Der heutige Comic ist schon etwas älter, aus dem Jahr 2021 um genau zu sein. Er gehört zu Werken, die ich im Schrank stehen habe und zu denen ich immer wieder gerne zurückkehre, falls ich für den Feierabend nach „leichter“ Lektüre suche.
Im Zentrum von TELEPORTATION INC. steht einer der ältesten Menschheitsträume: Reisen, wohin und wann immer man will, per Knopfdruck, ohne Jetlag oder Tankrabatt. Nur mit ein bisschen Techno-Zauber. Dank der Galactic Teleportation Company (kurz GTC) wird dieses Science-Fiction-Versprechen Realität. In einer weitläufigen Zukunftsgesellschaft, in der diverse Spezies das All zum Wohnzimmer gemacht haben, kontrolliert die GTC mit ihren globalen und interstellaren Regeln, wer sich wohin teleportieren darf. Strenge Vorgaben und Rückkehrtermine sind Pflicht. Wer sich nicht daran hält, wird von Rückholagenten gesucht – und oft gefunden!
Der Comic öffnet mit einem humorvollen wie actionreichen Blick in den Alltag einer dieser Agentinnen, Lubia Thorel. Lubia, die als Beste ihrer Abteilung gilt, kehrt gerade erfolgreich von einem ihrer Einsätze zurück. Kaum angekommen, wartet allerdings auch schon der nächste Fall auf sie. Gleich fünf Teleportierte sind auf dem Planeten Shpar verschwunden.
Der Auftrag klingt nach Stress, vor allem weil die Abgewichenen nicht gerade harmlose Touristen sind. Die Spur führt Lubia zusammen mit ihrem neuen, eher ungewollten Alien-Partner in die Ausläufer einer Verschwörung, an deren Ende mehr auf dem Spiel steht als nur ein paar vermisste Globetrotter.

Weit, weit draußen
Shpar, der Zielplanet, ist eine Mischung aus mondäner Hightech-Welt und dekadentem Treffpunkt für Milliardäre. Hier treffen intergalaktische Snobs und Sicherheitsleute bei einem Hauch Steam-Punk aufeinander.
Lubias Recherchen geraten schnell außer Kontrolle als ungeklärte Phänomene, skrupellose Geschäftemacher und seltsame Mutationen auf der Bildfläche erscheinen. Ihr neuer Partner, ein Duagin mit recht eigenwilligen Eigenschaften (samt Eidechsenschwanz) sorgt für Reibung, Witz und zahlreiche anzügliche Seitenhiebe. Die Buddy-Cop-Dynamik mischt actiongeladene Szenen mit bissigen Dialogen und gelegentlichem Slapstick.
Im Laufe der Ermittlungen geraten beide in einen Sog aus Verschwörung und Sabotage. Es geht längst nicht mehr nur um vermisste Reisende. Die Geschichte offenbart einen größeren Plan, der mit der Entwicklung der Teleportationstechnologie und verschwundenen Planeten zu tun hat.

Komik vs. Technik
Paranoia, Intrigen und eine latent überdrehte Komik ziehen sich durch den Plot. Lubia und ihr Partner müssen sich nicht nur mit ihren Gegnern herumschlagen, sondern werden auch regelmäßig von den Tücken der eigenen Technologie überrascht.
Doch trotz aller Wendungen jagt TELEPORTATION INC. nie ausschließlich dem nächsten dramatischen Cliffhanger hinterher. Stattdessen dominiert eine leichte, oftmals ironische Erzählstimme, die auch Raum für Momente des Scheiterns, der Freundschaft und der gegenseitigen Annäherung lässt. Die Mission, die Handlung, das Setting – all das bleibt am Ende nicht ohne Folgen, weder für die Helden noch für das Universum selbst.

Zwischen Knalleffekt und Kopfnuss
Obwohl TELEPORTATION INC. auf den ersten Blick wie ein temporeiches Sci-Fi-Abenteuer daherkommt, entpuppt sich die Erzählung bei genauerem Hinsehen als erstaunlich vielschichtig.
Sie gibt sich als klassische Buddy-Geschichte: alter Hase (pardon: Häsin) trifft auf Rookie, die härteste Agentin mit Prinzipien auf einen Alien mit sozialer Tollpatschigkeit. Dieser Ansatz verleiht dem Plot eine solide Grundspannung. Die Dynamik zwischen Lubia Thorel und ihrem Duagin-Partner bringt die nötige Würze und sorgt neben Action sowohl für schallendes Gelächter als auch für genügend Gelegenheit zum Augenverdrehen.
Strukturell setzt TELEPORTATION INC. auf eine Mischung aus Krimi- und Verschwörungs-Thriller. Immer wieder improvisiert die Heldin, stellt unkonventionelle Nachforschungen an und legt sich mit Vorgesetzten und Sicherheitsapparaten an. Der Wechsel von humorvoll überdrehten Dialogen zu echten Thriller-Momenten sorgt für einen Rhythmus, der auch auf längeren Strecken das Ganze nie eintönig werden. Handfeste Action, grotesker Slapstick und satirische Seitenhiebe auf Bürokratie und Konzernmacht wechseln sich flott ab.

