ihren Fähigkeiten zu schließen versucht, entweicht eine weitere Kreatur. Zhao löst das Problem auf eine Weise, die perfekt zu ihm passt. Er nimmt die Kreatur in sich auf. Sein eigener Körper wird zur Falle. Das ist heldenhaft, widerlich, aber auch eindrucksvoll. Vor allem erzählt diese Szene mehr über ihn als mehrere Seiten voller Erklärungen.</p>
<h3>Der Krieger als Schutzwall</h3>
<p>Zhao sieht sich selbst als Werkzeug. Schmerzen sind hinzunehmen. Gefahr gehört zum Auftrag. Rücksicht auf die eigene Person kennt er nicht. Was zunächst wie große Tapferkeit aussieht, hat deshalb auch eine dunklere Seite.</p>
<p>In dieser Geschichte rückt die Bedeutung einer Team-Leistung in den Vordergrund. Beide kümmern sich, aber jeder um einen bestimmten Aspekt der Bedrohung. Ohne Mei-Jen&#8217;s Wissen wären die befallenen Personen alle verloren, ohne Zhao&#8217;s Kraft und Selbstaufopferung könnte Mei-Jen ihren Teil der Aufgabe nicht erfüllen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4390" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 06 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-08.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-08-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-08-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Frühlingsnebel und ein kleiner Hirte</h3>
<p>Im Frühling liegt Nebel über dem Land. Ein kleiner Hirte hat seine Tiere verloren und bittet Zhao und Mei-Jen um Hilfe. Damit verändert sich die Stimmung erneut. Aber jetzt läuft ein Kind neben ihnen her, stellt Fragen und lässt sich von Zhao&#8217;s Erscheinung kaum beeindrucken.</p>
<p>Für mich ist dieses Kapitel der stärkste Teil des Bandes. Der Junge bringt Wärme in die Geschichte, ohne zum niedlichen Maskottchen zu werden. Seine Sorge ist einfach: er hat Tiere verloren, die ihm anvertraut wurden. Plötzlich geht es nicht um das Gleichgewicht großer Welten, sondern um ein kleines persönliches Versprechen.</p>
<p>Zhao begegnet ihm zunächst mit seiner üblichen Steifheit. Hiervon lässt der Junge sich aber nicht abschrecken und zeigt, dass Risse auch Zhao&#8217;s Schutzpanzer entstehen können.</p>
<h3>Hinter dem Ehrenkodex</h3>
<p>Jarry erzählt nun etwas mehr über den Roten Samurai. Zhao hatte ein Leben vor seinen Reisen. Er kannte Nähe, Verantwortung und Verlust. Der Band erklärt nicht jedes Detail. Kurze Erinnerungen und Reaktionen genügen.</p>
<p>Sein Ehrenkodex ist nicht nur Ausdruck seiner Überzeugung. Er schützt ihn vor Gefühlen, die er nicht noch einmal zulassen möchte. Mei-Jen erkennt schneller als er selbst, was in ihm vorgeht. Ihr Humor bleibt freundlich. Sie reizt ihn, aber sie stellt ihn nicht bloß.</p>
<p>Im Nebel verschwimmen Wege und Entfernungen. Vax lässt Figuren nur teilweise aus dem Weiß auftauchen. Der Frühling, sonst eine Zeit des Aufbruchs, fühlt sich hier wie eine Reise durch Erinnerungen an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4391" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-09.jpg" alt="Innenseite 07 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-09.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-09-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-09-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Sommer unter einer gnadenlosen Sonne</h3>
<p>Der letzte Auftrag führt hinaus auf&#8217;s Wasser. Ein gewaltiges, schlangenartiges Wesen nährt sich von Erinnerungen und vergangenen Leben. Seine Opfer verlieren nicht nur Kraft. Sie werden mit allem konfrontiert, was sie einmal waren oder hätten werden können.</p>
<p>Für Zhao ist das der denkbar schlimmste Gegner. Gegen Krallen, Zähne und Hiebe kann er kämpfen. Gegen die eigene Vergangenheit hilft kein scharfes Schwert.</p>
<p>Der Comic öffnet nun einige Türen, die zuvor nur einen Spalt breit offen standen. Zhao musste schwere Verluste hinnehmen. Seine Härte kommt nicht aus angeborener Kälte. Er hat sich in die Rolle des Roten Samurai eingeschlossen, weil diese Rolle keine Zweifel und keine Nähe verlangt.</p>
<h3>Klinge gegen Erinnerung</h3>
<p>Das Wesen zwingt ihn, hinter diese Fassade zu schauen. Der Kampf funktioniert deshalb nicht nur als Abschluss mit möglichst viel Getöse. Zhao muss eine innere Entscheidung treffen. Er kann seine Vergangenheit nicht besiegen, indem er sie noch tiefer vergräbt. Denn diesmal muss er sich der Aufgabe auch alleine stellen.</p>
<p>Vax zieht bei dieser Begegnung alle Register. Das Geschöpf füllt große Teile der Seiten. Zhao wirkt daneben plötzlich klein. Weite Bilder wechseln mit engen Ausschnitten. Bewegungen ziehen sich durch mehrere Panels. Trotzdem blieb für mich immer klar, wer sich wo befindet.</p>
<p>Zhao wird nicht plötzlich offen und redselig. Die Veränderung zeigt sich in kleinen Entscheidungen und Blicken. Nur das Ende kommt etwas schnell. Nach dem Kampf hätte ich gern noch ein paar ruhige Seiten mit Zhao und Mei-Jen verbracht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4392" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-10.jpg" alt="Innenseite 08 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-10.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-10-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-10-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Vier Episoden, eine Entwicklung</h3>
<p>LÄNDER VON YNUMA &#8211; ROTER SAMURAI fühlt sich nicht wie eine lose Sammlung an. Jede Jahreszeit führt Zhao und Mei-Jen einen Schritt weiter.</p>
<p>Im Herbst begegnet er dem Schmerz eines fremden Geistes, im Winter macht er den eigenen Körper zum Schutzwall, im Frühling erinnert ihn ein Kind an sein früheres Leben und im Sommer muss er sich schließlich dem stellen, was er lange verdrängt hat.</p>
<p>Diese Ordnung gibt der Geschichte Halt. Jeder Abschnitt hat eine eigene Farbe, ein eigenes Tempo und eine eigene Art von Gefahr. Jarry verbindet dabei klassisches Fantasyabenteuer mit dem Porträt eines verschlossenen Kriegers, dessen Schutzmauern langsam Risse bekommen.</p>
<h3>Fünf Bände für Ynuma</h3>
<p>Die Reihe ist auf fünf Alben angelegt. Spätere Teile wechseln Figuren, Szenaristen und Zeichner. Das ist reizvoll, weil Ynuma dadurch aus verschiedenen Blickwinkeln wachsen kann.</p>
<p>Gleichzeitig hätte ich gegen weitere Abenteuer mit Zhao und Mei-Jen nichts einzuwenden. Besonders Mei-Jen besitzt noch viel ungenutztes Potenzial. Über Zhao erfahre ich bereits einiges. Seine Begleiterin bleibt dagegen zu oft die humorvolle Helferin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4393" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 09 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-11.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-11-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-11-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Vax und die Kunst der Haltung</h3>
<p>Vax hat bereits an <a href="https://www.splitter-verlag.de/sensei-bd-1-die-schule-der-einsamen-woelfe.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SENSEÏ</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/die-legende-der-drachenritter-30.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DIE LEGENDE DER DRACHENRITTER</a> und SAMURAI ORIGINS gearbeitet. Asiatisch geprägte Welten und große Fantasyabenteuer sind für ihn also kein Neuland.</p>
<p>Das merke ich LÄNDER VON YNUMA &#8211; ROTER SAMURAI an. Tempel, Rüstungen, Berge und Waffen passen zusammen. Vor allem versteht Vax, dass Zhao nicht nur im Kampf überzeugen muss.</p>
<p>Der Krieger lebt von seiner Haltung. Er steht gerade, bewegt sich sparsam und besetzt mit seinem Körper oft einen großen Teil des Bildes. Mei-Jen bildet den passenden Gegenpol. Sie ist beweglicher und lebhafter. Wenn sie Zhao aufzieht, genügt häufig ein Blick.</p>
<h3>Wenn Farben Wetter erzählen</h3>
<p>Auch die Jahreszeiten bekommen ein eigenes Gesicht. Der Herbstteich liegt dunkel zwischen Grün und Braun. Der Winter besteht aus Felsen, Schnee und kaltem Licht. Im Frühling löst Nebel die festen Formen auf. Der Sommer bringt warme Farben und weite Räume.</p>
<p>Sehr gelungen ist der Seitenaufbau. Vax eröffnet Szenen häufig mit breiten Bildern. Sobald Gefahr entsteht, werden die Panels enger und schneller. Dadurch steigt das Tempo, ohne dass die Seite unruhig wird.</p>
<p>Nicht jedes kleine Gesicht ist gleich fein ausgearbeitet. Nebenfiguren wirken aus größerer Entfernung gelegentlich grob. Die Geister und Dämonen sind ohnehin die heimlichen Stars. Vax nutzt lange Gliedmaßen, nasse Haare und unnatürliche Bewegungen. Der Comic bleibt dabei ein Fantasyabenteuer und kippt nicht in reinen Horror.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4394" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-12.jpg" alt="Innenseite 10 von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-12.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-12-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Innenseite-12-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>LÄNDER VON YNUMA &#8211; ROTER SAMURAI macht den Einstieg in die neue Serie sehr leicht. Ich bekomme einen eindrucksvollen Helden, eine charmante Begleiterin, vier unterschiedliche Geisterabenteuer und eine Welt, die sofort nach mehr aussieht. Das gefällt mir richtig gut.</p>
<p>Nicolas Jarry erzählt geradlinig. Hinter den Kämpfen steckt eine Geschichte über Verlust, Pflichtgefühl und die Frage, wann ein Ehrenkodex Halt gibt und wann er zum Gefängnis wird. Vax liefert dazu starke Bilder. Seine Landschaften tragen die Stimmung, seine Kämpfe bleiben klar.</p>
<p>Ganz rund ist der Auftakt nicht. Mei-Jen hätte mehr eigene Geschichte verdient und das Ende könnte länger ausklingen. Diese kleinen Schwächen ändern aber nichts daran, dass ich mit den Beiden sehr gern durch Herbst, Winter, Frühling und Sommer gezogen bin.</p>
<p>Wer Samurai, Geister und zugängliche Fantasy mag, sollte Zhao und Mei-Jen begleiten. Und wer bei einem roten Krieger (mit und ohne Hörnern) zunächst nur an große Schwertkämpfe denkt, darf sich auf eine angenehm persönliche Überraschung gefasst machen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4386" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Cover-290x400.jpg" alt="Cover von LAENDER VON YNUMA 01 ROTER SAMURAI" width="290" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Cover-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Cover-600x829.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/LAENDER_YNUMA_01_Cover.jpg 724w" sizes="auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>LÄNDER VON YNUMA 01 &#8211; ROTER SAMURAI</li>
<li>Nicolas Jarry und Vax</li>
<li>Hardcover | 72 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-69258-002-9</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/laender-von-ynuma-1.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/laender-von-ynuma-roter-samurai-und-kleine-priesterin/">LÄNDER VON YNUMA – ROTER SAMURAI und kleine Priesterin</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>WYOMING, 1863 liegt am Rande der bekannten Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jul 2026 05:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Western]]></category>
		<category><![CDATA[Fabrizio des Dorides]]></category>
		<category><![CDATA[Garluk]]></category>
		<category><![CDATA[Jean-François di Giorgio]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wyoming im Jahre 1863. Das klingt erst einmal nach Wildem Western pur, nach weitem Himmel, heißem Kaffee, Pferdeschweiß und einem Revolver, der locker im Holster sitzt. Auch die Jahreszahl macht den Schauplatz um Einiges spannender, als es der erste Blick verrät. 1863 ist Wyoming noch kein Bundesstaat der USA, noch nicht einmal das Wyoming Territorium [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/wyoming-1863-liegt-am-rande-der-bekannten-welt/">WYOMING, 1863 liegt am Rande der bekannten Welt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wyoming im Jahre 1863. Das klingt erst einmal nach Wildem Western pur, nach weitem Himmel, heißem Kaffee, Pferdeschweiß und einem Revolver, der locker im Holster sitzt.</p>
<p>Auch die Jahreszahl macht den Schauplatz um Einiges spannender, als es der erste Blick verrät. 1863 ist Wyoming noch kein Bundesstaat der USA, noch nicht einmal das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wyoming-Territorium" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wyoming Territorium</a> existiert. Auf der Karte liegt dieser Landstrich zwischen allen Zuständigkeiten, innerhalb vielen Interessen und mitten im Zentrum rauer Gewalt. Und genau hierhin &#8211; in diese Wildnis &#8211; versetzen mich Fabrizio des Dorides und Jean-François di Giorgio.</p>
<p><span id="more-4288"></span></p>
<p>Ich mag Western besonders, wenn sie nicht so tun, als sei der Wilde Westen ein großer Abenteuerspielplatz gewesen. Darum mochte ich schon zwei andere Alben aus dem Splitter Verlag: <a title="Ein Mann geht seinen Weg BIS ZUM BITTEREN ENDE" href="https://panelwalker.de/2026/02/ein-mann-geht-seinen-weg-bis-zum-bitteren-ende/" target="_blank" rel="noopener">BIS ZUM BITTEREN ENDE</a> und <a title="Ein Rat an alle Gauner – LEAVE THEM ALONE" href="https://panelwalker.de/2026/06/ein-rat-an-alle-gauner-leave-them-alone/" target="_blank" rel="noopener">LEAVE THEM ALONE</a>. Der wahre Westen war ein Versprechen auf Freiheit und Möglichkeiten. Aber er war auch ein Ort, an dem dieses Versprechen sehr schnell blutig werden konnte.</p>
<h3>Ein Land im Umbruch</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fort_Laramie" target="_blank" rel="nofollow noopener">Fort Laramie</a> war in jener Zeit ein Knotenpunkt für Trecks, Soldaten, Händler aller Art, für Glückssucher und jene Menschen, denen dieses Land längst ohne eine Besitzurkunde gehörte. Im Osten tobte noch ein grausamer Bürgerkrieg und in den Schlachten von Gettysburg und Vicksburg starben Tausende. Aber auch hier waren die Tage roh, unsicher und voller kleiner Kriege um Besitz, Wasser und Nutztiere.</p>
<p>WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN nutzt genau dieses Szenario. Jean-François di Giorgio erzählt mir keinen gemütlichen Lagerfeuerwestern. Er stellt die Lebenslinien von drei Personen gegeneinander und lässt sie aufeinander zurasen. Dazu zeichnet Fabrizio des Dorides keinen hübschen Buffalo-Bill-Postkartenwestern. Seine Bilder sehen nach Staub aus, riechen nach Schweiß, Holz und Leder und natürlich nach Pulverdampf. Schon nach wenigen Seiten ist mir klar, dass dieser Band nicht lange fackelt. Er zieht die Colts und hält drauf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4295" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-03_1000X715.jpg" alt="Innenseite 03 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-03_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-03_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-03_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Grenzland vor dem Sheriffstern</h3>
<p>Der vorhin genannte, historische Hintergrund bleibt im Comic aber eher Kulisse. Di Giorgio erklärt nicht lange, warum dieses Land gefährlich ist. Er zeigt es mir.</p>
<p>Farmen wirken wie kleine Lichtungen im großen Meer der Gräser und Wälder. Wege sind keine sicheren Verbindungen, sondern riskante Reiserouten, während Häuser zwar Schutz bieten, aber auch exponierte Ziele sind. Denn wer Besitz hat, braucht Waffen, um es zu verteidigen. Wer nichts hat, greift erst recht nach dem, was anderen gehört.</p>
<p>1863 steckt der amerikanische Westen zwischen militärischer Ordnung, Expansion und privater Gewalt. Der Comic interessiert sich mehr für die alltäglichen Folgen daraus als für große Namen. Ein Überfall kann Familien verändern, ein Geheimnis Beziehungen vergiften und ein alter Hass schmerzt weiter wie ein schlecht verheilter Knochenbruch beim Reiten.</p>