Tempo und Takt in TELEPORTATION INC.
Ich könnte bemängeln, dass die Handlung gelegentlich fragmentarisch wirkt. Die Handlungsstränge reihen sich manchmal zu hastig und zufällig aneinander. Dadurch droht der Comic, Atmosphäre und Tiefe zugunsten der nächsten Pointe oder Actionszene einzubüßen.
Und doch schafft es dieser Band, mir immer wieder überraschende Wendungen zu liefern, die das Buch vor Vorhersehbarkeit retten. Den dramaturgischen Höhepunkt erreicht TELEPORTATION INC. in seiner zweiten Hälfte. Der rätselhafte Hintergrund der Teleportationstechnologie – mitsamt verschwundener Planeten – wird mit Spannung aufgelöst, ohne sich in zu viele Erklärungen zu verlieren.
Amüsant ist, dass der Comic offen lässt, wie ernst er sich selbst eigentlich nimmt. Zwischen pop-kulturellen Referenzen, kleinen Anspielungen auf Kino (Star Wars lässt grüßen) und einer Prise Steam-Punk wird der Ernst der Lage immer wieder humorvoll unterlaufen. Es bleibt bei dem Versuch, eine Balance zwischen ambitioniertem Sci-Fi-Plot und lockerer Lesbarkeit zu halten.
Wer ein tiefschürfendes Drama sucht, ist hier eindeutig falsch. Wer Spaß an fein dosierter Albernheit bei gleichzeitig hohem Erzähltempo genießt, kommt wie ich auf seine Kosten.

Schräge Typen, starke Agentin
Der Star von TELEPORTATION INC. ist unbestritten Lubia Thorel. Sie gibt der Geschichte nicht nur ein Gesicht, sondern auch einen Tonfall. Als knallharte Rückholagentin ist sie souverän, kämpferisch und scheinbar über jede Erschütterung erhaben. Ihre Dialoge sind pointiert, ihre Methoden bisweilen – nun ja, rabaukig. Gleichzeitig bleibt sie sympathisch, weil sie Fehler macht, sich irrt, lacht und ein weiblicher Grantler ist. Ihr Charakter wird von Stereotypen gelegentlich gestreift, jedoch immer rechtzeitig durch Selbstironie oder subtile Gefühlsmomente gebrochen.
Ihr Alien-Partner, ein Duagin mit außergewöhnlicher Körperausstattung, dient als Kontrastfigur. Seine soziale Unsicherheit, seine wortwörtlichen Ausrutscher und sein Hang zu naivem Staunen über die menschlichen Welten sorgen für Komik. Zugleich wirkt er in den spannenden Momenten als überraschend ernsthafter und loyaler Partner.
Diese buddyhafte Beziehung liefert das emotionale Rückgrat und verhindert, dass der Comic zu einer bloßen Action-Sammlung verkommt.

Zwischen Kick-Ass und Kicherattacke
Die Nebenfiguren bleiben größtenteils Staffage. Sie funktionieren als Karikaturen von Bürokraten, Snobs, Sicherheitsleuten und Tech-Nerds. Das ist nicht immer tiefgründig, sorgt aber für Wiedererkennungswert. Die Antagonistinnen und Antagonisten agieren klischee-bewusst und werden von den Protagonisten meistens mit einem Spruch oder einem Trick ausmanövriert.
Die Figurenentwicklung ist solide, aber nicht bahnbrechend. Ein echtes Durchleben innerer Konflikte bleibt aus, da der Fokus stärker auf Schlagfertigkeit und Teamarbeit liegt. Trotzdem verweile ich bei Lubia und ihrem Kompagnon gerne. Vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht perfekt sind. In Summe funktionieren die Hauptfiguren als Sympathieträger, die sogar Potenzial für weitere Bände hätten.

Zwei Macher, ein Stil
Die kreative Feder hinter TELEPORTATION INC. ist Dominique Latil, ein Autor, der sich durch verschiedene Sci-Fi- und Fantasyreihen einen Namen gemacht hat. In Frankreich schätzt man ihn unter anderem für die Serie MOREA. Latil ist bekannt für seinen Hang zum humorvoll gebrochenen Abenteuer, für pop-kulturelle Referenzen und clevere Genre-Mischungen. Er versteht es, klassische Themen auf die Schippe zu nehmen, ohne ihnen gänzlich ihren Ernst zu rauben.
Auch in TELEPORTATION INC. setzt er auf die bewährte Mischung aus Krimi, Sci-Fi und Buddy-Komödie. Seine Geschichten sind selten wirklich ernst und lassen stets Raum für Ironie.

Wenn Storyboard auf Storytelling trifft
Romain Sordet, erstmals als Hauptzeichner für einen Band dieser Länge verantwortlich, bringt als Storyboarder und Animator frischen Wind in die frankobelgische Comic-Branche. Der ausgebildete Zeichner arbeitet auch als Lehrer für Storyboarding und bringt daher ein ausgeprägtes Gefühl für Bildführung und visuelles Erzählen mit. Sein bisheriger Werdegang führt von animierten Kurzprojekten über Illustrationen bis hin zu seinem Durchbruch mit TELEPORTATION INC., das er sowohl zeichnerisch als auch farblich prägt.
Die Zusammenarbeit der beiden führt zu einer außergewöhnlich harmonischen Verbindung von Text und Bild. Während Latil die Dialoge fliegen lässt, verwandelt Sordet sie gekonnt in mimische Höhepunkte. Die Nähe beider Künstler zur frankobelgischen Tradition ist spürbar, gleichzeitig zeigen sie Mut zu Wagnissen und genüsslicher Überzeichnung.

Knallbunt, cartoonisch und voller Bewegung
Romain Sordets Zeichnungen sind die visuelle Triebfeder von TELEPORTATION INC. Sein Strich bewegt sich sicher nahe am Funny-Stil, erinnert an die großen frankobelgischen Klassiker, verzichtet aber auf sterile Perfektion.
Die Gesichter sind expressiv, die Körper meist karikiert, was der Interaktion zwischen den Figuren ein humorvolles Eigenleben verleiht. Gerade Mimik und Gestik überzeugen auf breiter Linie. Das führt dazu, dass schon reaktive Blicke und kleine Minenwechsel ganze Pointen transportieren können.

Farbspektakel im Funny-Stil
Die Farbgebung ist kräftig und plakativ. Dieses knallbunte Setting betont sowohl den spaßigen Charakter als auch den futuristischen Hintergrund. Besonders gelungen sind die urbanen Szenerien, die einen originellen Spagat zwischen Art-Déco, Steam-Punk und Hightech schaffen. Ob man sich auf dem Luxusplaneten Shpar oder in der trostlosen GTC-Zentrale befindet: Atmosphärische Tiefe wird in dezenten Details und nicht mit Pathos präsentiert.
Anspielungen auf bekannte Filme, Serien und Genres lassen sich schon aus den Panelformen und Bildaufbauten herauslesen. Das Design der Fahrzeuge, Labore und Nebenfiguren strotzt vor liebevollen Zitaten. Gelegentlich wirkt das Worldbuilding ein wenig überfrachtet. Doch es bleibt charmant und voller Entdeckerfreude.
Sordet zeigt Mut zur Eigenständigkeit, ohne sich von der frankobelgischen Historie zu lösen. Wer den Funny-Stil mag, fühlt sich sofort zu Hause. Fans düsterer Hyperrealismen werden dagegen wenig Neues entdecken. Positiv sticht heraus, wie sehr sich Bild und Story gegenseitig verstärken. Was die Handlung ironisch übertreibt, zeigt das Bild meist mit hintersinnigem Zwinkern.

Ein Double mit Potential
Interessant sind die ironischen Seitenhiebe auf Reisewahn, Bürokratie und Großunternehmen. Die GTC als Mischung aus TÜV und SpaceX liefert zahlreiche Subtexte zur Diskussion um Technikgläubigkeit und Überwachung in einer globalisierten Welt. Diese Metaebene lässt sich leicht genießen, ohne in Philosophie oder Gesellschaftskritik abzudriften.
TELEPORTATION INC. ist kein Teil einer längeren Serie, könnte es aber sein. Das Setting und die Figuren bieten Potenzial für Spin-Offs. Bislang bleibt es jedoch bei diesem Doppel-Album.
Fazit
TELEPORTATION INC. ist ein kurzweiliges, pointiert erzähltes Sci-Fi-Comedy-Abenteuer, das gleichermaßen für Neueinsteiger wie erfahrene Comicfans geeignet ist. Für einen Comic zwischendurch ist dieses Werk genau das Richtige.
Dominique Latil und Romain Sordet liefern ein Werk, das bewusst keine große Dramatik, wohl aber jede Menge Tempo, Humor und popkulturellen Esprit präsentiert. Die Buddy-Dynamik überzeugt, der Funny-Stil sorgt für Lesefreude, und das Setting bietet Anregungen für die Fantasie.
Ein episches Meisterwerk will TELEPORTATION INC. nicht sein. Es genügt ihm, klug und witzig zu unterhalten. Wer Spaß an Sci-Fi mit Herz, Witz und einem Augenzwinkern sucht, findet hier einen echten Hingucker für das Regal. Oder halt für den ruhigen Feierabend bei „leichter“ Lektüre …

- TELEPORTATION INC.
- Jordi Lafebre
- Hardcover | 96 Seiten | Farbe | Double
- ISBN 978-3-96792-293-6
- Storyline: ★★★☆☆
- Zeichnungen: ★★★☆☆
- Farben: ★★★☆☆
- Lettering: ★★★☆☆
- Humor: ★★★☆☆
- Meine persönliche Bewertung: ★★★☆☆
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