<p>Gerade deshalb funktioniert der Titel so gut. Fünf Tage klingen wenig. Aber im Western reichen fünf Tage aus, um in einem Leben eine Trümmerlandschaft zu hinterlassen. Der Band spielt mit dieser Verdichtung. Er erzählt nicht hastig, aber kompakt. Beim Lesen hatte ich stets das Gefühl, dass irgendeine Figur immer zu spät kommt, zu spät für Frieden, zu spät für Vernunft, zu spät für einen Ausweg ohne Blut.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4296" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-04_1000X715.jpg" alt="Innenseite 04 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-04_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-04_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-04_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Drei Spuren im Sand</h3>
<p>Die Handlung beginnt mit Diego, dem mexikanischen Desperado. Er führt eine Bande von Pferdedieben an, die sich auf die Creek Ranch stürzen will. Es geht um Beute und um Macht. Doch bei Diego und seinen Kumpanen bleibt es nicht beim einfachen Räuberstück. Ihre Gewalt wirkt schnell größer als ihr Plan.</p>
<p>Das macht den Band bereits auf den ersten Seiten brutal, denn bei all&#8216; ihren Raubzügen lassen sie keine Zeugen zurück. Frauen leiden besonders. Nicht jede Grausamkeit fällt sofort gleich schwer ins Gewicht. Der Auftakt setzt hier aber stark auf Schock, Tempo und Bedrohung. Die seelische Tiefe der Täter bleibt vorerst dünner als die Wucht ihrer Auftritte.</p>
<p>Als nächstes lerne ich Emma Bridges kennen. Sie ist keine geborene Heldin aus dem Bilderbuch, obwohl sie sich zu behaupten weiß &#8211; mit Worten und Revolvern. Sie ist eine Frau, der das Schlimmste widerfahren ist, was es in dieser menschenleeren Weite gibt: ihre beiden Töchter wurden entführt. Dieser Verlust treibt sie an, nicht als edle Mission, sondern als Wunde, die nicht mehr aufhört zu bluten. Emma bewegt sich durch diesen Comic mit einer Mischung aus Erschöpfung, Härte und blindem Ziel. Sie will ihre Kinder zurück. Und sie ist bereit, dafür weit, sehr weit zu gehen.</p>
<p>Sie begleitet Bill und seiner Verlobte Virginia auf die Creek Ranch, der Ranch ihres Vaters. Er ist jung, bewaffnet und für mich anfangs schwer zu greifen. Wie sich schnell herausstellt, hat Bill mit dem alten Herrn eine Rechnung offen. Welche? Das bleibt in diesem Band ein Geheimnis. Di Giorgio nutzt Bill als Figur der Verzögerung. Ich erfahre genug, um misstrauisch zu werden. Ich erfahre zu wenig, um ihn sicher einzuordnen. Das ist reizvoll, weil der Band dadurch nicht nur nach vorn drängt. Er hält immer wieder kurz an und lässt die eine oder andere Frage auf Nebenschauplätzen spielen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4297" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-05_1000X715.jpg" alt="Innenseite 05 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-05_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-05_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-05_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Pulverdampf an der Creek Ranch</h3>
<p>Diese drei Spuren also führen zur Creek Ranch. Dort bündelt der Band seine erzählerischen Kräfte. Die Ranch ist ein klassischer Westernort aus einfachem Wohlstand und einer Familie. Aber auch hier liegen Abhängigkeiten und Gewalt eng beieinander. Wer dort eintritt, bringt etwas mit, eine Lüge, eine Rechnung oder eine Waffe. Oder gleich alles zusammen.</p>
<p>Der Reiz der Handlung liegt darin, dass di Giorgio die Figuren nicht einfach nacheinander vorstellt und dann sauber zusammenführt. Er schneidet zwischen ihnen hin und her. Dadurch entsteht Bewegung. Emma sucht, Bill lauert auf die Ausführung seines eigenen Plans und Diego nimmt mit seiner Bande Kurs auf die Ranch. Ich lese das wie ein langsames Zuziehen einer Schlinge. Der Band heißt zwar FÜNF TAGE ZUM STERBEN, aber der eigentliche Motor ist weniger der Kalender als das Gefühl, dass mehrere schlechte Entscheidungen denselben Ort ansteuern.</p>
<p>Dabei verrät der Comic nicht zu viel. Er nutzt Emma als eine klare emotionale Mitte. Bei Bill hält er mich auf Abstand, baut ihn aber deutlich als Gefahr von innen auf. Und bei Diego setzt er auf eine Gefahr von außen. Dieses Ungleichgewicht ist kein Unfall. Es gibt dem Auftakt seine Form. Emma ist der Herzschlag,  Bill das Rätsel und Diego die Bedrohung. Wenn die Gewalt schließlich ausbricht, wirkt das nicht überraschend. Es wirkt dann wie die erlösende Explosion des Kessels, der zu viel Druck aufgebaut hat.</p>
<p>Schwächer finde ich, dass der Band manche Übergänge sehr zügig nimmt. Emma&#8217;s Entwicklung zur tödlichen Suchenden überzeugt emotional, weil der Verlust sehr schwer wiegt. Dennoch hätte ich mir an ein, zwei Stellen etwas mehr Atem gewünscht. Ein Moment, in dem die Figur nicht handelt, sondern die Handlung sie kurz einholt. Der Comic ist stark im Vorwärtsdrang. Gerade deshalb fehlen ihm gelegentlich kleine stille Momente. Aber ja, die Autoren hatte nur 56 Seiten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4298" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-06_1000X715.jpg" alt="Innenseite 06 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-06_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-06_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-06_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Revolver in der Autorenhand</h3>
<p>Jean-François di Giorgio wurde 1961 geboren und arbeitet seit den achtziger Jahren als Szenarist im frankobelgischen Comic. Bekannt wurde er unter anderem durch Reihen wie <a href="https://www.splitter-verlag.de/samurai-legenden-bd-1-furiko.html" target="_blank" rel="noopener">SAMURAI</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/samurai-legenden-10.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SAMURAI LEGENDEN</a>, <a href="https://www.splitter-verlag.de/sensei-bd-1-die-schule-der-einsamen-woelfe.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SENSEÏ</a> und <a href="https://www.splitter-verlag.de/shaolin-1-kind-des-schicksals.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">SHAOLIN</a>. Sein Werk zeigt eine deutliche Lust an Abenteuerstoffen, an Kämpfern mit Vergangenheit und an langen Erzählbögen. Oft bewegen sich seine Geschichten in historischen bzw. historisch gefärbten Welten. Mit WYOMING, 1863 wechselt er vom fernöstlich geprägten Abenteuer in den amerikanischen Westen, behält aber sein vertrautes Interesse bei. Ihn reizen Figuren, die von Schuld, Loyalität und Gewalt geformt werden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4299" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-07_1000X715.jpg" alt="Innenseite 07 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-07_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-07_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-07_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Keine Heiligen unter weitem Himmel</h3>
<p>Als Western ist WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN ziemlich klassisch gebaut und genau darin recht selbstbewusst. Der Comic erfindet das Genre nicht neu. Er sucht keine ironische Brechung. Er vertraut auf alte Zutaten wie z.B. eine brutale Gansterbande, einen undurchsichtiger Lebemann mit Geheimnis und eine junge, aber selbstbewusste Frau auf der Suche. Rache ist spätestens in der zweiten Hälfte des Bandes ein weiterer narrativer Treibstoff, bei dem Blut den Preis markiert.</p>
<p>Di Giorgio erzählt aus drei Blickwinkeln. Dadurch zerfällt die Welt aber nicht in Gut und Böse. Emma hat das klarste Ziel, aber keinen sauberen Glorienschein um sich. Bill ist interessant, weil ich nicht weiß, wie sich seine Geschichte über die Reihe hin entwickeln wird. Diego ist der schwächste Pol des Trios, weil seine Brutalität im ersten Band noch stärker wirkt als jede innere Logik. Er lebt in einer Welt brutaler Männer und muss sich dort jeden Tag behaupten. Für einen Auftakt reicht das, weil er die Gefahr verkörpert, für die gesamte Reihe muss da später mehr kommen.</p>
<p>Thematisch kreist der Band um Verlust, Vergeltung und die Frage, wie schnell Zivilisation abblättert, wenn ordnende Kräfte fehlen. Besonders gefällt mir, dass der Comic keine falsche Milde in seiner Welt verwendet. Niemand rettet irgendwen durch gutes Zureden. Wenn eine Institution auftritt, tut sie dies mit &#8211; genau &#8211; Verzögerung. Keine Kavallerie kommt im richtigen Monat angeritten. Hilfe ist privat, zufällig oder käuflich. Das passt zu diesem Grenzland.</p>
<p>Der Seitenrhythmus unterstützt diese Härte. Ruhigere Passagen kippen schnell in Aktion. Dialoge bleiben knapp, Blicke übernehmen viel der Arbeit. Der Comic liest sich zügig, aber nicht flach. Er legt Spuren, ohne jede Spur sofort zu erklären. Als erster Band erfüllt er damit seine Aufgabe. Er baut eine Welt auf, stellt die Hauptkräfte vor und endet mit dem deutlichen Gefühl, dass die eigentliche Abrechnung erst begonnen hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4300" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-08_1000X715.jpg" alt="Innenseite 08 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-08_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-08_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-08_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Zeichner mit Staub an den Stiefeln</h3>
<p>Fabrizio des Dorides ist ein italienischer Zeichner und Illustrator. Er arbeitet unter anderem für den italienischen Comicmarkt, u.a. für <a href="https://leagueofcomicgeeks.com/comic/3360637/dylan-dog-382" target="_blank" rel="nofollow noopener">DYLAN DOG</a>, und für französischsprachige Verlage. Zu seinen Arbeitsfeldern zählen realistische Comiczeichnung, Illustration und anatomisches Zeichnen.</p>
<p>Bei WYOMING, 1863 übernimmt er die visuelle Gestaltung einer Westernwelt, die stark von Körpern, Landschaften und Gewalt lebt. Die sehr flexible Panelgestaltung erinnert mich mit ihrem Shots stark an klassische Italo-Western wie Serio Leone&#8217;s <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0064116/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_spiel%20mir%20das%20lied" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD</a> oder <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0060196/?ref_=nm_knf_t_4" target="_blank" rel="nofollow noopener">ZWEI GLORREICHE HALUNKEN</a>.</p>
<p>Die Gesichter sind ausdrucksvoll, ohne zu übertreiben. Das ist wichtig, weil der Band viele harte Momente hat. Zu viel Grimasse hätte alles in Richtung Schund gezogen. Des Dorides bleibt nah an den Figuren, verliert die Umgebung aber nicht aus den Augen. Holzveranden, Zäune, Ställe, Innenräume und weite Außenflächen geben dem Western einen realistischen Anstrich. Ich erlebe diese Orte und halte sie für wahrhaftig. Sie sehen bewohnt aus, oder bedroht, oft auch beides zugleich.</p>
<p>Der Seitenaufbau ist klar. Die Action bleibt lesbar, auch wenn es wild wird. Das ist bei Western-Schießereien nicht selbstverständlich. Seine Panel-Führung könnte tatsächlich dem Buch <a title="THE FILMMAKER’S EYE – Eine Brücke zwischen Film und Comics" href="https://panelwalker.de/2026/02/the-filmmakers-eye-eine-bruecke-zwischen-film-und-comic/" target="_blank" rel="noopener">The Filmaker&#8217;s Eye</a> entnommen sein. Des Dorides setzt auf wechselnde Distanzen. Erst Überblick, dann Körper, dann Gesicht, dann Hand, dann Waffe. So entsteht Tempo, ohne dass ich die Orientierung verliere. Besonders stark sind die Momente, in denen die Panels enger werden. Dann zieht sich der Raum zusammen. Aus der Weite wird eine Falle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4301" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-09_1000X715.jpg" alt="Innenseite 09 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-09_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-09_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-09_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Staub, Holz und Farben des Westens</h3>
<p>Die Kolorierung stammt von Garluk (wer immer das auch ist, denn ich konnte zu diesem Pseudonym leider nichts in Erfahrung bringen). Zeichnung und Farbe prägen aber den rauen Ton des Bandes gemeinsam stärker, als es ein reines Abenteuerlayout leisten könnte.</p>
<p>Garluk&#8217;s Farben verstärken diese Wirkung. Der Band ist nicht einfach braun und staubig. Warme Gelbtöne, trockenes Ocker, schmutzige Schatten und rote Einschläge setzen den Ton. Das Licht fühlt sich oft hart an. Es schmeichelt den Figuren nicht. In Gewaltszenen werden die Farben dichter, ohne alles im Effekt zu ertränken. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Kolorierung die Hitze und Trockenheit des Landes mitbringt. Sie macht den Westen nicht romantisch, sondern verwundend.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4302" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-10_1000X715.jpg" alt="Innenseite 10 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-10_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-10_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-10_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Der Weg führt zum Galgenbaum</h3>
<p>Der Serienkontext ist wichtig, weil dieser erste Band offensichtlich nicht alles abschließt. Splitter führt die deutsche Ausgabe als ersten Band einer Reihe. In Frankreich liegt mit L&#8217;ARBRE AU PENDU bereits die Fortsetzung vor, die als deutsche Ausgabe unter <a href="https://www.splitter-verlag.de/wyoming-1863-2.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER BAUM DES GEHÄNGTEN</a> angekündigt ist. Das beruhigt, denn WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN setzt viele Fährten.</p>
<p>Als Auftakt funktioniert der Band gut.Tatsächlich verstehe ich den Aufbau aber nicht ganz. Die erste Seite wäre als Cliffhanger genial, als Einstieg, der sich am Ende des Bandes aber (noch) nicht auflöst, weckt sie Erwartungen und enttäuscht mich. Keine gute Anbindung an die Leserschaft.</p>
<p>Er gibt genug Handlung, um nicht wie ein bloßer Prolog-Band zu wirken. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen. Welche Rache genau trägt Bill mit sich herum? Wird Emma ihre Töchter finden? Wird Diego mehr als nur der brutale Auslöser einer Kette von Katastrophen sein? Diese Fragen hängen nach der Lektüre immer noch in der Luft und ziehen mich weiter &#8218;gen Westen.</p>
<p>Ich wünsche mir darüber hinaus für die Fortsetzung, dass die Figuren noch mehr Innenleben bekommen. Die Bühne steht, das Level an Gewalt ist vorgegeben, die Zeichnungen tragen die Story. Jetzt darf die Geschichte tiefer in ihre Protagonisten eindringen. Emma hat dafür das stärkste Fundament, Bill bietet das größte Rätsel und Diego braucht die deutlichste Nachschärfung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4303" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-11_1000X715.jpg" alt="Innenseite 11 von WYOMING 1863 01" width="715" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-11_1000X715.jpg 715w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-11_1000X715-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_INNENSEITE-11_1000X715-600x839.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4335" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NOT-approved-by-the-comic-code-authority-300x230.png" alt="COMIC CODE AUTHORITY STAMP - NOT APPROVED" width="300" height="230" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NOT-approved-by-the-comic-code-authority-300x230.png 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/NOT-approved-by-the-comic-code-authority.png 485w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN ist ein harter, sehr ansprechend gezeichneter, nicht wirklich jugendfreier Western-Auftakt mit viel Tempo und viel, ja sehr viel Gewalt. Die Comic Code Authority <a title="DR. WERTHLESS bekämpft den Schund" href="https://panelwalker.de/2025/12/dr-werthless-bekaempft-den-schund/" target="_blank" rel="noopener">wäre not-amused</a> gewesen!</p>
<p>Jean-François di Giorgio setzt auf bewährte Genre-Motive, aber er erzählt sie mit sicherem Gespür für Druck und Zuspitzung. Fabrizio des Dorides gibt dem Band die nötige Erde unter den Stiefeln. Seine Figuren sind sehr gut lesbar, seine Schauplätze phantastisch, seine Action klar und deutlich.</p>
<p>Nicht alles wird schon eingelöst. Einige emotionale Übergänge hätten etwas mehr Raum verdient. Doch der Gesamteindruck bleibt deutlich positiv. Dieser Comic weiß, welchen Western er erzählen will, keinen eleganten Abgesang sondern Staub, Schuld, Rache und offene Rechnungen.</p>
<p>Ich bin nach diesem ersten Band nicht satt, sondern richtig neugierig. Und das ist bei einem Western mit Fortsetzungen vielleicht das beste Gefühl, das man haben kann. Der Schuss ist gefallen, der Pulver-Rauch hängt noch in der Luft und ich will wissen, wer am Ende wirklich noch steht.</p>
<p>Und ganz entfernt, im Hintergrund läuft die <a href="https://archive.org/details/tvtunes_10114" target="_blank" rel="nofollow noopener">Titelmusik von &#8222;The Magnificent Seven&#8220;</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4294" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_COVER_1000X716-286x400.jpg" alt="Cover von WYOMING 1863 01" width="286" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_COVER_1000X716-286x400.jpg 286w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_COVER_1000X716-600x838.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/07/WYOMING-1863_01_COVER_1000X716.jpg 716w" sizes="auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>WYOMING, 1863 &#8211; FÜNF TAGE ZUM STERBEN</li>
<li>Jean-François di Giorgio und Fabrizio des Dorides</li>
<li>Hardcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-98721-328-1</li>
<li>Storyline:  ★★★★☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/wyoming-1863-1.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/wyoming-1863-liegt-am-rande-der-bekannten-welt/">WYOMING, 1863 liegt am Rande der bekannten Welt</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>SCHWARZE SEEROSEN und eine Leiche im Fluss</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/07/schwarze-seerosen-und-eine-leiche-im-fluss/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jul 2026 05:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Didier Cassegrain]]></category>
		<category><![CDATA[Fred Duval]]></category>
		<category><![CDATA[Splitter Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Album ist optisch einfach eine Wucht, wie ein Ausstellungskatalog aus einem Museum. SCHWARZE SEEROSEN spielt zudem an einem Ort, der sich selbst vermarktet. Giverny liegt in der Normandie, nordwestlich von Paris und lebt vom Mythos eines Mannes, der hier seinen Lebensabend verbrachte: der Maler Claude Monet. Sein berühmter Garten mit See und Seerosen wirkt [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/schwarze-seerosen-und-eine-leiche-im-fluss/">SCHWARZE SEEROSEN und eine Leiche im Fluss</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Album ist optisch einfach eine Wucht, wie ein Ausstellungskatalog aus einem Museum. SCHWARZE SEEROSEN spielt zudem an einem Ort, der sich selbst vermarktet. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Giverny" target="_blank" rel="nofollow noopener">Giverny</a> liegt in der Normandie, nordwestlich von Paris und lebt vom Mythos eines Mannes, der hier seinen Lebensabend verbrachte: der Maler <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Monet" target="_blank" rel="nofollow noopener">Claude Monet</a>.</p>
<p>Sein berühmter Garten mit See und Seerosen wirkt wie ein Versprechen. Wer hier ankommt, den erwartet malerische Schönheit. Genau diese Erwartung nutzt auch der Comic als seine Tarnung und erzählt mir einen Mordfall, der sich in diese Postkartenidylle einschleicht.</p>
<p><span id="more-3310"></span></p>
<p>Bekanntlich habe ich eine große Schwäche für Krimis, die ihre Ort als Kulisse ernst nehmen. Hier gelingt dies gut. Der Zeichner &#8211; oder sollte ich sagen: der Maler? &#8211; Didier Cassegrain setzt Giverny als lebenden Organismus in Szene. Gleichzeitig stolpert das Buch dort, wo es mich am meisten packen müsste: bei den Beziehungen der beteiligten Charaktere!</p>
<p>Die Handlung hängt an Eifersucht, Begehren und an Abhängigkeiten. Obwohl das Buch wie gemalt daher kommt, bleiben viele Verbindungen des Comics erstaunlich skizzenhaft. Das wirkt wie eine erzählerische Abkürzung, die dem Werk nicht gerecht wird und den Blick stärker auf das Visuelle lenkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3325" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713.jpg" alt="Innenseite 03 von SCHWARZE SEEROSEN" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-03_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Der tote Morval</h3>
<p>Worum geht es? Das Opfer, Jérôme Morval, wird tot im Wasser aufgefunden. Er war wohlhabend, er sammelte Kunst und er sammelte &#8230; Affären. Der Mord ist brutal und wirkt nicht wie ein Unfall, auch nicht wie eine Eskalation im Affekt. Und ein junger, wenig erfahrener Ermittler darf bzw. muss den Fall übernehmen.</p>
<p>Kommissar Laurenc Sérénac ist neu im Ort. Sein Assistent Sylvio Bénavides hält seinem Chef bei den Ermittlungen den Rücken frei und schnell steht Jacques Dupain im Fokus der Ermittlungen. Er ist Jäger, er ist stolz und wirkt wie ein Mann, der Besitz mit Liebe verwechselt.</p>
<p>Seine Frau Stéphanie ist Lehrerin. Sie wiederum ist attraktiv, sichtbar und für die Männer im Dorf ein Magnet. Morval soll ihr nachgestellt haben. Das schafft für die Ermittler ein bequemes Motiv.</p>
<p>Parallel setzt der Comic auf ein weiteres Thema. Ein Gemälde mit dem Titel SCHWARZE SEEROSEN ist verschollen. Plötzlich ermittelt die Polizei nicht nur in einem Tötungsdelikt, sondern auch in einer Welt aus Sammlerwert und Mythen-Handel. Denn der Ort trägt Monet wie eine Monstranz vor sich her, während hinter den Fassaden Neid und Misstrauen brodeln.</p>
<p>Kommissar Sérénac reagiert darauf nicht nur professionell, sondern persönlich. Genau das wird zur ersten Schwachstelle dieses Albums.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3326" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718.jpg" alt="Innenseite 04 von SCHWARZE SEEROSEN" width="718" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718.jpg 718w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-04_1000X718-600x836.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px" /></p>
<h3>Unterricht mit doppeltem Boden</h3>
<p>Die zweite große Spur führt zu Fanette Morelle. Sie ist elf und malt, als hätte sie schon zu viel gesehen. Der Comic zeigt sie mir als Talent, das nach einem Ausgang aus dieser emotionalen Einöde sucht. Fanette will nicht nur besser werden, sie will weg.</p>
<p>Ein älterer Mann &#8211; ein Amerikaner namens James &#8211; fördert sie. Er nimmt sie ernst und bringt ihr die benötigten, malerischen Techniken bei. Diese Beziehung ist die heikelste im Buch, gerade weil sie so ruhig erzählt wird. Ein Erwachsener formt den Blick eines Kindes. Das kann der Weg zur Rettung sein, aber Missbrauch von Vertrauen. Der Comic balanciert diese Ambivalenz in der Luft, ohne sie konsequent auszuspielen.</p>
<p>Fanette hat außerdem Reibungspunkte zu ihren Gleichaltrigen. Zwei Jungs umkreisen sie wie Motten das Licht. Der Stoff hätte hier viel über frühe Projektionen erzählen können, über Begehren, das sich wie Macht anfühlt, über die Einsamkeit eines Kindes, das als Wunderkind funktioniert jedoch privat verhungert. Stattdessen bleibt Fanette&#8217;s Innenleben oft bei einer kriminaltechnischen Funktion: sie muss Hinweise tragen und die Zeitlinie füttern. Als Figur bleibt sie mir leider zu berechenbar.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3327" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713.jpg" alt="Innenseite 05 von SCHWARZE SEEROSEN" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-05_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Zwischen Ehe und einem Ermittler, der kippt</h3>
<p>Auch Stéphanie Dupain steht zwischen mehreren Männern, aber nicht wirklich zwischen mehreren Entscheidungen. Das Charakterdesign des Comic sieht sie als Sehnsuchtsfigur. Es zeigt auch sie als Frau, die fort will. Gleichzeitig lässt das Szenario offen, woraus genau sie raus will. Aus der Ehe mit Jacques? Aus dem Dorf? Oder doch aus sich selbst?</p>
<p>Diese (impressionistische) Unschärfe kann Kunst sein, hier wirkt sie jedoch wie ein Plot-Hole. Schnell verfällt Sérénac ihr. Er glaubt an ihre Unschuld, will sie retten. Das ist dramaturgisch praktisch, aber psychologisch dünn und ermittlungstaktisch brisant.</p>
<p>Jacques bleibt ebenfalls schmal gezeichnet. Er ist der eifersüchtige Ehemann und &#8211; natürlich &#8211; der potenzielle Täter. Ich hätte gern mehr von seinem Alltag gesehen, mehr vom Ton in der heimischen Küche, mehr davon, wie Kontrolle vielleicht auch in kleinen Sätzen steckt. Stattdessen springt der Comic häufig direkt zu den großen Gesten. Das passt zur Krimi-Maschinerie, schwächt aber eine Beziehung, die als Motiv-Motor dienen soll.</p>
<p>Morval, der Tote, bleibt selbst auch nur ein Auslöser, kein Mensch. Seine Beziehungen sind Spuren, die die Polizei abläuft. Ich verstehe den Ansatz des Toten als Projektionsfläche. Nur verliert die Geschichte damit eine emotionale Achse. Wenn alles nur Hinweis ist, fühlt sich der Mord am Ende wie ein Rätsel an, dass mit einem Schulterzucken zurückgelassen werden kann und nicht wie ein Bruch in einer Lebenslinie.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3328" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718.jpg" alt="Innenseite 06 von SCHWARZE SEEROSEN" width="718" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718.jpg 718w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-06_1000X718-600x836.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px" /></p>
<h3>Wenn Wahrheit die Figuren überrollt</h3>
<p><strong>Spoilerwarnung</strong>: Wer den Comic selbst noch einmal unbefangen lesen will, sollte diesen Abschnitt überspringen. Denn die Konstruktion von SCHWARZE SEEROSEN lebt von einer Auflösung, die rückwirkend vieles neu sortiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Comic arbeitet mit drei Frauenperspektiven und mit Zeitsprüngen. Er lässt Gegenwart, Vergangenheit und eine noch ältere Schicht ineinander laufen. Die Enthüllung verbindet diese Ebenen so, dass aus scheinbar getrennten Biografien ein einziger, langer Lebensbogen wird. Ja, der Effekt sitzt und ich blättere zurück, erkenne nun die gesetzten Details.</p>
<p>Nur entsteht dabei ein Problem. Beziehungen, die zuvor wie konkrete Verbindungen wirken sollten, entpuppen sich nun als Bauteile eines Zauber-Tricks. Dadurch werden sie im Rückblick flacher. Nicht weil die Idee schlecht wäre, sondern weil das Album seine Figuren zu lange als Masken benutzt. Wenn am Ende die Mechanik triumphiert, bleiben echte Bindungen auf der Strecke. Für mich ist das nun wirklich der zentrale Makel des Buches.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3329" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716.jpg" alt="Innenseite 07 von SCHWARZE SEEROSEN" width="716" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716.jpg 716w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716-300x419.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-07_1000X716-600x838.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px" /></p>
<h3>Beziehungen als Herzstück</h3>
<p>Ich sehe in diesem Stoff vier Kernbeziehungen. Keine davon bekommt die Tiefe, die sie bräuchte.</p>
<p>Erstens die Ehe von Stéphanie und Jacques. Der Comic zeigt Eifersucht, zeigt Besitzdenken. Er zeigt aber zu wenig Alltag. Dabei zeigt sich toxische Nähe selten in einem einzigen Ausbruch. Sie zeigt sich in Wiederholungen, in Blicken, die stoppen oder in Fragen, die eigentlich Vorwürfe sind. Dieses emotionale Fundament fehlt mir hier. Dadurch wirkt Jacques oft wie ein Plot-Hebel, nicht wie ein Mann, der aus Angst (ge)handelt (hat).</p>
<p>Zweitens Stéphanie und Sérénac. Hier ist die Schieflage besonders offensichtlich. Ein Ermittler verliebt sich in eine mögliche Verdächtige. Das ist nicht nur unprofessionell, sondern ein Geschenk an jedes Drehbuch, das Abkürzungen braucht. Ich hätte die Versuchung gern stärker gespürt und sehen wollen, was Stéphanie konkret in ihm triggert. Stattdessen passiert seine Wandlung schnell, wie über einen Schalter. Klick, erledigt!</p>
<p>Drittens Fanette und James. Diese Verbindung trägt die poetische Seite des Buches. Sie ist zugleich die gefährlichste. Der Comic deutet Manipulation an, bleibt dann aber doch lieber höflich. Höflichkeit ist hier jedoch das falsche Werkzeug.</p>
<p>Viertens Morval und sein Umfeld. Er sammelt Bilder, er sammelt Körper. Das ist ein starkes Motiv. Nur bleibt es letztendlich bei der Behauptung eines tötungswürdigenCharakters.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3330" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713.jpg" alt="Innenseite 08 von SCHWARZE SEEROSEN" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-08_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Logikfragen</h3>
<p>Ein guter Krimi darf täuschen, sollte dabei aber fair bleiben. Hier liegt mein größtes Unverständnis. Der Comic hält Informationen nicht nur zurück, er modelliert meine Wahrnehmung dabei so, dass sie zeitweise wie eine falsche Tatsache wirkt. Das ist ein Unterschied! In einem Roman kann man mit Erzählerstimmen spielen. Im Comic besitzt jedes Panel eine gewisse Objektivität. Wenn diese im Nachhinein relativiert wird, braucht es besonders saubere Signale.</p>
<p>Dazu kommt die Ermittlungslogik. Sérénac verrennt sich früh. Das kann passieren. Nur wiederholt sich sein Tunnelblick so konsequent, dass er wie ein Pflichtprogramm des Szenarios wirkt. Bénavides, sein Assistent, wirkt dann wie der Reparaturmechaniker, der die Story wieder richtig auf die Schiene setzen muss.</p>
<p>Auch das Kunstmotiv ist nicht immer sauber eingearbeitet. Das verschwundene Bild zieht Aufmerksamkeit auf sich, lenkt aber auch ab. Für mich wirkt es stellenweise wie eine Nebelkerze, welche die Schwächen in der Figurendarstellung kaschieren soll. Das gelingt atmosphärisch, logisch überzeugt es mich nicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3331" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713.jpg" alt="Innenseite 11 von SCHWARZE SEEROSEN" width="713" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713.jpg 713w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-11_1000X713-600x842.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px" /></p>
<h3>Malerei in Panels</h3>
<p>Genug des Gejammer. Schließlich sind da ja noch die Bilder. Didier Cassegrain arbeitet nicht mit einer klassischen Linienästhetik, die Farbe nur ausfüllt. Er malt mit Farbe, baut mit Licht jede einzelne Stimmung. Grün dominiert, Wasser glitzert. Manche Seiten wirken wie feuchte Luft. Das passt, weil Giverny, die Stadt Monet&#8217;s, in dieser Geschichte selbst eine Figur ist.</p>
<p>Seine größte Stärke liegt im Umgang mit Übergängen. Ein Schnitt vom Verhör zur Natur wirkt nicht wie ein Ortswechsel. Er wirkt wie ein Wechsel der Temperatur. Dadurch bekommt die Erzählung eine sinnliche-optische Klammer, die das Szenario alleine nicht schaffen würde.</p>
<p>Gleichzeitig hat dieser Stil eine Nebenwirkung. Er macht fast alles schön. Selbst eine Bedrohung wirkt oft wie ein Gemälde, das man gern länger betrachtet. Für einen Krimi ist das riskant. Der Comic will Noir, liefert dann jedoch häufig opulenten Impressionismus.</p>
<p>Ich sehe auch einen problematischen Blick in der Figurenzeichnung. Stéphanie wird stark über Körper und Pose definiert. Das unterstreicht ihre Rolle als Projektionsfläche. Es reduziert sie aber zugleich. Gerade weil die Geschichte von weiblichen Perspektiven lebt, stört mich diese Optik. Sie wirkt im Kern wie ein Widerspruch. Das Album erzählt von Frauen, die aus (Rollen-)Bildern ausbrechen wollen, zeichnet dann aber eine von ihnen wie ein Bild, das man besitzen möchte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3332" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716.jpg" alt="Innenseite 12 von SCHWARZE SEEROSEN" width="716" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716.jpg 716w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716-300x419.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-12_1000X716-600x838.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 716px) 100vw, 716px" /></p>
<h3>Die dunkle Seite des Kunstpilgerns</h3>
<p>Giverny ist nicht zufällig gewählt. Monet lebte dort jahrzehntelang. Er machte Haus und Garten zu einem kontrollierten Kunstraum. Der berühmte Seerosenteich entstand nicht einfach, er war Gestaltung. Seine monumentalen Seerosenbilder hängen heute unter anderem in der Orangerie in Paris.</p>
<p>Der Comic macht daraus eine moderne Idee: ein Ort wird zur Marke! Eine Marke erzeugt Geld, Geld erzeugt Besitzdenken, Besitzdenken erzeugt Gewalt. Konstruiert ist das plausibel. Besonders, weil Kunst hier nicht nur als Schönheit auftaucht, sondern auch als Status. Morval verkörpert das. Er will Werke, Menschen und Geschichten, die ihn größer erscheinen lassen.</p>
<p>Spannend finde ich auch den Gedanken, dass Tourismus ein Dorf in ein Schaufenster verwandeln kann. Hinter opulent ausgestatteten Schaufenstern verstecken sich immer auch Risse. Man zeigt nicht, wie es riecht, wenn der Lack abblättert. Genau dieses Abblättern ist der stärkste historische Subtext des Albums. Es erzählt nicht direkt über Monet, aber darüber, was Monet aus (s)einem Ort gemacht hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3333" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718.jpg" alt="Innenseite 13 von SCHWARZE SEEROSEN" width="718" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718.jpg 718w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_INNENSEITE-13_1000X718-600x836.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 718px) 100vw, 718px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Ich wollte SCHWARZE SEEROSEN lieben, wirklich. Der Comic hat alles, was ich an solchen Stoffen schätze. Ein klares Setting, ein elegantes Motivnetz und eine Bildsprache, die man so schnell nicht vergisst. Trotzdem bleibe ich kritisch. Der große Twist ist clever &#8211; und er ist bequem.</p>
<p>Als Krimi funktioniert das Album. Ich lese schnell, werde gelenkt und überrascht. Als Drama über Menschen, die sich gegenseitig festhalten und verletzen, bleibt es mir aber zu glatt. Gerade die zentralen Beziehungen wirken eher behauptet als gelebt. Das spüre ich vor der Auflösung, danach spüre ich es noch stärker.</p>
<p>Didier Cassegrain hebt das Buch in eine andere Liga. Seine malerische Erzählweise macht Giverny glaubwürdig. Sie macht das Wasser gefährlich schön. Ohne diese Bilder &#8211; nur mit Zeichnungen wie z.B. aus <a title="VOLLE LEICHENHALLE – Ein Privatdetektiv im freien Fall" href="https://panelwalker.de/2026/02/volle-leichenhalle-ein-privatdetektiv-im-freien-fall/" target="_blank" rel="noopener">VOLLE LEICHENHALLE</a> &#8211; wäre mir die Konstruktion definitiv zu flach.</p>
<p>Unterm Strich sehe ich SCHWARZE SEEROSEN als ein Album, das mich weniger mit seiner Geschichte berührt als mit seinen malerischen Bildern einfängt. Wer Rätsel liebt, bekommt viel. Wer Figuren liebt, bekommt zu wenig. Für ein Werk, das von Blicken handelt, ist das ein bitterer Widerspruch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3324" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721-300x416.jpg" alt="Cover von SCHWARZE SEEROSEN" width="300" height="416" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721-300x416.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721-600x832.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/SCHWARZE-SEEROSEN_COVER_1000X721.jpg 721w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SCHWARZE SEEROSEN</li>
<li>Fred Duval und Didier Cassegrain</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-96219-372-0</li>
<li>Storyline: ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★☆ (minus)</li>
<li>© <a href="https://www.splitter-verlag.de/alben/thriller/ich-bin-ihr-schweigen-5894/" target="_blank" rel="noreferrer noopener nofollow">Splitter Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>In HONEYMOON wird ein ruhiger Urlaub zum Survival-Trip</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 05:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★☆☆]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Gegenwart]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Thriller]]></category>
		<category><![CDATA[Bastien Vivès]]></category>
		<category><![CDATA[Brigitte Findakly]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiber und Leser Verlag]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>URLAUB &#8211; Das Zauberwort für alle stressgeplagten Erdenbürger, die dringend einmal raus wollen. URLAUB ist aber auch diese wunderbare Lüge, die ich mir selbst jedes Jahr gerne erzähle. Koffer packen und alles wird leichter. Der Alltag bleibt daheim, die Termine haben ein Funkloch und die Kinder sind gut untergebracht. Das Paar, das sonst zwischen Arbeit, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>URLAUB &#8211; Das Zauberwort für alle stressgeplagten Erdenbürger, die dringend einmal raus wollen. URLAUB ist aber auch diese wunderbare Lüge, die ich mir selbst jedes Jahr gerne erzähle. Koffer packen und alles wird leichter. Der Alltag bleibt daheim, die Termine haben ein Funkloch und die Kinder sind gut untergebracht. Das Paar, das sonst zwischen Arbeit, Müdigkeit und Familienlogistik pendelt, erinnert sich plötzlich wieder daran, dass es auch ein Paar sein darf.</p>
<p><span id="more-4222"></span></p>
<p>Mit genau dieser Hoffnung beginnt HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX. Sophie und Quentin, ein französisches Paar, wollen auf einer griechischen Insel nichts weiter als Sonne, Meer, Körperkontakt und ein paar Tage ohne Zuständigkeiten. Bastien Vivès, der Szenarist und Zeichner dieses Comics, gönnt ihnen diesen Traum &#8211; zumindest anfangs und dann nur ganz kurz. Bald reicht ein beiläufiges Wiedersehen, ein falscher Schritt auf eine Yacht und aus der kleinen Flucht ins Glück wird ein Reisealbtraum mit sehr viel Salzwasser.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4233" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04.jpg" alt="Innenseite 1 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-04-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>All-Inclusive mit schlechter Vorahnung</h3>
<p>Sophie und Quentin sind wie bereits erwähnt ein französisches Ehepaar mit Kindern, Arbeit und genug Erschöpfung, um einen Urlaub ohne Nachwuchs wie ein Geschenk zu betrachten.</p>
<p>Die ausgesuchte griechische Insel mit ihren Stränden, mediterranem Licht und ein trägem Dahindämmern wirkt zuerst wie ein Versprechen. Vivès braucht nicht lange, um dieses Gefühl zu etablieren. Yep, ich habe sofort verstanden, warum die Beiden dort sind. Sie wollen keine große Reisegeschichte erleben. Die Beiden wollen gerade überhaupt keine Geschichten erleben. Nur ein paar Tage Ruhe am Strand, für sich und ihre Erholung.</p>
<p>Dann taucht Olivier auf, ein Bekannter aus Paris, der eher in die Kategorie &#8222;unerwünschter Zufall&#8220; gehört. Er erkennt Sophie und Quentin am Strand wieder und lädt sie auf (s)eine Yacht ein. Das klingt nach jener Urlaubssituation, bei der die anerzogene Höflichkeit stärker ist als das eigene Bauchgefühl. Der Tag ist schön, niemand hat richtig Lust, aber einfach &#8222;Nein&#8220; zu sagen, braucht Kraft, die die Beiden im Augenblick einfach nicht haben. Also gehen sie mit.</p>
<p>Schon hier arbeitet der Comic mit einem sehr banalen Schrecken. Nicht die Gefahr drängt sich zuerst auf, sondern die soziale Verlegenheit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4234" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05.jpg" alt="Innenseite 2 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-05-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Ein Ausflug, der nicht im Prospekt stand</h3>
<p>Auf der Yacht kippt die Stimmung dann sehr schnell. Olivier ist nicht der souveräne Gastgeber, als der er sich zu Beginn ausgibt. Das Boot gehört ihm nicht, er soll es nur überführen. Dazu kommen Gäste, die weniger nach entspanntem Bordleben aussehen als nach Ärger in teuren Hemden. Sophie und Quentin merken schnell, dass sie in einer Gesellschaft gelandet sind, in der Geld, Drogen und Gewalt ziemlich nah beieinanderliegen.</p>
<p>Vivès erzählt das mit hohem Tempo. Die Seiten bleiben übersichtlich, aber für unsere Protagonisten wird die Lage immer ungemütlicher. Zwischen Small-Talk und Blicken wächst die Ahnung, dass dieses Boot kein Luxusort ist, sondern eine Venus-Falle mit schönem Oberdeck.</p>
<p>Besonders gut funktioniert dabei, dass Sophie und Quentin keine klassischen Abenteurer sind. Sie werden nicht gebraucht, um die Welt zu retten, aber sie stehen im Weg. Genau daraus entsteht die Energie des Bandes.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4235" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06.jpg" alt="Innenseite 3 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-06-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Bordprogramm mit Schmetterling</h3>
<p>Der titelgebende Sphinx ist kein steinerner Wächter, sondern ein Schmetterling mit unheimlicher Wirkung. Er entweicht aus einem rätselhaften Gegenstand und bringt einen Hauch alter Abenteuerstoffe in diesen Drogenkrimi. Auch öffnet er den Comic ein wenig in Richtung Pulp, ohne die Geschichte sofort ins rein Fantastische zu schubsen.</p>
<p>Als die Gewalt zwischen den Gangstern ausbricht, verliert der Urlaub endgültig seine Postkarten-Idylle. Eine wilde Schießerei führt zu Panik an Bord und zu einem Sprung ins Wasser. Die Yacht wird zum explodierender Albtraum. Sophie, Quentin und Olivier treiben plötzlich sowohl im Wasser als auch in einer Lage, die sie nicht verstehen und noch weniger kontrollieren können. Dazu kommt das Meer mit seiner Tiefe und der eingebauten Bedrohung von unten. (Aus genau diesen Gründen hasse ich Wasser. Aber das ist ja nur meine persönliche Meinung!)</p>
<p>Aber gut, das Album ist also ein Comic mit einem eigentümlichen Mix aus Gangsterstück und Taucherabenteuer ohne große psychologische Erklärschleifen. Er wirft seine Figuren hinein und schaut, wie sie schwimmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4236" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07.jpg" alt="Innenseite 4 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-07-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Rückflug offen</h3>
<p>Als Auftakt macht HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX vieles richtig. Der Band erklärt nicht zu viel, legt aber eine einfache, tragfähige Serienidee auf den Tisch: Ein Paar will Urlaub machen und der Urlaub eskaliert &#8211; Zack, zack, zack! Dabei entsteht eine Mischung aus Ehekomödie, Abenteuer und Thriller, die erst einmal altmodisch klingt, aber durch das vorgelegte Tempo frisch bleibt.</p>
<p>Ganz ohne Schwächen ist das natürlich nicht. Die Nebenfiguren bleiben notgedrungen eher Stereotypen als Menschen. Die Gangster sind halt Gangster und Olivier ist vor allem der nervige Auslöser der Katastrophe. Das stört den Lesefluss kaum, aber es nimmt der Bedrohung etwas die Tiefe, auch wenn diese Einfachheit dem Erzähltempo erfreulich zuarbeitet. Ich war gut unterhalten, doch hatte ich selten das Gefühl, dass unter der Oberfläche ein zweiter Boden wartet. Der Band will vor allem eins: loslegen &#8211; und das tut er mit Lust!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4237" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08.jpg" alt="Innenseite 5 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-08-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Der Hintermann</h3>
<p><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bastien_Viv%C3%A8s" target="_blank" rel="nofollow noopener">Bastien Vivès</a>, geboren 1984 in Frankreich, gehört zu den prägenden französischen Comiczeichnern seiner Generation. Er studierte Grafik und Animation an der École des Gobelins und machte früh mit Arbeiten wie <a href="https://reprodukt.com/products/der-geschmack-von-chlor" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER GESCHMACK VON CHLOR</a>, <a href="https://reprodukt.com/products/polina?_pos=1&amp;_sid=8d7cbc83f&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">POLINA</a> und <a href="https://reprodukt.com/products/in-meinen-augen?_pos=1&amp;_sid=3bbc4fbf6&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">IN MEINEN AUGEN</a> auf sich aufmerksam.</p>
<p>Für DER GESCHMACK VON CHLOR erhielt er 2009 in Angoulême den Preis als bester Nachwuchskünstler. Angoulême wiederum spielt eine Rolle in seiner Graphic Novel <a href="https://www.schreiberundleser.de/nachtprogramm/letztes-wochenende-im-januar" target="_blank" rel="nofollow noopener">LETZTES WOCHENENDE IM JANUAR</a>, die u.a. den Kulturbetrieb eines Comic-Festivals augenzwinkernd auf&#8217;s Korn nimmt. Gemeinsam mit Balak und Michaël Sanlaville zeigte er in <a href="https://reprodukt.com/products/lastman-1?_pos=1&amp;_sid=501b6efe5&amp;_ss=r" target="_blank" rel="nofollow noopener">LASTMAN</a> außerdem seine Nähe zu Manga, Serienerzählung und Popkultur. In den vergangenen Jahren arbeitete er auch an neuen <a href="https://cortomaltese.com/de/corto-maltese-schwarzer-ozean-von-vives-und-quenehen/" target="_blank" rel="nofollow noopener">CORTO MALTESE</a>-Alben. HONEYMOON zeigt eine andere Seite seines Werkes, weniger intime Studie, mehr klassisches Abenteuerformat. Vivès erzählt hier mit mehr Druck nach vorn.</p>
<p>Als Zeichner ist Bastien Vivès schwer auf einen Stil festzulegen. Gerade diese künstlerische Vielfalt gehört zu seinem Markenzeichen. Er verbindet reduzierte Körperlichkeit, leise Alltagsbeobachtung, dynamische Action und serielle Pop-Erzählung, ohne in seinen Werken jedes Mal gleich auszusehen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4238" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09.jpg" alt="Innenseite 6 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-09-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Pauschalreise ins Abenteuergenre</h3>
<p>Der Reiz von HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX liegt im Kontrast zwischen Alltag und großem Kino. Sophie und Quentin sind keine makellosen Helden. Sie sind ein Paar, das kurz frei haben möchte und plötzlich in einer Geschichte steckt, die eher nach Abenteuerfilm der Achtziger und Neunziger aussieht. Ich musste sofort an <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0088011/" target="_blank" rel="nofollow noopener">AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN</a> denken oder an die Hitchcock-Idee von unbeteiligten Menschen, die in fremde Schuld hineingezogen werden wie z.B. in <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0053125/?ref_=nv_sr_srsg_0_tt_8_nm_0_in_0_q_north%20by%20northwest" target="_blank" rel="nofollow noopener">DER UNSICHTBARE DRITTE</a>.</p>
<p>Als Serienauftakt ist der Band gut gemacht. Er führt Sophie und Quentin als wiederkehrendes, narratives Zentrum ein, erklärt aber nicht jeden biografischen Schlenker. Die Reihe lebt weniger vom großen Mythos als von einer Formel: Reisen werden zu Fallen, dann werden Urlaubsorte zu Bühnen für Genre-Spielarten.</p>
<p>Spätere Bände führen diese Idee weiter, erst nach <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon/honeymoon-2-coatlicue" target="_blank" rel="nofollow noopener">Südamerika</a> dann nach <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon/honeymoon-3-high-noon" target="_blank" rel="nofollow noopener">Brüssel</a>. Damit verschiebt sich der Ton vom maritimen Abenteuer über Schatzsuche bis zum surrealen Western. Der erste Band erfüllt seine Aufgabe also ziemlich gut, denn er setzt die Hauptdarsteller, das Muster und den Humor.</p>
<p>Der Comic spielt mit meiner Sehnsucht, einmal aus dem Alltag auszubrechen. Dann zeigt er, wie schnell eine Auszeit zur persönlichen Überforderung werden kann. Natürlich ist das überdreht! Trotzdem sitzt darunter eine simple Wahrheit. Urlaub macht nicht automatisch andere Menschen aus uns. Sophie und Quentin nehmen ihre Unsicherheit, ihre Vertrautheit miteinander, ihre eingespielten Rollen und ihre kleinen Reibereien mit an Bord. Und genau das macht sie sympathisch.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4239" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10.jpg" alt="Innenseite 7 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-10-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Schlichte Urlaubsbilder</h3>
<p>Die Zeichnungen sind flach &#8211; im besten Sinn. Vivès modelliert seine Bilder nicht detailliert aus, sondern nutzt eine moderne Art der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ligne_claire" target="_blank" rel="nofollow noopener">Ligne Claire</a>. Er vertraut auf klare Konturen, auf farbige Flächen und auf eine sehr direkte Lesbarkeit. Das passt zu dieser Geschichte, weil die Geschichte selbst dauernd vorwärts will. Zu viele Details würden bremsen, zu viel plastische Tiefe würde dem Ganzen eine Schwere geben, die der leicht überdrehte Abenteuercharakter gar nicht braucht.</p>
<p>Die Räume sind schnell gelesen. Der Strand, die Yacht, das Deck, Wasser und Innenbereiche werden nicht ausgestellt, sondern sind einfach da, Kulissen halt. Ich weiß immer, wo ich bin und wohin die Bewegung läuft. Das ist bei der Action wichtiger, als es auf den ersten Blick klingt. Vivès baut seine Seiten so, dass der Blick ohne Stolpern durch die Panels gleiten kann. Kleine Dialogmomente sitzen knapp. Wenn die Gewalt einsetzt, beschleunigt sich der Rhythmus, ohne unleserlich zu werden.</p>
<p>Brigitte Findakly&#8217;s Farben geben dem Band zusätzlich seine Urlaubstemperatur. Die hellen, warmen Töne am Anfang lassen den Ausflug leicht wirken. Später werden die Farben nicht plötzlich düster, sondern behalten eine gewisse Klarheit. Das macht die Gefahr fast absurder. Der Albtraum findet nicht im finsteren Keller statt, sondern unter Sonne, auf dem Wasser, also in einer Welt, die eigentlich Erholung versprochen hätte. Diese Spannung trägt viel zur Atmosphäre bei.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4240" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11.jpg" alt="Innenseite 8 von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX5" width="724" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11.jpg 724w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11-290x400.jpg 290w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-11-600x829.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 724px) 100vw, 724px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HONEYMOON &#8211; DER KUSS DER SPHINX ist kein tief schürfender Roman über Ehe, Erschöpfung und gemeinsam erlebter Gefahr. Er ist ein schlanker, schneller, sehr gut lesbarer Serienauftakt mit Charme, Tempo und einem ordentlichen Schuss altmodischem Abenteuerkino. Ergo: Ein Werk für einen sommerlichen Nachmittag auf einem Liegestuhl.</p>
<p>Mir gefällt besonders, dass Vivès den Urlaub nicht bloß als Kulisse nimmt. Er macht aus der Sehnsucht nach Ruhe den Zünder für eine interessante Kettenreaktion und findet damit eine schöne, wiederverwertbare Idee. Gut, die Geschichte ist manchmal einfacher, als sie sein müsste und einige Nebenfiguren bleiben schablonenhaft. Auch der Plot selbst wirkt stellenweise wie ein bewusst grob gefalteter Papierflieger &#8211; aber er fliegt nun mal. Und zwar flott!</p>
<p>Als Auftakt zeigt der Band klar, warum Sophie und Quentin als Paar funktionieren. Sie sind keine Superhelden im Ferienmodus. Sie sind zwei Normalos, die endlich einmal frei und Zeit für sich haben wollten und die in die falsche Einladung einwilligen. C&#8217;est la vie!</p>
<p>Wer nach diesem ersten Band neugierig ist, wie sich die Reihe weiterentwickelt, sollte <a href="https://tillmanncourth.de/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Tillmann Courth&#8217;s Besprechungen</a> zu <a href="https://tillmanncourth.de/ferienfahrt-mit-hindernissen-honeymoon-2/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Band 2</a> und <a href="https://tillmanncourth.de/honeymoon-3-fantasiereise-nach-belgien/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Band 3</a> lesen. Sie zeigen schön, wie weit Vivès das Urlaubskonzept später noch getrieben hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4232" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-292x400.jpg" alt="Cover von HONEYMOON - DER KUSS DER SPHINX" width="292" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-292x400.jpg 292w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01-600x823.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/HONEYMOON_01_Innenseite-01.jpg 729w" sizes="auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>HONEYMOON 01 &#8211; DER KUSS DER SPHINX</li>
<li>Bastien Vivès</li>
<li>Hardcover | 48 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span class="value">978-3-96582-201-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★☆☆</li>
<li>Zeichnungen: ★★★☆☆</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★☆☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★☆☆</li>
<li>© <a href="https://www.schreiberundleser.de/honeymoon" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schreiber und Leser Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/07/in-honeymoon-wird-ein-ruhiger-urlaub-zum-survival-trip/">In HONEYMOON wird ein ruhiger Urlaub zum Survival-Trip</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>RUMMELSDORF 4 &#8211; Der Moment, in dem ein Pilz unheimlich wird</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/07/rummelsdorf-4-der-moment-in-dem-ein-pilz-unheimlich-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 05:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Beka]]></category>
		<category><![CDATA[Bertrand Escaich]]></category>
		<category><![CDATA[Carlsen Comics]]></category>
		<category><![CDATA[Caroline Roque]]></category>
		<category><![CDATA[David Etien]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Graf von Rummelsdorf war für mich immer einer dieser wunderbaren Nebenfiguren, die ein ganzes Universum größer machen. Auf der einen Seite ein wenig kauzig, auf der anderen &#8211; auf seine Weise &#8211; ziemlich genial, mit diesem alten frankobelgischen Vertrauen darauf, dass Wissenschaft auch ein Abenteuer sein kann. Und dann kippen Bertrand Escaich und Caroline [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Graf von Rummelsdorf war für mich immer einer dieser wunderbaren Nebenfiguren, die ein ganzes Universum größer machen. Auf der einen Seite ein wenig kauzig, auf der anderen &#8211; auf seine Weise &#8211; ziemlich genial, mit diesem alten frankobelgischen Vertrauen darauf, dass Wissenschaft auch ein Abenteuer sein kann. Und dann kippen Bertrand Escaich und Caroline Roque (Beka) In SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE genau dieses Vertrauen in Zweifel, denn aus dem Pilzforscher wird ein Mann, der vor dem größten Pilz der Moderne gegenüberstehen wird: dem Atompilz.<span id="more-3946"></span></p>
<p>Bereits das Cover ist ein starkes Bild. Es ist sogar so stark, dass Beka und David Etien es nicht auswalzen müssen. Als Leser weiß ich sofort weiß, was auf dem Spiel steht. Der Band erzählt uns seine Geschichte in gewohnt ruhiger Weise, dafür aber mit einem dicken Kloß im Hals. Und das passt sehr gut zu diesem Grafen, der äußerlich noch immer die Haltung wahrt, während er innerlich aber längst nicht mehr so aufrecht steht, wie sein Schnurrbart glauben machen möchte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3948" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000.jpg" alt="Innenseite 3 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-3_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Zwischen Spirou, Krieg und echter Geschichte</h3>
<p>Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert Graf von Rummelsdorf ist in der Welt von SPIROU UND FANTASIO kein Unbekannter &#8211; im Gegenteil. Er gehört zu jenen Figuren, die unter Franquin ihren festen Platz im großen Spirou-Kosmos bekommen haben. Beka und Etien holen ihn in ihrer eigenen Serie aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht. Sie erzählen von einem jüngeren Grafen, der nicht nur Pilze wie Erfahrungen sammelt und ganz nebenbei Erfindungen baut, sondern der auch mit brennenden Fragen durch prägende Episoden des 20. Jahrhunderts stolpert. Oder besser noch, durch sie hindurch muss.</p>
<p>Schon bei <a title="RUMMELSDORF hilft die ENIGMA-Codes zu knacken" href="https://panelwalker.de/2026/04/rummelsdorf-hilft-die-enigma-codes-zu-knacken/" target="_blank" rel="noopener">RUMMELSDORF ENIGMA</a> hat mich an diesem Kreativteam überzeugt, wie selbstverständlich es historische Stoffe mit klassischem Abenteuer verbindet. Der erste Band führte nach Bletchley Park und zur Entschlüsselung der Enigma-Codes. Das zweite Album griff die Kriegsjahre und medizinisch militärische Abgründe auf. Der dritte sprang in die Nachkriegszeit und zur Forschung rund um die Antibabypille. Der aktuelle Band geht nun wieder einen Schritt zurück nach <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Princeton_University" target="_blank" rel="nofollow noopener">Princeton</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Los_Alamos_National_Laboratory" target="_blank" rel="nofollow noopener">Los Alamos</a>, also mitten hinein in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Manhattan-Projekt" target="_blank" rel="nofollow noopener">das Manhattan Projekt</a>.</p>
<h3>Der Atompilz</h3>
<p>Historisch ist das ein heikler Ort. In Los Alamos wurde ab 1943 unter Leitung von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Oppenheimer" target="_blank" rel="nofollow noopener">Julius Robert Oppenheimer</a> an der Atombombe gearbeitet. Die Angst vor einem deutschen Vorsprung in der Kernforschung trieb das Projekt voran. Gleichzeitig wuchs in den USA das Misstrauen gegenüber linken Wissenschaftlern, kommunistischen Sympathisanten und die Angst vor möglicher Spionage.</p>
<p>Dies war keine bloß Paranoia. Die Sowjetunion versuchte tatsächlich, Informationen aus dem Atomprogramm zu gewinnen. Aber daraus entstand auch ein Klima der Verdächtigung, das viele Biografien nachhaltig beschädigte. Genau in diesen Riss setzt der Comic seinen Grafen. Er ist Wissenschaftler, Europäer, Humanist und plötzlich ein kleines Werkzeug in einer sehr großen Maschine.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3949" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000.jpg" alt="Innenseite 4 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-4_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Misstrauen allerorten</h3>
<p>Die Handlung beginnt nicht mit einer Explosion. Sie beginnt leise. RUMMELSDORF ist in Princeton und steht unter Druck, denn das FBI hat ihn eingespannt. Er soll Kollegen beobachten, politische Neigungen melden und besonders auf kommunistische Umtriebe achten. Für den Grafen fühlt sich das falsch an und das nicht nur ein bisschen. Es nagt an ihm. Er spioniert schlecht, weil sein Gewissen besser funktioniert als sein Auftrag.</p>
<p>Und direkt an dieser Stelle habe ich einen Kritikpunkt. In den bisherigen Bänden war der Graf immer ein aufrechter Kämpfer für das Gute mit funktionierendem, moralischem Kompass. Wie &#8211; um Himmels Willen &#8211; hat das FBI diesen Mann dazu gebracht, für das Bureau zu spionieren? Dies wird einfach nicht deutlich.</p>
<h3>Der Mann, der mit einem Geist Tee trinkt</h3>
<p>Dazu kommt Blair MacKenzie, RUMMELSDORF&#8217;s Freundin und großer Liebe seit Band eins, die unter tragischen Umständen verstorben ist. Hier ist sie nicht einfach nur eine Erinnerung, nicht bloß ein romantischer Nachhall aus den vorherigen Bänden. Sie ist als der Verlust anwesend, der den Grafen immer noch umgibt. Rummelsdorf redet mit ihr, als sei sie noch da. An dieser Stelle beginnt seine Verschrobenheit, die von anderen bereits wahrgenommen wird.</p>
<p>Der Comic macht daraus keine billige Gespensternummer. Er zeigt Trauer als Alltag, als Gespräch, als zweite Tasse Tee, die aber niemand trinkt. Oder auch als Frage, die nicht aufhört: Warum blickte <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Orpheus" target="_blank" rel="nofollow noopener">Orpheus in der griechischen Mythologie</a> zurück und konnte seine Eurydike nicht aus dem Totenreich befreien?</p>
<p><a title="Albert Einstein" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein" target="_blank" rel="nofollow noopener">Albert Einstein</a> taucht als ruhender, kluger Pol auf. Er bringt keine Heldengeschichte mit, eher eine Müdigkeit gegenüber der eigenen Zeit. Er ist derjenige, den RUMMELSDORF ausspionieren soll.</p>
<p>Zugleich verschwinden Wissenschaftler aus Princeton. Köpfe werden abgezogen, ohne dass offen gesagt wird, wohin. RUMMELSDORF versteht genug, um beunruhigt zu sein. Und <a title="J. Edgar Hoover" href="https://de.wikipedia.org/wiki/J._Edgar_Hoover" target="_blank" rel="nofollow noopener">J. Edgar Hoover</a> versteht genug, um ihn stärker einzubinden. So landet der Graf dort, wo aus der Theorie in den Köpfen der verschwunden Wissenschaftler endgültig Weltgeschichte werden soll &#8211; in Los Alamos!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3950" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000.jpg" alt="Innenseite 5 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-5_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Los Alamos und die Hölle mit Zugangsausweis</h3>
<p>In Los Alamos schließlich verändert der Band seinen Rhythmus. Princeton wirkt noch wie ein der ruhige Campus mit Freiheiten. Los Alamos hingegen ist ein Lager aus Baracken, Staub, Wachposten und Geheimnissen. Etien zeichnet diesen Ort nicht als reine Kulisse. Ich spüre die Enge trotz der weiten Landschaft. Der Himmel ist groß, aber die Menschen darunter wirken eingesperrt.</p>
<p>RUMMELSDORF begegnet J. Robert Oppenheimer, aber der Band macht diesen nicht zur Hauptattraktion. Das gefällt mir. Oppenheimer ist wichtig, natürlich, doch die Geschichte interessiert sich stärker für den Blick des Grafen und für <a title="Richard Feynman" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Feynman" target="_blank" rel="nofollow noopener">Richard Feynman</a>.</p>
<p>Feynman bringt Bewegung und eine gewisse Anarchie in die Erzählung. Er ist brillant, verspielt, neugierig, manchmal fast zu lebendig für diesen Ort. Mit ihm kommt ein anderer Ton in die Geschichte. Nicht leichter im Sinn von harmloser, eher im Sinn von heller. Und gerade dadurch werden aber die Schatten dunkler.</p>
<p>Beka nutzten die wissenschaftlichen Erklärungen geschickt. Ich hatte nie das Gefühl, eine Unterrichtslektion zu Atomphysik zu bekommen. Und doch lerne ich viel über Kettenreaktionen, Uran-Anreicherungen oder Berechnungen. Wenn hierüber gesprochen wird, bleibt die Szene in Bewegung. Figuren stehen nicht einfach herum, um Wissen abzuladen. Sie denken, zweifeln, scherzen &#8211; und schweigen. Die Bombe entsteht nicht als abstraktes Objekt. Sie entsteht aus Arbeitstischen, Rechengeräten, Wachsamkeit und müden Gesichtern.</p>
<p>Der Comic verrät genug, um die moralische Richtung klarzumachen. Er muss nicht jeden historischen Schritt dezidiert nacherzählen. Ich weiß als Leser, wohin diese Arbeit führt. Gerade deshalb liegt über vielen Szenen eine beklemmende Vorahnung. Die Figuren sind in ihrer Welt noch vor dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf_Hiroshima_und_Nagasaki" target="_blank" rel="nofollow noopener">06. August 1945</a>, ich lese den Comic danach. Und das Besondere: das Rezensionsexemplar liegt an dem Tag in meinem Briefkasten, an dem ich im <a title="Friedensgedächtnismuseum Hiroshima" href="https://hpmmuseum.jp/?lang=ger" target="_blank" rel="nofollow noopener">Friedensgedächtnismuseum Hiroshima</a> vor den Auswirkungen der ersten Bombe gestanden habe. Diese Nähe tut weh.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3951" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000.jpg" alt="Innenseite 6 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-6_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Abenteuer mit Gewissen und sehr schönen Schatten</h3>
<p>RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE ist am stärksten, wenn der Band seine Gegensätze aushält. Er bleibt ein klassisches, frankobelgisches Abenteuer. Ich finde Tempo, pointierte Figuren, Spionage und geheime Anlagen. Zugleich trägt er jedoch eine Trauer in sich, die für diese Reihe inzwischen fast zum inneren Motor geworden ist.</p>
<p>David Etien ist dabei enorm wichtig. Seine Zeichnungen haben diese klare, erzählerische Eleganz, die ich an frankobelgischen Alben liebe. Seine Figuren sind lesbar, seine Räume sauber gebaut. Der Graf muss gar nicht viel sagen. Augen, Schultern, Haltung und Bildausschnitt erzählen genug. Besonders schön finde ich, wie Etien RUMMELSDORF nicht als Karikatur seiner selbst behandelt. Der Schnurrbart bleibt, die Kauzigkeit auch. Doch darunter findet sich ein Mann, der sich selbst kaum noch erträgt.</p>
<p>Die Farben arbeiten unaufdringlich, aber wirksam. Princeton hat kühlere, gedämpfte Töne. Los Alamos bekommt staubige Wärme, die nicht gemütlich wirkt. Wenn das Orange der atomaren Bilder aufblitzt, wirkt es nicht triumphal. Im Gegenteil: es brennt. Das Cover bereitet diesen Eindruck schon vor. Der Graf vor dem atomaren Glühen, die Brille als Spiegel, das Gesicht zur Maske erstarrt. Da ist kein Gewinnerlächeln, da ist ein Blick der versteht, das etwas zu groß geworden ist.</p>
<p>Auch der Seitenrhythmus überzeugt. Etien lässt Gespräche atmen und zieht dann an, wenn Bewegung gebraucht wird. Kleine Panels fangen Blicke und Reaktionen ein. Größere Bilder öffnen die Landschaft oder die historische Wucht. Der Band ist mit 56 Seiten knapp, verdichtet, aber nie hastig.</p>
<h3>Wo es ein wenig knirscht</h3>
<p>Ganz frei von Schwächen ist der Comic nicht. Einige historische Namen rauschen kurz vorbei. Wer mit dem Manhattan Projekt wenig verbindet, wird hier und da eher den Klang großer Geschichte spüren als jede Figur wirklich zu greifen. Auch der Spagat zwischen Abenteuer, Trauerarbeit, Spionage und Wissenschaft ist ehrgeizig. Nicht jede Nebenfigur bekommt den Raum, den sie verdient hätte.</p>
<p>Trotzdem stört mich das weniger, als ich erwartet hätte. Der Band will keine komplette Geschichte der Atombombe erzählen. Er schlägt eine persönliche Bresche durch ein übermächtiges Thema. Dafür ist der persönliche Blick des Grafen genau richtig. Er ist klug genug, um zu verstehen und empfindsam genug, um darunter zu leiden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3952" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000.jpg" alt="Innenseite 7 von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="745" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000.jpg 745w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Innenseite-7_745x1000-600x805.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></p>
<h3>Eine Reihe, die erwachsen bleibt</h3>
<p>Im Kontext der RUMMELSDORF-Reihe wirkt dieser vierte Band wie eine düstere Zuspitzung. RUMMELSDORF ENIGMA hatte noch stärker den Reiz eines klugen Spionageabenteuers. DER PATIENT A ging tiefer in die Kriegsverbrechen und Körperpolitik der Weltkriegszeit. EINE HANDVOLL KOHLENSTOFFATOME öffnete den Blick auf Medizin, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Veränderung. Nun steht die Wissenschaft selbst vor Gericht, ohne dass Beka daraus eine simple Anklage machen.</p>
<p>SPIROU PRÄSENTIERT besitzt mit RUMMELSDORF eine Reihe, die ihre Formel gefunden hat. Eine historische Erfindung, ein berühmter Schauplatz und ein Graf, der mehr erlebt, als ihm guttut. Das könnte mechanisch werden, bleibt aber lebendig, weil die emotionale Linie stimmt und die Autoren ihre Leser ernst nehmen.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4 &#8211; DIE DUNKLEN JAHRE ist ein schöner, trauriger und erstaunlich ernster Abenteuercomic. Beka und David Etien verbinden Spirou-Tradition mit Zeitgeschichte, ohne den Charme der Figur zu opfern.</p>
<p>Der Band hat Witz, aber keinen Leichtsinn. Er hat Tempo, aber keine Flucht vor der Moral. Für mich ist das ein weiteres, starkes Kapitel dieser Reihe. Nicht makellos, aber warm, klug und lange nachglühend. Eine ganz klare Empfehlung.</p>
<p>P.S. Und warum Orpheus in der griechischen Mythologie zurückblickte &#8211; ja, auch diese Frage wird letztendlich beantwortet!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3947" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-300x403.jpg" alt="Cover von RUMMELSDORF 4 DIE DUNKLEN JAHRE" width="300" height="403" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-300x403.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000-600x805.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/05/RUMMELSDORF-4_DIE-DUNKLEN-JAHRE_Cover_745x1000.jpg 745w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SPIROU PRÄSENTIERT 7: RUMMELSDORF 4</li>
<li>Beka und David Etien</li>
<li>Softcover | 56 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3-551-80750-2</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ★★☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.carlsen.de/softcover/spirou-prasentiert-7-rummelsdorf-4/978-3-551-80750-2" target="_blank" rel="nofollow noopener">Carlsen Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>HELLDORADO &#8211; Gleich am Morgen ist die Hölle da</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/helldorado-gleich-am-morgen-ist-die-hoelle-da/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 05:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Frankobelgisch]]></category>
		<category><![CDATA[Historiendrama]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerikanisch]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>
		<category><![CDATA[Epsilon Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Ignacio Noé]]></category>
		<category><![CDATA[Jean David Morvan]]></category>
		<category><![CDATA[Miroslav Dragan]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei HELLDORADO hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass mich dieser Comic nicht freundlich in seine Welt hineinbitten will. Stattdessen packt er mich am Hemd und zerrt mich geradezu in seine Geschichte. Schon die ersten Seiten machen klar, dass hier nichts beschönigt, kein hübsch poliertes Historienabenteuer abgeliefert und keine bequeme Exotik dargeboten wird. Stattdessen finde [&#8230;]</p>
<p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/helldorado-gleich-am-morgen-ist-die-hoelle-da/">HELLDORADO – Gleich am Morgen ist die Hölle da</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei HELLDORADO hatte ich sehr schnell das Gefühl, dass mich dieser Comic nicht freundlich in seine Welt hineinbitten will. Stattdessen packt er mich am Hemd und zerrt mich geradezu in seine Geschichte. Schon die ersten Seiten machen klar, dass hier nichts beschönigt, kein hübsch poliertes Historienabenteuer abgeliefert und keine bequeme Exotik dargeboten wird.</p>
<p><span id="more-3418"></span></p>
<p>Stattdessen finde ich Hitze, Dreck, Angst und Blut und erhalte den Eindruck, dass auf dieser Insel jeder Atemzug schon einer zu viel sein kann. Die deutsche Ausgabe erschien bei Epsilon als 144 Seiten starke Hardcover-Gesamtausgabe und bündelt die ursprünglich in Frankreich einzeln veröffentlichten drei Alben zu einem Band. Und wie sich noch zeigt, ist das gut und richtig so!</p>
<p>Was mich beim Lesen sofort gepackt hat, war diese ruppige Direktheit. HELLDORADO macht keine Umwege. Der Comic lässt die Gewalt nicht geschönt aussehen und das Elend nicht edel. Das ist unkonventionell, manchmal auch anstrengend. Aber genau daraus zieht das Buch seine Wucht.</p>
<p>Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, mitten in etwas zu stecken, das längst außer Kontrolle geraten ist. Nicht nur ein Ort, sondern eine ganze Welt, die innerlich verfault noch bevor sie äußerlich zusammenbricht.</p>
<p>Und doch ist dies kein Comic, der nur auf Schock setzt. Zwischen all dem Grauen gibt es Figuren, an denen ich hängen bleibe. Junge Menschen, die keine Heldenposen brauchen, um interessant zu sein. Gerade das hat mich überzeugt.</p>
<p>Dieses Buch erzählt nicht von den &#8222;großen&#8220; Männern, die Geschichte schreiben. Es erzählt von den einfachen, normalen Menschen, die irgendwie durch diese Geschichte hindurch müssen, obwohl sie keiner gefragt hat, ob sie das auch wollen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3426" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712.jpg" alt="Innenseite 04 von HELLDORADO" width="712" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712.jpg 712w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_01_1000X712-600x843.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></p>
<h3>Eine erfundene Insel mit sehr realem Schmerz</h3>
<p>Die Insel, auf der die Handlung spielt, ist frei erfunden. Auch das Volk der Syyanas ist keine direkte Darstellung einer historisch existierenden Gemeinschaft. So erhalte ich emotional wenigstens ein bisschen Abstand.</p>
<p>Der Comic gibt sich gar nicht erst als exakte Rekonstruktion für etwas aus. Er nimmt Motive aus der frühen kolonialen Expansion Spaniens, aus der Gewalt gegen indigene Gesellschaften und aus der Geschichte eingeschleppter Krankheiten und verdichtet all das zu einer wahrlich düsteren Erzählung.</p>
<p>Veröffentlicht wurde die Reihe in Frankreich zwischen 2006 und 2009 in drei Bänden. 2011 folgte dort auch die Gesamtausgabe. Die deutsche Ausgabe übernimmt genau dieses Format.</p>
<p>Gerade beim Thema Krankheit steht HELLDORADO auf einem historischen Fundament, das leider sehr belastbar ist. Im Zuge des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Columbian_Exchange" target="_blank" rel="nofollow noopener">Columbian Exchange</a> gelangten nach 1492 Krankheiten aus Europa, Asien und Afrika in die Amerikas. In der Karibik waren die Folgen besonders verheerend.</p>
<p>Bis 1600 brachen die indigenen Bevölkerungen auf den meisten Inseln um mehr als 99 Prozent ein. Das lag nicht nur an den Erregern selbst, sondern auch an Krieg, Vertreibung, Zwängen und der körperlichen sowie seelischen Erschöpfung, die koloniale Gewalt grundsätzlich mit sich bringt.</p>
<p>Dazu kommt der koloniale Apparat, der in solchen Geschichten nie bloß Kulisse ist. Das <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Encomienda" target="_blank" rel="nofollow noopener">Encomienda System</a> sollte auf dem Papier die Stellung der indigenen Bevölkerung regeln. In der Praxis wurde daraus jedoch oft eine Form von Ausbeutung und Zwang. Genau diese Mischung aus Mission, Herrschaft, Gier und Gewalt liegt auch über diesem Comic.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3432" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743.jpg" alt="Innenseite 07 von HELLDORADO" width="743" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743.jpg 743w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-300x404.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-111x150.jpg 111w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_07_1000X743-600x808.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 743px) 100vw, 743px" /></p>
<h3>Drei junge Menschen in einer kaputten Welt</h3>
<p>Der Anfang von HELLDORADO ist brutal, sehr wirkungsvoll und kommt über weite Strecken ohne Worte aus.</p>
<p>Ein indigenes Dorf erwacht in der Ruhe des Morgens, nur um kurz darauf von spanischen Konquistadoren ausgelöscht zu werden. Ja, auch Frauen und Kinder, niemand wird geschont.</p>
<p>Dieser Auftakt hat mich nicht nur wegen seiner Härte gepackt, sondern auch wegen der Konsequenz mit der er den Ton setzt. Das Album macht sofort klar, dass hier jede Form von Ordnung nur eine dünne Firnis ist. Darunter lauern Gewalt, Brigantentum, Panik und blankes Überleben.</p>
<p>Aus den Rändern dieses Gemetzels treten zwei junge Männer hervor, Dathcino und Hutatsu. Später kommt mit dem Mädchen Initsii eine weitere Schlüsselfigur hinzu. Die Zukunft dieser Welt aus Feuer und Blut liegt in den Händen von zwei Jugendlichen und einem Mädchen, die vor allem eines miteinander verbindet: die Krankheit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3433" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736.jpg" alt="Innenseite 17 von HELLDORADO" width="736" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736.jpg 736w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-300x408.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_08_1000X736-600x815.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px" /></p>
<h3>Die Seiten der Medaille</h3>
<p>Genau diese narrative Entscheidung gefällt mir. Statt den Blick an Heerführern oder Priestern festzukleben, hält sich das Werk an Figuren, die wenig &#8211; bis gar keine &#8211; Macht haben und deshalb viel erleiden müssen.</p>
<p>Dathcino ist schnell, trotzig und zäh. Hutatsu wirkt vorsichtiger und oft auch verletzlicher. Initsii bringt noch einmal eine andere Perspektive hinein, weil sie zwar aus der Welt der Syyanas kommt und doch nicht einfach in deren starre Ordnung passen will.</p>
<p>Aus diesem Dreieck zieht die Geschichte ihre emotionale Spannung. Ich lese nicht weiter, weil ich wissen will, welcher General gewinnt. Ich lese weiter, weil ich wissen will, ob diese drei durchkommen, ohne innerlich dabei zerstört zu werden.</p>
<p>Spannend ist auch, dass der Comic die Syyanas nicht bloß als makellose Gegenseite zu den Spaniern zeichnet. Natürlich ist die Gewalt der Eroberer klar benannt. Daran lassen die Alben keinen Zweifel. Aber auch innerhalb der indigenen Gesellschaft gibt es Härte, Aberglauben, blutige Rituale und Machtmechanismen, die Menschen zerstören. Hier ist der Band sehr nahe an Mel Gibson&#8217;s Film <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt0472043/?ref_=nv_sr_srsg_3_tt_8_nm_0_in_0_q_apocal" target="_blank" rel="nofollow noopener">Apocalypto</a> (ebenfalls von 2006).</p>
<p>Das ist ein riskanter Aspekt, weil Stoffe dieser Art leicht in falsche Gleichmacherei kippen können. Im vorliegenden Fall fand ich die Herangehensweise jedoch meistens überzeugend, weil das Buch nicht verwischt, wer auf diese Insel gekommen ist, um zu herrschen, zu missionieren &#8211; und zu töten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3434" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733.jpg" alt="Innenseite 19 von HELLDORADO" width="733" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733.jpg 733w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-300x409.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-110x150.jpg 110w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_09_1000X733-600x819.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 733px) 100vw, 733px" /></p>
<h3>Wenn die Seuche um sich greift</h3>
<p>Im weiteren Verlauf der Handlung spreizt sich die Geschichte weiter auf. Die Wege der drei jungen Figuren trennen sich, kreuzen sich wieder und zeigen dieselben Katastrophen, dann jedoch aus unterschiedlichen Blickwinkeln.</p>
<p>Dathcino gerät in die Nähe der Spanier und wird dort zu einem Körper, an dem herumprobiert wird. Hutatsu findet zwischen Angst und Opportunismus echten Überlebenswillen. Initsii wiederum wird zum Zentrum einer verzweifelten Suche nach Rettung, die jedoch immer grausamer wird.</p>
<p>Im dritten Band wird ausdrücklich beschrieben, dass die ganze Insel nun von der Krankheit verwüstet ist, Initsii schwer erkrankt, Dathcino als Versuchskörper dient und Hutatsu in die Hände der Eroberer fällt.</p>
<p>Schön ist anders. Mir hat jedoch daran gefallen, dass der Comic nicht nur größer, sondern auch schmutziger wird. Je weiter er voranschreitet, desto deutlicher zeigt er, wie Seuche und Krieg sich gegenseitig füttern. Niemand handelt hier mehr frei. Alle reagieren nur noch. Herrscher greifen zu Grausamkeit, weil sie ihre Macht verlieren. Religiöser Eifer wird zum Deckmantel für Panik. Medizin kippt in Missbrauch. Und inmitten davon versuchen junge Menschen, sich einen Rest ihrer Würde zu bewahren. Das ist manchmal wirklich schwer auszuhalten. Aber es ist erzählerisch stark, weil der Band nie so tut, als ließe sich diese Welt mit einer sauberen Pointe retten.</p>
<p>Ganz frei von Problemen ist das andererseits nicht. Vor allem im letzten Drittel hatte ich ein paarmal den Eindruck, dass einzelne Entwicklungen etwas zu schnell auf eine mögliche, gute Zukunft zulaufen könnten. Als wolle der Band nach all dem Elend doch noch einen schmalen Ausgang offenhalten. Ich verstehe das. Ich mochte sogar, dass er nicht völlig in Finsternis endet.</p>
<p>Nur spürte ich an manchen Stellen, wie sehr sich die Geschichte dafür umsortieren muss. Der Weg dorthin ist ein wenig kürzer, als diese vorher so unerbittlich gebaute Welt eigentlich nahelegt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3429" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717.jpg" alt="Innenseite 22 von HELLDORADO" width="717" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717.jpg 717w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717-300x418.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_04_1000X717-600x837.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 717px) 100vw, 717px" /></p>
<h3>Kein Abenteuer für bequeme Leser</h3>
<p>Genau darin liegt aber auch die Stärke von HELLDORADO. Dieser Comic will gar nicht gemütlich sein. Er nimmt sich Motive aus dem Abenteuercomic, aber nur, um sie bewusst dreckig zu machen: tropische Inseln, Konquistadoren, indigene Krieger, Fieber, Dschungel, Rituale und Kämpfe ums Überleben.</p>
<p>Das könnte in anderen Händen sehr schnell nach bravem Genre-Programm aussehen. Hier fühlt es sich eher wie ein Fiebertraum an, in dem jede romantische Vorstellung vom exotischen Abenteuer sofort verendet.</p>
<p>Ich mochte besonders, dass das Buch die Geschichte von unten erzählt. Es schaut nicht zuerst auf Eroberer als große Täterfiguren und auch nicht auf Könige als repräsentative Opferfiguren. Stattdessen bleibt es nah an körperlichen Erfahrungen: Hunger und Angst, Hitze und Ausschlag, Wunden und Schweiß. Das ist vielleicht der eigentliche Clou dieses Comics. Er denkt Gewalt nicht als abstraktes Thema, sondern als etwas, das in Muskeln, Haut und Schmerzen steckt. Daum liest er sich so unmittelbar.</p>
<p>Zugleich hat das Buch einen eigentümlich warmen Kern. Das klingt vielleicht seltsam bei so einem Stoff, aber ich meine es ernst. Zwischen all der Grausamkeit interessiert es sich für Bindungen, für spontane Loyalität und für die kleinen Gesten, in denen Menschen einander nicht völlig aufgeben. Gerade dadurch kippt der Band nie in bloßen Zynismus. Er ist hart, aber nicht kalt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3435" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722.jpg" alt="Innenseite 28 von HELLDORADO" width="722" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722.jpg 722w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-300x416.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-108x150.jpg 108w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_10_1000X722-600x831.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></p>
<h3>In einem Rutsch liest es sich am besten</h3>
<p>Als Gesamtband hat HELLDORADO für mich einen echten Vorteil. Die drei ursprünglichen Alben SANTA MALADRIA, ESPERAR LA MUERTE und TODOS ENFERMOS! erschienen wie bereits erwähnt 2006, 2007 und 2009. 2011 wurden sie als Integral zusammengefasst.</p>

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<p>Für mich gewinnt die Geschichte, wenn ich sie nicht in Einzelportionen konsumieren muss, sondern als langen, unruhigen Fluss. Der erste Teil haut mich um, der zweite verästelt das Geschehen und der dritte zieht die Schlinge zu. In einem Band wirkt das alles geschlossener, drängender und auch emotional schärfer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3428" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698.jpg" alt="Innenseite 29 von HELLDORADO" width="698" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698.jpg 698w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-300x430.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-105x150.jpg 105w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_03_1000X698-600x860.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px" /></p>
<h3>Ignacio Noé zeigt keine nette Welt</h3>
<p>Der größte Trumpf dieses Comics ist für mich Ignacio Noé. Ich kannte seine Arbeiten vorher schon, aber hier passt sein Stil besonders gut.</p>
<p>Noé zeichnet &#8211; nein, malt &#8211; Menschen nicht leicht, seine Körper haben Gewicht. Sie stehen nicht wie Figuren auf einer Bühne, sondern wirken, als müssten sie sich durch Luft, Hitze und Dreck hindurch bewegen. Ich spüre die Last der Waffen, den Sog des Schlamms, die Müdigkeit in den Schultern. Das klingt erst einmal nach einem kleinen Detail. Beim Lesen macht es aber enorm viel aus.</p>
<p>Besonders stark ist seine Mimik. Viele Historien-Comics erzählen Emotionen über große Gesten. Noé kann das auch, aber er verlässt sich nicht nur darauf. Ein schiefer Blick, ein verkrampfter Mund, eine zusammengesunkene Haltung reichen oft, damit eine Szene kippt. Dadurch bekommen selbst Figuren, die nicht viel Text haben, ein Eigenleben. Diese Insel ist nicht als Postkarte gezeichnet. Sie ist ein Ort, an dem Menschen sich festkrallen, auf ihr fliehen, auf ihr krank werden &#8211; und sterben.</p>
<p>Auf seiner <a href="https://ignacionoe.com/en/index.php" target="_blank" rel="nofollow noopener">offiziellen Seite</a> beschreibt Noé sich als argentinischen Illustrator und Comiczeichner, der sowohl für Comics als auch für Magazine, Kinderbücher und Literatur gearbeitet hat. Für HELLDORADO ist das wichtig, weil ich hier spüre, wie sicher er zwischen Illustration und Erzählfluss wechseln kann.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3430" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712.jpg" alt="Innenseite 34 von HELLDORADO" width="712" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712.jpg 712w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-300x421.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-107x150.jpg 107w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_05_1000X712-600x843.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 712px) 100vw, 712px" /></p>
<h3>Farben glühen und faulen zugleich</h3>
<p>Weil Ignacio Noé auch die Farben übernommen hat, wirkt der Band wie aus einem Guss. Und das ist hier wirklich entscheidend. Die Farben machen diese Welt nicht schöner, sondern dichter: viel Ocker, viel Rot, schmutzige Grüntöne, schwere Schatten, fahle Haut, verdunkelte Innenräume. Das alles erzeugt einen Druck, der kaum nachlässt. Man hat beim Lesen fast das Gefühl, die Luft selbst sei krank.</p>
<p>Ich fand besonders stark, wie die Farben zwischen Fieber und Erde pendeln. Nichts wirkt frisch. Selbst dort, wo Pflanzen üppig wachsen und der Schauplatz theoretisch paradiesisch sein könnte, liegt immer schon etwas Fauliges darüber. Das gibt dem Comic seine ganz eigene Temperatur. Er sieht heiß und krank aus. Beides zusammen bleibt bei mir hängen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-3431" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703.jpg" alt="Innenseite 36 von HELLDORADO" width="703" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703.jpg 703w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-300x427.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-105x150.jpg 105w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INNENSEITE_06_1000X703-600x853.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 703px) 100vw, 703px" /></p>
<h3>Zwei Autoren mit Lust am Risiko</h3>
<p>Jean David Morvan, Jahrgang 1969, stammt aus Reims, studierte Kunst am Institut Saint Luc in Brüssel und gehört seit Jahren zu den produktivsten frankobelgischen Szenaristen. Größere Bekanntheit erlangte er unter anderem mit <a href="https://www.carlsen.de/reihe/sillage" target="_blank" rel="nofollow noopener">SILLAGE</a> sowie mit <a href="https://www.carlsen.de/comics/spirou-und-fantasio" target="_blank" rel="nofollow noopener">SPIROU UND FANTASIO</a>, das er zusammen mit <a href="https://panelwalker.de/tag/jose-luis-munuera/" target="_blank" rel="noopener">José Luis Munuera</a> prägte.</p>
<p>Für HELLDORADO arbeitete er mit Miroslav Dragan zusammen. Hinter diesem Namen steht Michel Dufranne, ein belgischer Autor und Kritiker, der sich gelegentlich hinter diesem Pseudonym verbirgt.</p>
<h3>Fazit</h3>
<p>HELLDORADO ist kein makelloser Comic. Einige Übergänge im Schlussdrittel hätte ich mir etwas zwingender gewünscht. Auch bekommt nicht jede Figur die Tiefe, die sie verdient hätte.</p>
<p>Aber das ändert wenig daran, dass hier sehr viel gelingt. Vor allem gelingt diesem Band etwas, das ich immer schätze: er bleibt unbequem, ohne eitel zu werden, er ist roh, ohne nur auf Effekthascherei zu setzen. Und er hat Bilder, die nicht romantisierend nach Historie aussehen, sondern nach einer Welt, die gerade vor meinen Augen entgleist.</p>
<p>Ich bewundere diesen Comic nicht, weil er schlau doziert. Ich habe ihn aber gelesen, weil er mich vom ersten Moment reingezogen hat, wegen seiner Hitze, wegen seiner Wucht und wegen seiner drei jungen Figuren, die in all dem Irrsinn ums Überleben kämpfen.</p>
<p>Aus der Beschaulichkeit meines Lesesessels ist HELLDORADO harter Tobak, oh ja! Aber genau deshalb bleibt etwas davon hängen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-3436" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-300x413.jpg" alt="Cover von HELLDORADO" width="300" height="413" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-300x413.jpg 300w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-109x150.jpg 109w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727-600x825.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/03/HELLDORADO_INTEGRAL_COVER_1000X727.jpg 727w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>HELLDORADO</li>
<li>Jean David Morvan, Miroslav Dragan und Ignacio Noé</li>
<li>Hardcover | 144 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN <span data-asw-org-font-size="14">978-3-86693-089-6</span></li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★☆</li>
<li>Humor: ☆☆☆☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.epsilongrafix.de/index.php/unser-shop/helldorado/helldorado-detail" target="_blank" rel="nofollow noopener">Epsilon Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
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			</item>
		<item>
		<title>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW: vom Buch zum Film</title>
		<link>https://panelwalker.de/2026/06/supergirl-woman-of-tomorrow-vom-buch-zum-film/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 05:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[★★★★★]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Movie]]></category>
		<category><![CDATA[One-Shot]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction]]></category>
		<category><![CDATA[Serie]]></category>
		<category><![CDATA[US Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Bilquis Evely]]></category>
		<category><![CDATA[Matheus Lopes]]></category>
		<category><![CDATA[Panini Verlag]]></category>
		<category><![CDATA[Tom King]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Möglicherweise ist er &#8211; wie schon 2014 GUARDIANS OF THE GALAXY &#8211; ein Film, der sein Publikum nicht nur über Bilder sondern auch über seine Musik erreicht. Jimmy Ruffin&#8217;s &#8222;What becomes of the Brokenhearted&#8220; und Blondie&#8217;s &#8222;Call Me&#8220; aus den Trailern könnten hierfür einen starken Hinweis liefern. Am 25. Juni kommt Craig Gillespie&#8217;s SUPERGIRL mit [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Möglicherweise ist er &#8211; wie schon 2014 <a href="https://www.imdb.com/de/title/tt2015381/?ref_=nv_sr_srsg_2_tt_8_nm_0_in_0_q_guardians%20of%20the%20" target="_blank" rel="nofollow noopener">GUARDIANS OF THE GALAXY</a> &#8211; ein Film, der sein Publikum nicht nur über Bilder sondern auch über seine Musik erreicht. Jimmy Ruffin&#8217;s &#8222;What becomes of the Brokenhearted&#8220; und Blondie&#8217;s &#8222;Call Me&#8220; aus den Trailern könnten hierfür einen starken Hinweis liefern.</p>
<p>Am 25. Juni kommt Craig Gillespie&#8217;s <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Q9bBcSe5Qe8" target="_blank" rel="nofollow noopener">SUPERGIRL</a> mit Milly Alcock als Kara Zor-El, Matthias Schoenaerts als Krem und Eve Ridley als Ruthye Marye Knoll in die deutschen Kinos. Das ist ein schöner Moment, um den Comic von Tom King und Bilquis Evely u.a. noch einmal zur Hand zu nehmen.</p>
<p>Nicht als Pflichtlektüre vor dem Film natürlich, sondern eher als Gegenmittel gegen die sehr verbreitete Vorstellung, SUPERGIRL sei einfach Superman mit blondem Haar und einem Rock. Denn mit dieser Ansicht räumt SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW sehr gründlich auf.</p>
<p><span id="more-4177"></span></p>
<p>Tom King, Bilquis Evely und Matheus Lopes erzählen in 8 Ausgaben keine glänzende Geschichte. Sie schicken Kara auf eine Reise durch fremde Welten, in Kneipen unter roten Sonnen, auf staubige Planeten und zu sprechenden Wesen, erzählen von alten Wunden und sehr jungen Rachefantasien.</p>
<p>Ich habe beim ersten Lesen ursprünglich schnell gemerkt, dass dieser Comic nicht daran interessiert ist, SUPERGIRL netter zu machen. Er will sie wahrer erscheinen lassen. Das ist ein Unterschied! Kara ist hier nicht weniger heldenhaft als ihr Cousin. Sie ist jedoch müder, älter im Herzen und deutlich schneller bereit, jemandem die Laune zu verderben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4179" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657.jpg" alt="Innenseite 01 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="657" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657.jpg 657w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657-263x400.jpg 263w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-01_1000X657-600x913.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 657px) 100vw, 657px" /></p>
<h3>Argo City brennt noch immer</h3>
<p>SUPERGIRL erschien als Kara Zor-El 1959 in ACTION COMICS #252. Geschrieben wurde ihr Debüt von Otto Binder, gezeichnet von Al Plastino.</p>
<p>Schon damals war sie mehr als eine bloße Ergänzung der Superman-Familie. Sie kam aus Argo City, einem überlebenden Bruchstück Kryptons. Auch ihr Ursprung war also von Anfang an mit Verlust verbunden. Nur wurde dieser Verlust lange meist verharmlosend geglättet. Kara sollte helfen, lächeln, sich fügen und im Zweifel im Schatten ihres berühmteren Cousins bleiben und verkörperte damit natürlich ein Frauenbild ihrer Zeit.</p>
<p>Tom King greift genau diesen Schatten auf. Seine Kara wurde nicht als Baby auf der Erde von liebevollen Eltern aufgenommen. Sie hat Krypton gekannt und bewusst verloren. Sie hat gesehen, wie ihre Heimat, ihre Familie und ihre Zukunft verschwanden.</p>
<p>Das klingt erst einmal nach einer kleinen Änderung im bekannten Mythos, verändert aber Wesentliches. Superman steht für die Chance, neu anzufangen. Dieses SUPERGIRL jedoch steht für das Weiterleben nach dem Ende.</p>
<p>Die achtteilige Miniserie erschien von Juni 2021 bis Februar 2022 bei DC und liegt inzwischen in mehreren Sammelausgaben vor. Die Deluxe Edition umfasst die komplette Geschichte. DC selbst stellt den Band deutlich als prägende Supergirl-Erzählung heraus und das ist keine Übertreibung, sondern ziemlich treffend.</p>
<p>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW nimmt eine Figur, die oft zwischen Symbol und Nebenrolle eingeklemmt war und gibt ihr eine eigenes, ja &#8211; emanzipatorisches Gewicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4180" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657.jpg" alt="Innenseite 02 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="657" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657.jpg 657w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657-263x400.jpg 263w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-02_1000X657-600x913.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 657px) 100vw, 657px" /></p>
<h3>Krypto beißt nicht nur fürs Merchandising</h3>
<p>Die Geschichte beginnt nicht auf der Erde, sondern direkt draußen im All. Kara feiert ihren Geburtstag auf einem Planeten mit roter Sonne. Dort sind ihre Kräfte gedämpft &#8211; und dort kann sie bis zum Umfallen trinken.</p>
<p>Das ist ein starker Einstieg, weil er die Figur sofort menschlicher macht aber auch verschiebt. Diese SUPERGIRL sitzt zu ihrem Jahrestag nicht auf einem Wolkenkratzer und lächelt in den Sonnenaufgang. Sie hängt in einer Kneipe &#8218;rum und sieht so aus, als habe sie die Nase voll vom ganzen Kosmos.</p>
<p>Dann taucht Ruthye Marye Knoll auf, ein Mädchen, dessen Vater von Krem of the Yellow Hills ermordet wurde. Ruthye sucht keine Rettung. Sie sucht eine Waffe und sie will Kara anheuern, damit Krem stirbt. Kara lehnt das zunächst ab, denn sie gehört zur Superman-Familie und Töten passt nicht zu diesem Erbe.</p>
<p>Doch Krem greift ein, verletzt Krypto mit einem vergifteten Pfeil und stiehlt Kara&#8217;s Raumschiff. Plötzlich ist aus einer Bitte um Rache eine lebenswichtige Verfolgung geworden und aus einer betrunkenen Begegnung ein seltsam kratziges Bündnis zweier, junger Frauen.</p>
<p>Ruthye erzählt die Geschichte in einer Sprache, die bewusst altmodisch klingt. Das wirkt am Anfang sperrig. Ich brauchte ein paar Seiten, bis ich in diesen Ton hineinkam. Danach trägt er sehr viel. Denn Ruthye ist keine neutrale Erzählerin. Sie blickt auf Kara wie auf eine Legende, die vor ihren Augen ständig Dellen bekommt. Genau daraus entsteht jedoch der Reiz dieser Geschichte: Kara ist für Ruthye überlebensgroß, aber nie fehlerlos.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4181" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659.jpg" alt="Innenseite 03 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="659" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659.jpg 659w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-03_1000X659-600x910.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px" /></p>
<h3>Die Phantomzone liegt im Herzen</h3>
<p>Die Reise führt durch fremde Gesellschaften, Gewalt, Armut, Gier und kleine Wunder. King zählt dabei nicht einfach Stationen auf. Er lässt jede Etappe an Ruthye&#8217;s Wunsch nach Vergeltung kratzen. Das Mädchen folgt einer klaren Logik: Krem hat getötet, also muss Krem sterben.</p>
<p>Kara weiß, wie verführerisch dieser Satz ist. Sie weiß es nicht aus Lehrbüchern. Sie kennt die Wut, weil in ihr selbst ein ganzer Planet weiterbrennt.</p>
<p>Der Comic gewinnt viel Kraft daraus, dass Kara nicht als reine, moralische Instanz auftritt. Sie ist nicht die Erwachsene, die einem Kind geduldig erklärt, was richtig ist und was falsch. Sie ist selbst gefährdet, ihre Härte hat Gründe und doch bleibt sie Härte.</p>
<p>SUPERGIRL hilft Ruthye und führt sie zugleich in die Nähe des Abgrunds. Das macht die Beziehung der beiden spannend. Ruthye lernt von Kara, Kara lernt aber ebenso von Ruthye, weil das Mädchen sie zwingt, die eigenen Gewissheiten zu hinterfragen.</p>
<p>Das Finale führt die Rachefrage schließlich nicht billig zu einem Ende. Krem wird gestellt, doch die entscheidende Bewegung liegt nicht im Zuschlagen, sondern im Innehalten.</p>
<p>Dass der Comic später noch einmal in die ferne Zukunft springt, wirkt zuerst wie ein Märchenkniff. Für mich passt der Twist aber trotzdem ins Szenario. Diese Geschichte braucht den langen Atem. Schuld, Zorn und Vergebung verschwinden nicht nach einem Endkampf. Diese Geschichte brauchen Zeit, in diesem Fall sehr viel Zeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4182" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659.jpg" alt="Innenseite 04 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="659" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659.jpg 659w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-04_1000X659-600x910.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px" /></p>
<h3>Im Orbit von Superman</h3>
<p>SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW ist für mich besonders interessant, weil der Band den Superman-Mythos nicht ablehnt, aber sich an ihm reibt. Kara trägt dasselbe Zeichen, aber sie kann es nicht auf dieselbe Weise führen wie Clark. Er wurde auf der Erde angenommen, Kara wurde entwurzelt. Diese Differenz ist der Motor einer komplett anderen  Geschichte.</p>
<p>Damit passt der Comic gut in Tom King&#8217;s stärkere Superheldenarbeiten. King interessiert sich oft für Figuren, die nach außen klar lesbar sind, in denen innerlich jedoch längst Risse stecken.</p>
<p>Bei MISTER MIRACLE, THE VISION oder HUMAN TARGET geht es ebenfalls darum, was Heldentum kostet, wenn Alltag, Trauma und die eigene Rolle nicht mehr sauber zu trennen sind. Bei Kara funktioniert dieser Ansatz besonders gut, weil sie als Figur lange nach einer eigenen, großen Erzählung gesucht hat.</p>
<p>Zum Film &#8211; den ich noch schauen muss &#8211; lässt sich ohne Spekulation nur wenig sagen. Gillespie&#8217;s SUPERGIRL übernimmt die zentralen Namen und die grobe Grundrichtung des Comic. Kara, Ruthye, Krem, Krypto und die interstellare Reise gehören sichtbar zur Verwandtschaft von Comic und Leinwand.</p>
<p>Zugleich steht fest, dass der Film andere Akzente setzt. Lobo &#8211; gespielt von Jason Momoa &#8211; gehört zur Besetzung, spielt im Comic aber keine Rolle. Auch Superman wird im offiziellen Cast geführt. Das deutet auf eine stärkere Verankerung in James Gunn&#8217;s neuem Kino-DC hin, während der Comic gerade durch seine Ferne zur Erde so gut funktioniert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4183" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661.jpg" alt="Innenseite 05 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="661" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661.jpg 661w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661-264x400.jpg 264w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-05_1000X661-600x908.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 661px) 100vw, 661px" /></p>
<h3>Kandor im Sternenstaub</h3>
<p>Bilquis Evely ist das eigentliche Wunder dieses Bandes. Ihre Seiten sind detailreich, aber nie zugestopft. Sie zeichnet Räume, in denen ich gern länger geblieben wäre. Märkte, Landschaften, Raumschiffe und Ruinen bekommen eine eigene Attraktivität. Evely liebt Linien, Ornamente und Stofflichkeit. Gleichzeitig bleibt die Handlung immer lesbar. Ich verliere nie Kara&#8217;s Blick, Ruthye&#8217;s Trotz oder Kremen&#8217;s kalte Selbstsicherheit aus den Augen.</p>
<p>Die Frage, die sich mir bereits auf den ersten Seiten stellt, ist die nach einer grafischen &#8222;Verwandtschaft&#8220; zu Moebius und <a href="https://www.splitter-verlag.de/moebius-collection-arzach-hermetische-garage.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">ARZACH</a>. Ja, in manchen Momenten erinnert Evely&#8217;s Arbeit sehr an diese Lust am fremden Raum, an weite Science-Fiction-Landschaften und an Figuren, die in seltsamen Architekturen fast klein wirken.</p>
<p>Aber Evely ist keine Nachahmerin. Ihr Strich ist wärmer, erzählerischer, stärker an Mimik und Körperhaltung gebunden. Moebius lässt Welten oft schweben, Evely lässt sie atmen.</p>
<p>Besonders schön ist ihr Umgang mit Kara selbst. Dieses SUPERGIRL fliegt natürlich, kämpft natürlich und ist &#8211; natürlich &#8211; mächtig. Doch Evely zeichnet sie am stärksten, wenn sie sitzt, wenn sie schweigt und wenn sie die Schultern hängen lässt oder Ruthye nur von der Seite ansieht. Darin zeigt sich ihr ganzes Können, denn in einem Gesichtsausdruck steckt hier mehr Geschichte als in so mancher Prügelsequenz.</p>
<p>Auch der Seitenrhythmus ist klug angelegt. Große Bilder öffnen den Kosmos, engere Abfolgen holen die Figuren jedoch wieder auf Augenhöhe. Der Comic pendelt so zwischen Sternenoper und Kammerspiel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4184" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653.jpg" alt="Innenseite 10 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="653" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653.jpg 653w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653-261x400.jpg 261w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-10_1000X653-600x919.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px" /></p>
<h3>Gelbe Sonne, rote Wunden</h3>
<p>Schwarz-Weiß würde das Werk vielleicht funktionieren. Matheus Lopes&#8216; Farben geben dem Band aber seine Seele. Diese Farben erzählen mit, wenn ein Ort verheißungsvoll ist und wann er kippt.</p>
<p>Rote Sonnen nehmen Kara ihre Macht und ihre Sicherheit, blaue und violette Räume lassen das All schön und kalt wirken. Warme Ocker- und Goldtöne geben manchen Planeten eine Western-Trockenheit, dass ich den Staub auf der Zunge schmecken kann.</p>
<p>Lopes koloriert nicht einfach spektakulär. Er hält die Zeichnung zusammen. Gerade weil Evely so viel zeichnet, braucht der Band eine Farbdramaturgie, die führt und sortiert. Lopes schafft das. Seine Farben machen den Kosmos groß, ohne die Figuren zu verschlucken.</p>
<p>Krypto wirkt nicht niedlich aufgeklebt, sondern körperlich im Bild. Ruthye bleibt verletzlich, auch wenn sie in knalligen, fremden Umgebungen steht. Kara wiederum bekommt keine einfache Licht-Aura. Sie leuchtet, ja, aber oft leuchtet sie gegen Dunkelheit an.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4185" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652.jpg" alt="Innenseite 11 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="652" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652.jpg 652w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652-261x400.jpg 261w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-11_1000X652-600x920.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 652px) 100vw, 652px" /></p>
<h3>Mit dem Röntgenblick auf die Kreativen</h3>
<p>Tom King, geboren 1978, ist ein US-amerikanischer Autor und ehemaliger CIA-Mitarbeiter. Im Comicbereich wurde er vor allem durch THE VISION für Marvel sowie durch BATMAN, MISTER MIRACLE, STRANGE ADVENTURES, HUMAN TARGET und WONDER WOMAN für DC bekannt (keine Links zu seinen Werken, sucht diesmal selbst).</p>
<p>King schreibt gern über Heldinnen und Helden, die nach außen fest gebaut wirken und innerlich mit Schuld, Angst oder Kriegserfahrung ringen. Seine besten Arbeiten verbinden klare Genreformen mit einem spürbaren Interesse an verletzten Menschen. Bei DC Studios gehört King außerdem zum kreativen Umfeld des neuen DC Universe.</p>
<p>Bilquis Evely ist eine brasilianische Comiczeichnerin aus Barueri im Großraum São Paulo. Sie arbeitete unter anderem an WONDER WOMAN, THE SANDMAN UNIVERSE und THE DREAMING, bevor sie mit Tom King und Matheus Lopes diese SUPERGIRL-Miniserie gestaltete.</p>
<p>Später arbeitete das Team erneut bei <a href="https://www.darkhorse.com/books/3012-872/helen-of-wyndhorn-hc/" target="_blank" rel="nofollow noopener">HELEN OF WYNDHORN</a> zusammen. Dieses Werk wurde 2025 mit vielen Nominierungen bei den Eisner Awards berücksichtigt. <a href="https://www.comic-con.org/de/awards/eisner-awards/past-recipients/past-recipenties-2020s/" target="_blank" rel="nofollow noopener">Evely gewann Best Penciler / Inker</a>. Evely&#8217;s Stärke liegt in fein geführten Linien, ausdrucksvollen Gesichtern und einer seltenen Mischung aus Pracht und Klarheit. Ihre Bilder können märchenhaft wirken, bleiben aber fast immer erzählerisch präzise.</p>
<p>Matheus Lopes, auch als Mat Lopes geführt, ist ein brasilianischer Kolorist. Er arbeitet seit 2012 regelmäßig im US-Comicmarkt und war für Verlage wie DC, Marvel, Image, Skybound, IDW, Dark Horse und Dynamite tätig. Zu seinen Arbeiten zählen neben SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW auch STEP BY BLOODY STEP und HELEN OF WYNDHORN. Lopes gehört zu den Koloristen, deren Arbeit nicht bloß Stimmung ergänzt. Er baut Leseführung, Tiefe und Tempo mit Farbe. In diesem Band ist das entscheidend.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-4186" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651.jpg" alt="Innenseite 12 von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="651" height="1000" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651.jpg 651w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651-260x400.jpg 260w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_INNENSEITE-12_1000X651-600x922.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 651px) 100vw, 651px" /></p>
<h3>Fazit</h3>
<p>Mein Fazit fällt ziemlich klar aus. SUPERGIRL &#8211; WOMAN OF TOMORROW ist einer der seltenen Superheldencomics, die eine bekannte Figur nicht neu in &#8222;in alten Schläuchen&#8220; präsentieren, sondern ganz neu definieren.</p>
<p>Der Band ist manchmal etwas verliebt in Ruthye&#8217;s altertümliche Erzählerstimme &#8211; egal! Einige Passagen könnten einen Hauch knapper sein &#8211; na gut. Doch diese kleinen Einwände ändern wenig am Gesamteindruck.</p>
<p>Tom King findet eine starke Frage: Was wird aus Heldentum, wenn der Schmerz nicht verschwindet? Bilquis Evely und Matheus Lopes finden dafür die Bilder, die lange nachglühen.</p>
<p>Der Comic selbst ist kosmisch, ruppig, schön, traurig und stellenweise erstaunlich zart. Ich habe ihn nicht gelesen, um für den Film vorbereitet zu sein, auch wenn DER Anstoß war, ihn erneut in die Hand zu nehmen.</p>
<p>Am Ende hatte ich das Gefühl, Kara Zor-El als eigene Figur vor mir zu haben. Nicht als Ableitung, nicht als Variante derer aus dem Hause Superman, sondern als eigenständige &#8222;Woman of Tomorrow&#8220;. Eine klare Leseempfehlung.</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignright size-medium wp-image-4178" src="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-260x400.jpg" alt="Cover von SUPERGIRL - WOMAN OF TOMORROW" width="260" height="400" srcset="https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-260x400.jpg 260w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651-600x922.jpg 600w, https://panelwalker.de/wp-content/uploads/2026/06/SUPERGIRL-WOMAN-OF-TOMORROW_COVER_1000X651.jpg 651w" sizes="auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px" /></p>
<ul id="infobox">
<li>SUPERGIRL &#8211; DIE FRAU VON MORGEN</li>
<li>Tom King, Bilquis Evely und Matheus Lopes</li>
<li>Softcover | 228 Seiten | Farbe</li>
<li>ISBN 978-3741629976</li>
<li>Storyline:  ★★★★★</li>
<li>Zeichnungen: ★★★★★</li>
<li>Farben: ★★★★☆</li>
<li>Lettering: ★★★★★</li>
<li>Humor: ★★★☆☆</li>
<li>Meine persönliche <a href="https://panelwalker.de/ueber-mich-und-den-blog/#Bewertung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bewertung</a>: ★★★★★</li>
<li>© <a href="https://www.panini.de/shp_deu_de/supergirl-die-frau-von-morgen-dosmi018-de02.html" target="_blank" rel="nofollow noopener">Panini Verlag</a></li>
<li>Informationen zu den Bildrechten findest Du <a href="https://panelwalker.de/impressum/#Bildrechte" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a></li>
</ul><p>The post <a href="https://panelwalker.de/2026/06/supergirl-woman-of-tomorrow-vom-buch-zum-film/">SUPERGIRL – WOMAN OF TOMORROW: vom Buch zum Film</a> first appeared on <a href="https://panelwalker.de">P A N E L W A L K E R - Ein Comic-Blog</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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